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Holzbulletin 96/2010 Internationale Leistungen Kulturzentrum ‹De Kamers›, Vathorst/Amersfoort (NL) The City Academy, Area E ‹The Egg›, Hackney/London (GB) Veranstaltungshalle Zénith in Limoges (FR) Xiangji-Tempel in Hangzhou (CN) Freizeitpark Vitam’Parc, Neydens (FR)

Der Zénith von Limoges sollte als Vorzeigebau der Holzindustrie der Region wirken. Die Schweizer Bauplaner wussten dem Anspruch gerecht zu werden. Architektur: Bernard Tschumi urbanistes Architectes, Paris New York, Bernard Tschumi, Véronique Descharrières Holzbauingenieur: Bois Consult Natterer, Etoy


Schweiz: Mehr als Qualität Man weiss es: Die Schweiz ist ein Exportland. Dies trifft in zunehmendem Masse auch auf die Wald- und Holzwirtschaft zu. Der Schweizer Rohstoff Holz wird seit langem zu ansehnlichen Teilen exportiert. Eine Anzahl führender Schweizer Schnittholzproduzenten vermag Märkte auch weit jenseits des traditionellen Haupthandelspartners EU mit Erfolg zu be­arbeiten. Hersteller von Holzwerkstoffen wie Pavatex AG oder Kronospan Schweiz AG betreiben das Auslandsgeschäft schon seit Jahrzehnten als Schwergewicht, ebenso wie die Papierindustrie. Mit der Verarbeitungstiefe, die zunimmt, je weiter man sich vom Rohstoff entfernt, wächst an sich auch der Bezug zum lokalen Markt. Doch mit zunehmender Informationsverfügbarkeit und dem Abbau von Handelshemmnissen eröffnen sich für viele, auch kleinere Unternehmen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette Holz die Potentiale weiterer Absatzmärkte ausserhalb der Schweiz. Aus welchen Beweggründen oder Möglichkeiten heraus auch immer, seien es Absichten zur Expansion, zur Verlagerung des Absatzmarktes, Kooperationen oder eine Kostenführerschaft, Beispiele dafür gibt es seit Jahren. So realisierte zum Beispiel die Pratteler Häring & Co. AG schon Tragwerke für die USA und von England bis nach China. Erwähnenswert auch die beiden kürzlich entstandenen Clubhäuser von Golfparks in Korea aus der Kooperation Blumer-Lehmann AG und SJB.Kempter.Fitze AG, letztere auch Ingenieure des neuen Centre Pompidou Metz mit seiner aufsehenerregenden Dachkonstruktion. Schweizer Ingenieure, sei es, um nur einige Namen zu nennen, von merz kley partner AG oder Bois Consult Natterer, von Lauber Ingenieure für Holzbau & Bauwerkserhalt oder von Pirmin Jung Holzbauingenieure AG, wirken in ganz Europa und darüber hinaus, zuletzt beim Schweizer Pavillon zur Weltausstellung 2010 in Shanghai. Bei den Recherchen für dieses Heft stiessen wir auf eine enorme Zahl neuer Projekte, welche von Unternehmern der Schweizer Holzkette im Ausland begleitet oder realisiert wurden und werden. Wir haben uns, im Hinblick auf Schweizer Leistungsträger, auf den folgenden Seiten für die Lignatur AG, Lieferant der Dach- und Deckenelemente für das Kulturzentrum in Vathorst/Amersfoort (NL), die Schilliger Holz AG – Lieferant für Brettschichtholz und Brettsperrholz für ‹The Egg› in Hackney/London (GB) –, die Zusammenarbeit von Charpente Concept SA und JPF Construction SA, Lieferant für das Tragwerk des Vitam’Parc in Neydens (FR), die schon Jahrzehnte im Ausland tätige Häring & Co. AG als planende und ausführende Firma für die Tempelanlage in Hangzhou (CN) sowie die Planer Bernard Tschumi und Julius Natterer mit dem Entwurf und der Realisation des Zénith in Limoges (FR) entschieden.

Diese in keiner Weise abschliessende Zusammenstellung zeigt exem­ plarisch die Bandbreite von Markteröffnungen ausserhalb der Schweiz. Bleibt die Frage, wieso KMU der Schweizer Industrie immer wieder den Markteintritt im Ausland mit Bravour schaffen? Generell lässt sich diese Frage sicher nicht beantworten, zu unterschiedlich sind die Ausgangs­ lagen, Grössen und Strukturparameter der verschiedenen Branchen und selbst nur der Unternehmen in der Schweizer Holzwirtschaft. Doch eines zeichnet die Baubranche aus: Geschäfte werden fast ausschliesslich persönlich ab­gewickelt. Sind es also die guten Köpfe der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft, die den Markteintritt für KMU der Branche erleichtern, indem sie traditionelle Tugenden wie präzises und zuverlässiges Arbeiten, Bescheidenheit und Sinn für das Gesamtwohl mit sehr hohem technologischem Wissen und Können zu ver­ einen vermögen? Als wohlwollender Betrachter möchte man es gern so auslegen. ­Zumindest ist es spannend zu beobachten, wie gefragt junge Absolventinnen und Absolventen des Holzbauingenieurstudiums an der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau in Biel weltweit sind.

Roland Brunner Technische Kommunikation Lignum

Crossrail Station Isle of Dogs, London (GB). Ab 2012 entstehende U-Bahn-Station mit integriertem überirdischem Park, Einkaufsmeile, Restaurants und Pavillons. Bauherr: Canary Wharf Contractors (Crossrail) Ltd, London Architekten: Foster + Partners, London (Design), und Adamson Associates, Toronto (Ausführung) Engineering und Design für Struktur und Hülle: Häring & Co. AG, Pratteln

1994


Kulturzentrum ‹De Kamers›, Vathorst/Amersfoort (NL) Seit den frühen neunziger Jahren entstehen in vielen Städten der Niederlande weitläufige, in hohem Tempo erbaute Vororte, denen es in der Regel an kultureller und sozialer Infrastruktur mangelt. Vathorst ist einer dieser Stadtteile von Amersfoort, rund 45 Kilometer südöstlich von Amsterdam gelegen. ‹De Kamers›, ‹Die Zimmer›, ist eine private Initiative. Für die Initiatoren des Projektes, einen Pfarrer und einen Künstler, stellten die Anfangsjahre des neuen Stadtteils eine soziale und kulturelle Herausforderung dar. Sie entschieden sich, in diesem Umfeld einen Platz für sozialen Austausch, Inspiration und Ausdruck zu schaffen. Dies gelang dank der grosszügigen Unterstützung vieler privater Sponsoren und der Gemeinde. Das Gebäude und seine Nutzung sind so ange­ legt, dass sie sich im Laufe der Zeit mit ihrer wachsenden Umgebung mitentwickeln können. Dabei steht Raum für verschiedene kulturelle Anlässe zur Verfügung, zum Beispiel für Theater, Film oder künstlerische Aktivitäten. Entstanden ist ein Volumen aus einer Reihe unabhängiger Kuben unterschiedlicher Dimen­ sion. Die Räume sind lose gesetzt und doch verbunden, beiläufig, fast improvisiert in Bezug gebracht, was eine multifunktionale Nutzung erlaubt und Freiraum für künftige Veränderungen oder Erweiterungen schafft. Das extrem schmale Budget führte zur gestalterischen Entscheidung, dem Inneren klaren Vorrang

vor dem Äusseren zu geben. Besonderes Augenmerk wurde auf den Charakter jedes einzelnen Raumes, seine Proportionen, Materialien und die Nutzung des Tageslichts gelegt. Die Fassadenbekleidung ist als vertikale Verschalung aus thermisch behandeltem Kie­ fern­holz ausgeführt. Aus Brandschutzgründen wurde der Sockelbereich mit zementge­ bundenen und daher unbrennbaren Platten beklei­det, die im Laufe mehrerer Workshops handbemalt wurden. Die Motive bilden Kunstwerke, Plakate und Texte der Nutzer des Kulturzentrums. Diese kreative Ummantelung schützt das Gebäude effektiv vor unerwünschten Graffiti. Der bearbeitete Sockel unterstützt aber auch den Teileinbezug der Umgebung, durch den sich quasi ‹Gartenräume› bilden. Diese sind ebenso wichtig wie die Innenräume; sie lassen sich als Aussenbühne, Garten oder Terrasse nutzen. Die Verwendung vorgefertigter Holzbausy­ steme garantierte eine klare, einfache und nachhaltige Konstruktion mit hoher Quali­tät der fertigen Oberflächen. Für die Wände wurde Brettsperrholz eingesetzt. Für die Decken und das Dach kamen Kastenelemente zur Anwendung, was die Erstellung flexibler Struk­ turen in kürzester Zeit ermöglichte. Erwähnenswert ist der baukulturelle Schritt mit dem Kulturzentrum. Im Gegensatz zur üblichen Bauweise mit einer strikten Trennung von Rohbau und Ausbau, wo bei extrem

kleinen Budgets meistens beim Ausbau gespart werden muss und somit kaum Möglichkeiten für eine materialgerechte Raum­gestaltung bestehen, bot das importierte Bausystem grosse Vorteile. Zum einen sind die verwendeten Wand- und Deckensysteme für die Montageverhältnisse vor Ort robust genug, zum anderen konnten mit den einfachen Bauteilauf­ bauten und sichtbar belassenen Holzoberflächen Räume mit Charakter geschaffen werden, die sich von allen gängigen Kulturzentren unterscheiden und so den besonderen Stellenwert dieser privaten Initiative unterstreichen.

Situation

1995


Ort Wezeperberg 1, 3825 DJ Amersfoort (NL) Bauherrschaft Stiftung ‹De Kamers›, Amersfoort (NL), und ‹de Alliantie›, Amersfoort (NL) Architektur Korteknie Stuhlmacher, Rotterdam (NL) Bauingenieur Pieters Bouwtechniek, Utrecht (NL): Jaap Dijks, Fred Schreuders Planer Haustechnik Boersema Installatieadviseurs, Amersfoort (NL): Kees Boersema, Peter Haring Generalunternehmer Schoonderbeek BV, Amersfoort (NL) Materialien Kastenelemente für Dach und Decke (Lignatur AG, Waldstatt) sowie Brettsperrholz Baukosten EUR 1,40 Mio. Geschossfläche ca. 1000 m² Gebäudevolumen ca. 5240 m³ Kubikmeterpreis (Gebäude) EUR 270,– Bauzeit September 2006 – August 2007 Fotografen Sjaak Henselmans, Amsterdam (NL), und Stefan Müller, Berlin (DE)

1996


Längsschnitt

Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss 10 m

1997


Dachaufbau von aussen: Wasserdichtung Dämmung Kastenelemente Aufbau Aussenwand von innen: Brettsperrholz Dämmung Unterkonstruktion und Lüftung Fassadenbekleidung Aufbau Decken von oben: Gehbelag Trittschalldämmung Kastenelemente Aufbau der Decken von oben im Bereich der Erschliessung: Gehbelag Trittschalldämmung Brettsperrholz

Fassadenschnitt

1998


The City Academy, Area E ‹The Egg›, Hackney/London (GB) Hackney ist ein Stadtbezirk von London, rund sieben Kilometer nordöstlich vom Zentrum gelegen. Hier grenzt das Areal der ‹City Academy› an das Homerton-Universitätsspital. Das Schulareal umfasst vier grossvolumige Schulgebäude in moderner Bauweise. Als Bauaufgabe für das Areal E ‹The Egg› wurde eine Versammlungshalle für sämtliche Schulgebäude verlangt. Da dieser Treffpunkt repräsentativen Charakter für die Schule hat, war es den Architekten ein Anliegen, dass er bei den Besuchern einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Eine sichtbare Konstruktion aus Holz erhielt gegenüber einer konventionellen Stahlkons­truk­ tion den Vorzug, da Holz ein erneuerbarer und zertifizierbarer Rohstoff ist. Die Bauweise mit Brettsperrholz bot zudem den Vorteil einer sehr kurzen Bauzeit, aber auch das Plus eines einfachen Aufbaus der Bauteile mit zusätzlichen Schichten von Dämmung und Aussenbekleidung oder direkt sichtbar belassenen Konstruk­ tionen im Innenraum. Anfänglich bestand der Entwurf des Volumens aus geraden Linien, die eine viereckige Box formten. Dieses Design wurde vom Hackney Design Gremium im Rahmen des Planungsprozesses auf seine Tauglichkeit geprüft. Der Befund war, dass die Versammlungshalle einer Umgestaltung bedurfte, um eine skulpturale Wirkung zu erlangen. Das Resultat des Neuan­ satzes war eine mehrfach gekrümmte Struktur, welche der Gestaltung und der Konstruktion alles abverlangte, sowohl seitens des Materials als auch des Planungsteams. Entstanden ist

2000

ein interessantes und auffallendes Gebäude, das den Vorgaben der Planer gerecht wurde. Um die gebogene Gebäudehülle zu erhalten, entstand zuerst eine innere Struktur aus Brettsperrholz und Stützen aus Brettschichtholz. Die Stützen verlaufen nach oben schräg nach aussen. Darauf sind die Brettsperrholzplatten facettenartig aufgesetzt. Den oberen, gelben Teil der Fassadenbekleidung bildet eine verputzte Putzträgerplatte. Sie dient dem Witterungsschutz und verleiht dem Gebäude ein monolithisches Aussehen. Der untere Teil der Fassadenbekleidung besteht aus traditionel-

Situation

lem englischem Klinker, womit sich das Gebäude gut in die Umgebung einfügt. Die Dachkonstruktion baut auf quer über das Volumen verlaufenden Trägern in Brettschichtholz auf, über welche wiederum Brettsperrholz verlegt ist. Darauf sind die Wärmedämmung und eine gefalzte Blecheindeckung montiert. Aufgrund der Bauweise und der damit ein­ gelagerten Menge an Kohlendioxid gewann der Neubau den Preis ‹Neubau des Jahres 2010› in den ‹CIBSE Low Carbon Performance Awards›.


Ort Homerton Row, Hackney/London, E9 6EA (GB) Bauherrschaft DCSF, City of London und KPMG Architektur Studio E Architects, London Generalunternehmer Willmott Dixon Construction, Hitchin Holzbauingenieur Eurban Limited, London Holzbau Eurban Limited, London Materialien Brettschichtholz 40 m³, Brettsperrholz 125 m³ (Schilliger Holz AG, Küsnacht) Baukosten GBP 30 Mio. (gesamte Academy) Geschossfläche 590 m² Bauzeit Dezember 2008 – September 2009 (Gesamtbauzeit), vier Wochen für den Holzbau Fotografie Willmott Dixon Construction, Hitchin, Eurban Limited, London, Timothy Soar, London

2001


Querschnitt

Längsschnitt

Grundriss

2002

10 m


Dachaufbau von aussen: Blecheindeckung Unterkonstruktion und Lüftung 80 mm Wasserdichtung Mineralwolle 160 mm Brettsperrholz 120 mm Träger in BSH 220 x 900 mm Aufbau Aussenwand von innen: Brettsperrholz 80 mm Mineralwolle 100 mm Unterkonstruktion und Lüftung 80 mm Putz und Putzträgerplatte 15 mm

Isometrie

2003


Veranstaltungshalle Zénith in Limoges (FR) Ganz in der Nähe des Stadtzentrums, auf einer von Wald gesäumten Grünfläche, erhebt sich der Zénith, die neue, beeindruckende Konzert- und Veranstaltungshalle von Limoges. Trotz ihres beachtlichen Fassungsvermögens von rund 6000 Zuschauern bleibt ihre Erscheinung menschlich und bescheiden – dank dem Baustoff Holz, der sie mit Wärme und Gastfreundlichkeit erfüllt. Veranstaltungshallen dieser Grösse reihen sich oftmals in übergeordnete städtebauliche Projekte ein und sind im wesentlichen technisch geprägt. Der Zénith von Limoges hingegen steht im Dialog mit seiner waldigen Umgebung. Sogar seine Parkplätze haben sich in eine Blumenwiese verwandelt. Der Vorzeigebau wirkt wie ein Schaufenster der Holzindustrie, welche im Limousin besonders aktiv und innovativ ist. Den Planern ist es dank viel Einfühlungsvermögen gelungen, jedem der verwendeten Baumaterialien die geeignete Funktion zuzuordnen. So beherbergt der Betonsockel die technische Infrastruktur sowie verschiedene Betriebs- und Verwaltungsräume hinter der Bühne, während die diskrete Dachstruktur aus Metall das Gebäude und die 80 Meter breite Bühne schützt. Die Hauptrolle übernimmt aber das Holz. Zunächst in Form von Bogen in Brettschichtholz aus Douglasie, welche die 50 mm starke Kunststoff-Fassade tragen. Insgesamt 43 Bogen mit einem Querschnitt von jeweils 200 x 400 mm bilden so die Grundstruktur der Hülle, welche das Gebäude auf drei Vierteln seines Umfangs umgibt. Alle Bogen haben verschiedene Höhen und Formen und schmiegen sich dadurch perfekt an die

2004

zylindrische, leicht geneigte Form des Bau­ körpers. Die längsten Bogen erreichen eine Länge von 18,4 m. Vollständig geschützt von der Kunststoffhaut der Fassade, erreichen diese Bogenelemente eine beispielhafte Dauerhaftigkeit. Ein gewölbtes, einfach auszuwechselndes Brett auf der Aussenseite bildet die Nahtstelle zur Fassade und belebt diese gleichzeitig. Im Eingangsbereich wandelt sich ein Teil der Fassade zu einem torusförmigen Gebilde. Die Kunststoffhülle schafft einen sanften Übergang vom Aussenraum zum Foyer, wo dank diesem kombinierten Schutz und der natürlichen Belüftung während des ganzen Jahres eine äusserst angenehme Atmosphäre herrscht. In der Nacht lässt die Hülle das Gebäude leuchten. Im Foyer lässt der Beton des Sockels nach und nach dem Holz den Vortritt. So ist die Unterseite der Sitzreihen, welche ins Foyer hineinragen, mit einem Holzrost verkleidet, der für

Situation

eine optimale Akustik sorgt. Und auch die Treppen, welche die Besucher zu ihren Plätzen führen, sind ab dem Obergeschoss aus Holz. Einmal im eigentlichen Saal angekommen, wird der Zuschauer erfasst von der freundlichen Atmosphäre, die sich der starken Präsenz des Holzes verdankt. Die selbsttragenden Sitzreihen bestehen vollständig aus gebogenem Douglasien-Brettschichtholz. Die Sitze selbst sind aus Sperrholz und haben unterschiedliche Farbtöne, was die Eintönigkeit des Raums aufbricht. Eine zusätzliche Dynamik entsteht durch die pixelisierte Abstufung der Farbtöne, welche sich je nach Blickwinkel des Besuchers verändert. Die rückwärtigen Wände sind bis auf eine Höhe von 2,4 m fugendicht beklei­ det, anschliessend folgt, wie im Foyer, ein durchscheinender Lattenrost. Dadurch reduziert sich der Widerhall, und in ihrer Gesamtheit tragen die Holzelemente zu einer aussergewöhnlich hochstehenden Akustik bei.


Ort 16 avenue Jean Monnet, 87100 Limoges (FR) Bauherrschaft Communauté d’agglomération Limoges Métropole Architektur Bernard Tschumi urbanistes Architectes, Paris New York, Bernard Tschumi, Véronique Descharrières; Mitarbeiter: Jean Jacques Hubert, Antoine Santiard, Joël Rutten Holzbauingenieur Bois Consult Natterer, Etoy Holzbau Goubie SA, Prigonrieux (FR) (Tragwerk und Sitzreihen) und Guyot et associés, Panazol (FR) (Bekleidungen) Materialien Brettschichtholz in Douglasie 600 m³; Bekleidungen Treppen und Wände 4000 m² Baukosten EUR 27 Mio. Gebäudegrundfläche 8500 m² Bauzeit Mai 2005 – Juli 2006 Fotograf Christian Richters, Münster (DE)


Querschnitt

L채ngsschnitt

2006


Grundriss

40 m

2007


Isometrie eines Segmentes: Treppenstufen und ein Rost in Holz bekleiden den betonierten Unterbau. Über den Innenraum spannt ein Fachwerk aus Stahl. Bögen in Brettschichtholz bilden die Hülle und erzeugen ein offen wirkendes Foyer um den Konzertsaal.


Xiangji-Tempel, Hangzhou (CN) Die berühmte historische Stätte befindet sich im Bezirk Gongshu von Hangzhou, Hauptstadt der chinesischen Provinz Zhejiang, die an der Ostküste des Landes liegt. Die ursprüngliche buddhistische Anlage wurde während der Song-Dynastie im Jahr 978 an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt am Jing-Hang-Kanal erbaut. Trotz ihrer historischen Bedeutung wurde die Tempelanlage lange dem Zerfall überlassen. Mehrere Versuche zur Restauration blieben erfolglos. Der jetzige Wiederaufbau der Anlage verdankt sich der steigenden Bedeutung der Provinzhauptstadt Hangzhou, die rasant wächst und zudem wie die ganze Region traditionell viele Touristen anzieht. So beschloss die Kommunalverwaltung, die Entwicklung des Jing-Hang-Kanals, wo der Xiangji-Tempel gleichsam einen regionalen Mittelpunkt bildet, als Vorhaben mit höchster Priorität einzustufen. Die insgesamt zehn Bauten umfassende Anlage erstreckt sich über 10 971 m2. Das gesamte Baugelände umschliesst eine Fläche von 13 681 m2, inklusive einer unterirdischen Autoeinstellhalle mit 3544 m2. Der Entwurf für die Restauration des Komplexes lehnt sich an alte Tempel- und Klosteranlagen an, was mit dem bewussten Wiederaufbau buddhistischer Stätten in China wieder möglich wurde.

Auch die Konstruktionsart wurde der traditionellen Tempelbaukunst nachempfunden, wobei sinnvolle technische Neuerungen eingesetzt werden. So besteht die Struktur jedes Tempelbaus aus einem Skelett in Brettschichtholz. Wesentliche Elemente der Struktur sind die bis zu 20 m hohen Säulen mit einem Quer­ schnitt von 600 x 600 mm aus Brettschicht­ holz, am Sockel eingespannt mittels Anschlüssen aus Stahl, eingeschlitzter Bleche und Stab­dübel. Für diese Säulen kam Schweizer Holz zum Einsatz. Aussenbauteile dagegen sind in kanadischer Douglasie ausgeführt. Insgesamt wurden 4500 m3 Brettschichtholz im Werk der Firma Häring in Tianjin her­ gestellt. Der Rohstoff dafür stammte aus Kanada (Douglasie) und der Schweiz (Fichte/ Tanne). Dass die Tempelanlage, wie traditionell üblich, in Holz ausgeführt wurde, ist engagierter Über­zeugungsarbeit zugunsten des Baustoffs sowie dem damit verbundenen Holzbau­­ ingenieur- und Logistikwissen zu verdanken. Ursprünglich wollte der Bauherr die Kon­struk­ tion in Stahl ausführen und mit Messing und Kupfer bekleiden. Baufachleute vor Ort konnten den Bauherrn zusammen mit dem Holzbauunternehmen für das Material Holz gewinnen und aufzeigen, dass die be­nötigten Querschnitte in Holz hergestellt werden können.

Nach der Angebotseinreichung im April 2009 und der Vertragsunterzeichnung im Juni desselben Jahres musste das gesamte Brettschichtholz von Juli bis August hergestellt und über 2000 km auf die Baustelle transportiert werden. Dazu kam die Koordination der 200 Mitarbeiter im Werk und der nochmals 200 Handwerker auf der Baustelle. Nur durch diese enorme Leistung konnte das erste Tempelhaus schon fünf Monate nach der Auftragserteilung errichtet werden. Die gesamte Tempelanlage wurde Mitte Fe­ bruar 2010, zum chinesischen Neujahrsfest, vollendet.

Situation

2009


Tempel, Längsschnitt

Tempel, Erdgeschoss

2010

20 m

Tempel, 1. Obergeschoss


Tempel, Querschnitt

Tempel, 2. Obergeschoss

Tempel, 3. Obergeschoss

2011


Ort 48 Xiangjisi Road, Hangzhou (CN) Bauherrschaft Hangzhou Channel Development Group Co Ltd Architektur Professor Liu Jie, Shanghai Jiaotong University (CN) Holzbauingenieur Häring & Co. AG, Pratteln, und Haring Swiss Wood Structures (Tianjin) Co. Ltd., Tianjin (CN) Holzbau Haring Swiss Wood Structures (Tianjin) Co. Ltd., Tianjin (CN) Materialien Vollholz in kanadischer Douglasie und Brettschichtholz in Fichte/Tanne aus der Schweiz, total 4500 m3 Baukosten ca. CHF 7,0 Mio. Gebäudegrundfläche 10 971 m2 (Tempelanlage) Bebaute Fläche 13 681 m2 Bauzeit Juni 2009 – Januar 2010 Fotografie Häring & Co. AG, Pratteln

Visualisierung Tempel

2012


Freizeitpark Vitam’Parc, Neydens (FR) Der Vitam’Parc liegt am Fuss des Mont Salève. Auf einer Fläche von 40 000 m² bietet der Park einen grossen Sport- und Freizeit­ bereich, ein Einkaufscenter sowie verschiedene Restaurants und Hotels. Der Park dient sowohl der körperlichen Fitness als auch der Erholung und bietet viel­fältige Möglichkeiten dazu. Das Vorzeigeobjekt des Parks ist zweifellos die Dachkonstruktion des Wasserparks. Diese organische Struktur setzt sich aus 14 Zweigelenkbogen aus Brettschichtholz mit dreieckiger Ausfachung zusammen, bei einer maximalen Spannweite von 42 m und einer Länge von 92 m. Die vorfabrizierten Bögen bestehen aus jeweils drei oder vier Elementen und wurden vor Ort zusammengesetzt. Die Einzelstäbe der Gurten der Bögen sind entsprechend der Bindergeometrie gekrümmt und weisen einen runden Querschnitt mit einem Durchmesser von 160 bis 320 mm auf. Zwischen diesen Bindern zeichnet sich im Fassadenbild jeweils ein zusätzlicher gebogener Träger ab. Dieser ist über ein räumliches Fachwerk im Untergurt des Primärbinders abgestützt. Die Knoten­ punkte sind mit eingeklebten Metallstäben ausgeführt. Für den Schutz und die Beständigkeit der Metallteile sorgt eine Behandlung mit Polyurethan. Wegen der unregelmässigen Geometrie mussten insgesamt 1300 Einzelelemente, allesamt mit rundem Querschnitt, von unterschiedlichster Länge und verschiedenstem

Durchmesser verarbeitet werden. Aufgrund der Komplexität der Struktur war der Einsatz von CNC-Maschinen unumgänglich. Für die Wahl von Holz als Baustoff sprach dessen Beständigkeit gegenüber der chlor­ haltigen, relativ aggressiven Atmosphäre in der Halle. Die Holzkonstruktion ist aussen vollständig mit einer besonders dauerhaften ETFEFolie bekleidet. Diese sorgt einerseits für eine

Situation

gute Wärmedämmung, andererseits für eine ausreichende Durchflutung der Halle mit Naturlicht. Zudem schafft sie einen harmonischen Übergang vom Innen- zum Aussenraum. Nebst allen angebotenen Freizeit- und Sportaktivitäten stellt allein schon das Erleben des Elements Wasser in einer derart natür­ lichen Umgebung eine einmalige Attraktion in dieser neuen Vergnügungsstätte vor den Toren der Stadt Genf dar.


Längsschnitt Wasserpark

40 m

Grundriss

40 m

Querschnitt Wasserpark

Ort 500 route des Envignes, 74160 Neydens (FR) Bauherrschaft Migros France SAS, Etrembières (FR) Architektur L35, Barcelona (ES) (Konzept), GM Architectes Associés, Genf (CH) (Gebäude) und GM2A, Paris (FR) (Ausführung) Holzbauingenieur Charpente Concept SA, Perly Holzbau JPF Construction SA, Bulle Materialien Konstruktionsholz 875 m³ (Einkaufs- und Sportzentrum) sowie 330 m³ (Wasserpark) Anlagefläche 57 000 m² Gebäudegrundfläche 35 000 m² Bauzeit September 2006 – März 2010 Fotograf Lucien Fortunati, Annecy (FR)

2014


Innenansicht der Isometrie eines Tragwerksausschnittes


Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno Falkenstrasse 26 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 info@lignum.ch www.lignum.ch

Holzbulletin, September 2010 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

Verantwortlich Roland Brunner Redaktion Roland Brunner, Lignum, Mélanie Pittet-Baschung und Denis Pflug, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich Druck Kalt-Zehnder-Druck AG, Zug Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum

ISSN 1420-0260

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 100.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holz­bulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern. Lignum-Hotline: 044 267 47 83 Benutzen Sie unsere Fachberatung am Tele­fon von 8 –12 Uhr, die täglich von Montag bis Freitag gratis zur Verfügung steht.

Holzbulletin 96/2010  

Internationale Leistungen

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