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Dreifamilienhaus, Oberrieden Eingebunden in eine Siedlungsstruktur von historisch wertvollen Gebäuden und neuzeitli­ chen Individualbauten, wirkt das Dreifamilienhaus als selbstbewusster Baustein in der Kernzone von Oberrieden. Die Frage der Massstäblichkeit von Bauten in Kernzonen mit den strikten Vorgaben von meist Nostalgie suchenden Bauordnungen stellte sich hier in besonderer Deutlichkeit. Masse, Firstrich­ tungen, Gebäudehöhen, Fassadenproportionen und Dachraumbelichtungen zeigen bei der Ana­ lyse von ausgesuchten Gebäuden im Dorf eine grosse Vielfalt an bereichernden Sonderfällen, welche argumentativ bei der Interpretation der Baugesetze beigezogen wurden. Die sehr schmale und langgezogene, vom But­ zenbach durchschnittene Parzelle sowie die unterschiedlichen Lagequalitäten des Grund­ stückes bilden die Basis der Gebäudedisposition.

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Die Volumetrie und das in Oberrieden nach wie vor typische Nebeneinander von meist hellen Steinhäusern und dunklen Holzscheunen legte ein Haus in konsequenter Holzbauweise nahe. Die Wohnungen wurden typologisch aus den unmittelbaren Gegebenheiten der Parzelle entwickelt. Aus den verschiedenen Quartierperspektiven erscheint das Haus in unterschiedlichen Prägungen und Volumetrien. Um Aussicht und Sonne optimal in die Wohn­ räume zu bringen, wurde das Gebäude in der Längsrichtung geknickt. Der parallel zum Hang verlaufende Doppelgiebel ermöglicht grosszügige, gut bewohn- und belichtbare Dachräume. Aus Brandschutzgründen wurde im Gelenk des Gebäudes ein Treppenhaus aus Sichtbeton erstellt. Um diesen Kern legen sich die rohbelassenen, vorfabrizierten Holz­ elemente – sichtbar genagelt. Wand- und Deckenelemente sind als grossformatige Kas­

tenelemente ausgebildet, die ein Aufrichten des Holzbaus in etwa einer Woche ermöglich­ ten. Die äussere Holzverkleidung besteht aus einer vertikalen, mit pigmentiertem Leinöl behandelten, sägerohen Wechselfalzschalung in Tanne. Die Gartenwohnung mit den grossen Schwing­ flügelfenstern wird vom alten Baumbestand geprägt. Über eine Dreivierteltreppe wird der obere Wohnungsteil in den Hauptwohnraum eingebunden und lässt die 24 m Tiefe spürbar werden. Die Dachwohnung ist über drei SplitLevel organisiert. Der Wohn- und Essraum mit grosszügigem Eckfenster bringt die Morgen­ sonne ins Gebäude. Auf dem zweiten, nach Süden ausgerichteten Niveau entsteht durch das grosse Faltschiebefenster und den vorgela­ gerten Balkon eine loggiaartige Innensituation. Die Einliegerwohnung ist dank einer grosszügi­ gen, auffaltbaren Verglasung sehr hell und

Holzbulletin 124/2017  

Gemeinsam individuell wohnen

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