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info zwei 17 Scham

Gesucht: Helfer/-innen für den Kongress, neue Vorstandsmitglieder Aus den Kommissionen: Berichte 2017 Schwerpunkt-Thema ‹Scham› – mit Helena Hochstrasser, Andreas Becker, Monique Naef, Jürg Schläpfer und Ursula Siedhoff Rezension: Judith Herman – Die Narben der Gewalt Kurse, Termine und Veranstaltungen 2017/2018


Erinnerung

Impressum

Herausgeberin DSGTA, Postfach 3603, 8021 Zürich Redaktionsschluss-Daten info eins 18: 15. März 2018 info zwei 18: 15. September 2018 Erscheinungsdaten 2018 info eins 18: Ende April 2018 info zwei 18: Ende Oktober 2018 Auflage

Es besteht immer wieder Unsicherheit in der Anwendung von Titeln in verschiedenen Ausbildungsstadien der Transak­ tionsanalyse. Laut EATA dürfen folgende Bezeich­ nungen verwendet werden: • nach bestandenem Examen: geprüfte(r) TransaktionsanalytikerIn oder Certifizierte(r) Transaktions­ analytikerIn oder schlicht Trans­ aktions­a nalytikerIn oder ganz korrekt TransaktionsanalytikerIn CTA-P TransaktionsanalytikerIn CTA-C TransaktionsanalytikerIn CTA-E TransaktionsanalytikerIn CTA-O • mit Vertrag:  i n fortgeschrittener Ausbildung in Transaktionsanalyse • mit Bestätigung Praxiskompetenz:  P raxiskompetenz in Transaktions­ analyse, z.B. BudgetberaterIn mit Praxis­k ompetenz in Transaktions­ analyse

900 Exemplare Redaktion Barbara Heimgartner Seenerstrasse 184 8405 Winterthur +41 (0) 77 425 75 86 kontakt@barbaraheimgartner.ch Inserate: Formate und Tarife ¹⁄ ¹ Seite: Breite × Höhe 174 × 2 47 mm Fr. 700.– ½ Seite: Breite × Höhe 174 × 121 mm Fr. 380.– ¼ Seite: Breite × Höhe 85 × 121 mm Fr. 200.– ¹⁄8 Seite: Breite × Höhe 85 × 58 mm Fr. 120.– dritte Umschlagseite Fr. 900.– (4-farbig) Inserate fürs info erscheinen auch auf der Website der DSGTA: www.dsgta.ch Gestaltung Inform GmbH, 9400 Rorschach Druckerei Schmid-Fehr AG, 9403 Goldach Textbeiträge/Inserate: Texte als PDF oder als Word-Datei (.doc, .docx, .rtf, .txt). Achtung: Bei Word-Dateien sind Abweichungen in Darstellung und Schrift nicht auszuschliessen. Bilder und Grafiken bitte zusätzlich als separate Dateien liefern, mit Auflösung für Druck (300 ppi).

Eingesandte Inserate und Kursangebote werden von der Redak­t ionsleiterin bestätigt. Ohne Bestätigung ist davon auszugehen, dass sie diese nicht bekommen hat. Die Redaktionsleiterin Barbara Heimgartner


Inhalt

Editorial Nicole Triponez und Christian Grütter

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Aus dem Vorstand Lust, dich im Vorstand der DSGTA zu engagieren? – Wir suchen dich!

4

Aufgaben Kongress­helfer/-in

4

Aus den Kommissionen Bericht der APK (Ausbildungs- und Prüfungskommission)

5

Bericht der EATA-Delegiertenversammlung BERLIN

6

Information aus der Ethikkommission

7

Organe der SGTA / Who is who September 2017 

8

Schwerpunktthema Fragmente zu Scham mit Blick auf Migration und Integration (Helena Hochstrasser)

9

Scham (Andreas Becker)

13

Scham – Entstehung und Auswirkung in Familie und Schule (Monique Naef)

18

Scham (Jürg Schläpfer)

22

Schämen in der Schule? Schon im Kindergarten! (Ursula Siedhoff)

29

Redaktionelles Rezension: Judith Herman – Die Narben der Gewalt (Jürg Schläpfer)

33

Artikel gesucht fürs info eins 18 und zwei 1834 Impressionen vom Welt-Kongress in Berlin

35

Termine und Veranstaltungen Wichtige Termine für die TA-Agenda

36

101-Kurse – die TA Grundlagenseminare

36

TA Examensvorbereitung

38

Mitglieder Neumitglieder40 Gratulation!40 DSGTA-Vorstand41

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Berner Seminare für Transaktionsanalyse

Zeigen Sie Ihre Kraft

Psychotherapie * Beratung * Coaching * Supervision * Bildung

Leben Sie Ihre Kompetenzen

Auswirkungen von und Umgang mit Trennung, Verlust, Veränderung:

Trauer – Mourning

Bildung Bildung Beratung Beratung Supervision Supervision Coaching Coaching Bildung · Beratung · Mai, Supervision · Coaching 101-Einführungsseminare 101-Einführungsseminare im April, im April, Mai, JuniJuni undund Oktober Oktober

5. Dezember 2017, 15–19 Uhr Veranstaltungsraum / event location: Burgerbibliothek, Münstergasse 63, CH-3011 Bern

weitere weitere Daten Daten für Gruppen für Gruppen auchauch auf auf Anfrage Anfrage Methodenkompetenz Methodenkompetenz Start Start 22. Juni 22. Juni 20122012 101 Einführungsseminare Informationsabend Informationsabend 10. April 10. April 20122012in Transaktionsanalyse

Mit Prof. emeritus Dr. Pauline Boss, USA Denise Weyermann, Körpertherapeutin Integrative Körperarbeit, Erzählerin Angelo Lottaz, Psychotherapeut FSP, Theologe, Autor Ursula Schneiter, Psychotherapeutin FSP Elisabeth Zahnd Legnazzi, Künstlerin / artist Tahmina Tagizade, Journalistin aus Aserbaidschan Bea Schild, eidg. anerkannte Psychotherapeutin, Bera­ terin, Coach

Grundausbildung: Methodenkompetenz 1. Ausbildungsjahr Aufbaumodul zur Praxiskompetenz ITZ Bahnhofstr.156 Bahnhofstr.156 86208620 Wetzikon Wetzikon 2. und 3.ITZ Ausbildungsjahr www.itz-institut.ch www.itz-institut.ch Kompetenzvertiefung in Transaktionsanalyse Dorothea Dorothea Schütt: Schütt: 043043 477 477 53 88 53 88 Daniela Daniela Sonderegger-Dürst: 043und 043 355 355 82 81 82 81 Training fürSonderegger-Dürst: Fortgeschrittene Prüfungsvorbereitung auf CTA-Level Training – Prüfungsvorbereitung – Mock-Examen für CTA- und TSTA-Level

Kurzvorträge / short lectures Podiumsdiskussion, Publikumsfragen / round table, questions from audience, moderiert von Gerlind Martin (Deutsch–English, simultaneous translation available on request)

Tagesseminare für CTAs und PTSTAs

ITZ Bahnhofstrasse 156 8620 Wetzikon www.itz-institut.ch

Supervision Einzelsupervision Gruppensupervision, Lehrersupervision Fortlaufende Ausbildungssupervision Selbsterfahrung Psychosoziale Beratung Selbsterfahrungswoche in Stels

Für beide Veranstaltungen ist Info und Anmeldung: Bea Schild, MSc, TSTA Anmeldeformular unter: www.ta-seminare.ch Auskunft unter: psychologischeberatung@hush.com Telefon +41 (0)79 962 64 61

Daniela Sonderegger-Dürst TSTA-C 043 355 82 81 bildung@itz-institut.ch

Eric Berne Institut Zürich GmbH Institut für Transaktionsanalyse Gesund bleiben – achtsam den Alltag gestalten

SVEB-Zertifikat Kursleiter/in AdA FA-M1

g 6 Abende: 17.1. / 7.2. / 14.3. / 11.4. / 9.5. / 6.6.2018

Franz Liechti-Genge, TSTA-E, Eidg. Fachausweis Ausbilder

Der unbewusste Lebensplan - offenes Skriptseminar

Pop-up TA: Inspiration für die eigene Berufspraxis

Antonia Giacomin, PTSTA-E

Nach 3-jähriger Grundausbildung Kathrin Rutz, PTSTA-O

Tanja Kernland, PTSTA-O auch einzeln buchbar

g 8. – 11. Februar 2018

Ich entdecke Dich in Deiner Geschichte

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14./16. Januar, 19. Februar, 19./20. März 2018

5. Februar, 28. März 2018 abends, einzeln buchbar

Amrei Störmer-Schuppner, TSTA-P

Fortgeschrittenentraining C / E / O

Denken macht Spass

in zwei Gruppen: C/E und O mit Blick in alle drei Felder

g 27./28. April 2018

Dr. Johann Schneider, TSTA-P/O

g 1./2. Juni 2018

Besuchen Sie unsere Homepage www.ebi-zuerich.ch

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Februar bis Dezember 2018

Fortgeschrittenen-Supervision C / E / O 8 x Mittwoch abends

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Januar bis Dezember 2018


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser Alle zwei bis drei Jahre organisiert die DSGTA in der Schweiz einen Kongress. Die meisten von euch waren bereits einmal als Workshop-Anbieter oder als Teilnehmende dabei. Im nächsten März ist es wieder soweit. Der Kongressinhalt wendet sich dem Thema der Professionalität als Transaktionsanalytiker und Transaktionsanalytikerin zu! Die Veranstaltung ist weit mehr als einfach eine grossartige Möglichkeit, sein TA-Wissen à jour zu halten. Es werden wieder zwei Dutzend Workshop-Anbieterinnen und -Anbieter ihr Wissen und ihre Weiterentwicklungen rund um die Transaktionsanalyse präsentieren. Der Kongress ist auch eine wunderbare Gelegenheit, Kontakte zu pflegen und zu knüpfen. Neben den verschiedenen Workshops konnten wir wiederum zwei hochrangige Referenten für das Rahmenprogramm finden: Maja Storch und Hans A. Wüthrich. Während sich Maja Storch mit dem Thema ‹Bauchgefühle› auseinandersetzt und einen Versuch der Synthese ihrer Forschung mit dem Wissen der TA unternimmt, wird sich Hans A. Wüthrich dem Thema der Professionalität in der Führung widmen. Er will in seinem Referat aufzeigen, dass Organisationen an der vorherrschenden Effizienz und Managementprofessionalität zu ersticken drohen.

Nicole Triponez

Christian Grütter

Und für uns ist das Pflegen der Kontakte ganz besonders wichtig: Es wird wieder ein einzigartiger Abend im Hotel Schweizerhof mitten in Luzern organisiert. Durch den grossen Erfolg am letzten Kongress haben wir auf unser bewährtes Konzept mit einem Abend in Bewegung – ohne starre Sitzordnungen – mit gereichten Speisen und mit viel toller Tanzmusik von der Band Why gesetzt. Wir freuen uns, wenn wir euch alle am 17./18. März 2018 begrüs­ sen dürfen – das erste Mal in Luzern. Nicole und Chr ist i a n

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Aus dem Vorstand

Lust, dich im Vorstand der DSGTA zu engagieren? – Wir suchen dich!

Der Vorstand der DSGTA besteht zurzeit aus sechs Mitgliedern und der Präsidentin (siehe auch letzte Seite in diesem Heft). Die verschiedenen Aufgaben teilen wir je nach zeitlichen Ressourcen und Interessen unter uns auf. Auf März 2018 werden wieder Plätze frei in unserem Vorstand. Wenn du Interesse hast bei uns mitzuwirken, melde dich bei der

Das Hallo-Spiel enthält 96 gezeichnete Karten zu TA-Begriffen und -Konzepten. Sie sind so gestaltet, dass sie auch aus­serhalb des TA-Rahmens, z.B. als Seminareinstieg oder in einer Beratung verwendet werden können.

Präsidentin Cornelia Zimmermann (corneliaz@bluewin.ch) oder bei einem der Vorstandsmitglieder. Du bist auch herzlich willkommen, wenn du erst am Anfang deiner TA-Ausbildung stehst. Wir freuen uns darauf, dich in einer Vorstandssitzung kennenzulernen und dir Einblick in unsere Arbeitsweise zu geben.

Aufgaben Kongress­ helfer/-in

Verkaufspreis CHF 45.– Bezugsquelle: www.dsgta.ch/139d441.html Wir sind auf zusätzliche Unterstützung und Hilfe während des Kongresses angewiesen und suchen Kongresshelfer/-innen. Vorab geht es hauptsächlich um: · organisatorische Unterstützung der Workshopanbieter · die Anlauf-und Auskunftsstelle der Besucher/-innen · sowie die Aufgabe des Raumzuweisers der Besucher · den Verkauf am Büchertisch, welcher während des gesamten Kongresses besetzt sein muss

l e i p S o l l a H von bach R Karin eichen

Für die als Helfer-Interessierten können wir aus heutiger Sicht leider das Versprechen nicht abgeben, an den Workshops vollumfänglich teilnehmen zu können! Das ist abhängig von der Anzahl Helfer/-innen und der Art der Aufgaben (welche noch nicht abschlies­send ausgearbeitet und verteilt sind)! Die Kongressgebühren für Helfer/-innen entfallen. Für Anmeldungen und weitere Informationen melden Sie sich bitte beim Organisationskomitee: Christian Grütter, 079 216 08 25, info@christian-gruetter.ch Nicole Triponez, 076 332 34 64, nicole.triponez@loesbar.ch

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Aus den Kommissionen

Die APK (Ausbildungs- und Prüfungskommission) berichtet:

Die Ausbildungspartnerschaft mit dem BSO ist neu ausgehandelt Ein wichtiger Schwerpunkt der SGTA ist, der TA-Ausbildung in der Schweiz vermehrte Bekanntheit und Anerkennung zu verschaffen. Die Vernetzung mit Berufsverbänden, die im Beratungsbereich aktiv sind, steht dabei im Zentrum. Seit einigen Jahren gibt es eine Vereinbarung mit dem BSO (Berufsverband für Coaching, Supervision und Organisationsberatung). Diese beinhaltet, dass nach einem erfolgreich absolvierten TA-Examen in allen vier Feldern mit der einfachen Einsendung des CTA-Zertifikates die Aufnahme als Mitglied des BSO möglich ist. Diese Mitgliedschaft ist verbunden damit, dass der Titel ‹Supervisor/-in BSO› verwendet werden darf.

Während der Verhandlungen hat sich gezeigt, dass sowohl der BSO als auch die SGTA Entgegenkommen zeigen mussten. Der BSO, indem ausnahmsweise nicht wie üblich mit einem Ausbildungsinstitut, sondern mit einem Verband eine Ausbildungspartnerschaft eingegangen und ein Examen anerkannt wird. Das Entgegenkommen der SGTA bedeutet, dass in die Ausbildungspartnerschaft die TA-Examen in den Feldern Beratung und Organisation aufgenommen wurden. Die Geprüften in den Feldern Psychotherapie und Pädagogik/Erwachsenenbildung können auch nach November 2018 Mitglied des BSO werden, allerdings über den aufwendigeren Weg eines ‹Sur-Dossier-Verfahrens›.

Verbände entwickeln sich weiter. Diese Weiterentwicklung hat dazu geführt, dass die Vereinbarung zwischen SGTA und BSO neu verhandelt werden musste. Die APK wurde vom Vorstand der SGTA beauftragt, diese Verhandlungen zu führen.

Ein herzlicher Dank gilt Hanna Eyer und Daniela SondereggerDürst, die sich zusammen mit mir für dieses Anliegen engagiert haben! M aya Ben t ele , TSTA- O/- C

Ein erster Schritt war, dass eine Übergangsregelung vereinbart wurde, die bis November 2018 gilt. Bis dahin ist die ‹alte› Regelung in Kraft. Danach wird neu die erfolgreich ausgehandelte Ausbildungspartnerschaft zwischen dem BSO und der SGTA gültig sein.

Präsidentin APK

cornelia willi

ta

verstehen • entwickeln • verändern

Lehrgang Introvision Coaching Theorie Selbsterfahrung Supervision Daten: 3×2 Tage ab April bis September 2018 Ort: Volkshochschule Solothurn, direkt am Bahnhof Weitere Details: www.cornelia-willi.ch Bildung, Beratung und Supervision 032 623 55 18 • co@cornelia-willi.ch • www.cornelia-willi.ch

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Aus den Kommissionen

Bericht der EATA-Delegiertenversammlung BERLIN 22.–24. Juli 2017

Im Vorfeld zum Weltkongress trafen sich die Delegierten der EATA dieses Jahr wieder in Berlin zu ihrer jährlichen Versammlung. Wie immer wurde die Konferenz vom Präsidenten eröffnet. Krispijn Plettenberg beleuchtete in seinem Jahresbericht drei Aspekte: · Beziehungspflege · Controlling und Betrieb · Strategie und Entwicklung Im Rahmen der Beziehungspflege geht es vor allem um die Kommunikation und den Austausch innerhalb der EATA. Einerseits mit den Mitgliedern, andererseits auch mit den Funktionsträgern, den EATA-Delegierten, den Chairs der Committees sowie den Präsidenten der angeschlossenen Verbände. Im vergangenen Jahr wurden zum Beispiel sogenannte Zoom-Meetings eingeführt, damit die EATA-Delegierten auch während des Jahres in Kontakt bleiben können. Der Betrieb der EATA wird vor allem über die Geschäftsstelle der EATA abgewickelt. Dort ist seit vielen Jahren auf Marianne Rauter Verlass. Ihre Kompetenz trägt viel dazu bei, dass ‹es läuft …›. Robin Hobbes ist in diesem Zusammenhang ebenfalls eine wichtige Person. Sobald es Unterstützung oder Beratung braucht, sei es in ethischen Fragestellungen oder auch weil eine unabhängige Meinung gefragt ist, kann Robin oft hilfreichen Beistand geben. Die Finanzen hat Anna Krieb im Griff. Das Controlling ist inzwischen gut aufgebaut und zeigt, dass die EATA finanziell gut unterwegs ist. Als Non-Profit-Organisation hat die EATA sogar zu viel Geld. Die gros­ sen Reserven, die aktuell vorhanden sind, sollen in den nächsten drei Jahren abge-

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baut und in wichtige Projekte investiert werden. Strategie und Entwicklung ist Aufgabe des Vorstandes der EATA im Rahmen ihrer regelmässigen Treffen. Dazu gehören auch die verschiedenen Arbeitsgruppen, die an ihren Themen tätig sind. Im Zentrum der diesjährigen Versammlung waren die Ergebnisse der Arbeitsgruppe, die an der Weiterentwicklung der EATA gearbeitet hatte. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe präsentierten ihre Gedanken und ihre Vorarbeiten. Zentrale Themen waren die Rolle und die Zusammenarbeit des Vorstandes (Executive Committee), der Chairs der verschiedenen Committees, der Committees, sowie der Delegierten. Eine besondere Fragestellung darin war die Rolle des Präsidenten bzw. welche Anforderungen eine Person erfüllen muss/soll, die dieses Amt innehat. Die anwesenden Delegierten diskutierten diese Fragen intensiv und entwickelten die Gedanken der Arbeitsgruppe weiter. Aufgrund der Ergebnisse dieser Diskussion wird sich nun die Arbeitsgruppe weiter mit der Thematik beschäftigen. In Genf wurde von Sari van Poelje die Idee für eine Literatur-Datenbank vorgestellt. Das Vorprojekt ist inzwischen abgeschlossen. Es zeigte sich, dass die Umsetzung der Idee zu aufwendig wäre. Daher wurde entschieden, dieses Projekt nicht weiterzuverfolgen.

Im Anschluss an ein Treffen der Präsidenten der Verbände in Krakau wurde vorgeschlagen, dass diese Treffen jährlich stattfinden sollen. Es gab eine intensive Diskussion zu diesem Vorschlag, der zu keiner Entscheidung führte. Die Fragen waren: Braucht es noch ein weiteres Gremium? Welches sind die Ziele und Inhalte solcher Treffen? Es braucht noch weitere Diskussionen und Klärungen dazu. Nächstes Jahr wird es in London ein weiteres informelles Treffen der Präsidenten geben. Im Austausch mit der ITAA und den Präsidenten der europäischen Verbände ergab sich eine neue Thematik. Zunehmend wird sichtbar, dass die Länge der TA-Ausbildungen sowie deren Anerkennung in verschiedenen Ländern diskutiert werden. Es gilt gemeinsam herauszufinden, wie eine gute Balance zwischen dem hohen Ausbildungsstandard und der Ausbildungsdauer gefunden werden kann. Neben den erwähnten Diskussionen im Plenum haben die Delegierten wie immer auch in den verschiedenen Committees gearbeitet. Hier ein kurzer Abriss über die wichtigsten Ergebnisse daraus: Das Communications Committee (CC) beschäftigt sich mit der Aktualisierung der Webseite und wird neu auch Facebook für die EATA lancieren. Ebenso ist es dabei, Instrumente zu entwickeln, mit denen die Committees kommunizieren können. Das TA Theory Development and Research Committee (TDRC) hat die Kriterien überarbeitet, die angewendet werden, wenn jemand Unterstützung für ein Projekt beantragt. Hier geht es vor allem darum, dass mehr Projekte Unterstützung erhalten können. Ausserdem organisiert dieses


Aus den Kommissionen

Information aus der Ethikkommission

Committee den nächsten Kongress ‹Theory Development and Research Conference› in London vom nächsten Jahr: 5.–6. Juli 2018. Im Professional Training Standards Committee (PTSC) gab es einen Wechsel beim Chair. Elyane Alleysson übergab nach vier intensiven Jahren in dieser Funktion ihre Aufgaben an Eva Sylvie Rossi. Wichtige Informationen gab auch die neue Editorin des Newsletters, Kristina Brajovic. Sie hat das Ziel, dem Newsletter mehr Gewicht zu verleihen, und wird dazu ein Redesign machen. Ausserdem möchte sie vermehrt mit den Newslettern der Verbände kooperieren.

Die Ethikkommission setzt sich seit 1. September 2017 neu zusammen: Madeleine Laugeri, TSTA-O aus Nyon und Catherine Jaeger Both, CTA-P aus Lausanne sind zur Ethikkommission gestossen. Sie ersetzen die zurückgetretenen Mitglieder Isabelle Maeder, CTA-P und Martine Dubois, CTA-P, die seit 2011 aktiv in der Kommission mitgearbeitet haben. Ganz herzlich danke ich den beiden abtretenden Kolleginnen für das stets angenehme, anregende und professionelle Engagement und für die aktive Beteiligung an der Suche für eine geeignete Nachfolge. Gleichzeitig freue ich mich, dass alle vier Felder und beide Sprachregionen in der Kommission vertreten sind. Die Kommission trifft sich zum ersten Mal in dieser Zusammensetzung am 24. November 2017 in Solothurn. Für die Ethikkommission:

Am Ende der drei Tage gab es dieses Jahr keine Wahlen. Die Delegierten verlängerten die Amtsdauer des Präsidenten um ein Jahr, daher wird der nächste Präsidentelect erst nächstes Jahr gewählt. Diese Entscheidung wurde gefällt, um die Kontinuität zu gewährleisten.

Cor neli a Willi Präsidentin

Wie immer waren es intensive Tage mit vielen Diskussionen und anregenden Begegnungen über die Ländergrenzen hinweg! Und ich freue mich bereits auf die nächste Versammlung in London 2018. August 2017

M aya Ben t ele TSTA-O/-C (in Abstimmung mit Sylvie Monin) maya@bentele.ch

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Organe der SGTA

Who is who September 2017

Schweizerische Gesellschaft für Transaktionsanalyse

Franz LIECHTI-GENGE Präsident SGTA

Valérie CIONCA Präsidentin ASAT-SR

Cornelia ZIMMERMANN Präsidentin DSGTA

Adressen der Präsidenten/Präsidentinnen Franz LIECHTI-GENGE

Präsident SGTA

Valérie CIONCA

Präsidentin ASAT-SR O

E

Rue du Quartier 12

2882 Saint-Ursanne

f.liechti-genge@ebi-zuerich.ch

032 461 33 48

Route de l‘Abbaye 30

1168 Villars

valeriecionca@yahoo.fr

078 726 59 49

Cornelia ZIMMERMANN

Präsidentin DSGTA

C

Bergstrasse 50a

8712 Stäfa

corneliaz@bluewin.ch

079 515 35 00

Cornelia WILLI

Präsidentin EK

E

Türmlihausstrasse 16

4500 Solothurn

co@cornelia-willi.ch

032 623 55 18

Bruno DE RAEMY

Präsident FG-P

P

La Place 2

Maya Bentele

Präsidentin APK/CFE O+C Dolderstrasse 24

1274 Grens

psychotherapie@asat-sr.ch

022 990 22 33

8032 Zürich

maya@bentele.ch

044 253 23 36

Kommissionen Vorstand SGTA

Mitgliedervertretung

Ethikkommission

Franz LIECHTI-GENGE

E

Präsident SGTA

Madeleine LAUGERI

O

ASAT-SR

Cornelia WILLI

E

Präsidentin

Valérie CIONCA

O

Präsidentin ASAT-SR

Daniel GERBER

DSGTA

Madeleine LAUGERI

O

Mitglied

Cornelia ZIMMERMANN

C

Präsidentin DSGTA

Catherine JAEGER BOTH

P

Mitglied

Dorothea SCHÜTT SCHLATTER C

Mitglied

Bibliothek / info / Métamorphose Vorstand ASAT-SR

E

Bibliothek

Valérie CIONCA

O

Präsidentin ASAT-SR

Barbara HEIMGARTNER

C

Redaktion info

Liliana DEBROT

C

Vize-Präsidentin PR/Öffentlichkeitsarbeit

Nadia BAUMANN

E

Métamorphose

Ariane LECUIT PEREZ GARCIA P

Administration

Nadia BAUMANN

E

Métamorphose

Myriam EGLI

C

Christian PROGIN

C

Mitgliederbetreuung

Marie-Paule BODER

C

PR/Öffentlichkeitsarbeit

Nicole CAVIN

Kassierin

Vorstand DSGTA

Laurence RAVY

FG Psychotherapie Bruno DE RAEMY

P

Präsident

Anne HOWALD BALZ

P

Administration

Administration / Übersetzungen Tanya DIETHELM

Kassier SGTA/DSGTA

Brigitte COTTENS

Übersetzungen

IP-SGTA / IP-ASAT Maya MÄDER

P

Co-Präsidentin

Mireille BINET

P

Co-Präsidentin

Delegierte EATA Sylvie MONIN

C

Maya BENTELE

O/C Delegierte EATA

Charta

Delegierte EATA

P

Co-Präsidentin

Mireille BINET

P

Co-Präsidentin

Cornelia ZIMMERMANN

C

Maya BENTELE

O/C EATA-Delegierte

Hanna EYER

C

Aktuarin, DSGTA-Tag

Maya BENTELE

Barbara HEIMGARTNER

C

Mitgliederbetreuung und Redaktion info

Daniela SONDEREGGER-DÜRST C

Mitglied

Estelle JAQUES

C

Delegierte

Kathrin RUTZ

O

PR/Öffentlichkeitsarbeit

Patricia ROBERTS

P

Mitglied

Irène KAUFMANN

C

Delegierte SGfB

Michael KERCHER

O

Finanzen

Irène KAUFMANN

C

Mitglied

Tanja KERNLAND

O

Arnaud SAINT GIRONS

E

Mitglied

Tanya DIETHELM

Änderungen bitte melden an: dsgta@dmf.ch

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Präsidentin

Maya MÄDER

Kassier/Administration

APK FG Beratung

O/C Präsidentin


Schwerpunktthema

Fragmente zu Scham mit Blick auf Migration und Integration

Eine Diskussion über ‹Migration› umfasst rasch verschiedenste Lebensbereiche und aktiviert unerwartete Gefühle. Wer redet in diesem Kontext von Scham? Scham bei wem? Wofür? Wann? Etwa für das Wissen um unmenschliche Strapazen und unvorstellbare Willkür, denen Flüchtlinge zurzeit in allen Teilen der Welt ausgesetzt sind. Oder für Gefühle der eigenen Ohnmacht angesichts der stattfindenden Völkerwanderungen? Auf den nächsten Seiten beleuchte ich Situationen von Immigranten und verbinde sie mit TA-Konzepten. Der Refrain aus dem Migranten-Choral von Ernst Mehring1 (Emigrant im zweiten Weltkrieg) dient als Einstimmung: Die ganze Heimat, und das bisschen Vaterland, die trägt der Emigrant, von Mensch zu Mensch – von Ort zu Ort, an seinen Sohl´n, in einem Sacktuch mit sich fort. Was trägt der Emigrant an seinen Sohlen, in seinem Sacktuch von Ort zu Ort, von Land zu Land? Was trage ich an meinen Sohlen, in meinem Sacktuch? Darüber nachzudenken lohnt sich für mich stets neu. Die Zusammenarbeit und Auseinandersetzung mit Migranten zeigt mir die Bedeutung des Bezugsrahmens (BR) in einer Tiefendimension auf, welche ich während der Grundausbildung nie erahnt habe. Heimat umfasst alles, was einen Menschen von Anbeginn seiner frühesten Existenz geprägt hat. Dazu gehört auch

das entscheidende ‹Stäubchen› an den Sohlen, worüber niemand spricht, welches – je nachdem – Integration fördernd oder hindernd wirken kann: Scham. Wie ergeht es Menschen aus anderen Kulturkreisen, aus anderen Erdteilen, die hier eine neue Heimat suchen, und welche ihr Fremdsein nie verleugnen können? Zuunterst im Sacktuch versteckt, kaum (er)tragbar, lauern Erinnerungen an entwürdigende (Gewalt-)Erlebnisse auf der Flucht 2/ 3. Eine andere, Integration erschwerende Schambelastung kann Asylsuchende in grosse Not bringen; unausgesprochen kommt sie im Sacktuch aus der Heimat mit. Sie bleibt im Alltag beinahe unbeachtet. Es ist der Erwartungsdruck ihrer zurückgelassenen Familien oder der existentielle Druck unter dem zurückgelassene Familien stehen, wenn sie Geld für die Flucht ihres Sohnes oder ihrer Tochter in einem gewissen Zeitraum zurück zahlen müssen. Beeindruckend weisen das Buch ‹Das geträumte Land› 4 sowie der Film ‹Neuland› 5 auf diese Zusammenhänge und deren Auswirkungen hin. Alltägliche Rituale und Gepflogenheiten im Immigrationsland sind im Herkunftsland, in der Heimat, schambehaftet. Migranten geraten in Gewissenskonflikte. In vielen Ländern schauen sich die Menschen bei der Begrüssung nicht in die Augen. Das ist unanständig. Hier in der Schweiz, im Immigrationsland, gilt als unanständig, wenn mir das Gegenüber nicht in die Augen schaut. Ich erinnere an die Geschichte mit dem Begrüssungsritual des Handgebens an einer Schule. Geht es um Machtdemonstration oder um Schamvermeidung? Gegensätzliche Bezugsrahmen treffen aufeinander. Beide Seiten sind herausgefordert.

Helena Hochstrasser Transaktionsanalytikerin CTA-C weitergehen@bluewin.ch

Niklaus Stark, Peter Riesterer, Porzio Verlag E mmanuel Mbolela, ‹Mein Weg aus dem Kongo nach Europa›, ISBN 978-3-85476-456-4 3 D RS 2, Sendung ‹Kontext› vom 9.5.2017: ‹Der bange Blick auf die zentrale Mittelmeerroute› 4 I mbolo Mbue, ‹Das geträumte Land› 5 A nna Thommen, Neuland, FAMA FILM AG 1 2

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Schwerpunktthema

Wann sind Sie das letzte Mal in ein Fettnäpfchen getreten? So wie mein Kollege, der im Ausland bei einer befreundeten Familie seines Cousins zum ersten Mal im Leben türkischen Kaffee serviert bekam. Weil er gut erzogen war, bemühte er sich auch den Kaffeesatz noch zu trinken, bis ihm sein Begleiter zuflüsterte: ‹Den kannst du lassen.› Vielleicht spüren Sie allein beim Lesen schon innerliches Erröten. Wenn wir uns schämen, reagieren wir körperlich. Wir würden am liebsten verschwinden, die Tarnkappe aufsetzen und uns unsichtbar machen. Wir tun alles, um Situationen zu vermeiden, in denen wir Scham erleben könnten. Scham als ‹nicht okay› oder ‹daneben-sein› fühlen wir, wenn wir uns nicht der Norm gemäss verhalten. (Im Miniskript 2. Position, wenn wir unserem Primärantreiber nicht genügen – im selben Augenblick finden wir uns total verärgert über das Gegenüber in der 3. Position, oder gar in der 4. Position bei der Verzweiflung wieder.) Obige Beispiele zeigen Anpassungsscham. Stephan Marks unterscheidet in seinem Buch ‹Scham, die tabuisierte Emotion› 6 verschiedene Ausprägungen von Scham: Anpassungsscham, Gruppenscham, empathische Scham, Schamhaftigkeit/Intimitätsscham, traumatische Scham, Gewissensscham. ‹Scham ist so etwas wie das Aschenputtel unter den Gefühlen. Über Scham redet man nicht; man zeigt sie auch nicht, sondern verbirgt sie, hält sie geheim. Scham ist selbst zu etwas geworden, dessen sich viele Menschen schämen.› 7 Ich richte in diesen Betrachtungen den Fokus auf die Anpassungsscham. ‹Anpassungsscham bezieht sich auf die eigene Person. Man entspricht nicht den herrschenden

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Normen und Erwartungen. Das kann sich auf Aussehen oder persönliche Fähigkeiten und Eigenarten beziehen›.8 Die Konzepte von Bezugsrahmen und Grundhaltungen erlebe ich dabei als selbstverständlich. ‹Dazugehören›, ‹sich OK-Fühlen› ist für jeden Menschen bedeutend. In der eigenen Erfahrung bestätigt zu werden, gehört zu den acht Beziehungsbedürfnissen von Erskine. ‹Jede Familie, jede Gruppe oder Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass ihre Normen von seinen Mitgliedern mitgetragen werden. Das Erlernen dieser Normen ist mit natürlichen Anpassungs-Schamgefühlen verbunden›.9 Menschen mit dunkler Haut, anderer Sprache, anderem Temperament, anderen kulturellen Gepflogenheiten werden sich in unserem Land kaum restlos zugehörig fühlen, auch ihre Kinder und Kindeskinder nicht. Menschen mit heller Haut haben es auf den ersten Blick leichter. Sobald sie jedoch zu sprechen beginnen, outen sie sich als ‹Ausländer›. Sie sind Fremde. Die meisten bemühen sich um Anpassung. Nur ja nicht auffallen und sich im Aussen den Gepflogenheiten des Gastlandes anpassen – oder erst recht auffallen! Was bringt sie dazu? Agitation lässt schmerzliche Gefühle von ‹Fremdsein, Nichtdazugehören› weniger aufkommen. Bei einer Frau aus Afrika, welche ich seit Jahren begleite, ist ‹Scham› immer wieder ein Thema. Sie war Analphabetin. Der Schulbesuch war ihr als einzigem Mädchen einer Grossfamilie verwehrt. In ihrer Heimat gehörte es zur Norm (BR), dass sie ihrer Mutter half, im Haushalt und mit dem Vieh. Schulbesuch war Männersache. Nun ist sie in der Schweiz. Sie hat Deutsch über das Gehör gelernt. Ihr starker Akzent ist gewöhnungsbedürftig. Sie erzählt: ‹Ich schäme mich, dass ich nicht schreiben und lesen kann. Es ist so. Ich

sage es den Leuten: Ich kann nicht lesen und nicht schreiben. Ich brauche Hilfe.› Dann seien die Menschen meistens nett und helfen. Sie steht zu ihren Grenzen und bleibt dadurch in ihrer Kraft und in ihrer Autonomie. Die Frau hat Scham als Antrieb genützt und hat in ihrer Lebensmitte, trotz unüberwindbar scheinender Hürden, den Alphabetisierungsprozess noch geschafft. In ihrer persönlichen Entwicklung ist das ein Quantensprung. TA redet von Bezugsrahmenerweiterung. Beim Einkaufen, bei Ämtern, bei der Arbeit wird sie selten auf Anhieb verstanden. Die Frau, traditionell gekleidet, erlebt an Schaltern alle Reaktionsarten von respektvoll bis gehässig und vorwurfsvoll. Schwingt bei ihrem jeweiligen Gegenüber womöglich Scham unbewusst mit, wenn die Klientin nicht unmittelbar verstanden wird? Dieses Nicht-verstanden-werden, obwohl sie ihre Hemmungen überwindet und Deutsch spricht, löst bei dieser Frau Unverständnis und Schamgefühle aus. Sie kann es nicht einordnen. ‹Was mache ich falsch, ich spreche doch Deutsch?›, fragt sie sich und fragt sie mich. Ich erkläre ihr, dass sie mit einem Akzent spricht, der nicht so leicht zu verstehen ist. Dass für Menschen mit anderer Muttersprache das Aussprechen der schweizerischen Laute und unserer Satzmelodie kaum möglich ist; dass ich Wörter aus ihrer Muttersprache auch nicht richtig aussprechen kann. Ermutigend erzähle ich von einer Freundin, die Deutsch mit französischem Akzent spricht. Da entfährt der verunsicherten Frau ein mitfühlendes ‹Ohhh›. Ich realisiere, wie nahe ihr dieses Nicht-verstanden-werden geht. In unseren Gesprächen schone ich sie nicht und frage nach, bis ich ihre Aussage verstehe und danach oft eine Lautverwechslung klären kann. Damit


Schwerpunktthema

bleibe ich in der OK-OK-Haltung: Weder sie noch ich müssen des Nichtverstehens wegen Schamgefühle entwickeln. Beide können wir die Schamgrenze überwinden und voneinander lernen. Häufig gehen Migranten nicht allein zum Arzt, zu Elterngesprächen oder zu öffentlichen Ämtern. Sie lassen sich von ihren Kindern, die gut Deutsch sprechen, begleiten. Dadurch, dass Kinder besser Deutsch können als ihre Eltern, entstehen Rollenkonflikte innerhalb der Familie. Kinder müssen notgedrungen Elternfunktion übernehmen für ihre Mütter und Väter. Unsere Vorstellung der systemischen Ordnung gerät durcheinander. Jeder Beteiligte erlebt oder bewirkt auf seine Weise unausgesprochen Scham und/oder Beschämung. Gefühle des Ungenügens tun weh, sind kaum auszuhalten. Ich vermute, dass die Angst vor diesem Schmerz ein Grund dafür ist, dass Menschen, welche schon lange als Flüchtlinge oder Gastarbeiter hier leben, nicht deutsch sprechen. Es ist besser, sich nicht aufs Glatteis zu begeben. Schamvermeidung kann Integration behindern. Es kommt auf den einzelnen Menschen an, genauso wie auf die Menschen im Umfeld. Schamvermeidung kann sich auch anders zeigen: In Selbstüberschätzung und Abwerten von anderen; Machogehabe, Verachtung oder auch Gewalt als Schamabwehr. Wenn ich schon nicht gesehen, nicht wertgeschätzt wurde und werde, dann sollt Ihr euch wenigstens vor mir fürchten. Wie viel ‹Nichtbeachtung und Beschämung› Immigranten erlebt haben und erleben, kann niemand ermessen. Sie tragen es in ihrem Sacktuch, an den Sohlen. Sie reden nicht darüber. Es ist zu schmerzhaft. Die ganze Vielfalt der passi-

ven Verhaltensweisen ist beobachtbar, sowohl bei Migranten als auch bei Einheimischen. Stehen womöglich Schamerleben und Radikalisierung in einem inneren Zusammenhang? Hier meine Gedanken, wie Grundhaltungen sowohl bei Migranten als auch bei Eingesessenen zu Radikalisierung führen können: · –/+ Ich bin anders, die andern sind besser. Ich muss mich im fremden Land bemühen. · –/– Wir sind anders, wir gehören nicht dazu und die andern sind auch nicht in Ordnung. · A ls Kompensation kann die Grundhaltung zu +/– wechseln: Unsere Kultur ist besser, sie ist richtig. Die Kultur des Immigrationslandes ist ‹falsch›. Oft leben Immigranten die heimatliche Tradition in der Fremde stärker, radikaler als Menschen in der angestammten Heimat. Im Gegenzug und aus Angst verteidigen Einheimische ihre Kultur und radikalisieren sich ihrerseits. · OK-OK-Haltung: In ihrer Abhandlung ‹Bedürfnisse der Seele› schreibt Simone Weil: ‹Fundamental ist die Pflicht zum bedingungslosen, gegenseitigen Respekt›.10 Sie fordert auf zur OK-OK-Grundhaltung und spricht das Gemeinsame an: Das Mensch-Sein mit Leib und Seele. Gegenseitiger Respekt.

Stephan Marks, ‹Scham die tabuisierte Emotion›, ISBN 978-3-8436-0052-1 7 Ebenda, S.12 8 Ebenda, S.13 9 Ebenda, S.56 10 Weil Simone, www.oya-online.de/article/ read/1153-die_entwurzelung 6

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Vor hundert Jahren proklamierte Albert Schweitzer 11 ‹Ehrfurcht vor dem Leben› als ethischen Grundsatz und als den einzig gangbaren Weg zu friedlicher Koexistenz und fruchtbarem Zusammenleben. Wie schwierig das Erringen dieser Grundhaltung sein kann, wissen wir alle. Mir jedenfalls gelingt es nicht, in einer konstanten +/+-Haltung zu leben. Wir sind auf einem Bewusstwerdungsweg. Ich hoffe, dass das Bemühen vieler einzelner Menschen Wellen schlägt und wir ‹Ein-Ander› immer mehr mit Respekt und Achtung vor der persönlichen Einzigartigkeit begegnen können. Da wo mir mit Respekt und Offenheit begegnet wird, da fühle ich mich zugehörig, angenommen. Da kann ich Beziehung, ein Stück ‹neue Heimat› spüren. Ein weiteres, selten bewusstes Phänomen sind die heissen Kartoffeln12 , wie Fanita English sie nennt. In den Worten von Stephan Marks: ‹Beschämungen und Scham wirken wie ein transgenerationaler Teufelskreis; sie werden von Generation zu Generation weitergegeben … Daher kann die Weitergabe von Scham auch über mehr als drei oder vier Generationen erfolgen.›13 Afrikaner waren Jahrhunderte lang kolonialisiert und versklavt. Sie wurden/werden beschämt und ausgenützt. Jetzt kommen sie nach Europa und die Spirale geht weiter.14 Die meisten arbeiten im Niedriglohnbereich und gehören erneut zur Unterschicht in der Gesellschaft. Wer weiss wie viel Demütigung sie erleben, wenn sie als Zimmermädchen, Putzfrauen oder als Kehrichtmänner arbeiten? Wie sich Angehörige verschiedener Ethnien vermutlich aus Schamabwehr 15 gegenseitig schikanieren und beschämen, erfahre ich aus Erzählungen von Betroffenen. ‹Demütigung ist schlimmer als körperlicher Schmerz›.16

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Davon erzählen auch Migrantinnen und Migranten, welche beruflich erfolgreich sind. Gerade weil sie Erfolg haben, herausstechen, erleben sie Anpassungsscham, erregen sie bei ihren weniger prosperierenden Landsleuten Neid und Misstrauen in allen Schattierungen. Wir alle sind Menschen, jedem steht Würde zu. Wir im Immigrationsland sind gefordert, unsere Bezugsrahmen zu öffnen. Wir sind gefordert, uns unsere eigenen Schamgefühle einzugestehen und sie anzunehmen. Wir sind gefordert, zu unseren Unfähigkeiten im Umgang mit Fremden und Randständigen zu stehen und einen Weg zu finden zu einem konstruktiven, wertschätzenden Miteinander. TA hat Werkzeuge dazu. Die Umsetzung liegt an jedem Einzelnen, im Interesse am Mitmenschen, in den alltäglichen zwischenmenschlichen Begegnungen.

 hristoph Wyss, AISL, internationale Albert C Schweitzer-Vereinigung 12 Fanita English, ‹Transaktionsanalyse›, Seite 173 13 Stephan Marks, ‹Scham›, Seite 50 14 E mmanuel Mbolela, ‹Mein Weg vom Kongo nach Europa›, ISBN 978-3-85476-456-4 15 Stephan Marks, ‹Scham›, Seite 106/107 16 E benda S.10 11


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Scham

Was haben der Teenager, der von seiner Mutter zur Schule gebracht wird und der 100 m vor dem Ausgang aus dem Auto steigen möchte, die Frau, die als Kind für lange Zeit oder für immer von der Familie weggegeben wurde und der Prüfling, der durchs Examen fällt und nicht in die TA-Gemeinschaft aufgenommen wird, gemeinsam? Sie alle schämen sich möglicherweise oder haben mit aufkommender Scham ‹zu kämpfen›. Wie passt dieses Gefühl zu der Aussage von Leon Wurmser, dem grossen Forscher über Scham, dass Scham ‹die Hüterin der Würde› sei? Es sind zwar drei ganz unterschiedliche Situationen, die aber auf der sozialen Ebene der gleiche Schlüsselaspekt eint, nämlich die Frage nach der Zugehörigkeit von Menschen zu sozialen Systemen.

Menschen brauchen Menschen In diesem Aufsatz möchte ich den, in meinem Verständnis, zentralen Aspekt von Scham darlegen und auf seine Bedeutung im professionellen Umgang damit eingehen. Dabei ist mir wichtig, Scham als ganz normales, sich sehr früh entwickelndes Gefühl, zu betrachten, welches eine wichtige Rolle in der menschlichen Entwicklung darstellt. Menschen sind soziale Wesen und wir haben überlebt, weil wir uns in Gruppen Gleichgesinnter zusammengefunden haben. Auch wenn einzelne Individuen anderes entschieden haben mögen, so steht doch fest, dass Menschen Menschen brauchen. Martin Buber brachte es mit seiner Aussage, dass der Mensch am Du zum Ich werde und alles wirkliche Leben Begegnung sei, auf seine Art auf den Punkt. Auf eine andere Weise hat Richard Erskine diese Tatsache mit der Formulierung der Beziehungsbedürfnisse ausgedrückt. Wir Menschen brauchen Spiegelungen, Rückmeldungen über unser Verhalten, taugliche Modelle und verlässliche Gegenüber, um zu lernen, wie man sich innerhalb einer Kultur verhält, so, dass wir von der Gemeinschaft als akzeptiertes Mitglied anerkannt werden. Für diese soziale Akzeptanz uns wichtiger Menschen sind wir zu grosser Anpassung fähig, und manchmal geben wir dabei sogar unsere innersten und vitalsten Bestrebungen auf. Die darunter liegende Angst ist die vor Nichtakzeptanz, wenn wir uns zeigen, wie wir sind. Wenn wir uns nicht (mehr) zugehörig, wenn wir uns ausgeschlossen fühlen, nachdem wir uns gezeigt haben, wie wir sind, schämen wir uns. Wir fühlen uns dann abgelehnt und es reift die Überzeugung, ‹mit mir stimmt etwas nicht› oder auch ‹ich bin falsch›. Und dann kommt Scham! Wenn wir uns zeigen, wie wir sind, und als Reaktion darauf Kon-

Andreas Becker TSTA-E www.lebensbunt.com andreasbecker@lebensbunt.com

taktabbruch, Demütigung oder Beschuldigung erleben und uns in der Folge dessen von anderen getrennt fühlen, dann schämen wir uns. Robbin Hobbes, EATA Ethic Advisor, sagte einmal in einem Workshop: ‹All what we are doing matters for us … what others judge about our doing affects us.› Als fühlende und psychisch gesunde Wesen ist uns nicht egal, wie andere über uns urteilen.

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Menschen wollen eine Wirkung haben

Erich Fromm sagte sinngemäss, der Mensch sei nicht gut und er sei auch nicht böse, er wolle lediglich in Bezug auf andere eine Wirkung haben. Selbstwirksamkeit nennt man das wohl heute. Das Gefühl von Wirksamkeit brauchen wir, um die Erlaubnis zu entwickeln, unser Leben als erwachsene Personen selber gestalten zu dürfen und es als Folge davon sinnvoll und lebenswert empfinden zu können. Daher ist das Gefühl zu versagen so schwer zu ertragen oder auch, nicht helfen zu können, wo ein anderer in grosser Not ist. Da lauert doch schon wieder die Scham im Hintergrund … Wenn es für uns Menschen so wichtig ist, zu einer Gemeinschaft zu gehören und auch zu erleben, dass wir etwas bewirken können, werden wir mit Sicherheit im Laufe der Menschheitsgeschichte Strategien entwickelt haben, um Zugehörigkeit zu bewirken. Genau das sind unsere gelernten Strategien der sozialen Anpassung. Scham ist ein körperliches Gefühl oder eine körperliche Empfindung und so unangenehm, dass wir sie auf jeden Fall vermeiden wollen. Manchmal tun wir alles, ja, wir verbiegen uns sogar bis zur Selbstaufgabe, nur um keine Scham spüren zu müssen. Von der Evolution her ist diese Intensität der Scham sinnvoll und sozial überlebenswichtig, regelt sie doch die soziale Anpassung in Hinblick auf die Zugehörigkeit. Fanita English hat gesagt, dass Scham vor dem Verlassen eines bestimmten kulturellen Rahmens und die Tabuzonen einer Kultur schützen. Mit anderen Worten: Weil Menschen Scham unbedingt vermeiden wollen, passen sie sich so an,

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dass sie den Regeln einer Kultur entsprechen. Genau diese Anpassung schützt uns davor, dass wir uns ‹entwürdigend› verhalten – entweder uns selbst oder anderen gegenüber. Daher bezeichnet Leon Wurmser Scham als ‹Hüterin der Würde›, und das bedeutet auch, dass es manchmal sehr angebracht ist, dass Menschen sich ihrer Handlungen schämen. Die Schamgeschichte Alle Menschen kennen Scham und jeder hat seine eigene individuelle und kollektive Schamgeschichte. Menschen, die als Grunderfahrung eher Ablehnung als Zugehörigkeit erfahren haben, mussten ihre Persönlichkeit auf Basis dieser Erfahrung entwickeln. Die möglichen, sich daraus entwickelnden Skriptmuster beinhalten als Payoff die empfundene Ablehnung und Randständigkeit, mit dem sich daraus ergebenden Gefühl von Einsamkeit innerhalb sozialer Gemeinschaften. Wir reproduzieren ja immer wieder ein Lebensgefühl, welches wir in unseren frühen und prägenden Jahren als Normalität erfahren haben. Menschen, die von Kindertagen an permanent Beschämungen erfuhren, haben diese auf einer leiblichen und psychischen Ebene abgewehrt, um nicht zu zerbrechen. Gleichzeitig werden sie die Auswirkungen dieser Beschämungen auf einer Protokoll­ ebene nicht los, und sie reproduzieren durch inakzeptables Verhalten immer wieder Scham, sowohl bei sich, als auch bei anderen.

In diesem Zusammenhang hat Richard Erskine Selbstgerechtigkeit (verfolgerische +/– -Grundposition) als wichtige Abwehr eigener Schamgefühle beschrieben. Wenn ich mich selbstgerecht über andere stelle, beschäme ich diese und fühle meine eigene Scham nicht mehr. Dieses repetitive Muster ist gleichzeitig ein Entlastungs- und Lösungsversuch für eine kaum aushaltbare emotionale Wunde. Da dieser jedoch auf einer Spielebene geschieht, muss er auf Dauer misslingen und im Payoff irgendwann zu grosser Selbstabwertung, Scham und meist Einsamkeit führen. M. Landaiche III hat diesen Aspekt in einem bemerkenswerten Aufsatz über sozialen Schmerz ebenfalls herausgegriffen. Beschämung löst sozial-emotionalen Schmerz aus, der im Gehirn auf das gleiche Schmerzzentrum wie körperlicher Schmerz trifft. Andere zu beschämen, die dann als Sündenböcke herhalten müssen, lässt einen schliesslich den eigenen Schmerz nicht mehr fühlen. Scham und Schuld Eine andere wichtige Abwehr der Scham besteht im Entwickeln von Schuldgefühlen. Bedeutet Scham ‹ich bin falsch, so wie ich bin›, entsteht daraus bei der Umwandlung von Scham in Schuld ein ‹ich habe etwas falsch gemacht›. Letzteres scheint durch eine kompensatorische Handlung bzw. einer Ent-schuldigung korrigierbar zu sein. Da die Scham von dieser Kompensation aber gar nicht berührt wird, bleibt sie abgespalten. Wenn Schuld als Abwehr von tiefer Beschämung empfunden wird, folgt daraus oft ein Lebenskonzept mit sehr viel kompensatorischer Anstrengung, alles richtig zu machen und ‹ein guter Mensch› sein zu wollen.


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Scham ist auf gewisse Weise in unserer Gesellschaft tabuisiert. Wir möchten ‹im Erdboden versinken› oder irgendwie anders verschwinden. Niemand soll uns sehen oder zu nahe kommen, wenn wir uns schämen. Auch vor uns selbst verstecken wir Scham, es sein denn, wir haben Scham als Racket entwickelt. Wenn Klient/-innen in der Beratung oder Therapie (oder Schüler/-innen in der Schule) uns ihre Geschichten erzählen, ist die Scham in aller Regel gut versteckt. Gleichzeitig ist dieses Gefühl bzw. dessen Abwehr häufig nicht nur Richtung weisend für unser Handeln, sondern auch fundamental zur Lösung schwieriger Situationen (z.B. Dilemmata) in Entwicklungsprozessen. Das ausgeschlossene Kind Die Relevanz des oben Beschriebenen ist mir erst durch eine Klientin gefühlsmäs­ sig deutlich geworden. Sie ist heute Anfang Fünfzig, beruflich selbständig, verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder. In ihrem ersten Lebensjahr wurde ein Wachstumsfehler an ihren Hüftgelenken festgestellt. Als sie 1½ Jahre alt war, kam sie, wie damals durchaus üblich, zur Therapie stationär ins Krankenhaus. Da es sich bei dem Hüftschaden um einen genetischen Defekt handelte, war der Heilungsverlauf schleppend und der Krankenhausaufenthalt dauerte lange – insgesamt fast drei Jahre. Währenddessen gab es nur kurze Zeiten, an denen die Eltern das kleine Mädchen mit nach Hause nehmen konnten. Ansonsten wuchs sie im Al-

ter zwischen 18 Monaten und vier Jahren auf der Kinderstation eines Krankenhauses auf, mit der damals üblichen Besuchszeit für die Angehörigen sonntags von 15– 18 Uhr. Betrachtet man die Entwicklungsprozesse von Kindern, so erstaunt es nicht, dass durch diese lange, bewegungslose Zeit im Gipsbett bei der Klientin viele Defizite entstanden. Ich erlebte sie in Bezug auf die Gestaltung ihres Lebens äusserst passiv, fast apathisch, wodurch sie energetisch immer wieder ‹das Stillhalten› im Krankenhausbett herstellte. Sie fühlte vorwiegend Traurigkeit und Angst. Ärger und Freude dagegen waren vollkommen unterdrückt. Wenn doch Anzeichen für diese vitalen Gefühle da waren, dann konnte sie diese nicht benennen und wusste schon gar keinen Umgang damit. Obwohl die massiven Auswirkungen dieser traumatischen Erfahrungen für mich spürbar waren, verstand ich einige ihrer Einschränkungen nicht in der Intensität, in der sie diese präsentierte. Dies war beispielsweise häufig dann der Fall, wenn es um Auseinandersetzungen mit anderen ging, selbst wenn es sich ‹nur› um ganz authentische Selbstmitteilungen von ihr in einer Gruppe handelte. Genau diese Vorstellung der Offenbarung einer eigenen Befindlichkeit war so schambesetzt, dass heftigste Abwehrreaktionen folgten. Erst da wurde mir deutlich, dass das kleine Mädchen sich damals weggegeben und abgetrennt gefühlt hatte und in seiner Einsamkeit überzeugt war, dass es falsch sei. Das kleine Kind hatte sich geschämt, dass es im Krankenhaus war! Gefühlsmässig ist das eine absurde Verdrehung. Für sie folgte daraus ein Gefühl von Unzumutbarkeit für die Gemeinschaft, schon allein durch ihre blosse Existenz.

Sehr ähnlich wird es den tausenden von Verdingkindern ergangen sein, selbst denen, die in der Fremde einigermassen würdevoll behandelt wurden. Das Bewusstsein darüber, dass sich diese Kinder über das Weggeben zutiefst geschämt und damit ein ‹unwertes Selbstbild› aufgebaut haben, ist ein wichtiger professioneller Aspekt in Beratung, Therapie und Pädagogik. Scham in der professionellen Arbeit In der Auseinandersetzung mit unserem Skript, egal ob im beraterischen oder psychotherapeutischen Kontext, wird Scham in aller Regel irgendwann ein Thema. Die Bearbeitung von Skriptthemen führt häufig zu einer Bearbeitung von Engpässen, welche durch die drohende Scham aufrechterhalten werden, wenn der auf Entwicklung und Entfaltung ausgerichtete Pol des Engpasses mehr Raum bekommen soll. Ein Mensch könnte in der Beratung erreichen wollen, sich und seinen Bedürfnissen im Alltag mehr Bedeutung zu geben. Dieses Anliegen formuliert erst einmal die Sehnsucht von damals (und heute). Die Umsetzung dessen, ‹es dann wirklich zu tun›, zum ersten Mal Forderungen an andere zu stellen, ruft unweigerlich Scham hervor. Liebe hält die Scham Zum professionellen Umgang mit Scham ist erst einmal zu sagen, dass Scham ‹nur› ein Gefühl ist, welches, wie alle anderen ursprünglichen Gefühle auch, eine wichtige Funktion für unser psychisches

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Gleichgewicht hat. Alice Miller schreibt sehr richtig, dass wir an den Gefühlen selbst, egal wie unangenehm wir sie empfinden mögen, keinen Schaden nehmen. Schwierig wird es erst, wenn wir diese nicht fühlen und/oder nicht ausdrücken dürfen. Das professionelle Gebot im Hinblick auf Scham ist daher, aufkommende Scham nicht abzuwehren, sondern als bedeutsame und förderliche ‹Kraft› wertzuschätzen. Da der sich Schämende in dem Moment überzeugt ist, dass das Gegenüber ihn so, wie er ist, nicht akzeptiert, ist die Aufgabe der Professionellen in der Beziehung zu bleiben und den emotionalen Kontakt aufrecht zu erhalten. Im Moment der Scham ist das Gegenüber am besten über eine sanfte körperliche Berührung zu erreichen. Wenn die Situation eine solche Intervention zulässt, wenn beispielsweise eine Berührung am Arm oder der Hand möglich ist, und die Professionelle sich selber von der verbalen und/oder nonverbalen Geschichte berühren lässt, kann die Scham kleiner werden und langsam vergehen. Dieses Zuhören aus einer liebevollen Haltung heraus – aus einer gelebten +/+-Position heraus – vermindert Scham. Liebe ist für mich das Gefühl, welches sich einstellt, wenn wir uns vom anderen oder von einer Gruppe, zu dem/der wir gehören möchten, angenommen fühlen ‹so wie wir sind›. Liebe (im weitesten Sinne) ist für mich damit das Gefühl, welches Zugehörigkeit kreiert, wogegen Scham auftritt, wenn wir getrennt werden, weil wir uns so gezeigt haben, wie wir sind.

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Im Prozess mit meiner Klientin bedeutete dies, immer wieder ihren Geschichten des ‹das geht nicht›, ‹das dürfen andere, aber ich nicht›, ‹das kann ich nicht› mit offenem Herzen zu lauschen, ihre Scham darunter zu finden und immer wieder zu benennen, ihr Denken anzuregen und förderliche Impulse zu bekräftigen. Darüber wurde die Selbstorganisation ihrer Psyche so weit aktiviert, dass sie irgendwann in der Lage war, sich in grossen Teilen selbst zu verstehen und zu akzeptieren. Ihr Gesichtsausdruck und ihr Bewegungsfluss veränderten sich im Zuge dessen auf faszinierende Art und Weise. Die zur gesunden, psychischen Entwicklung so wichtige Freude fand erst mehr Raum, nachdem ihre riesige Scham vor ihrer eigenen Geschichte vermindert war! Erst dann konnte auch ihre Empörung über das, was ihr angetan worden war, Sprache und Ausdruck finden.

lassen. Das ist eigentlich doch gar nicht so schwer. Falls dieses Geschehen dann in mir selber Scham evoziert, habe ich diese auszuhalten und nicht abzuwehren. Wenn der Beratungs- oder Therapieprozess gut verläuft, dann sind oft gerade die Momente, in denen im Übertragungsgeschehen Scham auftritt, entweder bei der Professionellen oder dem Klienten, sehr wertvoll, um zu Schlüsselthemen des Entwicklungsprozesses zu gelangen. Die Formulierung der meisten Beratungs- und Therapieanliegen sind ja von einem empfundenen Leiden und einer daraus erwachsenden Sehnsucht geleitet. Die darunter liegenden Bedürfnisse, die zur Erweiterung der Autonomie integriert werden müssten, sind eben mit Scham belegt, deren Auftauchen und Halten im professionellen Rahmen genau diese Integration ermöglicht. Authentizität braucht Mut …

Scham als Unausweichlichkeit Scham und Beschämungen sind letztlich im Miteinander nicht zu vermeiden. Da allerdings jeder seine individuelle Schamgeschichte besitzt, weiss man nie, wann das eigene Verhalten beim Gegenüber Scham auslöst. Die Vermeidung von Schamgefühlen ist letztlich auch gar nicht notwendig, solange wir die Verantwortung dafür übernehmen. Sollte ich jemanden beschämen, habe ich dem anderen zuzuhören und mich von dem, was ich in der Beziehung ausgelöst habe, berühren zu

Zum Schluss dieser kleinen Abhandlung erlaube ich mir noch eine provozierende These, von der ich hoffe, dass sie, auch wenn sie gegen den noch vorherrschenden Zeitgeist gehen mag, zum Denken anregen möge. Vielleicht haben wir, die wir in einer vom Humanismus geprägten Nachkriegszeit aufgewachsen sind, zu viel Angst davor, bei Kindern Scham auszulösen. Vielleicht sagen wir als Eltern, Lehrer/-innen, Erzieher/-innen Kindern nicht genug auf respekt- und würdevolle Weise, dass das, was sie tun, nicht ausreicht, dass ihr Verhalten im sozialen Miteinander eine Zumutung ist, und dass es sich nicht gehört. Diese Äusserung fällt mir ein wenig schwer. Zum einen weiss ich nicht, welche eventuell ablehnenden Reaktionen ich damit auslöse, zum anderen berührt die These die Grenze meines humanistisch geprägten Bezugsrahmens.


Schwerpunktthema

Nie wollte ich meinem Kind gegenüber auf althergebrachte Weise sagen: ‹Das macht man nicht!›. Es nicht zu tun, würde ich heute als Fehler bezeichnen. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass das Vermeiden wollen von Scham, Schmerz und anderen leidvollen Empfindungen bei unseren Kindern eher unserer eigenen Schmerz- und Schamvermeidung dient. An dieser Stelle ist mir wichtig zu betonen, dass es nicht darum geht, ein Kind gewollt zu beschämen oder zu demütigen, sondern nur darum, entstehende Scham in Kauf zu nehmen und dabei in der Beziehung zu bleiben. Auch Stephan Marks schreibt, dass es sehr richtig und wichtig ist, dass sich ein Kind (oder Erwachsener) schämt, wenn es etwas sozial Inakzeptables gemacht hat. Statistiken zeigen, dass junge Menschen heute immer mehr in Bezug auf die Anforderungen unserer Leistungsgesellschaft scheitern, weil sie den Erwartungen der Arbeitswelt oft nicht gewachsen sind. Sie sind durchaus intelligent und leistungsfähig und doch irgendwie vermindert anschlussfähig an eine Berufswelt mit hohen Erwartungen. Diese Tendenz erstaunt mich sehr, denn Kinder und Jugendliche sind wohl noch nie so viel gefördert worden, wie in unserer Zeit. Vielleicht gilt es, wieder mehr zu begrenzen und den dabei auftretenden Schmerz der Kinder (und den eigenen) auszuhalten.

Referenzen: ·B  uber, M.: Ich und Du. Reclam, Stuttgart, 2008 ·B  uber, M.: Werke I. Schriften zur Philosophie. Heidelberg, 1962 ·E  rikson, E.: Childhood and Society. New York, 1950 ·E  rskine, R.: Relational Needs. in: EATA Newsletter, No. 73,2002, S. 5–9 ·F  romm, E.: Anatomie der menschlichen Destruktivität, 1974 ·H  argaden, H.: Then We’ll Come from the Shadows. in: The Script, ITAA, Vol. 33, (5), 2003 · L andaiche, III, M. N.: Understanding Social Pain Dynamics in Human Relations. in: Transactional Analysis Journal, Vol. 39, (3), 2009, S. 229–238. · Marks, S.: Scham – die tabuisierte Emotion, 2011 ·M  iller, A.: Das Drama des begabten Kindes, 1983 ·T  ransactional Analysis Journal, Theme issue: Shame, Vol. 24, (2), 1994 ·W  urmser, L.: Die Maske der Scham: Die Psychoanalyse von Schamaffekten und Schamkonflikten. Edition Klotz, 2017

Dank: Mein besonderer Dank gilt Margot Ruprecht, die mit ihren wertvollen Anregungen massgeblich zur Entstehung dieses Artikels beigetragen hat.

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Scham – Entstehung und Auswirkung in Familie und Schule

Einleitung Pädagogik ist traditionell durch Ausgrenzung, Entwürdigung und Beschämung geprägt, nicht zuletzt auch um Macht aufrechtzuerhalten. Bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts war es üblich, vor der versammelten Klasse für Verhaltensweisen, die den herrschenden Erwartungen und Normen widersprachen, bestraft zu werden. Die Macht der Scham wurde als legitimes Erziehungsmittel genutzt, um zu bestimmten Verhaltensweisen zu veranlassen oder diese zu erzwingen. Dabei konnte auch die stellvertretende Scham, das Fremdschämen genutzt werden. Nämlich dann, wenn die oder der Beschämte ein naher Angehöriger, eine Bezugsperson oder ein/-e Klassenkamerad/-in war. Sei es, dass man sich mit der Person identifizierte oder sich für die Beziehung zu ihr schämte. Die Vielfalt beschämender Methoden war grenzenlos: Kinder mussten sich in die Ecke stellen, manchmal dekoriert mit Eselsohren oder einer ‹idiotischen› Kasperlikappe. Schüchterne, gehemmte Kinder wurden gezwungen Antworten laut herauszuschreien, demütigende Sätze mehrmals zu wiederholen oder diese seitenweise zu schreiben. Sie erhielten ‹Tatzen› (Schläge mit Lineal, Massstäben oder Ruten auf die Hände), Linkshänder/-innen ‹lernten› die gute Hand zu gebrauchen,

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indem ihnen die linke Hand auf den Rücken oder an den Stuhl gebunden wurde. Lehrpersonen verteilten korrigierte Klassenarbeiten, kommentiert mit persönlichen Verurteilungen. Im Turnunterricht durften die stärksten Knaben die Zusammensetzung der Gruppen auswählen, eine Tortur für unsportlichere Knaben und die meisten Mädchen. Diese Formen von Beschämung durch Autoritätspersonen wird in der heutigen Schule kaum mehr akzeptiert. Viele Lehrerinnen und Lehrer sind sich bewusst, dass unter Scham die höheren geistigen Fähigkeiten nicht zur Verfügung stehen und somit kein Lerneffekt erreicht werden kann. Beschämt wird nach wie vor, die Ausprägung hat sich aber verändert: Das Messen von Leistungen in Wettbewerben und das Erstellen von Ranglisten und Zeugnissen sind für einen nicht zu unterschätzenden Anteil von Schülerinnen und Schülern beschämend. Chancenungleichheit demütigt die Betroffenen und beeinflusst das Selbstwertgefühl ungünstig. Funktion von Scham Scham ist ein Aspekt, der das menschliche Zusammenleben reguliert. Durch sozialen Anpassungsdruck verhindert sie, dass Menschen aus der Gemeinschaft herausfallen, schamlos werden. Die Normen werden gewahrt, die Zugehörigkeit ist gewährleistet, ‹ich bin wie die anderen›. Das garantiert einen respektvollen Umgang miteinander. Jede Kultur entwickelt eine Vorstellung, wie Menschen zueinander in Beziehung treten, wie sie die Welt um sich herum verstehen, welche Verhaltensweisen angebracht sind oder eben nicht. Sie wissen, welche gesellschaftlichen Normen notwendig sind, um das Zusammenleben

Monique Naef Kindergärtnerin Transaktionsanalytikerin CTA-E monique.naef@bluewin.ch

zu regeln. Strikte Verbote, die rational nicht verständlich wären, lernt und verinnerlicht der Mensch in einer Entwicklungsperiode, in der das ER-Ich erst in Entwicklung ist. Wir lernen so, uns in unserem Kulturkreis unhinterfragt angemessen zu verhalten. Scham lehrt uns kulturelle Normen und Wertvorstellungen, die für ein seiner Umgebung angepasstes Leben in Würde von Bedeutung sind. Fatal wird die ausgeprägte Scham, wenn lebenswichtige Beziehungen davon bestimmt werden.


Schwerpunktthema

Entwicklung von Scham Scham hat also die Funktion, das Kind im Guten wie im Bösen an die Lebensweise der Familie anzupassen. Erik Erikson (Lehranalytiker von E. Berne) hat in Zusammenarbeit mit seiner Frau Joan Erikson ein Stufenmodell der Entwicklung erstellt. Damit haben sie die Phasenlehre von Sigmund Freud um die psychosoziale Dimension ergänzt. Eriksons Entwicklungstheorie beschreibt die psychosoziale Entwicklung des Menschen im Spannungsfeld zwischen eigenen Bedürfnissen und den Anforderungen der sozialen Umwelt. Jede der acht Stufen befasst sich mit Wachstum und Krisen der gesunden Persönlichkeit und ist in ihrer Folge unumkehrbar. Die vorangegangene Phase bildet somit das Fundament für die nächstfolgende. Die erfolgreiche Bewältigung einer Entwicklungsstufe liegt in der positiven Klärung des Konflikts und ist hilfreich für die Bewältigung der folgenden Stufen. Konflikte werden dabei nicht ‹vollständig› gelöst, sie bleiben ein Leben lang aktuell. Es ist für die Entwicklung notwendig, dass eine Stufe ausreichend bearbeitet wird, damit die nächste erfolgreich bewältigt werden kann. Dieses Modell ist die Grundlage der Ideen von E. Berne über den Lebensplan eines Menschen (Skript).

Im ersten Lebensjahr muss sich das Kind mit der Klärung des Konflikts Ur-Vertrauen versus Ur-Misstrauen auseinandersetzen. Die meisten Menschen entwickeln beide Tendenzen, je nachdem stärker oder

weniger stark ausgeprägt. Das bedeutet, wenn ein Kleinkind Zuwendung in adäquater Weise für sein Kind-Ich erhält, entwickelt es eine Grundtendenz in Richtung Vertrauen zu sich selbst und ande­ren – oder eben eine Grundtendenz zum Misstrauen. In den folgenden zwei Jahren steht der Konflikt Autonomie versus Scham und Zweifel. Die Bedingung für Autonomie wurzelt in einem festen Vertrauen in die Bezugspersonen und sich selbst, also sollte die erste Stufe der Entwicklung entsprechend bewältigt sein. Das Kind möchte das Gefühl haben, seine Wünsche und Bedürfnisse durchsetzen zu dürfen, ohne Gefahr, dafür in Frage gestellt oder bestraft zu werden. Es will die Welt entdecken und seine Un-Abhängigkeit austesten. Probleme in der 2. Entwicklungs­ stufe: Scham als Beziehungsstörung Übermässige Scham entsteht, wenn das Kind gedemütigt, ausgelacht oder verspottet wird. Es erlebt Misserfolge beim Versuch, die Umwelt durch Gefühlssignale wie lächeln oder weinen zu einem passenden Verhalten zu bewegen. Es kann den Kontakt zur Bezugsperson nicht herstellen trotz seines mächtigen Verlangens nach Verbundenheit. Es hat das Gefühl, einer Beziehung nicht wert zu sein. Es möchte ernst genommen werden und auf die Bezugspersonen eine Wirkung haben. Gelingt ihm das nicht, verliert es sein Selbstvertrauen, seine Autonomie. Die weitgehende oder gar andauernde Einschränkung der Bedürfnisbefriedigung, der Neugierde, der Entdeckungsfreude des Kindes führt dazu, dass es

seine Wünsche und Bedürfnisse als falsch und schmutzig wahrnimmt. Es zweifelt an deren Richtigkeit und schämt sich dafür, so zu sein, wie es ist. Scham als Beziehungsstörung impliziert: ‹Mit mir ist etwas nicht in Ordnung, mit mir stimmt etwas nicht›. Die Zugehörigkeit ist nicht gewährleistet, die Überanpassung wird unterstützt. Das Kind verlernt seine eigenen Gefühle wahrzunehmen und ihnen zu trauen. Es unterdrückt die Trauer darüber, nicht akzeptiert zu werden wie es ist, verdrängt die Angst verlassen zu werden, weil es ist, wie es ist. Es vermeidet Wut und Ärger, um den Anschein einer engen Beziehung zu erhalten. Das Kind gibt seine eigenen Interessen, Wünsche und Bedürfnisse auf und treibt in die Anpassung, aktiviert seinen aK-IchZustand, um Zuwendung zu erhalten. Die Botschaft ‹mit dir stimmt etwas nicht› setzt sich im K-Ich fest und wird zum Glaubenssatz: ‹Mit mir stimmt etwas nicht›. Das ER1 im Kind-Ich-Zustand hat sich entschieden so zu sein, wie es von den Bezugspersonen, von denen es abhängig ist definiert wird. Aus Angst vor Verlust der Beziehung. Der ‹kleine Professor› sichert sich so die Zuneigung der Eltern. Die Grundeinstellung mit Unterlegenheitsgefühlen ist –/+. Hat das Kind die Entwicklungsaufgabe der 2. Stufe einseitig gelöst und seine Autonomiebestrebungen unterdrückt, wird die Bewältigung der anstehenden Entwicklungsschritte stark beeinträchtigt. Die Frage ‹wer bin ich?› kann schlecht gelöst werden, wenn das Selbstbild fremdbestimmt ist und die Angst vor Beziehungsverlust überlebenswichtig ist.

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Schwerpunktthema

Ebenso werden die weiteren Entwicklungsschritte erschwert, das überangepasste Kind bemüht sich so zu sein, wie es denkt, sein zu müssen: ‹Sei liebenswürdig!› Scham und Selbstgerechtigkeit

Transaktionsanalytische Sichtweise nach Richard G. Erskine Scham und Selbstgerechtigkeit spiegeln die Abwehrmechanismen, die eine Person benutzt, um zu vermeiden, dass sie spürt, mit welcher Intensität sie verletzlich und machtlos dem Verlust der Beziehung ausgesetzt ist. Die Hilflosigkeit der Scham drückt die Hoffnung aus, dass die andere Person die Verantwortung für die Wiederherstellung der Beziehung übernimmt. Selbstgerechtigkeit enthält die Verleugnung des Bedürfnisses nach Beziehung. Um die Beziehung dennoch aufrechterhalten zu können, passt sich das beschämte Kind an die demütigende Fremdsicht an, im Sinne einer Abwehrstrategie, eines Selbstschutzes. Es kann die Beziehung aufrechterhalten, indem es die Wut und die Trauer über sein vermindertes Selbstbild durch Anpassung verleugnet. Es entsteht die Illusion, dass die eigenen Bedürfnisse erfüllt werden können ‹wenn ich gut genug bin›. Der Hunger nach Zuwendung, nach Beziehung wird befriedigt mit negativen Strokes: erhaltene Zuwendung, sei sie noch so negativ, ist immer noch besser als überhaupt keine. Selbstgerechtigkeit will den Schmerz über die Demütigung abwehren, die Sehnsucht nach Beziehung nicht wahrnehmen, die eigene Unwirksamkeit überdecken.

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Selbstgerechte Fantasien sind ein verzweifelter Versuch der Demütigung und der Scham durch Selbstrechtfertigung zu entkommen. Die andere Person wird voller Fehler fantasiert, sei es die scheinbare Unzulänglichkeit, die unpassende Kleidung, die unangebrachten Verhaltensweisen, die aus der Luft gegriffene Kritik und anderes. In diesem Dialog mit dem eigenen inneren Kritiker wird die andere Person zunichte gemacht, um sich selbst als überlegen erfahren zu können. Ich vermute, dass in diesen Fantasien das eigene Selbstbild erkennbar wird, ein zwanghaftes Wiederholen von Antreibern, ein sich Anpassen an Einschärfungen. Häufig werden auch alte, demütigende Erinnerungen wieder belebt, dass mit mir etwas nicht stimmt, und auch meine Überzeugung, dass ich keine Möglichkeit habe das zu ändern. Diese selbstgerechten Fantasien löschen das Verlangen nach Beziehung aus und zeigen gleichzeitig das Bedürfnis, respektiert zu werden, wirksam zu sein und die eigene Ohnmacht zu kontrollieren. Äusserlich wird jedoch das Bedürfnis nach Anerkennung durch Anpassung gelebt. Solche Überlegenheitsfantasien ändern die Grundeinstellung zu +/–. Das beschämende Gefühl der Verlassenheit, das mit dem Zornesausbruch bekämpft werden wollte, ist von neuem bestätigt, und die vertraute Grundeinstellung –/+ kann wieder eingenommen werden.

Dieser Mechanismus hilft den Bezugsrahmen, der gerade bedroht wird, aufrechtzuerhalten. Der Ursprung des Redefinierens liegt in der ungelösten symbiotischen Beziehung der Kindheit. Der Kampf um deren Erfüllung wird weitergeführt. Redefinitions-Transaktionen (tangentiale und blockierende Transaktionen) helfen das Skript zu fördern und voranzutreiben. Erskin benutzt den Begriff ‹demütigende Transaktionen›, nämlich Transaktionen, die die Person herabsetzen, kritisieren, interpretieren oder ignorieren. Ist das Gefühl von Scham einmal fixiert, wird das Abwehrsystem durch das kritische, negative EL-Ich und das angepasste K-Ich sofort in seinem Überlebenskampf angesprochen und mit Energie besetzt. Warum werden in Schule und Elternhaus Kinder beschämt?

Es ist anzunehmen, dass heute die allermeisten Eltern Beschämung nicht mehr als Erziehungsmethode anstreben, und doch werden viele Kinder durch Bezugspersonen beschämt bis zur Beziehungsstörung. Es ist nicht allen Eltern bewusst, dass Beschämung keinen positiven Lerneffekt hat, im Gegenteil sogar Lernen verhindern kann. Schamgefühle können auch eine ‹Familien-Krankheit› sein, die wie eine heisse Kartoffel weitergereicht wird. Bezugspersonen, die eine Beziehungsstörung erfahren und verinnerlicht haben, wiederholen diese in ihrer Tätigkeit als Erzieher, solange sie nicht aufgearbeitet wurde. Das Rad dreht sich weiter und weiter.


Schwerpunktthema

Der Lehrer als Respektsperson und Autorität im Dorf hat seine Machtstellung glücklicherweise im Laufe der gesellschaftlichen Weiterentwicklung verloren. Das hat Frauen zunehmend die Möglichkeit eröffnet, nicht nur Kleinkinder und Unterstufenkinder zu unterrichten, sondern auch kompetent auf allen Stufen ihren Beruf auszuüben. In der Volksschule wird heute vorwiegend von Frauen unterrichtet. Gleichzeitig ist der Respekt gegenüber der Schule teilweise verloren gegangen. Dadurch wird Beschämung auf allen Ebenen praktiziert: Berichterstattungen in den Medien, missachtende Aussagen von politischen Behörden, gegenseitig entwürdigende Gespräche zwischen Eltern und Lehrpersonen, Konkurrenz im Schulteam können von gegenseitiger Entwürdigung geprägt sein. Beschämung entsolidarisiert – das gefährdet die konstruktive Zusammenarbeit zu Gunsten unserer Kinder. Was bedeutet diese Betrachtungsweise für die Schule?

Scham als Beziehungsstörung manifestiert sich körperlich, durch heftiges Erröten, Erstarren und Herzklopfen. Das verdrängte Gefühl von Scham kann auch Mitauslöser von Depressionen, Angst, Migräne, Sucht, Essstörungen und Zwängen sein.

Scham ist ein Versuch, einen Beziehungsabbruch abzuwehren, und muss die Grundgefühle unterdrücken. Sie fixiert sich im K-Ich und im EL-Ich und kann zu einem schwach besetzten ER-Ich führen. Als Lehrer/-innen begegnen wir immer wieder Kindern mit mehr oder weniger heftigen Schamgefühlen. Der Weg, diese Beziehungsstörung abzubauen, aus dem Skript auszusteigen, den Bezugsrahmen zu erweitern ist anspruchsvoll. Lernen hat mit Trauen, Anvertrauen, Vertrauen zu tun. Uns als Professionelle verpflichtet das! Die Qualität unserer Beziehung zum Kind, sein Vertrauen würdigen – das ist der Schlüssel zum Lernen. Seien wir aufmerksam gegenüber Kindern, die eigentlich lernen könnten, wenn man sie liesse. Sie wollen, helfen wir ihnen zu können. Schaffen wir Beziehung durch behutsames Nachfragen. Die Qualität einer Beziehung liess sich für Eric Berne an der Haltung ablesen, in der Menschen einander begegnen. Die Formel dafür ist: ‹Ich bin OK – du bist OK.›

Literaturliste: ·R  ichard G. Erskine: Scham und Selbstgerechtigkeit: Transaktionsanalytische Sichtweisen und klinische Interventionen ·F  anita English: Transaktionsanalyse, Gefühle und Ersatzgefühle in Beziehungen ·E  rik H. Erikson: Childhood and Society ·N  orbert Nagel: Beziehung als Schlüssel zum Lernen ·K  ouwenhoven, Klitz, Elbing: Schwere Persönlichkeitsstörungen ·S  tephan Marks: Scham

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Schwerpunktthema

Scham

Scham ist möglicherweise die schmerzhafteste aller menschlichen Emotionen, und deshalb redet man nicht gerne über sie. Der Sozialwissenschafter Stephan Marks dazu: ‹Über Scham redet man nicht; man zeigt sie auch nicht, sondern verbirgt sie, hält sie geheim. Scham ist selbst zu etwas geworden, dessen sich viele Menschen schämen.›

Quelle: Internet

Der etymologische Hintergrund: Im Indogermanischen hiess Scham kamkem, d.h. zudecken, verschleiern und verbergen. Althochdeutsch hiess es scama und angelsächsisch scamu.

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Ich selbst hatte in meinem Leben viele Beschämungen hinzunehmen. Von einer will ich hier einleitend berichten. Sie war für mich prägend in meiner Ausbildungszeit zum Lehrer. Ich hatte als Seminarist im letzten Ausbildungsjahr vor einigen Kolleginnen und Kollegen eine Schulstunde in einer 4. Klasse zu erteilen. Neben dem Klassenlehrer war auch der oberste Verantwortliche der Übungsschule anwesend, der für meine Qualifikation zuständig war. In der Schlussbesprechung – vor anwesendem Publikum – meinte dieser erprobte Fachmann, der von allen recht gefürchtet wurde: ‹Werden Sie Fotograf, junger Mann, aber bitte niemals Lehrer, das muss jetzt und hier deutlich gesagt werden!› Am liebsten wäre ich im Boden versunken … und erzählte in der Folge keinem Menschen etwas über dieses Erleben, weil ich mich schämte. Das Beispiel zeigt: Scham kann zur vollständigen Lähmung/Blockierung (ang. K) führen. Sie kann aber auch Ansporn sein (reb. K, welches bestenfalls seine enorme Energie dem ER zuführt). Scham führte im erwähnten Beispiel bei mir zur sofortigen Blockierung im Frontalhirnkomplex. Das viel ältere Reptilienhirn mit seinen Automatikfunktionen tritt dann jeweils sofort in Aktion. Hier gibt es drei Möglichkeiten: Angriff, Flucht oder Verstecken. Weil ich damals am liebsten im Boden versunken wäre, traf das ‹verstecken wollen› zu. Trotzdem: Ich schwor mir – nachdem ich wieder bei Sinnen war – ‹Rache› und besetzte mein rebellisches Kind mit Energie. ‹Jetzt erst recht!› und: ‹Dem zeige ich es!› Und noch etwas später legte ich mir einen Plan zurecht, wie das denn zu schaffen wäre (ER). Zwei Jahre später stand ich – mit abgeschlossenem Lehrerdiplom – vor

Jürg Schläpfer Pädagoge, Grafologe SGG, Transaktionsanalytiker TSTA-E info@juerg-schlaepfer.ch


Schwerpunktthema

meiner eigenen Schulklasse, und in den folgenden 28 Jahren erteilte ich mit gros­ ser Freude und innerem Engagement Schulunterricht (und auch Foto-Unterricht). In einer Schamdefinition von Eva Wieser (Doktorarbeit, 2002) ist Folgendes zu lesen: ‹Scham wird verursacht durch den Verlust von liebevoller Verbindung zu bedeutungsvollen anderen, die für das psychische und physische Überleben notwendig sind oder für notwendig gehalten werden›. Auch Jacobi (1999) verweist auf Blickkontaktunterbrechung zwischen Mutter und Säugling. Er schreibt: ‹Der Augenkontakt und das Aufeinander-bezogen-sein von Angesicht zu Angesicht ist für die Entstehung jeglicher Bindung von entscheidender Bedeutung.› Eine weitere Scham-Definition von Kaufmann in ‹Die Psychologie der Scham›, 1989: ‹Phänomenologisch ist sich schämen das Gefühl, in einer schmerzhaft erniedrigten Weise gesehen zu werden›. Alle drei Definitionen, so verschieden sie auch sind, nehmen Bezug zu den Bindungsformen von John Bowlby (1907– 1990) und unterstellen, dass die beiden unsicheren Bindungsformen zu SCHAMProduzenten werden können. Zu John Bowlby’s Bindungsformen habe ich einen längeren Artikel geschrieben. Dieser steht im Kongressreader 2016 Tore und Brücken zur Welt (37. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Transaktionsanalyse, Seite 353–360. Dieser Artikel kann auch via E-Mail bei mir direkt bezogen werden.)

Im Weiteren ist festzuhalten, dass Scham in sehr unterschiedlichen Qualitäten mit völlig unterschiedlichen Endresultaten erlebt werden kann. So vergleicht Salman Rushdie in seinem Buch Scham und Schande die Scham mit einer Flüssigkeit. Wenn diese Flüssigkeit in ein Glas gegossen wird bis etwa zur Mitte, dann können wir das Bild einer normalen Schambesetzung, die wir alle kennen, sehen. Scham ist dann die Hüterin der menschlichen Würde, wie Leon Wurmser in seinem Buch Die Maske der Scham, 2016 schreibt. Nun wird das Bild mit dem Wasserglas erweitert: Es wird noch mehr Wasser ins Glas gegossen, bis zum oberen Rand und dann noch weiter, das Glas wird zum Überlaufen gebracht. Kein Problem, sagt Salman Rushdie und nimmt eine grössere Papierserviette. Damit wischt er das verschüttete Wasser weg, macht einen Knäuel. Dieser Knäuel, sagt er nun, ist die abgewehrte Scham, welche nun auf andere Menschen und Volksgruppen projiziert oder ausgelagert werden kann. Zuviel Scham muss abgewehrt werden, weil sie nicht auszuhalten wäre. Dazu eigneten sich, im Laufe der Geschichte, immer wieder spezielle Menschengruppen: So die Juden, Zigeuner, Osteuropäer im 2. Weltkrieg, Völkermord an den Armeniern 1915, dann aus neuester Zeit Völkermord 1994 an den Hutu, die während 100 Tagen zu 75 % von der Tutsi-Minderheit ausgerottet wurden und viele mehr. Transaktionsanalytisch wird die Grundeinstellung –/+ (‹Schameinstellung›) kompensatorisch in die Grundeinstellung +/– verwandelt. Damit kann man sich (wenigstens vorübergehend) besser fühlen.

Dazu noch ein letztes Beispiel (beschrieben von Stefan Marks und in seinem Buch genauer und ausführlicher beschrieben) aus der Fussball-Geschichte: Im Jahre 2006 fand das Weltmeisterspiel zwischen den Finalisten Frankreich und Italien statt. Auf französischer Seite spielte einer der besten Fussballer aller Zeiten, der bescheidene, freundliche und hoch disziplinierte Zinedine Zidane. Auf italienischer Seite spielte Marco Materazzi. Bis zur Verlängerung war unentschieden. Dann wurde Zidane, der Spitzenspieler und Spielemacher der Franzosen vom Platz verwiesen, weil er seinen Kopf in die Brust von Materazzi gerammt hatte. Die Italiener gewannen das Spiel und dies in den letzten 10 Minuten vor etwa 1 Milliarde TV-Zuschauern in der ganzen Welt. Hintergrund dieser Angelegenheit: Scham. Materazzi hat im Verlaufe des Spieles Zinedine Zidane mehrmals vorgehalten, seine Mutter und seine Schwester seien Huren. Diese schrecklichste Beschämung liess in Zinedine Zidane unkontrollierbare, überschäumende Scham aufkommen (–/+), die er in einem Frontalangriff (+/–) auf seinen Gegner abreagierte. So sagt es auch Daniel Hell in seinem neuesten Buch (Depression als Störung des Gleichgewichts): ‹Scham gehört zum Schlimmsten, was ein Mensch erleben kann. Manchmal ist es zu spät, und es lässt sich dann nur noch beschämt auf früheres Verhalten blicken. Die Bewältigung der Scham ist schwierig, eben weil die Vorkommnisse schmerzhaft sind und diese lieber versteckt werden wollen. Deshalb wird das Aufarbeiten verdrängt›. (Zit. Daniel Hell, Zürichsee-Zeitung, 4.10.2013)

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Schwerpunktthema

Transaktionsanalytisch kann das SchamGeschehen mit dem Miniskript-Ablauf sehr gut erklärt werden. Mittels AntreiberVerhalten kann ich in einem bedingten OK-OK-Verhalten bleiben und meine Schamgefühle mehr oder weniger vermeiden (Position 1). Gelingt das Gebot des Antreibers nicht, werde ich in die Position 2 katapultiert. Dort fühle ich mich schlecht, weil gleichzeitig Kontakt zur unterschwelligen Bannbotschaft aufkommt, welche

eine sehr schmerzhafte Auswirkung hat. Diese entspricht Zidane’s Position nach der Beschimpfung durch Materazzi. Zidane ‹verarbeitet› diesen Schmerz kompensatorisch, mittels Schamabwehr, in der Position 3 und schlägt in einer fussballerisch verbotenen Art zurück. Ich füge hier das Miniskript ein und versehe es mit ‹Scham-Zuschreibungen›:

Miniskriptablauf Das Miniskript beschreibt eine Sequenz (Dauer einige Sekunden bis einige Minuten) von skriptgebundenen Verhaltensweisen und Maschengefühlen, die immer mit einem der fünf bekannten Antreiber anfängt. ‹Ich bin OK, wenn ich immer …› 1. Antreiber: bedingtes OK-Sein: kann als Schamvermeidung gesehen werden 2. Einhalt: kann als Scham in normaler Ausprägung gesehen werden 3. Tadel: kann als kompensatorische Schamabwehr gesehen werden 4. Verzweiflung: kann als traumatische Scham gesehen werden

1. Antreiber

3. Tadel

4. Verzweiflung

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2. Einhalt

+/+ bedingt –/+ +/– –/–

Ich postuliere: Wenn wir den Schambegriff in normale Scham (halb gefülltes Wasserglas) und in traumatische Scham (überlaufendes Wasserglas) separieren, können wir in den Positionen 1, 2 und 3 einen sich häufig wiederholenden Schamzyklus erkennen. Je nach Schamstärke und Lebenszyklus der Scham (oft lebenslänglich) kommt irgendwann auch Punkt 4 dazu. Punkt 4 bedeutet dann völlige Verzweiflung, oft Suizid. Voraussetzung, um im ‹kleinen Kreislauf› 1, 2 und 3 zu bleiben, wäre eine sichere Bindungsform. Traurige Voraussetzung für den grösseren Kreislauf 1, 2, 3 und schliesslich 4 ist eine stark traumatisierte, unsichere Bindungsform, worüber meist nicht gesprochen werden kann. Insbesondere die traumatische Scham führt: · zum Verlust der Selbstachtung · zum Skript-Glaubenssatz ‹Mit mir stimmt etwas nicht!› oder auch ‹Ich bin nicht zugehörig!› · zu Selbstgerechtigkeit als Abwehrform und Verleugnung des Bedürfnisses nach Beziehung · z u narzisstischen Wunden · zu Einsamkeit (Aufmerksamkeit und Wahrnehmung richten sich nur noch auf sich selbst) · zu Kontaktvermeidung (gemäss John Bowlby meist vermeidende unsichere Bindungsform) · zum Verstecken (Beziehungen zum Mitmenschen werden dann schlagartig abgebrochen)


Schwerpunktthema

Der oben beschriebene Schamzyklus kann – wie der uns allen bekannte Miniskript­ ablauf – unterbrochen oder gar vermieden werden. Dies geschieht durch seelische Reife, durch Aufarbeiten seiner persönlichen Geschichte, durch psychoanalytisches Bearbeiten traumatischer Scham, durch Offenlegung der Schamerlebnisse und durch Umwandlung der früher erlebten unsicheren Bindungsform in eine reife und sichere Bindungsform. Eine sichere Bindungsform kann im Laufe des Lebens nachgeholt werden und entspricht transaktionsanalytisch der wechselseitigen und bereichernden Autonomie oder auch dem integrierten ER.

Dann noch einige Worte zur Schamabwehr resp. zu den Kompensationsstrategien: · A ngriff als beste Verteidigung: andere werden beschämt, verachtet, zynisch behandelt · Perfektionismus (transaktionsanalytisch: sei perfekt!) · Schwerverständliche Sprache · L ogorrhoe · P rojektionen · Grössenphantasien · Narzissmus Diese verschiedenen Methoden haben immer etwas mit ‹verstecken› zu tun und gewähren dem entsprechenden Anwender ‹Schutz› vor weiteren seelischen Verletzungen. Reife und echte Entwicklung kann auf diesen scheinbaren Schutz verzichten. Sehr schöne Beispiele dazu lieferte Hilde Anderegg Somaini in ihrem berührenden Buch ‹Der verschlossene Umschlag› 2014 und auch Klara Obermüller in ‹Spurensuche›, 2016. Beide Bücher sind ausserordentlich geeignet, eine persönliche Öffnung und damit Befreiung zu fördern.

Literatur: ·S  tephan Marks: Scham – die tabuisierte Emotion ·L  eon Wurmser: Die Maske der Scham ·S  alman Rushdie: Scham und Schande ·M  . Jacoby: Scham und Angst und Selbstwertgefühl ·E  va Bänninger Doktorarbeit zur Bedeutung von Scham bei stotternden Menschen, 2002 an der Universität Innsbruck · J ohn Bowlby: Frühe Bindung und kindliche Entwicklung ·H  ilde Anderegg Somaini: Der verschlossene Umschlag ·K  lara Obermüller: Spurensuche ·D  aniel Hell: Depression als Störung des Gleichgewichts ·S  . Kaufmann in ‹Die Psychologie der Scham›, 1989 ·K  ongressreader 2016 Tore und Brücken zur Welt (37. Kongress in Hamburg), Artikel von Jürg Schläpfer auf Seite 353– 360). Separater Artikel abrufbar unter info@juerg-schlaepfer.ch

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Schwerpunktthema

Bericht Viele Jahre habe ich meine Schamgeschichte erfolgreich verdrängt. Das Thema Scham hat für mich in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen. Es wurde zu einem zentralen Lebensthema. Aus diesem Grund nahm ich die Einladung der Schweizerischen Grafologischen Gesellschaft sehr gerne an. Anlässlich eines Tages-Workshop wurde das Thema Scham behandelt. Nach einem spannenden Theorie Input wurden entsprechende Handschriften vorgestellt – so auch meine. Es kostete mich viel Mut, mich in dieser Runde von mir unbekannten, professionellen Grafologen auf ein Gespräch mit Jürg Schläpfer einzulassen. Ich habe mich der Situation gestellt.

Bereits nach kurzer Zeit konnte ich weitgehend die ganze Runde auszublenden. Dies ermöglichte mir, mich gut zu konzentrieren, um die Fragen von Jürg Schläpfer authentisch beantworten zu können. Das Gespräch löste in mir Emotionen aus, welche ich für mich rasch einzuordnen vermochte. Somit blieb ich optimal in meiner Kraft. Meine Schriftprobe mit Unterschrift wurde an die Wand projiziert, damit sie durch diese starke Vergrösserung im Detail analysiert werden konnte. Spannend war für mich schon die erste Frage von Jürg Schläpfer, in welcher er mich zu meiner Unterschrift befragte. Es ist eindrücklich, was eine Unterschrift aus grafologischer Sicht alles hergibt. Jürg Schläpfer stellte in meiner Schrift fest, dass ich in meiner Kindheit wohl sehr um meinen Platz kämpfen musste. Dies konnte ich bestätigen. Ich erzählte, wie stark ich mich in meiner Kindheit ausge-

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schlossen fühlte, und dass ich oft eingesperrt Zeit verbringen musste. So entwickelte ich einerseits meine Schamgeschichte; andererseits bildete sich dadurch auch ein unsicheres ambivalentes Bindungsmuster, welches die Grafologen ebenfalls in meiner Schrift erkennen konnten. Zudem wurde meine Bannbotschaft ‹gehöre nicht dazu!›, wie auch die entsprechenden Kompensationsmechanismen deutlich erkannt. Nach dem Gespräch mit Jürg Schläpfer besprachen wir noch meinen Mini-SkriptAblauf. Zum Abschluss der Sequenz gaben mir die anwesenden Grafologen ermutigende Rückmeldungen. Unter anderem wiesen sie auf meine starke Lebenskraft und auf meine Resilienz hin. Sie zeigten mir auf, wie ein möglicher Entwicklungsweg aussehen könnte. Dieser Morgen war für mich eine neue, spannende Erfahrung, und es macht mich stolz, dass es mir gelungen ist, in einer wohlwollenden Runde offen über meine Schamerfahrungen zu sprechen. Dies war für mich ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung ‹innere Befreiung›. Ich danke speziell Jürg Schläpfer für die Einladung und alle den damals anwesenden Grafologinnen und Grafologen für die Rückmeldungen, und dass ich an diesem Morgen ‹Teil der Gruppe› sein durfte. S.B. (Name der Redaktion bekannt)


Schwerpunktthema

Die Geschichte meiner Scham und der Beginn deren Auflösung

Meine Scham, ich nenne es vor allem Fremdschämen, begleitet mein Leben bis heute (53 Jahre) wie ein Schatten. Ich bin die Jüngste von drei Geschwistern. Meine zwei älteren Geschwister sind geistig behindert. Mein Vater arbeitete als Käser, meine Mutter war sehr durch die Betreuung meiner Geschwister absorbiert. Wir lebten die ersten Jahre abgeschieden. Im Alter von zehn Jahren zogen wir vom Land in eine städtische Umgebung. Bei diesem Umzug erlebte ich eine Konfrontation mit der Aussenwelt, die in mir bewusste Scham, Fremdscham, auslöste. Wir waren anders als andere Familien. Ich habe mich zeitweise sehr für meine behinderten Geschwister geschämt. Sie benahmen sich anders. Mein Vater wollte, dass meine Schwester gemeinsam mit mir zur Sonntagsschule ging. Dort musste sie wie alle anderen vorlesen, was sie nicht gut konnte. Ich habe ihr dann Wort für Wort eingeflüstert und dabei innerlich gezittert, in der Hoffnung, dass sich niemand über sie lustig machen würde. Meine Geschwister stellten meine Normalität und soziale Zugehörigkeit in Frage. Ich hatte latent Angst, von anderen Kindern ausgegrenzt zu werden. Ich meinte zu wissen, was sie über mich dachten; ‹ich sei zu dumm, zu dick etc.›, und in der Folge würden sie mich als Freundin ausschliessen. Aus diesem Grunde habe ich meine Geschwister möglichst versteckt gehalten. Ich vermied es, mich im öffentlichen Raum mit ihnen sehen zu lassen. Die meiste Freizeit verbrachte ich ausserhalb meiner Familie. Ich nahm nur wenige Freundinnen mit nach Hause. Auch wegen unserer Wohnung mit den alten Möbeln und auch der Einfachheit meiner Eltern wegen schämte ich mich.

Mein Vater arbeitete am neuen Ort in der Kehrichtverbrennung in Schichtarbeit. Manchmal kam er mir auf dem Schulweg, noch schmutzig von der Arbeit, entgegen. Er duschte erst zu Hause. Wenn ich ihn so sah, wich ich ihm aus, ging sogar auf die andere Strassenseite, sodass ich ihm nicht direkt begegnen musste. Als ich 14 Jahre alt war, sagte ich meinem Vater einmal, wie altmodisch er sich kleide, und dass ich mich seiner schäme. Er kaufte sich neue Kleider, die er nicht mehr tragen konnte, weil er in der gleichen Woche tödlich verunfallte. Meine Scham wuchs nun ins Unermessliche, weil ich seinen überraschenden Unfalltod mit meiner Äusserung verknüpfte. Ich hatte mein Leben lang Angst davor, als ‹Ungebildete› bewertet und deswegen ausgegrenzt zu werden. Das Gefühl, ‹nichts› mitbekommen zu haben, ‹nichts› wert zu sein, veranlasste mich, durch Lernen und Büffeln für mich und meine Herkunftsfamilie Boden gut zu machen. Die Scham sass extrem tief, und so versuchte ich durch Kompensation dieser zu begegnen und sie abzuschwächen. Ich schloss diverse Ausbildungen ab, las unzählige Bücher, trieb Sport und vieles mehr. So versuchte ich dem Gefühl der Wertlosigkeit durch Leistung einen Wert zu geben und endlich zu den ‹Intelligenten› zu gehören! Natürlich setzte ich die Messlatte sehr hoch, ich wollte perfekt sein. Es war klar, dass ich mit dieser hohen Zielsetzung immer wieder frustriert wurde.

Gemäss Mini-Skript-Ablauf geriet ich dann jeweils sehr schnell von der Position 1 (Antreiberverhalten), in die Position 2. Da wurden alte Wunden geöffnet. (‹Du gehörst nicht dazu!›) Das war schmerzhaft, weil die dazugehörende Scham, welche ich ja unterdrücken wollte, erneut in Aktion trat. Ich merke langsam, dass ich die ganze Schamproblematik nicht einfach durch Leistung kompensieren kann, sondern ich muss darüber reden, mich öffnen und mich nicht mehr ‹verstecken›. Seit einigen Monaten gelingt es mir, offen über meine Ursprungsfamilie zu sprechen, weil mein Bruder wegen einer Erkrankung professionelle Unterstützung braucht. Er und ich haben viel Solidarität erfahren. Soviel Freundlichkeit, Anteilnahme und Hilfsbereitschaft zu erfahren, hat mich positiv überrascht. Durch das offene, auch öffentliche Kommunizieren löste sich ein Grossteil meines Fremdschämens auf. Mit viel Mut habe ich mich dieses Jahr einem Gespräch über meine Scham gestellt. Dies nicht nur im Einzelgespräch, sondern vor einer Expertengruppe. Ich liess mich in ein sehr persönliches Gespräch mit Jürg Schläpfer ein. Auf einer weissen Wand wurde meine Handschrift sehr stark vergrös­ sert gezeigt. Dieses Offenlegen brauchte Überwindung, und sie diente der weiteren, befreienden Öffnung. Ich bekam nach dem Gespräch grossartige und ermutigende Rückmeldungen aus der Gruppe, was mich sehr bewegte. Damit wurde ein gewisses Ventil geöffnet, und der Druck des unterdrückten Scham-Geheimnisses nimmt nun ab.

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Schwerpunktthema

Ich merke jetzt sehr genau, dass es nicht Menschen von aussen sind, die mich verurteilen, sondern es sind meine eigenen DenkKonstrukte, die meine Lebensfreude oft lähmen. Gegenwärtig lerne ich, unabhängig von der Ursprungsfamilie meine eigene Identität zu finden. Ich will mehr und mehr in der Plus-Plus-Haltung leben, weg von der Mi-

nus-Plus-Haltung. Schritt für Schritt weiter gehen, auch im Umgang mit meinen Geschwistern. Im Buch von Daniel Hell über die Depression las ich einen wichtigen Satz: ‹Sich für andere zu schämen (Fremdschämen) setzt Einfühlung voraus!›

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Durch das Zusammensein mit meinen Geschwistern konnte ich viel Sozialkompetenz erwerben. Diese Fähigkeit kommt mir nun in meiner Arbeit als Sozialarbeiterin im Spital zugute. Vom Fremdschämen will ich jetzt wegkommen, weil es meinem Selbstwertgefühl schadet.

Weiterbildung • Supervision • Psychologische Beratung • Mal- und Gestaltungstherapie Jacqueline Dossenbach-Schuler, Lehrberechtigte Transaktionsanalytikerin TSTA-C, Supervisorin BSO, Mal- und Gestaltungstherapeutin IAC Obfelderstr. 31, 8910 Affoltern a./A., Tel. 044 761 01 60, www.transaktionsanalyse-ausbildung.ch


Schwerpunktthema

Schämen in der Schule? Schon im Kindergarten!

Emma kommt mit einem ‹Lätsch› in den Kindergarten. Ihre unglückliche Mimik hellt sich den ganzen Morgen kaum auf. Sie mag es auch nicht, gefragt zu werden, was ihr fehlt. Ihre Wäscheklammer will sie nicht auf ein Gefühlsgesicht klemmen. Erst im Gespräch mit der Mutter erfahre ich, dass Emma sich für alles Mögliche schämt.

Ursula Siedhoff Transaktionsanalytikerin CTA-E Lehrperson für den Kindergarten im Kanton Bern, Schulleiterin, Erwachsenenbildnerin MAS A&PE usrb@bluewin.ch

Sämi ist wie Emma sechs Jahre alt. Er meldet sich in der grossen Gruppe mit über zwanzig Kindern wenig zu Wort. Wenn er spricht, dann nur sehr leise. Er erlaubt sich weder Fehler noch Regelüberschreitungen, kaum ein Spässchen. Er getraut sich selten, etwas Neues auszuprobieren, geniert sich, wenn er im Mittelpunkt steht. Er spielt, was er schon kennt oder trainiert Bewegungsspiele, bei denen er sich sicher fühlt. Susi denkt sich komplizierte Strategien und Geschichten aus, um möglichst nicht für etwas einstehen zu müssen, wofür sie meint sich schämen zu müssen. Sie versucht krampfhaft etwas zu vermeiden, was sie als Fehler erachten würde. Fehler, die bei gewissen Spielen passieren, eingeplant sind und Lernschritte wären. Wenn andere sich über etwas freuen, stolz etwas erzählen oder zeigen, hat Susi bestimmt zuhause dasselbe, nur grösser. Sie reagiert neidisch, wenn ein anderes Kind einen spontanen Stroke erhält. Diese Namen sind frei erfunden. Solche und ähnliche Auswirkungen des ‹SichSchämens› beobachte ich in fast jeder Klasse.

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Zu Beginn des Jahres beobachte ich, wie es den Kindern geht, und plane die Lernziele entsprechend. Was grundsätzlich für das erste Quartal vorgesehen ist, begleitet uns weiterhin im Schuljahr. Mit sich so sehr schämenden Kindern ist die Arbeit mit der ‹Erlauberhaltung› wichtig. ‹Du bist gut, so wie du bist. Du bist du. Du darfst dich über dich freuen. Du bist einzigartig.› Aufbau des Selbstwertgefühls und gesunder Umgang mit Selbstvertrauen bleiben wichtige Ziele, andere rücken in den Hintergrund. In die Schule gebe ich Kinder, wie sie in der Einleitung beschrieben sind, mit unguten Gefühlen ab. Aus meiner Schulleitungszeit weiss ich, was in Peergruppen1 oft lange unentdeckt geschehen kann. Kinder, die sich aus eigenem Antrieb, perfekt sein zu wollen, schon im Kindergarten in dem Ausmass schämen, können für andere Peers gefundene Opfer sein. Diese überdecken wiederum mit Necken, Hänseln oder gar Plagen ihre eigenen unausgedrückten Gefühle. Die Verantwortung dafür, dass solche Kinder in der Schule nicht optimal geschützt und gestützt werden, kann nicht allein den Lehrpersonen auferlegt werden. In diesem Jahr kommen unsere Sechsjährigen beispielsweise in Klassen mit weit über zwanzig Kindern. Politiker sparen, Klassen werden grösser, der Leistungsdruck steigt. Ab der dritten Klasse kommen Noten dazu, Lehrpersonen haben einen klaren Beurteilungsauftrag. Emma, Sämi, Susi und viele andere Kinder, deren Selbstwertgefühl mangelhaft oder nicht stabil ist, werden sich wohl schwerlich frei entfalten können.

 eergroup: Nebst dem Elternhaus primäre soziale P Bezugsgruppe. Gleichaltrige Kinder.

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Schwerpunktthema

Sich schämen. Es sind eigene und übernommene Gedanken, die nicht überprüft und angepasst werden. Sie führen zu negativen Gefühlen, zu körperlichen Symptomen, schulischen Blockaden und sozialen Schwierigkeiten.

Im Bilderbuch vom ‹kleinen Ich-bin-Ich› geht es darum, dass ein Fabeltier erst wie die anderen Tiere sein möchte und dann entdeckt, dass es eigenständig aussehen und sein darf. Das Buch eignet sich zum Eintauchen in die Geschichte, zum Gestalten und Lieder singen. Die grossen quadratischen Karten aus dem Set von Karin Baumgartner-Reichenbach unterstützen meine Arbeit mit symbolischen Bildern.

Mögliche Umsetzung von Kon­zepten im Kindergarten und in der Unterstufe ‹Tiger – Tiger ist es wahr?› In diesem wunderbaren Bilderbuch von Katie Byron können die Kinder erkennen, dass sie ihre eigenen Gedanken in Frage stellen dürfen. Sie fühlen mit dem Tiger und lernen, sich hilfreiche Fragen zu stellen. Muss Tiger Tiger wirklich traurig sein, weil Zebra mit Nashorn spielen will? Sind seine Gedanken wahr? Hat er andere Möglichkeiten? Wir suchen nach Möglichkeiten. Mit der Zeit und etwas Übung werden die Kinder erfinderisch.

Mit dem Konzept der vier Grundgefühle sollen die Kinder unterstützt werden, eigenständig fühlen zu dürfen und das jederzeit angepasst ausdrücken zu dürfen. Ich verwende bewusst das Wort dürfen, weil ich von einigen Kindern der Klasse weiss, dass sie sich für gewisse Gefühle schämen.

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Von einem neutralen Stoffband können die Kinder ihre mit Namen versehene Wäscheklammer am entsprechenden Gefühlsgesicht festklammern. Freiwillig können Sie dazu etwas sagen. Wenn sie traurig sind oder Angst haben, besteht die Möglichkeit bei jemandem Trost zu suchen, zur Lehrperson zu kommen oder sich in eine Matratzenhöhle zu Plüschtieren zurückzuziehen. Bei Wut dürfen sie mit einem grossen Block Knete arbeiten, auch lärmen. Oft mangelt es an Zeit für ungeteilte Aufmerksamkeit, oder auch an der Geduld der restlichen zweiundzwanzig Kinder, um näher auf die Gefühle eines einzelnen Kindes einzugehen. Die Kinder wissen das. Manchmal reicht es auch, den anderen laut und wütend zu sagen: ‹Meine Klammer ist im Fall auf dem wütenden Gesicht! Hä!› Das vierte Gesicht ist das fröhliche. Viele Klammern bleiben lange dort. Ich erachte es als wichtig, dass die Kinder auch die Option haben, das neutrale Stoffband zu wählen, damit keine Wertung unter den vier Grundgefühlen entsteht.

In der Geschichte geht es um die OK-OKHaltung. Die üben wir, indem wir singen: ‹… ich bin anders als du … und das ist schön …› Wir finden für einzelne Kinder unkonventionelle Lösungen. Ein Kind kann vielleicht noch nicht stillsitzen, ein anderes kann noch nicht gut in der Gruppe aufräumen helfen. Die Kinder wissen und akzeptieren, dass nicht immer alle alles gleich machen. Dafür bringt uns das eine dieser Kinder oft zum Lachen und das andere stellt komplizierte Puzzles fertig. Kinder sollen sich orientieren können. Darum gebe ich Feedbacks unter anderem für Handlungen, Fortschritte, Erfolge und Hilfsbereitschaft. Ich erkläre, dass ich lobe, was meine Augen sehen. Es gibt folglich vieles, was die Kinder tun und können, was aber von mir nicht erwähnt wird, weil ich nicht alles sehen kann. Ich benutze bewusst die Redewendung: ‹Da hast du eine


Schwerpunktthema

gute Idee gemacht› (Idee umsetzen). Entsprechend gebe ich auch bedingt kritisches Feedback: ‹Du machst damit eine schlechte Idee vor. Wenn du eine solche Idee hast, dann überlege dir, ob du sie machen willst oder nicht.› Positiv bedingungslos versuche ich mit meinen alltäglichen Handlungen, meiner Aufmerksamkeit zu stroken. Und sobald ich realisiere, dass ich einem Kind einen strengen Blick schicke, wandle ich dieses bedingungslose, negative Feedback in ein bedingtes um, indem ich erkläre, welches Verhalten nicht hilfreich war. Meistens schliesse ich solche Feedbacks mit einer Erklärung oder einer anerkennenden Geste ab. Mit dem Bilderbuch vom ‹Rucksack voller Glück› lernen wir, dass wir nicht alle Strokes annehmen müssen. Unschöne Gefühle sind darin als Steine im Rucksack dargestellt. Wir wollen den eigenen Rucksack nicht mit Steinen füllen. Inspiriert durch Theresia Kalkan, die in ihrer Zertifikatsarbeit über die Umsetzung des Märchens von den Kuscheltüchern (Steiner, S. 74) schreibt, spielen wir mit den Steinen und üben, die Steine liegen zu lassen. Die Kin-

der kommen zur Lehrperson und sagen: ‹Der hat mir «du kannst das gar nicht» gesagt, und das hat mir einen Stein gemacht!› Auf die Frage, ob sich das Kind den Stein in den Rucksack nimmt, gibt es die unterschiedlichsten Antworten, entsprechend ihres Entwicklungsstandes. Es ist spannend zu beobachten, wie unterschiedlich vierjährige Kindergartenkinder bereits aus ER-Ich und EL-Ich kommunizieren oder sich lieber noch auf trotzende innere Rebellen verlassen. Ein zeitgenössischer Familien­ experte macht nachdenklich

Der vielgelesene dänische Autor, Lehrer und Berater Jesper Juul sieht es als ernsthaftes Problem für heutige Kinder, dass Eltern versuchen, die Techniken der Lehrer zu übernehmen (vgl. S. 134). Aus der Sicht des Kindes schreibt er: ‹Wenn meine Erwachsenen ständig mit den nächsten Schritten meiner Entwicklung beschäftigt sind, dann fühle ich mich nicht okay so, wie ich jetzt gerade bin!› (S.135)

Die Umsetzung des Stroke-Konzepts werde ich anpassen. Zu schnell sage ich in meiner Rolle als Lehrperson ‹sehr schön gemacht›. Damit zementiere ich das Machtgefälle. Eine strukturelle, physische und soziale Macht soll zum Schutz der Kinder wirkungsvoll sein. Dennoch können wir Lehrpersonen auf einen flexibleren oder ‹elastischen› Umgang mit unserer Machtposition achten. Was ich beim freien Malen sage, kann ich auf andere Bereiche übertragen: ‹Mir gefällt, was Kinder malen. Es kommt aus euch heraus, also ist es gut. Ich sage bei keinem Bild, ob es mir gefällt oder nicht, aber ich höre euch gerne zu, was ihr mir von eurem Bild erzählen möchtet.› Eine Aussage Juuls stellt klar, welche Grundlage mein künftiges Stroke-Konzept stützen soll: ‹Viele Eltern sind noch nicht daran interessiert, wie Kinder wirklich denken und fühlen. Sie interessieren sich mehr dafür, wie Kinder zu denken und zu fühlen haben. Wenn dem dann noch Lob und verbale Liebeserklärungen nachfolgen, wird der Selbstwert der Kinder geschwächt.› (S. 138)

Diese Aussage sitzt. Ich war der Meinung, mit meinen Strokes könne ich Selbstvertrauen stärken. Sofort fingen Kinder an, auch etwas zu tun, das andere taten, um denselben Stroke zu erhalten. Emma im Besonderen. Ihr Stroke-Hunger führte dazu, dass sie mir Bastelarbeiten anderer Kinder als ihre eigenen verkaufen wollte, um meine Strokes zu erhalten.

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Schwerpunktthema

In meiner Schlussfolgerung unterstützt mich Juul mit folgender Aussage: ‹Ihre Kinder mühen sich ab, zu kooperieren und mit dem fehlenden Vertrauen fertig zu werden in dem sie ihre Körper und Seelen in dem nicht enden wollenden Versuch, zu gefallen und zu überleben, verbiegen und verdrehen.› (S.127) Ich sehe in diesem Verbiegen und Verdrehen einen Ursprung der Schamgefühle. Das Schul- und das Beurteilungssystem, Lehrpersonen und Peers können sehr viel Anpassung, Kooperation, Verbiegen und Verdrehen einfordern. Juul spricht von Authentizität (vgl. S. 157ff), Eric Berne nannte es Autonomie. Stützen und Schützen wir die Autonomie der Kinder in der Zeit, in der sie in unserer Klasse sitzen!

Die Einladung zu diesem Thema zu schreiben und die Auseinandersetzung damit, führt zu meiner Grundannahme, dass noch viel mehr ‹Schämen-Gedanken› in den Köpfen, Herzen und Seelen der Kinder auf eine ernsthafte Überprüfung warten. Was Juul als bestmöglichen Schutz aufzählt, müsste uns bekannt vorkommen: ‹1. Ein gesundes Gefühl zu seinem Selbst entwickeln und die Erfahrung, sich als wertvoll für die Menschen zu erleben, die wir lieben. Das Gefühl, dass wir okay sind. Dass wir es wert sind, geliebt zu werden genau so, wie wir sind – hier und jetzt. 2. Die Möglichkeit, unser Leben in vollem Umfang zu leben, unsere Potenziale bestmöglich zu entfalten, sowohl auf intellektueller als auch auf emotionaler und psychischer Ebene. All das unterstützt unseren Selbstwert.› (S. 134) Ermutigen wir. Stellen wir Lernumgebungen und Forschermöglichkeiten zur Verfügung. Treten wir mit den Schulkindern in echte, unterstützende Beziehung. Lesen wir Juul. Verschenken wir Bilderbücher.

Literatur und Bilderbücher: ·B  aumgartner-Reichenbach, Karin: Du darfst wachsen, ELK Verlag, Winterthur, 1996 ·B  yron, Katie: Tiger – Tiger ist es wahr? Palaysia, Gronau, 2010 · J uul, Jesper: Leitwölfe sein. Liebevolle Führung in der Familie (8. Auflage), Beltz, Weinheim, 2016 ·K  alkan, Maria Theresia : Wachse, werde, sei! Schriftliche CTA-Arbeit, 1998 ·L  obe, Mira, Weigel, Susi: Das kleine Ich bin Ich. Jungbrunnen, Wien, 1972 ·S  teiner, Claude: Wie man Lebenspläne verändert. Deutscher Taschenbuchverlag, München, 1992 ·S  tewart, Ian, Joines, Vann: Die Transaktionsanalyse. Eine Einführung (19. Auflage), Herder, Freiburg, 2000 · Volmert, Julia, Broska, Elke: Ein Rucksack voller Glück. Albarello, Haan, 2014

Professionalisierung in Transaktionsanalyse > 101-Basiskurs in TA > Dreijährige Grundausbildung in TA

> Fortgeschrittenen-Training und Prüfungsvorbereitung > Weiterbildung für PTSTA

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Redaktionelles

Rezension

Judith Herman: Die Narben der Gewalt Traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden

Judith Herman leitet als Professorin ein Programm, in welchem sie – seit über 30 Jahren – Opfer von Gewalttaten in direktem therapeutischem Kontakt begleitet. Ihr Buch richtet sich an Menschen, welche mit Traumatisierten arbeiten oder diese besser verstehen wollen. In einem ersten Teil werden traumatische Störungen fundiert und reichlich ausführlich behandelt, im zweiten Teil geht es um die Genesung dieser Störungen. Weil Traumata generell verdrängt werden und mit dem Thema Scham (Schwerpunkt dieses Heftes) in direkter Verbindung stehen können, ist ein Zusammenhang dieser Themen offensichtlich. Judith Hermann beschreibt drei Stossrichtungen in der Psychotraumaforschung: Hysterie, traumatische Kriegsneurosen und Neurosen im Zusammenhang mit dem Geschlechterkampf. Geschichtliches wird erläutert (so Hysterie-Forschung durch Freud), dann werden viele Zusammenhänge aufgezeigt, welche mich persönlich sehr angesprochen haben. Im Weiteren geht Hermann auf die traumatischen Folgen der Angst ein. Der Geist wird gelähmt, das innere Gleichgewicht wird zerstört, Gefühlsüberflutung, aber auch Gefühllosigkeit ist möglich. Für uns Transaktionsanalytiker/-innen ist das Kapitel der ‹Nichtzugehörigkeit› von grosser Bedeutung, weil wir hier transaktionsanalytische Zusammenhänge zum Miniskript erkennen können. Traumata zerstören jedwelchen AutonomieAnsatz, eine der drei negativen Grundpositionen (–/+, –/–, +/–) wird zur dominanten Einstellung. Interessant ist ein weiterer Zusammenhang zu Bowlby’s Bindungssystem: Da traumatische Ereignisse das Vertrauen zum Mitmenschen (transaktionsanalytisch: Intimität) völlig zerstören und damit in eine unsichere Bindungsform überführen, muss der/die Traumatisierte neues Vertrauen in Menschen entwickeln. Dazu ist die Solidarität des Umfeldes von zentraler Bedeutung. Nur so kann das Opfer – wenigstens ansatzweise – wieder eine sichere Bindung erreichen. Durch positive Strokes kann das traumatisierte Opfer

am ehesten wieder in die Gesellschaft integriert werden. Leider wird John Bowlby’s Bindungstheorie – obwohl als ständiges Erklärungsmodell verwendet – mit keinem Wort erwähnt. Gleichzeitig muss gesagt werden, dass der Text sich sehr in die Länge zieht und es recht häufig zu Wiederholungen von bereits Gesagtem kommt. In weiteren Kapiteln werden die häusliche Gewalt, Entführungen und Geiselnahmen behandelt. Pathologische emotionale Bindungsformen und deren psychosomatische Reaktionen, die sich (ohne Behandlung) lebenslänglich zeigen können, werden klar erläutert. Auch der Kindsmissbrauch wird thematisiert: Sexuelle Ausbeutungen führen häufig zu unerträglichem emotionalem Schmerz. Es werden Abwehrmechanismen gebildet, was eine integrierte Persönlichkeit (Integriertes ER) praktisch verhindert und oft erst im mittleren Erwachsenenalter therapeutisch erfolgreich angegangen werden können.

Im 2. Teil des Buches geht es um die Heilung. Dieser Teil richtet sich hauptsächlich an Therapeutinnen und Therapeuten. Heilung kann nur in einem Klima gegenseitiger OK-OK-Beziehung gelingen. Ein Trauma kann niemals alleine behandelt werden, es braucht therapeutische Hilfe. Ziel ist immer: Wiedererlangung von Autonomie, eigenständiger Identität und gelingende Beziehungsfähigkeit. Dazu ist bewusste Erinnerung, sowie Trauerarbeit notwendig. Das häufig ‹verordnete› Schweigegebot ist zwingend zu brechen (siehe die beiden Kurzberichte in diesem Heft von SB und MS).

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Redaktionelles

Artikel gesucht fürs info eins 18 und zwei 18

Judith Herman’s Buch ist höchst beunruhigend und fordert gleichzeitig zu aktivem Handeln auf. Passivität von Seiten des Umfeldes oder gar aktives Verschweigen (meist aus Scham-Gründen) führt zu keiner Heilung des Traumas und sanktioniert letztlich die zerstörerischen Übergriffe. Es geht immer um die Würde des Menschen und bei Verlust derselben um die Wiederherstellung. Der Täter oder die Täterin darf nicht vor Verantwortung ausgeklammert und damit geschont werden. Er oder sie soll zur Rechenschaft gezogen werden, damit dem Opfer überhaupt noch eine gewisse ‹Gerechtigkeit› und erneute Autonomie verschafft werden kann.

Das nächste info vom Frühjahr 2018 erscheint zum Thema professionalität und profession als transaktionsanalytikerin und transaktionsanalytiker. Im info vom Herbst 2018 möchten wir das Thema der intuition ausleuchten. Artikel zu beiden Themen sind herzlich willkommen! Damit wir einen Überblick über die jeweiligen Fachrichtungen zu den bestimmten Themen haben, sind wir froh um eine kurze Mitteilung. Am besten direkt per E-Mail an die Redaktorin: kontakt@barbaraheimgartner.ch.

Das Buch ist einerseits fachwissenschaftlich fundiert und gleichzeitig für Laien gut les- und verstehbar, und ich kann es nur empfehlen.

Ba r ba r a Heimga rt ner Redaktion info

Jürg Schl ä pfer

Professionalisierung in Transaktionsanalyse Bereiche Organisation & Beratung Institutsleiterin Maya Bentele TSTA - O/C

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Redaktionelles

Impressionen vom Welt-Kongress in Berlin

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Termine

Wichtige Termine

101-Kurse – die TA Grundlagenseminare

für die TA-Agenda

3. und 4. November 2017

26. und 27. Oktober 2017

24. bis 26. November 2017

SGTA-Strategietage

8. bis 11. November 2017

Rahel Marti, CTA-E Bern, Altes Schloss Bümpliz 031 991 16 51 / 078 881 79 59 info@rahelmarti.ch, www.rahelmarti.ch

Lehrendentreffen DGTA-/CTA- und TSTA-Exams, Rösrath

Jürg Bolliger, PTSTA-E Biel/Bienne 079 448 16 34 juerg.bolliger@connectart.ch www.connectart.ch

27. bis 29. Oktober 2017

17. und 18. März 2018

DSGTA-Kongress inkl GV in Luzern (GV am 17. März)

Daniela Sonderegger-Dürst TSTA-C ITZ Institut für TA Zürcher Oberland 043 355 82 81 bildung@itz-institut.ch www.itz-institut.ch

Fr Abend 8. bis So 10. Dezember 2017

EBI Zürich Tanja Kernland, PTSTA-O info@ebi-zuerich.ch, www.ebi-zuerich.ch Fr Abend 5. bis So 7. Januar 2018

11. bis 13. Mai 2018

DGTA-Kongress in Wien Eric Berne trifft Sigmund Freud 5. bis 6. Juli 2018

EATA-Konferenz London 26. und 27. Oktober 2018

SGTA-Strategietage 12. und 13. Januar 2019

TAandART in Hamburg Eintauchen in andere Welten

30. Oktober bis 1. November 2017

Asta – Ausbildungsinstitut für systemische Transaktionsanalyse Jürg Grundlehner Oberer Graben 42, 9000 St.Gallen +41 71 222 20 32 jgrundlehner@institut-asta.ch www.institut-asta.ch 3. bis 5. November 2017

Thun/Bern Martin Bolliger, PTSTA-O Martin Bolliger AG, Gunten/BE mail@martinbolliger.com www.martinbolliger.com Fr Abend 17. bis So 19. November 2017

9. März 2019

DSGTA-Tag und GV

Jacqueline Dossenbach-Schuler, TSTA–C Institut für Transaktionsanalyse Affoltern a/A, 044 761 01 60 info@transaktionsanalyse-ausbildung.ch www.transaktionsanalyse-ausbildung.ch 23. bis 25. November 2017

TA in Luzern Benno Greter, CTA-E und Margot Ruprecht CTA-Trainerin -E/-C Habsburgerstrasse 20, 6003 Luzern 079 454 42 91 oder 079 277 22 80 benno.greter@bluewin.ch oder ruprecht.m@bluewin.ch www.ta-ausbildung.ch 24. und 25. November 2017

Adrian Lichtin, PTSTA-O Nordwestschweizer Institut für syste­ mische Transaktionsanalyse, Basel info@tanw.ch, www.tanw.ch

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EBI Zürich Kathrin Rutz, PTSTA-O info@ebi-zuerich.ch, www.ebi-zuerich.ch 12. und 13. Januar 2018

TA in Liechtenstein Patricia Matt, PTSTA-C Unterfeld 28, FL-9495 Triesen +41 79 478 61 46 patricia.matt@gmx.li www.ta-liechtenstein.li 18. bis 20. Januar 2018

Richard Jucker, CTA-E Andreas Becker TSTA-E Institut taat, Laboratoriumsstrasse 2 8400 Winterthur 079 223 87 73 info@taat.ch, www.taat.ch 26. bis 28. Januar 2018 Fr 19.15 Uhr bis So 14.15 Uhr

Cornelia Willi, PTSTA-E Beraterin im psychosozialen Bereich mit eidg. Diplom Solothurn, Hauptgasse 75, bei Kathedrale, 7 Gehminuten vom Bahnhof 032 623 55 18 co@cornelia-willi.ch www.cornelia-willi.ch


Termine

1. bis 4. Februar 2018

25. bis 27. April 2018

22. und 23. Juni 2018

Asta – Ausbildungsinstitut für systemische Transaktionsanalyse Jürg Grundlehner Oberer Graben 42, 9000 St.Gallen +41 71 222 20 32 jgrundlehner@institut-asta.ch www.institut-asta.ch

Maya Bentele, TSTA-O/-C Institut b-weg – Professionalisierung in Transaktionsanalyse und Beratung Institut taat, Winterthur 044 253 23 36 www.bentele.ch / www.b-weg.ch

Adrian Lichtin, PTSTA-O Nordwestschweizer Institut für syste­ mische Transaktionsanalyse, Basel info@tanw.ch, www.tanw.ch

22. bis 24. Februar 2018

Hanna Eyer, TSTA-C Hirschenstrasse 47, 9200 Gossau/SG 079 223 87 73 info@praxis.eyer.ch, www.praxis-eyer.ch Mi 7. März, 14.März, 21. März 2018

Daniela Sonderegger-Dürst TSTA-C ITZ Institut für TA, Zürcher Oberland 043 355 82 81 bildung@itz-institut.ch www.itz-institut.ch

27. bis 29. April 2018 Fr ab 14.30 Uhr bis So max. 15.30 Uhr

Bea Schild, MSc, TSTA-C Berner Seminare für Transaktionsanalyse Randweg 9, Bern 079 962 64 61 PsychologischeBeratung@hush.com www.TA-seminare.ch

Fr Abend 15. bis So 17. Juni 2018

EBI Zürich Antonia Giacomin-Rutishauser, PTSTA-E info@ebi-zuerich.ch, www.ebi-zuerich.ch Fr Abend 31. August bis So 2. September 2018

EBI Zürich Antonia Giacomin-Rutishauser, PTSTA-E info@ebi-zuerich.ch, www.ebi-zuerich.ch

ab 25. April 2018

31. August und 1. September 2018

Onlinekurs Jürg Bolliger, PTSTA-E mail@juerg-bolliger.ch www.juerg-bolliger.com/101online

Adrian Lichtin, PTSTA-O Nordwestschweizer Institut für syste­ mische Transaktionsanalyse, Basel info@tanw.ch, www.tanw.ch

15. bis 17. Mai 2018

14. bis 16. September 2018

TA in Luzern Margot Ruprecht CTA-Trainerin -E/-C Habsburgerstrasse 20, 6003 Luzern 079 277 22 80 ruprecht.m@bluewin.ch www.ta-ausbildung.ch

Hanna Eyer, TSTA-C Hirschenstrasse 47, 9200 Gossau/SG 079 223 87 73 info@praxis.eyer.ch, www.praxis-eyer.ch

Do Abend 8. bis Sa 10. März 2018

EBI Zürich Kathrin Rutz, PTSTA-O info@ebi-zuerich.ch, www.ebi-zuerich.ch 16. und 17. März 2018

Adrian Lichtin, PTSTA-O Nordwestschweizer Institut für syste­ mische Transaktionsanalyse, Basel info@tanw.ch, www.tanw.ch 23. bis 25. März 2018 Fr 19.15 Uhr bis So 14.15 Uhr

Cornelia Willi, PTSTA-E Beraterin im psychosozialen Bereich mit eidg. Diplom Solothurn, Hauptgasse 75, bei Kathedrale, 7 Gehminuten vom Bahnhof 032 623 55 18 co@cornelia-willi.ch www.cornelia-willi.ch 13. bis 15. April 2018

Martin Bolliger, PTSTA-O Martin Bolliger AG, Thun/BE mail@martinbolliger.com www.martinbolliger.com

1. bis 3. Juni 2018 Fr 19.15 Uhr bis So 14.15 Uhr

Cornelia Willi, PTSTA-E Beraterin im psychosozialen Bereich mit eidg. Diplom Solothurn, Hauptgasse 75, bei Kathedrale, 7 Gehminuten vom Bahnhof 032 623 55 18 co@cornelia-willi.ch www.cornelia-willi.ch 8. bis 10. Juni 2018

Daniela Sonderegger-Dürst, TSTA-C ITZ Institut für TA Zürcher Oberland 043 355 82 81 bildung@itz-institut.ch www.itz-institut.ch

19. bis 21. Oktober 2018 Fr 19.15 Uhr bis So 14.15 Uhr

Cornelia Willi, PTSTA-E Beraterin im psychosozialen Bereich mit eidg. Diplom Solothurn, Hauptgasse 75, bei Kathedrale, 7 Gehminuten vom Bahnhof 032 623 55 18 co@cornelia-willi.ch www.cornelia-willi.ch 19. bis 21. 10. 2018 Fr ab 14.30 Uhr bis So max. 15.30 Uhr

Bea Schild, MSc, TSTA-C Berner Seminare für Transaktionsanalyse Randweg 9, Bern 079 962 64 61 PsychologischeBeratung@hush.com www.TA-seminare.ch

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Termine

TA Examens­vorbereitung CTA, TEW/PTSTA

Fr Abend 19. bis So 21. Oktober 2018

EBI Zürich Franz Liechti-Genge, TSTA-E info@ebi-zuerich.ch, www.ebi-zuerich.ch 19. bis 21. Oktober 2018

Martin Bolliger, PTSTA-O Martin Bolliger AG, Thun/BE mail@martinbolliger.com www.martinbolliger.com 16. und 17. November 2018

Adrian Lichtin, PTSTA-O Nordwestschweizer Institut für syste­ mische Transaktionsanalyse, Basel info@tanw.ch, www.tanw.ch Fr Abend 30. November bis So 2. Dezember 2018

EBI Zürich Franz Liechti-Genge, TSTA-E

Mi 22. November 2017, 10.15–18.15 Uhr und Do 23. November 2017, 9–17 Uhr

‹Lehren lernen› – Ausbildung TA Level II Für PTSTAs und CTA-Trainer aller Felder, TA-101-Instructor Zur Vorbereitung TEW oder TEvW Franz Liechti-Genge, TSTA-E Mit Berechtigung zu Co-Mentoraten in Feld C und O EBI, Dufourstrasse 35, 8008 Zürich f.liechti-genge@ebi-zuerich.ch info@ebi-zuerich.ch 24. und 25. November 2017

CTA- und PTSTA-Workshops Bea Schild, MSc, TSTA-C Dr. Hans Joss, TSTA-E Berner Seminare für Transaktionsanalyse Randweg 9, Bern 079 962 64 61 PsychologischeBeratung@hush.com www.TA-seminare.ch

29. und 30. Januar 2018

PTSTA-Workshop, TEW- und Examens­ vorbereitung Maya Bentele, TSTA-O/-C Andreas Becker, TSTA-E Institut b-weg – Professionalisierung in Transaktionsanalyse und Beratung Institut taat, Winterthur 044 253 23 36 www.bentele.ch / www.b-weg.ch 23. und 24. Februar 2018

CTA und PTSTA- Workshops Training, Vorbereitung TEW und Prüfung Bea Schild, MSc, TSTA-C Dr. Hans Joss, TSTA-E Berner Seminare für Transaktionsanalyse Randweg 9, Bern 079 962 64 61 PsychologischeBeratung@hush.com www.TA-seminare.ch 5. und 6. März 2018

4. Dezember 2017

PTSTA-Workshop, TEW- und Examens­ vorbereitung Maya Bentele, TSTA-O/-C Institut b-weg – Professionalisierung in Transaktionsanalyse und Beratung in Zürich, Dolderstrasse 24 044 253 23 36 www.bentele.ch / www.b-weg.ch 22. und 23. Januar 2018

PTSTA-Trainingstage, Examens­ vorbereitung, Mock-Examen Daniela Sonderegger-Dürst, TSTA-C Sabine Klingenberg, TSTA-O ITZ Institut für Transaktionsanalyse Zürcher Oberland Bahnhofstrasse 156 in Wetzikon ZH 043 355 82 81 bildung@itz-institut.ch www.itz-institut.ch

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PTSTA-Tage, TEW und Examens­ vorbereitung Level I und Level II Jacqueline Dossenbach-Schuler, TSTA-C Institut für Transaktionsanalyse Affoltern a/A, 044 761 01 60 info@transaktionsanalyse-ausbildung.ch www.transaktionsanalyse-ausbildung.ch


Termine

16. und 17. April 2018

PTSTA-Workshop, TEW- und Examens­ vorbereitung Maya Bentele, TSTA-O/-C Andreas Becker, TSTA-E Institut b-weg – Professionalisierung in Transaktionsanalyse und Beratung Institut taat, Winterthur 044 253 23 36 www.bentele.ch / www.b-weg.ch 7. und 8. Mai 2018

PTSTA-Trainingstage, Examens­ vorbereitung, Mock-Examen Daniela Sonderegger-Dürst, TSTA-C Sabine Klingenberg, TSTA-O ITZ Institut für Transaktionsanalyse Zürcher Oberland Bahnhofstrasse 156 in Wetzikon ZH 043 355 82 81 bildung@itz-institut.ch www.itz-institut.ch

Mo 2. Juli 2018, 10.15–18.15 Uhr und Di 3. Juli 2018, 9–17 Uhr

‹Lehren lernen› – Ausbildung TA Level II Für PTSTAs und CTA-Trainer aller Felder, TA-101-Instructor Zur Vorbereitung TEW oder TEvW Franz Liechti-Genge, TSTA-E Mit Berechtigung zu Co-Mentoraten in Feld C und O EBI, Dufourstrasse 35, 8008 Zürich f.liechti-genge@ebi-zuerich.ch info@ebi-zuerich.ch 7. und 8. September 2018

CTA Examensvorbereitung Hanna Eyer, TSTA-C Maya Bentele, TSTA-O/-C in Winterthur, Laboratoriumsstrasse 2 www.praxis-eyer.ch 079 223 87 73 www.bentele.ch / www.b-weg.ch 044 253 23 36

1. bis 2. Juni 2018

CTA und PTSTA- Workshops Training, Vorbereitung TEW und Prüfung Bea Schild, MSc, TSTA-C Dr. Hans Joss, TSTA-E Berner Seminare für Transaktionsanalyse Randweg 9, Bern 079 962 64 61 PsychologischeBeratung@hush.com www.TA-seminare.ch

Fr 7. bis Sa 8. September 2018

Studientage: ‹Kompetenzen zeigen und erweitern› Prüfungsvorbereitung CTA, Mock-Examen Standortbestimmung Tanja Kernland, PTSTA-O Franz Liechti-Genge, TSTA-E EBI Zürich, Dufourstrasse 35, 8008 Zürich info@ebi-zuerich.ch, www.ebi-zuerich.ch

26. und 27. Juni 2018

8. bis 9. September 2018

Trainingstage zur Prüfungsvorbereitung Vorbereitung CTA-Prüfung (Mock-Examen) und/oder Eidg. Höhere Fachprüfung TA in Luzern: Margot Ruprecht, CTA-Trainerin-E-C, Beraterin im psychosozialen Bereich mit eidg. Diplom, akkreditierte Lehrsupervisorin SGfB Benno Greter, CTA-E, Berater im psycho­ sozialen Bereich mit eidg. Diplom, akkreditierter Lehrsupervisor SGfB Habsburgerstrasse 20, 6003 Luzern ruprecht.m@bluewin.ch, 079 277 22 80 benno.greter@bluewin.ch, 079 454 42 91

Mock-Examen Bea Schild, MSc, TSTA-C Karola Brunner, PTSTA-C Berner Seminare für Transaktionsanalyse Randweg 9, Bern 079 962 64 61 PsychologischeBeratung@hush.com www.TA-seminare.ch

10. und 11. September 2018

PTSTA-Tage, TEW- und Examens­ vorbereitung Level I und Level II Jacqueline Dossenbach-Schuler, TSTA-C Institut für Transaktionsanalyse Affoltern a/A, 044 761 01 60 info@transaktionsanalyse-ausbildung.ch www.transaktionsanalyse-ausbildung.ch 24. und 25. September 2018

PTSTA-Workshop, TEW- und Examens­ vorbereitung Maya Bentele, TSTA-O/-C Andreas Becker, TSTA-E Institut b-weg – Professionalisierung in Transaktionsanalyse und Beratung Institut taat, Winterthur 044 253 23 36 www.bentele.ch / www.b-weg.ch 5. bis 6. Oktober 2018

CTA- und PTSTA- Workshops Training, Vorbereitung TEW und Prüfung Bea Schild, MSc, TSTA-C Dr. Hans Joss, TSTA-E Berner Seminare für Transaktionsanalyse Randweg 9, Bern 079 962 64 61 PsychologischeBeratung@hush.com www.TA-seminare.ch

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Mitglieder

Neumitglieder

Gratulation!

Bekonja Sonja

Wir gratulieren herzlich zur bestandenen Prüfung! In Florenz 2017

Camelweg 3 6313 Menzingen Brönnimann Doris

Ratzenberg 178 3087 Niedermuhlern

CTA-P Christian Loehle

Gasser Chantale

Warteggstrasse 8 9404 Rorschacherberg Hauert Judith

Schwarzadlerstrasse 37 8200 Schaffhausen Huber Jacqueline

Strickhofstrasse 14 8057 Zürich Johnson Rekha

Zugerstrasse 58D 6330 Cham Müller Yvonne

Ilanzhofweg 6 8057 Zürich

STERNA – DER IDEALE ORT FÜR IHR SEMINAR, IHREN KURS ODER IHRE TAGUNG.

Petersen Rebecca

Weinbergstrasse 96 8006 Zürich Welti Ruth

Wartgutstrasse 5 8413 Neftenbach

B E R G H O T E L

ST E R NA

RAUM FÜR ZEIT – Ankommen, auspacken, loslegen – das unkomplizierte Seminarhotel mit Charme auf der Bündner Sonnenterrasse Feldis.

A L L E I N F O R M AT I O N EN U N D P R EI S E U N T ER

BERGHOT ELST ER NA .CH

40

info zwei 17


Vorstand

DSGTA-Vorstand

Cornelia Zimmermann

Michael Kercher

2016–2019

2016–2018

Bergstrasse 50a, 8712 Stäfa

Türkheimerstrasse 14, 4055 Basel


079 515 35 00

079 129 21 33

corneliaz@bluewin.ch

mike.kercher@gmx.de

Maya Bentele

Tanja Kernland

EATA Delegierte 2011–2018

2012–2018

Dolderstrasse 24, 8032 Zürich

Chröpflistrasse 64, 8180 Bülach


044 253 23 36

077 423 75 50

maya@bentele.ch

t.kernland@ebi-zuerich.ch

Hanna Eyer

Kathrin Rutz

2015–2019

2010–2018

Schochenberg 2826, 9100 Herisau

Kurlistrasse 33c, 8404 Winterthur

079 223 87 73

052 233 02 20

info@praxis-eyer.ch

k.rutz@ebi-zuerich.ch

Barbara Heimgartner

2015–2019 Seenerstrasse 184, 8405 Winterthur 077 425 75 86 kontakt@barbaraheimgartner.ch

Zentrale Administration Tanya Diethelm

administration und mitgliederverwaltung DMF Treuhand GmbH Marktstrasse 13, 8853 Lachen Telefon 055 410 51 40, Fax 055 410 51 80 tanya.diethelm@dmf.ch


www.dsgta.ch

Info_zwei 17  

Scham

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