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Holzbulletin 81/2006

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Passerelle, Valle di Muggio Zuhinterst im Valle di Muggio verbindet eine neue Passerelle das schweizerische Scudellate mit dem italienischen Erbonne. Obschon die beiden Dörfer durch die Landesgrenze getrennt sind, unterhielten sie immer enge Beziehungen, welche jedoch wegen der Schroffheit des BreggiaTals zumal bei Hochwasser oft schwierig waren. Aufkommender Agrotourismus in der Region machte nun den Bau einer Fussgängerpasserelle möglich. Der neue Übergang ist nicht bloss physische Verbindung, sondern hat auch kulturelle Bedeutung. Die Tiefe des Tales rechtfertigte von Anfang an die Wahl einer bogenförmigen Realisierung. Die Passerelle hat eine Spannweite von 29 Meter, eine Gesamtlänge von 38,5 Meter und überquert das Tal auf einer Höhe von rund 30 Meter. Der Aufbau besteht aus zwei leicht nach innen geneigten Brettschichtholzbögen in Lärche mit einem Querschnitt von 480 x 200 mm. Dazwischen sind alle 2,65 Meter Querbalken und kreuzförmig angeordnete Rundstäbe aus Stahl befestigt, welche als Fachwerk den Steg stabilisieren.

Weit mehr Kreativität als die konstruktive Ausgestaltung forderte die Montage des Werkes den Planern und dem Unternehmer ab. Die engen Gassen der Dörfer auf der italienischen Seite der Grenze verunmöglichten jeglichen Schwertransport, während auf der schweizerischen Seite der Zugang zum Tal auf Fahrzeuge von weniger als zehn Meter Länge beschränkt war. Zudem existierte in einem weiten Umkreis des Standortes kein flaches, für Lastwagen zugängliches Gelände, wo die einzelnen Elemente hätten zusammengebaut werden können. Als einzige Möglichkeit verblieb der Transport per Helikopter. Auf einem Feld bei Melano wurde das Haupttragwerk mit den beiden Bögen und der dazwischenliegenden Stabilisierung zusammengebaut. Ein Helikopter flog das über vier Tonnen schwere Tragwerk anschliessend auf die andere Seite des Monte Generoso ins Valle di Muggio, wo es auf die Widerlager montiert wurde. An Ort erfolgte die Montage der quer auf den Bögen stehenden Rahmen mit kreuzförmiger Stahlseilabspannung und den längs darüber verlaufenden Trägern. Die meisten Anschlüsse sind mittels eingeschlitzter Bleche und selbstbohrender Stahl-

schrauben ausgebildet, wodurch man sich von den Montagetoleranzen befreien konnte. Die Balkenlagen, der Brückenbelag und die Handläufe aus Kastanienholz der Region wurden in einem weiteren Arbeitsschritt montiert. Die Verwendung der beiden sehr resistenten Holzarten Lärche und Kastanie sowie von verzinktem Stahl gewährleistet die Dauerhaftigkeit der Passerelle. Die Wahl des Baustoffs Holz war für diese Gebirgsregion völlig normal. Dank dieser Wahl besticht das Bauwerk nicht durch seinen technischen Charakter, sondern durch seine Feingliedrigkeit und seine Fähigkeit, sich in respektvoller Art und Weise in seine natürliche Umgebung einzufügen. Damit steht die Passerelle in absolutem Einklang mit den Grundsätzen des angestrebten sanften Tourismus im Val Muggio.


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Holzbulletin 81/2006 by Lignum - Issuu