Page 1

Holzbulletin 133/2019 Grossvolumiger Wohnungsbau Wohnüberbauung ‹Sue & Til›, Oberwinterthur Überbauung Schönenbrunnen, Belp Ersatzneubauten Gorwiden, Zürich Wohnüberbauung Moos-Cham Teilgebiet 2, Cham Wohnüberbauung Quellengarten, Aarau-Rohr

‹Sue & Til›: Die aktuell grösste Schweizer Wohnüberbauung aus Holz steht in Winterthur, ist sechs Geschosse hoch, 200 Meter lang und bietet vielfältigen Wohnraum in über 300 Wohnungen. Der Holzbau verbirgt sich hinter einer schlichten Aluminiumfassade. Architektur: Weberbrunner Architekten AG, Zürich, und Soppelsa Architekten GmbH, Zürich


1

2

1  Pi in Zug: Das erste Wohnhochhaus in Holz soll dereinst 80 Meter hoch werden. Architektur Duplex Architekten Bild Filippo Bolognese 2  ‹Sue & Til› im Bau: 250 000 vorfabri­ zierte Holzteile – unter anderem fixfertige Badezimmermodule – beschleunigten den Bauprozess, so dass die ersten Wohnungen ein halbes Jahr früher als geplant bezogen werden konnten. Foto Beat Bühler 3  Nachhaltig und aus Schweizer Holz: Die erste Etappe des Winterthurer HagmannAreals umfasst 50 Wohnungen. Architektur Weberbrunner Architekten und Soppelsa Architekten Foto Georg Aerni

3266


Vom Einzel- zum Normalfall Die Entwicklung des Bauens mit Holz in der Schweiz seit der Jahrtausendwende ist ein­ drücklich. Das Baumaterial Holz wächst der­ zeit rasch über das angestammte Einfamilien­ haussegment hinaus, ohne dieses zu verlieren: Seine Anwendung nimmt auch dort weiter zu. Zumal die kleinsten ihrer Art – sogenannte Tiny Houses – aktuell einen Boom erleben. Anders als ihre grosse Schwester gelten diese per se als ressourcenschonend: Ihre Bewohne­ rinnen und Bewohner beanspruchen wenig Wohnfläche und verbrauchen damit auch we­ niger Energie, Wasser und Konsumgüter. Zu­ dem lassen sich die kostengünstigen Minihäu­ ser auf einem bereits bebauten Grundstück aufstellen oder sind sogar mobil. Parallel dazu geht der Trend in die entgegengesetzte Rich­ tung: Die mit Holz realisierten Projekte wer­ den immer grösser. Eben wurde in Rotkreuz mit 60 Metern Höhe das zweite Schweizer Bürohochhaus in Holz fertig gestellt. Ein wei­ teres Projekt in Holz, das Hochhaus Pi in der Stadt Zug, von den Zürcher Duplex Architekten entworfen, soll dereinst 80 Meter hoch wer­ den und vorwiegend preisgünstige Wohnungen beherbergen. Besonders im städtischen Raum ist seit einigen Jahren ein Comeback des Materials Holz für grossvolumige Bauten zu verzeichnen – in erster Linie für Wohnraum, aber auch für Bürogebäu­ de. Die Liste bereits fertiggestellter Objekte grossvolumiger Wohnbauten mit mehr als 50 Wohneinheiten, vor allem im Raum Zürich, lässt sich sehen: Angefangen mit der städtisch anmutenden Holzbau-Siedlung Hegianwand­

weg, bereits 2003 von der FamilienheimGenossenschaft (FGZ) realisiert, über den Ersatzneubau Grünmatt (Bauzeit 2010 bis 2014), ebenfalls von der FGZ, den Sihlbogen der Baugenossenschaft Zurlinden, eine durch­ mischte Siedlung mit 200 Wohnungen und Gewerbeflächen, bezogen 2015, bis zu den drei Holz-Langhäusern im Freilager mit insge­ samt 187 Wohnungen, entwickelt und reali­ siert von der Zürcher Freilager AG. Dazu kom­ men kürzlich fertiggestellte Projekte wie die erste Etappe auf dem Winterthurer HagmannAreal mit 50 Wohnungen oder Sue & Til in Oberwinterthur, die derzeit grösste Holzbau­ siedlung der Schweiz mit über 300 Wohnun­ gen. Diese stellen wir in diesem Holzbulletin ebenso vor wie die Überbauuung Schönen­ brunnen in Belp mit gegen 100 Wohnungen. Weitere grossvolumige Wohnbauten stehen aktuell im Bau: Das Weidmatt-Quartier auf dem Cheditte-Areal in Lausen mit 200 Woh­ nungen (Architektur Diener Diener Architek­ ten), entwickelt von Losinger Marazzi, oder das Haus Krokodil (Architektur Baumberger & Stegmeier Architekten/Kilga Popp Architek­ ten) in der Lokstadt Winterthur, eine Arealent­ wicklung von Implenia. Die genannten Beispiele belegen: Fünf bis sechs Geschosse mit Holz sind im urbanen Kontext heute Stan­ dard. Aber nicht nur dort, auch in Agglome­ rationen oder in stadtnah gelegenen, aber noch dörflichen Siedlungsstrukturen werden heute mehrgeschossige Wohnüberbauungen mit 40 und mehr Wohneinheiten ganz selbst­ verständlich in Holz realisiert. Das belegen

die in diesem Holzbulletin vorgestellten Pro­ jekte in Aarau-Rohr, Belp oder Cham. Treiber dieser Entwicklung sind auf der einen Seite die moderne Bautechnologie im Holzbau mit spezialisierten Ingenieuren, vielfältigen neuen Holzwerkstoffen und Bauprodukten sowie digitaler Vorfertigung. Das hat den Schritt hin zum mehrgeschossigen, brandsiche­ ren Wohnbau gebracht. Auf der anderen Seite steht der unaufhaltsame Trend zu nachhalti­ gem und klimaschonendem Bauen. Unter diesem Anspruch punktet Holz – ebenso wie beim eingangs erwähnten Minihaus – dank besonderer Qualitäten: Es wächst nach, wird mit sehr geringem Einsatz von grauer Energie bereitgestellt und eignet sich aufgrund seiner Materialeigenschaften hervorragend für en­er­ gieeffiziente Konstruktionen. Ausserdem bin­ det Holz in seinem Wachstum grosse Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid und trägt so von Natur aus zur Klimaschonung bei. Es ist deshalb kein Zufall, dass bei der Mehr­ heit der in diesem Holzbulletin vorgestellten Projekte die Nachhaltigkeit über den Material­ einsatz hinaus eine Rolle spielt. Waren es anfänglich vorwiegend Genossenschaften, die diese langfristige, nachhaltige Optik verfolgt haben, ist dies mittlerweile auch für viele pri­ vate Investoren ein Ziel. Sue & Til steht dafür exemplarisch, ebenso wie für Vorfertigung, konstruktive Innovation und digitale Planung. Jutta Glanzmann Technische Kommunikation Lignum

3

3267


3268


Wohnüberbauung ‹Sue & Til›, Oberwinterthur Die grösste Schweizer Wohnüberbauung aus Holz steht in Winterthur, ist sechs Geschosse hoch, 200 Meter lang und bietet vielfältigen Wohnraum in über 300 Wohnungen. Während sich der Holzbau gegen aussen hinter einer schlichten Aluminiumfassade verbirgt, wird er in den Wohnungen in Form der unbehandelten Holzdecken sichtbar. Winterthur wächst und ist mit knapp 116 000 Einwohnerinnnen und Einwohnern gegen­ wärtig die sechstgrösste Stadt der Schweiz. Um der Nachfrage an Wohn- und Arbeitsraum nachzukommen, nutzt die Stadt ihre Industrie­ brachen. Eine davon ist das Areal zwischen den Bahnhöfen Grüze und Oberwinterthur, wo Sulzer nordöstlich der Kernstadt ab 1907 neben dem Stammareal beim Bahnhof Winter­ thur einen Zweigbetrieb aufgebaut hatte, der nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der schweizweit grössten Industrieareale wurde. Heute ist die damals zentrale Verkehrsachse des Areals als Sulzerallee Teil des städtischen Strassennetzes, und das Gebiet selbst wandelt sich gerade zum Stadtteil Neuhegi. Basis für die Entwicklung ist ein Regelwerk, das der Zürcher Architekt Jean-Pierre Dürig 2002 für das Gebiet im Auftrag von Sulzer Immobilien entwickelte. 2011 übernahm Implenia das Areal. Seither erfolgt die Entwicklung gemein­ sam mit den Flächen im Stadtzentrum. Der neuste Baustein ist die Wohnüberbauung Sue & Til. Sie belegt rund 18 000 m2 Fläche und ist aktuell der grösste Holzbau der Schweiz. Ziel des Studienauftrags war laut Implenia ein ökologisches Baukonzept, verbunden mit einem vielfältigen Angebot für die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner. Ein Holzbau sollte es sein, der den Vorgaben der 2000Watt-Gesellschaft entspricht und sowohl Mietals auch Eigentumswohnungen anbietet. Die

Antwort von Weberbrunner und Soppelsa Architekten war ein einziges, mäandrierendes Gebäude, das auf dem Regelwerk basierend den Arealgrenzen folgt. Durch die gezielt ge­ steuerte Abwicklung im Grundriss entstehen sowohl Plätze, die sich zwischen dem Bau und der angrenzenden Nachbarschaft aufspannen, als auch Höfe innerhalb des Areals. Das Ge­ bäude selbst wirkt trotz seiner Grösse nicht übermächtig. Dies gelingt, indem die beiden obersten Geschosse partiell zurückspringen, wodurch eine Variation in der Höhe entsteht. Ein willkommener Nebeneffekt davon sind die zahlreichen, besonders gefragten Wohnungen mit Terrassen. Die schlicht gestaltete Lochfas­ sade aus silbern eloxierten Aluminiumblechen unterstützt die Einheit des bis zu sechs Ge­ schosse hohen Gebäudes. Umso vielfältiger ist das Spektrum der insgesamt 307 Wohnungen: Dieses reicht von 2½- bis 5½-Zimmer-Dach­ wohnungen mit unterschiedlichen Grundriss­ konzepten. Der Innenausbau wiederum ist schlicht gehalten: Parkettböden, unbehandelte Holzdecken, weiss verputzte Wände und weisse Küchenfronten vermitteln einen hellen Raumeindruck. Bei Grossprojekten müssen Bauherrschaften mit Verzögerungen im Bauablauf rechnen. Nicht so bei Sue & Til: Ein halbes Jahr früher als geplant konnten die ersten Bewohnerinnen und Bewohner in ihre Wohnungen einziehen. Möglich wurde dies dank 250 000 vorfabri­ zierten Holzteilen: Bis zu zwölf Meter lange, fertig gedämmte Aussenwandelemente samt Fenstern sowie fixfertige Badezimmermodule beschleunigten den Bau. Auch die Trocken­ bauweise sparte Zeit: Holz muss nicht austrocknen. Eine Herausforderung war der Schallschutz zwischen den Wohnungen, zumal die klassische Holz-Beton-Verbunddecke keine Option war. Anstelle einer Betonschicht

schlugen die Holzbauingenieure deshalb eine acht Zentimeter hohe Splittschüttung vor. Sie besteht aus einer Mischung von gebrochenen Steinkörnern mit einem elastischen Binde­ mittel. Sowohl die Laborprüfungen bei der Empa als auch Baumessungen ergaben hervor­ ragende Werte. Ein weiteres Ziel war eine Gebäudestruktur für einen möglichst einfachen horizontalen und vertikalen Lastabtrag, auch im Hinblick auf die geforderte Vielfalt der Grundrisslösungen. Dafür sollte die Kraft von einer Stütze auf die darunter stehende Stütze übertragen werden, ohne den dazwischen liegenden Träger zu belasten. Denn Holz ist längs zur Faser rund zehnmal tragfähiger als quer dazu. Grosse Gewichte auf Querholz können die Holzfasern zusammenquetschen und zu Setzungen füh­ ren, was bei grossen Holzbauten wie Sue & Til nicht passieren darf. Die Lösung war eine seitliche Aufdoppelung mit vertikalen Stahl­ profilen auf beiden Seiten des Trägers, die auf eingeschlitzten Kopfplatten ruhen. Dank der Profile war es zudem einfacher, die Stützen während des Baus zu positionieren und zu montieren. Holz-Geschossdecken bestehen in der Regel aus drei Elementen: Deckensystem, Träger und Stützen. Bei den Deckensystemen ist die Auswahl gross, bei den Trägern jedoch klein. Reine Holzträger sind in der Regel zu mächtig. Stahlträger sind zwar niedriger, aber schwer, teuer und müssen gegen Feuer ver­ kleidet werden. Beim Projekt Sue & Til haben die Holzbauingenieure Stahl und Holz in einem einzigen Träger kombiniert. Der Vorteil: Stahl versteift das Holz im Gebrauchsfall, und Holz schützt den Stahl im Brandfall. Zudem braucht der neue Träger wenig Stahl und ist trotzdem schlank.

Situation

3269


Längsschnitt

20 m 0

10m

Längsschnitt

3270

25m


Erdgeschoss

1. Obergeschoss

5. Obergeschoss

3271


Ort Sulzer-Allee 71–87, Ida-Sträuli-Strasse 39–49, Else-Züblin-Strasse 66–78, 8404 Winterthur Wettbewerb 2013 Anzahl Wohnungen 257 (Miete), 50 (Stockwerkeigentum), 9 Gewerbeeinheiten Anzahl Parkplätze Tiefgarage 209 Anzahl Veloplätze 950 Projektentwicklung, Bauherrschaft Eigentumswohnungen, Totalunternehmer Implenia, Dietlikon Bauherrschaft Mietwohnungen Allianz Suisse Immobilien AG, Wallisellen Architektur Weberbrunner Architekten AG, Zürich, und Soppelsa Architekten GmbH, Zürich Landschaftsarchitektur Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau GmbH, Zürich Bauleitung Implenia Schweiz AG, Hochbau, Dietlikon Bauingenieur Massivbau Dr. J. Grob & Partner AG, Winterthur Holzbauingenieur Timbatec Holzbauingenieure Schweiz AG, Zürich HLS-Ingenieur Sigma Gebäudetechnik GmbH, Winterthur Bauphysik Bakus Bauphysik und Akustik GmbH, Zürich Holzbau Implenia Schweiz AG, Holzbau, Rümlang Investitionskosten ca CHF 180 Mio. Grundstücksfläche nach SIA 416 17 789 m2 Gebäudegrundfläche nach SIA 416 7800 m2 Geschossfläche nach SIA 416 53 000 m2 Gebäudevolumen nach SIA 416 179 300 m3 Bauzeit Januar 2016 bis September 2018 Fotograf Beat Bühler, Zürich

3272


Aufbau Terrasse: Gartenplatten 40 mm Split 30–70 mm Drainagematte 10 mm Flachdachabdichtung Trittschalldämmung 20 mm Dämmung mit Gefälle 60–100 mm Bauzeitabdichtung bituminös Dämmung 0/40 mm Liegende Brettschichtholz-Elemente 240/280 mm Aufbau Dach: Extensive Begrünung 80 mm Flachdachabdichtung 6 mm Gefälledämmung 60–190 mm Bauzeitabdichtung Dreischichtplatte 27 mm Rippen 60 x 240 mm Dreischichtplatte sichtbar 27 mm Aufbau Fassade: Metallfassade 53 mm Windpapier Dreischichtplatte 27 mm Ständer ausgedämmt 293 mm Dreischichtplatte 15 mm Installationsrost ausgedämmt 60 mm Gipskartonplatten

Detailschnitt

3273


Überbauung Schönenbrunnen, Belp Die vier Neubauten mit Verkaufsflächen und total 97 Wohnungen gruppieren sich um eine hofartige Grünfläche mit Bäumen, Wiesen und Raum zum Spielen. Die in Holzbauweise erstellten Gebäude am Rand von Belp akzentuieren geschickt den Übergang vom Dorf zur Landwirtschaftszone und erfüllen überdies die Anforderungen des Minergie-Eco-Standards. Das Areal Schönenbrunnen liegt am nordwest­ lichen Rand von Belp, das sich trotz seiner Grösse den dörflichen Charakter erhalten hat. Dank der Nähe zur Stadt Bern ist Belp ein attraktiver Wohnort. Die S-Bahn-Station Belp Steinbach liegt in Gehdistanz zum Areal. Neben 97 Mietwohnungen umfasst die Über­ bauung einen Migros-Supermarkt und weitere Verkaufsflächen. Eine gleichzeitig realisierte Wärmezentrale, die mit Holzschnitzeln betrie­ ben wird, versorgt auch das umliegende Quar­ tier mit Wärmeenergie. Das Muster für die

Situation

3274

neue Bebauung orientiert sich an der beste­ henden Umgebung: Die Architekten führen die vorgefundene Struktur mit zur Strasse hin abschliessenden Bauten und innenliegenden Höfen weiter. Die vier Häuser gruppieren sich um eine grossräumige, begrünte Fläche mit locker eingestreuten Einzelbäumen, Blumen­ wiesen, Wegen mit Mergel und einer 650 m2 grossen Spiel- und Sportrasenfläche. Zum Orts­ rand hin bildet das eigenständige Ensemble einen Abschluss und reagiert so präzise auf die unterschiedlichen Nachbarschaften. Der fünfgeschossige Kopfbau an der Steinbach­ strasse Richtung Bern akzentuiert die Setzung am Ortsrand und betont die räumliche Aus­ bildung einer neuen Eingangssituation zum Ort. Der Bau bildet die Adresse zum Areal, der grosszügige Vorbereich wirkt urban. Neben 43 Wohnungen befinden sich hier die kommer­ ziellen Nutzungen, wobei die grossen, geschlos­ senen Verkaufsflächen im Sockelbau liegen.

Ein Lichthof bringt Tageslicht ins Gebäude­in­nere. In den Wohnungen des Kopfbaus kön­ nen Bewohnerinnen und Bewohner je nach Bedarf unterschiedliche Dienstleistungen in Anspruch nehmen: von der Wohnungsreinigung über einen Ferienservice bis zu einem 24-­ Stunden-Notrufservice. Auf der ruhigen, der Strasse abgewandten Seite befindet sich der grüne Wohnhof mit den drei viergeschossigen Wohn­bauten mit 54 weiteren Wohnungen, mit Ausblick zum Belpmoos. Die ursprünglich in Massivbauweise mit Holz­ verschalung geplanten Gebäude wurden als Beitrag zur Nachhaltigkeit als Holzhäuser konzipiert. Holz ist deshalb nicht nur in der Fassade der vorherrschende Baustoff. Für die Gebäude in Holzbauweise wurden insgesamt knapp 3000 vorfabrizierte Elemente verbaut, wobei pro Haus jeweils nur sechs Wochen für die Montage der angelieferten Holzelemen­ te notwendig waren. Ein Beispiel für den Vor­


teil der Holzbauweise in zeitlicher Hinsicht. Die Fassade besteht aus Schweizer Holz mit Oberflächenbehandlung. Während die Aussen­ räume der Wohnungen zum Strassenraum nach innen gestülpte Loggien sind, kragen die Balkone der Wohnungen zum Hof hin nach aussen aus. Sichtbare Brettstapeldecken prägen die Wohnatmosphäre und machen die Konst­ ruktion im Innern spürbar. Einzig die Unter­ geschosse und die aussteifenden Erschliessungs­ kerne hat man in Beton realisiert. Die Überbauung erfüllt die Anforderungen des Minergie-Eco-Labels, wobei das Kernstück des Energiekonzepts die eingangs erwähnte Heizzentrale der Energie Belp AG ist. Die Wärmerückgewinnung aus den Kühlgeräten des Einkaufszentrums leistet einen weiteren Beitrag zur Nachhaltigkeit, ebenso wie die für den Bau einer Fotovoltaikanlage vorbe­ reiteten Dächer.

3275


Längsschnitt

20 m

Längsschnitt

3276

10 m

1:500


Erdgeschoss

3. Obergeschoss

Grundriss 3. OG

10 m

1:500

3277


Aufbau Dach: Extensive Begrünung 80 mm Vlies 800 g/m2 (Wasserspeicher) Polymerbitumenbahn zweilagig Flachdachabdichtung Dämmung 0,023 W/mK 200 mm Dämmung mit Gefälle (min. 1,5%) 0,03 W/mK bis 120 mm Dampfsperre bituminös einlagig OSB-Platte 15 mm Vollholzdecke 160 mm Aufbau Fassade: Schalung vertikal, Weisstanne (stumpf gestossen, sägeroh) 120/20 mm Grundierung Mittelschichtlasur NCS S 2005-Y30R matt (2x) Kreuzrost 90 mm Windpapier Gipsfaserplatten 15 mm Holzständer ausgedämmt 280 mm OSB-Platte 18 mm Installationsrost 30 mm Gipsfaserplatte 15 mm Innenputz Aufbau Boden innen: Parkett 15 mm Anhydrit-Unterlagsboden 65 mm PE-Folie Trittschalldämmung 20 mm Wärmedämmung 20 mm Beton im Verbund 100 mm Vollholzdecke 140 mm Aufbau Boden Balkon: Thermokiefer 27 mm Auflager 10 mm Unterkonstruktion min. 40 mm Kunststoffunterlage 10 mm Dampfsperre bituminös einlagig Dreischichtplatte im Gefälle 1,5 % 27 mm Balkenlage 120/200 mm Unterkonstruktion Holzwolleplatte 25 mm

Detailschnitt Fassade

3278


Ort Brunnenstrasse 25–35, Steinbachstrasse 28, 3123 Belp Anzahl Wohnungen 97 Bauherrschaft Migros-Pensionskasse, Schlieren; Genossenschaft Migros Aare, Schönbühl-Urtenen; Energie Belp AG, Belp Totalunternehmer Losinger Marazzi AG, Bern Auftragsart Studienauftrag 2010, 1. Preis Architektur Brügger Architekten AG, Thun Landschaftsarchitektur Extra Landschaftsarchitekten, Bern Bauingenieur Stahlbeton Emch + Berger AG, Bern Holzbauingenieur Indermühle Bauingenieure, Thun Elektroingenieur Eproplan AG, Gümligen HLKS-Ingenieur NBG Ingenieure, Bern Geotechnik Geotest AG, Zollikofen Holzbau Boss Holzbau AG, Thun Materialien Konstruktionsholz 525 m3, Vollholzdecken 1208 m3, Fassadenschalung 4303 m2 Baukosten keine Angaben Grundstücksfläche nach SIA 416 12 000 m2 Gebäudegrundfläche nach SIA 416 8700 m2 Geschossfläche nach SIA 416 24 400 m2 Gebäudevolumen nach SIA 416 90 000 m3 Bauzeit 2015 bis 2018 Fotograf Roland Trachsel, Steffisburg

3279


Ersatzneubauten Gorwiden, Zürich Die vier mehrgeschossigen Wohnbauten stehen in einem Quartier mit hoher Wohnqualität in der Nähe des Berninaplatzes in Zürich. Sie ersetzen in die Jahre gekommene Mehr­ familienhäuser aus den 1950er-Jahren. Trotz höherer Ausnützung stärken sie den Charakter des Quartiers – auch dank der zeitgemäss interpretierten Holzbauweise. Die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft Habi­ tat 8000 wurde 1990 gegründet und enga­ giert sich für bezahlbaren Wohnraum. Sie be­ sitzt in der Region Zürich mehr als 1200 eigene Wohnungen. Für den Ersatz der 1950 erstellten Mehrfamilienhäuser fand 2012 ein Projektwettbewerb statt. Diese liegen in einem gemischten Wohnquartier an einem leicht ge­

3280

neigten Nordhang mit mehrheitlich älteren, mehrgeschossigen Wohnbauten und punktuell eingestreuten Einfamilien- oder Reihenhäusern zwischem dem Zürcher Milchbuck und Oerli­ kon. Das Quartier verfügt aufgrund der ge­ wachsenen Strukturen und grüner Freiräume über eine hohe Wohnqualität. Gewonnen haben ERP Architekten aus Baden mit einem Entwurf, der sich trotz der höheren Ausnüt­ zung in das Bestehende einfügt. Wie sich heute zeigt, ist die gewählte Strate­ gie aufgegangen. Die vier Ersatzneubauten schöpfen aus dem Vorgefundenen und passen sich der Körnung der gartenstadtartigen Sied­ lungsstruktur an. Die einzelnen Gebäude sind von Grünflächen umgeben und übernehmen das vorgefundene Muster mehrerer entlang

der Quartierstrassen aufgereihter typähnlicher Bauten. So wirken die Häuser, als ob sie schon immer hier gestanden hätten. Diese Wahrneh­ mung unterstützt ihre Dachausbildung, die sich auf die grösstenteils mit Schrägdächern ausgestatteten umgebenden Bauten bezieht. Durch die flügelartig erhöhten Seiten der traufseitig zur Strasse orientierten Giebel und die seitlichen, walmdachartigen Abschlüsse werden die grossen Volumen formal aufgelöst und wirken kleiner, als sie sind. Gleichzeitig entstehen dadurch spannende Baukörper, wel­ che man trotz der Einordnung in den Bestand als etwas Einmaliges wahrnimmt. Zudem war es so möglich, für die Wohnungen im Dach­ geschoss die gesamte Fläche zu nutzen: Die Räume verfügen über normale und zum Teil


Ort Gorwiden 14–38, 8057 Zürich Anzahl Wohnungen 35 Bauherrschaft Habitat 8000 AG, Zürich Architektur ERP Architekten AG, Baden Landschaftsarchitektur Hager Partner AG, Zürich Bauleitung Schmid Architekten, Zürich Bauingenieur Meichtry & Widmer, Zürich Holzbauingenieur IHT Rafz Ingenieurholzbau +  Holzbautechnik GmbH, Rafz Elektroingenieur R+B Engineering AG, Zürich HLS-Ingenieur Leimgruber Fischer Schaub AG, Ennetbaden Bauphysik/Akustik BAKUS Bauphysik & Akustik GmbH, Zürich Holzbau ARGE Gorwiden: BWT Bau AG, Winterthur; Kunz AG, Dietlikon; Jäggi + Hafter AG, Regensdorf Materialien OSB-3 Platten 1650 m2, DWDPlatten 1095 m2, Weichfaserplatten 1110 m2, Dreischichtplattten div. Stärken 8046 m2, Furnierschichtholzplatten 14 m3, Konstruk­ tionsholz 479 m3, Holzschalung 2450 m2 Baukosten BKP 2 CHF 15,708 Mio. Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 790.– Grundstücksfläche von zwei Grundstücken nach SIA 416 3512 m2 Gebäudegrundfläche nach SIA 416 1000 m2 Geschossfläche nach SIA 416 6350 m2 Gebäudevolumen nach SIA 416 19 877 m3 Bauzeit inkl. Rückbau März 2017 bis September 2018 (gestaffelter Bezug ab Mai 2018) Fotograf Ariel Huber, Zürich und Lausanne

Situation

sogar überhohe Raumhöhen, und die Schlaf­ räume werden trotz Dachschrägen mit normal grossen Fenstern belichtet. In die Häuser gelangt man ebenerdig vom Niveau der Quartierstrasse. Das massive Sockel­ geschoss in Beton, wo die Garagenzugänge und die Nebenräume der Wohnungen liegen, folgt dem Terrainverlauf und ist die Basis für den darauf gestellten, viergeschossigen Holz­ bau. Die Wohnungen selbst sind als Zweibeziehungsweise Dreispänner organisiert. Die Schlafräume orientieren sich zur Morgensonne, während die Wohn- und Essbereiche nach Südwesten mit Blick auf den Garten gerichtet sind. Dies ist eine der Massnahmen in Anleh­ nung an die prägende Alltagsarchitektur des Quartiers. Eine weitere ist die Holzbauweise,

die neben ökologischen auch logistische und terminliche Vorteile hat. Zudem ist den Woh­ nungen nach Süden über die gesamte Fassaden­ länge eine ins Gebäudevolumen integrierte Veranda vorgelagert. Die Fassadenschalung besteht aus sägerohem Schweizer Fichten­holz, welches mit einer deckenden Farbbeschichtung in einem hellen Ton behandelt ist. Zusammen mit den dunkelroten Stoffmar­kisen und den in einem dunklen Ton gehaltenen Fenster­ storen, Brüstungsabdeckungen und Fenster­ rahmen entsteht eine dezent abgestimmte Farbigkeit der Bauten, die sich im Inneren mit den weissen Wänden und Decken und dem Parkett fortsetzt. Für die Gebäude strebte man keinen MinergieStandard an, da man eine Siedlung mit mög­

lichst geringem technischem Unterhalt wollte. Die Ersatzluft für die Küchenabluft gewinnt man beispielsweise mittels geöffneter Kipp­ fenster, die über einen Fensterkontaktschalter gesteuert werden. Und die Ersatzluft für die Nasszellenabluft stammt von passiven Aeromaten in den Schlafzimmern. In Kupfer­ einfassungen integrierte Fotovoltaik-Panels bedecken einen Grossteil der Dachflächen.

3281


Querschnitt

20 m

Aufbau Boden Balkon: Holzrost 26 mm Holzunterkonstruktion 40–80 x 100 mm Drainageschicht und Trittschalldämmung 10 mm Trenn- und Schutzlage Brandschutzlage Abdichtung zweilagig/ Polymer­bitumenbahnen Styroporbeton im Gefälle min. 1,5 % 10–15 mm Bauzeitabdichtung Dreischichtplatten statisch verklebt 27 mm Rippen 100 x 180 mm Dämmung Mineralwolle 180 mm Dreischichtplatte 33 mm

Detailschnitt Balkon

3282


Erdgeschoss

Dachgeschoss

3283


Wohnüberbauung Moos-Cham Teilgebiet 2, Cham Die beiden S- und L-förmigen Baukörper bilden das Rückgrat der Wohnüberbauung ‹Moos› in Cham. Die in Holzbauweise erstellten Bauten bieten 48 Wohnungen Platz und vermitteln zwischen dem Quartier mit Punktbauten und dem Landschaftsraum mit einer eigenständigen Architektur, die sich gleichzeitig sensibel in den bestehenden Kontext fügt. Die Wohnüberbauung ‹Moos› steht am Sied­ lungsrand von Cham und ist aufgeteilt in drei aneinandergrenzende Bereiche, die in verschie­ denen Bauzonen liegen. Zwei der Gebiete befinden sich in den Zonen W1 respektive W2. Das dritte liegt in der Landwirtschaftszone. Auch die Nachbarschaften der drei Areale sind unterschiedlich: Während das erste an Reihen­ einfamilienhäuser grenzt, öffnet sich das zwei­ te zum Landschaftsraum. Das dritte Areal ist Teil einer Hofstatt mit Nebengebäuden. Auf diese unterschiedlichen Ausgangslagen reagiert die Bebauung mit einer jeweils eigen­ ständigen Strategie und ganz unterschiedlichen Wohnungstypen. Und auch in konstruktiver Hinsicht unterscheidet sich die Bebauung der drei Teilgebiete: Massivbauweise mit einem Einsteinmauerwerk für die Häuser im Ein­ familienhausquartier, Holzbauweise mit massi­ ven Erschliessungskernen und Holz-Beton­ verbunddecken für die Bauten, welche an den Landschaftsraum angrenzen, und eine reine Holzbauweise auf einem bestehenden Natur­

1829a

1825a

759b

1452b

Situation

3284

steinsockel für den Neubau in der bäuerlichen Hofstatt. Über die verwandte Massstäblichkeit der Bau­ körper und die übergeordnete Gestaltung der Aussenräume verbinden sich die beiden ersten Teilgebiete zu einem zusammenhängen­ den Siedlungsraum. Im zweiten Teilgebiet – das hier vorgestellt wird – formen die beiden S- und L-förmigen Baukörper zur siedlungs­sei­tigen Mugerenstrasse einen halboffenen Hofraum, während sie zur Landschaft hin eine klare Siedlungsgrenze ausbilden. Auf die bei­ den unterschiedlichen Nachbarschaften re­ agiert die Architektur mit einer differenzierten formalen Gestaltung der Fassaden. Eine lufti­ ge, dreigeschossige Schicht mit Loggien und Lauben, die den eigentlichen Wohngebäuden vorgelagert ist, bildet zum einen einen beleb­ ten, aber auch schützenden Filter zwischen dem gemeinsamen Hofraum und der privaten Welt des Wohnens. Auf der Seite, welche der Landschaft zugewandt ist, inszeniert zum an­ deren eine grosszügige Befensterung für die Bewohner und Bewohnerinnnen den Fernblick. Der Zwischenraum zwischen den Schmalseiten der beiden Baukörper wird für die Hofbenutzer zu einem ‹Fenster zur Landschaft›. Die 48 Wohnungen in den beiden Mehrfami­ lienhäusern bieten Wohnraum für ein mittle­ res Preissegment und eine breit diversifizierte Bewohnerschaft an. Die Wohnhäuser sind drei­ geschossig, wobei die Architekten für jedes Geschoss spezifische Wohnungen entwickel­

ten, die auf die jeweilige Höhenlage reagieren. Das Kellergeschoss und die Treppentürme sind in Ortbeton gegossen. Sie bilden die Basis und das aussteifende Skelett für die eigent­lichen Wohngeschosse in Holzbauweise. Dafür ent­ schied man sich sowohl aus ökologischen als auch aus atmosphärischen Überlegungen. Denn die gewählte Holzbauweise schafft auch eine Verbindung zur benachbarten Hofstatt. Zudem vermag der ephemere Charakter des Holzbaus die grossformatige Siedlung selbst­ verständlich in das ländliche Gebiet einzufügen. Aus akustischen und brandschutztechnischen Gründen sind die Geschossdecken als kom­ pakte Holz-Beton-Verbunddecken geplant. Mit Gipsplatten verkleidete und mit einer Tapete bezogene Holzständerwände bilden die tragen­ den und nichtragenden Innenwände, der Holz­ bau zeigt sich in den massiven Brettstapeln der Decken, einem Auflagerfries und in der vorgelagerten Veranda- beziehungsweise Lau­ benschicht. Die gezielt eingesetzten Farbtöne in hellem Zinnobergrün, einem dunklen Tannengrün und einem Weinrot und die formale Sensibilität in der Fassadengestaltung lassen zusammen mit den naturbelassenen Elementen aus Holz ein Bild von Leichtigkeit enstehen. Im Inneren der Wohnungen bestimmen die Farben Weiss und Tannengrün zusammen mit den Holzde­ cken und Holzfriesen und dem grau eingefärb­ ten Anhydritboden den Raumeindruck, der eine schlichte Sachlichkeit vermittelt.


3285


Längsschnitt

20 m

Erdgeschoss

3286

20 m


Obergeschoss

Dachgeschoss

3287


Aufbau Dach über Veranda: Nacktdach bituminös, ±3 % Gefälle Dreischichtplatten farbig lasiert 27 mm Sekundärkonstruktion, vorvergraut 180 mm Primärkonstruktion, vorvergraut 280 mm Geländer: Horizontales Brett, 40/260, vorvergraut Vertikales Brett, 40/150, vorvergraut Drahtseilfüllung Vertikales Brett, 40/150, vorvergraut Befestigung sichtbar Aufbau Boden Veranda: Holzrost Douglasie (sichtbar befestigt, 95 mm breit) 25 mm Lattung Lärche/Douglasie (punkt. Gummischrotunterlage) 80–50 mm Abdichtung Dreischichtplatte, gestrichen 27 mm Sekundärkonstruktion, vorvergraut 180 mm Primärkonstruktion, im Gefälle 1 %, vorvergraut 200–250 mm Fassade zur Veranda: Dreischichtplatte 27 mm Hinterlüftungslattung vertikal 40 mm Windpapier vollflächig Holzfaserleichtbauplatte 15 mm Ständer C24 60/240, a=625 ausgedämmt, Lambda < 0,038 W/mK OSB als LDS ausgebildet 15 mm Gipsfaserplatte 15 mm Glasfasertapete gestrichen Aufbau Boden innen: Anhydrit-Unterlagsboden 65 mm Trittschalldämmung 30 mm Beton im Verbund mit Brettstapeldecke Fichte/Tanne 80/120 mm

Detailschnitt Veranda

3288


3289


3290


Ort Mugerenstrasse 70–82, 6330 Cham Anzahl Wohnungen 48 Bauauftraggeberschaft privat Auftragsart Selektiver Projektwettbewerb 2012 (1. Preis) Architektur Loeliger Strub Architektur, Zürich; Mitarbeit Wettbewerb: Barbara Strub, Marc Loeliger, Didier Oskam, Philipp Metzler; Mitarbeit Ausführung: Barbara Strub, Marc Loeliger, Michael Nötzli (Projektleitung), Lucas Michael (Fassade), Joël Mariéthod, Lucien Villiger, Joel Héritier, Tiziana Schirmer, Fanni Müller, Beat Kübler, Felix Büttner Farbberatung Andrea Burkhard, Zürich Entwurf Eingangstüren Luc Forster, Zürich Landschaftsarchitektur Schmid Landschaftsarchitekten GmbH, Zürich Bauleitung Widmer Partner Baurealisation AG, Zug; Projektleitung André Altman Holzbauingenieur Pirmin Jung Schweiz AG, Rain; Projektleitung Mario Hess Bauphysik Pirmin Jung Schweiz AG, Rain Beratung Brandschutz Pirmin Jung Schweiz AG, Rain Holzbau ARGE Nussbaumer Kost Burch, Sarnen; Projektleitung Heinz von Rotz und Michael Seliner Küchen Vogel Design AG, Ruswil Schreinerarbeiten und Türen Meienberger + Egger AG, Münchwilen Materialien Brettschichtholz 125 m3; Rahmenholz 310 m3; Brettstapeldecken ca. 5500 m2; Furnierschichtholz mit Querlagen, 39 mm, 550 m2; Fassadenschalung Fichte 2080 m2 (Rhomboid und Deckleistenschalung); Dreischichtplatte Fi/Ta 2620 m2 (Veranda Boden, Dach, Deckenverkleidungen und Fassade); Massivholzplatte Fi/Ta 34 mm, Qualität A, 1950 m2 (Deckenfries und Fensterfutter); OSB, 15 mm, 6650 m2 (Aussenwände und Dach); Holzfaserleichtbauplatte, 16 mm, 2880 m2 (Aussenwände) Grundstücksfläche nach SIA 416 11 062 m2 Gebäudegrundfläche nach SIA 416 2570 m2 Geschossfläche nach SIA 416 9063 m2 Gebäudevolumen nach SIA 416 27 588 m3 Bauzeit September 2017 bis Januar 2020 Fotograf Roland Bernath, Zürich

3291


Wohnüberbauung Quellengarten, Aarau-Rohr Das durchgehende Dach und die zwischen die Baukörper gestellten Loggien verbinden die fünf dreigeschossigen Mehrfamilien­ häuser, die als Ersatz für eine Wohnsiedlung gebaut wurden, zu einer Einheit. Sie sind so konzipiert, dass sie sich zu einem späteren Zeitpunkt partiell mit drei weiteren Geschossen ergänzen lassen. Seit der Fusion zwischen der Gemeinde Rohr und der Stadt Aarau im Jahr 2010 bildet Rohr zusammen mit den Gebieten Siebenmatten, Ausserfeld und Hinterdorf ein eigenständiges Quartier der Stadt Aarau mit eher dörflichem Charakter. Ein- und Mehrfamilienhäuser prä­ gen das Siedlungsgebiet Aarau-Rohr, wo die Wohnbaugenossenschaft Graphis an der Pila­

3292

tusstrasse einen Ersatzneubau für eine Wohn­ siedlung realisiert hat. Um eine städtebaulich und architektonisch hochwertige Lösung zu erreichen, führte man 2014 einen Architektur­ wettbewerb durch. Das Projekt der Architekten Jürgensen Klement Leimgruber ging daraus siegreich hervor. 2015 wurden Rykart Archi­ tekten mit der Betreuung des Bewilligungs­ verfahrens, der Ausführungsplanung und der Ausführung des Projekts beauftragt. Heute umschliessen fünf leicht zueinander ver­ setzte Baukörper einen grünen Hof. Sie ver­ binden sich über ein durchgehendes, auskra­ gendes Dach und die zwischen den Volumen plazierten Loggien zu einer mäandrierenden Gesamtform, welche spannende Aus- und Durchblicke schafft. Die schlanken Baukörper

sind längs mittels einer durchlaufenden Trag­ wand unterteilt, die partiell zu einer raum­ haltigen Zone für Installationen und Einbauten ausgeweitet wird. Diese Grunddisposition, die einer wirtschaftlichen Holzbauweise mit geringen Spannweiten geschuldet ist, prägt die Grundrisse der 44 2½- bis 5½-Zimmer­ Wohnungen. Diese sind preisgünstig, obwohl nicht subventioniert, und verfügen über einen hohen Wohnwert: Die Loggien, die den Wohnungen vorgelagert sind, schaffen eine Zwischenzone im Freien. Gleichzeitig lässt sich so die Erschliessungsfläche im Inneren der Wohnungen auf ein Minimum reduzieren: Küche, Badezimmer und abschliessbare Räume gruppieren sich um den Wohnraum. Die Gebäude wurden nach den Vorgaben von


Minergie-A-Eco und Minergie-P erstellt und zertifiziert. Partiell lassen sich die dreigeschos­ sigen Bauten zu einem späteren Zeitpunkt um weitere drei Geschosse aufstocken. Das zusammenhängende Untergeschoss sowie die vertikalen Erschliessungskerne bestehen aus Beton. Die Wohnungen selbst wurden mit vorgefertigten Holzelementen gebaut. Die Aussenwände bestehen aus gedämmten Holz­ rahmen, die Innenwände sind aus Brettsperr­ holz. Das Dach wird von Rippenplatten und die Geschossdecken mit vorgefertigten HolzBeton-Verbundelementen überspannt. Die innenliegenden Oberflächen bestehen vorwie­ gend aus Holz. In den Nasszellen wurden sie mit Gips verkleidet. Ein Vordach schützt die Fassade vor der Witterung. Sie besteht aus

Furnierschichtholzplatten, ist kesseldruckim­ prägniert und wurde nachgeölt. Das dunkle Äussere der Bauten steht im Kontrast zu den hellen Wohnräumen im Inneren. Die als Sichtund Blendschutz eingesetzten Stoffvorhänge in den Loggien setzen mit ihrem leuchtenden Gelb-Orange partielle Farbakzente. Die Pro Holz Aargau zeichnete den Ersatzneubau Quellengarten mit dem ‹Aargauer Herz fürs Holz 2018› für die beispielhafte Anwendung des ökologischen Werkstoffes Holz aus.

Situation

Ort Pilatusstrasse 6 + 8, Grabenstrasse 15, 17, 19, 5032 Aarau-Rohr Anzahl Wohnungen 44 Bauherrschaft Bau- und Wohngenossenschaft Graphis, Bern Projektverfasser Jürgensen Klement Architekten GmbH, Zürich; Leimgruber Architekten, Zürich Bewilligungsverfahren/Ausführungsplanung/Ausführung Rykart Architekten AG, Liebefeld Landschaftsarchitektur Schneider Landschaftsarchitekten bsla AG, Aarau Bauleitung Werk 1 Architekten und Planer AG, Olten Bauingenieur Nydegger + Finger AG, Bern Holzbau- und Brandschutzingenieur Makiol Wiederkehr AG, Beinwil am See Elektroplanung Bhend Elektroplan GmbH, Suhr HLS-Planung Hertig Ingenieure AG, Langenthal Bauphysik Grolimund + Partner AG, Bern Holzbau Erni Holzbau AG, Schongau Materialien Konstruktionsholz 505 m³, Brettsperrholz 884 m³, Latten div. 60 m³, Dreischichtplatten B/C 27 mm 4483 m², Furnierschichtholz 27 mm 81 m³, Schalung 27 mm 1596 m², OSB-3 25 mm 2482 m2, Holzfaserplatte 80 mm 1124 m², Gipsfaserplatten 15 mm 3423 m2, zementgebundene Holzspanplatten 268 m³ Baukosten BKP 2 CHF 17,9 Mio. Grundstücksfläche nach SIA 416 5915 m2 Gebäudegrundfläche nach SIA 416 1680 m2 Geschossfläche nach SIA 416 8030 m2 Gebäudevolumen nach SIA 416 23 095 m3 Planung 2015 bis 2016 Ausführung 2017 bis 2018 Fotograf Damian Poffet, Bern-Liebefeld

3293


20 m

Längsschnitt

Aufbau Dach: Kies 60 mm Schutzvlies Becherfolie Polymerbitumen-Dichtungsbahn zweilagig, verklebt Spundschalung 27 mm Lattung Hinterlüftung/Vordachsticher (abgeschrägt 1,5 %) 180–260 mm Unterdachfolie (diffusionsoffen) Weichfaserplatte 80 mm Rippen 240 mm Hohlraumdämmung (Mineralwolle) 240 mm Dreischichtplatte 27 mm Aufbau Wand: Dreischichtplatte (Decklage vertikal) 27 mm Lattung 30 mm Dampfbremse OSB-Beplankung 25 mm Ständer mit Hohlraumdämmung (Mineralwolle SP > 1000 °C, Dichte > 30 kg/m3) 300 mm Gipsfaserplatte 15 mm Fassadenbahn (UV-beständig) Hinterlüftung 40 mm Furnierschichtholz mit Querlagen 27 mm Aufbau Boden Balkon: Platten auf Stelzlager 20 mm Abdichtung einlagig Dreischichtplatte 27 mm Balken, Oberseite 1,5 % abgeschrägt 12/32 cm Aufbau Boden innen: Linoleum 2,5 mm Unterlagsboden inkl. Bodenheizung 60 mm Trennlage Trittschalldämmung 20 mm Mineralfaserplatte, 100 kg/m3 geb. Schüttung 50 mm Überbeton 80 mm Brettsperrholz 160 mm

3294

Detailschnitt Fassade


1.â&#x20AC;&#x2030;Obergeschoss

3295


Wohnüberbauung Moos-Cham Teilgebiet 2, Cham: Der rund gefasste Blick im Inneren einer Wohnung, deren Raumeindruck mit den Farben Weiss, Schwarz und den Holzdecken eine schlichte Sachlichkeit vermittelt. Architektur: Loeliger Strub Architektur, Zürich

Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno Mühlebachstrasse 8 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 info@lignum.ch www.lignum.ch

Redaktion Jutta Glanzmann, Lignum, sowie Ariane Joyet, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich

Administration, Abonnemente, Versand Lignum, Zürich

Lignum-Mitglieder erhalten das Holz­bulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern.

ISSN 1420-0260

Lignum-Hotline: 044 267 47 83 Benutzen Sie unsere Fachberatung am Telefon von 8–12 Uhr, die täglich von Montag bis Donnerstag gratis zur Verfügung steht.

Druck Kalt Medien AG, Zug

Holzbulletin, Dezember 2019 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 140.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten.

Profile for Lignum

Holzbulletin 133/2019  

Holzbulletin 133/2019  

Profile for lignum

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded