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Leibniz auf dem Campus Kooperationen mit Hochschulen


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Impressum Herausgeber: Leibniz-Gemeinschaft Präsident: Prof. Dr. Karl Ulrich Mayer Redaktion: Dr. Ricarda Opitz Christiane Neumann Susann Pfeiffer Julia Ucsnay Gestaltung: unicom-berlin.de

Fotos: Roodini, photocase.com (S. 1); Jan Zappner (S. 3, 7, 12); J. Hirscher (S. 4); IPK (S. 8); Sam Rey (S. 10); Exzellenzcluster cfaed, TU Dresden/DĂśrte Gerlach, 2dPROJECT (S. 13) Verantwortlich: Christian Walther Chausseestr. 111 10115 Berlin Tel.: 030 / 206049 56 info@leibniz-gemeinschaft.de

Leibniz auf dem Campus


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Kooperation auf Augenhöhe Die Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft verstehen sich als Partner der Hochschulen. Sie ergänzen und verstärken die Hochschulforschung. Die sehr enge Zusammenarbeit erfolgt auf verschiedenen Ebenen und auf unterschiedliche Weise. Das Spektrum reicht von gemeinsamen Berufungen über gemeinsam getragene Graduiertenschulen und Studiengänge bis zu den WissenschaftsCampi und den Leibniz-Forschungsverbünden und kann in neuer Weise im Sinne von „Leibniz auf dem Campus“ weiterentwickelt werden.

Leibniz-Hochschulkooperationen zeichnen sich durch Offenheit und Passgenauigkeit aus – sowohl in den Themen und Inhalten als auch bei den Rahmenbedingungen. Leibniz-Einrichtungen und Hochschulen begegnen einander auf Augenhöhe, und die Bedingungen der Kooperation werden individuell vereinbart, ohne zentrale Steuerung oder Programmplanung. Die Initiative für neue Kooperationen geht von der Wissenschaft aus und ist von ihren Inhalten geprägt. Die WissenschaftsCampi und die Leibniz-Forschungsverbünde entwickeln neue und eigenständige Themenschwerpunkte. Sie sind in ihrer Dynamik Kristallisationspunkte für Forschungsfelder zwischen den Disziplinen und sichern damit Ergebnisse von großer gesellschaftlicher Relevanz und Tragweite. Sie bieten Partnern aus den Hochschulen attraktives Potential für Kooperationen.

Sowohl die Hochschulen als auch die Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft haben ihre Partner in den Ländern und mit diesen ein gemeinsames Ziel: Die Zusammen­ arbeit soll die Hochschule, die Leibniz-Einrichtung und den gemeinsamen Standort stärken und deren interna­ tionale Sichtbarkeit erhöhen. Gemeinsam mit Vertretern von Hochschulen hat die Leibniz-Gemeinschaft einige Prinzipien für erfolgreiche Kooperationen erarbeitet. Sie empfiehlt yy Nähe der Verhandlungspartner auf lokaler Ebene, yy gemeinsame strategische Planung, yy Flexibilität und die Fähigkeit, aufeinander einzugehen und yy das Prinzip „form follows function“.

Siehe auch Karl Ulrich Mayer (2012): Tertium non datur? Ein Diskussionsbeitrag zum Verhältnis universitärer und außeruniversitärer Forschung im

Kontext der Exzellenzinitiative. Zeitschrift für Staats- und Europawissenschaften. 2012-3, 10. Jg., S. 385-409.

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Im Sinne von „Leibniz auf dem Campus“ macht die Leibniz-Gemeinschaft den Hochschulen das Angebot, ihre Exzellenz-Cluster und vergleichbaren Forschungszentren gemeinsam und nachhaltig weiterzuentwickeln. Bei gemeinsamer strategischer Ausrichtung können die Partner aus den Hochschulen und der Leibniz-Gemeinschaft ihre jeweiligen Vorteile einbringen. Im Sinne der LeibnizGemeinschaft wird deren organisatorische und wissenschaftliche Eigenständigkeit gewährleistet. Die LeibnizGemeinschaft besitzt außerdem die nötigen Instrumente der Qualitätssicherung und Organisationsentwicklung (Leibniz-Evaluierung) und verfügt über erprobte Modelle der Governance und anpassungsfähige Kooperationsstrukturen. Gemeinsam kann es gelingen, interdiziplinären Forschungszentren eine langfristige Perspektive auf der Grundlage institutioneller Förderung zu geben.

Kooperationen mit den Hochschulen sind für die LeibnizGemeinschaft Selbstverständlichkeit und in den LeibnizEinrichtungen gelebter, höchst dynamischer Alltag. Eine quantitative Momentaufnahme vom März 2013 sowie wichtige neuere Entwicklungen, Beispiele und Highlights der Zusammenarbeit zwischen Leibniz-Instituten und Hochschulen finden Sie in dieser Broschüre. Ich wünsche Ihnen daraus nicht zuletzt Anregungen für weitere Kooperationen. Karl Ulrich Mayer Präsident der Leibniz-Gemeinschaft


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Gemeinsam in Forschung und Lehre Gemeinsame Berufungen sind Standard bei Leibniz: Seit jeher werden leitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leibniz-Einrichtungen mit einer Hochschule gemeinsam berufen. Im Jahr 2012 gab es 340 gemeinsame Berufungen von leitenden Leibniz-Wissenschaftlern an bundesweit 53 Hochschulen. Zunehmend sorgen auch gemeinsame Berufungen von Abteilungsleitungen, Juniorprofessuren und Nachwuchsgruppenleitungen für die enge Verzahnung von Forschung und Lehre. Insgesamt leisten Leibniz-Wissenschaftler rund 6.100 Semesterwochenstunden Lehre an den deutschen Universitäten und Fachhochschulen und 209 Semesterwochenstunden an ausländischen Hochschulen.

Oft sind gemeinsame Berufungen der erste Schritt für eine intensive Kooperation zwischen außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Hochschulen. In der Folge werden an einzelnen Hochschulen durch die Professorinnen und Professoren aus den Leibniz-Einrichtungen Module innerhalb von Studiengängen oder gar ganze Studiengänge angeboten. 2012 gab es insgesamt 86 solche Lehrangebote. Leibniz-Einrichtungen unterhalten gemeinsam mit den Hochschulen 157 Forschergruppen und Joint Labs, die entweder aus der Universität heraus an einer Leibniz-Einrichtung tätig sind oder umgekehrt aus einer Leibniz-Einrichtung an einer Universität (siehe Beispiele im Kasten).

Joint Lab IHP/HU Berlin Große Datenmengen zu speichern, zu verarbeiten und zu übertragen erfordert immer höhere Datenraten. Forschung auf diesem Gebiet ist für viele Anwendungsfelder hoch relevant. Am Joint Lab IHP/HU forschen bis zu zehn Wissenschaftler und betreuen Studierende sowie Doktoranden gemeinsam. So wird studentische Ausbildung mit aktueller Grundlagenforschung und angewandter Forschung im Arbeitsbereich „Drahtlose Kommunikationssysteme“ verknüpft. Es werden hochleistungsfähige drahtlose Kommunikationssysteme, fortgeschrittene Signalverarbeitungsalgorithmen und -Architekturen erforscht und entsprechende Prototypen entwickelt. Das Joint Lab ist eine gemeinsame Einrichtung des Instituts für Informatik der HumboldtUniversität am Wissenschaftsstandort BerlinAdlershof und des Leibniz-Instituts für innovative Mikroelektronik (IHP), Frankfurt (Oder). Es finanziert sich über gemeinsame Forschungsprojekte mit Drittmitteln, erbringt wissenschaftliche Dienstleistungen und unterstützt die wissenschaftliche Ausbildung an der Humboldt-Universität. Leibniz auf dem Campus


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Masterstudiengang „Fischerei und Aquakultur“ Ein Beispiel für einen Studiengang, der durch ein Leibniz-Institut an einer Hochschule konzipiert und angeboten wird, ist der „M.Sc. Fishery Science and Aquaculture“ an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Dieser viersemestrige Master-Studiengang wird durch zwölf Dozenten und Dozentinnen des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), zwei Dozenten der HumboldtUniversität und vier weitere Wissenschaftler aus anderen Institutionen gemeinsam gestaltet. Die Studieninhalte ranken sich um die Themenkomplexe Limnologie/Ichthyologie, Fischereimanagement und Fischzucht/Fischpathologie. Lehrveranstaltungen und Prüfungen finden in englischer Sprache statt und sind somit auch für internationale Studierende attraktiv.

Leibniz-Liaison-Gruppen Leibniz-Liaison-Gruppen verbinden Leibniz-Institute mit universitärer biomedizinischer Forschung. Das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ) unterhält derzeit neun Liaison-Arbeitsgruppen mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Eine davon ist die Gruppe „Autoimmunologie“. Basierend auf Beobachtungen aus der Klinik und unterstützt durch experimentelle Nachweise entwickelten die Forscher am DRFZ das Konzept des „krankmachenden immunologischen Gedächtnisses“. In Krankheitsmodellen konnten sie die zentrale Bedeutung von Gedächtnis-Plasmazellen für chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankungen zeigen. Diese Zellen entziehen sich konventionellen Therapien und bilden dauerhaft Autoantikörper. Die experimentelle Elimination dieser Zellen durch ein neuartiges Therapiekonzept führte in Modellen erstmals zur Heilung und wird nun mit ersten Erfolgen in die Klinik übertragen.

Nachgefragt: Prof. Dr. Iris Pigeot Direktorin des Bremer Leibniz-Instituts für Präventions­ forschung und Epidemiologie – BIPS; Inhaberin des Lehrstuhls „Statistik mit dem Schwerpunkt Biometrie und Methoden der Epidemiologie“ am Fachbereich Mathematik/Informatik der Universität Bremen

Was bedeutet es für Ihren Arbeitsalltag, gleichzeitig Di­ rektorin an einem Leibniz-Institut und Universitätsprofessorin zu sein? Die Doppelrolle ermöglicht einen sehr engen wechselseitigen Austausch. Ich bin an der Universität in alle Prozesse eingebunden, habe den direkten Draht zu den Studierenden und kann die Forschungsergebnisse aus dem BIPS in meine Lehre einbringen, aber auch umgekehrt die Studenten in die Praxis am Institut einbinden. Diese enge Anbindung an die Universität halte ich für essenziell. Das BIPS hat beispielsweise über das Kompetenznetz Adipositas enge Verbindungen zu Universitäten quer durch Deutschland. Eine Kooperation in Form kurzer Wege ist jedoch deutlich einfacher und trägt enorm zur Vertrauensbildung bei. Dies ist in Bremen als Stadtstaat natürlich strukturell auch noch einfacher als in anderen Bundesländern. Für Leibniz-Institute, die in einem größeren Bundesland angesiedelt sind, wo man die Senatorin nicht auf dem Wochenmarkt trifft, kann man aber auch Modelle für eine engere Kooperation mit dem Land entwickeln, beispielsweise Klausuren der Leibniz-Institute mit ihren Landesvertretern.

Was macht es für einen einzelnen Wissenschaftler aus, ob er an einer Universität oder an einem Leibniz-Institut beschäftigt ist? Die Reputation, bei einem Leibniz-Institut zu arbeiten, ist ungleich höher als bei einem kleinen Universitätsinstitut. K o o p e r a t i o n e n m i t H o ch s ch u l e n

Das BIPS ist ja noch ganz frisch bei Leibniz, obwohl wir uns als assoziiertes Institut vorher natürlich auch schon der Gemeinschaft zugehörig gefühlt haben. Mit der offiziellen Aufnahme hat sich die Anzahl der Initiativbewerbungen deutlich erhöht. Wir verzeichnen außerdem eine große Zunahme an Publikationen. Dies ist sicherlich auch der nun gesicherten Grundfinanzierung zu verdanken. Leibniz sorgt für die notwendigen Rahmenbedingungen für qualitativ hochwertige Forschung. Das motiviert unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter enorm. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler profitieren außerdem von der gezielten Nachwuchsförderung und der Vernetzung innerhalb der Leibniz-Gemeinschaft. Wo sehen Sie die Zukunft der Leibniz-Hochschul-Kooperationen? Eine enge Verzahnung wie in Bremen ist notwendig und wünschenswert für die langfristige konstruktive KoExistenz von Leibniz-Institut und Universität. Gleichzeitig müssen Leibniz-Institute etwas Besonderes bleiben. Leibniz ist eine Marke, und diese darf nicht verwässern. Bei der Kooperation und Verzahnung von Leibniz-Instituten und Universitäten muss es nicht nur ein Modell geben. Vielleicht kann man auch einmal kreativer sein und von der anderen Seite her denken. Es gibt einige Institute, die An-Institute an Universitäten sind. Vielleicht ist es in Zukunft auch möglich, dass ein Universitätsinstitut ein AnInstitut einer Leibniz-Einrichtung wird?


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Gemeinsam für exzellenten Nachwuchs – Promovieren unter optimalen Bedingungen Die 86 Institute der Leibniz-Gemeinschaft fördern und bilden gezielt wissenschaftlichen Nachwuchs aus. An Leibniz-Einrichtungen werden gegenwärtig 3.300 Promovierende betreut, über 22 Prozent davon kommen aus dem Ausland. Die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in den Leibniz-Instituten die Chance, ihre Forschungsergebnisse in interdisziplinären Teams anwendungsbezogen zu erarbeiten. Dabei können sie auf die leistungsfähigen wissenschaftlichen Infrastrukturen in der Leibniz-Gemeinschaft zurückgreifen. An den 29 Standorten der Leibniz Graduate Schools haben junge Forschende die Möglichkeit, ihre Promotion in einem exzellenten und transdisziplinären Forschungsumfeld vorzubereiten. Leibniz-Einrichtungen kooperieren dabei sehr eng mit den Hochschulen. Die Promovierenden werden in den Leibniz-Einrichtungen intensiv betreut. Sie sind in ein Arbeitsteam von Forscherinnen und Forschern eingebunden, haben Zugang zu internationalen Netzwer-

ken und Tagungen und nehmen an strukturierten Promotionsprogrammen teil – hervorragende Bedingungen für exzellente wissenschaftliche Ergebnisse. Insgesamt nutzen die Promovierenden an Leibniz-Einrichtungen die umfangreichen Angebote von strukturierten Graduiertenprogrammen an 73 Hochschulen. Eine Möglichkeit der Vernetzung unter den Doktorandinnen und Doktoranden der Leibniz-Einrichtungen bieten die jährlichen Doktorandenforen, die innerhalb der Leibniz-Sektionen organisiert werden.

Rund 74 Prozent der Promovierenden an Leibniz-Einrichtungen arbeiten im Rahmen von regulären Anstellungsverträgen und sind damit bereits früh in die Sozialversicherung integriert. 8,4 Prozent sind Stipendiaten, sei es der Einrichtungen selbst oder von externen Stipendiengebern wie Stiftungen.

Nachgefragt: Was ist das Besondere daran, an einer Leibniz-Einrichtung zu promovieren? Fabienne Rasel

Doktorandin am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim; Teilnehmerin am Doktorandenprogramm „Center for Doctoral Studies in Economics“ (CDSE) der Universität Mannheim

Sehr inspirierend finde ich, dass das ZEW dem wissenschaftlichen Austausch große Bedeutung beimisst. Ich kann mit anderen Wissenschaftlern, Gastforschern oder Konferenzteilnehmern über meine Forschungsarbeit diskutieren und erhalte so kontinuierliches Feedback. Dabei schätze ich besonders, dass die Forschung am ZEW einen im Vergleich zur universitären Forschung starken Praxisbezug hat. Aufgrund des empirischen Schwerpunkts meiner Dissertation hilft es mir sehr, dass das ZEW eigene Daten erhebt und Kurse zu empirischen Methoden anbietet. Thomas Großmann

Assoziierter Doktorand am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) und an der Freien Universität Berlin

Ich schätze die Chance, Spitzenforschung hautnah zu erleben und

aktiv mitzugestalten. Im ZZF treffe ich auf eine kleine, interdisziplinäre scientific community – eine faszinierende, bereichernde und sehr motivierende Erfahrung. Exzellente Kolleginnen und Kollegen stehen mir jederzeit mit ihrem Wissen oder einem Rat zur Seite. Bei ersten eigenen Publikationen oder Vorträgen ist der gute Ruf der LeibnizEinrichtungen sehr hilfreich. Daniela Dieter

Doktorandin am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Berlin, und an der Freien Universität Berlin

Am IGB schätze ich die große Bandbreite an Disziplinen und Arbeitsgruppen. Gerade für meine Dissertation „Carbon and nutrient dynamics in temporary aquatic systems“ mit einem sehr interdisziplinären Ansatz ist der Kontakt zu den unterschiedlichen Fächern sehr wichtig. Am IGB habe ich nicht nur Kontakt zu allen Experten im Bereich der Limnologie, sondern auch gleichzeitig zu Wissenschaftlern aus angrenzenden Disziplinen wie der Biologie, Genetik oder Hydrologie. Sehr angenehm finde ich die Größe und den Spezialisierungsgrad des Instituts: Das IGB ermöglicht viele individuelle Kontakte. Bei größeren Einrichtungen wäre dies schwierig. Leibniz auf dem Campus


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Leibniz Graduate School „Modellsysteme für Infektionskrankheiten“ An der Leibniz Graduate School „Modellsysteme für Infektionskrankheiten“ befassen sich junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit hochaktuellen Problemen der Infektionsforschung. Das Curriculum wird von den drei beteiligten Leibniz-Instituten gemeinsam erstellt. Es bietet intensive Einblicke in Fragestellungen und Methoden der Parasitologie, Bakteriologie und Virologie. Die Graduiertenausbildung, die im Mai 2009 startete, wurde zunächst für drei Jahre aus Mitteln des Paktes für Forschung und Innovation der Leibniz-Gemeinschaft gefördert und wird nun gemeinsam von den Partner-Instituten fortgeführt.

Beteiligte Leibniz-Institute Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI), Hamburg | Forschungszentrum ­Borstel – Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften (FZB) | Heinrich-Pette-Institut – Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI), Hamburg www.lc-infection.de/LCI-Graduate-School/LCI-Graduate-School.html

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Mit regionalen Netzwerken ­gemeinsam zu internationaler ­Sichtbarkeit WissenschaftsCampi Der WissenschaftsCampus ist ein zukunftsweisendes Modell der regionalen Zusammenarbeit zwischen Leibniz-Einrichtungen und Hochschulen. Als gleichberechtigte Partner bearbeiten diese eine klar umrissene wissenschaftliche Fragestellung von gemeinsamem Interesse und ergänzen sich dabei mit ihren Spezialkompetenzen und unterschiedlichen Perspektiven. Die regionale Nähe, eine gemeinsame Strategie und interdisziplinäre Forschungsansätze sind die Stärken der WissenschaftsCampi. Ideale Voraussetzungen, um gesellschaftlich relevante Fragestellungen zu bearbeiten, ganze Forschungsbereiche weiter zu entwickeln und das wissenschaftliche Umfeld am Standort für die Thematik zu stärken. Die regionale Forschungslandschaft erlangt dadurch Profil und internationale Sichtbarkeit. Fünf WissenschaftsCampi haben sich bereits etabliert.

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WissenschaftsCampus Tübingen: Bildung in Informationsumwelten Bildung und Lernen – diese Begriffe verbinden sich mit realen Orten wie Schule oder Hochschule. Das digitale Zeitalter schafft jedoch neue Lernorte, erschließt neue Quellen für Informationen und lässt Nutzer auch zu Produzenten von Wissen werden. Damit verändern ­Medien die Wissens- und Bildungslandschaft nachhaltig. Der WissenschaftsCampus Tübingen erforscht diese neuen Informationsumwelten und führt die wissenschaftlichen Zugänge und die Expertise von Psychologie, Erziehungswissenschaft, Informatik, Soziologie, Medizin und Ökonomie zusammen. Kooperationspartner Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), Tübingen | Eberhard Karls Universität Tübingen | Universität Freiburg | Pädagogische Hochschule Freiburg | Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim | Hochschule der Medien, Stuttgart www.wissenschaftscampus-tuebingen.de

WissenschaftsCampus Mainz: Byzanz zwischen Orient und Okzident Über 800 Jahre war das Byzantinische Reich in vielerlei Hinsicht Vorbild für das europäische Gemeinwesen. In Byzanz finden wir die mittelalterlichen Wurzeln heutiger europäischer Identität und Kultur. Die byzantinische Seite Europas wird immer wichtiger für das Verständnis der Gegenwart und sie ist sogar relevant für aktuelle politische Entwicklungen. Der WissenschaftsCampus Mainz etabliert eine breite Plattform für interdisziplinäre Byzanzforschung. Kooperationspartner Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM), Mainz | Johannes Gutenberg-Universität Mainz | Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz (IEG) | Landesmuseum Mainz | Landesmuseum Trier www.rgzm.de/wissenschaftscampus.html

WissenschaftsCampus Mannheim: Mannheim Centre for Competition and ­Innovation (MACCI) Das „Mannheim Centre for Competition and Innovation“ errichtet ein internationales Zentrum, dessen Aktivitäten sich auf den problemorientierten Austausch zwischen Juristen und Ökonomen konzentrieren. Sein Ziel ist es, in Fragen der Wettbewerbs-, Regulierungs- und Innnovationspolitik neue Impulse zu geben und tragfähige Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Verwaltung abzuleiten. Neben Wettbewerbsrecht und Wettbewerbsökonomie gehören die Regulierung des Telekommunikations- und Energiesektors, der Wettbewerb K o o p e r a t i o n e n m i t H o ch s ch u l e n

im Gesundheitswesen und Patentgerichtsverfahren zu den Kernthemen der interdisziplinären Zusammenarbeit im MACCI. Kooperationspartner Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim | Universität Mannheim www.macci-mannheim.eu

WissenschaftsCampus Halle: Pflanzenbasierte Bioökonomie Die Menschheit steht vor einem Paradigmenwechsel im Umgang mit der Natur. Innovative Verfahren müssen dazu beitragen, dass biologische Ressourcen nachhaltiger als bisher genutzt werden können. Die pflanzenbasierte Bioökonomie ist eine der Schlüsselindustrien des 21. Jahrhunderts, um uns Nahrungs- und Futtermittel sowie nachwachsende Rohstoffe nachhaltig zu sichern und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu überwinden. Der WissenschaftsCampus Halle vereint die Expertise von Pflanzen-, Agrar-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, um diesen gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen. Kooperationspartner Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO), Halle | Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB), Halle | Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), Gatersleben | Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) | Martin-LutherUniversität Halle-Wittenberg www.sciencecampus-halle.de

WissenschaftsCampus Rostock: Phosphor-Forschung-Rostock Schon 2035, so die Prognose, wird der Rohstoff Phosphor im Boden nicht mehr ausreichend zur Verfügung stehen. Die weltweit geringen Phosphorvorkommen sowie die schlechte Verfügbarkeit in Böden und Nutzorganismen gefährden die künftige Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrung und der Volkswirtschaften mit Rohstoffen. Dies gilt umso mehr, je stärker Wirtschaften auf biologischen Prozessen basieren bzw. nachhaltig gestaltet werden. Lösungsstrategien zur Vermeidung der Verknappung zu erarbeiten ist das Ziel der engen interdisziplinären Zusammenarbeit im WissenschaftsCampus Rostock. Kooperationspartner Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) | Leibniz-Institut für Katalyse e.V. (LIKAT), Rostock | Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN), Dummerstorf | Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), Gatersleben | Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP), Greifswald | Universität Rostock


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Partner in regionalen Netzwerken In den letzten Jahren haben viele Wissenschaftsstandorte innovative Konzepte entwickelt, um regionale Forschungspotenziale zu bündeln und strategisch auszurichten. Dazu vernetzen sich universitäre und außeruniversitäre Forschung und nutzen Synergien sowie Infrastrukturen auf allen Ebenen des Wissenschaftsbetriebs. Mit diesen regionalen Netzwerken profilieren sie ihren Standort und machen ihn international sichtbar. Leibniz-Einrichtungen engagieren sich als prägende Partner und bringen ihre Expertise und ihre Ressourcen ein.

DRESDEN concept DRESDEN concept – „Dresden Research and Education Synergies for the Development of Excellence and Novelty“ – ist der 2010 gegründete Verbund der Technischen Universität Dresden mit ihren Partnern aus Wissenschaft und Kultur. Ziel ist es, die Exzellenz der Forschung am Standort Dresden sichtbar zu machen. Die Partner erschließen und nutzen Synergien in den Bereichen Forschung, Ausbildung, Infrastruktur und Verwaltung. Sie koordinieren ihre Wissenschaftsstrategie und identifizieren Forschungsgebiete, in denen Dresden international führt. Ziel der Partner ist es, weltweit führende Wissenschaftler für Dresden zu gewinnen. Beteiligte Leibniz-Institute Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden (IPF) | ­Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden (IFW) | Leibniz-Institut für ökologische Raum­ entwicklung (IÖR), Dresden www.dresden-concept.de

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Göttingen Research Council (GRC)

pearls, Potsdam

Der Göttingen Research Council wurde im Jahr 2006 eingerichtet. Er ist das zentrale Gremium für die Entwicklung des Wissenschaftsstandortes Göttingen. Ihm gehören die Universität sowie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen an. Der GRC fungiert als Beratungs- und Steuerungsgremium für die gemeinsame Weiterentwicklung der Universität und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Zudem hat er die Aufgabe, Forschungsschwerpunkte für den Wissenschaftsstandort Göttingen zu identifizieren. Er fördert die standortübergreifende Zusammenarbeit in Forschung und Lehre sowie in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Führende Forschungseinrichtungen haben sich im Januar 2009 auf Initiative der Universität Potsdam zu einem bundesweit einmaligen Verbund unter dem Namen „pearls – Potsdam Research Network“ zusammengeschlossen. Pearls erleichtert multilaterale Kooperationen über Institutionen und Fächergrenzen hinweg, zunächst vor allem in den Erd- und Biowissenschaften. Die exzellente Ausbildung und Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern ist eines der zentralen Anliegen. Für sie gibt es ein attraktives Spektrum an Angeboten in Potsdam.

Beteiligtes Leibniz-Institut Deutsches Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ), Göttingen www.uni-goettingen.de/de/56424.html

LOEWE, Hessen Die „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlichökonomischer Exzellenz“ – kurz: LOEWE – ist das Forschungsförderungsprogramm, mit dem das Land Hessen seit 2008 wissenschaftspolitische Impulse setzt und damit die hessische Forschungslandschaft nachhaltig stärken will. LOEWE fördert herausragende wissenschaftliche Verbundvorhaben und eine intensive Vernetzung von Wissenschaft, außeruniversitärer Forschung und der Wirtschaft. Im Rahmen von LOEWE sind drei Förderlinien (Zentren, Schwerpunkte, KMU-Hochschule-Verbundprojekte) etabliert. Leibniz-Institute sind aktuell an zwei Zentren und einem Schwerpunkt maßgeblich beteiligt: „BiK-F – Biodiversität und Klima Forschungszentrum“, „IDeA – Center for Research on Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk“ und „IPF – Integrative Pilzforschung“. Beteiligte Leibniz-Institute BiK-F: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN), Frankfurt a. M. | IDeA: Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), Frankfurt a. M. und Berlin | IPF: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN), Frankfurt a. M. www.bik-f.de www.idea-frankfurt.eu www.proloewe.de/loewe-vorhaben/vorhaben/ipf.html

Beteiligte Leibniz-Institute Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) | Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) | Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim (ATB) | Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ), Großbeeren & Erfurt | Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS), ­Erk­ner | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), Müncheberg | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) | Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) www.pearlsofscience.de

STIMULATE – Solution Centre for ­ Image Guided Local Therapies, Magdeburg Mit der Förderinitiative „Forschungscampus“ unterstützt das BMBF den Aufbau von mittel- bis langfristig angelegten öffentlich-privaten Partnerschaften unter einem Dach. Ein Beispiel dafür ist der Forschungscampus „STIMULATE“, der Technologien für bildgeführte minimal-invasive Methoden in der Medizin entwickelt und optimiert. Im Fokus stehen dabei wichtige Volkskrankheiten aus den Bereichen Onkologie, Neurologie sowie kardiovaskuläre Erkrankungen. Die Partner, bestehend aus der Ottovon-Guericke-Universität Magdeburg, einem Großunter­ nehmen sowie einem Verein zur Einbindung weiterer Forschungseinrichtungen und Firmen, finden sich am Standort Magdeburg zusammen. Ziel ist die Etablierung des „Deutschen Zentrums für bildgestützte Medizin“, das auch international ein Leuchtturm werden soll. Beteiligtes Leibniz-Institut Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN), Magdeburg www.stimulate.ovgu.de

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Gemeinsam stärker im Wettbewerb Leibniz-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler kooperieren gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen an den deutschen Universitäten – und sie bewähren sich auch gemeinsam im nationalen und internationalen Wettbewerb. Besonders im nationalen Wettbewerb um Forschungsmittel sind die Hochschulen die wichtigsten Partner der Leibniz-Einrichtungen. Dies gilt auch für den Leibniz-Wettbewerb, in dessen Rahmen jährlich Forschungsvorhaben mit insgesamt 30 Millionen Euro aus Mitteln des Pakts für Forschung und Innovation gefördert werden. Im LeibnizWettbewerb wird die Kooperation mit Hochschulen groß geschrieben – und von den Leibniz-Einrichtungen intensiv genutzt. Insgesamt wurden seit Einrichtung des Leibniz-Wettbewerbs (2009) bereits 70 Projekte mit Beteiligung von deutschen Hochschulen bewilligt.

Die Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft beteiligen sich intensiv an den kooperativen Förderverfahren der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). So waren im Jahr 2012 Leibniz-Einrichtungen an 61 Prozent aller Schwerpunktprogramme, an 26 Prozent aller Sonderforschungsbereiche und an 57 Prozent aller Forschungszentren beteiligt. Die Leibniz-Einrichtungen sind auch an den drei Säulen der Exzellenzinitiative maßgeblich beteiligt. So bestehen derzeit 16 Kooperationen mit 13 Exzellenzclustern, 24 Beteiligungen an 17 Graduiertenschulen sowie 17 Beteiligungen an 8 Zukunftskonzepten. Die Leibniz-Gemeinschaft entwickelt in den Leibniz-Forschungsverbünden neue Themenschwerpunkte. Die Forschungsverbünde sind in ihrer großen Dynamik Kristallisationspunkte für neue Forschungsfelder zwischen den Disziplinen, versprechen damit Ergebnisse von großer gesellschaftlicher Relevanz und Tragweite und bieten viel Kooperationspotential für Partner aus den Hochschulen.

Leibniz-Forschungsverbund „Science 2.0“ Der Leibniz-Forschungsverbund „Science 2.0“ untersucht, wie das Internet die ­Arbeitsgewohnheiten von Forschern verändert. Insbesondere wird analysiert, wie Web 2.0-Anwendungen – etwa Wikis, Blogs oder soziale Netzwerke – bestehende und tradierte Forschungsprozesse unterstützen können. Im Forschungsverbund arbeiten aktuell 16 Leibniz-Einrichtungen zusammen mit 14 Partnern aus Hochschule, Wirtschaft und Kultur. www.leibniz-science20.de

Leibniz-Wettbewerb Das Projekt „Virtuelle Rekonstruktionen in transnationalen Forschungsumgebungen“ wurde im Leibniz-Wettbewerb 2013 bewilligt. Es beschäftigt sich mit dem kulturellen Erbe der ehemals deutschen Region Ostpreußen, das heute einen sichtbaren Bestandteil der Kulturlandschaften Polens und Russlands bildet. Ein großer Teil der architektonischen Denkmäler ist jedoch durch Kriegszerstörungen und Vernachlässigungen unwiederbringlich verloren. Am Beispiel zweier heute fast vollständig zerstörter Barockschlösser (Schlodien in Polen und Friedrichstein im Kaliningrader Oblast) wird in diesem trinationalen Vernetzungsprojekt ein viersprachiges Portal entstehen, das 3D-Computerrekonstruktionen der Schlösser, Web 2.0-Funktionalitäten und einen Animationsfilm bietet. Projektpartner sind das Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, die Universitäten Gießen und Greifswald sowie das Politechnikum in Łódz. Leibniz auf dem Campus


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Nachgefragt: Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Gerhard Fettweis Koordinator und wissenschaftlicher Direktor cfaed und Lehrstuhlinhaber V ­ odafone ­Stiftungslehrstuhl Mobile ­Nachrichtensysteme, TU Dresden

Prof. Dr. Brigitte Voit

Wissenschaftliche Direktorin des Leibniz-Instituts für Polymer­ forschung Dresden und Professorin für Organische Chemie der Polymere, TU Dresden

Das Exzellenzcluster „Center for Advancing Electronics Dresden (cfaed)“ will die zukünftige Halbleiter-Technologie um völlig neuartige Technologien ergänzen und daraus heterogene Systeme für eine hocheffiziente Informationsverarbeitung entwickeln. Professor Gerhard Fettweis koordiniert das Exzellenzcluster, das im Februar 2013 seine Eröffnung feierte. In dem Cluster kooperieren insgesamt elf Institutionen: Universitäten, Firmen und Institute aller vier außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, darunter zwei Einrichtungen in der Leibniz-Gemeinschaft: das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden (IFW) und das Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden (IPF) mit Professorin Brigitte Voit. Wie kam die Kooperation Ihrer Institute zustande? Fettweis: Als Kooperationspartner haben wir uns im Rahmen der Gründungsinitiative zu einem anderen Projekt, DRESDEN-concept, gefunden. Wir waren damals ein ganz kleiner Kreis und konnten uns schnell auf die wissenschaftlichen Hauptgebiete der concept-Initiative verständigen. Ich hatte die Aufgabe, mich um das Zustandekommen eines Mikroelektronik-Clusters zu kümmern und so begab ich mich auf Partnersuche. Frau Voit und ich fanden sehr schnell fachliche Anknüpfungspunkte. Voit: DRESDEN-concept geht ja zurück auf die Idee von drei Leibniz-Instituten, ihre enge Kooperation mit der TU Dresden besser auszuweisen. Inzwischen sind wir 19 Partner. Gute Kooperationen zur TU Dresden hat das IPF aber schon seit langem. Mit meiner Professur für „Organische Chemie der Polymere“ an der TU schaffe ich persönlich eine enge Verbindung zwischen beiden Einrichtungen. Fettweis: Mit dieser Vorgeschichte war es also nur natürlich, dass das IPF mit seinen Kompetenzfeldern im Bereich der polymeren Funktionsmaterialien einer der wichtigen Partner im Exzellenzcluster sein würde.

Wie wird Ihre Kooperation gelebt? Voit: Ich engagiere mich zum einen in koordinierender Funktion im Steuerungskomitee des Clusters. Zum anderen natürlich ganz konkret wissenschaftlich an der Erforschung neuer Funktionsmaterialien. Drei meiner Doktoranden arbeiten im Cluster; sie werden über die Universität finanziert und sind am IPF tätig. Weitere Postdoc-Stellen sind beantragt. Fettweis: Das wichtigste bei solch heterogenen Kooperationen ist es, den richtigen „Spirit“ in der Kooperation aufzubauen, so dass sie tragfähig bleibt. Hier im Cluster arbeiten Ingenieure, Naturwissenschaftler und MatheK o o p e r a t i o n e n m i t H o ch s ch u l e n

matiker zusammen. Da prallen natürlich Kulturen und auch Persönlichkeiten aufeinander. Ich sehe mich in der Rolle des Moderators, der die Fäden zusammenhält und auch mal selbstbewusste Entscheidungen treffen muss. Mit Frau Voit war von Anfang an eine äußerst kompetente und konstruktive Partnerin an meiner Seite. Gemeinsam konnten wir schon einige Hindernisse aus dem Weg räumen. Natürlich spielt dabei eine Rolle, dass ihre Stimme mit dem Leibniz-Institut im Hintergrund innerhalb des Clusters und auch des DRESDEN-concepts ein großes Gewicht hat. Ihr strategischer Blick auf die Dinge wird sehr geschätzt. Voit: Aus Leibniz-Sicht möchte ich ergänzen: Lebendig wird unsere Kooperation dadurch, dass wir versuchen, die eigenen Interessen hintenan zu stellen und gemeinsam unsere Erfolgschancen ausloten. Dazu braucht es Management- und Führungserfahrungen sowie eine Portion strategisches Denken. Das sind Qualitäten, die ich täglich als Leibniz-Direktorin einsetze. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsrezept für Kooperationen zwischen Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen? Voit: Ganz klar – die Wissenschaft muss im Mittelpunkt stehen. Die dazu passenden Strukturen finden sich dann schon. Es ist wichtig, zuerst ein wissenschaftliches Thema zu identifizieren, bei dem beide Partner – universitäre und außeruniversitäre – einen Benefit sehen. Dabei lohnt sich der Blick über die eigene Disziplin hinaus. Nur so betritt man wirklich gemeinsam neue wissenschaftliche Pfade und kommt zu Ergebnissen oder Konzepten, die im Alleingang nicht möglich gewesen wären. Mein zweiter Erfolgsfaktor: In der Person von Herrn Fettweis wird deutlich, dass für den Erfolg solch einer Unternehmung das persönliche Engagement des Koordinators und der Beteiligten essenziell sind. Fettweis: Ein anderer Punkt betrifft ganz konkret die Beteiligung der außeruniversitären Partner. Die thematische und juristische Unabhängigkeit der Leibniz-Institute prägt einfach noch mal andere Führungspersonen im Wissenschaftsmanagement – verglichen mit einem Hochschulprofessor, der für seine Arbeitsgruppe zuständig ist. Man denkt in größeren Dimensionen. Voit: Und auch das ist aus meiner Sicht ein Erfolgsfaktor: Die Kooperationen können nur von den Führungspersonen, die natürlich auch wissenschaftlich hoch anerkannt sein müssen, getragen und gelebt werden. Man kann diese Aufgabe nicht „wegdelegieren“.


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Engagement der Leibniz-Gemeinschaft an Hochschulen 2012 Aktivitäten an Hochschulen mit gemeinsamen Berufungen, außerplanmäßigen und Honorarprofessuren Bundesland

Name der Hochschule

Baden-Württemberg

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Eberhard Karls Universität Tübingen Ruprecht-Karls Universität Heidelberg Universität Mannheim Ludwig-Maximilians-Universität (München) Technische Universität München Beuth Hochschule für Technik Berlin Charité Universitätsmedizin Berlin Freie Universität Berlin Hertie School of Governance (Berlin) Hochschule für Wirtschaft und Recht (Berlin) Humboldt Universität Berlin Technische Universität Berlin Brandenburgische Technische Universität Cottbus Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde Technische Fachhochschule Wildau Universität Potsdam Jacobs University Bremen Universität Bremen Universität Hamburg Goethe-Universität Frankfurt/Main Hochschule Darmstadt Technische Universität Darmstadt Universität Kassel Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald Universität Rostock Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Georg-August Universität Göttingen Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover Leuphana Universität Lüneburg Technische Universität Braunschweig Tierärztliche Hochschule Hannover Bergische Universität Wuppertal Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Rheinische Friedrich-Wilhelms Universität Bonn Ruhr-Universität Bochum Technische Universität Dortmund Universität Köln Johannes Gutenberg Universität Mainz Universität Koblenz-Landau Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU) – Otto Beisheim School of Management (Vallendar) Universität des Saarlandes (Saarbrücken) Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden Technische Universität Chemnitz Technische Universität Dresden Universität Leipzig Hochschule Anhalt (Köthen) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Christian-Albrechts-Universität Kiel Universität Lübeck Friedrich-Schiller-Universität Jena

Bayern Berlin

Brandenburg

Bremen Hamburg Hessen

Mecklenburg-­ Vorpommern Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pfalz

Saarland Sachsen

Sachsen-Anhalt

Schleswig-Holstein Thüringen

Gemeinsame Berufungen und außerplanmäßige/ Honorarprofessuren                                                     

4 10 2 8 11 3 1 5 13 1 1 39 21 6 1 2 1 30 2 12 13 17 1 2 2 4 19 1 11 1 1 3 1 1 3 1 2 4 1 1 1 1 2 1 1 15 10 1 16 4 12 7 7

Aktivitäten an allen kooperierenden Hochschulen nach Bundesländern Bundesland

Baden-Württemberg Bayern Berlin Brandenburg Bremen Hamburg Hessen Mecklenburg-­Vorpommern Niedersachsen Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz Saarland Sachsen Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein Thüringen Deutschland

Gemeinsame Berufungen und außerplanmäßige/ Honorarprofessuren 24 14 81 40 14 13 22 23 18 12 3 2 27 21 19 7 340

Mitarbeiter mit ­Lehrengagement                                                    

Anzahl geleisteter ­Semesterwochenstunden

10 44 13 34 41 10 4 41 89 8 4  171 49 26 3 13 2 90 5 43 45 106 4 6 4 9 51 11 32 7 4 11 8 1 19 3 27 19 1 28 2 2 8 8 3 54 42 8 42 40 31 29 28

Mitarbeiter mit ­Lehrengagement

                                                  

37 217 62 108 173 33 20 189 306 13 11  568 209 73 12 47 8 293 17 170 202  756 32 42 10 20 139 66 157 29 14 23 19 2 72 6 102 45 2 160 8 7 34 13 26 235 160 16 136 53 50 58 157

Anzahl geleisteter ­Semesterwochenstunden 122 78 371 135 48 50 136 63 79 97 50 8 118 91 62 31 1.554

509 328 1.332 439 187 235 876 173 325 327 266 34 502 209 124 167 6.106

Leibniz auf dem Campus


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Ăœbersicht zu Leibniz auf dem Campus 2013

K o o p e r a t i o n e n m i t H o ch s ch u l e n


Die Institute der Leibniz-Gemeinschaft Baden-Württemberg FIZ KA FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur GESIS GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Köln, ­Mannheim, Berlin IDS Institut für Deutsche Sprache, Mannheim IWM Leibniz-Institut für Wissensmedien, Tübingen KIS Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik, Freiburg MFO Mathematisches Forschungsinstitut Oberwolfach ZEW Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim Bayern DFA Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, Freising DM Deutsches Museum, München GNM Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg ifo ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München IfZ Institut für Zeitgeschichte München-Berlin

Berlin DIW Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin DRFZ Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin FBH Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik, Berlin FMP Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie, Berlin IGB Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Berlin IKZ Leibniz-Institut für Kristallzüchtung, Berlin IZW Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin MBI Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie, Berlin MfN Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und ­Biodiversitätsforschung, Berlin PDI Paul-Drude-Institut für Festkörperelektronik, Berlin WIAS Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik, Berlin WZB Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Brandenburg AIP Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam ATB Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim DIfE Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam-Rehbrücke IGZ Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau, Großbeeren&Erfurt IHP Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik, Frankfurt (Oder) IRS Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung, Erkner PIK Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ZALF Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, Müncheberg ZZF Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam Bremen BIPS Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, Bremen DSM Deutsches Schiffahrtsmuseum, Bremerhaven ZMT Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie, Bremen

Hamburg BNI Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Hamburg GIGA German Institute of Global and Area Studies, Leibniz-Institut für Globale und ­Regionale Studien, Hamburg HPI Heinrich-Pette-Institut – Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie, Hamburg

Hessen DIPF Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Frankfurt am Main und Berlin HI Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – ­Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Marburg HSFK Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt am Main SGN Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt am Main

Mecklenburg-Vorpommern FBN Leibniz-Institut für Nutztierbiologie, Dummerstorf IAP Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik an der Universität ­Rostock, ­Kühlungsborn INP Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie, Greifswald IOW Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde an der ­Universtität Rostock LIKAT Leibniz-Institut für Katalyse an der Universität Rostock

Niedersachsen ARL Akademie für Raumforschung und Landesplanung – LeibnizForum für Raumwissenschaften, Hannover DPZ Deutsches Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung, Göttingen DSMZ Leibniz-Institut DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikro­ organismen und Zellkulturen, Braunschweig GEI Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung, ­Braunschweig LIAG Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik, Hannover TIB Technische Informationsbibliothek, Hannover

Nordrhein-Westfalen DBM Deutsches Bergbau-Museum, Bochum DDZ Deutsches Diabetes-Zentrum, Leibniz- Zentrum für DiabetesForschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf DIE Deutsches Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für ­Lebenslanges Lernen, Bonn IfADo Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund ILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, ­Dortmund (assoziiertes Mitglied) ISAS Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften, Dortmund und Berlin IUF Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf RWI Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, Essen ZB MED Deutsche Zentralbibliothek für Medizin, Köln und Bonn ZFMK Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – LeibnizInstitut für Biodiversität der Tiere, Bonn Rheinland-Pfalz FÖV Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung, ­Speyer IEG Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, Mainz RGZM Römisch-Germanisches Zentralmuseum. Forschungsinstitut für ­Archäologie, Mainz ZPID Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und ­Dokumentation, Trier Saarland INM Leibniz-Institut für Neue Materialien, Saarbrücken LZI Schloss Dagstuhl – Leibniz-Zentrum für Informatik

Sachsen IfL Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig TROPOS Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, Leipzig IFW Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung ­Dresden IOM Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung, Leipzig IÖR Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, Dresden IPF Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden

Sachsen-Anhalt IAMO Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa, Halle IPB Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie, Halle IPK Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzen­ forschung, ­Gatersleben IWH Institut für Wirtschaftsforschung Halle LIN Leibniz-Institut für Neurobiologie, Magdeburg Schleswig-Holstein FZB Forschungszentrum Borstel – Leibniz-Zentrum für Medizin und ­Biowissenschaften, Borstel IfW Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel IPN Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und ­Mathematik, Kiel ZBW Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften – ­Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, Kiel

Thüringen FLI Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut, Jena HKI Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektions­ biologie – ­Hans-Knöll-Institut, Jena

www.leibniz-gemeinschaft.de

Leibniz auf dem Campus. Kooperationen mit Hochschulen  

Entwicklungen, Beispiele und Highlights der Zusammenarbeit der Leibniz-Gemeinschaft mit den Hochschulen

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