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Holzbulletin 69/2003 Umbauen und Aufstocken Casa minima, Gerra Gambarogno Wohnungen in einem ehemaligen Landwirtschaftsgebäude, Grandvillard Umbau und Aufstockung Gewerbehaus, Aarau Aufstockung Schreinereibetrieb, Schiers Umbau einer Scheune, St-Léonard ‹Parasite› Las Palmas, Rotterdam (NL)

Die radikale Wandlung eines Gewerbehauses in drei elegante Maisonnettewohnungen. Bauherrschaft: Holenstein AG, Aarau Architekten: bkf architektur ag, Zürich


Einsiedlerkrebs und Seeanemone

Der Einsiedlerkrebs bewohnt die Meere gemässigter Breiten in geringer Tiefe zwischen Sandbänken und Felsen. Er ist klein und ziemlich wehrlos, weshalb er sich eine Strategie zurechtgelegt hat, die ihm erlaubt, in einer Umwelt zu überleben, in der das Gesetz von Fressen und Gefressenwerden herrscht. Sie besteht darin, dass sich das Tier eine Hülle sucht, die es zu schützen vermag, um seine Überlebenschancen zu erhöhen. So durchstreift der Krebs auf der Suche nach einem leeren Gehäuse passender Grösse den Meeresgrund. Wenn er das Richtige gefunden hat, nimmt er die leere Hülle als Zweitnutzer in Beschlag, putzt sie und zwängt sich hinein, womit er zugleich Wohnraum und Panzer gewinnt. Das Tun des Einsiedlerkrebses ist ein wunderbares Sinnbild für das Thema dieses Holzbulletins, nämlich die Neunutzung veralteten oder verlassenen Raums und dessen Sanierung vor Gebrauch. Die Analogie von Einsiedlerkrebs und Heftthema geht aber noch weiter. Sieht man sich das Verhalten des Tiers nämlich etwas genauer an, so bemerkt man, dass es mit einer giftigen, fleischfressenden Seeanemonenart gleichsam einen Pakt geschlossen hat, der ihm darüber hinweghilft, dass es mit seinem schweren Gehäuse dauernd Ballast tragen muss und auch sonst zur Jagd wenig Eignung zeigt. Die Anemone lässt sich auf dem Gehäuse des Krebses nieder, sozusagen in der Attikawohnung. Sie profitiert für den Fang ihrer Nahrung davon, dass sie zuoberst auf einem Träger sitzt, der sich fortbewegt, und lässt es dafür geschehen, dass ihr Wirt die Brosamen verschlingt, die beim Verzehr ihrer Beute abfallen. In dieser zweiten Besonderheit des Einsiedlerkrebslebens klingt ein weiteres Thema des vorliegenden Holzbulletins an: Verwandlung durch Aufstockung oder die Formen der Überlagerung von alt und neu. Sowohl für Veränderungen, welche die Erhaltung struktureller Elemente oder einer Hülle erfordern, als auch für Aufstockungen erweist sich Holz als besonders interessantes Material. Wegen seines geringen Eigengewichts belastet es die bestehende Tragstruktur nicht zu stark, und dank Vorfabrikation und Trockenbauweise erlaubt es

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einen schnellen Baufortschritt mit einem Minimum an Immissionen. Die Hälfte der hier versammelten Baubeispiele illustriert den erstgenannten Aspekt. Im Freiburgerland sind zwei moderne Wohnungen in einer Scheune entstanden, die sich im Inventar des Heimatschutzes findet. Diese ist dabei in ihrer Struktur nicht angetastet worden, und der Gesamtausdruck hat sogar noch gewonnen. Am Ufer des Lago Maggiore hat ein Holzhaus durch das Dach ins Innere eines traditionellen Steinbaus gefunden, der zuvor vollständig geleert worden war. Das Haus Fournier im Wallis ist ein weiteres Beispiel für das ‹Haus im Haus›Prinzip. Die anderen Beispiele zeigen Antworten auf den Mangel an Bauraum sowie auf die Forderung nach Verdichtung der gebauten Volumen. So kann etwa die Nutzfläche vergrössert werden, während der Landbedarf gleich bleibt – wie bei der Schreinerei Wieland im Bündnerland oder bei einem ehemaligen Gewerbehaus in Aarau, wo sich dieses Ziel mittels Aufstockung eines bestehenden Gebäudes erreichen liess. In beiden Fällen ist die gesamte äussere Erscheinung umgestaltet worden, wodurch der ursprüngliche Bau beinahe nicht wiederzuerkennen ist. – Das letzte Baubeispiel erweist, dass die Schweiz nicht das einzige Land ist, das sich mit einer Verknappung des Baulandes auseinandersetzen muss. Der provokantbildhafte ‹Parasite› auf einer alten Lagerhalle im Rotterdamer Hafenviertel entspringt einer grösseren Gedankenarbeit rings um dieses Thema, hinter der die Architekten Korteknie und Stuhlmacher stehen. Bauliche Verdichtung durch Erweiterung oder Anbau stellt eine Variante desselben Themas dar. Auch hier kommt Holz aufgrund seiner vielfältigen Qualitäten oft zum Zug. Eine spätere Ausgabe des Holzbulletins wird sich diesem Aspekt widmen. André Carlen, Redaktion Holzbulletin


Casa minima, Gerra Gambarogno

Inmitten des Dörfchens Gerra Gambarogno am Ostufer des Lago Maggiore hat ein Tessiner Architektenpaar ein zerfallenes Haus in ländlicher Umgebung nach langen Jahren zu neuem Leben erweckt – nach dem ‹Babuschka-Prinzip›. Das Haus, im Besitz einer einzigen Partei, jedoch durch eine Grenzmauer geteilt, enthielt ursprünglich zwei Ställe und eine viergeteilte Scheune. Dem traditionellen Steinmauerwerk ohne jede Wärmedämmung hatte die Feuchtigkeit stark zugesetzt; infolgedessen befand sich der Bau in einem Zustand, der eine einfache Wiederherstellung ausschloss. Ein Teil der Decken war bereits eingestürzt. Anstelle einer breit angelegten Renovation oder eines pseudooriginalen Neubaus wählten die Architekten einen zugleich minimalistischen, poetischen und radikalen Ansatz: sie entschlossen sich, die Bruchsteinmauerruine gleichsam als Verpackung zu erhalten und einen Wohnquader aus Holz hineinzusetzen. Das dichte Bebauungsgeflecht, das Gerra Gambarogno wie alle alten Tessiner Dörfchen prägt, bindet das nahe der Hauptstrasse gelegene Gebäude straff ein. Die Enge der Gässchen, die es umgeben,

verwehren jedem Transporter den direkten Zugang. Diese aussergewöhnliche Umgebung bestimmte die Umstände der Arbeiten wie auch den Bauansatz. Zunächst wurde das Haus abgedeckt und das gesamte Innere mitsamt den Decken entfernt. Die tragende Innenmauer verschwand ebenfalls, so dass am Ende nichts bleibt als ein grosser umfasster Raum. Dann wurde zuunterst eine Betonplatte zur Stabilisierung der Mauern und zur Abführung des Meteorwassers gegossen. Die gemauerte Wand erhielt einen Sturz aus armiertem Beton, der sie sicherte. Dann schmiegte sich ein geometrisch perfektes, leichtes Holzgebilde in den bestehenden Hohlraum von vier auf sieben Meter, ohne dabei die unregelmässige Bruchsteinmauer, die es umgibt, irgendwo zu berühren. Allein eine Öffnung in der Nordfassade zur kleinen Piazza neben dem Haus verbindet Inhalt und Behälter. Alle Teile des Holzbaus (Decken, Zwischenwände, Fassaden) wurden in der Werkhalle vorfabriziert. Die Rahmenbau-Fassadenelemente sind innen mit Gipsfaserplatten und aussen mit Platten aus wetterbeständigem Lärchensperrholz bekleidet. Alle Teile gelangten per Lastwagen zu einer nahen

Tenne, und unter einem Helikopter senkte sich eins ums andere in die oben offene Umfassung. Die Montagearbeiten endeten mit dem Versetzen des Dachs aus drei Elementen. Alles in allem dauerte der Aufbau weniger als sechs Stunden. Der Holzquader erinnert in seiner Glätte und Schlichtheit an ein minimalistisches Möbel. Im Innern verleiht das glatte Weiss der Wände den Räumen eine ruhige und lichte Note, die mit dem rauhen Aussen des umgebenden Bruchsteinmauerwerks kontrastiert. Das Dach ist ohne Vorsprung, und so wird der Regen, der zwischen alt und neu niedergeht, das unbehandelte Lärchenholz mit der Zeit silbergrau werden lassen. Das neue Haus wird sich im Aussehen allmählich der überkommenen Ruine angleichen und vielleicht – Ironie des Schicksals – selber als solche enden, denn die Arbeiten wurden kurz vor der Baufertigstellung abgebrochen.

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Ort 6576 Gerra Gambarogno Bauherrschaft VELA ICOS (Sergio Vela), Locarno Architekten Britta & Francesco Buzzi, Architekten FAS ETH, Locarno Bauingenieure Genazzi & Stoffel, dipl. ing. ETH SIA, Locarno Holzbauer Mosimann Holzbau, Köniz Gebäudekubatur ganzer Bau 427 m3; Holzbau 235 m3 Kubikmeterpreis (BKP 2) CHF 750.– (1998) Bauzeit September 1998–Januar 1999

Querschnitt

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L채ngsschnitt

Untergeschoss

Erdgeschoss

Obergeschoss

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Wohnungen in einem ehemaligen Landwirtschaftsgebäude, Grandvillard

Im historischen Kern eines Dorfes in den Freiburger Voralpen ist in einer alten Scheune das schöne Resultat eines Wettbewerbs von 1998 zu sehen. Die Ausschreibung des Amtes für Kulturgüter der Stadt Freiburg, der Gemeinde Grandvillard und des Fonds Landschaft Schweiz galt der Erhaltung und Aufwertung ländlichen Architekturerbes. Der in Grandvillard von den Architekten gewählte Ansatz sah vor, zwei Holzquader mit je einer Wohnung zwischen den Elementen des bestehenden Dachstuhls einzupassen. Diese voll umkehrbare Intervention erlaubte es, die schöne ursprüngliche Struktur im Originalzustand zu belassen. Das Bauernhaus umfasst einen gemauerten Wohnteil aus dem 17. Jahrhundert und eine Heuscheune mit ausladendem Dachstuhl von Ende des 19. Jahrhunderts. Die Forderungen des Heimatschutzes betrafen vor allem die Erhaltung der Gebäudestruktur. Das Projekt musste sich deshalb den Raumbedingungen fügen, welche durch den Raster des Dachstuhls gegeben waren, und konnte nur nebenbei Konventionen der Raumorganisation und der Dimensionierung in Frage stellen. Realisiert wurden zwei Wohnungen, eine auf zwei und eine auf drei Geschossen, welche an Stelle der ehemaligen Ställe bzw. darüber zu beiden Seiten der Tenne eingefügt sind. Der Raum des ehemaligen Dreschbodens blieb in originaler Weise erhalten und bildet nun einen Durchgang. Über ihn erreicht man das höhergelegene der beiden Erdgeschosse. Der überdeckte Gang bildet für die Wohnungen eine gemeinsame Verlängerung gegen aussen, von der aus man auch über die Rampe der Scheune direkt in den Obstgarten gelangt. Der Durchgang wird nicht beheizt und ist offen bis unters Dach, wo die Konstruktion des alten Dachstuhls und die Ziegel auf einer einfachen Lattung sichtbar werden. Im tiefergelegenen Erdgeschoss befinden sich an Stelle eines der ehemaligen Ställe Räume zur gemeinsamen Nutzung. Die Elemente für die beiden Wohnungen wurden vor Ort montiert und versetzt. Die Decken bestehen aus einer Balkenlage und Kerto-Q von 40 mm Dicke, worauf Eichenparkett schwimmend verlegt wurde. Die Wände sind in Rahmenbauweise entstanden, mit einer Steinwolledämmung von 120 mm gedämmt und aussen mit OSB-Platten verkleidet. Auf der Innenseite zeigen sie in Umsetzung der Brandschutzvorschriften Gipsfaserplatten, die gestrichen werden können. Die inneren Trennwände folgen dem gleichen Konstruktionsprinzip. Ausdruck und Materialisierung der Fassaden blieben erhalten. Bestehende Öffnungen und Bekleidungen wurden entweder beibehalten oder subtil zur Übereinstimmung mit den Durchbrüchen der neuen Wohnungen gebracht. Diese Überlagerung, vergleichbar einem Gesicht unter einer Maske, erlaubt es, den Eingriff hinter dem zu erkennen, was nicht mehr ganz eine alte Scheune ist, aber auch nicht ein ganz gewöhnlicher Wohnbau.

Situation

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Ort Ch. du Grenier 8, 1666 Grandvillard Bauherrschaft Patrice und Colette Borcard (dreigeschossige Wohnung); Viviane Borcard (zweigeschossige Wohnung) Architekten Ch. und P.-A Dupraz, Genf verantwortlich: Christian Dupraz, arch. FAS Bauleitung Charrière O. SA, dipl. Arch., Bulle verantwortlich: Christophe Jaquier Ingenieurarbeiten ESM Ingénierie SA, Genf verantwortlich: Jérôme Ponti Gex & Dorthe, Bulle; verantwortlich: Jacques Dorthe Holzbau Sanierung: Maurice Beaud fils construction SA, Albeuve Neubau: Michel Mooser Constructions en bois SA, Charmey Holzarten Schnittholz 25 m3; Platten: OSB-Platten 250 m2, Gipsfaserplatten 900 m2 Baukosten CHF 1 350 000.– (alle Leistungen inbegriffen) Bauzeit 12 Monate Baujahr 2002

Längsschnitt

Untergeschoss

Erdgeschoss

Obergeschoss

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Dachaufbau von aussen: Unterdachplatte Spanplatte 30 mm Holzkonstruktion 120/160 mm Aufbau Decke von oben: Parkett 20 mm Gipsfaserplatte 2 x 10 mm Trittschalld채mmung 12 mm Kerto-Q 40 mm Balkenlage 220/180 mm Installationsraum 20 mm Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Aufbau Wand: Gipsfaserplatten 2 x 12,5 mm Hohlraum 35 mm Glasfaserd채mmung 120 mm Dampfsperre Installationsraum 20 mm Gipsfaserplatten 2 x 12,5 mm Aufbau Decke von oben: Parkett 20 mm Zementestrich 70 mm Trittschalld채mmung 30 mm Kerto-Q 40 mm Balkenlage 220/180 mm/Glasfaserd채mmung 120 mm Installationsraum 30 mm Gipsfaserplatte 2 x 10 mm Fassadenschnitt

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Umbau und Aufstockung Gewerbehaus, Aarau

Vor dem Haldentor der Aarauer Altstadt hat sich das Gewerbehaus eines ehemaligen Transportunternehmens mit einer Aufstockung radikal gewandelt. Geblieben ist vom ursprünglichen Bau der Sockel, der nun in leuchtendem Rot die Bühne für eine ausdrucksvolle Holzkonstruktion macht. Das ehemalige Bauernhaus wurde um 1860 erstellt und seither mehrmals umgebaut und erweitert. Hauptanliegen der Bauherrschaft für die jüngste Veränderung war angesichts der guten Wohnlage des Objekts die Schaffung attraktiver Wohnungen. Zur Umsetzung dieses Vorhabens wurden anstelle eines Dachausbaus Obergeschoss und Dach vollständig abgerissen und durch einen zeitgemässen Holzaufbau ersetzt. Das alte Gebäude wird mit dem Eingriff massiv umgestaltet und neu interpretiert. Das Erdgeschoss – es enthält Nebenräume wie Keller, Waschküche, Abstellplatz, einen Gemeinschaftsraum für die obenliegenden Wohnungen und die gemäss Zonenplan geforderten Gewerbeflächen – erfuhr eine sanfte Sanierung; es blieb als Sockel mit den bestehenden Treppenanlagen erhalten. Darüber wurde eine Druckverteilplatte gegossen, welche die Lasten des Obergeschosses auf die bestehenden Mauern abträgt. Es umfasst drei Maisonnettewohnungen mit grosszügigen, in der Privatheit abgestuften Aussenräumen (Laube, Balkon, Terrasse), die in vorfabrizierter Holzbauweise entstanden. Die Wohnungen mit Nord-Süd-Orientierung sind mit rund 100 m2 Nettowohnfläche knapp bemessen. Um trotzdem eine gewisse Grosszügigkeit zu schaffen, wurden praktisch keine internen Erschliessungsflächen ausgeschieden und grosse Raumhöhen realisiert. Die Terrassen sind direkt über Schlafzimmer oder Bad zugänglich. Jede Wohnung verfügt über eine kontrollierte Lüftung mit integriertem Heizregister und Luft-LuftWärmepumpe. Der Aufbau ist präzise auf den Sockel zugeschnitten und übernimmt die Form sowie die bestehende Erschliessung der alten Baute. Die ursprünglich vorhandene Schichtung mit Laube und Balkon wird auch im neuen Aufbau thematisiert. Drei Attikaboxen sind auf spezielle Art und Weise mit dem Obergeschoss verschachtelt und nehmen in der Geometrie wieder

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Bezug auf den Sockel. So entsteht eine Schnittlösung mit spannenden räumlichen Abfolgen und Durchblicken sowie drei grosszügigen privaten Dachterrassen. Die zwei Zimmer und das Bad im Attikageschoss geniessen durch die versetzte Anordnung der Boxen ausnahmslos Abendsonne. Für die Umgestaltung gelangten nur ökologische und baubiologisch unbedenkliche Materialien zum Einsatz. Der Aufbau ist horizontal mit einer rohen Douglasschalung verkleidet, welche mit präziser Detaillierung der umlaufenden Haut den homogenen und modernen Ausdruck des Aufbaus unterstützt. Der Sockel ist mit einem mineralischen Grund frisch verputzt und in einem kräftigen, warmen Rot gestrichen. Die rote Farbe wird wie eine Haut um den Sockel gespannt; die Leibungen sind in einem gelbgrünen Kontrastton gehalten. Der massive Sockel erhält mit dieser Farbgebung trotz den dicken und schweren Mauern eine gewisse Leichtigkeit und Eleganz und erzielt mit dem Aufbau eine harmonische Gesamtwirkung.


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Längsschnitt

Ort Asylstrasse 26, Aarau Bauherrschaft Holenstein AG, Heinz Holenstein, Aarau Architekten bkf architektur ag, dipl. Architekten ETH/SIA, Zürich; Andrea Barben Innen-Architektur GmbH, Aarau; Marc Moser + Reto Colombo Holzbauingenieur Makiol & Wiederkehr, Beinwil am See; Peter Makiol Holzbau Schäfer Holzbautechnik AG, Dottikon Holzarten Konstruktionsholz: BSH 4,2 m3, Schnittholz 21,7 m3; Platten: Dreischichtplatten 27/19 mm 1453 m2, Dreischichtplatten 50 mm 107 m2, Fermacell 12,5/15 mm 172 m2; Fassade: offene Schalung in Douglasie sägeroh Gebäudekubatur SIA 116 ganzer Bau 3395 m3; Holzaufbau 1631 m3 Baukosten (BKP 2) ganzer Bau CHF 1 595 000.–; Holzaufbau CHF 1 100 000.– Kubikmeterpreis (BKP 2) ganzer Bau CHF 470.–/m3; Holzbau 674.–/m3 Bauzeit Oktober 2000–Mai 2001

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Podest

Erdgeschoss


+4.30

KSKS

Obergeschoss

+ 4.30

+ 4.30

KS

Attikageschoss

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+ 7.561

neu Betondecke 18 cm

Querschnitt

neu Betondecke 18 cm

Querschnitt bei Terrasse

Dachaufbau von aussen: Kiesschicht 80 mm Schutzvlies Contec-Dachhaut NOVOtan Schutzvlies 4 mm Dreischichtplatte 27 mm Hinterlüftungslattung 30 mm Hohlkastenelement aus Dreischichtplatten 27 mm (innen sichtbar) und Vollholzrippen, ausgedämmt mit Zelluloseflocken 254 mm Aufbau Decke von oben: Dreischichtplatte geölt oder gewachst 20 mm Trittschalldämmung 10 mm Hohlkastenelement aus Dreischichtplatten 27 mm (unten sichtbar) und Vollholzrippen, ausgedämmt mit Zelluloseflocken 174 mm Aufbau Aussenwand von innen: Aussenschalung Douglasie sägroh 22 mm Hinterlüftung/Lattung 30 mm Pavatherm 40 mm oder zementgebundene Holzwollplatte 35 mm Ständer und Isofloc 180 mm Dreischichtplatte als Innenverkleidung 27 mm neu Betondecke 18 cm

Fassadenschnitt bei Laubengang

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Aufstockung Schreinereibetrieb, Schiers

Die Schreinerei Wieland in Schiers hat entschieden, breiter zu diversifizieren. Für die neuen Betriebsabläufe reichten die bestehenden Räumlichkeiten in einer ehemaligen Lastwagengarage ausserhalb des Dorfes jedoch nicht aus. Gefragt war für deren Umgestaltung ein Gesamtkonzept, das auch eine energetische Sanierung umfasste. Das am Dorfeingang stehende Gebäude wurde in seiner äusseren Erscheinung stark aufgewertet und gleichzeitig hochwertig isoliert. Die Schichtung der vertikalen Holzlamellen erinnert an die Brettverschalungen traditioneller Holzbauten, verleiht dem Gebäude aber durch ihre Feingliedrigkeit den Charakter eines grossen Möbelstückes – damit schafft der Bau selbst eine gedankliche Verbindung zur darin untergebrachten Schreinerei. Die Veränderungen am Gebäude mussten ohne Betriebsunterbruch ausgeführt werden können. Aufgrund detaillierter Vorbereitungsarbeiten wurden deshalb Wände und Decken für die Aufstockung vorfabriziert. Während einer stabilen Wetterlage anfangs März 2002 konnten innerhalb von nur drei Tagen das alte Dach entfernt, neue

Eisenträger über der bestehenden Decke des Erdgeschosses eingezogen, welche das Tragskelett für die neue Geschossdecke bildeten, und mit den vorgefertigten Elementen die ganze Aufstockung realisiert werden. Das hervorragende Zusammenspiel aller am Bau beteiligten Handwerker liess es zu, die äusseren und inneren Arbeiten parallel anzugehen; bereits Ende Mai waren die ersten neuen Räume bezugsbereit. Das ganze Erdgeschoss steht zukünftig für die Schreinerarbeiten zur Verfügung. Im Zwischengeschoss sind die Büros sowie ein Besprechungs- und Aufenthaltsraum angeordnet. Im Obergeschoss liegt der Showroom. Wo immer möglich wurden einheimische und bauökologisch unbedenkliche Materialien verwendet. Ein wichtiger Ansatz bei der Auswahl war Reduktion auf das Wesentliche. Das ganze Gebäude wie die einzelnen Räume bieten als schlichtes ‹Bühnenbild› die Plattform für die Präsentation der vor Ort gefertigten Produkte. Aus den gleichen Überlegungen wurden auch alle am Bau eingesetzten Materialien farblich in ihrer Natürlichkeit belassen. Unterstützt wird das formale Konzept durch die gezielt eingesetzte Lichtführung.

Tagsüber dringt das Sonnenlicht nicht nur durch die sichtbar belassenen Fenster, sondern auch durch die Maueröffnungen ins Gebäude, welche Lamellen verdecken. Eine Beleuchtungseinrichtung sorgt dafür, dass die mit Lamellen eingekleidete Terrasse nachts nach aussen als Werbeträger wirkt.

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+0.00

Längsschnitt

T 30

Erdgeschoss

Dachaufbau von aussen: Profilblech Hinterlüftung Unterdachbahn OSB-3 27 mm Balkenlage und Dämmung 220 mm Dreischichtplatte 27 mm Unterzüge 2 x 120/480 mm

Aufbau Aussenwand von innen:

1. Obergeschoss

Holzpfosten 140/250 mm Livingboard 16 mm Ständer und Dämmung 160 mm Bitumierte Weichfaserplatte 22 mm Windpapier Gyso Schiftlattung Lattung horizontal 30 mm Vertikale Fichtenlatten gehobelt 36 x 45 mm

Fassadenschnitt

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2. Obergeschoss


Querschnitt

Bauherrschaft Schreinerei Otto Wieland, Sand, 7220 Schiers Architekten Markwalder Architekturbüro GmbH, Brüttisellen Bauingenieur Rizzi Ingenieurbüro, Küblis Ingenieur Holzbau Conzett, Bronzini, Gartmann AG, Chur; Rolf Bachofner Holzbau Christof Walli Holzbau GmbH, Trimmis Holzarten Konstruktionsholz 48 m3; Schalung 27 mm 270 m2; Platten: OSB 18 mm 270 m2, Livingboard 200 m2, Dreischichtplatten 19 mm 260 m2; Fassade: Fichtenlatten gehobelt 36 x 45 mm 560 m2 Gebäudekubatur SIA 116 1750 m3 Baukosten SIA 116 (BKP 1–5) CHF 1,7 Mio. Bauzeit Oktober 2000–Mai 2001 Baujahr 2001

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Umbau einer Scheune, St-Léonard

Ein vorfabrizierter Holzbau nach Minergiestandard wird in eine leerstehende Dorfscheune eingebaut. So entsteht ein grosszügiges Acht-Zimmer-Wohnhaus auf drei Geschossen. Es erhält den Schweizer Solarpreis 2003 in der Kategorie Sanierungen. Die Scheune, im Kern des Walliser Weinbaudorfes St-Léonard gelegen, ist Teil der Häusergruppe ‹Les Bâtiments›. Sie besteht aus zwei typischen, in Etappen aneinandergebauten Eckpfeilerbauten mit massiven Bruchsteinmauern und grossflächigen, ehemals der Belüftung des Lagergutes dienenden Öffnungen. Der Holz-Einsatz würdigt die archaische Haltung des Ursprungbaus und erinnert an die elementaren Bedürfnisse des Wohnens. Als wichtigste Vorbereitungsarbeit wurde im grossen Teil der Scheune die ehemalige Stalldecke ausgebaut. Das Gebäude offenbarte sich nun als leeres, dreigeschossiges Gefäss mit fast sakraler Stimmung. Der gesamte Neubau wurde als Holzelementbau im Werk vorfabriziert. Decken, Wände,

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Treppen, Schränke sind vollständig in Dreischichtplatten ausgeführt. Sämtliche Elemente der drei Stockwerke gelangten mit einem Kleinkran direkt ab Lastwagen durch eine vorgängig erstellte Öffnung im bestehenden Dach in das Hausinnere und wurden millimetergenau versetzt. Die Konstruktion ist selbsttragend; die vertikalen Kräfte werden über die Aussenwandelemente und die Schrankmöbel abgeleitet, welche die mittlere Tragachse bilden. Der Hohlraum zwischen den Aussenwandelementen und dem bestehenden Mauerwerk ist mit Zellulosefasern ausgeblasen. Die Typologie des Wohnbaus wird auf feine Weise mit der Typologie des Eckpfeilerbaus überlagert. Unter Respektierung der alten Bausubstanz reagiert das Projekt auf vorhandene Strukturen – die neuen Räume werden präzise in die Partitur des Bestehenden hineingeschrieben. Jede Öffnung der bestehenden Gebäudehülle findet im neuen Inneren harmonisch den ihr zugeschriebenen Raum. Entstanden ist eine sinnliche Gesamtkomposition.

Die perforierte Struktur von Mauerwerk und Bretterschalung der Fassade wirkt als Membrane zwischen Innenraum und Aussenraum. Strömt tagsüber das Licht wie durch Linsen fokussiert in den Innenraum, findet in der Dämmerung ein sanfter Wechsel statt. Das Haus beginnt zu strahlen, die Scheune wird zur grossen Laterne. Der komfortable Minergie-Bau wird mit nur zwei Holzöfen und einer einfachen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung bewirtschaftet. Über im Holzbau integrierte Lüftungskanäle verteilt sich die warme Luft im ganzen Haus. Das Warmwasser wird mit einer Solar-Kompaktanlage aufbereitet.


Bauherrschaft Christine und Vincent Fournier, Grand Rue 16, 1958 St-Léonard Architekt Lukas Egli, Architekt, Riehen Projektbegleitung und Bauleitung vor Ort Blaise Favre, Architekt EPF, Venthône Holzbau W. Schär Holzbau AG, Grossdietwil Energieplanung Franco Fregnan, Energie- + Bauplanung, Basel Holzarten Konstruktionsholz: Vollholz 5 m3, Brettschichtholz 4,50 m3, Rahmenholz 4 m3; Platten: Dreischichtplatten 27 mm 600 m2, Dreischichtplatten 42 mm 250 m2, Einschichtplatten 60 mm 50 m2, Einschichtplatten 21 mm 40 m2; Zellulosedämmung 2500 kg Gebäudekubatur SIA 116 942,5 m3 Baukosten BKP 2 CHF 462 000.– Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 490.–/m3 Bauzeit total 10 Wochen; Holzbau 6 Tage Baujahr 2002

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Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

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Querschnitt


‹Parasite› Las Palmas, Rotterdam (NL)

Im Rahmen des Programms ‹Europäische Kulturstädte 2001› hat eine aussergewöhnliche kleine Konstruktion auf das Dach eines leerstehenden Lagerhauses der Rotterdamer Hafenhalbinsel Kop van Zuid gefunden. Das provokant grüne Objekt entstand im Rahmen eines Ausstellungsprojektes, mit dem die Vereinigung ‹Parasite› ein umfassenderes architektonisches Konzept ins Rollen bringt. Dessen Ziel ist es, leichte, vorgefertigte Bausysteme für temporäre Nutzungen anzubieten – als Alternative zur Fertigung standardisierter Einfamilienhäuser im industriellen Massstab. ‹Para-Sites› steht als Kürzel für ‹Prototypes for Advanced Ready-made Amphibious Small-scale Individual Temporary Ecological houses›. Im Rahmen dieses Projektes erhält der Ausdruck doppelte Bedeutung: nicht nur benutzt der Prototyp das Gebäude als Träger, dem er wie ein Parasit aufsitzt, sondern er siedelt sich auch in NebenGeländen an, nämlich in Industriebrachen, in Restparzellen oder sonst unbebaubaren Grundstücken. LP2, der ‹Parasite› von Las Palmas – so der Name des Lagerhauses aus den fünfziger Jahren – wurde von den Architekten Mechthild Stuhlmacher und Rien Korteknie entworfen. Er ist der erste Prototyp aus einer Serie von zwanzig Projekten europäi-

scher Architekten, welche allesamt das gleiche Thema angehen. Er tritt unter anderem den Beweis an, dass der Begriff des ‹Einfamilienhauses› aus dem gewohnten Rahmen – sprich dem Wohn-Vorort – heraustreten und in Stadtbereiche eindringen kann, die man sonst links liegenlässt. Die Stadt birgt eine Vielzahl von Orten, die mit alternativen Wohnungen wie dem Typ LP2 besiedelt werden könnten. Das Projekt verbindet die Qualitäten des Einfamilienhauses mit einem städtischen Kontext und leistet gleichzeitig eine einzigartige Aufwertung des urbanen Raums auf Zeit. Wie ein Adlerhorst thront der Wohnraum auf einem Metallrahmen, der auf einer der Überbauten – dem Aufzugschacht – des Lagerhauses befestigt ist. Der Zugang über eine enge Treppe von der Bedachung aus erinnert an die Tradition holländischer Häuser. Die Konstruktion setzt eine innovative Technologie ein, welche in den Niederlanden zum ersten Mal zum Zug gekommen ist. Die Wand-, Boden- und Dachelemente bestehen aus sehr dicken Holzplatten aus fünf überkreuzten und verklebten Schichten. Dank solch stattlich dimensionierten, flächigen Elementen ist es möglich, Fassadenelemente an einem Stück zu realisieren, die von grossen Fenstern durchbrochen werden, dies auch über Eck. Möglich sind zudem Böden

von grosser Spannweite ohne Balken und Stützen. Die Fassaden sind mit grossformatigen, gestrichenen Sperrholzplatten bekleidet. Das Haus konnte in Form versetzbereiter Halbfertigelemente geliefert werden, die sich dann mittels eines Krans innerhalb weniger Tage auf das Dach des Gebäudes hieven und montieren liessen. Die Dicke der tragenden Massivholzplatten beträgt 115 mm. Das genügt, um die Stabilität der Elemente sowie die Wärmedämmung des Temporärbaus zu gewährleisten.

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Ort Las Palmas, Rotterdam (NL) Bauherrschaft Verein ‹Parasite› in Zusammenarbeit mit der Stiftung ‹Kulturhauptstadt Rotterdam 2001› Architekten Korteknie Stuhlmacher Architecten (Mechthild Stuhlmacher, Rien Korteknie), Rotterdam (NL); Mitarbeit: Iris Pennock, Marijn Mees Bauingenieure ARIN, Breda (NL) und Maderholz, Donaueschingen (D); verantwortlich: Gerhards Jacobs Ingenieure Holzbau Merk Holzbau, Aichach (D); Mitarbeit: Magnus Birkmair, Alfons Morfeld Holzbauer Merk Holzbau, Aichach (D); Mitarbeit: Christian Dörschug Bauleitung (NL) Jasper Kerkhofs Bauart Bau aus starken Holzplatten ohne Wärmedämmung; Bekleidung aus Sperrholzplatten (Temporärbau) Holzarten Konstruktionsholz Merk-Dickholzplatten 400 m2 (Aussenwand 88 mm und Decken 115 mm); Fassade Kerto-Q 27 mm 300 m2 Wohnfläche 84 m2 Umbauter Raum 325 m3 Baukosten EUR 150 000.– Planungszeit 8 Wochen Bauzeit April–Mai (Vorfabrikation: 4 Wochen; Montage: 3,5 Tage; Endausbau: 4 Wochen) Baujahr 2001

Dachaufbau von aussen: Kerto-Q 27 mm Merk-Dickholz 88 mm Aufbau Aussenwand von innen: Merk-Dickholz 88 mm Kerto-Q 27 mm Aufbau Decke von oben: Kerto-Q 27 mm Installationsraum 98 mm Merk-Dickholz 115 mm

Aufbau Decke von oben: Kerto-Q 27 mm Installationsraum 98 mm Merk-Dickholz 88 mm Kerto-Q 27 mm

Fassadenschnitt

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Querschnitt

balustrade 1025+vlp

1. Untergeschoss

‹Erdgeschoss›

Obergeschoss

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Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno Falkenstrasse 26 CH-8008 Zürich Tel. 01 267 47 77 Fax 01 267 47 87 E-Mail info@lignum.ch Internet www.lignum.ch

Holzbulletin, Dezember 2003 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

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Verantwortlich Roland Brunner Redaktion Roland Brunner, Lignum, mit André Carlen und Joëlle Cornuz, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich Fotografie Thomas Banfi, Taverne (Casa minima); Yves Eigenmann, Fribourg (Wohnungen in einem ehemaligen Landwirtschaftsgebäude); Alfred Borer, Kleinlützel (Umbau und Aufstockung Gewerbehaus); Markwalder Architekturbüro GmbH, Brüttisellen (Aufstockung Schreinereibetrieb); Wollodja Jentsch, Vevey (Umbau einer Scheune); Anne Bousema, Rotterdam (‹Parasite› Las Palmas) Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum Druck Neidhart + Schön Group, Zürich

ISSN 1420-0260 Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 15.– Sammelordner CHF 80.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holzbulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern.

Holzbulletin 69/2003  

Umbauen und Aufstocken

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