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KUNST EINSICHT

15 2/2019

Das gemeinsame Magazin von Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee

Seite 14

Nr.

Eine Schule in der Welt bauhaus imaginista


Vom Jetzt in die Zukunft Kunst & Nachhaltigkeit Vol. 12

Was immer kommt – wir engagieren uns für die Zukunft der Schweiz. mobiliar.ch/engagement Die Mobiliar Bundesgasse 35, 3001 Bern Ausstellung 16. September 2019 bis 17. Januar 2020. Öffnungszeiten: Wochentags, 7 – 17 Uhr


Editorial Bern feiert ja hin und wieder seine Meister : die einen tun es im Eisstadion oder im Stade de Suisse. Wir tun dies im Museum : Paul Klee und Johannes Itten waren beide Meister am Bauhaus und gestalteten diese Jahrhundert-Schule für Design und Architektur prägend mit. Im Kunstmuseum Bern liegt der Schwerpunkt auf Ittens Utopie der Verschmelzung von Kunst und Leben. Parallel dazu werden im Zentrum Paul Klee mit bauhaus imaginista 100 Jahre Wirkungsgeschichte der Ideen und Entwicklungen des Bauhauses ausserhalb Europas beleuchtet. Da wir gerade im Jahr 1919 sind : Der Verein

der Freunde Kunstmuseum Bern wird mit dem Ziel gegründet, die Museumssammlung kontinuierlich weiterzuentwickeln. Im Interview mit Sabine Hahnloser, der Vereinspräsidentin, blicken wir zurück und nach vorn. Und ich freue mich mit Ihnen auf Jonathan Gimmel, den neuen Präsidenten der Dachstiftung KMB–ZPK ; im Gespräch breitet er seine Visionen für die beiden Häuser aus.

Nina Zimmer Direktorin Kunstmuseum Bern — Zentrum Paul Klee

Inhalt Interview

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Jonathan Gimmel

Interview

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Der neue Präsident der Dachstiftung KMB–ZPK über das Museum der Zukunft, Herausforderungen und Visionen.

Die Kunsthistorikerin und Sammlerin ist mit Kunst gross geworden und engagiert sich in der Dachstiftung KMB–ZPK sowie als Präsidentin des Vereins der Freunde Kunstmuseum Bern.

Community Building

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paul & ich In Zusammenarbeit mit den Bernerinnen und Bernern will das Zentrum Paul Klee sich als Haus weiterentwickeln : paul&ich startet endlich.

Ausstellung

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Von Bern ans Bauhaus Johannes Itten entwickelt am Bauhaus den gestalterischen Vorkurs und legt so den Grundstein für die heutige künstlerische Ausbildung.

Freundeswerke Der Verein der Freunde Kunstmuseum Bern zeigt, wie sich dank ihm die Sammlung des Museums weiterentwickelt hat.

Ausstellung

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Sabine Hahnloser Tschopp

Projekt

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Hand in Hand Das Kindermuseum Creaviva unternimmt einen nächsten Schritt hin zu umfassender Inklusion in Kultureinrichtungen.

Ausstellung

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Pionierin des Abstrakten Expressionismus Erstmals wird Lee Krasner in Europa mit einer Retrospektive gewürdigt.

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Forum Kalender More to See Agenda Tabea Steiner


Tipp Eine Kooperation der Burgerbibliothek Bern und Zentrum Paul Klee

Das Buch

Unterstützen

Blindenschule Zollikofen

Paul Klee und Hans Bloesch kannten sich aus gemeinsamer Schulzeit in Bern und blieben ihr Leben lang Freunde. Von 1902 bis 1905 arbeiteten sie an einem offenen Projekt, dem sie den lapidaren Titel Das Buch gaben. Bloesch steuerte Verse dazu bei, Klee Aquarelle und Zeichnungen. All dies schrieben und klebten sie in ein grosses Kontorbuch. Erst vor wenigen Jahren wurde es wiederentdeckt und gelangte mit dem Nachlass Bloesch schliesslich in die Burgerbibliothek Bern. 115 Jahre nach seiner Entstehung stellt Das Buch einen aussergewöhnlichen Fund dar, denn es enthält zahlreiche un­ bekannte Arbeiten von Klee und eröffnet erstmals einen vertieften Einblick in seine frühe künstlerische Entwicklung. Die von der Burgerbibliothek Bern und dem Zentrum Paul Klee initiierte zweisprachige Faksimile-­ Edition bildet den Auftakt einer Trilogie zur Künstlerfreundschaft zwischen Bloesch und Klee im Rahmen der Publikationsreihe der Burgerbibliothek Bern.

Dank der Unterstützung der Blindenschule Zollikofen ist das Zentrum Paul Klee in der glücklichen Lage, sehbehinderten und

blinden Menschen das Werk Paul Klees mittels verschiedener Tastreliefs zu vermitteln. Sie können aber auch umgekehrt die Arbeit der Blindenschule unterstützen. Viele der wichtigen Förderangebote und Dienstleistungen sind nur dank privaten Spenden möglich. Aktuell können Sie beim einzig­ artigen Fassaden-Sponsoring mithelfen! Spenden Sie für den Neubau eine oder mehrere Holzlamellen. Diese werden in drei Kategorien angeboten: Lamelle für CHF 100, CHF 40 und für CHF 20. www.spenden.blindenschule.ch

Sehen

Hans Bloesch, Paul Klee, Das Buch, Faksimile-Edition mit Transkription und Beiträgen von Osamu Okuda und Reto Sorg in Deutsch und Englisch, ca. 180 Seiten, Nimbus Verlag 

Shop

Pattern Box — 100 Postkarten

Diese unvergessliche, musterreiche Sammlung wurde vom berühmten Textile Arts Center in New York City zusammengestellt und enthält einhundert Postkarten von zehn internationalen Designern. Im Set ist auch eine Broschüre über die Designer enthalten, in der kreative Prozesse und Einflüsse beschrieben werden. CHF 21 im Museumsshop ZPK.

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Nantes

Charlie Chaplin dans l’œil des avant-gardes Parallel zur Ausstellung Jenseits von Lachen und Weinen. Klee, Chaplin, Sonderegger im Zentrum Paul Klee erwacht auch international das museale Interesse an Charlie Chaplin. Am 18. Oktober 2019 eröffnet im Musée d’arts de Nantes in der Bretagne die Ausstellung Charlie Chaplin dans l’œil des avant-gardes. Gezeigt werden über 150 von Chaplin inspirierte Werke — von Künstlerinnen und Künstlern wie František Kupka, Marc Chagall, Man Ray und Meret Oppenheim. Die Ausstellung wird von einem vielversprechenden internationalen Forschungssym-

posium begleitet, das dem Einfluss Chaplins auf die Moderne gewidmet ist. Lange hat die Kunstgeschichte Chaplins Filme als reine Unterhaltung betrachtet — dies ändert sich heute, und damit kommen auch immer mehr Wechselwirkungen zwischen der Populärkultur und der Kunst ans Licht. Musée d’arts de Nantes. 18.10.2019 — 03.02.2020 Empfohlen von Martin Waldmeier, Kurator Zentrum Paul Klee. Charlie Chaplin, The Circus, 1928, © Roy Export S.A.S.


News

Premiere

Hören

Kunstmuseum Bern

La Cappella präsentiert im Zentrum Paul Klee

Zentrum Paul Klee

Welcher Jahreszeiten-Typ sind Sie ? Wer sich nicht sicher ist, welche Farbe am besten zum Teint passt oder ob rot einen dick, dünn, gross oder klein, müde oder frisch aussehen lässt, der geht jetzt ins Kunstmuseum Bern. In der Ausstellung Johannes Itten : Kunst als Leben. Bauhaus­ utopien und Dokumente der Wirklichkeit stehen Expertinnen bereit, die basierend auf Ittens Farbenlehre einen individuellen, kostenlosen ersten Eindruck in die Farb­ beratung vermitteln. Welcher Jahreszeiten-Typ sind Sie ? alle Daten unter www.kunstmuseumbern.ch

Tät Tat — Diskiness

KLEE-Blatt La Cappella und Zentrum Paul Klee spannen erstmals zusammen. Im Rahmen der Ausstellung Jenseits von Lachen und Weinen. Klee, Chaplin, Sonderegger zeigt La Cappella mit KLEE-Blatt einen beglückenden Kleinkunst-Mix. Kuratiert und moderiert wird das KLEE-Blatt von Szenekenner Christoph Hoigné, La Cappella. Vierblättrig ist der Glücksklee, vierfältig das Programm der neuen Mixed-Show. Auf der Bühne ein erlesenes Bukett aus Berlin, Basel, Zürich und Freiburg i.Br.. Kabarett, Comedy, Satire und Virtuosität im Viererpack ! KLEE-Blatt Donnerstag, 31. Oktober 2019, 20 Uhr Die Veranstaltung findet im ZPK statt. Tickets auf www.la-cappella.ch Ebenfalls in Kooperation mit dem Zentrum Paul Klee präsentiert La Cappella die Sisters of Comedy im eigenen Haus. In Zeiten, in denen man wieder über Frauenrechte und Meinungsfreiheit diskutieren muss, der Wind von rechts weltweit schärfer bläst und auch in westlichen Kulturen wieder ein sehr konservatives Frauenbild propagiert wird, gehen die Komikerinnen in die Offensive ! Sisters of Comedy Dienstag, 12. November 2019, 20 Uhr Die Veranstaltung findet in der La Cappella statt. Tickets auf www.la-cappella.ch

Die perfekte Ergänzung zur Johannes Itten-­Ausstellung sind die Diskiness, ein Fenster­­Farbenspiel mit Saugnapf, im Shop des Kunstmuseum Bern. Es lässt sich mit dem Saugnapf an einer Fensterscheibe befestigen, wo durch das Verdrehen der Farbscheiben Mischfarben entstehen. Die Diskiness werden wie alle tät tat Produkte in deren Werkstatt in der Schweiz produziert. Verschiedene Sujets made in Switzerland. CHF 12 im Museumsshop KMB.

Hannelore Hoger liest Der Spaziergang Worauf soll man sich mehr freuen ? Dass Hannelore Hoger endlich wieder nach Bern kommt ? Oder Robert Walsers Der Spaziergang in seiner ganzen Länge vorgelesen zu bekommen ? Hannelore Hoger hat sich beides vorgenommen. Am 29. Dezember 2019 wird sie im Zentrum Paul Klee den ganzen Spaziergang von Robert Walser lesen. Hoger bemerkte in einem Interview einmal : « Es ist wirklich schade, dass er [ Walser ] nicht viel öfter gelesen wird. Aber vielleicht erkennen auch viele seinen Humor und seine Bissigkeit nicht. » Walser würde in einer launigen Sprache auf wunderbar hinter­ listige Art Gemeinheiten sagen. Wer also, wenn nicht Hannelore Hoger, wird Walsers Spaziergang zu einem Hörerlebnis machen. Ihr zuzuhören macht Spass, lässt einen schmunzeln und oft über das nachdenken, was nicht gesagt wurde. Hannelore Hoger liest Der Spaziergang von Robert Walser Sonntag, 29. Dezember 2019, 11 Uhr In Kooperation mit dem Robert Walser-­ Zentrum

Hannelore Hoger Foto : Carmen Lechtenbrink

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Interview

Jonathan Gimmel

Teil einer grossen Kulturbewegung

Seit April 2019 ist Jonathan Gimmel Präsident der Dachstiftung Kunstmuseum Bern — Zentrum Paul Klee. Im Interview erzählt er, was neu und wichtig für ihn ist und wo er mit den beiden Museen hin möchte.

Wie haben Sie sich eingelebt ? Mit der Neulancierung des « Kunstmuseum der Zukunft » hatte ich einen intensiven Einstieg als Interimspräsident. An der Hodlerstrasse ist die Situation komplex. Der gordische Knoten lässt sich nur gemeinsam lösen; der Dialog auf Augenhöhe mit der Bevölkerung und weiteren Akteuren schafft dafür eine gute Ausgangslage. So wünsche ich mir auch die Unternehmenskultur : mit gemeinsamer Mission, inspirierenden Zielen und verantwortungsvoller Mitgestaltung. Besonders die vielfältigen Kontakte mit dem engagierten Umfeld sind neu für mich : Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee sind nicht einfach Kunsthäuser, sondern Teil einer grossen Kulturbewegung. Bei Ihrem Berufseinstieg waren Sie in der Kulturabteilung der Stadt Bern tätig. Sie zeichneten als Vizepräsident der Stiftung KMB und seit 2015 sind Sie Mitglied der Dachstiftung KMB–ZPK. Ein Hang zur Kunst scheint vorhanden. Wie kam das ? Das Engagement für mehr gesellschaftliche Freiräume und gerechte Startchancen prägten meine Zeit als Jungpolitiker. Den vielfältigen Zugang zur Kultur verdanke ich Peter J. Betts, dem damaligen Kultursekretär. Nach wie vor halte ich die von ihm gelebte Definition des Europarates für treffend : « Kultur ist alles, was dem Individuum erlaubt, sich gegenüber der Welt, der Gesellschaft und auch gegenüber dem heimatlichen Erbgut zurechtzufinden, alles was dazu führt, dass der Mensch seine Lage besser begreift, um sie unter Umständen verändern zu können. » In der Auseinandersetzung mit Kunst finde ich Inspiration und schöpfe Energie für mich selbst. Bereits ab 2007 gehörte ich als ( immer noch ) junger Worber Gemeinderat dem Stiftungsrat KMB an. Neben der Kunst ist mir auch die Förderung der Soziokultur wichtig. Ich freue mich, dass der Stiftungsrat die Kunstvermittlung in beiden Häusern gemeinsam mit dem Kindermuseum Creaviva stärken und neu positionieren will. Mit neuen Angeboten vor Ort und im virtuellen Raum wollen wir den Bogen von jeder Schulklasse im Kanton Bern bis zur Seniorenuniversität neu spannen. Sie sind aber gleichzeitig ein Kadermitglied der öffentlichen Verwaltung, Sie leiten heute den Ressourcenbereich der

MARIA-TERESA CANO JONATHAN GIMMEL

Der neue Dachstiftungsratspräsident Jonathan Gimmel will mit Inspiration und Berner Lebensgefühl für eine offene Gesellschaft sorgen, die gemeinsam die Verantwortung für die Zukunft trägt. Foto : Monika Flückiger

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Jonathan Gimmel

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Präsidialdirektion und die Digitalstrategie der Stadt Bern. Wie können die beiden Kunsthäuser von Ihrer beruflichen und politischen Erfahrung profitieren ? Beruflich befasse ich mich mit den vielfältigen Facetten der Führung. Die wirklich guten Lösungen entstehen durch ambitionierte Ziele, Kreativität und Verbindlichkeit. Und zwar ausserhalb der Komfortzone : Grenzen überwinden, Organisationen verbinden, alle Anspruchsgruppen ins Boot holen. Was bei der Stadt gilt, ist auch Programm bei der Dachstiftung. Die Herausforderungen sind in beiden Institutionen eher komplex. Nur bewegen wir uns im Kunstbereich öfter im internationalen Kontext – z. B. in Sachen Gurlitt oder Klee. Im Zentrum meiner Tätigkeit steht jedoch immer der Mensch und sein Lebensglück. Auch dies eine schöne Parallele. Zusammenführungen von Institutionen mit ihren je eigenen Kulturen und Eigenschaften sind ja eigentlich nie gänzlich abgeschlossen. In welche Richtung möchten Sie weiterziehen ? Die Dachstiftung ist jung : Erst seit 2015 bildet sie das Dach für das einmalige Ensemble KMB und ZPK. Nach der Pionierphase der Gründerzeit geht es nun um die kontinuierliche Weiterentwicklung der Häuser als lebendige Orte für aussergewöhnliche Kunsterlebnisse, Reflexion, Forschung und Begegnung. Gleichzeitig gilt es, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen, damit eine gemeinsame Betriebskultur wachsen kann. Denn letztlich gestalten Menschen den Wandel und nicht Konzepte. In der Dachstiftung sitzen über ein Dutzend Personen. Wie bündeln Sie die Meinungen und Positionen ? Und wie bringt man die Interessen von Kanton und Stadt Bern, der Burgergemeinde, von Mäzenen und der Bevölkerung und auch der beiden Kulturhäuser unter einen Hut ? Wenn Bern mit dem Ensemble KMB–ZPK für die Bevölkerung eine neue Verankerung des kulturellen Selbstverständnisses schaffen will, dann steht zu Beginn eine gemeinsame Mission : die gegenseitige Nutzung der Stärken. Beide Häuser sind dank ihren wertvollen Kunstsammlungen bereits heute von mindestens nationaler Bedeutung. Bern hat allen Grund, sich als Kunst-, Werk- und Museumsplatz selbstbewusst und dynamisch weiterzuentwickeln. Der Dialog über das Museum der Zukunft bringt Menschen ein­ ander näher und schafft den Ausgleich zu Partikularinteressen. Und wenn eine Situation auf den ersten Blick unlösbar erscheinen mag, geben wir nicht auf. Setzen wir als Gesellschaft doch die Ziele bewusst etwas höher. So z. B. beim Museumsdreieck KMB-­ ZPK-Museumsquartier als neue Perspektive.

«Wir leben am Anfang des digitalen Zeitalters. Je mehr sich das Leben in den virtuellen Raum ver­ schiebt, desto wichtiger ist der Wertedialog in der gelebten Realität.»

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Sehen Sie neue Konzepte im Bereich der Ausstellungen, Einbezug des Publikums oder weitere Öffnung der Häuser auftauchen ? Wir leben am Anfang des digitalen Zeitalters. Je mehr sich das Leben in den virtuellen Raum verschiebt, desto wichtiger ist der Wertedialog in der gelebten Realität. Kunst und Kultur schaffen hier neue Zugänge zu Auseinandersetzung und gesellschaftlicher Identität. Deshalb reicht es nicht, nur die Tore zu Kunstsammlungen zu öffnen. Wir müssen die Kunsthäuser als interaktive Kommunikationsgefässe neu denken. So wie dies im ZPK mit dem mehrere Sparten umfassenden Kultur-, Begegnungs- und Veranstaltungszentrum bereits geschieht. Eine besondere Rolle nimmt die Gegenwartskunst wahr : in der Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Zeitgeist, aber auch im historischen Kontext. Dabei sollen sich alle unsere Aktivitäten an Jung und Alt, an versierte Kunstinteressierte, eine in ihrer ganzen Vielfalt inklusiv verstandene Bevölkerung und internationale Gäste gleichermassen richten. Besonders dank Hansjörg Wyss verfügen wir über eine herausragende Sammlung zeitgenössischen Kunstschaffens. Mit der Kunsthalle, dem PROGR und der reichen Kunst- und Kulturszene bietet Bern beste Voraussetzungen für mehr Auseinandersetzung, interdisziplinär, polarisierend und in neuen Formaten. Ich wünsche mir auch in Bern herausragende Projekte wie die Robert Walser-Sculpture von Thomas Hirschhorn. Stichwort Erweiterungsbau des Kunstmuseum Bern : Sie haben eine breit angelegte Debatte angerissen, einen Dialog zwischen Behörden, Bevölkerung und weiteren Interessengruppen. Das KMB beherbergt eine umfangreiche und einmalige Kunstsammlung von nationaler und internationaler Bedeutung. Hochkarätige assoziierte Stiftungen ergänzen die Sammlungsbestände. Gleichzeitig wird das KMB von einer breiten Öffentlichkeit getragen, mit aktiven Fördervereinen und einem grossen engagierten Umfeld. Mit der offenen Debatte über das Museum der Zukunft zeigt das Museum, dass es sich selbst auch als Teil des Wertedialogs versteht und den Diskurs sucht. Dies ist keine Bewertung der Vergangenheit, sondern vielmehr ein Versprechen für die Zukunft. Das Kunstmuseum der Zukunft wird sich zur Stadt, aber auch zum Aarehang öffnen : Diese Offenheit lädt ein, einen neuen Ort der Begegnung entstehen zu lassen, in welchem Kunst in allen Dimensionen erlebbar wird. Die Neugestaltung der Hodlerstrasse ermöglicht es, die Altstadtqualitäten mit dem Kunsterlebnis zu verbinden und den öffentlichen Raum mit neuen Sinneseindrücken und Treffpunkten zu bereichern. Das neue Kunstmuseum wird gleichermassen von mehr Gegenwartskunst und historischer Sammlung in neu konzipierten lichten Räumlichkeiten geprägt, mit Kunstvermittlung, Begegnung, Bildung und Gemütlichkeit im Zentrum des Gebäudes. Dazu ein Research Lab für Forschung und internationalen Austausch, Stärkung der Provenienzforschung und neuen Räumlichkeiten für die konservatorische Pflege von über 50 000 Kunstwerken. Im Herbst stehen mit dem Kanton Bern, der Stadt Bern und der Burgergemeinde Bern, Hansjörg Wyss und weiteren Finanzierungspartnern Entscheidungsgespräche an. Sobald 85 % des Wettbewerbsprojektes finanziert sind, startet die nächste Phase : Aufgabe der Architektur als eigenständige Kunstform wird es sein, die Ansprüche des modernen Museums und die städtebauliche Einbettung in das Unesco-Weltkulturerbe inspirierend zu verbinden. Und darüber hinaus durch einen unverwechselbaren Charakter der Ausstellungs- und Begegnungsräume, technologische Wandelbarkeit, hohe Wirtschaftlichkeit und als « green museum » zu überzeugen. b Das Interview führte Maria-Teresa Cano, Leiterin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

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Hintergrund

Community Building

Diógenes, der Sammler

paul & ich — ein Austausch mit Bern Eva Grädel

Alexander Sury Ein kleiner Tisch ganz vorne in der Bar do Mineiro ist immer für ihn reserviert. Er ist ja auch der Chef dieses Szenetreffpunktes in Rios Viertel Santa Teresa, das sich durch die Hügellage und ein dörfliches Flair auszeichnet. Idyllische Gärten und Villen aus der Kolonialzeit prägen hier das Stadtbild. In den prachtvollen Häusern residierten einst die Kaffeebarone.

Hier trinkt Diógenes Paixão vormittags seinen Kaffee und liest die Zeitungen. ZPK-Chefkuratorin Fabienne Eggelhöfer und ihr journalistischer Begleiter treffen ihn hier in seiner Bar. Diógenes Paixão ist als Sammler der brasilianischen Moderne interessant für das Projekt des Zentrum Paul Klee, quasi im Gegenzug zur Klee-Ausstellung in São Paulo, Rio de Janeiro und Belo Horizonte demnächst eine Schau mit Werken moderner brasilianischer Kunst in Bern zu zeigen. Seine Bar ist voller Kunst, von Schwarz-Weiss-Fotografien brasilianischer Sänger über Plakate von Warhol und Beuys. Er stammt aus einer bettelarmen Familie im Südosten des Landes. Als junger Mann kam er mittellos nach Rio, wo er eine Zeitlang als Buchhalter für die Banco do Brasil arbeitete – eben diese Staatsbank, in deren Kulturzentrum in Rio derzeit die Paul Klee-Ausstellung « Instabiles Gleichgewicht » zu sehen ist. Nach einem kurzen Aufenthalt in Salvador kehrte er nach Rio zurück. « Ich wollte etwas mit Kunst machen », sagt er. Diógenes ist einer der grössten privaten Sammler von Alfredo Volpi (1896–1988). Der abstrakte Maler italienischer Abstammung gilt als einer der wichtigsten brasilianischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Berühmt wurde er mit der Verwendung kleiner Flaggen in vielfältigen Farbkombinationen. Eigentlich sei es egal, was man im Leben anfange, sagt Diógenes und nippt am Kaffee, « Hauptsache, du machst es mit Leidenschaft. » Gerade als wir uns fragen, ob die aufgehängten Werke in der Bar die ganze Sammlertätigkeit von Diógenes darstellen, ruft dieser einen jüngeren Mann zu sich. Es ist sein Neffe. Er fährt uns etwa fünf Minuten durch die kurvenreichen Strassen zur Wohnung von Paixão. Während der Autofahrt würdigt er Paul Klee, er bewundere ihn, aber nicht nur als Maler, sondern auch als Dichter. Im Haus angekommen, wird sofort klar : Hier lebt jemand in einem Museum. Neben Volpi sammelt er unter anderem auch Volkskunst, eine Armee von Holzfiguren ist auf Schränken und Tischen ausgebreitet, seine Kleidergarderobe ist mangels Platz auf einem Bett gestapelt. « Sie sehen, » sagt er, « die Kunst ist mein Leben, aber ich lasse auch andere teilhaben. » Vielleicht demnächst in Bern. Auf der Rückfahrt drückt der Neffe aufs Gaspedal. In der Bar do Mineiro ist der Tisch des Patrons natürlich frei. b Alexander Sury ist Bund-Kulturredaktor.

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Bei paul&ich geht es um den Austausch zwischen dem Zentrum Paul Klee und der Bevölkerung. In Zusammenarbeit mit den Bernerinnen und Bernern wollen wir uns als Haus weiterentwickeln und lokal stärker verankern. Seit 14 Jahren gehört das Mehrspartenhaus zu den festen Grössen in der Berner Museumsszene und geniesst national und international eine starke Ausstrahlung. Ein Interesse für die weitere Entwicklung liegt für uns in der lokalen und regionalen Verankerung als lebendiger Kultur- und Begegnungs­­ ort. Mit dieser Absicht entsteht mit Unterstützung des Förderfonds Engagement Migros das Pionierprojekt paul&ich, welches Beteiligungsprozesse mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren, wie Quartiervereinen, Nachbarn, Schulen oder sonstigen Vereinen und Institutionen, anstösst. Gemeinsam mit den Bernerinnen und Bernern

Durch das Projekt treten wir während der nächsten drei Jahre mit den verschiedensten lokalen und regionalen Akteuren in Kontakt und suchen das Gespräch mit den Menschen aus der direkten Nachbarschaft. In kuratierten Prozessen erheben wir deren Wünsche und Erwartungen an das Zentrum Paul Klee und laden sie zur Zusammenarbeit ein. paul&ich schafft Raum und Möglichkeiten für gemeinsames Wirken mit den Bernerinnen und Bernern im Haus sowie ausserhalb. Wie sich diese Beteiligung gestalten wird, ist in weiten Teilen noch offen. Eine Möglichkeit besteht beispielsweise in der Beteiligung an der Definition der Handlungsfelder des Projektes, welche im Spätherbst erfolgen wird. Erste Projekte mit dem Quartier

Parallel zu diesem Prozess haben wir im Einzelnen die Zusammenarbeit mit Akteurinnen aus Quartier und Stadt bereits aufgenommen. Gemeinsam mit Quartiervereinen, Schulen und weiteren Interessengruppen organisieren wir im November einen Laternenspaziergang mit anschliessendem Laternenfest im Zentrum Paul Klee. Im Vorfeld finden im Kindermuseum Creaviva sowie an den SpielreVier Nachmittagen des DOK Laternenateliers statt. 2019 haben wir uns als Institution überdies zum ersten Mal am Berner Velofestival Hallo Velo ! beteiligt. Wir freuen uns auf den Austausch mit der Berner Bevölkerung und die Projekte, welche daraus entstehen werden. b Eva Grädel ist Projektleiterin Community Building. Zentrum Paul Klee Bauhaus Laternenfest Samstag, 16. November 2019, 18 Uhr Im Vorfeld offene Laternen-Ateliers im Creaviva und an verschiedenen Orten im Quartier sowie Laternenspaziergang durch das Quartier ab 17 Uhr Weitere Informationen zum Projekt unter www.paulundich.ch


Ausstellung

Teruko Yokoi Marta Dziewańska Die Ausstellung Teruko Yokoi . Tokyo— New York—Paris—Bern verfolgt die Geschichte einer ausserordentlich produktiven und lebendigen Künstlerin, deren Arbeiten von den frühen 1950er-Jahren bis heute nicht nur ihre unverminderte kreative Energie bezeugen, sondern in ihrer Zerrissenheit zwischen Orient und Okzident auch die Debatten der Nachkriegsmalerei der Moderne spiegeln.

Teruko Yokoi wird 1924 in Tsushima in der japanischen Provinz Nagoya als Tochter eines Kalligrafen geboren und bekommt sehr früh im Leben Malunterricht. Im Alter von 25 zieht sie nach Tokio und bereits 1954, als sich die Hauptstadt der westlichen Kultur von Paris nach New York verlagert, entscheidet sich Teruko Yokoi, in die Vereinigten Staaten zu ziehen. Sie bekommt ein Stipendium und wird Studentin der California School of Fine Arts in San Francisco. Im folgenden Jahr zieht sie nach New York, um bei Hans Hofmann zu studieren, einem der führenden Akteure der Revolution des Abstrakten Expressionismus. In New York wird Sie Teil eines künstlerischen Milieus, das ein neues visuelles Vokabular in eine Welt einführt, die vom Krieg verwüstet, durch Todeslager entmenschlicht sowie durch die Atombombe ihrer Zukunft beraubt worden ist und es bitter nötig hat, neu definiert zu werden.

Teruko Yokoi lernt in New York Kenzo Okada, Mark Rothko, Joan Mitchell, Franz Kline, Robert Motherwell und den Künstlerkreis kennen, der sich um die damals berühmte Martha Jackson Gallery versammelt. Zu dessen Künstlern gehört auch Sam Francis – der künftige Ehemann Yokois. Mit ihm zieht sie 1959 nach Paris. Nach ihrer Trennung von Francis kehrt Yokoi wieder nach Japan zurück. Dort aber fühlt sie sich nicht mehr zu Hause, sodass sie sich 1963 entscheidet, in die Schweiz zu gehen und sich in Bern niederzulassen. In Bern lebt und arbeitet sie nun seit fast fünf Jahrzehnten. Die Geschichte Teruko Yokois ist eine voller Leidenschaft, Neugier und Beharrlichkeit. Diese Geschichte schildert auch die Erfahrungen einer Künstlerin, die ihrer kreativen Berufung trotz der Zeitgeschichte, geografischen Lage, Abstammung und ihres Geschlechts nachgeht, ohne Rücksicht auf die Wunden zu nehmen, die dieser Kampf verursacht. Die im Kunstmuseum Bern präsentierte Ausstellung wird eine umfangreiche Auswahl an Werken zusammenführen, die zwischen den 1950er- und frühen 1970er-­ Jahren entstanden sind. In jenem Zeitraum also, in dem das klassische künstlerische Vokabular neu bewertet wurde. Sie unternimmt den Versuch, den Moment festzuhalten, in dem die Künstlerin ihre

eigene künstlerische Sprache entdeckte. Im Spannungsfeld zwischen moderner Abstraktion und japanischer Tradition beobachten wir die Künstlerin zu der Zeit, in der sie ihre künstlerische Sprache herausfordert und Neues ausprobiert. Die Ausstellung folgt aber keiner rein chronologischen Linie, sondern dem wechselhaften Reiseweg Teruko Yokois zwischen Tokio, San Francisco, New York, Paris und Bern und damit zwischen all jenen Orten, die ihre Spuren in ihrem Werk hinterlassen haben. Wir richten unseren Blick auf ihre energiegeladene und revolutionäre Kunst, die in der Nachbarschaft der Gestalten entstanden ist, die die entscheidenden Narrative der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts geprägt haben. b Marta Dziewańska ist die Kuratorin der Ausstellung. Kunstmuseum Bern Teruko Yokoi. Tokyo—New York—Paris—Bern 31.01. — 10.05.2020 Eröffnung : Donnerstag, 30. Januar 2020 18.30 Uhr

Teruko Yokoi Yokoi Shizen — Nature, 1960, Japan, Öl auf Leinwand, 145 × 113 cm Teruko Yokoi, Bern

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Ausstellung Johannes Itten im Malkittel mit Goldener-Schnitt-Zirkel und Farbstern, Weimar, 1921, Itten-Nachlass Zürich, Foto : Paula Stockmar

Von Bern ans Bauhaus Kunstmuseum Bern 30.08.2019–02.02.2020 10


Johannes Itten Johannes Itten (am Klavier) mit Oskar Schlemmer im Atelier, Stuttgart, 1916, Itten-Nachlass Zürich

Nora Lohner Das Bauhaus feiert 2019 sein hundertjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass widmet das Kunstmuseum Bern dem Künstler und Pädagogen Johannes Itten ( 1888—1967 ) eine umfassende Sonderausstellung. Itten war einer der ersten Meister am Weimarer Bauhaus und prägte dessen Ausrichtung wegweisend mit.

neben Stationen an der Universität Bern und der Kunstakademie in Genf, 1913 an die Königliche Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Den Weg dorthin bringt er, ganz im Sinne der damals aktuellen Wandervogel-­ Bewegung, zu Fuss hinter sich. Der Ruf nach Weimar

Ein Bauernbub aus dem Berner Oberland

Johannes Itten wird 1888 in Süderen-Linden geboren und verbringt seine gesamte Kindheit im Berner Oberland – die Zeit ist von Einsamkeit, harter Arbeit und Naturerlebnissen geprägt. Obwohl er in bescheidenen Verhältnissen aufwächst, kann er das Gymnasium besuchen und eine Ausbildung zum Lehrer beginnen. Von 1904 bis 1908 besucht er das Lehrerseminar in Hofwil und Bern. Es sind genau diese Jahre, in denen sich am Lehrerseminar Bern-Hofwil eine sanfte Schulreform durchzusetzen vermag, nicht zuletzt unter dem 1905 neugewählten Direktorat von Ernst Schneider, der zu einer « möglichst individuellen Behandlung der Schüler » rät und den Lehrer zu einer « geistig hochstehenden, weitblickenden Persönlichkeit, zu einer Lehrerpersönlichkeit, einem Künstler » entwickeln will. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Itten über Schneider : « Zu meiner Zeit war er ein begeisternder Lehrer. Die Probleme der modernsten Schulreformen um 1905/06 wurden diskutiert […] Es war eine revolutionäre Luft im Haus. » Die Ablösung vom sturen Frontalunterricht und die Zuwendung zu einer individuellen Förderung lernt Itten also, genauso wie verschiedene Lebensreformbewegungen, bereits während seiner eigenen Ausbildung kennen. Ittens eigene Ausbildung führt ihn,

Drei Jahre studiert Itten in Stuttgart und nimmt schon bald selber Schüler und Schülerinnen zur Ausbildung an. Mit dem Ziel eine private Kunstschule zu gründen, zieht er 1916 nach Wien, wo er im illustren Kreis der dortigen Kunst-, Musik- und Literaturszene verkehrt und sowohl eine eigene Kunstpädagogik entwickelt, als auch künstlerisch einen Durchbruch erlebt. Hier lernt er Alma Mahler kennen, die zu diesem Zeitpunkt mit dem Architekten Walter Gropius verheiratet ist und die, genau wie Itten, aufgeschlossen gegenüber esoterischen Weltanschauungen ist. Denn insbesondere in Wien beginnt Itten, sich vertieft mit philosophisch-religiösen Fragen auseinanderzusetzen, darunter auch mit der Mazdaznan-Lehre. Die erste Berührung mit dieser Lehre fand bereits während seiner Berner Studienzeit über die Mutter einer Bekannten statt, die in der Genfergasse ein vegetarisches Restaurant führte. Zum Konzept dieser reformerischen Lebensführung gehören neben sparsamer und vegetarischer Ernährung unter anderem auch Atemübungen, die Itten in seinen Wiener Unterricht einbindet. Gerade wegen seiner innovativen Ausrichtung im Bereich Pädagogik und seinem universalistischen Kunstverständnis, entpuppt sich Itten zu einem äusserst attraktiven Kandidaten für die Position als Bauhaus-Meister und Walter Gropius beruft Itten noch im Gründungsjahr 1919 nach Weimar.

Es lebe die Zwiebel

Am Bauhaus führt Itten seine radikale Lebensphilosophie weiter und kann als ausgebildeter und erprobter Pädagoge zu der Vision einer antiakademisch ausgerichteten Gestaltungsschule beitragen. Er entwickelt als Grundlehre den gestalterischen Vorkurs und leitet verschiedene Werkstätten. Später schreibt er darüber : « Der Mensch selbst als ein aufzubauendes, entwicklungsfähiges Wesen schien mir Aufgabe meiner pädagogischen Bemühungen. Sinnesentwicklung, Steigerung der Denkfähigkeit und des seelischen Erlebens. Lockerung und Durchbildung der körperlichen Organe und Funktionen sind die Mittel und Wege für den erzieherisch verantwortungsbewussten Lehrer. » Ittens ganzheitliches Konzept mit diversen Anlehnungen an die Reformpädagogik trug zum Erfolg des Bauhauses bei und lebt bis heute in der Form des gestalterischen Vorkurses in verschiedenen Ausformungen weiter. Auch ausserhalb des Unterrichts berührte Itten die Lebensgestaltung der Schüler und Schülerinnen, wie eine Anekdote belegt : 1921 versuchte er, die vegetarische Küche in der Bauhaus-Kantine einzuführen – mit besonders viel Zugabe reinigender Zwiebeln und Knoblauch. Nach einem halben Jahr wurde über diesen Speiseplan abgestimmt – zugunsten der Zwiebel. b Nora Lohner ist wissenschaftliche Assistentin.

Kunstmuseum Bern Johannes Itten : Kunst als Leben. Bauhausutopien und Dokumente der Wirklichkeit 30.08.2019 — 02.02.2020

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Ausstellung

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Sammlung

Alles zerfällt

Schweizer Kunst von Böcklin bis Vallotton

Kunstmuseum Bern 13.12.2019–20.09.2020 Marta Dziewańska Alles zerfällt betrachtet die Sammlung des Kunstmuseum Bern aus der Perspektive Sigmund Freuds, der in einem Text aus dem Jahre 1917 von drei grundlegenden narzisstischen Kränkungen der Menschheit spricht. Die Ausstellung untersucht, wie die Schweizer Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts den Prozess wahrnahm, beschrieb und deutete, den man als den Prozess der Dezentrierung des menschlichen Subjekts bezeichnen könnte.

Alles zerfällt nimmt als Ausgangspunkt die Schrift Sigmund Freuds, in der der Philosoph die drei grossen Kränkungen der Menschheit im Laufe der neueren Geschichte theoretisch vorstellt. Die erste Kränkung ist die kosmologische, die die Menschheit erfuhr, als die geozentrische Sicht des Kosmos aufgegeben und in der Folge die Gestalt des Menschen aus dem Herzen der Schöpfung vertrieben wurde. Laut Freud war die zweite Kränkung die biologische ; sie ging mit dem Auftritt Charles Darwins einher, mit dem sich die Einsicht durchsetzte, dass die Menschen nicht nach dem Bild Gottes geformt wurden, sondern lediglich die prekäre und zufallsbedingte Frucht des Evolutionsprozesses sind, wie alle anderen Spezies auch. Die dritte Kränkung ist psychologischer Art und synonym mit der

Entdeckung des Unbewussten, welche zeigt, dass das « Ich » nicht mehr als ein Bruchstück im grossen Reservoir der Psyche ist – einem regelrechten Ozean, den der Mensch weder vollständig erfassen noch verstehen kann. In diesem Licht untersucht die Ausstellung die Sammlung des Kunstmuseum Bern und lenkt den Blick auf die Frage, wie die Schweizer Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts den Prozess der Dezentrierung des menschlichen Subjektes wahrnahm, beschrieb und deutete. Die Ausstellung hat ihren Titel einem Gedicht von William Butler Yeats entnommen, in dem der Dichter versuchte, die Stimmung seiner Zeit einzufangen. Im Januar 1919 hat er das Gedicht infolge des Ersten Weltkrieges, der Russischen Revolution und des politischen Aufruhrs in seiner Heimat Irland geschrieben. Aber seine Ängste hatten ihre Wurzeln nicht nur in politischer Unruhe und Gewalt. Sie waren auch eine Reaktion auf gesellschaftliche Übelstände der Moderne und bringen das Gefühl zum Ausdruck, dass die Zentrierung aus den Fugen gerät. Was hat er damit gemeint ? Was war diese Zentrierung, von der er sprach und welcher er nachtrauerte ? War es nicht dieselbe, die Freud in seiner Schrift Eine Schwierigkeit der Analyse in einer anderen europäischen Stadt nicht

einmal ein Jahr früher beschrieben hatte? Ist nicht gerade die Zentrierung auf uns selbst das, was der berühmte Psychoanalytiker als « menschlichen Narzissmus » zu bezeichnen wagte ? Was war die Quelle dieser Ängste, die fast zeitgleich entstanden sind ? Wie wurden sie in der Schweizer Kunst an der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts rezipiert, verarbeitet und dargestellt ? Wo führen uns diese Fragen hin, und wie können sie als Spiegel für die Diagnose der Krisen und Konflikte von heute dienen ? Diesen Fragen geht die Ausstellung nach und untersucht, wie die Kunst der Vergangenheit zu einem Spiegel der Gegenwart wird. b Marta Dziewańska ist in Zusammenarbeit mit Etienne Wismer die Kuratorin der Ausstellung. Kunstmuseum Bern Alles zerfällt. Schweizer Kunst von Böcklin bis Vallotton 13.12.2019 — 20.09.2020 Eröffnung : Donnerstag, 12. Dezember 2019 18 Uhr

Gabriel Loppé, Das Matterhorn, 1867, Öl auf Leinwand 79,5 × 63,5 cm, Kunstmuseum Bern, Geschenk Hanna Bohnenblust, Bern

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Fokus

EINE SCHULE IN DER WELT Text von Marion von Osten

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BAUHAUS IMAGINISTA Zentrum Paul Klee 20.09.2019–12.01.2020 15


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Otto Lindig, Teekanne, vor 1933, Keramik, 16,7 × 18 cm, Museum für Gestaltung Zürich / Kunstgewer­besammlung /  Zürcher Hochschule der Künste

Takehiko Mizutani, Studie zum Simultankontrast aus dem Unterricht von Josef Albers, 1927, Deckfarbe auf Karton, 76,5 × 55,5 cm Baushaus-Archiv Berlin Foto : Markus Hawlik

Hundert Jahre nach seiner Gründung nimmt das Forschungs- und Ausstellungsprojekt bauhaus imaginista erstmals das kosmopolitische Bauhaus und seine internationale Rezeption zum Ausgangspunkt für eine Neubetrachtung. Die Aus­stellung berichtet von Kontakten, Begegnungen und Korres­ pondenzen, die sich durch das Bauhaus, seine Lehrenden, Schülerinnen, Schüler und internationalen Folgeinstitutionen auch nach der Schliessung der Schule 1933 ergeben haben : Das Bild einer Weltgesellschaft, die bereits im 20. Jahrhundert in regem Austausch war. 16


bauhaus imaginista

Renshichirō Kawakita unterrichtet seinen kō sei-Kurs, Wakayama, Japan, 1932, in : I See All, März 1933, S. 36

Globalisierungstheorien wie wir sie heute kennen, waren zur Gründung des Bauhauses noch kein Thema. Erst seit 1989 ist es möglich geworden, die Beziehungen des Bauhauses zu anderen Modernen bis nach China zu erforschen. Konzepte wie Internationalismus und Kosmopolitismus waren allerdings schon 1919 relevant. Mit ihnen versuchten Künstlerinnen, Künstler und Intellektuelle den Nationalismus am Anfang des 20. Jahrhunderts zu überwinden, der den verheerenden Ersten Weltkrieg mitverschuldet hatte. Nicht nur in Ascona am Monte Verità fanden anationale Kongresse statt, die über neue Gemeinschaftsformen jenseits der Volksnation nachdachten, und deren Netzwerke bis hin zum Poeten Rabindranath Tagore nach Bengalen, Indien reichten. Seine Reformkunstschule Kala Bhavan wurde wie das Bauhaus 1919 gegründet und verfolgte ebenfalls die Synthese von Kunst und Handwerk. Für die Gründung des Bauhauses waren lebensreformerische, radikal pädagogische und sozial-utopische Ideen von zentraler Bedeutung. Lehrende pflegten zudem rege Beziehungen zum russischen Konstruktivismus, der holländischen De-Stijl-Bewegung oder dem sozialistischen Internationalismus. Das internationale Netzwerk des Bauhauses spiegelte sich auch in seinen Publikationsreihen, die weltweit rezipiert wurden. Die Offenheit für neue Ideen und ein innovativer Lehrplan – jenseits von elitärer Kunstakademie und nationaler Kunstgewerbeschule –, machte das Bauhaus in all seinen Phasen bis 1932 für Studierende aus Süd-, Ost-, Nord- und West- Europa, den USA und Asien attraktiv. Der japanische Künstler Takehiko Mizutani, dessen Vorkursarbeit die Ausstellung im Zentrum Paul Klee bewirbt, war von 1926–29 Student am Bauhaus in Dessau. Vor ihm hatten schon andere Vertreterinnen

Seite 14 : University of Ife in Ile-Ife, Nigeria, von den Architekten Arieh Sharon und Eldar Sharon Foto : unbekannt / © Arieh Sharon Digital Archive

Seite 15 : Josef Albers, Variant, 1947, Öl auf Löschpapier, 42 × 56,7 cm, Hermann und Margrit Rupf-Stiftung, Kunstmuseum Bern, © The Josef and Anni Albers Foundation / 2019, ProLitteris, Zurich

und Vertreter der japanischen Avantgarde das Bauhaus besucht. Reisen aus Japan nach Weimar und Dessau sind an sich bemerkenswert. Distanzen wie sie etwa Michiko und Iwao Yamawaki zurücklegten, um Anfang der 1930er-Jahre am Bauhaus zu studieren, um von dort zurück durch die Sowjetunion nach Japan zu reisen, sind allemal eindrücklich. Was sie und viele ihrer Generation weltweit anzog, war nicht nur der neue Bauhaus-Lehrplan. Michiko und Iwao Yamawaki kamen aus einem Tokio, in dem die Bewegung der Moga und Mobo ( modern girls, modern boys ) bereits Fuss gefasst hatte, in ein Berlin, das für sein Nachtleben und seine aktive transgender Szene international berühmt berüchtigt war. Vom Bauhaus hatten sie von Sadanosuke Nakada, einem Künstlerkollegen der radikalen Avantgarde Gruppe Tan’i sanka in Tokio, der bereits 1922 das Weimarer Bauhaus besucht hatte, gehört. Und sie waren durch die Szene japanischer Künstlerinnen und Künstler informiert, von denen einige bei Johannes Itten in seiner Berliner Schule Kalligrafie unterrichteten. In Berlin gründeten sie mit Koreya Senda, der dort als sozialistischer Theatermacher arbeitete, das Designstudio Tomoe. Ihre Nächte verbrachten sie mit ihren Freunden in der schwul-lesbischen Bar El Dorado. Ihr Wunsch am Bauhaus zu studieren, war von verschiedensten Avantgarde-Bewegungen geprägt. Die ästhetische Bewegung des Modernismus hatte einen Ort für eine ganze Generation geschaffen, um bestehende Lebensweisen in Frage zu stellen. Der japanische Architekt und Journalist Renshichirō Kawakita hatte das Bauhaus zwar nie besucht, war aber im engen Austausch mit den Besuchern und Studierenden des Bauhauses aus Tokio. Sein Verständnis der neuen Schule war durch seine zahlreichen deutsch-­ japanischen Übersetzungen geprägt. Kawakita verstand das Bauhaus

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Links: Takehiko Mizutani, Studie zum Simultankontrast ( Unterricht Josef Albers ), 1927 Foto : Markus Hawlik © Bauhaus-Archiv, Berlin Rechts : Lyonel Feininger, Kathedrale, Titelblatt zum Manifest und Programm des Staatlichen Bauhauses, April 1919, Foto : Atelier Schneider 2017 © Bauhaus-Archiv, Berlin/ 2019 ProLitteris, Zurich

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Paul Klee, Teppich ( Kelim ), 1927, Tusche auf geripptem Papier auf Papier, 23 × 30,2 cm, ©  2017 Christie’s Images Limited

als ein Experiment von mit einander widerstrebenden pädagogischen Ansätzen, was der Realität der Schule sehr nahe kam. Im Prozess eines west-östlichen Kulturtransfers und durch die Entwicklung neuer Lehrmethoden, die die Bauhaus-Lehre aufgriffen, wollte Kawakita die japanische Kultur und ihre Auffassung von Kunst und Leben erneuern. Er bezog sich dabei auf Johannes Ittens Auseinandersetzung mit dem östlichen Denken und seinen Lehransätzen, die mit Franz Čižeks Ideen zur Befreiung des Kindes korrespondierten, und interessierte sich für die synästhetische Lehre Getrud Grunows – einer wenig beachteten Bauhaus-Meisterin. 1931 gründete Kawakita eine Gestaltungsschule, die Lehrmethoden des Bauhauses aufnahm. Er hielt auch Workshops in Handwerksbetrieben in Tokio ab, in denen neue Methoden des Lernens am Material im Sinn konstruktivistischer Ideen vermittelt wurden. 1934 dokumentierte er seine neuen Ansätze in der Publikation Kōsei Kyōiku Taikei, die als Manifest für eine Erneuerung der Kunsterziehung Japans gelten kann. Der Begriff « Kōsei » findet dabei seine Entsprechung im deutschen Begriff der « Gestaltung » und leitet sich von der lebensgestalterischen Philosophie der japanischen Kultur ab und nicht vom Design von Objekten. Kawakitas Schule für Neue Architektur und Gestaltung musste schliessen, als das japanische Bildungsministerium ihr die weitere Genehmigung vorenthielt und sie dem aufkommenden Klima von Nationalismus und Militarismus nicht länger standhalten konnte. Obwohl seine Schule nur wenige Jahre existierte, prägte sie zahlreiche japanische Gestalterinnen und Gestalter wie den Grafikdesigner Yusaku Kamekura und die Modedesignerin Yōko Kuwasawa, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre eigene Schule gründete. Diese sollte die Designentwicklung Japans massgeblich bestimmen. Die Moderne –

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wie es dieses Beispiel zeigt – als vielfältige transnationale Bewegung zu verstehen, bedeutet auch, den kreativen Überschuss zu erkennen, der aus künstlerischen Reisen, Beziehungen, lokalen Übersetzungen und der Migration von Menschen und Gestaltungskonzepten über nationale Grenzen hinaus hervorgegangen ist. In einem dialogischen Prozess mit einem Team internationaler Forscherinnen und Forscher haben Grant Watson und ich seit 2016 für bauhaus imaginista vier Ausstellungskapitel entwickelt, die auch im Katalog und in unserem Online-Journal bauhaus-imaginista.org ihre Entsprechung finden. In diesen Kapiteln wurden lokale Formen der Aneignung, die Weiterentwicklung bis hin zur Zurückweisung der Bauhaus-Moderne vor dem Hintergrund lokaler Notwendigkeiten über drei Jahre untersucht und in Ausstellungen und Veranstaltungsformate übersetzt, die seit 2018 weltweit zu Gast waren. Jedes der Kapitel nimmt für eine konkrete Fragestellung einen besonderen « Bauhaus-Gegenstand » zum Ausgangspunkt, von dem aus historische und zeitgenössische Bezüge entwickelt werden. Der « Gegenstand » des Ausstellungskapitels Corresponding With ist das Bauhaus-Manifest von 1919, von dem aus das Bauhaus sowie zeitgleiche avantgardistische Kunstschulen in Indien und Japan als eine Parallelgeschichte von modernen Bildungsreformen des frühen 20.  Jahrhunderts vorgestellt werden, die ich im Eingang dieses Textes bereits skizziert habe. Paul Klees Zeichnung Teppich, 1927, ist der zentrale «  Bauhaus-­ Gegenstand » des Kapitels Learning From, mit dem das Interesse an vormoderner Handwerkskunst am Bauhaus, im nord- und mittelamerikanischen Exil sowie in postkolonialen Kunstbewegungen der


bauhaus imaginista

Kurt Schwerdtfeger, Reflektorische Farblichtspiele, 1922, Lichtauffuhrung, Rekonstruktion des Apparats aus dem Jahr 2016, Courtesy of Microscope Gallery and Kurt Schwerdtfeger Estate, © 2016 Microscope Gallery

Nachkriegszeit in Brasilien, Mexiko und Marokko erzählt wird. Learning From zeigt diverse Formen künstlerischer Avantgarde-­Forschungen und die Fragen, die sich bis heute aus diesen ergeben. Denn oftmals blieb in den Aneignungen eines nordafrikanischen Kulturgutes durch Künstlerinnen und Künstler der Moderne verdeckt, dass das politische und soziale Ungleichgewicht bestehen bleibt, welches durch den europäischen Kolonialismus bis heute andauert. Eine Frage, der der algerisch-französische Künstler Kader Attia in seiner für bauhaus imaginista neu produzierten Arbeit nachgeht. Oder in jenem Versuch deutlich wird, die Kultur zu dekolonisieren, wie es eine marokkanische Künstlergruppe in den 1960er- und 1970er-­Jahren mit Bezug auf das Bauhaus verfolgte. Moving Away nimmt Marcel Breuers Collage ein bauhaus-film von 1925 als Ausgangspunkt, um Gestaltungsdebatten am Bauhaus und ihre Übersetzung in andere kulturelle und politische Kontexte wie China, Nigeria, Indien, die Sowjetunion und die DDR zu verfolgen. Die Besuchenden treffen in Moving Away unterschiedlichste Formen von Verflechtungen mit der Bauhaus-Moderne in Filmen, Dokumenten und neu produzierten künstlerischen Arbeiten von Wendelien van Oldenbourgh, Alice Creischer und Doreen Mende an, aber auch in Form von geopolitischen Umwälzungen und privaten Tragödien, die in diesen Arbeiten zum Ausdruck kommen. Ein weiteres Filmprojekt wurde gemeinsam mit dem Architekten Zvi Efrat aus Tel Aviv entwickelt. Es stellt den Campus der University of Ife, heute Obafemi Awolowo University in Nigeria, vor, der seit 1961 vom Bauhaus-Absolventen und Hannes Meyer Schüler, dem Architekten Arieh Sharon gemeinsam mit einem Stab nigerianischer Architekten, darunter A. A. Egbor aus Lagos, geplant wurde. Zu seiner

Marcel Breuer « ein bauhaus-film. fünf jahre lang », 1926 aus: Bauhaus. 1. Jg. 1926, Foto : Friederike Holländer, 2017 / © Bauhaus-Archiv, Berlin

Mitwirkung am Campus Ife kam es auf Initiative der west-nigerianischen Unabhängigkeitsregierung, die mit den israelischen Entwick­ lungshilfevorhaben im Afrika südlich der Sahara in Kontakt stand. Sharon und seine Mitarbeiter planten und bauten den Campus über einen Zeitraum von 20 Jahren. Der Campus ist bis heute ein lebendiger Lernort und durch seine intelligente klimasensitive Gestaltung ein Vorbild für passive Architektur. Das letzte Kapitel Still Undead thematisiert ausgehend von Kurt Schwerdtfegers Reflektorische Lichtspiele, 1922, das experimentelle Arbeiten mit Licht, Sound, Film und Lifeperformance und dessen Nachwirkungen im experimentellen Film, der visuellen und populäreren Kultur sowie der elektronischen Musik. Mit Still Undead lebt das Bauhaus als Untoter weiter. Das Kapitel widmet sich jenen Praktiken, die jenseits des Bauhaus Lehrplans im Rahmen seiner berühmten Feste entstanden sind und bis in die Gegenwartskunst und die digitale Kultur weiterwirken. Der geografische Fokus liegt auf Westdeutschland, den USA und Grossbritannien und es bleibt offen, ob die Experimente in den neuen kapitalistischen Verwertungsindustrien aufgehen oder aber in der Gegenkultur weiterleben. b Marion von Osten ist Künstlerische Leiterin und gemeinsam mit Fabienne Eggelhöfer und Grant Watson Ko-Kuratorin von bauhaus imaginista in Bern. Zentrum Paul Klee bauhaus imaginista Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Bauhaus Kooperation, dem Goethe Institut und dem Haus der Kulturen der Welt entstanden. 20.09.2019 — 12.01.2020

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Ausstellung

Pionierin des Abstrakten Expressionismus

Zentrum Paul Klee 07.02.–10.05.2020 22


Lee Krasner

Lee Krasner (1908–1984) gehört zu den Abstrakten Expressionisten der ersten Stunde, doch ist sie in der Kunstgeschichtsschreibung als Ehefrau, Witwe und Nachlassverwalterin von Jackson Pollock bekannt geworden. Das Zentrum Paul Klee zeigt die erste Re­ trospektive dieser bedeutenden Künstlerin in Europa. Aleksandra Zdravković

In den späten 1940er-Jahren arbeitet Lee Krasner an einer Serie mit dem Titel Little Images. Es sind die ersten abstrakten Werke der Künstlerin – was sie in den Jahren davor geschaffen hat, nennt sie abfällig « gray slabs ». Die Little Images sind alles andere als graue Platten, die kleinformatigen Gemälde zeichnen sich durch einen kräftigen und pastosen Farbauftrag aus. Die Künstlerin malt die Werke penibel und füllt die Leinwand bis an den Rand, mal gesprenkelt in leuchtenden Blauund Rottönen, mal überzog sie die Leinwand mit einem Tiefschwarz, aus dessen Aussparungen ein kräftiges Weiss-Blau-Gelb he­ raussticht. Die Farbe trägt sie häufig direkt aus der Tube auf den Maluntergrund auf oder bearbeitet das Gemälde mit einem harten Pinsel. Ihre Werke entstehen, wie Krasner beharrlich betont, intuitiv aus sich heraus, einem inneren Impuls folgend : « Ich missachte nie einen inneren Rhythmus. Etwas zu erzwingen, ist mir zuwider. Ich zwinge mich nicht, niemals […]. Ich achte auf die innere Stimme. » Ihr Arbeitsprozess ist zyklisch: Mal lässt sie die Werke tagelang ruhen, bevor sie die Arbeit wiederaufnimmt, mal zerstört sie, was ihr nicht gefällt, um später Neues daraus zu schöpfen. Als Krasners Werke 1951 erstmals in einer Einzelausstellung gezeigt werden, ist die Kritik positiv, aber der Verkauf bleibt aus. Unzufrieden über eine Reihe von Zeichnungen, reisst sie diese von der Wand und lässt sie so liegen. Als sie Tage später in ihr Atelier zurückkehrt, gefällt ihr, was sie sieht; sie beginnt, die Zeichnungen und die unverkauften Gemälde zu zerschneiden und auf einer Leinwand zu collagieren. Neben eigenen Leinwandfetzen integriert sie auch Fragmente von Pollocks Werken in ihre Collagen, wie etwa in Bald Eagle von 1955. Die Collagen dieser Zeit sind unruhig und durch starke Farbkontraste gezeichnet. Werke wie Burning

Candles, 1955, weisen eine starke Vertikalität auf, spitze Formen schiessen vom unteren Bildrand in die Höhe. Die Arbeiten entstehen in Springs auf Long Island, wo Lee Krasner und Jackson Pollock wenige Jahre nach ihrer Hochzeit 1945 hinziehen. Sie richtet sich in einem der Schlafzimmer ein Atelier ein, er arbeitet in der angrenzenden Scheune, wo er Platz für seine grossformatigen Werke hat. Nach Pollocks frühem Tod bezieht Krasner 1957 dessen Atelier. Ihre Werke werden jetzt grösser, Krasner befestigt ganze Bahnen Leinwand direkt an der Mauer. Die monumentalen Werke ab 1960 sind leichter, wirken spontaner und die Strichführung rhythmischer. Lee Krasner gesucht, Mrs. Pollock gefunden

Lee Krasner wird lange Zeit vor allem in Be­­ zug auf ihren Ehemann ausgestellt und interpretiert. Noch 1989 werden ihre Werke im Rahmen der Ausstellungsreihe Künstlerpaare – Künstlerfreunde im Kunstmuseum Bern zusammen mit Pollocks Malereien gezeigt. Als Titelbild für den Katalog dient das schon fast ikonische Foto von Jackson Pollock in seinem Studio. Lee Krasner ist im Bildhintergrund auszumachen. Sittsam auf einem Hocker platziert beobachtet sie, wie ihr Mann auf eine am Boden liegende Leinwand Farbe tropft und spielt bezeichnenderweise die Nebenrolle als Frau des Künstlergenies. Mrs. Pollock, wie sie in den Medien gerne genannt wird, erhält lange Zeit wenig Aufmerksamkeit für ihre Arbeit. Als Pollock verunglückt, ist sie von nun an nicht nur Künstlerin, sondern zumindest in der Öffentlichkeit die Witwe und Nachlassverwalterin von Jackson Pollock. Sie versteht sich ihren Künstlerkollegen gegenüber aber als ebenbürtig und betont in Interviews den Austausch mit Pollock als einen, der auf Gegenseitigkeit beruhte. Die Kunstgeschichtsschreibung hat ihr Werk jedoch – wie das von

anderen Frauen aus dieser Zeit – als Nachahmungen Pollocks interpretiert. Im von Männern dominierten Diskurs haben Frauen keinen Platz, der damals inflationär verwendete Begriff des « Genies » ist bereits männlich besetzt. « This is so good you would not believe it was done by a woman », so das sexistische Urteil von Krasners Dozent Hans Hofmann. Anerkennung findet ihre künstlerische Leistung erst gegen Ende ihres Lebens. 1971 schreibt Linda Nochlin den wegweisenden Aufsatz Why Have There Been No Great Wo­ men Artists ? und bereitet damit den Weg für einen feministischen Diskurs in der Kunstgeschichte. In der Folge nimmt das Interesse an Krasners Arbeit zu. Sie gehört zu den wenigen Künstlerinnen, die 1984 vom Museum of Modern Art in New York mit einer Einzelausstellung gewürdigt wird. Sarkastisch bemerkt Krasner zu ihrer späten Anerkennung: « I was a woman, Jewish, a widow, a damn good painter, thank you, and a little too independent … . » b Aleksandra Zdravković ist kunstwissenschaftliche Volontärin. Zentrum Paul Klee Lee Krasner. Living Colour 07.02. — 10.05.2020 Eröffnung : Donnerstag, 6. Februar 2020 18 Uhr Die Ausstel­lung wird kura­tiert und orga­ni­siert vom Barbi­can Centre, London in Kooperation mit der SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, dem Zentrum Paul Klee, Bern und dem Guggenheim, Bilbao. Lee Krasner, Bald Eagle, 1955, Collage aus Ölfarbe, Papier und Textil auf Leinen, 195,6 × 130,8 cm, Collection of Audrey Irmas, Los Angeles, Foto : Jonathan Urban, © The Pollock-Krasner Foundation

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Interview

Sabine Hahnloser Tschopp

Ich brauche Menschen um mich Die Kunsthistorikerin und Sammlerin Sabine Hahnloser Tschopp ist Mitglied der Dachstiftung KMB–ZPK und Präsidentin des Vereins der Freunde Kunstmuseum Bern. Im Interview gibt sie offen über ihr Engagement Auskunft und was Kunst ihr bedeutet.

Frau Hahnloser, Sie sind sozusagen in die Kunst hineingeboren worden : Ihre Urgrosseltern Arthur und Hedy haben die berühmte Sammlung Hahnloser begründet. Sie selber sind Kunsthistorikerin und sammeln begeistert Kunst. Was war Ihr erstes Bild, das Sie erworben haben ? Ich würde es nicht als Startpunkt meiner SABINE HAHNLOSER TSCHOPP Sammlung betrachten, aber mit 16 Jahren habe ich mich in eine Papierarbeit von Max Bill verliebt. Das war ein Künstler, der in unserer Sammlung nicht vertreten war, weil meine Urgrosseltern sich auf die Postimpressionisten und Nabis konzentriert hatten und meine Eltern zwar moderne und zeitgenössische Kunst sammelten, aber nicht Werke von Max Bill. Der Auktionator kannte mich von Kindsbeinen an und staunte nicht schlecht, als ich mitbot. Ich konnte dann eine kleine Papierarbeit günstig erwerben und mit meinem Konfirmationsbatzen bezahlen – mein erster Max Bill und mein einziger Bill übrigens, aber diese Arbeit musste es einfach sein. MTC Welche Aufgabe, welchen Sinn und Zweck hat das Sammeln von Kunst ? Was treibt Sie an ?

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MARIA-TERESA CANO

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Gehen wir vielleicht mal von meiner persönlichen Motivation aus. Ich bin mit Kunst aufgewachsen, Kunst war für mich etwas ganz Alltägliches. Wir hatten so viele Bilder an den Wänden, in den Schränken und über den Türen – und da noch drei übereinander. Für mich war das eigentlich etwas Normales. Als Sammler zeitgenössischer Kunst ist man sehr nahe dran am Kunstgeschehen. Man kennt die Künstler von Jung an, wenn man Glück hat. Man altert mit ihnen und entwickelt sich mit ihnen. Es ist faszinierend und sehr bereichernd zu erleben, wie sich Biografien von Sammlern und Künstlern vermischen : Man geht eine Freundschaft oder auch eine Art Allianz ein. In diesem Sinne bestimmen die Kunstwerke meine Biografie mit und definieren mich als Sammlerin. Mit einem Bilderkauf geht man die Verpflichtung ein, das Werk zu pflegen, es auszuleihen, den Künstler zu fördern und zu unterstützen – in guten und in schlechten Zeiten. Ich finde es schön, etwas Unvergängliches zu haben, das man jeden Tag begrüssen kann, wenn man beim Morgenkaffee sitzt. Seit über 30 Jahren sammeln Sie Kunst, da kommt doch einiges zusammen. Wo sind all diese Werke ? Ich versuche, kein Depot zu führen, weil Bilder für mich wie Freunde sind. Und Freunde kann man nicht wegsperren, das wäre doch dramatisch ! Wenn man gewohnt ist, mit Kunst zu leben, fehlen einem die Werke sehr, wenn sie ausgeliehen sind. Ich mache mir dann immer etwas Sorgen um «mein» Werk, ob es sich


Sabine Hahnloser Tschopp

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dort wohl fühlt. Das Ganze hat wirklich eine sehr persönliche Seite. Die Kunst hängt bei uns überall – an jeder Wand, bei den Kindern, in den Schränken, in der Praxis, bei Freunden. Und ich habe Deposita in unterschiedlichen Museen. Sie sind unter anderem auch Mitglied der Dachstiftung KMB– ZPK. Haben Sie einen Herzenswunsch für die Zukunft der beiden Kunstmarken unter einem Dach ? Vor fünf Jahren sind das Kunstmuseum Bern und das Zentrum Paul Klee zusammengeführt – also verheiratet worden. Die kurvenreiche Braut im Ostring war ja sehr hübsch, aber auch ein bisschen verwöhnt. Der Bräutigam an der Hodlerstrasse war hingegen schon etwas in die Jahre gekommen, konnte aber mit inneren Werten glänzen. Aber er steht auf wackeligen Beinen da : Er stützt sich auf einen Atelierbau, der spröde und grau ist und den Anforderungen an einen modernen Museumsbetrieb nicht mehr gerecht wird. Und so wünsche ich mir, dass es bald Nachwuchs aus der Verbindung der beiden Museen gibt ! Es ist ein Projekt von Bern für Bern, alle machen mit. So geht es nicht unbedingt schneller, aber besser und vor allem nachhaltiger. Mein Herzenswunsch ist, dass wir neben all den administrativen, synergetischen, künstlerischen oder versicherungstechnischen Ebenen das Wohlergehen der Beschäftigten beider Museen mehr in den Mittelpunkt rücken. Ich glaube, diese Aufgabe steht dank unseres neuen Präsidenten Jonathan Gimmel nun auch im Fokus. Es ist wichtig, dass nicht über ihre Köpfe hinweg entschieden wird, dass sie genügend Wertschätzung erfahren und sich weiterhin mit diesen beiden Häusern identifizieren. Das ist mir eine Herzensangelegenheit. Stichwort Museum des 21. Jahrhunderts : Was muss es bieten, welche Funktion hat ein zeitgemässes Museum ? Ein Museum hat sehr verschiedene Aufgaben. Grundsätzlich sollte es die Bedürfnisse der gesamten lokalen Bevölkerung abdecken. Es muss einen Erlebnisraum bieten – auch für Kinder und Jugendliche. Es sollte ein Mehrspartenhaus sein, mit Literatur und Musik. Das wird vorbildlich vorgelebt im Zentrum Paul Klee; das Kunstmuseum Bern zieht jetzt nach und das ist schön. Wir Museumsleute müssen für die Menschen vor Ort da sein. Ein tolles Beispiel, wie das geschehen kann, ist die Museumsnacht : Wir sehen neue Gesichter, wir erleben das Museum anders. Die Veranstaltung dauert jeweils nur ein paar Stunden, aber die Spuren bleiben – und Leute, die keine Museumsgänger sind, kehren oftmals wieder zurück. Ein gutes Museum ist interdisziplinär, weil die Kunst ja auch nie alleine dasteht. Es nimmt seinen Leistungsauftrag vollumfänglich wahr und positioniert sich als kollektives Gedächtnis der Stimmung, die in einer bestimmten Zeit in dieser Stadt geherrscht hat. Das Museum sollte deshalb unbedingt auch lokale Künstlerinnen und Künstler sammeln und sie ausstellen, denn sie tragen zu der künstlerischen Entwicklung nicht nur der Institution, sondern auch der Stadt bei.

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Seit über elf Jahren sind Sie auch Präsidentin des Vereins der Freunde Kunstmuseum Bern, der dieses Jahr sein hundertjähriges Bestehen feiert. Gibt es diesen Verein auch in hundert Jahren noch ? Ich hoffe doch sehr, der Verein existiert auch in den nächsten paar hundert Jahren noch ! Denn er ist notwendig. Damals wurde er als Trägerverein gegründet, um eine Vision zu verwirklichen, nämlich den Aufbau einer Sammlung für das Berner Museum, um es zu unterstützen – ideell und materiell. Und um Kontakte zu pflegen. Der Verein hatte und hat noch immer einen Anteil am Alltag des Museums. Die Mitglieder verstehen sich wirklich als Freunde und Gönner des Museums : Treu und grosszügig tragen alle dazu bei, dass gute Kunst angesammelt wird, dass Ausstellungen entstehen und Kataloge publiziert werden und dass unser Museum lebendig bleibt. Was ich persönlich am Schönsten finde, ist der zwischenmenschliche Austausch nach einer Führung oder einem Ausflug : Es geht immer sehr lebhaft und lustig zu und her. Ich habe in den 22 Jahren, in denen ich dabei bin – erst als Vorstandsmitglied, dann als Vizepräsidentin und als Präsidentin –, wunderbare Menschen kennenlernen dürfen, das ist ein Privileg. Wie ist es mit den Ankäufen ? Wir sind besonders auf den kontinuierlichen Aufbau und die Qualität unserer Sammlung stolz : Über 300 wertvolle Kunstwerke hat der Verein ankaufen können. Unsere Sammlung entstand als Ergänzung zu der offiziellen Sammlung des Kunstmuseum Bern. Wir konnten Lücken schliessen, unbekannte junge Künstlerinnen und Künstler portieren – und ja, auch mal etwas ganz Verrücktes oder im damaligen Moment noch ganz Unverstandenes anschaffen. Ad Parnassum von Paul Klee zum Beispiel wurde bereits im Jahr 1934 direkt in der Kunsthalle Bern angekauft – unter Protesten übrigens, denn das war damals unglaublich mutig und galt als «unverschämt», aber der Vorstand blieb standhaft gegenüber der Kritik. Und liess sich nicht beirren, auch weiterhin visionär einzukaufen. Die Suche nach guter Kunst regt noch immer zu hitzigen Debatten an, und der Erwerbsprozess bleibt ein Abenteuer, ein anregendes übrigens … Welches Kunstwerk würden Sie auf die berühmte einsame Insel mitnehmen ? Bleiben wir pragmatisch : Ich würde etwas aus Holz nehmen, damit ich mir ein Floss bauen kann, und ein Werk auf einer grossen Leinwand, damit ich mir ein Segel basteln kann, so dass ich möglichst schnell wieder von dieser einsamen Insel wegkäme. Denn ich brauche einfach Menschen um mich herum. b Das Interview führte Maria-Teresa Cano, Leiterin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Engagierte Sammlerin und Präsidentin des Vereins der Freunde Kunstmuseum Bern Sabine Hahnloser Tschopp, Foto : Monika Flückiger

«Ich bin mit Kunst aufgewachsen, Kunst war für mich etwas ganz Alltägliches. Wir hatten so viele Bilder an den Wänden, in den Schränken und über den Türen – und da noch drei übereinander.» 25


Ausstellung

Freundeswerke

Kunstmuseum Bern 13.09.2019–02.02.2020 Marie Therese Bätschmann & Marianne Wackernagel

Zum 100-Jahr-Jubiläum offeriert das Kunstmuseum Bern seinem Förderverein eine Ausstellung und zeigt rund ein Drittel der vom Verein seit 1920 angekauften Werke. Der Verein der Freunde hält seinerseits Rückschau und publiziert eine Jubiläumsschrift mit Texten zu wichtigen, aus heutiger Sicht besonders bemerkenswerten Ankäufen, verfasst von Kunsthistorikerinnen, Kunst­ historikern und Künstlern, ehemaligen Direktoren, einem Präsidenten, der gegenwärtigen Präsidentin und der Direktorin. Die reich bebilderte Publikation enthält zudem eine Chronologie der Ankäufe.

Zehn Präsidenten, eine Präsidentin und ein Vorstand in wechselnder Besetzung lenkten seit 1920 die Geschicke des Vereins der Freunde Kunstmuseum Bern. Mit den jährlichen Mitgliederbeiträgen wurden Kunstwerke erworben, die in der Sammlung des Kunstmuseum Bern neue Schwerpunkte setzten, bestehende Werkgruppen vervollständigten oder auch Lücken schlossen. Die Konservatoren respektive Direktoren und eine Direktorin, alle von Amtes wegen dem Vereinsvorstand zugehörig, unterbreiteten regelmässig Ankaufsvorschläge. Es handelte sich dabei hauptsächlich um Arbeiten von Schweizer Künstlern und Künstlerinnen, die mehrheitlich in der Region Bern tätig waren, eher seltener wurden Werke internationaler Herkunft in Betracht gezogen. Zwischen einem Ankaufsvorschlag, dem Beschluss der Vereinsvorstandes, der Bezahlung des Werkes und seiner Inventari­sierung verstrich oft eine geraume Zeit, häufig mehr als ein Jahr, weshalb die Daten des Ankaufs und der Inventarisierung voneinander abweichen können. Immer wieder mussten die Werke über mehr als ein Jahr abgestottert werden, da das Jahresbudget nicht ausreichte. Denn man war stets bestrebt, wichtige Werke zu kaufen. Einstige Einschätzungen bewahrheiteten sich nur partiell, wen wundert es. Umso wichtiger ist eine neue, unvoreingenommene Werkrückschau.

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Caspar Wolf, Die Schwarze Lütschine, aus dem Unteren Grindelwaldgletscher entspringend, 1777, Öl auf Leinwand, 54 × 82 cm Kunstmuseum Bern, Verein der Freunde

Paul-Théophile Robert, Après le bain ( 1. Fassung ), 1921/1922, Öl auf Leinwand, 156 × 180 cm, Kunstmuseum Bern, Verein der Freunde

1925 : Paul-Théophile Robert

1953 : Caspar Wolf

Wer hat denn da gebadet ? Paul-Théophile Robert präsentiert uns ein seltsames Setting. In ausgeklügelter Komposition zeigt er sechs Frauen, die das Thema des Verweilens am Wasser – das zentral, aber wenig raumnehmend zu sehen ist – variieren. Da wurde gepicknickt, und Blumen wurden gepflückt. Eine der Frauen ruht mit entblösstem Oberkörper, zwischen zweien, die sich mit Hüten vor der Sonne schützen, während eine vierte nach dem ihr dargereichten Kleid greift und eine weitere, praktisch veranlagt, ein Tuch über einen Ast zum Trocknen hängt. Das Gemälde fand sowohl 1924 an der schweizerischen Turnus-Ausstellung wie 1925 in Karlsruhe grosse Beachtung. Der Aner­ kennung wegen zeigte sich Robert bei einem Ankauf für das Kunstmuseum Bern bereit, seinen auf 8000 Mark festgelegten Preis auf 4000 Franken zu reduzieren.

Mächtig türmt sich das Eis und macht mit seinen spitzen Graten und Zacken dem Bergmassiv Konkurrenz. Über dem hellglänzenden Gletscherbogen erheben sich weit weniger kantig die Felsen. Präzis hält Caspar Wolf die überwältigende Natur fest – wie sie war, bevor Erosion und Gletscherschmelze die Landschaft veränderten. Ganz klein sind die Menschen, auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Neugierig nähern sie sich Eis und Fels, wenige Jahre zuvor hatte noch Angst die Wahrnehmung der Alpen geprägt. Hier sind es gut gekleidete Touristen, die, von Einheimischen geführt, die Bergwelt erkunden. Der Verein erwarb insgesamt vier Berglandschaften von Wolf mit Mitteln aus dem Legat von Anna Adele Burkhart-Gruner, nachdem der Regierungsrat des Kantons Bern den Verein 1952 von Erbschafts- und Schenkungssteuern befreit hatte.


Freundeswerke

Oskar Schlemmer, Reihung, 1935, Graphitstift und Ölkreide auf Papier, 65,1 × 49,9 cm, Kunstmuseum Bern, Verein der Freunde

Félix Vallotton, Nature morte à la bouteille de Châteauneuf, 1925, Öl auf Leinwand, 60 × 73 cm Kunstmuseum Bern, Verein der Freunde

Walter Kurt Wiemken, Seiltänzer über dem Abgrund, 1939, Tempera und Pastell auf Karton, 61,5 × 77 cm, Kunstmuseum Bern, Verein der Freunde

1979 : Walter Kurt Wiemken 1966 : Oskar Schlemmer Die grossformatige Zeichnung Reihung von Oskar Schlemmer begeisterte Hugo Wagner zunächst wegen ihrer Qualität, dann auch, weil sie sich in Verbindung bringen liesse mit Arbeiten von Otto Meyer-Amden. Die zwei Künstler hatten einander an der Stuttgarter Akademie kennengelernt und blieben lebenslang in Briefkontakt. 1933 ordnete Schlemmer nach seiner fristlosen Entlassung in Berlin Meyer-Amdens Nachlass und verfasste dessen Biografie. Über Schlemmers Lehrtätigkeit am Bauhaus in Weimar und Dessau ergaben sich auch Bezüge zu Paul Klee, Lyonel Feininger und Wassily Kandinsky. Das Blatt bildete 1966 den Auftakt zur Erwerbung einer kleinen Reihe von Meisterzeichnungen, initiiert durch Hugo Wagner und finanziert über den VdF.

Wiemkens Seiltänzer über dem Abgrund wurde ursprünglich von einer Grossbank dem Kunstmuseum Bern zum 100-Jahr-Jubiläum offeriert, das heisst, die verantwortliche Abteilung erkundigte sich, ob die Museumskommission allenfalls am Gemälde interessiert sei. Erst nach der Bejahung der Anfrage wurde der Bankdirektor über die Absicht in Kenntnis gesetzt. Dieser fand aber das halsbrecherische Akrobatenstück über dem Abgrund und die offensichtliche Gefährdung des Wagemutigen durch die Figur des Todes, welche am Fusse eines Gekreuzigten das gespannte Seil zerschneiden will, höchst unpassend als Jubilä­ umsgeschenk seiner Bank. Doch inzwischen hatte sich Hugo Wagner mit der Idee angefreundet, Wiemkens Werk der Berner Sammlung einzugliedern. Er suchte kurzerhand für das in höchster Bankensphäre in Ungnade gefallene Bild einen neuen Käufer und schlug es dem Vorstand des VdF als Ankauf vor.

1983 : Félix Vallotton Im Jahr der Neueröffnung des Kunstmuseum Bern, nach Erstellung des Atelier-5-Anbaus, erörterte Hans Christoph von Tavel dem Vorstand die Idee, mit Félix Vallotton einen neuen Schwerpunkt aufzubauen. Zu den bereits vorhandenen Gemälden konnte er jüngst, dank der Bretschger-Stiftung, die Kriegslandschaft erwerben. Doch nun fehle ihm noch ein Stillleben, drei stünden zum Verkauf. Der Vorstand entschied sich für Nature morte à la bouteille de Châteauneuf und gegen Nature morte aux pommes und auch gegen Oeillet de l’Inde et livres. So wurde 1983 ein Freundeswerk erwor­ ben, das auch ein Sinnbild für das gesellige Beisammensein der Mitglieder ist, das seit der Vereinsgründung gepflegt wird.

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Freundeswerke Franz Marc, Der Stier, 1912, Holzschnitt auf silberbeschichtetem Japanpapier, 16,2 × 22,4 cm, Kunstmuseum Bern, Verein der Freunde

Balthasar Burkhard, Ohne Titel, 2009, C-Print auf Aluminium, 97 × 120 cm Kunstmuseum Bern, Verein der Freunde © Estate Balthasar Burkhard

Markus Raetz, Mimi, 1979, Ausführung 2004, 14 Eichenholzbalken, mit Acrylfarbe bemalt, im Querschnitt je 22,5 × 22,5 cm, Länge zwischen 70 und 200 cm, Kunstmuseum Bern, Verein der Freunde © 2019, ProLitteris, Zurich

2016/17 : Markus Raetz

1994 : Franz Marc Der Stier gehört zu den frühen druckgrafischen Blättern von Franz Marc. Es handelt sich um einen sehr seltenen, auf silberbeschichtetes Japanpapier gedruckten Holzschnitt von 1912, der in dieser Form vermutlich nur in zwei oder drei Exemplaren überliefert ist. Im Dezember 1912 erschien der Stier in einer zweiten Auflage in der Zeitschrift Der Sturm. Durch die Verbindung zwischen gegenständlichem Bildthema und dessen Abstraktion schuf Marc ein Vexierbild, sodass das mit abgedrehtem Nacken und Kopf auf dem Boden ruhende Tier nur schwer zu erkennen ist. Josef Helfenstein entdeckte das Blatt auf einer Reise in Düsseldorf und setzte sich für dessen Ankauf ein, der per Zirkularbeschluss erfolgte. Der Stier ergänzte das aus vier ähnlich frühen Holzschnitten bestehende Konvolut in der Berner Sammlung.

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2009 : Balthasar Burkhard Was für ein Zauber von Balthasar Burkhards Fotografie ausgeht ! Eigentlich zeigt sie nur zum Wasser abfallendes Gelände mit heimischem Gewächs, nichts Spektakuläres. Doch die hellglänzende, spiegelnde Wasserfläche wird auch zum Himmel, und dank der leichten Unschärfe wird das malerische Grün mit den wenigen bunten Einsprengseln der Blüten zur sich ausbreitenden, aufsteigenden und alle Dimensionen sprengenden Natur. Eine von Zeit und Ort entbundene Weltlandschaft. Nachdem der Verein bereits 2004 neunzehn Schwarz-Weiss-Fotografien von Balthasar Burkhard erworben hatte, ergänzte er auf Anregung von Matthias Frehner das Konvolut um zwei Farbfotografien, das Wiesenstück und um eine Aufnahme von Klatschmohn.

14 Balken bilden die Figur. Auf einer Scheitelfläche ist jeweils ein Strichmännchen gemalt, bei dem ein Körperteil rot markiert ist – so wird deutlich, was Kopf, was Rumpf ist, was Ober-, Unterarm, Ober- und Unterschenkel, was Hand und Fuss. Markus Raetz reduziert das Bearbeiten des Holzes auf ein Minimum und setzt unsere Vorstellungskraft in Gang. Hier sitzt Mimi, sie kann aber auch liegen – und davonspazieren vielleicht auch. Oder sie schläft, ist die Ausstellung vorbei, ordentlich gestapelt im Depot. Ein erstes Werk von Raetz, Schwarz Weiss Grau, ersteigerte der Verein 2006 in der Auktion der Galerie Kornfeld. Mimi und Moulage konnten zehn Jahre später direkt beim Künstler im Atelier erworben werden. b Marie Therese Bätschmann ist Vizepräsidentin des Vereins der Freunde Kunstmuseum Bern, Marianne Wackernagel ist Leiterin der Graphischen Sammlung. Sie kuratieren gemeinsam die Ausstellung. Kunstmuseum Bern Freundeswerke : 100 Jahre Verein der Freunde Kunstmuseum Bern 13.09.2019 — 02.02.2020


Projekt Künstler Heinz Lauener an der Arbeit an einer seiner mittlerweile weit über 1000 Skulpturen. Diese waren auch Thema im CreavivaFerienkurs Jeden Tag ein bisschen Kunst mit 16 Kindern im April 2019.

Hand in Hand Urs Rietmann 2009 begann im Creaviva ein Projekt, mit dem Ziel für alle Gästegruppen eine grösstmögliche Zugänglichkeit des Zentrum Paul Klee zu erreichen. Klee ohne Barrieren sorgte weit über Bern hinaus in der Schweizer Museumslandschaft für zahlreiche wichtige Impulse. Mit Hand in Hand unternimmt das Kindermuseum einen nächsten Schritt hin zu umfassender Inklusion in Kultureinrichtungen.

Um es vorwegzunehmen: An den seit über 13 Jahren bewährten Workshops für Schulklassen aus der ganzen Schweiz oder an den Offenen Ateliers und den interaktiven Stationen für ein Mehrgenerationenpublikum des Creaviva, überhaupt an den Angeboten des Kindermuseums und an seiner konzeptionellen Ausrichtung ändert sich mit dem neuen Inklusionsprojekt gar nichts. Im Gegenteil : Die Mitarbeit von Menschen mit Beeinträchtigungen in der täglichen Kunstvermitt­ lung – und genau darum geht es bei Hand in Hand – hat das Potential, für die Gäste des

Creaviva zu einem nachhaltigen Mehrwert und weit über das ZPK hinaus zu einem beispielhaften Vorbild zu werden. Wenn Katrin mit Down-Syndrom als Assistentin in einem Schulworkshop Seite an Seite mit Workshopleiter Dominik einer Primarklasse aus Hünibach Klees Ölpaus-Technik näher bringt, wenn Till trotz oder gerade wegen einer starken Sehbeeinträchtigung einer Gruppe von Lehrlingen im Tandem mit Atelierleiterin Katja in der Ausstellung seine Art und Weise der Begegnung mit dem Werk von Paul Klee vermittelt, wenn Heinz, selber seit Jahren freischaffender Künstler in der Kunstwerkstatt Waldau, den Kids eines Frühlingsferienkurses zeigt, wie seine fantastischen Figuren zum Leben erweckt werden, dann ist Inklusion keine modische Vokabel, sondern gelebter Alltag. Begleitet von einem engagierten Beirat aus Expertinnen und Experten, von wichtigen Förderstellen überzeugt und überzeugend unterstützt und operativ von Projektleiterin Nadine Schneider betreut, soll Hand in Hand

zeigen, dass und wie im unaufgeregten und selbstverständlichen Miteinander von Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in der Begegnung mit jungen und älteren Gästen ein vielstimmiger und vielsinniger Resonanzraum entsteht, wie wir ihn uns als Besucherinnen und Besucher eines Museums wünschen. Den Tatbeweis, so hoffen wir, liefern wir ab Anfang 2020. b Urs Rietmann ist der Leiter des Kindermuseum Creaviva. Kindermuseum Creaviva Mehr Informationen zum Projekt Hand in Hand gibt es bei nadine.schneider@zpk.org oder unter 031 359 01 67.

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Cuno Amiet. Die Obsternte. 1912. Öl auf Leinwand. 103 × 115 cm. Auktionsergebnis: CHF 775 000

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Henri Matisse, Jeannette III – IV (1910 / 11), Jeannette V (1916), Schenkung Madame Jean Matisse an den französischen Staat als Depositum im Musée Matisse, Nizza, 1978, Musée d’Orsay, Paris © Succession H. Matisse / 2019, ProLitteris, Zurich. Foto: François Fernandez EIDENBENZ / ZÜRCHER AG

K U N S T H A U S Z Ü RI C H 30.8. – 8.12.19

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Musée Matisse, Nizza.


1. 9. 2019 – 5. 1. 2020 MASKE In der Kunst der Gegenwart 1. 9. – 27. 10. 2019 CARAVAN 3 / 2019: Mahtola Wittmer *Aargauer Kunsthaus Aargauerplatz CH–5001 Aarau Di – So 10 –17 Uhr Do 10 – 20 Uhr www.aargauerkunsthaus.ch John Stezaker, Mask (Film Portrait Collage) CLXXIII, 2014 © the artist, courtesy the artist and The Approach, London Foto: FXP Photography, London, 2014

21.9.2019 – 2.2.2020

Sigmund Gottlieb Studer (1761–1808), Balthasar Anton Dunker (1746–1807) und Heinrich Rieter (1751–1818), Chaîne d’Alpes vue depuis les environs de Berne (Detail), 1788 Sammlung Stiftung Familie Fehlmann Winterthur


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Forum

Kunsthaus Zürich Text von Björn Quellenberg

2021 ist es soweit

Das neue Kunsthaus Zürich öffnet

Nach einer Bauzeit von mehr als fünf Jahren wird die Erweiterung des Zürcher Kunsthauses im Winter 2020 fertiggestellt sein. Die Betriebsaufnahme erfolgt in Etappen im Jahr 2021. Bis dahin locken private Baustellenführungen.

Architekturführungen. Am nächsten Tag der offenen Tür, am 29. Februar 2020, kann mindestens die imposante Eingangshalle ohne Voranmeldung und gratis besichtigt werden. b Björn Quellenberg ist Leiter der Abteilung Presse und Kommunikation des Kunsthaus Zürich.

Ein Termin wird noch nicht verraten. Aber die Vollendung des für 2020 angekündigten Erweiterungsbaus des Zürcher Kunsthauses ist zum Greifen nah. In seiner ganzen Pracht markiert der mit Naturstein verkleidete, lichtdurchflutet Quader bereits Präsenz und fasst den Platz zwischen dem bestehenden Kunsthaus und dem Schauspielhaus. Ende nächsten Jahres soll die Erweiterung an seine Eigentümer und Nutzer übergeben werden. Für die Einrichtung des von David Chipperfield Architects entworfenen Baus werden sich die Stiftung Zürcher Kunsthaus und die Zürcher Kunstgesellschaft die erforderliche Zeit nehmen. Die Aufnahme des Testbetriebs ist für das Frühjahr 2021 geplant. Zu diesem Zeitpunkt sollten die Klimawerte ihren Zielwert erreicht haben. Die wertvolle Kunst wird in die ihr zugedachten Sammlungs- und Depoträume einziehen und die Öffentlichkeit kann an ersten Kunstaktionen teilnehmen. Vollbetrieb Herbst 2021 Beiderseits des Heimplatzes voll funktionsfähig und komplett eingerichtet, wird das Kunsthaus dann Ende 2021 zum Normalbetrieb übergehen. Zu diesem Zeitpunkt ist mit dem Einzug der Sammlung Emil Bührle, der Sammlung Merzbacher und derjenigen von Hubert Looser nicht nur das grösste Kunstmuseum der Schweiz vollendet, sondern es entsteht eine ausserordentliche Sammlung französischer Malerei. Weitere Impulse sind durch neue Wechselausstellungsflächen zu erwarten, von Kunst, die nach 1960 entstand sowie von der grössten Dauerausstellung bedeutender Werke Alberto Giacomettis, die im Bestandsbau neu präsentiert wird. Aufgrund dieser baulichen und programmatischen Erweiterung rechnet die Zürcher Kunst­ gesellschaft ab dem Jahr 2022 mit einem Anstieg der Besuchszahlen auf bis zu 400 000 pro Jahr. Private Führungen jetzt buchbar Aktuell arbeiten mehrere Dutzend Gewerke parallel auf der Baustelle. Bis zur Eröffnung geniesst die Einhaltung des Terminplans oberste Priorität. Um jedoch dem wachsenden Interesse der Öffentlichkeit am Fortgang des Innenausbaus entgegenzukommen, ermöglicht das Kunsthaus in Abstimmung mit der öffentlich-privaten Bauherrschaft private Führungen. Termine für den Zeitraum September 2019 bis Juli 2020 sind ab sofort buchbar unter kunstvermittlung@kunsthaus.ch. Wer über Details informiert werden möchte, abonniert am besten den elektronischen Newsletter des Kunsthauses oder konsultiert die Website. Dort befinden sich neben einer Chronologie des Projektes detaillierte Informationen über Idee, Inhalt und Form sowie zu den

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Erweiterung Kunsthaus Zürich 2019, © Foto Julie Haller, Amt für Städtebau der Stadt Zürich


Forum

Konzert Theater Bern Text von Florian Scholz

Es grüsst

Der neue Intendant

Florian Scholz ist neuer Intendant des Konzert Theater Bern.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser, Die grosszügige Einladung hier kurz nach meiner Designation zum Intendanten des Konzert Theater Bern, ein paar Zeilen schreiben zu dürfen, entspricht der insgesamt wunderbaren Erfahrung, die ich in den letzten Wochen in Bern mache. Geradezu magisch öffnen sich die Türen der Stadt und des Kantons, und ich werde mit aussergewöhnlicher Herzlichkeit empfangen. Diese Freude fällt zusammen mit einem Sommer, wie wir alle ihn nie zuvor erlebt haben: Einerseits, in kleinsten Details, so berückend schön wie jeder Sommer, doch andererseits so voller erschütternder Klimameldungen. In Becketts existentiellem Endspiel befreit sich die Figur des Dieners CLOV am Ende des Stückes : « Ich öffne die Tür der Zelle und gehe. Ich gehe so gebeugt, dass ich nur meine Füsse sehe, wenn ich die Augen öffne, und zwischen meinen Beinen ein wenig schwärzlichen Staub. Ich sage mir, dass die Erde erloschen ist, obgleich ich sie nie brennen sah. » Was der visionäre Schriftsteller bereits 1956 voraussagt, nun erleben wir es, und wirklich niemand kann mehr behaupten, dass unsere fragile Erde sich noch im Gleichgewicht befindet. Warum benenne ich das ? Weil dieser Bewusstseinswandel, der unserer Weltengemeinschaft nun unmittelbar abverlangt wird, mit Sicherheit eines der zentralen, vielleicht das zentrale Thema der kommenden Jahre sein wird. Ein Thema, das uns alle jetzt sehr intensiv ereilt, das aber vielleicht auch Paul Klee mit seiner Zwitschermaschine schon Jahrzehnte voraussah : Das Werk zeigt Vögel, die unserem Herzen so nahe sind, nicht mehr als lebendige Wesen dargestellt, sondern nur mehr als eine Mechanik ; und damit dies für immer eine Vision bleibt, ist jede und jeder einzelne von uns persönlich gefordert.

Bei all diesen Herausforderungen gilt es, das zu bewahren, was menschliches Leben im Innersten auch ausmacht: das Erhabene, das Schöne, die Kunst. So wünsche ich mir für unser Theater, dass uns hier diese Balance gelingen mag — zwischen kritischer Auseinandersetzung und Genuss, zwischen Gegenwart und Tradition, zwischen aktiver Teilhabe und die Seele baumeln lassen. Etwa so kann ich knapp meinen Blick in die Zukunft formulieren. Die kommende Spielzeit ist bereits seit langem, ausgehend vom Blick der Spartenleiterin Tanz und den Spartenleitern Schauspiel, Oper und Konzert, sorgfältig vorbereitet worden, und das Berner Publikum darf sich auf eine prachtvolle Saison freuen. Der Tanz setzt seinen atemberaubenden Höhenflug fort: Estefania Miranda wird mit ihrem Ensemble ihre ganz eigene Interpretation von Tschaikowskis Schwanensee zeigen, an ihrer Seite die spannenden Choreografen Ihsan Rustem und Jo Stromgren, und das unter dem Titel Swan. Im Schauspiel beginnt es gleich mit einer Kooperation mit der Dampfzentrale und dem erfolgreichen Kunstkollektiv Showcase Beat Le Mot, die sich in ihrer Arbeit Walden sinnlich mit dem Thema Wald auseinandersetzen, und einem neuen Stück der Hausautorin Julia Haenni, Frau verschwindet ( Versionen ). Ein Theatertext, in welchem Frauen sich aus vorgegebenen Mustern lösen. In der Oper ist im Oktober mit Rossinis Barbier von Sevilla ein besonderes Highlight zu erwarten. Die Regisseurin Cordula Däuper hat das Berner Publikum bereits mit La Cenerentola begeistert, und wir begrüssen an ihrer Seite einen hochbegabten jungen Dirigenten, den Australier Matthew Toogood, der nun als Erster Kapellmeister die musikalischen Geschicke im Musiktheater wesentlich mitprägen wird. Und im Konzert wird nun das hervorragende Berner Symphonieorchester wieder an dem Ort spielen, der seine künstlerische Heimat ist : Im auf Hochglanz polierten Casino. Und das ist erst der Beginn einer vielfältigen Spielzeit. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie uns dabei begleiten ! Auf bald, sehr herzlich, Ihr Florian Scholz

b Florian Scholz ist designierter Intendant des KTB.

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Kalender Kunstmuseum Bern

Zentrum Paul Klee

Johannes Itten : Kunst als Leben 30.08.2019 — 02.02.2020

Jenseits von Lachen und Weinen. Klee, Chaplin, Sonderegger 23.08.2019 — 24.05.2020

Freundeswerke 13.09.2019 — 02.02.2020 Alles Zerfällt 13.12.2019 — 20.09.2020 Eröffnung : Donnerstag 12. Dezember 2019 18 Uhr Teruko Yokoi. Tokyo — New York— Paris — Bern 31.01. — 10.05.2020 Eröffnung : Donnerstag 30. Januar 2020 18.30 Uhr

bauhaus imaginista 20.09.2019 — 12.01.2020 Lee Krasner. Living Colour 07.02. — 10.05.2020 Eröffnung : Donnerstag 6. Februar 2020, 18 Uhr

Meisterkonzerte Steven Isserlis, Violoncello & Connie Shih, Klavier Sonntag, 13. Oktober 2019 17 Uhr Frank Peter Zimmermann, Violine & Martin Helmchen, Klavier Sonntag, 17. November 2019 17 Uhr Hespèrion XXI & Jordi Savall, Viola da gamba & Leitung Sonntag, 8. Dezember 2019 17 Uhr

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Lesungen Widmers Weltausstellung Cartoonlesung mit Ruedi Widmer Samstag, 9. November 2019 14 Uhr Hannelore Hoger liest Sonntag, 29. Dezember 2019 11 Uhr


More to See

Espaço Cultural Porto Seguro São Paulo Retrospectiva : Carlos Moreira — Wrong so Well 10.08. — 27.10.2019 Carlos Moreira ( *1936 ) fotografierte während über 40 Jahren unermüdlich das Leben in São Paulo. Als junger Mann entfloh er dem einengenden Umfeld seiner reichen konservativen Familie, um die Vielschichtigkeit der Stadt zu erkunden und seine Homosexualität offen zu leben. Die Kamera war wie ein drittes Auge, das die Poesie des städtischen Lebens, aber auch die geometrischen Kompositionen der Architektur festhielt. Viele seiner Fotografien entwickelte Moreira nicht, auch stellte er sie kaum aus. Nun wurde dieser Schatz gehoben und ausgewertet. Im Espaço Cultural Porto Seguro in São Paulo ist erstmals eine umfangreiche Retrospektive von Carlos Moreira zu sehen. Die Kuratoren Rodrigo Villela und Fabio Furtado standen vor der Herkulesaufgabe, aus Zehntausenden Fotografien eine Auswahl zu treffen. Das Resultat ist eine äusserst abwechslungsreiche Schau mit rund 400 Abzügen, die von klassischen Schwarz-­ Weiss-Fotografien, über Farbfotografien der 1980er- und 1990er-Jahren bis hin zu digitalen Bildern der letzten Jahre reicht. Sie gibt einen hervorragenden Einblick in das Leben in São Paulos Strassen der letzten vier Jahrzehnte.

Museum Rietberg Zürich Fiktion Kongo — Kunstwelten zwischen Geschichte und Gegenwart 22.11.2019 — 15.03.2020 Die Demokratische Republik Kongo ist heute weltweit berühmt für ihre vibrierende Kunstszene. Nirgendwo sonst in Afrika ist das künstlerische Schaffen so vielfältig, kreativ und am Puls der Zeit. Doch auch in der Vergangenheit entstanden eindrucksvolle Masken, Figuren und Designstücke, die zu den Ikonen der Kunst Afrikas gehören. Zum ersten Mal präsentiert eine Ausstellung zur Kunst aus dem Kongo historische Werke und Fotografien in Gegenüberstellung mit Werken zeitgenössischer Kunst. Dabei will Fiktion Kongo einen einseitigen westlichen Blick auf die Kunst des Kongos vermeiden und stellt daher renommierte Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart ins Zentrum, wie Sammy Baloji, Michèle Magema, Monsengo Shula und Sinzo Aanza. Die Ausstellung zeigt, wie Kunstschaffende — früher wie heute — sich kritisch mit den Auswirkungen von Kolonialzeit und Globalisierung aus­ einandersetzen. Empfohlen von Maria-Teresa Cano Leiterin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit KMB—ZPK www.rietberg.ch

Museum Folkwang Essen László Moholy-Nagy 20.09.2019 — 12.01.2020 « Von den vierzehn Lebensjahren des Bauhauses war László Moholy-Nagy nur fünf als Lehrer am Bauhaus tätig, und doch ist seine Persönlichkeit mit dem Gedanken des Bauhauses vielleicht am stärksten verbunden », schrieb der Kunsthistoriker Wulf Herzogenrath. Tatsächlich war Moholy-­Nagy nicht nur vielseitig als Maler, Ge­stalter, Typograf, Bühnenbildner, Fotograf, Regisseur, Pädagoge und Theoretiker tätig — in seinem Werk lassen sich auch die scheinbar widersprüchlichen Strömungen innerhalb des Bauhauses nachzeichnen. Einerseits teilte Moholy-­ Nagy die konstruktivistische Begeisterung für den technologischen Fortschritt; andererseits erkannte er auch die Gefahr des Maschinenzeitalters, den Menschen zum Rädchen im industriellen Getriebe zu degradieren — und versuchte, das Maschinenzeitalter mit dem Humanismus zu versöhnen. Das Folkwang-Museum in Essen widmet dem ungarischen Künstler diesen Herbst im Rahmen des Bauhaus-­ Jubiläums eine Einzelausstellung und zeichnet seinen Weg von Berlin über Weimar und Dessau bis ans New Bauhaus in Chicago nach. Empfohlen von Martin Waldmeier Kurator Zentrum Paul Klee www.museum-folkwang.de

Empfohlen von Fabienne Eggelhöfer Chefkuratorin Zentrum Paul Klee www.espacoculturalportoseguro.com.br

Ausschnitt © Carlos Moreira, São Paulo, 1984.

Monsengo Shula Ata Ndele Mokili ( Tôt ou tard le monde changera ), 2014, Acryl und Pailletten auf Leinwand, 130 × 200 cm Henri und Farida Seydoux Collection

Ausschnitt László Moholy-­ Nagy Rotes Segment auf Grau, 1921, Collage auf grauem Papier, 65,3 × 50 cm Museum Folkwang, Essen © Museum Folkwang, Essen

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Agenda

Kunsthalle Bern LETZTE LOCKERUNG Mit Arbeiten von Daniela und Linda Dostálkovà, Loretta Fahrenholz, Anne Jud, Klara Lidén, Lily Reynaud-­Dewar, Philipp Timischl und Amalia Ulman 17.08. — 06.10.2019 Die Ausstellung zeigt Arbeiten, in denen unterschiedliche Auftrittsformen zutage treten und die Künstler verschiedene Rollen und Charaktere einnehmen oder einnehmen lassen. Helvetiaplatz 1, 3005 Bern www.kunsthalle-bern.ch

Kunsthaus Langenthal Dig Drill Dump Fill Push Pull Empty Full Bilderbücher und Kindermusik der 1970er 29.08. — 10.11.2019 Eine Ausstellung über das Kind als Akteur des Wandels im Zuge der gesellschaftlichen Umwälzungen der 1960er-Jahre. Mit rund 500 Bilderbüchern und Schallplatten, Beitrag des SIKJM, Shop der Librairie La Dispersion, Children’s Book TV-Vorlesevideos, DJ-Mixes von Radio Minus und Sebastian Reier sowie Videoarbeiten. Marktgasse 13, 4900 Langenthal www.kunsthauslangenthal.ch

Kunsthaus Centre d’art Pasquart Biel/Bienne Asta Gröting — Where do you see yourself in 20 years ? 22.09. — 24.11.2019 Charakteristisch für die Skulpturen und Videos von Asta Gröting ( *1961, D ) ist die materielle Transformation des Alltäglichen und Vertrauten. Ob es sich um ein Innenohr handelt oder das durch Einschuss­ löcher in Gebäudefassaden Berlins ver­ ankerte Trauma — die Künstlerin offenbart das Innere der Dinge.

Kunstmuseum Thun Sophie Calle — Regard incertain 06.09. — 01.12.2019 Sophie Calle befasst sich mit den Themen Leben, Liebe und Tod. Fotografie ist für sie Medium und Werkzeug zugleich, sie erzählt Geschichten in Bildern. Hofstettenstrasse 14, 3602 Thun www.kunstmuseumthun.ch

Seevorstadt 71, Faubourg du Lac, 2502 Biel/Bienne www.pasquart.ch Oben : Klara Lidén, Grounding, 2018/19, Grösse variabel, Courtesy die Künstlerin, Galerie Neu, Berlin & Reena Spaulings Fine Art, LA/N, Foto: Kunsthalle Bern/Gunnar Meier

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Unten : Asta Gröting, First Drink, 2019, Video, 17’, mit Ton, Courtesy the artist and carlier | gebauer © 2019, ProLitteris, Zurich

Oben : Luca Beeler/Cédric Eisenring/Carmen Tobler, Dig Drill Dump Fill Push Pull Empty Full. Bilderbücher und Kindermusik der 1970er, Kunsthaus Langenthal, 2019, Courtesy of the Artists

Unten: Sophie Calle, Voir la mer, Jeune fille en rouge ( détail ), 2011, 3’11’’ digital film with color and sound, TV screen, framed color photograph,Cinematographer: Caroline Champetier, © Sophie Calle / ADAGP, Paris 2019, Courtesy the Artist & Perrotin. « In Istanbul, einer vom Meer umgebenen Stadt, habe ich Menschen getroffen, die es noch nie gesehen hatten. Ich habe sie gefilmt, wie sie es zum ersten Mal gesehen haben. »

Musée des beaux-arts Le Locle Jérôme Zonder 02.11.2019 — 26.01.2020 Jérôme Zonder ( *1974 ) ist ein junger französischer Künstler, der sich ausschliesslich Zeichnungen widmet und diese in unbekannten Bereichen erforscht. Er wird zu einem der interessantesten Künstler seiner Generation und verwandelt im MBAL durch die vor Ort geschaffenen Werke zwei Etagen in einen einzigen Bereich. Marie-Anne-Calame 6, 2400 Le Locle www.mbal.ch

Musée jurassien des Arts — Moutier Jean-François Comment 100 ans De la figuration à l’abstraction 1953 — 1962 15.06. — 10.11.2019 Jean-François Comment befreite sich in dieser entscheidenden Zeit nach und nach von dem Motiv, insbesondere dank seiner ersten Erfahrungen mit Glasmalereien. Die Figuren zerfallen und die Tiefe wird an die Oberfläche gebracht. Es folgt eine erste abstrakte Phase, die vom Bildmaterial und der Geste dominiert wird. Rue Centrale 4, CP 729, 2740 Moutier www.musee-moutier.ch

Oben : Jérôme Zonder, Portrait de Garance #18, 2016, fusain et poudre graphite sur papier, 150 × 150 cm, Collection privée, France

Unten : Jean-François Comment, Vue de l’atelier, 1956, huile sur toile © Fondation JF Comment


Agenda

Museum Franz Gertsch Fremde Mächte. Malerei aus Leipzig 07.09.2019 — 01.03.2020 Die Gruppenausstellung mit Werken von Katrin Brause a.k.a. Heichel, Henriette Grahnert, Franziska Holstein, Rosa Loy, Claudia Rößger, Julia Schmidt, Kristina Schuldt und Miriam Vlaming zeigt sowohl figürliche Malerei Leipziger Prägung als auch die Entwicklung der Abstraktion aus der Figürlichkeit heraus. Platanenstrasse 3, 3400 Burgdorf www.museum-franzgertsch.ch

Musée Jenisch Vevey Rien que pour vos yeux #2. Les plus belles estampes des collections 20.09.2019 — 05.01.2020 Die der Druckgrafik gewidmete Ausstellung präsentiert eine Auswahl prachtvoller Blätter, die von den grössten Meistern der Druckgrafik wie Dürer, Rembrandt, Tiepolo, Goya, Corot, Bonnard, Vuillard, Picasso, Lichtenstein, Raetz und vielen anderen geschaffen wurden. Avenue de la Gare 2, 1800 Vevey www.museejenisch.ch

Stadtgalerie Maximiliane Baumgartner — Viele Vampire sind Vögel 16.08. — 12.10.2019 Maximiliane Baumgartner versteht die Malerei als soziales Handlungsfeld, das eng mit ihrer pädagogischen Praxis im Austausch steht. In unterschiedlichen Aktionen und in Komplizenschaft mit Kindern reagiert sie mit performativen und inszenatorischen Mittel auf bestehende soziale und institutionelle Gefüge im städtischen Umfeld.

Muzeum Susch Emma Kunz: Visionary Drawings 27.07. — 10.11.2019 Ab 1938 schuf die Schweizer Heilerin und Forscherin Emma Kunz hunderte von Zeichnungen, in denen universelle Naturkräfte mittels Pendel kanalisiert und mit Graphit und Farbstiften auf Millimeterpapier festgehalten, geometrische Kompositionen formten. Surpunt 78, 7542 Susch www.muzeumsusch.ch

Musée de l’Elysée Jan Groover. Laboratoire des formes 18.10.2019 — 05.01.2020 Dies ist die erste Retrospektive des Lebenswerks von Jan Groover ( 1943 — 2012 ), der amerikanischen Fotografin, deren persönliche Sammlung 2017 im Musée de l’Elysée aufgenommen wurde. Es wird nicht nur an die Jahre der Künstlerin in New York erinnert, sondern auch an die in Frankreich — ein bisher unbekannter Teil ihrer Karriere. 18, avenue de l’Elysée, 1014 Lausanne www.elysee.ch

Centre Dürrenmatt Neuchâtel Martin Disler — Vergessene Rituale 01.08. — 20.10.2019 Martin Disler ( 1949 — 1996 ) erlangte mit seinem Bildwerk weltweite Bekanntheit, bewahrte sich aber auch eine ungebrochene Leidenschaft für die Schriftstellerei. Die Ausstellung zeigt Dislers Radierungen und Gemälde sowie jene Werke, die für eine Schule in Le Landeron entstanden sind. Chemin du Pertuis-du-Sault 74, 2000 Neuchâtel www.cdn.ch

PROGR, Waisenhausplatz 30, 3011 Bern www.stadtgalerie.ch

Oben : Kristina Schuldt, Drive, 2015, Öl und Eitempera auf Leinwand, 170 × 210 cm, Privatsammlung © Kristina Schuldt, Foto : Uwe Walter, Berlin

Ausstellungsansicht, Maximiliane Baumgartner, Grid II — Spielskulpturen zwischeneitlen Formen und Sperrbereichendes Öffentlichen, Wandbild, 2019, Lackfarbe auf Alu Dibond Foto : David Aebi

Oben : Abraham Bosse, Graveurs en taille-douce au burin et à l’eau forte, 1643, Eau-forte et burin, 259 × 326 mm, Cabinet cantonal des estampes, Musée Jenisch Vevey

Unten : Emma Kunz, Work No. 013, pencil, crayon and indian ink on graph paper with brown lines, 99 × 99 cm, © Emma Kunz Zentrum

Oben : Jan Groover, Sans titre, 1985 © Musée de l’Elysée, Lausanne — Fonds Jan Groover

Unten : Martin Disler, Untitled, s. d., Goauche auf Papier, 140 × 79 cm, Sammlung Nicolas Schilling © The Estate of Martin Disler

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Membership

Das bewegte Bild

Die bewegte Betrachterin

Carola Ertle Ketterer und Günther Ketterer vor der Arbeit HEAVY MODERN des PROGR-Künstlerkollektivs, Annina Matter und Urs Zahn, die seit 2011 zusammenarbeiten.

Maria-Teresa Cano Bern müsste lange suchen, wollte sie die Begeisterung und den kreativen Einsatz ersetzen, die ihr durch das unablässige Wirken von Carola Ertle Ketterer und Günther Ketterer zuteilwerden. Kunst sammeln, Künstler betreuen, Kommissionen vorsitzen, genossenschaftliches Wohnen fördern : Der Fächer ihres Engagements ist breit und bunt.

Es gibt Menschen, die werden von Kunst magisch angezogen. Es gibt solche, die von ihrer Neugier getrieben werden. Und es gibt Carola und Günther, die diese Kräfte vereinen und als Gespann stets in neue Projekte und Unternehmen hineingezogen werden, seien es politische Ideen, spezielle Lebensentwürfe oder Denkarten wider die Gewohnheit. Als selbstständiger Treuhänder gründet Günther ein Büro, bald stösst auch Carola dazu. Die zwei beginnen sich für genossenschaftliche Wohnformen zu interessieren, sie engagieren sich in der sogenannten Selbstverwaltungsszene für den Weltladen, die Alternative Bank Schweiz, für die Genossenschaft KuKuZ, für die wogeno Bern, die npg – die erste autofreie Siedlung in der Schweiz – oder im entstehenden Warmbächli-Areal. Bereits früh ist Konvention ihre Sache nicht.

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Der Kunst verfallen

Es ist Anfang 1980er-Jahre, als die Ketterers mit dem Sammeln von Kunst beginnen. Deutsche Expressionisten und Junge Wilde sind die ersten Leitlinien ihrer Sammeltätigkeit. Auch hier wirkt die Kraft der Neugier und der Offenheit : « Wir sind sehr offen und interessiert und schätzen es sehr zu spüren und zu erfahren, wie die Werke auf uns wirken. Für uns ist relevant, ob uns ein Werk neugierig macht, ob es ein Zwiegespräch zulässt, ob wir uns täglich davon inspirieren lassen möchten. » Im Zwiegespräch mit der Kunst

Dieser sehr direkte und emotionale Zugang zur Kunst macht die beiden zu einem aussergewöhnlichen Sammlerpaar  : Sie verstehen sich als Mentoren und Förderer von Künstlerinnen und Künstlern. Als sie beginnen, fast ausschliesslich Kunst aus dem Raum des Espace Mittelland zu sammeln, entsteht ein dichtes Netzwerk und Freundschaften mit den Kunstschaffenden. Es ist ein enges, oft jahrelanges Verhältnis, das auf der persönlichen Beziehung mit den Werken und ihren Urhebern basiert. Die bewegte Betrachterin eben. So haben Carola und Günther über die Jahrzehnte hinweg eine einzigartige, sehr

persönliche Sammlung zusammengetragen, deren Fokus nie bekannte Namen waren, sondern der Dialog mit der Kunst. Institutionelles Engagement

Von dieser Hingezogenheit zur Kunstwelt profitieren auch viele Institutionen. So betreiben Ketterers im PROGR zusammen mit den Galerien Bernhard Bischoff und Henze & Ketterer einen Videokunstraum. Günther ist im Stiftungsrat und Carola engagiert sich im Verein Freundeskreis des PROGR. Kunstkommission der Stadt Bern, Hochschule der Künste, Kunstachse in Bümpliz, Bernische Kunstgesellschaft, videokunst.ch oder die ART-­ Nachlassstiftung sind weitere Einrichtungen, in denen Carola oder Günther tätig sind. Und beide sind sie in der Ernst Ludwig Kirchner Stiftung Davos. Ein familiäres Erbe, war es doch Günthers Vater, der Kunsthändler Roman Norbert Ketterer, der den Grundstein für das Kirchner Museum in Davos legte. Der Verschmelzung von Kunst und Leben kommen Carola und Günther schon sehr nahe. Bern und die Kunstschaffenden danken es ihnen ! b Maria-Teresa Cano ist Leiterin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.


Membership Verein der Freunde Kunstmuseum Bern

Freunde ZPK

BKG

Berner Kunstfonds

Die Mitglieder des Vereins der Freunde Kunstmuseum Bern leisten einen wertvollen Beitrag an das Museum und an das Berner Kunstleben. Der Verein erwirbt mit den Beiträgen seiner Mitglieder hauptsächlich Kunstwerke für das Museum und rundet damit die Sammlung in ihren Schwerpunkten ab.

Als Freundin oder Freund des Zentrum Paul Klee profitie­­ren Mitglieder von freiem Eintritt in alle Ausstellungen, umfassenden Informationen über die vielfältigen Aktivitä­ten des Zentrum Paul Klee und exklusiven Einblicken.

Die BKG fördert das Verständnis für die zeitgenössische Kunst und unterstützt insbesondere begabte junge Kunstschaffende, das Kunstmuseum Bern sowie die Kunsthalle Bern. Die BKG veranstaltet Führungen in Ausstellungen und organisiert Kunstreisen, Atelierbesuche und Vorträge. Jährlich vergibt sie mit dem Louise Aeschlimann und Margareta Corti-Stipendium den höchstdotierten privaten Kunstpreis der Schweiz. Im Jahr 1813 gegründet, gehört die BKG zu den ältesten In­ stitutionen, die sich in der Schweiz der Kunstförderung widmen.

1993 wurde der Berner Kunstfonds durch den Verein der Freunde Kunstmuseum Bern, die Bernische Kunstgesellschaft BKG und die Kunsthalle Bern gegründet, um die Be­ ziehungen zu Mäzenen und Sponsoren auf privatwirtschaftlicher Basis zu pflegen und zu koordinieren. Die Mitglieder leisten jährlich mit rund CHF 90 000 einen wich­ tigen Beitrag zur Inten­sivierung der Zusammenarbeit zwischen Kunstmuseum Bern und Kunsthalle Bern sowie zur Kunstvermittlung und zum Kunstleben. Der Berner Kunstfonds zählt an die 60 Mit­ glieder (  Private, Firmen und Institutionen  ).

Mitglieder profitieren von di­ ver­­sen Vergünstigungen, Einladungen zu Eröffnungen und exklusiven Veranstal­ tungen. Zudem erhalten sie freien Eintritt in die Sammlung und Wechselausstellungen des Kunstmuseum Bern sowie per 2019 auch ins Zentrum Paul Klee. Mehr Infos unter www.kunstmuseumbern.ch/ vereinderfreunde Verein der Freunde Kunstmuseum Bern Hodlerstrasse 8—12 3011 Bern +41 31 328 09 44 member@kunstmuseumbern.ch

Zudem leisten Mitglieder einen wichtigen Beitrag an ein in der Schweiz einzigartiges Kunst- und Kulturzentrum. Mehr Infos unter www.zpk.org/freunde Freunde Zentrum Paul Klee Monument im Fruchtland 3 3006 Bern +41 31 359 01 01 freunde@zpk.org

Den Mitgliedern bietet die BKG freien Eintritt in die Sammlung und Wechselausstellungen des Kunstmuse­um Bern. Ab 2019 profitieren Mitglieder auch von freiem Eintritt in die Ausstellungen im Zentrum Paul Klee. Mehr Infos zu den exklusiven Angeboten für BKG-Mitglieder unter www.kunstgesellschaft.ch

Mehr Infos unter www.kunstmuseumbern.ch/ bernerkunstfonds Berner Kunstfonds Hodlerstrasse 8—12 3011 Bern +41 31 328 09 44 member@kunstmuseumbern.ch

Bernische Kunstgesell­schaft BKG Hodlerstrasse 8—12 3011 Bern 7 +41 31 328 09 44 info@kunstgesellschaft.ch

Impressum Kunsteinsicht Das gemeinsame Magazin von Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee, info@kunsteinsichtbern.ch. HERAUSGEBER  : Kunstmuseum Bern, Hodlerstrasse 8—12, 3011 Bern, www.kunstmuseumbern.ch. Zentrum Paul Klee, Monument im Fruchtland 3, 3006 Bern, www.zpk.org. Gegründet von Maurice E. und Martha Müller sowie den Erben Paul Klee. REDAKTION  : Maria-Teresa Cano, Maria Horst, Thomas Soraperra. AUFLAGE  : 18 000 Ex., erscheint 2-mal jährlich. BEZUG  : In der Jahresmitgliedschaft der Gönnervereine enthalten, aufgelegt im Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee. GESTALTUNG  : www.salzmanngertsch.com. DRUCK  : www.staempfli.com. INSERATE  : Therese Herren, +41 31 767 83 30, therese.herren@staempfli.com. UNTERSTÜTZUNG  : Wir bedanken uns für die grosszügige Unterstützung beim Verein der Freunde Kunstmuseum Bern und der Bernischen Kunstgesellschaft BKG. TITELBILD : M. P. Ranjan, Bambus-­ Würfelhocker, o. J., Bambus, Oberer Stuhl 43 × 43 × 43 cm ; unterer Stuhl 36 × 52 × 52 cm, National Institute of Design, Knowledge Management Center, Archive Collection

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Augenblicke  b Ein voller Erfolg : Das

Kindermuseum Creaviva war im Juli zu Gast im Loeb-Schaufenster.

b   Paul Klee erobert

Brasilien: Chefkuratorin Fabienne Eggelhöfer mit dem Vermittlungsteam der Centro Cultural Banco do Brasil in São Paulo

 b Die Preisträger des

b   Eines der drei Panel

ars viva Kunstpreises 2018 Niko Abramidis & NE, Cana Bilir-Meier und Keto Logua führen durch ihre Ausstellung.

zur Zukunft Kunstmuseum Bern : Unter der Leitung von Marta Kwiatkowski Schenk diskutieren Alec von Graffenried, Hans Ulrich Glarner, Uli Sigg, Jobst Wagner und Jörg Schulze zum Thema « Das Kunstmuseum der Zukunft ».

 b Das Polit-Forum zu Gast

 b Eröffnung der Aus-

stellung Jenseits von Lachen und Weinen. Klee, Chaplin, Sonderegger : Autorin Li Mollet und Kurator Martin Waldmeier im Gespräch.

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im ZPK : Im Rahmen der Ausstellung Ekstase diskutieren unter der Moderation von Basil Weingartner Franziska Teuscher, Ruedi Löffel, Ruth Dreifuss und Toni Berthel zum Thema « Vom Umgang mit Cannabis in der Politik ».


Augenblicke

b   Christine Lötscher,

Literaturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin, im Gespräch mit dem Autoren Lukas Bärfuss zu Krieg und Liebe.

 b Miriam Cahn spricht über « Sich selbst Kuratieren » anlässlich ihrer Ausstellung im Kunstmuseum Bern.

b   Befragungsstation

während der Museumsnacht Bern : Besucherinnen und Besucher teilen ihre Ideen zum Kunstmuseum Bern der Zukunft mit.

 b Der Berner Regierungs-

rat zu Besuch im Zentrum Paul Klee in der Ausstellung Emil Nolde.

b   Eröffnung der

b   Die Resultate des

Ausstellung Ohne Verfallsdatum. Schenkung und Leihgaben der Sammlung Migros Aare : Kuratorinnen Sarah Merten, Eva Bigler und Claudia Spinelli.

Creative Thinking Workshops zur Zukunft KMB mit Besucherinnen und Besuchern des Kunstmuseum Bern.

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Kolumne

Barfuss im Paradies Text : Tabea Steiner / Illustration : Serafine Frey

für ein paar Euro einen lotterigen Wohn­ wagen direkt am Wasser an, brachten Essen, Bier und verfluchten den Hotel­besitzer. In der Dämmerung beobachteten wir Kormorane, Pelikane, Möwen und vergruben die Füsse im Sand. Als es dunkel war, zählten wir Schweifsterne.

Wo ich ohne Schuhe sein kann und Tiere frei herumlaufen, gefällt es mir. Auch wenn ich weiss, dass dieses Barfussgehen eine oberflächliche Imitation der Unabhängigkeit von Tieren ist — allein schon, weil ich ein Dach über dem Kopf brauche. Im Sommer hatten wir an einem abge­ legenen See ein Hotelzimmer gebucht. Wir erreichten das Dorf zu Fuss über einen Waldweg voller Schlaglöcher ; sonntags fuhr kein Boot. Dorfbewohner kamen uns entgegen und boten uns Übernachtungsmöglichkeiten an. Wir lehnten dankend ab und steuerten auf das Hotel zu, ein prunkiger Neubau. Es war zu. Der Besitzer nahm den Anruf entgegen und bestätigte die Reservation. Als wir fragten, was zu tun sei, legte er auf. Wir trugen unsere Rucksäcke zurück zum Anger, vorbei an einem Schildkrötenpärchen, das sich am Wegrand liebte. Ohne zu zögern boten uns die Einwohner 46

Die Listspinne pflegt das Ritual, dass Männchen die Weibchen beim Balzritus beschenken. Dazu wickeln sie Insekten, aber auch wertlose Dinge in Seide. Man hat festgestellt, dass die Weibchen dies wissen, nichtsdestotrotz aber auch leere Präsente in Empfang nehmen. Mehr noch : Die Weibchen lehnen zuweilen sogar die kostbareren Geschenke ab. Keineswegs auf Gaben angewiesen, entscheiden sie allein aufgrund der Geste, ob sie sich auf ein Männchen einlassen und sein Geschenk annehmen. Besonders gut schlief ich nicht, die Matratze war abgewetzt, der Rost zu schmal. Trotzdem war es mir nicht recht, dieses Angebot zuerst abgelehnt zu haben zu Gunsten eines Unflats ; ich bewunderte die gelassene Gastfreundschaft dieser Menschen, beneidete sie ein wenig um ihr autarkes Reich. Sie führten ein einfaches Leben, erzählte der Bootsmann, der uns auf die andere Seeseite brachte. Aber man wolle nicht zu viele Touristen, da verzichte man lieber auf eine Strasse.


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Unserer Exklusivität sind wir treu geblieben. Das neue Erlebnis geht weit darßber hinaus. Entdecken Sie das andere Grand Resort Bad Ragaz. resortragaz.ch


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KunstEINSICHT Nr. 15  

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