Ausgabe 2026 D/A € 5,00 CHF 7.50

Internationales Engagement
Junge Freiwillige im Schlosspark Altdöbern
Bewahrer der Vielfalt
Botanische Gärten und ihre Geschichte
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Ausgabe 2026 D/A € 5,00 CHF 7.50

Internationales Engagement
Junge Freiwillige im Schlosspark Altdöbern
Botanische Gärten und ihre Geschichte
Mach deinen Garten zu einer Augen- und Bienenweide – und zu einem Paradies für Schmetterlinge, Igel und Vögel.
















Gärten sind mehr als gestaltete Natur. Sie sind Orte der Begegnung, der Inspiration und der Ruhe. Sie erzählen Geschichten von Menschen, Kulturen und Epochen, von Visionen und von der Liebe zum Detail. Mit der neuen Ausgabe der GartenTour möchten wir Sie einladen, diese Geschichten zu entdecken – mit offenen Augen, neugierigem Blick und allen Sinnen.
Ob weitläufige Parklandschaften, botanische Raritäten, versteckte Gartenschätze oder liebevoll gepflegte Anlagen: In ganz Deutschland öffnen sich auch in diesem Jahr wieder Tore zu grünen Oasen, die wir Ihnen zahlreich auf den folgenden Seiten vorstellen.
Unsere Titelgeschichte führt mitten hinein in den Japanischen Garten Kaiserslautern – und damit stellvertretend in jene stillen, harmonischen Landschaften, in denen jedes Element Bedeutung trägt und Natur zur Kunst wird. Gerade komme ich aus Japan zurück und habe von dort viele Inspirationen mit nach Hause genommen.
Wir geben Ihnen ebenso Einblicke in faszinierende botanische Gärten, die nicht nur Pflanzenvielfalt bewahren, sondern auch Wissen, Forschung und Bildung lebendig vermitteln – und das mit immer weniger finanzieller Ausstattung.
Ein besonderes Anliegen ist uns zudem die Internationale Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege. Mit handwerklichem Können und Leidenschaft für das kulturelle Erbe engagieren sich hier junge Menschen beim Erhalt historischer Gartenanlagen.
Lassen Sie sich inspirieren, neue Ziele zu erkunden, vertraute Orte mit anderen Augen zu sehen und vielleicht selbst einmal einen Ausflug in unbekannte Gartenwelten zu wagen. Speziell ans Herz möchte ich Ihnen einen Waldspaziergang legen, hinein in diese zauberhaften Räume aus Licht und Schatten, denen die DGGL 2026 ihr Jahresthema widmet.
Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre – und viele grüne Erlebnisse!
Ihre Dr. Sabine Freifrau von Süsskind Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e. V. (DGGL) für das Gartennetz Deutschland

Editorial 1
Entdecken und bewahren
Natur schreibt Geschichte –
Botanische Gärten gestern und heute 4
Gartenschätze in Adorf und Augsburg 9
Wo der Garten zum Wald wird –
Grüne Räume aus Licht und Schatten 10
Rheinland-Pfalz & Saarland
Ein Juwel in der Pfalz – Seit mehr als 25 Jahren fasziniert der Japanische Garten Kaiserslautern mit schlichter Eleganz und stiller Kraft 14
Im Rhythmus der Jahreszeiten – Außergewöhnliche
Gärten bezaubern im Freizeitzentrum Finkenrech 19
Hessen
Zwischen Gartenkunst und Muße –
Der Schlosspark Bad Homburg als lebendiges Kulturerbe 20
Unterwegs im ältesten Rosendorf Deutschlands –Bad Nauheim-Steinfurth und seine blühende Tradition 21
Nordrhein-Westfalen
Was den Alltag verschönert –
Kreative Inspirationen bei der Landpartie Kloster Kamp 22
Flora Westfalica – Erfrischend anders 23
Prachtvolles Schloss Neuhaus 23
Gartenschätze in Höxter, Bedburg-Hau und Neuss 24
MALERISCHER NORDEN
Niedersachsen & Schleswig-Holstein
Einzigartiges Ensemble für alle Sinne – Reizvolle Neuheiten erwarten Besucher in den Herrenhäuser Gärten 28
Gartenschätze in Bad Zwischenahn, Neukirchen und Uetersen 30
Mecklenburg-Vorpommern
In luftiger Höhe – Naturerlebnisse auf dem Baumwipfelpfad Rügen 31
Brandenburg & Berlin
Mit vereinten Kräften wachgeküsst – Junge Menschen aus aller Welt helfen dabei, den Schlosspark Altdöbern denkmalgerecht wiederherzustellen 34
Zu Gast in einem privaten Paradies – In der Uckermark schuf der passionierte Landschaftsarchitekt Hendrik Gottfriedsen seine persönliche Gartenschau 38 Gärten der Welt Berlin – Wenn sich Weltkulturen begegnen 40
Sachsen & Thüringen
Schloss und Park Lichtenwalde – Idyllische Eleganz 41 Grünfelder Park – Mystische Pfade, verborgene Monumente 41
Barockgarten Zabeltitz – Flanieren in romantischem Ambiente Gartenschätze in Apolda und Jena 42 egapark Erfurt – 65 Jahre Gartenschau und Kulturdenkmal 43
Sachsen-Anhalt
Gartenwissen wachsen lassen –Mitmachangebote in Sachsen-Anhalts schönsten Parks 44 Europa-Rosarium Sangerhausen –Ein Reich für die Königin der Blumen
47 Brockengarten zeigt botanische Kostbarkeiten 48 Durchatmen im Elbauenpark 48 Kloster Michaelstein – Die blühenden Speisen der Mönche 49
Bayern
Voller Hingabe gepflegt – Das Bayerische Gartennetzwerk setzt auf Begegnung statt Besichtigung 52
Baden-Württemberg & internationale Bodenseeregion
Bäume, Blüten und grüne Kultur –GartenRendezvous am Westlichen Bodensee 54
Facettenreiches Inselerlebnis – Die Mainau und das Vermächtnis des Großherzogs Friedrich I. von Baden 56 Gartenschätze in Bad Mergentheim, Rosenfeld und Reutlingen 58
Literaturtipps
Neu im Buchregal – Zum Selberpflücken und Verschenken 25
Veranstaltungskalender 2026
Parkfeste, Gartenmessen, Pflanzenmärkte und mehr 59
Katalogservice
Kataloge und Prospekte gratis bestellen 63
… auf den kommenden Seiten gibt es noch viele mehr zu entdecken.
SCHLESWIG-HOLSTEIN
1. Noldes Garten auf Seebüll
2. Rosarium Uetersen
MECKLENBURG-VORPOMMERN
3. Schloss Bothmer
4. Baumwipfelpfad im Naturerbe-Zentrum Rügen
NIEDERSACHSEN
5. Park der Gärten Bad Zwischenahn
6. Herrenhäuser Gärten Hannover
SACHSEN-ANHALT
7. Gärten am Kloster Michaelstein in Blankenburg (Harz)
8. Europa-Rosarium Sangerhausen
9. Gartenreich Dessau-Wörlitz
BERLIN & BRANDENBURG
10. Gärten der Welt Berlin
11. Schlosspark Altdöbern
SACHSEN
12. Schloss und Park Lichtenwalde
13. Grünfelder Park Waldenburg
14. Botanischer Garten Adorf/Vogtland
THÜRINGEN
15. Parks in Apolda
16. e gapark Erfurt
NORDRHEIN-WESTFALEN
17. Schloss- und Auenpark Paderborn
18. Flora Westfalica in Rheda-Wiedenbrück
19. Grugapark Essen
HESSEN
20. Rosendorf Bad Nauheim-Steinfurth
21. Schlosspark Bad Homburg
RHEINLAND-PFALZ & SAARLAND
22. Japanischer Garten Kaiserslautern
23. Gärten im Freizeitzentrum Finkenrech
BADEN-WÜRTTEMBERG
24. Kurpark Bad Mergentheim
25. Rosen- und Skulpturengarten Rosenfeld
BAYERN
26. Schlosspark Dennenlohe
27. Botanischer Garten Augsburg
28. Englischer Garten München
1. Gartenroute Mecklenburg-Vorpommern
2. Gartenkulturzentrum Niedersachsen –Park der Gärten
3. Gartenregion Hannover
4. gARTenakademie Sachsen-Anhalt
5. Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt
6. Grün Berlin
7. Europäischer Parkverbund Lausitz
8. GartenKulturPfad Oberlausitz
9. GartenKultur Thüringen
10. Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas
11. Route der Welterbe-Gärten Mittelrheintal
12. GartenRheinMain
13. Gärten ohne Grenzen
14. Gartenakademie Baden-Württemberg
15. Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
16. Gartenwelten Franken.Tauber.Hohenlohe
17. Insel Mainau
18. Traumgärten im Süden
19. Verband Bayerischer Parks und Gärten
deutschlandweit: Deutsche BundesgartenschauGesellschaft
IG Park im Kurort im Deutschen Heilbäderverband Schlösser und Gärten in Deutschland
europaweit: Europäisches Gartennetzwerk – EGHN dggl.org/gartennetz-deutschland


Eine Schmetterlingsschau gehört heute zu den Attraktionen des Botanischen Gartens der Universität Leipzig, der bereits seit 1580 existiert.
Botanische Gärten gestern und heute
von Silke Mayer

Ein Schleier feinster Wassertröpfchen schwebt in der Luft. Nur schemenhaft lassen sich Silhouetten ausmachen. Erst beim Näherkommen schälen sich Konturen heraus, werden Baum- und Blätterformationen sichtbar, verwandelt sich Grau in Grün.
Wer bei Nebel in einem botanischen Garten spazieren geht, erlebt eine besonders mystische Stimmung in einer Welt, die ohnehin voll von magischen Momenten ist. Denn botanische Gärten berühren die Sinne, betören Haut, Augen, Nase und Ohren. Während hoch

„Mit uns wächst Wissen“ lautet das Motto des Botanischen Gartens Berlin, der 1679 als kurfürstlicher Mustergarten gegründet wurde.
Die Stuttgarter Wilhelma ist Deutschlands einziger zoologisch-botanischer Garten. (Foto links)
oben im Blattwerk leise der Wind rauscht, quaken vielleicht unten Frösche an einem nahegelegenen Teich. Insekten schwirren surrend umher, angelockt vom Duft herrlicher Blüten. Bäume und Sträucher wiederum präsentieren Grüntöne aller Nuancen und verändern das Bild der Gärten im Wandel der Jahreszeiten. Und während in Gewächshäusern selbst bei winterlichen Minusgraden feuchte Wärme erlebbar ist, kann man im Sommer unter mächtigen Bäumen eine schattige Brise spüren. Bei solchen Sinnesfreuden kommt jedoch auch der Geist nicht zu kurz. So liefern botanische Gärten bei vielerlei Themenführungen jede Menge spannender Informationen: Wer weiß schon, dass Pfeffer einst in Gold aufgewogen wurde oder eine Tulpenzwiebel den Wert eines ganzen Hauses erreichen konnte? Und wem ist bekannt, dass man aus Pastinaken Bier brauen kann oder Johanniskraut im Mittelalter zur Abwehr gegen böse Geister genutzt wurde?
Kräuter gegen Krankheit
Zu den Anfängen der botanischen Gärten im 16. Jahrhundert lag das Hauptaugenmerk allerdings auf der Heilwirkung von Pflanzen. Und es waren vor allem Gelehrte, die Gärten mit Kräutern und Gewürzen anlegten, wie es Klöster schon seit vielen Jahrhunderten taten. Man denke nur an die berühmte Hildegard von Bingen, die bereits im 12. Jahrhundert in Nonnentracht das klösterliche Kräutergärtchen bestellte, Pflanzen beobachtete und Wissen über die Heilwirkung der Natur zusammentrug. Und 300 Jahre später sagte der nicht minder bekannte Paracelsus „Alle Wiesen und Matten, alle Berge und Hügel sind Apotheken.“
Entsprechend wurden die ersten botanischen Gärten auch Hortus Medicus genannt, in dem die Pflanzen nach körperlichen Beschwerden gruppiert waren, nicht nach botanischen Systemen. Sie waren Universitäten angegliedert, was tatsächlich bis heute oft der Fall ist, nur dass die entsprechende Fakultät mittlerweile

Die jährliche Woche der Botanischen Gärten findet 2026 vom 13. bis zum 21. Juni unter dem Motto „Wilde Vielfalt im Garten“ statt. In den Mitgliedsgärten des Verbandes Botanischer Gärten gibt es im Rahmen dieser Aktion informative Workshops, Führungen, Vorträge und Beratungen rund um das Thema. Die gleichnamige Ausstellung ist außerdem in den kommenden Monaten bundesweit in zahlreichen Anlagen zu sehen. verband-botanischer-gaerten.de
nicht mehr die Medizin ist, sondern die Biologie. Als erster botanischer Garten und damit Ursprungsversion aller anderen weltweit gilt der Botanische Garten von Padua in Italien aus dem Jahr 1545. In Deutschland zählt der 1580 eröffnete Botanische Garten von Leipzig als der älteste, gefolgt von Gießen (1609) und Freiburg (1620). Der erste richtige Hortus Botanicus, in dem es nicht mehr nur um medizinische, sondern vor allem um botanische Zwecke ging und der überdies Besuchern offenstand, ist der Botanische Garten von Leiden aus dem Jahr 1590.
Von der Medizin zur Botanik
Hintergrund dieser Veränderung vom Hortus Medicus zum Hortus Botanicus war das steigende Interesse an der Botanik durch die Aus-
weitung der Seefahrt. Mit der kolonialen Erforschung der Seewege wurden auch neue, hinreißende Pflanzenwelten erschlossen, die das Studium der Wildpflanzen selber forcierten statt nur deren Heilwirkung. Allerdings begann mit diesem zunehmenden Interesse auch ein riesiger Kommerz rund um die Pflanzenwelt: Reisen fanden zunehmend auf Veranlassung zahlungskräftiger Pflanzenliebhaber oder öffentlicher Auftraggeber statt und ein großer Teil der heute hierzulande existierenden Pflanzen kam während der Kolonialzeit nach Europa – ein Fakt, mit dem sich die botanischen Gärten aktuell vermehrt auseinandersetzen, indem sie zum Beispiel spezielle Führungen anbieten. Damals aber sah man lediglich, dass Pflanzen ein wertvolles Gut waren, dessen Rohstoffe es bis ins Detail zu erforschen galt und das große Investitionen lukrativ machte.
Einer der bekanntesten Geldgeber war Joseph Banks: Bereits mit 25 Jahren begleitete er als Botaniker mit eigenem Team den berühmten James Cook, der 1768 bis 1771 mit der „Endeavour“ die Welt umsegelte. Dank seiner Finanzkraft und naturwissenschaftlichen Kontakte nahm Banks nach seiner Rückkehr ins Vereinigte Königreich insbesondere auf die Entwicklung der Royal Botanic Gardens in Kew, London
großen Einfluss, die bei imperialistischen Wirtschaftsinteressen eine bedeutende Rolle spielten. Etwa im Betrugsfall der Kautschuksamen, die Henry Wickham 1876 aus Brasilien schmuggelte, das seinerzeit das Kautschuk-Weltmonopol besaß. Aus 70.000 falsch deklarierten und exportierten Samen züchtete man in Kew Gardens 2.000 Jungpflanzen, die später in die britische Kolonie Malaysia transportiert wurden. 20 Jahre danach bezog das Vereinigte Königreich 90 Prozent seines Kautschukbedarfs aus den eigenen Kolonien, obwohl nur acht Jungpflanzen die strapaziöse Schiffspassage überlebt hatten.
Schiffstransporte bedeuteten Stress pur für lebende Pflanzen: Des Lichtes wegen mussten diese an Deck stehen, wo ihnen aber das Salz des Meeres zusetzte wie auch Stürme, Temperaturwechsel und natürlich die Wasserproblematik. Kapitäne und Besatzung hatten überdies nur wenig Verständnis für die platzraubenden grünen Passagiere. Entsprechend groß waren die Verluste, was sich erst 1829 änderte, als Nathaniel Ward ein schützendes Minigewächshaus erfand, den sogenannten Ward’schen Kasten. Der nun mögliche Massentransport beschleunigte den Aufschwung des globalen Pflanzenhandels sowie den Austausch von Zier- und Nutzpflanzen.
Pflege von Vielfalt
In der Folge entstanden bis dato rund 1.700 botanische Gärten auf der ganzen Welt – davon 400 in Europa und etwa 100 in Deutschland – mit verschiedenen Schwerpunkten, Besonderheiten und Programmen. Es gibt allerlei Areale für spezifische Pflanzen, etwa alpine Gärten mit kargen Wachstumsbedingungen, Orchideenhäuser mit Dschungelfeeling oder Bereiche, in denen der köstliche Duft ausgesuchter Rosen in der Luft hängt. Oder Abteilungen für fleischfressende und giftige Pflanzen, Arboreten, die sich auf Bäume spezialisiert haben, Süßwasser- und Wüstenhabitate, außerdem Steppen und Prärien, Mittelmeer- oder Australienhäuser. Auch asiatische Gartenkunst findet sich in vielen botanischen Gärten und lädt Besucher in stille Welten voll dichten Bambus und Farns samt Zierschnitten und meditativem Wasserplätschern. So unterschiedlich die thematischen Schwerpunkte der einzelnen botanischen Gärten auch sind – alle besitzen Freiluftareale und beheizte Anlagen, um den natürlichen Bedingungen der jeweiligen Pflanzen Rechnung zu tragen. Schon im 16. Jahrhundert wurden Orangerien benutzt für Exoten, die es gleichmäßig warm, feucht und hell brauchten. Aus ihnen entwickelten sich neuartige Gewächshäuser, wobei wieder einmal die Royal Botanic Gardens in Kew eine Vorreiterrolle spielten:
Im Rahmen der industriellen Revolution entstanden nämlich Gewächshäuser mit Stahlskelettgerüst und Rundum-Verglasung sowie in den Boden eingelassenen Leitungen für

Im Botanischen Garten der Heinrich-HeineUniversität Düsseldorf zieht das ikonische Kuppelgewächshaus (Foto rechts) die Blicke auf sich.

Als Besonderheit unter Botanikern und Landschaftsgärtnern bekannt sind die Felsspaltengärten innerhalb des Botanischen Gartens Hof, wo Pflanzen aus dem Hochgebirge gedeihen.
die Zufuhr von warmem Wasser – ein Eldorado für tropische Pflanzen. Doch auch andere schwer kultivierbare Pflanzen können heutzutage durch immer fortschrittlichere Methoden gezüchtet und gepflegt werden, wie etwa die Hochgebirgsflora in den Felsspaltengärten des Botanischen Gartens Hof.
Arten erhalten ...
Der Aufwand für die Pflege von Pflanzen mag übertrieben erscheinen, tatsächlich aber steht er analog zur wichtigsten Aufgabe der botani-
schen Gärten, nämlich der Erhaltung von Biodiversität und genetischen Ressourcen – vor allem in Zeiten von Klimawandel, Raubbau und Bedrohung von Pflanzenarten in der freien Natur. „Der Fokus liegt darauf, geschützte Arten wieder in ihre jeweiligen Lebensräume zu bringen“, erklärt Felicitas Wöhrmann, Geschäftsführerin des Verbandes Botanischer Gärten, in dem mehr als 500 Mitglieder aus Deutschland und benachbarten Ländern organisiert sind. Als prominentes Beispiel gilt der Toromirobaum von den Osterinseln, der seit 1960 als ausge-


Unter Glas sind in Schaugewächshäusern unter anderem auch fleischfressende Pflanzen zu bestaunen, wie hier im Botanischen Garten Jena.
storben galt, bis in den 1980er Jahren Nachzöglinge in mehreren botanischen Gärten gefunden wurden. Bezüglich des Gelingens der Wiederanpflanzung gibt es unterschiedliche Aussagen, dennoch verdeutlicht das Beispiel die Wichtigkeit botanischer Gärten bei der Bewahrung von Biodiversität.
Dazu existiert hinter den Kulissen der öffentlichen Wahrnehmung ein großangelegtes professionelles Wirken. Was einst im Klostergarten begann und über botanische Seereisen führte, gipfelt in aktuell über 1.700 Samenbanken weltweit und deren Katalogisierung. Unangefochtenes Herzstück ist heute ein Saatguttresor im norwegischen Spitzbergen (Svalbard Global Seed Vault), wo eine Million Samenproben von Nutzpflanzen aus der ganzen Welt langfristig gelagert werden, um die Kulturpflanzenvielfalt und damit die globale Ernährungssicherheit im Katastrophenfall zu schützen. Unzählige, weitgehend unbeachtete Forscher dokumentieren und katalogisieren Pflanzen, tauschen Saatgut untereinander aus, kümmern sich um Anbau und Aufzucht in botanischen Gärten.
...und Wertschätzung fördern
Im Verband Botanischer Gärten weiß man um die aktuellen Herausforderungen. „Für die Erhaltung der Pflanzenwelt gilt es vor allem, Menschen für das Thema zu sensibilisieren“, betont Felicitas Wöhrmann. Das geschehe mitunter durch emotionale Ereignisse wie Hochzeiten in botanischen Gärten, meist aber durch klassische Bildungsarbeit. „An rund einem Drittel der Einrichtungen gibt es eine sogenannte Grüne Schule. Als außerschulischer Lernort unterbreitet sie Angebote zu Themen wie Naturschutz
und nachhaltige Entwicklung.“ Zielgruppen sind hauptsächlich Kinder, Schulklassen und Familien, die über Aktivitäten wie Nachtführungen, Vogelstimmen-Exkursionen oder Rundgänge zu botanischen Highlights die Pflanzenwelt schätzen lernen. Auf diese Weise kann über faszinierende Inhalte das Interesse an der Botanik geweckt und Wissen verknüpft werden mit der Liebe zur Natur, all dies eingebettet in Stunden der Entspannung. Denn so erleben Menschen botanische Gärten – als stille, grüne Oasen inmitten eines sonst hektischen, komplexen und von Tech -

Zur Autorin:
Immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Gartenkonzepten bereist Silke Mayer für die GartenTour seit 2013 den Westen Deutschlands. Zwischen Niederrhein und Sauerland verbindet sie die Liebe zur Botanik mit der Freude am Entdecken und Fotografieren.
nik dominierten Alltags. Aus gutem Grund existiert oft eine Kooperation zwischen den Anlagen und den Naturschutzorganisationen NABU oder BUND. Und nicht umsonst gelten botanische Gärten als öffentliches Gut, das manchmal sogar als Denkmal ausgewiesen ist, etwa der Dortmunder Rombergpark, der Forstbotanische Garten in Hannoversch Münden oder der Botanische Garten Kassel. Botanische Gärten bieten eben nicht nur ein Fest für Sinne und Geist, in ihrer Natur sind sie auch essenziell für das Wohlbefinden der Menschen. Und das des ganzen Planeten.

Auf den Spuren der Pflanzen-Systematik leiten die Wege durch den Botanischen Garten der Universität Münster.

Der einzige botanische Garten im sächsischen Vogtland hat sich der alpinen Flora verschrieben. Die kleine, äußerst gepflegte Anlage in Adorf unterteilt sich in über 20 systematische und geografische Bereiche, darunter Kräuter und Weiden oder Neuseeland und den Kaukasus. Besonders im Frühjahr sind die oft blütenreichen Pflanzen eine Augenweide. Speziell der mit Gesteinen und Pflanzen gestaltete Kalktuffbereich sticht heraus, ist er doch der größte seiner Art in einem botanischen Garten in Deutschland.
Gemeinsam mit der Miniaturschau „Klein-Vogtland“ bildet der Garten einen über die Grenzen der Region beliebten Ausstellungskomplex. Seit September 2025 bringt außerdem das neueröffnete Erlebnismuseum Perlmutter im Adorfer Stadtkern Gästen das Thema Natur näher. botanischer-garten-adorf.de
Zu jeder Jahreszeit zeigt sich der Botanische Garten Augsburg von einer anderen Seite: Farbenfrohe Frühlingsblüher, prächtige Rosenund Staudenbeete, leuchtende Herbstfarben und verschneites Winteridyll ziehen im Laufe der Monate die Blicke auf sich. Ruhe und Harmonie verströmt der Japanische Garten, der als Teichlandschaftsgarten gestaltet ist und zu den schönsten japanischen Gartenschöpfungen Europas zählt. In der Pflanzenwelt unter Glas wird die Flora von Steppe, Savanne und Tropen zum Leben erweckt. Das Skulpturen-Quartett „Die vier Jahreszeiten“ bereichert seit 2025 den Garten, umgeben von modernen Staudenpflanzungen. Auch zahlreiche Konzerte, Feste, literarische Spaziergänge und Gartenbeleuchtungen locken in die Anlage. In Garten-Praxis-Seminaren, Führungen und Workshops können Interessierte ihr Wissen erweitern; für Kinder und Familien gibt es ebenfalls spannende Angebote. augsburg.de/botanischergarten






Frühling, Sommer, Herbst & Winter: Entdecken Sie die Vielfalt der P anzenwelt botmuc.snsb.de





Manchmal genügen ein paar Schritte abseits des Weges und die Welt wird leiser. Das Licht fällt gefiltert durch die Kronen, der Boden federt, es riecht nach Laub, nach Harz, nach feuchter Erde. Der Garten, eben noch offen und licht, wird dichter. Der Blick verliert sich zwischen Stämmen, das Rascheln der Blätter ersetzt das Stimmengewirr. Wer einen solchen Ort betritt, weiß: Hier beginnt etwas anderes. Kein reiner Garten mehr, aber auch kein wilder Wald. Ein Zwischenraum – voller Geschichten.
Ein Schritt ins Halbdunkel
Viele der schönsten Gartenanlagen leben von diesem Übergang. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert fingen Gartenkünstler an, den Wald bewusst einzubeziehen. Parkwälder, Waldpartien, landschaftliche Gehölze wurden ange -

legt – nicht als Gegenpol zum Garten, sondern als Erweiterung. Der Spaziergang wurde zur Reise durch unterschiedliche Stimmungen: Licht und Schatten, Weite und Enge, Ordnung und Freiheit.
„Park endet nicht dort, wo der Wald beginnt“ … dieser Ausspruch wird sinngemäß Fürst Pückler zugeschrieben, denn seine Landschaftsgärten lebten vom Wechsel zwischen Offenheit und Geschlossenheit. Er nutzte vorhandene Wälder gezielt, um Weite und Tiefe zu erzeugen. Gehölzpartien begrenzen den Blick, lenken ihn, lassen Landschaft größer erscheinen, als sie tatsächlich ist.
Parkwälder als Orte der Erinnerung und des Erlebens
Der Arbeitskreis Historische Gärten der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) hat sich intensiv mit Park-
Landschaftspark Spiegelsberge in Halberstadt (Foto links)


wäldern und Waldparkanlagen beschäftigt, jenen Orten, die im 19. und 20. Jahrhundert gezielt für die Erholung angelegt wurden, oft am Rand von Städten oder als Teil größerer Schloss- und Parkanlagen. Diese Parkwälder sind mehr als grüne Kulisse. Sie erzählen von gesellschaftlichen Idealen, vom Wunsch nach Naturerlebnis, von Gesundheit, Bildung und Muße. Viele sind heute denkmalwürdig – und gleichzeitig lebendige Räume, die genutzt, geliebt und beansprucht werden. Gerade dort, wo der Wald tiefer wird, entsteht eine besondere Atmosphäre. Moose erobern den Boden, Farne breiten sich aus, Lichtungen entstehen scheinbar zufällig. Was wie Natur pur wirkt, ist oft das Ergebnis jahrzehntelanger Entwicklung. Pflege, Nutzung, Unterlassung – alles hinterlässt Spuren. Der Wald wird damit zu einem lebendigen Tagebuch der Landschaft.
Grüne Inseln mit großer Wirkung Besonders in Städten gewinnen waldartige Anlagen an Bedeutung. Stadtwälder, große Baumgruppen und waldähnliche Parks sind Rückzugsorte im Alltag. Sie kühlen die Luft, dämpfen Lärm, filtern Staub. In einer Welt, in der viele Menschen in urbanen Räumen leben, reduzieren Stress, Bewegungsmangel und isolationistische Lebensformen zunehmend Lebensqualität und Gesundheit. Der Wald in der Stadt bietet eine natürliche Ressource, die diesen Trends entgegenwirkt –
ohne Nebenwirkungen und direkt erfahrbar. Als Ort der Regeneration kann er gezielt zur Entspannung und Gesundheitsförderung genutzt werden, denn bereits kurze Aufenthalte wirken positiv. Darauf zielt auch das „Waldbaden“ ab. Die Forschung zum „Shinrin-Yoku“, dem achtsamen, sinnlichen Erleben des Waldes, begann in den 1980er Jahren in Japan und ist inzwischen international anerkannt als Ansatz der „Forest Medicine“ – einer interdisziplinären Wissenschaft über Wald und Gesundheit. Gartentherapeutische Studien zeigen, dass Waldbaden zu heilenden Wirkungen führen kann.
Ein Thema, das bleibt
Der Wald ist kein Modethema, sondern Teil unseres Lebensraums und unserer Sehnsucht. Die DGGL und das Gartennetz Deutschland widmen ihm 2026 das Jahresthema „Wald in der Landschaft und in der Stadt“. Für alle, die Parks und Gärten lieben, eröffnet sich damit ein neuer Blickwinkel. Der Wald wird nicht länger als Hintergrund gesehen, sondern als eigenständiger Protagonist. So laden am ersten Juniwochenende im Rahmen der internationalen Veranstaltungsreihe „Rendezvous im Garten“ auch viele Waldgärten Besucher dazu ein, sich unter dem Motto „Das Sehen/La Vue/ The Sight“ überraschen lassen.
gartennetz-deutschland.de dggl.org
Begleitend zum Jahresthema „Wald“ erscheint ein vom Arbeitskreis Landschaftskultur kuratiertes DGGL-Themenbuch. Es beleuchtet den Wald aus unterschiedlichen Blickwinkeln: historisch, gestalterisch, kulturell und zukunftsorientiert. Für Fachleute ist es eine Fundgrube und für interessierte Gartenbesucher eine Einladung, hinter die Kulissen zu schauen.

Baronin Süsskind managt seit fast vier Jahrzehnten den Schlosspark Dennenlohe in Mittelfranken. Sie initiierte 2006 den Deutschen und Europäischen Gartenbuchpreis und baut seitdem die Internationale Gartenbuch-Bibliothek aus. Sie ist Vize-Präsidentin der DGGL und Sprecherin des Bayerischen und Deutschen Gartennetzwerks.

JULIA SCHATTAUER
Botanische Gärten und Parks in Deutschland
Zum Selberpflücken und Verschenken
Auf eine Weltreise durch Deutschlands Gärten begibt sich die Autorin Julia Schattauer und stellt in ihrem Buch mehr als 40 grüne Oasen vor: Im Kapitel „Gegen Fernweh“ gibt sie Tipps zu lohnenswerten botanischen Gärten, zahlreiche herrschaftliche Anlagen fehlen ebenso wenig wie Großstadtoasen, die mitten im Trubel Ruhe spenden und Raum zum Durchatmen geben. Und sie rückt zusätzlich allerlei besondere Gärten in den Fokus, vom Alpengarten über ein Stückchen Landleben inmitten von Berlin bis zur Tropenhalle Gondwanaland im Zoo Leipzig.
Bruckmann Verlag
EUR 24,99 (D), EUR 25,70 (A), CHF 32.90
224 Seiten, ca. 230 Abbildungen
Format 16,5 cm x 23,5 cm
Flexcover
ISBN 978-3-7343-3358-3
ELKE SCHWARZER
Mord im Nacktschnecken-Milieu
Mysteriöse Kriminalfälle in deinem Garten
Einen Ratgeber zum Miträtseln hat die Diplom-Biologin Elke Schwarzer geschrieben. In 20 Fällen gilt es, den Täter im eigenen Garten zu überführen – denn der Mikrokosmos zwischen Beet und Topf ist voller Verbrecher; es gilt, Vandalismus oder gar heimtückischen Mord aufzuklären. Zum Kreis der Verdächtigen gehören etwa die Ameisen-Mafia oder eine kriminelle Schnecken-Bande. Tatort, Indizien, Zeugen und Verdächtige werden unter die Lupe genommen, bevor schließlich Täter und Motiv feststehen. Unterhaltsam und informativ zugleich vermittelt Elke Schwarzer biologisches Wissen.

Verlag Eugen Ulmer
EUR 20,00 (D), EUR 20,60 (A), CHF 26.60
144 Seiten, 141 Farbfotos, 15 farbige Zeichnungen
Format 17,8 cm x 24,2 cm gebunden
ISBN 978-3-8186-2734-8

SIBYLLE VON HEYDEBRAND UND VANJA HUG
Ein Paradies im Grünen
Die 1785 eröffnete Ermitage in Arlesheim südlich von Basel ist der größte Landschaftsgarten der Schweiz und ein Ort, der mit seinen malerischen Landschaftsbildern und dem plätschernden Bach alle Sinne berührt. Die Autorinnen nehmen die Leser mit auf einen Rundgang durch den Park und greifen damit eine Tradition aus dessen Blütezeit auf: Einst lenkten offizielle Gartenführer den Rundgang der Besucher, um sicherzustellen, dass die Abfolge der Stimmungen, Gefühle und Eindrücke genau so erlebt wurde, wie es ursprünglich beabsichtigt war.
Schwabe Verlag
EUR 28,00 (D), CHF 28.00
160 Seiten, 87 farbige Abbildungen
Format 20,3 cm x 25 cm broschiert
ISBN 978-3-7965-5000-3




SachsenMagazin
Kultur & Natur 6,00 Euro

Bodensee Magazin
Einzigartige SeeZeit 9,50 Euro








Urlaub im
5,50 Euro

Wirtschaftsmagazin
Sachsen
Macher & Marken
3,00 Euro

Camping Urlaub
Bodensee & Oberschwaben-Allgäu
5,00 Euro

Wirtschaftsmagazin
Bodensee
Unternehmen, Standorte, Themen und Akteure 7,50 Euro

GartenTour Unterwegs zu den schönsten Gärten und Parks 5,00 Euro











Oberschwaben Magazin
Mehr als Barock 6,00 Euro







Bodensee Magazin
Schweiz Spezial
Unterwegs am Schweizer Bodenseeufer 5,00 Euro
Bestellung unter labhard-shop.de (Versand zzgl. Versandkosten)
Seezunge
Gastroführer vom Bodensee bis Oberschwaben 11,00 Euro




WIR VERBINDEN REGIONEN MIT LEIDENSCHAFT

