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Lebenswege Ausgabe 41 · April 2011

m u z s o l n e t kos ! n e m h e n Mit

Krebsinformationsdienst richtet Sprechstunde ein Krebspatienten in der Region Dresden können sich beim Krebsinformationsdienst (KID) nicht nur telefonisch, sondern jetzt auch in einem persönlichen Gespräch informieren. Die „persönliche Sprechstunde“ findet von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 13 Uhr am Universitäts Krebs-

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Centrum (UCC) statt, ist kostenlos und es ist keine ärztliche Überweisung notwendig. Das Angebot ersetzt jedoch nicht das individuelle ärztliche Beratungsgespräch, wie der KID ausdrücklich bekannt gab. Der KID ist eine Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Er bietet Krebspatienten und ihren Angehörigen allgemein verständliche und wissenschaftlich fundierte Informationen rund um Fragen zu Krebserkrankungen. Telefonisch ist der KID täglich von 8 bis 20 Uhr zu erreichen unter 08004203040. Telefonische Anfragen von Bürgern aus den neuen Bundesländern werden automatisch nach Dresden weiter geleitet. Dort wurde vor einem Jahr die bundesweit erste Außenstelle der Organisation eingerichtet. 

Forum für Krebspatienten und ihre Angehörigen

Sterberate an Krebs ist rückläufig Positive Entwicklung vor allem beim Darm- und beim Brustkrebs In Europa hat die Rate der Menschen, die an Krebs versterben, seit den späten 80er-Jahren abgenommen. Diese Entwicklung ist allerdings nicht bei allen Tumorarten gleichermaßen zu beobachten: Rückläufig sind vor allem die Todesraten beim Brustkrebs, was die Wissenschaftler eindeutig auf bessere Heilungserfolge zurückführen. Außerdem wurden bei Frauen wie auch Männern deutlich weniger Todesfälle durch Darmkrebs verzeichnet. Das ist das Ergebnis einer Analyse auf Basis der Krebstodesraten der vergangenen 40 Jahre in 27 europäischen Nationen, das aktuell im Fachblatt „Annals of Oncology“ veröffentlicht wurde. Nicht einheitlich bei Mann und Frau ist die Entwicklung beim Lungenkrebs. So nehmen die Todesraten bei den Männern leicht ab, bei den Frauen allerdings weiterhin zu.

Häufiger Tumore in der Rachenregion Viren als Ursache von Kopf-Hals-Tumoren lange verkannt

Kontakt halten via Internet – Selbsthilfe einmal anders

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Krebsmedizin auf alternativen Wegen

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hen inzwischen an fünfter Stelle der häufigsten Tumore des Mannes“, berichtet Professor Dr. Andreas Dietz aus Leipzig. Lange Zeit wurden hierfür vor allem ein hoher Alkoholkonsum, das Rauchen sowie eine schlechte Mundhygiene verantwortlich gemacht. Inzwischen aber ist klar, dass nicht selten auch Viren Auslöser insbesondere von Tumoren des Rachenraums sind. „Es handelt sich dabei vor allem um die so genannten humanen Papillomaviren, kurz auch HPV genannt“, berichtet der Krebsmediziner. Doch nicht nur bei der Erforschung der Krankheitsursachen gibt es Neuerungen, sondern auch bei der Behandlung sind Fortschritte zu verzeichnen. „Auch wenn heutzutage die Operation die wichtigste Waf-

„Am Ende des Weges geht es weiter“

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1 – © Deutsches Krebsforschungszentrum, 2 – © sculpies - Fotolia.com

Tumore im Kopf-Hals-Bereich nehmen bereits seit Jahren an Häufigkeit zu. Das gilt vor allem für das Rachenkarzinom, während die Häufigkeitszahlen beim Kehlkopfkrebs annähernd stabil bleiben. „Krebserkrankungen in der Kopf-Hals-Region ste-

Inhalt Das Leben genießen – trotz Krebs? Innovative Krebstherapie – keine Frage des Alters

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Darmkrebs stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken 3

fe gegen Kopf-Hals-Tumore ist, haben sich die Gesamtkonzepte der therapeutischen Strategien verändert“, erklärt Professor Dietz. Während die Krebsmediziner bislang fast ausschließlich auf die Operation sowie die Chemo- und die Strahlentherapie gesetzt haben, gewinnen nunmehr Antikörper an Bedeutung. Mit diesen lassen sich gezielt Wachstumsfaktoren blockieren. „Damit können wir das Fortschreiten der Tumore bremsen“, sagt Professor Dietz. Laufende Studien müssen nach seinen Worten nun klären, wie die Kombination der einzelnen Komponenten in neuen Konzepten das Überleben der Patienten verbessern kann, da bisher immer noch jeder zweite Betroffene an den Folgen der Erkrankung verstirbt. 

Um rund sieben Prozent ist die Rate der Männer und um rund sechs Prozent die Rate der Frauen, die in Europa an einer Krebserkrankung versterben, zurückgegangen. (2) Dennoch werden in diesem Jahr europaweit rund 1,3 Millionen Menschen durch eine Krebserkrankung zu Tode kommen, prognostizieren die bei der Studie federführenden Wissenschaftler der Universitäten in Mailand

und Lausanne. Sie errechneten zugleich, dass damit aber im Vergleich zu 2007 in Europa immerhin sieben Prozent weniger Männer und sechs Prozent weniger Frauen ihr Leben aufgrund einer Krebserkrankung verlieren. 

Übungen zur Atemtherapie Über Möglichkeiten der Atemtherapie informiert eine neue Broschüre (siehe Seite 5). Hier ein Beispiel:

Aufrichten der Wirbelsäule: Setzen Sie sich auf einen Hocker oder Stuhl mit nach innen gedrehten Armen: Neigen Sie sich so nach vorne, dass der Rücken ganz rund wird. Zwei bis drei Atemzüge in dieser Position verharren, dann die Arme nach außen drehen, sich aufrichten und die Schultern bewusst nach unten ziehen. Bei den nächsten zwei bis drei Atemzügen sollten Ihre Arme in Richtung der Füße streben. Atmen Sie ruhig weiter und führen die Übung mehrfach in beide Richtungen aus.


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Meldungen Starker Gewichtsverlust verschlechtert die Heilungschancen von Krebspatienten. Wie es zu der Auszehrung (Kachexie) kommt und welche Botenstoffe das Signal zum Abbau von Fett- und Muskelgewebe im Körper geben, wird von Forschern am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg untersucht. Die Wissenschaftler hoffen, durch das von der Deutschen Krebshilfe geförderte Projekt die so genannte Tumorkachexie besser zu verstehen und Möglichkeiten zur Behandlung entwickeln zu können, um so die Heilungschancen von Krebspatienten zu verbessern.  Ein erhöhtes Krebsrisiko haben Frauen, wenn sie täglich ein Glas Wein oder ein Glas Bier trinken. Das hat die „Million Women Study“ ergeben, in der knapp 1,3 Millionen Frauen sieben Jahre lang beobachtet wurden. Der regelmäßige Alkoholkonsum scheint demnach vor allem das Risiko für einen Krebs im Mund-Rachenbereich zu steigern, aber ebenfalls das Risiko, an einem Brustkrebs, Leberkrebs, Darmkrebs sowie einem Speiseröhrenkrebs zu erkranken.  Auf ihr Herz achten müssen Krebspatienten nach einer traditionellen Chemo- und/oder Strahlentherapie. Denn diese können das Risiko für Herzund Gefäßerkrankungen steigern. Das gilt vor allem für Menschen, die bereits in jungen Jahren an Krebs erkrankten, wie eine aktuelle Untersuchung von mehr als 14.000 ehemaligen Krebspatienten ergeben hat, die vor dem 21. Lebensjahr an Krebs erkrankten und als geheilt galten. Die Studie zeigt, dass das Risiko für eine Herzerkrankung infolge der Chemo- oder Strahlentherapie bis zu 30 Jahre nach der Diagnose Krebs höher als bei Menschen ohne vorherige Krebsbehandlung ist. 

Das Leben genießen – trotz Krebs? Interview mit Privatdozent Dr. Salah-Eddin Al-Batran, Krankenhaus Nordwest, Frankfurt weniger belastend sind und andererseits Behandlungen zu etablieren, die die Nebenwirkungen, wie etwa die Übelkeit unter einer Chemotherapie, effektiv mindern. Nach wie vor bleibt die Heilung selbstverständlich das oberste Ziel bei der Krebsbehandlung.

„Die moderne Krebstherapie nimmt mehr Rücksicht auf die Lebensqualität.“

Patienten Monate und zum Teil Jahre mit der Erkrankung leben und die Krebserkrankung ist in vielen Bereichen auf dem besten Wege, zu einer chronischen Erkrankung zu werden. Dem müssen wir Rechnung tragen, indem wir die Behandlung so gestalten, dass sie auch auf längere Sicht für den Patienten gut zu tolerieren ist und sein normales Leben möglichst nicht beeinträchtigt.

Wir lernen aber zunehmend, dass wir die Behandlung schonender gestalten können, ohne dabei Heilungschancen aufzugeben. Für die betreffenden Patienten bedeutet das, dass sie mehr Lebensqualität behalten.

Aber wer bestimmt, was konkret Lebensqualität im Einzelfall bedeutet? Das kann selbstverständlich nur der Patient selbst bestimmen. Er muss letztlich zusammen mit seinem Arzt die Richtlinien für die Behand-

Die Behandlungsmöglichkeiten von Krebserkrankungen haben sich in den vergangenen Jahren erheblich gebessert und so mancher Tumor ist auf bestem Wege, zu einer chronischen Erkrankung zu werden. Doch wie lebt man auf lange Sicht mit dem Gedan-

ken, krebskrank zu sein und nicht definitiv geheilt werden zu können? Was muss passieren, damit Krebspatienten mit einem hohen Maß an Lebensqualität ihr Leben fortführen können? Warum Fragen zur Lebensqualität bei Krebspatienten so wichtig sind, erläutert Privatdozent Dr. SalahEddin Al-Batran in einem Interview. Dr. Al-Batran ist Leiter des Institutes für Klinische Forschung (IKF) am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt und Leiter der Arbeitsgruppe „Lebensqualität“ der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) in der Deutschen Krebsgesellschaft. Herr Dr. Al-Batran, was bedeutet der Begriff Lebensqualität im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung? Bei der Behandlung von Krebserkrankungen stand lange das Ziel im Vordergrund, möglichst den Krebs zu heilen. Wir haben dabei Therapieverfahren eingesetzt, die zum Teil recht radikal gegen den Tumor vorgegangen sind, für die betreffenden Patienten aber äußerst belastend waren. Zunehmend ist es einerseits gelungen, die Behandlungsverfahren – sei es die Operation, die Bestrahlung wie auch die Chemotherapie – so weiter zu entwickeln, dass sie

Bei der Behandlung von Krebserkrankungen wird zunehmend auch darauf geachtet, dass die Betreffenden die geschenkten Lebensjahre mit guter Lebensqualität erleben können. (3) Wieso rückt das Thema mehr und mehr in den Fokus der Krebsmediziner? Dank der modernen Krebsmedizin haben sich nicht nur die Heilungschancen bei vielen Tumoren verbessert, sondern auch die Lebenszeiten bei Patienten verlängert, die nicht definitiv geheilt werden können. Es ist heutzutage bei verschiedenen Tumoren keine Seltenheit mehr, dass die

lung vorgeben und dabei muss genau besprochen werden, welche Behandlungsform in Frage kommt und welche möglicherweise nicht. Dazu gehört dann auch, dass der Arzt den jeweiligen Patienten darüber informiert, was die Behandlung für ihn bedeutet, inwieweit er davon wahrscheinlich profitieren wird, aber auch welche möglichen Begleiteffekte damit verbunden sein werden. Nur dann ist es mög-

Privatdozent Dr. Salah-Eddin Al Batran, Frankfurt lich, dass Arzt und Patient gemeinsam eine Entscheidung treffen, die den individuellen Bedürfnissen des Patienten entspricht. Was können Patienten selbst tun, um ein Höchstmaß an Lebensqualität trotz Krebs und Krebstherapie zu erhalten? Es ist wichtig, dass die Patienten sich über ihre Erkrankung und die geplanten Behandlungsmaßnahmen gut informieren. Denn wenn sie konkret verstehen, was genau geschieht und was geplant ist, werden sie sich dem Tumor und auch der Medizin nicht hilflos ausgeliefert fühlen. Dabei kann es sehr hilfreich sein, Unterstützung bei der Bewältigung der Krankheit und ihrer Folgen durch einen speziell geschulten Psychoonkologen zu suchen. Krebspatienten sollten sich zudem bemühen, sich nicht sozial zu isolieren, sondern aktiv am Leben teilzunehmen. Was das konkret bedeutet und was dabei mit einem Plus an Lebensqualität verbunden ist, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Es kann für den einen bedeuten, einen Einkaufsbummel zu machen, für den anderen jedoch, eine Stunde im Wald spazieren zu gehen. Wichtig ist, dass die Betreffenden selbst versuchen, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen, wenn möglich, wieder körperlich und sogar sportlich aktiv zu werden und sich um eine ausgeglichene Lebensweise zu bemühen.  Herr Dr. Al-Batran, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Pankreaszentren in Deutschland Wird ein bösartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse festgestellt, so empfiehlt sich die Behandlung in einem auf diese Krebserkrankung spezialisierten Zentrum. In Deutschland gibt es bereits eine Reihe von Spezialkliniken, die so genannten Pankreaszentren. Wo sie zu finden

sind und welche Besonderheiten die einzelnen Kliniken aufweisen, beschreiben die zukünftigen Newsletter „Aus der Mitte – Diagnose Bauspeicheldrüsenkrebs“. Es handelt sich um einen OnlineDienst, der regelmäßig über verschiedenste Themen rund um das

Pankreaskarzinom informiert. Er ist Teil der gleichnamigen Informationskampagne und kann kostenfrei bestellt werden über die Internetseite der Initiative www.aus-der-mitte.de. 

Anders als bei verschiedenen anderen Tumorarten steigt beim Krebs der Bauchspeicheldrüse die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen bei Männern wie auch Frauen weiter stetig an. 3 – © Patrizia Tilly - Fotolia.com


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Innovative Krebstherapie – keine Frage des Alters

Krebs der Nebennieren – ein Tumor eher junger Menschen Serie seltene Tumore

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drüsenkrebs. Geprüft wurden beispielsweise die Effekte eines Hemmstoffs der Bildung neuer Blutgefäße, die den Tumor versorgen. Sowohl bei den 65-bis 70jährigen Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs wie auch bei den Patienten über 70 Jahren ergaben sich

Auch ältere Krebspatienten profitieren von den Fortschritten bei der Krebstherapie. Es gibt im Allgemeinen keinen Grund dafür, ihnen moderne Krebsmedikamente vorzuenthalten. (4)

durch die Behandlung eindeutige Überlebensvorteile. Jüngere wie auch ältere Patienten profitierten dabei gleichermaßen von der Gabe des Hemmstoffs der Gefäßbildung. Ein ähnliches Bild ergab die gemeinsame Analyse der Daten zum Bauchspeicheldrüsenkrebs. Erhielten die Patienten zu der üblichen Chemotherapie ein modernes innovatives Krebsmedikament, so schlug sich das ebenfalls in Überlebensvorteilen nieder. Diese waren altersunabhängig, also bei älteren und alten Patienten ebenso ausgeprägt wie bei jungen Menschen. Somit gibt es aus medizinischer Sicht keine Berechtigung, älteren Krebspatienten mit gutem allgemeinem Gesundheitszustand eine solche moderne Behandlung zu versagen. Immerhin sind etwa zwei Drittel der Darmkrebspatienten älter als 65 Jahre und insgesamt sind rund 40 Prozent der Krebspatienten älter als 75 Jahre. 

Darmkrebs stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken Viele Aktionen im Darmkrebsmonat März eb

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Zum zehnten Mal stand in diesem Jahr der Monat März im Zeichen des Darmkrebses. In sehr vielen Aktionen und Kampagnen wurde dabei unter dem Motto „Familie und Verantwortung“ bundesweit auf diese Krebserkrankung aufmerksam gemacht. „Wir brauchen ein Bewusstsein dafür, dass praktisch jeder Darmkrebs bekommen kann“, betonte Bundesministerin Kristina Schröder, die die Schirmherrschaft für den diesjährigen Aktionsmonat, den die Felix Burda Stiftung ausgerufen hat, übernommen hatte. Der Aktionsmonat trug der Tatsache Rechnung, dass jährlich in Deutschland rund 27.000 Menschen an den Folgen einer Darmkrebserkrankung versterben. 4 – Pitpia

Gleichzeitig sollte die Bevölkerung motiviert werden, an den Krebsfrüherkennungsuntersuchungen teilzunehmen, um so den Tumor oder seine Vorstufen frühzeitig erkennen und entfernen zu können. Was es bedeutet, an Darmkrebs zu erkranken, lässt sich gut

anhand der Filmdokumentation „Mein Weg mit Darmkrebs“ im Internet unter der Webadresse www.darmkrebszentrale.de verfolgen. Dort schildert ein Darmkrebspatient in zwölf Episoden sein Leben mit Darmkrebs von der Diagnose über die Behandlung und die Nachsorge bis hin

Foto: Markus Tedeskino

D ar m kr

WENN ES UM DARMKREBS GEHT,

HÖRT BEI MIR DER SPASS AUF. Danni Lowinski alias Annette Frier, Schauspielerin

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Die modernen Behandlungsstrategien sind bei älteren Krebspatienten ebenso effektiv wie bei jüngeren Menschen mit Krebs. Das belegt eine Zusammenschau (Metaanalyse) der vorliegenden Studiendaten beim fortgeschrittenen Darm- sowie beim Bauchspeichel-

Einen Tumor, der insgesamt sehr selten ist, stellt das Nebennierenkarzinom dar. Rund 80 bis 100 Menschen erkranken pro Jahr in Deutschland an dieser Krebserkrankung, die sich in den Nebennieren bildet, also in den zwei kleinen Hormondrüsen direkt oberhalb der Nieren. Sie sind an der Regulation des Wasser-, Mineralstoff- und Kohlenhydrat-Haushaltes beteiligt und produzieren Hormone wie Adrenalin und Noradrenalin, die maßgeblichen Botenstoffe des sympathischen Nervensystems. Rund 300 Menschen leben derzeit Schätzungen zufolge in Deutschland mit einem Nebennierenkrebs. Das erklärt, warum es nur wenige Zentren gibt, die sich auf die Behandlung dieses seltenen Tumors spezialisiert haben. Die Universitätsklinik in Würzburg gehört dazu, ebenso die Universitätsklinik in Dresden sowie die Medizinische Klinik Innenstadt der Universität München, die ein europaweites Forschungsprojekt zum Nebennierenkrebs koordiniert. Untersucht werden sollen dabei vor allem die molekularen und genetischen Marker der Erkrankung, die in aller Regel besonders bösartig verläuft. Nach der operativen Entfernung bildet sich bei 80 Prozent der Betroffenen der Tumor erneut. Die Erkrankung wird zudem oft erst vergleichsweise spät entdeckt. Es erkranken vorwiegend junge Erwachsene, wobei der Tumor sogar schon im Kindesalter auftreten kann. Die Forscher hoffen, anhand neuer Forschungsdaten spezielle, auf die individuelle Erkrankung zugeschnittene Behandlungsformen entwickeln zu können. 

Lesetipp

Leben mit follikulärem Non-Hodgkin-Lymphom Die Diagnose „follikuläres Non-HodgkinLymphom“ stürzt die meisten Betroffenen Leben mit in einen Strudel aus Gefühlen, Ängsten follikuläre m Non-Hodg kin-Lymph om und Fragen. Vor allem in der ersten Zeit Information en Patienten un für d Angehörig nach der Diagnose ist vielen Patienten e gar nicht bewusst, dass es sich beim follikulären Lymphom um eine Krebserkrankung handelt, die in vielen Fällen gut zu kontrollieren ist. Dank der Möglichkeiten der Chemotherapie sowie der Behandlung mit einem Antikörper führen viele Betroffene über Jahre hinweg ein ganz normales Leben. Die Broschüre „Leben mit follikulärem Non-Hodgkin-Lymphom“ informiert über die Hintergründe der Erkrankung, deren Diagnostik und Behandlung. Sie ist beim Unternehmen Roche Pharma AG in Grenzach-Wyhlen oder direkt über Lebenswege (siehe Seite 8) kostenfrei zu beziehen. In dem Ratgeber wird unter anderem auf verständliche Art und Weise geschildert, was von einer Chemotherapie zu erwarten ist, wie die Antikörpertherapie wirkt und warum eine Erhaltungstherapie mit einem Antikörper sinnvoll und wichtig sein kann. Der Ratgeber bietet darüber hinaus – angefangen mit der Ernährung über das Reisen bis hin zum Thema Impfungen – Tipps für die Lebensführung. 

Darmkrebs ist zu 100 % heilbar, wenn er rechtzeitig entdeckt wird. Deshalb geht auch Annette Frier zur Vorsorge. Die tut nicht weh, dauert nur 20 Minuten und peinlich ist es auch nicht. Mehr Informationen unter www.felix-burda-stiftung.de

Während des Darmkrebsmonats März wurden in ganz Deutschland viele Informationsveranstaltungen zum Thema Darmkrebs durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der Felix Burda Stiftung machen sich auch Prominente wie Annette Frier und Markus Maria Profitlich für mehr öffentliches Bewusstsein in Sachen Darmkrebs stark und werben insbesondere für die Teilnahme an den Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen.

zu seiner Rückkehr in den Alltag. Auf der Webseite finden sich weitere Informationen rund um den Darmkrebs und es gibt Hinweise auf Informationsveranstaltungen sowie die Möglichkeit, direkt Informationsmaterial zu der Erkrankung zu bestellen.

Im Darmkrebsmonat März wurde zudem eine neue Themenreihe für Patienten und Angehörige gestartet, bei der jeden Monat ein bestimmter Aspekt zum Thema Darmkrebs in kurzen Filmbeiträgen aus verschiedenen Blickwinkeln aufgearbeitet wird. 


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Kontakt halten via Internet: Selbsthilfe einmal anders Virtuelle Selbsthilfegruppe für Leukämie- und Lymphompatienten

Viele Krebspatienten haben das Bedürfnis, sich mit anderen Betroffenen über die Erfahrungen im Umgang mit der Erkrankung und der Behandlung auszutauschen. Selbsthilfegruppen sind dann eine gute Möglichkeit, Kontakt zu Mitbetroffenen zu bekommen. In der Gruppe lässt sich Rat holen, wenn unerwartete Probleme auftreten, und trösten. Gleichzeitig kann man andere trösten oder einfach nur zuhören. Viele Krebspatienten fühlen sich in den Selbsthilfegruppen gut aufgehoben und verstanden, weil sie mit Menschen zusammen sind, die das gleiche Schicksal zu bewältigen haben.

lom-Ingenieur, der selbst an einer Leukämie erkrankt war und eine Stammzelltransplantation hinter sich hat, hat aus der Not eine Tugend gemacht und in Kooperation mit der Deutschen Leukämie& Lymphom-Hilfe e. V. die virtuelle Selbsthilfegruppe LeukämiePhoenix gegründet.

„Das Internet hilft Krebspatienten beim Austausch untereinander“ Auf der Webseite der Selbsthilfegruppe gibt es wichtige Informationen zur Erkrankung, aber auch aktive Lebensberatung. So wird über häufige Fragen und Miss-

Das Internet bietet nicht nur Informationen, sondern auch die Möglichkeit, mit anderen Tumorpatienten in Kontakt zu kommen. (5) Doch nicht jeder hat die Chance, in seiner Region an einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen. Vor allem Menschen mit Tumoren des Blut- und Lymphsystems, also mit einer Leukämie oder einem Lymphom, finden oft kaum Anschluss. „Es gibt halt unzählig viele Formen der Erkrankung und es ist entsprechend schwer, Menschen zu finden, die genau an der gleichen Tumorform leiden wie man selbst“, sagt Holger Bassarek aus Dieburg. Der Dip-

körperliche Einschränkungen, um die Sorge, erneut einen Tumor zu entwickeln, und auch allgemein um psychosoziale Folgen der Erkrankung. Dreh- und Angelpunkt jedoch sind der Austausch der Betroffenen untereinander in den nach Themenbereichen geordneten Fo-

verständnisse berichtet. Es wird beispielsweise dargelegt, warum man den Kettenbriefen und -aufrufen zur Knochenmarkspende keinen Glauben schenken sollte. Ein Schwerpunkt der Seite liegt auf Informationen zu den Langzeitfolgen der Behandlung, mit denen laut Bassarek viele Betroffene zu kämpfen haben. „So mancher fühlt sich dabei sehr alleine gelassen und findet kaum Ansprechpartner“, sagt der Diplom-Ingenieur. Es geht dabei um

Patienten-Veranstaltung zum Thema Darmkrebs Im Rahmen der bundesweiten Kampagne „Durch dick & dünn – Leben mit Darmkrebs“ findet am 21. Mai 2011 – moderiert von Jan Hofer (Foto) – eine Informationsveranstaltungen für Patienten, Angehörige und Interessierte in Augsburg im MAN-Museum, Heinrich-von-Buz-Str. 28, statt. Vor Ort informieren Krebsexperten aus der Region über das Thema Darmkrebs und antworten auf Fragen zu Ursachen, Diagnose, Therapiemöglichkeiten sowie zur Nachsorge. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen gibt es unter www.darmkrebszentrale.de. 

ren der Seite und über die Erfahrungsberichte, die die Betroffenen auf dieser Seite ins Netz stellen können. „Das ist der zentrale Bereich, der die Webseite zu einer echten virtuellen Selbsthilfegruppe macht“, sagt Holger Bassarek. Sich auf virtueller Ebene auszutauschen, hat nach seinen Worten für Menschen mit Leukämie oder Lymphom besondere Vorteile, denn die Betroffenen liegen oft lange in der Klinik. Sie könnten in dieser Zeit nicht an regionalen Treffen von Selbsthilfegruppen teilnehmen. „Über das Internet aber können sie mit anderen Betroffenen Kontakt halten“, erklärt der Diplom-Ingenieur. Im Netz finden zudem auch Patien-

ten mit seltenen Tumoren ebenso Betroffene und es gibt zudem keine terminlichen Schwierigkeiten und keine langen Fahrzeiten für Menschen, die in einer ländlichen Region leben. Zu erreichen ist die virtuelle Selbsthilfegruppe unter www.leukaemie-phoenix.de. 

Holger Bassarek, Vorstandsmitglied und Webmaster der Deutschen Leukämie- & LymphomHilfe e. V.

Erfahrungsaustausch nach der Stammzelltransplanation Menschen mit Leukämie oder Lymphom gelten nach einer erfolgreichen Stammzelltransplantation als geheilt. „In den üblichen Selbsthilfegruppen fühlt man sich dann nicht mehr gut aufgehoben“, sagt Holger Bassarek, Dieburg, aus eigener Erfahrung. Er hat deshalb neben „Leukämie-Phoenix“ mit „Leukämie-KMT“ auch eine spezielle Webseite für Menschen nach einer Knochenmarks- oder Stammzelltransplantation etabliert. Auf der Webseite gibt es Informationen rund um die jeweilige Erkrankung und deren Behandlung, wobei der Schwerpunkt auf der Knochenmarks- und Stammzelltransplantation liegt und insbesondere auf der Nachsorge. Es wird erläutert, worauf in dieser Situation ganz allgemein zu achten ist, zum Beispiel welche Regeln bei der Ernährung eingehalten werden sollten und was man bei Impfungen bedenken sollte. Einen besonders hohen Stellenwert haben laut Bassarek die Bereiche der Webseite, auf denen Erfahrungsberichte von Betroffenen zu lesen sind und die Foren, in denen man sich mit Mitbetroffenen austauschen kann: „Hier findet ein reger Austausch statt“. Zu erreichen ist die Gruppe unter www.leukaemie-kmt.de. 

Die Erwerbsminderungsrente Serie Patientenrechte Führt eine Krebserkrankung dazu, dass der Betreffende seine Erwerbstätigkeit nicht wieder aufnehmen kann, so kann unter gewissen Bedingungen ein Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung bestehen. Voraussetzung hierfür ist, dass der Betreffende die normale Rentenaltersgrenze noch nicht erreicht hat und dass er vor Eintritt der jetzigen Situation mindestens fünf Jahre lang erwerbstätig war (Wartezeit) und in dieser Zeit mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung entrichtet hat. Es muss zudem eine volle oder zumindest teilweise Erwerbsminderung infolge der gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorliegen. Ob dies der Fall ist oder nicht, richtet sich nicht nach dem ausgeübten Beruf, sondern nach der Situation auf dem Arbeitsmarkt. So liegt keine Erwerbsminderung vor, wenn der Betreffende unter den

Bedingungen des Arbeitsmarktes mindestens sechs Stunden täglich erwerbstätig sein kann. Ist dies nicht möglich, so ist von einer teilweisen Erwerbsminderung auszugehen und wenn der gesetzlich Versicherte nicht mindestens drei Stunden täglich arbeitsfähig sein kann, sogar von einer vollen Erwerbsminderung. Die Erwerbsminderungsrente wird üblicher-

Viele Krebspatienten haben Anrecht auf eine Erwerbsminderungsrente. (6)

weise befristet auf drei Jahre gewährt. Hat sich in dieser Zeit der Gesundheitszustand nicht gebessert, kann die Rente verlängert werden. Ist nach insgesamt neun Jahren keine Besserung eingetreten, wird die Rente üblicherweise unbefristet bewilligt. Ist schon bei der ersten Antragstellung klar, dass eine Rückkehr in den Beruf in absehbarer Zukunft nicht mehr möglich sein wird, so kann die Erwerbsminderungsrente auch direkt unbefristet bewilligt werden. Sie wird allerdings nur solange gezahlt, bis der Betreffende die übliche Rentenaltersgrenze erreicht hat. 

5 – © Dron - Fotolia.com, 6 – © Bertold Werkmann - Fotolia.com


Lebenswege

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Atemtherapie: Tief Luft holen

Übungen zur Atemtherapie

Gezielt den Sauerstoffgehalt des Blutes steigern Luftnot und eine rasche körperliche Erschöpfung infolge der mangelnden Sauerstoffversorgung – das sind zwei Symptome, die Menschen mit Lungenkrebs oft schwer zu schaffen machen. Oftmals muss beim Lungenkrebs ein Teil der Lunge operativ entfernt werden, was zur Folge hat, dass die Atemkapazität der Betroffenen erheblich eingeschränkt ist. Sie können nicht mehr wie ein gesunder Mensch

rund 450 Liter Luft pro Stunde einatmen, um das Blut mit Sauerstoff anzureichern. Es kommt zwangsläufig zu einer mangelnden Sauerstoffversorgung der Organe und Gewebe im Körper, wodurch sich die Patienten meist rasch müde und erschöpft fühlen. Doch die Lungen lassen sich trainieren. So gibt es spezielle Techniken, mit denen sich gezielt der Sauerstoffgehalt des

Blutes steigern lässt. Vermittelt werden diese im Rahmen einer Atemtherapie, bei der die Patienten auch lernen, wieder ruhiger und gleichmäßiger zu atmen. Wird die Atemgymnastik regelmäßig durchgeführt, so wird die Lunge insgesamt besser belüftet, die Brustmuskulatur wird beweglicher und stärker, das Atmen fällt leichter und die Atemnot bei körperlichen Belastungen lässt nach. 

Atemübung im Stand: Stellen Sie im Stand die Beine hüftbreit auseinander auf den Boden, die Knie sollten dabei leicht gebeugt sein. Legen Sie Ihre Hände in Höhe des Bauchnabels so übereinander, dass die Ellenbogen nach außen und die Handflächen nach oben zeigen. Führen Sie beim Einatmen die Arme hoch zum Brustbein, ohne dabei die Schultern hochzuziehen. Drehen Sie dann die Handflächen Richtung Boden. Atmen Sie mit der Lippenbremse aus und schieben Ihre Hände langsam wieder vor Ihren Bauchnabel.

Lesetipp

Atemtherapie für Menschen mit Lungenkrebs

Menschen mit Lungenkrebs haben oft doppelt unter ihrer Erkrankung zu leiden. „Zur Diagnose selbst kommen kräftezehrende Therapien hinzu, die körperlich und seelisch stark belasten“, schreibt Barbara Baysal, die im Oktober 2001 selbst an Lungenkrebs erkrankte, im

Vorwort der Broschüre „Atemtherapie – Übungen für Patienten mit Lungenkrebs“. „Fast immer fällt uns Betroffenen das Atmen sehr viel schwerer als vorher – bedingt durch Operationen oder den Krankheitsverlauf“, berichtet Frau Baysal weiter. Durch eine gezielte Atemtherapie lassen sich oftmals die Beschwerden lindern. Welche Übungen hilfreich sind und wie sie durchgeführt werden, wird in der Broschüre genau beschrieben. Dabei sind Übungen in verschiedenen Körperpositionen abgebildet, im Stehen, im Sitzen und im Lie-

gen. Außerdem werden Körperstellungen vorgestellt, die helfen, sich zu entspannen und zu einem fließenden Atemrhythmus zurückzufinden. Die atemgymnastischen Übungen sollten regelmäßig durchgeführt werden, am besten täglich 20 Minuten lang im Freien oder in einem gut belüfteten Raum. Die Broschüre „Atemtherapie – Übungen für Patienten mit Lungenkrebs“ kann kostenfrei angefordert werden bei der Roche Pharma AG, Tel. 07624/142 073 oder www. roche-onkologie.de. 

Atmungserleichternde Position: Die Hängebauchlage wirkt bei der Atmung unterstützend. Legen Sie sich dazu mit angezogenen Beinen auf den Boden. Platzieren Sie Ihre Arme auf einem Kissen oder einer Nackenrolle und betten Sie Ihren Kopf dann auf die Arme.

Der zweite Atem – Informationskampagne zum Lungenkrebs Online-Newsletter bietet Themen rund um die Erkrankung tet und löst einen regelrechten Schock aus. Ein Gefühl der Hilflosigkeit tritt auf, Unverständnis und auch Ängste machen sich breit. Für die Patienten ist es in dieser Situation wichtig, sich gut über die Erkrankung und deren Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, um wieder ein Gefühl von festem Boden unter den Füßen zu bekommen. Hilfe im Umgang mit der Erkrankung Lungenkrebs bietet die Kampagne „Der zweite Atem“, deDie Diagnose „Lungenkrebs“ trifft die ren Schirmherr der SportMehrzahl der Betroffenen unvorberei- moderator Dieter Kürten ist.

Die Initiative der Roche Pharma AG organisiert für die Betroffenen regionale Informationsveranstaltungen und hält umfassendes Informationsmaterial bereit, das kostenfrei angefordert werden kann. Dazu gehört seit kurzem auch ein vierteljährlich erscheinender Online-Newsletter, der abonniert werden kann. Er informiert über verschiedenste aktuelle Themen rund um die Diagnostik und Therapie von Lungenkrebs. Weiterführende Informationen gibt es auf der Internetseite der Kampagne unter www.der-zweite-atem.de, wo der Online-Newsletter direkt auch zu abonnieren ist. 

Lungenkrebs ist in Deutschland bei Männern und Frauen die dritthäufigste Krebserkrankung. Mit 32.500 Neuerkrankungen pro Jahr entfallen etwa 14 Prozent aller bösartigen Neubildungen bei Männern auf den Lungenkrebs. Bei Frauen macht das Bronchialkarzinom, so der medizinische Fachbegriff, mit etwa 14.600 jährlichen Neubildungen sechs Prozent aller Krebserkrankungen aus. Wichtig für die Betroffenen ist eine regelmäßige Atemtherapie.


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Wieder Muskulatur aufbauen

Mit „Medizinerdeutsch von A bis Z“ wollen wir zu etwas mehr Orientierung im Dschungel der Medizinersprache beitragen. Bei der Tumordiagnostik kommen häufig eine Computertomografie sowie eine Kernspintomografie zum Einsatz. Bei der Computertomografie, kurz auch oft CT genannt, handelt es sich um ein computerunterstütztes diagnostisches Verfahren, das mit Hilfe von Röntgenstrahlen Bilder des menschlichen Körpers erzeugt, anhand derer sich Tumore häufig gut erkennen lassen. Ein zweites Untersuchungsverfahren ist die Kernspintomografie, alternativ auch Magnetresonanztomografie, kurz MRT, genannt. Bei dieser diagnostischen Technik werden die inneren Organe und Gewebe mit Hilfe von Magnetfeldern und Radiowellen dargestell. 

Noch vor wenigen Jahren wurde Patienten mit Leukämie oder Lymphom eher von sportlicher Aktivität ab- als zugeraten. Das hat sich inzwischen geändert: „Wir wissen, dass auch Patienten mit solchen systemischen Erkrankungen eindeutig von einer Bewegungstherapie und allgemein von sportlicher Betätigung profitieren“, sagt Dr. Freerk Baumann von der Deutschen Sporthochschule in Köln. So kann durch ein gezieltes Bewegungstraining Erkrankungen durch Bewegungsmangel vorgebeugt werden. Außerdem können die oft bei diesen Erkrankungen auftretenden Erschöpfungszustände gemildert werden. „Die sportliche Betätigung fördert außerdem den allgemeinen Muskelaufbau, verstärkt die Immunfunktion und verbessert die Lungenfunktion“, erklärt Sporttherapeut Baumann. Schon in der Akutphase der Erkrankung sollte unter Anleitung eines Bewegungstherapeuten mit Übungen zum Muskelaufbau begonnen werden. Während der Rehabilitation soll dann versucht werden, die komplette Muskula-

tur mit einem leichten Krafttraining wieder aufzubauen, da es kaum Patienten gibt, bei denen es durch die Behandlung nicht zu einem Muskelabbau gekommen ist. „Vordringlich ist dabei das Trai-

Bei guter Anleitung ist schon in der Akutphase ein leichtes Krafttraining möglich. (7) ning der Rücken- und Beinmuskulatur, um die Mobilität zu erhalten oder wiederherzustellen“, rät Baumann. Er empfiehlt Menschen mit Leukämie oder Lymphom zu Gruppensportarten, da sie durch die wochenlang therapiebedingte Isolation oft sehr belastet sind. Bau-

Bestrahlung schon während der OP Brustkrebs-Behandlung soll schonender werden

Applikator, über den das Bestrahlungsgerät niederenergetische Röntgenstrahlen direkt in das Zielgewebe der Operationswunde abgibt. (8) Durch eine erste Bestrahlung noch während der Operation kann die Brustkrebs-Behandlung für so manche Frau künftig schonender werden. Bei der intraoperativen Bestrahlung wird nach der Entfernung des Tumors direkt das Tumorbett bestrahlt, um einzelne, eventuell zurückgebliebene Zellen zu zerstören. „Diese Form der Bestrahlung ist äußerst präzise“, erläutert Professor Dr. Rolf

Kreienberg, der das Verfahren zusammen mit Professor Dr. Thomas Wiegel am Universitätsklinikum in Ulm etabliert hat. Das Bestrahlungsgerät gibt dabei über einen Applikator niederenergetische Röntgenstrahlen in hoher Dosis ab, die das Zielgewebe gleichmäßig und direkt in der Operationshöhle erfassen. Dadurch wird, so Prof. Kreienberg, gesundes Gewebe ge-

schont, da die Reichweite der Strahlen begrenzt ist. „Sie dringen nur wenige Zentimeter in das Gewebe ein“, sagt der Krebsmediziner. Für die Frauen hat die intraoperative Bestrahlung einen entscheidenden Vorteil: Sie verkürzt die nach dem Eingriff notwendige Strahlenbehandlung um etwa zwei Wochen. Dadurch kommt es wesentlich seltener zu Spätfolgen an der Haut. Die intraoperative Bestrahlung kommt laut Professor Kreienberg als Behandlungsverfahren vor allem bei Frauen jenseits des 40. Lebensjahres in Betracht. Beste Voraussetzungen sind gegeben, wenn es sich nicht um einen schnell wachsenden Tumor handelt und wenn dieser nicht größer als drei Zentimeter ist. Neben der kürzeren Bestrahlungszeit besteht ein Vorteil dieser Behandlungsart darin, dass das Verfahren sehr effektiv zu sein scheint und dadurch die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens des Tumors vermindert ist. 

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Auch bei Leukämie und Lymphom gilt: Mut zur Bewegung mann: „Der Gruppensport fördert die sozialen Interaktionen und tut auch auf dieser Ebene den Patienten gut. Das stärkt das oft durch die Erkrankung angeschlagene Selbstvertrauen“. Als zentrales Element sollte die Bewegungstherapie bei Lymphomund Leukämiepatienten außerdem Ausdauersport beinhalten. Empfehlenswert sind Walking und Nordic Walking sowie Radfahren, und das gegebenenfalls auf einem Standfahrrad, damit die Patienten sicheren Halt haben. Sinnvoll sind ferner allgemeine Kräftigungsübungen, die zunächst nicht bei voller Kraft, sondern erst einmal mit rund 70 Prozent der möglichen Belastungsstufen durchgeführt werden sollten. Dabei müssen die Patienten laut Baumann auf eine gleichmäßige Atmung achten. Dann sollte die Belastung langsam gesteigert werden. Als ratsam erachtet er ferner ein gezieltes Koordinationstraining mit Schulung

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der Körperhaltung. Da die Patienten meist zunächst noch ein geschwächtes Immunsystem aufweisen, sind Besuche in Schwimmbad und Sauna nicht anzuraten. Erst wenn die körpereigene Abwehrkraft voll wiederhergestellt ist, können die Patienten problemlos zum Schwimmen gehen. Diese Sportart ist dann zur Stärkung des Herz-Kreislaufsystems sehr geeignet. Weiterführende Informationen – selbstverständlich auch zu Empfehlungen für Patienten mit anderen Tumorformen – finden Interessierte auf der Internetseite www. freerk-baumann.de. Dort gibt es auch Hinweise zu Broschüren und Büchern zum Thema „Sport und Bewegung bei Krebs“. 

Leukämie bei Kindern: Heilungsraten weiter steigern Ulmer Mediziner arbeiten daran, Rückfälle besser vorherzusagen Bei der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL), der häufigsten Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen, werden inzwischen Heilungsraten von etwa 80 Prozent erreicht. „Das bedeutet leider umgekehrt, dass wir jedes fünfte betroffene Kind noch nicht definitiv heilen können“, erklären Professor Dr. Klaus-Michael Debatin und Dr. Lüder Hinrich Meyer vom Universitätsklinikum Ulm. Die Mediziner leiten eine Forschungsgruppe, die sich intensiv darum bemüht, Möglichkeiten zu entwickeln, um die Heilungsraten noch weiter zu steigern. Ein Problem bei der Behandlung der ALL besteht laut Professor Debatin vor allem darin, dass sich mit den bisherigen Kriterien noch nicht zuverlässig genug vorhersagen lässt, welche Patienten nach der ersten Behandlung einen Rückfall (Rezidiv) erleiden werden. „Anhand verschiedener Kriterien versuchen wir, vorab zu erkennen, ob das Risiko für einen späteren Rückfall hoch ist oder nicht und steuern die Behandlung entsprechend“, sagt der Mediziner. Leider kann aber die Mehrheit der Kinder, die später ein Rezidiv bekommen, nicht rechtzeitig erkannt werden. Dann aber ist eine wichtige Chance vertan, die Leukämie sehr rasch mit der notwendigen Aggressivität zu bekämpfen. Dr. Meyer und seine Mitarbeiter suchen deshalb nach Markern in den Tumorzellen, um die Aussagekraft der Vorhersage-Kriterien weiter zu optimieren und neue Therapieansätze zu finden. Hierbei haben sie verschiedene Signalmoleküle entdeckt, die therapeutisch zu beeinflussen sind und auch als Basis für einen so genannten „Klassifikator“ dienen. Mit dessen Hilfe soll es künftig einfacher und zuverlässiger als bisher möglich sein, die weitere Entwicklung der ALL bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen abzuschätzen. Das würde die Möglichkeiten verbessern, die Behandlung individuell noch besser zu steuern und damit letztlich, so die Hoffnung der Mediziner, die Heilungsraten noch einen deutlichen Schritt weiter zu steigern. 

7 – © Composer - Fotolia.com , 8 – UK Ulm


Lebenswege

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Krebsmedizin auf alternativen Wegen

Prof. Dr. Josef Beuth Viele Krebspatienten möchten sich nicht nur auf die Schulmedizin verlassen, sondern selbst aktiv werden und zur Genesung beitragen. So mancher greift dabei auf nicht-schulmedizinische Verfahren in der Annahme zurück, sich dadurch etwas Gutes zu tun. Doch Vorsicht: Im Bereich der komplementären Medizin wird so manches Verfahren lautstark an-

gepriesen, dass nicht erprobt ist, keine positive Wirkung hat oder dem Patienten möglicherweise sogar schadet. Darauf haben Experten beim 1. Komplementärmedizinischen Kongress in Köln hingewiesen. „Mehr als 80 Prozent der als alternative Medizin vor allem via Internet angebotenen Präparate und Verfahren sind nicht ratsam“, meinte dort Professor Dr. Josef Beuth vom Institut für Naturheilverfahren der Universität Köln, der die Veranstaltung zusammen mit Professor Dr. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums, und Professor Dr. Peter Mallmann, Leiter der UniversitätsFrauenklinik, ausgerichtet hat. Die Komplementärmedizin kann Krebspatienten laut Beuth durchaus helfen. So kann die gesundheitliche Situation durch eine adäquate, ausgewogene Ernährung, durch körperliche Bewegung und durch eine gute psychoonkologische Betreuung durchaus stabili-

Lesetipp

Komplementärmedizin

siert werden. Andererseits werden vor allem Krebspatienten zum Teil regelrecht obskure „Heilsmethoden“ offeriert, die zum einen teuer und zum anderen unwirksam oder sogar schädlich sind, erklärte Frau Professor Harbeck. Zum Beispiel schützt Vitamin E in hoher Dosierung nicht nur gesunde Körperzellen vor aggressiven Substanzen, sondern auch die Tumorzellen. Die Einnahme kann damit die Effekte der Krebstherapie schmälern und so die Heilungschancen beeinträchtigen. Grapefruitsaft kann dagegen Wechselwirkungen mit Medikamenten eingehen und deren Nebenwirkungen verstärken. Solche Effekte sind wenig bekannt, könnten die vermeintlich so gesunden komplementären Verfahren aber zu einem Bumerang werden lassen. „Es ist deshalb wichtig, sich hinsichtlich zusätzlicher Verfahren mit seinem Arzt zu beraten“, rät die Krebsmedizinerin. 

Phytopharmaka helfen bei Nebenwirkungen

Serie Komplementäre Krebsmedizin

Komplementärmedizin Der Begriff Komplementärmedizin wird oftmals synonym zu Alternativmedizin verwandt. Während genau genommen aber die Alternativmedizin, wie der Name schon sagt, quasi als Ersatz der Schulmedizin propagiert wird, kommt die Komplementärmedizin ergänzend zur Schulmedizin zur Anwendung. Es kann sich teilweise jedoch um die gleichen Methoden und Präparate handeln. Die Komplementärmedizin zielt bei Tumorerkrankungen nicht auf eine Heilung ab. Sie kann jedoch zum Beispiel Nebenwirkungen der Strahlen- wie auch der Chemotherapie mildern und dadurch dazu beitragen, dass die betreffenden Patienten die Behandlungsprotokolle wie geplant durchstehen können. 

9 – © Stefan Körber - Fotolia.com

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Lexikon

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morerkrankungen (UCT) in Frankfurt. Das Immunsystem hat nach ihren Worten die Aufgabe, den Körper vor Schädigungen durch eindringende Krankheitskeime, aber auch durch bösartig entartete Zellen zu schützen. Krebszellen aber sind in der Anfangsphase der Erkrankung durch das Immunsystem kaum zu entdecken. Erst wenn sie sich nachhaltig verändert haben, geben sie sich als bösartige Zellen zu erkennen und können dann auch vom Immunsystem attackiert werden.

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Es erscheint auf den ersten Blick logisch, während einer schweren Erkrankung zu versuchen, die Abwehrkraft zu stärken. Krebspatienten fragen daher nicht selten, ob sie Medikamente einnehmen sollen und dürfen, welche das Immunsystem stimulieren. Nicht wenige Patienten glauben zudem, den Krebs entwickelt zu haben, weil ihr Immunsystem versagt hat. Das aber ist nicht der Fall, erklärt Dr. Jutta Hübner, Ärztliche Leiterin der Komplementären Onkologie am Universitären Centrum für Tu-

nd

Komplementäre Heilmethoden können dazu beitragen, die Belastungen infolge einer Krebstherapie abzumildern. (9)

Ingwer gegen Übelkeit

Immunstimulation – Vorsicht während der Chemotherapie A ll e s r u

Weiterführende Informationen zum Thema Komplementärmedizin bietet die Broschüre „Komplementäre Behandlungsmethoden bei Krebserkrankungen“, die die Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e. V. herausgegeben hat. Der Ratgeber kann von Patienten, die in NordrheinWestfalen leben, kostenlos als Broschüre angefordert werden bei der Krebsgesellschaft NRW e. V., Volmerswerther Str. 20, 40221 Düsseldorf. Patienten, die nicht in NRW leben, finden den Ratgeber im Internet unter www.krebsgesellschaft-nrw.de (Service). 

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Allerdings tarnen die Krebszellen sich auch dann meist so, dass sie nicht als bösartig entlarvt werden. „Einfach das Immunsystem zu stimulieren, hilft daher nicht“, sagt Frau Hübner, die auch Sprecherin der „Arbeitsgemeinschaft Prävention und integrative Medizin in der Onkologie“ der Deutschen Krebsgesellschaft ist. Das erklärt, warum verschiedene, vielpropagierte immunstimulierende Therapieformen der Naturheilmedizin, wie eine Thymustherapie, die Misteltherapie oder die Behandlung mit Aloe oder Noni, im Kampf gegen den Krebs praktisch unwirksam sind. Nicht völlig geklärt ist, inwieweit die Verfahren möglicherweise sogar nachteilig für die Patienten sein können. Zwar gibt es laut Frau

Ingwer kann helfen, die im Verlauf einer Chemotherapie oft auftretende Übelkeit zu mildern. Das hat eine amerikanische Untersuchung von 644 Krebspatienten ergeben. Bei Patienten, die jeweils drei Tage vor und nach der Behandlung Ingwer erhielten, waren die Beschwerden um 40 Prozent geringer als bei Krebspatienten, die keinen Ingwer einnahmen. Die amerikanischen Forscher vermuten, dass die bekannten entzündungshemmenden Effekte des Ingwers günstige Wirkungen auf die Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt haben und so der Übelkeit entgegenwirken. Die Anwendung sollte aber in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. 

Hübner Hinweise, dass eine Misteltherapie die Lebensqualität von Krebspatienten bessern kann, es liegen andererseits auch Hinweise vor, dass die Verfahren für Krebspatienten eher ungünstig sind. „Will ein Patient unbedingt die Misteltherapie versuchen, so werde ich ihm dies nicht ausreden, aber ihm klar machen, dass er die Mittel nur zeitlich begrenzt anwenden sollte“, so Hübner. Nach drei Monaten spätestens sollte die Behandlung unterbrochen werden und man sollte prüfen, ob es einem nicht ohne Behandlung ebenso gut geht. Es gibt dabei bislang keine Beweise dafür, dass Mistel und Co. die Heilungschancen steigern, sie bessern bestenfalls das Befinden der Patienten. Es gibt zudem, so Frau Hübner, bestimmte Tumore, bei denen man die Mistel- und Thymustherapie auf keinen Fall anwenden sollte. Das sind Tumore, die sich aus dem Blut- und Lymphsystem heraus entwickeln wie Leukämien

und Lymphome. Bedenken gibt es darüber hinaus beim malignen Melanom, also beim schwarzen Hautkrebs. 

Impressum Herausgeber: WORTREICH Gesellschaft für individuelle Kommunikation mbH, Barfüßerstr. 12, 65549 Limburg/Lahn, Tel.: 06431/59096-0, Fax: 06431/ 59096-11, info@wortreich-gik.de Verantwortliche Redaktion: Christine Vetter, Köln freie Mitarbeit: Dr. med. Klaus Steffen Grafik: Inken Pöhlmann, Bremerhaven Druck: RT-Druckwerkstätten, Mainz „Lebenswege“ wird gefördert von der Roche Pharma AG, GrenzachWyhlen.


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„Am Ende des Weges geht es weiter“

Vielleicht Vielleicht kommt der Tod als Freund und Bruder, als Tröster und Erneuerer, vielleicht ist sein Antlitz freundlich und er lächelt dir zu. Vielleicht will er lösen, was verstrickt, und binden, was zerrissen ist, vielleicht will er heilen die Wunde, die schmerzt.

Gedichte einer Brustkrebspatientin

Das Thema Tod und Sterben hat Ute Latendorf schon immer berührt. „Immer wenn Menschen, die mir nahe standen, gestorben

Ute Latendorf

Termine Warum werde ich so behandelt? Wie kommen Therapieentscheidungen zustande? So heißt eine Veranstaltung am 28. April am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart. Beginn ist um 19 Uhr, die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen unter 0711/8101-3012, Dipl.Psych. Sylvia Broeckmann. 

„Aus der Mitte – Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs“, eine Initiative für Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs bietet am 7. Mai 2011 eine Informationsveranstaltung in Weimar. Weitere Informationen gibt es unter www.aus-der-mitte.de. 

hof, gemacht hat. Dort ging sie auch gerne vor ihrer Erkrankung spazieren und hat fotografiert. Inzwischen aber haben diese Spaziergänge eine besondere Bedeutung erhalten: „Die Krebserkrankung hat mein Leben grundlegend verändert“, sagt die 60jährige Frau. Das spiegelt sich schon im Titel des Gedichtbandes „Am Ende des Weges geht es weiter“ wider. Nicht wissend, ob der Tumor erneut auftreten wird oder nicht, hat Frau Latendorf nach eigenen Worten „mit ihrem Leben aufgeräumt“: „Ich habe mich von vielen Dingen, die ich überhaupt

Vielleicht kommt der Tod sachte und leicht, kommt mit Wellen und Wind, mit Sonne und Regen. Vielleicht kommt er als Liebhaber mit Rosen und Veilchen. Vielleicht sind seine Arme weich wie ein Moosbett. Vielleicht sagt er: Komm, es ist alles bereitet.

nicht benötige, getrennt und lebe nun deutlich leichter und befreiter“. Die Künstlerin hat ihre Angelegenheiten geregelt, eine Patientenverfügung verfasst, sogar eine Grabstelle gekauft und die eigenen Trauerkarten gestaltet. „Ich bin auf den Tod vorbereitet“, so sagt sie. Und weiter mit einem Lachen: „Wenn ich aber den Krebs besiege und weiterleben werde, dann wird auch gelebt.“ Das Leben ist für Frau Latendorf

seit 2009 bewusster geworden, jeder Tag ist ein Geschenk, das sie so erlebt und aus tiefem Herzen und ganz bewusst genießt. Zur Sache: „Am Ende des Weges geht es weiter“ von Ute Latendorf ist im Verlag ewigedition Fölbach, München, erschienen, ISBN 978-3-940765-10-9, und zum Preis von 9,80 Euro im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich.

Frühjahrsputz auch bei der Hautpflege Serie Hautpflege und Kosmetik-Tipps Nach den kalten Wintertagen braucht die Haut besondere Pflege. Das gilt vor allem für Krebspatienten, deren Haut oft durch die Erkrankung und deren Behandlung angegriffen ist. In den Wintermonaten kommen zusätzliche Belastungen auf die Haut zu: Die trockene Heizungsluft und der Mangel an Licht und frischer Luft lassen die Haut leicht trocken und spröde werden. Sie sollte deshalb gerade in den Wintermonaten mit ausreichend Fett und Feuchtigkeit versorgt werden. Das schützt die Haut vor Auskühlung und Austrocknung. Die fettreichen Cremes aber setzen sich gleichzeitig auch in

Nach dem Winter tut auch unserer Haut ein intensives Pflegeprogramm gut. (10) die Poren, was Unreinheiten der Haut provozieren kann. „Mit den ersten Frühlingsboten in der Natur wird es deshalb

Zeit, auch der Haut eine Art Frühjahrsputz zu gönnen“, rät Marion Wehmeier aus Köln. „Ein sanftes Peeling tut der Haut jetzt gut, ebenso die Pflege mit einer Ampullenkur oder einem reichhaltigen Pflegeserum“, empfiehlt die Kosmetikerin, die regelmäßig in Zusammenarbeit mit der DKMS, der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, spezielle Schminkund Pflegekurse für Krebspatienten durchführt. Unsere Haut sehnt sich nach den kalten Wintertagen außerdem nach Sonne und frischer Luft. Wer kann, sollte sich deshalb viel draußen aufhalten. Ausgedehnte Spaziergänge tun der Haut jetzt gut und fördern ganz

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Die Aktion „Der zweite Atem – Leben mit Lungenkrebs“ bietet Betroffenen und Angehörigen am 21. Mai in Magdeburg und am 9. Juli in Mannheim eine von Dieter Kürten moderierte Veranstaltung. Weitere Informationen gibt es unter www.der-zweite-atem.de 

sind, habe ich dies im Schreiben von Gedichten verarbeitet“, sagt die Frau, bei der im Jahre 2009 die Diagnose Brustkrebs gestellt wurde. „Damals hatte ich das Gefühl, dass der Tod nun auch zu mir kommen wird“, erklärt Frau Latendorf. Sie hat darauf reagiert mit einem Gedicht mit dem Titel „Der Tod steht in der Tür“. In diesem Gedicht spricht die Brustkrebspatientin mit dem Tod, fordert ihn auf, noch ein wenig zu warten: „Geh doch nach draußen und rauch noch eine Zigarette, ich bin noch nicht fertig“, heißt es dort. Ihre Gedichte hat die Lyrikerin und Fotokünstlerin jetzt in einem kleinen Gedichtband veröffentlicht. Illustriert ist das Büchlein mit Fotografien, die die Diplompädagogin selbst auf ihren Gängen über den Ohlsdorfer Friedhof, Europas größten Parkfried-

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allgemein das Wohlbefinden und die körperliche Fitness. Doch Vorsicht mit der Frühjahrssonne. Man sollte ihre Kraft nicht unterschätzen und bei längeren Aufenthalten draußen unbedingt, genauso wie im Sommer, auf einen sorgfältigen Sonnenschutz achten. 

KONTAKT

10 – Pitopia

Sollten Sie Fragen zu den hier vorgestellten Themen haben, rufen Sie uns unter der angegebenen Service-Nummer an, schicken Sie uns eine E-Mail oder schreiben Sie uns an die angegebene Adresse.

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Lebenswege Ausgabe 41 · April 2011

Leben mit follikulärem Non-Hodgkin-Lymphom

Informationen für Patienten und Angehörige

06431/59096-25

Forum für Krebspatienten und ihre Angehörigen

Krebsinformationsdienst richtet Sprechstunde ein Krebspatienten in der Region Dresden können sich beim Krebsinformationsdienst (KID) nicht nur telefonisch, sondern jetzt auch in einem persönlichen Gespräch informieren. Die „persönliche Sprechstunde“ findet von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 13 Uhr am Universitäts Krebs-

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Centrum (UCC) statt, ist kostenlos und es ist keine ärztliche Überweisung notwendig. Das Angebot ersetzt jedoch nicht das individuelle ärztliche Beratungsgespräch, wie der KID ausdrücklich bekannt gab. Der KID ist eine Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Er bietet Krebspatienten und ihren Angehörigen allgemein verständliche und wissenschaftlich fundierte Informationen rund um Fragen zu Krebserkrankungen. Telefonisch ist der KID täglich von 8 bis 20 Uhr zu erreichen unter 08004203040. Telefonische Anfragen von Bürgern aus den neuen Bundesländern werden automatisch nach Dresden weiter geleitet. Dort wurde vor einem Jahr die bundesweit erste Außenstelle der Organisation eingerichtet. 

Sterberate an Krebs ist rückläufig Positive Entwicklung vor allem beim Darm- und beim Brustkrebs In Europa hat die Rate der Menschen, die an Krebs versterben, seit den späten 80er-Jahren abgenommen. Diese Entwicklung ist allerdings nicht bei allen Tumorarten gleichermaßen zu beobachten: Rückläufig sind vor allem die Todesraten beim Brustkrebs, was die Wissenschaftler eindeutig auf bessere Heilungserfolge zurückführen. Außerdem wurden bei Frauen wie auch Männern deutlich weniger Todesfälle durch Darmkrebs verzeichnet. Das ist das Ergebnis einer Analyse auf Basis der Krebstodesraten der vergangenen 40 Jahre in 27 europäischen Nationen, das aktuell im Fachblatt „Annals of Oncology“ veröffentlicht wurde. Nicht einheitlich bei Mann und Frau ist die Entwicklung beim Lungenkrebs. So nehmen die Todesraten bei den Männern leicht ab, bei den Frauen allerdings weiterhin zu.

Häufiger Tumore in der Rachenregion Viren als Ursache von Kopf-Hals-Tumoren lange verkannt

info@lebenswege-forum.de www.lebenswege-forum.de

Kontakt halten via Internet – Selbsthilfe einmal anders

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Krebsmedizin auf alternativen Wegen

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hen inzwischen an fünfter Stelle der häufigsten Tumore des Mannes“, berichtet Professor Dr. Andreas Dietz aus Leipzig. Lange Zeit wurden hierfür vor allem ein hoher Alkoholkonsum, das Rauchen sowie eine schlechte Mundhygiene verantwortlich gemacht. Inzwischen aber ist klar, dass nicht selten auch Viren Auslöser insbesondere von Tumoren des Rachenraums sind. „Es handelt sich dabei vor allem um die so genannten humanen Papillomaviren, kurz auch HPV genannt“, berichtet der Krebsmediziner. Doch nicht nur bei der Erforschung der Krankheitsursachen gibt es Neuerungen, sondern auch bei der Behandlung sind Fortschritte zu verzeichnen. „Auch wenn heutzutage die Operation die wichtigste Waf-

„Am Ende des Weges geht es weiter“

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1 – © Deutsches Krebsforschungszentrum, 2 – © sculpies - Fotolia.com

Tumore im Kopf-Hals-Bereich nehmen bereits seit Jahren an Häufigkeit zu. Das gilt vor allem für das Rachenkarzinom, während die Häufigkeitszahlen beim Kehlkopfkrebs annähernd stabil bleiben. „Krebserkrankungen in der Kopf-Hals-Region ste-

Inhalt Das Leben genießen – trotz Krebs? Innovative Krebstherapie – keine Frage des Alters

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Darmkrebs stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken 3

 WORTREICH GIK GmbH „Lebenswege“ Postfach 1402 D-65534 Limburg

Bestellung bitte per Fax an: 06431/59096-11

Hier können Sie auswählen, was Sie bestellen möchten:

 Broschüre: Atemtherapie

 Broschüre: Leben mit follikulärem Non-HodgkinLymphom

fe gegen Kopf-Hals-Tumore ist, haben sich die Gesamtkonzepte der therapeutischen Strategien verändert“, erklärt Professor Dietz. Während die Krebsmediziner bislang fast ausschließlich auf die Operation sowie die Chemo- und die Strahlentherapie gesetzt haben, gewinnen nunmehr Antikörper an Bedeutung. Mit diesen lassen sich gezielt Wachstumsfaktoren blockieren. „Damit können wir das Fortschreiten der Tumore bremsen“, sagt Professor Dietz. Laufende Studien müssen nach seinen Worten nun klären, wie die Kombination der einzelnen Komponenten in neuen Konzepten das Überleben der Patienten verbessern kann, da bisher immer noch jeder zweite Betroffene an den Folgen der Erkrankung verstirbt. 

Name, Vorname Um rund sieben Prozent ist die Rate der Männer und um rund sechs Prozent die Rate der Frauen, die in Europa an einer Krebserkrankung versterben, zurückgegangen. (2) Dennoch werden in diesem Jahr europaweit rund 1,3 Millionen Menschen durch eine Krebserkrankung zu Tode kommen, prognostizieren die bei der Studie federführenden Wissenschaftler der Universitäten in Mailand

und Lausanne. Sie errechneten zugleich, dass damit aber im Vergleich zu 2007 in Europa immerhin sieben Prozent weniger Männer und sechs Prozent weniger Frauen ihr Leben aufgrund einer Krebserkrankung verlieren. 

Übungen zur Atemtherapie Über Möglichkeiten der Atemtherapie informiert eine neue Broschüre (siehe Seite 5). Hier ein Beispiel:

Straße, Nr.

Aufrichten der Wirbelsäule: Setzen Sie sich auf einen Hocker oder Stuhl mit nach innen gedrehten Armen: Neigen Sie sich so nach vorne, dass der Rücken ganz rund wird. Zwei bis drei Atemzüge in dieser Position verharren, dann die Arme nach außen drehen, sich aufrichten und die Schultern bewusst nach unten ziehen. Bei den nächsten zwei bis drei Atemzügen sollten Ihre Arme in Richtung der Füße streben. Atmen Sie ruhig weiter und führen die Übung mehrfach in beide Richtungen aus.

 Zeitung: Lebenswege

PLZ, Ort

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Lebenswege - Zeitschrift für Krebspatienten und ihre Angehörigen Ausgabe 41  

Ausgabe 41, April 2011 der Lebenswege - Zeitschrift für Krebspatieten und ihre Angehörigen

Lebenswege - Zeitschrift für Krebspatienten und ihre Angehörigen Ausgabe 41  

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