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berlin

magazin no. 03 | herbst/winter 2012 | 5 euro

Friedrichstraße DAS MAGAZIN DER NEUEN MITTE

Im Gespräch mit

• Sigrid Nikutta, BVG-Chefin • Oliver Eller, Direktor des Adlon Kempinski • Peter Tesch, australischer Botschafter

Shopping

Geschenke für jeden Geldbeutel

Kultur

Aktuelle Highlights

Architektur

Berlins schönste Bürohäuser

Alle Jahre wieder

ekte Tipps für die perf r Weihnachtsfeie

János Can Togay Ungarischer Kultur­­macher in Berlin


Liebe Leserinnen und Leser,

So waren wir zu Besuch bei Dr. Sigrid Nikutta, für die es eine Selbstverständlichkeit ist, ihre Jobs als Vorstandsvorsitzende der BVG und Mutter von vier Kindern unter einen Hut zu bekommen. Wen wundert es da, dass Frau Nikutta im September zur „Managerin des Jahres 2012“ gekürt wurde? In der Begründung der Jury heißt es: „Die Vorstandsvorsitzende gehört […] zu den großartigsten Pionieren einer innovativen Managementkultur, die Beruf und Familie auszubalancieren versteht.“ Mit dem australischen Botschafter Peter Tesch stellen wir Ihnen einen weiteren Diplomaten vor, der sich in Berlin sehr wohl fühlt.

János Can Togay ist Direktor des Collegium Hungaricum Berlin. Unter seiner Leitung hat sich das Kulturinstitut in Berlin-Mitte zu einem Treffpunkt für aufgeschlossene, kreative und dynamische Menschen entwickelt. Wir haben ihn besucht. Oliver Eller bezeichnet sich selbst als „nicht prominent“, aber er kennt sie alle und sie kennen ihn, die Promis aus aller Welt, denn er ist der Chef von Deutschlands wohl berühmtestem Hotel, dem Adlon Kempinski. Wir trafen den passionierten Hotelier.

Foto: Christiane Trabert

I

n dieser Ausgabe von berlin.Friedrichstraße finden Sie gleich vier Interviews mit Menschen, die in Berlin leben und hier nachhaltig wirken. Zu viel des Guten? Wir denken nicht, denn wir können gar nicht genug bekommen von Gesprächen mit interessanten Menschen, die die wahren Macher der Hauptstadt sind.

Frank Nehring, Herausgeber.

Außerdem erwarten Sie in dieser Ausgabe Empfehlungen für die besinnliche Jahreszeit, KulturHighlights, Geschenke-Tipps und vieles mehr. Apropos Geschenke: Neben der Print-Ausgabe gibt es seit kurzem auch eine iPad-Ausgabe von berlin.Friedrichstraße. Wenn Sie noch kein iPad besitzen, ist das vielleicht ein weiterer Geschenke-Tipp.

lin in ihre neue Wahlheimat Wiesbaden zieht. Sie hat das Magazin in den letzten fünf Jahren mit aufgebaut und zu dem gemacht, was es heute ist. Hab vielen Dank und alles Gute. Viel Spaß mit dieser Ausgabe von berlin.Friedrichstraße wünscht Ihr Frank Nehring

Ein wenig traurig nehmen wir Abschied von unserer leitenden Redakteurin Kirsten Waldheim, die es – entgegen allen Trends – von Ber-

Coming soon

Das Magazin berlin.Friedrichstraße erscheint nicht nur in gedruckter Form. Seit Juni 2012 gibt es auch eine Version für Ihr iPad.

Ganz aktuell In der iPad-Ausgabe von berlin.Friedrichstraße sowie unter www.berlin-friedrichstrasse.info finden Sie aktuelle News, Beiträge aus der in Vorbereitung befindlichen Ausgabe sowie Infos zu speziellen Projekten.

NEWS SPECIAL OFFER

PREVIEW ESSEN MODE PROJEKTE

% 2011/2012 | 5 Euro

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magazin no. 01 | frühling 2012 | 5 Euro

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Weihnachten und Silvester

Unterwegs mit Schauspieler Oliver Mommsen Abschalten

Die schönsten Wellness-Oasen

Olga Roh

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MITTE

ÄCH MIT

Nikutta, BVG-Chefi Spannend n • Oliver Eller,

Direktor des Adlon Kempinsk Gespräch • Peter mit der Tesch, australisc Unterne i Kulturmanagerin

Peter M. Boehm

SHOPPolitz Anke PING Geschenke

Special Shopping „Berliner Sommer“

Kultur-Highlights Ein Kochhimmel mit QualitätJahreszeit neuer Tipps für die schönste Schräges Gourmet-Päpste schwärmen von Berlin

VERLAG

her Botschaft er hmerin Modedes

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für jeden Geldbeute

Interview mit Botschafter dem von Kanada

Designer-WohnungenNeubau der U5 an der Spree hat begonnen

voller Sterne

2012 | 5 Euro

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Neue Hot-Spots

Lückenschluss

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Brandenburg Willkommen in

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KULTUR

Aktuelle Highlight

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ARCHITEKT

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Special Die besten Tagungsund Event-Locations

Mode

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Stadtmensche

Gesichter der

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Großstadt

Premiere

Erstes Golfturnie

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Tipps für die perfekte Weihnachtsfeier

in Berlin

MEDIA


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berlin FriedrichstraĂ&#x;e no. 03 | herbst/winter 2012

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Inhalt People.

10 Stadtmenschen



Barrie Kosky, neuer Intendant der Komischen Oper. Grit Driewer, Personalentwicklerin. Maria Furtwängler, Schauspielerin.

12 Sigrid Nikutta: Diese Frau bewegt Berlin Interview mit der BVG-Chefin und „Managerin des Jahres 2012“. 16 Oliver Eller: Hotelier aus Leidenschaft Interview mit dem Chef des Adlon Kempinski, Berlins berühmtestem Hotel. 20 Serie: Berlins Diplomaten Interview mit dem Botschafter von Australien, Peter Martin Tesch. Shopping. 24 Geschenke-Guide



Ideen für jeden Geldbeutel.

25 Buchvorstellung Berlin im Mittelalter. 28 Smart angezogen Die Männermode-Trends für den Herbst und Winter. Meet & Greet.

30 Alle Jahre wieder

Home & Work.

34 Architektur



Tipps für die perfekte Weihnachtsfeier. Bürogebäude, die das Stadtbild prägen.

Culture. 40 János Can Togay: Kulturmacher in Berlin

Interview mit dem Direktor des Collegium Hungaricum.

44 Berliner Kultur-Highlights Im Herbst/Winter 2012/2013. Standards. 03 Editorial 06 News  Asisis Mauer-Panorama. Deutschlands beliebteste Sehenswürdigkeiten. Shopping-Tempel am Leipziger Platz. Restaurant-Neueröffnungen. 48 Stadtkarte Berlins Neue Mitte auf einen Blick. 50 Die letzte Seite. Impressum.

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News

Ein Leben an der Mauer

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eit Ende September 2012 ist Berlin-Mitte um eine Sehenswürdigkeit reicher: In unmittelbarer Nähe des Checkpoint Charlie (Stadtkarte: N8) hat der Berliner Künstler Yadegar Asisi ein spektakuläres Panorama zum Alltag mit der Berliner Mauer geschaffen. Das Panorama über die 1961 gebaute und 1989 überwundene Berliner Mauer ist eine sehr persönliche Sicht von Asisi auf die Zeit des geteilten

Berlins mit Blick von Kreuzberg nach Mitte. Präsentiert wird der Alltag an der Berliner Mauer in Ost und West an einem fiktiven Herbsttag in den 80er Jahren. Das Panorama zeigt, wie banal alltäglich und subtil grausam zugleich die Normalität der geteilten Stadt war. Es thematisiert die Anpassungsfähigkeit der Menschen an nicht ideale Bedingungen als Überlebensstrategie. Der Künstler sagt dazu: „Ich habe in den

Berlins beliebteste Sehenswürdigkeiten

80er Jahren in Kreuzberg an und mit der Mauer gelebt. Das Panorama bündelt meine Erfahrungen und erzählt dem Betrachter detailreich Geschichten, die so nicht zeitgleich geschehen wären. Die vielen Alltagsgeschichten im Panoramabild zeigen, dass die Bewohner sich mit den Umständen arrangieren.“ Geöffnet: täglich von 10 bis 20 Uhr, Eintritt: 5 bis 10 €. asisi.de

Heimkehr nach Kanada

Auf Platz 23 der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands liegt der Berliner Reichstag.

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Foto: BTM/Scholvien.

A

usländische Gäste haben gewählt: Elf Berliner Sehenswürdigkeiten gehören zu Deutschlands Top 100, drei davon sogar zu den Top 10. Die Zentrale für Tourismus (DZT) hat online rund 5.500 ausländische Besucher nach ihren drei Top-Sehenswürdigkeiten in Deutschland gefragt. Das Ergebnis: Besucher aus dem Ausland wählten gleich ein Dutzend Sehenswürdigkeiten aus der Region Berlin-Brandenburg in die Liste von „Deutschlands Top 100“. Demnach ist das Heidelberger Schloss die beliebteste Sehenswürdigkeit Deutschlands. Auf Platz zwei folgt Schloss Neuschwanstein, der Kölner Dom belegt den dritten Platz. Das Brandenburger Tor nimmt im Ranking den vierten Platz ein. Weit vorn rangieren auch die Museumsinsel (10), die Berliner Mauer (17), der Reichstag (23) und der Fernsehturm (37). berlin.de/tourismus

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E

r ist ein Diplomat, der auch gerne mal „ganz undiplomatisch“ Klartext redet: Dr. Peter M. Boehm, Botschafter von Kanada in Berlin. Ende November 2012 verlässt der promovierte Historiker Berlin und wird Staatssekretär in der kanadischen Hauptstadt Ottawa. Der Wechsel kommt überraschend, denn Boehm hatte erst vor kurzem den Wunsch geäußert, noch möglichst lange in Berlin zu bleiben (siehe Interview mit Peter Bohm in der Ausgabe 2/2012 von berlin.Friedrichstraße).

Foto: Bettina Volke.

Blick auf das Mauer-Panorama des Berliner Künstlers Yadegar Asisi.

Fotomontage: asisi.

News


© Bünck + Fehse

Die BVG baut den Kreuzungsbahnhof „Unter den Linden“

Baustelle, Schaustelle, Anschlussstelle! So wird Ihr zukünftiger Umsteigebahnhof zwischen U5 und U6 aussehen. Wo Ihnen heute noch Bagger und Bohrer begegnen, entsteht eine zentrale Anbindung für die ganze Stadt. Werden Sie zum Baustellenbeobachter und entdecken Sie unsere Bauzäune mit Bildern und Fakten zur neuen U5, „Unter den Linden“ und zur Geschichte und Gegenwart der Friedrichstraße. Mehr Informationen unter www.BVG.de/U5.


News

So wird es am Leipziger Platz zukünftig einmal aussehen.

Visualisierung: HGHI.

Neuer Shopping-Tempel V am Leipziger Platz

or gut 100 Jahren war die Leipziger Straße noch eine ruhige Wohnstraße. Mit dem Bau des Großkaufhauses Wertheim durch den Visionär Georg Wertheim Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie innerhalb kürzester Zeit zu einem verkehrsreichen Geschäfts- und Handelszentrum. Wertheim war damals das größte Warenhaus Europas und genoss schon bald den Ruf einer architektonischen Legende. Berlin und insbesondere der Leipziger Platz galten damals als das europäische Zentrum der Mode, Musik und Kunst. Nach den Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg und den Jahren der Teilung der Stadt war hier lange Zeit Brachland. Doch nun entsteht an derselben Stelle (Stadtkarte: L11) derzeit erneut ein einzigartiges Shoppingerlebnis. Bauherr ist der ebenfalls als Visionär geltende 42-jährige Unternehmer Dr. Harald Huth, der bereits Anfang der 90er-Jahre den Bau der „Gropius Passagen“ in Berlin-Neukölln startete – mit einer Handelsfläche von 85.000 Quadratmetern immer noch Berlins größtes Shopping-Center. 2006 folgte „Das Schloss“ an der Steglitzer Schloßstraße. Das alles waren jedoch vergleichsweise überschaubare Investitionen: Wenn der neue Shopping-Tempel am Leipziger Platz 12 im nächsten Jahr erst einmal fertig ist, wird es dort ca. 270 Shops, 270 Wohnungen, ein Hotel, ein Fitnesscenter, Büros und ein unterirdisches Parkhaus mit 1.000 Parkplätzen geben. Der neue Haupteingang befindet sich an der Mohrenstraße und ist nur 300 Meter von der Friedrichstraße entfernt. leipzigerplatz12.de

Kleiner Franzose in Berlin D

as ehemalige Gabriele-Restaurant an der Südseite des Hotel Adlon Kempinski hat Anfang September mit neuem Konzept und neuem Namen eröffnet: „le petit Felix“. Statt italienischer Haute Cuisine wird nun mediterrane Küche mit südfranzösischem Fokus serviert. In legerem und entspanntem Ambiente können die Gäste inmitten des Geschehens oder separiert am „table de famille“ für bis zu 14 Personen speisen. Zudem hat Chef-Sommelier Thomas Hönigschmid aus der benachbarten Lorenz Adlon Weinhandlung eine speziell auf die mediterrane Küchenausrichtung abgestimmte Weinkarte mit exklusiven französischen Weinen entworfen. Die Inneneinrichtung des Restaurants stammt von der Designerin Anne Maria Jagdfeld. Das le petit Felix ist Restaurant und Galerie gleichzeitig: Alle drei Monate werden Arbeiten besonderer Fotografen ausgestellt. Den Anfang macht Gered Mankowitz, der unter anderem die Rolling Stones auf ihrer 48 Städte dauernden USA-Tour porträtiert hat (Stadtkarte: I8). lepetitfelix.de

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Neu eröffnet: Das le petit Felix in der Behrenstraße.


70 Luxus-Apartments von 60 m2 bis 360 m2 ab 215.000 ₏ mit Concierge, Sauna und Fitness Bezugsfertigkeit: März 2013 (garantiert im Kaufvertrag)


P E O P LE | S t a d t m e n s c h e n

Stadtmenschen Grit Driewer Personalentwicklerin

ch hatte immer einen Koffer in Berlin stehen“, sagt Grit Driewer, die sich 2010 selbstständig gemacht hat und nach vielen Jahren Tätigkeit in ganz Deutschland nun wieder in ihre Heimatstadt Berlin zurückgekehrt ist. Zur Friedrichstraße, wo sie im „Bürocenter am Gendarmenmarkt“ gemeinsam mit ihrem Team neue Büroräume bezogen hat, hat sie eine ganz besondere Beziehung: „20 Jahre habe ich hier in der Friedrichstraße gelebt, meine Ausbildung gemacht und studiert und nun bin ich wieder nach Berlin zurückgekehrt – und zwar dorthin, wo das Herz der Hauptstadt schlägt“, so Grit Driewer. Heute berät

sie im Personalmanagement Firmen aus verschiedenen Branchen. Ihren Schwerpunkt hat sie in der Personalentwicklung, der bedarfsorientierten Erstellung und Durchführung von Seminaren und im persönlichen Coaching von Fach- und Führungskräften sowie Einzelpersonen. Besonders wichtig ist ihr dabei der Aspekt der Nachhaltigkeit. Damit meint sie, „dass manchmal die Mitarbeiter und Führungskräfte ihre Gewohnheiten ändern und den inneren Schweinehund überwinden müssen. Es gibt Dinge, die verändern sich nicht von heute auf morgen und daher ist es gut, die Menschen über einen längeren Zeitraum zu begleiten“. Sie

Grit Driewer (47) ist Inhaberin der Firma GTD Personalentwicklung in der Friedrichstraße 79.

selbst bezeichnet sich als „Mensch, der aus der Praxis kommt“ und legt entsprechend Wert darauf, diese Praxisorientierung weiterzugeben. Dank ihrer langjährigen Berufserfahrung im Personalmanagement in einem internationalen Unternehmen verfügt sie außerdem über ein ausgedehntes Netzwerk an Kontakten. Grit Driewer ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn.

Maria Furtwängler

Barrie Kosky

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B

Schauspielerin

Foto: Paul Schirnhofer.

aria Furtwängler steht im kommenden Jahr erstmals in einem Theaterstück auf der Bühne: in Neil Simons „Gerüchte … Gerüchte …“, das am 13. Januar 2013 im Theater am Kurfürstendamm Premiere hat. Theaterchef Martin Woelffer freut sich über die Entscheidung der prominenten Film- und Fernsehschauspielerin: „Ich bin sehr stolz darauf, dass Maria Furtwängler bei uns – am Kurfürstendamm – ihr Theaterdebüt gibt.“ Mit seinen brillanten Dialogen gilt das Stück als Klassiker und wurde nach der Uraufführung, Ende der 80er Jahre, mehr als 600 Mal am New Yorker Broadway aufgeführt. Maria Furtwängler ist eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen, die vor allem durch ihre Charakterrollen bekannt ist, z. B. die der Charlotte Lindholm im „Tatort“. Neben verschiedenen Auszeichnungen für ihre Schauspielkunst – vom Deutschen Fernsehpreis bis zur Goldenen Kamera – wurde sie unter anderem mit dem Bayerischen Verdienstorden und dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Die Mutter von zwei Kindern ist mit Maria Furtwängler (46) spielt ab dem Verleger Hubert Burda verheiJanuar 2013 im Berliner Theater ratet. am Kurfürstendamm. 10 berlin Friedrichstraße no. 03 | herbst/winter 2012

Chefregisseur und Intendant arrie Kosky ist das freche Chamäleon unter den Regisseuren. In seinen immer wieder aufs Neue überraschenden Inszenierungen entführt er den Zuschauer in eine faszinierende Zauberwelt, in der alles möglich ist: Realismus, Illusion, Lachen, Erotik, Unterhaltung und Poesie. Der 1967 in Australien geborene Kosky ist ab der Spielzeit 2012/2013 neuer Intendant Barrie Kosky (45) ist seit diesem Jahr neuer Intendant der an der Komischen Oper Berlin. Komischen Oper Berlin. Nach einer musikalischen Ausbildung in Klavier und Musikgeschichte an der Universität von Melbourne wandte er sich der Regie zu, stand aber in vielen seiner Produktionen auch immer wieder selbst auf der Bühne oder saß am Klavier. Seine musikalische Karriere begann er in Australien, von 2001 bis 2006 war Kosky Intendant des Schauspielhauses Wien. In der Spielzeit 2011/12 führten ihn diverse Projekte an die English National Opera London und an das Schauspielhaus Frankfurt. Bereits 2003 feierte seine allseits bejubelte Inszenierung von Ligetis „Le Grand Macabre“ an der Komischen Oper Berlin Premiere. Privat lebt Kosky heute in Berlin-Schöneberg.

Foto: Gunnar Geller.

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Weihnachtszeit im TheQ. Einfach entspannt einkaufen. Auch am Sonntag genieĂ&#x;en: den 04.11., 09.12. und 23.12.2012.


Foto: Bettina Volke.

P E O P LE | Si g r i d Ni k u t t a

Sigrid Nikutta Diese Frau bewegt Berlin Im September 2012 wurde Sigrid Nikutta zur „Managerin des Jahres“ gewählt.

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n Berlin kennt sie jeder: die quirlige Unternehmerin, die seit Oktober 2010 Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe ist. Wir sprachen mit Dr. Sigrid Nikutta über die Leitung von Deutschlands größtem Nahverkehrsunternehmen, über Frauen in Top-Führungspositionen, den Neubau der U-Bahn-Linie U5 – und einiges mehr.

մմFrau Dr. Nikutta, der Neubau der U-Bahn-Linie U5 quer durch Berlin-Mitte ist ein Riesenprojekt. Die Zeitpläne der BVG bis 2019 sind sehr detailliert und ambitioniert. Andere Bauprojekte – Stichwort Großflughafen Berlin-Branden­ burg – scheitern gerade spektakulär. Wie sicher sind Sie sich, die Pläne einhalten zu können? Wir haben hier tatsächlich ein richtig komplexes Tiefbau-Projekt – und ich habe einen Riesenrespekt vor den Leistungen, die ingenieur- und bautechnisch erbracht werden müssen. Denken Sie nur an die Unterquerung der Spree und die Vereisung des Erdreichs. Wir sind uns aber ziemlich sicher, dass wir gut aufgestellt sind. Wir haben ein Projektteam gebildet mit BVG-Experten und vielen externen Experten, die uns beraten. Und wir haben uns bewusst für einen Generalunternehmer entschieden – die Firma Bilfinger Berger übernimmt das gesamte Thema „Bau“ für uns –, denn wir glauben, dass eine Baufirma das besser steuern kann als wir als Verkehrsunternehmen. Sehr anspruchsvoll ist natürlich die Tatsache, dass wir mitten im Herzen Berlins bauen, denn es müssen viele Abstimmungen mit allen Anrainern getroffen und auch andere Bauvorhaben berücksichtigt werden, z. B. das des Stadtschlosses. Und natürlich gibt es bei einem solchen Vorhaben immer Unwägbarkeiten. Wir wissen, dass der Baugrund wegen des Wassers schwierig ist, aber einiges werden wir erst sehen, wenn es soweit ist. Oberste Priorität hat bei allem immer die Sicherheit. Der Termin ist derzeit eine Vorausschau. մմWie informieren Sie die Öffentlichkeit über das Bauprojekt? Wir haben uns vorgenommen, diese Baustelle zur Schaustelle zu machen und ganz viel zu informieren und zu kommunizieren. Baustellen sind doch auch etwas Attraktives – das kann für Touristen und Berliner durchaus ein Anziehungspunkt sein. մմWas sind Sie im Zusammenhang mit dem U5-Bau noch nie gefragt worden? „Welches ist der schönste, hübscheste Bahnhof der zukünftigen U5?“ Das wäre mal eine gute Frage.

մմUnd wie lautet Ihre Antwort? Ich finde die bestehenden Bahnhöfe der U5 sehr schön, z. B. am Alex. Dieser Bahnhof wurde unter Einhaltung des Denkmalschutzes saniert. Schauen Sie sich dort z. B. einmal die hellgrünen Fliesen genau an, die teilweise um die Ecke gehen. Einige der Fliesen wurden mit viel Liebe in Italien nach historischem Vorbild angefertigt. Auch der Bahnhof Tierpark ist eine tolle Haltestelle, die den Zeitgeist widerspiegelt, der damals herrschte. Die drei neuen U5-Bahnhöfe, die wir bauen, werden natürlich auch super, aber modern. մմZuletzt haben wir Sie beim Jahresempfang der IG Friedrichstraße gesehen. Sie saßen auf dem Podium und haben sich dem Auditorium, darunter viele Anrainer und unmittelbar Betroffene vom U5-Bau, vorgestellt mit den Worten: „Guten Tag, mein Name ist Sigrid Nikutta und ich bin Ihr größtes Ärgernis.“ Wie fühlt man sich denn so als wandelndes Ärgernis? Das war natürlich ironisch, auflockernd gemeint. Ich sehe das Ganze wirklich positiv. Wir bauen hier im Auftrag des Senats etwas für Berlin. Es ist ja nicht eine Entscheidung der BVG, sondern der Stadt Berlin – und meiner Meinung nach eine grandiose Maßnahme. Wenn Bauwerke errichtet oder verändert werden, dann bringt das natürlich immer Lärm, Schmutz und weitere Einschränkungen mit sich – so ist das nun einmal. Später freuen sich aber alle über das fertige Bauwerk. So wird es auch mit der U5 sein. մմSie sind seit Oktober 2010 Vorstandsvorsitzende der BVG, gerade wurde Ihr Vertrag vorzeitig verlängert bis Ende 2017. Mit welchen Zielen sind Sie damals angetreten und was waren die größten Herausforderungen? Ich war absolut positiv überrascht, als ich nach Berlin kam. Die Motivation, die Fachkompetenz und auch der Einsatz für den Fahrgast, die in dem Unternehmen herrschen, haben mich enorm positiv beeindruckt. Auf der anderen Seite hatten sich jahrelang öffentlich diskutierte Themen, wie Schuldenabbau und Personaleinsparungen, negativ auf die Belegschaft ausgewirkt, nach dem Motto: „Wir können machen, was wir wollen, auf uns wird sowieso eingeprügelt.“ Es ist ein ganzer Blumenstrauß an Maßnahmen, den man bewegen muss – und nicht alle diese Maßnahmen sind so, dass sie jeder sehen

und hören möchte. Wir müssen mehr Fahrgäste für uns begeistern und dazu bringen, mit der BVG zu fahren – das ist der große Hebel. Wir bringen eine gute Leistung – die BVG ist sehr pünktlich und zuverlässig, was sich in der Kundenzufriedenheit widerspiegelt. Wir hatten im letzten Jahr 937 Millionen Fahrgäste, so viel, wie noch nie in der Geschichte der BVG. Auf der anderen Seite hat die BVG teilweise Technik im Einsatz, die richtig alt ist, in gutem Zustand zwar, denn wir pflegen die Sachen, aber eben alt. Hier brauchen wir Erneuerungen. Es gibt neue Straßenbahnen, Ausschreibungen für neue U-Bahnen laufen gerade und wir sind dabei, neue Busse zu beschaffen. Insgesamt muss man sagen: Das Angebot im öffentlichen Nahverkehr in Berlin ist sensationell gut, darauf können wir richtig stolz sein, aber das alles muss natürlich auch irgendwie bezahlt werden. Und hier sind wir beim Thema Ehrlichkeit: Ein guter öffentlicher Nahverkehr hat seinen Preis.

մմSie haben einmal gesagt, die BVG solle hipper werden. Wie soll das gehen? Wir werden Stück für Stück moderner: Z B. haben wir an mehreren Bahnhöfen neue Kundenzentren eröffnet, die ein ganz anderes, frisches Ambiente ausstrahlen. Pro Tag haben wir 2,5 bis 3 Millionen Fahrgäste. Jeder in der Stadt hat also Berührungspunkte mit der BVG, teilweise mehrmals am Tag. Da kommt es darauf an, dass wir uns alle im Gleichklang in dieselbe Richtung bewegen. Dazu wird auch gehören, dass wir neue Dienstkleidung bekommen usw. Sicherlich wird es auch noch eine Image-Kampagne geben, aber das allein reicht nicht. Erst einmal muss die Arbeit getan werden. մմZwei weitere große landeseigene Unternehmen in Berlin werden von Frauen geleitet, die BSR von Vera Gäde-Butzlaff und der RBB von Dagmar Reim. Tauschen Sie sich untereinander aus? Es gibt Treffen der landeseigenen Unternehmen, wo wir uns sehr intensiv austauschen, und auf informeller Ebene gibt es einen sehr engen Zusammenhalt zwischen den Frauen, die Unternehmen führen. Neben uns dreien werden beispielsweise auch mehrere Wohnungsbaugesellschaften von Frauen geleitet. Insgesamt gibt es eine steigende Tendenz beim Frauenanteil in Führungspositionen. Der Austausch untereinander ist ehrlich und wir haben ein gutes Netzwerk, was ich als sehr positiv empfinde. մմSie haben gerade Ihr viertes Kind

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մմWarum? Frisch nach dem Studium denkt man, dass es ausschließlich auf die Leistung ankommt. Irgendwann fragt man sich, wo sind denn dann die ganzen Frauen geblieben, wenn es wirklich nur auf die Leistung ankommt? Im Studium waren doch noch ganz viele Frauen da … մմWenn die BVG eine Ausschreibung für eine Stelle in einer gehobenen Position vornimmt, bewerben sich dann viele Frauen? Wir haben in Berlin das so genannte Landesgleichstellungsgesetz. Das besagt unter anderem, dass jede Stelle ab einem gewissen Gehaltsniveau ausgeschrieben werden muss. Dann werden Frauen explizit aufgefordert, sich zu bewerben – bei gleicher Eignung werden Frauen bevorzugt. Das hat Auswirkungen. Bei der BVG haben wir eine Frauenquote von 17,4 %, bezogen auf das gesamte Unternehmen. Im Vorstand haben wir eine Frauenquote von 33,3 %. մմAber Sie sind doch nur zu

dritt im Vorstand, Frau Nikutta … Eben (lacht)! Neben Lothar Zweiniger (Personal und Soziales) und Henrik Falk (Finanzen und Vertrieb) bin ich die Dritte im Bund. Insgesamt ist in den Führungsebenen der BVG der Frauenanteil deutlich höher als im Gesamtunternehmen und wir arbeiten aktiv daran, mehr Frauen ins Unternehmen zu bekommen. Wir sind ein Familienbetrieb mit 13.000 Leuten. Wer bei uns einmal angefangen hat, bleibt im Unternehmen. Den Großteil unseres Nachwuchses bekommen wir über die Berufsausbildung. Dort legen wir großen Wert darauf, vermehrt Mädchen einzustellen. In den kaufmännischen Berufen ist das überhaupt kein Thema, da haben wir einen Mädchenanteil von weit über 50 %, bei den technischen Berufen sieht es anders aus – hier kommen nur 6 % der Bewerbungen von Mädchen. Dabei sind das tolle Berufe mit guten Karrierechancen. In diesen Bereichen und auch im Führungsbereich bin ich, um Ihre Eingangsfrage zu beantworten, zumindest temporär für eine Frauenquote.

մմIhre Vita ist beeindruckend. Sie haben mit 30 promoviert und wurden mit 40 Vorstandsvorsitzende der BVG, wo werden Sie sein, wenn Sie 50 sind? Was mir wirklich Spaß macht, ist, ein Unternehmen zu führen. Deshalb ist die Tätigkeit bei der BVG mein Traumjob. Ich führe das größte Nahverkehrsunternehmen Deutschlands – und wir sind in allen Bereichen die Größten: ob Straßenbahn, U-Bahn oder Bus. Mit den Mitarbeitern hier zu arbeiten, macht mir viel Freude und ich kann mir daher gut vorstellen, diesen Job auch noch mit 50 zu machen.

Derzeit im Bau befindlicher Kreuzungsbahnhof der U-Bahnlinien U5 und U6 an der Ecke Friedrichstraße / Unter den Linden.

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Über die BVG Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), eine Anstalt des öffentlichen Rechts, beschäftigt fast 13.000 Mitarbeiter und befördert jährlich rund 937 Millionen Fahrgäste. Neben 10 U-Bahn-Linien, 22 Straßenbahn-Linien, und 149 BusLinien betreibt die BVG außerdem 6 Fähren. Mit diesem Fuhrpark und einem Jahresumsatz von ca. 678 Millionen Euro ist die BVG das größte Nahverkehrsunternehmen Deutschlands.

մմWie sieht Ihr typischer Tagesablauf aus? Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Dann fahre ich in der Regel mit der S-Bahn ins Büro, zwischen 7 und 8 Uhr fange ich an. Wenn ich im Büro bin – und nicht in einem unserer Betriebshöfe vor Ort – gibt es meistens interne Besprechungen, z. B. mit den Bereichs- und Abteilungsleitern, oder Vorstandssitzungen, aber natürlich auch Termine mit Politikern aller Couleur und Journalisten. Ganz wichtig ist es mir, mindestens zweimal pro Woche und freitags in der Regel sogar ganztägig irgendwo in der BVG zu sein

Visualisierung: Buenck + Fehse.

bekommen und sind eine Topmanagerin – trotzdem fragen wir Sie nicht nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, denn einem Mann würde man die Frage auch nicht stellen. Aber was uns interessiert: Was halten Sie von einer Frauenquote? Mir geht es wie vielen Frauen in Führungspositionen, wie ich zwischenzeitlich gelernt habe. Zu Beginn meines Berufslebens habe ich gesagt, dass man eine Frauenquote nicht braucht. Je länger ich arbeite, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass wir die Quote doch brauchen.

Foto: BVG / Joachim Donath.

P E O P LE | Si g r i d Ni k u t t a


մմWann ist Ihr Arbeitstag zu Ende? Das ist unterschiedlich. Ich bin an zwei Abenden so früh zuhause, dass ich meine Kinder sehe. In dem Job, den ich hier mache, hat man natürlich viele Abendtermine. Am Wochenende gibt es manchmal Familien-Events der BVG, wo ich unsere Kinder auch mitnehmen kann, z. B. das BVG-Kinderfest, den BVG-Familientag und einiges mehr. Ansonsten bemühe ich mich, am Wochenende keine E-Mails zu schreiben. մմFür Furore sorgte kürzlich die Meldung, dass die Topmanagerin Marissa Mayer von Google zu Yahoo gewechselt ist – und am selben Tag bekannt gab, im siebten Monat schwanger zu sein. Wie hat das auf Sie gewirkt? Dass das ein Thema ist, das die Öffentlichkeit und die Medien interessiert, sieht man ja, aber eigentlich kann ich es nicht nachvollziehen. Ich konnte bisher nicht feststellen, dass eine Schwangerschaft das Denkvermögen behindert – und genau das wird ja offensichtlich unterstellt. Sicherlich ist das nicht die Wunschkonstellation, aber ein Vorstandsvorsitz wird ja auch nicht ständig frei – und in der Regel bleibt man ja auch nicht nur zwei, drei Monate Vorstandsvorsitzende. Die Menschen müssen sich einfach daran gewöhnen, dass auch Frauen in Führungspositionen Kinder bekommen – so eigentümlich das manchen vorkommen mag. Angesichts der demografischen Entwicklung ist es ja auch durchaus wünschenswert, dass die Frauen Kinder bekommen. Als ich meine vierte Schwangerschaft bekannt gemacht und gleich-

zeitig gesagt habe, dass ich mir nur eine kurze Auszeit nehme, gab es ähnliche Reaktionen.

մմEigentlich sollte ein solches „Ereignis“ Normalität sein. So sehe ich das auch. Es muss eine größere Selbstverständlichkeit sein, dass so etwas kein besonderes Ereignis ist, sondern Normalität. Es wäre ja wirklich dramatisch, wenn Frau Mayer, obwohl sie die Qualifizierteste ist, diesen Job nicht angenommen hätte. մմSie haben Psychologie studiert und sind „Systemischer Coach“. Ist das die perfekte Ausbildung für Vorstandsvorsitzende? Die Ausbildung ist ein wirklicher Vorteil, weil ich da gelernt habe, dass es, egal in welchem Metier man arbeitet, immer und vor allem auf die Menschen ankommt – auf nichts anderes als auf die Menschen. Selten ist es die harte Technik, die nicht funktioniert, es sind die Menschen, die sie funktionierend oder nicht funktionierend machen. Ich bin beispielsweise felsenfest davon überzeugt, dass es für die BVG enorm wichtig ist, dass der Vorstand sich vertraut und ganz eng und intensiv zusammenarbeitet. Genauso wichtig ist natürlich die Kommunikation mit den Aufsichtsräten und den unterschiedlichen Mitarbeitergruppen. Ich kann versuchen, alles Mögliche per Dekret zu verordnen – aber das wird nie funktionieren. Man muss die Mitarbeiter dafür gewinnen. մմHaben Sie ein Lebensmotto?

Ein ganz festes: „Man muss das Leben immer vom Ende her sehen.“ Das hilft enorm – auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Sich vorzustellen, worauf man am Ende stolz sein kann oder was einem vielleicht egal ist. Es geht mir nicht um kurzfristige Erfolgsmaximierung sondern um den Nachhaltigkeitsaspekt. Meine Mo-

Foto: Bettina Volke.

und mit den Leuten, die ihren Job machen, vor Ort zu diskutieren, mir anzuschauen, was sie machen, und eventuell auch mitzuhelfen. Beim Fahrschein-Verkauf geht das ganz gut, beim Tunnelbau eher nicht.

Steckbrief Sigrid Nikutta Alter: 43 Kindheit: Geboren in Ortelsburg (Ostpreußen), aufgewachsen bei Bielefeld. Ausbildung: Studium der Psychologie und Pädagogik in Bielefeld, Promotion in München. Berufliches: Zuletzt als Managerin und Vorstand bei der DB Schenker Rail in Duisburg, Mainz und Zabrze (Polen). Seit 2010 Vorstandsvorsitzende der BVG. Familie: Verheiratet, vier Kinder. tivation ist komplett intrinsisch. Ich habe mir irgendwann gesagt: Ich sehe überhaupt nicht ein, warum ich nicht an der Spitze eines Unternehmens sein soll. Ich finde, ich bin dafür bestens geeignet.

մմFalls Sie Gelegenheit haben, trotz Ihres anstrengenden Berufs und vier kleiner Kinder, einmal auszugehen – was sind Ihre Lieblingsplätze in der Stadt? Wir haben diesen Sommer Urlaub in Berlin gemacht und waren mit unseren Kindern täglich unterwegs. Vom Tierpark über das Technikmuseum bis zum Dampfer auf der Spree und den Strandbädern hat unsere Stadt viel Interessantes, Spannendes und gleichzeitig auch Erholsames zu bieten. մմSind Sie privat auch mit der BVG unterwegs? Ja, sehr oft sogar – keine Staus, keine Parkplatzsuche – was will man mehr?

Foto: Bettina Volke.

մմVielen Dank für das Gespräch. Das Interview führten Kirsten Waldheim und Frank Nehring. Frank Nehring und Kirsten Waldheim zu Besuch bei der BVG-Chefin.

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Oliver Eller Hotelier aus Leidenschaft

Über sein Hotel sagt Oliver Eller (45): „Das Adlon ist eine Bühne.“

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Foto: Thomas Kierok.

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er Umgang mit Regierungschefs, Hollywood-Stars und Popstars gehört zum Arbeitsalltag von Oliver Eller – denn bei ihm wohnen sie alle, wenn sie in Berlin zu Gast sind: Oliver Eller ist der Direktor von Deutschlands wohl berühmtestem Hotel, dem Hotel Adlon Kempinski am Pariser Platz. Wir trafen den passionierten Hotelier zum Interview.

մմHerr Eller, Sie haben in den weltbesten Hotels gearbeitet und sind 2010 im Adlon angekommen. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? Das lässt sich ganz einfach beantworten: Ich liebe meinen Beruf und freue mich, morgens ins Büro zu kommen und meine Familie zu treffen. Den Begriff „Familie“ verwende ich bewusst, denn ich verbringe mehr Zeit mit meinen Mitarbeitern als mit meiner eigenen Familie. Dieser Spaß an der Arbeit, kombiniert mit den richtigen Mentoren zur richtigen Zeit und einem Quäntchen Glück, sind sicherlich die wichtigsten Gründe für meinen Erfolg. մմSie gelten als Spezialist für Hotel-Eröffnungen – als Sie 2010 Direktor des Adlon wurden, haben Sie ein bereits bestehendes Haus übernommen. Was waren damals die größten Herausforderungen? Neueröffnungen sind etwas Tolles, ich habe das immer gerne gemacht. Aber eine ebenso große Herausforderung war es auch, ein so geschichtsträchtiges Haus wie das Adlon in der schwierigen Marktsituation, in der es sich damals befand, zu übernehmen, es neu am Markt zu platzieren und es erfolgreicher zu machen, wie es mir schließlich auch gelungen ist. մմKönnen Sie das etwas konkretisieren?

Zunächst einmal war und ist das Adlon als Adresse und Dienstanbieter phantastisch – eine bessere Lage als die am Pariser Platz gibt es in ganz Berlin nicht und das Hotel ist für ein 15 Jahre altes Haus hervorragend in Schuss. Als ich hier angefangen habe, war es meine Hauptaufgabe, das Adlon weiter für den Markt zu öffnen. Das Adlon hatte bei manchen ein arrogantes Image – auch wenn das nicht stimmt. Ich habe von Anfang an sehr viel Wert darauf gelegt, ganz proaktiv immer wieder darzustellen, dass das Adlon eben nicht arrogant ist, sondern ein Erlebnis. Wir verkaufen hier nicht Essen, Trinken und Betten – wir verkaufen in erster Linie Erlebnisse. Und diese Erlebnisse verkaufen meine Mitarbeiter, die motiviert sind und denen ihr Beruf Spaß macht. Für unsere

Mitarbeiter ist ihre Tätigkeit im Adlon Teil ihrer Karriere und nicht einfach nur ein Job, den sie als Student für ein paar Jahre machen, wie es im Ausland häufig der Fall ist. Das bringt wahnsinnig viel bei der Qualität. Wenn man zusätzlich entsprechend sät und investiert – in Training, Entwicklung und Motivation – bekommt man sehr, sehr viel zurück. Als ich hier angefangen habe, konnte ich also auf einem ganz hohen Niveau ansetzen.

մմDas Adlon hat eine hohe Auslastung – wie stellt sich das im Vergleich zu den anderen Spitzenhotels in der Stadt dar? Sowohl in der Belegung als auch in der Durchschnittsrate ist das Adlon führend in der Stadt. Ein wichtiger Index, mit dem sich die Hotels am besten miteinander vergleichen lassen, ist der Umsatz pro verfügbarem Zimmer, der so genannte RevPar – und auch da ist das Adlon mit Abstand die Nummer eins in Berlin. Das macht mich sehr stolz. Der Tourismus in Berlin boomt, auch weil hier in der Vergangenheit vieles richtig gemacht wurde – das muss man einmal lobend anerkennen. Viele der Gäste, die jetzt nach Berlin kommen, sind junge Menschen mit sehr limitiertem Budget – aber das sind alles Botschafter, die wieder nach Hause fliegen und in 10 oder 15 Jahren mit einem größeren Budget in die Stadt zurückkommen. Heute werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Die Stadt hat unglaublich viel zu bieten. Wenn Sie heute in Manhattan über die Straße gehen, sehen Sie an den Taxis überall Werbung für Berlin – nicht für London, Los Angeles oder Tokio, sondern für Berlin. մմMit 22 Millionen Übernachtungen im letzten Jahr liegt Berlin als Top-3-Reiseziel in Europa hinter London und Paris und noch vor Rom. Woher kommen Ihre Gäste? Der mit Abstand größte Markt ist natürlich Deutschland. Auf dem zweiten Platz liegen die USA, gerade von der amerikanischen Ostküste kommen viele unserer Gäste. Weiter geht es mit Italien, Frankreich, Spanien, Russland, Öster­ reich und der Schweiz. մմStimmt es, dass Sie hier im Hotel wohnen? Ja, obwohl ich generell dagegen bin in einem Hotel zu wohnen. Aber meine Wohnung im Hotel ist architektonisch vollkommen autark, das heißt, ich habe einen separaten Zugang. Das ist für mich sehr wichtig.

մմUnterscheiden sich Hoteliers nach Sternen? Ich habe in einem ganz bodenständigen Hotel gelernt und viele Jahre im Maritim in Bad Salzuflen gearbeitet. Ich war also nicht immer in Fünf-Sterne-Häusern, sondern habe verschiedene Segmente abgedeckt. Bei der Suche nach der nächsten beruflichen Herausforderung würde ich mich auch nicht an den Sternen oder am Ansehen des Hotels orientieren. Es geht vor allem um die Herausforderung. Außerdem habe ich viel Respekt vor allen Kollegen, auch vor denen, die ein Budget-Hotel führen. Oft ist es viel schwieriger, ein kleines Haus zu führen als ein großes. Eine Zeit lang habe ich beispielsweise das Schlosshotel Grunewald geleitet – bei einem Haus mit 54 Zimmern fehlen einfach Strukturen. Da gibt es natürlich auch die Rollen Einkauf, Marketing und PR, aber alle zusammengefasst in der Person des Hoteldirektors. Davor sollte man Respekt haben. մմWelche Eigenschaften muss man als Hotelier haben? Wenn man den Job nicht liebt, dann kriegt man das gar nicht hin – weder körperlich, noch geistig. Was meinen Sie, was meine Mitarbeiter an der Rezeption jeden Tag erleben? Ganz positive, tolle Dinge und ganz herausfordernde. Wenn man das alles mit nach Hause nimmt, schläft man nicht mehr, genau wie der Chirurg in der Charité. Man muss also auch abschalten können. մմWas macht den Menschen Eller einzigartig? Mein Team könnte das sicherlich besser beantworten, aber ich will es versuchen. Erstens: Ich liebe Menschen. Zweitens: Ich halte ethische Werte für sehr wichtig. Und drittens: Ich bin ein Motivator, denn ohne Motivation geht in unserem Beruf gar nichts. մմSind Sie prominent? Das würde ich nicht sagen. Ich habe zwar das Glück, mit vielen prominenten Menschen zu arbeiten, und tauche dadurch auch manchmal im Schein des Scheinwerferlichts auf, aber ich selbst bin nicht prominent. մմWas sind Ihre Lieblingsrestaurants und

-bars in Berlin – außer denen im Adlon? Insgesamt schätze ich an Berlin sehr die Vielfältigkeit – hier gibt es für jeden und alle etwas. Ich gehe sehr gerne in den Grill Royal in der Friedrichstraße. Im Sommer kann man

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dort an der Spree sitzen, die Gerichte werden schön präsentiert und es gibt sehr gute Weine für einen angemessenen Preis. Gerne gehe ich auch in die Henne in Berlin-Kreuzberg, dort gibt es mit Abstand die knusprigsten Hähnchen der Stadt. Gerade wenn man den ganzen Tag im Luxussegment arbeitet, dann ist ein Acht-Gänge-Menü das Letzte, was man am Abend haben will. Sehr gerne mag ich auch das La Cascina in Berlin-Grunewald, wo ich mich schon seit Jahrzehnten mit Freunden treffe.

Foto: ZDF/Jürgen Detmers.

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Derzeit dreht Oliver Berben (Produzent) mit Uli Edel (Regie) für das ZDF den TV-Epos „Das Adlon: Ein Hotel. Zwei Familien. Drei Schicksale“. Hier ein Gruppenbild mit den Darstellern.

մմEs ist ein offenes Geheimnis, dass sich մմIhr Zeitmanagement ist sicherlich nicht einige so genannte Promis ihren Auftritt

einfach – wie sieht ein typischer Arbeitstag von Oliver Eller aus? Ich reise sehr viel – das gehört zu meinem Beruf. Wenn ich hier im Haus bin, gehe ich in der Regel gegen 8 Uhr ins Büro und tausche mich erst einmal mit meiner Assistentin aus. Es folgen Meetings mit dem Executive-Level, wobei es häufig um laufende und zukünftige Projekte geht. Einen Großteil meiner Zeit verbringe ich damit, durch das Haus zu laufen und die Resonanzen aufzunehmen. Ich möchte erfahren, wie es meinen Leuten geht, wo es rund läuft und wo nicht. Wenn wir beispielsweise im Restaurant ein Porzellanproblem haben, werde ich das eher über einen Servicemitarbeiter herausfinden als über meinen Einkauf. Und auch das Feedback von den Gästen gehört dazu. Zum Lunch gehe ich regelmäßig in unser Mitarbeiterrestaurant – das ist übrigens keine Kantine, sondern ein richtiges Restaurant.

bei der Fashion Week, die ja direkt gegenüber vom Adlon vor dem Brandenburger Tor stattfindet, bezahlen lassen. Gibt es so etwas bei Ihnen auch? Wir bezahlen niemanden dafür, dass er bei uns wohnt. Aber: Es ist in der Branche durchaus üblich, dass bei gewissen ganz großen Namen anders verhandelt wird. Können Sie sich noch an den Berlin-Besuch von Michael Jackson im Jahr 2002 erinnern – der sorgte damals für enorme Schlagzeilen, als Jackson sein Baby aus dem Fenster gehalten hat. Wenn ein solcher A-Promi anreist, dann bucht er natürlich nicht selbst, sondern eine Agentur erledigt das für ihn. Die wissen natürlich um den Marketing-Wert, wenn ein Michael Jackson kommt. Dementsprechend wird auch bei den Hotels ganz anders angefragt. Manche Hotels lassen sich sicherlich auf eine Nullrechnung ein oder gehen noch weiter – wir machen das nicht. Aber natürlich werde ich immer Marketing-Entscheidungen treffen, das

Zwei-Sterne-Koch Hendrik Otto (ganz rechts im Bild) mit seinem Team vom Restaurant Lorenz Adlon Esszimmer.

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heißt, wenn es eine Marketingidee gibt, die ich für genial halte, werde ich darüber nachdenken.

մմDie Zahl der Prominenten nimmt ständig zu – unterscheiden Sie zwischen A-, B-, C- und D-Promis? Im Umgang mit unseren Gästen unterscheiden wir generell nicht. Aber wir müssen schon schauen, ob der Medienrummel auch zu unserem Haus passt. Natürlich ist es ein Unterschied, ob nur ein Reporter vor der Tür steht oder 500 singende Mädchen und 100 Reporter, weil bei uns gerade die angesagteste Boygroup zu Gast ist – das findet nicht jeder toll. Das müssen wir entsprechend bewerten, auch unseren anderen Gästen zuliebe. մմKennen und begrüßen Sie alle so genannten Prominenten persönlich? Ich versuche nach Möglichkeit, unsere Gäste persönlich zu begrüßen, denn ein ganz wichtiger Teil meines Berufs ist es, Gastgeber zu sein. Natürlich gelingt mir das nicht immer.


մմBei einigen Ihrer berühmten Gäste müssen die Sicherheitsvorkehrungen immens sein. Ist das nicht störend für Ihre anderen Gäste? Wir arbeiten eng und sehr gut mit den deutschen Behörden zusammen und wir haben im Adlon einen eigenen Sicherheitschef, der mit diesen kommuniziert. Die Polizei, der BND usw. verstehen sehr gut, dass sie im Adlon unterwegs sind, d. h. sie werden hier keinen Scharfschützen mit Waffe durch die Lobby laufen sehen. Wissen Sie, das Adlon ist auf eine gewisse Weise ja auch eine Bühne: Da gehört es für die Menschen dazu, den einen oder anderen bekannten Politiker einschließlich des dazu gehörigen Sicherheitsapparats zu sehen. Aber auch architektonisch sind wir auf solche Staatsbesuche eingerichtet – hier gibt es bestimmte abgeschirmte Bereiche.

Foto: Bettina Volke.

մմWas waren bisher die verrücktesten Sonderwünsche, die Sie einem Gast erfüllen mussten? Ich fürchte, ich muss Sie enttäuschen, denn das höchste Gut ist für uns die Privatsphäre unserer Gäste. Sicherlich gibt es Gäste, die ganz kurzfristig etwas Außergewöhnliches haben möchten, aber wir haben im Haus ein ganz tolles ConciergeTeam, alles Vollprofis, die extrem gute Verbindungen haben, nicht nur in Berlin, sondern weltweit. Wenn zum Beispiel eine Anfrage kommt, dass innerhalb von zehn Minuten ein Helikopter benötigt wird, dann weiß der Concierge, wen er anrufen muss, und gibt spätestens nach acht Minuten eine Auskunft. Wenn beispielsweise ein bekannter Popstar kommt, bekommen wir meistens ein paar Wochen vorher eine Liste mit

Frank Nehring und Kirsten Waldheim im Gespräch mit Oliver Eller.

Sonderwünschen – aber das sind für uns keine Probleme. Eigentlich geht fast immer fast alles.

մմIm April hat auf der Adlon-Terrasse eine Sansibar eröffnet – inzwischen findet man Sansibars an vielen Orten, sogar bei Air Berlin bekommt man Sansibar-Essen. Wie verträgt sich das mit der Exklusivität des Adlon? Wir haben uns ganz bewusst für die Sansibar entschieden, um das Hotel und die Terrasse zu öffnen und so die Hemmschwelle für die Besucher zu senken. Wenn man ein Luxushotel baut, hat man vor dem Haus erst einmal eine sechs Meter hohe Mauer und die Leute haben Berührungsängste. Dagegen möchten wir etwas tun. Die Sansibar steht für sehr gute Qualität zu einem fairen Preis und eine lockere Atmosphäre – das zieht die Menschen an. Aber natürlich können Sie ebenso gut zehn Meter weiter in der exklusiven Moët Ice Impérial Lounge sitzen. Übrigens ist die Sanisbar nur für ein Jahr hier – danach kommt dann wieder etwas anderes. մմDem Adlon droht derzeit „ein Aufstand streitbarer Anleger“, denn es gab schon lange keine Gewinnausschüttungen mehr. Wie ist es um die wirtschaftliche Situation des Hauses bestellt? Man muss hier ganz klar trennen: Das AdlonKempinski ist seit 15 Jahren Mieter dieser Immobilie – und zahlt seine Miete pünktlich. Ob das Hotel wirtschaftlich erfolgreich ist oder nicht, hat darauf keinen Einfluss. Auf der anderen Seite gibt es den Eigentümer der Immobilie, das ist die Adlon Holding – beides hat aber nichts miteinander zu tun. In der öffentlichen Wahrnehmung geht das leider häufig durcheinander. մմIm historischen Adlon wurden einige

Gerichte „erfunden“, wie z. B. „Seezungen­filet Adlon“ und „Kalbssteak Adlon“. Gibt es so etwas heute auch noch? Es gehört mit zu meinen Aufgaben, diese Historie am Leben zu erhalten und fortzuführen. In unserem Restaurant „Lorenz Adlon Esszimmer“ zelebrieren wir das auch – der Name ist übrigens eine Hommage an den Hotelgründer Lorenz Adlon. Unser Küchenchef Hendrik Otto, ein sehr talentierter junger Mann, hat eine Hummer-Variation kreiert, die konsequent von Anfang an auf der Speisekarte steht. Das ist ein Klassiker für die Periode Otto. Auf der Karte finden Sie außerdem historische Menüs, die nach Originalrezepten von vor 100 Jahren zubereitet werden. Aber auch die junge kreative Küche

von Hendrik Otto, einer von drei Zwei-SterneKöchen in Berlin übrigens, findet sich auf der Karte.

մմWo werden Sie in fünf Jahren sein? Generell gehören in der Hotellerie Wandel und Wechsel mit zum Tagesgeschäft – das und das internationale Flair waren für mich ein Grund, diesen Beruf zu wählen. Momentan konzentriere ich mich auf das Adlon-Kempinski, die Aufgabe macht mir viel Freude und es gibt genug zu tun. Wenn ich an den Punkt komme, an dem mir die Herausforderung fehlt, werde ich mit meinem Boss sprechen und wir werden sicherlich etwas Neues finden. Aber noch ist es nicht so weit. մմWir danken Ihnen für das Gespräch. Das Interview führten Frank Nehring und Kirsten Waldheim.

Foto: Bettina Volke.

Bei Besuchen von Staatsgästen ist es eine Protokollfrage und eine Selbstverständlichkeit, dass ich diese persönlich begrüße. Ich habe ein sehr gutes Team, das mich stets auf dem Laufenden hält. Was die A-Prominenz betrifft, bin ich zu 100 Prozent informiert, wer bei uns zu Gast ist. Außerdem sind diese Besuche minutiös geplant. Da bleibt nichts dem Zufall überlassen.

Steckbrief Oliver Eller Ausbildung: Ausbildung zum Hotelkaufmann im Maritim Hotel in Bad Salzuflen, später Studium an der Cornell School of Hotel Administration in Ithaca, USA. Berufliches: 1986 an der Rezeption des Berliner Interconti; seit 1999 für die Ritz-Carlton-Hotelgruppe tätig, zunächst am Berliner Schlosshotel Grunewald, dann in Ägypten und den USA; Vize-Chef des Ritz-Carlton Berlin, Chef des RitzCarlton in Wolfsburg; seit 2005 Generaldirektor des Ritz-Carlton in Moskau, seit Juni 2010 Chef des Adlon in Berlin. Privates: Eine Tochter (11) aus erster Ehe.

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Serie: Berlins Diplomaten Peter Martin Tesch , Botschafter von Australien

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մմHerr Botschafter, im Foyer der Botschaft haben wir eben eine schöne Ausstellung gesehen. Um was handelt es sich? Wir haben bei uns im Haus wechselnde Ausstellungen, zuletzt eine sehr schöne mit indigener Kunst. Momentan stellen wir Zeichnungen von Schülern der Ludwig-Leichhardt-Oberschule im Spreewald aus, die einen sehr engen Kontakt zu Australien pflegt. Leichhardt, ein großer For-

scher und Naturwissenschaftler, stammt aus dem Spreewald und im nächsten Jahr begehen wir sein 200-jähriges Geburtsjahr. Zu der Schule pflegen wir einen sehr engen und lieben Kontakt. Kennen Sie Ludwig Leichhardt?

մմLeider nein. Die wenigsten Deutschen kennen ihn, aber in Australien ist er sehr berühmt. Straßen, Vororte, ganze Stadtteile, Berge, Flüsse und sogar ein

Foto: Bettina Volke.

eter Martin Tesch freut sich, dass seine Tätigkeit als australischer Botschafter in Berlin um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Denn er lebt ausgesprochen gerne in der Stadt, über die er sagt: „Berlin ist in erster Linie Überraschung und Vielfalt.“ Wir trafen den humorvollen und lässigen Diplomaten im geschichtsträchtigen Botschaftsgebäude in der Wallstraße.

Peter Martin Tesch (47) ist seit drei Jahren australischer Botschafter in Berlin.

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մմIch habe Sie vor ein paar Tagen bei einem Event des Uhrenherstellers Askania in den Hackeschen Höfen getroffen. Vermutlich ist das kein typischer Abendtermin für einen Diplomaten oder doch? Doch, es gehört mit dazu – es sind nicht immer nur diplomatische Empfänge, zu denen ich gehe. Ich muss in meinem Beruf eine breite Palette von Menschen kennen. Leonhard Müller, den Chef von Askania, habe ich zum Beispiel im Hoppegarten beim Pferderennen kennengelernt. Ich war dort eingeladen, weil wir dabei helfen, eine Beziehung zwischen Melbourne und Hoppegarten aufzubauen. In Melbourne findet immer am ersten Dienstag im November der Melbourne Cup, das berühmteste Pferderennen Australiens, statt. Wir nennen es auch „das Rennen, das eine Nation stoppt“, weil an diesem Tag viele Millionen Menschen das, was sie gerade tun, unterbrechen, um sich dieses Rennen anzusehen. Sie sehen, ich treffe also nicht nur Politiker, Wissenschaftler und Journalisten, sondern auch Unternehmer und viele andere Menschen. մմIn den Hackeschen Höfen befindet sich auch das Variete-Theater Chamäleon, in dem häufiger australische Künstler auftreten. Kennen Sie das Chamäleon? Ja sicher. Im letzten Jahr hat die Künstlertruppe C!RCA aus meiner Heimatstadt Brisbane das Berliner Publikum über Monate begeistert. Der Geschäftsführer des Chamäleon, Hendrik Frobel, und ich sind inzwischen gute Freunde und häufig unterwegs und entdecken gemeinsam Berlin. մմSeit wann sind Sie australischer Botschafter in Deutschland? Seit Ende Oktober 2009. մմWas waren Ihre anderen Stationen, bevor Sie nach Berlin gekommen sind? So viele sind es nicht, obwohl ich schon seit 26 Jahren im diplomatischen Dienst bin. Zunächst war ich in Moskau, dann wieder in Australien, dann als Botschafter in Kasachstan, dann kurze Zeit in Hannover für die Expo 2000, dann in New York bei den Vereinten Nationen – und jetzt in Berlin. Und ich bin sehr, sehr froh, hier zu sein.

մմWie lebt es sich als Diplomat? Mit zunehmendem Alter wird es schwieriger, aber es verliert nie seinen Reiz. Durch den ständigen Wechsel ist es unmöglich, sich irgendwo zu langweilen. Man kommt immer mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt und macht viele unterschiedliche Erfahrungen. Auf Dauer ist es allerdings manchmal schwer, weil man ständig neue Freundschaften gründet und pflegt – aber auch wenn man sich viel Mühe gibt, leiden diese unter der Distanz. Schwierig ist es auch für Diplomaten, die Familie und Kinder haben. Das betrifft mich allerdings nicht, denn ich lebe mit meinem Partner hier und wir haben keine Kinder. Man freut sich immer, wenn man nach Hause kommt nach Australien, aber nach etwa sechs bis zehn Monaten juckt es einen wieder und man fängt an, sich die Listen mit freien Stellen im Ausland genauer anzuschauen. մմSind drei Jahre an einem Ort nicht ohne-

hin der Zeitpunkt, nach dem ein Diplomat wechseln muss? Sie haben Recht, drei Jahre sind bei uns üblich. An manchen Orten können einem drei Jahre sehr lang vorkommen, in Städten wie Berlin ist diese Zeit viel zu kurz. Deshalb bin ich froh, dass ich die Bestätigung für ein weiteres Jahr in Berlin erhalten habe, wir bleiben also bis Oktober 2013 hier. Ich würde auch gerne noch ein fünftes Jahr bleiben.

մմWelche Bedeutung hat für Sie das Wort „Zuhause“? Ich fühle mich in Berlin sehr wohl und zuhause. Im August habe ich mit ein paar Freunden Urlaub gemacht, wir waren mit dem Auto unterwegs und es hat Spaß gemacht, aber es war viel schöner, wieder nach Hause zu kommen – in die Botschafter-Residenz im Grunewald. Wir kennen uns dort gut aus, inzwischen werden wir z. B. in den Restaurants begrüßt, im Moment ist das unser Zuhause. Aber selbstverständlich kann das einem nicht das Gefühl ersetzen, das man zuhause in Australien verspürt. Ein paar Jahre im Ausland leben zu dürfen, ist ein großes Privileg und Vergnügen. մմGab es Themen, die Ihnen bei Ihrem Amtsantritt besonders wichtig waren? Deutschland ist ein wichtiger Partner der Zukunft für Australien – und wird immer wichtiger. Umgekehrt gilt das auch. Wir teilen die gleichen Werte, in den großen Fragen der Weltpolitik haben wir dieselben Ansichten. Ich muss natürlich hier die Dinge ausführen,

Die australische Botschaft in der Wallstraße 76-79 (Stadtkarte: K1) hat eine in Berlin einzigartige Majolika-Fassade.

mit denen ich beauftragt bin, wenn es z. B. um Syrien oder Iran geht, aber wenn es um die bilaterale Beziehung geht, habe ich weitgehend freie Hand und kann Interessen verfolgen und eigene Ideen verwirklichen. Manches entsteht einfach im Rahmen der täglichen Arbeit, wie z. B. das Thema Leichhardt.

մմGibt es noch andere Beispiele? Im letzten Jahr hatten wir eine sehr schöne Ausstellung im „Automobilforum Unter den Linden“ mit Arbeiten des australischen Fotografen Peter Jarver. Dort hatten wir circa 35.000 Besucher in nur einem Monat. Ein weiteres Beispiel: Ende Oktober werde ich zusammen mit einem australischen Journalisten im English Theater beim „Berlin Sofa“ zum Thema „The Making of Australia“ auftreten. մմWie sieht Ihr typischer Tagesablauf aus? Der Wecker klingelt früh um viertel nach fünf – es sei denn, es ist am vorigen Abend spät geworden. Ich gehe jeden Morgen ins Aspria in der Karlsruher Straße zum Schwimmen. Da ich im Grunewald wohne, habe ich anschließend auf dem Weg zur Botschaft erst einmal mit dem Berliner Verkehr und den Baustellen zu kämpfen – eine typische Berliner Tageserfahrung. In der Botschaft ist jeder Tag anders: Es gibt interne Besprechungen, manchmal haben wir Besuch von Schülergruppen, ich treffe mich mit einem Abgeordneten oder ich habe einen Termin im Auswärtigen Amt, wie heute Nachmittag. Oft trifft man sich auch zum Essen – es ist schon eine große Last, wenn man für seine Nation essen und trinken muss (lacht).

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Foto: Bettina Volke.

großer Bundeswahlkreis sind nach ihm benannt. Und natürlich hunderte von Pflanzen und Tierarten. Leichhardt hat in den 1840er Jahren einen Riesenbeitrag zur Erforschung der australischen Flora und Fauna geleistet – das wollen wir im nächsten Jahr würdigen.


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մմDas ist bestimmt hart … Aber es gehört dazu – und ich merke es an meinem Gewicht. Deshalb schwimme ich jetzt morgens nicht mehr nur einen, sondern eineinhalb Kilometer. Außerdem bin ich viel in Deutschland unterwegs. Ich bin auch in der Schweiz und in Liechtenstein akkreditiert. Früher gab es eine australische Botschaft in Bern, die 1994 aus finanziellen Gründen geschlossen wurde. Seitdem betreuen wir diese Position von Berlin aus, was nicht so günstig ist, aber zumindest haben wir ein Honorarkonsulat in Zürich. մմDas Haus in der Wallstraße, in dem sich die australische Botschaft seit 1996 befindet, hat eine ganz besondere Geschichte. Erzählen Sie uns kurz davon? Das vom Berliner Architekten Fritz Crzellitzer um 1912 errichtete Geschäftshaus mit einer sehr schönen und gut erhaltenen Majolika-Fassade wurde zunächst von Unternehmen der Bekleidungsindustrie genutzt, dann von der Tischlerinnung, gefolgt vom Zentralkomitee der KPD, den SED-Parteiverlagen und dem Dietz-Verlag. Der Commonwealth of Australia hat das Gebäude 1996 erworben. Wir haben dieses wunderschöne Gebäude hier in der Wallstraße im Jahr 2003 bezogen, was wir im nächsten Jahr sicherlich feiern werden. մմAustralien und Deutschland begehen in diesem Jahr ihr 60. Jahr diplomatischer Beziehungen – das ist eigentlich eine recht kurze Zeit. Wir könnten behaupten, dass unsere Kontakte zu Deutschland schon seit 224 Jahren existieren, weil der Sohn eines Frankfurter Sprachlehrers und einer Engländerin, Arthur Phillip, der erste Kommandeur der ersten Flotte und der erste Gouverneur der Kolonie New South Wales war. Also war

gleich vom ersten Tag der europäischen Besiedlung Australiens ein Deutscher mit dabei. In diesem Jahr begehen wir 60 Jahre formalen Austausch auf Botschafterebene, seitdem haben wir jeweils Residenzen in den anderen Ländern. Es gibt nicht eine einzelne große Feier, sondern eine Reihe von Veranstaltungen und Initiativen im Rahmen des Jubiläums. So haben wir in diesem Jahr z. B. die so genannten Science Circles gegründet, wo Australier in Deutschland sprechen, z. B. zum Thema Photovoltaik. Auch bei der Documenta in Kassel war Australien sehr präsent, um ein anderes Beispiel zu nennen. Eine Abschlussfeier ist für den 28. Januar 2013 geplant.

մմWofür steht Australien? Welches Bild Ihres Heimatlandes wollen Sie in Deutschland vermitteln? Australien ist ein wunderbares Ziel für Touristen, für Studierende, für Geschäftsleute und für Investoren. Australien hat eine offene und freundliche Gesellschaft. Wir wollen betonen, dass es bei uns nicht an Innovationen und Kreativität mangelt, vor allem auch in den Bereichen, wo Deutschlands Interessen groß sind, also beispielsweise bei den erneuerbaren Energien. Andere Bereiche sind etwa Biotechnologie und Präventivmedizin. Australien hat die viertgrößte Volkswirtschaft im asiatischen Raum und ist ein besonders wichtiger Partner für Deutschland. Wir wollen als strategisch wichtiger Partner in einer Region gesehen werden, die zunehmend wichtiger wird. մմAustralien ist weltweit einer der Hauptexporteure von Uran, hat aber selbst keine Atomkraftwerke. Warum? Wir haben riesige Vorkommen an Stein- und Braunkohle und brauchen daher keine Kern­ energie. Außerdem lehnt die derzeit regierende Labor-Partei Kernenergie ab und investiert vor allem in den Aufbau erneuerbarer Energien.

Foto: rafiki / pixelio.de

Über Australien

Aber der Export von Rohstoffen ist für Australien auch heute noch eine der wichtigsten Einnahmequellen.

մմSie haben einmal gesagt, Bildung sei einer der „Exportschlager“ Australiens? Ausländer, die in Australien studieren, sind ein wichtiger Bestandteil unserer Volkswirtschaft, denn sie bringen Devisen ins Land. Im letzten Jahr waren darunter übrigens ca. 6.000 junge Deutsche. Sehr viele Studenten kommen auch aus Asien, viele davon aus Indien. մմWie viele Australier leben in Deutschland bzw. in Berlin? Das ist nicht so einfach festzustellen, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind es etwas über 10.000, aber das sind nur diejenigen, die meldepflichtig sind, weil sie hier auf Dauer leben. Wir gehen davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen wesentlich höher sind. In Berlin haben rund 1.800 Australier ihren Wohnort angemeldet. Sehr viele junge Australier zieht es nach dem Abitur für ein paar Monate nach Europa. մմUmgekehrt ja auch … Das Programm „Working Holiday“ hat das sehr erleichtert. Seit es das gibt, kommen viele junge Deutsche nach Australien und genießen ihre Zeit dort. մմRund 92 % der Australier sind europäischer Herkunft und über 1,3 Millionen Australier geben an, mindestens einen deutschen Vorfahren zu haben. Trifft das auch auf Sie zu? Laut unserer letzten Umfrage aus dem Jahr 2006 wurden etwa 105.000 Australier in Deutschland geboren, die andere Zahl bezieht sich auf die mit einem deutschen familiären Hintergrund, das kann aber schon mehrere Generationen zurück-

Mit einer Fläche von rund 7,7 Millionen km² ist Australien der sechstgrößte Staat der Erde – und mit 2,9 Einwohnern pro km² sehr dünn besiedelt (im Vergleich: Deutschland hat eine Bevölkerungsdichte von 229 Einwohnern pro km²). Rund 92 % der Bevölkerung sind europäischer Herkunft, 2,4 % sind ganz oder teilweise indigener Abstammung. 92 % der Bevölkerung leben in den Städten, vor allem an der Südostküste, in Tasmanien und im Großraum Pearth an der Westküste. Die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, leben seit mindestens 50.000 bis 60.000 Jahren dort. Australien hat eine Arbeitslosenquote von ca. 5,2 % und damit eine der niedrigsten innerhalb der OECD. Australien hat das reichhaltigste Vorkommen von seltenen Erden auf der Welt. Die wichtigsten Exportgüter Australiens sind Bildung und Tourismus, Primärprodukte, wie z. B. Uran, aber auch diverse Industrieprodukte. Die EU ist der wichtigste Wirtschaftspartner Australiens. Staatsoberhaupt von Australien ist Königin Elisabeth II., Premierministerin seit dem 24. Juni 2010 ist Julia Gillard von der Australian Labor Party. Die Hauptstadt von Australien ist Canberra.

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Foto: Bettina Volke.

Im Erdgeschoss der australischen Botschaft finden regelmäßig Ausstellungen statt.

մմHat Ihre Mutter mit

Ihnen Deutsch gesprochen? Sie hat zwar versucht, meinen Bruder und mich für Deutsch zu interessieren, aber wir haben zuhause kein Deutsch gesprochen – außer wenn sie mit uns geschimpft hat. Gelernt habe ich die Sprache in der Schule und später während meines Germanistik-Studiums – und natürlich in Deutschland.

մմWie nehmen Sie Berlin wahr? Was macht die Stadt besonders? Berlin ist für mich in erster Linie Überraschung und Vielfalt. Ich kenne keine andere Stadt auf der Welt, wo so viele „Ismen“ und „Ologien“ im Laufe der Geschichte zusammen gekommen sind. Das finde ich ungeheuer spannend. In jedem Stadtteil Berlins kann man etwas aus der uns bekannten Geschichte finden – dieses bunte und historische Berlin schätze ich sehr. Dass die Stadt so grün ist und dass es so viel Wasser hier gibt, hat mich sehr überrascht, als ich hier angekommen bin. Ich bin am Wasser in Brisbane groß geworden und lie-

be Hafenstädte, die direkt am Meer liegen, oder Städte mit Wasser, mit Kanälen usw. Außerdem gefällt mir, dass Berlin, mit Ausnahme des Potsdamer Platzes, nicht so in die Höhe gebaut ist. Sie ist eher eine breite Stadt – und es gibt so viel zu entdecken. Ich fühle mich sehr wohl hier.

մմKennen Sie echte Berliner? Können Sie den „typischen Berliner“ charakterisieren? Während der Expo 2000 hatte ich mit einem UrBerliner zu tun. Er hatte einige Eigenschaften, die ich den Berlinern generell zuschreiben würde: Er war humorvoll, witzig, manchmal mit einer gewissen Schärfe, die ich aber nie als böse wahrgenommen habe, und er war offen und direkt. Und die Berliner besitzen einen gewissen Stolz. Das haben sie übrigens mit den Australiern gemeinsam, d. h. wir dürfen über unsere eigene Stadt meckern und uns lustig machen, aber wehe dem Außenstehenden, der das wagt. մմMit welcher australischen Stadt

ist Berlin am ehesten vergleichbar? Vielleicht mit meiner Heimatstadt Brisbane, weil das eine Stadt ist, die lange Zeit als zurückgeblieben und veraltet galt, die sich aber neu entdeckt hat und derzeit neu erfindet und im Aufbruch ist – ähnlich ist es in Berlin. Von der Bevölkerung her ist Berlin am ehesten mit Melbourne vergleichbar, eine Stadt, in der man viel Europäisches und eine große Vielfalt findet. In Berlin hat man nicht einen Kern, sondern viele Mikrokerne, in Melbourne ist das ähnlich. Man kann durch die Stadt schlendern und immer Neues entdecken.

Foto: Bettina Volke.

մմGibt es eigentlich noch das

Kirsten Waldheim und Frank Nehring im Gespräch mit Botschafter Tesch in dessen Amtsräumen.

richtige diplomatische Protokoll? Ja sicher. Es geht dabei vor allem darum, wie man mit der Regierung des Gastlandes umgeht. Im Falles eines Botschafters fängt das beispielsweise damit an, dass man bei der Ankunft am Flughafen empfangen wird, dass später eine formale Ernennung im Cut durch den Bundespräsidenten

Foto: Bettina Volke.

liegen. In meinem Fall ist die Familie väterlicherseits 1863 aus der Uckermark nach Brisbane ausgewandert – das waren meine Urur-Großeltern. Meine Mutter ist nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Oberpfalz nach Australien ausgewandert. Daher decke ich beide Seiten des Mains ab und kann mich allen Vorurteilen anschließen.

Steckbrief Peter Tesch Geboren: 1965 in Brisbane. Studium: Germanistik und Slawistik, Abschluss: Bachelor of Arts (Honours) an der University of Queensland. Sprachen: Englisch, Deutsch, Russisch. erfolgt und einiges mehr. Aber im täglichen Leben spielt das kaum eine Rolle. Die Deutschen sind, wie auch die Australier, sehr direkt im Umgang miteinander – das schätze ich sehr.

մմWo gehen Sie gerne in Berlin aus? Gibt es Lieblingsrestaurants und –plätze? Können Sie australische Restaurants empfehlen? Was ich an Berlin mag, ist die Vielfalt. Sehr gerne gehe ich ins Reinhard‘s im Grunewald, das bei uns direkt vor der Haustür liegt, denn ich liebe richtig gute und große Schnitzel. Australische Restaurants gibt es nicht viele in Berlin, aber gute australische Weine finden Sie in vielen Restaurants der Stadt. Zum Beispiel war ich kürzlich im Restaurant Filetstück in der Schönhauser Allee – die hatten einen sehr schönen und besonderen westaustralischen Rotwein. մմHerr Botschafter, wir danken Ihnen für das Gespräch. Das Interview führten Kirsten Waldheim und Frank Nehring.

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S h oppi n g | G e s c h e n k e - G u i d e

Geschenke-Guide Ideen für jeden Geldbeutel

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eihnachten kommt immer so überraschend und plötzlich – und das in jedem Jahr. Damit Sie an Heiligabend nicht mit leeren Händen dastehen, haben wir uns für Sie schon einmal umgesehen. Von luxuriös bis originell – wir zeigen Ihnen die besten Adressen rund um die Friedrichstraße.

Entspannt shoppen im TheQ. ür die Mama könnte es ein kostbarer Cashmere-Schal sein (oder vielleicht doch besser zwei Konzertkarten?), für die Kollegin ein kleines, duftendes Stück Naturseife und für den Großvater ein edler Tee. Den meisten Menschen fällt es schwer, sich auf Anhieb für das passende Geschenk zu entscheiden. Also begeben sie sich auf die Suche, um sich vor Ort inspirieren zu lassen. Aber wenn sie dann in den Fußgängerzonen, Einkaufs-Malls und Kaufhäusern der Stadt unterwegs sind, passiert häufig das genaue Gegenteil: Man ist erschlagen von der schieren Angebotsflut, der allgegenwärtigen Berieselung mit Weihnachtsmusik, dem Gedrängel, den Gerüchen. Und kann sich gar nicht mehr entscheiden. Ein Ort der Ruhe und Entspannung ist das Shopping-Center TheQ. in der Friedrichstraße 70 (Stadtkarte: J8), wo die Themen „Qualität“ und „Zeit“ ganz groß geschrieben werden. Hier

fühlt sich Shoppen gut an, man fühlt sich aufgehoben und nicht bedrängt und hat als Kunde die Wahl zwischen einer Reihe kleiner, aber feiner Geschäfte. Übrigens: TheQ. hat am 4. November sowie am 9. und 23. Dezember auch sonntags für Sie geöffnet. Und speziell in der Vorweihnachtszeit gibt es dort ein paar zusätzliche kostenlose Services. Lassen Sie sich überraschen. theq.eu Foto: Bettina Volke

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VERFÜHRERISCHE DÜFTE

er individuelle Düfte liebt, wird bei „Frau Tonis Parfum“ mit ihren hochwertigen Manufakturdüften aus Berliner Produktion garantiert fündig. Darunter befinden sich einzigartige Düfte wie das energetisch-frische „Berlin Summer“ oder das würzige „Eau de Berlin“. In dem puristisch eingerichteten Laden stehen 26 große Apothekerflaschen bereit, aus denen der Kunde nicht nur seinen bevorzugten Duft wählen, sondern sich auch sein individuelles Parfum komponieren lassen kann. Eau de Parfum ab 58 € (50 ml), Eau de Cologne ab 28 € (50 ml) (Zimmerstraße 13, Stadtkarte: N9). frau-tonis-parfum.com

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Illustration: hs-creator / Fotolia.com

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BUCHVORSTELLUNG

BUSINESS-TAUGLICH

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as Modell „Aussois“ vereint Stil mit praktischen Details. Die Tasche aus gewalktem und genarbtem Kalbsleder lässt sich im Handumdrehen von der Henkeltasche zur Umhängetasche verwandeln. In herbstlich leuchtendem Orange mit verspielten Details wie dem Kettenhenkel und den kleinen QuastenAnhängern wertet die Tasche jedes Outfit auf. Gibt es exklusiv bei „Le Tanneur“ in den Galeries Lafayette (Friedrichstraße 78, Eingang Französische Straße, Stadtkarte: I8).

DEKORATIV

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opfkissenbezug „Tulpan“ aus Ökobaumwolle. Der hübsche Bezug mit seinem farbenfrohen, verspielten Muster ist eine Zierde für jedes Sofa oder Bett. Mit seitlicher Knöpfung, Größe 50 x 60 cm. Entdeckt im Gudrun Sjödén Konzeptladen (Markgrafenstraße 32 am Gendarmenmarkt, Stadtkarte: K7) für 17 €. gudrunsjoeden.de

HARRODS IN BERLIN

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as sonst nur in London in einem der berühmtesten und größten Warenhäuser der Welt zu erleben ist, gibt es jetzt exklusiv auch in Berlin: Das englische Luxuskaufhaus Harrods präsentiert im „Q110 – die Deutsche Bank der Zukunft“ exklusive Weihnachtsgeschenke und kulinarische Köstlichkeiten. Besonders knuddelig fanden wir „Chester, den Weihnachtsbär“ für 35,90 € (Friedrichstraße 181, Stadtkarte: K8). q110.de

Berlin im Mittelalter D

ass im Jahre des 775. Stadtjubiläums mehr als ein Buch zur Frühgeschichte Berlins erscheint, ist naheliegend. Weniger selbstverständlich sind die Person des Autors (ein Chemiker) und die Begleitumstände der Publikation, denn kurz vor dem Erscheinen des Buchs wurden bei Ausgrabungen in der Klosterstraße Hausreste aus dem Jahr 1174 entdeckt. Die Ersterwähnung Berlins (d. h. Cöllns) in einer Urkunde von 1237 gilt ohnehin als symbolisches Datum, worüber wir in Norbert Meiers Buch einiges erfahren. Das Buch wendet sich an den „interessierten Laien“, wie der Autor schreibt, und da wären geschichtspolitische Debatten wohl fehl am Platz. Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben, denn innerhalb von drei Wochen war die erste Auflage vergriffen. Das Interesse für Berlins älteste Vergangenheit scheint groß, was in einer sich rasant wandelnden Metropole nicht selbstverständlich ist. Lange Jahre blickte man in Berlin ja nur nach vorn – nicht nur in den fortschrittsfixierten 50er bis 70er Jahren. Auch die „Städtebauer der kurfürstlich/königlich/kaiserlichen Zeiten“ gingen wenig zimperlich mit der alten Bebauung um, etwa bei den mittelalterlichen Wehranlagen. Nicht erst seit die Archäologen neue Dr. Norbert W.F. Meier: Aspekte der Stadtgeschichte zu Tage för„Berlin im Mittelalter“, derten, wandelt sich das Bild vom alten Berlin Story Verlag 2012, 192 Seiten, 19,80 €. Berlin/Cölln. Mit vielen Mythen räumt Meier in seiner detailreichen Darstellung auf, etwa im Hinblick auf den Stadtnamen oder die Gründer. Paradoxerweise haben die vielen Baustellen in Berlin-Mitte einen positiven Beitrag zur Wiederentdeckung der mittelalterlichen Geschichte geleistet – die Ausgrabungen am Roten Rathaus im Vorfeld des aktuellen U-Bahnbaus und die „sensationellen“ Funde haben vielen (Neu-)Berlinern erst vor Augen geführt, wie viel Vergangenheit buchstäblich unter den Straßen liegt. „Berlins verlorene Mitte“, so der Titel einer viel beachteten Ausstellung im Stadtmuseum 2011, wird trotz Zerstörung und Abriss wieder sichtbar, dank Ausgrabungen, Ausstellungen und Büchern. Was bleibt, ist ein anschauliches, fürs interessierte Publikum geschriebenes Buch, das den aktuellen Forschungsstand populär zusammenfasst. Dass sich die Darstellung zuweilen im Klein-Klein verliert, ist ein kleiner Schönheitsmakel. Ansonsten bietet das reich bebilderte und sorgsam lektorierte Buch mehr als einen Einstieg in vergessene Geschichtskapitel – es macht Berlin im Mittelalter auf seine Art wieder lebendig. Für Sie gelesen von: Dr. Mateusz J. Hartwich, Kulturwissenschaftler, Historiker, Publizist und Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Friedrichstraße e. V.

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S h oppi n g | G e s c h e n k e - G u i d e

VERSPIELT

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ieses längenverstellbare Armband aus 925er Sterlingsilber haben wir bei Thomas Sabo in der Friedrichstraße gesehen. Die Süßwasserzuchtperlen verleihen ihm eine besondere Wertigkeit, die kleine Schleife addiert den femininen Touch zu diesem Knüpfarmband. Preis: 149 € (Friedrichstraße 180-184, im Quartier 110, Stadtkarte: K8). thomassabo.com

FÜR KALTE WINTERTAGE

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oderner, junger Damenhandschuh von Roeckl (Modell „Caucasus“) in Haarschaf-Veloursleder mit super weichem und warmem Curly-Lammfell-Futter. Modische Schleife am Handschuhsaum und dunklerer Unterhand in Nappaleder. Gibt es bei Roeckl für 119 € (Friedrichstraße 166, Stadtkarte: I9). roeckl.com

GANZ PERSÖNLICH

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on Cut For You, dem Maßbekleider in der Reinhardtstraße, können Sie einen personalisierten Gutschein in einer Geschenkverpackung erhalten, den der von Ihnen Beschenkte für ein Maßhemd der berühmten Hemdenmanufaktur van Laack einlösen kann.

Illustration: hs-creator / Fotolia.com

Voraussetzung für die optimale Passform des Hemdes ist die Vermaßung in dem 3D-Bodyscanner bei Cut for You. Das Maßhemd wird nach Auswahl des Tuches und verschiedenster Individualisierungsmöglichkeiten mit den Initialen des künftigen Trägers versehen. Persönlicher kann ein Geschenk nicht sein. Preis: Je nach Tuch ab 119 € (Cut For You finden Sie in der Reinhardtstraße 38, Stadtkarte: D12). cutforyou.com

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© Werner Heiber - Fotolia

Friedrichstr. 185–190 · U-Bhf. Stadtmitte · 10117 Berlin Tel.: 030 - 20 45 05 59 · www.maximiliansrestaurant.de


S h oppi n g | S m a r t a n g e z o g e n

Smart angezogen Die Männermode-Trends für den Herbst und Winter

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Foto: Corpus Line.

So viel leuchtende Neonfarben an ansonsten eher konventionell aussehenden Herren wie auf den großen Berliner Sommermessen Bread & Butter und Premium, aber auch auf den vielen kleineren Veranstaltungen während der Berliner Modewoche in diesem Sommer, wie der Gallery Berlin, der IMG Show oder der Show & Order, habe ich noch nie gesehen. Das war zum Teil sogar schön anzusehen, wird aber erst ein Thema für die Frühjahr-/Sommer-Saison des nächsten Jahres sein. Das Modebild im Herbst und Winter 2012/13 ist hingegen deutlich eleganter, luxuriöser und zurückhaltender. Das Motto der Saison heißt: Gut gekleidet sein, ohne aufzufallen. Interessant ist der ungebremste Einfluss der 60er und 70er Jahre: Schmal geschnittene Wollmäntel, Rollkragen und viele Karomuster, die jetzt auch im Businessbereich gerne gesehen sind. Das gute alte Glencheck-Muster ist wieder da. Im Fokus der Herrenmode stehen wertige Sakkos, die in einem gleichermaßen körpernahen und schulterbetonten Schnitt eine elegante Ergänzung der Garderobe besonders im Freizeitbereich sind. Farblich herrschen klare Farben vor, die aber gegenüber dem farbenfrohen Sommer stark beruhigt sind. Dunkelblau, viel Braun und Anthrazit ersetzen die vielen Knallfarben aus dem Sommer. „In“ sind höchstens kleine Akzente in der leuchtenden Kontrastfarbe Rot. Und man trägt wieder Hut, gerne auch aus Leder.

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Foto: Corpus Line.

legant, zurückhaltend und luxuriös. Die Berliner Modeexpertin Beate Lecloux stellt die wichtigsten Trends der aktuellen Saison vor.

Trends der Herbst-/Winter-Saison 2012/2013 sind Grau- und Brauntöne sowie Karomuster.


Foto: van Laack. Foto: Scabal.

Mäntel sind ein wichtiger Bestandteil der Garderobe. Winterjacken bleiben im Schrank.

Die Trendfarbe für Akzente ist eindeutig Rot.

Autorin: Beate Lecloux ist Inhaberin des Maßbekleiders Cut For You in der Reinhardt­ straße 38 (Stadtkarte: D12). cutforyou.com

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Meet & Greet | Alle Jahre wieder

Alle Jahre wieder Tipps für die perfekte Weihnachtsfeier

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ür viele Menschen bedeutet die Vorweihnachtszeit Stress – die Firmenweihnachtsfeier muss organisiert, Geschenke müssen besorgt und Grußkarten verschickt werden. Dabei bleibt bei rechtzeitiger Vorbereitung genügend Zeit zum Bummeln über einen der zahlreichen Weihnachtsmärkte und gemütliche Stunden mit Freunden, Familie und Kollegen. Tipps für die perfekte Weihnachtsfeier und einen Überblick über schöne Weihnachtsmärkte erhalten Sie hier.

Adventskranz-Basteln im Hotel Regent Berlin

Foto:PhotoSG - Fotolia.com

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as Fünf-Sterne-Hotel am Gendarmenmarkt bietet einen wunderschönen Rahmen für die etwas andere Weihnachtsfeier: ein festliches Adventskranz-Basteln mit Kollegen, Freunden oder Bekannten. Ob klassisch in Rot und Gold oder modern in Silber und Lila – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Nach einem kleinen Sektempfang wird an runden Tischen gebastelt, gesteckt und geklebt, untermalt von stimmungsvoller Live-Musik. Ein umfangreiches Buffet sorgt im Anschluss für einen gelungenen kulinarischen Abschluss der Veranstaltung. Die gestalteten Kränze können die Teilnehmer im Anschluss mit nach Hause nehmen, das Material inklusive Kerzen ist im Preis inbegriffen. Wann: 27. November um 18:00 Uhr. Wo: Salon Gontard & Salon Langhans des Hotel Regent, Charlottenstraße 49, 10117 Berlin (Stadtkarte: I8). Kosten: 99 €, inklusive Adventskranz, Aperitif, weihnachtlichem Buffet, Hausweinen, Softgetränken und Live-Musik.

Spanisch feiern im Hotel Meliá Berlin

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as Vier-Sterne-Superior-Hotel verwöhnt seine Gäste an den Weihnachtstagen im Restaurant Café Madrid mit großem Brunchbuffet und am Abend mit festlichen Drei- oder Vier-Gang-Menüs. An Silvester werden verschiedene Programme geboten – vom gesetzten Dinner, bis hin zur ungezwungenen Tanzparty. Im Restaurant Café Madrid wird das exklusive Sechs-Gang-Gala-Menü musikalisch von einer Band mit Jazz, Swing und Tango begleitet. Für alle, die Silvester einmal anders genießen wollen, bietet die Bar „meliá tapas“ klassische Tapas und Neukreationen in mehreren Gängen. Die südländische Wohlfühlatmosphäre wird von einem DJ mit spanischer Musik untermalt. In der Lobby des Hotels sind Freunde der Musik und des Tanzes willkommen, der DJ lädt mit dem besten Mix der Charts und Dance Classics zum Feiern ein (Eintritt frei). Wann: 31. Dezember. Wo: Hotel Meliá, Friedrichstraße 103 , 10117 Berlin (Stadtkarte: E9). Kosten: Gala-Menü im Restaurant Café Madrid: 119 €; Tapas-Menü im „meliá tapas“: 45,50 €.

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Lichterglanz und Tafelfreuden im Mövenpick Hotel Berlin

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as Mövenpick Hotel Berlin unweit des Potsdamer Platzes hat gleich mehrere kulinarische Highlights für die glanzvolle Jahreszeit parat: vom Adventsbrunch bis zum Silvester-Menü. Das Küchenteam rund um Chefkoch Oliver Marzahn hat für seine Gäste zahlreiche festliche Angebote kreiert, für die auch im Winter überwiegend regionale und saisonal verfügbare Produkte verwendet werden. Unter dem Glasdach des „Restaurant Hof zwei“ mit Blick in den Berliner Himmel, inmitten des historischen Ambientes der ehemaligen Siemenshöfe, ist besinnliche Stimmung garantiert. So verwöhnen der Advents- und Weihnachtsbrunch beispielsweise mit knuspriger Keule von der Oldenburger Gans, gebratenem Filet vom Wildlachs und Schokoladen-Flammerie mit Pistazien. An Heiligabend gibt

es ein Buffet mit Live-Kochstationen. Das Fünf-Gänge-Silvester-Menü verzaubert den Gaumen unter anderem mit Filet vom Wolfsbarsch mit Carpaccio von der Flämingknolle oder mit pochiertem Kalbsfilet mit geräuchertem Selleriepüree und geschmorten Winterfrüchten. Das berühmte Schweizer Fondue erlebt sein Comeback im Mövenpick Hotel Berlin. Ein Fondue ist die perfekte Gelegenheit, um gemeinsam die Weihnachtszeit einzuläuten, in kleiner wie in großer Runde. Neben dem klassischen Käse-, oder Fleischfondue gibt es auch Besonderheiten wie das Schokoladenfondue im Angebot. Festlich ist auch das Weihnachtsfeierangebot „La Tavolata“ (buchbar ab 10 bis zu 200 Personen: Ursprünglich aus dem Italienischen steht es für ein ungezwungenes, gemeinsames festliches Essen. Wann:  01.11.-23.12. Schweizer Fondue und La Tavolata, 02. und 16.12. Adventsbrunch, 25. und 26.12. Weihnachtsbrunch (jeweils 12–15 Uhr), 24.12. Heiligabend-Buffet und 31.12. Silvester-Menü (jeweils um18 Uhr). Wo:  Restaurant Hof zwei im Mövenpick Hotel Berlin, Schöneberger Straße 3, 10963 Berlin (Stadtkarte: P12). Kosten:  Adventsbrunch: 35 €; Weihnachtsbrunch: 42 €; Heiligabend-Buffet: 39 €; Silvester-Menü: 99 €.

Schwäbische Köstlichkeiten in der Maultasche

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ie Maultasche in Berlin-Mitte ist längst nicht mehr nur ein Geheimtipp für Berliner Exilschwaben, sondern inzwischen beliebter Anlaufpunkt für Berufstätige und Touristen in Berlin-Mitte. Der original schwäbische Kartoffelsalat wird wie sämtliche Maultaschen, Würste und der Fleischkäse stets frisch aus Stuttgart geliefert, die Weine stammen vom Weingut Ellwanger in Großheppach. Als Besonderheit zur Weihnachtszeit gibt es badische Schäufele mit Sauerkraut und Gänsemaultaschen und als besonderen Wein gibt es exklusiv in Berlin einen Roten Riesling, von dem Ellwanger insgesamt nur rund 300 Flaschen pro Jahr aufzieht – eine wahre Rarität als Spielart des Weißen Rieslings. Immer mehr Firmen schätzen die Maultasche für ihre Weihnachtsfeiern. Einen besonderen Rahmen für kleinere Kreise (10 bis 24 Gäste) bietet das Kaminzimmer im hinteren Teil der Maultasche. Wann:  Montags bis samstags 12–23 Uhr, sonntags ab 13 Uhr. Wo: Die Maultasche, Charlottenstraße 35–36, 10117 Berlin (Stadtkarte: H8).

www.leysieffer.de

Für Sie in Schale geworfen. Jetzt können Sie sich wieder auf Weihnachten bei Leysieffer freuen. Denn passend zum Fest haben sich unsere feinen Köstlichkeiten extra für Sie in Schale geworfen – zum Verschenken oder zum selbst Vernaschen. Unsere Filialen freuen sich auch schon – auf Ihren Besuch!


Meet & Greet | Alle Jahre wieder

Restaurant ALvis: Berlin-Brandenburgische Spezialitäten uch in diesem Jahr lädt das christlich geführte Hotel Albrechtshof wieder dazu ein, Weihnachtsfeiern in einem schönen stilvollen Rahmen zu verbringen – ganz gleich ob zum Jahresabschluss mit den Arbeitskollegen oder im familiären Rahmen. Für Feiern stehen im Hotel zu Weihnachten insgesamt sechs flexible Räume mit Kapazitäten für bis zu 80 Personen bereit. Wahlweise können sich die Gäste mit einem Menü oder einem Buffet verwöhnen lassen. Berühmt ist das ALvis vor allem für seine Berlin-Brandenburgischen Spezialitäten.

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Wo: Restaurant ALvis im Albrechtshof, Albrechtstraße 8, 10117 Berlin (Stadtkarte: E10).

Silvester mit Champagner und Kaviar im Maritim proArte Hotel Berlin as Vier-Sterne-Superior-Hotel an der Friedrichstraße hat sich für seine Gäste etwas ganz Besonderes für den Jahreswechsel einfallen lassen. Gleich an vier Orten im Haus kann bis in den frühen Morgen hinein getanzt, gefeiert, geschlemmt und genossen werden. Im Restaurant „Atelier“ erwartet die Gäste ab 19 Uhr ein exklusives Menü inklusive begleitender Getränke und Champagner als Aperitif. Ebenfalls ab 19 Uhr startet im „Saal MARITIM“ die Gala „Fiesta cubana“ mit Champagnerempfang, Galabuffet mit Kaviarbar, begleitenden Getränken und Mitternachtsimbiss. Untermalt wird das Programm mit dem Auftritt der „FETZER Band“, einer kubanischen Tanzshow und Zigarrendrehe-

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rin. Ab 21 Uhr wird in der „Checkpoint Bar“ gefeiert – ebenfalls mit Buffet, begleitenden Getränken und Live-Musik der MiZo-Boys, ebenso wie im Restaurant „Galerie“, wo es bereits um 19 Uhr zur Sache geht mit der Möglichkeit zum Tanz in der Bar. Wann:  31.12. ab 19:00 Uhr (ab 21:00 Uhr in der „Checkpoint Bar“) Wo:  Maritim proArte Hotel Berlin, Friedrichstraße 151, 10117 Berlin (Stadtkarte: G9). Kosten:  Checkpoint Bar: ab 49 €; Restaurant Galerie: ab119 €; Saal Maritim: ab 140 €; Restaurant Atelier: ab 75 €.


Die schönsten Weihnachtsmärkte in Berlin-Mitte Weihnachtsmarkt Jannowitz­brücke und Alexanderplatz Weihnachtsmarkt der Superlative (auf 25.000 m²) mit zahlreichen Fahr­geschäften, Weihnachts­hütten und der höchsten Luftschaukel der Welt. Wann: 26.11.–26.12., Mo.-Fr. 14:00–22:00 Uhr, samstags und sonntags 12:00–22:00 Uhr, mittwochs Familientag mit ermäßigten Preisen an den Fahrgeschäften. Wo: Voltairestraße 25, 10179 Berlin

Winterwelt am Potsdamer Platz Weihnachtsmarkt mit Rodelbahn, Eisbahn und Eisstock-Schießen. Kinder zwischen 4 und 7 Jahren erhalten kostenlosen Eislauf­ unterricht. Am Wochenende Live-Musik. Wann: 19.11.–26.12, täglich 10:00–22.00 Uhr, Heiligabend 10:00–16:00 Uhr, 25.11. geschlossen. Wo: Alte Potsdamer Straße 1, 10785 Berlin (Stadtkarte: M13).

Nostalgischer Weihnachtsmarkt Rund um das Opernpalais präsentieren WeihnachtsZauber Kunsthandwerker Krippenfiguren, Spielzeug, am Gendarmenmarkt Marionetten, Christbaumschmuck und HolzMischung aus Kunst, Gaumenfreuden, alter arbeiten. Kutschfahrten durch Berlin-Mitte Handwerkskunst sowie Show und Animation werden angeboten. auf Berlins schönstem Platz, dem GendarmenWann: 26.11.–26.12, Mo.-Do. 12:00–21:30 Uhr, markt. Teilweise beheizte Zelte. freitags bis samstags 11:00–22:30 Uhr, sonnWann: 26.11.–31.12., täglich 11:00–22:00 tags 11:00–21:30 Uhr, Heiligabend geschlosUhr, Heiligabend 11:00–18:00 Uhr, sen, 25. und 26.12. von 11:30– 21:00 Uhr. Silvester 11:00–01.00 Uhr, Eintritt: 1 €. Wo: Unter den Linden 3, Wo: Gendarmenmarkt, Anzeige_Malatesta_end_V2:Anzeige_Malatesta_fried 17.09.2012 6:28 H6). Uhr Seite 1 10117 Berlin (Stadtkarte: 10117 Berlin (Stadtkarte: J7).

Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus Ein Familien-Weihnachtsmarkt in zentraler Lage, inklusive Riesenrad und Schlittschuhbahn, die den Neptunbrunnen umkreist. Am Nachmittag fährt der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten über ein Hochseil. Wann: 26.11–31.12., Mo.-Fr.: 12:00–22:00 Uhr, samstags und sonntags 11:00–22:00 Uhr, 25. und 26.12. von 11:00 bis 21:00 Uhr, Heiligabend geschlossen. Wo: Rathausstr. 15, 10178 Berlin (Stadtkarte: G2). Adventsmarkt in den Heckmannhöfen In den stimmungsvollen Heckmannhöfen am Hackeschen Markt wird an den vier Adventswochenenden Kunsthandwerk und Designerware angeboten. Wann: An den Adventswochenenden samstags und sonntags: 12:00–20:00 Uhr Wo: Oranienburger Straße 32, in den Heckmannhöfen, 10117 Berlin-Mitte (Stadtkarte: B7).

Ristorante Malatesta | Charlottenstraße 59 | 10117 Berlin-Mitte | t : 030 – 20 94 50 – 71 | f : 030 – 20 94 50 – 77 | mail@ristorante-malatesta.de | täglich 12:00 – 24:00 Uhr Unsere Menükarte finden Sie im Internet: www.ristorante-malatesta.de

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G e n i e ß e n S i e I h r e We i h n a ch t s f e i e r b e i u n s a m G e n d a r m e n m a r k t . Wi r f r e u e n u n s a u f S i e .

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Sternfoto: manun-photocase.de

Gestaltung: timmler@aha-berlin.com


Ho m e & Wo r k | A r c h i t e k t u r

Architektur Bürogebäude, die das Stadtbild prägen Viele weltberühmte Architekten haben in Berlin gebaut, einige dieser Bauten sind zu Wahrzeichen der Stadt geworden. Der Kunsthistoriker Arnt Cobbers stellt in diesem Artikel einige der schönsten Bürohäuser der Hauptstadt vor, erzählt deren Geschichten und die ihrer Architekten.

DZ-Bank

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Foto: DZ-Bank.

er Architekt Frank O. Gehry ist bei Bauherren äußerst beliebt. Garantiert er doch nicht nur penibel eingehaltene Kostenrahmen, sondern auch breitestes Medienecho. Gehry ist einer der unbestrittenen Stars der Architekturszene. Berühmt wurde der 1929 in Toronto geborene, aber seit langem in Kalifornien lebende Architekt 1978. Da nämlich hatte er genug vom Bau unzähliger Shopping-Malls, kündigte bei seinem Auftraggeber und verwandelte sein biederes Vorstadt-Einfamilienhaus in ein wildes Durcheinander aus Wellblech, Sperrholz und Maschendraht, mit einem kippenden Glaswürfel über der Küche. Der „Dekonstruktivismus“ war geboren, Gehrys Haus wurde zur Pilgerstätte einer neuen Architektengeneration. Die DZ-Bank am Pariser Platz zwischen Brandenburger Tor und US-amerikanischer Botschaft (Stadtkarte: I13).

Verglichen mit Gehrys vorhergehenden Bauten, dem Guggenheim-Museum in Bilbao, dem

Wohnhaus „Ginger und Fred“ in Prag oder dem Zollhof in Düsseldorf, ist das Berliner Bankhaus – fast muss man sagen: erwartungsgemäß – der unspektakulärste, zumindest von außen. Das hat seinen Grund vor allem in dem strikten Regelwerk, dem die Architekten am Pariser Platz folgen mussten. Die Auflage, die Fassade im Verhältnis von Wand zu Fenster 50:50 zu öffnen, löste Gehry auf verblüffende Weise: Er zog die Steinflächen gleichsam zu Pfeilern zusammen, zwischen denen sich, nur durch schwache Brüstungen gehalten, die Fenster erheben. So spiegelt die Fassade die Grundform des Brandenburger Tores wider. Ihren „Pfiff “ erhält sie durch die Schrägstellung der Fenster im unteren und im vierten Geschoß. Zur Behrenstraße zeigt der Bau ein ganz anderes, für Gehry typischeres Bild: Einer gewellten, ausbauchenden Fassade sind dicht an dicht kleine Guckkastenfenster vorgehängt.


Sony Center hnlich wie in der Nachkriegszeit Hans Scharoun und Ludwig Mies van der Rohe stehen heute Frank O. Gehry und Helmut Jahn für zwei ganz unterschiedliche Architekturauffassungen. Helmut Jahn, gebürtiger Nürnberger und seit den sechziger Jahren in Chicago ansässig, gilt als Exponent genau jener kommerziellen Architektur, gegen die Frank Gehrys „Dekonstruktivismus“ opponiert: gläserne Hochhaus-Riesen, rentabilitätsoptimierte Bürokästen, überdimensionale Einkaufszentren. Doch Jahn wäre nicht so gefragt, wenn er nur ein guter Ingenieur wäre. Seine Gebäude heben sich wohltuend aus der Masse der „Gebrauchsarchitektur“ heraus, sofern man seinen Stil grundsätzlich mag. Jahns wichtigstes Berliner Projekt ist das Sony Center am Potsdamer Platz, ein stahl- und glasdominiertes Ensemble aus sieben Einzelbauten. Hier finden sich Büros, Wohnungen, Kinos und Gastronomie, ein „Filmhaus“ und die Sony-Europazentrale. Den Mittelpunkt des dreieckigen Areals bildet das ovale „Forum“, das sich als Teil des öffentlichen Stadtraumes versteht und daher nicht von den umliegenden Straßen separiert ist. Eine spektakuläre Ingenieursleistung ist die Dachkonstruktion: Das aufgefächerte Zeltdach aus Stoffbahnen ist mit Zugankern an dem Stahlring befestigt, der auf den umliegenden Gebäuden aufliegt. Markantester Bauteil ist das gläserne Hochhaus, mit 103 Metern das höchste Haus am

Foto: Dieter Schütz / Pixelio.de.

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Platz. Es rundet das Sony Center zum Potsdamer Platz hin ab, indem sich die halbkreisförmige Südfassade nach oben hin vor die östliche Schmalseite schiebt. Das gläserne Sony Center kontrastiert reizvoll mit der steinernen DebisStadt. Allerdings sind beide „Stadtteile“ stark nach innen ausgerichtet – die Neue Potsdamer Straße ist mehr Grundstücksgrenze als urbane Hauptschlagader.

Foto: Berlin Partner / FTB-Werbefotografie.

Das Sony Center ist eines der Wahrzeichen des Potsdamer Platzes.

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Ho m e & Wo r k | A r c h i t e k t u r

Trias

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In den Trias-Türmen (Architekten: Lucia Beringer und Gunther Wawrik) in der Holzmarktstraße 15-18 befindet sich der Hauptsitz der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Foto: BVG / Joachim Donath.

ls östliches Tor zu Berlins Mitte verstehen die Bauherren und Architekten ihr markantes Büro- und Geschäftshaus, das an strategisch bedeutender Stelle zwischen Spree, S-Bahn-Trasse und der Hauptverkehrsader nach Südosten, der Holzmarktstraße, einen wichtigen städtebaulichen Akzent setzt – im lange vernachlässigten Stadtgebiet um den S-Bahnhof Jannowitzbrücke. Der Name Trias weist bereits auf die Grundstruktur der Anlage hin: Sie besteht aus drei identischen Bauteilen. An einem sechsgeschossigen Gebäuderiegel längs der Holzmarktstraße, der sich erst im Inneren als Addition dreier eigenständiger Häuser entpuppt, liegen drei separierte, je 13-geschossige Bürotürme an. Zwischen ihnen bietet ein Sockelbau Platz für Ladengeschäfte. Die Dachflächen dieses Sockels, etwa auf der Höhe der vorgelagerten S-Bahn-Trasse, sind als „grüne Oasen“ für die Nutzer und Besucher des Trias gestaltet. Der V-förmige Grundriss der Turmbauten macht die Anlage nicht nur äußerlich attraktiv, sondern gewährleistet auch im Inneren beste Arbeitsbedingungen. Die S-Bahn-Bögen zwischen Trias und Spree werden als Fußgängerzone mit Geschäften genutzt und sollen zwischen Michael- und Jannowitzbrücke zum Flanieren einladen.

Berolinahaus und Alexanderhaus Form und Licht (Reklame) sind die drei Hauptbauelemente.“ Den Zuschlag erhielt der zweite Preisträger Peter Behrens. Realisiert wurde 1930/31 nur die westliche Platzseite. Das winkelförmige Alexanderhaus, kürzlich renoviert, und das Berolinahaus, bis vor kurzem Sitz des Bezirksamts Mitte, sind achtgeschossige Ske-

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lettbauten mit einem Ladengeschoss, einer auskragenden Glasgalerie für Restaurants und etagen mit Ausstellungen sowie sechs Büro­ vertieften Rasterfeldern zu je zwei oder drei Fenstern. Mit ihren einander zugewandten gläsernen Treppenhäusern schaffen sie eine Torsituation zur Rathausstraße und zum S-Bahnhof.

2006, nach umfangreicher Sanierung, zieht das Textilkaufhaus C & A in das Berolinahaus (Alexanderplatz 1) ein und kehrt damit an den Ort zurück, an dem es 1911 seine erste Filiale eröffnet hatte.

Foto: Bettina Volke.

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929 wurde unter Stadtbaurat Martin Wagner ein Wettbewerb für die Neugestaltung des Alexanderplatzes ausgeschrieben. Vorgegeben war ein Kreisverkehr, gefordert wurde die Schaffung eines „Großstadtplatzes“. Berlin sollte auch städtebaulich den Sprung von der nationalen Metropole – repräsentiert durch die wilhelminischen Bauten – zur international geprägten Weltstadt schaffen. Fast schon ein Fetisch für die modernen Stadtplaner der 20er Jahre war der Verkehr. „Die Durchschleusung des Verkehrs“ war für Wagner beim Großstadtplatz „das Primäre und Wesentliche und die formale Gestaltung, die Zweckform, von sekundärer Bedeutung“. Auch zur Architektur hatte Wagner klare Vorstellungen, die sich im Wettbewerbsergebnis niederschlugen: „Klarste Formen, die während des Tages wie während der Nachtstunden ihre charakteristische künstlerische Wirkung ausüben, sind grundlegende Voraussetzungen des Weltstadtplatzes. Einflutendes Licht bei Tage und herausflutendes Licht bei Nacht erzeugen ein gänzlich neues Gesicht des Platzes. Farbe,


ARD-Hauptstadtstudio

Kernstück der Anlage ist ein trapezförmig ausschwingendes Atrium, auf das alle Büroräume münden. Die glasüberdachte Halle wird so zum

zentralen Begegnungs- und Kommunikationsort der Redakteure, gleichsam zur „Nachrichtenbörse der Hauptstadt“. Komplizierter war die Lage beim Bundespresseamt, in dessen Komplex gleich drei Altbauten einbezogen wurden: das um mehrere Innenhöfe gruppierte einstige Reichspostscheckamt, eine erst 1990 fertiggestellte Edelplatte an der Dorotheenstraße sowie – im Kern des Grundstücks – der Flachbau einer Siebziger-Jahre-Gaststätte, deren Bauvolumen die Richtschnur für den Neubau lieferte. Das Verbindungsglied zwischen den drei Trakten bildet ein schmaler Büroflügel, der vor die Brandmauer des Postscheckamtes gesetzt wurde.

Seine Erschließung erfolgt über den Korridor im Altbau. Die vorgehängte Lamellenfassade mit ihrer spiegelnden Oberfläche schließt allerdings den rückwärtigen Altbau aus dem eigentlichen Bauensemble aus.

Foto: ARD-Hauptstadtstudio/Wolfgang Scholvien.

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as ARD-Studio ist im Grunde eine Blockergänzung. Der Kopfbau an der Wilhelmstraße korres­ pondiert mit dem benachbarten Altbau, an der Spree vermittelt ein niedrigerer Wohnungstrakt zum Nachbarhaus. Die Fassade besteht aus zwei Schichten: Die äußere Wand bilden veredelte Betonfertigteile, in schmalen Nischen neben den Fenstern wird die zweite Wandschale aus MerantiHolz sichtbar. Das große Westfenster belichtet nicht nur das viergeschossige Eingangsfoyer, sondern wirkt dank des eingehängten ARD-1-Logos auch als Aushängeschild des Senders. Das Eckfenster des vierten Stocks, das beide Schauseiten geschickt verbindet, gibt den fernsehgerechten Blick aus dem großen Studio auf die Reichstagskuppel frei.

Das Infocenter im ARD-Hauptstadtstudio (Wilhelmstraße 67a) ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet (Stadtkarte: G11).

Wenn Sie Ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen wollen: Ganz gleich ob Sie ein Haus bauen, eine Wohnung kaufen oder Kapital für eine Renovierung und Modernisierung benötigen. Wir nehmen uns Zeit für Sie und Ihren Immobilientraum

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Ho m e & Wo r k | A r c h i t e k t u r

GSW-Hochhaus

Dabei hätte die 22-stöckige, lange und sehr schmale Hochhausscheibe leicht plump ausfallen können. Geschickt erreichten die Architekten den gegenteiligen Effekt: Sie setzten die helle Stahl- und Glaskonstruktion auf zwei flache Sockelbauten, die mit ihrer schwarzen – wie Schiefer anmutenden – Fassadenver-

kleidung und den liegenden Fensterformaten einen starken Kontrast bilden. Sie krümmten die Scheibe wie auch die Sockelbauten leicht konkav. Und sie setzten dem Hochhaus in 85 Metern Höhe ein schon in den 50er Jahren beliebtes „Flugdach“ auf, das wirkt, als würde es seine Schwingen ausbreiten und jeden Moment davonfliegen. Größter Clou aber ist die zweischalige Energiesparfassade, die die Oberfläche verschleiert und wie ein Gewebe changieren lässt – je mehr der Betrachter sich dem Haus nähert, desto stärker. Die in ganz unterschiedlichen blassen Rottönen schillernden Sonnenschutzlamellen vor den einzelnen Fenstern schaffen ein Fassadenmosaik, wie es zumindest in Berlin einzigartig ist. Auf der Rückseite des Hauses erwartet den Betrachter die nächste Überraschung: Die

Das GSW-Haus in der Charlottenstraße 4 ist über 80 Meter hoch und eines der schönsten Hochhäuser Berlins (Stadtkarte: N7).

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Hochhausscheibe verdeckt nämlich nach Westen ein 17-stöckiges Punkthochhaus, das mit seiner rechtwinkligen Rahmenkonstruktion seine Entstehungszeit in den Nachkriegsjahren verrät. Interessant ist, wie subtil die einzelnen Bauteile miteinander verzahnt sind: Auf der Rückseite der Hochhausscheibe liegt der Fahrstuhl- und Treppenturm, verkleidet mit den gleichen schwarzen Platten wie die Sockelbauten. Von ihm aus führt ein schmaler Glastrakt in den Altbau hinüber. Wiederum ganz eigenen Charakter zeigt ein ovaler Baukörper mit umlaufenden Fensterbändern, der viergeschossig auf dem hinteren Teil des Flachbaus an der Kochstraße aufsitzt. Seine wellblechartige Wandverkleidung schillert in verschieden grellen Farbtönen. Foto: Werner Popp Fotografie.

M

an baut wieder Hochhäuser in Berlin. Einer der markantesten Neubauten ist die weithin gerühmte Hauptverwaltung der Wohnungsbaugesellschaft in Berlin-Kreuzberg. Die Architekten, denen mit dem schillernden Photonikzentrum am Wissenschaftsstandort Adlershof, genannt die „Amöbe“, zeitgleich ein weiteres Glanzstück der Berliner 90er-Jahre-Architektur gelang, waren Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton.

Großteile dieses Artikels stammen aus dem Buch „Architekturführer. Die 100 wichtigsten Berliner Bauwerke“ von Arnt Cobbers (Jaron Verlag 2010, 240 Seiten, 12,95 €). Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags.


IHR VERTRAUEN – UNSERE LEISTUNG Wir unterstützen Sie in verschiedenen Prozessen. Unsere Schwerpunkte sind: • Personalberatung: Auswahl von Personal, Personalentwicklung sowie strategische und konzeptionelle Fragestellung in der Personalarbeit. • Coaching: Begleiten und unterstützen im Veränderungsprozess. • Outplacement: Aus der vorhandenen Situation wird eine Standortbestimmung erarbeitet und gemeinsam eine Strategie entwickelt und begleitet. • Workshop: Gestalten und Durchführen von Teamentwicklungsprozesse sowie Finden von Lösungen in Konfliktsituationen • Seminare: Abhängig von Ihren Bedürfnissen bieten wir verschiedene Seminarmodule in unterschiedlichem zeitlichen Rahmen an. Wir stehen für nachhaltig wirkendes Personalmanagement, das Ihren langfristigen Erfolg sichern wird. Personalfragen stellen insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen eine große Herausforderung dar.

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János Can Togay

Über Berlin sagt Togay (57): „Die Stadt ist zu wichtig, um sie den Deutschen zu überlassen“.

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Foto: Bettina Volke.

Ungarischer Kulturmacher in Berlin


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r ist Dichter, Schauspieler, Drehbuchautor, Filmregisseur – und seit 2008 Direktor des Collegium Hungaricum Berlin (.CHB). Unter der Leitung von János Can Togay hat sich das Kulturinstitut in Berlin-Mitte zu einem Treffpunkt für aufgeschlossene, kreative und dynamische Menschen entwickelt. Ein Gespräch über Kunst und Kultur, Ungarn und Deutschland und die spezielle Rolle Berlins.

մմSeit wann gibt es das .CHB in Berlin?

Seit 1924. Der Ungarndeutsche Robert Gragger, damals Professor an der Königlichen Universität, der heutigen Humboldt-Universität, wollte die junge ungarische Elite nach Deutschland holen, um sie intellektuell aufzupeppen. Das Collegium Hungaricum befand sich hier am jetzigen Standort im Hertzschen Palais in der Dorotheenstraße, bis es 1945 abbrannte. 28 Jahre lang passierte dann nichts, bis 1973 das „Haus Ungarn“ in der Karl-Liebknecht-Straße entstand, das aber damals zu DDR-Zeiten einen anderen Ansatz verfolgte.

մմWie ging es nach der Wende weiter? Die Zeit nach der Wende war ziemlich spannend. Um 2000 herum erschien mit einem Mal viel ungarische Literatur auf dem deutschen Markt – hierbei hat auch das Ungarische Institut eine große Rolle gespielt. In der Zwischenzeit hat man sich dann erinnert, dass es das Grundstück in der Dorotheenstraße ja noch gibt – und Anfang 2003 begannen die Bauarbeiten zu diesem bemerkenswerten Gebäude nach den Plänen des Architekten Peter Schweger. Ich kam Ende 2007 als neuer Direktor ans Haus. մմSie sind Dichter, Drehbuchautor, Filmregisseur und Schauspieler. Was hat Sie hier ans Haus geführt? Ich hatte damals eine Zeit, in der manche Projekte nicht zustande kamen – solche Phasen sind bei Filmemachern üblich. Also habe ich beschlossen, etwas anderes zu versuchen. Ich hatte Glück, denn das Auswahlgremium des Kultusministeriums schenkte mir sein Vertrauen.

մմWie sind Sie Ihre Aufgabe damals angegangen? Ich habe mir im ersten Schritt zwei Dinge angeschaut: Zum einen, was diese Kulturinstitute überhaupt machen. Alles ganz nett, aber doch oft verstaubt. Auch wurde mir klar, dass ich nicht genau verstand, was man mit der Idee der „Kulturvermittlung“ meinte. Deshalb hatte ich mir vorgenommen, die Sache anders anzugehen. Ich wollte kein ausländisches Kulturinstitut in einem fremden Land betreiben, sondern eine Berliner Institution. Zumal ich Berlin als die wichtigste europäische Stadt betrachtete: Berlin ist zu wichtig, um es den Deutschen zu überlassen. Und dies ist nicht nur ein Bonmot. Zum anderen habe ich mir das Gebäude angeschaut – ein schönes Gebäude der klassischen Moderne in einer klassizistischen Umgebung, das auch auf die ungarische Bauhaus-Tradition anspielt. So stellte sich als erste Aufgabe, diese kulturelle Geste, die das Haus verkörperte, so intensiv wie möglich in die Stadt zu vermitteln. Diese zwei Ansätze haben sich bestätigt und wir fühlen uns sehr gut im Berliner Kulturleben integriert. մմDas Programm des .CHB ist sehr anspruchsvoll – woher kommen Ihre Besucher vor allem? Die Besucherstruktur hat sich in den letzten vier Jahren stark verändert. Im Schnitt haben wir 1.500 Besucher pro Monat – das ist eine sehr gute Zahl. Und ich bin sehr stolz darauf, dass viele Besucher zwischen 25 und 45 sind. Unser Publikum besteht zum großen Teil aus kreativen und dynamischen Menschen. Wir arbeiten mit einer sehr großen Bandbreite und so multidisziplinär wie nur möglich Neben einer Vielfalt von hauseigenen Veranstaltungen, Events, Ausstellungen usw., kooperieren wir mit vielen Institutionen und Projekten in der Stadt, z. B. im Rahmen der Berlinale, der Transmediale oder der Fashion Week. մմWie viele Mitarbeiter haben Sie und wie finanzieren Sie sich? Wir haben zwölf feste Mitarbeiter im Haus und projektbezogen zusätzliche, sodass oft mehr als 20 Mitarbeiter gleichzeitig hier am Haus tätig

sind. Die Basisfinanzierung kommt aus Ungarn vom Balassi-Institut, unserer weltweit tätigen Schirm-Institution; weitere Mittel stammen aus unserer Akquise von Förder- bzw. Spendenmitteln. Das Balassi-Institut hat 17 Kulturinstitute in Europa, unter ihnen fünf Collegia Hungarica in wichtigen europäischen Hauptstädten. Diese beschäftigen sich nicht nur mit Kultur, sondern auch mit Wissenschaft und Gesellschaft.

մմWelche Bedeutung hat Berlin für Sie persönlich? In meiner Biographie ist Berlin eine wichtige Bezugsstadt. Wenn ich den Begriff „Kalter Krieg“ oder „Eiserner Vorhang“ als junger Mensch verstehen wollte, musste ich nach Berlin kommen, um mir zu vergegenwärtigen, in welcher Welt ich überhaupt lebe. Berlin ist die Stadt meiner Generation, die den Kalten Krieg als grundlegend erfahren hat. Dazu kommt der unerwartete neue Lebenshorizont, der durch den Fall der Mauer entstanden ist. մմApropos Europa und Mitte: Viele Menschen sind besorgt über die aktuelle politische Entwicklung in Ungarn und sehen die Medienfreiheit in Gefahr. Viel Kritik gibt es wegen des Mediengesetzes. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Vorweg: Ich habe in meinem ganzen Leben immer auf der kritischen Seite gestanden, also liegt es mir nicht fern, eine Regierung zu kritisieren. Man sollte aber bei der Kritik den Boden der Tatsachen nicht verlassen. In dieser Polemik, deren erster Auslöser die unbestritten rasche Verabschiedung des Mediengestezes war, handelt es sich aber häufig nicht einfach um Kritik, sondern um undifferenzierte Verurteilung. Die Kritik am Mediengesetz mag in mancher Hinsicht angebracht sein, aber dass man das Ende der Pressefreiheit in Ungarn heraufbeschwört, entspricht nicht den Tatsachen. Gleichzeitig gibt es die nachvollziehbare Tendenz durch das Übergewicht der jetzigen Regierungspartei bzw. Regierungskoalition, mit parlamentarischen Mitteln die Möglichkeiten der Legislative forciert auszuloten. Das kann ein Grund zum Anstoß sein, jedoch ist Ungarn

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nach wie vor ein demokratischer Rechtsstaat. Demokratie ist ein Prozess und sie steht in der Verantwortung der ganzen Gesellschaft. Ungarn hat in seiner Geschichte diese Dynamik der Demokratie nicht sehr oft erleben dürfen, es ist etwas, das man sich aneignen und kontinuierlich hart erarbeiten muss. Aber der ungarischen Regierung gar faschistische Tendenzen vorzuwerfen, wie es in den deutschen Medien nicht selten der Fall ist, ist unangemessen, und wenn man so argumentiert, dann kommt Kritik gar nicht erst an.

der Staatsgründung als der höchste Souverän betrachtet wurde – höher als der jeweilige Regent. In dieser Interpretation ist die ungarische Krone so etwas wie ein Garant der „historisch verankerten Volkssouveränität“. Die Polemik hat sich auch bei der Wahl des Staatswappens Anfang der 90er abgespielt. Damals hat letztlich das Parlament für das Wappen mit Krone gestimmt gegenüber der links-liberalen Opposition, die sich für das 48er Wappen ohne Krone einsetzte. Diese symbolischen Aspekte hätte man bei der Kommunikation des neuen Grundgesetzes sicherlich besser erklären und vermitteln sollen. Ich persönlich komme nicht aus dieser „Ecke der Krone“, aber ich habe Verständnis dafür.

մմSeit Januar 2012 hat Ungarn eine neue Verfassung, in der als eines der Prinzipien die „ungarische Krone“ verankert ist. Darauf kann ich mir keinen Reim machen. Sie sprechen über die Präambel des neuen Grundgesetzes. Das ist eine sehr lange und komplizierte Geschichte. Die ungarische Krone hat als Rechts- und Staatsinstanz in der ungarischen Geschichte eine große Bedeutung. Sie ist nicht nur eine Insignie des Königs, sondern sie symbolisiert quasi das Land und das Recht über das Land. Bis 1946 war Ungarn ein Königreich, auch wenn es lange schon keinen König mehr hatte. Daher hat das Land neben der republikanischen Tradition von 1848/49 bis heute auch einen starken Bezug zur Krone, weil diese im Zusammenhang mit

Foto: .CHB.

մմKommt Ministerpräsident Viktor Orbán nicht ursprünglich aus dem linken Lager? Als junger Oppositioneller zur Zeit des Systemwechsels war er eindeutig ein Liberaler, als Mitgründer des „Bundes Junger Demokraten“, der Fidesz. Aber es war ja damals in Ungarn auch unwahrscheinlich, als junger Mensch aus der konservativen Richtung zu kommen. Als eine spätere Entwicklung positionierte sich seine Partei, den Rubikon des Links-Rechts-Gefälles überschreitend, als eine konservative, dem nationalen Gedanken verpflichtete Sammelpartei. Daran scheiden sich seitdem die Geister.

Über das Collegium Hungaricum Berlin Das Collegium Hungaricum Berlin (.CHB) in der Dorotheenstraße 12 ist ein Ort für Kunst, Wissenschaft, Technologie und Lebensart im Berliner Diskussionsraum, gefördert durch den ungarischen Staat. In dem weißen, im Neo-Bauhausstil erbauten Kubus befinden sich unter anderem die Moholy-NagyGalerie mit wechselnden Ausstellungen und Installationen sowie das Café im .CHB. Das .CHB veranstaltet im Jahr ca. 70 Veranstaltungen und beherbergt die Mediathek des Hauses mit über 9.000 Bänden in deutscher und unga­rischer Sprache.

Das Collegium Hungaricum in der Dorotheenstraße 12 (Stadtkarte: F6).

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Ich habe vorhin in der Redaktion eine kleine Umfrage nach Assoziationen zu Ungarn vorgenommen. Am häufigsten wurden genannt: Gulasch, Paprika, Urlaub am Balaton, Flucht über die grüne Grenze, Zigeuner … Daran kann ich auch nichts ändern …

մմAber es wurden auch ein paar berühmte Namen genannt, unter anderem Béla Bartók, Joe Eszterhas, Franz Lehár, Franz Liszt, Peter Lorre, Joseph Pulitzer George Tabori und Johnny Weissmueller. Michael Curtiz, der Regisseur von Casablanca, ist auch Ungar. So wie Sándor Márai oder Albert Szentgyörgyi, Nobelpreisträger für Chemie, und Imre Kert��sz, Nobelpreisträger für Literatur. Peter Esterházy und Péter Nádas sind bedeutende Schriftsteller und in Berlin sehr bekannt; Iván Fischer ist der neue Chefdirigent am Konzerthaus hier in Berlin und Rubik, der Erfinder des Zauberwürfels, ist ebenfalls Ungar. մմWie viele Ungarn leben in Berlin bzw. in Deutschland? In Süddeutschland gibt es Zehntausende von Ungarn – genaue Zahlen kann ich aus dem Stehgreif nicht nennen. Was Berlin betrifft, hätte ich bis vor kurzem gesagt, hier leben zwischen 6.000 und 10.000. Aber in den letzten zwei bis vier Jahren sind so viele Ungarn in die Stadt gekommen, dass diese Zahl jetzt bestimmt höher ist. մմHängt das mit der wirtschaftlichen Situation zusammen? Auch, aber ich glaube inzwischen ist eine Generation herangereift, für die es eine Selbstverständlichkeit ist, das eigene Land für eine Zeit zu verlassen. Man hat erwartet, das würde schon kurz nach der Wende passieren, aber die Menschen waren damals noch nicht so weit. Jetzt haben wir eine andere Generation. Ich sehe mit Erstaunen, wie junge Menschen sich von einem auf den anderen Tag entscheiden, in den Zug zu steigen, um hier in Berlin irgendetwas anfangen. մմAuch umgekehrt gehen junge Menschen aus Deutschland nach Budapest, um dort zu studieren. Es gibt sehr viele paneuropäische Institutionen, die es auf für meine Generation unvorstellbar unkomplizierte Weise ermöglichen, sich gen Osten oder Westen zu bewegen. Das ist wirklich heutzutage sehr unkompliziert. Viele Deutsche studieren z. B. in Budapest Medizin.


մմEiner Ihrer Filme wurde 1992 nach Cannes eingeladen. War das ihr größter Erfolg? Ich habe das damals gar nicht als einen solchen Erfolg wahrgenommen. „Der Sommergast“ war mein erster Spielfilm, den ich als Drehbuchautor und Regisseur gedreht habe. Ich dachte damals, das würde immer so sein – man dreht einen Film und wird nach Cannes eingeladen. մմIhre Eltern stammen aus der Türkei und sind von dort aus politischen Gründen emigriert – auf die andere Seite des Eisernen Vorhangs. Warum? Meine Eltern haben damals als junge Türken in Frankreich studiert. Anfang der 50er Jahre haben sie sich während eines Aufenthaltes in der Türkei der dortigen Linksbewegung angeschlossen. Später in Frankreich erreichte sie die Nachricht, dass viele ihrer Freunde in der Türkei verhaftet worden waren. So entschlossen sie sich, vorerst nicht in ihre Heimat zurückzukehren. Im Budapester Rundfunk wurden zu der Zeit mehrere ausländische Redaktionen gegründet, darunter auch eine türkische, die meine Eltern einlud. So setzten sie sich über den Eisernen Vorhang hinweg – und das nicht in die typische Richtung. մմMit welchen Sprachen sind Sie groß geworden? Türkisch und Ungarisch. Weil ich mit vier Jahren noch nicht begonnen hatte zu sprechen, wurde Türkisch auf Rat unseres Hausarztes leider eingestellt.

Kinder, die zweisprachig aufwachsen, fangen häufig erst viel später an zu sprechen. Ja, aber das hat man damals wohl noch nicht so gewusst. Auf jeden Fall fing ich zwei Tage später an zu sprechen, und zwar Ungarisch. Ich verstehe Türkisch sehr gut, spreche es aber nicht besonders. Leider, denn Türkisch ist eine sehr, sehr schöne und idiomatische Sprache.

մմZwischen Ihrem achten und fünfzehnten Lebensjahr haben Sie in Leipzig gelebt, dann ging es wieder zurück nach Ungarn. Was bedeutet für Sie das Wort Heimat? Das ist eine sehr gute Frage, die ich mir selbst des Öfteren stelle. Meine Heimat ist in erster Linie meine persönliche Geschichte und die verschiedenen Heimaten, die ich für kürzere oder längere Zeit hatte. Natürlich ist Ungarn die Basis, Ungarisch ist die Sprache, die ich am besten spreche und die ungarische Kultur ist die, die ich am besten kenne. Eine sehr, sehr prägende Zeit, die der Kindheit und Pubertät, habe ich in der DDR verbracht, also ist Leipzig auch ein Stück Heimat für mich. Auch die Zeit in Paris, wo ich studiert habe, war sehr prägend. մմSie leben seit vier Jahren in Berlin. Was vermissen Sie an Ungarn am meisten? Den Balaton als Ort der Muße und Erholung. Meine Freunde. Und vielleicht die Dimension der Zukunft, weil ich im Prinzip weiß, dass Berlin nur eine Station ist, die irgendwann endet. Obwohl – wer weiß? մմWo leben Sie in Berlin? Wir haben lange Zeit in Prenzlauer Berg in der Kastanienallee gewohnt, jetzt sind wir ins klassische West-Berlin gezogen, nach Charlottenburg an den Lietzensee. Ost- und West-Berlin sind nach wie vor sehr unterschiedliche Orte. մմImmer mehr Filme werden in Berlin gedreht. Wie bedeutend ist Ihrer Meinung nach Berlin als Film- und Medienstadt? Die Stadt Berlin ist stark von Kreativen geprägt. Dieser Ruf holt viele Menschen her, die ihn weiter verstärken. Vielleicht hat Berlin gar keine andere Wahl, als sich weiterhin zu einer Kreativ- und Kulturstadt zu entwickeln. Auf jeden Fall ist Berlin eine sehr eigenartige Stadt, im wahrsten Sinne des Wortes, sie ist wichtiger als eine normale nationale Hauptstadt, das ist ganz klar. Berlin hat eine so spezielle Rolle in

Foto: Bettina Volke.

մմSeit 2008 sind Sie Direktor des .CHB – haben Sie noch Zeit für Ihre Tätigkeit als Filmemacher? Schreiben Sie noch Gedichte? Film ist mein Bezug – nicht unbedingt Film als Genre, sondern mehr als Arbeitserfahrung in ihrer Multidisziplinarität: Man entwirft einen Plan, schreibt ein Drehbuch, führt Regie, hat ein Team, nimmt an der Akquise teil und man realisiert. Meine filmischen Erfahrungen sind immer präsent, bei allem, was ich mache. Als Filmregisseur muss man schon ein „Hansdampf in allen Gassen“ sein, also von allem etwas verstehen oder zumindest es vorgeben können. Als Institutsleiter bin ich in dieser Hinsicht weiterhin Filmemacher, auch hier am .CHB. Was die Lyrik anbelangt, so gehört sie zu meiner persönlichen Mentalhygiene.

Steckbrief János Can Togay Alter: 57 Familie: Sohn türkischer Eltern, geboren 1955 in Budapest, aufge­ wachsen in Leipzig und Budapest, verheiratet, drei Söhne. Ausbildung: Studium der Germanistik und Anglistik in Budapest und an der Pariser Sorbonne Nouvelle, Regie­s­ tudium in Budapest. Berufliches: Dichter, Drehbuchautor, Filmregisseur, Schauspieler, seit 2008 Direktor des Collegium Hungaricum Berlin. Seit 2012 Sprecher der Gemeinschaft der europäischen Kulturinstitute in Berlin – EUNIC Berlin. Sprachen: Ungarisch, Deutsch, Türkisch, Englisch, Französisch. Europa, in der Vermittlung zwischen Osten und Westen und auch was das Nord-Süd-Gefälle anbelangt. Berlin ist eindeutig die Stadt der Jahrtausend-Wende, weil sie eine Drehscheibe und Integrationsort ist für Europa; hier geht es um die Eroberung der Mitte. Wie entsteht eine neue Mitte? Was bewirkt sie? Das ist eine große, wichtige und weitreichende Frage.

մմVersuchen Sie bitte, den typischen Berliner zu charakterisieren? Das ist schwierig – das ist wie mit Paprika und Gulasch. Der typische Berliner ist ein Freigeist, er ist selbstbewusst, er hat etwas Freches und Ungezwungenes, er hat Humor und ist manchmal ein bisschen schroff. Aber vieles davon trifft genauso auch auf die Sachsen zu. մմHerr Togay, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Kirsten Waldheim.

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Berliner Kultur-Highlights Herbst/Winter 2012/2013 AKADEMIE DER KÜNSTE

Chamäleon Theater

20. November bis 2. Dezember 2012 Ballet Revolución Mit atemberaubenden Sprüngen und sinnlichen Moves begeisterte Ballet Revolución bereits vor ausverkauften Häusern weltweit. Einige der besten Tänzer aus der legendären staatlichen Tanzhochschule Kubas agieren in dem Stück mit glühender Emotion und spektakulärer Dynamik. Wo auch immer die jungen kubanischen Tänzer auftreten: Das Publikum bekommt nicht genug von ihrer Energie und Lebensfreude.

3. Dezember 2012 bis 14. April 2013 Letzte Zuflucht Mexiko Gilberto Bosques und das deutschsprachige Exil nach 1939. Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Aktiven Museum Berlin, die in der Akademie am Pariser Platz im Foyer, auf der Brücke und im Durchgang zur Behrenstraße gezeigt wird. Täglich 10-22 Uhr, Eintritt frei.

3. November 2012 bis 13. Januar 2013 Joel Sternfeld – Retrospektive Eine epische Reise quer durch die USA jenseits eingetretener Tourismuspfade und bekannter Sehenswürdigkeiten. Die Laufend Landschaften, Straßenzüge, Grünanalagen LOFT mit „The 7 Fingers“ und Häuser mitsamt ihren Bewohnern Siebenköpfige Artisten-WG sucht begeistertes Publikum für einen unvergess- erscheinen unspektakulär, harmlos und lichen Abend. LOFT ist voll möbliert mit alltäglich. Gerade im stillen Verzicht auf Fernseher, Trapez, Sofa und Kühlschrank. jegliche Sensationsgier liegt die explosive Atemberaubende Akrobatik und großar- Sprengkraft von Sternfelds Bildern. tige Unterhaltung inklusive!

ÄGYPTISCHES MUSEUM IM NEUEN MUSEUM

BERLIN-BRANDENBUR GISCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN

CIRQUE DU SOLEIL

Pariser Platz 4 10117 Berlin Stadtkarte: I13 adk.de

in den Hackeschen Höfen Rosenthaler Straße 40/41, 10178 Berlin Stadtkarte: D3 chamaeleonberlin.de

Bodestraße 1-3 10117 Berlin Stadtkarte: F5 aegyptisches-museum-berlin.de

17. Dezember 2012 bis 13. April 2013 Im Licht von Amarna – 100 Jahre Fund der Nofretete Anlässlich des Auffindungsdatums der Büste der Nofretete am 6.12.1912 zeigen das Ägyptische Museum und die Papyrussammlung eine groß angelegte Sonderausstellung zur Amarna-Zeit. Durch internationale Leihgaben bereichert, liegt der Fokus der Ausstellung auf den noch nie gezeigten Funden aus den Berliner Beständen.

Oranienburger Straße 35/36 10117 Berlin Stadtkarte: C7 co-berlin.com

Heidestraße 30 10557 Berlin cirquedusoleil.com

COLLEGIUM HUNGARIUM BERLIN | .CHB Dorotheenstraße 12 10117 Berlin Stadtkarte: F7 hungaricum.de

Foto: IPUT/Tamás St.Turba.

Foto: Sandra Steiß.

Markgrafenstraße 38 10117 Berlin Stadtkarte: K7 bbaw.de

C/O BERLIN

Foto: Ben Philippi.

Foto: Sven Darmer.

Friedrichstraße 101 10117 Berlin Stadtkarte: E9 admiralspalast.de

Foto: Joel Sternfeld.

Admiralspalast

19. Januar 2013 Liebeswissen – Der Salon Sophie Charlotte Auch wenn jede Liebesbeziehung einen eigenen Entstehungsmythos hat und einzigartig ist, gibt es doch wissenschaftliche Erkenntnisse, die das Wunder der Liebe erklären. Diesem „Liebeswissen“ auf die Spur geht der Salon Sophie Charlotte – in Gesprächen, Vorträgen, Lesungen und Performances fragen Wissenschaftler, Autoren, Künstler und Schauspieler auf unterhaltsame Art und Weise danach, was die Wissenschaft über die Liebe zu sagen hat.

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Bis 27. Januar 2012 Schwindel der Freiheit In der Ausstellung wird die dunkle Seite 29. November bis 16. Dezember 2012 der Freiheit anhand von Videoarbeiten CORTEO Corteo (auf Deutsch „Festzug”) bezeichnet einer älteren und einer jungen Künstlereine fröhliche Prozession, eine festliche Pa- generation aus Ungarn, Frankreich, dem rade, die sich in der Fantasie eines Clowns Kosovo, Rumänien, der Slowakei und Deutschland beleuchtet. abspielt. Die Show verbindet die Leidenschaft des Schauspielers mit der Anmut und Kraft des Akrobaten. Das Publikum betritt eine imaginäre Welt voller Spaß und Spontaneität an einem magischen Ort zwischen Himmel und Erde.


HAMBURGER BAHNHOF

Foto: Edward B. Gordon.

Laufend SHOW ME Die neue Show am FriedrichstadtPalast: 13. Januar 2013 (Berlin-Premiere) „SHOW ME – Glamour is back“, so der Das Himbeerreich In umfangreichen Recherchen untersucht Name der Produktion. Die Idee: Was wäre, wenn drei geniale Macher der Regisseur Andreas Veiel für das Stück Revuegeschichte heute gemeinsam eine „Das Himbeerreich“ das Innenleben der moderne Show inszenieren würden? Wie Banken und befragt die (ehemals) Verantwortlichen nach ihren Erinnerungen, sähe wohl jene Supershow aus? Utopien und Handlungsmotiven. Das Stück beschreibt die Vorstandsetage einer deutschen Bank. Hier steigen und fallen die Topmanager.

EPHRAIM-PALAIS | STADTMUSEUM BERLIN

GALERIE HILTAWSKY Tucholskystraße 41 10117 Berlin Stadtkarte: A7 hiltawsky.com

Lindenstraße 9-14 10969 Berlin Stadtkarte: Q6 jmberlin.de

7. Oktober 2012 bis 7. April 2013 Martin Honert. Kinderkreuzzug Erinnerungen an die Kindheit stehen im Zentrum des künstlerischen Werks von Martin Honert. Ausgehend von Bildern, die ihm im Gedächtnis geblieben sind, von Familienfotografien und Kinderzeichnungen, inszeniert der Künstler Momente der eigenen Biografie und setzt sie in dreidimensionale Objekte um.

Bis 27. Januar 2013 R.B. Kitaj: Obsessionen Die erste große posthume Retrospektive zum Werk des amerikanischen Künstlers R.B. Kitaj. Die Ausstellung versammelt Leihgaben bedeutender Museen und Privatsammlungen aus aller Welt, unter ihnen das MoMA in New York, die Tate in London und die Sammlung ThyssenBornemisza in Madrid. 130 Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen aus allen Perioden seines Werks.

JACOB- UND WILHELM GRIMM-ZENTRUM

KABARETT-THEATER DISTEL

Geschwister-Scholl-Straße 1-3 10117 Berlin märchenland.de/ ub.hu-berlin.de/

Friedrichstraße 101 10117 Berlin Stadtkarte: E9 distel-berlin.de

Foto: The Hilton Brothers.

Foto: Cornelius Maschke und Morlind Tumler.

Poststraße 16 10178 Berlin Stadtkarte: H2 stadtmuseum.de

JÜDISCHES MUSEUM BERLIN

Invalidenstraße 50-51 10557 Berlin hamburgerbahnhof.de

Foto: Robert Grischek.

Friedrichstraße 107 10117 Berlin Stadtkarte: C9 show-palace.eu

Foto: R.B. Kitaj Estate. Collection of Michael Moritz & Harriet Heyma.

FRIEDRICHSTADTPALAST

Schumannstraße 13a 10117 Berlin Stadtkarte: C11 deutschestheater.de

Foto: VG Bild-Kunst, Axel Schneider.

DEUTSCHES THEATER

Bis 22. Dezember 2012 The Hilton Brothers: Andy Dandy and other works 16. November 2012 bis „Ich versuche nicht, so schön zu sein 17. Februar 2013 wie Elizabeth Taylor, ich versuche Kalter Krieg und Wirtschaftswunder vielmehr zu zeigen, wie es sich anfühlt, Mit einer Auswahl großformatiger so schön wie Elizabeth Taylor zu sein.“ Neuprints, Originaldokumenten und Für die legendäre Serie „Altered Image“ Postkarten würdigt das Stadtmuseum veränderte er sein Äußeres, indem er eine Berlin erstmals den Fotografen Herbert Perücke aufsetzte und Make-Up auftrug, Maschke (1915–2005). Seine farbigen ansonsten jedoch seine Alltagskleidung Aufnahmen zeigen eine wieder erstehen- anbehielt. Diese Idee, die er gemeinsam de Stadt in der Zeit von Kaltem Krieg und mit seinem Freund Christopher Makos Wirtschaftswunder. entwickelte und umsetzte, ging in die Fotogeschichte ein.

8., 15., 22. und 29. November 2012 Gruseliges, Groteskes und Liebreizendes Anlässlich „200 Jahre Erstausgabe der Grimmschen Märchen“ in diesem Jahr präsentiert die HUB, die auch Besitzer der Privatbibliothek der Brüder Grimm ist, in Zusammenarbeit mit Märchenland.de vier Veranstaltungen für Erwachsene – dargebracht vom Berliner Erzähltheater FabulaDrama.

Ab Oktober 2012 Wie geschmiert! Neues aus dem Lobbykeller Lobbys sind die fünfte Gewalt im Staat. Schattenpolitik in der Grauzone. Politik und Wirtschaft tanzen fest umschlungen den Tango Korrupti. Die Drehtür läuft wie geschmiert! Schröder sah seine Kanzlerschaft als Praktikum für Gazprom. Und Frau Merkel?

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KW INSTITUTE FOR CONTEMPORARY ART

MUSEUM FÜR KOMMUNIKATION BERLIN

Am Festungsgraben 2 10961 Berlin Stadtkarte: G6 gorki.de

Auguststraße 69 10117 Berlin Stadtkarte: B6 kw-berlin.de

Foto: Fred Dott.

Foto: Andrea Baumgartl.

Kurfürstendamm 206/209 10719 Berlin komoedie-berlin.de

MAXIM GORKI THEATER

Leipziger Straße 16 10117 Berlin Stadtkarte: L9 www.mfk-berlin.de

Foto: Thomas Aurin.

KOMÖDIE AM KURFÜRSTENDAMM

19. November 2012 Comedian Harmonists – Geburtstags-Benefiz-Gala Am 19. Dezember jährt sich der Erfolg der Berlin Comedian Harmonists, die Premiere von „Veronika, der Lenz ist da“, zum 15. Mal. Seitdem ist das Sextett vielbeschäftigt. „Wir möchten gerne etwas von unserem Erfolg zurückgeben“, erzählt Holger Off, Mitglied der Urbesetzung, „deswegen geben wir zu unserem 15. Geburtstag ein Benefiz-Konzert zu Gunsten von KINDerLEBEN e. V.“

18. November 2012 bis 20. Januar 2013 One on One 20 Künstler konzipieren jeweils einen eigenen individuellen Raum und schaffen eine radikal intime Rezeptionssituation für einen einzeln eintretenden Betrachter. Ob Aktions- oder Kontemplationsraum, ob performativ, konzeptuell, abstrakt oder gegenständlich – der künstlerischen Schaffung individueller Mikrokosmen sind jenseits der räumlichen keine Grenzen gesetzt.

Laufend Radikal Der Grünen-Politiker Lutfi Latif, ein junger Intellektueller mit ägyptischem Hintergrund, ist ein charismatischer Mann, der für einen modernen, aufgeklärten Islam werben möchte. Doch kaum hat er sein Abgeordnetenbüro in Berlin bezogen, wird er mit Morddrohungen überschüttet. Der Berliner Journalist und Autor Yassin Musharbash hat mit seinem Thriller Radikal einen satten, wirklichkeitsnahen Berlin-Roman geschrieben.

KOMISCHE OPER BERLIN

MARTIN-GROPIUS-BAU BERLIN

MELIÃ TAPAS BAR IM HOTEL MELIÃ BERLIN

25. November 2012 (Premiere) Die Zauberflöte Die meistgespielte deutsche Oper in einer verblüffenden Umsetzung. Barrie Kosky inszeniert Die Zauberflöte gemeinsam mit der britischen Theatertruppe „1927“, deren humorvolle Shows mit ihrer Interaktion von Filmanimation und live agierenden Schauspielern Zuschauer auf der ganzen Welt begeistern.

Friedrichstraße 103 10117 Berlin Stadtkarte: E9 meliaberlin.com

Foto: Dennis Hopper.

Foto: Gunnar Geller / Gestaltung: Blotto Design.

Niederkirchnerstraße 7 10963 Berlin Stadtkarte: N11 gropiusbau.de

Bis 17. Dezember 2012 Dennis Hopper – The Lost Album Die Ausstellung zeigt über vierhundert Vintage-Fotografien von Dennis Hopper (1936-2010), entstanden in den 60er Jahren. In fünf Kisten, vergessen und verborgen, kamen sie erst nach seinem Tod ans Licht. Es sind legendäre Bilder, spontan, intim und poetisch, politisch, scharf beobachtend, Dokumente einer aufregenden Epoche. Viele dieser Bilder sind heute Ikonen: z. B. die Portraits von Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Paul Newman oder Jane Fonda.

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NEUE NATIONALGALERIE Potsdamer Straße 50 10785 Berlin neue-nationalgalerie.de

Foto: Roman März.

Behrenstraße 55–57 10117 Berlin Stadtkarte: I9 komische-oper-berlin.de

Bis 24. Februar 2013 Glücksfälle – Störfälle. Facetten interkultureller Kommunikation In Zeiten von Internet, Globalisierung und Migration wird die Kenntnis fremder Gepflogenheiten immer wichtiger. Die Ausstellung beleuchtet kulturelle Unterschiede, überbrückt Wissens- und Erfahrungsbarrieren und wirbt nicht zuletzt für ein tolerantes Miteinander.

Jeden Dienstag und Donnerstag Spanische Live-Musik mit wechselnden Künstlern Spanisches Flair mit Flamenco, Salsa, Bolero und Latin Jazz in Kombination mit spanischen Tapas nach Originalrezepten und hervorragenden Cocktails.

Bis 31. März 2013 Der geteilte Himmel. 1945-1968. Die Sammlung Nach „Moderne Zeiten. Die Sammlung. 1900-1945.“ folgt der zweite Teil der Präsentation zur Kunst des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung der Nationalgalerie. Unter dem Titel „Der geteilte Himmel“ (benannt nach einem Roman von Christa Wolf) werden die Hauptpositionen dieser Epoche vorgestellt. Im Mittelpunkt des „geteilten Himmels“ stehen die internationalen Diskrepanzen, das Nebeneinander der Stile und Künste.


STAATSOPER IM BODEMUSEUM

19. Oktober 2012 bis 7. April 2013 Emil Nolde und die Schweiz Aus den frühen Jahren in St. Gallen hat sich Nolde eine besondere Anhänglichkeit an die Schweizer Bergwelt bewahrt. „Jeweils während einiger Wintermonate reisten wir alljährlich hinauf in die winterliche Welt der Berge“, bemerkte er. Stets nahm er seine Aquarellfarben mit, „malend, wo ich es konnte, die Schneeberge, die Wolkenschönheit, die Wettertannen“.

QUATSCH COMEDY CLUB

Am Festungsgraben 1 10117 Berlin Stadtkarte: G6 theater-im-palais.de

Am Kupfergraben 1 10178 Berlin Stadtkarte: F5 staatsoper-berlin.de

17. und 26. November sowie 17. Dezember 2012 OPER & KAMMER „Oper und Kammer“ ist eine Konzert­reihe der Staatsoper im Bode-Museum: 17.11.: Blechbläserensemble der Staatskapelle Berlin mit Musik von Händel, Purcell, Bizet, Strauss, Wagner und Schostakowitsch. 26.11.: Bläserquintett der Staatskapelle Berlin mit Werken von Mozart, Gabriel Fauré, Jean Francaix und Leos Janacek. 17.12.: Historisches Konzert: Das Joachim-Quartett 1891 mit Werken von Mozart und Brahms.

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2. Dezember 2012 Lichter, Lieder, Pfefferkuchen Nr. 10 Mit Geschichten, Gedichten und den schönsten Weihnachtsliedern nähert sich das Theater im Palais dem Heiligen Abend. Mit Lichter, Lieder, Pfefferkuchen Nr. 10 versuchen die Akteure hinter das Rätsel der einzigartigen Anziehung zu kommen, die dieses Fest besitzt.

TOPOGRAPHIE DES TERROS

THEATER AM POTSDAMER PLATZ

Niederkirchnerstraße 8 10963 Berlin Stadtkarte: N11 topographie.de

Marlene-Dietrich-Platz 1 10785 Berlin musicals.de

Foto: Foto: Brinkhoff/Mögenburg.

Friedrichstraße 107 10117 Berlin Stadtkarte: C9 quatschcomedyclub.de

THEATER IM PALAIS

Foto: Theater im Palais.

Foto: Nolde Stiftung Seebüll.

Jägerstraße 55 10117 Berlin nolde-stiftung.de

Foto: Foto: Atelier Tesar.

NOLDE STIFTUNg SEEBÜLL

Das pure Berliner Leben!

5. November 2012 (Berlin-Premiere) Frank Fischer „Angst und andere Hasen“ Es gibt über 600 anerkannte Phobien – Grund genug für Frank Fischer, diesem Thema ein ganzes Kabarettprogramm zu widmen. Frank Fischer, selbst stolzer Besitzer verschiedener Ängste und bekennender Hypochonder, zeigt, dass in diesem Thema mehr Komik steckt, als man vermutet.

Laufend Hinterm Horizont Am 13. Januar 2012 feierte das Musical einjähriges Jubiläum und seinen 500.000 Besucher. Die Story: Panikrocker Udo Lindenberg erhält die Erlaubnis, in der DDR zu spielen. Es kommt zu einer schicksalhaften Begegnung: Er lernt Jessy, das Mädchen aus Ost-Berlin, kennen. Eine Liebe trotz Mauer und Stacheldraht.

H AR ALD N E C K ELMANN

Bis 25. November 2012 Die Wilhelmstraße 1933–1945 Die Wilhelmstraße in Berlin entwickelte sich im 19. Jahrhundert von einer großbürgerlichen Wohngegend zum Zentrum deutscher Politik. Hier befanden sich nacheinander die Regierungszentren Preußens, des Deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 bezogen die Nationalsozialisten das Regierungsviertel. Die Ausstellung zeigt diese sichtbaren und unsichtbaren Veränderungen anhand eines begehbaren Modells.

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Berlin.Friedrichstraße Ausgabe Winter 2012