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Holzbulletin 101/2011 Handwerk und Unternehmertum Werkstatt- und Wohnatelier Storni, Meilen Jurassische Holzfachschule, Delsberg Forstwerkhof, Villars-Tiercelin Revitalisierung Bürohaus und Ausstellungsneubau PVA AG, Altendorf Verwaltungsgebäude der Zaugg AG Rohrbach Werkhalle sowie Kompetenzzentrum Bauen und Energie der Uffer AG, Savognin

Ökonomischer und zugleich atmosphärischer Holzbau: Werkstatt- und Wohnatelier Storni, Meilen. Architektur: Leo Frei Architekten, Stäfa und Zürich


Gebaute Zuversicht Die Wald- und Holzwirtschaft liefert nicht nur Material, Bauwerke und Ausbauten für andere, sondern baut oft auch für sich selbst. Mit einigen Beispielen versucht das aktuelle Holzbulletin dieses Geschehen einzufangen. Es beginnt mit dem Atelier von Candido Storni in Meilen, wo Möbel und Skulpturen entstehen, die regelmässig in der Galerie Schlégl in Zürich ausgestellt werden. Der Neubau berücksichtigt die Nachbarschaft zum geschützten Ortsbild, nimmt demzufolge den alten Baukubus und dessen ursprüngliche Erscheinung auf, spricht aber architektonisch auch eine zeitgemässe Sprache. In der jurassischen Holzfachschule in Delsberg finden praktische und theoretische Kurse für angehende Schreiner und Holzbaufachleute/Zimmerleute statt. Der Neubau, funktional und nüchtern, stellt den Baustoff Holz ganz in den Vordergrund, übernimmt also selber eine didaktische Rolle bei seinen Nutzern. Im Forstwerkhof der Fusionsgemeinde Villars-Tiercelin stehen dem Forstbetrieb Büros, Werk- und Lagerräume zur Verfügung. Der naheliegende Baustoff Holz kommt in der Konstruktion ebenso wie in inneren und äusseren Oberflächen zum Ausdruck. Die Fassadenbekleidung aus Schwartenabschnitten stellt sogar eine direkte Verbindung zur Waldumgebung her. Mit einer Aufstockung über der bestehenden Lagerhalle erhält die PVA AG in Altendorf, die im Handel mit Holzwerkstoffen, Parkett und Türen tätig ist, eine neue Ausstellung, wobei gleichzeitig das bestehende Bürohaus eine Neuorganisation findet. Dass Kundenkontakte eine wichtige Rolle in der Ausgestaltung der Revitalisierung und des Neubaus spielen, wird im Innern insbesondere beim lichtdurchlässigen, offenen Empfangsbereich und in der grosszügigen Expo offenkundig. Zwei alteingesessene Holzbaubetriebe, die Zaugg AG Rohrbach und die Uffer AG in Savognin, thematisieren mit ihren Bauten für die eigene Firma besondere Kompetenzen: Die Zaugg AG Rohrbach weist die Eignung des Hallenbaus zur Erstellung architektonisch anspruchsvoller Dienstleistungsgebäude nach, wobei Stahl- und Holzbau effizient kombiniert werden. Die Uffer AG hat neben Produktions- und Ver­waltungsbauten auch ein Zentrum für Bauen und Energie mit Ausstellungs-, Schulungs- und Seminarräumen erstellt. Selbstverständlich kommen dabei technische Installationen wie Hackschnitzelheizung, kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Luft-Erd-Register für die Vorwärmung der Aussenluft, Nutzung der Abwärme der Druckluftanlagen und Fotovoltaik zur Anwendung. Jedes der dokumentierten Bauwerke hebt also gezielt einen Aspekt der Firmenkultur hervor. Als Firma eine Kultur zu leben, bedeutet natürlich, über einen Begriff von Identität zu verfügen. Handwerkliche Kleinbetriebe sehen diese oft in der Qualität ihres Schaffens, da dies die Kompetenz der Firma in Form der Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter direkt widerspiegelt. Für grössere Unternehmen wandelt sich der Begriff der Identität in je verschiedene Gestalten – sichtbar in den Beispielen dieses Heftes. Verbindendes Element des Ausdrucks ist Holz in all seinen Formen, also das Material, das auch Bindeglied der Wald- und Holzwirtschaft respektive das Bindeglied zwischen deren Unternehmen und den darin tätigen Menschen ist. Ein weiteres verbindendes Element ist nicht zu übersehen. Die Betriebsbauten der Holzbranche bringen eine Bewegung zum Ausdruck: Aufbruchstimmung, Zuversicht und Vertrauen in das Bauen mit Holz und dessen Potential. Roland Brunner Technische Kommunikation Lignum


Werkstatt- und Wohnatelier Storni, Meilen Oberhalb von Meilen liegt der Weiler Burg. Das geschützte Ortsbild und insbesondere die Burg Friedberg gehen bis auf das Jahr 1200 zurück. Nach einem Brand galt es, zwei etwa hundertjährige Scheunenteile in unmittelbarer Nachbarschaft des historischen Ensembles im Sinne eines Ersatzbaus/Wiederaufbaus neu zu erstellen. Ursprünglich landwirtschaftlich, dann als Teil eines Werkhofs genutzt, sollte der Neubau sowohl als Werkstatt- als auch als Wohn- und Ateliergebäude dienen. Die Bauherrschaft betrieb schon vor dem Neubau eine benachbarte Holzwerkstatt und wünschte sich einen ökonomischen und zugleich atmosphärischen Holzbau. Aufgrund der Nähe zum geschützten Ortsbild wurde die Gestaltung des Neubaus durch das Baukollegium der Gemeinde begleitet. Während der alte Baukubus und das ursprüngliche Erscheinungsbild als Scheune erhalten bleiben sollten, durfte der architektonische Ausdruck eine zeitgemässe Sprache sprechen. Die Idee für eine Gesamtbebauung des Werkhofareals basiert auf einem Hofkonzept. Belichtung und Erschliessung der Gebäude folgen der hofseitigen Hauptorientierung. Der Ersatzbau übernimmt dieses Muster und bildet zugleich Eingangsvolumen und Strassenrücken. Die stras­

senseitige Westfassade erscheint möglichst geschlossen, während die Hofseite grössere Öffnungen aufweist. Besondere Anforderungen wurden an die Dachfenster als nichthistorisches Bauelement gestellt. Zur Kaschierung wurden sie in der Dachfläche versenkt und mit einem ziegel­ebenen Dach­flächengitter belegt. Im Vergleich zu den alten, sehr heterogenen Gebäuden ist der neue Baukörper sowohl formal als auch hinsichtlich Materialisierung ruhig ausgebildet. Aufgrund der Ökonomie des Baustoffes Holz und wegen der beruflichen Verbundenheit des Bauherrn mit dem Material wurde der Ersatz­bau in Holzbauweise ausgeführt. Die Aus­­­sen­wände und Geschossdecken bestehen aus vorgefertigten Holzrahmenbauelementen. Der massive Kern aus Beton und Backstein dient der Gesamtstabilisierung und der Brand­abschnitt­bildung. Innerhalb des ursprünglichen Scheunenprofils ist der Neubau auf einem ökonomischen Holzraster von 1,25 m aufgebaut. Träger in Brettschichtholz überspannen in diesem Rhythmus den stützenfreien Werkstattraum über eine Tiefe von 9 m. Der Raster wird ebenfalls für den angrenzenden, durch ein Treppenhaus getrennten Wohnteil weitergeführt. Während im Werkstattbereich der Bau zwei­geschossig ist, mit einem Schau­ lager im Dachraum, entwickelt sich das see­ seitige, loftartige Wohnatelier über total drei Geschosse. Wo der Stützenrhythmus nicht ver-

glast ist, ist die Fassade mit einer rohen Bretterschalung bekleidet. Zusammen mit dem weitausladenden Dach nimmt der Bau auf diese Weise Bezug auf traditionelle Scheunenformen und lehnt sich an die historische Umgebung an.

Situation

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Erdgeschoss

Galeriegeschoss

Dachgeschoss

Ort Auf der Burg 12, 8706 Meilen Bauherrschaft Candido Storni, Meilen Architektur Leo Frei Architekten, Stäfa und Zürich Bauingenieur HTB AG, Stäfa Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Kübler AG, Oetwil am See Materialien Brettschichtholz in Fichte/Tanne 52 m3 und in Lärche 2 m3; Platten: Dreischichtplatten 27 mm 627 m2, 35 mm 93 m2, 50 mm 44 m2, 80 mm 216 m2, diffusionsoffene, mitteldichte Holz­faserplatte 616 m2; Bodenriemen 50 mm 194 m2, Fassadenbekleidung: zweilagige Deckelschalung 262 m2 Baukosten BKP 2 CHF 1,78 Mio. davon BKP 214 CHF 420 000.– Grundstücksfläche 1150 m2 Geschossfläche 450 m2 Kubatur SIA 116 2500 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 712.– Bauzeit 2007–2009 Fotograf Hannes Henz, Zürich

Querschnitt Erschliessung

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Längsschnitt

Querschnitt Atelier

10 m

Querschnitt Werkstatt


Dachaufbau von aussen: Ziegel Lattungen Unterdachfolie Diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 16 mm Binder 100 x 300 mm, im Abstand von 1250 mm Pfetten zwischen Binder 180 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Unterlagsboden Trittschalldämmung Rippenelement: Fünfschichtplatte 80 mm Rippen 420 mm, im Abstand von 1250 mm

Fassadenschnitt Werkstatt

Aufbau Aussenwand von innen: Stütze 100 x 350 mm, im Abstand von 1250 mm Dreischichtplatte 27 mm, luftdicht Riegel 180 mm/Dämmung Diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 16 mm Windpapier Lattung 2 x 30 mm gekreuzt Schalung 24 mm

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Jurassische Holzfachschule, Delsberg Die neue Jurassische Holzfachschule in Delsberg steht nicht weit vom Flüsschen Sorne entfernt. Der gänzlich aus Holz erstellte Neubau für die praktische und theoretische Ausbildung der Lehrlinge aus dem Kanton Jura und dem Berner Jura passt perfekt zum zukünftigen Tätigkeitsgebiet der Auszubil­denden. Der Jurassische Schreinermeisterverband suchte nach dem unfreiwilligen Auszug aus der Berufsschule in Porrentruy zunächst brachliegende Industriegebäude für seine zweiwöchigen praktischen und theoretischen Lehrlingskurse. Da sich nichts finden liess, begann die Idee eines Neubaus zu reifen. Auf einem vom Kanton zur Verfügung gestellten Grundstück wurde die Idee am Ende Wirklichkeit. Von der ersten Skizze bis zur Inbetriebnahme des Neubaus vergingen lediglich 14 Monate. Der Holzbau wurde gar innerhalb von nur vier Wochen erstellt. Die Wahl des Baustoffs Holz sowie dessen einfühlsame und überlegte Verarbeitung entsprechen der wichtigen didaktischen Rolle des Gebäudes bei der Ausbildung junger Berufsleute. Das Gebäude bietet auf einer Fläche von 1000 m2 Platz für zwei Werkstätten mit den entsprechenden Maschinen, ein Klassenzimmer, ein Lehrerzimmer und einen Lagerraum. Aufgebaut auf eine Bodenplatte, erhebt sich die neue Schule am Rand eines Dammes, welcher zum Schutz vor einem Hochwasser der Sorne aufgeschüttet wurde. Von dieser erhöhten Lage pro-

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fitieren die Benützer, indem sich ihnen ein weiter Blick auf die Landschaft öffnet. Das zur Verfügung gestellte Grundstück war in verschiedener Hinsicht äusserst interessant. Insbesondere grenzt es unmittelbar ans kantonale Berufsbildungszentrum an. Das ermöglicht die Nutzung zahlreicher Synergien zwischen der neuen Schule und der bestehenden Infrastruktur. So mussten für die neue Schule weder eine Cafeteria noch eine Aula erstellt werden, da diese im bestehenden Bau schon vorhanden waren und durch die zusätzlichen Benützer besser ausgelastet werden konnten. Dadurch lies­ sen sich beträchtliche Kosten einsparen. Die beauftragten Architekten schlugen der Bauherrschaft einen funktionalen, nüchternen Neubau vor, bei welchem jedoch der Baustoff Holz ganz im Vordergrund steht. Träger in Brettschichtholz überspannen das Gebäude von Aus­ senwand zu Aussenwand und öffnen weite, für die vielfaltigen Aktivitäten modular nutzbare Räume. Dadurch ist ein rationeller Gebrauch der Einrichtungen und Geräte möglich. Im Innern ist der Baustoff Holz in Form der Bodenverkleidungen aus rohen Eichenbrettern und der Akustikplatten aus Holzwolle an den Decken gegenwärtig. Die braun, gelb und grün gefärbten OSB-Platten zur Beplankung der Holzrahmenbauwände unterstreichen die Komplementarität der verschiedenen Materialien. Die Fassaden sind mit vertikalen Lamellen aus rohem Lärchenholz bekleidet. Teilweise flach, teilweise kantig angeordnet, beleben sie die

äussere Erscheinung des Baus und stellen einen eleganten Sonnenschutz für die grossen Fen­ sterflächen dar, durch welche das Tageslicht ins Gebäudeinnere flutet. Das Satteldach ist begrünt; ein grosses Vordach markiert den Eingangsbereich. Dies schafft einen geschützten Aussenraum, der gleichzeitig als Schulhof und Pausenplatz dient.

Situation


Querschnitt

Längsschnitt

Grundriss

20 m

Ort Rue de la Jeunesse, 2800 Delsberg Bauherrschaft AJMCE Association jurassienne des menuisiers, charpentiers et ébénistes, Tavannes; Projektleitung: Stéphane Letté Architektur Kury Stähelin architectes SA, Delsberg; Mitarbeiter: Delphine Kohler, Denis Steiner, Jacques Theubet Bauingenieur Pepi Natale, Delsberg Holzbauingenieur Suter & Cie AG, Schüpfen Holzbau Liéval SA, Courchavon Materialien Rahmenbaukanteln und Brettschichtholz 70 m3; Platten: OSB 45 m3, Akustikelemente 75 m3; Parkett in Eiche 790 m2; Fassadenbekleidung in Lärche 20 m3 Baukosten CHF 2,15 Mio. Gebäudegrundfläche SIA 416 1237 m2 Gebäudevolumen SIA 416 6860 m3 Bauzeit September 2008–Oktober 2009 Fotograf Thomas Jantscher, Colombier

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Dachaufbau von aussen: Dachbegrünung mit Wellplatten als Unterlage Unterdachbahn Kastenelement: OSB 22 mm Sparren 240 mm/Dämmung Dampfsperre OSB 15 mm Lattung 30 mm Akustikelement 75 mm Aufbau Aussenwand von innen: Innenbekleidung Dampfbremse Ständer 240 mm/Dämmung Holzfaserdämmplatte 24 mm Lattung vertikal 40 mm Lattung horizontal 30 mm Schalung in Lärche 24 mm Bodenaufbau von oben: Parkett in Eiche 15 mm Dichtungsbahn Stahlbeton 150 mm Magerbeton 50 mm

Fassadenschnitt

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Forstwerkhof, Villars-Tiercelin Mit seiner Bekleidung aus rohen Brettern verschmilzt der neue Forstwerkhof der jungen Fusionsgemeinde Jorat-Menthue wunderbar mit seiner waldigen Umgebung. Die Wahl des Baustoffs Holz war naheliegend. Sie wider­spiegelt die örtliche Bedeutung des Waldes mit einer Fläche von 700 ha und trägt zur Aufwertung des Rohstoffs bei, den er bereithält. Das Gebäude beherbergt die Infrastruktur der Forstverwaltung und des technischen Dienstes der neuen Gemeinde Jorat-Menthue, welche im Sommer 2011 aus der Fusion von sechs kleinen Gemeinden entstanden ist. Der Werkhof befindet sich in der Ortschaft Villars-Tiercelin, direkt am Waldrand und in unmittelbarer Nähe einer Erholungszone mit einem Fussballplatz. Er ist auch Ausgangspunkt eines markierten Forstlehrpfades von rund fünf Kilometern Länge. Das Gebäude besteht aus zwei Teilen, welche unter einem einzigen Satteldach liegen. Im beheizten Teil befinden sich im Erdgeschoss die Werkstatt und die Umkleideräume des Forstbetriebs sowie die Duschen und Toiletten, während im Obergeschoss das Büro des Forstbetriebsleiters und ein Aufenthaltsraum mit Kochnische untergebracht sind. Demgegenüber sind in einem zweiten, nicht beheizten Teil Maschinen und Geräte sowie die Schnitzelheizung mit dem darüberliegenden Brennstofflager untergebracht. Dass für die Konstruktion Holz gewählt wurde, verstand sich von selbst. Lediglich die Fundamentplatte, das Treppenhaus des beheizten Teils sowie – aus Brandschutzgründen – der Technik-

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raum und das Schnitzelsilo bestehen aus Beton. Um die Oberflächen des Gebäudekörpers besonders zur Geltung zu bringen, verarbeitete man sowohl für die Wände als auch für die Decken Brettsperrholz. Die Wände bestehen aus 95 mm dicken Platten, während für die Geschossdecke und das Dach des beheizten Gebäudeteils Platten von 146 mm Dicke Verwendung fanden. Darüber wurden eine 240 mm dicke Dämmung, eine Dichtungsbahn und schliesslich eine Kiesschicht von 50 mm eingebracht. Die Spannweite von 10 m beim Dach über dem Lager wird mittels Elementen von 260 mm Dicke überwunden. Das Brettsperrholz ist nach innen sowohl an den Wänden als auch an den Decken sichtbar. Diese architektonische Massnahme verschafft dem Gebäude eine Einheitlichkeit, die in angenehmer Art und Weise mit den lebhaften Farbtönen des Treppenhauses kontrastiert. Einzig die Oberflächen der Zwischenböden im beheizten Teil wurden abgeschliffen und eingeölt. Die Fassadenbekleidung aus 30–60 mm dicken Schwartenabschnitten, denen zum Teil noch Rindenreste anhaften, verleiht dem Bau ein unregelmässiges, lebhaftes Aussehen und lässt ihn mit der Waldumgebung verbinden. Ganz gegensätzlich gestaltet sind die rückseitigen Oberflächen wie diejenigen der Schiebetür der Werkstatt. Hier wurden perfekt geglättete, schwarz gefärbte, hochdichte Holzwerkstoffplatten von 10 mm Dicke verwendet. Die Fenster sind klein, zufällig angeordnet und mit Jalousien versehen, welche genau gleich wie die Fassade aussehen. Sind die Jalousien einmal geschlossen, werden die Fensteröffnun-

gen unsichtbar, und das Gebäude verwandelt sich in einen rätsel­haften Monolithen. Ganz im Gegensatz dazu befindet sich im Aufenthaltsraum eine ein­zige, überdimensionierte Öffnung in Form eines grossen Glasfensters, welches einen wunderbaren Blick auf den nahen Waldrand erlaubt.

Situation


Erdgeschoss

Obergeschoss

Längsschnitt

10 m


Ort ‹Les Esserts›, 1058 Villars-Tiercelin Bauherrschaft Gemeinde Jorat-Menthue Architektur Atelier d’architecture O. Charrière SA, Bulle; Mitarbeiter: Christophe Jaquier HLKS-Ingenieur Weinmann Energie SA, Echallens Holzbauingenieur Kälin & Cuerel SA, Lausanne Holzbau Vial SA, Le Mouret Materialien Konstruktionsholz: Brettschichtholz 3,5 m3, Brettsperrholz 94 mm 366 m2, 146 mm 160 m2, 260 mm 212 m2; Fassaden­bekleidung: Schwarten 350 m2, hochdichte Holzwerkstoffplatten 275 m2 Baukosten BKP 2 CHF 1,07 Mio. davon BKP 214 CHF 131 500.– Gebäudegrundfläche SIA 416 287 m2 Geschossfläche SIA 416 300 m2 Gebäudevolumen SIA 416 1850 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 550.– Bauzeit Juni 2010–Februar 2011 Fotograf Thomas Jantscher, Colombier

Dachaufbau von aussen: Kies 50 mm Dichtungsbahn Trennlage Dämmung 240 mm Dampfsperre Brettsperrholz 146 mm Deckenaufbau von oben: Brettsperrholz 146 mm, geölt Aufbau Aussenwand von innen: Brettsperrholz 95 mm Dämmung 200 mm Windpapier Lattung gekreuzt Fassadenbekleidung 30–60 mm oder hochdichte Holzwerkstoffplatte 10 mm Bodenaufbau von oben: Bodenbelag Epoxy Stahlbeton 200 mm Dämmung 150 mm Magerbeton 50 mm

Detailschnitt

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Revitalisierung Bürohaus und Ausstellungsneubau PVA AG, Altendorf Die seit Jahrzehnten im Handel mit Holzwerkstoffen, Parkett und Türen tätige Firma PVA stiess räumlich und logistisch an bauliche Grenzen. In nur sechs Monaten wurden deshalb unter Aufrechterhaltung des Normalbetriebes die fast zwanzigjährigen Büro- und Ausstellungsräume modernisiert. Zum Projekt gehörte ein anspruchsvoller Anforderungskatalog. Er umfasste den Wunsch nach flexibler Nutzung des bestehenden Gebäudes, nach Klimatisierung/Kühlung des Bürobaus sowie nach einem Bistro als Mitarbeiterbegegnungsstätte und Schulungsraum. Doch auch ein neuer Ausstellungsraum gehörte zu den Zielvorstellungen, und der Eingangbereich sollte sich entwickeln. Das führte zu einem Konzept mit einer Aufstockung der bestehenden Lagerhalle und einem gläsern wirkenden Baukörper für den Eingangsbereich. Im Erdgeschoss besticht der Neubau mit einem lichtdurchlässigen, offenen Empfangsbereich. Über Treppe und Lift lässt sich von dort der ebenfalls offen gestaltete und von natürlichem Licht durchflutete Ausstellungsraum im Obergeschoss erreichen. Die grosszügige Anordnung der Exponate aus den Bereichen Parkett, Türen und Holzwerkstoffe vermittelt dem Besucher in diversen Wohnwelten einen hervorragenden Überblick über das vielfältige Angebot. Der dreigeschossige Bürotrakt wird nach dem Umbau weiterhin vorwiegend für Bürozwecke genutzt, insbesondere in den Obergeschossen.

Im Erdgeschoss sind nun neben dem Empfang gleich die Disposition und anschliessend das gewünschte Bistro angegliedert. Um die Bauzeit möglichst kurz zu halten, wurde wo immer möglich die Trockenbauweise gewählt. So baut das neue Ausstellungsgebäude auf einer Mischbauweise in Stahl, Beton und Holz auf. Für die Unterzüge und Stützen sind HEB-Träger im Einsatz. Darüber spannt die bestehende Balkenlage, welche mit einem neuen Überbeton als Holz-Beton-Verbundelement wirkt. Im Obergeschoss mit dem eigentlichen Ausstellungsraum ist wiederum eine Konstruktion mit Stützen und Unterzügen aus HEB-Trä-

gern eingebaut, worüber rund 25 m lange und 1200 mm hohe Brettschichtholzträger in Längsrichtung spannen. Die Wand- und Dachelemente sind in Holzrahmenbauweise aus­ geführt, der Flachdachaufbau basiert auf Brett­ stapelelementen. Die Baulogistik bedurfte zur Aufrechterhaltung des Normalbetriebes und wegen der teils feuchteempfindlichen gelagerten Güter besonderer Aufmerksamkeit. So wurde der Bauablauf in Etappen von zwei bis drei Tagen aufgeteilt, in denen die realisierten Arbeiten immer wieder regendicht abgeschlossen werden konnten.

Erdgeschoss und Umgebung

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Längsschnitt

Querschnitt

20 m

Obergeschoss

Ort Talstrasse 8, 8852 Altendorf Bauherrschaft PVA AG, Altendorf, und Wiberg AG, Altendorf Architektur Entwurf SNP-Architekten, Neureiter/Schrattenecker, Wien (A) Architektur Ausführung Noser Bauleitungen + Architektur AG, Altendorf Projekt- und Bauleitung Noser Bauleitungen + Architektur AG, Altendorf Bauingenieur Dobler, Schällibaum & Partner, Greifensee HLS-Ingenieur Rickenbach M. GmbH, Bäch Elektroingenieur Faisst & Partner AG, Eschenbach Holz- und Stahlbau Walter Kälin Holzbau AG, Rapperswil-Jona Materialien Bauholz: Rahmenbaukanteln 28 m3, Brettschichtholz 71 m3, Brettstapelelemente 42 m3; Platten: Dreischichtplatten 27 mm 1020 m2, Gipsfaserplatten 270 m2 BKP 214 CHF 450 000.– Geschossfläche 580 m2 (Ausstellungsneubau) Kubatur SIA 116 4800 m3 (Aufstockung und Empfang) Bauzeit Januar – Juni 2008 Fotograf Bruno Klomfar, Wien (A)

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Dachaufbau von aussen: Bituminöse Abdichtung zweilagig (Schwarzdach) OSB-Platte 18 mm Rahmen 200 mm/Dämmung Dampfbremse Gipsfaserplatte 18 mm Aufbau Flachdach von aussen: Rundkies 50 mm Fliessmatte Bituminöse Abdichtung zweilagig Gefällsdämmung Dampfbremse OSB-Platte 18 mm Brettstapelelemente 100 mm (Akustik) Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 18 mm Dampfbremse Ständer 200 mm/Dämmung OSB-Platte 18 mm Lattung 50 mm Fassadenbekleidungsplatte 8 mm Deckenaufbau von oben: Parkett 15 mm Gipsfaser-Estrichelement 38 mm Doppelbodenstützen 80 mm Holz-Beton-Verbund: Überbeton 140 mm Balkenlage 400 mm/Dämmung 100 mm Dreischichtplatte 24 mm Detailschnitt

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Verwaltungsgebäude der Zaugg AG Rohrbach Seit der Gründung der Zimmerei im Jahr 1936 hat das Familienunternehmen Zaugg AG Rohrbach laufend neue Kompetenzen in den Bereichen Ingenieurholzbau, Stahlbau, Gebäudehülle und Innenausbau sowie Krantechnik und Spezial­ transporte ent­wickelt. Das neue Verwaltungs­ gebäude des Unternehmens weist die Eignung des Hallenbaus zur Erstellung architektonisch anspruchsvoller Dienstleistungsgebäude nach. Ingenieurholzbau und Schreinerei sind wichtige Standbeine der Unternehmung. Um ein Maximum an Eigenleistung in Planung und Ausführung zu erbringen, drängte sich infolgedessen die Verwendung von Holz als Baustoff für eine Vielfalt von Bauteilen des neuen Verwaltungsgebäudes geradezu auf. Die Firma wollte zudem ein Referenzobjekt im Hallenbau mit hohem Standard realisieren, um die Möglichkeiten des modernen Holzbaus aufzuzeigen. Mit dem Ziel, nachhaltiges Bauen zu dokumentieren und Erfahrungen zu sammeln, wurde eine Bauweise in Minergie-P-Eco geplant. Damit wurde auch bei der Auswahl der Materialien auf Herkunft und Zertifizierung geachtet. Offene Raumstrukturen und Glaswände erhalten den Hallencharakter und verleihen dem Gebäude Leichtigkeit und Transparenz. Das Farbkonzept unterscheidet im Tragwerk zwischen primären und sekundären Bauteilen, wodurch die Konstruktionsweise hervorgehoben wird. Die schräg verlaufende Fassade aus senk-

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rechten, konischen Lärchenlamellen steigt gegen Südwesten an, wodurch sich das Gebäude dem Besucher einladend öffnet. Die Anordnung und Gestaltung der Arbeits­ plätze orientiert sich an den betrieblichen Abläufen und Bedürfnissen. Im Erdgeschoss befinden sich nordseitig die grosszügigen Arbeits­plätze der Hochbauzeichner und Kon­ strukteure, welche indirekte Beleuchtung brauchen. Im Zentrum ist der Empfang vor einem modernen Kubus positioniert, der als Plotterraum dient sowie Büromaterial und Postfächern Platz bietet. Über die südwärts ausgerichtete Längsseite wird im Empfangsbereich in den Wintermonaten Sonneneinstrahlung gewonnen. Ost- und westseitig befinden sich im Erdgeschoss separate Büros für die Architektur, Kalkulation und Bereichsleitungen. Das Ober­ geschoss hält Einzelarbeitsplätze für Admini­ stration und Geschäftsleitung sowie Besprechungsräume bereit. Das Untergeschoss wird für Archiv, Nasszellen, Server- und Technikraum genutzt und enthält Garderoben und Aufenthaltsraum. Die Dachträger bestehen aus Brettschicht­ holzträgern mit einem Querschnitt von 200 x 1200 mm. Die Träger sind überhöht, damit die Durchbiegungen aus den ständigen Lasten eingehalten werden können. Zwischen die primären Träger sind Rippenelemente als Grundlage für den Dachaufbau eingehängt. Von der Dachscheibe werden die vertikalen

Lasten über Stützen in Brettschichtholz und die horizontalen Kräfte über sichtbare Verbände aus Zugstangen in die Bodenplatte eingeleitet. Das rund 3 m auskragende Dach dient als Sonnenschutz und schützt die unbehandelte Holzfassade und die Verglasung vor Schlagregen. Die Akustikdämmung, das schwarze Vlies und die Untersicht aus lasierten Latten wurden bereits werkseitig angebracht. Die Decke zum Obergeschoss besteht aus Brett­ stapelelementen mit Akustikfräsung. Sie liegt fassadenseitig auf Unterzügen in Brettschichtholz beziehungsweis aus Stahl im Innenbereich auf. Die Fassadenelemente sind beidseitig mit Dreischichtplatten beplankt und ausgedämmt. Die Verglasung ist von aussen auf einer PfostenRiegel-Konstruktion angebracht. Zur Einhaltung der Brandschutzvorschriften führen Fluchtwege und Ausgänge ohne Korridore direkt ins Freie. Dank der transparenten Verglasung konnten die Anforderungen an den Feuerwiderstand der Trennwände von 60 auf 30 Minuten reduziert werden. Die Heizwärme wird mit einer Wärmepumpe über eine Erdsonde aus 210 m Tiefe gewonnen und über die Bodenplatte als thermoaktives Bauteil an den Raum abgegeben. Dies ermöglicht wirtschaftliche und ökologische Vorlauftemperaturen. Das Raumklima wird einerseits durch eine Komfortlüftung mit Wärmerück­ge­ winnung, andererseits über Dachabluftklappen


gesteuert. Die Leuchten in der Halle und an den Arbeitsplätzen werden über Sensoren gesteuert, welche die Tageslichtintensität und die Anwesenheit berücksichtigen. Das Dachwasser wird gesammelt und für Toiletten, Innenraumbepflanzung und Gartenbewässerung genutzt. Auf dem extensiv begrünten Dach ist eine Fotovoltaikanlage (48 kWp) in­stalliert, welche jedoch nicht in die Berechnungen für den Energiestandard Minergie-P-Eco miteinbezogen werden musste.

Situation

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Ort Walke 2, 4938 Rohrbach Bauherrschaft Zaugg AG Rohrbach Architektur Zaugg AG Rohrbach Bau- und Holzbauingenieur Zaugg AG Rohrbach Holzbau Zaugg AG Rohrbach Materialien Bauholz: Duobalken und Vollholz 58 m3, Brettschichtholz 60 m3, Brettstapelelemente 47 m3; Platten: Dreischichtplatten 1750 m2, OSB 2144 m2; Deckenschalung 680 m2; Fassadenbekleidung: Schalung in Lärche 2410 m2 Baukosten BKP 2 CHF 2,70 Mio. davon BKP 214 CHF 0,75 Mio. Geschossfläche SIA 416 1332 m2 Gebäudevolumen SIA 416 6563 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 411.– Bauzeit Oktober 2009–März 2010 Fotografie Foto Lang, Langenthal

Erdgeschoss

Obergeschoss

Querschnitt

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Längsschnitt

20 m


Dachaufbau von aussen: Substrat 50 mm Schutzschicht 30 mm Abdichtung Gefällsdämmung 360 mm im Mittel Dampfsperre Brettschichtholzträger 1200 mm/Rippenelement: OSB 19 mm Pfetten 260 mm Akustikdämmung mit Vlies Schlitzschalung 30 mm Aufbau Decke von oben: Textiler Bodenbelag Gipsfaserplatte 20 mm Trittschalldämmplatte 20 mm Brettstapelelemente 180 mm mit Akustikfräsung Aufbau Aussenwand von innen: Dreischichtplatte 27 mm weiss lasiert Ständer 350 mm/Zellulosedämmung OSB 25 mm Lattung 30 mm Stehende Lamellenschalung konisch Aufbau Decke über UG von oben: Parkett 8 mm Monobeton

Fassadenschnitt

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Werkhalle sowie Kompetenzzentrum der Uffer AG, Savognin Der Neubau der in Savognin verwurzelten Zimmerei Uffer besteht aus der Werkhalle und einem dreigeschossigen Logistik- und Bürotrakt, in dem auch ein Kompetenzzentrum für Bauen und Energie untergebracht ist. Von der Planung bis zur Fertigstellung war das Zusammenspiel von Architektur, Ökologie und Ökonomie ein prägendes Thema. Seit über 100 Jahren ist die Zimmerei Uffer im klassischen Holzbau tätig. In den letzten Jahrzehnten expandierte das Unternehmen stetig und nahm immer neue Tätigkeitsbereiche und Dienstleistungen ins Portfolio auf. Doch das im Dorfkern liegende Gebäude platzte in der Folge aus allen Nähten. Zudem wuchsen die Immis­sionen aus dem Betrieb, was im Ortszentrum für die Akzeptanz des Unternehmens nicht unbedenklich war. Beide Aspekte führten die Firmeninhaber zum Entscheid, einen neuen Standort zu suchen. Savognin verfügt auf der Hauptverbindungs­achse zwischen den Wirtschaftsräumen Engadin, Davos und Thusis über eine ausgezeich­nete Lage. Mit Unterstützung der Gemeinde liess sich in derselben Standortgemeinde wie bisher ein ge­eigneter Bauplatz für das prosperierende Unternehmen finden, indem am südöstlichen Dorfrand eine Umzonung und Erschliessung für die Gewerbenutzung erfolgte. Das Firmengebäude konnte damit direkt an der Julierstrasse errichtet werden, womit optimale Bedingungen bezüglich verkehrstechnischer Erschliessung und Firmenrepräsentation gegeben waren. Der Standort am Dorfeingang verpflichtete an­dererseits aber auch hinsichtlich Nutzung und Architektur. Neben den Produktions- und Verwaltungsbauten der Uffer AG umfasst der attraktive neue Komplex auch ein Kompetenzzentrum für Bauen und Energie. Der im Minergie-P-Standard erstellte Gebäudetrakt beherbergt Ausstellungs-, Schulungs- und Seminarräume und bietet ein breites Infor­mations- und Beratungsangebot zum Bauen und Sanieren in den Standards Minergie, Minergie-P und Minergie-A.

Die Architekten gliederten den Neubau in zwei Teilvolumen. Direkt an der Strasse liegen das drei­ geschossige Logistik- und Verwaltungszentrum sowie das Kompetenzzentrum für Bauen und Ener­ gie. Daran schliesst sich die grosse Produk­tions­ halle. Die Gebäudevolumen sind in der Höhe zum Strassenraum hin gestaffelt; die langgezogenen Fassaden werden durch einen vor­gelagerten Filter aus Holzstäben und die durchscheinende Tragwerksstruktur optisch gegliedert. Der Filter erinnert an sich verzweigende Äste; er ist ein archi­ tektonisches Aushängeschild des Komplexes und gleichzeitig mit seinen Verschattungselementen essentieller Bestandteil des Gebäudekonzeptes. Die dunkel gebeizte Holz­fassade aus einfachen Brettern bildet zusammen mit der flächen­bündigen Verglasung eine straffe Haut und vereinheitlicht die dahinterliegenden Funktionen. Grosse Innenfenster geben den Blick frei auf die Produktionsabläufe in der Werkhalle. Das Tragwerk und das Grossraumkonzept der Produktionshalle mit 72 m Länge und 33 m Breite ermöglichen eine hohe Flexibilität für wechselnde Bedürfnisse und Nutzungen und bieten gute Bedingungen für die Arbeitsplätze bezüglich Raumklima und Tageslichtnutzung. 16 Fach­werke überspannen die Produktionshalle in Quer­richtung. Deren Stäbe sind in Brettschichtholz, die Knoten mit eingeklebten Gewinde­stangen ausgeführt. Ge­lagert auf Pendelstützen in Brettschichtholz, weisen die Fachwerke eine Stützweite von 29,7 m und eine Gesamt­länge von 37 m auf. Die hallenmittige Höhe beträgt 3,12 m, die Endhöhe 2,9 m. Über den Fachwerken überspannen liegende Balken mit einer Höhe von 120 mm die 4,7 m Träger­abstand einfeldrig, wobei der Holzanteil dieser Ebene rund 70 % beträgt. Zur Ausbildung der Dachscheibe sind bei zwei Feldern darüber 40 mm dicke Holzwerkstoffplatten vernagelt. Der weitere Dachaufbau besteht aus Dämmung, Dichtungsbahn und Kies. Die Stabilisierung der Halle erfolgt über die Dachscheibe, die Anbindung ans betonierte Spänesilo, die in der Nordfassade unter dem Fachwerk eingespannte Wand-

scheibe sowie vereinzelte Abspannungen mit Stahlzugstangen. Der dreigeschossige Logistiktrakt ist in Holzrahmenbauweise für die Wände und mit Kasten­ elementen für Decken und das Dach ausgeführt. Die Deckenelemente spannen stützenfrei über knapp 8 m von der Hallentrenn- respektive von der Treppenhaus- bis zur Aussenwand. Als Energieträger für Heizung und Warmwasser­ erzeugung der gesamten Anlage dienen ausschliesslich die zu Hackschnitzeln verarbeiteten Holzreste aus der eigenen Produktion. Die Aussenluft wird über ein Luft-Erd-Register vor­ gewärmt; die Wärmerückgewinnung der Komfort­ lüftung reduziert den Lüftungswärme­verlust um rund 80 %. Bei Bedarf kann zudem die Abwärme der Druckluftanlagen für die Beheizung der Produktionshalle verwendet werden. Sowohl der Logistiktrakt als auch die Werkhalle sind mit einer Sprinkleranlage für den Brandfall gewappnet. Neben den architektonischen und nutzungsspe­zi­ fischen Qualitäten sind die ökologischen Aspekte ausgewiesene Stärken des Baus. Die Foto­voltaik­an­ lage auf dem Dach, welche mit mehr als 1200 m2 Nettofläche eine Spitzenleistung von 174 kWp ausweisen kann, die Energienutzung durch Verbrennung der betrieblichen Holzabfälle sowie die Möglichkeit, zusätzlich noch mehrere umliegende Häuser mittels einer Fernwärmeleitung zu ver­ sorgen, machen das Projekt zukunftsweisend.

Situation


Querschnitt

Längsschnitt

40 m

Erdgeschoss

Ort Veia Padnal 1, 7460 Savognin Bauherrschaft Uffer AG, Savognin Architektur Fanzun AG, dipl. Architekten + Ingenieure, Chur/Samedan/Arosa/Zürich Bauleitung Uffer AG, Savognin Bauingenieur Fanzun AG, dipl. Architekten + Ingenieure, Chur/Samedan/Arosa/Zürich Haustechnik-Planer Gini Planung AG, Lenzerheide, und IBG B. Graf AG Engineering, Chur Bauphysik Fanzun AG, dipl. Architekten + Ingenieure, Chur/Samedan/Arosa/Zürich Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Uffer Holz AG, Savognin Materialien Bauholz: Vollholz 302 m3, Brettschichtholz 514 m3; Holzwerkstoffe 117 m3 Baukosten BKP 2 CHF 6,74 Mio. (total, ohne Fotovoltaikanlage), CHF 2,76 Mio. (Produktionshalle), CHF 3,98 Mio. (Logistiktrakt) davon BKP 214 CHF 1,9 Mio. (total), CHF 0,9 Mio. (Produktionshalle), CHF 1,0 Mio. (Logistiktrakt) Grundstücksfläche SIA 416 7704 m2 Gebäudegrundfläche SIA 416 2212 m2 (Produktionshalle) Geschossfläche SIA 416 2194 m2 (Logistiktrakt) Gebäudevolumen SIA 416 39 173 m3 (total), 32 413 m3 (Produktionshalle), 6721 m3 (Logistiktrakt) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 172.– (total), CHF 85.– (Produktionshalle), CHF 592.– (Logistiktrakt) Bauzeit September 2008–Juli 2009 (Produktionshalle), April 2010–Mai 2011 (Logistiktrakt) Fotograf Urs Homberger, Arosa

Obergeschoss

Dachgeschoss

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Dachaufbau von aussen: Rundkies 50 mm Dichtungsbahn Dämmung 120–230 mm Dampfsperre Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippe 280 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 15 mm OSB 15 mm Ständer 320 mm/Dämmung Holzfaserdämmplatte 40 mm Lattung 30 mm Schalung 20 mm Deckenaufbau von oben: Fliessestrich versiegelt 56 mm Trittschalldämmplatte 20 mm Dämmplatte 40 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 300 mm/Dämmung 60 mm Dreischichtplatte 27 mm

Fassadenschnitt Logistiktrakt


Ansicht Binder

Ansicht Binder mit Wandscheibe


Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno Falkenstrasse 26 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 info@lignum.ch www.lignum.ch

Holzbulletin, Dezember 2011 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

Verantwortlich Roland Brunner Redaktion Roland Brunner, Lignum, Mélanie Pittet-Baschung und Denis Pflug, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich Druck Kalt-Zehnder-Druck AG, Zug Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum

ISSN 1420-0260

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 140.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holz­bulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern. Lignum-Hotline: 044 267 47 83 Benutzen Sie unsere Fachberatung am Tele­fon von 8 –12 Uhr, die täglich von Montag bis Freitag gratis zur Verfügung steht.

Holzbulletin 101/2011  

Handwerk und Unternehmertum

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