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Pronikám do Boha / So dringe ich in Gott (Ukázka, strana 99)

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Nr. 14

Dachau, 22. Oktober 1944 Adressat: Wenzel Feřt SJ

Lieber Bruder! Heute wollte ich fast gar nicht schreiben, weil die herbstliche Erkältung, starker Schnupfen und anderes Missbehagen ziemlich große Indisposition hervorruft, dieses „nicht schreiben wollen“ war aber nur so ein kurzes, vorübergehendes Gefühl. Man darf doch nicht dieses einziges Verbindungsmittel mit Euch unbenützt lassen, besonders wenn wir nächstes Mal erst nach drei Wochen schreiben werden. Diesmal habe ich wieder einen Brief von dem treuem Bruder Havelka bekommen.84 Es hat mich sehr erfreut seine Schilderung der Begegnung mit dem Dr. Polách und seiner gelehrten Ausführungen.85 Wenn ich so bei Polách bin, der an Hostein wohnt, muss ich dem Vater Leopold von Hostein ein paar Zeilen widmen.86 Einerseits, weil wir bis zu seinem Namenstag kaum mehr schreiben werden, anderseits erinnere ich mich, dass er dieses Jahr sein siebzigstes Geburtstag feiert. Sowohl zum Geburtstag wie auch zum Namenstag wünsche ich ihm also viel Gottes Segen, viel Gesundheit und besonders Frieden auf dem Weinberge, dem er sein ganzes Leben gewidmet hat. – In der letzten 14 Tagen habe ich von Euch aus der Gerstengasse ein Paket (16. X.) bekommen. Seit dem 4. Oktober kamen die Pakete ungefähr 10 Tage nicht, jetzt kommen sie schon wieder allmählich. In unserer Blockkapelle beten wir jeden Tag am Abend Rosenkranz, was auch Sie sicher bei St. Ignatius machen.87 Auch das ist ein Verbindungsmittel und ein mächtigeres als dasjenige, von dem ich am Anfang des Briefes geschrieben habe. Gebet, Eucharistie, Glaube an Gott, Sehnsucht nach Vereinigung mit Ihm, das ist das, was die Kraft gibt, was die Hindernisse überwindet, was Leben gibt. Diesen Gruß sende ich Euch allen wieder, grüße Euch alle bei St. Ignatius, alle Kranken, alle Laienbrüder, alle teuere bekannten Seelen über-

84 P. Stanislav Havelka SJ. 85 P. Ota Polách SJ. 86 P. Leopold Škarek SJ (1874–1968), Jesuitenpater, ehemaliger Provinzial von Kajpr. Zu jener Zeit Instruktor der dritten Prüfungszeit (Terziat) und Superior in Svatý Hostýn. Seinen Geburtstag feierte er am 10. November. Vgl. Pavlík, J.: Budou vás vydávat soudům, Teil 2, S. 42–45; Pavlík, J.: Vzpomínky na zemřelé jezuity, S. 381–388. 87 Die katholischen Gläubigen widmen sich dem Rosenkranzgebet, besonders dem gemeinsamen, im Oktober intensiver als sonst.

98 Ukázka elektronické knihy, UID: KOS286609


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