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Bildung - Beruf - Business

Bildungsoffensive 2018

KEINEN PLAN, WAS NACH DER SCHULE KOMMT?

DIE BERUFSBERATUNG DER AGENTUR FÜR ARBEIT Für Schüler, Studienabrecher, Spätberufene und Umorientierer spielt die Agentur für Arbeit vor allem im Bereich Berufsberatung eine wichtige Rolle. Wie junge Schulabgänger zur Wunschausbildung kommen und was letztlich für eine duale Ausbildung im direkten Anschluss an die Schulzeit spricht, hat unsere Praktikantin Anna Münsch im persönlichen Interview mit der Leiterin der Kemptener Arbeitsagentur, Maria Amtmann und Pressesprecher Reinhold Huber in Erfahrung gebracht. Jemand hat noch gar keine Idee, welchen Beruf er später ausüben will. Wie helfen Sie ihm? Maria Amtmann: Der Betreffende kann natürlich sehr gerne zu uns in die Berufsberatung kommen. Unsere Berufsberater loten dann Stärken, Schwächen, Interessen, aber auch Abneigungen zu einzelnen Berufsfeldern mit dem Jugendlichen aus um so von einem großen Filter angefangen die in Betracht kommenden Bereiche definieren. Es gibt aber auch bei uns im Internet sehr viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Meine Empfehlung ist immer, das persönliche Gespräch mit dem Berufsberater zu suchen. Inzwischen haben wir eine ganze Reihe von Apps, mit denen man sich selbst ein bisschen testen und dabei einschränken kann, in welche berufliche Richtung es gehen soll. Welche Apps wären das beispielsweise? Reinhold Huber: Eine heißt „Azubi Welt“. In dieser App kann man sich ein Profil einrichten oder Berufe suchen und entdecken. Man arbeitet dabei in verschiedenen Ebenen und kommt so immer weiter, da die Berufe spezifischer werden und am Schluss noch eine kleine Auswahl übrig bleibt. Das bietet eine erste Orientierung, um herauszufinden, in welche Richtung man gehen könnte, was sehr wichtig für das folgende Gespräch mit dem Berufsberater ist. Also dienen diese Apps sozusagen als Vorbereitung für die Beratung?

Reinhold Huber: Genau. Und die sollte man auch nutzen. Diese App ist allerdings nur eine Variante. Wir haben auch „Berufe TV“. Dort sind mittlerweile 300 Ausbildungsberufe versammelt, die in Kurzfilmen vorgestellt werden. Die Filme stellen genau heraus, was die einzelnen Berufe ausmacht. Unser ganzes Medien-Angebot, neben der wichtigen Beratung im Gespräch natürlich, ist wirklich groß und man muss für sich selbst sehen, was für einen persönlich geeignet ist. Maria Amtmann: Wir haben viele Zugangskanäle. Zum einen der Weg zum Berufsberater, der Weg über die IT, wir haben aber auch das sogenannte Berufsinformationszentrum BIZ. Dort kann man ohne Termin hinkommen und Anliegen vorbringen. Ist es sinnvoll, wenn Eltern ihre Kinder zum Beratungsgespräch begleiten? Maria Amtmann: Entscheiden, welchen Beruf man am Ende ergreift, muss der Jugendliche für sich selbst, denn dieser muss am Ende damit zufrieden sein. Aber wenn die Eltern beim Beratungsgespräch dabei sind, hilft das mitunter, da der Jugendliche wahrscheinlich zu Hause nochmal mit seinen Eltern diskutiert und auslotet, was für ihn der richtige Beruf sein könnte. Und wenn die Eltern und der Jugendliche dabei denselben Wissensstand haben, ist das hilfreich. Reinhold Huber: Zudem ist es ja so, dass man sich meistens nicht direkt nach dem ersten Gespräch entscheidet, sondern noch ein Zweites oder Drittes anhängt. Somit wäre es ja eine mögliche Variante, wenn die Eltern beim ersten Gespräch dabei sind, der Jugendliche dann aber zum Nächsten alleine hingeht.

GELD SOLLTE NICHT DAS WICHTIGSTE SEIN Welche Tipps können Sie jungen Menschen geben, um die Entscheidung zwischen einer schulischen Weiterbildung und einer Ausbildung zu vereinfachen? Maria Amtmann: Zunächst sollte man sich da-

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www.LIVE-IN.D

rüber im Klaren sein, wofür jemand geeignet ist und was seine Interessen und Talente sind. Viele treffen diese Entscheidung auch, weil sie zusammen mit ihren Freunden weiter auf die Schule gehen wollen. Aber man sollte eigentlich das für sich persönlich Geeignetste finden. Am hilfreichsten ist es meines Erachtens, wenn der Jugendliche verschiedene Praktika durchläuft und sich mit der Berufswahl befasst. Dabei ist wichtig zu wissen, dass eine duale Ausbildung keine Einbahnstraße ist, da es ja nicht beim Gesellenbrief bleiben muss. Man könnte zum Beispiel Richtung Meister aufsteigen oder studieren. Mit einer dualen Ausbildung verbaue ich mir also nichts. Insofern ist die Entscheidung zwischen einer dualen Ausbildung und der FOS keine existenzielle, sondern nur eine erste Entscheidung auf dem beruflichen Weg. Wenn man sich nun dafür entschieden hat, eine Ausbildung zu machen, welche Kriterien sollte man bei der Wahl eines Berufes beachten und welche Rolle sollte die Höhe der Ausbildungsvergütung spielen? Maria Amtmann: Ob mir eine bestimmte Tätigkeit gefällt, kann ich durch Praktika überprüfen. Natürlich wird jeder den Blick auch auf die Ausbildungsvergütung richten, doch diese erhält man in der Regel nur über drei Jahre hinweg. Das ist im Vergleich zu den Jahren, die man vielleicht in dem erlernten Beruf tätig ist, eigentlich keine Orientierungshilfe. Also sollte man nicht nur darauf achten, während der Ausbildung eine hohe Ausbildungsvergütung zu erhalten, sondern, ob ich mir den Beruf mehrere Jahre lang vorstellen kann. Sind denn Berufswahltests aus dem Internet sinnvoll? Maria Amtmann: Ja. Jeder Berufswahltest bringt einen weiter. Wir erleben bei ganz vielen Eltern und Jugendlichen, dass sie aufgrund der vielen Möglichkeiten, die es gibt, um ins Berufsleben zu starten, überfordert sind. In Deutschland gibt es über 3oo Ausbildungsberufe und man tut sich natürlich sehr schwer damit, einen Überblick zu behalten. Deshalb sollte man bestenfalls alle Informationen aus dem Internet nutzen, auch diese Berufswahltests. Alles hilft einen Schritt weiter, bis dann irgendwann einmal die Entscheidung bevorsteht. Welche Vor- und Nachteile liegen für einen

02.2018

Allgäu LIVE IN (02.2018)  

Die erste Ausgabe im Neuen Jahr. Dein monatliches Kultur- und Freizeitmagazin für das gesamte Allgäu. Zusätzlich grosser Bildungsoffensive u...

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