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Holzbulletin 80/2006 Büroräume Flughafengebäude ‹La Blécherette›, Lausanne Gewerbe- und Bürobau ‹Rössliguet›, Kaltbrunn Business-Center Grenchenstrasse, Biel Gewerbe- und Bürogebäude Grossweid, Rain Wohn- und Bürohaus in Sint-Denijs-Westrem (Belgien)

Das dreigeschossige Bieler Business-Center in reiner Holzbauweise lässt sich polyvalent nutzen. Bauherrschaft: Werkhof Immobilien AG, Biel Architekten: Werkhof Architekten AG, Biel, und Archidea AG, Zug


Der Bürobau ist im Immobiliensektor ein wesentlicher Teil des Portfolios. Eine verkehrstechnisch gut erschlossene Lage, ein repräsentatives Äusseres, eine hohe Flexibilität für die Raumeinteilung mit besten Büroplätzen nahe der Fassade inklusive grosszügiger und funktionaler Verkehrsflächen sowie viel natürliches Tageslicht für eine optimale Arbeitsplatzgestaltung bilden dazu wesentliche Produktvorteile. Auf der Nachfrageseite stehen die Nutzer, in der Schweiz vermehrt Dienstleistungsunternehmen. Gerade für Dienstleister sind neben den Personalkosten die Flächenkosten pro Mitarbeiter der zweithöchste Kostenfaktor. Direkt können diese Kosten über die Belegungszahl, indirekt über die Baukosten beeinflusst werden, wobei natürlich eine möglichst hohe Ausnutzung der Bodenressourcen, ideal in Form von Hochhäusern, die Baukosten pro Quadratmeter Nutzfläche senkt. Gerade hier aber stiess der Holzbau lange an eine gesetzliche Grenze: Beschränkten nicht die örtlichen Bauvorschriften die Geschosszahl, so taten dies spätestens die Brandschutzvorschriften. Einzig über objektbezogene Brandschutzkonzepte waren in den vergangenen Jahren Bürobauten mit drei und mehr Geschossen realisierbar. Heute sieht das anders aus: Bürobauten können wie Wohnbauten bist sechsgeschossig in Holzbauweise ausgeführt werden. Dies ermöglicht eine ökonomisch und ökologisch optimiertere Nutzung der Bodenressourcen und langfristig das Angebot konkurrenzfähigerer Büroimmobilien. Doch dies scheint nur eine Seite der Medaille zu sein. Wie oft könnten in den Agglomerationen und Dorfzentren aufgrund der Bauvorschriften höhere als dreigeschossige Bauten erstellt werden? Wie häufig stossen wir auf Bauten, wo eben der künftige Nutzer auch gleich der Bauherr ist und somit mehr der Repräsentationscharakter und die Funktionalität der Baute im Vordergrund stehen? Dieses Holzbulletin geht auf nicht alltägliche Bauten in alltäglichen Situationen ein. Wir zeigen die ganze Bandbreite von der detailliert auf die Identität eines Bauherrn und Nutzers abgestimmten Gestaltung bis hin zum Business-Center als Portfolioerweiterung einer Immobilienfirma. Startpunkt ist der Flughafen ‹La Blécherette› in Lausanne, wo das neue Flughafengebäude die Eingangspforte zur Stadt darstellt. Auf einem Betonsockel ruht ein mit Zink bekleidetes Holztragwerk, dessen Form sich an alten Flugzeugflügeln inspiriert. Es sorgt für den Flughafen selbst wie für die Stadt Lausanne für einen starken, repräsentativen Eindruck. Die Büros der Flughafenbetreiber, gleichzeitig auch Bauherren, sind im markanten obersten Geschoss gegen die Rollbahn hin situiert, wo sich über raumhohe Fensterfronten der Flughafenbetrieb verfolgen lässt. Die drei folgenden Objekte, die Überbauung ‹Rössliguet› in Kaltbrunn, das Business-Center an der Grenchenstrasse in Biel und der Neubau an der Grossweid in Rain, zeigen äusserlich eine scheinbare Gemeinsamkeit – die drei Geschosse. Bei genauerer Betrachtung treten jedoch einige wesentliche Unterschiede zutage. Die neue Überbauung ‹Rössliguet› wurde mitten im Dorfkern von Kaltbrunn von der ortsansässigen Elektrizitätsversorgung als Bauherrin realisiert. Die Mischbauweise erlaubte beim dreigeschossigen Bürotrakt die Berücksichtigung aller Anforderungen, von Sicherheitsaspekten der Post bis hin zum Einsatz möglichst vieler natürlicher, ökologischer Materialien. Entstanden ist sozusagen ein neues Dorfzentrum. Das dreigeschossige Business-Center im Industriequartier Biel-Bözingen entstand im Auftrag einer Immobilienfirma als reiner Holzbau mit grossformatigen Elementen. Individuell angeordnete Fenster und grossräumig angelegte Innenräume ermöglichen künftigen Nutzern grösstmögliche Flexibilität in der Raumgestaltung. Die Wand- und Dachelemente bestehen aus ähnlichen Rippentragelementen, was die gesamte Konstruktion vereinfacht. Aufgrund der brandschutztechnischen Einstufung als dreigeschossiger Bürobau sind das Tragwerk und die Brandabschnitte auf 30 Minuten Feuerwiderstand ausgelegt. Diese einfache und effiziente Bauweise setzte sich als kostengünstigere Alternative für mittlere Volumen gegenüber anderen Baumaterialien durch.

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Atelierstuhl 4040, Christophe Marchand für Embru, 2005

Bürobau – zwischen Investitionsobjekt und Identitätsstiftung

Der Neubau des Gewerbe- und Bürogebäudes Grossweid am Ortseingang von Rain ist unter anderem Zeichen der Agglomerationsentwicklung Luzerns. Der Bau besteht aus einem Unterbau in massiver Ausführung für die gewerbliche Nutzung und einem zweigeschossigen Aufbau in Holz mit Wohnungen und Büros. Was aber von aussen wie ein dreigeschossiger Bau wirkt, ist in der brandschutztechnischen Beurteilung ein Viergeschosser, denn der Hallenunterbau gilt aufgrund seiner Höhe als zweigeschossig. Die Folge sind Anforderungen an das Tragwerk und die Brandabschnitte von 60 Minuten Feuerwiderstand (ohne Sprinkler). Gepaart mit der enormen Auskragung, ergeben sich alles andere als triviale konstruktive Lösungen. Von aussen wirkt der neue Gewerbe- und Bürobau imposant und dennoch schlicht: Es gelingt ihm, den Betrachter das in ihm steckende hohe Ingenieurkönnen wie die konstruktive Komplexität fast vergessen zu lassen. Den Abschluss der Reise bildet das neue Bürogebäude einer Firma aus dem Bereich Public Relations und Kommunikation in Belgien. In der Grossagglomeration des Dreiecks Antwerpen–Gent–Brüssel entstand in der Gemeinde Sint-Denijs-Westrem an der Stelle eines alten Wohnpavillons das neue Büro als Aushängeschild dieser jungen Firma: modern und extrovertiert. Mit den fünf vorgestellten Projekten zeigt der Holzbau beide Seiten einer Medaille: Holzbau ist flexibel genug, um auf individuelle Gestaltungsbedürfnisse von Nutzern und Bauherren einzugehen. Auf der anderen Seite erlauben die kurze Bauzeit und die Erweiterung der gesetzlichen Grenze der Geschossigkeit eine neue Kostenoptimierung von Bürobauten in Holz. Roland Brunner Technische Kommunikation Lignum


Flughafengebäude ‹La Blécherette›, Lausanne Mit seiner Form, die einem Flugzeugflügel nachempfunden ist, ist das neue Flughafengebäude der ‹Blécherette› eingangs von Lausanne nicht zu übersehen. Der futuristische Bau besteht aus einer Holzstruktur, welche mit Zink bekleidet ist und damit wiederum Bezug auf die Struktur von alten Flugzeugflügeln nimmt. Das gebogene Holztragwerk offenbart sich dem Besucher erst im Innern der Räumlichkeiten. Es bietet verschiedenen Nutzern ein angenehmes Arbeitsumfeld. Der Weg bis zum Bau des Flughafengebäudes hoch über der Stadt Lausanne war mit etlichen Schwierigkeiten gepflastert. Der ursprüngliche Militärflughafen wurde zunächst von der Stadt Lausanne übernommen. Als sich diese vom Flughafen zurückzog, war dessen Weiterbestehen nur noch dank dem politischen Druck einer Volksabstimmung möglich. Zur Rettung des Flughafens bildete sich anschliessend der Verein ARLB (Association Région Lausanne Blécherette), in welchem sich alle Nutzerinnen und Nutzer zusammenschlossen. Zu jenem Zeitpunkt standen auf dem Gelände einige alte Hangars und Container, welche die Vereinsräume, eine stillgelegte Cafeteria sowie verschiedene Büros beherbergten. Mit seiner Graspiste glich ‹La Blécherette› einem heruntergekommenen Provinzflughafen; eine Sanierung der Infrastrukturen erwies sich als immer dringender.

Der Verein, der nur über spärliche Mittel verfügte, baute zunächst eine befestigte Rollbahn und konzentrierte sich sodann auf die Errichtung eines Gebäudes für alle Aktivitäten des Flughafenbetriebs sowie für ein richtiges Restaurant. Als Visitenkarte sowohl für den Flughafen als auch für die Stadt Lausanne sollte das Gebäude einen starken, repräsentativen Eindruck hinterlassen. Auch galt es, die Vorschriften und Vorgaben des Bundesamtes für Zivilluftfahrt zu erfüllen. Zudem verlangte der Verein, dass seine Büros gegen die Rollbahn hin zu liegen kommen sollten und dass man vom Restaurant aus einen guten Ausblick über den ganzen Flughafenbetrieb haben müsse. So entstanden zunächst zahlreiche Skizzen, bevor der definitive Plan des Gebäudes vorlag: ein auf einem Betonsockel ruhender Flugzeugflügel. Nachdem die Form einmal definiert war, war die Wahl des Materials für den Bogen des Obergeschosses offen: Holz oder Stahl. Wegen der kurzen Erstellungszeit sowie aus Kostengründen setzte sich Holz durch. Dank Vorfabrikation liess sich das Gebäude in weniger als drei Wochen errichten. Zwischen die Bogenbinder aus Brettschichtholz, welche das primäre Tragwerk bilden, wurden vorfabrizierte Hohlkastenelemente inklusive Wärmedämmung verlegt. Da diese Elemente erst auf Platz montiert wurden, waren keine weiteren Ausbauarbeiten notwendig. Die untere Schicht der Elemente ist

somit die definitive. Sie wurde in der Werkstatt zwecks besserer Schallabsorption perforiert und fertig gestrichen. Dieses System befriedigte auch die Bauherrschaft, die keine Räumlichkeiten im Stil eines Industriebaus wünschte. Ihr stehen nun warm wirkende und angenehme Arbeitsräume zur Verfügung.

Situation

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Querschnitt

L채ngsschnitt


Grundriss Niveau 0

Grundriss Niveau 1

Grundriss Niveau 2

Grundriss Niveau 3

10 m

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Ort Avenue du Grey, 1018 Lausanne Bauherrschaft Association Région Lausanne Blécherette (ARLB), Lausanne Architekten CCHE Architecture SA, Lausanne Holzbauingenieure Charpente Concept, Perly Holzbau Schaller SA, Gingins Materialien Konstruktionsholz: Brettschichtholz 35 m3, Vollholz 41 m3; Hohlkastenelemente 620 m2; Platten: OSB 70 m2, Dreischichtplatten 125 m2 Kubatur SIA 116 6500 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 780.– Bauzeit Oktober 2004–Dezember 2005 Fotograf Thomas Jantscher, Colombier

Detailschnitt längs Niveau 3


Dachaufbau von aussen: Eindeckung in Zink vorverfärbt Schalung 27 mm Lattung 45 mm Lattung 60 mm Unterdachbahn Lattung 120 mm/Dämmung Dämmung mit Gefälle Lattung 120 mm/Dämmung Dampfsperre Hohlkastenelemente 220 mm, Akustiklochung, weiss lasiert

Aufbau Kniewand von innen: Dreischichtplatte 27 mm, weiss lasiert Lattung vertikal Ständer 80 x 160 mm/Dämmung OSB Vorgehängte, gebogene Rahmenkonstruktion Schalung 27 mm Detailschnitt quer Niveau 3

Bekleidung in Zink vorverfärbt


Gewerbe- und Bürobau ‹Rössliguet›, Kaltbrunn Die Elektrizitätsversorgung Kaltbrunn AG als Bauherrin hat inmitten des Dorfkerns von Kaltbrunn, in nächster Nähe zu prägenden Punkten wie Gemeindehaus, Pfarrkirche und Dorfbrunnen, eine Überbauung realisiert, die eine wichtige Zentrumsfunktion übernimmt. Mit dem ‹Rössliguet› wurde das ortbauliche Hauptanliegen umgesetzt, den Dorfplatz zu fassen, eine klare Abgrenzung zu definieren und auf die gewachsene Struktur zu reagieren. Der Kopfbau der Überbauung mit der Post im Erdgeschoss führt den Strassenraum zwischen einer Druckerei und dem Gemeindehaus weiter und weitet sich räumlich an zentralster Lage zu einem klar begrenzten Dorfplatz. An diesem Platz ist der Eingangsbereich zu den verschiedenen Nutzungen der Überbauung ‹Rössliguet› in einer einladend gestalteten Hauptfassade eingegliedert. Die volumetrische Ausbildung der Baukörper nimmt die neu gebildete Situation auf und verstärkt diese mittels des gegen den Dorfplatz hin auskragenden Gebäudeteils. Dadurch wird ein gedeckter Zugang für den Eingangsbereich erzeugt und gleichzeitig ein Bezug zum ebenfalls am Dorfplatz liegenden Gemeindehaus geschaffen. Im Kopfbau der Überbauung ‹Rössliguet› befinden sich oberhalb der Post ein medizinisches Trainingszentrum und eine erweiterte Physiotherapie im ersten Obergeschoss sowie im zweiten Obergeschoss eine Praxis für allgemeine Zahnmedizin und Kieferorthopädie. Ein orthogonal zum Hauptbau

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situierter, niederer Baukörper enthält im Erdgeschoss auf 700 m2 einen grosszügigen Lebensmittelladen. Im Untergeschoss sind gedeckte Parkplätze vorhanden. Die Zufahrten zur Tiefgarage, zu den Parkplätzen und für die Anlieferung erfolgen über die vom Dorfplatz abgewandte Seite. So bleibt der Dorfplatz frei für Fussgänger; einzig einige Schnellparkplätze der Post nehmen etwas Fläche in Anspruch. Die gewählte Fassadenmaterialisierung unterstreicht die Gliederung der Gebäudevolumen. Der Kopfbau ist mit Naturschiefer bekleidet und erhält dadurch die notwendige Präsenz am Dorfplatz. Der Ladenbau ist mit einem vertikalen Holzrost bekleidet, wodurch er trotz seiner Grösse leicht und zurückhaltend bleibt. Der einladend gestaltete, gedeckte Eingangsbereich ist mit grossflächigen Birkensperrholzplatten im Farbton Eiche beplankt und mittels oranger, blauer und gelber Glasflächen gegliedert. Der Hauptbau entstand in einer massiven Skelettbauweise mit einer durch den Holzbauer ausgeführten Fassadenummantelung. Die Aussenwände des Erdgeschosses wurden gemäss den Sicherheitsvorschriften der Post mit einer innenliegenden Schicht Kalksandstein realisiert. Auf den Wandaussenseiten ist eine gekreuzte Lattung mit insgesamt 160 mm Dämmung als Unterkonstruktion für die Fassadenbekleidung befestigt. Für die nichttragende Fassadenummantelung im ersten und zweiten Obergeschoss wurden schnell montierbare und gut dämmende Holzrahmenelemente von 160 mm Dämmstärke eingesetzt.

Der gesamte Ladentrakt ist ab der Tiefgaragendecke in Holzrahmenbauweise erstellt, wobei die Wandelemente über die volle Höhe von rund fünf Meter durchlaufen. Sichtbare Fachwerkträger in Brettschichtholz überspannen den Laden in der gesamten Breite von knapp 22 Meter mit einem Achsabstand von 2,50 Meter. Darauf sind vorfabrizierte, gedämmte Hohlkastenelemente von 234 mm Höhe befestigt, worüber die weiteren Schichten des unbelüfteten Flachdachs aufgebracht sind. Mit dem Einsatz der Mischbauweise war es den Architekten möglich, ihr Anliegen umzusetzen, möglichst viele natürliche, ökologische Materialien zur Anwendung zu bringen.

Situation


Querschnitt Ladentrakt

L채ngsschnitt B체rotrakt

Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

20 m

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Ort Uznacherstrasse 1, 8722 Kaltbrunn Bauherrschaft Elektrizitätsversorgung Kaltbrunn AG Architekten Oberholzer + Rüegg Architekten ETH SIA TS AG, Rapperswil Bauingenieur Bigler AG Ingenieure & Planer, Kaltbrunn Holzbauingenieur Walter Bieler AG Ingenieurbüro Spezialitäten Holzbau, Bonaduz GU/Holzbau W. Rüegg AG, Kaltbrunn Materialien Konstruktionsholz: Brettschichtholz 55 m3, Rahmenbaukanteln und Zweischichtbalken 37 m3; Platten: OSB 700 m2, Dreischichtplatten 1500 m2, Holzfaserdämmplatten 600 m2, Gipsfaserplatten 680 m2; Fassade: Douglasienlattung 35 x 50 mm 10 000 m Baukosten (BKP 2) CHF 4,9 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 3650 m2 Geschossfläche SIA 416 3500 m2 Gebäudevolumen SIA 416 13 500 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 365.– Bauzeit Oktober 2003–August 2004 Fotograf Roman Oberholzer, Rapperswil

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Dachaufbau von aussen:

Dachaufbau von aussen:

Kies 40 mm

Kies 40 mm

Bitumenbahn zweilagig

Schutzmatte

Trennlage

Schaumglas 140 mm

Hohlkastenelemente:

Abdichtung

Dreischichtplatte 27 mm

Betondecke 250 mm

Rippen 60 x 180 mm/Dämmung

Weissputz

Dreischichtplatte 27 mm Fachwerkträger, Höhe 1450 mm mit 150 mm

Deckenaufbau von oben über 1. Obergeschoss:

Überhöhung, Achsabstand 2,50 m

Bodenbelag 10 mm Unterlagsboden 70 mm

Aufbau Aussenwand von innen:

Trennlage

OSB 18 mm, luftdicht abgedichtet

Trittschalldämmung 2 x 20 mm

Ständer 60 x 200 mm/Dämmung

Betondecke 250 mm

OSB 15 mm Winddichtungsfolie schwarz

Aufbau Aussenwand von innen im

Rhomboidlattung horizontal 35 x 120 mm,

1. und 2. Obergeschoss:

schwarz gestrichen

Gipsfaserplatte 15 mm

Lattung vertikal in Douglasie 35 x 50 mm mit

Lattung 27 mm

20 mm Abstand, Kanten gerundet, allseitig mit

Gipsfaserplatte 15 mm

Vorvergrauungslasur behandelt

Dampfbremse Ständer 60 x 160 mm/Dämmung OSB 15 mm Holzfaserdämmplatte 21 mm Lattung 27 mm Schieferplatten 10 mm Aufbau Aussenwand von innen im Erdgeschoss: Kalksandstein 175 mm

Fassadenschnitt Ladentrakt

Lattung gekreuzt 2 x 80 mm/Dämmung Holzfaserdämmplatte 21 mm Lattung 27 mm Schieferplatten 10 mm

Fassadenschnitt Bürotrakt

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Business-Center Grenchenstrasse, Biel Im aufstrebenden Industriequartier BielBözingen, am zukünftigen Autobahnkreuz der A5 (Neuenburg–Solothurn und Bern–Delsberg) gelegen, entsteht in zwei Etappen ein Gebäudekomplex mit polyvalenter Nutzung, der Produktions-, Ausstellungs- und Verkaufsräume sowie Büros und ein Restaurant beherbergt. Das dreigeschossige BusinessCenter ist ein Systemholzbau mit grossformatigen Wand- und Deckenelementen in Spannweiten bis zu zehn Meter. Diese Konstruktion bot sich als kostengünstigere Alternative zu Stahl- oder Massivbauten für den mittleren Gewerbe- und Bürobau an. Entlang der Autobahn gelegen, präsentiert sich das Gebäude als Riegel aus fünf im Erdgeschoss miteinander verbundenen, identischen Kuben. Nach Norden, zur Nationalstrasse, zeigt sich das Gebäude geschlossen, zur Südseite öffnet es sich und präsentiert sich als ein in einzelne Häuser gegliedertes Volumen. Jedes ist über einen eigenen, gedeckten Eingangsbereich zu betreten. Das Gebäude wirkt in seiner klaren Gliederung und sorgfältigen Detaillierung zurückhaltend und repräsentativ zugleich. Die Strenge und Einfachheit des rein konstruktiv entwickelten Gebäudevolumens wird belebt durch das Spiel der Fassadenelemente. Die unregelmässige Anordnung der beiden Fensterformate, die nach Massgabe der Bedürfnisse unterschiedlich kombiniert werden, verleiht den Stockwerken eine jeweils eigene Identität. Die modulare Bauweise begünstigt die flexible Anordnung innerhalb der konstruktiven Ordnung. Die Innenräume, als Grossraum angelegt, haben Ateliercharakter und befriedigen als Loft oder mit je eigener Unterteilung die unterschiedlichsten Raumbedürfnisse. Diese Individualität innerhalb des Systems vermittelt dem Nutzer in Kombination mit dem Werkstoff

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Holz besonderes Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Über der Fundamentplatte – beziehungsweise über dem unterirdischen Parking unter dem westlichen Gebäudeteil – ist das dreigeschossige Gebäude als reiner Holzbau ausgeführt. Die Prinzipien der Einfachheit, der Flexibilität und der optimierten Wertschöpfung bestimmen die Konstruktion. Die Kuben sind wie Regale konstruiert und können innerhalb weniger Tage mit einem Mobilkran aufgestellt werden. In Anwendung einfachster statischer Prinzipien wurde ein Rippentragelement entwickelt, das sich mit entsprechender Dimensionierung und Beplankung sowohl als Wand- als auch als Dachelement einsetzen lässt. Die vorgefertigten Aussenwandelemente gehen ab Bodenplatte im Erdgeschoss über die gesamte Gebäudehöhe. Die 200 mm starken Ständer sind innen mit 15 mm OSBPlatten beplankt; aussen kommen 15 mm starke, dampfdiffusionsoffene mitteldichte Faserplatten zur Anwendung. Die äussere Bekleidung besteht aus wasserabweisenden Schichtstoff-Platten (HPL). Die Dachelemente für das Flachdach sind im Grundsatz identisch mit den Aussenwandelementen, jedoch mit Hinterlüftung und mit entsprechender statischer Dimensionierung. Die Rippen von 60 x 320 mm sind beidseitig mit OSB-Platten beplankt. Darauf sind selbstklebende Bitumendachbahnen als wasserführende Schicht sowie die Schutz- und Nutzschichten der extensiven Dachbegrünung aufgebracht. Träger entlang der Aussenwände sowie eine Stützenreihe mit Zangen in der Gebäudemitte bilden die Auflager für die 220 mm hohen Hohlkastenelemente der Decken. Dieses Tragwerk ermöglicht eine problemlose nachträgliche Unterteilung ohne Installationsprobleme – eine hohe Nutzungsflexibilität ist somit gewährleistet. Der Boden über den Decken-

elementen besteht aus 25 mm Holzfaserdämmplatten für die Trittschalldämmung und 24 mm starker, massiver roter Burgundereiche. Die einzelnen Dielenbretter wurden mit speziell dafür entwickelten Maschinen zu palettengrossen Bodenbelagsplatten verbunden und in kürzester Zeit verlegt. Die Prinzipien der Einfachheit und der optimierten Wertschöpfung zeigen sich auch im Umgang mit den Modulmassen: Die Elementbreite ergab sich aus dem Grundmass der OSB-Platte von 2,50 Meter, so dass sich die Elemente mit minimalem Verschnitt produzieren liessen. Die Fassadengestaltung trägt ebenfalls der Grösse der Schichtstoff-Platten Rechnung. Und sogar im aussergewöhnlichen Holzboden ist das Bestreben nach Wertsteigerung erkennbar: Aufgrund der lebendigen, gestromten Musterung wird das Holz bei der Fässer- und Möbelproduktion aussortiert, als Bodenbelag jedoch vermittelt es einen äusserst repräsentativen Eindruck, erzeugt Behaglichkeit und zeichnet sich zudem durch einen hohen Abnutzungswiderstand aus.

Situation


Ort Grenchenstrasse 5a–e, 2504 Biel Bauherrschaft Werkhof Immobilien AG, Biel Architekten Werkhof Architekten AG, Biel, und Archidea AG, Zug Holzbau Holzbau Moosmann AG, Rüti bei Büren Materialien Konstruktionsholz: Rahmenbaukanteln 130 m3, Brettschichtholz 140 m3, Hohlkastenelemente 220 mm 2800 m2; Platten: OSB 22 mm 2400 m2, OSB 15 mm 6000 m2, dampfdiffusionsoffene mitteldichte Holzfaserplatten 15 mm 4000 m2; Fassade: Schichtstoff-Platten (HPL) 6 mm 3500 m2; Bodenbelag: massive Eiche 24 mm 4200 m2 Baukosten CHF 8 Mio. Bruttogeschossfläche SIA 116 4900 m2 Gebäudekubatur SIA 116 23 700 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 340.– Bauzeit Januar–Juli 2005 (Etappe 1); Juli–Dezember 2006 (Etappe 2) Fotografin Corinne Cuendet, Clarens

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Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 80 mm Schutzschicht Bitumendachbahn, zweilagig, selbstklebend Hohlkastenelemente: OSB 22 mm Rippen 60 x 320 mm/Dämmung 200 mm, vlieskaschiert OSB 22 mm Aufbau Aussenwand von innen: OSB 15 mm, luftdicht abgedichtet Ständer 60 x 200 mm/Dämmung Dampfdiffusionsoffene mitteldichte Holzfaserplatte 15 mm Lattung 60 mm, vertikal Schichtstoff-Platte (HPL) 6 mm Fenster: Kunststoffenster mit einem U-Wert von 1,1 kW/m2 Deckenaufbau von oben: Rote Eiche 24 mm, geölt Holzfaserdämmplatte 25 mm Splittschicht 60 mm Hohlkastenelemente 220 mm

Fassadenschnitt

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Erdgeschoss

1. Obergeschoss

L채ngsschnitt

20 m

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Gewerbe- und Bürogebäude Grossweid, Rain Die Agglomerationsgemeinden von Luzern entwickeln sich durch ihre verkehrstechnisch optimierten Erschliessungen kontinuierlich zu beliebten Standorten für Industrie und Gewerbe. So auch die strategisch ideal gelegene Gemeinde Rain. Hier entstand am südlichen Ortseingang mit dem Neubau des Gewerbeund Bürogebäudes Grossweid ein markantes Zeichen dieser Agglomerationsentwicklung. Die prominente Lage des Grundstückes an der vielbefahrenen Kantonsstrasse Rain–Rothenburg–Luzern erforderte eine sorgfältige Auseinandersetzung mit dem Erscheinungsbild des südlichen Dorfeinganges. Wie vielerorts wird der Ortseingang auch in Rain durch ein Gewerbegebiet geprägt. Rain ist aber in erster Linie eine Wohngemeinde und erfährt erst seit zwei Jahren eine rege Nachfrage im neu erschlossenen Gewerbegebiet Dubematt/Grossweid. Es galt in diesem Umfeld eine Symbiose zwischen Gewerbe- und Bürogebäude zu finden, welche nicht in der Anonymität verlorengeht. Vielmehr sollte der Ort durch einen schnörkellosen, klar ablesbaren Raumkörper definiert werden. Materialisiert wurde er in einer Symbiose aus Massiv- und Holzbau, welche trotz ihrer volumetrischen Eigenständigkeiten zu einem Ganzen verschmelzen und dem südlichen Dorfeingang seine Identität geben. Der untere Gebäudeteil ist eine schlichte Betonkonstruktion mit hinterlüfteter Metallverkleidung. Die 6,20 Meter hohe Halle im Erdgeschoss für eine Getränkefirma im Haus weist einerseits Geschlossenheit für die Anlieferung und das Lager, aber auch Offenheit für den Ladenbereich auf. Die winkelförmigen Vordächer beim Ladeneingang und der Warenanlieferung definieren diese Zonen. Die schlitzförmige Fassadenöffnung entlang der Kantonsstrasse dient gleichzeitig als Werbefläche. Ein prägnanter Turm in Sichtbeton erschliesst mit

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Aussentreppe und Lift den schlichten und doch dynamischen Holzkörper, welcher drei grosszügige Wohnungen im ersten und Büroräume im zweiten Obergeschoss umfasst. Diese beiden ruhigen Nutzungen sind volumetrisch vom aktiveren Geschehen der Hallennutzung getrennt, wobei die Zurücksetzung des roten Aufbaus vom Grundriss des grauen Unterbaus auch die Zäsur zwischen einem bestehenden, anliegenden, eingeschossigen Gebäude und dem dreigeschossigen Neubau ausbildet. Der 14,8 Meter breite und 45,4 Meter lange, aufgesetzte Holzkörper kragt mit den beiden Querfassaden je fünf Meter über den massiven Unterbau aus. Um die grossen Kräfte aufzunehmen, die daraus resultieren, sind jeweils die beiden seitlichen Aussenwände und die beiden längslaufenden Innenwände im ersten Obergeschoss als Scheiben ausgebildet. Die Aussenwände sind dazu innen mittels Pressverleimung mit 45 mm starkem Furnierschichtholz beplankt. Die beiden Innenwände bestehen aus 202 mm starken, einteiligen Brettsperrholzplatten (5,0 und 10,0 Meter Länge, 2,8 Meter Höhe). An den Stirnseiten der Scheiben ist ein Brettschichtholzträger befestigt, worüber die Lasten der Querfassade abgetragen werden und an welchem die Hohlkastenelemente der Auskragungsdecke über Blechprofile angehängt sind. Die weitere Konstruktion ist in Holzrahmenbauweise der Stärke 140 mm mit einer zusätzlichen äusseren, querlaufenden Dämmebene von 100 mm ausgeführt. Diese Wände sind innen im ersten Obergeschoss mit Gipsfaserund Gipskartonplatten mit dazwischenliegender Dampfbremse beplankt. Im Gegensatz dazu besteht im zweiten Obergeschoss die Innenbeplankung aus OSB. Die Lüftungskanäle aus den Geschossdecken führen hier in die 100 mm starke Installationszone der Wände, welche nach innen mit Dreischichtplatten

aus Holz bekleidet sind. An der Fassade bildet eine sägerohe, rotlackierte Horizontalschalung die Bekleidung aus. Die Decken zwischen dem ersten und zweiten Obergeschoss bestehen aus sichtbar belassenen, sägerohen Brettstapel-Holz-Beton-Verbundelementen, auf denen über einer Trittschalldämmung ein Zementunterlagsboden aufgebracht ist. Das unbelüftete Flachdach besteht ebenfalls aus Brettstapelelementen. Darauf wurde neben der extensiven Begrünung von 80 mm eine Schaumglasdämmung von 160 mm aufgebracht. Da nahezu alle Innenwände zur freien Raumgestaltung nichttragend ausgebildet sind, wurden zur Reduktion der rund 15 Meter Spannweite der Deckenund Dachelemente zwei in Längsrichtung verlaufende Stützenreihen mit Unterzügen erforderlich: im Bürogeschoss sichtbar in Brettschichtholz ausgeführt und im Wohngeschoss flächenbündig in die Decke eingearbeitet. Der gesamte Holzbau wurde auf 60 Minuten Feuerwiderstand ausgelegt und realisiert, was im Rahmen eines Standardkonzeptes mit rein baulichen Massnahmen umsetzbar war. Basis für diese Anforderungen bildete jedoch die Beurteilung des unteren Gebäudeteils mit der Hallenhöhe von 6,2 Meter als zweigeschossiger Bau respektive die Beurteilung des Gesamtgebäudes als viergeschossiges Bauwerk.

Situation


5

Querschnitt

2 14

Längsschnitt

HEIZ-VERTEILER

HEIZ-VERTEILER

B

WM TUM

5

1. Obergeschoss

Heizkörper

Elektrokanal

2. Obergeschoss

10 m

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Anschluss Decken an Aussenwand: Ein zum Scheibenquerschnitt gehörender Kamm aus 2 x 45 mm Furnierschichtholz dient als Deckenauflager. Mittels einer kreuzweise angeordneten Spezialverschraubung erfolgt gleichzeitig die Schubverbindung zwischen der Scheibe und der Decke. Aufbau Aussenwand von innen im Wohngeschoss (auskragender Teil): Gipskartonplatte 15 mm Gipsfaserplatte 15 mm Scheibe: Furnierschichtholz 45 mm, luftdicht abgeklebt, pressverleimt Ständer 80 x 200 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Wetterschutzfolie Lattung 60 mm Schalung in Fichte 20 mm Nut und Kamm, sägeroh, deckend rot lackiert Anschluss Decken an Innenwand: Eine kreuzweise angeordnete Spezialverschraubung verbindet die Scheibe mit dem Überbeton der Deckenelemente schubfest. Aufbau Innenwand im Wohngeschoss: Gipskartonplatte 15 mm Brettsperrholz 202 mm, fünflagig Gipskartonplatte 15 mm Anschluss Wand an Decke über Auskragung: Die parallel zur Längsfassade verlaufenden Hohlkastenelemente sind schubfest mit den Scheiben verschraubt. Deckenaufbau Auskragung von oben: Bodenbelag 20 mm Zementunterlagsboden 80 mm Trennlage Trittschalldämmung 30 mm Hohlkastenelemente: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 60 x 200 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Abhängung mit Federbügeln 135 mm/Dämmung 80 mm/Lattung 30 mm Schalung in Fichte 20 mm Nut und Kamm, sägeroh, deckend rot lackiert

Anschlussdetail der Wandscheiben an die Decken bei der Auskragung

Detail Längsschnitt Scheibe Innenwand: Der in der Querfassade verlaufende Brettschichtholzträger mit 140 x 700 mm Querschnitt stellt auf einem mit der Brettsperrholzscheibe verbundenen Stahlprofil ab. Lokal ist der Brettschichtholzträger mit eingeleimten Gewindestangen verstärkt. Die an der Kante zum Unterbau entstehenden Druckkräfte (bis ca. 1200 kN) werden über eine 40 mm starke Stahlplatte auf den Betonkörper übertragen. Zur Kraftübertragung aus der Scheibe sind zusätzlich Gewindestangen eingeleimt, die fächerförmig dem Kraftverlauf folgen. Am inneren Ende der rund zehn Meter langen Scheibe aus Brettsperrholz übernehmen aufgenagelte und verschraubte Stahlplatten die Zugverankerung zum betonierten Unterbau.

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Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 80 mm Filtermatte Entwässerungsschicht 30 mm Schutzschicht Abdichtung wurzelfest Dämmung Schaumglas 160 mm Dampfsperre OSB-3 15 mm Brettstapelelemente 180 mm mit Falzprofil Aufbau Aussenwand von innen im Bürogeschoss: Dreischichtplatte 19 mm Installationszone 100 mm (im Brüstungsbereich) OSB-3 15 mm, luftdicht abgeklebt Ständer 80 x 140 mm/Dämmung Kreuzlattung 60 x 100 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Wetterschutzfolie Lattung 60 mm Schalung in Fichte 20 mm Nut und Kamm, sägeroh, deckend rot lackiert Deckenaufbau von oben: Bodenbelag 20 mm Zementunterlagsboden 80 mm Trennlage Trittschalldämmung Mineralfaser 30 mm Holz-Beton-Verbund: Überbeton 130/150 mm Brettstapelelemente 100/120 mm mit Falzprofil Aufbau Aussenwand von innen im Wohngeschoss: Gipskartonplatte 15 mm Dampfbremse Gipsfaserplatte 15 mm Ständer 80 x 140 mm/Dämmung Kreuzlattung 60 x 100 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Wetterschutzfolie Lattung 60 mm Schalung in Fichte 20 mm Nut und Kamm, sägeroh, deckend rot lackiert Fassadenschnitt Längswand

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Ort Grossweid 4, 6026 Rain Bauherrschaft René Leuenberger, Sursee Architekten W. & R. Leuenberger AG, Rain; Projektleiter: Markus Graetz, Architekt HTL Bauingenieur Roman Studer, Eschenbach Holzbauingenieur Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau GmbH, Rain Holzbau Estermann AG, Sursee Materialien Konstruktionsholz: Rahmenbaukanteln 36 m3, Brettschichtholz 19 m3, Brettstapelelemente 164 m3, Brettsperrholz 202 mm 18 m3, Furnierschichtholz 45 mm 5 m3; Platten: OSB-3 15 mm 963 m2, Dreischichtplatten 20–25 mm 410 m2, Gipsfaserplatten 916 m2; Fassadenbekleidung: Schalung in Fichte 20 mm 620 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 5,4 Mio. (gesamter Bau); CHF 822 000.– (Holzbau) Bruttogeschossfläche SIA 116 2864 m2 Kubatur SIA 116 15 690 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 344.– Bauzeit September 2002–Juni 2003 Fotograf Thomas Zimmermann, Luzern

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Wohn- und Bürohaus in Sint-Denijs-Westrem (Belgien) Dieser kleine, auffällige Holzbau ist das Schaufenster einer Firma aus dem Bereich Public Relations und Kommunikation, die ihn als Sitz nutzt. Der Bau in einem Wohnquartier am Stadtrand trägt seine Modernität ohne Komplexe zur Schau. An einer stark frequentierten Verkehrsachse gelegen, nährt er mit seinen grossen Sheddächern und seiner Zinkhaut ständige Zweifel: Handelt es sich um ein Wohn- oder um ein Gewerbehaus? Das Dreieck zwischen den belgischen Städten Antwerpen, Gent und Brüssel ist eine diffuse Grossagglomeration, in welcher die Unterscheidung zwischen Stadt und Land nicht mehr existiert. Diese Gegend mit ihrem Geflecht aus Wohnhäusern, Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben zieht immer mehr kleine, innovative Betriebe aus den Bereichen Mode und Informationstechnologie an. Die Büros dieser Unternehmungen werden zu eigentlichen Kommunikationsträgern. In diesen speziellen Kontext, genauer nach SintDenijs-Westrem, ist auch die Werbeagentur Linq aus Gent gezogen. Zunächst wollte man einen bestehenden Pavillon aus den fünfziger Jahren aufstocken und in Büros umwandeln. Diese Idee erwies sich jedoch als zu teuer und wurde deshalb zugunsten eines Neubaus verworfen. Um die städtebaulichen Vorschriften zu erfüllen, musste der Neubau genau auf dem Grundriss des abgebrochenen Pavillons zu stehen kommen. Die Vorschriften verlangten auch, dass die bisherige Nutzung als Wohn-

haus beibehalten werden müsse. Im vorliegenden Fall stimmte diese Forderung mit dem Willen der Bauherrschaft überein, den Neubau später wieder in ein Wohnhaus umzuwandeln oder als solches zu verkaufen. Das Bauvorhaben musste zudem die Kontrolle des Naturlichtes ermöglichen, funktionelle Flexibilität bieten sowie den Besonderheiten des Standortes Rechnung tragen, welcher regelmässig von Überschwemmungen betroffen ist. Um es vom Boden abzuheben, wurde das Gebäude vorsichtig auf einen Sockel aus weissem Beton gehoben, welcher auf dem alten Fundament errichtet wurde. Das Raumprogramm besteht aus einem einfachen Rechteck von 18 auf 10 Meter. Eine Küche und ein Nasszellenbereich erstrecken sich entlang eines grossen Längsraumes, woraus maximale Flexibilität erwächst. Den Kontrapunkt zur Einfachheit des Grundrisses macht die Komplexität des Daches. Aus dem Betonsockel erhebt sich ein schwarzer, von einem eigenartigen, dreidimensionalen Profil belebter Baukörper. Das geschickte Spiel der Sheddächer mit vier nach Norden ausgerichteten Oberlichtern lässt das homogene Naturlicht ins Innere strömen und schafft ideale Arbeitsbedingungen. Das Gebäude ist in Holzrahmenbauweise konstruiert und im Bereich der Nasszellen mittels eines massiven Kerns stabilisiert. Das Dach besteht aus zwei unterschiedlichen Partien. Der flache Teil ist als Pultdach konventionell mit Dachsparren aufgebaut. Der andere Teil trägt die Kräfte als Faltwerk ab.

Die gesamte Hülle des Gebäudes wird von einer schwarzen Haut aus vorverfärbtem Zink bedeckt. Als Kontrast dazu ist das Innere des Gebäudes vollständig mit weissen Gipsplatten verkleidet. In die Oberlichter eingebaut ist eine Lüftung, mit welcher sich bei grosser Hitze die Temperatur regulieren lässt.

Situation

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Querschnitt

L채ngsschnitt

Grundriss

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10 m

Querschnitt


Ort Beukenlaan 109, Sint-Denijs-Westrem (Belgien) Bauherrschaft ‹Linq Communication› Architekten NU architectuuratelier, Gent Holzbauingenieur Wouter Notebaert, Collectif d’ingénieurs Babel, Gent GU/Holzbau De Braekeleir, Gent Materialien Konstruktionsholz: Vollholz 16 m3, Furnierschichtholz 2 m3; Platten: Furniersperrholz 630 m2, OSB 23 m2, mitteldichte Faserplatten 4 m2 Gebäudevolumen 730 m3 Bauzeit September 2004–September 2005 Fotografen Vercruysse & Dujardin, NU architectuuratelier, Gent

Dachaufbau von aussen: Bekleidung in Zink schwarz vorverfärbt Trennlage Dichtungsbahn Furniersperrholz 22 mm Sparren 180 mm/Dämmung Dampfsperre Lattung Furniersperrholz 22 mm Detailschnitt vertikal Sheddach

Gipsfaserplatte 12,5 mm Anschluss der Verglasung: Aussparung für mechanische Lüftung Brettschichtholzträger zur Verstärkung Fensterprofile in Aluminium

Aufbau Aussenwand von innen: Bekleidung in Zink schwarz vorverfärbt Furniersperrholz 18 mm Lattung vertikal 35 mm Winddichtung Furniersperrholz 18 mm Ständer 180 mm/Luft 60 mm/Dämmung 120 mm Dampfsperre Furniersperrholz 18 mm Gipsfaserplatte 12,5 mm Anschluss der Verglasung: Eckausbildung Holzrahmenbau mit drei Detailschnitt horizontal Aussenwand

Brettschichtholzstützen 75 x 160 mm Fensterprofile in Aluminium Glashalteabdeckung mit U-Profil in Aluminium

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Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno Falkenstrasse 26 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 E-Mail info@lignum.ch Internet www.lignum.ch Holzbulletin, September 2006 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

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Verantwortlich Roland Brunner Redaktion Roland Brunner, Lignum, Mélanie Baschung und Denis Pflug, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich Druck Kalt-Zehnder-Druck AG, Zug Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum

ISSN 1420-0260 Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 100.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holzbulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern.

Holzbulletin 80/2006  

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