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Masterstudiengang Architektur Essaysammlung Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz

Masterstudiengang Architektur Essaysammlung Vertiefungsarbeit

Herbstsemester 2015

Stadt als Versprechen Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


Titelbild: Otto Glaus, Siedlung Benziwil Emmen, 1973-1995

Masterstudiengang Architektur Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Departement Technik und Architektur Modulverantwortung: Prof. Dr. Oliver Dufner Dozierende: Prof. Dr. Oliver Dufner, Dr. Christoph Wieser


Inhalt Vorwort

3

Die Schindlerfabrik am Strip von Ebikon

11

Eine Untersuchung auf zwei Wahrnehmungsebenen Kadir Asani Synthese von Tradition und Moderne

45

Eine Untersuchung der Altstadtsanierung in Zürich unter Stadtbaumeister A.H. Steiner Dominic André Grimm Werner Müller - das andere Zürich

77

Sein Beitrag zum Diskurs um die Verkehrsführung in Zürich David Toszeghi Siedlungsmorphologie

117

Vom Zeilenbau über die gemischte Bauweise zur grossmasstäblichen Scheibe Pascal Zwyssig

Themenübersicht der weiteren Arbeiten

167

Bautensteckbriefe

217

3


Vorwort Die starke Bevölkerungszunahme seit den 1940er Jahren und der markant gestiegene Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg führte überall in der Schweiz zu einer regen Bautätigkeit. Nicht mehr das einzelne Gebäude, sondern der Siedlungsbau im grossen Massstab stand im Vordergrund. Der Wille zur Urbanität löste die „Stadt als Dorf“ ab, die Mischbauweise mit niedrigen und hohen Gebäuden, teils mit Satteldach zur besseren Eingliederung in die Landschaft, wich einer dezidiert modernistischen Haltung. Landauf landab wurden Hochhäuser gebaut und ganze Siedlungen, teils in ehemals ländlichem Kontext oder aber in Stadtnähe als eigentliche „New Towns“ nach englischem Vorbild. Parallel zur Bautätigkeit von Gemeinden, Genossenschaften und privaten Bauträgern wurde „Stadt“ auch auf der theoretischen, politischen und soziologischen Ebene diskutiert. Ausdruck dafür sind die Konkretisierung der Idee einer schweizerischen Orts-, Regional- und Landesplanung und verschiedene Studien pragmatischer bis visionärer Natur. Die bekannteste davon ist zweifellos das Manifest „achtung: Die Schweiz“ von Lucius Burckhardt, Max Frisch und Markus Kutter aus dem Jahr 1955 mit ihrem Vorschlag einer Musterstadt für 30’000 Einwohner. Wir haben uns im Herbstsemester 2015 den verschiedenen Facetten der Städtebaudebatte in der Schweiz der Nachkriegszeit gewidmet, ihren Versprechen, Wünschen und Hoffnungen. Dabei haben wir den Blick auf konkrete Realisierungen ebenso wie auf gescheiterte Projekte und Vorschläge utopischer Art, deren Denkanstösse teilweise bis heute nachhallen, gerichtet. Bekanntlich folgte auf die Euphorie des Aufbruchs in den 1970er Jahren der Rückzug ins Vertraute, dem wir uns dann – quasi als Antithese – im Frühlingssemester 2016 widmen werden. Das Semester wurde in drei Phasen unterteilt: Zunächst erarbeiteten wir uns mittels Lektüre und gemeinsamer Diskussion von Texten verschiedener Autoren, anhand von zwei Exkursionen nach Zürich bzw. Bern sowie von Inputreferaten einen Überblick sowie ein Vokabular, um das Thema zu verstehen, einzugrenzen, und für unsere eigene Argumentation nutzbar zu machen. Dieses Wissen diente im Anschluss daran als Grundlage für die eigenständige schriftliche Auseinandersetzung mit einem selbst gewählten Aspekt zum Thema welches dann wenige Wochen später als Vortrag im Plenum präsentiert und zur Diskussion gestellt wurde. In der dritten Phase wurden die formulierten Thesen weiter verfeinert und als umfangreiche Textarbeit in eine verbindliche Form gebracht. Im Fokus unserer Betrachtung stand die differenzierte Beschäftigung mit der Städtebautheorie

4


und der gebauten Realität an den Rändern der Städte. Die für diesen Reader ausgewählten, komplett abgedruckten Arbeiten zeigen die inhaltliche und methodische Breite, mit der sich die Studierenden dem Thema genähert haben. Alle Beiträge – aus Platzgründen können meist nur die Abstracts wiedergegeben werden – verbindet das Interesse, das Thema aus heutiger Sicht auszuleuchten und relevante Positionen schweizerischer Prägung auch innerhalb des internationalen Diskurses um die Begriffe Siedlung und Stadtplanung zu lokalisieren. Wir beschäftigen uns mit Themen der jüngeren Architekturgeschichte weil wir der Meinung sind, dass das entwerferische Handeln von Architekten und Architektinnen neben der eigenen Intuition hauptsächlich durch die Beschäftigung mit dem bereits Vorhandenen, sei dies der Lektüre der gebauten Realität oder die Auseinandersetzung mit theoretischen Texten genährt wird. Wir möchten im Rahmen unseres Seminars das Wissen erweitern und vor allem dazu anleiten, das eigene Handeln als Architekt kritisch zu reflektieren und die persönliche Haltung zu verorten. Wir danken allen Beteiligten für ihr grosses Engagement und ihre wertvollen Beiträge. Oliver Dufner / Christoph Wieser Im Juli 2016

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Studierende Kadir Asani / Michael Bürgi / Lukas Burkhard / Nadine Bussinger / Markus Busslinger / Cédéric Erni / André Falabretti / Dominic Grimm / Valentina Heiss / Patrick Herger / Michael Hurni / Simon Iten / Philipp Kurer / Benjamin Luchsinger / Kristina Marxer / Özgür Üstel / Samuel Pasula / Benedikt Profanter / Fabio Rainoldi / Sonja Senn / Marija Simic / Marko Stanojevic / David Toszeghi / Sven Von Euw / Kevin Walker / Timo Walker / Pascal Zwyssig Vorträge Jürg Meyer, Architekt HTL, Anliker AG, Führung Siedlung Benziwil, Emmenbrücke Prof. Dr. Angelus Eisinger, Städtebauhistoriker, Direktor RZU, Vortrag und Führung `Städtebau Zürich Nord` Dr. Andri Gerber, dipl. Architekt ETH, Städtebaudozent ZHAW, Winterthur, Vortrag `Nachkriegsstädtebau Europa` Christoph Schläppi, Architekturhistoriker, Bern, Vortrag und Führung `Stadtentwicklung in Berns Westen` Gastkritiker Schlusskritik Michael Hanak, Architekturhistoriker, Zürich Christoph Schläppi, Architekturhistoriker, Bern Texte Lektüreseminar Seminar 1 Koch, Michael (1992): Städtebau in der Schweiz (Ausschnitt S.196-216). In: Städtebau in der Schweiz, 1800-1990: Entwicklungslinien, Einflüsse und Stationen. Zürich/Stuttgart: Verlag der Fachvereine an den schweizerischen Hochschulen und Techniken, 1992

6


Corboz, André (1988): Grossstadt Schweiz?. In: Archithese, 88 (6). S.14-20 Steiner, Albert Heinrich (1958): Antrittsvorlesung an der ETH 28.06.1958: Die Situation des Städtebaus in unserer Zeit. In: Steiner. Schweizerische Bauzeitung Sonderdruck 76. Jg. (40). Seminar 2 Frisch, Max (1953): Cum grano salis. In: Das Werk. 53 (10). S. 325- 329 Eisinger, Angelus (2004): Die neue Stadt. In: Städte bauen. Städtebau und Stadtentwicklung in der Schweiz 1940-1970. Zürich: gta Verlag, Zürich 2004 S. 138148 Burckhardt, Lucius (2000): Wiedergelesen und ausgelesen: “achtung die schweiz“ und „die neue Stadt”. In: werk, bauen + wohnen. 2000 (7/8). S. 8- 13 Burckhardt, Lucius, Frisch, Max, Kutter, Markus (1955): Kapitel 1, Kapitel 3, Kapitel 4, Kapitel 6, Kapitel 7, Kapitel 10. In: achtung die schweiz. Basel: Verlag F. Handschin, Basel 1955 S. div.

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8


9


10


Die Schindlerfabrik am Strip von Ebikon Eine Untersuchung auf zwei Wahrnehmungsebenen von Kadir Asani

11


12


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.16

Verfasser: Kadir Asani Dammstrasse 26 6055 Alpnach Dorf Dozenten: Dr. Christoph Wieser Dr. Oliver Dufner

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

1. Abstract Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage wie Roland Rohn beim Bau der Schindler-Fabrik in der Nachkriegszeit auf die Hauptstrasse und die Gleisanlage von Ebikon reagiert hat. Dabei wird die Wahrnehmung der Fabrikanlage aus der bewegenden Perspektive eines Fussgängers, eines Fahrzeuglenkers und eines Zugpassagiers mit Skizzen, Fotografien und Standbildern aus Filmaufnahmen untersucht. Im Laufe der Arbeit stellt sich heraus, dass die Rolle des Automobils sowohl für Roland Rohn aber auch im Städtebau der Nachkriegszeit zentral war. Schlussendlich und auf heute übertragen ist es aber nicht das Automobil, dass die Hauptrolle spielt, sondern schlicht die Wahrnehmung in der Bewegung, die für die Gestalt unserer Städte essentiell ist. 13


14


Inhalt 1. Abstract

7

2. Einleitung

8

3. Entwicklung & Verlagerung des Unternehmens Schindler

10

4. Zwei Wahrnehmungsebenen zur städtebaulichen Strategie der Schindler-Fabrik

13

4.1 Rationale Wahrnehmung

13

4.1.1 Volumetrie

13

4.1.2 Fassade

18

4.2 Wahrnehmung in der Bewegung

20

4.2.1 Als Fussgänger

20

4.2.2 Im Automobil

23

4.2.3 In der Bahn

28

5. Fazit

30

Quellenverzeichnis Abbildungsverzeichnis Redlichkeitserklärung

15

5


Wer die physikalischen Zusammenhänge durchschaut,

ist sich über die Bedeutung des Wörtchens «scheinbar», das in der Definition beigefügt ist, klar. Will man dem Nichtfachmann zu Hilfe kommen, so wäre der Nachsatz möglich: «Der Betrag des Gewichts ist messbar durch die Kraft, welche der materielle Körper im luftleeren Raum auf eine horizontale Unterlage bei rotierender Erde ausübt.» Adresse des Verfassers : Prof. P. Frauenfelder, alte Römerstr. 17,

Oberwinterthur.

Die neuen Schindler-Werkanlagen in Ebikon

DK 725.4 Der 12. Dezember letzten Jahres war für die Firma Schindler ein Feiertag, wie er nur selten einem Hause be¬ schieden ist, konnte doch der Delegierte des Verwaltungs¬ rates, Ing. A. F. Schindler, im Kreise von fast 200 Gästen die Einweihung der neuen Anlagen feiern, die als ein Ganzes in jungfräulichem, topfebenem Gelände geplant und ausge¬ führt worden sind — Anlagen, die 80 000 m2 Fabrik- und Bürofläche bieten, jedoch nur etwa einen Drittel des 1000 m langen und 200 m breiten Geländes bedecken, so dass sie sowohl in Längs- wie in Querrichtung noch vergrössert wer¬ den können. Beschäftigt werden heute etwa 1400 Arbeiter und 500 Angestellte. Wie aus Bild 1 ersichtlich, liegt der Bürotrakt an der Hauptstrasse Luzern-Gisikon (deren Anschluss an die Werk¬ einfahrt durch einen Verkehrsteiler gesichert ist). Der markante, 60 m hohe Turm an der Nordostecke des Baues dient zur Prüfung von Aufzügen. Gegliedert ist das drei¬ stöckige Bürogebäude durch fünf Treppenhäuser (mit Lif¬

2. Einleitung

geschoss in Anspruch nehmen, jedoch unterkellert sind, so¬ dass dort das Materiallager untergebracht worden ist (sowie den tagesbelichteten Randzonen einzelne Fabrikations¬ zweige). Ueberdeckt sind die Fabrikhallen von einem aus Nordwest belichteten Sheddach aus vorgefertigten Eisen¬ betonteilen. Die Gesamtlänge der Werkstatt beträgt 240 m, ihre Breite 150 m. Besonders interessant ist der organische Zusammenhang zwischen den Büros und den ihnen entspre¬ chenden Werkstätten mit den Galerie-Einbauten und Pas¬ serellen, die u. a. rascher Verbindung dienen, ferner die in¬ nerbetriebliche Transportorganisation, in deren Dienst Bahn¬ wagen, Autos, Palettwagen, Krane, Lifte und Flaschenzüge stehen. Alles, was diese Betriebs- und Fabrikationsfragen

in

betrifft, wird ausführlich geschildert in einem Aufsatz von Ing. E. Zumsteg in der Zeitschrift «Industrielle Organisa¬ tion» 1958, Heft 9 (auch als Sonderdruck erhältlich).

Links an das Werkstattgebäude anschliessend erblickt man auf Bild 1 die Garagen und die gedeckten Parkplätze, links davon dann das Kesselhaus, welches so gestellt wurde, damit für eine Fabrikerweiterung nach Südwesten genug Raum frei bleibt. Zwischen Kesselhaus und Strasse endlich liegt der «Pavillon Schindler», das Wohlfahrtshaus, in dem täglich 2000 Mittagessen in drei Schichten abgegeben wer¬ den. Ueber diesen von Arch. A. Boyer ausgeführten Bau fin¬ det man Näheres im «Werk» 1957, HereSW Dass die Gesamtverlegung eines Werkes von Weltbedeu¬ tung, wie es Schindler ist, aus den engen Verhältnissen im Stadtkern von Luzern hinaus in die Landschaft (Bild 2) ein kühnes Unternehmen darstellt, das gründlich und lang¬ fristig geplant werden müsste, ist wohl selbstverständlich. Ueber diese Probleme äussern sich in fesselnder Weise Ing. H. Siegwart und Arch. R. Hässig nebst einigen der Archi-

„Natürlich ist dieses riesige Areal ein Fremdkörper in der Landschaft, aber er gibt ihr einen starken Akzent, ein Zeichen unserer Zeit, die nun

eben industriell bestimmt ist. Die Architekten haben diesem Bau aber alle Hässlichkeit, alle wirtschaftlich entschuldigte Primitivität genommen

und einen gut proportionierten Industriebau geschaffen, der alle funktio'mm

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nellen Bedingungen erfüllt.“ (Paulhans Peters, 1960, S. 535) Ü

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Abb. 1: Die Schindler-Fabrik im Jahre 1957.

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Aufzüge- und Elektromotoren-Fabrik Schindler & Cie. AG in Ebikon, Gesamtansicht aus Süden

Fremdkörper, Landschaft, Akzent, Zeichen unserer Zeit, j HässSchweiz. Bauzeitung

77. Jahrgang Heft 7

12. Februar 1959

lichkeit, Primitivität, Proportion, Industriebau, Funktion – selbst aus dem Kontext gerissen, lassen alle diese Begriffe erahnen, wie ambivalent man die gross dimensionierte Schindler-Fabrik in Ebikon bereits zur Bauzeit in den 50ern wahrnehmen konnte. Diese Begriffe beschreiben aber nicht nur den Bau, sondern geben auch Hinweise auf die zeit– und gesellschaftsbedingten Beweggründe eine solch grosse Fabrik in die eigentlich rural geprägte Umgebung von Ebikon, das nur wenige Kilometer vom Stadtkern Luzern entfernt ist, zu platzieren. Es ging um das nachkriegszeitliche Wachstum der Industrie und die darauffolgenden Veränderungen in allen anderen Bereichen der Kultur und Gesellschaft, einschliesslich und vor allem im Städtebau Luzerns. Inwiefern die Gründe für die Verlagerung des Unternehmens Schindler von Luzern nach Ebikon auf wirtschaftlichen Bedingungen basieren, wird in einem ersten, 8 16

grundlegenden Schritt untersucht. Als Roland Rohn, der vom Un-


ternehmen Schindler beauftragte Architekt, die Fabrikanlage plante, hatte er auf dem Bauareal nicht wirklich viele, dafür aber äusserst spezifische Merkmale, worauf er reagieren konnte: Gegen Norden existiert heute noch die Gleisanlage, die Luzern und Rotkreuz verbindet, und gegen Süden – die Schauseite der Fabrik – die Strasse, die ganz Ebikon durchquert und mittlerweile zum Hauptmerkmal der Ortsstruktur geworden ist. Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern Roland Rohn sich mit den zwei erwähnten Merkmalen des Ortes auseinandergesetzt und mit dem Neubau der Fabrik darauf reagiert hat. Der Neubau wird dabei auf zwei Wahrnehmungsebenen untersucht: Einmal auf der Ebene der Bewegung, d.h. wie man die Anlage als Fussgänger, als Automobilfahrer oder als Zugpassagier wahrnimmt, und einmal auf der Ebene der eher statischen, rationalen Wahrnehmung, wobei die Lage, Volumetrie, Form und Materialität der Fabrik untersucht wird. Die Untersuchung wird dabei laufend mit Theorie der Städtebaugeschichte angereichert und

Abb. 2: Roland Rohn.

diese methodisch angewendet. Es handelt sich dabei um die Publikationen „The Concise Townscape“ (1961) von Gordon Cullen, „The View from the Road“ (1965) von Kevin Lynch und „Learning from Las Vegas“ (1977) von Robert Venturi. Augenfällig: Alle drei Schriften sind nach der Errichtung der Fabrik publiziert worden. Es ist also nicht von der Hand zu weisen, dass aufgrund des grösser werdenden Individualverkehrs die Thematik der „Strasse“ und des „Automobils“ sowie die Wahrnehmung des Fussgängers im Städtebaudiskurs der Nachrkiegsjahre, nebst Themen wie dem Wohnungsbzw. Siedlungsbau, plötzlich zentral wurden. Die beschreibende und bewertende Untersuchung der Themen wird zudem mit dem Medium des Filmes, bzw. den Standaufnahmen daraus, der Fotografie und Skizzen vor Ort ergänzt. So wird immer auch ein Vergleich zwischen der Fabrikanlage von heute und der Anlage während der Bauzeit gezogen. 9 17


3. Entwicklung & Verlagerung des Unternehmens Schindler Um die Entwicklung des Unternehmens Schindler und dessen Verlagerung von Luzern nach Ebikon vollumfänglich zu verstehen, ist in einem ersten Schritt neben der Betrachtung der Entwicklung des Industriesektors ein weitsichtiger Blick auf einen anderen Sektor notwendig: den Tourismus – damals noch „Fremdenverkehr“ genannt.

Abb. 3: Die alte Schindler-Fabrik. mit der Eisenbahn im Hintergrund.

Die Stadt Luzern wurde im 19. Jahrhundert mit dem Einsetzen des

Abb. 4: Die alte Schindler Fabrik mit der Reuss im Vordergrund.

diesem Sektor eine besonders hohe Verantwortung zu tragen und

Bahnverkehrs zur sogenannten „Fremdenstadt“, mit dem Fremdenverkehr als Haupteinnahmequelle. Die Stadt hatte also gegenüber war dementsprechend sensibel. Ein weiteres für den Industriesektor wichtiges Merkmal der Stadt Luzern war ihre relativ kleine, nichtbebaute Fläche, bei der es sich meistens um Hanglagen oder landschaftlich exponierte Gebiete handelte. Um genaue Zahlen zu nennen: von insgesamt 1571 ha waren im 18. Jahrhundert nur 897 ha offenes Land verfügbar. Diese Problematik der knappen Baufläche und die vorher genannte Verantwortung gegenüber der Haupteinnahmequelle der Stadt, führte – um das erste Beispiel zu nennen – zur Verlagerung des Schlachthofes, der mit ihren städtebaulichen

1

Mossdorf, Zumsteg 1960, S. 4.

und hygienischen Anforderungen den Fremdenverkehr hätte schaden können, nach Kriens.1 Die Quelle der ablehnenden Haltung von Luzern gegenüber der

10 18

Industrie entspringt also hauptsächlich aus ihrer Abhängigkeit vom


18. Jahrhundert der Reise¬ verkehr einsetzte, ist sie zur klassi¬ schen Fremdenstadt geworden. Ihr Gemeindegebiet ist verhältnismäßig klein: total ohne Seeanteil 1571 ha, Diese betrug, gezählt nach Inter¬ davon entfallen 674 ha auf schon vallen von dreißig Jahren, respek¬ überbaute, bewaldete oder sonstwie tive Generationen: nicht nutzbare Areale. Sie verfügt somit noch über rund 897 ha offenes 1850 vor der teilweisen Niederlegung Land, das heißt über bedeutend der Stadtmauern und Tore, nach Nachbargemeinden der ersten eidgenös¬ weniger als die dem zur Ergebnis Tourismus. Diese Haltung blieb bis Nachkriegskrise im Jahr Emmen, Kriens und Littau. Die ersischen Volkszählung etwas über die doppelte 1922 In diesen Jahren wurde der Tourismussektor durch besitzt noch stere bestehend. 10 100 Einwohner. Fläche Luzerns. Zudem handelt es der Bahnver¬ ausbleibende die Schweiz bedeutend geschwächt, mit der 1880 nach Erstellung unbebauten noch in sich bei den Reisen bindung mit Basel, Zürich und Bern, Landflächen der Stadt mehrheitlich überraschenden Auswirkung, dass Rufe nachdem der Industrie laut wurDeutsch-Französi¬ kurz nach um Hanglagen oder aber landschaft¬ schen Krieg 17 800 Einwohner. See. Gebiete um den lich exponierte den. Trotz ausfallenden Einnahmen vom Fremdenverkehr – dem

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2 3

Mossdorf, Zumsteg 1960, S. 6. Henning 2009, S. 102.

von nen¬ Geeignete Industrieareale eigentlich stärksten Sektor – blieb aber das Wachstum der Stadt

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Luzern. Eine Struktur Die Indiz, Bei¬erstes regionaledass mußwar Luzern positiv.2 So Dies die von Industrieuntermehr vorhanden. zumein

Stadt wirkt wirtschaftlich und kulturell

spiel der neue Schlachthof mit Vieh¬

Stadt¬ über ihre Grenzen hinaus. nehmen ebenso grossen Anteil am Wohlergehen derDer Stadt hatweit den Nebenbetrieben, trotz markt undeinen

bereich von Luzern ist durch eine Reihe

starkem Widerstand gewisser Ver¬ ten wie die Hoteliers. Den Industrieunternehmen man plötzlich Region zugehöriger von Nebenzentren mittrat die

Nachbargemeinde

überschaubar gegliedert. Die Ausstrah¬

Standort an der Reuß ist städte¬

gleichen Maß, wie sich die engere Stadt¬

geworden.

winnt.

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Der bisherige Kriensgegenüber. verlegt werden. offen Dieses Verhältnislungskraft kristallisierte sich besonders sich im bei verstärkt der Stadt

der Beziehung zum Aufzugshersteller Schindler heraus. unhaltbar und hygienisch baulich verdichtet und an Bedeutung region

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auft und verlegt.

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Luzern und teilweise der Urkantone wirkte sie auch in dieser Zeit als Etappenort der ländlichen Abwande¬ rung, und so hat ihre Bevölkerungs¬ zahl sogar während der wirtschaft¬ lichen Depression zugenommen, wenn auch nicht so sprunghaft wie vor dem Ersten Weltkrieg.

Luzern ist eine gegründete Stadt, die ihre Bestimmung als Verwal¬ tungsstadt und Metropole erfüllt.

Regionale Struktur von Luzern

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/ Abb. 5: Die Karte von Luzern und Umgebung.

19


4

Mossdorf, Zumsteg, 1960, S. 8

Als die Firma Schindler, ursprünglich auf städtischem Boden der Sentimatt in Luzern gegründet, geplagt von zu engen Raumverhältnissen Ausschau nach geeignetem Bauland für ihre Expansion hielt, fühlte sich die Stadt Luzern dazu verpflichtet, alles zu tun, um den Wegzug ihres grössten Industrieunternehmens zu verhindern. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem mit dem Wiederaufbau verbundenen Absatzanstieg, entschied man sich bei Schindler in den 1950er Jahren endgültig für eine Verlagerung ihrer Hauptproduktionsstätte.3 Obwohl kein Land für ein solches Bauvorhaben reserviert war, bat der Stadtrat dem Unternehmen 120‘000 Quadratmeter der Grünzone Allmend an, auf der heute das Ausbildungszentrum der Armee, die Messehallen und die Swisspor-Arena mit ihren zwei Wohntürmen stehen.4 Gegen diesen Entscheid des Stadtrates bildete sich eine Opposition, die dazu führte, dass das Unternehmen Schindler wohlwollend der Stadtentwicklung von Luzern gegenüber, die Entscheidung fasste in eine der unmittelbaren Nachbarsgemeinden zu ziehen, nämlich Ebikon. Während das ursprüngliche Areal auf der Sentimatt von der Reuss und den Bahngleisen tangiert wurde (siehe Abb. 1), war das neue Areal in Ebikon von den Gleisen nach Zürich und von der Hauptstrasse definiert und liess mit ihren 200‘000 Quadratmetern genügend Platz für eine weitere, zukünftige Expansion, wie sie dann bis heute auch tatsächlich stattfand.

12 20


4. Zwei Wahrnehmungsebenen zur städtebaulichen Strategie der Schindler-Fabrik 4.1 Rationale Wahrnehmung 4.1.1 Volumetrie Das Volumen der Fabrik bildete im Vergleich zu den bis im Jahre 1957 realisierten Gebäude einen klaren Massstabssprung. Mit der Gesamtlänge von 292 Metern und einer Gesamtbreite von 146 Metern ist es heute noch das grösste Gebäude von Ebikon. Die Volumetrie wird in den nächsten Schritten gegliedert betrachtet. Als wichtigstes Merkmal der Fabrik ist der Turm zu nennen, der am nordöstlichen Ende der Anlage steht. In der Arbeit „Learning from Las Vegas“ beschreibt der Autor Venturi, dass Architekten wie Allen Colquhoun unmissverständlich darauf beharren, dass die architektonische Form Resultat logischer Prozesse, bedingt durch Setzung des Programms und der Konstruktion sein müsse.5 Laut Venturi gäbe es jedoch Beispiele, die zwar „anti-räumlich“ sind, die den Raum nicht geltend machen lassen, aber trotzdem eine klare Architektur repräsentieren, und zwar die der Kommunikation.6 Als Beispiel wird das Motel Monticello genannt, dessen Silhouette weit vom Motel selbst wahrgenommen werden kann und damit ihren Zweck der Kommunikation erfüllt. Vergleichbares passiert beim Turm der Schindler-Fabrik und zwar sowohl bezüglich der Behauptung von Colquhoun aber auch der Behauptung von Venturi. Beim Turm handelt es sich nämlich um einen Prüfraum für die produzierten Aufzüge. Die Form des Turmes ist also nichts weiter als Resultat des verlangten Programms – dies würde Alan Colquhoun

Abb. 6: Die Volumetrie der Fabrik in Einzelstücke gegliedert.

also zufriedenstellen. Der Turm besitzt aber eine weitaus wichtigere Bedeutung für das Unternehmen, Ebikon und ganz Luzern. Er ist das Wahrzeichen und Signet der Firma, dessen Form unmittelbar aus der Tätigkeit der Firma Schindler hervorgeht.7 So offensichtlich es auch klingen mag: Der Turm kommuniziert klar und deutlich, dass es bei der Unternehmenstätigkeit um den Transport in die Höhe geht. Es handelt sich also um eine Architektur der Kommunikation, wie Venturi beim Motel Monticello bereits feststellen konnte.

5 6 7

Venturi, 1979, S. 18 Venturi, 1979, S. 19 Diethelm, 2003, S. 118

21


Abb. 7: Die Kriche St. Maria.

8

Diethelm, 2003, S. 118

Wie genau der Turm die Wahrnehmung der entgegen fahrenden Autofahrer und Beobachter sowohl von weitem als auch von der Fussgängerperspektive beeinflusst, wird im Kapitel 4.2.2 vertieft untersucht. Zusätzlich zur Kommunikation der eigenen Unternehmenstätigkeit, symbolisiert der Turm etwas, was zwar weniger für das Unternehmen wesentlich ist, dafür umso mehr für die Stadt Ebikon und Luzern. Wenn man die Lage des Turmes betrachtet, dann steht er nicht nur am Ende der Fabrikanlage, sondern auch an der Grenze von Ebikon zur Gemeinde Dierikon. Dabei ist zu erwähnen, dass Ebikon

Abb. 8: Der Turm an der Musegg-Mauer in Luzern.

die nächstgelegene Gemeinde zur Stadt Luzern ist. Der Turm erhält mit dieser Tatsache eine ganz andere Bedeutung. Mit seiner Position markiert er nämlich die Stadtgrenze zu Luzern. Es ist also möglich, dass Roland Rohn schon damals Ebikon die Rolle einer Stadt zugetraut hatte oder sich zumindest der wichtigen Rolle Ebikons für Luzern bewusst war. In einigen Schriften ist auch von einer „Torfunktion“ die Rede.8 In dieser Hinsicht weckt der Turm auch Assoziationen an Wehr– oder Grenztürme mittelalterlicher Stadtmauern.(vgl. Abb. 8) Die Plattform am Kopf des Volumens scheint beobachtend über die weite Wiese zu blicken. Wobei man den niederen Bürotrakt als Mauer sehen kann, die mit dem in die Höhe ragenden Turm abgeschlossen wird. (vgl. Abb. 1) Der Bürotrakt ist hierbei

22


nicht entlang der Grenze, sondern parallel zur Strasse positioniert und unterstreicht damit ihre Wichtigkeit. Eine weitere Analogie zu mittelalterlichen Städten ist zu erkennen, wenn man das bis zum Bau der Fabrikanlage grösste und wahrscheinlich wichtigste Gebäude in Ebikon miteinbezieht – die Kirche St. Maria im Dorfzentrum. (vgl . Abb. 7)

Genau wie im Mittelalter, als bloss Gotteshäuser und mili-

tärstrategisch wichtige Wehr– und Grenztürme in die Höhe ragten, tun es in Ebikon nur die Kirche und der Turm der Schindler-Fabrik an der Grenze der Stadt. Die Höhe der Bauten erzeugen einen Dialog zwischen Stadtkern und Stadtgrenze.

Abb. 9: Grundriss der Fabrikanlage. Abb. 10: Blick nach Süden.

Auffällig bei der Volumetrie des flachen Bürotraktes sind die vier

9

Diethelm, 2003, S. 119

vorstehenden Treppenhäusern, die dem 270 Meter langen Körper gliedern und einen Rhythmus verleihen, der dann vor allem für die Wahrnehmung der vorbei steuernden Autofahrer wichtig wird – genauer analysiert wird dies im Kapitel 4.2. Die Anzahl der Treppenhäuser ist zwar nur Resultat feuerpolizeilicher Vorschriften9, die Akzentuierung kann aber kein Zufall sein. Denn die Treppenhäuser brechen das sonst so grosse Volumen auf einen strukturierten Körper runter, was für die städtebauliche Anpassung der kleinmassstäblichen Wohnhäuser in der Umgebung von grosser Bedeutung ist.

15

23


Hinter dem Trakt und dem Turm befindet sich gegen Norden der grösste Teil der Anlage: die Produktionshalle. Mit ihrer Höhe von lediglich 10 Metern und ihrer flachgedrückten Erscheinung geht das Volumen auf die damals noch nicht bebaute Wiese gegen Norden ein.(vgl. Abb 10) Heute ist diese Wiese fast vollständig mit kleinmassstäblichen Wohnhäusern überbaut, wobei sich hier die Frage stellt, wieso der Trakt gegen die Gleisanlage keine Gliederung wie die Schauseite der Fabrik erfahren hat. Man könnte die Frage mit den vorbeifahrenden, zielstrebigen und nicht anhaltenden Züge beantworten, die sich schon damals mit einer höheren Geschwindigkeit als die Autos auf der Hauptstrasse fortbewegten, und eine Art schleifende Wirkung auf das Volumen der Produktions– und Anlieferungshalle haben. 10

Das Werk, 1957, S. 126

Um die Untersuchung der Volumetrie abzuschliessen wird zum Schluss das vom Architekten August Boyer im Jahre 1956 gebaute Wohlfahrtshaus10 und Mensa gegen Süden der Anlage betrachtet. Das 9,60 Meter hohe und fünfeckige Gebäude ist das Gegenstück zum Turm und bildet das andere Ende der Anlage entlang der Strasse. Augenscheinlich sind dabei die Akzentuierungen der Ecken, die einen Dialog mit den Treppenhäusern des Bürotraktes eröffnen. Formal liest man das Wohlfahrtshaus fast wie ein sich drehendes Zahnrad, das die abbiegenden Fahrzeuge in die Anlage hinein holt. Betrachtet man die Abbildung 11, scheint auch hier das Automobil zum wiederholten Male eine wesentliche Rolle zu spielen. Sowohl beim Turm, als Signet des Unternehmens und symbolisiertes Tor zur Stadt, als auch beim Wohlfahrtshaus, als optimales Gegenstück und Abschluss der Fabrikanlage, muss man die heutige Situation betrachtend negativ erwähnen, dass die Raumplaner Ebikons und die des Unternehmens Schindler die Rollen dieser Volumen vernachlässigt haben. Das Mensegebäude bildet nicht mehr den Abschluss der Schindler-Anlage und auch der Turm steht nicht mehr an der Grenze zu Ebikon. Lediglich die Höhe des Testturmes wurde glücklicherweise nicht übertrumpft.

24 16


Eine Untersuchung welchen Einfluss das Unternehmen Schindler auf die weitere Stadtentwicklung von Ebikon hatte oder hätte nehmen können, wurde parallel zu dieser Arbeit von Benedikt Profanter geführt. Die Arbeit trägt den Titel „Die Schindler-Fabrik - Eine verpasste Chance?“ und kann im Archiv der Hochschule Luzern Technik & Architektur betrachtet werden.

Wohlfahrtshaus der Schindler & Co. AG in Ebikon (Luzern)

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August Boyer, Architekt SIA, Luzern

An der Hauptstraße Zürich-Luzern ist in Ebikon eine neue große Werkanlage der Aufzüge- und E renfabrik Schindler & Co. AG im Entstehen beg Projekt wir bereits in der WERK-Chronik (Heft 2 fentlichten. Noch vor der endgültigen Fertigstellung bauten konnte das dazugehörige Wohlfahrtsgebä weiht werden. Die Kantine und die erforderlichen Betriebsräum 2000 Angestellte und Arbeiter bestimmt. Ein Groß legschaft wohnt außerhalb Ebikons und kehrt abend sofort nach Hause zurück, so daß auf we für Freizeitbeschäftigung verzichtet werden konnte Da das Bedienungssystem bei Beginn der Pla nicht bestimmt war, entschloß man sich für e Buffetanlage, die sowohl für den Service als auch bedienung geeignet ist. Während der Bauausf schloß sich die Direktion zum System der Selbs Bei Vollbetrieb wird die Belegschaft in drei Sch pflegt; dadurch konnte der Raumbedarf stark reduz Eßräumen eine noch angenehme Größe gegeben Im Untergeschoß, das auf der einen Seite ebener lich ist, befindet sich die ganze Küchenanlage. Im liegt, vom Hauptplatz der Fabrikanlage aus zug Eingangshalle mit Kiosk und Toiletten sowie die nung. Die polygonale Form der Kantine im O ermöglicht die Anordnung gut belichteter Eßplätz Distanz zur Büffetanlage. Der Eßraum wurde i Farben gehalten, um die farbigen Akzente für die scheiben zwischen den Fenstern zu reservieren. Kunstmaler Eduard Renggli, Luzern, mit abstr vonAbb. 11: Autos vor dem Wahlpositionen gestaltet. fahrtsgebäude.

Kantinengebäude mit Lieferanteneingang im Untergeschoß La cantine et l'entree de service au rez-de-chaussee The canteen with delivery entrance en the basement

Untergeschoß 1 : 400 Rez-de-chaussee Basement

Kantine mit Haupteingang La cantine et l'entree principale The canteen with main entrance

Modellbild der im Werden begriffenen Fabrikanlage Sch AG in Ebikon; im Vordergrund links das Wohlfahrtsgebäu Architektengemeinschaft für die Fabrikationsgebäude: 25Weideli und W. Ga SIA, Luzern, Dr. R. Rohn BSA,SIA, H. 17 F. Zwicky SIA, Luzern Maquette des nouveaux etablissements industriels de l'en Schindler &. Cie. S. A. ä Ebikon pres Lucerne Working model of the new Schindler _ Co. AG plant a Lucerne at present in füll development

Obergeschoß 1 400 Etage superieur Upper floor :

Zwischengeschoß Entresol 1 :400 Mezzanine floor

1

400

Die Stahlkonstruktion im Rohbau

La charpente metallique en construction The steel strueture in raw State


4.1.2 Fassade Da die Hauptstrasse durch Ebikon in den 50er-Jahren kaum bebaut war, muss die Schindler-Fabrik am Ende der Strecke für die Autofahrer nachts wie eine Leuchtinsel ausgesehen haben, wobei der Turm an der Ecke der Anlage als Leuchtturm fungierte.(vgl. Abb. 12) Jede freie Fläche entgegen der Strasse war damals mit dem Signet des Unternehmens beschmückt. Die Höhe und die Grösse der platzierten Embleme lassen daraus schliessen, dass die Reklame für den aufstrebenden Individualverkehr konzipiert waren. Am „Strip“ von Ebikon war diese Art von Reklame gänzlich neu und wird heute noch

Abb. 12: Das Schindlergebäude bei Nacht, 1957. Abb. 13: Das Schindlergebäude während der Dämmerung, 2015.

angewendet.(vgl. Seq. 1) Für den Fussgänger ohnehin sichtbar, wollte man nicht den Flaneur ansprechen, sonder den rasch vorbeifahrenden Fahrzeuglenker. Dies macht angesichts der Produkte, die das Unternehmen bewerben möchte, auch durchaus Sinn – schliesslich sind Aufzüge nicht für den schnellen Konsum an der Strassenecke gedacht, sondern erforderten damals lange Investitionsüberlegungen. Wie effektiv die Reklame an der Fassade für den Umsatz von Schindler wirklich war, darüber lässt sich nur mutmassen. Das Signet des Unternehmens findet man heute nur an der Stirn des Bürotraktes sowie am Kopf des Testturmes. Anders als zur Bauzeit ist heute am Turm ein vertikaler Lichstreifen zu finden(vgl. Abb. 14), der das Emporsteigen der Aufzüge unterstreicht und selbst zur Lichtquelle

11 12

Venturi, 1979, S. 67 Venturi, 1979, S. 66

wird.11 Wie Venturi in „Learning from Las Vegas“ beschreibt, sind diese Zeichen immer sowohl für Tag als auch Nacht konzipiert worden.12 Tagsüber kommuniziert das blosse Volumen die Tätigkeit des

18 26


Unternehmens (vgl. Kapitel 4.1.1), wobei nachts die Beleuchtung nachhelfen muss.

Seq. 1: Beleuchtete Reklame am Strip von Ebikon. Abb. 14: Der Turm bei Nacht.

19 27


4.2 Wahrnehmung in der Bewegung 4.2.1 Als Fussgänger 13

Cullen, 1961, S. 128

Während im vorangegangenen Kapitel vor allem die Volumetrie betrachtet worden ist, geht es hier um die Bewegung durch die öffentlichen Zwischenräume und dabei um die Frage wie man in der Rolle des Fussgängers, des Autofahrers, des Zugpassagiers die Fabrikanlage wahrnimmt. Was hilft und was stört die Wahrnehmung? Was liefert einen Beitrag zum städtischen, öffentlichen Gefüge und was nicht? Man läuft von Norden auf dem Trottoir der Hauptstrasse der Fabrik entgegen und realisiert mit jedem Schritt wie gross die Anlage eigentlich ist. Neben dem Prüfturm fühlt man sich winzig und schaut fast schon ehrwürdig zum Kopf des Turmes hinauf. Es wird einem bewusst, dass das Gebäude nicht im Massstab des Fussgängers konzipiert worden ist. Nach einigen hundert Metern auf dem Trottoir wirkt die Länge des Gebäudes ermüdend. Die Wiederholung der Treppenhäuser trägt dazu bei. Auch die monotone Fassade, mit nichts als Fenstern zu Büroräumen, geben einem das Gefühl, man hätte doch lieber den Bus nehmen sollen. Am Kopf des Bürotraktes angekommen versucht man den Weg rüber zur eigentlichen Anlage zu finden. Fussgängerstreifen sind keine vorhanden. Die Hauptstrasse gehört hier vollständig den Fahrzeugen. Nachdem man die Unterführung gefunden hat und durch sie hindurch zur anderen Strassenseite gelangt, steht man schon wieder vor dem gleichen Problem: Der Zwischenraum ist nicht für den Fussgänger entworfen worden. Bereits die Signaletik auf dem Boden verrät, dass es hier um die Einfahrt der Fahrzeuge geht. (vgl. Abb. 16)

Gordon Cullen beschreibt in seiner Publikation „The Con-

cise Townscape“ die Wichtigkeit des Bodens für den Zwischenraum von Volumen. Der Boden kann die Gebäude verbinden, aber auch trennen.13 Ohne Signaletik und mit blosser Materialisierung kann der Boden dabei kommunizieren, wo es lang geht und wofür die Strasse eigentlich gedacht ist. Die simple Asphaltierung, ohne Abb. 15: Der zurückgelegte Weg als Fussgänger.

28

Schwelle und ohne Materialwechsel, erzeugt in dem eigentlich wichtigen Raum zwischen Mensagebäude und Börotrakt eine Kluft.


Denn genau an diesem Ort fahren Autos ständig ein und aus. Für den Fussgänger und generell für die Öffentlichkeit geht der Raum verloren. Doch man stelle sich vor man hätte diesen Boden gepflastert. Jeder Fahrzeuglenker hätte beim Darüberfahren dieses typische

Abb. 16: Der Platz zwischen Mensa-Gebäude und Bürotrakt. Abb. 17.: Die Kluft zwischen steigender Strasse und Bürotrakt.

Rütteln gespürt, dass kommuniziert hätte, dass dieser Raum auch von Fussgängern genutzt wird. Mit der ständigen Geräuschkulisse der vorbeifahrenden Autos im Hintergrund fühlt man sich zu Fuss aber unwohl. Obgleich zwischen dem Wahlfahrtsgebäude und dem Bürotrakt ein grossräumiger Platz erzeugt wird, wird er bloss für die Fahrzeuge verwendet. Nur Mittags beobachtet man die hungrigen Mitarbeiter rüber eilen, begleitet von der Vorsicht bloss nicht den Autos in die Quere zu kommen. Doch mit der gleichen Eile steigen gewissen Mitarbeiter auch in die Fahrzeuge, um nach Hause essen gehen zu können. Wenn man sich dem Bürotrakt nähert und rechts vorbeiläuft entdeckt man eine Art Schlucht zwischen Bürotrakt und der steigenden Hauptstrasse.(vgl. Abb. 17) Wie Gordon Cullen in seinem Buch erklärt, kann ein „Change of Level“, also eine Anhebung der Strasse oder eines 29


Abb. 18: Die Sitzbank in der Schlucht.

14

Cullen, 1961, S. 174

öffentlichen Raums, ein Gefühl von „intimacy“ und „protection“, also Intimität und Schutz erzeugen.14 In diesem Fall sorgt die Anhebung dafür, dass man das Erdgeschoss und die Fussgängerzonen von der viel befahrenen Hauptstrasse trennt. Das Problem mit diesem schluchtartigen Raum ist aber, dass die Autos selbst zu diesem Ort Zugang haben und einige Zonen sogar als Parkplätze genutzt werden. Es führt wieder zu einer störenden Funktionsdurchmischung. Man entdeckt auf dem Erdgeschoss zwar einige scheinbar öffentliche Sitzbänke,(vgl. Abb. 18) ein Nutzungsszenario für die Öffentlichkeit leitet man davon aber noch lange nicht ab, weil man sich von den Autos schlichtweg gestört fühlt. An vielen Stellen hätten einfache Massnahmen genügt um klare Grenzen für Fahrzeuge und Fussgänger zu ziehen, aber man hat es sowohl als Raumplaner der Stadt, als auch des Unternehmens auch in den Jahrzehnten nach dem Bau der Fabrik versäumt, etwas zum Positiven verändern.

22 30


Abb. 19: Die Fabrik mit Autos und Licht inszeniert.

4.2.2 Im Automobil

„Ugly roads are often taken to be one price of cilization, like sewers or police. The boring, chaotic, disoriented roadscape seems to be the

Abb. 20: Gefahrene Strecke.

15 16

Lynch, 1961, S. 3 Urmson, googleblog. blogspot.co.uk, 2014

natural habitat of that useful but awkward monster, the American automobile. From this point of view, we spend too much of our lives in the car. It would be better to arrange cities so that everyone could walk to work, or to let automatic devices take the wheel, so that we could pull the shades and watch TV. (Lynch, 1971, S. 3) Mit dieser prägnanten Aussage beginnen die Autoren Lynch, Appleyard und Myer ihre Lektüre „The View from the Road“, nur um einen Absatz später eine völlig andere Stossrichtung einzuschlagen. Sie empfinden das „roadwatching“ als „delight“, also Vergnügen, und sagen der „highway“ könnte „a work of art“, also ein Kunstwerk, sein.15 Trotzdem wird in ihrem einleitenden Abschnitt klar, wie die Öffentlichkeit die Strassen wahrnimmt. Als hässlich, langweilig und chaotisch. Im letzten Satz wird unter anderem das selbstfahrende Vehikel – damals technisch noch nicht möglich – als Lösung für die Stadtplanung genannt. Solche Fahrzeuge würden die Vorteile des Öffentlichen Verkehrs mit dem Individualverkehr verknüpfen: Einsteigen und gefahren werden, und zwar im eigenen Auto. Interessant ist hierbei, dass heute, 55 Jahre später, die Entwicklung von solchen Fahrzeugen bereits in vollem Gange ist.16 Die Frage ob und wie die23 31


Abb. 21: Die Hauptstrasse von Ebikon um 1960.

ser technische Fortschritt unsere Städte gestalten wird, bleibt offen.

Abb. 22: Der höchste Punkt der Strasse beim Turm.

zu entfachen. Dann wäre man mit Programmiertechnik nämlich

Es bräuchte eine Mehrheit an solchen Fahrzeugen um eine Wirkung auch in der Lage Stau zu vermeiden und damit den Verkehrsfluss zu garantieren. Die Frage nach dem Fussgänger, der von Lärm und Abgasen gestört wird, bleibt damit aber immer noch ungeklärt. Doch was hat das Ganze mit der Schindlerfabrik in Ebikon zu tun? Für die Strasse ist die Umgebung meistens nur eine Hürde ihre Benutzer so schnell wie möglich an ihr Ziel zu bringen – der Fahrer will von A nach B, alles dazwischen interessiert ihn wenig. Ampeln an Kreuzungen, die ihn zum Halten zwingen, nerven bloss. Aber an genau solchen Momenten nimmt der Fahrer die Stadt wahr. Die Stadt gehört jedem und darf selbst für den in Eile geratenen Fahrer nicht unsichtbar werden. Die These, die hier aufgestellt wird, ist dass Roland Rohn die markante Strasse, die geradlinig durch ganz Ebikon führt, für die Gestaltung und Inszenierung der Fabrik verwendet hat. Dabei war er sich der Wahrnehmung aus der Perspektive des Autofahrers und generell der Wichtigkeit des aufstrebenden Individualverkehrs bewusst.(vgl. Titelbild) Das Erste, was man von der Fabrik bereits von weitem wahrnimmt, ist der Prüfturm. (Seq. 2.1) Ein erster

24 32

Kreisverkehr verzögert und unterbricht den Blick auf ihn. Danach


Sequenz 2: Die Fahrt an der Schindler-Fabrik vorbei.

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

33


fährt man mit 60 km/h wieder der Anlage entgegen, bevor man wieder vom Kreisverkehr gebremst wird und der Blick dabei abschweift. (Seq. 2.3)

Als man wieder in die gerade Strasse einbiegt, erkennt man

die im Kapitel 4.1.1 erwähnte Bedeutsamkeit der abstufenden Volumetrie vom Turm bis nach vorn zum tiefen Wahlfahrtsgebäude. Hätte man diese Regel weitergestrickt, hätte nach dem Wahlfahrtsgebäude ein qualitativ wertvoller, nach Süden ausgerichteter Platz für Mitarbeiter entstehen können – stattdessen steht heute ein in die Höhe überdimensionierter Büroriegel, der nicht nur das Einläuten der Anlage stört, sondern auch den Turm in der Höhenwirkung konkurrenziert.(Seq. 2.5) Danach wird die doppelspurige Strasse fünfspurig und weitet sich dementsprechend aus. Für die Wahrnehmung der Fabrik hat das zur Folge, dass man das Gebäude ein Stück mehr von der Seite aus betrachtet.(Seq. 2.6) So werden die bereits angesprochenen Brüstungen sichtbar und man wird quasi auf die Fahrt entlang der Fabrik vorbereitet. Je nach Ampelsignal muss man nun halten. Man haltet aber nicht irgendwo, sondern hat von hier aus klar die Stirn des Bürotraktes vor sich. Diese Stirnfassade blieb bis auf das im vorherigen Kapitel erwähnte Leuchtsignet des Unternehmens, leider gänzlich ungestaltet. Wie die Wahrnehmung ist, wenn man einbiegt und auf die Anlage selbst fährt, wird nicht genauer beschrieben, da dies nur Mitarbeitern des Unternehmens vorbehalten und somit nicht öffentlich ist. Nun fährt man entlang der Fabrik weiter und trotz oder gerade wegen der 60 km/h, schreien die im Kapitel 4.1.1 erwähnten herausstechenden Treppenhäuser förmlich nach der Aufmerksamkeit des Lenkers. (Seq. 2.8) Parallel zur vierfachen Wiederholung der Treppenhäuser steigt die Strasse bis auf die Höhe des ersten Obergeschosses, womit der annähernde Turm effektiv in Szene gesetzt wird. Hierbei ist leider zu bemängeln, dass das Erleben der Anlage im Auto heute nicht mit dem Turm, sondern mit einem weiteren, niederen Bau des Unternehmens Schindler abgeschlossen wird. (Seq. 2.9) Wir haben es hier mit dem gleichen Problem zu tun, wie auf der anderen Seite beim Wohlfahrtsgebäude. Die Dramaturgie 26 34

verliert erheblich an Wirkung. Nach dem man den Turm hinter sich


gelassen hat, sinkt die Strasse wieder und man verlässt Ebikon Richtung Dierikon.(Seq. 2.10) In umgekehrter Fahrrichtung nimmt man ähnliche Phänomene wahr. Beim Turm ist die Strassenhöhe am Maximum, danach fährt man dem Bürotrakt entlang hinunter und wieder wird die Wahrnehmung rechts vom Büroriegel unmittelbar hinter dem Wohlfahrtsgebäude gestört. Diesmal nicht nur auf Grund dem Gefühl, dass die Anlage nicht richtig abgeschlossen wird, sondern auch weil beim Halt an der Kreuzung die Weitsicht gestört wird.

35


4.2.3

In der Bahn

Wenn man am Bahnhof Ebikon in den Zug Richtung Rotkreuz einsteigt, ist von der Schindler-Anlage noch nichts zu sehen. Der Zug bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 80 km/h. Die Wahrnehmung der Anlage dauert im Vergleich zu den anderen Analysen in der Bewegung dementsprechend auch am kürzesten. Die Gleise laufen parallel zur Hauptstrasse von Ebikon und nach einigen Sekunden Fahrt taucht am Horizont bereits der Prüfturm der Fabrik auf, der auch hier wieder den Protagonisten spielt. Am Anfang weiss man sich als Nicht-Anwohner von Ebikon im Zug aber nicht so recht zu orientieren. Links tauchen Wohnbauten auf, rechts Restaurants, Einkaufszentren, Parkhäuser, nicht bebaute Grasflächen etc. Ein unstrukturiertes Chaos spielt sich im Kopf ab – ist man überhaupt im richtigen Zug? Bis man nach einem Blick in die Weite plötzlich den Turm entdeckt.

(Seq. 3.2)

Genau in diesem

Augenblick erlebt man einen kognitiven Moment. Man beginnt sich zu orientieren. Man weiss plötzlich wo man hinfährt, wo die Hauptstrasse liegt, wo Ebikon aufhört – und das alles nur nach einem Blick auf einen scheinbar belanglosen Prüfturm. Nach weiteren Sekunden an Fahrt hat man die Anlage erreicht und man nimmt nun den hinteren und privatesten Teil der Fabrik wahr. Der Turm wird hier vom 8-geschossigen Parkhaus des Unternehmens verdeckt,

(Seq. 3.3)

welches aber zu einer viel späteren Zeit erbaut worden ist als die Anlage selbst. Auch hier war man sich scheinbar nicht bewusst, welch wichtige Rolle der Prüfturm für die Umgebung hat. Das überdimensioniert wirkende Parkhaus stört nicht nur, es geht auch auf keinste Weise auf irgendeine Qualität der Fabrikanlage ein. Nach ein paar Sekunden lässt man auch das Parkhaus hinter sich, den Turm hat man aus dem Blick verloren und die Orientierung fehlt wieder. (Seq. 3.5) Wie im Kapitel 4.1.1 beschrieben scheint sich die hohe Geschwindigkeit des Zuges an die Volumetrie des hinteren Anlieferungstraktes übertragen zu haben. Der Trakt wirkt lang, schmal und geschliffen glatt. (Seq. 3.4)

28 36

Die Augen finden keinen Halt in der Fassade, die dementspre-

chend gestaltet zu sein scheint. Man war sich scheinbar bewusst, dass


der Betrachter in sicherer Entfernung zur Anlage sitzt, darum hat man nicht mehr Zeit in deren Gestaltung investiert. Nach weiteren Sekunden folgt bereits der nächste Halt. Man steigt aus dem Zug, sieht den Turm und weiss somit direkt wo man sich befindet. Die Orientierung ist gewährleistet.(Seq. 3.6)

Sequenz 3: Blick aus dem Fenster des Zuges.

1

2

3

4

5

6

29 37


5. Fazit Die in der Einleitung gestellte Hauptfrage, wie und ob Roland Rohn auf die Hauptstrasse, den Strip Ebikons, und die Gleisanlage auf der andere Seite der Anlage reagiert hat, kann nach der Analyse im Hauptteil nun beantwortet werden. Dabei wurde auch unmissverständlich klar, worauf er das Augenmerk gesetzt hat: das Automobil. Angefangen bei der Gestaltung der Volumetrie, bis hin zu der Belichtung der Fassade, alles wurde für die Wahrnehmung des Fahrzeuglenkers entworfen. Man muss sich hierbei vor Augen halten, dass dem Auto Ende der 50er auch eine weitaus grössere Rolle für die „Gesellschaft von Morgen“ zugetraut worden ist, als man es heute denken würde. Wie die Publikation von „View from the road“ auch zeigt, führte dies zu grossen Diskussionen mit der zentralen Frage, wie der Individualverkehr und die benötigte Infrastruktur unsere Städte verändern kann oder darf. Trotzdem: Zu sagen, Roland Rohn hätte nur für den Fahrzeuglenker gestaltet, wäre hier zu oberflächlich. Was sich in jedem Analysekapitel nämlich als gemeinsamer Nenner herauskristallisiert hat, ist die Wahrnehmung in der Bewegung. Wir vergessen zu oft, dass wir unsere Städte – egal ob aus dem Mittelalter oder aus der Nachkriegszeit – erst in der Bewegung richtig wahrnehmen. Wir laufen von einem Platz zum anderen, durch enge Gassen und breiteren Wegen, mal kommt ein Brunnen, mal eine Statue, mal sind wir schnell unterwegs, manchmal müssen wir uns mühsam durch die Menschenmengen bewegen. Mit jeder Kopfbewegung ändert sich unsere Perspektive auf die Stadt und immer nehmen wir sie anders war. Heute gestaltet man Stadthäuser oder ganze Siedlungen oft mit Bildern und Visualisierungen. Dabei bleibt die Perspektive aber immer eingefroren. Das Medium des bewegenden Bildes wird im Gestaltungsprozess kaum angewendet. Eine Sequenz von Bildern um die Wahrnehmung der Stadtteile in der Bewegung zu überprüfen, wie es bspw. Gordon Cullen mit seinen bekannten 8 Skizzen gemacht hat (vgl. Abb. 23), würde bereits helfen, aber scheinbar weigert man sich. Ist die Gefahr zu gross, 30 38

dass man plötzlich zu viele Probleme erkennt? Ist die Lösung von


räumlichen Problemen nicht die Hauptaufgabe des Architekten und Stadtplaners? Roland Rohn hat sich diesen Fragen gestellt und die Schindler-Fabrik für den bewegenden Blick von der Strasse und vom Gleis aus gestaltet. Dabei hatte diese Strasse einen bemerkenswerten Einfluss auf die Form der Fabrik und diese wiederum einen Einfluss auf die Orientierung und Stadtgefüge von Ebikon. Einzig der Fussgänger kam dabei zu kurz. Einige Lichtblicke für die öffentliche Nutzung der erzeugten Freiräume und Plätze gibt es aber trotzdem. Man hätte mit einfachen Massnahmen, wie bspw. die Gestaltung des Bodenbelags, eine sowohl fussgänger- als auch fahrzeuggerechte Anlage gestalten können. Dies wäre selbst in den Jahrzehnten nach der Errichtung der Fabrik möglich gewesen, stattdessen hat man es versäumt und zugelassen, dass sich die Anlage zum Negativen hin entwickelt.

Abb. 23: Die bekannte Sequenz von Gordon Cullen.

31 39


Quellenverzeichnis Appleyard, Donald/Lynch, Kevin/Myer R. John: The View from the Road. Massachusetts, 1971. Bieri, Alexander/Diethelm, Alois: Roland Rohn. 1905-1971. Zürich, 2003. Cullen, Gordon. The Concise Townscape. Grossbritannien, 1961. Die neuen Schindler-Werkanlagen in Ebikon. In: Schweizerische Bauzeitung 7/1959, S. 98 ff. Henning, Barbara: Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern. Neue Ausgabe (Bd. 2). Bern, 2009. Mossdorf, C./Zumsteg, Eugen: Werkanlagen Schindler in Ebikon. In: Bauen + Wohnen 14/1960, S. 4–8. Schacher, Richard: Ebikon einst und jetzt. Luzern, 2011. Venturi, Robert/Brown, Scott/Izenour, Steven: Lernen von Las Vegas. Zur Ikonographie und Architektursymbolik der Geschäftsstadt. Braunschweig/Wiesbaden, 1979. Wohlfahrtshaus der Schindler & Co. AG in Ebikon (Luzern): Architekt August Boyer. In: (Das) Werk 4/1957, S. 126-128.

40 32


Abbildungsverzeichnis Titelbild:

Archiv Schindler. http://www.schindler.com/ch/internet/de/ueber-schind ler-schweiz/schindler-geschichte.html (16. Januar 2016).

Abb.1:

Schweizerische Bauzeitung, Band 77. 1959, S. 98.

Abb. 2:

Roland Rohn; 1905-1971. S. 9.

Abb. 3:

Archiv BaBel.

Abb. 4:

Stadtarchiv Luzern.

Abb. 5:

Bauen + Wohnen, Band 14. 1960, S. 4.

Abb. 6:

Skizze Autor, 2015.

Abb. 7:

Ebikon einst und jetzt. 2011, S. 16.

Abb. 8:

Hurni Christoph. 2009, https://www.flickr.com/photos/40826712@ N00/4158457902 (04. Januar 2016).

Abb. 9:

Roland Rohn; 1905-1971. S. 119.

Abb. 10:

Roland Rohn; 1905-1971. S. 119.

Abb. 11:

Das Werk, Band 44. 1957, S. 126.

Abb. 12:

Roland Rohn; 1905-1971. S. 116.

Abb. 13:

Fotografie Autor, 2015.

Abb. 14:

Fotografie Autor, 2015.

Abb. 15:

Skizze Autor, 2015.

Abb. 16:

Skizze Autor, 2015.

Abb. 17:

Skizze Autor, 2015.

Abb. 18:

Skizze Autor, 2015.

Abb. 19:

Archiv Schindler. http://www.schindler.com/ch/internet/de/ueber-schind ler-schweiz/schindler-geschichte.html (16. Januar 2016).

Abb. 20:

Skizze Autor, 2015.

Abb. 21:

Ebikon einst und jetzt. 2011, S. 16.

Abb. 22:

Skizze Autor, 2015.

Abb. 23:

The Concise Townscape. 1961, S. 17.

Sequenz 1:

Fotografien Autor, 2015.

Sequenz 2:

Standbilder Autor, 2015.

Sequenz 3:

Standbilder Autor, 2016.

41 33


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Synthese von Tradition und Moderne Eine Untersuchung der Altstadtsanierung in ZĂźrich unter Stadtbaumeister A. H. Steiner von Dominic AndrĂŠ Grimm


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2016

Verfasser: Dominic AndrĂŠ Grimm Steinhofstrasse 15b 6005 Luzern Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

46 Synthese von Tradition und Moderne

Dominic AndrĂŠ Grimm


Abstract Der vorliegende Essay befasst sich im Rahmen des Modules «Vertiefungsarbeit» unter dem Überthema «Stadt als Versprechen – Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz » mit dem Thema der Zürcher Altstadtsanierung unter Albert Heinrich Steiner. Die teils desaströsen hygienischen Zustände in der Altstadt führten schon seit anfangs des 20. Jahrhunderts zu einer regen Debatte. Mit der Wahl von Steiner zum Stadtbaumeister und der Gründung des Büros für Altstadtsanierung im Jahre 1945 wurde sich erstmals in einem institutionellen Rahmen mit dem Thema beschäftigt und ein Richtprojekt ausgearbeitet. Steiner selbst wollte mittels einer Synthese von Tradition und Moderne die hygienischen Missstände beseitigen, ohne den spezifischen Charakter der Altstadt zu zerstören. Dafür wurden schrittweise, kleinere, meist von privaten Bauherren finanzierte Projekte subventioniert und in die gewünschte Richtung gelenkt. Durch Gassenerweiterungen und das Einführen von Arkaden sollte der Weg für den Einzug des technischen und gesellschaftlichen Fortschrittes, in Form von Verkehr, in die Altstadt geebnet werden. Die Synthese ermöglichte zwar teilweise eine systematische Sanierung, jedoch wirken die zeitgenössisch als der Altstadt angepasst geltenden entstandenen Höfe, Umbauten und Neubauten, mit den zurückgesetzten Häuserfluchten und den untypischen Motiven, heute eher als Störungen und ungenutzte Leerstellen.

Synthese von Tradition und Moderne

Dominic André Grimm

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48


Inhalt

1. Einleitung

1

2. Stadtbaumeister Steiner und Büro für Altstadtsanierung 2.1 Die Person A. H. Steiner 2.2 Geschichte und Ziele des Büros für Altstadtsanierung

3 3 3

3. Interventionen in der Zürcher Altstadt unter Steiners Büro für Altstadtsanierung 2.1 Umbau Stüssihofstatt 15 2.2 Gassenerweiterung und Ersatzneubau “Wellenberg“ 2.2 Ersatzneubauten Hotel “Biber“ und Hotel “Zum schwarzen Adler“ 2.3 Auskernung am Beispiel Rosenhof

9 9 12 15 18

4. Schlusswort

21

Literaturliste Abbildungsverzeichnis

Synthese von Tradition und Moderne

Dominic André Grimm 49


1. Einleitung «Lasset uns am Alten, So es gut ist, halten, Doch auf altem Grund Neues schaffen jede Stund.»1 Mit diesem Gedicht von Gottfried Keller lässt sich nicht nur die Städtebaudebatte zum Thema Altstadtsanierung umschreiben, sondern auch das Werk von Albert Heinrich Steiner. Der Stadtbaumeister von Zürich konnte durch die Gründung des Büros für Altstadtsanierung grossen Einfluss auf die Altstadtsanierung in der Nachkriegszeit nehmen und seine Vorstellungen von einer altstadtgerechten Sanierung systematisch umsetzen. Steiner selbst vertrat eine, im Vergleich zur modernen Architekturavantgarde, gemässigtere Architekturvorstellung. Im Gegensatz zu einigen, in den 30er Jahren entstandenen Projekten und Vorschlägen, die sich durch ihre Radikalität auszeichneten, wollte Steiner mittels einer Synthese von Tradition und Moderne die hygienischen Missstände der Altstadt beseitigen und trotzdem ihren spezifischen Charakter wahren. In dieser Arbeit soll die von Steiner in der Altstadtsanierung betriebene Synthese von Tradition und Moderne, von Alt und Neu, von «tabula rasa» und ängstlicher Beibehaltung anhand folgender Fragestellung untersucht werden: Inwiefern konnte A. H. Steiner seine städtebaulichen Ansichten und Ideen in der Altstadtsanierung umsetzen? Wo liegen die Chancen und Risiken der von Steiner betriebenen Synthese von Modernismus und Traditionalismus?

1

1 50

Gedicht vom Schweizer Dichter Gottfried Keller, In: Marti (1957), S. 171.

Welche städtebaulichen und architektonischen Qualitäten bergen die umgesetzten Interventionen und welche Folgen zogen sie mit sich?


Im ersten Teil werden, nebst der Person Albert Heinrich Steiner, die zeitgenössische Städtebaudebatte im Bezug auf die Zürcher Altstadt untersucht und teils gegensätzliche Haltungen und Konzepte im Umgang mit der historischen Bausubstanz aufgezeigt, sowie die Entstehung des Büro für Altstadtsanierungen dargelegt. In einem zweiten Teil werden exemplarisch einige Interventionen, ein Umbau, eine Gassenerweiterung, zwei Ersatzneubauten, sowie die Auskernung Rosenhof untersucht. Mittels zeitgenössischen Berichterstattungen, Aussagen von Steiner selbst und dem Vergleich mit der vorgängigen Situation werden die städtebaulichen Qualitäten und Folgen der Interventionen herausgeschält und somit die von Steiner betriebene Synthese ergründet.

Synthese von Tradition und Moderne

Dominic André Grimm

51 2


2. Stadtbaumeister Steiner und Büro für Altstadtsanierung 2.1 Die Person A. H. Steiner

Abb. 1. Albert Heinrich Steiner

Albert Heinrich Steiner war als Stadtbaumeister von Zürich und Professor an der ETH eine prägende Figur der Städtebaudebatte in der Nachkriegszeit. Steiner wurde 1905 geboren und durchlebte vier unterschiedliche Schaffensphasen. Nach seinem Architekturstudium, welches er an der ETH und in München bei Prof. Theodor Fischer, einem der Gründungsväter der Moderne, absolvierte, arbeitete er im Büro von Prof. Otto Rudolf Salvisberg, welcher für eine gemässigte, Schweizer Moderne steht.2 Nach der Anstellung bei Salvisberg gründete A. H. Steiner im Jahre 1933 sein eigenes Architekturbüro. Als bedeutendste Projekte dieses Abschnittes gelten, nebst diversen Wohnbauten, das Schulhaus Kornhausbrücke sowie die Kirche Zürich-Seebach. Wie Adolf Wasserfallen, sein Nachfolger als Stadtbaumeister, in der Zeitschrift „Schweizer Ingenieur und Architekt“ schrieb, war schon in dieser ersten Phase ein Wandel der Architektursprache, weg vom „Neuen Bauen“ hin zu einem mehr traditionellen Ausdruck spürbar.3 In einer zweiten Phase, welche 1942 durch seine Wahl als Stadtbaumeister von Zürich begann, prägte er das Erscheinungsbild der Stadt Zürich massgeblich. In seinem Schaffen als Stadtbaumeister stechen nebst der Siedlung Heiligfeld, welche mit den beiden ersten Wohnhochhäusern von Zürich die Hochhausdebatte der Nachkriegszeit neu lancierte, vor allem seine Bemühungen in Bezug auf die Altstadtsanierung heraus. 2.2 Geschichte und Ziele des Büros für Altstadtsanierung

2

Oechslin (2001), S. 12.

3

Wasserfallen (1996), S. 46.

3 52

In der ersten Hälfte des 20 Jh. rückte die Zürcher Altstadt vor allem aufgrund der miserablen hygienischen Bedingungen vermehrt ins Zentrum der Architekturdebatte. Albert Heinrich Steiner beschreibt die Gegebenheiten in der Altstadt im Bericht über die Altstadtsanierung wie folgt:


«Fast sämtliche Wohnungen lassen infolge der dichten Bebauung hinsichtlich des Zutrittes von Licht und Luft sehr zu wünschen übrig. Die Entstehung von Feuchtigkeitserscheinungen wird begünstigt. Die Zahl der Küchen mit indirekter Belichtung und Belüftung ist sehr gross, das Verhältnis der vorhandenen Abortanlagen ist zur Anzahl der Wohnungen ungünstig.»4 (Abb. 2.) Um die hygienischen Probleme zu entschärfen und der stetig steigenden Bebauungsdichte entgegenzuwirken, entstanden seit den dreissiger Jahren etliche Projekte. Nebst einigen moderateren Eingriffen, welche sich meist in Form von Auskernungen manifestierten, wurden vor allem im Kreise der ETH einige «tabula rasa» Projekte geschaffen, welche jedoch von rein hypothetischem Charakter blieben.5 Karl Moser arbeitete 1933 ein solch radikales, geradezu utopisches Projekt aus, welches aus Zeilenbauten bestand und lediglich die Kirchen, das von ihm gebaute Kunsthaus sowie die Zentralbibliothek stehen liess, und die Verwandtschaft zu den von Le Corbusier geprägten Idealstädte der 20er Jahre unschwer erkennen liess.6 (Abb. 3 & 4.)

Synthese von Tradition und Moderne

Dominic André Grimm

Abb. 2. Blick aus Wohnraum in hygienisch problematischer Innenhof Abb. 3. Karl Moser, Projektvorschlag

4

Steiner (1949), S. 5.

5

Karl Moser beschäftigte sich und seine Studenten 1926/27 im Rahmen eines Seminares mit der Altstadtsanierung. Zwei Jahre später stellte Otto Rudolf Salvisberg, in enger Anlehnung an Mosers Seminarthema, die Sanierung der rechtsufrigen Altstadt als Diplomaufgabe. «Eine gewisse Wirkung auf die Debatte hatten die Projekte vielleicht durch einen Artikel in der Bauzeitung, wo der Architekturkritiker Peter Meyer einige Projekte veröffentlichte, wenn er auch gleichzeitig vor der «Gefahr des UtopischEffektvollen» warnte, die er in der Aufgabenstellung sah. Fischli (2012), S. 60.

6

ebd. S. 62.

4 53


Die Altstadtsanierung fiel seit 1930 in die Kompetenz des Bebauungsplanbüros. Im Jahre 1945, drei Jahre nach Steiners Amtsantritt als Stadtbaumeister, fällte der Stadtrat den Beschluss, mit der Zentralstelle für Altstadtsanierung eine neue Institution zu gründen, welche sich ausschliesslich der komplexen Fragenstellung der Altstadtsanierung annehmen sollte. Das Büro für Altstadtsanierung wurde im Bauamt für Hochbau angesiedelt und somit direkt Albert Heinrich Steiner unterstellt.7 Die komplexe Fragestellung der Altstadtsanierung umschrieb Steiner 1949 in einem Bericht über die Altstadtsanierung wie folgt:

7

Fischli (2012), S. 63.

8

Steiner (1949), S. 5.

9

vgl.«Es muss doch aufhorchen lassen, dass z. B. der klare, eindeutige historische Stadtgrundriss von Bern den heutigen Anforderungen besser genügt als Stadtteile des 19. Jahrhunderts. Zudem ist das alte Bern in seiner Gesamtheit ein Bauwerk, das seit jeher den menschlichen Bedürfnissen in hervorragender Weise entsprochen hat. Damit will gesagt sein, dass ein gestalteter Grundriss eine im menschlichen Masstab gesprochen -beinahe unbegrenzte Lebensdauer hat oder zum mindesten einem nur rationellen, analytischen Grundriss, der die Punkte X und Y auf dem kürzesten Wege verbindet, überlegen ist.» Steiner (1958), S. 8.

10 Steiner (1950), S. 5.

5

54

«Sie stellt einen Fragenkomplex dar, der nicht nur hygienische, sondern soziale, volkswirtschaftliche und kulturell-ethische Probleme in sich schliesst, sondern auch architektonische, verkehrstechnische, städtebauliche und nicht zuletzt auch juristische Aufgaben zu lösen gibt.»8 Die von Steiner vertretene Architekturauffassung, welche eine gewisse Gegenposition zur modernen Architekturavantgarde darstellte, respektierte die Altstadt als kulturell wichtiges Zentrum von Zürich.9 Im Unterschied zu den modernen Entwürfen der 30er Jahre empfand Steiner das Ensemble der Altstadt als schützenswert. Für ihn waren weniger einzelne, bedeutende Objekte erhaltenswert, vielmehr sah er die Qualität in der in sich geschlossenen Einheit, sowie dem intuitiv richtigen Massstab. Der spezifische Massstab, Materialien und Farben, die Individualität und den spezifischen Charakter der Altstadt sollten trotz einer Sanierung zwingend erhalten bleiben, um die Identität der Stadt zu bewahren.10 Mittels einer Synthese von alt und neu sollten nicht nur keine kulturhistorischen und architektonischen Werte zerstört, sondern zusätzlich neue Werte erschaffen werden. Steiner differenziert seine Haltung explizit von den Ideen der 30er Jahren. (Abb. 4 & 5.)


«Aus diesen Gründen darf bei der Sanierung weder das System der „tabula rasa“, des völligen Abbrechens und Neuaufbauens, noch aber das der ängstlichen Beibehaltung des bestehenden Zustandes angewendet werden. Es muss eine Synthese gefunden werden.»11

Abb. 4. Karl Moser, Perspektive Projektvorschlag

Abb. 5. Albert Heinrich Steiner, Fotomontage: «Der Massstab ist verdorben. Ist das noch Zürich?»

11 Steiner (1949), S. 3.

Synthese von Tradition und Moderne

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Abb. 6. Richtprojekt für die Altstadtsanierung, erhaltenswürdige Bauten

Abb. 7. Richtprojekt für die Altstadtsanierung, projektierte Neubebauung

7 56


Um diese Synthese zu ermöglichen, begann das Büro für Altstadtsanierung damit ein umfassendes Inventar aufzunehmen und die einzelnen Gebäude zu untersuchen. (Abb. 6.) Die Gebäude wurden folgenden unterschiedlichen Kategorien zugeteilt: erhaltenswürdige Bauten, Bauten die durch Umbau saniert werden, Bauten die aufgrund des guten Zustandes nicht saniert werden müssen, Bauten, die durch einen Neubau ersetzt werden müssen, sowie Bauten die zur Schaffung von Freiflächen abgebrochen werden sollen.12 Aus dieser Bestandsaufnahme entstand 1951 das Richtprojekt, welches als Grundlage für die Sanierung der Altstadt dienen sollte. (Abb. 7.) Die Altstadt wurde in 33 Blöcke aufgeteilt, welche jeweils von, durch Steiner ausgewählten, freischaffenden und eine traditionalistische Auffassung vertretenden Architekten unter allgemein gültigen Richtlinien bearbeitet wurden.13 Auf der Basis des Richtprojektes entstanden einzelne, meist durch private Bauherren lancierte Interventionen, welche vom Büro für Altstadtsanierung überwacht und subventioniert wurden. Einige dieser Interventionen sollen nun im nächsten Teil dieser Arbeit exemplarisch aufgezeigt und der Umgang mit den von Steiner benannten Punkten untersucht werden.

12 Steiner (1949), S. 3. 13 Albert Heinrich Steiner sicherte sich die - «in Anbetracht der erheblichen städtebaulichen Bedeutung dieser Quartiere» - Blöcke 1 (Zentralbibliothek) und 2 (Grossmünster). Ausführlicher dazu: Fischli (2012), S. 125.

Synthese von Tradition und Moderne

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3. Interventionen in der Zürcher Altstadt unter Steiners Büro für Altstadtsanierung 2.1 Umbau Stüssihofstatt 15 Ein wichtiges Werkzeug im Zuge der Altstadtsanierung unter Steiner stellten die Sanierungen dar. Bei den Sanierungen handelte es sich um Objekte, die zwar erhaltenswert waren, jedoch aufgrund ihres schlechten Zustandes renoviert werden mussten. Exemplarisch für eine solche Sanierung wird im Folgenden das Objekt an der Stüssihofstatt 15 untersucht. Die Renovation des Objektes erfolgte kurz nach Steiners Antritt als Stadtbaumeister. Der Umbau wurde noch vor der Gründung des Büros für Altstadtsanierung im Jahre 1943 lanciert und stellte eine der ersten Interventionen Steiners in Bezug auf die Zürcher Altstadt dar. Entsprechend Steiners Forderungen, wurde das Objekt nach Plänen des Architekten Hans Robert Beck weitgehend umgebaut.14 Wie Steiner an einer Stadtratssitzung ausführte, wollte er den von privater Seite geplanten Umbau des Hauses zum Anlass nehmen, eine Verbesserung des Platzbildes an der Stüssihofstatt zu erzielen. Mit dem Ziel der Stadtbildpflege sollten Gestaltungsvorgaben für den Umbau durchgesetzt und deren Umsetzung im Gegenzug mittels finanziellen Beiträgen der Stadt abgesichert werden.15

14 Fischli (2012), S. 144. 15 Protokoll Stadtratssitzung Zürich, Nr. 1059, 11.06.1943

9 58

Die Fassade des ehemaligen Hotel Stüssihof war im Vergleich zur restlichen Zürcher Altstadt reich verziert. (Abb. 9.) Die Fassade scheint aufgrund von Zierelementen, wie Gesimse, Dreiecksgiebel als Fensterverdachung und der klassischen Dreiteiligkeit, der Architektur des Historismus in der Gründerzeit zu entspringen. Steiner vertrat jedoch eine dieser Architektur gegenteilige Auffassung der Zürcher Altstadt. In seinem Bericht über die Altstadtsanierung beschrieb Steiner den Akt der Sanierung, sowie die Eigenheiten der Zürcher Altstadt wie folgt:


«Eine Sanierung schliesst die Modernität nicht aus, sofern unter Modernität nicht modische Zutaten und ortsfremde Materialien verstanden werden. Die Zürcher Altstadt ist herb, sachlich und zurückhaltend in den Farben. Nur im Inneren der Häuser finden wir bisweilen reicheren Schmuck.»16 Wohl aufgrund dieser Auffassung wurde das Gebäude während der Sanierung stark purifiziert und nach zeitgenössischem Verständnis der restlichen Altstadt angepasst. Neu wurde ein schmaler Giebel, sowie ein über vier Geschosse laufender Erker eingeführt und die Fensterfläche stark reduziert. (Abb. 10.) Auch wenn diese erste Intervention Steiners noch kein übergreifendes Konzept erkennen liess, wandte er hier erstmals ein Vorgehen an, welches später unter dem Büro für Altstadtsanierung systematisch auf die ganze Altstadt ausgedehnt werden sollte.

Abb. 8. Untersuchte Interventionen: Stüssihofstatt 15 (rot)

16 Steiner (1950), S. 5.

Synthese von Tradition und Moderne

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10 59


Abb. 9. StĂźssihofstatt 15, Zustand vor dem Umbau 1943

Abb. 10. StĂźssihofstatt 15 nach dem Umbau

11 60


2.2 Gassenerweiterung und Ersatzneubau “Wellenberg“ Der 1949 fertiggestellte Ersatzneubau “Wellenberg“ an der Niederdorfstrasse 10 sollte als ein Initialprojekt für die Sanierung des umliegenden Gebietes dienen, da das Projekt an einer Schlüsselstelle lag. Steiner selbst betonte die Wichtigkeit des Eckbaus im Bericht zur Altstadtsanierung wie folgt: «Andererseits wird der Neubau an dieser sehr wichtigen Schlüsselstellung die Sanierung des angrenzenden Gebietes weitgehend erleichtern und den später als Grünfläche vorgesehenen Hof öffnen.»17 Das Gebäude bildet seit der Umgestaltung des Zähringerquartiers 1880 eine prägnante Platzwand des damals neu angelegten Hirschenplatzes. Die private Bauherrschaft, welche zuerst einen Umbau des Objektes ins Auge fasste und auch ein bewilligungspflichtiges Sanierungsprojekt ausarbeiten liess, konnte mittels Subventionen vom Büro für Altstadtsanierung zu einem Neubau bewegt werden. Das Projekt wurde vom Architekten Karl Knell, welcher bereits die sanfte Sanierung des “Wellenberg“ plante und bis zu diesem Zeitpunkt nicht weiter an der Altstadtsanierung beteiligt war, ausgeführt.18 Knell übernahm das im Richtprojekt ausgearbeitete Projekt fast gänzlich. (Abb. 14 & 15.) Durch das Rückversetzen der Fassade an der Niederdorfstrasse um 4 Meter, sowie der Verlegung des Trottoirs in 3 ½ Meter breite Arkaden wurde eine Verbreiterung der Niederdorfstrasse erreicht. (Abb. 13.) Für die Abtretung an den Strassenraum war eine Vergütung vorgesehen.19 Das in Relation zu umliegenden Bauten grosse Gebäudevolumen wurde mittels zwei optisch voneinander abgesetzten Baukörpern gegliedert, um so der von Steiner als erhaltenswert eingestuften, kleinteiligen Gliederung der Altstadt gerecht zu werden. Das Gebäude wurde in einen traufständigen Trakt entlang der Brunngasse, sowie in eine schmalere, zum Hirschenplatz gerichtete Giebelfront aufgeteilt. Diese Aufgliederung, sowie der zur Niederdorfstrasse gerichtete Erker entsprangen dem im Richtprojekt

Synthese von Tradition und Moderne

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Abb. 11. Utopie: Menschen flanieren durch die neuen Arkaden

Abb. 12. Realität: Die Arkaden werden als Abstellplatz genutzt

17 Steiner (1949), S. 21. 18 Fischli (2012), S. 142. 19 Steiner (1949), S. 21.

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von den Architekten Kopp, Dürr, Aeschlimann und Baumgartner ausgearbeiteten Projekt. In der Neuen Zürcher Zeitung wurde in einem Artikel vom 29.10.1949 die gelungene, beim Neubau “Wellenberg“ betriebene Synthese unterstrichen:

Abb. 13. Situation Projekt Wellenberg, zurückgesetzte Häuserflucht Abb. 14. Kopp, Dürr, Aeschlimann & Baumgartner, Sanierungsvorschlag im Richtprojekt Abb. 15. Karl Knell Baueingabe Projekt „Wellenberg“

20 NZZ (1949), S. a12. 21 vgl. Hans Marti zog 1957 anlässlich eines Vortrages ein kritisches Fazit zum Thema Zürcher Altstadtsanierung. «Gerade bei der Beurteilung des Raumbildes wurden bei uns Fehler begangen, die kaum wieder gut gemacht werden können. Die Folgen dieses Verhängnisses waren: Zurücksetzen der Baulinien, Einbau von Arkaden und Kompensation in der Höhe! Folgen waren: breitere Strassen bei gleichbleibender Sicht länge und höhere Häuser, also stark veränderte Proportionen vor allem im Verhältnis zu den gleich gross gebliebenen und unter schützende, unzürcherische Arkaden verwiesenen Menschen.» Marti (1957), S. 173.

13 62

«Es war nicht leicht, eine Architektur zu finden, welche dem Charakter der Altstadt Rechnung trägt und doch gleichzeitig den Beginn der neuen modernen Zürcher Altstadt darstellen sollte. Es scheint uns, dass es den vereinten Kräften der Fachleute gelungen ist, diese Aufgabe zu lösen, denn der gediegen ausgeführte und bis in alle Details mit Liebe und Sorgfalt durchstudierte Neubau fügt sich prächtig und würdig in das Stadtbild ein.»20 Trotz der lobenswerten Intentionen wurden beim Neubau “Wellenberg“ die von Steiner für die Altstadt als charakterbildenden bezeichneten Parameter wesentlich abgeändert. So wird mit dem Arkadengang ein Motiv eingeführt, welches, mit einigen Ausnahmen entlang des Limmatquais, für die Zürcher Altstadt untypisch war und auch in den Nachbargebäuden keine Fortsetzung fand. (Abb. 11 & 12.) Durch die neue, leicht erhöhte Gebäudehöhe, sowie die im Bereich des Gebäudes verbreiterte Strasse wurden auch die Proportionen und der Massstab des Strassenraumes stark verfälscht.21


Abb. 16. Das alte Haus „zum Wellenberg“, 1948 abgebrochen

Abb. 17. Der Ersatzneubau „Wellenberg“

Synthese von Tradition und Moderne

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14 63


2.2 Ersatzneubauten Hotel “Biber“ und Hotel “Zum schwarzen Adler“ In der Folge des Projektes “Wellenberg“ entstanden 1949 und 1953 zwei Ersatzneubauten, deren Entwicklung ebenfalls stark vom Büro für Altstadtsanierung geprägt wurden und die zusammen das neue Gegenüber des Hauses Wellenberg bildeten. Beide Objekte befanden sich in dem Häuserblock, der den zu dieser Zeit geplanten und später auch umgesetzten Rosenhof umgab und können als dessen Initialzündung betrachtet werden.

Abb. 18. Objekt „Biber“ vor dem Umbau

Das Gebäude an der Niederdorfstrasse 7 wurde aufgrund seines schlechten Zustandes im Richtprojekt zum Abbruch freigegeben. Der Eigentümer zog allerdings anfangs nur eine Sanierung, mit dem Ziel das Gebäude in das Hotel Biber umzubauen, in Betracht.22 In etlichen Verhandlungen konnte der Eigentümer überzeugt werden, unter Einbezug der Grundfläche des der Stadt gehörenden Gebäudes Weingasse 13 einen Neubau zu errichten. Albert Heinrich Steiner schrieb in seinem Bericht dazu: «Zur Ermöglichung des Neubaus wurde ihm die Liegenschaft Weingasse 13 zum Abbruch verkauft, ferner wurde auch das der Stadt gehörende Gebäude Weingasse 11 niedergelegt und an dessen Stelle ein kleiner Hof geschaffen. Dies ermöglichte die Erstellung der im Richtprojekt vorgesehenen offenen Fassade gegen den Innenhof.»23 Der Neubau wurde im Vergleich zum Vorgänger um ein Geschoss aufgestockt und die Fassade stark purifiziert. So wurde auf die Gesimse verzichtet und eine flächige, sehr zurückhaltende Fassade geschaffen.

Abb. 19. Objekt „Biber“ nach dem Umbau 22 Fischli (2012), S. 144. 23 Steiner (1949), S. 20.

15 64

Mit dem Neubau des Hotels “Zum schwarzen Adler“, welcher 1953 lanciert wurde, konnte ein weiterer Schritt in Richtung Sanierung des Gebäudeblocks “Rosenhof “ realisiert werden.


Im Rahmen des Neubaus wurde nebst der alten Liegenschaft zusätzlich ein Gebäude an der Rosengasse abgebrochen, um ausreichend Platz für den Neubau zu schaffen.24 Beim Neubau wurde versucht, analog zum Projekt “Wellenberg“, das Gebäudevolumen mittels unterschiedlichen Geschosszahlen in zwei unterschiedliche Gebäudekörper aufzuteilen und so auf die kleinteilige Gliederung der Altstadt herunter zu brechen. Zusätzlich wurden Loggien eingeführt, welche wiederum halfen, das Gebäude aufzugliedern. Das Motiv der Loggien ist in der Charakteristik der Zürcher Altstadt nicht aufzufinden, und wirkt deshalb etwas irritierend. Bei der restlichen Fassade wurde auf sämtliche horizontalen Gliederungen in Form von Gesimsen verzichtet und eine sehr flächige Fassade erzeugt. Das Verhältnis von Fenster zu geschlossener Fläche wurde stark zu Gunsten der geschlossenen Fläche angepasst. Obwohl der Architekt und Planer Hans Marti als wichtiges Element der spezifischen Charakteristik der Zürcher Altstadt die Schlichtheit und das Fehlen der auffallenden und reichgestalteten Fronten aufzählte, scheinen die beiden Neubauten aufgrund ihrer Armut an Zierelementen und lieblich gestalteten Details unterzugehen.25 Die Bauten waren nach zeitgenössischem Verständnis an die Altstadt angepasst, treten heute jedoch eher als Fremdkörper in Erscheinung.26 Die Neubauten, mit welchen man versucht hat eine Synthese zwischen Tradition und Moderne zu bilden, sind bis heute, auch aufgrund der atypischen Motive, nur zum Teil selbstverständlich geworden.

Synthese von Tradition und Moderne

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Abb. 20. Situation „Wellenberg“ und Hotel „Biber“

24 NZZ (1953), S. a6. 25 vgl. Hans Marti: «Verglichen mit andern Altstädten, mit denen Berns, Basels oder Schafhausens, ist, die Altstadt Zürichs dadurch gekennzeichnet, dass ihre alten, krummen Strassenzüge von Häusern gebildet werden, die nur selten auffallende und reichgestaltete Fronten zur Schau tragen. Im Gegenteil, die Fassaden sind eher schlicht zu nennen.» (Marti, 1952) 26 vgl. Artikel in der NZZ zum Neubau “Zum schwarzen Adler“: «Um für den stattlichen Bau, der, ohne einer falschen Altertümelei zu verfallen, in Gliederung, Material und Farbe den Rhythmus und Massstab der Altstadt übernommen hat, genügend Platz zu gewinnen, ist auch das Haus Regenbogen an der Rosengasse abgebrochen worden.» NZZ (1953), S. a6.

16 65


Abb. 21. Die abgebrochenen Bauten: „Wellenberg (links), „Biber“ (mitte), „Adler“ (rechts)

Abb. 22. Ersatzneubau Hotel „Adler“

17 66


2.3 Auskernung am Beispiel Rosenhof Nach den Abbrucharbeiten im Zusammenhang mit den Neubauten “Biber“ und “Zum schwarzen Adler“ ergriff die Stadt bei der Auskernung Rosenhof die Initiative. Zwischen 1954 und 1957 erwarb die Stadt etliche Gebäude innerhalb des Rosenhof-Häuserblocks. Im Sinne einer Auflockerung der vorhandenen, aufgrund des enormen Bevölkerungswachstums im 19. Jahrhundert entstandenen, dichten Baustruktur, sowie zur Beseitigung hygienischer Missstände wurde die nicht schützenswerte Zone an der heutigen Stelle des Rosenhofes ausgekernt.27

Abb. 23. Situation Rosenhof

Die Auskernung schaffte wesentlich bessere Licht- und Luftverhältnisse für die umliegenden, mehrheitlich mit Wohnungen bestückten Gebäude. Es wurde jedoch auch ein Platz geschaffen, welcher sich aufgrund seines Charakters wesentlich von historisch gewachsenen Plätzen unterscheidet und mit Ausnahme der umliegenden, heterogenen Bebauung eher Merkmale eines klassischen Hofes aus der Gründerzeit aufweist. Für den vierseitig gefassten Rosenhof, welcher etwas versteckt hinter den umliegenden Bauten liegt und nur über kleine Gässchen erschlossen ist, lag anfangs, wie in einem Artikel der NZZ vom 07.07.1967 beschrieben wird, kein klares Konzept in Bezug auf die Nutzung vor: «Der Häuserabbruch hatte mitten in der Altstadt eine Lücke geschaffen, über deren Verwendung man sich anfänglich keine Gedanken gemacht hatte, bis die Anwohner mit der Bitte an die Stadtverwaltung herantraten, das neu gewonnene Areal als Parkplatz benützen zu dürfen. Diesem Wunsch konnte und wollte man zuständigenorts aus verständlichen Gründen nicht entsprechen: also wurde die Stadt ihrerseits zum Handeln gezwungen.»28 1960 entstand ein erstes Projekt, welches den Rosenhof zur Grünanlage umgestalten, sowie mittels eingebauter Läden und Kleinwerk-

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27 NZZ (1966), S. b23. 28 NZZ (1967), S. c21.

18 67


Abb. 24. Erschliessung des Rosenhofes über schmale Gassen

Abb. 25. Eingang und heterogene Bebaung am Rosenhof

29 NZZ (1966), S. b23. 30 Steiner (1949), S. 18. 31 NZZ (1967), S. c21.

19 68

statten beleben und wirtschaftlich nutzen wollte. Da sich die Stadt im Gegenzug zur Enteignung der Hofbauten verpflichtete, eine öffentliche Grünanlage ohne Neubauten zu gestalten, kam es in Bezug auf das Projekt zu rechtlichen Schwierigkeiten, so dass dieses nicht weiter verfolgt werden konnte.29 Das letztlich durch Benedikt Huber umgesetzte Projekt im Rosenhof berief sich in Bezug auf die baulichen Mittel auf eine ähnliche Auskernung an der Leuen- und Spiegelgasse, bei der laut Steiner mittels Terrassierung des Platzes, sowie der Renovation des Brunnens ein typischer Altstadtplatz wiederhergestellt wurde.30 Der in Richtung Limmat leicht abfallende Platz wurde terrassiert und mit arenaförmig angeordneten Sitzstufen, sowie mit einem Brunnen ausgestattet. Der neu geschaffene Platz sollte zum Ort der Begegnung werden, sowie Passanten zum Verweilen und Ausruhen verleiten.31 Aufgrund der fehlenden Geschäfte, sowie der Erschliessung mittels der engen Wein- und Schweizerhofgasse weist der Rosenhof in der heutigen Zeit einen privaten Charakter auf. (Abb. 22 & 23.) Er bildet, mit Ausnahme von den Tagen, an welchen er mit einem Markt bespielt wird, einen Ruhepol. Der Rosenhof ist aufgrund seiner Charakteristik, hauptsächlich der Erschliessung und der vierseitigen Fassung, atypisch für einen öffentlich genutzten Platz in der Zürcher Altstadt.


Abb. 26. UrsprĂźngliche, dichte Hofbebauung im Rosenhof

Abb. 27. Rosenhof nach Auskernung

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20 69


4. Schlusswort Die in sämtlichen Architekturkreisen geführte Debatte der Altstadtsanierung zeigte auf, dass eine Sanierung aufgrund des teils desaströsen hygienischen Zustandes innerhalb der Altstadt eine Notwendigkeit darstellte. Während die utopischen Projekte der modernen Architekturavantgarde anfangs der 30er Jahre wohl an ihrer Radikalität scheiterten, dafür aber die Debatte erst richtig lancierten, stellte Steiners Synthese erstmals eine von der breiten Öffentlichkeit akzeptierte Möglichkeit des Umgang mit dem historischen Stadtkern dar. Seine auf die Synthese zurückzuführende Idee der kleinen, schrittweise durchgeführten Interventionen hatte den Vorteil, dass sie den kleinteiligen Grundbesitz respektierte und die Identität der Altstadt nicht grundlegend veränderte. Somit konnte die Idee auch praktisch umgesetzt werden. Eine der grössten Errungenschaften Steiners stellte wohl die Sensibilisierung einer breiten Bevölkerungsschicht für die Altstadtsanierung dar. Die von Steiner gewünschte Folgeentwicklung, nämlich die gesamtheitliche Altstadtsanierung nach Vorbild der Initialprojekte, wie zum Beispiel dem Objekt Wellenberg, scheint im Verlauf der Zeit nur bedingt eingetreten zu sein. So wirken vor allem die Eckprojekte wie Fragmente, die mittels Gassenerweiterungen und Arkaden einen neuen städtebaulichen Takt vorgeben wollten und nach deren Vorbild sich aber keine Nachfolgeprojekte ergaben. Obwohl Steiners Intentionen, im Genaueren die Erhaltung des spezifischen Altstadtcharakters und die mittels kleinmassstäblichen Interventionen zu erreichende Verbesserung der hygienischen Situation, durchaus nachvollziehbar und lobenswert waren, zeigen die einzelnen Interventionen die Risiken einer Synthese von Tradition und Moderne auf. Einerseits wurden durch das Modifizieren der drei raumbildenden Dimensionen, Gebäudehöhe, Strassenbreite und Sichtlänge, die Räume der Altstadt und somit ihr spezifischer Massstab und Charakter, entgegen Steiners ursprünglichen Intentio-

21 70


nen, wesentlich abgeändert. Andererseits haftet den Neubauten dank ihrer Ausformulierung mit den Erkern und des Einführens untypischer Motive, wie den Arkaden, ein teils fremdes und pseudohistorisches Bild an. Diese Zwiespältigkeit ist auch beim Rosenhof zu spüren. So hat er zwar die hygienischen Bedingungen der umliegenden Gebäude verbessert, scheint jedoch in seiner Art der Zürcher Altstadt fremd zu sein, und seine Nutzung bis heute nicht gefunden zu haben. Die Synthese ermöglichte zwar teilweise eine systematische Sanierung, jedoch wirken die zeitgenössisch als der Altstadt angepasst geltenden entstandenen Höfe, Umbauten und Neubauten, mit den zurückgesetzten Häuserfluchten und den untypischen Motiven, heute eher als Störungen und ungenutzte Leerstellen. Abschliessend stellt sich die Frage, inwiefern unseren historischen Stadtzentren der technische und gesellschaftliche Fortschritt, im Beispiel der Altstadtsanierung in Form des Verkehres mit der Folge der Gassenerweiterungen, aufgezwungen werden muss und was für eine kulturelle Bedeutung die Altstadt für uns hat.

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22 71


Literaturliste Fischli, M. (2012). Geplante Altstadt: Zürich, 1920-1960. Zürich: Chronos-Verlag. Marti, H. (1957). Altstadtsanierung in Zürich und sonst, Vortrag. In: Schweizerische Bauzeitung, 12, S. 171-173. Marti, H. (1952). Die Sanierung der Zürcher Altstadt 1. In: Neue Zürcher Zeitung, 07.08.1952, S. 5. Marti, H. (1952). Die Sanierung der Zürcher Altstadt 2. In: Neue Zürcher Zeitung, 08.08.1952, S. 6. Oechslin, W. (2001). «Sind wir reif, den Weg zu beschreiten von unserer zivilisatorischen Gesellschaft zu einer kulturellen Gemeinschaft...» Der ‚Fall‘ A.H. Steiner und das Verhältnis von Architektur und Gesellschaft. In: Oechslin, W. (Hrsg.), Albert Heinrich Steiner.Architekt Städtebauer - Lehrer (S. 12-31). Zürich: gta Verlag. Protokoll Stadtratssitzung Zürich, Nr. 1059, 11.06.1943 [s.n.]. (1967). Der neugestaltete Rosenhof. In: Neue Zürcher Zeitung, 07.07.1967, S. c21. [s.n.]. (1966). Die Gestaltung des Rosenhofareals. In: Neue Zürcher Zeitung, 07.11.1966, S. b23. [s.n.]. (1953). Hotel Schwarzer Adler. In: Neue Zürcher Zeitung, 23.07.1953, S. a6. Steiner, A. H. (1949). Bericht über die Altstadtsanierung. Zürich: [s.n.]. Steiner, A. H. (1958). Die Situation des Städtebaus in unserer Zeit. Antrittsvorlesung an der ETH Zürich. In: Schweizerische Bauzeitung, 40, S. 3-15. Steiner, A. H. (1950). Die Zürcher Altstadt und ihre Sanierung. In: Neue Zürcher Zeitung, 24.12.1950, S. 5-6. Wasserfallen, A. (1996). Albert Heinrich Steiner zum Gedenken. In: Schweizer Ingenieur und Architekt, 114, S. 46-47.

Abbildungsverzeichnis

72

1

Albert Heinrich Steiner Aus: Oechslin (2001), S. 30.

2

Blick aus Wohnraum in hygienisch problematischer Innenhof. Aus: Steiner, A. H. (1950), S. 5.

3

Karl Moser, Projektvorschlag. Aus: Fischli, M. (2012), S. 63.


4

Karl Moser, Perspektive Projektvorschlag. Aus: Fischli, M. (2012), S. 63.

5

Albert Heinrich Steiner, Fotomontage: «Der Massstab ist verdorben. Ist das noch Zürich?». Aus: Steiner, A. H. (1950), S. 5.

6

Richtprojekt für die Altstadtsanierung, erhaltenswürdige Bauten. Aus: Fischli, M. (2012), S. 126.

7

Richtprojekt für die Altstadtsanierung, projektierte Neubebauung. Aus: Fischli, M. (2012), S. 126.

8

Untersuchte Interventionen: Stüssihofstatt 15 (rot). Aus: http://maps.zh.ch (10.01.16). ba. von Dominic Grimm.

9

Stüssihofstatt 15, Zustand vor dem Umbau 1943. Aus: Fischli, M. (2012), S. 143.

10 Stüssihofstatt 15 nach dem Umbau. Eigene Grafik: Dominic Grimm 2015. 11 Utopie: Menschen flanieren durch die neuen Arkaden. Aus: Neue Zürcher Zeitung, 23.07.1953, S. a6. 12 Realität: Die Arkaden werden als Abstellplatz genutzt. Aus: Marti, H. (1952), S. 6. 13 Situation Projekt Wellenberg, zurückgesetzte Häuserflucht. Aus: http://maps.zh.ch (10.01.16). ba. von Dominic Grimm. 14 Kopp, Dürr, Aeschlimann & Baumgartner, Sanierungsvorschlag im Richtprojekt. Aus: Fischli, M. (2012), S. 140. 15 Karl Knell Baueingabe Projekt „Wellenberg“. Aus: Fischli, M. (2012), S. 141. 16 Das alte Haus „zum Wellenberg“, 1948 abgebrochen. Aus: Fischli, M. (2012), S. 139. 17 Der Ersatzneubau „Wellenberg“. Eigene Grafik: Dominic Grimm 2015. 18 Objekt „Biber“ vor dem Umbau. Aus: Steiner, A. H. (1949), S. 20. 19 Objekt „Biber“ nach dem Umbau. Aus: Steiner, A. H. (1949), S. 20. 20 Situation „Wellenberg“ und Hotel „Biber“. Aus: http://maps.zh.ch (10.01.16). ba. von Dominic Grimm. 21 Die abgebrochenen Bauten: „Wellenberg (links), „Biber“ (mitte), „Adler“ (rechts). Aus: Fischli, M. (2012), S. 145. 22 Ersatzneubau Hotel „Adler“. Eigene Grafik: Dominic André Grimm 2015 23 Situation Rosenhof. Aus: http://maps.zh.ch (10.01.16). ba. von Dominic Grimm. 24 Erschliessung des Rosenhofes über schmale Gassen. Eigene Grafik: Dominic Grimm 2015. 25 Eingang und heterogene Bebaung am Rosenhof. Eigene Grafik: Dominic Grimm 2015. 26 Ursprüngliche, dichte Hofbebauung im Rosenhof. Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich. G 243 + 243a. 27 Rosenhof nach Auskernung. Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich. G 243 + 243a. ba. von Dominic Grimm.

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75


76


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 David Toszeghi

Werner Müller – Das andere Zürich Sein Beitrag zum Diskurs um die Verkehrsführung in Zürich

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2016

Verfasser: David Toszeghi Wiesenstrasse 38 CH - 8700 Küsnacht Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Mit dem Wirtschaftsaufschwung der Schweizer Nachkriegszeit und dem damit aufkommenden Verkehr in der Zürcher Innenstadt stieg das Bedürfnis nach leistungsfähigen Lösungen der Verkehrsprobleme um die Quaibrücke. Werner Müllers scheinbar utopisches Projekt „Seepark“ bot im Kontext des neuen Nationalstrassennetztes und des Zürcher Generalverkehrsplans einen realistischen und relevanten Diskussionsbeitrag. Neben einem Lösungsansatz für die Verkehrsführung stand das Projekt auch für eine repräsentative und visionäre Haltung Zürichs ein. Diese Arbeit verortet Müllers Werk im Kontext der Zürcher Verkehrsplanung der 50er und 60er Jahre und versucht den Wert seines Beitrages zu beleuchten.

Werner Müller - Das andere Zürich

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David Toszeghi

3


Inhalt Präambel

6

Motivation

6

Fragestellung

6

Methode

7

Quellenlage

8

Einleitung Kapitel 1 – Werner Müller und der Seepark I

9 11

Seepark I, 1956

12

Projektchronologie

13

Konzept

14

Städtebauliche Aspekte

15

Verkehrstechnische Aspekte

16

Bautechnische Aspekte

17

Kapitel 2 – Der Diskurs um die Zürcher Verkehrsführung

18

Nationalstrassennetz

18

Generalverkehrsplan

20

Resumé

24

Literaturliste

25

Abbildungsverzeichnis

26

Anhänge

28

Werner Müller - Das andere Zürich

David Toszeghi

5 79


Präambel Motivation Bereits seit meiner Kindheit spielt der Zürichsee als Ausgleich zur bebauter Stadtstruktur und als Orientierungspunkt in der Zürcher Innenstadt für mich eine wichtige Rolle. Als heutiger Stadtzürcher verfolge ich zudem die laufende Entwicklung und den stetigen Diskurs um den Seeanstoss interessiert. Mit dieser Vertiefungsarbeit habe ich nun die Möglichkeit, einen vertiefteren Einblick in die Städtebaugeschichte meiner Heimatstadt zu erlangen und gleichzeitig einen wichtigen Protagonisten dieses Diskurses beleuchten zu können. Die Sichtung Werner Müllers Nachlasses hat zudem ergeben, dass bis anhin noch keine aufgearbeitete, monografische Auseinandersetzung mit ihm erfolgte. Ich hoffe mit meiner Arbeit einen Beitrag zur Aufbereitung seiner Person und seines Werkes leisten zu können. Fragestellung Meine Vertiefungsarbeit dieses Herbstsemesters beschäftigt sich innerhalb der Städtebaudiskussion der Schweizer Nachkriegsmoderne, fokussiert auf das Zürcher Seebecken, mit dem Protagonisten Werner Müller. Seine Person, seine Haltung und sein Werk werden in dieser Auseinandersetzung in den Kontext der Verkehrsdiskussion der 50er bis 70er Jahren gestellt und beleuchtet. Der Zürcher Werner Müller war als Visionär und Utopist bekannt und vertrat eine eigene, polarisierende Haltung. Seine Utopien und Ideen für Zürich gründeten auf dem Seebecken als Raumresource und auf nicht gelösten Problemen mit hauptsächlich dem Verkehr, aber auch den Grünflächen um den Seeanstoss. Seine Projekte wurden stets mit der grossen Kelle angerichtet und beinhalteten grosse Flächen, massive Veränderungen und charakterstarke Bauten. Sie alle blieben trotz grossem öffentlichem Interesse bei der Druchset-

6 80


zung jeweils chancenlos. Diese Arbeit versucht sein Werk innerhalb des zeitgenössischen Diskurses um die Zürcher Stadtentwicklung, das neue Nationalstrassennetz und den damals aktuellen Generalverkehrsplan für Zürich zu verorten und seine Relevanz als Diskussionsbeitrag zu benennen. Eingrenzung der Thematik -

Städtebau der Schweizer Nachkriegsmoderne

-

Städtebau der Schweizer Nachkriegsmoderne um das Zürcher Seebecken

-

Werner Müllers Rolle in der Städtebaudiskussion um das Zürcher Seebecken in den 50er bis 70er Jahren.

-

Werner Müllers Rolle in der Städtebaudiskussion um das Zürcher Seebecken in den 50er bis 70er Jahren, im Diskurs der Verkehrsführung.

Es stellt sich folgende Frage: «Welchen Beitrag bot Werner Müllers Werk im Diskurs um die Verkehrsführung in Zürich in den 50er bis 70er Jahren?» Methode Das methodische Vorgehen der Arbeit basiert auf der Recherche, der Analyse von Projektunterlagen sowie auf Befragungen und Interviews mit Schlüsselpersonen. Zuerst erfolgt eine Literaturrecherche nach Primär- und Sekundärliteratur über Müllers Werk, seiner Person und seiner Haltung. Anschliessend wird sein Steckenpferd das Projekt „Seepark“ aufgrund von Planunterlagen und Projekttexten analysiert und auf seine Relevanz für die Zürcher Stadtentwicklung untersucht. Schlussendlich erfolgt eine Verortung innerhalb des Städtebaudiskurses Zürichs und eine Beleuchtung der verkehrstechnischen Themen Nationalstrassennetz und Generalverkehrsplan.

Werner Müller - Das andere Zürich

David Toszeghi

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Quellenlage Der gesamte Nachlass Müllers wurde nach seinem Tod dem Stadtarchiv Zürich übergeben und bis anhin ungefiltert eingelagert. Die ca. dreissig Schachteln Planunterlagen, Briefe, Zeitungsartikel und Ähnliches bieten genügend Substanz um das Seeparkprojekt, sowie Müllers Person und Haltung aufzuarbeiten und beleuchten zu können. Neben seinem persönlichen Nachlass wurde kaum Literatur über ihn oder seine Projekte verfasst, auch die Recherche im NEBIS-Katalog blieb erfolglos. Eine weitere wichtige Informationsquelle war das Interview mit Benedikt Huber, ehemaliger Professor für Städtebau an der ETH Zürich und persönlicher Freund Werner Müllers.

Einleitung Als Grundlage dieser Arbeit dienen einige Worte zu Zürichs städtebaulicher Entwicklung in der Schweizer Nachkriegsmoderne, also in den Zeiten, die auf Krisenjahre und der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus folgten. Jene Jahre, die keine günstigen Voraussetzungen für grosse Entwürfe und liberale Ideen boten. Die grösste Schweizer und auch Zürcher Selbstdarstellung dieser Zeit war die Landiausstellung 1939. Der introvertierte Fokus galt der Bewahrung und dem Eigenschutz, die Werte der eidgenössischen Tradition standen im Zentrum. Das Landidörfli, die Walliser Speicher und die Riegelbauten galten als Symbole für die Rückverwandlung von Stadt zum Dorf. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte dann die Zeit des Wirtschaftswunders ein. Aufschwung, Optimismus und das Aufkommen neuer Stadtvisionen kamen auf, die Agglomerationsentwicklung und der Sieg des Autos führten zu einer Hochkonjunktur des Baugewerbes und der Mobilität und eine regelrechte Planungseuphorie setzte ein. Leitmotiv der 50er Jahre war «Die Zukunft ist in den Griff zu nehmen und es soll eine gross-

8 82


artige Zukunft sein».1 Dieses amerikanische Vorbild führte zu Wünschen

1

Schilling 1982: S.14.

2

Schilling 1982: S.12-13.

nach imposanten und leistungsfähigen Strassen und somit zu neuen, verkehrstechnischen Utopiemassstäben. Ende der 50er Jahre folgten dann entsprechend Grossprojekte wie die Nationalstrassenplanung des Bundes, das Projekt ExpressstrassenYpsilon durch Zürich, der Cityring, der Tangentenring und das ambitionierteste Projekt des neuen U-Bahnsystems das bis 1973 vollständig ausgereift und dem Volk zur Abstimmung unterbreitet wurde. Hauptverantwortlich für diese visionäre Haltung gegenüber der Zürcher Verkehrsentwicklung war der 1960 vorgelegte utopische „Transportplan weitere Region Zürich“, der eine auf wissenschaftlicher Basis berechnete, demografische Entwicklung Zürichs versprach, die aus der kleinen Stadt am Seebecken bis 2040 eine Metropole mit doppelter Einwohnerzahl machen sollte. Die Hochkonjunktur der 50er bis 60er Jahre kann als abgeschlossener Geschichtsabschnitt mit eigener Charakteristik betrachtet werden, der eine Vielzahl grosser Entwürfe und Utopien hervorbrachte. Im Anschluss folgten die 70er und 80er Jahre, die nach Rudolf Schilling und Max Frisch vom Leitbild der „Stabilisierung“ geprägt wurden und deren Doktrin bis heute in der Stadtentwicklung Zürichs spürbar ist.2

Abb 1:

Landiausstellung, Zürich 1939

Werner Müller - Das andere Zürich

David Toszeghi

9 83


«Über den Wandel der Zeit sagt die Geschichte der Utopien mehr aus 3

Schilling 1982: S.8.

als die Geschichte der wirklichen Veränderungen».3 Betrachtet man nun innerhalb des städtebaulichen Aufschwungs der 50er und 60er Jahre die Stadtutopie als Ausdrucksform von Vision und Wunsch, können verschiedene Arten von Utopien unterschieden werden. Rudolf Schilling benennt in seinem Buch «Ideen für Zürich», drei Arten von Utopien, die in der Schweizer Nachkriegsmoderne Anwendung fanden. Die Brems-Utopie, die Reparatur-Utopie und die Öffnungs-Utopien. Grundsätzlich war es in Zürich nach den stürmischeren 50er und

Abb 2: Schilling, Ideen für Zürich

60er-Jahren in den Anfängen der sibziger courant normal geworden, die Haltung der Brems-Utopien zu vertreten. Der grösste Wunsch war das Nicht-Verändern, das Bewahren, Beruhigen und Eindämmen Zürichs. Die beste Utopie war die Abwesenheit von Projekten. Professor

4 Der Hamburger Harald Jürgensen entwarf einen Katalog „Stabilisierungsvarianten“, um die wachsende Einwohnerzahl und die Arbeitsplätze Zürichs auf ein geringeres Niveau herunterzubinden.

Harald Jürgensen4 präsentierte einen Massnahmenkatalog für Zürich, in dem er die Stabilisierung zur Schaffung von Wohnlichkeit anstrebte. Die konservative Konservierung der Bausubstanz zur Schaffung von überschaubaren, bergenden, demokratischen Stadtstrukturen war die allgemein gültige Doktrin geworden. Neben der grossen Fülle der repressiven Bremsutopien der 70er wurden auch Reparatur- oder Ergänzungs-Utopien vorgelegt. Diese Projekte beschäftigten sich hauptsächlich mit der Auffüllung bestehender Lücken in der Stadtstruktur, waren grundsätzlich geradliniger und konkreter und hatten deshalb auch weniger Utopiecharakter als die Brems- und Öffnungsutopien. Sie verfolgten zudem das Ergänzen und nicht den generellen Richtungswechsel der Stadtentwicklung. Die Öffnungsutopien zu guterletzt manifestieren sich in dem Wunsch Platz zu schaffen, Beengungen loszuwerden und Luft zu atmen für neue städtebauliche Ansätze. Kreatives und schöpferisches Chaos und Aneignung der öffentlichen Räume zu Gunsten verschiedener Inte-

5

Schilling 1982: S.8-10.

ressensgruppen der Bevölkerung standen im Zentrum.5 Als eines der wenigen wirklich visionären Utopieprojekte innerhalb der beschriebenen «Stabilisierungs-Haltung» Zürichs galt Werner Müllers Seepark I, das er 1956 als Ideenskizze erstmals vorlegte.

10 84


Kapitel 1 – Werner Müller und der Seepark I Werner Müller, der sich bei seinen Freunden und Geschäftspartnern stehts als „Seepark-Müller“ vorstellte, wird im retrospektiven Architekturdiskurs von Vielen als etwas skurile Person belächelt und auch aufgrund seiner Seeparkutopie selten ernst genommen. Benedikt Huber, der heute pensionierte ETH-Professor und ein persönlicher Freund Müllers beschreibt ihn als unauffällige und wenig schillernde Perönlichkeit. Oft einfach gekleidet erschien er zum Stammtischabend, oft verliess er diesen ohne die Rechnungen zu begleichen. Offensichtlich sei er stehts knapp bei Kasse gewesen. Über seine Person wurde wenig verfasst, Frau und Kinder gab es keine, auch seinem Freund Huber können nur wenige Sätze über sein Leben abgerungen werden. Nicht einmal seine Ausbildung scheint bekannt zu sein. Müller schien sein ganzes Dasein seiner Ideologie und Seeparkutopie verschrieben zu haben. Interessant ist dabei, dass das Seeparkprojekt ursprünglich von seinem Mitarbeiter August Volland entworfen und bearbeitet wurde. Volland, ebenfalls ein guter Freund Hubers nahm sich 1955 aufgrund eines Zerwürfnis mit einer Liebschaft das Leben, worauf sich Müller dem Seeparkprojekt annahm, dieses weiterführte und auf sich personalisierte.6

Abb 4: Abb 3:

Rudolf Schilling, 1962

Werner Müller - Das andere Zürich

6

David Toszeghi

Karikatur. H. Steger.

Huber 2015.

11 85


Seepark I, 1956 Das Projekt «Seepark I», Werner Müllers Steckenpferd, wurde 1956 erstmals als Ideenskizze dem Zürcher Stadtrat vorgelegt und war ein Vorschlag für die städtebauliche Gestaltung am unteren Zürichseebe7

Schilling 1982: S.107.

cken. Das von Rudolf Schilling7 als Stadtutopie bezeichnete Projekt

8

Huber 2015.

sieht Benedikt Huber8 keinerlei als Utopie. Vielmehr handle es sich um eine realistische Projektion, die definierte Ziele gegenüber der Verkehrsführung Zürichs verfolge und die einer klaren Haltung entspreche. Die Idee beinhaltete einen Gestaltungsvorschlag für einen grossangelegten, autofreien Park zwischen dem Zürcher Sechseläutenplatz und dem Alpenquai, einen Vorschlag für die Verkehrsführung und galt als Diskussionsbeitrag zum Generalverkehrsplan. Das Projekt «Seepark» wurde zwischen 1956 und 1985 mehrfach angepasst, aufgelegt und diskutiert. Aus Zeit- und Umfanggründen wird in dieser Arbeit nur eine Momentaufnahme der ersten, 1956 vorgelegten Projektvariante beleuchtet. Folgend eine Chronologie des Projektverlaufes von 1956 – 1960.

Abb 5:

12 86

Seepark I, 1956

Abb 6:

Projektvisualisierung bei der Eingabe 1956


Projektchronologie Sept 1956

Einreichen der ersten Ideenskizze «Seepark I» durch Werner Müllers Planungsgruppe an Stadtrat. Planungsgruppe:

1956-57

-

Werner Müller, Arch ETH

-

August Volland Arch SIA

-

Rolf + Klaus Scheifele (Vekehrsplaner)

-

Ernst Cramer (Gartenarchitekt SWB)

Eingang diverser Briefe, Stellungsnahmen und Gratulationen zur Vision Seepark I durch den Automobilclub, Segel- und Yachtvereine, Turnvereine, ect. Mehrere Publikationen in lokalen Zeitungen.

Juli 1957

Auftragserteilung an Werner Müller durch Bauamt Zürich zur Erstellung eines Vorprojektes für eine Pauschalentschädigung von 20‘000 CHF.

1958

Übergabe des Sondierungsberichtes des Wasser- und Erdbauinstitutes der ETH an Bauamt Zürich durch Prof. Schnitter.

1959

Das im Auftrag des Stadtrates ausgearbeitete Vorprojekt wird zusammen mit den Statikstudien von Fritz & Hauri dem Bauamt eingereicht. - Kosten: 50-60 Mio CHF. Davon werden 20 Mio durch Garagengebüren kapitalisiert. Es bleiben 30-40 Mio für 100’000 m2 Neuland. Also 300-400 CHF/m2. Relativ günstig für Zürich damals.

1959

Prof. Stiefel und 38 Gemeinderäte Zürichs reichen dem Bauamt eine Seeparkmotion ein.

Werner Müller - Das andere Zürich

David Toszeghi

13 87


1959

Stellungsnahme des Militärdepartementes zu Gunsten von Kollektivschutzräumen unter dem Seepark. Diskurs in der Zeitung «Die Tat» vom 17.07.1959.

Januar 1960

Vorlage der ersten Ingeneurpläne des Seeparkprojektes durch Ingeneur Schleitermann.

März 1960

Entscheid des Stadtrates, dass die Garagenanlage mittels Privatinitiative erstellt werden solle. Gründung der Seepark AG zwecks der Errichtung der Garagenanlage gekoppelt mit einem Seehotel (Kapitalisierung) durch private Investoren. Nachträglicher Abkauf des Neulandes durch Stadt zu Erstellungskosten vereinbart

9

(Seepark AG + Stadtrat).9

Müller 1956.

Konzept Das Grundkonzept des Vorschlages basierte auf der Erweiterung des Alpenquais gegen den See hin, um einen grosszügigen, autofreien Park zu schaffen und beinhaltete auch eine neue Brücke zwischen dem Sechseläuten-Südrand und dem neu aufgeschütteten Parkgelände. Der Abschluss des Projektes bildeten eine Reihe repräsentativer und prominenter Gebäude am Kopf der neuen Seebrücke. Legende zu Abb. : 1 Bestehende Quaibrücke 2 Neue Seebrücke 3 Kulturzentrum als neuer «Kopf» Zürichs 4 Neuer Seepark

Abb 7:

14 88

Disposition des geplanten Seeparks


Städtebauliche Aspekte Aus städtebaulicher Sicht knüpfte Müller am Vorgehen Bürklis um 1870 an. Stadtingeneur Bürkli verantwortete damals die weitsichtige Erweiterung des Stadtgeländes mit einer Aufschüttung des Tonhallenareals, der Bürklianlage und dem roten und weissen Schloss in den See hinaus. Durch die Inanspruchnahme von Seegelände sollte nun mit dem Seepark erneut ein grosszügiges und erholsames Areal für die Bevölkerung und die Gäste Zürichs geschaffen werden, das eine reine Fussgängerzone zwischen Wollishofen und Tiefenbrunnen zulassen würde.

Abb 8:

Abb 9:

Übersichtsplan Zürich G. von Escher, 1859

Verlauf der Seeaufschüttungen seit 1830

Werner Müller - Das andere Zürich

David Toszeghi

15 89


Verkehrstechnische Aspekte Aus verkehrstechnischer Sicht löste das Projekt nach Müllers Ansicht auch die Problematik des stets überlasteten Nadelöhrs an der Quaibrücke. Mit der Schaffung eines zweiten Brückenlaufs könnte der Verkehr vom Sechseläutenplatz Richtung Alpenqaui über die bestehende Brücke einspurig geführt werden. Der gegenläufige Verkehr von Wollishofen richtung Tiefenbrunnen würde dann über die Ostseite des neuen Parkgeländes, ebenfalls einspurig und auf der gesamten Parklänge unterirdisch geführt werden und käme erst vor der neuen Brücke wieder ans Tageslicht. Mit der Schaffung eines 2000-Platz-Parkhauses unter dem Seepark würde zusätzlich der ruhende Verkehr und die Parksituationen um die Tonhalle, das Kongresszentrum und den Claridenhof entlastet werden. Sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel würden zudem ebenfalls unterirdisch im Parkhaus münden und die öffentlichen Gebäude am Kopf des Parkes erschliessen.

Abb 10: Parkierung unter Parkgelände

16 90

Abb 11: Verkehrsführung mittels Einbahnstrassen


Abb 12: Kontext der Verkehrsführung mit Knotenpunkten

Bautechnische Aspekte Die bautechnische Ausführung des Seeparkes wurde nur zu einem geringen Teil mittels Landaufschüttung geplant. Der Grossteil der Fläche sollte mittels Betoncaissons - also schwimmenden Betonhohlkörpern – angefertigt werden, die den Vorteil bargen, neben der für die Fussgänger reservierten Grünfläche oben, zusätzlichen Hohlraum für die Tiefgarage und die Verkehrsführung im Untergeschoss zu bieten. Somit konnten die Fahrkanäle für die Verkehrsführung Enge-Seebrücke und die Erschliessungsstränge für die Seeparkbauten und Parkräume allesamt unterirdisch erfolgen. Das gesamte, 1956 vorgelegte Projekt «Seepark I» umfasste somit rund 70‘000 m2 Oberfläche und unterirdische Parkplätze für 2000 Fahrzeuge.10

Werner Müller - Das andere Zürich

10

David Toszeghi

Müller 1956.

17 91


Kapitel 2 – Der Diskurs um die Zürcher Verkehrsführung Der grosse Aufschwung der 50er Jahre und die damit stark wachsende Zahl der Autos und Verkehrsteilnehmer rückte die Thematik des Verkehrs und der Strassenführung im Städtebaudiskurs in Zürichs Innenstadt ins Zentrum. Werner Müller und sein Projekt «Seepark I» als Diskussionsbeitrag und Lösungsansatz der ungelösten Verkehrsführung um die Quaibrücke gilt es dabei in den Kontext des neuen Nationalstrassennetztes des Bundes über die gesamte Schweiz und den Generalverkehrsplan für die Region Zürich zu stellen. Es gilt dabei zwei grundlegende Haltungen zu unterscheiden. Die Planungsgruppe um Werner Müller vertrat wie auch die Parteien Pirath/Feuchtinger und Kremer/Leibbrand die Haltung, der Verkehr würde in Zukunft stark zunehmen und müsse in die Stadt Zürich integriert werden. Man müsse somit leistungsfähige Verkehrsträger auch für den ruhenden Verkehr schaffen und damit die Attraktivität Zürichs gegenüber dem Personenverkehr und externen Be11

Feuchtinger 1955.

suchern stärken.11 Dieser Haltung trat die Gruppe um Benedikt Huber, damaligem Professor für Städtebau an der ETH Zürich mit der Meinung entgegen, man solle Zürich vollständig autofrei halten und mittels einer

12

Huber 2015.

weiträumigen Kreisautobahn, dem Cityringprojekt, umfahren.12 Nationalstrassennetz Grundlage für den gesamten Diskurs um die Verkehrsführung in Zürich war das ab 1954 diskutierte und 1957 in Bern veröffentlichte Projekt des «Schweizerischen Nationalstrassennetzes». Mit diesem Projekt reagierte der Bund erstmals auf das landesweit steigende Bedürfnis nach Autobahnen zwischen den grossen Städten Zürich, Basel, Bern, Lausanne und Genf. Geplant war ein Autobahnnetz das die erwarteten Verkehrsbelastungen wiederspiegeln und das die gesamte Schweiz für den Kraftverkehr erschliessen sollte. Zürich als Zentrum in der Nordostschweiz, sollte mittels drei Autobahnanfahrten erschlossen werden. Eine über die heutige südliche Sihlporte,

18 92


einer über den nordöstlichen Milchbuckanschluss und einer über den nordwestlichen Anschluss richtung Bern/Basel. Auf der Grundlage dieses nationalen Strassennetztes und dem damit anfallenden Verkehr diskutierte man den Generalverkehrsplan, wie mit dem Verkehr und den Anschlüssen in der Stadt Zürich umgegangen werden, und wie die Verkehrsbelastung verteilt werden solle.13

13

Winkler 1957.

Abb 13: Schema der auf 1980 projezierte anfallende Verkehrsbelastung

Abb 14: 1957 geplantes Nationalstrassennetz

Werner Müller - Das andere Zürich

David Toszeghi

19 93


Generalverkehrsplan Der in Zürich ab 1955 diskutierte Generalverkehrsplan wurde grundsätzlich von zwei Parteien bestritten, die beide den Verkehr in Zürich integrieren wollten, sich aber mit unterschiedlichen Ansätzen gegenübertraten. Der deutsche Professor Carl Pirath schlug in seinem Gutachten ein unterirdisches Schnellbahnnetz durch die Zürcher Innenstadt vor und deckte mit diesem Vorschlag einen Grossteil der anfallenden Personenverkehrsbelastung ab. Er beschäftigte sich nur am Rande mit dem Kraftverkehr um dem Nadelöhr Quaibrücke.

Abb 15: geeignete Standorte für Grossgaragen, Pirath/ Feuchtinger, 1955

Abb 16: Geplantes Schnellbahnnetz, Pirath/Feuchtinger, 1955

20 94


Nachdem Pirath aufgrund seiner aufgedeckter, nationalsozialistischer Vergangenheit in Ungnade viel,14 schlug Professor Leibbrand mit seinem

14

Huber 2015.

15

Müller 1956.

Gutachten eine Alternative vor, in dem er den Kraftverkehr über mehrere, vertikale Ebenen und kreuzungsfrei um die Quaibrücke und den Alpenquai führte. Auch dieser Vorschlag wurde von der Jury aufgrund zu starker Beeinträchtigung des Stadtbildes abgelehnt.15 Aufgrund dieser nach wie vor ungelösten Situation um die Quaibrücke trat 1956 Werner Müllers Seeparkprojekt als ebenbürtigen Alternativvorschlag in die Diskussion ein.

Abb 17: Geplante Strassenführung Bellevue, Kremer/Leibbrand, 1955

Werner Müller - Das andere Zürich

David Toszeghi

21 95


Abb 18: Geplante Strassenführung Bürkliplatz, Kremer/Leibbrand, 1955

Vergleicht man nun die drei Lösungsvorschläge der Verkehrssituation um die Quaibrücke miteinander weicht die belächelte Seeparkutopie Müllers dem Eindruck, eine effektiv brauchbare Lösung darzustellen. Auch Benedikt Huber, der Müllers Seepark stets bekämpfte, beschrieb 16

Huber 2015.

Müllers Projekt als pragmatischen und realistischen Lösungsvorschlag.16

17

Müller 1956.

Müller benannte folgende konkrete Vorteile seines Projekte.17 -

Schaffung einer ausgedehnter, nur für Fussgänger zugänglichen Grünzone, mit einer der Erholung dienenden Parkanlage.

-

Neue Ufergestaltung zur Aufwertung Zürichs.

-

Schaffung eines zentralen Kulturzentrums in der Nähe der Tonhalle und des Kongresszentrums.

-

22 96

Zentral gelegener Treffpunkt für die Gäste Zürichs mit Parkierung.


-

Zusätzliche Parkierung für die Tonhalle, das Kongresszentrum und das anliegende Geschäftsviertel.

-

Gewinnung von neuem Verkehrsraum auf dem Wassergelände.

-

Sanierung der beiden wichtigen Verkehrsknotenpunkte Bellevue und Bürkliplatz.

-

Verminderung der Unfallgefahr durch kreuzungsfreie Verbindungen und Trennung der Verkehrsströhme.

-

Sofort spürbare Entlastung des Verkehrs durch neue Seebrücke.

-

Erleichterung des Baus der Unterpflasterbahn.

-

Gute Anschlüsse der neuen Seebrücke im Unterschied zu Rathaus und Münsterbrücke, die stumpf enden.

-

Kein Abbruch von Wohnhäusern.

-

Baubeginn sofort möglich ohne Verkehrsbeeinträchtigung.

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23 97


Resumé Es kann festgehalten werden, dass Müllers Seepark als einziger Ansatz versuchte, neben der verkehrstechnischen Lösung auch einen Mehrwert für die Fussgänger und die Bevölkerung zu bieten. Das Parkgelände mit dem Kulturzentrum sollte Zürich einen repräsentativen und kulturellen Kopf geben und dem stetigen Wachstum Zürichs und seiner steigenden Bedeutung gerecht werden. Das Projekt versuchte somit aus meiner Sicht einem grösseren Kontext gerecht zu werden und kann durchaus als visionär betrachtet werden. Das heute oft anzutreffende Belächeln Müllers kann vermutlich auf diese visionäre Haltung zurückgeführt werden. Dem Scheitern des Projektes liegt der Richtungswechsel der Politik zugrunde. Nach dem Aufkommen des Verkehrs und den Ansätzen, den Verkehr in die Stadt zu integrieren, vertrat diese in den 60er Jahren vermehrt auch ökologische Haltungen und setzte sich für ein autofreies Zürich ein. Begründet wurde diese Haltung, dass das Schaffen von 2000 neuen Parkplätzen auch entsprechend mehr Autos anziehen würde. Benedikt Huber gelang es unter Anderen das Seeparkprojekt 18

24 98

Huber 2015.

schlussentlich zu verhindern.18


Literaturliste -

Schilling, R. (1982): Ideen für Zürich. Zürich: Orell Füssli.

-

Müller, W. (1956): Projekttext zu Projekteingabe. Zürich: Automobilclub der Schweiz.

-

Müller, W. (1951-1985): Persönlicher Nachlass. Zürich: Stadtarchiv Zürich. Schachtel 1-28.

-

Müller, W. (1951-1985): Persönlicher Nachlass. Zürich: Stadtarchiv Zürich. Schachtel VII. 231.

-

Müller, W. (1951-1985): Persönlicher Nachlass. Zürich: Stadtarchiv Zürich. Schachtel VII. 235.

-

Feuchtinger, M. (1955): Schweizerische Bauzeitung, Band 73, Heft 34. St. Gallen.

-

Leibbrand, K. (1955): Schweizerische Bauzeitung, Band 73, Heft 40. St. Gallen.

-

Fricker, H. (1957): Schweizerische Bauzeitung, Band 75, Heft 26. St. Gallen.

-

Winkler, E. (1957): Artikel. Bern: Eidg. Drucksachen und Materialzentrale.

-

Interview mit Benedikt Huber. Zürich: 02.12.2015.

Werner Müller - Das andere Zürich

David Toszeghi

25 99


Abbildungsverzeichnis Abb 1:

Landiausstellung, Zürich 1939

Abb 2:

Schilling, Ideen für Zürich

Abb 3:

Rudolf Schilling, 1962

Abb 4:

Karikatur. H. Steger.

Abb 5:

Seepark I, 1956

Abb 6:

Projektvisualisierung bei der Eingabe 1956

Abb 7:

Disposition des geplanten Seeparks

Abb 8:

Übersichtsplan Zürich, G. von Escher, 1859

Abb 9:

Verlauf der Seeaufschüttungen seit 1830

Abb 10:

Parkierung unter Parkgelände

Abb 11:

Verkehrsführung mittels Einbahnstrassen

Abb 12:

Kontext der Verkehrsführung mit Knotenpunkten

Abb 13:

Schema der auf 1980 projezierte anfallende Verkehrsbelastung

Abb 14:

1957 geplantes Nationalstrassennetz

Abb 15:

geeignete Standorte für Grossgaragen, Pirath/Feuchtinger, 1955

Abb 16:

Geplantes Schnellbahnnetz, Pirath/Feuchtinger, 1955

Abb 17:

Geplante Strassenführung Bellevue, Kremer/Leibbrand, 1955

Abb 18:

Geplante Strassenführung Bürkliplatz, Kremer/Leibbrand, 1955

26 100


Anhänge Interview mit Benedikt Huber B.H. D.T. S.S

Benedikt Huber David Toszeghi Sonja Senn

S.S.

Herr Huber, vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview Zeit nehmen. Wie schon gesagt, geht es um das Projekt „New City“ von André E. Bosshard.

S.S.

Mir geht es dabei um verschiedene Fragen. Wie wurde das Projekt von der Bevölkerung aufgenommen? Was ist Ihre Meinung dazu und wurde darüber in der Bevölkerung diskutiert? Oder wurde es gleich als irrsinnig abgetan? Was ich mich ebenfalls frage ist, wie André Bosshard auf diese Idee kam?

B.H.

Zuerst möchte ich Sie etwas fragen, würden Sie das Projekt als Utopie bezeichnen?

S.S.

Ja.

B.H.

Da möchte ich widersprechen. Eine Utopie ist nach Definition, wenn man das Verhältnis ausklammert, das reale Verhältnis, und nach irgendwelchen Idealen strebt. Wenn man das bedenkt, ist Herrn Bosshards Projekt keine Utopie sondern es ist eine optimale Verkehrslösung, vollkommen autogerecht. Und eine wirtschaftliche Lösung, mit welcher man viel Geld verdienen kann. Es gibt auf vielen Gebieten Utopien, wenn man die bestehenden Verhältnisse ausklammert und versucht mit einem Ideal eine Lösung zu finden. Bosshard wollte die Autos in die Stadt bringen, viele Büros bauen und zusätzlich drei Hotels. Das sind Realitäten, die er direkt angezielt hatte.

101


D.T.

Was denken Sie über das Projekt Seepark? Ist das keine Utopie?

B.H.

Das ist definitiv keine Utopie.

D.T.

Die Frage ist mehr betreffend des Landes. Bosshard wollte ja tausende von Quadratmeter aufschütten, wäre das realistisch gewesen?

B.H.

Nein, und dazu muss man auch sagen … Zuerst zu André Bosshard. Ich habe ihn gut gekannt. Er war ein sehr pragmatischer und tüchtiger, aber kein «grosser» Architekt. Er baute Geschäftshäuser entlang des Sees. Am Albisriederplatz baute er ein Hochhaus. Ebenfalls zu dieser Zeit wurden Autobahnen entworfen. 1959, geplant von Kremer / Leibrand.

D.T.

Ist das das Nationalstrassennetz?

B.H.

Ja, und dieser Kremer/Leibbrand ist salopp gesagt «quer durch die Stadt hindurch gefahren». Er hatte nur das Auto im Blickfeld. (…) Wir hatten eine Gruppe gebildet, die Zürcher Arbeitsgruppe für Städtebau wir waren 12 junge Architekten und Juristen. Wir haben immer Projekte gemacht gegen diese Verkehrslösungen. Wir haben gegen Kremer/Leibbrand gearbeitet. Noch schlimmer waren die so genannten Expressstrassen. Die Autobahn führte bis vor die Stadt, dann kamen die Expressstrassen, sie waren auch vierspurig und kreuzungsfrei. Überall waren Ausfahrten, so dass man mit dem Auto direkt in die Stadt hinein fahren konnte. (…)

D.T.

Und dann kam der Generalverkehrsplan?

B.H.

So hat er für Zürich geheissen, aber nicht für die Schweiz. Dort war es das Nationalstrassennetz, das vom nationalen

Werner Müller - Das andere Zürich 102

David Toszeghi


Verkehrsamt in Bern geplant wurde. Damals hatten die Verantwortlichen Angst, dass wenn man diese Nationalstrassen baut, dass sie dann leer sind. Man glaubt es nicht, aber diese Angst hatten sie und man hat alles dafür getan, damit diese Nationalstrassen auch benutzt werden und die Autos auf die Expressstrassen, die durch die Stadt hindurch führten. In Zürich konnten wir, also unsere Gruppe, das stoppen, indem wir gegen das Ypsilon kämpften und andre Pläne machten. (…) Dann gab es noch den Cityring, der ein Vorschlag der Stadt war. Ein Autoring, der kreuzungsfrei durch die Stadt geführt hätte. Dabei war die Idee eines Seetunnels aufgetaucht. Mit knirschen stimmten wir diesem zu, doch glücklicherweise kam es nie soweit. Wir hatten vorgeschlagen, dass vor der Stadt Umformerstationen gemacht werden, wo es Parkplätze gibt und man auf den öffentlichen Verkehr umsteigen muss. Nur noch mit einer Taxe wäre es möglich gewesen in die Innenstadt zu fahren. Das war unser Gegenvorschlag, der zwar nicht verwirklicht werden konnte, doch mit den ganzen Aktionen konnten wir den Bau der Expresstrassen verhindern. D.T.

Auf welcher Seite stand Bosshard? Er wollte das Verkehrsproblem lösen oder?

B.H.

Er hat einfach rein wirtschaftlich und technisch gedacht. Er machte eine Brücke zur Inseln, dann eine Unterführung auf der Inseln und wieder eine Brücke zur anderen Seite, wo ein Verteiler entstehen sollte.

D.T.

Das wäre ja eigentlich verkehrstechnisch nicht so schlecht, oder?

B.H.

Es bedeutet einfach, dass Sie dann alle Autos im Stadtzentrum haben. Die Seebrücke, die heute eine Bremse für den Stadtverkehr darstellt, lässt nur so viele Autos in die Innenstadt, wie sie auch verträgt. Das finde ich gut so. Bosshard hätte mit seinem Vorschlag die Kapazität der Innenstadt überlastet.

103


Wir wollten nie eine so grosse Anzahl Autos und die Stadt mit dem Auto erschliessen, sondern mit dem ÖV. Es gibt keine andere Alternative. Wir erreichten dann, dass der Limmatquai verkehrsfrei ist. Aber wenn wir jetzt mal vom Verkehr zum Städtebau gehen. Zürich war bis Mitte des 19. Jahrhunderts ganz auf die Limmat ausgerichtet. Am Rand, beim heutigen Bürkliplatz war Sumpfgebiet. Das heisst «Kratzquartier», dort war alles Sumpf. Der Bürkliplatz wurde als erstes aufgeschüttet. Die Brücke wurde gebaut und man wollte noch, dass die Eisenbahn davor durch fahren würde. Während 500 – 1000 Jahren war Zürich auf die Limmat ausgerichtet. Der See, das war eine andere Sache. Er war für den Fischfang und für den Transport. Alle Betriebe und Beziehungen waren aber auf die Limmat ausgerichtet. (…) D.T.

Wie stehen Sie persönlich zur Idee, dass man im Wasser einen Unterführungstunnel macht?

B.H.

Ich bin dagegen. Das ist viel zu nah. Es sollte nur der Verkehr, der es wirklich braucht so nahe an die Stadt gelassen werden. Man müsste es mit dem öffentlichen Verkehr lösen. (…)

S.S.

Wie sehen Sie das Thema der Landaufschüttug? Woher könnte diese Idee stammen?

B.H.

Landaufschüttung war schon immer aktuell in Zürich. Am Zürichseeufer sind praktisch alles Verlandungen. Das war früher alles Sumpf. Vor allem im 19. Jahrhundert wurde dann alles aufgeschüttet. (…) Das waren aber alles natürliche Entwicklungen. Das war nicht eine riesige Aktion, die auf einmal so geplant war wie bei Bosshard.

S.S.

Finden Sie irgendetwas am Projekt von Bosshard positiv?

B.H.

Nein. Es ist so verkehrt.

Werner Müller - Das andere Zürich 104

David Toszeghi


S.S.

Aber gab es Leute, die es gut fanden?

B.H.

Ich weiss von niemandem. Es war so schnell wieder vom Tisch. Im Artikel der Zürcher Zeitung wurde zwar dazu aufgefordert, dass man darüber diskutiert. Aber das wurde gar nie getan. (…) Das schlimmste wären ja diese riesigen Kreisel, die es auf jeder Seeseite gegeben hätte. Einen kreuzungsfreien Anschluss ergibt wahnsinnige Dimension von Verkehrswegen. Das wesentlich ist schon, dass Bosshard nur Realitäten kannte und keine Vision hatte. Und dass er den Zürchern das Kostbarste wegnehmen wollte.

D.T.

Wunderbar. Ich habe etwas weniger konkrete Fragen. Zum durchgehen der Fragen: Wie standen Sie zu Werner Müller, war das ein Freund von Ihnen, dann zur Person. Frau Senn schreibt in Ihrer Arbeit vorallem über Bosshards Projekt. Ich bearbeite mehr eine monografische Auseinandersetzung über Werner Müller. Also Person, Haltung, der habe ja offenbar mehr Diskussionsanlass gegeben. Es sei ja eine umstrittene Person gewesen. Was er für eine Haltung gegenüber der Stadtentwicklung gehabt hat interessiert mich, vor Allem auch welche Relevanz er im Diskurs gehabt hat. Wie man in der Literatur liest hat er ja mehr zu Bedeuten gehabt als Bosshard. Und dann über den Seepark. Was ist da passiert?

B.H.

Also als erstes war es nicht nur Werner Müller alleine, vielmehr war es auch Gusti Volland. Also das Projekt wurde von Gusti Volland erstellt. Er war ein guter Freund von mir. Und von Werner Müller, den er zugezogen hat. Gusti Volland hat leider etwas eine schwache Psyche gehabt und hat leider einer anderen Freundin von mir ein Kind beschert, die er dann auch geheiratet hat. Und ehe das Kind zur Welt kam nahm er sich das Leben.

D.T.

Dieser Gusti Volland, eine Tragische Geschichte. Von dem war in der literatur kein Wort zu lesen.

105


B.H.

Nie gehört?

D.T.

Kein Wort.

B.H.

Dann waren Sie aber nicht nachlesen?

D.T.

Ich habe im Stadtarchiv seinen ganzen Nachlass gesichtet. Man hörte von dieser Planungsgruppe.

B.H.

Hier steht August Volland. (Zeigt auf einen Zeitungsartikel der Bauzeitung) Also es steht auf jedenfall von der Arbeitsgruppe etwas. Müller, Volland, Scheifele und der Gartenarchitekt Cramer. Cramer war ein berühmter Gartenarchitekt, der Wird heute noch geforscht.

D.T.

Ok. Aber er hat das Projekt verantwortet?

B.H.

Ja er ist halt übriggeblieben (Müller). Ich würde nicht sagen dass eres verantwortet hat. Also was möchten sie jetzt wissen? Gusti Volland war ein guter Freund von mir, ich erinnere mich noch an seine Beerdigung, als ich seine hochschwangere Freundin begleiten musste. Und Werner Müller war eine seltsame Existenz. Er hat ausser dem Seepark nichts gemacht. Das einzige war dieser Kehrichteimer, indem man Abfallsäcke integrieren konnte. Vorher hatten wir diese Blechdinger, diese Tonnen. Und anschliessend kam dieser Kehrichtsack. Diese Rote Tonne hat er entworfen, inden man diesen Sack einlegen konnte. Das war seine grosse Leistung. Ok, ich bin nicht ganz neutral, das gebe ich zu, aber ich wüsste nicht was er sonst noch gemacht hätte. Aber die wichtigen Dinge kamen von Gusti Volland. Müller war ein grossge wachsener Typ, bischen grob, er hat dann überall für diesen Seepark Werbung gemacht. Er lebte von diesem Projekt. Hat nicht gut gelebt, wir mussten ihn immer füttern. Wir mussten an den Beizversammlungen immer seine Rechnungen zahlen. Also er hatte einfach kein Geld gehabt. Er stellte isch auch

Werner Müller - Das andere Zürich 106

David Toszeghi


immer als Seeparkmüller vor. So wie wenn man angeheiratet einen Namen übernimmt. D.T.

Hat er eine Familie gehabt?

B.H.

Das wüsste ich nicht.

D.T.

Gibt es irgendwelche monografischen Hintergründe über sein Leben? Man findet so nichts?

B.H.

Nein das weiss man nicht. Ich weiss nicht mal was er für eine Ausbildung gehabt hat. Ich bin nicht objektiv wegen dieser Ge schichte mit Gusti Volland. Das hat mich stark bewegt. Und aus dieser Tragödie ist der Seeparkmüller übrig geblieben und hat das entsprechend auch ausgenutzt. Das wurde sein Thema.

D.T.

Ja das ist unschön.

B.H.

Und mehr weiss ich über ihn nicht. Wir haben uns gut gekannt und begrüsst und so als wir uns sahen. Aber ich konnte mit dem nichts anfangen.

D.T.

Also war er eine Person, die sich auf den Seepark beschränkte und keine schillernde Persönlichketu war?

B.H.

Er war schon eine markante Person aber nicht als Architekt. Er stellte sich auch immer so vor. Sie haben jetzt einen schönen ungarischen Namen, aber wenn sie Müller heissen, dann wird immer der Frauenname, zbsp Hotz, angefügt und er hat halt Seepark angefügt. Wir sprachen alle vom Seeparkmüller. Er hat sich stark damit identifiziert.

D.T.

Als Person privat gibt es also wenig zu sagen.

B.H.

Nein, er ist irgendwann mal gestorben Irgendwie 1995 oder so.

107


108

D.T.

Er hat offensichlich sein ganzes Leben hinter diesen Seepark gestellt. Welche Haltung vertragt er im Kontext der Städtebaudiskussion in dieser Zeit?

B.H.

Im Prinzip war er gemässigter, man muss immer von beiden sprechen, Müller und Volland. Sie beide haben sich mehr mit städtebaulichen Frafgen auseinandergesetzt und nicht nur mit dem Verkehr. Sie waren sich schon bewusst, dass sie was ändern an der Stadt Zürich wenn sie was vorne hinsetzten. (...)

D.T.

Er plante ja einen Einbahnverkehr.

B.H.

Genau, einen Einbahnverkehr.

D.T.

Die Diskussion war ja auch ob man überhaupt einen Kopf für Zürich wollte mit dem Kulturzentrum. Das war ja in den 60er die Diskussion.

B.H.

Ja das war die Diskussion. Im Gegensatz zum Andre Bosshard hatte er wenigstens eine städtebauliche Komponente gehabt. Aber es hatte auch bedeutet, dass der Ausfluss der Limmat einfach verschoben wurde. Der ist dann weiter vorne. Das Kratzquartier war weiter vorne, wo jetzt die Nationalbank steht. Das Baur au Lac steht wiederum schon lange.

D.T.

Das wäre dann alles verschoben worden. Der Kopf hätte dann eine repräsentative Funkiton gehabt. Und man hätte wirklich von Wollishofen bis Tiefenbrunnen zu Fuss gehen können. Weil die Fahrzeuge ja in den Caissons geführt worden wären.

B.H.

Ja das schon, ja.

D.T.

Das wäre eine gewisse Qualität, dass könnte man schon sagen oder? Was finden Sie zum Projekt?

B.H.

Ich finde es hat gute Ansatzpunkte, aber im Prinzip bin ich

Werner Müller - Das andere Zürich

David Toszeghi


dagegen. Weil es einfach den Verkehr fördert. Und weil man die Aufschüttungen nicht endlos weiterführen kann. Aus meiner Überzeugung braucht es gar keine Garage darunter. D.T.

Also Ihre Überzeugung ist demfall klar, man nimmt einfach den gesamten Verkehr zur Stadt raus?

B.H.

Jeder Parkplatz in der Stadt zeugt neuen Verkehr.

D.T.

Das stimmt. Wenn man 2000 neue Parkplätze macht kommen 2000 Fahrzeuge mehr. Was nicht besser ist.

B.H.

Und dann schlagen sie noch um. Wenn sie einen Umschlag rechnen von ca 10, dann ziehen sie unglaublich viele Fahrzeuge an.

D.T.

Ok. Seine städtebauliche Haltung haben wir besprochen. Nun wir suchen ja in der akademischen Auseinanndersetzung auch immer den städtebaulichen Gehalt.

B.H.

Also wenn es von Gusti Volland kam war es in der Regel gehaltvoll. Er hatte das städtebauliche Sensorium. Wenn es vom Seeparkmüller kam eher weniger. Er hatte dieses Sensorium nicht. Was am Seepark gehaltvoll war kam aus der Zeit, in der Volland noch lebte.

D.T.

Es waren ja zwischen 56 und 85 ca. zehn neue Projekte aufgeleg worden. Also demfall wurden diese nur schlechter.

B.H.

Ja genau. Also ich will nicht sagen dass es meine Bindung an Gusti Volland war, aber es war tatsächlich so. Die Diskussionen mit Werner Müller waren schwirig. Er lebte davon, das war seine Marke. Aussert dem Abfalleimer noch. (...) Aber er verdiente nicht viel. Er lief auch immer etwas verlottert herum. Und er arbeitete sonst nirgens glaube ich. Es ist möglich dass er von der Stadt einen Kredit erhielt.

109


110

D.T.

Ja das ist im Nachlass zu lesen. Der Stadtrat beauftragte ihn 59 ein Vorprojekt zu entwicklen. Irgendiwe 20’000 pauschal. Immerhin.

B.H.

Ja das stimmt. Aber da war Volland nicht mehr dabei.

D.T:

Wissen sie etwas über den chronologischen Ablauf des Projektes? Das wurde ja von diversen Vereinen unterstützt?

B.H.

Ja und am Schluss wollten sie ja beim Bauschänzli ein unterirdisches Parking machen. Für den Einkaufsverkher (lacht).

D.T.

Und ihnen wird es vermutlich gleich übel bei diesem Gedanken. Gut doch noch eine Kernfrage. Meine Arbeit geht um eine monografische Auseinadnersetzung. Müller und der Seepark gehen ja Hand in Hand. Welche Potenziale und Chancen hatte das Projekt und welche wurden vergeben? Was war gut was war schlecht?

B.H.

Sie kennen meine Meinung. Natürlich bot das Projekt dem Publikum etwas. Ich persönlich bin nicht sicher ob eine Grün fläche am See das Richtige ist, am See bräuchte es eher etwas Festes nicht eine Wiese, aber ja...

D.T.

Interesannte Haltung, stimmt.

B.H.

Aber die Gebäude des Projektes hatten effektiv eine Qualität, die ein Angebot für die Leute waren. Aber das Negative war für mich definitiv das Angebot der 2000 Parkplätze und der damit anfallende zusätzliche Verkehr.

D.T.

Das ist verständlich.

B.H.

Also ich rede immer von der Haltung meiner Gruppe. Aber wir kämpften immer gegen diese überrissenen Projekte der Expressstrassen und Parkplätze und all das. Heute ist das selbstverständlich. Es wird ja laufend abgebaut. Die einte Spur am

Werner Müller - Das andere Zürich

David Toszeghi


Bellevue haben sie ja auch wieder abgebaut. D.T.

Wenn man Max Frischs Literatur liest, der ja die Meinung verttritt, die Schweiz sei seit den 70er in einer repressiven und konservierenden «Nichtsveränderung»...

B.H.

Ja «Frisch aus Amerika zurück» hats geheissen. Und er fand es müsse alles sein wie in Amerika. Ja er war ja hellbegeistert. Überall Hochhäuser und so... Er hat ja die Hochhäuser an der Sihl selbst gemacht. Als ich ihn besuchte als er von Amerika zurück war, als er sich von seiner Frau trennte, wohnte er im 18ten Geschoss. Er fand das sei chic...

D.T.

Das ist eine ganz andere Perspektive. In der Regel werden wir ja geschult, dass «Achtung die Schweiz» das Mass der Dinge war.

B.H.

Ja das hat er schon geleistet. Er war dort dabei. Das war schon ein Aufbruch. Achtung die Schweiz. Aber als er dann von Amerika nach Hause kam, war er etwas naiv geworden. Die Aufwertung der Stadt belief sich immer nur auf das hin stellen von Hochhäusern und so scheiben. Er fuhr immer etwas dazwischen. Vor dem Krieg gabs das neue Bauen. Während dem Krieg kamen dann all diese gemässigten Modernen, Steiner und so, alle waren beeundruckt der Landesausstellung. Das war die gemössigte Moderne. Eider war sie nicht aus drucksstark Modern. Dann nach dem Krieg kamen wir und waren der Überzeugung, dass es nach dem Krieg etwas Neues geben musste. Dass man andere Werte hinstellt und dass die gemässigte Moderbe vorbei war. Und interessant war dass wir mit unserren Ideen auch akzeptiert wurden. Mit unserer Arbeitsgruppe für Städtebau hatten wir ein so grosses Echo gegenüber der Stadt, dass diese sogar einen Vertreter beigestellt hatten. Dieses Anhängsel hatten wir dann immer dabei. Aber sie nahmen uns immer ernst und gaben uns Aufträge, Ideen auszuarbeiten. Und wenn wir Wettbewerbe mitgemacht haben, haben wir diese in der Regel gewonnen.

111


Ich habe meinen ersten Wettbewerb mit 26, just nach dem Studium gewonnen und gebaut. D.T.

Ganz Interessant.

(...)

Werner MĂźller - Das andere ZĂźrich 112

David Toszeghi


113


114


115


Siedlungsmorphologie Vom Zeilenbau ßber die gemischte Bauweise zur grossmassstäblichen Scheibe Pascal Zwyssig


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015/16 Horw, 19.01.2016

Verfasser: Pascal Zwyssig Gartenstrasse 3 6048 Horw Dozenten: Dr. Christoph Wieser Dr. Oliver Dufner Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

AbStrAct Die vorliegende Vertiefungsarbeit befasst sich mit dem Siedlungsbau der Nachkriegszeit in der Schweiz. Dabei werden der Zeilenbau, die gemischte Bauweise und die grossmassstäbliche Scheibe am Beispiel der Siedlungen Meienegg, Tscharnergut und Gäbelbach vertieft betrachtet. Alle drei Siedlungen befinden sich im Westen von Bern und wurden von Hans und Gret Reinhard nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut. Es wird der Frage nachgegangen, welche städtebaulichen und wohntypologischen Gemeinsamkeiten und Differenzen diese unterschiedlichen Siedlungen aufweisen. Um eine Antwort zu finden, werden die Siedlungen auf diesen Ebenen analysiert und verglichen. Dabei soll auch aufgezeigt werden, welche Überlegungen überhaupt dazu geführt haben, diese städtebaulichen Siedlungsstrukturen zu verändern.

118

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig


InhAlt

1. Einleitung

6

2. Zeilenbau

10

2.1. Überbauung Meienegg (1949-1954) 3. Gemischte Bauweise 3.1. Überbauung Tscharnergut (1958-1967) 4. Grossmassstäbliche Scheibe 4.1. Überbauung Gäbelbach (1965-1968)

12 18 20 28 30

5. Konklusion

36

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

40

7. Abbildungsverzeichnis

42

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

5 119


ene Bethlesolche GeBern sowie der Holzarmilien-Bauwaren die tanden 178 ie leicht geerden von strahlenförm Schulhaus schlichten, eine grosse wird durch itliches Gitmarkiert. Auf nküche aus

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konnte die Bauträgerin überzeugen, sie zu realisieren. Die Grundrisse der Wohnungen, die zwischen zwei und vier Zimmern zählen, wurden knapp bemessen, um möglichst günstige Mieten zu ermöglichen. Gleichwohl sollten sie den steigenden Komfortansprüchen gerecht werden. In einer Dreizimmerwohnung mit Balkon lebte damals eine vierköpfige Familie. Die Küche verfügt über eine eingebaute Sitzbank, Gasboiler, Herd und Einbaumöbel. Der Eingangsraum wurde so gestaltet, dass er dank eines Holzgitters mit halbhohem Schrank räumlich als Erweiterung des Wohnzimmers wirkt. Solche kreativen Lösungen, die die Architekten nur mit Hartnäckigkeit und grossem Engagement fanden, steigerten die Wohnqualität. 1

Hans und Gret Reinhard um 1950

3

5200 Wohnungen im Westen Berns In der Zwischenzeit hatte sich die Berner Wohnbauszene wiederum radikal geändert. Neue, effizientere Massnahmen waren gefragt, um die noch weiter ansteigende Wohnungsnot zu lindern. 1955 hatte die Stadt Bern einen neuen Bauklassenplan mit massiven Nutzungsverdichtungen in unterschiedlichen Entwicklungsschwerpunkten verabschiedetet, auch in Bümpliz, wo überdurchschnittlich grosse Landreserven verfügbar waren. Im Januar 1958 kam der Bundesbeschluss über Massnahmen

6 120

2 Eingangsfassade der Siedlung Bethlehemacker. 3 Verdichtetes Bauen der Nach­ kriegszeit: Siedlung Meienegg.

1. EInlEItung

4 Blick vom Eingang in die Stube einer Meieneggwohnung.

2

Abb. 1.

1

1 Hans und Gret Reinhard um 1950.

vgl. Ineichen (2013). S. 10

Die gesellschaftlichen Veränderungen und der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg führten zu einer grossen Bevölkerungsbewegung vom Land in die Stadt. Diese Landf lucht bewirkte das Entstehen einer starken Wohnungsnot in den Schweizer Städten und den Startpunkt für eine intensive Siedlungsbautätigkeit für die Ortsteile im Westen von Bern. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich das ehemalige Bauerndorf Bümpliz und das nördlich davon gelegene Bethlehem in die Vorstadt von Bern. 4 Mehrheitlich geprägt wurden diese Siedlungsbauten durch Hans und Gret Reinhard, die sich während ihres ganzen Wirkens stets für den genossenschaftlichen Wohnungsbau einsetzten. Es war ihr Bestreben „den sozial benachteiligten Menschen eine möglichst hohe Lebensqualität zu ermöglichen, in ansprechender Architektur und Umgebung, zu bescheidenen Mietzinsen“.1 Dass ihnen dies gelungen ist, verdanken sie einerseits ihrem Innovationsgeist und andererseits ihrer Verbindung mit der gemeinnützigen Familien-Baugenossenschaft Bern (Fambau), die von Hans Vater gegründet und von ihm während neun Jahren als Präsident geleitet wurde. Mit dem Architektenpaar Reinhard erstellte die Fambau von 1949 bis 1968 im Westen von Bern die Siedlungen Meienegg, Tscharnergut und Gäbelbach. Obwohl sich die drei Siedlungen nahezu am gleichen Standort befinden und in einem zeitlichen Abstand von weniger als zwanzig Jahren von den gleichen Architekten gebaut wurden, sind sie in unterschiedlichen Siedlungsbauweisen umgesetzt worden. Da Hans und Gret Reinhard für alle Siedlungen verantwortlich waren, kann davon ausgegangen werden, dass es eine Konstante bei dieser markanten Entwicklung gibt. In dieser Arbeit soll nun untersucht werden, welche gemeinsamen Eigenschaften in allen drei Siedlungen zu finden sind, aber auch welche Unterschiede sie aufweisen. Wohnen 3 März 2014

ugenossenivität wurde ch homogeiche Aktivi-

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


500m

3 2

1

Abb. 2.

Karte vom Westen von Bern mit den Siedlungen Meienegg [1], Tscharnergut [2] und Gäbelbach [3]

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

7 121


FrAgesteLLUng Und Methodik 2

3

8 122

siedlung: „Menschliche niederlassung; Ansammlung von gebäuden, in denen Menschen wohnen, samt den dabei befindlichen, anderen Zwecken dienenden Bauten, einrichtungen, Verkehrsf lächen usw.“ vgl. dudenredaktion (2003). s. 1452

Das breite Spannungsfeld des Titels wird mit dem Untertitel auf drei spezifische Siedlungsbauweisen eingegrenzt. 2,3 In dieser Arbeit werden diese Bauweisen anhand der drei Siedlungen von Hans und Gret Reinhard untersucht. Die Fragestellung lautet:

Morphologie: „Lehre von der gestalt, Form der Baukörper und ihrer teile.“ vgl. dudenredaktion (2003). s. 1101

Das Ziel ist die städtebauliche Entwicklung nachzuvollziehen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen Siedlungen aufzuzeigen. Es wird versucht den Wechsel der Siedlungsbauweisen mit Zitaten der Zeit zu hinterlegen, um herauszufinden, welche Überlegungen der Architekten und Städteplaner überhaupt dazu geführt haben, die städtebauliche Struktur der Siedlungen zu ändern. Mit diesem Vorgehen soll aufgezeigt werden, warum die morphologische Veränderung stattgefunden hat und ob dies der damalige Zeitgeist oder eine persönliche Entwicklung von Hans und Gret Reinhard bewirkt hat. Um die Siedlungen zu vergleichen, werden diese auf zwei unterschiedlichen Ebenen analysiert, einerseits auf der übergeordneten städtebaulichen Ebene und andererseits auf ihrer kleinsten Einheit, der Wohnungstypologie. Die Siedlungen umfassen jeweils eine grosse Anzahl gemeinschaftlicher und öffentlicher Bauten, die von grosser sozialer Bedeutung sind und unter anderem einer der Gründe ist, warum das Zusammenleben in den Siedlungen überhaupt funktioniert. Da eine detaillierte Analyse der gesamten Siedlungsstruktur den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde, werden hauptsächlich die Wohnbauten untersucht und in diesem Zusammenhang spezifisch die typische Dreieinhalbzimmer-Wohnung, wie sie in dieser Zeit in den meisten wohngenossenschaftlichen Grossüberbauungen in Bern die Norm darstellte.

Welche städtebaulichen und wohntypologischen gemeinsamkeiten und differenzen weisen diese unterschiedlichen siedlungen auf?

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


Abb. 3.

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

Tscharnergut 1967

9

123


2. ZEIlEnbAu

Abb. 4.

Siedlung Westhausen in Frankfurt am Main (1929-1931)

Geprägt durch die Anbauschlacht während dem zweiten Weltkrieg, entsprach die Vorstellung der Stadt in der Schweiz nicht mehr einem kompaktem Stadtkörper, sondern einer mit Grünf lächen durchzogenen Gartenlandschaft. Durch die sich entwickelnde Landesplanung wurde ausserdem die Erkenntnis gewonnen, dass die Ressource Raum begrenzt ist, weshalb an Stelle der Reiheneinfamilienhäuser f lächenmässig effizientere drei- bis vierstöckige Zeilenbauten erstellt wurden.4 Als Zeilenbau wird die Anordnung von langen, schmalen und quer zur Verkehrsstrasse liegenden Wohngebäuden bezeichnet. Die Erschliessung der einzelnen Gebäude erfolgt in der Regel durch Fusswege. Diese Bauform entstand als Reaktion auf die verdichtete Blockrandbebauung des Historismus, da sie im Vergleich zu den engen Höfen der Blockbebauung eine optimale Ausrichtung aller Wohnungen zu Sonne, Licht und Luft verspricht. 5 Weitere Vorteile sind der Schallschutz und die mögliche Begrünung zwischen den parallel verlaufenden Baukörpern. Aus ökonomischer Sicht muss nur ein Haustyp entwickelt werden, um ein ganzes Viertel zu überbauen.

Abb. 5.

Die Entwicklung des Zeilenbaus

4

vgl. Schnell (2007). S. 10

5

vgl. Pevsner, Honour, Fleming (1992). S. 804-805

6

vgl. Cogato Lanza, Elena. Marti, Paul (1995). S. 63

10 124

1910

1920

1930

Der Block öffnet sich

Offener Zeilenbau

Aufegelockerter Zeilenbau

Der Nachteil zeigt sich jedoch bei der Anwendung des Zeilenbaus auf eine grosse Fläche. Es entsteht ein monotoner Ausdruck und die einzelnen Wohnungen weisen eine mangelnde Individualität auf. Um dem entgegenzuwirken, wurde die strikte Anordnung des Zeilenbaus im Verlaufe der Zeit vermehrt in aufgelockerter Form und loser Gruppierung angewendet. So entwickelte Maurice Braillard in Zusammenarbeit mit Hans Bernoulli, dem ehemaligen Professor von Hans und Gret Reinhard, einen Richtplan für Genf. In diesem werden die Blockbauten durch Zeilenbauten ersetzt, deren Ausrichtung keinem Zwang unterworfen ist, ausgenommen dem der Besonnung.6

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Die Landesausstellung 1939, in der heimatliche Traditionen ideologisiert wurden, prägte die Schweizer Architektur für die nächsten zwei Jahrzehnte.7 Hans Hofmann, der Chefarchitekt der Ausstellung, erklärt das „sachliche Bauen“ mit folgenden Worten: „Wir unterscheiden zwischen Bauaufgaben mit einer lebendigen tradition, wie dem Wohnhaus, der kirche usw. und den neuen traditionslosen Bauaufgaben, wie zB. Fabrik, Bürogebäude, Warenhaus, Bahnhof, krankenhaus usw. (...) Allgemein wird der altbewährte Backstein und das Ziegeldach für den Wohnbau verwendet.“ 8 Als ehemalige Schüler von Otto Rudolf Salvisberg findet sich diese Unterscheidung der Bauaufgaben auch bei Hans und Gret Reinhard. Während sie die sogenannten traditionslosen Gebäude im Stil des „neuen Bauens“ gestalten, werden die Wohngebäude in einem „Landistil“ umgesetzt. Die Oberzolldirektion in Bern, die während der gleichen Zeit wie die Siedlung Meienegg ausgeführt wurde, stellt hier ein typisches Beispiel für diese Art von baulicher Differenzierung der unterschiedlichen Bauaufgaben dar.

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

Abb. 6.

Maurice Braillards Richtplan für Genf in Zeilenbauweise (1935)

Abb. 7.

Oberzolldirektion in Bern (1951-1953)

7

vgl. Allenspach (2002). S. 79

8

vgl. Luchsinger (1985). S. 136

11

125


2.1. ÜbErbAuung MEIEnEgg (1949-1954)

Abb. 8.

9

12 126

Siedlung Meienegg

vgl. Ineichen (2013). S. 26

Die Siedlung Meienegg weist eine aufgelockerte Zeilenbauweise auf, die genutzt wird, um den Wohnungen eine ideale Besonnung zu ermöglichen und gleichzeitig mehr Privatsphäre und Abgrenzung gegen die umlaufende Strasse zu erzeugen. Typisch für Siedlungen nach dem zweiten Weltkrieg wurde Meienegg verdichtet gebaut und der eigene Garten wurde zu Gunsten eines durchgrünten Kinderspielplatzes aufgegeben. Aussergewöhnlich sind die Infrastrukturbauten wie der Kindergarten, das Ladengeschäft und die zwei Wohngebäude mit Alterswohnungen, die auf Initiative der Architekten ins Programm aufgenommen wurden. Mit diesen Infrastruktureinrichtungen kann Meienegg als erste Gesamtüberbauung der Nachkriegszeit im Raum Bern angesehen werden.9

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


500m

1

Abb. 9.

Situationsplan der Siedlung Meienegg [1]

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

13 127


städteBAU

Abb. 10. Schema einer organischen Idealstadt

Gemäss der damaligen Vorstellung des „organischen städtebaus“, wird die Siedlung aus gleichen Grundeinheiten zu einer Nachbarschaft zusammengefasst. Mehrere solcher Nachbarschaften ergeben ein Quartier und mehrere Quartiere schliesslich eine Stadt.10 In der Altstadt war die Strasse noch öffentlicher Raum und Ort der Begegnung. Durch dieses neue Stadtkonzept wird sie nun zu einem „notwendigen Übel“, das die einzelnen Überbauungen voneinander trennt. Obwohl sich die Siedlung optisch dem Kontext anpasst, wird sie durch die umschliessende Strasse als eine eigene Einheit gelesen, wobei dieser Eindruck durch die Gebäudeanordnung noch verstärkt wird. So werden die öffentlichen Nutzungen wie die Alterswohnungen und das Ladengeschäft dazu verwendet, um den offenen Zeilenbau gegen die nun störende Strasse abzuschliessen.

1 Wohnbauten 2 Ladengeschäft 3 Alterswohnungen 4 Kindergarten

Abb. 11. Situationsplan Siedlung Meienegg

Abb. 12. Schema der Siedlung 10 vgl. Carol, Werner (1949). S. 86-88

14 128

Die Siedlung besteht aus zwölf Zeilenbauten mit Satteldach. Die Baukörper sind parallel zur Parzellengrenze angeordnet und gruppieren sich um einen inneren öffentlichen Platz im Zentrum der Anlage. Dieser wird durch den einzigen niedrigeren Baukörper noch zusätzlich betont. Dieses zwiebelförmige Umschliessen des Zentrums erzeugt einerseits den öffentlichen Platz, aber andererseits auch halböffentliche Zwischenräume zwischen den Zeilenbauten selber. Die einzige Stichstrasse führt zum Zentrum der Anlage, wodurch dieser Platz noch zusätzlich akzentuiert wird.

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Die Anordnung der Gebäude um ein inneres Zentrum erinnert an die Forderung des Buches „städte – wie wir sie wünschen“, das die Gruppierung der Bauten um einen gemeinsamen Platz mit „kindern um einen tisch vergleicht“.13 Dies entspricht der damaligen Vorstellung der „stadt als dorf “, in welcher jede Siedlung um einen Dorfplatz gegliedert wird und so der menschliche Massstab garantiert werden soll.

Abb. 13. Gewünschte Gliederung der Gebäude um einen Platz

Abb. 14. Volumetrische Darstellung der Siedlung

Die volumetrische Ausbildung der Siedlung zeigt, dass es keine hierarchische Differenzierung zwischen den einzelnen Gebäuden gibt. Hans Bernoulli, der als Professor für Städtebau und als bodenpolitischer Reformer Hans und Gret Reinhard nachhaltig geprägt hat, forderte in seinen Schriften eine einheitliche Gestaltung der Siedlungen als Ausdruck von Gemeinschaft. Seiner Meinung nach gehört dem Einzelnen nicht nur sein Haus, „ihm gehört auch der strassen- und Platzraum, der durch die häuserzeilen gebildet wird“.12 Entsprechend gibt es keine privaten Gärten sondern einen halböffentlichen durchgrünten Raum, der durch die Häuserzeilen aufgespannt wird und von allen Bewohnern genutzt werden kann.

Siedlungsmorphologie

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11 vgl. Carol, Werner (1949). S. 67 12 vgl. Steinmann, Noseda (1981). S. 2

15 129


WohnUngstyPoLogie

Abb. 15. Offene Abtrennung vom Eingang zum Wohnzimmer

Die Dreieinhalbzimmer-Wohnungen sind als Zweispänner ausgebildet und werden über einen zentralen Vorraum erschlossen. Da dieser nur durch ein Möbel vom Wohnraum getrennt wird, kann er als dessen Erweiterung verstanden werden. Küche und Wohnzimmer liegen nebeneinander auf der Westseite, sind aber klar voneinander getrennt und nur durch eine Durchreiche miteinander verbunden. Der Zugang zu Terrasse und Balkon geschieht über die Küche. Dies kann als Interpretation der Erschliessungssituation der früheren Nutzgärten der Reiheneinfamilienhäuser verstanden werden. Die beiden Schlafzimmer sind auf der Ostseite und nebeneinander angeordnet, wobei das Elternschlafzimmer bewusst durch den Wohnraum erschlossen wird. Durch diese Art der Erschliessung und die unterschiedliche Grösse werden den Räumen klare Funktionen zugeteilt.

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m Abb. 16. Grundrisse der Reiheneinfamilienhäuser Bethlehemacker (1943-1947)

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Wohnungsgrundrisse: Bethlehemacker (1948)

Wurde im Reiheneinfamilienhaus die Differenzierung zwischen öffentlichen und privaten Räumen durch die geschossweise Untertrennung erreicht, wird sie nun im Zeilenbau durch die Raumanordnung erzeugt. Diese klare Untertrennung wird jedoch mit der Erschliessung des Elternschlafzimmers durch die öffentliche Wohnstube durchbrochen. Die privaten Aussenräume, wie Balkone und Terrassen sind von den _Hder abschliessende Charakter der Strassen weg angeordnet, wodurch in sich geschlossenen Siedlungseinheit und die negative Auffassung des Strassenraums zusätzlich betont werden.

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Abb. 17. Kinderzimmer

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Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz 3

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Wohnungsgrundrisse: Meienegg (1955)

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Abb. 18. Grundriss Zeilenbau Meienegg

1 Schlafzimmer Eltern 2 Schlafzimmer Kinder 3 Wohnzimmer 4 KĂźche 5 Bad 6 Vorraum

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Abb. 19. Schema Grundriss 3 1/2 Zi-Wohnung Meienegg Abb. 20. Grundriss 3 1/2 ZiWohnung Meienegg

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2/4 -geschoss Villas locativ 214-geschoss Garagen

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Projekt ig45-> Haefeli, Moser, Steiger, Architekten und Markus Hottinger, Architekt

Das Projekt bietet ca. 1800 Personen Wohnmöglichkeiten verschiedenste Ansprüche bezüglich und Größe der Wohnungen. Rücksichtnahme in der Gesamtgruppierung und Situierung des einzelnen Baus auf die durch die topo¬ graphische Form des Geländes bedingten Faktoren (Aussicht, Besonnung, Beziehung zur Landschaft, räumliche Wirkung).

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Variante 7: 4-geschossige Bebauung nach Baugesetz (Zone peripherique Lausanne) mit rücksichtsloser Ausnützung und Vergewaltigung der Landschaft / Alternative I. Bätiments ä 4 etages, representant une utili¬ sation maximum et sans frein, possible pourtant dans le cadre des lois j Possibility I. Four-story buildings brutally massed in the density perde

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Modellansicht Lausanne.lieferten in Prilly, von Norden. Vorschlag für differenzierte Ein Beispiel einerBebauung solchen Siedlung Häfeli, Moser, Steiger Haefeli, Moser, Steiger, Architekten BSA, und Dr. jur. M. Hottinger, Arch. SIA, Zürich / scheine with Bauweise in 1945de mit ihrem Wettbewerbsentwurf gemischten lotissement ä types d'habitation varies j Project einer for a housing Projet Photo: M. Wolgensinger SWB, Zürich varied types of dwellings

Prilly bei Lausanne. Der Zonenplan sah ursprünglich eine „4-geschossige Bebauung nach Baugesetz mit rücksichtsloser Ausnützung und Vergewaltigung der Landschaft“ vor.14 Moser weist darauf hin, dass die geHas vielgeschossige Mietshaus im neuen städtischen Wohnquartier 13 vgl. Julius (1952). S. 18 mischte Bauweise ein bewusstes gestalterisches Element ist und nicht dazu dienen soll, dieVon maximale Ausnützung auszuloten, sondern um 14 vgl. Moser (1949). S. 7 Werner M. Moser

18 132

Die rege Tätigkeit im Wohnungsbau seit Kriegsende Zürich, abgesehen von Wald, Seen und Flüssen, nur noch aus Wohn- und Industriegebieten bestehen würde. hat eine starke Inanspruchnahme von Grund und Bo¬ Stadt als Versprechen - Städtebau derInNachkriegszeit in der Schweiz den zur Folge, insbesondere in der Einflußzone unserer unsern Städten und ihren Vororten wächst die Be¬ völkerungszahl noch schneller. Die städtische Bevöl¬ größeren Städte. kerung der Schweiz, die übrigens nach Belgien der am stärksten industrialisierte Staat Europas ist, machte Haben wir, auf lange Sicht gesehen, genügend bebau¬ bare Landfläche, und gibt es Mittel und Wege, den i85o 7,4% uncl '94' bereits 3i % der Gesamtbevölke¬ Landverbrauch einzuschränken? rung aus. Entsprechend ist der Landverbrauch in den städtischen Gemeinden, d. h. die Besetzung von Kultur¬ land durch Industrie- und Wohnbauten besonders in¬ Dal! die bevölkerung t\cv Erde in einem Jahrhundert tensiv. Er dürfte seit Kriegsende für die Stadt Zürich trotz Kriegen den Bestand mindestens verdoppelt, in¬


SCHWEIZERISCHE BAUZEITUNG

26. Januar 1957

höf e zu verlängern. Ausserdem wirkt das Versenken natürlich, da die Murtenstrasse westlich des Amselweges ohnehin stark in die Senke des Gäbelbaches abfällt. Das Wohngebiet südlich der Murtenstrasse weist in der «Gemischtbauweise» löstöckige Scheibenhochhäuser längs der Murtenstrasse auf, in denen die Kleinwohnungen (1 bis 2 Zim¬ mer, maximal Dreizimmerwohnungen) untergebracht sind, und nordsüdgerichtete 7geschossige Blöcke, welche hauptsächlich Drei- und Vierzimmerwohnungen enthalten. Zwischen diesen grossen BauKörpern, die die grosse Linie angeben, liegen maximal dreigeschossige Bauten mit den grösseren Wohnun-. gen, sowie die nötigen Spielplätze, Autoabstellflächen und Garagen, Ladenbauten, öffentliche Gebäude, Alterssiedlung usw., letztere in der Nähe des Quartierzentrums mit der Autobusendstation. Dieses Quartierzentrum weist einen ge¬ schlossenen Marktplatz, sowie Läden, Saalbau mit Restaurant, eventuell Postbüro usw. auf. Drei grosse unterirdische Auto¬ einstellhallen liegen bei den drei Scheibenhochhäusern. Es wurde mit Hilfe der hohen Häuser darnach getrachtet, mög¬ lichst zusammenhängende Grünflächen zu erhalten, wobei eine gute Besonnung aller Wohnungen erstes Gebot ist. Die langen Schatten der Hochhäuser fallen auf die Murtenstrasse. Das Gebiet nördlich der Murtenstrasse, ebenfalls mit Hochhäusern, Blocks und niederer Bebauung in spannungs¬ voller Wechselwirkung, enthält sechs Punkthochhäuser mit Kleinwohnungen längs des Waldrandes, wo ihr Schatten keine Wohnungen trifft und die Verbindung der Wohnhöfe mit dem Walde optisch und verkehrstechnisch einwandfrei hergestellt werden kann, ferner drei siebengeschossige Blöcke mit Dreiund Vierzimmerwohnungen, einen viergeschossigen Bau, so¬ wie zweigeschossige Reiheneinfamilienhäuser, wie sie in der Siedlung Bethlehemacker vorhanden sind, und eine Fläche sogenannter «Teppichsiedlung» mit Atriumhäusern für kinder¬ reiche Familien, ausserdem einige dreigeschossige nordsüd¬ gerichtete Zeilen. In den Freiflächen wiederum sind Spiel¬ plätze, Kindergärten, Garagen, Läden usw. eingestreut, nebst drei grossen unterirdischen Autoeinstellhallen. In diesem Ge-

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biet wurde besonders auf die Herstellung einer guten räum¬ lichen Beziehung des Siedlungsgebietes zum Wald Bedacht ge¬

eine spannende und in die topographische Form des Geländes einnommen. fünfzehn- bis siebengeschossigen Bauten könnten auf gepasste Überbauung zu gestalten.Säulen EsAllebraucht seiner Fussdamit dasMeinung Erdgeschoss fürnach gestellt werden, gängerwege, Aufenthaltsflächen, gedeckte Kinderspielplätze Motorräder für (eventuell teilweiseMittel, verglast), AbStellflächen das Punktwohnhochhaus als gestalterisches so wie auch die und Fahrräder usw. frei wird. ein- oder zweigeschossigen Reihenhäuser, jedoch führt „die zu grosse Verkehr Die Murtenstrasse ist vom Knospenweg weg tiefer gelegt 15 ebenerdigen Kreuzungen und weist westwärts keine worden Wiederholung desselben Bautypes zu einförmigkeit“. Moser begrünmehr auf. Zur Verbindung des nördlichen mit dem südlichen Siedlungsgebiet sind zwei Ueberführungen projektiert. Die Zudet die gemischte Bauweise nicht nurundmit gestalterischen Murtenstrasse angeleg¬ Wegfahrten zu den beidseitig der Argumenten, ten Parallelerschliessungsstrassen, welche übrigens auch den der Murtenstrasse aufnehmen, erfolgen längs sondern vertritt auch die Meinung,Fahrradverkehr dass ein Quartier eine möglichst bei diesen Ueberführungen im Einbahnverkehr, also auch ohne Kreuzungen. Zusätzlich zu diesen beiden Erschliessungsstras¬ unterschiedliche Bewohnerschaft aufweisen muss. Gebiet eine m breite Strasse für die sen ist im südlichen

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Aufnahme der bis zum Quartierzentrum verlängerten BE-Bus-

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da eine detaillierte Auseinandersetzung mit der sich entwickelnden Landesplanung und den damit verbundenen Zonenplänen und Baugesetzen den rahmen dieser Arbeit überschreiten würde, sei an dieser stelle auf deren einf luss hingewiesen. so wurde zum Beispiel die Ausnützungsziffer eingeführt mit dem Ziel, innerhalb der einzelnen Zonen „die Monotonie der gleichförmigen Bebauung zu steuern und städtebaulich erwünschtes differenziertes Bauen unter sichernden Bedingungen zu fördern.“ (vgl. Fadle (1961). s. 75) Für Bümpliz-Bethlehem gab es einen Bauklassenplan von 1955, dieser wurde jedoch bei den grossüberbauungen mehrheitlich mit sonderbauvorschriften umgangen.

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Abb. 24. Wettbewerbsentwurf Tscharnergut von Lienhard & Strasser

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SCHWEIZERISCHE BAUZEITUNG SUDI.

Zahlen g Anzahl Die Idee der gemischten Bauweise f liesst schliesslich--1955 in den Wettbewerbsentwurf für die Überbauung Tscharnergut von Lienhard & Strasser ein. Massgeblich geprägt wurden die jungen Architekten von Hans Hofmann, bei dem sie an der ETH studiert und anschliessend als Assistenten gearbeitet haben. Bei der Analyse der Wettbewerbsschmälere Quartierstrasse linie projektiert, sowie visualisierungen wird jedoch deutlich, dass ihr Entwurf stark Le Industrie und Wohnbebauung. der Murten¬ Nördlichvon strasse wird Strassenschleife Siedlungsgebiet durch Corbusiers „Unité d’ habitation“ geprägt wurde. Mit ihrem Der Anschluss Dorfkern von modernen an Bümpliz erfolgt seits durch verbreiterte Unterführung der Bümplizstrasse und anderseits durch westwärts verschobene und neu zu Entwurf gewinnen sie den Wettbewerb. Obwohl nur ein Teil der Geerstellende Ueberführung der verlegten Abendstrasse, letztere im Anschluss an projektierte Strassennetz südlich der Bahnlinie. samtüberbauung realisiert wird und zahlreiche Anpassungen am Entdie Für Erschliessung Siedlungsgebietes mit öffent¬ lichen Verkehrsmitteln wird Buslinie BE gewählt, welche zum Quartierzentrum zu verlängern wäre, während für wurf vorgenommen werden, halten Hansbis und bis zur Linie B Gret spätere Reinhard ins Verlängerung nach Oberbottigen Auge gefasst werden könnte. Das westlich angrenzende biet der Anstalt «Brünnen» kann später in der Gegend Realisierung an der gemischten BauweiseQuartierzentrums fest. angeschlossen werden.

Tscharnergut in Bern-Bümpliz, .Ueberbauungsplan der Architekten IAenhard ä Strasser. Masstab 1:

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Siedlungsmorphologie

Die Fussgängerwege^ gehen, wo möglich, unabhängig von der Strassenführung frei durch die Wohnhöfe, hie und da unter Häuserblöcken hindurch, an Spielplätzen vorbei, in un¬ gezwungener, lebendiger Linienführung. Es wird speziell eine Fussgängerverbindung des Siedlungsgebietes mit dem Bahn¬ hof Bümpliz-Nord in entsprechendem Grünstreifen durch das Industriegebiet hindurch geschaffen. Die Strassenverbindung Bethlehemacker-Hohlenacker er¬ folgt mittels der nördlichen Parallelerschliessungsstrasse längs der Murtenstrasse.

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«Brünnen» enthalten sind. Im Wettbewerbsprogramm würde eine Ausnützungsziffer von 0,7 als Maximum festgehalten. Diese wurde aber gemäss Richtlinien des Preisgerichtes nach der Beurteilung der Wettbewerbsentwürfe und nach späteren Angaben des Stadtplaners auf 0,5 bis 0,6 reduziert.

Abb. 25. Visualiserung Tscharnergut von Lienhard & Strasser Wohnungen

Anzahl der Wohnungen: total 2000 bis 2100. Dies ent¬ spricht einer ungefähren Einwohnerzahl von 7000 Seelen. Die Verteilung der Wohnungen sollte den Interessengemeinschaf¬ ten freigestellt werden. Generell ist zu sagen, dass die Klein¬ wohnungen nur in den Hochhäusern untergebracht werden sollten (1 bis 2 Zimmer), die mittleren (3 bis 4 Zimmer) in den siebenstöckigen Blöcken und den dazwischenliegenden vier- und dreigeschossigen, während für die Grosswohnungen (5 Zimmer) die gestaffelten dreigeschossigen Zeilen, die Rei¬ heneinfamilienhäuser und die Atriumhäuser die geeignetste Form darstellen dürften. Immerhin schrieb das Wettbewerbs¬ programm eine Verteilung wie folgt vor:

15 vgl. Moser (1949). S. 5

Pascal Zwyssig

Zahlen Das ganze Siedlungsgebiet misst Davon Industriegebiet rd Daher für Wohnungsbau vorgesehen Berechnung der Ausnützungsziffer (Az)-

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3.1. ÜbErbAuung tSchArnErgut (1958-1967)

Abb. 26. Siedlung Tscharnergut

SCHWEIZERISCHE BAUZEITUNG

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on rd; -20 000 m2 Siedlungsgebietes emacker, so dass einen zusammen-

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Abb. 27. Freies Erdgeschoss im Wettbewerbsprojekt des Ladenzentrums, damit werktätige Eltern ihre Kinder im

hängenden, von Norden nach Süden verlaufenden Grünzug bildet, der sich in der Fussgängerverbindung zum Bahnhof durch das Industriegelände in ca. 25 m Breite fortsetzt. Die Kinderkrippe liegt in der Nähe der Busendstation und

Vorbeigehen abholen oder'Kabgeben können. Die drei Kinder¬ gärten sind in den grossen Wohnhöfen placiert. An den Fussgängerwegen liegen die drei Spielplätze für Jugendliche von 11 bis 18 Jahren, die sechs Spielplätze für solche von 7 bis 10 Jahren und eine Anzahl von kleinen Plätzen für die ganz Kleinen. Fussballfelder werden im Neuhaus angeordnet. Das Quartierzentrum enthält um einen Hof herum, wel¬ cher nur von Fussgängern betreten werden kann, den Saalbau mit Restaurant, sowie verschiedene Läden, eventuell ein Post¬ büro und eine Filiale eines Warenhauses. TC.oo

16 vgl. Derendinger (1996). S. 23 M

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Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz

20 134 LMItEMANmUS

Die bauliche Differenzierung des „sachlichen Bauens“ wird von Hans und Gret Reinhard bei der Siedlung Tscharnergut zum ersten Mal aufgehoben und die Siedlung in einer modernen Architektursprache gestaltet. Ebenfalls zum ersten Mal verwenden sie für einen Teil der Wohnbauten eine rationelle Bauweise mit vorgefertigten Bauelementen. War im Wettbewerbsentwurf von Lienhard & Strasser noch ein offenes Erdgeschoss vorgesehen, wird dieses bei der Ausführung aus ökonomischen Gründen halbgeschossig versetzt ausgeführt. Dies bewirkt, dass die Gebäude eine klare Abgrenzung schaffen und sich somit nicht nur gestalterisch vom Kontext abgrenzen. Was mit den ersten Infrastrukturbauten im Meienegg begann, wird im Tscharnergut weiterentwickelt. So beinhaltet die Siedlung alle nötigen Infrastruktureinrichtungen für den täglichen Bedarf wie ein Einkaufszentrum und eine Post, eine Primarschulanlage und zwei Kindergärten, ein Studenten- und Wohnheim und das erste Quartierzentrum der Schweiz mit Werkstätten, Café und Restaurant.16

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Abb. 28. Situationsplan der Siedlung Tscharnergut [2]

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

21 135


städteBAU

Abb. 29. Zentrum der Siedlung

Die Wohnbauten der Siedlung bestehen aus fünf Punkthochhäusern, acht Scheibenhochhäusern, drei Zeilenbauten und zwei Reiheneinfamilienhäusern. Die Gebäude werden von Norden nach Süden ihrer Höhe nach gestaffelt, um eine möglichst optimale Besonnung der Wohnungen zu erreichen. Diese Höhenstaffelung erzeugt auch eine spannende räumliche Struktur, die zwischen den Gebäudevolumen unterschiedlich grosse Zwischenräume aufspannt. Die Scheibenhochhäuser erzeugen drei solcher nord-südlich gespannte Aussenräume, die durch die Punkthochhäuser und Zeilenbauten abgeschlossen werden. Die Aussenräume werden dann durch die Reiheneinfamilienhäuser und weitere öffentliche Flachbauten weiter unterteilt. Die von Westen nach Osten verlaufende Hauptverkehrsachse wird durch die Untertrennung und leichte Verschiebung der Scheibenhochhäuser zusätzlich betont. Auf der Verlängerung dieser Achse befindet sich im Osten das Zentrum der Anlage. Dieses wird jedoch im Vergleich zu Meienegg nicht zusätzlich durch die Baukörper hervorgehoben, sondern befindet sich in der östlichen Peripherie der Siedlung.

Abb. 30. Situationsplan Siedlung Tscharnergut

Abb. 31. Schema der Siedlung

22 136

Das Tscharnergut wird trotz seiner unterschiedlichen Gebäudevolumen als eine Einheit gelesen, einerseits durch die moderne architektonische Gestaltung und andererseits durch seine differenzierte städtebauliche Form als Kontrast zum gebauten Kontext. Diese „inselwirkung“ wird durch die umschliessende Ringstrasse noch zusätzlich verstärkt.

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


Obwohl der Wettbewerbsentwurf eine funktionsgetrennte Überbauung vorschlug, war eine Strasse als Hauptachse durch die Siedlung geplant gewesen. Diese wurde jedoch durch eine Fussgängerzone ersetzt und die Verkehrserschliessung ähnlich wie im Meienegg mit Stichstrassen gelöst. Mit seiner Umsetzung der Verkehrstrennung gemäss der „Charta von Athen“, war das Tscharnergut die erste autofreie Siedlung der Schweiz.17

Abb. 32. Fussgängerzone als Hauptverkehrsachse

Abb. 33. Verkehr nach der Charta von Athen

Abb. 34. Volumetrische Darstellung der Siedlung

im gegensatz zu Meienegg stellt das tscharnergut mit seiner modernen Ausformulierung einen Bruch zum bestehenden kontext dar. das gemeinschaftliche Zentrum verschiebt sich vom Zentrum in die Peripherie. die gebäudevolumen werden ähnlich wie bei der siedlung Meienegg verwendet, um eine optimale Besonnung der Wohnungen zu erreichen, bei gleichzeitiger Abschirmung gegen die störende strasse. gleich wie bei Meienegg wird die siedlung durch das geschlossene erdgeschoss von der Umgebung abgegrenzt, womit ein geschützter halböffentlicher raum geschaffen wird. neu wird die „siedlung als stadt“ verstanden, da sie alle nötigen infrastruktureinrichtungen umfasst.

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

17 vgl. Hilpert (1988). S. 133

23 137


WohnUngstyPoLogie 18 Wohnungsschlüssel 2 1/2 Zimmer-Wohnungen

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Entsprechend der Forderung nach einer Durchmischung der Siedlungsbewohner, gibt es eine grosse Anzahl unterschiedlicher Wohnungstypen, diese werden mehrheitlich in den gleichen Gebäudetypen angeordnet. Die Dreieinhalbzimmer-Wohnungen befinden sich im Scheiben- und Punkthochhaus. Obwohl die Anzahl der Schlafzimmer übereinstimmt, sind die Wohnungen entsprechend der Gesellschaftsklasse der Mieter unterschiedlich ausformuliert. Leute mit geringeren ökonomischen Mitteln erhalten eine Wohnung im Scheibenhochhaus, die über einen öffentlichen Laubengang erschlossen ist. Ein Vorraum erschliesst alle Räume, jedoch wird dieser klar vom Wohnraum abgetrennt. Die Küche und das Kinderzimmer sind auf den Laubengang ausgerichtet, was bedeutet, dass Passanten Einblicke in die Privatsphäre der Kinder erhalten. Der Wohnraum und das Elternschlafzimmer befinden sich auf der Westseite, sind jedoch klar voneinander getrennt, da beide einen separaten Zugang vom Vorraum aus aufweisen.

Abb. 35. Scheibenhochhaus

24 138

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


Wohnungsgrundrisse: Tscharnergut (1958)

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Abb. 36. Grundriss Scheibenhochhaus

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Abb. 37. Schema Grundriss 3 1/2 Zi-Wohnung Abb. 38. Grundriss 3 1/2 Zi-Wohnung im Scheibenhochhaus

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

25 139


Die Dreieinhalbzimmer-Wohnung im Punkthochhaus ist grösser als diejenige im Scheibenhochhaus. Ein Vorraum übernimmt wiederum die Erschliessung, dieser entwickelt sich allerdings zum Wohnraum weiter. Konnte im Scheibenhochhaus keine Unterscheidung zwischen öffentlichen und privaten Räume festgestellt werden, geschieht dies nun durch die klare Untertrennung zwischen Nord und Süd. Beide Schlafzimmer sind nördlich platziert und die Küche und der Wohnraum befinden sich im Süden. Wie der Vorraum ist auch die Küche als ein offener Raum ausgestaltet und vergrössert damit die Wohnfläche zusätzlich.

1 Schlafzimmer Eltern 2 Schlafzimmer Kinder 3 Wohnzimmer 4 Küche 5 Bad 6 Vorraum 7 Reduit

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Abb. 39. Schema Grundriss 3 1/2 Zi-Wohnung

Abb. 40. Grundriss Punkthochhaus

26 140

gleich wie im Meienegg übernimmt ein Vorraum die erschliessung und führt im hochhaus zu einer erweiterung des Wohnraums. im scheibenhaus ist dies jedoch nicht der Fall. eine weitere gemeinsamkeit sind die funktionsgebundenen räume und die Unterscheidung zwischen öffentlichen und privaten räumen, was im scheibenhaus jedoch nicht erkennbar ist. die privaten Aussenräume sind gleich wie in Meienegg gegen die halböffentlichen Aussenräume ausgerichtet. neu wird ein reduit als zusätzlicher raum eingeführt.

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


Abb. 41. Punkthochhaus

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

27 141


4. groSSMASSStäblIchE SchEIbE

Abb. 42. Unité d‘habitation in Marseille

Max Frisch, der wie Hans und Gret Reinhard bei Salvisberg studiert hatte, kritisiert die romantische Vorstellung, dass eine Siedlung wie ein Dorf aussehen müsse, wie dies noch in der Siedlung Meienegg und teilweise im Tscharnergut mit dem „dorfplatz“ zu finden ist. „Und was habe ich, als Mensch, von einer noch so dekorativen dorfplatz-imitation, wie sie noch immer in unseren siedelungen spukt? eine siedelung ist ein dorf soziologisch nicht.“ 19 Neben dem Festhalten an ländlicher und kleinstädtischer Idylle stört er sich auch an der Ängstlichkeit der Schweizer vor Grösse und dem Verhalten „nie etwas radikales auch nur zu wollen, geschweige denn es zu tun.“ 20 In den 60er Jahren scheint seine Kritik aufgenommen zu werden, denn die Zeilen, Punkt- und Scheibenhochhäuser werden grösser und differenzierter angewendet und entwickeln sich hin bis zu ganzen „Wohn- und stadtgebirgen“. Damit wurde die Vorstellung der „Auflockerung und durchgrünung der stadt“ durch „Urbanität durch dichte und Multifunktionalität“ abgelöst. 21

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Abb. 43. Die Unité als vertikale Gartenstadt 19 vgl. Frisch (1953). S. 328 20 vgl. Frisch (1953). S. 325 21 vgl. Koch (1992). S. 206 22 vgl. Janson, Krohn (2007). S. 8

28 142

elevation, from Fagade / Als städtebauliche Idee / diente unter anderem die grossmassstäbliche Scheibe der „Unité d’ habitation“, mit der Le Corbusier die Punkte der »UniteLed'Habitation» Wohnbau in Marseille „Charta vonHer Athen“ umsetzte. Corbusier liess sich von einem Karigjy/5a, Le Corbusier, Architekt, Ptn täuserkloster und Ozeandampfern inspirieren, da diese alle FunktiRaoul d'Autry, empfangen. Dieser von der internationalen Fachwelt vieldiskutierte Wiederaufbauministers, 22 onenundeiner Stadtseiner in Ausführung einem vielbesuchte Objekt vereinten. Gemäss seinen schon während Damals ahnte er allerdings nicht, wie viele Schwierig¬„Fünf

Gesamtansicht vom Boulevard Michelet (Ostseite)

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Boulevard Michelet

\\ ohnbau ist, wie wir bereits in unserer letzten JanuarChronik berichteten, am i f. Oktober Kp2 in An¬ wesenheit des damaligen Ministers für Wiederaufbau, Claudius Petit, feierlich eingeweiht worden. Ebenfalls an einem i Oktober, fünf Jahre früher, war der Grund¬ stein gelegt worden. Den Projektauftrag hatte Le Cor¬ busier noch aus den Händen des ersten Nachkriegs-

keiten ihm mit diesem Bau in den Weg gelegt werden sollten, Schwierigkeiten von seiten der Baubehörden, solche finanzieller Natur — die Bauarbeiten lagen zeit¬ weise völlig darnieder —, scharfe Angriffe von seiten gewisser Architektenkreise und schließlich Schwierig¬ keiten von seilen der Bauunternehmer und Bauarbeiter, die wenig Interesse für eine sorgfältige und reibungslose

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz

Der Bau in der Landschaft The setting of the building

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Aus Nordwesten

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°b neuen r.Architektur“ steht DDD Punkte zu einer das rjScheibenhochhaus auf _J fr DD ucu an na Betonstützen und erlaubt so ein offenes Erdgeschoss und trägt zum H=W Wf gartenstadt“ bei. Das*HGebäude erlaubt eine Konzept der „vertikalen hohe Dichte und eine entsprechend der 5 75 Flexibilität der Grundrisse 575 Tragstruktur. Als Nachteil sind die dunklen „rue interieur“ zu beNormalgrundriß mit 2 x 3%-Zimmer-Typ Bad und Küche sind der zentralen der Ventilation die angeschlossen. Über zeichnen, die allerdings eine Optimierung Erschliessungsf läche Balkone besteht ein Fluchtweg zur außenliegenden Nottreppe. Rechts Variante und mit zum „Unités“ Normalgrundriß erlauben. Corbusier plante die als ein1x2%Ensemblex 4%-Zimmer-Typ. städtischer Diese Variation ermöglicht eine individuelle Verteilung der 2%- bis 4%-Zimmer-Typen pro Haus und Bauherr Wohnquartiere. Ihm wurde jedoch die Chance verwehrt diese Idee umzusetzen, so dass alle fünf „Unités“ als Solitäre gebaut wurden. 23 iL U

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weise: Betonelemente werden im Werk hergestellt, mit Tie gen auf die Baustellen transportiert und durch große ab Zwischenlager versetzt. Die Betonelemente sind sc glatt und werden tapeziert oder gestrichen. Damit d der Trockenbauweise gewahrt wurde, suchten wir ein konstruktion ohne Unterlagsboden. Schalldämmende böden werden direkt auf die Betonelemente verlegt. Sc sungen und Vergleiche zu Bauten mit konventioneller zeigten für die gewählte Konstruktion durchwegs be sultate. Die Fassadenkonstruktion stirnseitig besteht aus zw tigen Betonelementen mit dazwischenliegender Wä tion (Sandwichplatten), die Rückfassaden aus mit Alu blech abgedeckten Holzelementen mit Fenstern. D Trennwände sind aus Beton oder kunststoffbesc Holzwänden. Die Wohnungen werden durch ein Ein system mit Konvektoren und Radiatoren beheizt. Jedes Haus besitzt einen zentral gelegenen Waschs einer Aufsichtsperson. Die Mieter sind in der W Waschtage frei. Pro Treppenhaus ist ein Kehrichtabwurfschacht ang Zur besseren Abklärung von Konstruktion und Inne wurde auf dem Gäbelbachareal eine Musterwohnung daran konnte die Maßhaltung der Elemente geprüft we die verschiedenen Bauherren einigten sich auf eine same Ausführung. Durch die Arbeitsvergebung in großen Losen war es sehr günstige Preise zu erzielen, was sich auf die das gege fr auswirkt, die durchwegs günstiger sind als Angebot auf dem Berner Wohnungsmarkt. So koI 3/^-Zimmer-Wohnung imHESchwabgut durchschni 482

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Die auskragenden Decken erlauben eine kl wände zur Wohnungswand. Die Isolationen si weite von 5,75 m besteht die Gefahr von Haa

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Bauzeiten: Eine Versetzequipe erstellt pro Tag 1,15 Wohnungen 1 J Baubeginn Schwabgut 1 N Fertigstellung des ersten Sockelgeschosses ab 1 D Versetzen der vorfabrizierten Elementefcf ab 1 J Wohnungsbezug etappenweise bis 1 S <Ma\L Twvwy\M*Ar-

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Die als Konsolen auskragenden Trennwä Trennung der Bodenplatten. Die Isolatione schwierig

Abb. 44. Rationelle Bauweise in Gäbelbach 11

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und bezogen werden Die fertigen Überbauungen werden durch den Baufortgang wenig be¬ einträchtigt. Ein äußerer Baulift wird etappenweise gezügelt

Wurden beim Tscharnergut die ersten Versuche in rationeller Bauweise unternommen, wird Gäbelbach nun komplett in vorfabrizierten Elementen gebaut, so wie sich dies auch Corbusier für die „Unité“ vorgestellt hatte. Ein Grund für die Verwendung der Scheibe als Gebäudetyp war sicherlich der Einfluss von Le Corbusier, wobei eine Skizze von Hans und Gret Reinhard auch zusätzliche ökonomische Überlegungen nahelegt.

Pascal Zwyssig

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Im Gegensatz zum Hochhaus kann von «rechts nach links» konstruiert

Siedlungsmorphologie

11 Abb.Bin 45. Skizze zum FH3 BauvorHl1"! W% Die Balkonelemente i B8 1 «¦"!¦ 11 *¦ gangi^Mlllil^H 111

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Martin Glaus, Bern

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Die gewählte Konstruktion: stockwerkweise ladenbeschläge» und Regulierung durch Schraube. Vorteil: kein differenziertes Wach

23 vgl. Cohen (2006). S. 60

29

143


4.1. ÜbErbAuung gäbElbAch (1965-1968)

Abb. 46. Siedlung Gäbelbach

24 vgl. Ineichen (2013). S. 278

30 144

War beim Wettbewerbsentwurf von Strasser & Lienhard der Einfluss der „Unité“ noch deutlich zu erkennen, ist er bei der Umsetzung aus ökonomischen und gestalterischen Überlegungen nicht mehr ersichtlich. Dafür wurde die Idee für die Siedlung Gäbelbach wieder aufgegriffen und konsequent mit offenem Erdgeschoss und Dachterrasse umgesetzt. Im Vergleich zur „Unité“ werden die öffentlichen Infrastruktureinrichtungen nicht in den Scheibenhochhäusern sondern als eigene Flachbauten dazwischen angeordnet. Dieses Zentrum umfasst ein Ladenzentrum mit Restaurant, ein Freizeitzentrum mit Werkstätten und einer Bibliothek, ein Unterstufenschulhaus, einen Doppelkindergarten, eine Kindertagesstätte, eine Turnhalle, eine Schwimmhalle, ein Kirchgemeindehaus mit Theatersaal sowie technische Infrastrukturen wie ein Fernheizwerk, eine provisorische Kläranlage und eine zentrale Kehrichtsammelstelle. 24

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


500m

3

Abb. 47. Situationsplan der Siedlung Gäbelbach [3]

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

31 145


städteBAU Die Überbauung besteht aus drei gleichen Scheibenhochhäusern, wovon zwei von Norden nach Süden verlaufen und die Dritte von Osten nach Westen. Die Scheiben spannen einen Raum auf, der nach aussen geöffnet wird und so die Umgebung mit in die Überbauung einbezieht. Durch das leichte Versetzen und Abdrehen der Bauvolumen entsteht ein Raumkörper, in dessen Zentrum die gemeinschaftlichen und öffentlichen Nutzungen platziert werden. Dieses Zentrum verbindet die einzelnen Volumen, wobei jedes immer noch für sich selbst gelesen werden kann. Abb. 48. Zentrum der Siedlung SPIELPLATZE

50m

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Abb. 49. Situationsplan der Siedlung Gäbelbach

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KINDERKRIPPE

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STRASSE

Gäbelbach, Situation 1:2500 Blöcke A, B, C: insgesamt 862 Wohnungen (alle Wohnungsgrössen)

am

torenheizung wird durch ein Einrohr-Heizsystem von einer zentralen Aufbereitungsanlage aus (mit Unterstationen) betrieben. Wasch¬ küchen (automatische Waschmaschinen) und Trockenräume befin¬ den sich in den Untergeschossen. Die nichttragenden Fassaden be¬ stehen aus mit Aluminiumblech abgedeckten Holzkonstruktions¬ elementen mit Fenstern (Rolladen). Jeder Wohnung ist ein Abstell¬ raum mit eingebautem Besenschrank, zwei Wandschränken und eine offene Kleiderhänge sowie ein Kellerabteil zugeordnet. Die Überbauung Schwabgut (1. Etappe) umfasst vier 11-geschos¬ sige Blöcke mit total 550 Wohnungen sowie 2 unterirdische, 2-geschossige Einstellhallen. Zu jedem Block gehören zudem Parkplätze im Freien für rd. 30 Autos mit zusätzlichem Kurzparkierstreifen. Der Block A ist aufgeteilt in 2 Blockhälften. Die eine Seite umfasst 11

Wohngeschosse mit 88 Wohnungen (3 Vi und 2 Vi Zimmer), ein Ein¬ gangsgeschoss (Eingang, Spielhalle, Installationsräume, Abstell¬ räume, Wasch- und Trockenräume), ein Kellergeschoss und eine Dachterrasse mit abgetrennten Dachgärten. Die andere Seite auch 11-geschossig - besteht aus 55 1- und 2-Zimmer-Alterswohnungen, einem Altersheim, einem Pflegeheim und Personalzimmern. Im Ein¬ gangsgeschoss befinden sich die notwendigen administrativen Räume. JDazu kommen noch zwei Untergeschosse. Die Blöcke B, C und D enthalten je 154 Wohnungen (lVi, 2 Vi, 3, 3Vi, 4 und 4Vi Zimmer). Die Grundrissgestaltung und die Bauausführung entsprechen im Prinzip der Überbauung Gäbelbach, ausser der Partie der Alters¬ wohnungen, welche infolge ihrer komplizierten inneren Organisation in herkömmlicher Bauweise erstellt wird. Die Baukosten (nach SIA)

-

Die Siedlung wird von zwei Seiten mit Strassen abgegrenzt. Dies unterstützt die öffnende Geste der Bauvolumen gegen den öffentlichen Aussenraum. Die klaren Bauvolumen grenzen sich mit der modernen Architektursprache klar gegen den Kontext und die Natur ab, jedoch entsteht der Eindruck als ob letztere in die Siedlung fliesst. Dieser EfÜberbauung Gäbelbach 4 2Vi 5% 3Vi lVi2) Zimmerzahl 4Vi 4y21 fekt wird durch die36Boffenen96nErdgeschosse 9 43 72 noch 66 unterstützt. 516 Anzahl Wohnungen 2)

Abb. 50. Schema der Siedlung

Bruttogeschossfläche ohne Anteil Treppenhaus und Balkon (m2)

Mietpreis (Fr.)

')

2)

/ 70,30

42,55

65,60

75,45

86,10

192.—

278.—

320.—

400.—

405.—

114,70

46,60

554.—

255.—

64,80

117,65

341.—

533.—

zweistöckig Attikawohnungen

Überbauung Schwabgut

Bj

21/2

3Vi

4

33

38

350

63

n

42,55

65,60 / 70,30

75,45

86,10

295.—

325.—

365.—

88,75

215.—

Zimmerzahl

U/2

21/2

3Vi

4

Bruttogeschossfläche ohne Anteil Treppenhaus und Balkon (m2)

42,55

65,60 / 70,30

75,45

Zimmerzahl

Anzahl Wohnungen

Bruttogeschossfläche ohne Anteil Treppenhaus und Balkon (m2)

Mietpreis (Fr.)

Überbauung Bethlehemacker

32 146

88,75

2)

18

6

63

375.—

41/2

4Vi

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Stadt als Versprechen - 27Städtebau27der Nachkriegszeit in 51der Schweiz 193 35 27 Anzahl Wohnungen Mietpreis (Fr.) 1)

238.- bis 257.- ¦ 332.-bis 386.- 394.—

86,10

88,75

114,70

476.—

503.—

554.—

zweistöckig

802

Schweizerische Bauzeitung

• 85.

Jahrgang Heft 44 ¦ 2. November 1967


Der einheitliche Charakter zur Gemeinschaftsförderung, der von Bernoulli gefordert wurde, kann einerseits in der gleichen architektonischen Ausformulierung, sowie auch im Fehlen einer Hierarchisierung, erkannt werden. Dementsprechend gelingt die Abbildung einer pluralistischen Gesellschaft durch das Zusammenfassen verschiedener Wohnungstypen in einem Gebäudetypus, bei gleichzeitiger Realisierung eines einheitlichen Siedlungscharakters.

Abb. 51. Einheitliche Gestaltung der Siedlung

Abb. 52. Volumetrische Darstellung der Siedlung

im gegensatz zum tscharnergut rückt das Zentrum wieder ins physische Zentrum der siedlung und nimmt damit Bezug zu Meienegg. dieses Zentrum wird nun jedoch nicht mehr mit einem dorfplatz, sondern mit dem gemeinschaftszentrum belegt. die Bauvolumen werden nicht mehr verwendet, um sich gegen den kontext abzuschirmen, sondern um offene Aussenräume aufzuspannen und so auf die topographie zu reagieren. es gibt keine hierarchisierung der Wohnbauten wie dies noch im tscharnergut der Fall war, sondern es wird ein einheitlicher Charakter angestrebt, ähnlich wie im Meienegg.

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

33 147


WohnUngstyPoLogie 25 Wohnungsschlüssel 1 1/2 Zimmer-Wohnungen

45

2 1/2 Zimmer-Wohnungen

105

3 Zimmer-Wohnungen

6

3 1/2 Zimmer-Wohnungen

514

4 Zimmer-Wohnungen

66

4 1/2 Zimmer-Wohnungen

108

5 1/2 Zimmer-Wohnungen

15

6 1/2 Zimmer-Wohnungen

3

total

862

Abb. 53. Blick von der Küche in den Wohnraum

34 148

Um die pluralistische Gesellschaft abzubilden, weist die Siedlung eine Vielzahl unterschiedlicher Wohnungstypen auf. 25 Im Gegensatz zur „Unité“ werden die Wohnungen als Zwei- oder Dreispänner ausgebildet, was zu neun Erschliessungskernen führt. Die Dreieinhalbzimmer-Wohnung wird durch einen offenen Vorraum erschlossen, der als Erweiterung des Wohnraums gelesen werden kann. Die Küche gliedert sich an den Wohnraum und ist halb offen gestaltet. Damit wird eine Erweiterung des Wohnraums durch die Verbindung mit der Küche erreicht. Die Unterscheidung zwischen privaten und öffentlichen Räumen geschieht wiederum durch die unterschiedliche Orientierung der Räume. Die Schlafzimmer sind auf der Ostseite angeordnet und werden beide über den Vorraum erschlossen. Die Funktionstrennung der Schlafzimmer wird durch die Grössenunterschiede sichtbar.

im gegensatz zum tscharnergut werden die unterschiedlichen Wohnungstypen nicht in einer hierarchischen und differenzierenden gebäudestruktur abgebildet, sondern in einer einzigen gebäudeform angeordnet. die erweiterung des Wohnraums durch die küche wurde bei Meienegg angedeutet, im Punkthochhaus weiterentwickelt und wird schliesslich in gäbelbach zu einem raum. die Unterteilung zwischen privaten und öffentlichen räumen erfolgt wie bei den vorhergehenden siedlungen durch eine unterschiedliche Ausrichtung der räume. die idee des reduits als zusätzlicher raum wird beibehalten.

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


Abb. 54. Grundriss Scheibenhochhaus

1 Schlafzimmer Eltern 2 Schlafzimmer Kinder 3 Wohnzimmer 4 KĂźche 5 Bad 6 Vorraum 7 Reduit

2

1

7 6

5

4

3

Abb. 55. Schema Grundriss 3 1/2 Zi-Wohnung Abb. 56. Grundriss 3 1/2 ZiWohnung

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

35 149


5. KonKluSIon Ein Hauptanliegen von Hans und Gret Reinhard war das gemeinschaftliche Zentrum als „öffentliche Wohnstube“ der Siedlungen. Deswegen erscheint es nur logisch, dass es nach der Verdrängung in die Peripherie des Tscharnerguts, im Gäbelbach wieder dominant als verbindendes Element zwischen den drei Wohnungsbauten im Zentrum platziert wird. Obwohl die drei Siedlungen unterschiedlich ausformuliert sind, werden sie jeweils als eine eigene Einheit gelesen, jedoch gehen Hans und Gret Reinhard dabei verschieden mit dem Kontext um. Werden die Bauvolumen im Meienegg und Tscharnergut noch als Abschottung verwendet, um die halböffentlichen Aussenräume zu schützen, öffnen sich die Volumen im Gäbelbach und beziehen die Natur mit ein. Auch die Hierarchisierung, welche Bernoulli zum Thema macht, wird unterschiedlich behandelt. Während das Tscharnergut die Bewohner mit einer hierarchischen Gebäudestruktur abbildet, verwenden die beiden anderen Siedlungen gleiche Gebäudetypen, um eine einheitliche Gestaltung zu erreichen. Abb. 57. Schema der Siedlungszentren

Die Dreieinhalbzimmer-Wohnungen der Siedlungen weisen nur funktionsgebundene Räume auf, dabei werden sie jeweils über einen Vorraum erschlossen. Dieser wird von Hans und Gret Reinhard im Verlaufe der Zeit immer mehr als Erweiterung des Wohnraums ausformuliert. Ähnlich wie der Vorraum, wird auch die Küche behandelt. Waren die Räume im Meienegg noch klar voneinander getrennt, wird diese Untertrennung langsam aufgelöst, bis sich die Küche zur Erweiterung des Wohnzimmers entwickelt. Ein weiteres Thema von Untertrennung ist jenes zwischen privaten und öffentlichen Räumen, was schrittweise durch die unterschiedliche Ausrichtung der Räume erreicht wird. Da der Zugang zum Nutzgarten durch die vertikale Stapelung der Wohnungen überf lüssig geworden ist, werden die privaten Aussenräume ab dem Tscharnergut über den Wohnraum erschlossen und erweitern so diesen optisch. Ebenfalls ab dem Tscharnergut wird ein Reduit als zusätzlicher Raum eingeführt. Grundsätzlich fällt die Wohnung im Scheibenhochhaus durch seine andersartige Anordnung der Räume auf, dies kann jedoch auf die Laubengangerschliessung zurückgeführt werden.

36 150

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


morphologie

Meienegg

1 Schlafzimmer Eltern 2 Schlafzimmer Kinder 3 Wohnzimmer 4 KĂźche 5 Bad 6 Vorraum 7 Reduit

2

1

6 5

4

3

Tscharnergut 4

1

7

5

6

3

1

2

6

3

5

3

4

7

Gäbelbach 2

1

7 6

5

4

3

Pascal Zwyssig

Abb. 58. Schema der Grundrissentwicklung

37

151


Wie in der Arbeit ersichtlich, ist der Verlauf der siedlungsmorphologischen Entwicklung eine zeitgeistliche Erscheinung, die durch ihre enge Zusammenarbeit in den Architektengemeinschaften auf Hans und Gret Reinhard übertragen wird. Die Idee der gemischten Bauweise floss durch das damals junge Architekturbüro Lienhard & Strasser ein. Angesichts des markanten Strukturwechsels kann davon ausgegangen werden, dass die Zusammenarbeit mit Eduard Helfer zur Lösung mit den grossmassstäblichen Scheiben in der Siedlung Gäbelbach geführt hat. Wie ein Blick auf das Schaffenswerk von Hans und Gret Reinhard zeigt, wurden ihre folgenden Siedlungen mehr oder weniger ausgeprägt in der gemischten Bauweise ausgeführt, jeweils mit dem Ziel, eine soziale Durchmischung der Siedlungsbewohner zu erreichen. Es bleibt also die Frage, warum die Siedlung Gäbelbach, die sowohl in städtebaulicher Hinsicht, wie auch mit seiner grossen Vielfalt an Wohnungstypen zu überzeugen vermag, ein Einzelfall geblieben ist.

38 152

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


Abb. 59. Kinder in der Siedlung Gäbelbach

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

39 153


6. lItErAtur- und QuEllEnvErZEIchnIS Allenspach, Christoph (2002). Architektur in der schweiz. Bauen im 19. Und 20. Jahrhundert. 2. Auf lage. Zürich: Pro Helvetia Carol, Hans. Werner, Markus (1949). städte – wie wir sie wünschen. Zürich: Regio Cogato Lanza, Elena. Marti, Paul (1995). Braillard und Bernoulli als Städtebauer. Werk, Bauen + Wohnen. 82. S. 60-65 Cohen, Jean-Louis (2006) Le Corbusier 1887-1965. die Lyrik der Architektur im Maschinenzeitalter. Köln: Taschen Fadle, Daher Said (1961). städtebau, Architektur und Baugesetzgebung. Untersuchung über deren gegenseitige Zusammenhänge. Zürich: Truninger Frisch, Max (1953). Cum grano salis. Eine kleine Glosse zur schweizerischen Architektur. das Werk. 10. S. 325-329 Derendinger, Gottfried (1996). Bauinventar Bümpliz 1993/96. Bern: Denkmalpf lege der Stadt Bern Dudenredaktion (2003) duden. deutsches Universalwörterbuch. 5. Auf lage. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag Hilpert, Thilo (1988). Le Corbusiers „Charta von Athen“. texte und dokumente. kritische neuausgabe. 2. Auf lage. Braunschweig: Friedrich Vieweg & Sohn. Ineichen, Hannes (2013) hans + gret reinhard : Bauten und Projekte, 1942-1986 : reinhardpartner Architekten und Planer Ag ab 1986. Sulgen: Niggli Janson, Alban. Krohn, Carsten (2007). Le Corbusier. Unité d’ habitation, Marseille. Stuttgart: Edition Axel Menges Julius, Maurizius (1952). der siedlungsbau in der schweiz 1940-1950. Zürich: Verlag für Architektur AG Koch, Michael (1992). städtebau in der schweiz. 1800-1990 : entwicklungslinien, einf lüsse und stationen. Zürich: Verlag der Fachvereine an den schweizerischen Hochschulen & Techniken Luchsinger, Christoph (1985). hans hofmann 1897-1957. Vom neuen Bauen zur neuen Baukunst. Zürich: GTA Meseure, Anna. Tschanz, Martin. Wang, Wilfried (1998). Architektur im 20. Jahrhundert: schweiz. München: Prestel Moser, Werner Max (1949). Das vielgeschossige Mietshaus im neuen städtischen Wohnquartier. das Werk. 1/36. S. 3-8

40 154

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


Pevsner, Nikolaus. Honour, Hugh. Fleming, John (1992). Lexikon der Weltarchitektur. 3. Auf lage. MĂźnchen : Prestel Schnell, Dieter (2007). Zur Siedlungsentwicklung der 50er-Jahre : Boom im Wohnungsbau. heimatschutz. 3/102. S. 9-12 Steinmann, Martin. Noseda, Irma (1981). Was geht uns Bernoulli an? Archithese. 6. S. 2

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

41

155


7. AbbIldungSvErZEIchnIS

42 156

Abb. 1.

Hans und Gret Reinhard um 1950. Aus: Ineichen (2013). S. 369

Abb. 2.

Karte vom Westen von Bern mit den Siedlungen Meienegg, Tscharnergut und Gäbelbach. Aus: Grafik Autor

Abb. 3.

Tscharnergut 1967. Aus: Archiv Reinhardpartner Architekten

Abb. 4.

Siedlung Westhausen in Frankfurt am Main (1929-1931). Aus: Pevsner, Honour, Fleming (1992). S. 804

Abb. 5.

Die Entwicklung des Zeilenbaus. Aus: Julius (1952). S. 16

Abb. 6.

Maurice Braillards Richtplan für Genf in Zeilenbauweise (1935). Aus: Corboz, André (1988). Grossstadt Schweiz? Archithese. S. 18

Abb. 7.

Oberzolldirektion in Bern (1951-1953). Aus: Ineichen (2013). S. 17

Abb. 8.

Siedlung Meienegg. Aus: Ineichen (2013). S. 139

Abb. 9.

Situationsplan der Siedlung Meienegg [1]. Aus: Grafik Autor

Abb. 10.

Schema einer organischen Idealstadt. Aus: Carol, Werner (1949). S. 87

Abb. 11.

Situationsplan Siedlung Meienegg. Aus: Ineichen (2013). S. 136

Abb. 12.

Schema der Siedlung. Aus: Grafik Autor

Abb. 13.

Gewünschte Gliederung der Gebäude um einen Platz. Aus: Carol, Werner (1949). S. 65

Abb. 14.

Volumetrische Darstellung der Siedlung. Aus: Grafik Autor

Abb. 15.

Offene Abtrennung vom Eingang zum Wohnzimmer. Aus: Ineichen (2013). S. 141

Abb. 16.

Grundrisse der Reiheneinfamilienhäuser Bethlehemacker (1943-1947). Aus: s. n. (1970). Die Familien-Baugenossenschaft Bern. Wohnen. 45. S. 373

Abb. 17.

Kinderzimmer. Aus: Ineichen (2013). S. 140

Abb. 18.

Grundriss Zeilenbau Meienegg. Aus: Ineichen (2013). S. 138

Abb. 19.

Schema Grundriss 3 1/2 Zi-Wohnung Meienegg. Aus: Grafik Autor

Abb. 20.

Grundriss 3 1/2 Zi-Wohnung Meienegg. Aus: s. n. (1970). Die FamilienBaugenossenschaft Bern. Wohnen. 45. S. 373

Abb. 21.

Bebauungsplan für Prilly in gemischter Bauweise. Aus: Moser (1949). S. 7

Abb. 22.

Viergeschossige Bebauung nach Baugesetz. Aus: Moser (1949). S. 7

Abb. 23.

Wettbewerbsentwurf von Häfeli, Moser, Steiger für Prilly. Aus: Moser (1949). S. 3

Abb. 24.

Wettbewerbsentwurf Tscharnergut von Lienhard & Strasser. Aus: H. M. (1957). Überbauung Tscharnergut in Bümpliz. schweizerische Bauzeitung. 4/75. S. 57

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


Abb. 25.

Visualiserung Tscharnergut von Lienhard & Strasser. Aus: H. M. (1957). Überbauung Tscharnergut in Bümpliz. schweizerische Bauzeitung. 4/75. S. 57

Abb. 26.

Siedlung Tscharnergut. Aus: Ineichen (2013). S. 220

Abb. 27.

Freies Erdgeschoss im Wettbewerbsprojekt Aus: Aus: H. M. (1957). Überbauung Tscharnergut in Bümpliz. schweizerische Bauzeitung. 4/75. S. 59

Abb. 28.

Situationsplan der Siedlung Tscharnergut [2]. Aus: Grafik Autor

Abb. 29.

Zentrum der Siedlung. Aus: Ineichen (2013). S. 235

Abb. 30.

Situationsplan Siedlung Tscharnergut. Aus: s. n. (1960). Überbauung Tscharnergut, Bern-Bümpliz. Wohnen. 5/35. S. 155

Abb. 31.

Schema der Siedlung. Aus: Grafik Autor

Abb. 32.

Fussgängerzone als Hauptverkehrsachse. Aus: Archiv Reinhardpartner Architekten

Abb. 33.

Verkehr nach der Charta von Athen. Aus: Hilpert (1988). S. 221

Abb. 34.

Volumetrische Darstellung der Siedlung. Aus: Grafik Autor

Abb. 35.

Scheibenhochhaus. Aus: Grafik Autor

Abb. 36.

Grundriss Scheibenhochhaus. Aus: Ineichen (2013). S. 229

Abb. 37.

Schema Grundriss 3 1/2 Zi-Wohnung. Aus: Grafik Autor

Abb. 38.

Grundriss 3 1/2 Zi-Wohnung im Scheibenhochhaus. Aus: s. n. (1970). Die Familien-Baugenossenschaft Bern. Wohnen. 45. S. 375

Abb. 39.

Schema Grundriss 3 1/2 Zi-Wohnung. Aus: Grafik Autor

Abb. 40.

Grundriss Punkthochhaus. Aus: Ineichen (2013). S. 222

Abb. 41.

Punkthochhaus. Aus: Grafik Autor

Abb. 42.

Unité d‘habitation in Marseille. Aus: Janson, Krohn (2007). S. 19

Abb. 43.

Die Unité als vertikale Gartenstadt. Aus: Roth, Alfred (1954). Der Wohnbau „Unité d‘Habitation“ in Marseille. das Werk. 1/41. S. 20

Abb. 44.

Rationelle Bauweise in Gäbelbach. Aus: s. n. (1967). Überbauungen Gäbelbach, Schwabgut und Bethlehemacker, Bern. schweizerische Bauzeitung. 44/85. S. 482

Abb. 45.

Skizze zum Bauvorgang. Aus: s. n. (1967). Überbauungen Gäbelbach, Schwabgut und Bethlehemacker, Bern. schweizerische Bauzeitung. 44/85. S. 483

Abb. 46.

Siedlung Gäbelbach. Aus: s. n. (1970). Die Familien-Baugenossenschaft Bern. Wohnen. 45. S. 372

Siedlungsmorphologie

Pascal Zwyssig

43

157


44

158

Abb. 47.

Situationsplan der Siedlung Gäbelbach [3]. Aus: Grafik Autor

Abb. 48.

Zentrum der Siedlung. Aus: Ineichen (2013). S. 34

Abb. 49.

Situationsplan der Siedlung Gäbelbach. Aus: s. n. (1967). Überbauungen Gäbelbach, Schwabgut und Bethlehemacker, Bern. schweizerische Bauzeitung. 44/85. S. 802

Abb. 50.

Schema der Siedlung. Aus: Grafik Autor

Abb. 51.

Einheitliche Gestaltung der Siedlung. Aus: s. n. (1970). Die Familien-Baugenossenschaft Bern. Wohnen. 45. S. 372

Abb. 52.

Volumetrische Darstellung der Siedlung. Aus: Grafik Autor

Abb. 53.

Blick von der Küche in den Wohnraum. Aus: Ineichen (2013). S. 288

Abb. 54.

Grundriss Scheibenhochhaus. Aus: Ineichen (2013). S. 285

Abb. 55.

Schema Grundriss 3 1/2 Zi-Wohnung. Aus: Grafik Autor

Abb. 56.

Grundriss 3 1/2 Zi-Wohnung. Aus:s. n. (1970). Die Familien-Baugenossenschaft Bern. Wohnen. 45. S. 375

Abb. 57.

Schema der Siedlungszentren. Aus: Grafik Autor

Abb. 58.

Schema der Grundrissentwicklung. Aus: Grafik Autor

Abb. 59.

Kinder in der Siedlung Gäbelbach. Aus: Ineichen (2013). S. 298

Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz


Anhang Präsentation Schlusskritik

159


Stadt als Versprechen _ Thema

1. Meienegg

1949 - 1954

2. Tscharnergut

1958 - 1967

3. Gäbelbach

1965 - 1968

500m

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1

Hochschule Luzern _ Technik & Architektur _ Vertiefungsarbeit _ MEP _ Pascal Zwyssig _ HS 2015

Stadt als Versprechen _ Fragestellung

Meienegg

1949 - 1954

Tscharnergut

1958 - 1967

Welche städtebaulichen und wohntypologischen Gemeinsamkeiten und Differenzen weisen diese unterschiedlichen Siedlungen auf?

Gäbelbach

160

1965 - 1968 Hochschule Luzern _ Technik & Architektur _ Vertiefungsarbeit _ MEP _ Pascal Zwyssig _ HS 2015


Stadt als Versprechen _ Gliederung

Inhalt 1. Einleitung 2. Zeilenbau 2.1. Überbauung Meienegg (1949-1954) Städtebau Wohnungstypologie 3. Gemischte Bauweise 3.1. Überbauung Tscharnergut (1958-1967) Städtebau Wohnungstypologie 4. Grossmassstäbliche Scheibe 4.1. Überbauung Gäbelbach (1965-1968) Städtebau Wohnungstypologie

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Hochschule Luzern _ Technik & Architektur _ Vertiefungsarbeit _ MEP _ Pascal Zwyssig _ HS 2015

Her Wohnbau »Unite d'Habitation» in Marseille Stadt als Versprechenigjy/5a, _ Erkenntnisse Le Corbusier, Architekt, Ptn Dieser von der internationalen Fachwelt vieldiskutierte und schon während seiner Ausführung vielbesuchte \\ ohnbau ist, wie wir bereits in unserer letzten JanuarChronik berichteten, am i f. Oktober Kp2 in An¬ wesenheit des damaligen Ministers für Wiederaufbau, Claudius Petit, feierlich eingeweiht worden. Ebenfalls an einem i Oktober, fünf Jahre früher, war der Grund¬ stein gelegt worden. Den Projektauftrag hatte Le Cor¬ busier noch aus den Händen des ersten Nachkriegs-

Wiederaufbauministers, Raoul d'Autry, empfangen. Damals ahnte er allerdings nicht, wie viele Schwierig¬ keiten ihm mit diesem Bau in den Weg gelegt werden sollten, Schwierigkeiten von seiten der Baubehörden, solche finanzieller Natur — die Bauarbeiten lagen zeit¬ weise völlig darnieder —, scharfe Angriffe von seiten gewisser Architektenkreise und schließlich Schwierig¬ keiten von seilen der Bauunternehmer und Bauarbeiter, die wenig Interesse für eine sorgfältige und reibungslose

Einheitliche Siedlungsgestaltung Der Bau in der Landschaft The setting of the building

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Aus Nordwesten

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Meienegg

1949 - 1954

Tscharnergut

1958 - 1967

Gäbelbach

1965 - 1968

Hochschule Luzern _ Technik & Architektur _ Vertiefungsarbeit _ MEP _ Pascal Zwyssig _ HS 2015

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Stadt als Versprechen _ Erkenntnisse

Umschliessung der Aussenräume

Hochschule Luzern _ Technik & Architektur _ Vertiefungsarbeit _ MEP _ Pascal Zwyssig _ HS 2015

Stadt als Versprechen _ Erkenntnisse

Orthogonales Rastersystem

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Hochschule Luzern _ Technik & Architektur _ Vertiefungsarbeit _ MEP _ Pascal Zwyssig _ HS 2015


Stadt als Versprechen _ Erkenntnisse

Siedlungszentrum

Hochschule Luzern _ Technik & Architektur _ Vertiefungsarbeit _ MEP _ Pascal Zwyssig _ HS 2015

Stadt als Versprechen _ Konklusion

Meienegg

1 Schlafzimmer Eltern 2 Schlafzimmer Kinder 3 Wohnzimmer 4 KĂźche 5 Bad 6 Vorraum 7 Reduit

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Hochschule Luzern _ Technik & Architektur _ Vertiefungsarbeit _ MEP _ Pascal Zwyssig _ HS 2015

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164


165


166


ThemenĂźbersicht der weiteren Arbeiten

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Learning from Kaiseraugst Wie Infrastrukturanlagen eine GrossĂźberbauung beeinflussen Eine GegenĂźberstellung zweier Werke der Schweizer Nachkriegsarchitektur

168


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 17.01.2016

Verfasser: Michael Bürgi Klostermühlestrasse 6 8840 Einsiedeln Dozenten: Dufner, Oliver Wieser, Christoph

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Anhand zweier Grossüberbauungen der Schweizer Nachkriegsarchitektur mit nahezu identischen Ausgangslagen und Entwurfsabsichten, sollen die Ursachen für deren Scheitern respektive Gelingen - im Sinne eines funktionierenden Soziallebens – untersucht werden. Der Fokus der Arbeit ist auf die Infrastrukturanlagen gelegt. Die geplante Vision wird verglichen mit der baulichen Umsetzung und deren Entwicklung bis heute. Die Überbauung Liebrüti von Schachenmann und Berger in Kaiseraugst weist neben 900 Wohnungen die gesamte Infrastruktur eines Dorfes auf und funktioniert dementsprechend bis heute hervorragend. Durch eine Verkehrsschneise ist Liebrüti jedoch bis heute vom eigentlichen Dorf Kaiseraugst abgekapselt, ein ganzheitliches Dorfleben konnte sich so nie etablieren. Die Überbauung Benziwil von Otto Glaus in Emmen plante ein noch umfangreicheres Infrastrukturangebot zu erstellen, umgesetzt wurde jedoch nur ein Bruchteil der Planung. Ohne ein Bindeglied für den sozialen Zusammenhalt unter den Bewohnern zerfiel das Quartierleben gänzlich. Learning from Kaiseraugst Michael Bürgi Heute ist Benziwil eine Schlafstadt und hat mit sozialen Problemen zu kämpfen. Für das eigene entwerferische Handeln sollte eine anregende Grundlage geschaffen werden, um die Tragweiten und Folgen von Infrastrukturentscheidungen fundierter einschätzen zu können.

3

169


Unerwarteter Aussenraum Das Hochhaus «zur Palme» – ein radikales Projekt im Engequartier

170


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 18.01.2016 Verfasser: Lukas Burkhard Bohlstrasse 27 D 6300 Zug Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Die vorliegende Vertiefungsarbeit befasst sich mit dem Thema «Unerwarteter Aussenraum des Hochhauses zur Palme». In einem ersten Schritt wird das Gebäude kurz vorgestellt und das Thema anhand von einem Text von Max Frisch hergeleitet. Ausgehend von der These, dass das Gebäude im Engequartier unerwartete räumliche Situationen erzeugt, werden anschliessend drei signifikante Stellen genauer untersucht. Das Ziel dieser Analyse ist zu erklären, in wiefern sich die Räume von der umliegenden Stadt differenzieren und welche atmosphärischen Qualitäten damit entstehen. Während Texte der damaligen Zürcher CityDebatte als Grundlage für die Erklärung der Entstehung dieser Räume dienen, stützt sich die Interpretation der Atmosphäre auf der theoretischen Schrift von Otto Bollnow und entsprechenden Fotos. Abschliessend werden die Erkenntnisse zusammengefasst und ein Ausblick auf eine mögliche weitere Beschäftigung mit dem Thema geschaffen.

3 171


Zuwider der Monotonie Otto Senn gegen die Langeweile im Siedlungsbau

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172 deutung eines räumlichen Ordnungsprinzips zukommt, so nach außen die einer Akzentsetzung im Stadtbild. Statt einer Nivellierung und Verwischung der Bewegt¬ heit von Stadt-Silhouette und natürlicher Geländefor¬ mation wird deren Betonung und Straffung erreicht.

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Verkehrsfüh¬

stück des Österleden, frei von Anschlüssen auf ver¬ tieftem JNivcau vorbeigeführt. Die den ruhenden Fahr¬ zeugen dienenden Dispositionen sind unter dem Ge¬ sichtspunkt getroffen worden, nach Möglichkeit inter¬ nen Fährverkehr zu vermeiden. Ausgiebige Parkierungsflächen befinden sich bei den Zufahrten an den Bandstraßen. Die dem verbunde¬


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2016

Verfasser: Nadine Bussinger Rainstrasse 90 5024 Küttigen Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

I Abstract Die vorliegende Vertiefungsarbeit befasst sich mit der Analyse zweier Siedlungsbauten der Nachkriegszeit in der Schweiz - mit dem Wettbewerbsprojekt Gellert-Areal in Basel und mit der Sieldung Murifeld Wittigkofen in Bern. Beide Siedlungen wurden im Abstand von zehn Jahren vom Basler Architekten Otto Senn geplant. Nach der Definition der Monotonie und seinen Auswirkungen im Städtebau werden im Hauptteil die zwei Siedlungen untersucht, basierend auf den vier Begriffen: Raum, Individuum, Gemeinschaft und Ordnung. Diese Arbeit liefert Antworten, mit welchen Mitteln Otto Senn versucht, dem monotonen Siedlungsbau entgegen zu wirken. Durch die zehnjährige Zeitspanne zwischen den beiden Projekten werden auch die unterschiedlichen Denkweisen zur jeweiligen Zeit aufgezeigt.

Zuwider der Monotonie

Nadine Bussinger

3 173


Rheinfelden Augarten Raumbildung und Aussenräume Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Markus Busslinger

174

Lucerne University of Applied Sciences and Arts


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2016

Verfasser: Markus Busslinger im Hügelacher 4 5406 Baden-Rütihof Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Die Architekten der Siedlung Augarten legten grossen Wert auf die Raumbildung innerhalb des Projektes. Mit insgesamt vier Haustypen versuchten sie die räumliche Situation innerhalb der Bebauung so zu definieren, dass innerhalb dieser verschiedene Konstellationen entstehen. Neben dem Aufteilen der Siedlung in verschiedene Quartiere durch den Einsatz verschiedener Bauhöhen, gibt es auch die kleine Platzsituationen die als lokale adressenbildende Orte dienen. Diese sehr differenzierte Auseinandersetzung mit den Aussenräumen möchte ich genauer untersuchen.

Rheinfelden Augarten

Markus Busslinger

3 175


Lernen aus der Altstadt Der Einfluss des BĂźros fĂźr Altstadtsanierung unter Stadtbaumeister A.H. Steiner auf die Siedlung Heiligfeld

176


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2016

Verfasser: Cédéric Erni Ebnetstrasse 6 6043 Adligenswil Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Im Rahmen des Moduls Vertiefungsarbeit HS 15 mit dem Thema «Stadt als Versprechen – Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz» befasst sich die vorliegende Arbeit mit dem im Jahr 1945 in Zürich gegründetem Büro für Altstadtsanierung unter Stadtbaumeister Albert Heinrich Steiner und der von ihm konzipierten Siedlung Heiligfeld. Eine grundsätzliche Faszination für die Siedlung sowie eine Vermutung einer möglichen Beeinflussung durch die Zürcher Altstadtsanierung auf die Siedlung Heiligfeld, bilden die Ausgangslag dieser Arbeit. Einige Aspekte sprechen für diesen möglichen Einfluss. So erkannte Steiner unter anderem den «menschlichen Massstab» in der bestehenden Altstadt, welcher auch im Heiligfeld eine zentrale Rolle spielte. Weitere untersuchte und denkbare Einflüsse betreffen den Umgang mit Materialien und Farben sowie die von Steiner gewählte Mischbauweise bei der Siedlung Heiligfeld.

Lernen aus der Altstadt

Cédéric Erni

3 177


Wohntypologien fĂźr Berns Westen Ein Beitrag von Hans & Gret Reinhard

AndrĂŠ Falabretti

178


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Wangen a/A, 17.01.2016

Verfasser: André Falabretti Amselweg 6 3380 Wangen an der Aare Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Die vorliegende Vertiefungsarbeit befasst sich mit dem Architektenpaar Hans & Gret Reinhard und ihrer Relevanz für die Entwicklung des Westens von Bern. Im Zentrum stehen drei wichtige Überbauungen, die stellvertretend für ihren Siedlungstypus stehen und einen grösstmöglichen zeitlichen Rahmen abstecken. Die markante Entwicklung des Massstabs der Projekte lässt Fragen aufkommen, ist es eine reine Vervielfachung eines Grundprinzips oder findet mit der Entwicklung des Massstabs auch eine Entwicklung der Konzepte statt. Zu Beginn wird der damalige Zeitgeist kurz erläutert um die Umstände während der Realisierung der Projekte darzulegen. Im Hauptteil werden die Überbauungen anhand von drei Kriterien analysiert. In den Themen der Stellung der Körper & die Qualität der Aussenräume, der Erschliessung und der Konzeption der Wohnungsgrundrisse wird nach Brüchen und Parallelen gesucht und in einem ersten Fazit dargelegt. Abschliessend wird der Blick wieder geöffnet und die Erkenntnisse der einzelnen Kriterien im Gesamtkontext betrachtet.

Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015

André Falabretti

3 179


Normalität als Entwurfsprinzip Eine Analyse der Siedlung Grosshof in Kriens von Eduard Renggli

180


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2016 Horw, 18.01.2016 Verfasserin: Valentina Heiss Dornacherstrasse 5 6003 Luzern Dozenten: Christoph Wieser Oliver Dufner Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract In dieser Arbeit möchte ich den Luzerner Architekten Eduard Renggli mit seinen Werken und Einflüssen vorstellen. Vor allem mit seinen Siedlungsbauten in den 1950er Jahren hat er die Agglomeration von Luzern geprägt. Mit der Siedlung Grosshof in Kriens als Beispiel möchte ich den Hintergrund der damaligen Zeit, der Suche nach Normalität nach den Kriegsjahren und den Wohnungsmangel in den Städten analysieren. Dabei beziehe ich mich auf den Artikel „Auf der Suche nach Normalität“ von Martin Steinmann veröffentlicht und dem Vortrag „Siedlungsplanung Heute“, den Renggli 1974 am ATIS (Abendtechnikum Innerschweiz) gehalten hatte. Als abschließende Analyse möchte ich auf die Gestaltung der Siedlung Grosshof eingehen.

Normalität als Entwurfsprinzip

Valentina Heiss

3 181


Figur versus System Eine GegenĂźberstellung zweier Aussenraumkonzeptionen Patrick Herger

Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2016

Verfasser: Patrick Herger Wiesenstrasse 9a 8910 Affoltern am Albis Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur 182


Abstract Die vorliegende Arbeit befasst sich im Rahmen des Modules „ Vertiefungsarbeit“ unter dem Überthema „Stadt als Versprechen – Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz“ mit der Thematik von zwei verschiedenen Aussenraum Konzeptionen aus dieser Zeit. Im Zentrum der Arbeit steht die Gegenüberstellung von zwei unterschiedlichen Bebauungsmodellen der Nachkriegszeit. Auf der einen Seite das Modell der städtebaulichen Figur, welches mit der Grosssiedlung Le Lignon hinterlegt ist und auf der anderen Seite die Grosssiedlung Tscharnergut welche stellvertretend für das Modell des städtebaulichen Systems steht. Durch die Methode der Gegenüberstellung, kann aufgezeigt werden, zu welchen unterschiedlichen räumlichen Resultaten die beiden Modelle führen. Es wird klar, dass die räumliche Differenz der beiden Projekte, wie auch die Wegführungen, das Produkt der jeweiligen Modelle sind, welche eine städtebauliche Haltung widerspiegeln. Die erarbeitete Theorie der beiden Modelle, welche zu einem grossen Teil darauf basiert die jeweiligen Einflüsse und Vorbilder zu benennen, bildet somit eine theoretische Grundlage mit welcher sich nahezu alle Elemente der beiden Projekte ergründen lassen. Es wird klar, dass die historischen Einflüsse der Beaux-ArtTradition das Modell der städtebaulichen Figur geprägt haben und das durch dass Verweben von historischen Einflüssen und rationellem Bauen ein Siedlungsmodell entstanden ist, das sich grundlegend von dem aus der Charta von Athen abgeleiteten Bebauungsmodell unterscheidet.

Figur versus System

Patrick Herger

5 183


Bethlehemacker I und II Ineinandergreifen zweier städtebaulichen Modellen

Michael Hurni

184


Semesterarbeit Herbstsemester 2015/16 Horw, 19.01.2016

Verfasser: Michael Hurni St. Karlistrasse 2 6004 Luzern Dozenten: Dr. Christoph Wieser Prof. Dr. Oliver Dufner

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

ABSTRACT

Die Überbauungen Bethlehemacker I in Bern wurde während des 2. Weltkrieges erstellt, worauf eine zweite Überbauung erst nach 20 Jahre später folgte. Während die erste Bebauung aus Reihenhäusern besteht und das Gartenstadtmodell deutlich herauszulesen ist, so setzt sich die zweite aus Hochbauten zusammen. Mit der Ausführung des Bethlehemacker II fielen 44 Reiheneinfamilienhäuser zum Opfer. 1 Die beiden Siedlungsformen liegen so dicht beinander, dass von einem Ineinandergreifen gesprochen werden kann. Deshalb handelt diese Arbeit einerseits von den Differenzen der beiden Bebauungen und andererseits wird deren Zusammenspiel beleuchtet.

1

Ineichen. S.310.

185


Fragment eines städtebaulichen Konzeptes Das Geschäftshochhaus „Zur Palme“ als Höhe- und Schlusspunkt der Seeuferdebatte

Simon Iten

186


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2016 Verfasser: Simon Iten Bachweg 10 6313 Edlibach Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Im Rahmen einer Vertiefung mit dem Thema „Stadt als Versprechen – Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz“ befasst sich diese Arbeit mit dem Motiv des Hochhauses als städtebauliches Mittel in der gewachsenen Stadt, mit dem versucht wurde, ein neues Denken des Städtebaus zu vermitteln. Dazu wird anhand von drei definierten Kriterien untersucht, in wie weit das Hochhaus „Zur Palme“, das aus einer Debatte rund um das Zürcher Seeufer entstand, als Stadtbaustein Zürichs verstanden werden kann und welches Bild das Architekturbüro Haefeli Moser Steiger (HMS) dabei für die Stadt der Gegenwart von Zürich hatte. Es entstand ein neuartiger Typus Hochhaus. Mithilfe dieser Reflektion und der theoretischen Ansätze zur klassischen Moderne wird aufgezeigt, dass sich die gewachsene Stadt mit den technischen und sozialen Veränderungen von damals, laut Meinung der Architekten, hin zu einer funktionalen Stadt entwickeln sollte, ohne den Bestand zu vernachlässigen. Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Grundsätze und Merkmale dieser städtebaulichen Ideologie zu erfassen und herauszufinden, weshalb es bei diesem solitären Grundbaustein „Zur Palme“ im Quartier Enge blieb. Fragment eines städtebaulichen Konzeptes

Simon Iten

3 187


Manifest des Städtebaus Einflßsse der Charta von Athen auf die Siedlung Benziwil

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Philipp Kurer 18.01.2016 188


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2016 Horw, 18.01.2016

Verfasser: Philipp Kurer Spitalstrasse 25 6004 Luzern

Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Die vorliegende Vertiefungsarbeit befasst sich mit der Charta von Athen und setzt sie in Verbindung zu Otto Glaus Siedlung Benziwil in Emmen. Der Wirtschaftsboom und der wachsende Wohlstand der Nachkriegszeit lösten eine unaufhaltsame Zersiedlung der Schweiz aus, wodurch die Rufe nach einer übergeordneten Planung immer lauter wurden. Mehrere Jahrzehnte zuvor wurde mit der Charta von Athen in den 1940er Jahren ein Manifest veröffentlicht, welches den Städtebau über mehrere Jahrzehnte auch in der Schweiz massgeblich beeinflussen sollte, aber sich nie durchsetzten konnte. In einem ersten Teil wird die Debatte, welche um die Charta von Athen geführt worden ist, genauer beleuchtet und deren Komplexität dargestellt. Eine Kernaussagen aus der Charta von Athen ist das Zusammenspiel von Gebautem und der Topografie. Dieser Sachverhalt wird mit der Siedlung Benziwil in Verbindung gebracht und genauer untersucht. Durch das geschickte Zusammenspiel der Topografie mit Manifest des Städtebaus Philipp Kurer der gebauten Struktur bilden sich mehrere räumlich abgeschlossene Wohnviertel. Durch eine tiefer gelegene Ebene mit einen See wird eine Distanz aber zugleich auch eine Verbindung zwischen den einzelnen Wohnvierteln geschaffen, was das ganze zu einer Gesamtheit verbindet. Auffallend ist, dass sich die Gebäude der letzten Bauetappe sich nicht in das Gesamtkonzept einordnen lassen und den Bezug zur Siedlung verlieren.

3

189


Komposition vs. System Der Vergleich zwischen zwei AussenraumKonzeptionen Benjamin Luchsinger

190


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Thema: Stadt als Versprechen–Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz Horw, 19.01.2015 Verfasser: Benjamin Luchsinger Im Rebberg 4 8910 Affoltern Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Diese Arbeit befasst sich mit dem Vergleich von zwei Aussenraum Konzeptionen der 50er Jahre anhand der Siedlungsbeispiele Heiligfeld III in Zürich und Tscharnergut in Bern. In der Analyse wird aufgezeigt, welche Hintergründe und Einflüsse die beiden Projekte geprägt haben. Weiter wird untersucht, welche Grundkonzepte der jewiligen Urheber und dessen konsequente Umsetzungen, trotz ähnlicher Ausgangslage zu unterschiedlichen Werken geführt haben. Der Vergleich wird anhand der Themen Hochhaus, Konzeption Aussenraum, Hügel sowie Umgang mit Grenzen weiter vertieft. Darauslässt sich die Verschiedenheit der Modelle bildlicher erkennen, auf der einen Seite das städtebauliche System von Hans und Gret Reinhard im Tscharnergut und auf der anderen Seite die Komposition von Albert H. Steiner im Heiligfeld III.

Komposition vs. System

Benjamin Luchsinger

3 191


Die kĂźnstliche Landschaft Siedlung Lacuna im Spannungsfeld zwischen Landschaft, Stadt und Park

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Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Thema: „Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz“ Horw, 19.01.2016 Verfasserin: Kristina Marxer Lowal 6 9496 Balzers Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema „Die künstliche Landschaft - Siedlung Lacuna im Spannungsfeld zwischen Landschaft, Stadt und Park“. Die Analyse der Siedlung erfolgt über den Begriff der Landschaft und beinhaltet die Berglandschaft Churs und die künstliche Landschaft der Siedlung. Die Siedlung selbst wird durch ihre Komposition und Silhouette in Beziehung zur Berglandschaft und der künstlichen Landschaft gesetzt. Die Gliederung der Arbeit erfolgt in drei Teile. Der erste Teil untersucht den Einfluss der Landschaft auf die Stadtentwicklung Churs. Prägende Elemente der Natur und geschichtliche Ereignisse werden anhand von Literatur und Kartenmaterial beschrieben. Die Siedlung Lacuna zeigt eine radikale Antwort auf die herrschende Siedlungsentwicklung Churs und bildet den zweiten Teil der Arbeit. Die Entschlüsselung der Siedlung erfolgt auf der Ebene der künstlichen Landschaft - der Ebene des Erdgeschosses - und wird durch die Analyse und Beobachtung vermittelt. Im dritten und letzten Kapitel werden die drei Landschaften miteinander in Zusammenhang gebracht, Erkenntnisse zusammengefasst und eine Schlussfolgerung gezogen.

Die künstliche Landschaft

Kristina Marxer

3 193


Vielfältigkeit trotz Elementbau Das Detail als kleinster gemeinsamer Nenner in der rationalen Bauweise

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Blick in das neue Gemeindezentrum von Osten

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Preis, Dolf Schnebli und Mitarbeiter

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Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 18.01.2016

Verfasser: Özgür Üstel Sonnenbergstrasse 21 6005 Luzern Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Diese Arbeit befasst sich mit dem aus der Elementbau der Nachkriegszeit. Die Präfabrikation gilt zu dieser Zeit als die Lösung für die Wohnungsnot. In den Jahren der Hochkonjunktur wird fleisig gebaut und es entstehen etliche Grosssiedlungen in der Schweiz. Zu diesen gehört auch Ruopigen bei Littau, einem Vorort von Luzern. Die Siedlung entstand über einen Zeitraum von 42 Jahren und wurde mit dem Wohnbausystem des Unternehmers Anliker AG und gleichzeitigen Bauherren der Siedlung bis zum Ende ausgeführt. Trotz der Kritik, dass die Rationalisierung zu den monotonen Siedlungen der Nachkreigsjahre geführt hat, besticht Ruopigen durch seine Vielfalt. Der Elementbau hat die Sieldung im Projektverlauf und in seinem formalen Ausdruck beeinfluss, jedoch nicht in der städtebaulichen Haltung. Durch Beobachtungen und Beschreibungen von Protagonisten wird in diesre Arbeit das Spannungsfeld der Siedlung aufgezeigt, zwischen Rationalisierung und Vielfältigkeit. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, das Ruopigen trotz seiner rationellen Bauweise, eine grosse Vielfältigkeit aufweist und der Kritik der monotonie keinen halt gibt.

VIELFÄLTIGKEIT TROTZ ELEMENTBAU

Özgür Üstel

Abb. 1. Titelseite; Skizze aus dem Wettbewerb von Dolf Schnebli. Aus: Hofstetter und Maurer 1964.

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Anomalien in Siedlungsränder der Nachkriesgmoderne Eine Untersuchung der Diskontinuität von Siedlungsstrukturen und deren Dialogizität zum urbanen Kontext

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Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2016

Verfasser: Samuel Pasula Houelbachstrasse 33 6010 Kriens Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract In der Vorliegenden Arbeit wird anhand der Städtebautheorie von Paul Hofer, der dialogischen Stadt, Siedlungsstrukturen der Nachkriegsmoderne auf ihre Ränder untersucht. Gibt es in den cartesianischen Siedlungsstrukturen trotz der rationalen Bauweise Brüche um mit dem gebauten Kontext in Dialog zu treten? Oder wurde beim Siedlungsbau das umliegende Bauterritorium vollkommen ausser Acht belassen und ein Objektfixiertes autarkes Siedlungsnetz aufgezogen? Das meist streng orthogonale Grundrisskonzept der Siedlungsbauten trifft, in sogenannten Intensivräumen, auf die bestehende Struktur der Stadt. Es interessieren die Stellen, an denen das Hochhaus neben der Einfamilienhaus-Siedlung gebaut wurde und ein neues Spannungsfeld erzeugt wird. Diese Ballungszentren des Aufeinandertreffens werden in dieser Arbeit untersucht und in ein Statement des Siedlungsbaus der Nachkriegsmoderne bezüglich deren Eingliederung ausformuliert.

Anomalien in Siedlungsränder der Nachkriegsmoderne

Samuel Pasula

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Die Schindlerfabrik Eine verpasste Chance in Ebikon?

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Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 17.01.16 Verfasser: Benedikt Profanter Kastanienbaumstrasse 87 6048 Horw Dozenten: Dr. Christoph Wieser Dr. Oliver Dufner Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Entwicklung Ebikons durch die Ansiedlung der Schindler AG im Jahre 1957. Dabei wird die Fragestellung behandelt, ob Ebikon durch diese Ansiedlung der Industrieanlage aus heutiger Sicht eine Chance in ihrem Städtebau verpasst hat. Um diese Frage beantworten zu können, wird ein Vergleich mit der Cité industrielle, einer städtebaulichen Studie von Tony Garnier, erstellt, die sich mit dem Thema einer neuen Industriestadt ausseinandersetzt. Beginnend wird die städtebauliche Entwicklung Ebikons untersucht. Im nächsten Schritt wird die Cité industrielle beschrieben und ein Vergleich mit Ebikon herangezogen. Anhand der Themen: Raumplanung, Wohnbauten und öffentlichen Einrichtungen werden die beiden Industriestädte miteinander verglichen. Ausserdem wird untersucht, inwiefern Schindler aktiv zur Veränderung der Stadtstruktur beigetragen hat. Abschliessend wird die Frage beantwortet, inwiefern Ebikon eine Chance in der Stadtentwicklung verpasste.

3 199


Das Hochhaus von Meili Der Einfluss von Armin Meili in der Entwicklung des schweizerischen BĂźrohochhauses Fabio Rainoldi

200


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 15.12.2015

Verfasser: Fabio Rainoldi Titliszentrum 5 6390 Engelberg Dozenten: Dr. Christoph Wieser Dr. Oliver Dufner

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Die Arbeit befasst sich mit den Überlegungen zum Bürohochhaus von Armin Meili. Über seine Vorstellung warum und wo Zürich Hochhäuser braucht. Unter Anderem basierend auf dem Artikel „Braucht Zürich Hochhäuser?“ in den NZZ Ausgaben vom 8.-11.12.1950. Das Augenmerk dieser Arbeit ist das Bürohochhaus im Stadtkern. Dazu wird das 1955 gebaute Hochhaus zur Bastei in Zürich und das Centro Svizzero in Mailand analysiert und mit einander verglichen. Es soll der Frage nachgegangen werden, in wie weit die Überlegungen von A. Meili in den zwei Hochhäusern verankert sind und in wie fern sie heute noch Gültigkeit haben.

201 Das Hochhaus von Meili

Fabio Rainoldi

3


New City Analyse und historische Verankerung

Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2016

Verfasser: Sonja Senn Kirchmattweg 10 5612 Villmergen Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

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Abstract Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Zürcher Seebecken als Raumressource zur Zeit der Nachkriegsmoderne. Das Seebecken war die meistbearbeitete Schlüsselstelle der Stadt Zürich. Inspiriert von der ersten Aufschüttung des Seebeckens Ende des 19. Jahrhunderts, entstanden immer wieder Projekte, die den See als Expansionsgebiet der Stadt vorschlugen. Im Vordergrund der Arbeit steht das nie realisierte Projekt „New City“ von André E. Bosshard aus dem Jahr 1961. Es ist wohl das Radikalste seiner Zeit und hätte damals aktuelle Probleme Zürichs gelöst. Bei der Analyse des Projektes geht es in erster Linie um die Organisation der neuen Stadt, die Verkehrsführung sowie die Funktionstrennung. Es stellt sich die Frage nach den Stärken und Schwächen des Projekts und der historischen Verankerung. Auf welche historischen Grundlagen baute André Bosshard sein Projekt auf und welche Einflüsse haben ihn und sein Projekt geprägt? Ziel der Arbeit ist es, die Umsetzung oder Weiterentwicklung historischer Gedanken im Entwurf von Bosshard aufzuzeigen und sein Projekt im Kontext des Zeitgeschehens einzuordnen. Nach dem Beschrieb und der Analyse der „New City“ wird auf die zu dieser Zeit aktuellen Themen eingegangen, um so den Zeitgeist um 1961 zu erfassen. Abschliessend werden die möglichen Einflüsse auf das Projekt von Bosshard anhand von drei Themen genauer untersucht. Durch die Arbeit wurden folgende Erkenntnisse gewonnen: André Bosshard versuchte mit seinem Projekt einen Beitrag zur Stadterweiterung Zürichs zu leisten. Es blieb jedoch bei möglichen Lösungsvorschlägen für das Verkehrsproblem, da sein Projekt der Stadt keinen Mehrwert gebracht hätte. Im Projekt konnten Parallelen zum Fachdiskurs der damaligen Zeit, aber auch zu städtebaulichen Studien früherer Jahrzehnte aufgezeigt werden. Vor allem im Bereich der Funktionstrennung greift Bosshard die Ideen früherer Stadttheoretiker auf.

Analyse und historische Verankerung

Sonja Senn

2035


Eine Verdichtung in der Gartenstadt Ă&#x153;berbauung GrĂźzefeld als ein Massstabssprung in der Winterthurer Stadtplanung.

204


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Winterthur, 19.01.2016

Verfasser: Marija Simic Bachtelstrasse 27 8400 Winterthur Dozenten: Dr. Christoph Wieser Dr. Oliver Dufner

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Die vorliegende Vertiefungsarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Verdichtung in der Gartenstadt Winterthur. Eine einleitende Auseinandersetzung beinhalted die theoretischen Grundlagen zum Thema Winterthur als Gartenstadt und schafft die Herleitung des Themas und die Kriterienfindung für den Untersuch. Im Hauptteil wird die Überbauung Grüzefeld vorgestellt und analysiert. Im Vordergrund steht immer der Bezug zu der Winterthurer Sadtplanung. Die Arbeit liefert Anworten auf die Frage, ob sich die Grossüberbauung aus den 70er Jahren der Gartenstadt Idee angepasst hat.

Eine Verdichtung in der Gartenstadt

Marija Simic

3 205


Hochhaus als Stadtgebirge Vom Scheibenhochhaus zum Stadtgebirge

Marko Stanojevic

206


Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2016

Verfasser: Marko Stanojevic Englischgrussstrasse 4 6006 Luzern Dozenten: Dr. Christoph Wieser Dr. Oliver Dufner

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung des Stadtgebirges vom Walter

Scheibenhochhaus. Gropius

wurden

Theorien

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wird

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Scheibenhochhaus und ihre Kernelemente analyisert, welche dazu f체hren, dass es ein Stadtgebirge wird. Im Hauptteil wird die Siedlung Lochergut vertieft betrachtet. Das Stadtgebirge war aus dem anonymen Scheibenhochaus entstanden. W채hrend dieser Zeit suchte man nach Skulpturalit채t und interessanten st채dtebaulichen Raumbildungen.

3 207

Hochhaus als Stadtgebirge

Marko Stanojevic


Zwischen Tabula rasa und Kontextualismus Hochhauskonzepte der Nachkriegsmoderne von Haefeli, Moser, Steiger und Luigi Moretti

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Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2016

Verfasser: Sven von Euw Gartenweg 5 6418 Rothenthurm Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Die vorliegende Arbeit ist ein Vergleich zweier Hochhauskonzepte in Zürich und Mailand. Die differenzierten Haltungen der Architekten Haefeli, Moser, Steiger und Luigi Moretti werden untersucht und einander gegenübergestellt. Im Hauptteil ensteht eine morphologische Analyse, welche das Hochhaus zur Palme und den Komplex am Corso Italia auf ihre Skulpturalität und das Verhätnis von Sockelbau zu Hochhaus betrachtet. Die Arbeit gibt Erkenntnisse, welche Verbindungen die beiden Bauten zur Stadt eingehen und aus welchen Gründen sie sich bis heute nicht vollends ins Stadtbild eingliedern konnten.

Titel

Sven von Euw

3 209


Mischbauweise als Siedlungsform Wirkung und Charakter der gemischten Bauweise im kontextuell differenzierten Quartier- und Siedlungsbau der Schweizer Nachkriegszeit

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Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2016

Verfasser: Kevin Walker Lauerzring 25 6010 Kriens Dozenten: Dr. Oliver Dufner Dr. Christoph Wieser

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Die vorliegende Vertiefungsarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Mischbauweise, welche seit der Nachkriegszeit in vielen unterschiedlichen Siedlungs- und Quartierstrukturen zum Einsatz kam. Der Diskurs erfolgt anhand theoretischer Grundlagen, welche als Leitfaden betrachtet und als Untersuchungspunkte angewendet werden. Mit einer Analyse von drei Untersuchungspunkten und drei im Bereich Kontext und Zeitspanne unterschiedlichen Grossßberbauungen werden verschiedene Themen und Elemente des Siedlungsbaus in der Schweiz betrachtet und aufgezeigt.

Mischbauweise als Siedlungsform

Kevin Walker

211


Freiheit mit System Vorfabrizierte Elemente, der Firma Anliker AG, untersucht an den Grosssiedlungen Ruopigen und Benziwil

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Vertiefungsarbeit Herbstsemester 2015 Horw, 19.01.2015

Verfasser: Timo J. Walker Vogelsang 19 2502 Biel/Bienne Dozenten: Dr. Christoph Wieser Dr. Oliver Dufner

Lucerne University of Applied Sciences and Arts Hochschule Luzern Technik und Architektur

Abstract Im Rahmen des Moduls Vertiefungsarbeit, mit dem Thema «Stadt als Versprechen – Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz» befasst sich die vorliegende Arbeit mit dem Thema der vorfabrizierten Elementen und deren Auswirkungen auf den Städtebau. Dabei wurden die zwei Siedlungen Ruopigen von Dolf Schnebli und Benziwil von Otto Glaus unter dem Aspekt der vorfabrizierten Elemente untersucht und verglichen. Als Ausgangslage dabei diente die Firma Anliker AG, welche bei beiden Siedlungen die Ausführung oder sogar die Bauherrschaft übernahm. Untersucht wurde der Einfluss der Architekten bzw. der Firma Anliker auf die Gestaltung und Ausführung der Elemente und welche Wechselwirkungen daraus entstanden sind. Es konnte klar aufgezeigt werden, das die Freiheit der Architekten, bei genügend Engagement, auch seitens der Baufirma, viel grösser ist als zuerst erwartet. Jedoch zeigte sich auch die Austauschbarkeit der einzelnen Elemente bzw. der Etappen,Timo wenn dieses Freiheit mit System J. Walker Engagement unter ökonomischen Umständen schwindet. Klar wurde, dass tektonische Qualität im Städtebau, sehr wohl mit Elementen möglich ist, man aber dafür alle Freiheiten dieser Bauweise ausreizen muss.

Freiheit mit System

Timo J. Walker

Abb. 1. Titelbild; In Ruopigen; Einbringen einer Betonplatte

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213 5


214


215


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Bautensteckbriefe

217


Quartierplan für Lausann

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Vertiefungsarbeit Objekt Adresse Architekt Planungsbeginn Realisierung Kurzbeschrieb

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Bautenkatalog '

Quartier «l‘Ancien-Stand» Chemin de l‘Ancien-Stand 2, Lausanne Atelier des Architectes Associés (AAA) 1961 (Wettbewerbsgewinn) 1962-1967

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m ..AU Das Gebäudeensemble wurde gleich an der Peripherie der Altstadt Lausannes auf dem e.X Gelände eines alten Schiessstandes erstellt. Im Auftrag der Wohnbaugenossenschafft «Logement idéal» wurde ein Projekt für den Sozialenwohnungsbau realisiert. Zusätlich zu drei extakt Nord-Süd ausgerichteten langgezogenen Riegelbauten und einem Hochhaus, wurden im Erdgeschoss noch diverse öffentliche Einrichtungen erstellt. Das Projekt wurde in der, für die Nachkreigszeit üblichen, Elementbauweise gebaut. Dabei wurde das System der IGECO AG verwendet.

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Situationsplan. Die fünfgeschossigen Häuser werden nach dem System IGECO errichtet werden (vgl. WERK 5/1961, S. 171); auch für die Hoch¬ häuser empfiehlt der Stadtrat vorfabrizierte Bauweise Situation 1:5000 Site plan R 4- 4: fünfgeschossig R + 7: achtgeschossig R + 13: vierzehngeschossig

Literaturhinweis Quartierplan «Ancien Stand» für Lausanne, Projekt: Service d‘urbanisme de la ville de Lausanne. In: Werk, 49/1962, S. 100.

Bild: Die schönsten Bauten 1960 – 1975. Quartier de l‘Ancien-Stand, Sozialer Wohnungsbau von Le Corbusier inspiriert. http://www. http://schoenstebauten.heimatschutz.ch/de/quartier-de-lancien-stand. (03.10.2015).; Pläne: Marchand, Bruno: 108 Quartier de l’Ancien-Stand à Lausanne. In: Architecture du canton de Vaud 1920-1975, Lausanne 2012, S. 149.

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149 FH Zentralschweiz

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Vertiefungsarbeit

Bautenkatalog

Objekt Adresse Architekt Planungsbeginn Realisierung

Le Lignon Avenue du Lignon, Genf Georges Addor, Jacques Bolliger, Dominique Julliard, Louis Payot 1963 1963-1971

Kurzbeschrieb

Literaturhinweis

Le Lignon wurde von 1963 bis 1971 5km entfernt vom Genfer Stadtzentum erstellt. Neben der Grösse, prägt die Auseinandersetzung mit der Landschaft und die räumliche Organisation des unbebauten Raumes das Projekt. Die Cité du Lignon ist nur eine von mehren Satellitenstädten, welche in den 50er und 60er Jahren an der Peripherie der Stadt Genf entstand. Allerdings wählten die Architekten für Le Lignon, im Gegensatz zu den meisten anderen Satellitenstädten in der Region, eine Alternative zum corbusianischen Modell. Die repetitiven Bauten dieses Modelles werden von den Architekten als unbefriedigend erachtet, weil „sie eine Zerstückelung des unbebauten Raumes zur Folge haben und sich die Häuser gegenüberstehen, wodurch die Sicht der Bewohner eingeschränkt wird und man einander gegenseitig Schatten macht“. Basierend auf dieser Kritik entschied man sich bei Le Lignon für fortlaufend aneinander gereihte Gebäude von 11-15 Geschossen. Dieser Y-förmige Gebäudezug zieht sich in einer geknickten, aber lückenlosen Linie über 1062 m Länge und folgt dabei dem Umriss und der TEC21 24 / 2013 Neigung der Parzelle. Ergänzend dazu wird die Anlage durch zwei tiefergelegene Hochbauten akzentuiert. «Le Lignon», eine Satellitenstadt in Genf Von Werner Heerde, Bauing. im Ingenieurbüro H. Weisz, Genf

DK

711.58.002

Beaudouin, Eugène: «De la composition des plans – masse des groupes d’habitations In: Forum Band 3/1955, S.61-68. Marino, Guilia. Le Lignon – Monument der späten Moderne. In: Tec 21 139/2013, S.16-20. Bild: siehe Literaturhinweis; Pläne: siehe Literaturhinweis

08

Bild

1.

lasten sollen.

Gestaltung Die Bauherren stellten zur Bedingung, auf der verhältnismässig kleinen Parzelle ein Höchstmass an Grünflächen zu belassen, anderer¬ seits aber durch grosszügige Planung Bequemlichkeit und Wohnkultur zu bieten (Bild 1). Der Entwurf der Genfer Architekten Addor, Julliard und Payot sah vor, 2700 Appartements in 43 Varianten in nur drei grossen Baukörpern mit einer Gesamtgrundfläche von 20000 m2 unterzu¬ bringen (Bild 2). Um offene Parkierungsflächen begrenzen zu können, sind 2100 unterirdische und abschliessbare Garagen geplant. Höch¬ 1.

09

Lageplan der Gesamtüberbauung 1:5000

In Genf ist eine Satellitenstadt im Entstehen, deren Dimension und Konzeption neuartig sein dürften, und die ausführungstechnisch eine Reihe interessanter Einzelheiten bietet. Le Lignon ist eine land¬ schaftlich reizvolle, 28 ha grosse Domäne und liegt rechtsufrig in einer Rhoneschleife etwa 5 km vom Zentrum der Stadt Genf entfernt. Für die Überbauung, einschliesslich aller Nebenanlagen, standen lediglich 19,5 ha zur Verfügung. Das freibleibende Gelände mit seinem schönen, zu erhaltenden Baumbestand dient zu einem Teil als Reserve für neue Schulanlagen. Das Projekt sieht moderne und preiswerte Wohnungen verschiedener Grosse für rund 10000 Einwoh¬ ner vor, die den Genfer Wohnungsmarkt in kurzer Zeit fühlbar ent¬

stens 350 m von den Wohnhäusern entfernt, bietet ein zentralgelegenes, grosszügiges Einkaufszentrum mehr als 7000 m2 Ladenfläche und eine Schaufensterfront von 800 m Länge im ersten Ausbaustadium. Der gesamte Warenumschlag ist unter die Erde verlegt. Geräuschund Geruchsbelästigungen sowie Verkehrsbehinderungen durch Lastwagen sind somit ausgeschaltet.

11

Bauten dieses französischen Architekten, Architektur war. Doch das Projekt Le Lign

«linearen Städtebaus» wie sie vor allem i

Le Lignon wird von drei Baukörpern gebildet: — ein Hochhaus mit 30 Etagen über Erdgeschoss, bei einer Breite von nur 15,60 m eines der schlanksten Hochhäuser Europas, — ein Hochhaus von 26 Etagen über Erdgeschoss und — ein Y-förmiger Gebäudezug von 1062 m Länge mit 11 und 15

arbeiter von Addor erinnern sich, wie sie a Projekt für eine Trabantenstadt für 100 000

werbsentwurf des Architektentrios Candili das Projekt Le Lignon. 1961 arbeiteten die Jacques Bolliger, dem Chef der Projektab führten einen kleinen internen Wettbewerb Mirail erarbeiteten Grundsätze hielten: ein te Volumetrie, ein streng modulares Syste den zahlreichen Varianten wählten Addor Nach dessen Aussage wurde der mittlere Riegel stand und Le Mirail nachempfunde das Einkaufszentrum zu schaffen, das als Entscheid führte dazu, dass die ursprüng Wohngebäude unterzubringen, aufgegeb

Etagen. Diese Wohnhäuser haben ein Gesamtvolumen von 1 Mio m3, und die vier Grossgaragen umfassen zusammen 300000 m3. Die Forderung, rationell zu bauen, veranlasste die Architekten, einen einheitlichen Grundriss auszuarbeiten, der für jedes Gebäude und für jede Etage gilt (Bild 3). Dadurch wurde eine Systematisierung in der Ausführung erreicht, die sich sehr günstig in der Qualität und in den Terminen auswirkte. Eine Programmierung der einzelnen Arbeitsgänge der verschiedenen Bauabschnitte ist somit möglich und gewährleistet einen zügigen Baufortschritt. Der Überbauungsfaktor für Le Lignon ist rund 1,0, d.h. 1 m2

219

FH Zentralschweiz

10

war die Rentabilitätsberechnung des une tere Konsequenz: Die Wohnungen, die im

in den Attika- und Galeriegeschossen unt

Flächen mit einigen Gemeinschaftseinrich einige besorgte Stimmen hervorrief – «Ein

genehmigte der Grosse Rat das Projekt. I Bild 2. Modellaufnahme. Blick in Richtung Osten

FLEXIBLE WOHNUNGSTYPEN


Vertiefungsarbeit Objekt Adresse Architekt Planungsbeginn Realisierung Kurzbeschrieb

Bautenkatalog Überbauung Liebrüti Liebrütistrasse 39, 4303 Kaiseraugst Schachenmann und Berger 1971 1973-1977 Die Firma Hoffmann-La Roche AG wollte den Wohnraumbedarf für ihr neues Verwaltungsund Forschungszentrum in nähster Nähe dazu abdecken. Das Architekturbüro Schachenmann und Berger wurde deshalb beauftragt rund 900 Wohnungen für 2‘500 bis 3‘000 Bewohner zu erstellen. Das Wohnraumangebot wurde um nahezu unzählbare Infrastrukturangebote ergänzt. Die gesamte Infrastruktur wurde jedem Gemeindemitglied frei zur Verfügung gestellt. Da die Bauherrschaft nahezu unbegrenzte finanzielle Mittel hatte, fiel das Projekt keinen Einsparungen zum Opfer. Bis heute konnte die gesamte Anlage erhalten bleiben, wobei ein folgenreiches Bauprojekt eine Erneuerung der Zentrumszone in naher Zukunft vorsieht.

Literaturhinweis Schachenmann/Berger: Neue Wege in der Siedlungsplanung. Liebrüti/Kaiseraugst Basel 1973 Bild: Comet Photo AG, 1985; Pläne: Gemeindearchiv Kaiseraugst

220

FH Zentralschweiz


Vertiefungsarbeit Objekt Adresse Architekt Planungsbeginn Realisierung Kurzbeschrieb

Bautenkatalog Hochhaus zur Palme Bleicherweg 33 Max Ernst Haefeli, Werner Max Moser und Rudolf Steiger 1955-1959 1959-1964 Ein zweigeschossiger Sockel, welcher die öffentlichsten Nutzungen des Gebäudes enthält, besetzt das Grundstück entlang seinen Baulinien. Darüber steht mittig angeordnet, das eigentliche Bürogebäude. Dieser zurückgesetzte Hauptbau ist windmühlenartig aufgebaut. Die Fassadenkonstruktion der «Palme» wird wesentlich durch die rationelle Bauweise in vogefertigten Elementen geprägt.

Literaturhinweis Eisinger, A. (2004) Städte bauen. Städtebau und Stadtentwicklung in der Schweiz 1940–1970. Zürich: gta Verlag.

Bild: siehe Literaturhinweis Pläne: siehe Literaturhinweis

221 FH Zentralschweiz


Vertiefungsarbeit

Bautenkatalog

Objekt Adresse Architekt Planungsbeginn Realisierung

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Siedlung Heiligfeld i^ Badenerstrasse, Letzigraben, Brahmsstrasse, Zürich 2 r Albert HeinrichUSteiner 1950 1953–1955

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Kurzbeschrieb

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Die Wohnkolonie Heiligfeld, vollendet 1955, umschliesst eine grosszügige Grünfläche, deren Hochschule Luzern Technik & Architektur *«*a 21 Gestaltung typisch für die 1950er-Jahre ist. Das Heiligfeld ist Teil des Grünzuges Letzigraben, der den Friedhof Sihlfeld mit dem 1949 eröffneten Freibad Letzigraben und dem Sportplatz Utogrund verbindet. in* m

In die Nachbarschaften int wie Schulen setzte sich fü welcher Spie Familien-

Im Gegensatz zu den beiden ersten Etappen, die noch in konventioneller Zeilenbauweise Modellansicht von Norden / La maquette, vue prise du nord / 77te model from the north Zürich Etappe H. Wolff-Benders Erben, Einrichtungen, erstellt wurden, sah der damalige Stadtbaumeister AlbertPhotos: H. Steiner bei der dritten eine verstärkte Differenzierung der Gebäudehöhen vor. So entstand auf einer aufgefüllten Kiesgrube treffpunkte. Er ein vielfältiges Ensemble, das unter anderem zwei zwölfgeschossige Turmhäuser, die ersten nungsbau ein, Hochhäuser in Zürich, vorsah. Auf dem schwierig zu bebauenden Gelände im StrassendreiSituationsplan 1:2000. Unten die in Ausführung begriffene Bebauung an der Brahmsstraße, links außen pro¬ liche derLebens-, eck Badenerstrasse, Letzigraben und Brahmsstrasse komponierte die Bauten de Situation; rechts außen Kinderspielplatz Planer in der Mitte Doppelkindergarten, en haut, lesam Rande jektierte Kirche, deux immeubles realises; en bas, les immeubles actuellement en construction / Site plan above, the two finished Kiesgrube entlang zublocks, denbelow, Strassen. Im built Zentrum entstand eine grosszügige, zusammenhängende the flats being now apartment bieteten sollte. Grünfläche, die den angrenzenden Wohnsiedlungen als Erholungsraum dient.

Literaturhinweis Weidmann, Ruedi: Handlungsspielräume bei der Realisierung einer neuen Bauform. Die Letzigraben-Hochhäuser von A. H. Steiner 1950-1952. In: Oechslin, Werner (Hg.), Albert Heinrich Steiner. Architekt – Städtebauer – Lehrer. Zürich 2001.

Die Siedlung Heiligfeld gilt ment und kann exemplarisch Steiners städtebaulichen In differenzierten und zeitgem betrachtet werden.3

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FH Zentralschweiz

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Die Siedlung Heiligfeld liegt Parzelle, welche im Osten d se, im Süden durch die Brah ten durch den Letzigraben b befindet sich ein wichtiger sowie das Fussballstadion L Letzigrabens befinden sich ä stehungszeit typische 3-ges welche quer zur Strasse steh Steiner versucht den Bestan ckelt sich in Bezug auf die Hö schiedliche Typologien.

Das Spiel mit den Typologi höhen ermöglicht es, auf di einzugehen und verschied


Vertiefungsarbeit Bautenkatalog Objekt Adresse Architekt Planungsbeginn Realisierung Kurzbeschrieb

Literaturhinweis Hanak, M. Ruedin, C., Hans Marti. Pionier der Raumplanung. Zürich 2008

Grosswohnsiedlung Telli Aarau Hans Marti 1970(Wettbewerbsgewinn) 1972-1991 Als Inspiration für die Grosswohnsiedlung Telli, die von der Bevölkerung auch als „Staumauern“ bezeichnet werden, dienten Hans Marti die im Hintergrund liegenden Juraketten. Die vier geknickten Volumen sind jeweils auf beiden Seiten abgestuft, sodass die Bergsilhouetten adaptiert werden.1 Der äussere Schein wird durch die kalten Betonfassaden geprägt, dies spiegelt sich im Innern der Wohnungen jedoch nicht. Diese sind dank idealer Gebäudeorientierung hell und haben einen imposanten Blick auf den grossen umliegenden Park. Die Attika Wohnungen haben ausserdem imposante begrünte Dachgärten. Insgesamt beinhalten die bis zu 50 Meter hohen Wohnzeilen 1258 Wohnungen, was Wohnraum für 4500 Einwohner bietet und zur Zeit der Realisierung einen Viertel der Aarauer Einwohnerzahl ausmachte.2

Manifeste der Peripherie. Verfügbar unter: http://www.heimatschutz.ch/ uploads/tx_userzeitschrift/2_2013_3d. pdf (25.09.2015) Bild: Telli Siedlung im Grünflächen eingebettet. Verfügbar unter: http://www.tageswoche.ch/images/ cache/3036x2362/fit/images%7Ccmsimage-004590911.jpg (03.10.2015). Pläne: siehe Literaturhinweis

FH Zentralschweiz

223


Vertiefungsarbeit Objekt Adresse Architekt Planungsbeginn Realisierung 824

Bautenkatalog Siedlung Murifeld Wittigkofen Bern Otto H. Senn, Architekturbüro Thormann + Nussli 1961 1972-1980

werk/oeuvre 12/76

Kurzbeschrieb

Die Aufgabe war eine Stadterweiterung im Randgebiet der östlichen Gemeindegrenze Berns für 15‘000 - 20‘000 Einwohner zu planen. Ursprünglich wurden sieben dichte Quartiere auf länglichkeiten, wie sie etwa das Ver¬ drei Siedlungsräume, die ihrerseits auf zung nach Möglichkeit zu gewährlei¬ sich nach dem Planungskonzept; für einer Fläche vonsten, 140ha entwickelt mit 5‘500 unterschiedlicher Bebauungsweise kehrswesen in sich birgt, von vornher¬ die ost-westlich verlaufende bestehend das Tragwerk, in innere das individuelle Gestal¬Wohnungen aus inneren worunter ein nicht aufkommen zu lassen. Verkehrsachse der Fussgänger orien¬ ten des Wohnens - nicht des Grund¬ Tragwänden und Decken, kam die (Punkthochhäuser, stufenförmig gestaffelte Kettenhäuser, Villen oder Einfamilienhäuser). Diese Vom Gebiet, das gemäss der städti¬ tiert sind. Ihr kommt die Bedeutung risses- verstanden wird, bei gleichblei¬ Verwendung von Ortbeton in Frage, schen Bauordnung als potentielles Bau¬ der Magistrale zu, die als solche ausge¬ bender Disposition der Konstanten von für das Füllwerk, wie Treppen, Fassa¬ sollten in Etappen realisiert werden. Um die Abhängigkeit der Aussenquartiere vom Zentrum zu land definiert ist, werden Freihaltezo¬ zeichnet wird durch die Bezugnahme Eingang, Küche, Kollektiv- und Indi- den, Brüstungen, Balkone, die Mon¬ der Allge¬ Die Tunnel¬ vidualbereichen. nen als landschaftliche Reservate aus¬ der anliegenden Bauten Fertigelementen. tage von reduzieren, versuchte Senn durch Schulen, Kirchen, Gewerbe und Einkaufsmöglichkeiten, einen Die Bauten der Allgemeinheit um¬ schalung Outinord hat sich beim Ar¬ geschieden mit Bezugnahme auf die meinheit im Verein mit der Baumbedas generieren, fassen zu Ge¬ den autonomen Stadtteil derdasauch umliegenden und Stadtquartiebewährt. mit Ortbeton Gemeinden Topographie und die alten Landsitze, pflanzung. Geschäftszentrum, beitsgang insbesondere auf das Schloss Wittigko¬ Die Verkehrsführung der Motor¬ meinschaftszentrum, die Schule und 3 zugute kam. Kindergärten. Trotzdem sollte Siedlung fen. Das verbleibende Bauland wird fahrzeuge geschiehtren Die Ver¬ peripher. Es sind die Flachbauten mit als ein Teil der Region und der gesamten Stadt derart in einzelne Areale von be¬ kehrserschliessung des Quartiers er¬ bis 2 Geschossen. Die 10 Kinder¬ Ausnützungszahl des Planungsgebietes betrachtet werden. der am östlichen schränkter Ausdehnung aufgegliedert. folgt im Untergrund, spielplätze umfassen Anlagen (gestal¬ 0,62, Ausnützungszahl des Quartiers über eine Rampe tet von Jeannette Gygax, Innenarchi¬ 1,15, Zahl der Bewohner 5000 Die solcherart erfolgte Reduktion und westlichen Ende Nach knapp zehnjähriger Planung wurde schlussendlich mit dem „Quartier A“ nur ein Bruchteil des nutzbaren Baulandes wird kompen¬ erreicht wird. Vorgesehen ist hier ein tektin VSI) für Kleinkinder und Rasen¬ Planungsbeginn 1960 siert mittels konzentrierterLiteraturhinweis Bauweisen, Standplatz pro Wohnung flächen fürrealisiert. reali¬ Baubeginn nicht beinhaltete (insgesamtSiedlung 1972Wohnungen für ca. 5‘200 Menschen. Ballspiele. Noch der gesamten Dieses 1‘300 1

sei es durch höheres Bauen, sei es durch verdichteten Flachbau. Als gleichgewichtete Elemente der Planung werden weder die Baugebiete noch die ausgesparten Nichtbaugebiete des Naherholungsraumes vom Verkehr durchschnitten: Die Verkehrserschlies¬ sung erfolgt tangential mit peripheren Anschlüssen an die Bauzonen. Die Topographie, die alten Landsit¬ ze, der charakteristische Bestand der Eichen und die überkommene Weg¬ kreuzung bleiben nach wie vor als das Ortsbild bestimmende Elemente erhal¬ ten und werden im Planungskonzept nach Möglichkeit zur Geltung gebracht.

ca. 1300). Die beiden Zufahrten sind an der Oberfläche mit je einem Park¬

platz für Besucher versehen. Auf den Wegen der verkehrsfreien Oberfläche bewegen sich die Fussgänger, alt und jung, in Sicherheit. Die Strassenbahn als öffentliches Verkehrsmittel wird kreuzungsfrei auf dem südlichen Damm geführt mit einer östlichen und einer westlichen Halte¬ stelle. Im Einzugsgebiet des Quartiers beträgt der grösste Abstand 300 m. Den Haustypen liegen Wohnungs¬ einheiten zu 1 bis 6 Zimmern zugrunde, die aus den genormten Raumelemen¬ ten variabel zusammensetzbar sind. Die Kettenhäuser lassen sich ihrerseits aus beliebigen Haustypen zusammen¬ fügen. Die mannigfachen Möglichkei¬ ten der Kombination gewährleisten bei aller Vielgestaltigkeit der Erscheinung die formale Einheitlichkeit im Ganzen wie in den Einzelheiten. Die Wohnungen verteilen sich auf 5 Punkthäuser (24 Geschosse) und 6 Kettenhäuser (7 bis 14 Geschosse). Die Wohnungen sind unter dem Gesichts¬ punkt konzipiert, die individuelle Nut-

Senn, Otto H. (1976). Das Quartier Wittigkofen in Bern, Grossüberbauungen. Werk. Band 63, Heft 12, S. 823-824

siert wurden ein Punkthaus und 2 Ket¬ tenhäuser, wovon das eine Kettenhaus als Pflegeheim geplant ist. Die Wahl des Bauverfahrens richtete

Bild: Keystone Pläne: siehe Literaturhinweis

Das Quartier Wittigkofen Das Quartier Wittigkofen ist als Be¬

standteil der Gesamtplanung wesent¬ lich mit Bezug auf die städtische Um¬ welt konzipiert. Die an kein Strassentrassee gebun¬ dene Bebauung setzt sich aus Punkt¬ häusern und den strahlig angeordneten Kettenhäusern zusammen. Deren frei ausgreifende Gruppierung bezeichnet

Bauherrschaft:

Überbauungsgenos¬ senschaft Genossenschafter: Bauträger der ein¬ zelnen Objekte

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FH Zentralschweiz

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Schweizer Architektur des letzten Jahrzehnts Schweizer Architektur des letzten Jahrzehnts

Standortbestimmung Standortbestimmung

Wohnhäuser Seepark, Hürden

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Wohnhäuser Hürden Seepark, O. Glaus, B. Allemann, GAP Architekten; 1974 E. Bringolf, J.P. Freiburghaus, H. Stünzi, Zürich O. B. Allemann, Glaus, GAP Architekten; Verantwortlicher Partner: E. Bringolf, J.P. Freiburghaus, H. Stünzi, Zürich O. Glaus Verantwortlicher Partner: O. Glaus

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Mitarbeiter: Hubert Kutzer Mitarbeiter: Hubert Kutzer

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Vertiefungsarbeit

Bautenkatalog

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Objekt Adresse Architekt Planungsbeginn Realisierung Kurzbeschrieb

Überbauung Benziwil 1976Überbauung Benziwil 1976 GAP Architekten; O. Glaus, B. Allemann, B. Stünzi, O. Glaus, H. GAP Architekten; Allemann, Zürich J.P. Freiburghaus, E. Bringolf, E. Bringolf, J.P. Freiburghaus, H. Stünzi, Zürich Partner: Verantwortlicher Partner: Verantwortlicher E. Bringolf E. Bringolf

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Bild: (zvg) Jürg Meyer von Anliker AG; Pläne: siehe Literaturhinweis

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Schon von weitem ist der markante Hochhausbau der Siedlung Benziwil erkennbar. Die klare L1- illilll die Akzentuierung des Siedlungszentrums durch das 19-geschossige Hochhaus wird durch L1- illilll Situierung auf einem kleinen Hügel noch verdeutlicht. Der 1965 ausgeschriebene Wettbewerb sah eine Siedlung ausserhalb *der bebauten Struktur * * 4§Wohn.J von Emmen vor. Das Wettbewerbsprogramm verlangte neben dem preisgünstigen * 4§ .J raum für 2500 Personen zusätzliche öffentliche Nutzungen wie ein Restaurant, einen Einkaufsladen, einen Kindergarten, Freizeiträume und weitere gemeinschaftliche Räume um eine in sich funktionierende Siedlung mit geellschaftlichem Charakter zu schaffen.

XJm\ Standortbestimmung. XJm\ ^2£3B^* ^2£3B^* Überbauung Benziwil In: Bauen + Wohnen 67/1980, S. 46. BjBj f'

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Siedlung Benziwil Benziwilstrasse (in Emmen nache Luzern) Otto Glaus 1966 (Wettbewerbsgewinn) 1973-1995 (In fünf Etappen)

Literaturhinweis '%

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Werk, Bauen+Wohnen Nr. 1/2 1980 Werk, Bauen+Wohnen Nr. 1/2 1980

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Vertiefungsarbeit Objekt Adresse Architekt Planungsbeginn Realisierung Kurzbeschrieb

Bautenkatalog Wohnüberbauung „Lochergut“ Zürich, Kreis 4 (Aussersihl) Karl Flatz 1962 (Wettbewerbsgewinn) 1963-1966 Die Wohnsiedlung Lochergut am Rande des Quartiers Hard ist 62 Meter hoch, so hoch wie die Grossmünster-Türme. Wegen ihrer Breite und dem charakteristischen Erscheinungsbild der Elementbauweisse, die erstmals vollumfänglich in einer städtischen Siedlung von Zürich angewendet wurde, wirkt die Siedlung noch heute sehr markant. Der Gebäudekomplex, mit der gestaffelten Haochhausscheibe mit Sockelgeschoss und den dazugehörigen niedrigen Bauten, besteht ausschliesslich aus Wohnungen. Im Erdgeschoss bestand eine teilweise vorgelagerte, unwirtliche Ladenpassage, die mit der 2005 begonnen Renovation geschlossen wurde. Seit der Eröffnung des vollständig umgestalteten Erdgeschosses im Frühjahr 2006, geplant und umgesetzt von pool Architekten, richten sich die Ladenlokale mit grossen Schaufenstern zur Badenerstrasse und dem als Boulevard gestalteten Strassenraum. Der bekannteste Mieter im Lochergut war Max Frisch, der im obersten Stockwerk eine Wohnung besass.

Literaturhinweis Glaser M.A., Adam A., Herzog S., Joss A., Wohnüberbauung Lochergut. Hausbiografien ETH Zürich

Filmhinweis Fabienne Boesch. (2003). Der Komplex

Bild: Baugeschichtliches Archiv Zürich, Badenerstrasse um 1966 Plan: Liegenschaftsverwaltung Zürich, Erdgeschoss, um 1966

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FH Zentralschweiz


Vertiefungsarbeit Objekt Adresse Architekt Planungsbeginn Realisierung Kurzbeschrieb

Bautenkatalog Überbauung „Toblerone“ Leimatt A und B, Oberwil bei Zug Fritz Stucki, Rudolf Meuli 1960 1961-1962 Die beiden markanten Wohnhochtürme, aus hellem Sichtbeton und roten Rollstoren, definieren noch heute, 50 Jahr nach der Erstellung, den südlichen Dorfeingang von Oberwil bei Zug. Durch dieses vertikale Verdichten, bei gleichbleibender Ausnützung kann dadurch Freifläche und Aussenraum der dortigen Bewohnerschaft zurückgegeben werden. Die trianguläre Grundrisskonzeption ermöglicht es, dass auf jedem Geschoss drei Wohnungen mit Eckloggien durchgesteckt werden können. Dadurch haben alle Bewohner eine südwestliche Ausrichtung mit freier Sicht auf den Zuger See.

Literaturhinweis Jenatsch, Gian-Marco: Werk Serie, Fritz Stucky, Architekt und Unternehmer. Zürich 2006.

Bild: Fabio Rainoldi; Pläne: siehe Literaturhinweis

FH Zentralschweiz

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Konkav und konvex gestaltete Ostfassade des Hochhauses

Vertiefungsarbeit Objekt Adresse Architekt Planungsbeginn Realisierung

Bautenkatalog Hochhaus Schönbühl Langensandstrasse 25, 6005 Luzern Alvar Aalto Hochhaus - Alfred Roth Einkauszentrum 1961 (Wettbewerbsgewinn) 1965 –1968

Für die Gestaltung der Überbauung Schönbühl beabsichtigte die Bauherrschaft einen renommierten und international tätigen Architekten beizuziehen. Alvar Aalto projektierte ein Hochhaus, das mit seinem charakteristischen, auf Belicherschlossen. Dieser Korridor, mit gemeinsa¬ für »Trep¬ mem Putzbalkon und Sitzbänken tung und Alpenpanorama ^^^Ä Sft.abgestimmten Fächergrundriss, ein völlig neue Art penhausgespräche«, Müllabwurfschacht und und ZählerHochhausstil elektrischer Hauptverteilung mitvon in der Schweiz generierte. Durch die angewendete GrundristurSicherungen sowie Brandposten, führt zu den Wohnungen, zu den Lifts (Personen sorganisation ermöglichtïQCAalto möglichst viele Wohnungen auf ein Stockwerk Lastenlift), zum Haupttreppenhaus und zu dem offenen Sicherheitstreppenhaus. zu konzentrieren und eine t3Ü gemischte Wohngrössenverteilung anzustreben. Der Kamin ist so dimensioniert, daß die im Einkaufszentrum untergebrachte Heizungs¬ Durch den Fächergrundriss und der Orientierung nach Südosten, haben alle im cur zentrale so ausgebaut werden kann, daß sie nrtrrtin rrmtnu das ganze geplante neue Quartier mit Wärme Wohnungen den Blick auf die Berglandschaft und zudem eine tiefe Loggia. und Warmwasser zentral wird. Kurzbeschrieb

Nach dem Einzelobjekt, welches das Berliner Haus noch darstellt, wurde für die Siedlung Kampementsbacken in Stockholm ein Typ entwickelt, der die Gruppenbildung gestal¬ tete. Auch das Siedlungsprojekt Hagalund bei Helsinki übernimmt diesen Haustyp mit dem Unterschied, daß die Endpunkte Fächerform

erhalten. Erst das Bremer Haus (1959) mit 22 Stockwer¬ ken, weist zum ersten mal die konsequente Fächerform auf, durch das Bauprogramm wesentlich unterstützt, da in der Hauptsache 1-Zimmer-Wohnungen vorzusehen waren. Aus dieser Planungs- und Formidee entstan¬ den dann die Tapiola-Häuser bei Helsinki mit größeren Wohneinheiten, die aber noch als ausgefächerte Punkthäuser zu betrachten sind. Die nächste Entwicklungsstufe ist das Luzerner Haus.

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14. Obergeschoß: Die Wohnung G entstand aus der Zusammenlegung der 5- und 2-Zimmer-Wohnung. Daraus ist eine 6-ZimmerWohnung von 218 m2, inkl. Balkone entstan¬ \yXnXX y den. Der Wohnraum kann mit Schiebetüren Stand¬ in einzelne Zonen unterteilt, resp. vergrößert Perspektiven des Hochhauses mit wechselndem rirm ir punkt des Beobachters.

Literaturhinweis

werden. [s.n.]: Aaalto baut in der Schweiz, in: Bauen Die Wohnung H entstand aus der Zusammen¬ Anordnungen + Wohnen, Band 22 1968,S. 378-381. 372-Zimmer-Wohnungen zu legung von zwei 6 Der nun verwirklichte Bau enthält Wohnun¬ einer 7-Zimmer-Wohnung mit 228 m2, inkl. (DOI: 10.5169/seals-333330). Balkone. insge¬ gen pro Stockwerk, 84 Wohnungen

samt und 11 Einzelzimmer im Zwischenge¬ schoß und 1. OG mit einem Restaurant im Erdgeschoß. Der Grundriß ist in folgende Zonen geglie¬ dert: Vertikalverteilung, Horizontalverklei¬ dung, Versorgungszone und Wohnzone (siehe Abb. 1). In den Wohnzonen nehmen die Wohnräume mit der freieren Möblierungsmöglichkeit die eigentliche Fächerform am ausgeprägtesten an. Optisch öffnet sich der Raum gegen die Aussicht, gegen das Licht und die Sonne hin. Der Raum scheint dadurch größer. Auf die Größe der Wohnräume wurde besonders großer Wert gelegt, so hat die 5-ZimmerWohnung einen Wohnraum von 46 m2, die 3'/2-Zimmer-Wohnung einen von 30 resp. 36 m2 mit Eßplatz.

Attikageschoß: Das Attikageschoß ist zu einer 9-Zimmerwohnung ausgebaut und hat eine Fläche von 420 m2 plus 120 m2 Terras¬ senfläche.

Baukonstruktion

Der Bau wurde in Gemischtbauweise erstellt. So sind der Keller, das Erdgeschoß und teil¬ weise das 1. Obergeschoß und sämtliche Decken aus Ortbeton. Ab 1. Obergeschoß bestehen die Tragwände im Äußeren aus vorfabrizierten Lecabetonplatten mit Zement¬ vorsatz 27 cm stark und im Inneren aus 18 cm starken Pretonplatten. Die nichttragenden Zwischenwände sind mit Backstein beziehungsweise Zelltonplatten gemauert. Die vorfabrizierten Wände erhal¬ ten, dank der glatten Oberfläche, einen 3 bis 5 mm starken Sparabrieb. Die Badezimmer, die WC und die Küchen, um einen Ventila¬ tions- und Installationsschacht gruppiert, er¬ halten teilweise eine spezielle Vormauerung als Schalldämmung zur Nachbarwohnung hin.

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FH Zentralschweiz

Ausbau Der Ausbau der einzelnen Wohnungen ent¬ spricht dem üblichen Standard: Einbauküche mit Gasherd und Kühlschrank (150, resp. 225 l), Einbaumöglichkeit einer Geschirrspül¬ maschine, Einbaubad. Die größeren Woh¬ nungen haben separates WC und Platz für den Einbau eines 2. Waschbeckens oder eines Bidets im Bad. Wandschränke sind z. T. miteingebaut, z. T. ist Platz für zusätzliche Schränke gelassen, da viele Bewohner noch ihre eigenen Schränke mitbringen. Immerhin zeigt die Entwicklung, daß eingebaute Schränke im¬ mer stärker bevorzugt werden. Alle Wände sind verputzt und weiß gestri¬ chen, die Böden sind mit PVC belegt, nach Wunsch mit Kleinparkett (gleichlaufend) oder Spannteppich. Die Fenster an den Fassaden sind aus HolzAluminium, die zurückversetzten und deshalb wettergeschützten Balkonfenster sind ganz aus Holz. Die Innentüren sind 2,50 m hoch und gehen bis zur Decke, was optisch zur Vergrößerung der Wohnung beiträgt und eine bessere Ven¬ tilation der Räume gewährleistet. Die Innenbäder, WC und Küchen werden durch Dachventilationen und Zentralschächte entlüftet. Übrigens beträgt die Miete ohne Nebenko¬ sten im Schnitt Fr. 3,80/m2 und Monat.

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Perspektivische Skizze eines Vorschlages für die Ein¬ richtung des Restaurants. Croquis en perspective d'une proposition pour l'amé¬ nagement du restaurant. ¦^tBiTto TUiFtrr for the installation of Perspective sketch of a proposal Tnnrffl -KDinTLd the restaurant. ¦

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3 Studio 4 Eßraum / Salle à manger / Dining-room 5 Küche / Cuisine / Kitchen 6 Hauswirtschaft / Locaux de service _^cr / Utility

Bild: Kevin Walker Pläne: siehe Literaturhinweis

Raumprogramm Keller: 2 Luftschutzräume als Mieterkeller eingerichtet, Lastenaufzug für die Versor¬ gung der Restaurant-Lager und Müllcontai¬ ner, Müllraum. Für das Restaurant: Lager¬ räume, Kühlanlage, Duschen und Garderobe¬ räume, Klimaraum, WC-Anlage. Verbindungsgang zu den Garagen unter dem Einkaufszentrum. Erdgeschoß: Eingangs- und Gartenhalle mit Milch- und Briefkasten, Aufgang ins Zwi¬ schengeschoß, wo sich 6 Einzelzimmer mit Aufenthaltsraum, Badezimmer und Koch¬ nische befinden. Zugang zu den Waschküchen, ferner eine 4Zimmer-Hauswart-Wohnung mit Gartensitz¬ platz und eine 2-Zimmer-Maisonnette-Wohnung. Das Restaurant hat einen separaten Eingang und ist für 95 Gäste eingerichtet. Dem Buffet ist eine Lunch- und Grillbar mit 11 Plätzen zugeordnet. Die Restaurantküche auf relativ kleinem Raum ist als beschränkte à la carte-Küche eingerichtet. Gegen das Ein¬ kaufszentrum hin ist eine Freiluft-Bestuhlung für Passanten und gegen den Garten hin die Ausbaumöglichkeit für ein Gartenrestau¬ rant vorgesehen. I.Obergeschoß: Anstelle der 5-Zimmer-Wohnung sind, wie im Zwischengeschoß, Einzel¬ zimmer untergebracht. Zweiter Eingang von den Dachpartien des Einkaufszentrums. 2.-13. Obergeschoß (Normalgeschosse): Pro Geschoß 6 Wohnungen mit je einem großen Abstellraum. Bruttogeschoßfläche 693 m2. Die Wohnungen eines Geschosses werden durch einen natürlich beleuchteten Korridor

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LJOTIDCI où se =___ Perspectives de la maison-tour selon l'endroit __e_tR: trouve le spectateur. X-*XiXX?XyX- tu high-riser from various angles. Perspective views of the j<3tìrf_M5-3En_____to

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3Ü Plan du 14ème étage Grundriß 14. Obergeschoß 1:200/ n si« floor supérieur / Plan of the 14th .Uta, G Wohnung mit 6 Zimmern / Appartement avec 6 cham¬ __j bres / Flat with 6 rooms =aq_jd C D Wohnungen mit 1 Zimmer Tu/ Appartement :,: ' "=iEnsi avec 1 chambre / Flats with 1 room H Wohnung mit 7 Zimmern / Appartement avec 7 rooms 7 chambres / Flat withJIU

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Grundriß eines Normalgeschosses 2.-13. Obergeschoß 1:200 / Plan d'un étage normal du 2e au 13e étage / Plan of a standard floor, 2nd-13th floor ffife

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Caretaker s flat 3 Waschküchen / Buanderie / Laundries 4 Maisonettewohnung / Appartement-maisonette / Mai¬

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Stadt als Versprechen - Städtebau der Nachkriegszeit in der Schweiz  

Essaysammlung Vertiefungsarbeit - Herbstsemester 2015

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