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PUBLIKATIONEN ZU MARIA GEBURT Der Altar im Kirchenjahr Ksenjia Auksutat Gütersloher Verlagshaus 2013 S.215: Foto Casel Lk 17,21 von Leo Zogmayer S.259 f. Zitat aus:: gemeinde-blog maria geburt http://dialog.maria-geburt.de S.318: Krauth, Markus - dingkult kultding - Maria Geburt, Aschaffenburg 2011 Jürgen Bärsch "ritus nobili simplicitate fulgeant" Liturgisches Jahrbuch Heft 3 63. Jg. 2013 S.199 Foto von TAUFDUSCHE in Maria Geburt: body-rites REINIGUNG II Taufe im Christentum online seit 8.9.2013 http://body-rites.tumblr.com/ Foto Kommunionausteilung in Maria Geburt zu Artikel: Würde des allgemeinen Priestertums in der Reihe "Den Glauben feiern": Stimmige Raumnutzung in: Horizonte Pfarrblatt Aargau 5. Mai 2013 Das Charisma des Ortes entdecken und nutzen Veröffentlicht am 16. April 2013 Interview der Online-Plattform futur2 Strategie und Entwicklung in Gesellschaft & Kirche von Frank Reintgen, Köln mit Pfr. Markus Krauth Titelbild der Zeitschrift Herder Korrespondenz Spezial zum Thema: Wie heute Gott feiern? Liturgie im 21. Jahrhundert mit einem Foto von der Kommunion in Maria Geburt mit Silberkelchen April 2013 Zeichen für die Präsenz der göttlichen Realität Leo Zogmayers Neugestaltung der Kirche Maria Geburt Aschaffenburg Rainer Alexander Gimmel in: meditation. zeitschrift für christliche spiritualität 39/1.2013 Thema: Liturgie S. 20-26 Die Kraft der Schönheit Einladend mit heutiger Kunst den Glauben feiern.


in: Das Münster 4/01 S. 378-380 Die Kirchengemeinde Maria Geburt wagt den Exodus aus der Neugotik und findet zu sehr moderner Liturgie. Thomas Seiterich in: PUBLIK-FORUM 10/2012 S. 38 f. Ein Brot zum Teilen Kommunion mit allen Sinnen erleben: Selbstgebackenes Brot zur Eucharistie Lisa Koch in: Kirchenbote 10/2012 S. 6 Wochenzeitung für das Bistum Osnabrück Ist Kunst überflüssig? Zum Spannungsfeld von kulturellem und sozialem Engagement der Kirche Beschreibung der Gemeinde Maria Geburt S. 22 Prof. Dr. Erich Garhammer, Würzburg in: HERDERKORRESPONDENZ SPEZIAL Irritierende Schönheit 4 / 2012 Liturgie im Fernkurs Versammelt in seinem Namen Lehrbrief 2 Foto Umschlag: Maria Geburt Mystik im Alltag Maria Geburt lädt zum Fasten und Feiern ein in: Publik-Forum 38 Nr.2-2012 Kirche von unten S. 30 Schön Das ZDK lud zum 4. Mal zum Künstlertreffen ein Leo Zogmayer sprach über Schönheit als postminimalistisches Programm ausgehend von Maria Geburt Bericht in: HERDERKORRESPONDENZ 11 2011 S. 546 taufdusche Zeitschrift "praxis gottesdienst" Heft 5/11 26.04.2011 Bild und Text auf Titelseite Gott zur Ehre und den Menschen zur Freude Birgit Seidel


Vasa sacra in: designreport 12/06 S. 28ff. img src="includes/images/fotos/105_a.jpg" Wort Ding Bild Leo Zogmayer Bd. 42 Ausstellungskatalog Dommuseum Freising, Juli 2006 Produktdesign von Schalen und Kelchen für den christlichen Kult Ausstellungskatalog Gefäße Gewänder Gehäuse Aschaffenburg, Bonn, Brüssel, Innsbruck, Mitterkirchen Ausstellung vom 16.11.2005 - 8.1.2006 Dommuseum Frankfurt/M Dossier für Ästhetik und Liturgie Der schweigende Raum Martina Gelsinger Ein Gespräch mit dem bildenden Künstler Leo Zogmayer, der viele Sakralräume gestaltet hat. in: DIE FURCHE 21 NR. 42 / 14.10.2004 Dinge Leo Zogmayer 1998-2003 - eine Bildfolge in: Kunst und Kirche 4/2003 S. 192f. u. 198f., Abb.Nr. 8,12,16, 23, 25, 27, 29 img src="includes/images/fotos/106_a.jpg"></td><td><b>Sedes Der Sitz der Gemeinde Möbel für Sakralräume Ausstellung vom 23. August bis 29. September 2002 Hrsg.: Prof. Dr. August Heusser, Dommuseum Frankfurt Weisse Scheibe August Heusser Idee Realisierung Rückkehr Eine Einführung in das Werk von Leo Zogmayer Mit Besprechungen von Eckard Nordhofen, Hort Schwebel, Johannes Rauchenberger, Jörg Splett


Hrsg.: Kath. Pfarramt Maria Geburt, 17. 02. 2002 Liturgie-Gewänder zeitgenössisch Eine Ausstellung des Dommuseums Frankfurt am Main zum Evangelischen Kirchentag 2001 Eine Kasel nicht nur für Exequien Mark Delrue Zu Erfahrungen mit einem Gewand von Leo Zogmayer in: Das Münster 4/01 S. 370 Kunst Textil Raum Gottfried Stracke Die weiße Scheibe von Leo Zogmayer<br> in: Das Münster 4/01 S. 371 Liturgie und Raum Matthias Otto dargestellt an der Kirche Maria Geburt, Aschaffenburg Diplomarbeit im Fach Liturgie an der Theologischen Fakultät der Universität Würzburg Neue Architektur in Aschaffenburg Franziska Heindl, Ursula Henn, Bernd Kessler in: Baumeister Zeitschrift für Architektur, Beilage aus Heft 1/2002 Sakralgewand 1995 Susanne Kallinger Diplomarbeit: Bekleidung für Priester an der Universität Wien in der Fachrichtung Textil 2 Gewänder und 2 Stolen wurden von der Kirchenstiftung 1999 erworben Zeichnungen Monika Bartholome Mit einem Text von Stefan Kraus 1995 2 Entwürfe für Altardecken von ihr wurden durch die Kirchenstiftung angekauft und von der Paramentengruppe unserer Gemeinde textil umgesetzt. Otto Zehentbauer Bildhauer und Krippenkünstler1980 - 1961 Kunstverlag Josef Fink mit 4 Fotos von unserer Krippe: Titelseite, S.58,74,9


texte


Lebendige Seelsorge Heft 6/2015 Text-Klang-Raum Die kath. Liturgiewissenschaft steckt zur Zeit in einer Krise. Sie ist in meinen Augen die Neuscholastik nach dem II. Vaticanum, wiederholt

vatikanische

Mantras

(participatio

actuosa

u.a.),

archäologisiert liturgische Entwicklungen und verliert dabei die gottesdienstliche Wirklichkeit aus dem Auge. Deshalb soll bei der evangelischen

prakt.

Theologie/Liturgik

nachgefragt

werden,

welche Impulse sie bereit hält und welche Fragestellungen sie umtreibt. Bei der Perikopenrevision ist ein neuer Begriff in den gewidmet unseren lektoren und mitgliedern des liturgiekreises

Mittelpunkt gerückt: Klangraum. Wie kann das Evangelium heute neu zum Klingen gebracht werden – in den vielfältigsten Formen.

ohne die liturgie und text

THEMA

nicht möglich wären

Alexander Deeg, Klangraum als ästhetischer und liturgiewissenschaftlicher Begriff Christian Grethlein, Paradigma Perikopenrevision. Zur Problematik der Begriffe „Textklangraum“ und „Traditionsbezug“ Replik Deeg Replik Grethlein Andreas Bieringer, Biblische Texte und liturgische Räume. Literatur als Klangraum


PROJEKT Michael Meyer-Blanck, Qualität von Gottesdiensten. Ein evangelisches Projekt INTERVIEW Gespräch mit Andreas Odenthal: Was beschäftigt die kath. Liturgiewissenschaft? Kritische Nachfragen PRAXIS Wie kommt Gottes Wort in unseren Kirchen zum Klingen? Brigitte Schwarz, St. Moritz Augsburg Peter Reinl OSA, Augustinerkirche Würzburg Markus Krauth, Maria Geburt Aschaffenburg Thomas Vogl, Basilika Waldsassen Siri Fuhrmann, Texte-Klänge-Räume. Was sind nachhaltige Gottesdienste? Gotthard Fuchs, Kirchliche Hochfeste als Gesamtkunstwerk. Das Beispiel Burg Rothenfels


WORTEN Worte können greifen. Sie sind noch näher an den Dingen. Begriffe

stehend, sitzend, kniend, liegend oder auch mal tanzend. Wer sich

sind anders, abstrakter. Sie brauchen Griffe, die wir nehmen, um

von ganz unterschiedlichen Feiersituationen in unserem Kirchenraum

einen Sachverhalt greifen, bestenfalls be-greifen zu können. Doch

ein Bild machen möchte, kann sich auf unserer Homepage

Begriffe greifen nicht wie nur Worte es können. Sie greifen. Im

www.maria-geburt.de umschauen.

Glücksfall ergreifen sie uns. Liturgie ist wesentlich die Kunst lustvollen Wortens.

Markus Krauth

Oder auch in dem Buch unserer Gemeinde Maria Geburt blättern mit dem Titel „laetitia vacui – nichts als freude“, in dem sie schreibt und

RAUM

zeigt, was seit der Neugestaltung ihres Kirchenraumes 1999

Der Raum, um den es sich bei diesem Text handelt, ist eine

geschieht. Hier ist zu sehen, welches Potential Liturgie freisetzen

neugotische Kirche in Aschaffenburg, die 1895 erbaut und 1999 von

kann, wenn Feste und Feiern ebenso auf das Wesentliche reduziert

dem Wiener Künstler Leo Zogmayer in radikal minimalistischer Weise

und zugleich mit allen Sinnen, mit Leib und Seele bewusst gefeiert

neu gestaltet wurde. Ein Gotteshaus, das dem Eintretenden ein

werden. Leere wird hier nicht durch anscheinend reizvolle Völle

überraschendes Gottes“Bild“ ohne Bild vor Augen führt - erstaunlich

kompensiert, wie es öfter in unserem Alltag passiert. Die Leere des

wie Gott bildlos sein kann - vielmehr besser ist. Ein besonderes

Raumes lockt in die Fülle. Menschen, sobald sie sich auf die

Merkmal dieses Weite und Helle ausstrahlenden Raumes

Atmosphäre des Raumes und der gefeierten Liturgie einlassen

kennzeichnen die mobilen, nur leicht mit Zwischenbrettern

können, gehen nicht leer aus der Leere heraus, sie können durch

verbundenen Stühle der Feiernden.

Fülle und Erfüllung sich beschenkt und bestärkt erfahren.

Sie ergeben die kreative Möglichkeit, unterschiedlichste Raumfiguren

HÖRENDES WORT

zu bilden: Verschiedene Sitzblöcke, ein Tau, ein Karree, ein U, eine

Soll es zu einem spirituellen TextKlangRaum kommen, braucht es

Straße, ein Oval, ein Kreis oder auch mal in freien Formen je nach

zunächst den Text, der sich im einlassenden Lesen aus der Fläche

Anlass oder liturgischem Festinhalt. Die Gemeinde erfährt sich dabei

der schwarz bedruckten Buchseite seinen Innenraum öffnet.

als lebendigen (Raum)Körper im Raum, jeder in unterschiedlichsten

Das geschieht, indem der Leser die Oberfläche seines Alltagsbewußt-

Positionen, wechselnden Perspektiven und Wegen - gehend,

seins durchschreitet, so dass auch sein Innenraum sich auftun kann.


Der Raum seiner momentanen Erfahrung und Befindlichkeit, sein

Lesende ohne Worte die Hörer ein, in „seinen“ entdeckten Hörraum

mitgehender biographisch-spiritueller Erfahrungsraum mit allem, was

des Textes mit hinein zu gehen.

ihm bisher widerfahren ist, wird eins mit dem vorliegenden Textraum. Die Worte wecken eigene Erfahrungen und regen sein Denken und

Es bildet sich ein neuer Text-Hör-Sprecher-Gemeinde-Raum.

Fühlen an. Es geht um mich. Der Text ist die Matrix (vgl. mater),

Aus dem Text entsteht ein Klangraum, der durch den Sprecher

die den Sprecher lesend gebiert.

gegangen – existentiell energetisiert - und nun in der Versammlung zum Ausdruck, zum Klingen kommt. Aus dem Berührt-sein vom Text

Beim Vortrag des Evangeliums beginnt der Klangraum bereits bevor

kommt es im besten Fall zum Berühren der Anwesenden durch

der Text ins Spiel kommt. Licht- und Weihrauchträger nähern sich

Stimme, Klang und Wort, die den Hörern unter die Haut gehen kann.

dem Priestersitz, von dem aus Weihrauch in das Rauchfass eingelegt wird. Geräusche sind unvermeidlich und kündigen schon akustisch

Dabei ist darauf zu achten, die Leerstellen des Textes nicht zu

an, dass da etwas kommt. Danach erhebt sich der Dienst von den

übersehen und zu überlesen. Oft sind sie gerade das Wichtigste.

Plätzen, während die Orgel das Halleluja zum Evangelium intoniert.

In ihnen kann durch interpassives Hören das Meiste geschehen.

Die Evangelienprozession setzt sich in Bewegung. Im Gehen wird

Es kommt zu einem Nachklingen lassen und zugleich kann das

das Halleluja vom Zelebranten angestimmt. Während die Gemeinde

Gesagte sich ins Unsagbare weiten.

den Ruf erwidert, wird das aufgeschlagene Lektionar beräuchert mit mehrfachem rhythmischen, deutlich hörbaren Anschlagen der

Soll der Hörer in dem gemeinsamen Raum mitkommen, verlangt die

Trageketten an das Rauchfass.

Stille von ihm, hellwach Leerstellen in sich zu nutzen, Erfahrungen oder Assoziationen kommen zu lassen. Dazu braucht er je nach Text

Vor dem Lesen des Evangelientextes wird der TextKlangRaum

Zeit, der ihm nicht genommen werden darf, sonst kann er nicht

dialogisch eröffnet. Die Präsenz des „Herrn“ wird in den Texten und

(auf)lesen, was ihm vorgelesen wird. Er kann nicht mitgehen,

Hörern aufgerufen.

in Klang und Text hineingehen. Ich hole in verbal rein und lasse ihn

Es geht in erster Linie darum, den inspirierenden Autor durch den

nonverbal draußen vor.

Text hindurch zu hören. Wird der Text nun der Gemeinde zu Gehör gebracht, kommt es zu einer Raumerweiterung. Lesend lädt der

Um das Reinkommen zu erleichtern, eignet sich eine angemessene, abwechselnde Lesegeschwindigkeit. Vor allem Momente der Stille,


die keine Pausen sind. In ihnen hört der Hörprozess nicht einfach auf.

draußen, um sie zu verscheuchen. Doch weit und breit ist niemand zu

Die Stille gibt zu hören, führt in die Tiefe. Die rundherum

sehen. Er kommt wieder in den TextKlangRaum des Kirchenraumes

wahrgenommene Hörbereitschaft schafft einen dichten Hörraum,

zurück, den er soeben verlassen hatte. Getäuscht hatte er sich:

der nochmals das innere Hören, das Hineinkommen in das

Der Lärm kommt aus einem größeren CD-Player in der Apsis.

Gesprochene stärkt.

Eingespielt zu dem Lesungstext wird auf einer CD eine Hommage an

Endet der Textraum, so noch lange nicht der TextKlangRaum.

den Komponisten John Cage. Ein Freund von ihm legte sich mit

Er braucht atmosphärisch Zeit zum Nachklingen. Angeklungenes

Aufnahmegerät unter einen englischen Sportwagenmotor, der einen

möchte nachklingen und nachwirken können. Läuft der Lektor gleich

satten Sound verbreitet. Er spielt seine Improvisation lediglich mit

davon, zerstört sein Verhalten diesen so zentralen Raum

einer Taste, dem Gaspedal.

konzentrierter Stille. Es treffen zusammen eine kaum wahrnehmbare Poesie der biblischen KONFRONTIERENDES WORT

Geschichte mit der ungewohnten Poesie von mehr oder weniger

Die Schöpfungsgeschichte der Osternacht – oszillierend zwischen

aufbrausenden, ja aufheulenden und wieder abflachenden

poetischem Anreiz und zur Routine drängender Langeweile hat es

Geräuschen eines Technikproduktes menschlicher Ingenieureskunst.

nicht leicht, obwohl hier siebenfach das performative Sprachwunder

Die Möglichkeit tut sich auf, die Anfangsgeschichte der Bibel als

geschieht: „Gott sprach... und es ward!“

einen tönenden Klangraum des Schöpfers zusammen mit von

In der Osternacht vor ein paar Jahren bekommt der Anfang der UR-

menschlicher Technik komponierten durchaus auch klingenden

Geschichte Konkurrenz. Zum Lauten der Lesungsworte schiebt sich

Geräuschraum gleichzeitig zu hören. Wortklang und Motorgeräusch,

akustisch mitlaufend ein zweiter wortfreier Klangraum hinzu, der im

Schöpfung und Technik, Gott und Mensch in einem Text-Klang-

Grunde keiner ist. Empfunden wird er als Hintergrundrauschen,

Geräusch-Raum. Herausfordernde Mystik für neue Ohren und neue

als störendes Geräusch, das das Verstehen des Textes um einiges

Herzen.

erschwert. UNVERSTÄNDLICHES WORT Ein 60-jähriger Gottesdienstteilnehmer mit Hörgerät denkt,

Zum TextKlangRaum in der Liturgie gehört wesentlich der Atem.

der Lärm kommt von draußen. Er vermutet Motorradfahrer, die den

Ohne Atem kommt kein Text in den Raum, ans Ohr. Er ist basal,

Gottesdienst stören wollen und geht schnellen Schrittes nach

erhält das Sprechen und den Sprecher am Leben.


Zu Beginn des Pfingstfestgottesdienstes wird die Lungenbewegung

Das Kosten des Wortes braucht Zeit. Dadurch kann der Text im

beim Ein- und Ausatmen mit einem 8 x 6 m roten Tuch von zwölf

Wechsel von Klang und Stille im Einzelnen wie in der Gruppe Raum

Liturgen durch Auf- und Abwärtsbewegungen über das mittig im

greifen, seine Präsenz steigern. Wir achten darauf, wo der Text uns

Raum stehende mit Wasser gefüllte Taufbecken zum Schwingen

anspricht und berührt, was er in uns auslöst.

gebracht. Die entstehenden Luftwogen lassen auf der Gesichtshaut gut wahrnehmbare Luft- und Druckklangwellen entstehen.

Mit einem kleinen Impuls verwandelt sich der Textklangraum in den

Zur Lesung finden unterschiedliche Sprachen – vietnamesisch,

Gesprächsklangraum der Gruppe. Jeder Teilnehmer geht mit und

französisch, spanisch – teils versetzt, teils gleichzeitig zusammen,

durch den Text seinen ganz persönlichen inneren Weg. Im Äußern von

so dass der Klangraum das Verstehen nahezu verunmöglicht...

verschiedenen Gedankengängen, Gefühlen. Erkenntnissen und

ein akustisch-mentales Wirrwarr. Jeder weiß natürlich durch kleine

Einsichten kommt Inneres durch viele Stimmen polyphon nach Außen.

deutsche Sprachfetzen, um welches Ereignis es sich handelt. Und genau dieses nichtverstehbare Ereignis erzeugt besondere

Innenräume weiten kraft des eigenen Berührt-seins sprachlich und

Aufmerksamkeit im liturgischen Hier und Jetzt der versammelten

energetisch die Hörer ebenso wie den gemeinsamen Textgruppen-

Gemeinde. Nicht zu begreifen. Die Hörer lassen sich intensiv von

raum. Die Gruppe sieht mehr als der Einzelne und die Einzelnen

diesem Klangraum ergreifen. Ergriffen ist weit mehr als bloß begriffen.

zusammen.

SPRECHENDES WORT

Wenn ein Wort so trifft, dass Außen und Innen zusammenfallen,

Im wöchentlichen Abendgottesdienst, gestaltet als Gesprächsgottes-

wird das Wort von Außen, vom anderen gesprochen wie aus dem

dienst, lesen wir in der Wortfeier als „lectio continua“ ein gemeinsam

Inneren gehört. Es verschwinden Außen- und Innenraum. Wort und

gewähltes Buch aus der Bibel oder - wie geschehen – gleich zwei mal

der Einzelne sind ein. Es hat ihn getroffen. „Sprich nur ein Wort...“!

hintereinander fünf Jahre lang Vers für Vers das Thomasevangelium.

Innenklang und Aussenklang stärken im Hören die Dichte des

Der sehr knapp gehaltene Text für das Gespräch im Stuhlkreis wird

Gesprächsprozesses.

dreimal mit unterschiedlichen Stimmen in die Runde gesprochen. Dazwischen lassen wir eine kürzere und eine längere Stille.

Was am Ausgesprochenen berührt, kann sich im Alltag eines Menschen irgendwann wieder rühren. Plötzlich ist das Gehörte oder


Gesprochene wieder da. Es nimmt Einfluss auf den Moment, in dem

ERGREIFENDES WORT

jemand sich gerade befindet, auf sein Denken und sein Fühlen.

Die Liturgie bietet sich als idealer Ort an, an dem sich

Es kann ihn aus seinem gewohnten Muster heraus rufen und ihm

unterschiedliche TextKlangRäume aufbauen und intensive spirituelle

Handlungsalternativen eröffnen. Nimmt er den Anstoß auf und lässt

Erfahrungen wecken können.

sich davon leiten, kann sein Tag an einer entscheidenden Stelle für ihn zufriedenstellender verlaufen.

Das eröffnet Wahrnehmungsräume, die wesentlich über ein rein rationales Verstehen von Texten hinaus gehen. Klang ist für uns

Ertönt zum zweiten Mal die Klangschale, erheben wir uns gemeinsam

Menschen ein ganzkörperliches Ereignis. Er kann durch und durch

und nehmen langsam, bewusst schreitend in einer Unendlich-Schleife

gehen, wie das Wort als Geist durch und durch gehen kann und das

(die liegende Acht) das Gehörte und Gesprochene mit zum Altartisch

Innerstes durchdringt. Das Ausgesprochene geht durch die Poren der

und bilden dort einen rituellen Raum. In ihm entsteht ein neuer

Haut und weitet im Adressaten seinen Hörraum und so seinen inneren

TextKlangRaum durch das meditativ gesprochene Hochgebet und

Lebensraum. Wir hören weit mehr als wir verstehen.

den teils mehrstimmig gesungenen Antworten (Deinen Tod, o Herr,

Und wir sehen weit mehr als wir sehen.

verkünden wir... Amen, Sanctus, Vater Unser). Dann schiebt sich das gut hörbare Knacken beim Brechen der großen Brothostie in die

In der Feier der Liturgie geht es nicht in erster Linie um ein Begreifen

spontan dazu gesprochene „relecture“ der Wortfeier, gewonnen aus

wollen. Wer den Leib Christi lediglich begreift, hat ihn noch längst

der Frage: Wo berührt sich das vorher ergangene Wort mit dem

nicht „begriffen“. Denn wenn WORT GOTT ist, wie der Evangelist

Gestus des Brechens, um mit dem Wort den Ritus tiefer zu

Johannes uns ins Herz einschreibt, dann will es natürlich nicht nur ein

erschließen und umgekehrt den Ritus durch das Wort?

Werkzeug, unseren Verstand, ansprechen. Alle Sinne kommen ins Spiel, Körper und Psyche, unser Herz, unser Geist, in denen letztlich

Das gehörte, gesprochene und über Brot und Wein gebetete und so

Wort, Raum und Klang sich im Wort-losen auflösen, schweigend

in Leib und Blut Christi inkarnierend verwandelnde Wort wird nun

immer wieder schwinden.

geteilt und miteinander kommuniziert. Intensives Hören z. B. auch mit dem Tastsinn kann einen Teilnehmer so weit bringen, dass es ihm die Sprache verschlägt und damit Klang und Raum. Ihm verschlägt `s die Sprache, so dass kein Laut mehr aus


ihm raus kommt. Verstummt - keine Worte dafür - wortloses Wirken -

Gemeinde entspringende Sprechen Wirkung freisetzt. Die Gemeinde

ergriffen, ohne begreifen zu können - Höchstform von Wortgeschehen

fühlt sich in den Entstehungsprozess der Predigt durch ihre

– Wort GOTTES - Liturgie als Höhepunkt und Quelle von Gemeinde,

Aufmerksamkeit mit hineingenommen. Wenn so das Wort wirken und

die sich aus dem Geist immer wieder neu gebären lässt.

Ohren und Herzen öffnen kann, kommt es immer wieder mal zu der Äußerung von Hörern, die hinterher sagen: „Sie haben mir aus der

Es geht also – so wichtig es auch ist und sein mag - primär nicht ums

Seele gesprochen!“ Natürlich ist es nicht der Prediger, der solches zu

Verstehen und Begreifen - (si comprehendis, non est deus / non est

bewirken im Stande wäre. Es muss vielmehr aus (seiner) Seele

verbum dei!), sondern um die Kunst und die Gnade, sich vom

gesprochen sein, um Seele zu berühren zu können. Jedenfalls

Gehörten be-rühren, er-greifen zu lassen. Nicht ich greife und

geschieht etwas Wunderbares, wenn eine Seele durch das Wort von

begreife. Er greift mich.

außen in sich zu sprechen beginnt. Keine Fremdheit mehr. Keine Entfernung. Außen ist innen. Innen ist außen. Ganz bei Sich – EIN.

Liturgie kann und darf das nicht machen. Sie braucht das auch nicht. Es geht um ein nicht handelndes Handeln der Zelebranten und

Der TextKlangRaum der Predigt ermöglicht eine Wortkommunion,

Konzelebranten, das nur so weit reichen kann, dass geschehen kann,

eine Kommunion von Seele und Seele – seelenverwandt. Die höchste

was durch das WORT geschehen will. Dazu gibt es keine Strategie.

Form von Communio. Von der Wortkommuni(kati)on zur wortlosen

Doch wenn es zu einem Ergriffen-sein von Einzelnen oder der

Communio. EIN - schweigend. Still.

Gemeinde kommt, zeigt dies, dass TextKlangRäume das Vermögen in sich bergen, solch spirituelle Erfahrungen im kultischen Rahmen

RITUELLES WORT

einer Gemeindeversammlung zu ermöglichen.

Der Segen ist ein durch sich zuwendende Gebärde, Gesten und Worte (aaronitisch) - ohne sichtbaren Text - erzeugter dialogischer

Das geschieht auch beim freien Predigen. Das freie Wort mit freier

EnergieKlangRaum. Segnen ist ein Geschehen, das alle Vernunft,

Mimik und Geste wird im Moment oft intuitiv geboren. Der Sprechakt

Wissenschaft und Empirie übersteigt. Was letztlich mit jedem

wird nicht mehr von einer textlichen Vorlage ausgelöst. Ein Ablesen ist

Einzelnen und der Gemeinde insgesamt geschieht, ist im wahrsten

nicht möglich. Der Text webt sich erst im sprechenden Prozess mit

Sinne des Wortes unbeschreiblich und unsagbar. Es geht nicht um

voller geistiger und körperlicher Wachheit. Keine Frage, dass dieses

ein bloßes Verständnis, sondern ein synchrones Sagen und Zeigen,

lebendigere aus der Situation im nonverbalen Dialog mit der


das seine performative Kraft im gemeinsamen rituellen Vollzug

Es geschieht, keiner weiß genau wie... Für die Wissenschaft, die sich

entwickelt.

rational dünkt, muss es Magie sein, unbegreiflich und deswegen irrational. Ja, genau darum geht es in der Liturgie: Über das

Priester und Gemeinde bilden ein gemeinsames Energiefeld, in das

Sichtbare, Hörbare, Verstehbare und Begreifbare durch alle Sinne

jeder eingebunden ist. Beide sind hineingenommen in einen

hindurch zu gehen zu dem, was nicht mehr sichtbar, hörbar, tastbar,

spirituellen Raum des Segnens, in dem das je neu geschieht und

verstehbar, sagbar ist. Theologisch reden wir dann davon, was Gott,

jeder persönlich erfahren darf, was wahr und gültig ist: Du bist immer

Geist oder Liebe wirken. Es ist nicht von dieser Welt, was uns

schon - unabhängig von deiner Verfasstheit, deines Tuns, deiner

allerdings bestens nicht nur in dieser Welt leben und bestehen lässt.

körperlichen oder psychischen Gesundheit - gesegnet (bene-deit). TANZENDES WORT Lässt sich der Einzelne darauf ein, spürt er, wie es wirkt, wie Gott in

An Festen, die laut deutscher Sprache begangen werden, kommt es

und durch ihn wirkt. Diesen Wirken will nicht enden, es will vielmehr

zu einer noch viel komplexeren liturgischen Raumerfahrung.

weiter strömen im persönlichen Denken, Reden und Tun. So kann

Das liturgische Ensemble betet still in Orantenhaltung – wie immer

sich jeder sagen: Ja, es ist ein Segen, als Gesegneter ein Segen für

vorgesehen mit dem Priester - um den Altar stehend die Präfation.

andere sein zu dürfen. Denn alles – Klang, Worte, Gesten und

Danach stimmt die Gemeinde unter Orgelklang z.B. in das Lied

Gebärde - kommt darauf an, dass dieser performative Akt wieder klar

„Hagios o Theos“ ein. Dabei beginnen die Zelebranten, in der

macht, was der Mitfeiernde in erster Line ist – vor(!) allem, was er

Orantenhaltung bleibend, sich um die eigene Achse zu drehen.

denkt, erfährt oder tut: Ein Segen. Geschieht dieser Akt bewusst

Zugleich bewegen sie sich vom Altar weg in das Innere der zu einem

rituell, gewinnt der Segen für den Einzelnen kraft der Wiederholung

großen Oval geformten Stuhlordnung.

Dauer und Beständigkeit. Es entsteht ein TextKlangBewegungsRaum von eigener Art, in den Das wird zwischen Zelebrant und Gemeinde je neu körperlich,

sich die liturgischen Körper sich frei bewegend singend - drehend –

psychisch und geistig durchgespielt, um die Grundlage christlicher

tanzend einschreiben. Der Klang der gesungenen Worte durch die

Existenz nicht zu vergessen.

Gemeinde, der spielende Klang der Orgel, die Gebärden und Schritte der Liturgen und der durchtanzte, durchsungene Raum bilden eine wahre Symphonie, einen stimmigen Zusammenklang.


Trinken des WORTES – ER gibt sich im Wort, das sich inkarniert - „ Zum Hochfest des Heiligen Geistes öffnet sich die den Kirchenraum

Das ist mein Leib. Das ist mein Blut.“ - in die Gottesgaben Brot und

überwölbende Decke in der Schnittstelle der sich kreuzenden Rippen.

Wein – er gibt sich im gesamten Kosmos und in seinem sich ebenso

Zu Gesang, Tanz und Orgelspiel fallen plötzlich aus dem Loch im

bis zum äußersten gebenden Sohn.

Mittelpunkt der gesamten Kirchendecke fast handgroße rote

Nach dem Hochgebet in der Feier der Eucharistie antworten wir nicht:

Papierstreifen „wie von Feuerzungen“ herunter. Dieses Farbspiel

Ja, verstanden! Worte kommen erst dann wirklich an, wenn sie im

korreliert mit dem ähnlich gestalteten Pfingstgewand des Zelebranten

Inneren klar geworden sind. Ja, genau so ist es. Die Liturgie legt uns

aus beiger Seide mit roten, gleichgroßen aufgenähten Textilstreifen.

dazu das entsprechende UR-Wort auf die Zunge: AMEN - so ist es! -

Die Zungen schwirren, drehen, stürzen, kreisen, tanzen schwirren und

im Indikativ, nicht wie meist übersetzt wird: So möge es sein.

durchwirbeln den festlichen Klangraum und landen nach einiger Zeit mitten in der Gemeinde an unzähligen Orten am Boden, auf Stühlen

Im Essspruch vor dem Kommunionempfang verdichtet sich, was sich

oder sonst wo. Was man mit Texten alles machen kann, wenn man

als Essenz aus dem bisherigen gewonnenen kommunikativen Prozess

ihnen ihr unergründliches Potential nicht von vornherein abspricht

inhaltlich ergibt. Sprich nur EIN WORT..., meist ist es ein Satz – das

oder gar nicht in Blick nimmt, ist grandios.

die um den Altar Stehenden nochmals innerlich aufruft, um Leib und Blut Christi zu genießen und sich daran inhaltlich zu nähren. Dadurch

Wie sich hier im kultischen Vollzug des Pfingstereignisses nicht nur

dass Gott sich gibt, hört die Grenze -„ungetrennt und unvermischt“-

Brot und Wein und die Feiernden wandeln, kann man daran ablesen:

zwischen ihm und dem Menschen auf - nahtlos. Die Essenz in Wort,

Nach dem Festgottesdienst nehmen sich eine ganze Reihe Leute eine

Brot und Wein kann näher gehen als ein Mensch sich nahe ist.

rote, kultisch aufgeladene Feuerzunge mit nach Hause, die nun mehr

Es durchdringt ihn. Es braucht nicht mehr. Wir können schweigen.

als bloß ein kleiner roter Papierstreifen ist. Der Raum weitet sich von

Das Verbundensein mit Gott, miteinander und allem, was ist,

selbst vom Kirchenraum in den Raum des Alltags.

wirkt kraft des Geistes im rituellen Essen und Trinken.

WORTLOSES WORT

Markus Krauth, 25 Jahre Pfarrer in Maria Geburt, Aschaffenburg

Der Glücksfall von Kommunikation ist Kommunion – das

5 Jahre koordinierender Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft Maria

Übereinstimmen, das Einsein mit dem Kommunizierten und den

Frieden, Aschaffenburg

Kommunizierenden. Der liturgische Testfall dafür ist das Essen und


Homepage www.maria-geburt.de Buch Arbes Edeltraud (Hg.), laetitia vacui â&#x20AC;&#x201C; nichts als freude, Lindenberg im Allgäu 2010 E-Paper http://issuu.com/markuskrauth/docs/pub_zu_mg http://issuu.com/markuskrauth/docs/publikationen_maria_geburt Youtube www.youtube.com/watch?v=q9anuLQtUNs


Das Evangelium in heutiger Sprache und Ästhetik darstellen Interview mit Pfarrer Markus Krauth, Aschaffenburg Maria Geburt Kurzbiografie als Autoreninformation: Markus Krauth, 1954 geboren, Theologiestudium in Würzburg und Tübingen 1982 zum Priester geweiht. Von 1982 bis 1984 2 Kaplanstellen 1984 -1990 Pfarrer in 5 Gemeinden in Ebertshausen bei Schweinfurt seit 1991 Pfarrer der Pfarrei Maria Geburt in Aschaffenburg-Schweinheim Seit 2012 auch Pfarrer in St. Gertrud und koordinierender Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Maria Frieden mit den Pfarreien St. Peter und Paul Obernau, St. Gertrud-Schweinheim und der Kuratie St. Matthäus Gailbach Über die Homepage wurde ich auf die Gemeinde Maria Geburt aufmerksam. Ihr Internetauftritt www.maria-geburt.de unterscheidet sich wohltuend von vielen anderen kirchlichen Websites. Aktuell gibt es wohl nur wenig kirchliche Seiten, die eine ähnlich gute ästhetische Qualität (Bilder, Texte, Layout...) bieten. Ebenso ungewöhnlich wie die Homepage ist die Pastoral dieser Gemeinde. „1999 wurde die Kirche Maria Geburt nach dem Gesamtkonzept des Bildhauers und Künstlers Leo Zogmayer, Wien, völlig neugestaltet. Alle Fenster und liturgischen Objekte wurden in einer stark reduzierten Formensprache eigens für diesen Raum entworfen. Es ist ein heller Raum, der den Eintretenden Weite und Freiheit, Klarheit und Offenheit atmen lässt. Er ist wie geschaffen für liturgische und kulturelle Versammlungen ebenso wie zur Meditation.“ Die Auseinandersetzung mit und die Inspiration durch diese besondere Gestaltung des Kirchenraums prägt heute das gesamte Leben der Gemeinde. Im folgenden Gespräch beschreibt Pfarrer Markus Krauth, wie er die Wirkung des Raumes nutzt und sie in seiner Pastoral aufgreift und vor welche Herausforderungen dieser pastorale Ansatz ihn und die Gemeinde vor Ort immer wieder stellt. Die Gemeinde Maria Geburt Zu Maria Geburt gehören über 4700 Katholiken. Es gibt viele Zuzüge und Wegzüge. Gemeinsam mit dem Seelsorgeteam wird die Gemeinde von Pfarrer Markus Krauth seelsorglich geleitet. Zum Pastoralteam gehören neben Pfarrer Krauth ein Pastoralreferent und ein Diakon für die Pfarreiengemeinschaft. Das Team wird ergänzt durch einen Pfarrvikar, einen Kuratus halbtags und einen Ruhestandspriester mit Seelsorgeauftrag. Reintgen: Herr Krauth, können Sie zunächst einige wichtige Stationen aus Ihrem Lebenslauf benennen? Krauth: Die Erfahrung meiner Berufung zum Priester mit 20 Jahren war sicherlich das wichtigste Ereignis meines Lebens. Eine weitere wichtige Station war meine erste Pfarrerstelle in Ebertshausen. Hier lebte ich ein Jahr lang zusammen mit meinem Bruder Thomas im Pfarrhaus, der danach auch Pfarrer geworden ist. Er hat mich auf das Thema Kunst und Ästhetik aufmerksam gemacht - auch im Zusammenhang mit Liturgie. Ich habe mich dann sehr intensiv mit zeitgenössischen Künstlern beschäftigt und diese Thematik gleich in meine Pastoral einfließen lassen.


Als ich 1991 nach Maria Geburt kam, wusste ich, dass die 100 Jahre alte Kirche renoviert werden muss. Dabei war mir klar, dass ich die Gemeinde in Zusammenhang mit der geplanten Renovierung mit einem von der Kirche unabhängigen zeitgenössischen Künstler in Kontakt bringen will. Reintgen: Wie reagierte die Gemeinde auf die baulichen Veränderungen? Krauth: Als die Neugestaltung 8 Jahre später fertig war, war der Raum völlig verändert. Geblieben sind nur die Marienfigur und die Orgel. Die Gemeinde konnte ich auf die neue Ästhetik und neue Sprache des Künstlers Leo Zogmayer wegen Planungsschwierigkeiten kaum vorbereiten. Das hatte zur Folge, dass bei der Eröffnung viele Schweinheimer geschockt waren. Viele Menschen haben darunter gelitten, dass ihnen ihre alte Kirche entzogen worden ist. Es gab wegen der zeitgenössischen Kunstsprache einen großen Aufschrei in den Medien und in der Diözese. Viele Schweinheimer haben gemerkt, dass die Ästhetik der Reduktion ihrer Frömmigkeit nicht entspricht. Sie haben das vehement, auch emotional in Leserbriefen an die Lokalzeitung zum Ausdruck gebracht. Obwohl der Künstler und Vertreter der Gemeinde immer wieder bereit waren, die Neugestaltung zu erläutern, kamen Gespräche mit Menschen, die das Konzept ablehnten, so gut wie nicht zu Stande. Die emotionale Fixierung war einfach zu heftig. Der entstandene Konflikt war einer der schwierigsten Phasen in diesem Projekt. Reintgen: Ein solcher Eingriff in die Raumgestaltung hat sicherlich Konsequenzen für die Art und Weise, wie Liturgie gefeiert werden kann. Krauth: Mir war klar, in diesem Raum kann Liturgie nicht einfach so weitergehen, wie vor der Renovierung. Daraufhin haben wir im Liturgiekreis und Pfarrgemeinderat die Liturgie dem Raum entsprechend gestaltet, um die neuen Chancen dieses Raumes zu nutzen und die Vorgaben der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils in der feiernden Gemeinde konkret in die Tat umzusetzen. Prinzip unseres Handelns wurde immer mehr das künstlerische Moment der Reduktion. Sie sollte es ermöglichen, dass Dinge und Gesten, Gebärden und Choreographien neu zu sprechen beginnen. Reintgen: Der Internetauftritt ihrer Pfarrei wirkt sehr professionell. Angefangen von einer aufwendigen Flash-Technik bei der Programmierung bis hin zu exzellenten Fotos. Wie haben Sie den Internetauftritt entwickelt? Wo haben Sie Hilfe bekommen, wer hat Sie unterstützt. Krauth: Neben der Neugestaltung der Liturgie-Ästhetik für unsere Gemeinde war uns schon vor Jahren klar, dass wir die neuen Medien nutzen müssen, um dieses Projekt auch weiteren Kreisen bekannt zu machen. So kam es zur Entscheidung, eine Homepage einzurichten. Mir war wichtig, dass es nicht irgendeine wird. Sie sollte vielmehr der Ästhetik unseres Kirchenraumes möglichst gut entsprechen. Und so führte ich Gespräche mit unserem Künstler, der gleich dazu bereit war, das Vorhaben zu unterstützen und einen ihm bekannten Web-Designer einzubeziehen. So ist dieser Homepage-Auftritt www.maria-geburt.de in einer “Dreiecksbeziehung” allmählich


entstanden. Die Gemeinde hat vor allem die Fotos und Texte geliefert, Design und Organisation der Homepage wurde vom Designer entwickelt. Die entstandene Übereinstimmung zwischen Raum, Liturgie und Medienauftritt ist eine gelungene Sache. Inzwischen gibt es auch einen Gemeindeblog dialog.mariageburt.de. Hier können Interessierte nun auch mittels einer interaktiven Plattform kommunizieren. Ebenso haben wir bei Facebook eine Seite!www.facebook.com/KircheMariaGeburt eröffnet, um so unterschiedlichen Menschen einen Zugang zu unserem Gemeindeleben zu ermöglichen. Reintgen: Wie organisieren Sie es, dass der Internetauftritt aktuell bleibt? Krauth: Die Internetauftritt wird im Wesentlichen von mir organisiert, zusammen mit unserer Sekretärin und unserem Gemeindefotografen. Er liefert die aktuellen Bilder, die sich aus der Liturgie und dem Gemeindeleben ergeben. Ich wähle sie aus, bearbeite sie und stelle sie dann ein oder übergebe sie der Sekretärin. Reintgen: Überprüfen Sie, ob der Internetauftritt erfolgreich ist? Bekommen Sie Rückmeldungen hierzu? Krauth: Überprüfen können wir das schon, vor allen Dingen in Facebook, dem Gemeindeblog und neuerdings bei Youtube www.youtube.com/feed/?feature=guide. Wir bekommen auch immer wieder begeisterte Rückmeldungen von Leuten aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Wer auf unsere Homepage stößt, merkt, das ist ein stimmiges Konzept. Es spricht viele Menschen an, worüber wir uns sehr freuen. Reintgen: Der Webauftritt hat eine besonders für Menschen aus den gehobenen Milieus (Performer, Liberal intellektuelle, Sozialökologische, Konservativ-etablierte) ansprechende Wirkung. Ist die Zuspitzung auf diese Zielgruppe beabsichtigt? Haben sie in ihrer Pastoral eine besondere Zielgruppe im Blick? Krauth: Wir haben weder in unserer Gemeindepastoral noch in der Liturgie oder auch beim Internetauftritt irgendeine Zielgruppe im Sinn. Mir geht es darum, das Evangelium in heutiger Sprache und Ästhetik zur Geltung zu bringen. Und ob das jetzt jemand aus dem Milieu der Performer oder des konservativen Milieus, ob das einen 80-jährigen oder 16-jährigen anspricht, das ist mir nicht so wichtig. Wichtig ist, dass die Stimmigkeit und Glaubwürdigkeit von Inhalt und Form gegeben ist. Reintgen: Wer sich den Internetauftritt genauer anschaut, kann den Eindruck gewinnen, dass der Kirchenraum eine besondere Bedeutung für die Gemeinde hat. Es gibt keine festen Bänke sondern eine flexible Bestuhlung. Für jeden Gottesdienst scheint der Raum neu arrangiert zu werden. Wie ist es dazu gekommen, dass die Kirche so eingerichtet wurde? Krauth: Ja, in der Tat hat dieser Kirchenraum unsere Liturgie stark verändert.


Und die Liturgie, wie wir sie feiern, hat die Atmosphäre in der Gemeinde gewandelt. Vor allen Dingen ist der Umgang der Menschen miteinander während der Liturgie, vorher und nachher heute anders als noch vor Jahren . Das geht hinein bis ins Gemeindeleben, denn die Vorgabe des Raumes ist ja nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine spirituelle. Dem Künstler war es wichtig, mit der Formsprache der Reduktion in diesem Raum zu zeigen, dass Gott eben kein Bild ist. Wir sollen uns kein Bild von ihm machen, von keinem Menschen und eigentlich von nichts. Es geht darum, der Wirklichkeit wirklich zu begegnen und nicht über Bilder. Der spirituelle Ansatz geht natürlich über den Kirchenraum hinaus. Er wirkt sich aus in Gesprächskreisen, dem Religionsunterricht bis hin in zu Sozialkreisen, die sich in Nachbarschaftshilfe engagieren. Dieser Ansatz, der aus dem Geist des großen Mystikers Meister Eckhart lebt, ist auch Thema in Glaubenskursen. So versuchen wir, das Spirituelle und das Ästhetische zusammenzubringen, da Innen und Außen - Seele und Haut könnte man beim Körper sagen - einfach eine Einheit bilden. Reintgen: Gibt es eine Strategie bzw. ein Konzept, das hinter der Pastoral der Pfarrei steht? Wer hat das Konzept entwickelt? Wer hilft mit dabei, es umzusetzen? Krauth: Das Konzept ist natürlich wesentlich mitentwickelt durch den starken spirituellen und ästhetischen Impuls des Künstlers Leo Zogmayer. Diesen Ball haben wir aufgegriffen und spielen ihn weiter. Dabei sind viele beteiligt, das sind die hauptamtlichen Mitarbeiter, das ist der Liturgiekreis, das ist der Pfarrgemeinderat, das sind die Lektoren, die Kommunionspender. Wir haben eine eigene Brotbackgruppe und eine Paramentengruppe, die sich um die Gewänder und Textilien kümmert und neue Gewänder schneidert, Bänder, Tischdecken usw. Es sind also viele Gruppen an der Umsetzung beteiligt. Und es gibt viele Gespräche. Vom Pfarrgemeinderat wurde vor 3 Jahren ein Forum „Maria Geburt im Dialog“ initiiert. Hier diskutieren wir unterschiedliche liturgische, aber nicht nur liturgische Themen mit Interessierten der Gemeinde und darüber hinaus, z.B.: Ist Liturgie Theater, Theater Liturgie? Oder: Vom Rosenkranz zu Yoga! So tauschen wir unsere Erfahrungen aus und lernen daraus, was man noch besser machen kann. Eine Strategie haben wir keine. Pastorale Ziele, davon halte ich nichts, weil Ziele immer davon ausgehen, dass man im Augenblick noch nicht so ganz vollkommen ist. Da wird dann ein Ideal (Leitbild) formuliert, dem man nachstrebt. Dann hat man das Ziel erreicht, es kommt das nächste an die Reihe. Ein Reich-Gottes-Gleichnis beginnt mit dem Senfkorn. Das Senfkorn muss nicht das Ziel haben, endlich eine Staude zu werden. Das ergibt sich von selbst, wenn ich dem Kleinen traue und mich eben nicht gleich nach dem größten Baum ausstrecke. Deswegen leben wir sehr basal, elementar sowohl liturgisch als auch gemeindlich und bleiben bei unseren Erfahrungen und bei unseren Wahrnehmungen, bei dem, biblisch gesagt, was der Geist uns im Augenblick eingibt. Daraus entwickeln wir sozusagen unsere Pastoral und unsere Liturgie. Reintgen: Erleben Sie auch Widerstand und Blockaden in ihrer Pastoral? Krauth: Der Widerstand formierte sich durch die revolutionäre Kirchenraumgestaltung.


Viele Menschen haben gesagt, in diesem Raum kann ich nicht mehr Liturgie feiern, nicht mehr beten. Das führte dazu, dass manche in andere Pfarreien ausgewandert sind oder ihren Kirchgang eingestellt haben. Andererseits kommen neue Menschen dazu, die zum Teil auch von weiter her anreisen, weil sie einfach begeistert sind, wie hier Gemeindemitglieder miteinander in vielen Rollen und Gruppierungen lebendig Liturgie feiern und sich auch in vielen Gesprächskreisen austauschen über ihren Glauben und ihr Leben. Reintgen: Wie ist es ihnen gelungen, Gemeinde mit auf einen solchen für katholische Verhältnisse sehr ungewöhnlichen Weg zu nehmen. Krauth: Natürlich mussten wir auch schmerzhaft erleben, dass Menschen diesen Weg, den wir gehen, nicht mitgehen konnten und können. Und es ist zugleich sehr erfreulich, dass bis heute Zugezogene und andere Menschen, die auf uns aufmerksam werden, von außen hinzukommen und begeistert sind. Sie finden hier das, was sie im Innersten schon immer gesucht haben. Und so verbinden sich die Menschen vor Ort mit denen, die zum Ort kommen. Das geschieht in großer Offenheit und Herzlichkeit. Die meisten fühlen sich sehr schnell willkommen und integriert. Reintgen: Was sehen sie als größte Herausforderung der Pastoral vor Ort? Krauth: Anfangs war für mich die größte Herausforderung, mich mit der spirituellen Botschaft dieses Raumes auseinander zu setzen. Also mit den Fragen der Reduktion auf das Wesentliche, mit der Leere, was heißt Leere, wie kann sich Leere füllen? Was ist der Unterschied zwischen Fülle und Völle? Wie merken wir, was in diesem Raum geht und was nicht geht? Wie ist das Verhältnis von Gottesbild und Gottes Wirklichkeit? Also kamen viele Fragen, die dieser Raum uns gestellt hat und die auch mich durch viele Gespräche verwandelt haben. So ist es mir wichtig geworden, den Menschen die spirituelle Botschaft des Evangeliums, seine spirituelle Kraft zu eröffnen und zu erschließen, damit diese literarische Quelle nicht in irgendeiner Frömmigkeit geparkt wird. Vielmehr soll sich seine Kraft in der Existenz des Einzelnen wie in der Gemeinde entfalten. Dann zeigt sich: Wenn ich dem Evangelium wirklich traue und mich wirklich auf Gott einlasse und nicht Gottesbildern nachlaufe, ist das ein Gewinn für meinen Alltag. Deswegen ist für uns der spirituelle Austausch von entscheidender Bedeutung, ob im Einzelgespräch, in der Gruppe oder z.B. während oder nach der Predigt. Weiterhin stellt sich die Herausforderung, sich neuen Impulsen zu öffnen, auf das zu hören, was den Einzelnen bewegt, was er sucht und in erster Linie natürlich, sich selbst treu zu sein. Reintgen: Welche Vision von Gemeinde bzw. Kirche treibt sie an? Gibt es biblische Texte, die für ihre Pastoral besonders leitend sind? Krauth: Von Vision als Leitbild halte ich nicht sehr viel. Was für mich am wichtigsten ist, ist die Visio, das heißt die Schau. Dass wir wirklich zum absichtslosen, nicht bewertenden Schauen dessen kommen, was sich unter uns zeigt und


genau so zum Hören. Wir haben in der Kirche seit 4 Jahren ein weißes Glasbild von Zogmayer hängen, in dem die Buchstaben des Wortes „schön“ ausgespart sind. Das Wort „schön“ kommt etymologisch von schauen. Das heißt, wenn ein Mensch absichtslos einfach schaut, sich von etwas faszinieren lässt, darin eintaucht, ohne Vorurteil, dann kann er die Erfahrung des Schauens und des Schönen machen, das etwas anderes ist, als etwas subjektiv schön zu finden. Davor hing ein biblisches Zitat an der Wand, das Gleichnis, das Jesus erzählt: „Als einer eine besonders kostbare Perle fand, ging er hin verkaufte alles, was er hatte und kaufte sie.“ Das ist heute zentral in unserer Gesellschaft, in der die Menschen überfordert sind durch Sinnesreize und Stress. Das Gleichnis ermuntert uns, Mut zu fassen, umzukehren. Deswegen war das Gleichnis in Spiegelschrift geschrieben. Es geht darum, im Kontrast zur Gesellschaft zu leben und sich nicht von dem Vielen anziehen zu lassen, sondern bei dem EINEN zu bleiben. Reintgen: Lieber Herr Krauth, herzlichen Dank für Ihre Bereitschaft zu diesem Gespräch! Links: Homepage www.maria-geburt.de Facebook www.facebook.com/KircheMariaGeburt 4/2013


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