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marfa Foto: Elusive Muse auf www.flickr.com

OPER _ n _ LEBEN

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EXZELLENT! Exzellenz findet sich neuerdings überall – und zwar nicht nur als Ausdruck einer bemerkenswert guten, herausragenden Leistung, sondern vor allem auch als Gütesiegel für besonders förderungswürdige Projekte und Taten. Höchste Zeit, dass auch wir auf zehn Seiten marfa diesem Phänomen auf den Grund gehen ...

Foto: hobvias sudoneighm on www.flickr.com

besser geht‘s nicht

EXZEL

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Exzellenz findet sich neuerdings überall – und zwar nicht nur als Ausdruck einer bemerkenswert guten, herausragenden Leistung, sondern vor allem auch als Gütesiegel für besonders förderungswürdige Projekte


Seit 1935 gibt es sie nun schon. Sie kommen in einer großen Vielfalt und überaus bunt daher, sind total erfrischend und für den puren Genuss bestimmt: Die Fab Five des US-amerikanischen Süßwarenherstellers Life Savers. Damals wurden die ursprünglichen Sorten des heute noch berühmten Lutschbonbons mit dem Loch in der Mitte – Limette, Limone und Orange – erstmalig mit den neuen Sorten Kirsche und Ananas zusammengebracht. Fortan sollte dieses Quintett in die Geschichte der Zuckerleckereien eingehen – als Five Flavor Life Savers Lutschbonbon-Rolle.

Kaum mehr als 80 Jahre später sollte etwas Ähnliches in der Orchesterlandschaft Deutschlands geschehen. Hier wurde auf ganz eigene Art und Weise das bestehende, längst etablierte, aber bei weitem nicht überall ausreichende Subventionssystem der deutschen Orchester auf Länder- und kommunaler Ebene um ein großzügiges und großflächig angelegtes Zusatzförderungsprojekt erweitert, bei deren Kreation bunte Vielfalt, Erfrischung und Genuss Pate standen. Die Initiative „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ soll Orchestern die Chance eröffnen, innovative und

beispielhafte Projektideen zu verwirklichen. Ziel ist – laut einer Pressemeldung der Staatsministerin für Kultur und Medien – der Erhalt der weltweit einmaligen künstlerischen Vielfalt der deutschen Orchesterlandschaft. Ziel ist aber ohne Frage auch die Deckung der Finanzierungslücken, die in vielen Haushalten der Orchester hierzulande klaffen. Nicht zu Unrecht fordert die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) in einem Positionspapier vom 13. April 2018, den Bund bei der finanziellen Ausstattung der Orchester in Deutschland mehr und konsequenter in die Pflicht zu nehmen.

Fotos: wackystuff / Elusive Muse auf www.flickr.com

Life Savers - die Förderinitiative „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ des Bundes für ausgewählte innovative Projekte kommt lebensrettenden Maßnahmen gleich, füllt sie doch vielerorts die klammen Kassen der Orchester zumindest über den Zeitraum von drei Jahren. Was aber genau passiert da?

ERFRISCHEND, ANDERS, LEBENSRETTEND ...

Von Sascha Reuter


Das Papier des DOV lobt die Exzellenz-Initiative des Bundes, fordert aber dabei zugleich, dass solche Impulse langfristig verstetigt und weiter ausgebaut werden. Denn was genau macht die Initiative? Sie fördert insgesamt 31 innovative Projekte bei 29 öffentlich finanzierten Orchestern, die in den kommenden drei Jahren umgesetzt werden können. Sie werden aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin mit insgesamt rund 11,1 Millionen Euro unterstützt. Viele Projektideen beschäftigen sich mit den Perspektiven der Musikvermittlung, den Möglichkeiten neuer Medien und der Digitalisierung sowie einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit. „Der Bund will die geförderten Orchester darin bestärken, auf ständig wachsende, auch internationale Herausforderungen zu reagieren und ihre künstlerische Qualität und Ausstrahlung weiter zu entwickeln, um dann langfristig Exzellentes zu leisten. […] Vielen Orchestern fehlen wegen der angespannten Kommunalhaushalte Spielraum und Ressourcen, neue Wege einzuschlagen und sich wichtigen Zukunftsfragen der Gesellschaft und der Entwicklung der Musikkultur zu stellen“, so Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Das Förderprogramm „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ wurde

Exzellenz-Initiative zu Beginn des 20. Jahrhunderts: In mehr als 500 Darstellungen erklärte ein Handbuch um 1910 die Instrumente des modernen Orchesterapparats

vom Deutschen Bundestag beschlossen und hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Auf die Ausschreibung der Projektförderungen hatten sich, vermutlich auch aufgrund der Kurzfristigkeit der Maßnahme und einer nur 6-wöchigen Ausschreibungsfrist, nur 49 Orchester von insgesamt 129 Berufsorchestern in Deutschland beworben. Eine etwas dünn besetzte Jury entschied dann kurzerhand über die Auswahl der Projekte und die Verteilung der Gelder.

AUS SECHS MACH NEUNUNDZWANZIG Alles an dieser Initiative wirkt etwas improvisiert. Und das aus einem guten Grund: Der großflächigen Ausschreibung war ein ungewöhnlich elitärer, zur Exzellenz-Idee aber irgendwie passender Prozess vorausgegangen. Wie das OnlineMagazin VAN umfassend recherchiert und dargelegt hat (van.atavist.com/exzellenteorchesterlandschaft), geht die gesamtdeutsche Initiative auf einen Vorstoß der Hamburger Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs (SPD) und Rüdiger Kruse (CDU) zurück, die die Situation eines recht entspannten Bundeshaushaltes dazu nutzen wollten, sechs Orchestern mittlerer Größe mit 60-90 Musiker*innen, die keine direkten Landesorchester sind und nicht zu den großen Playern zählen, etwas Gutes zu tun. Dem ist zunächst nichts Verwerfliches anzuheften. Wenn man allerdings die recht ungewöhnlich umfassende Dimension einer außerordentlichen Förderung von

900.000 Euro pro Jahr und Orchester über die Laufzeit von fünf Jahren betrachtet – insgesamt reden wir also von einer Summe von 4,5 Mio. Euro pro Jahr und 27 Mio. über die gesamte Laufzeit –, dann muss man auch nachvollziehen, dass die Kulturstaatsministerin „not amused“ war, als sie erfuhr, dass dieses Maßnahmenpaket ohne ihr Dazutun und quasi vom Haushaltsausschuss des Bundestags an ihrem Schreibtisch – und denen vieler Orchesterintendanten in Deutschland – vorbei entschieden wurde. Kurzerhand durften die sechs zuvor ausgewählten Orchester etwas um ihre Sonderförderung zittern, dann hatte das Warten ein Ende: Das für die Initiative vom Haushaltsausschuss bereitgestellte Geld wurde für alle Orchester in einer offiziellen, wenngleich nicht sonderlich präsenten Ausschreibung zugänglich gemacht. Die Höchstfördersumme war nun um die Hälfte auf 450.000 Euro reduziert, das Programm wurde auf eine Laufzeit von drei Jahren verkürzt bei einer optionalen Verlängerung um zwei Jahre nach Evaluation.

ZEIT FÜR DIE VERLÄNGERUNG Im Sommer gehen die Orchester mit ihren Projekten in das dritte und vorerst letzte Förderjahr. Höchste Zeit, einmal zu schauen, was aus dem Geld eigentlich geworden ist. Und hier sind die Ergebnisse überaus unterschiedlich. Der Großteil der Orchester ist sichtlich stolz auf die Teilhabe an der Initiative.


Sie untermauern das mit ausladenden Darstellungen und Projekt-Präsentationen auf ihrer Homepage. Bei einigen wiederum reicht die Abbildung des Logos der Staatsministerin für Kultur und Medien bei den dem Projekt zu dankenden Konzertformaten. Bei einigen wenigen fehlt der Bezug zur „Exzellenten Orchesterlandschaft Deutschlands“ nahezu ganz. Doch schauen wir ruhig mal etwas genauer hin ... Drei etwas willkürlich ausgewählte Beispiele für unterschiedlich geartete und gelungene Umsetzungen der Idee seien hier ausführlicher vorgestellt: die Projekte der Jenaer Philharmonie, des Jewish Chambre Orchestra München und – last, but noch least – der Symphoniker Hamburg als ursprüngliche Ideen-Geber der Exzellenz-Initiative.

JENAER PHILHARMONIE In Jena wurde das Projekt so ernst genommen, dass man gleich zwei Stellen dafür geschaffen hat – eine Projektkoordination und eine künstlerische Leitung. Diese entwickeln unter der Dachmarke „Exzellente Zukunft“ im Programm „Perspektiven/Passagen“ neue Formate, Ideen und Zugänge für das Publikum von morgen: „Neue Perspektiven können neue Konzertorte, Programmabläufe oder auch Programmgestaltungen sein, CrossoverProjekte, moderierte Konzerte für die ganze Familie, Workshops zu scheinbar weit entfernten Themen, alles ist möglich.“ Das umfassende Internetangebot stellt dem Leser viele Fragen, gibt aber an eben jener Stelle wenig Antworten. Diese wird man hoffentlich an einem der Thementage im Volkshaus finden, an denen das Konzerthaus den ganzen Tag über geöffnet und bespielt wird und die Besucher*innen die Möglichkeit haben, einem Gastkünstler zu begegnen und ihn auf unterschiedlichste Weise näher kennenzulernen. Zudem wird der Konzertkalender in der Förderinitiative mit besonderen Konzerten ergänzt.

SYMPHONIKER HAMBURG Intendant Daniel Kühnel und die Musiker*innen der Symphoniker Hamburg leben den Gedanken der Exzellenz-Initiative nicht erst seit Beginn des Förderprogramms. Von jeher steht der Name Kühnel für ausgefallene Programme mit hochmotivierten Musikern unter namhaften und

EXZELLENTE •ORCHESTERLANDSCHAFT •DEUTSCHLAND ERHALT DER WELTWEIT EINMALIGEN KÜNSTLERISCHEN VIELFALT DER DEUTSCHEN

international anerkannten (Chef-)Dirigenten. Und so stammt die Idee der Exzellenz-Initiative vor allem auch aus Hamburg – und das eben nicht nur aus der guten Verbindung des Intendanten zu dem besagten Bundestagsabgeordneten Rüdiger Kruse, sondern allem voran aus seiner tiefsten Überzeugung. Die Symphoniker Hamburg fühlen sich als „denkendes Orchester“ dem Dreiklang aus „Neu-Eröffnen“, „Beschützen“ und „Forschen“ verpflichtet. Das Programm der Symphoniker Hamburg besteht aus fünf aufeinander aufbauenden Modulen: „RoomINg“ verbindet Musiker*innen und Zuhörer*innen über das gemeinsame ästhetische Erleben von ausgefallenen Programmen. Mehrsprachige Angebote in Programmheften oder Einführungen sprechen dabei auch fremdsprachige Communities in Hamburg an. Die „Orchesterakademie“ hat sich der umfassenden Förderung von Nachwuchsmusikern verschrieben, das „MovINg Orchestra“ bringt den Klangkörper zu den Menschen vor allem in Problembezirken und Randgebieten der Stadt. Im Orbit des „Orchester-Feuilletons“ gibt es Raum für viele Gedanken und deren Äußerungen – zum Beispiel in der deutschlandweit

erhältlichen, höchst philosophischen Zeitschrift „Sym,“. Das „Symphonic Orchestra 3.0“ schließlich erweitert auf der Basis aller zuvor beschriebenen Elemente den musikalisierten öffentlichen Raum in die virtuelle Welt, entwickelt innovative digitale Aufführungskonzepte und Vermittlungsformen von Musik und Konzert.

JEWISH CHAMBRE ORCHESTRA MÜNCHEN Das Jewish Chambre Orchestra München hat sich ganz etwas Besonderes ausgedacht und eine Opernschule ins Leben gerufen, in der rund 100 Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 18 Jahren zusammen mit Profis eine Neuinszenierung von Benjamin Brittens Oper „Noahs Flut“ erarbeiten. Dafür bekommen sie Unterrichtsstunden für Gesang und Instrumente und nehmen an speziellen Workshops teil. Ende des Jahres wird die dann fertig inszenierte Oper in München und Umgebung mehrmals aufgeführt. Wer nicht auf der Bühne stehen will, kann sich in einem der vielen Bereiche hinter den Kulissen einbringen. Gefragt sind Helfer für Regie, Bühnenbild, Kostüm und


Die (Orchester-)Landschaft in bunt schillernden Streifen als Abbild ihrer Vielseitigkeit und Exzellenz Inspiriert von den früheren Werken des britische Künstlers Tom Phillips (*1937) übersetzen wir hier real existierende Landschaften blühender Tulpenstreifen in faszinierend bunte Farbtableaus – symbolischer Ausdruck der Umsetzung von innovativen Projektideen in Formen und Strukturen, die diese erst lebendig werden lassen. Der Akt dieser zuvor beschriebenen, für die Initiative „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ so wichtigen Transferleistung wird hier zur harmonisch klingenden, erlebbaren Fläche der in sich doch so unterschiedlich leuchtenden Farben.

MENSCHEN • KLÄNGE • FARBEN • IDEEN • FORMATE

Fotos: Roel van Deursen /Neeson Hsu / Elusive Muse auf www.flickr.com

ORCHESTERLANDSCHAFT

DURCH

INNOVATIVE

Maske, Licht, Dramaturgie sowie natürlich Social Media und PR. Das Beste an der ganzen Sache? Wer nicht allein kommen will, der darf seine Eltern mitbringen. Trotz aller Anlaufschwierigkeiten wird man den Eindruck nicht los, dass hier Gelder einem sehr guten und sinnvollen Zweck zugeführt werden. Aber wie geht es nun weiter? Aus dem Bundesministerium ist folgendes zu vernehmen: „Das Förderprogramm ‚Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland‘ war zunächst für drei Jahre ausgeschrieben. Die Bundesregierung bereitet für den Herbst 2019 eine erneute Ausschreibung des Programms ab der Konzertsaison 2020/21 wiederum über drei Spielzeiten vor.“ Auch eine Dokumentation der Ergebnisse soll es geben: „Es ist eine Form der öffentlichen Auswertung der sehr heterogenen Projekte der ersten Runde im Rahmen einer Veranstaltung vorgesehen, weil der Mehrwert an Erfahrungen und Ideen auch Verbreitung finden soll.“ Über das genaue Format dafür sei aber noch nicht entschieden. Bei aller Freude über den Geldsegen für Deutschlands Orchester bleibt zuletzt der trübe Beigeschmack einer mangelnden Stringenz. Plötzlich ist von der möglichen

UND

EINZIGARTIGE

PROJEKTIDEEN

Verlängerung um zwei Jahre nicht mehr die Rede. Stattdessen gibt es eine NeuAusschreibung – wenn auch nicht unbedingt für die bereits ins Programm aufgenommenen Orchester. Da kommen zwangsläufig Fragen auf: Wie nachhaltig ist eine kurzfristige Förderung über drei Jahre? Darf man sich mit demselben Projekt noch einmal bewerben? Haben nachweisliche Erfolge Auswirkungen auf eine Wiederwahl? Wer entscheidet? Auf welcher Basis? So wird das zu Beginn bemühte USamerikanische Lutschbonbon in seiner Erscheinungsform zum bedeutungsbeladenen Sinnbild der gesamten Initiative: Es bietet süßen Genuss bei großer Diversität, scheint eine runde Sache, ist dabei aber vergänglich – und zeigt von vornherein ein großes Loch, das solange in ihm klafft, bis alles in Gänze verschwunden ist. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Initiative auf Dauer nicht auslutscht, sondern sich schnell von diesem hier definierten Sinnbild löst und recht bald zu einem sich immer wieder erneuernden Quell ungebremster Kreativität entwickelt.


Münchener Symphoniker [k.A.] „Konzert 2.0“ – genreübergreifende Projekte an ungewöhnlichen Orten für junges Publikum // www.muenchner-symphoniker.de / Elbland-Philharmonie Sachsen [k.A.] „Symphonix“ und „composers in region“: Workshops mit Kompositionsabteilungen von Musikhochschulen zur Entwicklung neuen Repertoires für Kinder-/Jugendkonzerte, mediale Präsentationsplattform für die Projektergebnisse im Internet // www.elbland-philharmonie-sachsen.de / Philharmonisches Orchester der Stadt Trier [375.000 Euro] Kompositionswettbewerb: Jugendliche ohne Nähe zur Kultur erarbeiten gemeinsam mit bereits musizierenden Jugendlichen, professionellen Orchestermusikern und einem Choreographen die Aufführung eines neu komponierten Werkes // www.theater-trier.de / Hofer Symphoniker [k.A.] Digitalisierungsprojekt „Symotiv“ soll das Orchester in der Virtuellen Realität erlebbar machen // www.hofer-symphoniker.de/ Ensemble Modern Frankfurt am Main [k.A.] nichts zu finden im Netz, aber ohnehin ist das Ensemble Modern ein so intellektuelles und innovatives Ensemble, dass man erwartet, es erarbeitet mit dem Geld eine ganz klassische Aufführung von Mozarts Jupiter-Sinfonie // www.ensemble-modern.com / Jewish Chamber Orchestra [k.A.] Opernschule, die 100 Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 18 Jahren aus sozial benachteiligten Familien im Raum München die Möglichkeit bietet, in Workshops und Unterricht einen Einblick in sämtliche Bereiche des professionellen Musiktheaters zu erlangen // www.jcom.de / Philharmonisches Orchester Gießen [175.000 Euro] partizipatives Stadt-Projekt, das SURROGATE CITIES von Heiner Goebbels mit dem Philharmonischen Orchester szenisch zur Aufführung bringt // www.stadttheater-giessen.de / Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus [450.000 Euro] „Neue Musik in den neuen Medien“ – keine weiteren Erläuterungen // www.staatstheater-cottbus.de / Stuttgarter Philharmoniker [k.A.] „Nachtschwärmer-Konzerte“: 5 Konzerte mit besonderen Programmen zu außergewöhnlicheren Zeiten // www.stuttgarter-philharmoniker.de / Neue Lausitzer Philharmonie [mittlerer sechsstelliger Betrag] „Wir Jsme Nowi“: junge Menschen der trinationalen Region werden mit multimedialen Angeboten, „Streetteams“ im urbanen Raum sowie Konzerten in Bildungseinrichtungen an die Orchesterarbeit herangeführt // www.g-h-t.de / Stuttgarter Kammerorchester [k.A.] Education-Programm „SKOhr-Labor“: Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Herkunft finden über das gemeinsame Musizieren zueinander und erleben die Welt der Orchestermusik gemeinsam völlig neu // www.stuttgarter-kammerorchester.com / Philharmonisches Orchester Vorpommern [k.A.] Brittens „War Requiem“ in Greifswald, Stettin (Polen), Klaipeda (Litauen) und Berlin // www.theater-vorpommern.de / Musikfabrik Landesensemble NRW [k.A.] „Linkage!“: gekoppelt an die Uraufführungsreihe „Musikfabrik im WDR“ gehen Schulklassen aller Schulformen mit den Musiker*innen des Ensemble Musikfabrik in einen kreativen Austausch, dessen Ergebnisse in einem Konzert präsentiert werden // www.musikfabrik.eu / Philharmonisches Orchester Bremerhaven [100.000 Euro] Ausbau der Musikvermittlungsangebote sowie des Marketings // www.stadttheaterbremerhaven.de / Bremer Philharmoniker [76.000 Euro] Instrumente, Fahrzeug und Honorare fürs erste Jahr des „PhilMobils“, das Musiker zu Kindern bringt // www.bremer-philharmoniker.de / Lüneburger Symphoniker [k.A.] Sonderpublikation über die Lüneburger Symphoniker und das Programm in der Spielzeit 2018/19 // www.theater-lueneburg.de / Staatsorchester Braunschweig [550.000 Euro] Audiowalk „Inside the Orchestra“ eröffnet dem Publikum neue Sicht- und Hörweise auf die Orchestermusiker*innen, Sounds und Interviewmaterial führen die Besucher*innen bis zu drei Stunden durch das Große Haus des Staatstheaters // www.staatstheater-braunschweig.de / Mahler Chamber Orchestra [k.A.] UNBOXING MOZART: experimentelle, interaktive Form der Konzerteinführung, bei denen Teilnehmer*innen durch Soundboxen mit Tablet Werke der klassischen Musik neu entdecken, eine Kooperation mit der Aventis Foundation und der Stiftung Berliner Philharmoniker // www.mahlerchamber.com / Norddeutsche Philharmonie des Volkstheaters Rostock [200.000 Euro] Plattform für Neue Musik gemeinsam mit der Hochschule für Musik und Theater Rostock (HMT), um zeitgenössische Kompositionen und Musiktheaterwerke einzustudieren // www.volkstheater-rostock.de / Bochumer Symphoniker [k.A.] Ausbau der Arbeit im Musikforum und Ansprache neuer Publikumsschichten // www.bochumer-symphoniker.de / Brandenburger Symphoniker [300.000 Euro] „REACH“ soll Bürger*innen auch in kleineren Orten mehr Möglichkeiten bieten, hochwertige Musikangebote zu erleben. Dabei sind Konzerte an ungewöhnlichen Spielstätten angedacht ebenso wie die Wiederbelebung kultureller Räume // www.brandenburgertheater.de / Philharmonische Orchester Altenburg-Gera [250.00 Euro] „Zukunftsmusik ostwärts“ als Stärkung der klangvollen Kontakte nach Rumänien und Ungarn mit Gastspiel-Austausch, Vergabe von Kompositionsaufträgen an Tonschöpfer aus den beiden Ländern // www.tpthueringen.de / Ensemble Resonanz [k.A.] 3-tägiges resonanzraum Festival mit Schwerpunkt zeitgenössischer Strömungen globaler Musiktraditionen gemeinsam mit international renommierten Solisten, DJs und Live-Elektronikern, Klangkunst aus fremden Kulturen, Uraufführungen, elektronische Kunst ... // www.ensembleresonanz.com / Sächsische Bläserphilharmonie Bad Lausick [300.000 Euro] Projektarbeit, aber auch Neubesetzung vakanter Stellen // www.saechsische-blaeserphilharmonie.de / Jenaer Philharmonie [1,01 Mio. Euro] 2 neue Stellen für Projektkoordinator und künstlerische Leitung des Exzellenz-Projekts „Neue Perspektiven“: neue Konzertorte, Programmabläufe, Programmgestaltung, Crossover-Projekte, moderierte Familienkonzerte, Workshops … // www.jenaer-philharmonie.de / Philharmonisches Orchester Hagen [k.A.] „Auf nach Wir“: interkulturelle Konzerte für Geflüchtete // www.theaterhagen.de / Symphoniker Hamburg [1,35 Mio. Euro] „ThinkINg Orchestra“ präsentiert die ganzheitliche Herangehensweise des [mit-]denkenden Orchesters an fünf aufeinander aufbauende Module: RoomINg, Orchesterakademie, MovINg Orchestra, Orchester-Feuilleton und Symphonic Orchestra 3.0 // www.symphonikerhamburg.de / Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz [1,35 Mio. Euro] konzipiert und realisiert zahlreiche Projekte, darunter die Cross-Over-Reihe „Unlimited“, das große Beteiligungsprojekt „Daheim – eine Odyssee“ sowie das Musikvermittlungsprogramm „Erster Schritt“ // www.philharmonie-konstanz.de / Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach [300.000 Euro] Aktionen zur Förderung der Präsenz und Wahrnehmbarkeit: Kooperation mit dem örtlichen BasketballBundesligaverein „Rockets“ in Form einer Musik-Basketball-Akademie und „Music in Motion“, z. B. mit einer Komposition für Schlagzeuger mit Basketbällen // www.thphil.de /

NAME • FÖRDERSUMME • PROJEKTBESCHREIBUNG • URL

EIN ÜBERBLICK ALLER IM NETZ FREI VERFÜGBAREN INFORMATIONEN ZU DEN PROJEKTEN DER ALS „EXZELLENT“ ZU BEZEICHNENDEN ORCHESTER IN DEUTSCHLAND, SOFERN VORHANDEN ...


cover / D / sign ...

Buchcover sind nicht nur wichtige Entscheidungshilfen im Kaufprozess, sie spiegeln im besten Fall auch die Idee eines Werkes wider und geben viel Spielraum für assoziative Bewusstseinserweiterungen. Hier sind einige Buchempfehlungen – umrahmt von thematisch, farblich oder wie auch immer passenden Begleitprodukten ...

www.selekkt.com

ZEITGENÖSSISCHE OPER IN DEN USA Die Palm Leaves Tapete von Cole & Son gehört zu der „Contemporary Restyled“ Kollektion. Die Tapete sorgt dank der großen Palmenblätter für eine exotische Urlaubsatmosphäre in Ihrem Zuhause – und ist stilistisch zu hundert Porzent mit dem momentan aus den USA herüberschwappenden Glam-Chic, vereinbar, der auch ihr zu Hause in eine Hollywood-Villa verwandelt. www.nordicnest.de

VLO design präsentiert in der Kollektion „Neue Planeten“ eine Hängelampe in Altrosa, die nicht nur bestes Licht auf ihren Lieblingsleseplatz wirft, sondern auch sonst eine wunderschöne Figur macht. Fast so dramatisch wie viele der Stoffe, die von vornehmlich amerikanischen Komponisten in den vergangenen 20 Jahren von der Theaterbühne über die Kinoleinwand auf die Opernbühne der USA geholt wurden.

Man muss leider noch bis zum Frühjahr 2020 warten, dann aber zeichnet Frédéric Döhl im Neofelis Verlag das Bild einer besonderen Gattungsentwicklung im Opernbereich: Als Oper neu gedeutete amerikanische Theaterstücke oder Bücher, die zwischendurch eine bekannte Filmfassung erfahren haben.

Dieses Objekt sieht vielleicht aus wie ein fliegender Teppich, ist aber (leider) keiner. Dessen ungeachtete passt er ganz wunderbar zu orientalischsinnlichen Stunden im trautem Heim – und zur Rückkehr des ZeichentrickKlassikers „Aladdin“ als fantastisch gemachter Realfilm in unsere Kinos. Ein Kinostoff, der bekanntlich über die Musical-Bühnen seinen Weg zurück in die Filmpaläste fand. www.arteespina.com

BÜCHER, TITEL, DIMENSIONEN


Kaum ein Sneaker, der nicht irgendwie versucht, die Brücke zwischen Style-Vergangenheit und neuem Design zu schlagen – ganz in der Tradition eines Berthold Brecht: Dieser adidas Schuh ist vom Nite Jogger von 1976 inspiriert und bringt den Retrostyle von damals mit reflektierenden Details wieder auf die Straßen von heute. www.asphaltgold.de

Gestapelt fast zu schön, um ihn einzeln zu verwenden, einzeln nicht einmal im Ansatz so plump wie mancher Kollege aus der Stapelstuhlfamilie – die Idee des Brechtschen Verfremdungseffekts auf der Bühne als Sitzgelegenheit für Design-Fetischisten: „Metrik“ ist ein Stück klare, nachhaltige und sehr integrierte Gestaltung. Er vereint den klassischen Aufbau eines Freischwingers mit modernster Kunststofftechnik. Der Stuhl besticht durch eine weiche und ergonomische Innenseite in Verbindung mit einer klar strukturierten und sachlichen Außenform. Mit diesem Motorradhelm von Nitrinos wird jede noch so wilde Motorradbraut zum geheimnisvollen Kätzchen – und nimmt das sie umgebende Umfeld inkognito ins Visier. Es erübrigen sich weitere Ausdeutungen der symbolhaften Parallelität dieses ausgefallenen Gebrauchsobjekts zu den Lebensumständen eines Berthold Brecht in der damals noch jungen DDR.

www.white-id.com

„Oh show me the way to the next Whiskey Bar!“ So singen es die leichten Mädchen in der Brecht/ Weill-Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“. Hoffentlich gibt es in der gesuchten Bar auch den Oban Bay Reserve von der schottischen Westküste, denn dieser ist etwas ganz Besonderes: Als trendige „Game of Thrones Limited Edition Night´s Watch“ bietet er feindosierte Kraft, füllige Fruchtund würzige Röstnoten.

www.nitrinos.ru

DIE OPERNWELT DES BERTHOLD BRECHT Die Neuauflage der gleichermaßen umfassenden und aufschlussreichen Untersuchungen zu Brechts stets ambivalenten Bemühungen um die Weiterentwicklung der Kunstgattung Oper – ab 20. Oktober 2019, allerdings leider nur in englischer Sprache.

www.weisshaus.at


„To stay“ oder „to go“? Egal, Hauptsache ohne Plastik in wiederverwendbaren Bechern – und somit umweltfreundlich! Dann nämlich strahlt auch die Sonne von diesen Porzellan- (links) und Thermobechern (unten) aus dem Hause Pantone.

Gelb ist die leuchtendste Farbe des Farbspektrums und vermittelt dem Menschen ein Gefühl von Glück und Hoffnung. CSI-Farb- und Trendexperten blickten auf die Jugendbewegungen der 1970er Jahre zurück und ließen sich von der hoffnungsvollen Energie der heutigen Jugend inspirieren. Gelb ist eine Farbe, die die Unruhe einer Generation definiert und gleichzeitig ein Gefühl der Begeisterung für eine neue Generation vermittelt – besser hätte man die Farbe für den Titel des Buches also kaum auswählen können!

www.colourhouse.se

www.ecolorworld.com

IBA – das steht kurz für Internationale Bauausstellung, bei der in einem Projektzeitraum von bis zu zehn Jahren live erforscht wird, wie die Stadt der Zukunft aussehen kann. Unter dem Leitthema „Wissen | schafft | Stadt“ ist die IBA in Heidelberg von 2012 bis 2022 in der gesamten Stadt aktiv und hilft, Prozesse und Bauprojekte rund um das Thema „Wissensgesellschaft“ zu initiieren und umzusetzen. Dass dabei auch Gender-Problematiken eine Rolle spielen werden, ist anzunehmen. 2022 sind alle Projekte der Internationalen Bauausstellung Heidelberg „real“ zu besichtigen. www.longhorn-gin.de

IM SPANNUNGSFELD DER GESCHLECHTER Tradierte und neue Genderkonzepte und -diskurse auf den Bühnen, fehlende Gender- und DiversityGerechtigkeit dahinter ... ein interessantes Spannungsfeld – nachzulesen ab 1. September 2019 im transcript Verlag.

Ohhh ... da gibt es einen Trend? Dann sollten wir den auch mitnehmen! Nun also auch gelbe Autos bei Mercedes: Der neue Mercedes-AMG A 35 4MATIC kommt höchst schnittig und jung, vor allen Dingen aber sonnengelb daher. Und fährt mit einer Kampagne auf, die eindeutig sagt, dass die Frau am Steuer dieses sonst eher der männlichen Domäne zugesprochenen DesignObjekts sitzt – während er sein SurfBrett oder -Segel hinterherschleppt. Eine ebenso schöne wie zeitgemäße Geste aus der Marketingabteilung. www.mercedes-amg.com


„Exzellenz, Exzellenz, eine Express-Depesche!“ – ein Satz aus dem dritten Akt der Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár. Ein Satz voller Fragezeichen. Was ist eine Exzellenz? Was ist eine Depesche? Und warum ist die Express? Und ein Satz, der, wenn er nicht kommt, besonders heikel ist. Doch zurück auf Anfang. In meiner Jugend beliebte ich, im Landestheater Detmold nicht nur im Extrachor zu singen, sondern auch kleine Statisten-Rollen und mitunter sogar Mini-Sprech-Rollen in Operetten zu übernehmen. So eben auch bei der „lustigen Witwe“. Eine Mini-Sprech-Rolle mit Maxi-Wirkung, immerhin spielte ich den Kellner im sagenumwobenen „Maxim“ und – ja! – es war mein Satz, der mit den Exzellenzen und den expressiven Depeschen.

__ von Alexander Busche

LAST CALL

Exzellenz, Exzellenz ...

Allabendlich (es gab mehr als 20 Aufführungen pro Saison, weshalb ich viele Teile der Operette bis heute sehr gut auswendig kann …), allabendlich also sorgte ich mit meinem Satz aus der Nullgasse vorne links gegenüber vom Inspizienten – ich hatte den Satz aus der Gasse zu rufen, bevor ich mich dann selbst auf die Szene begab, um besagter Exzellenz, dem Grafen Danilo Danilowitsch, die Depesche zu übergeben – dafür, dass die Handlung einen friedvollen Ausgang nahm. Im Telegramm, das wiederum einem heutigen Tweet auf Papier entspricht, stand nämlich folgendes geschrieben:

„Wenn Glawari-Millionen nicht im Land verbleiben, dann droht Staatsbankrott.“ BÄM!

Plötzlich war der Graf doch in die reiche Witwe verliebt, bekannte ihr in Form eines wunderschönen Duetts, das jeder kennt, mit schweigenden, aber trotzdem singenden Lippen seine Liebe und rettete sein Land vor Ibiza-Affären und sonstigen Skandälchen. So weit, so gut. Schwierig wird es dabei nur, wenn der Kellner in der Gasse steht, sich der wunderschönen Szenerie hingibt und dabei völlig vergisst, dass er dran ist. Ich stand also da, träumte vor mich hin, wunderte mich über den auf der anderen Seite wild winkenden Inspizienten, der krampfhaft bemüht war, mich über meinen längst fälligen Auftritt zu informieren, und irgendwann dann noch mehr über die etwas seltsam laufenden Dialoge auf der Bühne: „Wo ist denn der Kellner?“

PAUSE „Mh, nicht einmal bedient wird man hier.“

PAUSE „Jetzt könnte aber mal endlich einer kommen …“

Foto: Elusive Muse auf www.flickr.com

BÄM!

Nochmal Dieses Mal aber ganz tief in meinem Hirn. OMG! Du hast deinen Auftritt vergessen!!! Jetzt aber schnell, sonst geht das Stück nie zu Ende: „Exzellenz, Exzellenz, eine Express-Depesche!“ Rauf auf die Bühne, knallrot im Gesicht, was man dank der Schminke nicht sah, Depesche an Grafen – und ab. Puh, gerade noch einmal gut gegangen. Beinahe wäre aus der lustigen eine überaus traurige Witwe geworden.

10 _ S @ orpheus

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10 S. marfa @Orpheus 04/19