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WOHNREVUE Schweizer Magazin für anspruchsvolles Wohnen und Design.

WOHNREPORTAGE ROM. Wo Ebenholz auf Messing trifft. TISCHE UND STÜHLE. Von Traumpaaren und Architektenstühlen. LEUCHTEN. Einfach zum Verlieben schön.

September 2018, CHF 9.50

wohnrevue.ch


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Maskuline Eleganz WOHNREVUE

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P R O D U K T I O N U N D T E X T : J U L I A M I N C A R E L L I  /  S I S T E R S A G E N C Y ÜBERSETZUNG: SUSANNE LIEBER F O T O S : B I R G I T T A W O L F G A N G  /  S I S T E R S A G E N C Y

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Der Architekt Massimo Adario hat sich in einem historischen Gebäude in Rom ein kleines Wohnjuwel geschaffen – mit ausgesuchten Designermöbeln und hochwertigen Materialien wie Messing und Ebenholz.

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mer und in der Küche für ausreichend Helligkeit. Die Wohnung wirkt also trotz der vielen dunklen Materialien wie schwarzer Marmor und Ebenholz, die beim Umbau verwendet wurden, nicht düster. Was die Einrichtung angeht, besteht diese aus Objekten unterschiedlicher Stilrichtungen und Epochen. Der Esstisch stammt aus den Siebzigerjahren, die Sessel aus den Sechzigern, und beim Sofa handelt es sich um ein Modell von Cassina, das erst seit einigen Jahren produziert wird. Der Mix macht die Wohnung sehr persönlich und lässt den ausgefallenen Stil von Massimo Adario deutlich erkennen. Auch Kunst findet sich hier überall: An den Wänden hängen zahlreiche Bilder, die der Hausherr in der Frutta Gallery in Rom gekauft hat oder im Luxuseinrichtungsgeschäft Flair in Florenz. Seit vielen Jahren schon sammelt er entsprechende Objekte. Er liebt es, durch die umliegenden Galerien zu schlendern, immer auf der Suche nach neuen Stücken. «Ich beschäftige mich schon seit Jahren mit Kunst. Und ich glaube, sie hilft dabei, stimmige Interieurs zu kreieren», meint Massimo Adario. «Von Zeit zu Zeit sollte man Kunstobjekte aber auch mal austauschen, so wie Möbel, wenn man seinen Stil verändert.»

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onti, eines der ältesten Viertel Roms, liegt hügelig inmitten der Stadt. Gepflasterte Strassen, stattliche Palazzi und farbenfrohe Häuser mit Fensterläden prägen das Bild. Früher galt Monti mit seinen zahlreichen Bordellen als verrufen und arm. Doch die Gentrifizierung hat auch hier ihre Spuren hinterlassen. In den letzten Jahren ist das Stadtviertel zu einem trendigen Ort avanciert, mit zahlreichen Kunstgalerien, Modeboutiquen und angesagten Restaurants. Heute leben viele Kreative hier. Zu ihnen zählt auch der italienische Architekt Massimo Adario, der von seiner 70 m 2 grossen Wohnung einen herrlichen Blick auf das Treiben im Quartier hat. LU XUS AU F K LEI N EM R AU M Eine schmale Treppe führt drei Stockwerke hinauf in die oberste Etage des alten Gebäudes, wo der Architekt zwei kleine Wohnungen zusammengelegt und entsprechend umgebaut hat. Ein wahres Schmuckstück ist so entstanden, das sich über zwei Ebenen erstreckt, über zwei Balkone verfügt und das mit hochwertigen Materialien ausgebaut wurde – allen voran Ebenholz, Marmor und Messing. Ein luxuriöses Interieur also, das man in der Umgebung nicht unbedingt vermuten würde. «Durch die Verwendung verschiedener Materialien erhalten die Räume eine gewisse Tiefe», erklärt der Architekt sein Werk. Jedes Detail trägt hier zur eleganten Gesamterscheinung bei, unter anderem die Steckdosen aus Messing. In allen Räumen befinden sich zudem Besonderheiten, so auch in der Küche: Statt eines herkömmlichen Hochschranks dient hier ein von der Decke hängendes, offenes Regal als Stauraum für Gläser und Teller. Alles wurde speziell für die Wohnung entworfen, entsprechend nahm der Umbau Zeit in Anspruch. Zwölf Monate, um genau zu sein. Um beide Ebenen miteinander zu verbinden, wurde mittig in die Wohnung eine Treppe gesetzt, die zum Schlafbereich hinaufführt. Keiner der Räume ist komplett in sich abgeschlossen. Um Bereiche voneinander zu trennen, setzte der Architekt auf offene Schränke und Regale und schaffte so eine luftige Raumstruktur. Vom Wohnzimmer aus kann man beispielsweise durch ein Regal bis zum Flur schauen. Dieses offene Gestaltungsprinzip zieht sich durch die gesamte Wohnung. Deshalb dringt auch Licht von allen Seiten herein: Das Dachfenster, das sich über dem Bett befindet, sorgt ebenfalls unten im Wohnzim-

Ü BER DEN DÄCH ER N VON ROM Ein besonderer Luxus der Wohnung sind die zwei Balkone, die natürlich vor allem im Sommer rege genutzt werden. Einer befindet sich auf der unteren Ebene und erweitert die Küche nach draussen. Um die Grenzen zwischen Innen- und Aussenbereich aufzuheben und optisch eine Einheit zu schaffen, wurden beim Boden jeweils dieselben Fliesen verwendet. Wenn also an einem warmen Tag die Tür offen steht, bildet der Balkon einen zusätzlichen Raum. Der zweite Balkon befindet sich auf dem Dach und ist direkt von der Schlafzimmerebene zugänglich. Von dort aus hat man einen fantastischen Blick auf die umliegenden Dächer der Stadt. «Wenn ich abends von der Arbeit heimkomme», schwärmt Massimo Adario, der nicht nur in Rom wohnt, sondern dort seit 2007 auch ein eigenes Architekturbüro führt, «setze ich mich gerne raus auf den Balkon und lausche dann einfach nur den Geräuschen der Stadt.» Ein schönes Feierabendritual, wie wir finden.

L I N K E S E I T E — Die Wand aus Ebenholz trennt den Essbereich von der Küche und sorgt mit dem Messingtisch und den orangefarbenen Stühlen aus den Siebzigerjahren für Retroflair. Die Stehleuchte «Coupé» ist von Oluce (Design: Joe Colombo, 1967), der Teppich ist aus Marokko. Über dem Esstisch befindet sich die Schlafebene.

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L I N K S — Der Flur führt vom Wohnzimmer vor-

bei am Essbereich bis zur Küche. Bei der Wandleuchte handelt es sich um das Modell «Lucenera» von ­Catellani & Smith.

M I T T E — Von der Küche aus ist einer der zwei

Balkone der Wohnung zugänglich. Um Aussenund Innenbereich harmonisch miteinander zu verbinden, wurden als Bodenbelag jeweils dieselben Platten aus Grigio Carnico, einem schwarzen Marmor, verwendet.

R E C H T S — Früher war die Balkendecke abge-

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hängt. Architekt Massimo Adario hat sie wieder freigelegt, um an Raumhöhe zu gewinnen. Die Schrankfronten bestehen aus Messing, die mit einer Säure behandelt wurden, um eine dunklere Oberfläche zu erhalten. Im Regal, das ebenfalls aus Messing besteht und von der Decke hängt, finden Teller und Gläser ihren Platz.

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L I N K E S E I T E — Die Decke im Wohnzimmer besteht teilweise aus verputztem Beton. Für Helligkeit sorgt hier auch Licht aus dem oberen Stockwerk. Das schwarz lackierte chinesische Kabinett stammt aus den Vierzigerjahren, darauf steht eine Sammlung ethnischer Masken. Bei der Holzskulptur auf dem Tisch handelt es sich um ein Werk von Andrea Sala, beim Gemälde um Kunst von Yonatan Vinitsky. Das Sofa «Toot» ist von Cassina. O B E N L I N K S U N D R E C H T S — Im Wohn-

zimmer hat Massimo Adario ein Bücherregal mit zwei Funktionen entworfen: Zum einen fungiert es als Stauraum für Lektüren, zum anderen als Brüstungselement bei der Treppe im Flur. Die Leuchten, die von der Decke hängen, bestehen aus Messing.

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O B E N L I N K S — Statt auch im Badezimmer schwarzen Marmor einzusetzen, hat Massimo ­Adario entschieden, hier hellen Breccia-Marmor für die Dusche und das Waschbecken zu verwenden. O B E N R E C H T S — Die Eleganz der Wohnung spiegelt sich selbst im Kleiderschrank des Architekten wider. Auch hier kam Ebenholz zum Einsatz. Der Stuhlentwurf «DCW» stammt von Charles & Ray Eames. R E C H T E S E I T E — Immaterieller Luxus: Vom Bett aus kann Massimo Adario direkt in den Himmel schauen. Ein Dachfenster bringt aber nicht nur die Sterne in greifbare Nähe, sondern sorgt gleichzeitig für genügend Helligkeit in den Räumen – auch auf der unteren Wohnebene. Materieller Luxus: Das Kopfhaupt sowie der Boden bestehen aus Leder.

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Blick vom Balkon: In der Ferne kann man das Nationaldenkmal Vittoriano erblicken. Das Gebäude wurde dem König Vittorio Emanuele II. gewidmet und 1927 fertiggestellt.

Massimo Adario ist gebürtiger Römer. In seiner Heimatstadt führt der 48-Jährige ein eigenes Architekturbüro. Studiert hat er in Madrid, danach hat er zunächt in Amsterdam und Maastricht gearbeitet.

Massimo Adario Architetto Via Ennio Quirino Visconti, 90 I-00193 Rom massimoadario.com

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Profile for massimo adario architetto

Massimo Adario Architetto | WOHNREVUE | September '18  

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