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Industrial Design Jahrbuch 2008/09


Industrial Design Jahrbuch 2008/09 Technische Universität München Fakultät für Architektur Institut für Entwerfen und Bautechnik Lehrstuhl für Industrial Design Univ. Prof. Dipl. Des. Fritz Frenkler


Vorwort

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Industrial Design Master of Science (M.Sc.) Beschreibung des Studiengangs »Design-Ausbildung für mehr Nahtstellenkompetenz« Interview mit Fritz Frenkler Design Research 1 - Studienarbeiten

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Roding Roadster In 365 Tagen zum Prototypen Das Coporate Design für die Roding Automobile GmbH

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Entwurfsarbeiten von Architektur-Studierenden Visionen für Flugzeugkabinen / Innovative Aircraft Seating Edison Reloaded Butmir u plamenu - Wohnen für Roma TUM Geschirr EXO Exhibition Overview vertebrae - Automobile Innenraumkonzepte 2022 Social Architectural Factory

30 42 56 58 60 62 64

Promotionen, Kooperationspartner, Gastvorträge Impressum

66 68

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Vorwort Wir müssen feststellen, dass 70% unserer Produkte, Produktsysteme und Dienstleistungen, die wir geschaffen haben, nicht funktionieren. Weder für uns Menschen, noch für unsere Umwelt und Mitwelt. Der Gestalter muss zu seiner ursprünglichen Aufgabe zurückkehren und sich als Moderator zwischen Nutzer, Hersteller und Umwelt verstehen. Die Aufgabe für die Gestaltung lautet: Produkte, Produktsysteme und Dienstleistungen zu entwickeln, die Menschen dienen, Ansprüche von Unternehmen repräsentieren und sich damit der Umwelt sowie der Mitwelt unterordnen. Dazu benötigen wir neue Designer und somit auch eine neue Designausbildung.

Fritz Frenkler

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Industrial Design Master of Science (M.Sc.) Seit 2008 bietet der Lehrstuhl für Industrial Design an der Technischen Universität München den interdisziplinären Studiengang Industrial Design Master of Science (M.Sc.) mit anschließender Promotionsmöglichkeit (Dr.-Ing.) für Designer, Architekten und Ingenieure an. Die Fähigkeit innerhalb von Entwicklungsprozessen interdisziplinär zu arbeiten wird immer wichtiger, da Gestalter zunehmend in der Lage sein müssen über die Grenzen ihres eigenen Berufsfeldes hinaus souverän agieren zu können. Thematische Schwerpunkte des Studiums sind die Fragestellung einer ökologisch vertretbaren Massenproduktion, die Veränderung der Gesellschaft auf Grund des demographischen Wandels (Universal Design), sowie eine prozessorientierte Gestaltung nach dem Prinzip des Neuen Funktionalismus. Darüber hinaus werden unternehmerisches Denken und Handeln, sowie Methoden der Designforschung vermittelt. Die Lehrveranstaltungen finden an den Fakultäten für Architektur, Maschinenwesen, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften der Technischen Universität München (TUM) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) statt. Es besteht zudem eine Kooperation mit der UnternehmerTUM, dem führenden universitären Gründerzentrum in Europa.

Abbildung: Studierende des Masterstudiengangs Industrial Design, Prof. F. Frenkler, Prof. Dr. W. Vossenkuhl, Sandra Hirsch und Thorsten Frackenpohl Exkursion Design/Philosophie, Venedig 2009 Foto: Franz Reel 9


Semester 4

Semester 3

Semester 2

Semetser 1

0 ECTS-Punkte

10

20

30

Modul 1 ID 1 Grundlagen

Modul 2 Designthoerie und -geschichte

Modul 3a Design / Ingenieurwesen 1

Modul 3b Design / Ingenieurwesen 2

Modul 4 Design / Soziologie

Modul 5 Design / Psychologie

Modul 6 Design / Philosophie

Modul 7/8/9 Wahlmodul

Vorlesung

Seminar

Seminar

Projekt

Vorlesung

Seminar

Vorlesung

Bildn. Gestalten / Ergonomie / Architekturtheorie und -geschichte

mündl. Prüfung SWS 2 ECTS 3

mündl. Referat SWS 2 ECTS 3

mündl. Prüfung SWS 4 ECTS 6

schriftl. Dokumentation SWS 4 ECTS 6

schriftl. Prüfung SWS 2 ECTS 3

schriftl. Prüfung SWS 2 ECTS 3

schriftl. Prüfung SWS 2 ECTS 3

NN SWS 2 ECTS 3

Modul 10 ID 2 Produktidentität

Modul 11 ID 3 Markenidentität

Modul 12a Design Enterprise 1

Modul 12b Design Enterprise 2

Modul 13 Design Research 1

Modul 14 Design / Ökologie

Vorlesung

Seminar

Projekt

Projekt

Seminar

Seminar und Übung

mündl. Prüfung SWS 2 ECTS 3

mündl. Prüfung SWS 2 ECTS 3

schriftl. Dokum. SWS 2 ECTS 3

schriftl. Dokumentation SWS 6 ECTS 9

schriftl. Dokumentation SWS 4 ECTS 6

schriftl. Dokumentation SWS 4 ECTS 6

Modul 15a Design, Komm. u. Gesellschaft 1

Modul 15b Design, Kommunikation und Gesellschaft 2

Modul 16 Design Enterprise 3

Modul 17 Design Research 2

Seminar

Projekt

Projekt

Seminar

mündl. Referat SWS 2 ECTS 3

schritl. Dokumentation SWS 6 ECTS 9

schriftl. Dokumentation SWS 8 ECTS 12

schriftl. Studie SWS 4 ECTS 6

Modul 18 Master Seminar

Modul 19 Masters Thesis

Modul 20 Master Kolloquium

Seminar

Abschlussarbeit

Kolloquium

mündl. Referat SWS 2 ECTS 3

schriftl. Dokumentation SWS 16 ECTS 24

mündl. Prüfung SWS 2 ECTS 3

ECTS 30

ECTS 30

ECTS 30

ECTS 30 ECTS 120


Die Module Industrial Design - Grundlagen Die Lehrveranstaltungen Industrial Design 1-3 , Designtheorie und -geschichte sowie Design/Ökologie bilden die Grundlage für die späteren Entwürfe und die Master Thesis. Interdisziplinäre Module Neben Lehrveranstaltungen des Ingenieurwesens, der Soziologie, Psychologie und Philosophie ist eines der Wahlmodule Architekturtheorie, Bildnerisches Gestalten oder Ergonomie zu belegen. Design, Kommunikation & Gesellschaft Der Lehrstuhl für Industrial Design sieht seine Aufgabe neben der Ausbildung auch in der Anregung eines öffentlichen Diskurses zu gestalterischen Fragestellungen. Jeder Masterjahrgang leistet durch die Konzeption und Umsetzung eines gemeinsamen, gesellschaftliche relevantem Projekt einen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit des Lehrstuhls. Design Enterprise Interdisziplinäre Teams entwickeln über zwei Semester Produkte und Dienstleistungen für neu zu gründende

Unternehmen. In einem realitätsnahen Kontext werden unternehmerische Kenntnisse erlangt. Neben der Master Thesis ist Design Enterprise das größte Modul des Masterstudiengangs. Design Enterprise wird in Kooperation mit den Studierenden des Executive Program in Innovation & Business Creation (EMBA) der UnternehmerTUM durchgeführt. Design Research Forschung gewinnt zunehmend an Bedeutung für das Design. Im zweiten und dritten Semester werden Forschungsstudien angefertigt, um den Einfluss empirischer Arbeit auf das Design zu verdeutlichen. Modulkomplex Master Die Master Arbeit besteht aus drei Modulen. Das Master Seminar dient der Vorbereitung auf die Thesis, welche zum Studienabschluss im Master Kolloquium präsentiert und verteidigt wird. Innerhalb der Module sollen die Studierenden nachweisen, dass sie innerhalb einer vorgegebenen Frist eine komplexe Problemstellung aus der Fachdisziplin Industrial Design selbständig bearbeiten können.

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Design-Ausbildung für mehr Nahtstellenkompetenz Prof. Fritz Frenkler über die Besonderheiten des Masterstudiengangs

Herr Frenkler, das Premierensemester des neuen Masterstudiengangs Industrial Design liegt bereits hinter Ihnen. Wie sind die ersten Erfahrungen? Man muss das erste Semester unseres neuen nicht-konsekutiven Masterstudiengangs durchaus als erfolgreichen Start beschreiben. In einer Befragung äußerten die Studierenden, sie seien positiv überrascht vom reibungslosen Verlauf. Für uns war vor allem die Zusammenarbeit mit den anderen Disziplinen wie Soziologie, Psychologie, Ergonomie und auch Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) eine Herausforderung, weil es das in einem solchen Rahmen an der Fakultät für Architektur zuvor noch nicht gegeben hatte. Doch auch diesbezüglich bekamen wir gute Rückmeldungen, auch von den Kollegen. Die Studierenden beschrieben uns die externen Lehrveranstaltungen als notwendige Ergänzung der Ausbil12

dung: Da so die Bedeutung angrenzender Disziplinen ersichtlich werde, lerne man andere Sicht- und Arbeitsweisen kennen. Die meisten Masterstudiengänge im Design schließen mit dem Master of Arts ab. An der TU München ist es der Master of Science. Was unterscheidet Ihr Angebot von anderen Hochschulen? An erster Stelle steht die bereits angesprochene interdisziplinäre Ausrichtung des Studiums. Sie ergibt sich zum einen aus der Kooperation mit den anderen Fachbereichen und außerdem aus der unterschiedlichen Vorbildung der Studierenden. Letzteres halten wir für besonders wichtig, da die Absolventen zunehmend in der Lage sein müssen, über die Grenzen ihres eigenen Berufsfeldes hinaus souverän auftreten zu können. Dabei geht es nicht nur um Fähigkeiten, die eigene Arbeit präsentieren, überge-

ben und verkaufen zu können, sondern darum, bereits während des Entwicklungsprozesses zum interdisziplinären Arbeiten in der Lage zu sein. Das gilt es zu schulen, denn Unstimmigkeiten - etwa zwischen Ingenieuren und Gestaltern - treten leider immer noch viel zu häufig auf. Der zweite Punkt ist, dass mit dem Abschluss Master of Science an der TU München die Möglichkeit verbunden ist, im Anschluss den Titel Dr.-lng. zu erwerben. Ihr Angebot richtet sich außer an Designer auch an Absolventen von Architektur- und Ingenieursstudiengängen. Inwieweit muss sich das Studium an die unterschiedliche Vorbildung anpassen? Das erste Semester dient der Schaffung einer gemeinsamen Wissensbasis. Da hier keine gezielte Anpassung stattfindet, entstehen interessante Diskussionen - und es zeichnet sich


ab, welche Vor- und Nachteile die jeweilige Vorbildung je nach AufgabensteIlung mit sich bringt. Ich möchte betonen, dass wir keine Vereinheitlichung wollen. Gerade die unterschiedlichen Profile unserer Absolventen sind das Interessante für die späteren Arbeitgeber. Das Studium beginnt nicht bei null - wir vermitteln in einem Masterstudiengang daher auch keine Grundlagen. Die Studierenden sind bereits durch ihr Erststudium geprägt, und das sollen sie für sich und ihren weiteren Weg nutzen. Spannend wird es, wenn die Studierenden untereinander ihr Vorwissen austauschen und lernen, die unterschiedlichen Herangehensweisen für das Team zu nutzen. Während des Studiums geht es auch um betriebswirtschaftliche Inhalte. Kommen diese in einem herkömmlichen Designstudium zu kurz?

Ob trockene, betriebswirtschaftliche Theorie für alle Studierenden sinnvoll wäre, ist fraglich. Aber diejenigen, die eine Selbstständigkeit anstreben, müssen wissen, worauf sie zu achten haben. Ich sehe unsere Kooperation mit dem universitären Gründerzentrum UnternehmerTUM als eine große Chance für die Studierenden. Sie lernen in Workshops, das unternehmerische Denken und Handeln praktisch anzuwenden und Produkte oder Dienstleistungen als Grundlage für neu zu gründende Unternehmen zu entwickeln. Zudem treffen sie auf angehende Gründer, die Unterstützung in gestalterischen Fragestellungen benötigen. Daraus können sich unter Umständen bereits während des Studiums Partnerschaften zur Existenzgründung ergeben. Wir hoffen, mit dieser Vorgehensweise die Zahl der Start-Up-Companies im Designbereich erhöhen zu können.

Wo sehen Sie künftige Beschäftigungsfelder Ihrer Absolventen? Ich glaube, dass sich die Arbeitsfelder von Designern in Zukunft ausweiten werden, und sehe die Absolventen an eben diesen Schnittstellen zwischen den Disziplinen. Damit sind sie zum einen prädestiniert für Managementpositionen, zum anderen für den Bereich Design Research, der noch ganz am Anfang seiner Entwicklung steht. Unter Design Research verstehen wir die Forschung über Design, durch Design und ebenso Trendresearch, was man auch als Forschung für Design bezeichnen könnte. Wir möchten generell die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit gestalterischen Themen fördern und wünschen uns, dass unsere Absolventen diese Intention nach dem Studium weiterverfolgen. Das Interview entstand im Rahmen der Präsentation des Masterstudiengangs in der Zeitschrift designreport (03/2009). Die Fragen stellte Nicolas Uphaus.

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Alice Russo, Constantin von Saucken (Studierende Industrial Design, M.Sc.)

Design Research 1 - Eye Tracking Dieses Projekt untersucht den Unterschied der visuellen Wahrnehmung und der Informationsverarbeitung von Männern und Frauen. Grundlage der Untersuchung war die Analyse der Blickbereiche. Die Bilder wurden den zuvor gebildeten Hypothesen entsprechend ausgewählt. Die nicht repräsentative Datenerhebung wurde per Eyetracking durchgeführt. 28 Probanden (14 m / 14 w) wurden Bilder im Labor gezeigt, Augenbewegungen und Fokussierungen wurden durch eine Kamera festgehalten und in einer sog. Heatmap visualisiert, worauf die Blickbereiche zu erkennen sind. Auffallend ist die deutlich homogenere und größere Bildabdeckung weiblicher Probanden. Das Interesse weiblicher Probanden ist im Vergleich zu männlichen stärker auf Menschen bezogen, während diese sich stärker auf Sachinformationen, Technik und weibliche Personen konzentrieren. Männer fokussieren einzelne Bildbereiche stärker und verweilen dort länger. Der Umgang mit unbekannten, komplexen Situationen ist unabhängig vom Geschlecht stark vom persönlichen Bezug zur Bildsituation, den Inhalten sowie Vorkenntnissen und Interessen abhängig.

Ziel des Moduls Design Research 1 ist Methoden zur Design-Forschung zu erlernen und ihre Anwendung exemplarisch zu üben. Repräsentative Ergebnisse waren nicht Bestandteil der Aufgabenstellung. 15


Christoph Dittus, Cristina Kawashita (Studierende Industrial Design, M.Sc.)

Design Research 1 - Rent a Bike Dass die Gebrauchsforschung designrelevant ist, zeigt sich an Ihren vielfältigen Facetten. So kann z.B. die Aufgabe ein Interface zu gestalten unmittelbar mit den Ergebnissen einer solchen Untersuchung verknüpft sein. Da die Unvoreingenommenheit des Nutzers bei dieser Untersuchung von großer Wichtigkeit ist, fiel bei diesem Projekt die Entscheidung für ein relativ neues Produkt und die dazugehörige Dienstleistung. Das Leihfahrrad der Deutschen Bahn AG „Call A Bike“ ist Bestandteil des Münchner Stadtbilds und anderer deutscher Großstädte, jedoch haben sich bisher nur Wenige genauer damit auseinander gesetzt.   Ziel der Untersuchung ist eine mögliche Verbesserung des Systems im Hinblick auf eine höhere Akzeptanz aufzuzeigen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob eine simplere Anmeldung zu diesem Service dazu beiträgt und welches Medium hiefür bevorzugt wird. Um „Call A Bike“ zu nutzen, muss man sich bisher telefonisch anmelden um das Rad frei schalten zu lassen. In einem fiktiven Szenario, welches weniger Schritte beinhaltet und auf das Medium Telefon verzichtet, wurde mit Probanden die Akzeptanz getestet.   Die abschließende Datenerhebung erfolgte anhand der Auswertung eines Fragebogens, welchen die Probanden im Anschluss ausfüllten. Ziel des Moduls Design Research 1 ist Methoden zur Design-Forschung zu erlernen und ihre Anwendung exemplarisch zu üben. Repräsentative Ergebnisse waren nicht Bestandteil der Aufgabenstellung. 17


Florian Gibis, Alois Gummerer, Maximilian Hößler, Willi Lauer, Simon Lindhuber, Andreas Maier, Maximilian Papp, Georg Räss, Norman Romeike, Andreas Schwab, Marius Timmermann, Claus Voigtmann, Dominik Zach (Studierende der Fachrichtung Architektur)

Roadster. In 365 Tagen zum Prototypen In Zusammenarbeit mit dem Gründungsteam „Projekt Roadster“, der UnternehmerTUM GmbH und dem Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen an der Fakultät für Maschinenwesen gestalteten 13 Architektur-Studierende in Teamarbeit einen Roadster. Ziel war das Auto innerhalb eines Jahr von der ersten Skizze bis hin zu einem Prototypen zu entwickeln, der Basis für eine Kleinserienproduktion ist. Das Projekt wurde von den Gastkritikern Gert Hildebrand (Designchef Mini, BMW Group), Florian Liese (Audi AG), Erik Spiekermann (Edenspikermann AG), Jim Kraimer (Crown Gabelstabler), Jürgen Plüss und der RTT AG unterstützt. Aus Ergebnissen des Projektes und eigenen technischen Entwicklungen des Gründesteams entstand die Roding Automobile GmbH in Roding. Der Beginn der Serienproduktion ist im Frühjahr 2011 geplant. Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl. Des. Wotan Wilden Korrekturassistent: Dipl. Des. Oliver Kraemer (BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH) www.roding-automobile.de

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Ahmet Cicek, Cristoph-Benedikt Dittus, Marc Landau, Marc Lappé, Bernhard Mehl, Martin Oberpriller, Alice Russo, Constantin von Saucken, Adrian Sennewald (Studierende Industrial Design, M.Sc.)

Das Coporate Design für die Roding Automobile GmbH Innerhalb eines Semester entwickelten 9 Studierende des Masterstudiengangs Industrial Design das Coporate Design für das Start-Up Unternehmen Roding Automobile GmbH. Im Vordergrund standen das Coporate Branding und die Gestaltung des Messeauftritts während der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) 2009 in Frankfurt/Main. Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl. Des. Wotan Wilden Das Projekt wurde von Martin Meier und Franz Blach (IDEO) unterstützt. www.roding-automobile.de

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Entwurfsarbeiten von Architektur-Studierenden Zusätzlich zur Lehre innerhalb des Masterstudiengang werden am Lehrstuhl für Industrial Design Architektur-Studierende bei der designnahen Entwurfsarbeit betreut. Neben neuen Konzepten zur Innenraumgestaltung von Langstreckenflugzeugen, konzipierten Studierende unter anderem ein Geschirr für die TUM, LED-Leuchten und Innenraumkonzepte für Automobile. Der Prototyp des Roding Roadster, über den das vorangegangene Kapitel berichtet, wurde ebenfalls von Architektur-Studierenden gestaltet. Eine Studentin beschäftigte sich in einer Sonderdiplomarbeit mit den Lebensverhältnissen der Roma im ehemaligen Jugolawien und entwarf in Zusammenarbeit mit der Caritas ein System für Menschen, die am äußersten Rand der dortigen Gesellschaft leben. Mit Hilfe von Konzepten und Gemeinschaftssystemen soll somit eine Rückkehr in - für dieses Land - normale Lebensverhältnisse ermöglicht werden. Alle Projekte wurden mit Partnern aus der Industrie und Wissenschaft durchgeführt. Es wird jedoch prinzipiell darauf geachtet keine Konkurrenz zum Designmarkt enstehen zu lassen.

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Einsemestriger Entwurf, Wintersemester 2008/09

Visionen für Flugzeugkabinen / Innovative Aircraft Seating Die Projekte Innovative Aircraft Seating und Visionen für Flugzeugkabinen hatten zum Ziel neue Innenraum- und Sitzkonzepte für zukünftige Flugzeuge zu schaffen. Im Rahmen dieses Semesterentwurfs sollten Architekturstudierende mit Hilfe einer Recherche und konkreten Zielvorgaben Gestaltungsparameter definieren und aus ihrer spezifischen Sicht- und Vorgehensweise kreative Konzepte erarbeiten. Wissenschaftliche Mitarbeiter: Dipl.Des. Eric Barth, Dipl. Des. Wotan Wilden Korrekturassistenten: Dipl. Des. Martin Meier (IDEO) Dipl. Des. Oliver Kraemer (BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH) Kooperationspartner: Bauhaus Luftfahrt e.V., Lufthansa AG, Swiss International, Recaro-Aircraft Seating, müller/romca

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Marvin Bratke, Daniel Jakovetic, Sandro Pfoh, Daniel Tudman

Modulair Modulair ist ein System für den neuen Flugbetrieb, der Individualität, Komfort, Flexibilität und die Möglichkeit bietet, viele Menschen schnell und kostengünstig zu transportieren. Modularität im Flugbetrieb ist besonders im Cargobereich stark ausgeprägt. Durch verschiedene Warteschleifen, Staus und vor allem durch unflexible Abfertigung der Flugzeuge entstehen immer wieder Verluste. Ein neues System bringt entscheidende zeitliche Einsparungen und spart zudem Kerosin und schont die Umwelt. Airlines sollen außerdem die Möglichkeit haben schnell auf Besucherströme reagieren zu können. Mit dem Modulair System verkürzt sich die Zeit des Aufenthalts am Boden auf die Dauer des Betankens, auch komplexe Gepäckabläufe und damit verbundene Kosten verschwinden. Die Module verfügen über eine autarke Stromversorgung und sind individualisierbar. Cargoflugzeuge mit ihrem aufklappbaren Rumpf dienen als Vorbild für die Beladung. Für Fluggesellschaften bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, neue Märkte zu erschließen, z.B. könnten sich diese mit dem Modulair System zusammenschliessen und ein gemeinsames Flugzeug benutzen.

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Judith Klug, Julia Jakubicka, Alexandra Pensel, Regina Schinabeck

Nested Das System besteht aus 3 Buchungsklassen, die vereinfacht auf folgender Gleichung aufbauen: Je günstiger das Ticket, desto weniger Komfort wird geboten. Ziel des Entwurfes war es, hohe Ansprüche zu erfüllen und trotzdem eine große Personen-zahl befördern zu können. Bei genauer Betrachtung des Querschnittes durch den Flugzeugrumpf fällt auf, dass es durch die übliche Bestuhlung und die immergleiche Struktur viel ungenutztes Volumen gibt. Großes Potential bietet vor allem die ovale Form, die bisweilen möbliert wird als wäre es ein rechteckiger Raum. Wenn man sich von diesen Konventionen löst, kann das volle Volumen besser genutzt werden. Dieser Entwurf hebt die Trennung von Kabine und Stuhl auf. Liegen bilden Decke und Boden der jeweiligen Etagen aus. Die perfekte Körperhaltung ist die eines entspannten Körpers in der Schwerelosigkeit, die so genannte tension-free Position. Darauf basierend wurde eine Liegeform entwickelt die diese Körperhaltung unterstützt und somit komfortableres Reisen ermöglicht. Die Kabine setzt sich aus zwei Grundmodulen, der Liege und einem Zusatzmodul, dem Einstieg zusammen.

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Lidwina Barthelmes, Chantal Erber, Markus Holzmair

Nurflügler Das Prinzip der klassischen Flugzeugröhre ist räumlich wie konstruktiv weitesgehend ausgereizt. Das Konzept des Nurflüglers hebt die bisherige Trennung zwischen Rumpf und Flügel auf und schafft somit neuen Raum zur Beförderung von Fluggästen, der zusätzlichen Auftrieb für das Fluggerät erzeugt. Durch die optimitierte Form reduziert sich der Fluglärm und es können bis zu zwanzig Prozent Kerosin eingespart werden Die Verlagerung des Gepäcks und der Kraftstofftanks in die Flügel trägt dazu bei, dass niedrigere G-Kräfte auf Passagiere am Kabinenrand wirken. Weiterhin dient das Gepäck als Schutz- und Trennschicht zwischen Passagieren und Kerosintanks. Im Fall einer Notlandung/ -wasserung werden beide Flügel abgesprengt um eine kontrollierte Notlandung zu ermöglichen.

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Dongmei Lin, Alexander Quixtner, Franz Reel

Time Economy Chair Der Time Economy Chair ist ein Konzept für Kurzstreckenreisende und Pendler, die ohne lange Wartezeiten und nicht enden wollende Einstiegszeiten am Flughafen an ihr Ziel kommen wollen. Die Lösung ist ein Sitz, der durch eine erhöhte Sitzposition sowohl unter der Sitzfläche neuen Raum für Gepäck schafft, als auch dem Reisenden mehr Beinfreiheit gewährt. Ein Gepäckfach unter dem Sitz verhindert Engpässe im Gang während des Einsteigens, da niemand umständlich sein Handgepäck in die Über-Kopf-Fächer packen muss, und somit den Gang blockiert. Das Gepäckfach unter dem Sitz ist so konzipiert, dass es ausreichend Platz für Gepäckstücke mit Standardmaßen für Handgepäck, sowie eine zusätzliche Tasche wie etwa die für einen Laptop schafft. Alle Maße, inklusive dem Klappmechanismus sind darauf ausgelegt, ein möglichst angenehmes und schnelles Verstauen zu ermöglichen. Die reduzierte Konstruktion und Gestaltung, sowie das doppelt klappende System ermöglichen großen Raumgewinn, der sowohl dem Passagier als auch dem Personal zu Gute kommt. Beim selben Sitzabstand wie in der heutigen Economy-Class, ist sowohl genug Platz vorhanden, um sich vor seinen Sitz zu stellen um das Gepäck zu verstauen, als auch um zu vermeiden, dass Passagiere die auf einem Gangplatz sitzen heraustreten müssen, wenn jemand von einem innenliegenden Sitz aufstehen möchte. Die erhöhte Sitzposition fördert zudem ein aktives und gesundes Sitzen.

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Anna Hillerbrand, Peter Holzner, Marc Schelbert, Marc Strempel

Aircraft Jacket Die Vision des Aircraft Jacket ist, den Flug bequem wie in einer Hängematte zu verbringen. Die Entwicklung nahm sich verschiedene Sportarten zum Vorbild, insbesondere das Paragliden. Das Sport-Equipment war ideengebend und wurde auf eine leicht handhabbare Jacke übertragen, die dem Fluggast Komfort und Bewegung ermöglicht und der Airline ökonomische Vorteile bringt. Am Flughafen erhält jeder Passagier ein Aircraft Jacket und betritt damit das Flugzeug. Die Kabine ist in voller Großzügigkeit wahrnehmbar, da es keine Sitze mehr gibt. Sie ist lediglich mit sogenannten Cabin Fendern ausgestattet, das Gegenstück zum Aircraft Jacket. Der Passagier befestigt sein Aircraft Jacket seitlich an den Cabin Fendern, per Knopfdruck aktiviert er das integrierte Gurtsystem und das Aircraft Jacket wird in die Sitzposition gezogen. Der Fluggast befindet sich nun in einer bequemen Hängeposition, die mehr Bewegungsfreiheit zulässt als das heutige Sitzsystem. Der Sicherheitsaspekt ist durch das Gurtsystem stets gewährleistet.

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Lucellino, Gestaltung und Herstellung: Ingo Maurer GmbH / Fotomontage / Fotomontage


Einsemestriger Entwurf, Sommersemester 2009

Edison Reloaded Innerhalb des Entwurfsprojekts „Edison Reloaded“ gestalteten Architekturstudierende Leuchten, die sowohl mit einem energiesparenden Leuchtmittel (LED) betrieben werden als auch ökologische Aspekte hinsichtlich des gesamten Produktlebenszyklus thematisieren. Am Ende des Projekts sollten die Studierenden einen Funktionsprototypen präsentieren. Ziel des Projekts war in erster Linie, junge Gestalter für das zukunftsfähige, Ressourcen schonende Gestalten zu sensibilisieren und mit ihnen im Rahmen dieser Projektarbeit die komplexen Aufgaben bei der Gestaltung intelligenter, umweltfreundlicher Produkte zu trainieren. Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dipl. Des. Sandra Hirsch Korrekturassistent: Dipl. Des. Oliver Kraemer (BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH) In Kooperation mit der Zweibrüder Optoelectronics GmbH, Solingen

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Florian Abendschein

strapON Jährlich bewegen sich ca. 20 - 30 Millionen Skifahrer im Alpenraum. Allein in Österreich wurden im Jahr 2008 von ca. 8.000.000 Skisportlern 46.300 Skiunfälle gezählt. (Freizeitunfallstatistik „Sicher leben“ 2008, Kuratorium für Schutz und Sicherheit, Wien 2009). Beinahe-Kollisionen werden hierbei allerdings nicht berücksichtigt, diese erhöhen jedoch die von vielen Menschen subjektiv empfundene Gefahr auf der Piste. Die Diskussion um die Helm-Pflicht für Skifahrer und der deutlich gestiegene Absatz von Skihelmen unterstreicht dieses Empfinden, und zeigt das steigende Sicherheitsbewusstsein der Sportler. Schlechte Sicht durch Dämmerung, Nebel und Schneefall gehören zum Alltag vieler Skifahrer, gleichzeitig steigt mit zunehmendem Verkehr auf den Skipisten gerade in diesen Situationen auch die Unfallgefahr durch Kollisionen. Zur besseren Erkennung von Sportlern wurde strapON entwickelt - ein universelles Sicherheitslicht für Sport- bzw. Skistöcke mit einem Abstrahlwinkel von 360°. strapON wird durch einen einfachen Klemmmechanismus mit einem Gummiring am Stock befestigt. Es werden die übliche Stockdurchmesser von 16-18 mm unterstützt. Die Steuerung des Lichts erfolgt über eine große Taste auf der Gehäuse-Oberseite. Der Nutzer kann derzeit zwischen 3 Lichtmodi wählen. (langsames und schnelles Blinken, sowie Dauerlicht)

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Lena Leimenstoll, Victoria Schmid

b2_lightsystem Thema des Entwurfs ist die Beleuchtung eines kleinen Balkons mit minimalem Platz für einen Tisch. Das Ziel war es ein angenehmes, diffuses Licht mit einer kleinen, kompakten Leuchte zu schaffen. b2_lightsystem ist aus zwei Modulen zusammengesetzt: Ein Balkonmodul mit der Leuchte, welches am Balkongeländer befestigt wird, sowie ein Tablett, das bei Bedarf als kleiner Tisch eingehängt wird. Der Akku der Leuchte wird regenerativ durch Photovoltaik-Zellen, die sich an der äußeren Seite des Balkonmoduls befinden, beladen. Durch die exponierte Lage am Geländer und die 45° Neigung der PV-Zellen ist eine optimale Energiegewinnung gewährleistet, lästige Kabel werden ebenfalls vermieden. Die Befestigung des Moduls ist an jedem Balkongeländer möglich.

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Florian Schorer, Quirin Stoiber

Steckband Die Steckband-Leuchte ist multifunktional einsetzbar, sie funktioniert als Stehleuchte genauso wie als H채ngeleuchte. Sie besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Dem Leuchtenkopf, der gerichtetes und diffuses Licht erzeugen kann, und dem Leuchtenarm. Der Arm ist die formale sowie funktionale Besonderheit dieser Leuchte: Er kann vom Nutzer vielf채ltig eingestellt werden, der Leuchtenarm kann hoch, niedrig, kurz und lang sein oder von der Decke abgeh채ngt werden. In Kombination mit dem Leuchtenkopf, der am Ende des Armes eingeschoben wird und nach oben oder unten ausgerichtet wird, kann das Licht jeglicher Situation angepasst werden: gerichtet oder diffus, indirekt oder direkt. Alle Detailpunkte funktionieren nach demselben Prinzip: der Verbindungsbolzen zur Fixierung, die Deckenhalterung, der Sockel und die Leuchte selbst werden alle in den Leuchtenarm gesteckt. Durch Magnete kann der Leuchtenkopf und die Deckenhalterung exakt positioniert werden und ein Herausrutschen aus dem Arm verhindern.

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Nesrin Güngörmüs, Nora Singer, Sasha Wurm

NimMit Wie der Name schon sagt, ist NimMit eine Leuchte zum »Mitnehmen«. Sie ist eine Kombination aus einem einfachen Gestell und einer, an diesem ansteckbaren LED-Taschenleuchte. Das Gestell dient nicht nur als Halterung, sondern lädt zudem (im angesteckten Zustand) den Akku des Mobilteils. Es lässt sich in der Höhe verstellen und ist um zwei Achsen rotierbar. Die Leuchte kann als Ergänzung zur normalen Raumbeleuchtung im Wohnbereich, ebenso eingesetzt werden wie beispielsweise in japanischen Hotels, in denen aus Sicherheitsaspekten eine Taschenlampe per Gesetz zur Zimmerausstattung gehört.

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Gloria Glass, Vanina Lyutskanova, Robert Schneider

move.it Die mobile Leuchte move.it ist eine Außenleuchte mit kleinem Packmaß. Transportiert wird die Leuchte, in einem Roll-Etui. Sie kann schnell auf verschiedenen Böden im Gelände aufgestellt werden. In aufgebautem Zustand ist sie in allen drei Dimensionen justierbar, was durch ein Gelenk, die Rotierbarkeit der Leuchte um die Achse des Ständers, sowie die Höheneinstellbarkeit des Fußes ermöglicht wird. Durch einen integrierten Dynamo, ist die Leuchte unabhängig von Batterien und Akkus zu betreiben. Durch die Materialwahl und den Herstellungsprozess wird move.it ökologischen Anforderungen gerecht: Die Leuchte setzt sich aus wenigen unterschiedlichen Materialien, sowie aus einer geringen Anzahl an Einzelteilen zusammen, die miteinander verschraubt oder zusammengesteckt sind.

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Cindy Fauth, Corinna Huber, Michael Fuderer

Kabellose Zukunft Bei diesem Entwurf einer mobilen Wohnraumleuchte stehen, bedingt durch die Möglichkeiten, die die LED-Technologie bietet, drei Schlagworte im Vordergrund: Mobilität, Ökologie und Lichtqualität. Die Leuchte soll beim Nutzer ein Bewusstsein fürs Energiesparen schafft, das sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen lässt. Aus diesen Anforderungen an die Leuchte wurde ein aus drei Komponenten bestehendes Konzept entwickelt: Die mit einem Akku betriebene Leuchte, eine Ladestation und eine Basisstation, an der der Nutzer den aktuellen Stromverbrauch des Beleuchtungssystems ablesen kann. Um größtmögliche Mobilität zu gewährleisten, werden diese Elemente mit einem Haltesystem aus Magneten an den Wohnungswänden fixiert. Bei der Auswahl der Materialien und der kon­struktiven Details wird auf einfache Trennbarkeit und Recyclebarkeit geachtet. So kommen dort, wo verschiedene Materialien verbunden werden müssen, nur Steckverbindungen zum Einsatz. Der Fokus bei der Gestaltung liegt auf optimaler Greifbarkeit (Ergonomie) und intu­itiver Bedienung (Universal Design). Die Ladestation spricht auch ohne Leuchte eine klare For­mensprache und wird nicht als Fremdkörper, sondern als Teil des Systems wahrgenommen.

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Minka Rössner

Butmir u plamenu - Wohnen für Roma Sonderdiplom nach dem Wintersemester 2008/09 Eine Studie der GTZ zeigt, dass im Jahr 2001 fast eine Millionen Menschen in informellen Siedlungen weit unterhalb der Armutsgrenze leben. Laut Prognosen wird sich diese Zahl im Zuge der Urbanisierung in den nächsten 30 Jahren auf zwei Milliarden erhöhen. Häufig wird vergessen, wie stark der Einfluss der gebauten Umwelt auf das soziale Umfeld und auf den Menschen als Individuum ist. Durch Gestaltung können neue Lösungsansätze zu einer Verbesserung der allgemeinen Lebensumstände führen. (Auszug aus dem Projektbericht der Caritas, Schweiz, 2009) Im Projektgebiet in Butmir, Sarajevo wo rund 300 Menschen im Müll leben, soll eine neue Wohnform für umzusiedelnde Roma gefunden werden. Die Menschen leben seit Jahrzehnten in Hütten, die sie aus Resten und Abfällen selbst gebaut haben. Als sanitäre Anlage dient ein einziger Wasserhahn für die gesamte Gemeinde. Frühere Evaluierungen zeigen, dass sich die Roma im Umgang mit festen Häusern schwer tun. Als »Basis« der neuen Bebauung wird ein Modul zur Verfügung gestellt, das nicht ohne weiteres im Selbstbau anzufertigen ist: eine Plattform mit Kern und Treppe, sanitäre Anlagen und Küchenanschluss. So wird ein Rahmen vorgegeben, der ein vertikales Aufstocken, ermöglicht. Das Projekt stützt sich nicht allein auf eine architektonische Ausformulierung, sondern auch auf die Erarbeitung einer Systemstrategie. Die Grundversorgung, wie Baumaterialien, Fachwissen und Arbeitswerkzeug wird von der Organisation gestellt. Durch Eigeninitiative können sich die Bewohner handwerkliche Fähigkeiten unter fachmännischer Leitung aneignen. Somit werden Chancen auf dem Arbeitsmarkt gesteigert, Verantwortung für das selbst Geschaffene, sowie eine Stabilisierung des Selbstwertgefühls gefördert. 57


Nina Hürlimann

TUM Geschirr Das Geschirr für die Technische Universität München hat zwei Basiselemente: Schale und Teller, die aufeinander und ineinander passen wie eine Positiv- und Negativform. Ein auf den Tellern aufgesetzter Ring macht das gestalterische Element der gesamten Serie aus. Zusammengesetzt bilden Schale und Teller eine formale Einheit. Auf allen Tellern ist der Ring als prägnantes Merkmal zu erkennen, während Tassen und Kannen auf der Gestalt der Schalen basieren. Die Anwendung der einzelnen Teile ist flexibel. Schalen werden für Suppen, Pasta, Salat, Müsli oder als Brotkorb verwendet. Die Schalen gibt es in verschieden Größen, sie passen jeweils auf Brot-, Frühstücks-, Speise- bzw. Platzteller. Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl. Des. Wotan Wilden

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Jan-Nicolas Isaakson, Mathis Kellermann

EXO Exhibition Overview - Messeführer für die Hosentasche EXO Exhibition Overview ist ein Dienstleister, der Messebesuchern einen kostenlosen interaktiven Guide in Form eines PDA anbietet. Dabei soll der Messeablauf für Besucher, Aussteller und Betreiber verbessert und effizienter gestaltet werden. Die Kernfuktionen sind Produktsuche, Kalender und Navigation. Dabei liegt die Herausforderung nicht nur in der technischen Implementierung dieser Funktionen, sondern auch in der Positionierung einer eigenen Markenidentität innerhalb des Ablaufs einer Messe. Zu diesem Zweck wurde in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Industrial Design ein neues Corporate Design inklusive Styleguide gestaltet. Im kommenden Semester folgt das Interfacedesign. Bei der Konzeption des Corporate Designs wurde besonderer Wert darauf gelegt, eine möglichst einfache und ausdrucksstarke Formsprache zu entwickeln. Nach einer ausführlichen Analyse der Zielgruppen wurden die Wortbildmarke »EXO Exhibition Overview« sowie das graphische Erscheinungsbild der Firma gestaltet. Hierfür wurden klare Richtlinien und Vorgaben in einem Styleguide festgelegt, auf dessen Grundlage das Interfacedesign gestaltet wird. Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dipl. Des. Sandra Hirsch

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Paul Bart, Marvin Bratke, Tom Kosiec, Jennifer Schikora

vertebrae - Automobile Innenraumkonzepte 2022 Steigende Ölpreise und weniger Raumangebot auf der Welt verlangen nach alternativen Antrieben und optimaler Raumnutzung. In Zukunft sind auch im Premiumsegment Raumkonzepte mit geringem Benzinverbrauch gefragter denn je. Das vertebrae Konzept besteht aus zwei optimierten Körpern: die Sitzschale und der Energieriegel. Die Sitzschale bildet sich aus einem punktgelagerter, flacher Körper, auf dem verschiedenste Positionen eingenommen werden können. Mit geringstem Materialeinsatz wird ein Höchstmaß an Interaktion und Kommunikation erreicht. Der Energieriegel bildet sich als umgreifender, Innenraumbildender Körper aus. Er wächst an die Stellen, an denen er beansprucht wird und übernimmt Bedien-, Stützund Schutzfunktionen. Benutzer des Autos werden zu zeitlich begrenzten Mietern, wobei der Hersteller Eigentümer bleibt. Dies gibt dem Unternehmen mehr soziale, ökonomische und ökologische Verantwortung. Die Qualität der Recourcennutzung wird nach dem „cradle to cradle“ Prinzip optimiert. Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl. Des. Eric Barth Korrekturassistent: Dipl. Des. Martin Meier (IDEO) Kooperation mit der BMW Group - Kontextdesign und Kommunikation

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Marion Arnemann, Stella Franjkovic

Social Architectural Factory „Architektur ist im Idealfall die direkte Auseinandersetzung mit dem Menschen.“ Richard Meier, Architekt Unsere Idee setzt sich mit dem Menschen im Umbruch der Arbeitswelt auseinander, artikuliert moderne Tabus und bietet neue Lösungsansätze mit Hilfe eines Planungstools. Über die Nahtstelle Wohn- und Arbeitswelt wurde der Büroalltag im Bezug auf einige Faktoren analysiert, aber immer den Nutzer und seine Bedürfnisse als das wichtigste Gut wissend. Dadurch wurde auf eine tabuisierte graue Zone zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gestoßen, die unstrukturierte Arbeitsabläufe, fehlende Kommunikation und Misstrauen zur Folge haben. Ziel ist das Verstehen der Bedürfnisse, Aufgaben und Wünsche des Benutzers. Durch die Artikulation von grauen Zonen, d.h. soziale Tabus, verhindert man den Verlust von Effizienz und Vertrauen auf beiden Seiten. Das Buch und das Planungstool sollen einen Denkanreiz und die Grundlage für die Kommunikation zwischen Architekten, Bauherrn, Unternehmern und der Gesellschaft bilden.

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Promotionen

Kooperationspartner

Dipl. Des. Sybs Bauer „Evolutionäre Morphologie“ Prozess und Produkt: vom Ursprung der Kreativität über die Formbildung zum universellen Design

Bauhaus Luftfahrt e.V. Bayer MaterialScience AG BMW AG Lufthansa AG müller/romca industrial design Gbr Recaro Aircraft Seating GmbH Roding Automobile OHG Universal Design e.V. UnternehmerTUM GmbH Swiss International Airlines Zweibrüder Optoelectronics GmbH

Dipl. Des. Thorsten Frackenpohl Untersuchung zur nutzerorientierten Gestaltung einer Kategorie von Sportgeräten für ältere Menschen mit dem Ziel der Bewertung und Klassifizierung relevanter Gestaltungskriterien Dipl. Ing. Manuel Götzendörfer Untersuchung des Einflusses von Designkompetenzen auf Innovationsprojekte Dipl. Des. Sandra Hirsch Die Gestaltung und der Umbruch: Untersuchung des Einflusses gesellschaftlicher Umbrüchen auf die Gestaltung industrieller Produkte vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise 2009 Hongchan Kim (Master of Design) Universal Design Process for Public Transportation Interior. An interface approch to practice-based design developement process of public transportation interior collaborating with industrial design and engineering

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Vortragsreihen

Winter 2008/09

Design-Unternehmer Sommer 2009

Design / Wissenschaft Winter 2009/10

21. November 2008 Prof. Gui Bonsiepe Interfacedesigner und Designtheoretiker Über Latenz, breakdowns und etwas Gestaltung

29. Juni 2009 Tobias Grau Geschäftsführer Tobias Grau GmbH Kaufmann und Designer

24. November 2009 Prof. Dr. Gesche Joost Leiterin Design Research Lab, Deutsche Telekom AG Durch die Designerbrille: Neue Perspektiven in der Forschung

25. November 2008 Nils Jockel Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Was müssen DESIGN und DASEIN voneinander wissen?

06. Juli 2009 Nils Holger Moormann Geschäftsführer Nils Holger Moormann GmbH Autodidakt, Verleger, Hotelier

09. Dezember 2009 Prof. Dr. Andreas Dorschel Universität für Musik und darstellende Kunst, Graz Das Organische und das Mechanische

09. Dezember 2008 Harm Lagaaij ehem. Designchef Porsche Icon

13. Juli 2009 Peter Brunsberg Geschäftsführer Bagjack P. Brunsberg GmbH Von der Idee übers Hobby zum eigenen Taschenlabel

15. Dezember 2009 Prof. Dr.-Ing. W. Nerdinger Prof. Dr. phil. W. Vossenkuhl Prof. Dipl. Des. Wolfgang Sattler Prof. Dipl. Des. Fritz Frenkler Podiumsdiskussion Design & Wissenschaft

16. Dezember 2009 Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Siegfried Maser Bergische Universität Wuppertal Denken und Handeln mit System

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Impressum Technische Universität München Fakultät für Architektur Institut für Entwerfen und Bautechnik Lehrstuhl für Industrial Design Univ. Prof. Dipl. Des. Fritz Frenkler Arcisstraße 21 80333 München Gestaltung Matthias Hajek Text Fritz Frenkler, Matthias Hajek, Sandra Hirsch Die jeweilige Beschreibungen und Abbildungen der Entwürfe haben die Studierenden selbst erstellt. Fotos: Florian Lehmann (Roadster) Druck GRASPO CZ, a.s., Zlin (CZ) Sponsor Wilkhahn Wilkening + Hahne GmbH + Co. KG

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Bye bye Sitzen! Willkommen ON.®

ON.® Die nächste Generation des Sitzens. Gesünder und aktiver im Büro. wilkhahn.com /on



Industrial Design Jahrbuch 2008/09