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NR. 4066
SONNTAG, 30. JULI 2023
63. JAHRGANG
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BOCKHORN / VEGESACK / BLUMENTHAL
■ Kleine Wolke Die Hände von Brigitte Kuhn ruhen auf einem dicken Aktenordner, in dem ihre Leidensgeschichte dokumentiert ist. Darauf ein Buch über das Fatigue-Syndrom. FOTO: RDR
Pflegegrad zwei nach der Corona-Impfung Leidensweg einer Frau, die um ihr Recht kämpft VON REGINA DRIELING
SCHWANEWEDE – Brigitte Kuhn (Name von der Redaktion geändert) möchte ihren richtigen Namen nicht nennen, denn derzeit geht sie mit einem Anwalt gegen ein Pharma-Unternehmen vor. Die Impfung gegen das Corona-Virus habe sie krank gemacht, berichtet die heute 60-Jährige. Im April 2021 habe ihr die Betriebsärztin die erste Sprit-
ze verabreicht, und damit begann der Leidensweg der bis dahin fitten Frau. „Ich hatte ganz dolle Grippesymptome und lag eine Woche lang komplett flach. Danach hatte ich ständig starke Kopfschmerzen, das kannte ich nicht“, erzählt sie. Wenige Wochen später ließ sie sich erneut impfen. „Ich habe mich gezwungen gefühlt“, sagt Brigitte Kuhn, die bis dahin als Sekretärin in einer Klinik gearbeitet hatte. Sie habe die Patienten nicht gefährden wollen, und zudem hätte sie ungeimpft ihren Arbeitsplatz nicht aufsuchen dürfen. „Ich habe mich impfen lassen, um meinen Arbeitsplatz zu sichern“, so die 60-Jährige. Heute ist
sie nicht nur ihren Job los, sondern auch ihr „normales Leben“, wie sie sagt. Nach der zweiten Impfung sei es ihr immer schlimmer gegangen. Sie sei nicht mehr belastungsfähig und immer müde gewesen. „Ich musste mich nach der Arbeit hinlegen, und hatte überhaupt keine Koordination mehr“, berichtet Brigitte Kuhn, die zunächst keinen Zusammenhang zu den verabreichten Impfdosen gezogen hatte. Es folgten Kreislaufkollaps und Konzentrationsausfälle. „Mein Mann hat öfter den Rettungsdienst gerufen.“ Sie suchte die Hausärztin und einen Neurologen auf und erhielt den Rat, in die Psychiatrie zu gehen. Eine
Psychologin habe dann jedoch festgestellt, dass ihre Beschwerden rein körperlicher Natur seien, so Brigitte Kuhn. Aus Angst um ihren Job habe sie sich ein drittes Mal gegen das Coronavirus impfen lassen, erzählt sie. „Ich wollte ja arbeiten, aber es hat sich alles nur noch gedreht.“ Stattdessen ist sie zwei Jahren arbeitsunfähig, hat Pflegegrad zwei und bezieht Erwerbsminderungsrente. Immer wieder sei sie bei Ärzten vorstellig gewesen, „aber da wurde ich sofort in die Psychoschiene geschoben“, so Brigitte Kuhn. Vor einem Jahr habe sie sich dann trotz Dreifach-Impfung mit dem Corona-Virus infiziert.
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