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ȹȹkolumne von dirk breitfeld

Ich wär‘ so gerne Millionär Und wieder gelingt mir der Start in eine Kolumne mit Bildungsauftrag mittels eines Klassikers der ostdeutschen Musikindustrie. Die Prinzen sind seit unendlich vielen Jahren mit ihren Gassenhauern erfolgreich und ich weiß nicht, ob sich deren Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit nicht längst erfüllt hat. Fakt ist, im Falle der Leipziger Musiker war die Entscheidung, ihren Kühlschrank durch das Beschreiten der Profi-Karriere im Sangesbusiness zu füllen, nicht die schlechteste.

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n der letzten Ausgabe erwähnte ich am Rande, dass es unter Umständen Herausforderungen mit der Summe geben könnte, die einem gemeinen Durchschnittsverdiener am Ende seines Arbeitslebens die pre-demente Phase versüßen soll. Grundvoraussetzung für diese Anwartschaft ist selbstverständlich zuerst einmal die Erreichung dieser Altersbarriere. Eine eigene späte Musiker-Laufbahn kommt leider nicht in Frage. Auch wenn ich in jungen Jahren als Barde in einer Jugendtanzformation zu Gange war, fällt diese Option aus, was durchaus mit fehlenden qualitativen Voraussetzungen zu tun hat. Diese Nachricht wurde unmissverständlich vor einigen Jahren von einem HNO-Arzt bestätigt, als mir Knoten von den Stimmbändern geraspelt wurden. Auf meine Frage, wie denn so etwas passieren konnte, bekam ich zur Antwort: Das kommt davon, wenn man viel singt und nicht singen kann. Quasi eine späte Bestätigung meines vorzeitigen Karriereendes, die mir da mitfühlend um den Kehlkopf gehauen wurde. Vom Tellerwäscher zum Millionär... Ach, ich liebe diese Geschichten. Aber das waren andere Zeiten und manche Geschäftsidee war mit einem leicht negativen Image angehaucht, etwa Drogenboss oder Waffendealer. Aber das waren auch andere Zeiten. Die Ära der weltweiten Vernetzung bringt ganz andere clevere Akteure auf die Monitore, die Influencer, vom einfachen Schnorrer bis zum hochdotierten Produkt-Präsentator. Kostenlos Zeug bekommen und fürs Lobpreisen oder Vorzeigen Kohle kassieren. Ist das gar ein Ausbildungsberuf? Mal sehen, was nach Artikel 13 daraus wird. Und just beim Verfassen meines Textes rieselt nebenbei der Televisor und berichtet über eine 80-jährige Oma, die mit ihrem Clan Gleichaltriger ordentlich mitmischt in der Online-Ballerspiel-Community. Und das nicht etwa in der Kukident-Liga, sondern ordentlich weit oben in öffentlichen Austragungen, in denen das kreischende und applaudierende Publikum einen Bruchteil

des Altersdurchschnitts der rüstigen Seniorenbande ausmacht. Eines muss ich zugeben, das World Wide Web ist faszinierend. Ein kluger Freund sagte vor langer Zeit einmal, das Internet gebe Antworten auf Fragen, die niemand gestellt hat. Seitdem kamen diverse SocialMedia-Plattformen hinzu, um auch praktizierenden Legasthenikern und geistig anders Befähigten eine Stimme zu geben. Es wird immer schwerer, die Spreu vom Weizen zu trennen, auch weil das Spreu-WeizenVerhältnis massiv ins Ungleichgewicht gepostet wurde. Dennoch fasziniert mich seit Jahren eine Sache: Bitcoins. Die Mutter aller Krypto-Währungen. Und der Vater. Quasi der heilige Gral des Weltfinanztums. Mich interessiert an dieser Stelle einmal, wie viele Menschen den Fake-News zum Opfer fielen, in denen eine neue Plattform präsentiert wurde, die automatisch in kürzester Zeit riesige Summen generiert. Wer genug Zeit hat, kann fast dabei zusehen. Nur noch achtmal schlafen und ich bin reich. Der Clou daran war, dass diverse Prominente als Befürworter und Gewinner präsentiert wurden und sich genug Netzwerker fanden, um den Mist ordentlich und gewinnbringend zu promoten. Ein kleiner Nackenschlag für den Bitcoin, der so langsam den Ruf verliert, nur für illegale Transaktionen oder Geldwäsche zu dienen. Vorneweg: Die ganze Geschichte ist nur interessant für Menschen, die genug übrig haben, um zu spekulieren oder noch mehr übrig haben, um nach Island auszuwandern, sich riesige Hallen voller Computer hinzustellen, um diese unter Volllast die Bitcoin-Codes errechnen zu lassen. …oder so ähnlich. Es gibt einen Typen, der groß im Geschäft ist und einen umweltfreundlichen monatlichen Stromverbrauch von 2 Millionen Dollar hat. Nun kann mir mein gefährliches Halbwissen zwar die technische Seite erklären, aber mir ist vollkommen schleierhaft, wo der Wert hinter dem Bitcoin klemmt bzw. was als Leistung dahintersteckt. Im Neandertal hat Urs seinen gespicktem Mammutrüsselbraten mit Onk geteilt und dessen Frau hat dafür das Feuerholz gestapelt. Bargeldlos und nachvollziehbar. Ach was, ich frag mal bei Frédéric von Anhalt nach, ob was mit Adoption geht... Bis zum nächsten Mal! ȹȹ L ust auf Interaktion und einen flotten Wortwechsel? Der direkte Draht in die LEO-Kolumnenzentrale per E-Mail an: kolumne@leo-magazin.com

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