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Ein starkes Stück Sauerland

zwischen Volme und Lister

Kopfüber auf die Bühne

Sauerland

Fit für die Fahrradsaison

Meinerzhagen

Lina ist die Schlangenfrau

Hoher Kuschelfaktor

Meinerzhagen

Halver

DAS SAUERLANDMAGAZIN FRÜHLING 2018

Stadthalle hat Zukunft

Tipps und Trends für Radler

Alpakas in Blomberg bezaubern mit Charme

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aufgebaut sind. Mit diesen vier Farben lassen sich fast alle Farben durch übereinander und nebeneinander Drucken von kleinen Punkten darstellen. Das kann man leicht sehen, in dem man die Fotos des Komplett-Magazins durch eine Lupe betrachtet. Im Lackwerk wird zuletzt noch ein

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VORWORT

Komplett. . . informiert über die komplette Region Oben an der Volme. Diesem Anspruch bleiben wir in der Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, vorliegenden Frühjahrsausgabe unseres KOMPLETT-Magazins – zwischen Volme und Lister treu. Lernen Sie mit uns neue Seiten Ihrer Heimat kennen. Entdecken Sie die Möglichkeiten, die sich hier für Sie bieten – im Berufsleben und in der Freizeit. Wir stellen Ihnen außergewöhnliche Menschen vor, die in Ihrer Nachbarschaft leben. Kurzum: Lesen Sie sich mit uns warm für den Frühling. Elke Teipel und Martin Büdenbender haben Lina Pawlowske in Halver besucht. Die junge Dame hat ein außergewöhnliches Talent: Sie tritt als Schlangenfrau auf. Ein Wiener, der in Meinerzhagen heimisch geworden ist? Horst vom Hofe erzählt die abenteuerliche Lebensgeschichte Johannes Holzschuhs, der als junger Mann mit dem legendären Orchester Hoch- und Deutschmeister durch die USA tourte und schließlich an der Volme sesshaft wurde. Horst vom Hofe verfolgt für Sie auch den Umzug der Landmaschinenfabrik Bremicker aus Kierspe ins Freilichtmuseum Lindlar – und die damit verbundene Familiengeschichte. Lesen Sie nicht nur über dieses spannende Stück Heimatgeschichte, sondern nutzen Sie, auch die Möglichkeit, eine Familieneintrittskarte für das Freilichtmuseum zu gewinnen. Mit dem Frühling beginnt die Radelsaison. Rüdiger Kahlke sprach mit Fahrradexperten, die verraten, wie Sie, liebe Leserin, lieber Leser, ihren Dahtesel fit für kleine und große Touren machen. Radeln (fast) ohne Schweiß – wir geben Tipps, welches Pedelec das richtige für Sie ist und wo Sie unterwegs den Akku laden können. Passend

zur

Osterzeit

besucht

Martin

Büdenbender den Hühnerhof Klaas in Meinerzhagen und lernt: Ostern ist zwar Hochsaison, aber noch mehr Eier werden vor Weihnachten verkauft. Das komplette Jahr Saison hat im Sauerland das Pils. Davon möchte ein junges Unternehmen in Rönsahl Nutzen ziehen. Marcel Faulenbach und Tim Feldmann sind Bierbrauer aus Passion. Volker Lübke schaut in die Braukessel der Rönsahler Brauerei, gelegen unmittelbar an der westfälisch-kölschen Biergrenze. Wir werden immer älter. Diese erfreuliche Tatsache hat ihre Schattenseiten. Das Thema Demenz betrifft viele Menschen. Bernhard Schlütter spricht mit Nicole Paul vom Märkischen Kreis über das Demenznetzwerk Volme und erfährt: Es gibt in der Region viele Angebote für Betroffene und Angehörige. Vernetzt würden sie noch wirkungsvoller werden. Der Anfang ist gemacht. Liebe Leserin, lieber Leser, wir wünschen Ihnen einen wunderschönen Frühling – und vor allem: Bleiben Sie komplett!

Sarah und Thorsten Kriegeskotte, Bernhard Schlütter und das komplette Team vom KOMPLETT-Magazin

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Zukunft gestalten - Reporter AG - 39

Alles drin Zukunft gestalten Nordhelle: Die Ideallinie ist passé..................................17 Christuskirche bekommt neues Geläut..........................25 Demenznetzwerk Volmetal verknüpft Akteure.............28 1948: Die D-Mark kommt.......................................... 30 Komplett jung: Reporter AG Bismarkschule.............. 39

Echte Sauerländer - Falknerin - 58

Stadthallenpläne sorgen für Aufbruchstimmung..... 62 Neues Gas für Kiersper Kunden................................. 66 Auf dem Weg zum Rathaus 4.0................................. 70 Lebenshilfe: Berührungsängste überflüssig.............. 76

Echte Sauerländer Schlangenmädchen Lina Pawlowske.......................... 8 Hühnerhof hat Hochkonjunktur......................................18 Ein Wiener in Meinerzhagen...................................... 22 Als die Technik auf die Höfe kam.............................. 36 Komplett lecker - Bierbrauer - 46

Haus Isenburg mit bewegter Vergangenheit............ 51 Mit ganzem Herzen bei der Falknerei....................... 58

Komplett lecker und gemütlich Kolumne: Hühnersuppe und Spargelzeit................... 45 Brauen aus Passion - ein Start-up���������������������������� 46

Kultur komplett Westfalen Winds spielen mit dem Feuer.................... 7 Slam-Workshop für Newcomer.................................... 7 Komplett erleben - Alpakas - 54


Titelfoto: Martin Büdenbender

Komplett aktiv - Blick fürs Detail - 73

Komplett erleben Malerisch: Im Märzen der Bauer................................. 6 Veranstaltungen: Nichts wie hin!����������������������������� 41 Alpakas - tierische Charmebolzen............................. 54 Komplett beraten - Fahrrad fit - 13

Komplett aktiv Aus der Wissenschaft direkt ins Fitnessstudio.......... 50 Austausch im Fotoclub schärft Blick fürs Detail........ 73

Komplett beraten Tipps für die Fahrradsaison........................................ 13 Hören bedeutet Lebensqualität................................. 33 Ernährungstrends und Essverhalten.......................... 49

Berufswelt Sauerland

Berufswelt Sauerland - Steuern - 68

Zwei Volksbanken, zwei Geschäftsmodelle.............. 34 Schalksmühle: Umsteuern bei den Steuern............. 68

Komplett in eigener Sache Impressum������������������������������������������������������������������� 7 Hier gibt‘s Komplett................................................... 44 Geschichtenschmiede: Keine Wiederbesetzung������ 79 Kolumne: Genau!������������������������������������������������������� 82 Komplett im Abonnement......................................... 83 Kultur komplett - Westfalen Winds - 7


IM MÄRZEN DER BAUER ...

Die Strahlen der tiefstehenden Sonne brechen sich im Rahmen eines Heuwenders, der auf einer Wiese in Halver-Grünenbaum auf seinen Einsatz wartet. Bis das so weit ist, wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Die erste Heuernte wird üblicherweise im Juni oder

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Juli vorgenommen. Für die Landwirte hat die Saison aber bereits begonnen. Wie heißt es so schön in einem romantisch verklärten Volkslied: „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt. Er setzt seine Felder und Wiesen in Stand.“ (Foto: Büdenbender)


KONZERT DER URSPRÜNGE MIT WESTFALEN WINDS

IMPRESSUM

Die westfälische Bläserphilharmonie Westfalen Winds präsentiert am Sonntag, 8. April, um 16 Uhr ein farbenreiches Mosaik aus vier Werken unterschiedlicher Musikstile und Epochen in der Stadthalle Meinerzhagen. Unter dem Programmthema „Ursprünge“ wird das Orchester unter der Leitung von Ulrich Schmidt die Zuhörer zu den Anfängen der sinfonischen Bläsermusik entführen. Das verbindende Element ist das Feuer. Seit Anbeginn der Menschheit findet es seinen Weg in unzählige Mythologien und Sagen. Höhepunkt des Programms ist ein unumstrittenes Meisterwerk des Blasorchesterrepertoires. Anlässlich des 30. Jubiläums der Komposition in diesem Jahr entführt Westfalen Winds den

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Hörer nach Mittelerde. Johan de Meijs’ vielfach ausgezeichnete erste Sinfonie „Lord of the Rings“ erzählt in fünf Sätzen eine epische Geschichte von Mut, Freundschaft und dem Kampf gegen das scheinbar übermächtige Böse nach Tolkiens epischem Buchzyklus. In den Feuern des Schicksalsberges schließt sich der Kreis, der mit Gotkovskys „Poème du feu“ seinen Anfang nahm. Das Feuer als Ende und zugleich Neubeginn, in einer epischen Romanvertonung im Ursprung. Eintrittskarten können für 12 Euro im Vorverkauf via Mail an tickets@westfalen-winds.de oder telefonisch unter 02331/7393024 reserviert werden. Restkarten gibt es an der Abendkasse für 15 Euro. Schüler und Studenten haben freien Eintritt.

REDAKTIONSANSCHRIFT: Komplett Verlag Am Galgenhagen 13 58840 Plettenberg 02391/606376 tel 02391/606375 fax www.komplett-magazin.de redaktion@komplett-magazin.de REDAKTION: Bernhard Schlütter (verantwortlich), Martin Büdenbender, Horst vom Hofe, Rüdiger Kahlke, Volker Lübke, Elke Teipel, Wolfgang Teipel GESTALTUNG: Heiko Höfner, www.perfect-art.de DRUCK: Emil Groll GmbH www.groll-druck.com, Meinerzhagen ERSCHEINUNGSWEISE: viermal jährlich

SLAM-WORKSHOP MIT MARIAN HEUSER Lust darauf, eigene Texte zu schreiben und vorzutragen? Beim offenen Newcomer-Slam-Workshop am 30. Juni und 1. Juli in der Jugendbildungsstätte des Märkischen Kreises unterstützt Poetry-Slammer Marian Heuser junge Leute dabei, den eigenen Ausdruck zu finden, die Schreibtechnik zu optimieren und den Auftritt vor Publikum zu trainieren. Einfache Techniken des StoryTellings sowie sicheres Auftreten und Sprechen vor großen Gruppen sind für Marian Heuser Skills, die im Schul- und Berufs-Alltag immer nützlich sind. Alle Formen moderner Literatur und Sprachkunst, von Lyrik und Wortakrobatik über Kabarett- und Comedy-Beiträge bis zu Kurzgeschichten, HipHop und Rap sind willkommen. Fertige Texte können mitgebracht werden, sind aber kein Muss. An beiden Tagen von 10 bis 17 Uhr finden

die Teilnehmer heraus, welcher Schreibstil ihnen zusagt, welche Gedanken sie vermitteln wollen und wie sie ihre Zuhörer packen. Aus dem offenen Slam-Workshop und drei Schulworkshops in Lüdenscheid, Menden und Kierspe qualifizieren sich jeweils drei Teilnehmer für den Newcomer Slam des Märkischen Kreises, der im November dieses Jahres im Kulturhaus Lüdenscheid stattfindet. Als besonders Bonbon sind die ausgewählten Newcomer am 5. und 6. Oktober bei der NRWLandesmeisterschaft zu Gast um von den 40 besten Poetry Slammern des Landes zu lernen. Anmeldungen sind online unter www.maerkischer-kreis. de/kultur-freizeit/slam-workshop möglich oder beim Fachdienst Kultur und Tourismus des Märkischen Kreises, Telefon 02352/966-7040, E-Mail: d.krüger@maerkischer-kreis. de.

Schutzgebühr: 3 Euro ANZEIGENVERWALTUNG: Sarah Kriegeskotte 02354/928450 tel s.kriegeskotte@groll-druck.com Copyright/Haftung: Alle in diesem Magazin veröffentlichten Beiträge, Bilder, vom Verlag gestalteten Anzeigen und graphischen Elemente sind urhe berrechtlich geschützt und dürfen nur mit Genehmigung und gegebenenfalls gegen Honorarzahlung weiterverwendet werden. Es wird keine Haftung übern o m m e n f ü r u nve r l a n g t e i n g es a n d te Manuskripte, Fotos und sonstige U n t e r l a g e n , f ü r d i e R i c h t i g k e i t b z w. Vo l l s t ä n d i g k e i t v o n Te r m i n a n g a b e n , den Inhalt geschalteter Anzeigen und angegebener Internetadressen sowie für Satz- und Druckfehler. Veranstalter, die honorarpflichtige Fotos zur kostenl o s e n A n k ü n d i g u n g i h re s P ro g ra m m s a n Ko m p l et t ü b e rg e b e n , s i n d f ü r d i e Forderungen des Urhebers selbst verantwortlich. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bei Verlosungen/Aktionen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Das nächste Komplett-Magazin zwischen Volme und Lister erscheint Ende Juni 2018.

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Text Elke Teipel Fotos Martin Büdenbender

Jeden Abend vor dem Schlafengehen übt Lina Spagat – dehnen, überdehnen. Ist das normal für ein 15-jähriges Mädchen? Für Lina Pawlowske aus Halver schon. Sie ist Schlangenfrau, Kontorsionistin. Sie kann ihren Körper verbiegen und verdrehen. Für normale Menschen unmöglich. „In unserer Familie machen wir vieles, was nicht normal ist“, bemerkt Linas Mutter Cora augenzwinkernd.

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Höchste Konzentration, Lina mit den Unterarmen auf dem Boden, nimmt ein Bein mal eben in die Hand. Dann sitzt sie lächelnd auf dem Kopf. Das ist extrem. Das raubt dem Publikum den Atem. Die Schlangenfrau begeistert. Lina gefällt das. „Es macht ihr Freude, wenn sie Bewunderer findet“, sagt ihre Mutter. Ihr erster Bewunderer war ein Bodenturn-Trainer. Das war 2011 in Italien. Er hatte beobachtet, wie Lina mal eben einen Handstand machte und dann nach hinten in die Brücke fiel. Sie habe Talent, meinte der Fachmann. Lina übte weiter – nicht nur in Italien auch nach dem Urlaub zurück in Halver. „Sie kann sich sehr zusammenknicken und sie besitzt super viel Körperspannung“, stellt Cora Pawlowske fest. Ihre Tochter bewegte sich schon mit drei Jahren unerschrocken und unbefangen auf der Turnstange. Mit drei Jahren begann sie mit dem Voltigieren. In diesen Sport ist Lina vor knapp vier Jahren wieder eingestiegen – auch dafür trainiert sie den Spagat. Nach dem Italienurlaub wollten Pawlowskes mehr erfahren. Sie hatten viel über Kontorsionisten gelesen. Dann die Ankündigung: 13. September 2013, Kongress in Bergisch Gladbach. Kontorsionisten aus aller Welt treffen sich. Nix wie hin. Mal hören, was die sagen. Zlata, Topstar der Szene, stellt Lina Gerd Rasquin vor. Er ist Trainer für Kunstturnen, Sportakrobatik und Artistik und Chef der Hamburger Showsternchen. Seine klare Ansage: „Steckt sie in den Anzug. Sie kommt mit auf die Bühne.“

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viert“, sagt sie. Lina denkt an ihr Publikum, das sie zum Staunen bringen möchte. Ihr erster Auftritt war beim Halveraner Herbst 2013. Opa Walter Panne hatte die Bühne für seine Enkelin organisiert. „Da hat sie Blut geleckt“, berichtet ihre Mutter. Zur Premiere trug sie ihren ersten Glitzeranzug – in glänzendem Grün-Blau. Der ist elastisch und passt immer noch. Mittlerweile hat sie eine große Auswahl aufregender Outfits für ihre beeindruckende Akrobatik. „Ich denke mir alles aus“, beschreibt das Schlangenmädchen seine Choreografie. Spagat, Handstandakrobatik, das sind die Elemente. Sie habe die Spannung und könne den Handstand unheimlich lange halten, erklärt Cora Pawlowske. „Ich mache nicht immer das gleiche“, betont Lina. Zurzeit übt sie verstärkt den einarmigen Handstand. Sie setzt ihre Fähigkeiten untermalt von schönen Melodien in Szene. Ruhige melancholische Lieder begleiten ihre Bewegungen.

Im Oktober reiste Lina mit ihren Eltern nach Hamburg. Drei Tage trainierte sie mit Gerd Rasquin und seinen Schülerinnen. Danach war das Kapital erledigt. Knüppelhartes Training mit Schmerzen, das kam für Lina und ihre Eltern nicht in Frage. Lina trainiert sich selbst. „Ich setze mir Ziele, die ich erreichen will“, lautet ihre Vorgabe. Und sie räumt ein, dass sie nicht jeden Tag übt. Sie weiß aber auch, dass sie dann nicht weiterkommt und sie will ihre Fähigkeiten beibehalten. Lina ist eine Kontorsionistin, die sich nach vorne und nach hinten verbiegen kann, erklärt ihre Mutter. „Wenn sie das für ihre eigenen Grenzen macht, ist das in Ordnung“. An die Grenzen kommen und an den Grenzen den Ehrgeiz erhalten, dann macht man nach und nach Fortschritte, beschreibt Lina ihren Weg. Die 15-Jährige ist ehrgeizig. Sie will weiterkommen. „Ich mache Videos, dann strenge ich mich mehr an, das moti-

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Vor der Präsentation steht die Vorbereitung: Etwa eine dreiviertel Stunde Aufwärmen für zehn Minuten Staunen. Der Rücken muss „exzessiv aufgewärmt werden“. Der Zeitaufwand für einen Auftritt ist aber noch erheblich größer. Etwa ein bis zwei Stunden gehen für packen, frisieren, schminken und die Anreise drauf. Es ist Linas Ding und ihre Eltern unterstützen sie. Auch in den Ferien verdreht sie den Menschen mit ihrer Kunst des Verbiegens die Köpfe. In der Altstadt ihres Urlaubsortes in Kroatien turnt sie abends vor den Leuten, erntet viel Applaus und verdient sich ein Taschengeld. Verzichten fürs Verbiegen? Diät halten ist kein Thema. „Wir essen alles“, bekräftigt ihre Mutter. Lina isst gern Süßigkeiten und Nüsse. „Durch den Sport nehme ich nicht wirklich zu“, versichert sie. Die Ernährung ist also ganz normal. Das Mädchen mit der außergewöhnlichen Fähigkeit, sich zu verbiegen, besucht die Realschule Halver. „Ich bin eine normale Klassenkameradin wie jede andere“, meint sie. Ihre Freundinnen begleiten sie zu Auftritten und helfen mit. Im Sommer wechselt Lina zur Gesamtschule Kierspe. Dort hat sie die Möglichkeit, Sport als Leistungskurs zu belegen und das Sportabitur zu machen. Sportlich aktiv sein und mit Menschen arbeiten, so stellt sie sich ihre berufliche Zukunft vor. Die Kunst des Verbiegens als Beruf ist keine Perspektive. Auftritte bei Geburtstagen, Hochzeiten oder anderen Events gerne, denn Lina macht es Freude, wenn sie Bewunderer findet und die Menschen begeistern kann.


DEN FRÜHLING ERFAHREN – TIPPS FÜR DIE RADSAISON

Von Rüdiger Kahlke

Kreis bietet Karte für E-Bike-Tankstellen – Mit richtigem Druck rollt es sich leichter Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen – und damit auch die Lust, wieder Rad zu fahren. „Anfang bis Mitte März fällt der Startschuss“, weiß Uli Berg, Inhaber des Radladens X-Bike in Kierspe. Wer sicher unterwegs sein will, sollte sein Rad frühlings-fit machen und die Teile auf Funktionsfähigkeit überprüfen. Häufigste Mängel: geringer Reifendruck, die Schaltung hakt und der Schmutz vom Vorjahr ist noch dran. „Sachen, die man noch vorm Winter machen wollte, aber dann vergessen hat“, so Sascha Michels, Inhaber von Sauerland-Bikes in Valbert. Manches, wie eine Grundreinigung, kann man selber machen. Für Sicherheit und Funktionsfähigkeit bieten Werkstätten Checks (um die 40 Euro) an. KOMPLETT fragte Experten: Worauf ist beim Start in den Rad-Frühling zu achten?

Rollwiderstand und Stabilität in den Kurven. Ein Aspekt, der oft nicht beachtet werde. „Luftdruck prüfen und die Kette mit entsprechendem Schmiermittel fetten“, kann man selber machen, weiß Uli Berg. Eine Bremse nachzustellen, sei schon schwieriger für Laien. Die Fachgeschäfte kontrollieren bei Inspektionen 15 bis 20 Punkte, so Sascha Michels. Dazu gehört auch eine Sichtkontrolle der Reifen auf Risse. „Das sind häufig Alterungsprozesse“, so Michels. Er sieht aber auch nach, ob alle Schrauben richtig angezogen sind. Das werde schon mal vergessen, wenn man zum Transport ein Rad rausgenommen hat. Fahrräder sind inzwischen High-Tech-Maschinen. Das ist es oft besser, „den Fachmann zu fragen“, rät Berg. Das Internet kann da die Experten vor Ort nicht ersetzen. Wer weiß als Freizeitradler schon, dass bei bestimmten Bremsen, wie beim Auto, die Bremsflüssigkeit erneuert

Vor dem Start in den Frühling: „Bremsen nachsehen, Beleuchtung inspizieren, Lager schmieren“, rät Uli Berg, Chef im Kiersper Laden X-Bike. Wenn Radler in den Frühling starten, sollte auch das Rad „fit“ sein. Dazu gehört unbedingt der richtige Reifendruck. Das ist ein Thema, das alle befragten Fachleute ansprechen. Der richtige Luftdruck sorgt für geringen

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werden muss. „Die sollte man einmal im Jahr wechseln“, rät Sascha Michels.

Erste-Hilfe-Tipps für Touren: Abschalten, die grüne Natur durchstreifen. Ärgerlich, wenn unterwegs Pannen den Spaß ausbremsen. Ulrich Stratmann, Chef der Zweiradfachwertstatt in Halver, hat ein paar Erste-Hilfe-Tipps: „Eine gute Pumpe sollte man dabei haben, passend fürs Ventil.“ Eine Ersatzspeiche gehört für Tourenradler zum „Muss“, meint der Zweirad-Mechanikermeister. Eine Speiche aus flexiblem Draht sei nach einem Speichenbruch leicht einzufädeln. Ein „Multitool“ gehört für Stratmann ebenfalls ins Tagesgepäck, ebenso wie Flickzeug. Er rät - ganz klassisch – zu Pads und Kleber statt zu selbstklebenden Flicken. Vorm Ausbau des Hinterrades sollte die Kettenschaltung auf das kleinste Ritzel gestellt werden. Bei der Nabenschaltung, rät Stratmann, sich die Rändelstellung zu merken. Flick-Set und Speiche schlagen mit jeweils 3,50 Euro zu Buche, Luftpumpen haben eine breitere Preisspanne.

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Nachtanken - wo? E-Bike fahren macht Spaß – solange der Akku „Saft“ hat. Wenn nicht, bietet der Märkische Kreis mit einer interaktiven Karte Orientierung. Sie zeigt, wo E-Biker oder Autofahrer „nachtanken“ können. Alle Ladestationen sind aufgeführt. Ein Klick auf das Icon verweist auf die Adresse und gibt die Öffnungszeiten an. Wer im Volmetal unterwegs ist, tut allerdings gut daran, den Akku vorher zu laden. Schalksmühle und Halver sind „weiße Flecken“


auf der Lade-Landkarte für Pedelec-Fahrer. „In Halver soll eine Station in Betrieb gehen“, sagt Petra Schaller, die beim Kreis für E-Mobilität zuständig ist. In Valbert und Kierspe gibt es jeweils eine Ladesäule. Und die sind auch nur rund um die Uhr verfügbar, wenn man ein passendes Ladekabel dabei hat. In Valbert können sich Radler gegen Pfand bei „Sauerland-Bikes“ auch ein Kabel leihen. Auf ein dichtes Lade-Netz müssen Radler noch warten. „Es wird etwas dazukommen“, verspricht Petra Schaller. Übersicht über die Stromtankstellen: https://mk-gis.maps.arcgis.com/home/gallery.html

Was gibt es Neues? „Es gibt nichts Revolutionäres“, sagt Uli Berg mit Blick auf Innovationen. Rädergrößen verändern sich. Breitere Reifen sind „in“, wenn es ins Gelände geht. Bei E-Bikes verbessern sich die Akku-Reichweiten. Die Kraftzentralen werden mehr und mehr in den Rahmen integriert. Sascha Michels verweist auf ständige Aktualisierungen bei der Software.

Heißes Eisen: der Akku Der Akku ist das A und O beim E-Bike. Mit zunehmenden Alter nimmt die Kapazität ab. Sascha Michels rät vor dem Start den Akku zu testen. Beim Austausch von Komponenten sei es oft sinnvoll, eine neue Software aufzuspielen, damit Akku, Motor und Display gut harmonieren.

Michels: „Vor allem, wenn man ein gebrauchtes Pedelec kauft, sollte man den Akku testen.“ Ob der noch ausreichend leistungsfähig ist, kann nur mit einem speziellen Gerät geprüft werden. - Das erspart möglicherweise hohe Kosten für eine Neuanschaffung.

E-Bike auch kompakt eine Lösung Fahrräder mit Motor haben ihren Preis. Käufer sollten auf Qualität achten, rät Stephan Behrendt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V. (ADFC). Wichtig sei auch das richtige Modell. Möchte ich mit dem Mountain-Bike die Berge hoch und runter heizen, möchte ich in der Stadt zur Schule fahren? Benötige ich eher das Holland-Rad oder eher das Mountain-Bike? Das sei beim Pedelec genauso. 1.500 bis 2.000 Euro sieht der ADFC-Experte als untere Grenze für Qualitäts-Pedelecs. „Für ältere Menschen halte ich die Kompakt-Pedelecs mit 20-Zoll-Laufrädern für sehr geeignet, weil sie relativ klein sind, gute Fahreigenschaften haben – wenn ich nicht gerade auf schwierigen Waldwegen fahre. Und sie sind gut zu handeln“, weiß Behrendt. Man müsse ja auch sehen, wie man das Rad in den Keller oder ins Auto bekomme. „Da sind die kompakten 20-Zoll-Pedelecs mit ohne Werkzeug verstellbarem Lenker und einklappbaren Pedalen eine gute Lösung“, sagt er.

ADFC: ÄLTERE RADLER SOLLTEN MIT NEUEM E-BIKE IN NEBENSTRASSEN ÜBEN Fahrrad-Club sieht durch Pedelecs generell kein höheres Risiko Die Zahl der Unfälle mit Pedelecs ist stark gestiegen. Besonders Ältere verunglücken häufiger mit E-Bikes, so das Statistische Bundesamt. Zum Risiko mit dem Rad und zur Sicherheit im Straßenverkehr antwortete Stephan Behrendt, Leiter Fachausschuss Technik im ADFC, auf die KOMPLETT-Fragen.

Herr Behrendt, E-Bikes sind ein Renner, aber auch in schwere Unfälle verwickelt. Ein Trend mit Tücken? Behrendt: Na ja, Steigerung in jedem Jahr von ungefähr 25 Prozent. Das sind die Steigerungen der Verkaufszahlen. Und wenn die Verkaufszahlen um 25 Prozent steigen und wenn die Unfälle um 25 steigen, dann ändert sich am Risiko überhaupt nichts. Wenn ich mehr Leute habe, die Pedelec fahren, habe ich logischerweise auch mehr Unfälle. Unser Risiko ist nicht gestiegen. Das ist natürlich abhängig davon, wie viele Leute fahren. Wenn man sagt, dass ältere Leute schwerere Unfälle haben oder längere Heilungszeiten benötigen, das mag sein, aber es passieren nicht mehr Unfälle durch die Pedelecs.

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fehle da einen Rückspiegel am Pedelec, damit man auch sieht, was hinter einem passiert. Man sollte nicht mehr mit allzu hohen Geschwindigkeiten fahren, weil man natürlich auch langsamer in der Reaktionsfähigkeit ist.

Gibt es Risikogruppen? Es gibt die Risikogruppe derjenigen, die zehn Jahre vielleicht nicht mehr gefahren sind, sich jetzt ein Pedelec kaufen und dann ohne Übung gleich lospreschen. Die sollten erstmal in ruhigen Nebenstraßen mit abgeschaltetem Motor ein wenig üben – auch bremsen üben – vor allen Dingen, damit sie wieder das Gefühl für das Fahrrad bekommen. Aber das wäre das gleiche Problem, wenn sie ein Fahrrad kaufen würden. Sind Senioren keine besondere Risikogruppe? Aus unserer Sicht, aus Sicht des ADFC, sind sie es nicht. Ältere Menschen haben natürlich ein höheres Risiko. Man kann den Hals nicht mehr so gut wenden. Ich emp-

Zweirad leben…

Zweirad Stratmann le le

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 Verkauf von neuen Fahrrädern Verkauf von neuen Fahrrädern (Bikes und E-Bikes etc.) (Bikes und E-Bikes etc.) Fahrräder nach Maß  Fahrräder nach Maß Reparaturen / Inspektionen von Zweirädern aller Art  Reparaturen/Inspektionen von Zweirädern aller Art Umbauten nach etwaigem Fehlkauf  Umbauten nach etwaigem Fehlkauf (ergonomische Anpassung) (ergonomische Anpassung) Verkauf von Zubehör, Verschleißteilen  Verkauf von Zubehör, Verschleißteilen und Sicherheitstechnik und Sicherheitstechnik  Leasing von Arbeitswegezweirädern Leasing von Arbeitswegezweirädern  TÜV TÜV Zweiradmechanikermeister Zweiradmechanikermeister Ulrich Stratman Ulrich Stratmann Frankfurter Str. 19 a  58553 Halver Frankfurter Str. 19 a · 58553 Halver Tel. 02353/137418

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Was müsste passieren, damit Radeln insbesondere im ländlichen Raum attraktiver wird, um diese Form der Mobilität zu fördern? Wir brauchen generell eine bessere Rad-Infrastruktur. Manche trauen sich einfach nicht auf die Fahrbahn, auf die Straße, weil sie sich vom Autoverkehr bedrängt fühlen. Das müssen nicht immer Radwege sein, das kann auch die Ausschilderung von Nebenstraßen sein, die der normale Radfahrer vielleicht gar nicht auf dem Schirm hat und diese Nebenwege überhaupt nicht kennt. Man sieht auf den Straßen oft einen Streifen, der für Radfahrer markiert ist. Vermittelt das nicht eine Sicherheit, die trügerisch ist? Ja, das ist zweischneidig. Der Autofahrer hat generell einen Abstand von 1,5 Metern zum Fahrradfahrer zu halten. Und der Radfahrer sollte tunlichst auch mindestens einen Meter Abstand zum Bordstein halten, besonders wenn dort parkende Autos stehen.


HEISSE REIFEN: DIE IDEALLINIE IST PASSÉ Landstraße 707 über die Nordhelle für Motorräder gesperrt

Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis

Ready2Ride jubelt beim heißen Ritt durch die Applauskurve an der Nordhelle: „Supergeile Kurven. Hier kann jeder lernen, Knie zu schleifen.“ Dem Betrachter wird schon schwindelig vom Hinsehen. Ready2Ride dreht um, rauscht die L707 wieder runter und dann nochmals rauf. Alles nachzuschauen auf youtube. Der Beifall einer kleinen Rasergemeinde ist Ready2Ride sicher. Für die Polizei ist der Applaus der reinste Horror. Ganz nebenbei: Unten im Dorf leiden die Menschen unter dem Lärm. Damit ist jetzt Schluss. Der Märkische Kreis bereitet die Sperrung der Landstraße 707 für Motorradfahrer zwischen der Zufahrt zum Robert-Kolb-Turm und der Einmündung L 696 bei Herscheid-Reblin vor. Die Sperrung der bei Bikern beliebten, kurvenreichen Strecke soll künftig vom 1. April bis Ende Oktober dauern. Der Bund Deutscher Motorradfahrer will das nicht hinnehmen. Er bereitet zurzeit eine Klage gegen die Sperrung vor. „Noch können wir sie nicht einreichen“, sagt Michael Lenzen, Vorsitzender des Bundes der Motorradfahrer. „Erst wenn die ersten Schilder stehen und sich Motorradfahrer betroffen fühlen, können wir tätig werden.“ Zudem wollen die Biker noch schnell ein Zeichen setzen. Nach dem 7. Bergischen Anlassen am 8. April in Lindlar mit Frühstück und Gottesdienst soll sich ein riesiger Motorradkorso in Richtung Nordhelle in Bewegung setzen, berichtet Michael Lenzen. „Wir rechnen mit mehreren hundert Motorradradfahrern bei der Abschlusskundgebung auf der L707.“ Der Biker-Boss bedauert, dass der Märkische Kreis zur Sperrung als letzter Lösung greift.

Wolfgang Teipel

Der Mann aus Lindlar hat an mehreren Gesprächsrunden im Lüdenscheider Kreishaus teilgenommen und war auch bei Polizeikontrollen vor Ort. Er glaubt, dass Landrat Thomas Gemke politischem Druck aus den Anrainer-Gemeinden der L707 nachgegeben hat. Tatsächlich hatten im Herbst 2017 Meinerzhagens Bürgermeister Jan Nesselrath und der Herscheider Rathaus-Chef Uwe Schmalenbach massiv die Sperrung der Landstraße gefordert. Ob die Maßnahme Bestand haben wird, ist aus Sicht von Michael Lenzen nicht sicher. „Der Verband ist schon öfter erfolgreich gegen Streckensperrungen vorgegangen“, sagt er. Aktuellster Fall: Im Dezember 2017 kippte das Verwaltungsgericht die Sperrung eines kurvenreichen Abschnitts der L87 zwischen Engter und Evinghausen. Michael Lenzen ist kein Freund juristischer Auseinandersetzungen. „Wir reden mit allen“, betont er. Behörden, Polizei, Anwohner und eben auch mit Motorradfahrern. „Wir versuchen immer wieder, Einfluss auf die schwarzen Schafe zu nehmen.“ Fahrer wie Ready2Ride und andere erreiche der Verband leider nicht. Für den Ausschluss der Motorradfahrer auf der Nordhelle führt der Märkische Kreis mehrere Gründe an: Unter anderem die steigende Zahl von Unfällen, die zunehmende Lärmbelästigung für Anwohner sowie die Lage der Strecke im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. Wie die zuständige Fachbereichsleiterin Jutta Heedfeld mitteilte, seien bisher alle Versuche gescheitert, den Motorradfahrern den Spaß an der Strecke zu verderben. „Wir haben den Parkplatz gesperrt, Rüttelstreifen in die Fahrbahn einbauen lassen, Halteverbotsschilder aufgestellt und zuletzt die sogenannten Mittelschwellen in der Fahrbahnmitte der Applauskurve angebracht. Das alles hat nicht zum gewünschten Erfolg geführt“, berichtet sie. Auch die zusätzlichen Einsätze der Polizei, verstärkte Geschwindigkeitskontrollen und Informationsveranstaltungen vor Ort wie etwa „Kaffee statt Knöllchen“ hätten die undisziplinierten Motorradfahrer nicht abschrecken können. „Die Nordhelle ist eine der bestbeobachteten Strecken im Märkischen Kreis“, so die Vertreter der Polizei. Jetzt fährt der Märkische Kreis die harte Linie. Die Ideallinie in der Applauskurve ist für Ready2Ride und Co. damit vorerst passé.

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IN ZEHN JAHREN „VON 0 AUF 15.000“ Neben Weihnachten ist Ostern das zweite große kirchliche Fest, zu dem in den meisten Familien nur Gutes auf den Tisch kommt. Dafür ist nicht das Christkind oder der Weihnachtsmann verantwortlich, sondern der Osterhase. Unbestritten ist Meister Lampe der Star der Osterzeit. Die ganze Arbeit aber haben die Hühner. Auf Hof Klaas in Meinerzhagen-Valbert, Mittelhagen 10, herrscht daher schon Anfang März helle Aufregung. Was für ein Gegacker und Gekrähe... Schließlich soll ja jeder sein Osterei bekommen. Also muss fleißig gelegt werden. Ostern ist sicherlich die wichtigste Jahreszeit für den Hühnerhof? „Ja schon“, bestätigt Johanna Klaas. „Aber noch mehr Eier werden vor Weihnachten verkauft“, ergänzt die 23-jährige Landwirtin. Wie das? Ganz einfach, „vor Weihnachten wird viel gebacken. Zu Ostern sind dann vor allem fertig gekochte und bunte Eier

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Von Martin Büdenbender

Hühnerhof Klaas hat zu Ostern Hochkonjunktur

gefragt.“ Und die färbt auch auf Hof Klaas nicht der Osterhase. Wenn dort - wie gerade zur Osterzeit - Hochkonjunktur ist, packt die ganze Familie mit an. Neben den Eltern Uwe und Carola Klaas sind das Johannas Geschwister Lea, Bastian und Julian. Auch Oma und Opa sind mit von der Partie. Drei festangestellte Mitarbeiter und sieben Aushilfen stehen bereit, die riesigen Mengen an Eiern zu sortieren und zu verpacken. Ein typischer landwirtschaftlicher Betrieb ist Hof Klaas nicht. Hühnerhöfe sind die Ausnahme. Im Sauerland gibt es nur eine handvoll davon, die in großem Rahmen auf Hühner setzen.


Zudem ist Klaas‘ Hühnerfarm kein alteingesessener, von Generation zu Generation weitergegebener Hof. Uwe Klaas ist Quereinsteiger, man kann auch sagen Existenzgründer. Erst vor zehn Jahren hat er den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Vom Krankenpfleger zum Landwirt, oder wie er selber sagt: „von 0 auf 15.000!“ 15.000, so viele Hühner zählt der Hof inzwischen. Innerhalb von zehn Jahren hat Uwe Klaas mit tatkräftiger Unterstützung der ganzen Familie das landwirtschaftliche Unternehmen zu einem gut funktionierenden Betrieb aufgebaut. So ganz aus heiterem Himmel kam der Wunsch, sich als Landwirt selbstständig zu machen natürlich nicht.

„Mein Onkel hatte einen Hof. Als Kind bin ich dort fast jeden Tag gewesen. Ich habe immer davon geträumt, selbst einmal Landwirt zu werden.“ Die schönsten Träume sind die, die man verwirklicht. Dazu gehört eine gehörige Portion Mut. „Viel Geld und jede Menge Arbeit haben wir schon in den Betrieb investiert“, versichert Johanna Klaas. Die Errichtung eines Hofladens ist für das nächste Jahr geplant. Die Investitionen zahlen sich aus. Nicht nur, weil das Unternehmen gut läuft. Die Nachfrage nach frischen Landeiern ist so groß, dass von zwei ausgewählten Partnerbetrieben zugeliefert wird. Gelohnt hat es sich auch, weil nach Uwe Klaas‘ Tochter Johanna bald Sohn Bastian seine Ausbildung als Landwirt abschließen wird und ebenfalls mit in den Betrieb einsteigen will.

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Boden- und Freilandhaltung „Wir legen viel Wert auf die hohe Qualität unserer Eier“, betont Johanna Klaas und verweist auf eine spezielle Rezeptur des Hühnerfutters. Dem Mais und Weizen werden Sojaschrot, Sojaöl, Mineralien und Gerste zugegeben. Durch den hohen Gerstenanteil erhält das Futter mehr Struktur. Das Gen-freie Getreide stammt ausschließlich aus eigenem Anbau. Überhaupt hat man sich auf Hof Klaas so seine Gedanken rund um das Wohlergehen des lieben Federviehs gemacht. 15 000 Hühner entsprechend der hygienischen und tierschutzrechtlichen Vorgaben zu versorgen, bedarf schon einigen Aufwandes. Die Bodenund Freilandhaltung ist durch riesige Stallungen gegeben, denen sich licht- und luftdurchflutete großräumige Wintergärten anschließen.

Hier haben die Hühner auch bei Eis und Schnee oder bei strömenden Regen ihren Auslauf. Pickblöcke und Strohballen sorgen für Beschäftigung. Durch große Tore führt der Weg für die Hühner hinaus auf eine zwei Hektar große Freilauffläche, wo sie nach belieben scharren und picken können.

Ich wollt, ich wär‘ ein Huhn „Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn, ich hätt‘ nicht viel zu tun, ich legte vormittags ein Ei und abends wär‘ ich frei“, haben die Comedian Harmonists einst gesungen. Kommt ungefähr hin. „15.000 Hühner legen jeden Tag 14.900 Eier“, bestätigt Johanna Klaas mit einem Augenzwinkern. Wenn also die Hühner ihren verdienten freien Abend genießen, geht für Familie Klaas die Arbeit erst so richtig los. Allerdings hat man im Unternehmen von Anfang an

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auf Hightech gesetzt. Über Förderbänder werden die Eier in den Verpackungsraum transportiert und dort mit maschineller Hilfe gesäubert, kontrolliert, sortiert und verpackt. Größter Abnehmer sind namhafte Märkte des Lebensmittelhandels. „Eier aus der Region“ sind beim Verbraucher gefragt. Verkauft werden sie auch auf dem Wochenmarkt. Darüber hinaus funktioniert das Haustürgeschäft bestens. „Mama, der Eiermann kommt“, heißt es schon seit Generationen. Und auch heute wissen es viele Kunden zu schätzen, die Palette oder den Karton Eier bis zur Haustür geliefert zu bekommen. Kaufen kann man Klaas‘ Eier schließlich auch direkt auf dem Hof.

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Johann Holzschuh mit Erinnerungsstücken an die legendär gewordene NordamerikaTournee mit den Hoch- und Deutschmeistern. Foto: vom Hofe

Johann Holzschuh und sein Freund Kurt Schmid (links im Bild) mit weiteren Musikern im Hafen von Houston/Texas.

VON DER DONAU AN DIE VOLME Meinerzhagener Johann Holzschuh erlebte als junger Mann legendäre Konzertreise der Hoch- und Deutschmeister in die USA Von Horst vom Hofe Das reale Leben erzählt mitunter Geschichten, wie sie sich ein Schriftsteller nur in der Fantasie auszumalen mag. Im Mittelpunkt unserer Story stehen zwei gebürtige Wiener, die in ihrer Jugendzeit gemeinsam etwas erlebten, wovon damals, Ende der 1950er Jahre, die mit dem Wiederaufbau nach schlimmer Kriegs- und schwerer Nachkriegszeit noch vollauf beschäftigen Menschen allenfalls träumen konnten: Eine Reise ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die USA, antreten zu können – und das als Mitglieder einer weltberühmten österreichischen Militärkapelle, den Hoch- und Deutschmeistern, im Rahmen einer dreimonatigen Tournee quer durch die Vereinigten Staaten. Der eine der beiden damals jungen Männer, Johann Holzschuh, kann im April dieses Jahres seinen 80. Geburtstag feiern. Ihn verschlug es von der Donau an die Volme. Seit 1972 lebt er im Sauerland – ist in Meinerzhagen heimisch geworden, wo er als Chefkonstrukteur und technischer Direktor des Kunststoffmaschinenbauers Battenfeld seine berufliche Herausforderung fand. Berufsbedingt bereiste er viele Länder der Erde, doch an jenen Trip über den großen Teich und die Freundschaft,

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die er dabei mit einem nahezu gleichaltrigen Schicksalsgefährten geschlossen hatte, erinnerte er sich zeitlebens. Trotzdem sollte es fast sechs Jahrzehnte dauern, bis sich die Freunde von damals wiederfanden. „Es gibt keine Zufälle im Leben, alles hat seinen Sinn“, so hat es Johann Holzschuh erfahren. Und er berichtet von dem Ereignis vor nahezu genau zehn Jahren, das ihn ermunterte, sich noch einmal auf eine Spurenreise in seine musikalische Vergangenheit zu begeben. Von seiner Schwester bekam er aus Anlass seines 70. Geburtstages einen tönernen Weinkrug mit dem Traditions-Emblem der Hoch- und Deutschmeister, dazu die Kopie des Original-Programmheftes jener Amerika-Tour, die von Januar bis März des Jahres 1960 dauerte und mit insgesamt 63 Auftritten bis heute zu einer der bedeutendsten Auslandsreisen in der langen und großen Tradition der Militärkapelle zählt. Mit diesen beziehungsreichen Präsenten war sie wieder lebendig, die Erinnerung daran, wie es dazu kam, dass der damals angehende Maschinenbau-Ingenieur kurzerhand seine Arbeit am Reißbrett aufgab, um in der klassischen Uniform der Hoch- und Deutschmeister den Amerikanern traditionelle Wiener Musik darzubieten.


Als Schüler eines Internatsgymnasiums in Graz hatte Holzschuh Zugang zur Musik gefunden, erlernte zunächst das Cello-Spielen. Auch nach dem Wechsel zur Höheren Technischen Lehranstalt in Wien blieb er musikalisch aktiv, musizierte im Kirchenorchester im heimischen Wiener Ortsteil Leopoldau und wurde alsbald auch Mitglied eines vom örtlichen Cafehausbesitzer neu ins Leben gerufenen Jugendorchesters. Der Streicher wurde zum Bläser. Johann Holzschuh hatte sich begeistern lassen für das Spielen eines vor allem in der Marschmusik eingesetzten Instrumentes, der von einem Wiener Instrumentenbauer um 1850 entwickelten Helikon-Tuba – die übrigens später zum Vorbild des in den Vereinigten Staaten entwickelten Sousaphons werden sollte. Karl Seidl, der Gründer des Jugendorchesters, war mit Julius Hermann, dem damaligen musikalischen Chefdirigenten der Hochund Deutschmeister Kapelle befreundet – und so kam das Gespräch der Beiden im Herbst des Jahres 1959 auch auf die bevorstehende zweite Gastspielreise in die USA.

Was danach kam, glich einem Traum: Vor dem Tourneestart noch Schallplatten-Aufnahmen in Wien, schließlich wollte die Plattenfirma Columbia noch einen neuen Tonträger für die vielen Fans der Hoch- und Deutschmeister auf den Markt bringen. Am 23. Dezember 1959 der Aufbruch zur großen Konzertreise, zunächst noch mit zwei Auftritten in Deutschland, in Kiel und Hamburg, von wo aus es weiterging nach Rotterdam. Dort begann am 28. Dezember die Überfahrt mit der„Statendam“, einen Ozeanriesen der Holland-America Line, mit der man am 6. Januar New York erreichte. Gleich bei der Ankunft gab die Kapelle im Blitzlichtgewitter vieler Presse-Fotografen ein erstes Live-Konzert auf amerikanischem Boden. „Vienna on Parade“ lautete das Motto der gefeierten Tournee mit Auftritten in den größten Konzertsälen, so auch der New Yorker Carnegie Hall. Das Programm der jeweils rund zweieinhalbstündigen Auftritte bot mit weiteren Mitwirkenden, darunter populäre Operetten-Sänger und Tänzer in farbenprächtigen Kostümen, einen

Wiedersehen in Wien nach 57 Jahren: das Ehepaar Hans und Helga Holzschuh mit ihrem Wiener Freund Kurt Schmid.

Professor Kurt Schmid machte eine große Karriere als Dirigent, Komponist und Hochschuldozent.

Hermann, selbst schon im 70. Lebensjahr, aber immer noch voller Vitalität und Energie, suchte junge Musiker als Ersatz für einige ältere Aktive der Stammbesetzung. Diese scheuten zurück vor den neuerlichen Strapazen, die das Vorhaben neben allen Vorzügen unweigerlich mit sich bringen würde. Zu besetzen war auch der F-Bass – und genau den spielte im Jugendblasorchester Johann Holzschuh . „Ich wurde zum Vorspiel eingeladen, was sich allerdings als Live-Konzert vor rund 1000 Besuchern im noblen Wiener Konzerthaus entpuppte“, erzählt er. Der 21-Jährige Hobbymusiker bestand die Feuertaufe unter den Profis mit Bravour. Vom Chef der Maschinenfabrik, in der er im Jahr zuvor als Konstrukteur angefangen hatte, wurde er für die Dauer der Gastspielreise freigestellt. Auch er hatte erkannt, „dass man eine solche Chance wohl kaum ein zweites Mal im Leben bekommen würde“, ist ihm Holzschuh dafür noch heute dankbar.

bunten Querschnitt aus der auch in den Vereinigten Staaten beliebten Wiener Musikszene – mit Stücken so bekannter Komponisten wie Johann Strauß sr. und jr., Franz Schubert, Robert Stolz, Franz Lehar und anderen mehr. Mittendrin in den Traditionsuniformen des einstigen KuK-Regimentes die Deutschmeister, mit dem Radetzky-Marsch zum Auftakt und dem Walzer „An der schönen blauen Donau“ zum großen Finale. Das Publikum zeigte sich begeistert, ob in Dallas, in Memphis, in Chicago oder Detroit, oder im kanadischen Toronto, dem nördlichsten Punkt der Reise, wo man auch die Niagarafälle bestaunen konnte. Der große Tross der Musiker, Künstler und Techniker reiste in Greyhound-Bussen und mehreren Trucks über viele Meilen auf den amerikanischen Highways von einem Ort zum anderen. Schon auf dem Schiff, dann in den diversen Hotels teilte sich Johann Holzschuh stets das Quartier mit dem Klarinettisten Kurt Schmid.

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Titelseite des Original-Programmheftes der großen Nordamerika-Tournee der Hoch- und Deutschmeister

Dieser war mit seinen erst 17 Jahren das Küken der Kapelle, auch er kurz zuvor für die Tournee angeheuert. Entlohnt wurden auch die beiden Jüngsten wie die Profis in der Band – mit 20 Dollar pro Tag. „Das war eine nahezu fürstliche Bezahlung, wenn man bedenkt, dass der Dollar damals im Verhältnis 1:4 zur D-Mark stand und ich in meinem Beruf gerade mal einen Monatslohn von 250 Mark hatte“, so Holzschuh. Die Gage bildete ein gutes Startkapital für den geplanten gemeinsamen Lebensweg mit seiner Verlobten Helga, die er noch im gleichen Jahr heiraten sollte. Die rund 60 Briefe, die ihr Johann seinerzeit aus den USA geschrieben hatte, hat sie übrigens bis heute aufbewahrt. Johann Holzschuh und sein neuer Freund Kurt Schmid verloren sich kurz nach der Heimkehr aus den Augen. Nur wenige Wochen nach seinem runden Geburtstag mit dem besonderen Präsent besuchten die in Meinerzhagen heimisch gewordenen Holzschuhs im August 2008 wieder einmal ihre Heimatstadt Wien – und gingen auch zu einem Platzkonzert der Hoch- und Deutschmeister an der Wiener Hofburg – was in den Sommermonaten dort an jedem Samstag stattfindet. Der Besucher stellte sich dem aktuellen Dirigenten der Kapelle als Mitwirkender jener zur Legende gewordenen USA-Tournee vor, fragte dabei gezielt nach seinem Freund und Mitstreiter Kurt Schmid, ohne allerdings Näheres in Erfahrung zu bringen. Holzschuh hinterließ seine Kontaktdaten – und hörte erst einmal lange Zeit nichts. Bis im vergangenen Jahr ein junger Mann aus Wien sich telefonisch in Meinerzhagen meldete. Er selbst Musiker bei den Hoch- und Deutschmeistern, bat für eine Semesterarbeit im Fach Geschichte

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um Archivmaterial und Informationen über die Konzert­ reise in die Vereinigten Staaten. Der Student legte die Arbeit seinem Tutor an der Wiener Musikhochschule vor, Professor Kurt Schmid! Kurz darauf schloss sich der Kreis. Wieder klingelte das Telefon am Hegelweg in Meinerzhagen. Johann Holzschuh war zunächst perplex, fragte ungläubig nach: „Kurtl, bist Du das?!“ Und hörte zur Bestätigung: „Kurtl, das hat seit 57 Jahren keiner mehr zu mir gesagt!“ Bald darauf kam es in Wien zum herzlichen Wiedersehen der beiden Freunde, die sich so viel zu erzählen hatten und die von nun an regelmäßig in Kontakt bleiben wollen. Welch großartige musikalische Karriere Kurt Schmid seit ihrer gemeinsamen Zeit bei den Hoch- und Deutschmeistern gemacht hatte, das lässt Johann Holzschuh voller Respekt nur erstaunen: Gefragter Klarinetten-Solist, Hochschuldozent, Dirigent verschiedener renommierter Ensembles in Österreich und in der Ukraine, Vizepräsident des Wiener Musikseminars, erfolgreicher Komponist, dessen über 600 Werke in vielen Konzertsälen gespielt werden, 2010 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse dekoriert, der höchsten Auszeichnung, die die Alpenrepublik für wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen vergibt.

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„FEST GEMAUERT IN DER ERDEN, STEHT DIE FORM, AUS LEHM GEBRANNT...“ Jesus-Christus-Kirche Meinerzhagen erhält ein neues Geläut – Gusseiserne Glocken von 1920 werden ersetzt

Von Horst vom Hofe

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Wer kennt sie nicht, die Anfangsverse von Schillers „Lied von der Glocke“: „Fest gemauert in der Erden, steht die Form, aus Lehm gebrannt. Heute muß die Glocke werden. Frisch, Gesellen! seyd zur Hand. Von der Stirne heiß rinnen muss der Schweiß, soll das Werk den Meister loben! Doch der Segen kommt von oben.“ Für die Evangelische Kirchengemeinde Meinerzhagen bekommen die Zeilen in diesem Jahr einen ganz aktuellen Bezug: Die altehrwürdige Jesus-Christus-Kirche erhält ein neues Geläut. Vier Glocken aus Bronze sollen die gusseisernen Glocken ersetzen, die ihre Verschleißgrenze erreicht haben und dringend ersetzt werden müssen. Eine großherzige Spende ermöglicht die Realisierung dieses schon lange Zeit verfolgten Projektes. 1920 wurden die bislang drei stählernen Glocken feierlich eingeweiht, die mit ihrem typischen Klang seither zu den verschiedensten Anlässen in der Volmestadt zu hören waren. Die deutlich älteren und wertvolleren Bronze-Glocken der Kirche waren während des 1. Weltkrieges auf Geheiß des Staates als „vaterländische Spende“ abgegeben worden. Sie wurden, wie viele weitere Kirchenglocken im Land, eingeschmolzen, um aus ihnen Kanonenrohre zu gießen. Da gusseiserne Glocken eine deutlich kürzere Lebensdauer als solche aus Bronze haben, war der Austausch ein Vorhaben, mit dem sich die Verantwortlichen der Kirchengemeinde seit längerem zu beschäftigen hatten. Zur Finanzierung wurde bereits vor etwa 20 Jahren ein Glockenfonds eingerichtet, in den auch zahlreiche Spenden flossen. Gleichwohl gab es angesichts der besonderen

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finanziellen Dimension des Projektes noch eine erhebliche Finanzierungslücke, die zu schließen als nach wie vor große Herausforderung galt. Hannelore Luda, Witwe des langjährigen heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten und Ehrenringträgers der Stadt, Dr. Manfred Luda, erfuhr von den Sorgen der Gemeinde über einen Bericht in der örtlichen Zeitung. Sie erklärte sich auch im Sinne ihres verstorbenen Ehemannes bereit, die noch klaffende Finanzierungslücke mit einer Großspende zu schließen. „Ein echter Glücksfall für uns“, freut sich Friedrich Wilhelm Schnöring, der Presbyteriumsvorsitzende. „Wenn alles planmäßig läuft, können die neuen Glocken erstmals zu Beginn des Kirchenjahr am 1. Advent geläutet werden“, so Schnöring. Seit rund zwei Jahren laufen die Vorbereitungen, die nunmehr vor dem Abschluss stehen. Das Presbyterium stand dazu in enger Abstimmung mit dem von der Evangelischen Landeskirche eingesetzten Glockensachverständigen für Westfalen, Claus Peter aus Hamm. Es galt, umfangreiche Vorarbeiten und Untersuchungen vorzunehmen. Dazu setzte die kirchenamtliche „Orgel- und Glockenverordnung“ den planungsrechtlichen Rahmen. Vorab zu untersuchen war dazu auch die Statik des Glockenturms, wozu auch aufwendige Schwingungsmessungen gehörten. Diese und andere Arbeiten einschließlich der Bauleitung während der konkreten Umsetzung des Glockenaustauschs Alt gegen Neu wurden vom Presbyterium in die kompetenten Hände des Ingenieurbüros Schriek und Rohrberg aus Lippstadt gelegt. Alle Details sind mittlerweile geklärt. Dazu gehört auch die Festlegung der aufeinander abgestimmten Tonfolgen der neuen Glocken, die künftig übrigens in einem Glockenstuhl aus Holz statt der bisherigen Stahlkonstruktion hängen werden. Daran beteiligt waren als musikalische Sachverständige auch die beiden heimischen Kirchenmusiker Ben Köster und Michael Otto. Großer Wert wurde darauf gelegt, an das immerhin fast einhundert Jahre lang vertraute Klangbild des bisherigen Geläuts anzuknüpfen, es aber noch voluminöser zu machen - Vorgaben, die nun von einer renommierten Glockengießerei umgesetzt werden sollen. Gerade mal fünf Glockengießereien in Deutschland kommen für solch eine Aufgabe infrage. Drei wurden im Wege einer Ausschreibung zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Die neue Festtagsglocke als größter Klangkörper wird ein stattliches Gewicht von 2800 Kilogramm haben. Die sogenannte Sonntagsglocke wird 2000 Kilogramm, die Sakramentsglocke 1300 Kilogramm und die kleinste Glocke für das Gebetsgeläut 800 Kilogramm wiegen. Jede der vier Glocken erhält eine besondere Inschrift in Form eines sogenannten Notenbandes. Das wird auch mar-


kante geschichtliche Daten aus der Gemeinde enthalten. In eine der Glocken wird der Konfirmationsspruch der Spenderin Hannelore Luda eingraviert: „Der Herr ist gütig und eine Feste zur Zeit der Not und kennt die, die auf ihn trauen“ (Nahum 1:7). Für die mehrmonatige Bauzeit, während der zunächst das alte Geläut ausgebaut wird, muss der Turm des im Ursprung auf das Jahr 1474 zurückgehenden Kirchenbauwerks eingerüstet werden. Es wird dann auch eine für die Meinerzhagener Bürgerschaft ungewohnte längere Zeitspanne eintreten, während der man auf das vertraute Geläut verzichten muss. Umso größer ist da die Vorfreude auf den Tag, an dem zum ersten Mal das neue Geläut weithin zu hören sein wird – und was, wenn alles so läuft wie geplant, in der Advent- und Weihnachtszeit zudem ein besonders festliches Gepräge haben wird.

Wann ertönen die Glocken Der Schriftsteller Erich Kästner hat die Funktion von Kirchenglocken in „Glockenklängen des Lebens“ kurz und knapp so auf den Punkt gebracht: „Wenn im Turm die Glocken läuten, / Kann das vielerlei bedeuten. Erstens: Dass ein Festtag ist./ Dann: Dass du geboren bist. Drittens: Dass dich jemand liebt./ Viertens: „Dass dich’s nicht mehr gibt.“ Meinerzhagens Kirchenküster Arne Schumacher informiert, wann und zu welchen Anlässen die Glocken der Jesus-Christus-Kirche ertönen: Täglich von montags bis freitags jeweils um 7, 12 und 19 Uhr, außerdem samstags um 7 und 12 Uhr für jeweils fünf Minuten die Gebetsglocke. Samstags ab 18 Uhr für 15 Minuten wird der Sonn- bzw. Feiertag eingeläutet. Zu allen Gottesdiensten ertönen jeweils 15 Minuten vor Beginn die Glocken. Karfreitag wird für eine halbe Stunde zwischen 15 und 15.30 Uhr die Totenglocke geläutet. Besonders festlich zum Zeichen der Auferstehung gibt es ab 7 Uhr in der Frühe des Ostersonntags eine halbe Stunde lang volles und festliches Geläut, ebenso wie jeweils das neue Jahr ab Mitternacht eingeläutet wird. Ertönt während der Woche um 8 Uhr die Glocke, zeigt dies einen Todesfall aus den Reihen der Gemeinde an.

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MENSCH. AUCH MIT DEMENZ Demenz-Netzwerk Volmetal bringt Akteure an einen Tisch

Von Bernhard Schlütter

Demenz-Netzwerk Volmetal gegründet. Nicole Paul vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Märkischen Kreises koordiniert die Netzwerkarbeit in den Kommunen Schalksmühle, Halver, Meinerzhagen und Kierspe.

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Das Thema Demenz ist heute allgegenwärtig. In der Familie, im Freundeskreis oder in der Bekanntschaft - fast jeder kennt Menschen, die von der Diagnose „Demenz“ oder „Alzheimer“ betroffen sind. Der Anteil der älteren Frauen und Männer an der Bevölkerung steigt und da-

„Es gibt eine Vielzahl von Angeboten“, hat Nicole Paul festgestellt. Ziel des Netzwerks sei es, einen Überblick über die Vielzahl der vorhandenen Angebote zu verschaffen, sie aufeinander abzustimmen und für Betroffene leichter zugänglich zu machen. Dazu sollen möglichst viele professionelle Akteure, die zur Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen beitragen können, regelmäßig zusammenkommen. Es ist die Absicht des Netzwerkes, Schnittstellen zwischen den einzelnen Anbietern zu bilden, so

mit auch die Häufigkeit dieser Krankheitsbilder. Dennoch ist unsere Gesellschaft weit davon entfernt, angemessen mit Betroffenen umzugehen, ist vielmehr in vielerlei Hinsicht ausgesprochen demenzunfreundlich. Um diesen Missstand vor Ort zu beheben, hat sich im Juni 2017 das

dass eine optimale Versorgung für Menschen mit Demenz in den einzelnen Städten geschaffen werden kann. An den vierteljährlichen Netzwerktreffen, die an wechselnden Orten stattfinden, nehmen u.a. Vertreter/innen von Alteneinrichtungen, Pflegediensten, weiterer Anbie-


ter aus dem Gesundheitsbereich, Kirchengemeinden, Sozialverbänden, der Pflegeberatung des Märkischen Kreises der vier Volme-Kommunen und der Seniorenbeiräte Kierspe, Schalksmühle und Halver teil. „Etwa 20 Personen bilden derzeit den harten Kern“, berichtet Nicole Paul.

men „Demenzbetreuung für Männer“ und „Konzeptionelle Betreuung jüngerer Demenzpatienten“ vorgesehen, kündigt Nicole Paul an und Lothar Buddinger ergänzt: „Jüngere Patienten, das sind 60- bis 65-Jährige. Die sind mit den Beatles aufgewachsen. Eine Seniorenbetreuung mit Basteln und Singen wird denen nicht gerecht.“

Umgebung an Bedürfnisse älterer Menschen anpassen

Angebote verknüpfen und Synergien nutzen

„Das ist eine gute Zahl“, stellt ihr Vorgesetzter Lothar Buddinger, Fachdienstleiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes, fest. „Darauf lässt sich aufbauen.“ Der Kreis fungiere als Ideengeber und übernehme die Koordination. Außerdem ist der Sozialpsychiatrische Dienst selbst Akteur vor Ort mit regelmäßigen Sprechstunden zum Thema Demenz in den Rathäusern. „Unser Tenor ist, dass die alten Menschen solange wie möglich in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung bleiben sollten“, erklärt Lothar Buddinger. „Wenn das aber

Im noch jungen Netzwerk steht zunächst immer noch das gegenseitige Kennenlernen der Akteure im Vordergrund. „Durch konkrete Projekte, wie zum Beispiel die Fachgespräche, entwickelt sich ein Gemeinschaftsgefühl“, weiß Nicole Paul. Es gibt auch schon erste Ansätze, Angebote zu verknüpfen und Synergien zu nutzen. „Es ist beabsichtigt, dass Tagespflegeeinrichtungen in den vier Orten abwechselnd samstags öffnen“, erzählt Nicole Paul. Die Anbieter stellen hierzu zunächst Überlegungen an

nicht mehr möglich ist, sollte in den Seniorenheimen eine Umgebung geboten werden, die den Bedürfnissen der älteren und womöglich dementen Menschen angepasst ist.“ Das Pflegenetzwerk Volmetal erhält Unterstützung vom Demenz-Servicezentrum Dortmund. Darüber werden z.B. Referenten für Informationsveranstaltungen vermittelt. Für dieses Jahr seien Fachgespräche zu den The-

und überprüfen den Bedarf. Mittelfristig soll auch eine Datenbank mit Informationen über Einrichtungen, Anbieter und Angebote aufgebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Über der kompletten Netzwerkarbeit steht das Ziel, Menschen für das Thema Demenz zu sensibilisieren und die Lebenssituation sowohl von Menschen mit Demenz als auch deren Angehörigen zu verbessern.

Die Dienststelle des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Lüdenscheid ist während der normalen Bürozeiten erreichbar unter Tel. 02351/9667600.

Demenz-Sprechstunden im Volmetal Schalksmühle: mittwochs von 9 bis 11 Uhr, Britta Bortz-Richter, Tel. 02355/84217 Halver: mittwochs von 9 bis 11 Uhr, Ute Haarmann, Tel. 02353/663298 Kierspe: mittwochs von 9 bis 11 Uhr, Judith Peter, Tel. 02359/295510 Meinerzhagen: montags von 9 bis 11 Uhr, Judith Peter, Tel. 02354/9258922

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„OPERATION BIG DOG“ – D-MARK KAM IN 23.000 KISTEN Von Rüdiger Kahlke

Vor 70 Jahren: Mit Währungsreform endete Mangelwirtschaft Volmetaler standen am 20. Juni 1948 Schlange für ihr Kopfgeld

1.146 Deutsche Mark. Das war die Bilanz der Amts-Sparkasse Kierspe am 21. Juni 1948. Nach einer „Wirtschaftswunderrakete“, wie der Halveraner Autor Werner Sinnwell die Währungsreform fast 50 Jahre später bezeichnete, sah das zunächst nicht aus. 40 D-Mark Kopfgeld hatte es tags zuvor gegeben. 40 DM für jeden. Alle waren gleich reich als die neue Währung am 20. Juni 1948 die Reichsmark ablöste. Scheinbar. Die Währungsreform vor 70 Jahren gilt als Initialzündung für das deutsche Wirtschaftswunder. Jeder D-MarkSchein glich einer Schwungfeder für den Flug des deutschen Phoenix aus brauner Trümmerasche. Der 20. Juni 1948 wird vielfach als „Tag X“ oder „Stunde Null“ bezeichnet. Mit Ausgabe des neuen Geldes füllen sich auch die Regale der Läden im Volmetal. „Am Tag drauf konnte man für DM alles kaufen, die Läden waren voll ‚Mangelware‘.“, notierte der Chronist der Dorfschule in Valbert in der Schulchronik auf Seite 76. „Mangelware“, die zuvor produziert worden und dann zurück gehalten worden war. „Aus den Schaufens-

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tern lächelten dem verarmten Bürger Dinge, an die man nur im Traum zu denken wagte, entgegen“, heißt es in der Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der Sparkasse HalverSchalksmühle. Wer gespart hatte, hatte fast alles verloren. „Eine schlimme Überraschung für Rentner, die sich ein paar Groschen fürs Alter zurückgelegt hatten“ erinnerte sich 40 Jahre später Halvers Ortsheimatpfleger Karl-Rudolf Filling. Die Spar-Einlagen wurden abgewertet. Filling: „Wer vorher ein Sparkonto mit 400 Mark hatte, hatte dann nichts mehr.“ Das „Kopfgeld“, jene 40 DM, die als erste Rate ausgezahlt worden waren, wurde zehn zu eins vom Guthaben abgezogen. Am Samstag gab es noch keine Butter. Am Montag, einen Tag nach der Währungsumstellung, war Butter da, erinnerte sich Ernst Wilhelm Rasener, langjähriger Sparkassen-Direktor in Halver später. Mit der Währungsreform, die erst kurz vor dem Tag X bekannt geworden war, setzte die Sonderstelle „Geld und Kredit“ des Wirtschaftsrates der Westzone ihre Pläne um. Das Projekt war seit Herbst 1947 vorbereitet worden. Ausgezahlt wurde am 20. Juni Geld, das seit November 1947 unter der Tarnbezeichnung „Big Dog“ in den USA gedruckt worden war. In 23.000 Kisten verpackt, verladen auf acht Sonderzügen, waren jene 1000 Tonnen bedrucktes Papier aus den USA in die Mainmetropole Frankfurt gebracht worden. Über die Zweigstelle der Landeszentralbank

in Lüdenscheid wurde das Geld an Sparkassen und Banken im Volmetal verteilt.

Gleich reich nur am ersten Tag Währungsreform – das bedeutete für 11.666 Halveraner und die vielen anderen Volmetaler auch wieder Schlange zu stehen. An 17 Zahlstellen wurde das neue Geld in Halver ausgegeben. Für die 400 Haushalte in Oberbrügge mit rund 1.000 Personen waren dazu zwei Schalter „A bis K“ und „L bis Z“ eingerichtet worden. Die Währungsreform traf vor allem den „kleinen Mann“, den Sparer. Er wurde damit zum zweiten Mal innerhalb einer Generation um seine Rücklagen gebracht. Während er 90 Prozent seiner Guthaben verlor, bekamen Aktien- und Wertpapierbesitzer ihre Anlagevermögen im Verhältnis 1:1 getauscht. Sachwerte wurden nicht angetastet. Wer vor der Reform Produktionsmittel besessen hatte, hatte gut lachen. Dass über Nacht die Schuldenlasten um neun Zehntel sanken, kam auch in erster Linie den Unternehmen zugute. Gleich reich, alles „Sonntagskinder“, waren die Deutschen tatsächlich nur am ersten Tag, „bis auf die, die Waren gehortet hatten“, schränkte Rudolf Issel, Sparkassendirketor in Halver, später ein. Für Unternehmen gab es zusätzlich 40 D-Mark für jeden Beschäftigten. Die Dummen der Währungsreform waren neben den Sparern die Arbeiter. Sie hatten von 1945 bis 1948 für wertloses Geld Waren produziert,


die sie bei schnell steigenden Preisen mit der neuen Wunderwährung bezahlen mussten. Die Unternehmer investierten das wertvolle Geld. Sie erweiterten ihre Produktionsanlagen, konnten mehr Waren auf den Markt bringen und mit dem Erfolg wieder mehr investieren. Die Vermögenskonzentration in den Händen weniger wuchs.

Die Gewerkschaften wurden nicht gefragt. Sie hatten die Währungsreform mit einem Lastenausgleich koppeln wollen, um die Begünstigung von Sachwertbesitzern zu verhindern. Ein Lastenausgleichsgesetz, das Vermögensschäden, die Deutsche durch den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen erlitten hatten, mildern sollte, wurde erst vier Jahre später von der Bundesregierung verabschiedet. Die Währungsreform vertiefte den Graben zwischen den Sachwertbesitzern und denjenigen, die Geldvermögen angesammelt hatten, also vor allen den kleinen Sparern. Nach Ansicht von Ludwig Poullain, dem ExChef der Westdeutschen Landesbank, konnten die später gezahlten Entschädigungen „das 1948 zugefügte Unrecht nicht mehr beseitigen.“

Bettelbrief der Künstler an die Kommunen Auch die Kommunen standen vor großen Problemen. „Die durch das 3. Währungsgesetz für die Gemeinden geschaffene Lage ist katastrophal“, heißt es in einem Protokoll der Verwaltung Halver vom 29. Juni 1948. Rücklagen mussten als „vollständiger

Verlust“ abgeschrieben werden. An Finanzmitteln standen Halver zwölf Pfennig pro Einwohner zur Verfügung – 1.400 DM insgesamt. Unmut in der Bevölkerung zeigte sich auch bei anderen Anlässen. So hatten die Gildenhauslichtspiele in Meinerzhagen am Wochenende der Währungsumstellung die Vorstellungen ausfallen lassen. Amtsdirektor Sichelschmidt weist in einem Schrei­ ben an die Betreiber auf „berechtigte Empörung in der Bevölkerung über den unverständlichen Ausfall der Filmvorstellungen“ hin und verlangt im Kasernenton mit Schreiben vom 21. Juni 1948, ihm die „Gründe für den Ausfall und die Beweisführung schriftlich mitzuteilen“. Noch am gleichen Tag antwortet Inhaber Emil Grote auf eineinhalb Schreibmaschinenseiten. Er befürchtete aufgrund der Währungsumstellung tumultartige Szenen. Zudem „waren die in zweierlei Währungen durchzuführenden leihmietmäßigen, steuerlichen und unkostenmäßigen Abrechnungen zu kompliziert, als dass sie die Durchführung von Vorstellungen rechtfertigten…“, schrieb Grote weiter. Er rechtfertigt seine Haltung und verweist auf chaotische Situationen in Kierspe: „Das Publikum schimpft dort über die zerrissenen Kleider und der Kinobesitzer bedauert, überhaupt erst mit den Vorführungen begonnen zu haben.“ Die Stadttheater Plettenberg GmbH sieht sich durch die Währungsreform in einer Notlage und schickt im August 1948 einen Bettelbrief an die kooperierenden Kommunen. Die Verwaltung in Meinerzhagen wird aufgefordert, dem Theater „einen Beitrag zur Verfügung zu stellen, der es uns ermöglicht, unserem in dieser Notzeit besonders schwer leidenden Personal eine wirkliche Hilfe zu bringen.“ Trotz eines mit dem Betriebs-

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rat vereinbarten Punktesystems war das Theater nicht in der Lage, „auch nur einen Betrag zur Auszahlung zu bringen, der das Existenzminimum erreicht hätte.“ Die Amtsverwaltung Meinerzhagen wies das Gesuch ab. Von einem „erschütternden Ereignis“ ist bei den westfälisch-lippischen Sparkassen die Rede. In einer öffentlichen Bekanntmachung zum Weltspartag im Oktober 1948 erinnern sie, der Weltspartag sei früher ein „Tag der Freude“ gewesen. „Heute ist es ein Trauertag. An den Schaltern herrscht keine Spartagsstimmung!“ Der Forderung nach einer sozialen Regelung sei nicht entsprochen worden. „Die gesetzlichen Bestimmungen sind für Millionen unserer Sparer unerträglich“, heißt es in der Anzeige der Sparkasse in den Zeitungen des Volmetals.

Generalstreik beendet Lohnstopp US-Militärgouverneur Lucius Clay hatte die Probleme schon im Mai 1948 geahnt: „Es kann keine Währungsreform durchgeführt werden, die nicht sehr unpopulär sein wird.“

Er war gewillt, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Infolge von Preissteigerungen und Lohnstopp hatte sich die wirtschaftliche Lage der Arbeitenden nach der Währungsreform stetig verschlechtert. Die Arbeitslosenzahl hatte zugenommen. Die Gewerkschaften riefen für den 12. November 1948 zu einem eintägigen Generalstreik gegen die unsozialen Folgen der Währungsreform und gegen die Hortungsgewinne auf. Gleichzeitig gaben sie ein ZehnPunkte-Programm für die Mitbestimmung bekannt. An einem Streik, der von neun Millionen Arbeitnehmern befolgt wurde, konnten auch die mächtigen Militärbehörden nicht vorbeigehen. – Einen Monat später hob man den Lohnstopp auf.

Die Agonie währte nicht lange. Der Handel kam in Schwung. Luxusgüter wie „Nivea“ oder „4711“ waren begehrt, erinnerte sich der Halveraner Drogist Carl Menke 1988 in einem Gespräch mit der „Westfälischen Rundschau“. Hatte jemand „keine Mark flüssig“, schrieb er auch mal an. „So kam das Geld ins Rollen“, bilanzierte der Einzelhändler. Nach dem Währungsschnitt zogen auch die Preise kräftig an – Löhne und Gehälter blieben konstant. Lebensmittel blieben bis Anfang 1950 rationiert. Sinnwell zitiert in seinem Buch „Zwischen Hungersnot und Wirtschaftswunder“ eine Halveranerin: „Kaffeebohnen sind jetzt in jedem Geschäft erhältlich, aber tatsächlich das Pfund zu DM 28,-.“ Bei einem Monatsverdienst eines Arbeiters von 160 DM ein unerschwinglicher Luxus. Die „Wirtschaftswunderrakete“ zündete erst später. Für Tipps und Unterstützung bei der Recherche danke ich: Ira ZezulakHölzer (Stadtarchiv Meinerzhagen), Thomas Meermann (Sparkasse Lüdenscheid) und Arnd Clever (Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen).

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HÖREN BEDEUTET LEBENSQUALITÄT Egal ob im Beruf oder im Privatleben: Ein gesundes Gehör ist der Schlüssel zu einer gelungenen Kommunikation und ein Baustein zum Erhalt der geistigen Fitness. Hören bestimmt so viele Bereiche unseres Alltags, dass besseres Hören vor allem eines ist: ein Zugewinn an Lebensqualität. Besseres Hören bedeutet bessere Kommunikation in der Beziehung zum Partner, aber auch gegenüber Freunden und Kollegen. Hörverlust setzt oft schleichend ein. Es fällt es ihnen zunehmend schwerer, Gesprächen zu folgen, wenn Hintergrundgeräusche stören, oder die Konzentration in Gruppengesprächen lässt nach. Auch wenn gerade in den Abendstunden die Konzentrationsfähigkeit nachlässt, kann dies ein Anzeichen von Hörverlust sein.

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Durch den meist schleichend voranschreitenden Hörverlust verlernt das Gehirn, die akustischen Signale richtig zu verarbeiten. Töne, Worte, Klänge und Emotionen werden nicht mehr entschlüsselt: Der Mensch wird unsicher, zieht sich zurück und kann in eine soziale Isolation geraten. Dadurch ist das Gehirn weniger Reizen ausgesetzt, was zu einem erhöhten Demenzrisiko und zu Einschränkungen in der geistigen Leistungsfähigkeit führen kann. „Das systematische terzo-Gehörtraining kann dafür sorgen, diesen Teufelskreis aus Hörverlust, Isolation und Demenz zu durchbrechen“, weiß Thorsten Faust. Hörverlust ist aber nicht nur ein Thema für die ältere Generation. Vom vorbeugenden Gehörschutz bis zu hochmodernen Hörsystemen mit Bluetooth-Anbindung an

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NEUER BANKENRIESE IN DER REGION von Wolfgang Teipel

Die Volksbank im Märkischen Kreis und die Volksbank Siegerland wollen sich zur Volksbank in Südwestfalen zusammenschließen. Der Prozess läuft. Die Gespräche der Bankvorstände mit den Gremien sind abgeschlossen. Ende Mai stimmen die Vertreterversammlungen beider Häuser über die Fusion ab. Gibt’s von beiden grünes Licht, entsteht die größte Volksbank in Südwestfalen. Es ist nicht der Drang zur Größe, der die beiden Vorstände Karl-Michael Dommes und Roland Krebs antreibt. Die Volksbank im Märkischen Kreis arbeitet erfolgreich. Aber: Minizinsen, die Digitalisierung, Demografie-Risiken oder auch die hohen Regulatorik-Anforderungen machen Bankmanagern zu schaffen. Der Strukturwandel im Bankgeschäft läuft. Allein in diesem Jahr, schätzt der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), werden sich 60 und 80 genossenschaftliche Institute in Deutschland zusammenschließen. „Wir handeln lieber aus einer Position der Stärke heraus und warten nicht, bis andere bei uns anklopfen“, begründet Karl-Michael Dommes das Vorgehen der Volksbank im Märkischen Kreis. „Das ist eine unternehmerische Entscheidung.“ Sämtliche Abstimmungen sind einvernehmlich gelaufen. Karl-Michael Dommes beschreibt den Prozess als „Annäherung von beiden Seiten“. Die absehbaren weiteren Veränderungen in der Bankenwelt hätten schließlich zu Gesprächen über die Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit geführt. „Mit einer Fusion würden wir eine zukunftsfähige Institutsgröße erreichen, die neue Gestaltungsmöglichkeiten bei Leistungen für unsere Mitglieder und Kunden und neue Impulse für die Region Südwestfalen ermöglicht. So werden wir zukünftig besser aufgestellt sein und die Herausforderungen sicher bewältigen können. Dies sichert langfristig auch die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter“, erläutern die Vorstände.

Was sind die Gründe im Einzelnen? Steigende regulatorische Anforderungen. Es gebe „ein Füllhorn voll neuer Regelungen, Vorgaben und Gesetze“, sagt Karl-Michael Dommes – etwa in Bezug auf Eigenkapitalanforderungen, Wertpapiergeschäfte oder Kommunikation. Für diese Aufgaben müssten kleinere

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Die Vorstände der Volksbanken im Märkischen Kreis und Siegerland bereiten die Fusion vor: (von links) Norbert Kaufmann, KarlMichael Dommes, Jens Brinkmann und Roland Krebs. Foto: siegerbrauckmann/Willi Weber

Häuser ebenso Kapazitäten vorhalten wie größere, sodass eine Fusion den Abbau von Doppelstrukturen ermögliche. Demografie. Sowohl im Märkischen Kreis als auch im Raum Siegen-Wittgenstein sinken die Einwohnerzahlen. Damit geht auch die Zahl potenzieller Kunden zurück. Gleichzeitig steigt die Zahl der Mitbewerber, beispielsweise durch reine Online-Banken. Digitalisierung. Sie ist für die Vorstände ein „zentrales Thema“. Die Digitalisierung verändere das Bankengeschäft massiv. In größeren Einheiten sei die Herausforderung besser zu meistern. Was lässt sich, vorbehaltlich der Zustimmung der Vertreterversammlung, zur neuen Volksbank in Südwestfalen sagen? Personal. Die neue Volksbank soll weiterhin in Siegen und Lüdenscheid durch die Vorstände Norbert Kaufmann und Jens Brinkmann (Volksbank Siegerland) sowie Karl-Michael Dommes und Roland Krebs (Volksbank im Märkischen Kreis) repräsentiert werden. Fusionsbedingte Kündigungen werden ausgeschlossen. Größe. Mit der Fusion entstünde eine Genossenschaftsbank mit mehr als 72 000 Mitgliedern, etwa 160 000 Kunden, 39 Filialen und rund 3,5 Milliarden Euro Bilanzsumme. Möglichkeiten. Die „zukunftsfähige Institutsgröße“ der neuen Einheit gestatte „neue Gestaltungsmöglichkeiten bei Leistungen für unsere Mitglieder und Kunden und neue Impulse für die Region Südwestfalen“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung beider Banken. Was bedeutet das? Als größeres Haus könnte die Volksbank in Südwestfalen mehr Geld an Firmenkunden ausleihen. Vor Ort. Die Namen Volksbank im Siegerland und Volksbank im Märkischen Kreis sollen zunächst als bekannte Marken erhalten bleiben. Filialschließungen sind im Zuge der Fusion nicht vorgesehen. Für die Privatkunden vor Ort, versichert Karl-Michael Dommes, ändere sich mit der Fusion im Grunde nichts.


WIE IM AUGE DES TORNADOS Volksbank Kierspe: Standhaft wie die letzten Gallier Stetiges Wachstum und ein konstantes Standing vor Ort seit inzwischen 117 Jahren: „Für die Volksbank Kierspe eG stellt sich die Frage nach einer Fusion nicht“, sind sich die beiden Vorstände Stephan Böhse und Stephan Baldschun einig. Die jüngsten Zahlen geben ihnen Recht. Während das Bruttoinlandsprodukt 2017 um 2,2 Prozent gestiegen ist, wuchs die Bilanzsumme des kleinen Kiersper Kreditinstituts um 4,8 Prozent auf jetzt 136 Millionen Euro. Eine stolze Summe, wenn man bedenkt, dass es sich um eine Bank mit nur 30 Mitarbeitern und zwei Geschäftsstellen handelt. Die Bank ist umzingelt von Mitbewerbern – der deutlich größeren Sparkasse vor Ort und der Volksbank im MK, die sich gerade mit der Volksbank Siegen-Wittgenstein zu einem noch größeren Player aufschwingt. Ob man sich da nicht fühle, wie das kleine gallische Dorf in den Asterix & Obelix-Storys? Stephan Baldschun zieht ein anderes Bild vor: „Wir sind eher wie das Auge im Tornado“ – der Ruhepol im wüsten Sturm.“ Jahr für Jahr sieht sich der Vorstand in seiner Strategie bestätigt. Böhse und Baldschun tragen nicht nur denselben Vornamen, sie sprechen auch mit einer Stimme. Hinzu komme ein Aufsichtsrat, der die Strategie voll mittrage. Die überschaubare Größe der Bank garantiere kurze Wege und schnelle Entscheidungen. Mitten in der Finanzkrise traten Stephan Böhse und Stephan Baldschun als damals relativ junge Vorstände an. Teils verheerende Bilanzen der Geschäftskunden, Kurzarbeit und in der Bank ein deutlich geringeres Kundenaufkommen – das war kein leichter Start. Den seither stetigen Aufwärtstrend sehen beide als eine Art Daseinsberechtigung an. Wenige Zahlen belegen es: Zuletzt konnte das Eigenkapital kräftig aufgestockt werden, auf nun überdurchschnittliche 15,5 Mio. Euro. Die Kundeneinlagen kletterten 2017 um 3,4 Prozent erstmals über die 100 Mio.-Euro-Hürde. Das Geschäftsvolumen der Volksbank Kierspe ist im Jahr 2017 um weitere 2,2 Prozent auf 256,3 Mio. Euro gestiegen. Besonderes Augenmerk legen Baldschun und Böhse im KOMPLETT-Gespräch auf das Kundenkreditgeschäft. Mit ei-

nem Plus von 7,7 Prozent auf nun 78 Mio. Euro habe man hier erneut deutlich Marktanteile gewonnen. Kleine Kreditinstitute verschwänden vor allem aus zwei Gründen vom Markt, erklärt Böhse auf die Frage, wie sich die kleine Bank umzingelt von großen Mitspielern bis heute tapfer halte: „Erstens, weil der Ertrag nicht mehr stimmt und zweitens, weil die Regulatorik nicht mehr zu stemmen ist.“ Die formellen, regulatorischen Anforderungen seien immens gewachsen. „Wir müssen das gleiche abbilden wie etwa die Deutsche Bank“, so Stephan Baldschun, nach allen Regeln der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Das sei für eine kleine Bank extrem teuer, „bei den Großen relativiert sich das“, so Böhse. Die Volksbank Kierspe habe sich mit der Beteiligung an einer Beratungsfirma diesbezüglich Sicherheit, Qualität und ein Stück Freiheit geholt. Das Stichwort Beteiligung bringt uns zurück zur Ursprungsfrage: Warum hält sich die kleine Kiersper Genossenschaftsbank inmitten der großen und immer größer werdenden Mitbewerber? „Die Geschäftspolitik muss der Bank, den Kunden und letztlich der Gesellschaft weiterhelfen“, formuliert Stephan Böhse. Wenn das nicht mehr gegeben sei, müsse man über Zusammenschlüsse reden. Aktuell habe die Volksbank Kierspe niemanden zum Thema Fusion angesprochen, noch sei man angesprochen worden. Dennoch wissen die beiden Vorstände: „Die Welt dreht sich weiter.“ Während für eine Bank in Deutschland auf der Passivseite bei null Schluss sei (keine Minuszinsen für Kunden), herrschen auf der Aktivseite historisch schlechte Konditionen. „Leider haben wir keinen Zaubertrank dagegen“, kommt Stephan Böhse auf das standhafte kleine gallische Dorf zurück: „Aber vielleicht bringt uns den ja die Rönsahler Brauerei“, deren Start-up das Haus unterstützt.

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ALS DIE TECHNIK AUF DIE HÖFE KAM Seit Oktober vergangenen Jahres ist im Bergischen Freilichtmuseum in Lindlar eine Dauerausstellung zu besichtigen, die sich den frühen Herstellern von Landmaschinen widmet. „Als die Technik auf die Höfe kam…“ lautet das Motto der Präsentation in der historischen Scheune aus Reichshof-Denklingen. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die Firmengeschichte der einstigen Landmaschinenfabrik Gebrüder Bremicker aus Kierspe. Vor einigen Jahren übernahm das Museum aus der familieneigenen Sammlung einige Maschinen, darunter eine Dreschmaschine und eine Windfege, beide wieder funktionsfähig hergerichtet, außerdem Strohhäcksler und eine Handdreschmaschine. Im Außenbereich wird der einzige noch erhaltene Pferdegöpel aus der handwerklichen Produktion der Firma Bremicker präsentiert. Sven Hendrik Bremicker (57), Vertreter der fünften Bremicker-Generation, hatte sich schon vor Jahren mit einem besonderen Anliegen an die Verantwortlichen des Freilichtmuseums im benachbarten Bergischen Land gewendet: „Ich hab‘ hier ein paar alte Landmaschinen…“ Auf dem Gelände des familieneigenen Bremickerhofes an der Friedrich-Ebert-Straße hatte sein mittlerweile 90 Jahre alter Vater Friedrich in einer Scheune und der hier im Original wiederaufgebauten Werkstatt noch erhaltene Maschinen, Gerätschaften und Werkzeuge liebevoll aufbewahrt. Dies war wiederum das Vermächtnis dessen Vaters Wilhelm, der die Exponate über viele Jahre hinweg zusammengetragen hatte, um so die Familiengeschichte lebendig zu erhalten. „Es war unser Anliegen, diese Dinge für die Nachwelt auch weiterhin zu bewahren und sie womöglich auch der interessierten Öffent-

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Geschichte der Landmaschinenfabrik Bremicker aus Kierspe steht im Mittelpunkt einer Dauerausstellung im Bergischen Freilichtmuseum

lichkeit zugänglich zu machen“, so Sven Hendrik Bremicker. Dafür bot der Kontakt zum Freilichtmuseum am Ende die für beide Seiten ideale Lösung. Petra Dittmar, die als wissenschaftliche Referentin des LVR-Museums die Ausstellung maßgeblich aufgebaut und begleitet hat, stellt im Gespräch mit „Komplett“ fest: „Die Entwicklung der Firma Bremicker aus Kierspe steht exemplarisch für die Geschichte vieler kleiner Landmaschinen-Betriebe, die nach 1860 entstanden. Für unser Museum war es ein Glücksfall, dass nach intensiven Recherchen in der Familie noch nahezu die kompletten Geschäftsunterlagen gefunden wurden.“ Und so kann für den Ausstellungsbesucher jetzt im Detail exemplarisch nachvollziehbar und lebendig gemacht werden, wie sich einst die Technisierung auf den Bauernhöfen der Region vollzog und welchen Anteil daran auch die Maschinen aus der Fertigung des Familienunternehmens aus dem Sauerland hatte. Der Beil- und Kleinschmied Franz Bremicker hatte als wagemutiger Handwerker schon früh den steigenden Bedarf an Gerätschaften für die Landwirtschaft erkannt. Ab 1868 bot er erste Dreschmaschinen an und investierte in den Ausbau der Werkstatt. Kurz vor seinem Tod übergab er den Betrieb an zwei seiner Söhne, Carl und Friedrich, die seit 20 Jahren im Geschäft gearbeitet hatten. Sie investierten in den Landmaschinenbau, erweiterten das Angebot um Pferdegöpel und Handmaschinen und stiegen in den Handel mit Landmaschinen ein. Auf dem Höhepunkt der Produktion um 1900 fertigte die Firma Bremicker bis zu 150 Maschinen im Jahr. Viele der Arbeitskräfte waren Lehrlinge für Metallberufe. Zeitwei-

Sie funktionieren auch nach 100 Jahren noch zuverlässig: Landmaschinen der Firma Gebrüder Bremicker in der Ausstellung. Foto: Stefan Arendt

von Horst vom Hofe


Die Belegschaft der Landmaschinenfabrik Gebrüder Bremicker, Kierspe 1899. Foto: Sammlung Bremicker/LVR-Freilichtmuseum Lindlar  

se waren bis zu 10 Lehrlinge in der Werkstatt beschäftigt. Carl und Friedrich Bremicker bildeten die jungen Männer selbst aus, die nach der Lehrzeit als Schmiede oder Schlosser die Firma verließen, um in anderen Unternehmen der Region als begehrte Fachkräfte eine Anstellung zu finden. Die wöchentliche Arbeitszeit betrug um 1900 rund 60 Stunden. Die Bremickers boten ihren Lehrlingen und Gesellen ein familiäres Lebensumfeld: Sie erhielten freie Kost und Logis.

Die Ehefrauen der Eigentümer kümmerten sich um die Versorgung der Arbeiter und leisteten damit einen wichtigen Beitrag zum Familienunternehmen. Die Kunden kamen überwiegend aus der Region rund um Kierspe, Meinerzhagen, Marienheide und dem Volmetal bis nach Lüdenscheid. Meist waren es Besitzer größerer Höfe, die auch entsprechende Ernteerträge hatten, so dass sich der Kauf von Landmaschinen lohnte. Eine einfache Handdreschmaschine kostete 100 Mark, ein kompletter Maschinensatz mit Göpel, Breitdrescher und Transmissionsanlage lag bei 550 Mark. Um 1900 entsprach dies dem Jahreseinkommen eines Facharbeiters in der Industrie. „Es war ein schwerer Beruf. Beile, Hacken und sonstige Schmiedearbeiten mussten alle von Hand auf dem Amboss gemacht werden, und die Arbeitszeit war sehr lang, 12 Stunden am Tage.“ Carl Bremicker über den Beruf seines Vaters In gut laufenden Geschäftsjahren arbeitete Bremicker mit einem großen Kreis von Lieferanten zusammen. Die Firmen kamen aus der Region, aber auch aus weit entfernten Städten wie Breslau oder Mülhausen im Elsass. Viele Eisenwaren wurden aus dem Ruhrgebiet, dem Märkischen Sauerland oder von den Maschinenfabriken aus Hennef geliefert. Beinahe täglich trafen Ladungen von

Metallteilen, Klingen, Werkstücken aus Gusseisen, aber auch Farben und Fette sowie natürlich Einzelteile von Landmaschinen im Bahnhof von Kierspe ein. Zu den namhaften Lieferanten zählten das Amazonenwerk H. Dreyer aus Gaste bei Osnabrück, die Maschinenfabrik Badenia aus Weinheim, die Firma P. H. Mayfahrt & Co. aus Frankfurt und die Heinrich Lanz AG aus Mannheim.

Die Unternehmerfamilie Bremicker Nach der Hochzeit 1842 mit Louise Frettlöh (1820-1884) baute Franz Bremicker (1815-1888) neben dem Elternhaus seiner Frau in Kierspe-Börlinghausen eine Schmiede. Das Ehepaar hatte drei Söhne, Wilhelm, Carl und Friedrich, und eine im Alter von 14 Jahren verstorbene Tochter. Die Lebenswege der beiden Söhne Carl (18491923) und Friedrich (1853-1922) waren über Jahrzehnte eng miteinander verknüpft. Sie arbeiteten als Gesellen in der Werkstatt und lebten mit ihren Ehefrauen und Kindern im benachbarten Elternhaus in beengten und sehr bescheidenen Verhältnissen. Von seinem Vater erbte Carl Bremicker das Gut Neuenweg in Kierspe, das dieser kurz vor seinem Tod 1888 für 10.500 Mark gekauft hatte. Ein Schicksalsschlag war der Tod von Carls Ehefrau Emma Schröder (1856-1897) im Alter von 41 Jahren. Als Witwer zog er 1901 mit seinen acht Kindern in ein neu gebautes stattliches Wohnhaus – den heute noch erhaltenen Bremickerhof. Dort richtete er sich eine eigene

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Nach dem Brand seines Wohnhauses 1913 kaufte er ein Haus in der Nachbarschaft. Der ältere Sohn Wilhelm Bremicker (1888-1982) heiratete 1920 Klara Schulte (1893-1981) und führte bis 1952 die Landmaschinenproduktion in Kierspe-Börlinghausen weiter. Das Ehepaar hatte ebenfalls zwei Söhne, Wilhelm jun. und Friedrich, und erlebte deren berufliche Erfolge in der Kunststoffbranche. Alle Infos zum Freilichtmuseum unter: www.freilichtmuseum-lindlar.lvr.de Petra Dittmar vom Freilichtmuseum Lindlar mit Friedrich Bremicker und seinem Sohn Sven Hendrik, die in der vierten und fünften Generation für die Geschichte der einstigen Landmaschinenfabrik aus Kierspe stehen. Foto: vom Hofe

Werkstatt ein. Der frühe Tod seiner drei Söhne traf ihn schwer. Er führte den Betrieb bis 1923 weiter. Der jüngere Bruder Friedrich Bremicker blieb mit seiner Familie im Elternhaus wohnen. Er hatte mit seiner Frau Adeline Dunkel (1863-1902) zwei Söhne, Wilhelm und Ernst. Auch ihn traf es leidvoll, als seine Frau im Alter von nur 39 Jahren an der spanischen Grippe verstarb. Er blieb wie sein Bruder Carl lebenslang Witwer.

Außenansicht der historischen Scheune aus dem oberbergischen Reichshof-Denklingen, in der die Dauerausstellung „Als die Technik auf die Höfe kam“ ihren Platz gefunden hat. Foto: Stefan Arendt

Verlosung von Familienkarten für das Freilichtmuseum Lindlar Komplett verlost zehn Freikarten zum Besuch des Freilichtmuseums Lindlar. Die Familienkarten sind gültig für zwei Erwachsene, wobei Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren generell freien Eintritt haben. Wenn Sie gewinnen wollen, schreiben Sie eine E-Mail an bremicker@komplett-magazin.de oder eine Postkarte an Groll Druck, Darmcher Grund 14, 58540 Meinerzhagen, Stichwort „Komplett“. Bitte vermerken Sie, wo Sie die aktuelle Komplett-Ausgabe erhalten haben. Die Verlosung erfolgt unter Ausschluss des Rechtsweges.

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KOMPLETT JUNG Die Seiten für junge Menschen

REPORTER AG BISMARCKSCHULE

Was ist denn ihr Lieblingsfach? Was hat eine Schulleiterin denn alles zu tun, außer zu unterrichten? Oder: Haben Sie Tiere – und dafür überhaupt noch Zeit? Sarah und Pia hatten viele Frage, als sie Schulleiterin Stefanie Fischer in deren Büro besuchten. Die beiden Mädchen gehen in die dritte Klasse der Bismarckschule in Kierspe und hatten sich gut vorbereitet. Schließlich sollte es ihr erstes Interview werden. Inzwischen ist das Ergebnis wie einige weitere Berichte rund um die Kiersper Grundschule veröffentlicht. In der Pausenhalle hängt eine große Wandzeitung, das BismarckBlatt. „Den Namen haben wir uns selber ausgedacht“, erzählt Sarah. „Zuerst haben wir viele Namen von echten Zeitungen gesammelt. Dann haben die Teilnehmer der Reporter AG abgestimmt.“ Bei der großen Weihnachtsfeier standen Mathilda und Laura mit der Kamera von AG-Leiter Volker Lübke im Publikum. Der hatte bei der anschließenden Sichtung der vielen Fotos gut zu tun. „Der Text ist zugunsten der tollen Bilder etwas kürzer ausgefallen“, erzählt der Journalist und Grundschullehrer. In gleicher Weise berichteten die Nachwuchs-Reporter bildreich über die Karnevalsfeier. „Die Kinder sollen lernen, Wichtiges von weniger Wichtigem zu unterscheiden“, sagt Lübke. Das sei schließlich nicht nur bei der journalistischen Arbeit wichtig. Gar nicht so einfach, stellen Sina, Damian und Jean-Marc fest. Die drei haben mit Hausmeister Ralf Hermel einen Rundgang durch die Schule gemacht und dabei all das gesehen, was den Kindern sonst verborgen bleibt. „Mit

Hausmeister Hermel hinter verbotenen Türen“ titeln sie ihre Geschichte treffend. HallenbadTechnik, Blockheizkraftwerk und seine Werkstatt zeigte Hermel den neugierigen Reportern. Die Fotos, die dabei entstanden sind, haben die drei sortiert. Jetzt geht es an die Auswahl – und die Beschreibung. Medienkompetenz ist das Stichwort, mit dem Volker Lübke die Reporter AG ins Leben rief. Immer mittwochs in der 6. Stunde wird der Computerraum der Kiersper Grundschule zur Redaktion. „Die Kinder sollen lernen, dass Nachrichten nicht vom Himmel fallen, sondern von Menschen gemacht sind, und – was mindestens genauso wichtig ist – dass sie lernen, nachzufragen und so zu überprüfen, ob eine Information wahr ist“, erklärt der „Chef vom Dienst“. Ein Aspekt, der in Zeiten von Spam und Fake News immer wichtiger werde. So gesehen habe Medienkompetenz auch etwas mit politischer Bildung zu tun. „Wer gelernt hat, die Dinge zu hinterfragen, fällt später nicht so leicht auf daher geplatterte Parolen herein. Dazu möchte ich einen kleinen Beitrag leisten.“ Rollen und Aufgabenverteilung wechseln in der Reporter AG mit jedem Treffen. Einzige Ausnahme: Der Lehrer bleibt „Personalchef“. Die insgesamt zehn Mädchen und Jungen, alle aus den dritten und vierten Schuljahren, bilden eigenständig Reporterteams; sie überlegen, welche Themen sie bearbeiten wollen, welche Fragen sie stellen, und sie erledigen auch Organisatorisches wie Terminabsprachen mit ihren Interviewpartnern selbst. Eigentlich muss es ja auch einen Redaktionsleiter geben. „Das haben wir nicht gemacht“, erzählt Pia. „Wir wechseln uns nämlich ab. Jeder ist bei uns mal Chefredakteur oder Chefredakteurin.“

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Ein weiteres Mitglied der ReporterAG sitzt zwischen Sophia und Raik. „Trule“ steht auf dem ReporterAusweis, den die große Handpuppe, wie übrigens jedes der Kinder, um den Hals trägt. Die Puppe helfe vor allem bei der Teambildung, erklärt Lübke. „Und dabei, Rubriken wie Editorial und Impressum zu schreiben“, fügt er augenzwinkernd hinzu. Die Reporter des BismarckBlattes agieren übrigens als gleiche unter gleichen. Eine Spalte der Wandzeitung ist nämlich den etablierten Mitbewerbern vorbehalten. Hier kleben die Kinder Artikel aus anderen Medien, die über die Bismarckschule berichten, auf. Auch dieser Komplett-Beitrag wird dort sicherlich seinen Platz finden. „Ein anderer Artikel wird dann abgenommen“, erklärt Sarah. Die Wandzeitung ist – einmal bestückt – immer gut gefüllt. Nach den Herbstferien wählten die Kinder ihre AG. Nach den Weihnachtsferien war es dann endlich soweit: die große weiße Folie wurde in der Pausenhalle aufgehängt. Mit jedem neuen Artikel wird ein alter entfernt. Auch diese Entscheidung treffen die Mädchen und Jungen selbst. Die Kinder sind zu Recht stolz auf ihre Arbeit, besonders dann, wenn sich in den Pausen große Trauben von Mitschülern vor der Wandzeitung drängen, um zu schauen, ob sie selbst auf einem Bild zu sehen sind. „Die Texte sind da eher nebensächlich“, räumt Lübke ein. „Aber Hand aufs Herz: geht es Ihnen bei der täglichen Zeitungslektüre nicht ähnlich? Schauen Sie nicht auch zuerst auf die Bilder?“ Und wer wollte das Grundschulkindern verübeln... Auch Schulleiterin Stefanie Fischer ist stolz auf die kleinen Reporter: „Unsere Wandzeitung ist ein Gewinn für unsere Schule. Die Schülerschaft wird auf diesem Weg nicht nur informiert. Das Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl wird durch aktuelle Informationen und Berichte gestärkt. Die AG-Teilnehmer können ihre Schreibfähigkeiten ausprobieren und weiterentwickeln. Durch die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit, nämlich zu informieren, wird die Schreibmotivation gefördert und ganz nebenbei das Selbstbewusstsein aufgebaut. Ich danke allen kleinen und großen Reportern für ihre tolle Arbeit.“ „Was wünschen Sie sich von den Lehrern, den Eltern und von uns Kindern?“, hatten Pia und Sarah die Schulleiterin gefragt. Die Antwort haben sie aufgeschrieben: „Ich

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wünsche mir, dass wir Lehrer so ein gutes Team bleiben, dass Eltern ihre Kinder beim Lernen begleiten und dass ihr zur Schule laufen dürft, statt immer gefahren zu werden. Von euch Kindern wünsche ich mir, dass jeder so gut lernt wie er kann.“ Die Reporter der Bismarckschule haben aber auch einen Wunsch. Den haben sie KOMPLETT verraten: „Wir möchten gerne einmal jemanden außerhalb der Schule interviewen, vielleicht den Bürgermeister oder einen anderen Promi.“

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VERANSTALTUNGEN Hollywood im Sauerland Der Heimatverein Halver veranstaltet im Frühjahr und Sommer zwei Ausstellungen im Regionalmuseum Villa Wippermann. Bis zum 24. Mai zu sehen ist die Ausstellung „Hollywood im Sauerland“. In den 1950er bis Anfang der 1960er Jahre gab es in Halver drei Kinos, „Unter den Linden“ in der Marktstraße, „Regina“ im Bächterhof und die „Lichtspiele Karlshöhe“. Der Heimatverein Halver erinnert mit der Ausstellung im Regionalmuseum Villa Wippermann an diese Kinos. Ein Interview mit der damaligen Inhaberin des „Regina“, Ilse Müller, gibt Aufschluss über ihr „Kinoleben“ und die Hollywoodfilme, die auch in Halver gezeigt wurden. Alte Kinositzbänke, ein alter Filmprojektor und alte Kinoplakate zeigen die Kinowelt der 1950er Jahre. Die Ausstellung wird von der Bürgerstiftung für Halver unterstützt. Ab dem 29. Mai (bis zum 25. Juli) schließt sich eine Ausstellung mit Gemälden von Renate Scholz an. Öffnungszeiten: dienstags – donnerstags 15 – 18 Uhr und sonntags 11 – 13 Uhr; Eintritt: 2 Euro

Kabarett mit Christian Ehrig Er ist der Mann, der Erdogan ärgerte. Ein Beitrag in Christian Ehrings Satiresendung „extra3“ brachte im März 2016 den türkischen Präsidenten so auf die Palme, dass er den deutschen Botschafter einbestellte. Außerdem gehört Ehring zum Team der „heuteshow“ und ist Eingeweihten bestens bekannt als langjähriges Ensemblemitglied des Düsseldorfer Kom(m)ödchens. Am 28. April gastiert Christian Ehrig mit seinem Soloprogramm „Keine weiteren Fragen“ in der Gesamtschule Kierspe. Termin: Samstag, 28. April, 20 Uhr; Info: kuk-verein.de

Kirschblütenfest Der Verein Heesfelder Mühle feiert am 1. Mai das Kirschblütenfest. Neben Informationen zu den richtigen Obstsorten für unsere Region finden sich zahlose Handwerker, Aussteller und eine große Haustierschau mit Gelegenheit zum Steicheln und Füttern. Dazu können die Besucher hausgemachte Speisen und Getränke aus biologischen Zutaten genießen. Termin: Dienstag, 1. Mai, 11 - 17 Uhr

Handwerkerfrühschoppen Der traditionelle Halveraner Handwerkermarkt findet am Dienstag, 1. Mai, auf dem Alten Markt statt. Der Eintritt ist frei. Für Kinderunterhaltung und das leibliche Wohl aller Besucher wird gesorgt. Termin: Dienstag, 1. Mai, ab 11 Uhr

Blues im Bauernhaus Wippekühl gibt’s am 4. Mai mit Chris Kramer & Beatbox ’n’ Blues. Chris Kramer (Mundharmonikavirtuose, Sänger und Gitarrist), Kevin O’Neal (Beatbox) und Sean Athens (Gitarre) sind Meister ihres Fachs und als Team haben sie ein gemeinsames Ziel: den Blues in die Gegenwart zu transportieren. Termin: Freitag, 4. Mai, 20 Uhr; weitere Konzerte im Bauernhaus Wippekühl: 8. Juni Crosswind - Young Irish Music; 14. September Anne Haigis

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Turmkonzert Nach mehrjähriger Pause lädt MondayMonday, die Folk- und Popgruppe der Musikschule Kierspe mal wieder zu einem Turmkonzert in die Gesamtschule Kierspe ein. Akustik und bauliche Gegebenheit des Turms B bieten beste Voraussetzungen für ein stimmungsvolles Konzert in gemütlicher Atmosphäre. Mit den ergänzenden Solovorträgen von Arne Willems (Gitarre) und Dustin Koch (Marimbaphon) erwartet die Zuhörer ein interessantes und abwechslungsreiches Programm. Termin: Freitag, 4. Mai, 20 Uhr

Frühlingsfest im VolmeFreizeitPark Ein Fest für die komplette Familie wird am 5. Mai im VolmeFreizeitPark in Kierspe gefeiert. Das Fest mit dem Themenschwerpunkt Frühling ist gleichzeitig der Saisonauftakt für weitere Veranstaltungen im VolmeFreizeitPark. Termin: Samstag, 5. Mai, 14 - 19 Uhr

Meinerzhagener Autofrühling Des Deutschen liebstes Kind steht am 13. Mai in der Meinerzhagener Innenstadt im Blickpunkt. Beim Autofrühling präsentieren heimische Händler eine große Autoschau. Dazu gibt es ein buntes Kinderprogramm und viele Aktionen von Meinerzhagener Vereinen. Die Geschäfte in der Innenstadt haben geöffnet. Termin: Sonntag, 13. Mai, 12 - 17 Uhr

Rüdiger Imhof plays Rüdiger Imhof, emeritierter Anglistik-Professor aus Kierspe, spielt am 17. Mai Country, Blues und Folk im Kulturbahnhof Halver. Der Spezialist für englischsprachige Folksongs nimmt das Publikum mit auf eine Reise durch die Folksong-Tradition Schottlands, Englands, Irlands und der USA. Dabei erläutert er die einzelnen Stücke und erklärt und demonstriert unterschiedliche Gitarrenstile. Für diese Veranstaltung der VHS Volmetal wird kein Eintritt erheben. Stattdessen werden die Besucher um eine Spende für das Kinderheim Nadeshda in Weißrussland gebeten. Termin: Donnerstag, 17. Mai, 19 Uhr, Kulturbahnhof Halver

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Mühlentag in der Knochenmühle Zum Mühlentag laden die IG Knochenmühle und der Heimatverein Meinerzhagen ein. Die Besucher können bei stündlichen Vorführungen beim Zerkleinern der Knochen zusehen. In der Heimatstube und in der Scheune sind landwirtschaftliche und handwerkliche Geräte ausgestellt. Um die Mühle gibt es einen Handwerkermarkt. Termin: Montag, 21. Mai, 11 - 17 Uhr

Erinnerungen an Ivan Rebroff Ein stimmungsvolles Gemeinschaftskonzert unter Mitwirkung des Chors 70 Meinerzhagen findet am 27. Mai in der Jesus-Christus-Kirche in Meinerzhagen statt. Der Ural Kosaken Chor präsentiert gemeinsam mit dem Chor 70 Meinerzhagen sein neues Programm „Erinnerungen an Ivan Rebroff“. Termin: Sonntag, 27. Mai, 18 Uhr

374. Halveraner Kirmes 14 Tage nach Pfingsten ist es wieder soweit: Kirmes in Halver. Viele neue Attraktionen und leckere Düfte locken nicht nur Halveraner in die Innenstadt. Termin: 1. - 4. Juni, Freitag: Eröffnung um 18 Uhr mit Fassanstich durch den Bürgermeister; Sonntag: 1-Euro-Tag; Montag: Familientag mit Feuerwerk zum Abschluss

Herbert Knebel rockt bis qualmt Mit seinem ersten reinen Musikprogramm kommt Herbert Knebels Affentheater in die Stadthalle Meinerzhagen. „Rocken bis qualmt“ werden Affentheater verstärkt durch die Gastmusiker Henjek und Stenjek, die ehemalige Bläsersektion der Familie Popolski. Ein Wiedersehen und Wiederhören mit tollen Songs aus den verschiedenen Programmen von Herbert Knebels Affentheater wie Rentner Love, Auf´m Heimweg zu schnell, Papa war bei de Rolling Stones, Elli, Lola, Rauch ausse Wohnung… eben „Rocken bis qualmt“. Termin: Freitag, 8. Juni, 20 Uhr; Info: kuk-verein.de

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Gibt‘s hier Valbert:

Kierspe:

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Bäckerei Gießelmann, Friedrich-Ebert-Str. 349 Blumenhaus Varnhorn, Kölner Str. 89 Buchhandlung Timpe, Friedrich-Ebert-Str. 363 Ecki, Volmestr. 127 Frauenärztin Marrenbach-Knipp, Kölner Str. 159 Herz Heimat Laden, Schmiedestr. 5 Löhwenzähnchen, Höhlen 15 Metzgerei Hoffmann, Friedrich-Ebert-Str. 337 Post Apotheke, Kölner Str. 85 Praxis für Physiotherapie & Osteopathie Stuberg, Kölner Str. 159 Rathaus, Springerweg 21 Rechtsanwaltskanzlei Gebauer/Kaus, Kölner Str. 159 Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen, Thingslindestr. 1 Sport Engstfeld, Kölner Str. 78 Sportshouse4U, Kölner Str. 159 Tierarzt Klaus, Friedrich-Ebert-Str. 348 Vitalis, Friedrich-Ebert-Str. 294 vividum - Praxis für Physiotherapie, Friedrich-Ebert-Str. 243 Zahnarzt Dr. Henner Kraft, Friedrich-Ebert-Str. 365

Meinerzhagen: Aktiv Physio, Kirchstr. 5 Apotheke im Multimedicum, Volmestr. 2b Apotheke Zum Alten Teich, Kampstr. 9 Bäcker mit Herz, Zur Alten Post 6 Bäckerei Schmidt, Mühlenbergstraße 2 Bäckerei Voss-Mühle, Lindenstr. 25 Blumenhaus art flora, Krim 1 Blumenhaus Krause, Hauptstr. 15 Buchhandlung Schmitz, Zur Alten Post 6 Café Kaffeeklatsch, Hauptstr. 39 Ceranski Autowerkstatt, Darmcher Grund 12 Dr. med. Matthias Biezynski, Kampstr. 9 Dursty Getränkemarkt, Oststr. 40 Feel Good, Bergstr. 6 Feinkost Shahi, Wochenmarkt freitags Fleischerei Hoffmann, Hauptstr. 5 Foto Heyder, Hauptstr. 10 Fotoatelier Albrecht, Derschlager Str. 8 Friseursalon Isenburg, Derschlager Str. 7 Frisör Struwelpeter, Hauptstr. 30 Gasthaus Theile, Derschlager Str. 24 Gasthof zur Rose, Kirchstr. 20 Goldschmiede Seuthe, Kirchstr. 10 Hirsch-Apotheke, Derschlager Str. 1A Hotel Bauer, Willertshagen 10 Hotel Pension Haus Hahnenbecke, Hahnenbecke 8 Hotel-Restaurant Am Schnüffel, Heerstr.10 Italienische Spezialitäten Elena, Zur Alten Post 8 Kraut und Rüben, Kirchstr. 7 Löwen-Apotheke, Hauptstr. 43 Maiworm, Zur Alten Post 3 Optiker Casimir, Derschlager Str. 2 Orthopädische Praxis Nilovic, Volmestr. 2 Parfümerie Gottmann, Derschlager Str. 10 Physiopraxis Kison & Büthe, Hauptstr. 34 Pot Au Feu, Steinsmark 1 Rathaus, Bahnhofstr. 15 Raumausstattung Lothar Kaufmann, Birkenweg 12 Rilie, Hauptstr. 2 Salon Figaro, Derschlager Str. 1 Schuhmode Geller, Oststr. 40 Schütz Mode, Derschlager Str. 1 Siam Massage, Derschlager Str. 10 Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen, Zur Alten Post 2-4 Volksbank im MK, Hauptstr. 12 Weinstube Dango, Kirchstr. 12a Weltladen, Zur Alten Post 9 Wirtshaus in der Altstadt, Derschlager Str. 15 Zahnarztpraxis Klee/Haidle, Volmestr. 2

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HÜHNERSUPPE GEGEN ERKÄLTUNG

UND ZUM SPARGEL KEINE TÜTENSOSSE! Was für eine komische Schlagzeile, mögen Sie denken. Doch momentan beschäftigen mich diese beiden kulinarischen Errungenschaften intensiv. Zunächst kämpfe ich gerade gegen eine mittelschwere Erkältung. Wenn die Kälte sich langsam durch Mantel, Pulli und Hemd Richtung Körper schlängelt, dann wünschen wir uns oft nichts sehnlicher als eine Wärmung von innen. Ein Glas Glühwein oder ein heißer Grog könnten da gut helfen. Aber auf Dauer? Zu ungesund. Ich ziehe das heiße Süppchen vor. Und in der kalten Jahreszeit hab’ ich mich auf meine Lieblingsvariante, wie sie schon meine Oma bevorzugte, spezialisiert. Auf die als Wunder wirkend gepriesene Hühnersuppe. Der ganz große Geheimtipp bei grippalem Infekt. Exakt bewiesen ist das zwar nicht, aber allein der Glaube daran sorgt schon für rasche Genesung. US-Forscher haben festgestellt, dass der in der Hühnerbrühe enthaltene Eiweißstoff Cystein dafür sorgt, dass jene für Erkältungen mitverantwortlichen weißen Blutkörperchen blockiert werden. So lindert Hühnersuppe die Symptome einer aufkommenden Influenza. Also Grund genug neben dem hervorragenden Geschmack, sich daran zu machen, das Geflügel ganz langsam auf dem Herd auszukochen. Wichtig ist nur, die Brühe frisch zuzubereiten. Der Aufwand lohnt sich, denn Instant-Brühen funktionieren nicht, weder am Krankenbett noch geschmacklich. Die Zutaten, die neben dem Huhn in leicht kochendem Wasser ziehen, sollten von Ihrem individuellen Geschmack abhängen. Bei uns hat sich mittlerweile die asiatische Variante durchgesetzt. Zitronengras, Korianderwurzeln, Knoblauch und ein dickes Stück Ingwer gehören in das Grundrezept. Wer dieses nicht mag, sollte neben dem obligatorischen Suppengrün etwas mehr Lauch, Möhren und Sellerie verwenden. Wichtig ist, das Huhn knapp drei Stunden lang leise köcheln zu lassen. Dann alles durchseihen. Reis oder Nudeln zubereiten,

das Hühnerfleisch in Streifen schneiden und mit viel kleingehackter Petersilie bestreuen. Unsere Zutaten fürs Hühnersuppen Haus-Rezept: (für 4 Personen) halbes Suppenhuhn, 1,2 l Wasser, Salz, 1 Bund Suppengrün, 2 Knoblauchzehen, 2 Stangen Zitronengras, 5 Korianderwurzeln, 1 dickes Stück Ingwer, Reis, Petersilie.

Und dann kommt der Frühling . . . Und schon bin ich beim 2. Thema, wenn sich dank Hühnersuppe der Virus verflüchtigt hat: Die Vorfreude auf den Frühling. Und zum Frühling gehört für mich kulinarisch nichts so sehr wie der frische Spargel aus deutschen Landen. Von Mitte April bis zum 24. Juni kommen die Stangen so oft wie möglich auf den Tisch des Hauses. Mal als Salat, mal überbacken, mal mariniert, mal in der Suppe und meistens aber mit einer leckeren Sauce Bearnaise. Und da bin auch schon bei des Pudels Kern. Im Supermarkt quellen die Regale über vor „leckeren“ Varianten aus der Tüte, angeblich „köstlich“ und fix zubereitet. Ich halte dagegen: Nichts besteht gegen eine selbstgemachte Sauce. Und wer sie vielleicht ein, zwei Mal ausprobiert hat, wird feststellen, wie leicht und unkompliziert die Zubereitung ist. Zunächst setzen wir einen kleinen Sud auf, bestehend aus einer Schalotte oder kleinen Zwiebel, Pfefferkörnern, etwas Weißweinessig und 100 ml Weißwein. Dieser Sud wird auf ein Drittel eingekocht. Dann beginne ich vier Eigelb vom Eiweiß zu trennen. Schlage diese Eigelb zusammen mit dem reduzierten Sud in einem Wasserbad auf, solange bis die Masse schaumig wird, dann gieße ich 200 Gramm ausgelassene Butter langsam hinzu. Zusammen mit frischem Estragon und Kerbel (zur Not geht’s auch mit getrockneten Kräutern) und etwas Cayennepfeffer verfeinere ich meine Lieblingssauce zum Spargel. Testen Sie’s einfach mal aus. Es lohnt sich.

Wohl bekomm‘s! 45


BRAUEN AUS PASSIONSTART-UP AN DER BIERGRENZE Marcel Faulenbach und Tim Feldmann setzen auf Handarbeit – von der Rohstoffannahme bis zur Abfüllung in Hingucker-Flaschen

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Text Volker Lübke Fotos Martin Büdenbender

„Los geht’s!“ Marcel Faulenbach steht auf der Leiter, den Kopf im Dampf. Er hat den Deckel des riesigen Kupferkessels zur Seite geschoben und wirft einen prüfenden Blick ins Innere. Heinz Böker legt einen Hebel an der dicken Rohrleitung um, eine Pumpe springt an. Dann fließt die heiße, wässrige Flüssigkeit in den nächsten Kessel. Inzwischen haben wir uns an den kräftigen Geruch im Sudhaus der Rönsahler Brauerei gewöhnt. Marcel Faulenbach ist Bierbrauer aus Passion. Gemeinsam mit Tim Feldmann hat er die Rönsahler Brauerei GmbH zum Jahreswechsel übernommen. Der Rönsah-

abgebaut und im Kiersper Grenzdorf fast originalgetreu wieder aufgebaut. „Wegen der geringen Deckenhöhe konnten wir leider nur die eine der ehemals zwei Etagen des Kessels aufstellen“, so der Rentner und Hobbybrauer. „Okay, trocken“, stellt Faulenbach beim erneuten Blick in die Sudpfanne, wie der Kessel auch genannt wird, fest. Die Maische bleibt als Bodensatz zurück, während die gelblich braune Flüssigkeit, die bald das original Rönsahler Landbier werden soll, in den Läuterbottich ge-

ler Wolfgang Becker hatte sie 2011 – mehr als Hobby – gegründet. „Wir haben damals den Sudkessel geholt“, erzählt Heinz Böker. Er gehört nach wie vor quasi zum Inventar der kleinen ambitionierten Brauerei. Die Anlage wurde seinerzeit im Dortmunder Brauereimuseum

pumpt wird. Gut vier Stunden war das Gerstenmalz im gasbeheizten Kessel. Die schmiedeeisernen Ofenklappen sind nur noch für die Besucher vorhanden, erklärt Faulenbach. Früher wurden solche Kessel natürlich von Hand befeuert. Das machte die genaue Einhaltung der


so genannten Zeitrasten – Ruhepausen, in denen die Temperatur beim Aufheizen konstant gehalten werden muss – schwierig. Die Heizung ist aber auch das einzige, was mit einer automatischen Steuerung abläuft. Sämtliche Arbeitsprozesse hat der gelernte Bierbrauer selbst in der Hand. Darauf legt der 25-Jährige großen Wert. Während das künftige Bier im Läuterbottich von gut 70 auf 20 Grad Celsius heruntergekühlt wird, erzählt der Brauerei-Chef, wie er zu seinem Beruf und dem Startup in Rönsahl gekommen ist. „Nach dem Abitur haben alle geschaut, wo eine Stelle frei ist“, erzählt der Berg­ neustädter. Das Studium der Geowissenschaften habe er abgebrochen, sagt er lakonisch: „Das war eine Fehlentscheidung.“ Umso besser war der Entschluss, den er gemeinsam mit seinem Kompagnon Tim Feldmann fasste, in dem beide die Rönsahler Brauerei GmbH übernahmen. Das sah im Übrigen auch Clemens Wieland von der Volksbank Kierspe so. „Das Konzept und die Idee dahinter haben mich sofort überzeugt“, so der Banker im Komplett-Gespräch. Wir wollten wissen, warum ein Kreditinstitut einem solch eher ungewöhnlichen Startup die Finanzierung ermöglicht. „Die Kölsch-Brauereien wollten mich nicht“, erinnert sich Marcel Faulenbach. Nach mehreren Praktika fand er schließlich eine Ausbildungsstelle bei der Binding Brauerei in Frankfurt. Ein Jahr lang arbeitete er dann als Geselle, die letzten Monate bei der Krombacher. Die sehe er heute nicht als Konkurrenz, sagt er selbstbewusst. Faulenbach und Feldmann setzen ganz bewusst auf Handarbeit: „Unser Bier ist einfach nicht mir Industrieprodukten vergleichbar.“ Dort werde versucht, Biere zu brauen, die möglichst viele Geschmäcker treffen – ohne Ausschlag in eine bestimmte Geschmacksrichtung. Hier werden andere Hopfensorten und ausgesuchte Malze verwendet, was nach Faulenbachs Worten höchste Qualität ermöglicht. Die großen Mitspieler am Markt setzen vor allem auf Konstanz bei Alkoholgehalt, Stammwürze, Farbe und Haltbarkeit, weiß der Inhaber der Kleinbrauerei. Bei 6,7 Millionen Hektoliter Jahresausstoß beispielsweise bei der Krombacher passe alles bis auf die Nachkommastelle genau, weiß Faulenbach: „Geschmack ist aber nicht messbar.“ Deshalb sei es für handwerklich arbeitende Brauereien viel schwieriger, Konstanz zu halten. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die Reinigung, erklärt Faulenbach. „Das muss sehr gründlich gehen“, bekräftigt Böker, während er die Rohrleitung spült. Zweimal pro Woche stellen die drei Männer rund 1.000 Liter Bier her – die Sorten Rönsahler Landbier hell und dunkel nach den mit den GmbH-Anteilen übernomme-

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nen Rezepturen, sowie Faulenbachs Gesellenstück, das Rönsahler Bockbier. „Unsere Biere werden regional sehr gut angenommen“, sagt Faulenbach – und lässt den Hopfen von einem großen Teller in den Läuterbottich rieseln. Auf 1.000 Hektoliter beziffert Faulenbach den Jahresausstoß des Unternehmens. Aufgrund der historischen Räume sei mehr kaum möglich. Die Rönsahler Brauerei be-

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und Anfang Dezember war alles in trockenen Tüchern. Die beiden hatten den Geldgeber überzeugt. „Zum Start vertreiben wir das Bier in einem Umkreis von etwa 40 Kilometern.“ Einzelhandel, wie regional verankerte Getränke- und Supermärkte, aber auch zunehmend die Gastronomie zählt Feldmann zu den Kunden der Rönsahler Brauerei. Die räumliche Lage direkt an der westfälischrheinischen Biergrenze hat für die BrauereiInhaber keine Bedeutung. „In Bergneustadt wird nur Pils – und inzwischen auch Rönsahler – getrunken“, so Faulenbach, und das, obwohl seine Heimatstadt im ansonsten Kölsch-gefluteten Oberberg liege. Der Vertrieb des Landbiers funktioniere auch deshalb im benachbarten Rheinland, weil die Produkte eben weder Pils noch Kölsch seien. „Sie können jeden Wein mit einem Bier ersetzen“, fügt der überzeugte Biertrinker und –brauer lachend hinzu. „Wir sehen in der wieder entstandenen Nische, dem Trend zu besonderen Bieren, unsere Chan-

findet sich in der historischen Kornbrennerei Krugmann. Das Backsteingebäude wird nebenbei als Kulturzentrum im 2.000-Seelen-Dorf genutzt. Inzwischen ist der Sud geläutert und auf die gewünschten 20 Grad abgekühlt. Heinz Böker gibt mit dem nächsten Hebel den Weg frei, auf dem das Bier vom Läuterbottich in den Keller fließt. Dort wartet Tim Feldmann am frisch gereinigten stählernen Gärbottich. „In einer guten Stunde ist alles hier“, sagt der 23-Jährige. Er habe schon als Jugendlicher mit seinem Freund und heutigen Mitgesellschafter in dessen elterlicher Garage Bier gebraut, erzählt der gelernte Forstwirt. Von der Rohstoffannahme bis zum fertigen Produkt – alles Handarbeit, darauf legen die beiden großen Wert. Im Gärbottich verrichtet die Hefe nun die nächsten vier bis sechs Tage ihre Arbeit. Zeit für den Brauer und seine Mitstreiter, eine der zuvor gebrauten Marchen abzufüllen, denn auch das ist in Rönsahl Handarbeit. Klirren in den industriellen Abfüllanlagen Abertausende von Flaschen übers Fließband, so stellen Faulenbach, Feldmann und Böker immer nur zwei Flaschen gleichzeitig in die Abfüllanlange. Hier werden sowohl die 0,75- und ZweiLiter-Flaschen befüllt, wie auch die Fünf-Liter-Dosen, die so genannten Pittermännchen. In die 30- und 50-LiterFässer, die mit jeder herkömmlichen Zapfanlage geleert werden können, gelangt das Rönsahler über eine ande-

Noch fehlen einige hundert Liter im Gärbottich als Tim Feldmann die Hefe zugibt. Der besondere, kräftige Geschmack sei auf die hochwertigen Malze und Hopfen zurückzuführen und am Ende das Ergebnis der Sedimentation bei der Lagerung, so Brauer Faulenbach. Die Hefe werde nämlich nicht wie bei den Großbrauereien entnommen, sondern bleibt enthalten, wenn das Bier eine weitere Etage tiefer in die Lagertanks fließt. „Je länger das Bier hier lagert, desto reifer wird es“, weiß Marcel Faulenbach. Was in der Industrie ein paar Tage dauert, braucht hier bis zu fünf Wochen. „Bei 2 bis 3 Grad im unteren Gewölbekeller setzt sich die Hefe im Tank ab und stellt ihre Tätigkeit ein. Dabei frisst sie den Zucker, produziert Alkohol und setzt Kohlensäure ab“, erklärt der Fachmann den chemischen Prozess. Wie viel man vom Rönsahler Landbier trinken dürfe ohne den gefürchteten Kater zu bekommen, wollen wir bei der abschließenden Verkostung des Rönsahler dunkel – Alkoholgehalt 4,8 Vol.-% – wissen. „Trinken Sie für jeden Liter Bier ein Glas Wasser“, rät Marcel Faulen-

re Anlage. „Im Mai 2017 sind wir mit dem Vorhaben, die Geschäftsführeranteile der GmbH zu übernehmen, gestartet“, sagt Marcel Faulenbach. Das sei zwar gefühlt ein langer Weg gewesen, im Oktober wurde es dann aber konkret

bach schmunzelnd, denn mit jedem Liter getrunkenen Bieres scheiden wir 1,2 Liter aus. „Aber im Ernst: Für Kopfschmerzen sorgen vor allem unedle Inhaltsstoffe“, erklärt der Brauer, „und die sind nach der langen Lagerung raus.“

ce“, so Faulenbach. Mit den speziellen Flaschen, die immer ein Hingucker seien, und vor allem dem einzigartigen Geschmack stehe das Rönsahler Bier eigentlich zu niemandem in Konkurrenz.


Paleo, Raw Food, Superfood & Co. Ernährungstrends und ihre Tücken Bei der Schulung eines Feuerwehrteams wurde über andere Wahrnehmungen der Essensausgestaltung diskutiert: Aus arbeitszeittechnischen Gründen könne man nur morgens und abends essen. Na ja, eigentlich nur abends, weil morgens der Kaffee reichen würde. Der junge Mann gab aber zu, dass er bei Einsätzen auch schon mal einen massiven Leistungsabfall wahrgenommen hat. Ein zehnjähriger Junge fragte mich, ob er nicht auf Gemüse, Käse und Brot mit Körnern verzichten und dafür lieber Schokolade und Fruchtgummi essen könnte. Wenn er dabei berücksichtigen würde, was er täglich an Kalorien benötige, müssten seine Eltern doch auch zufrieden sein. Paleo, Clean Eating, Raw Food, Superfood - das sind Ernährungstrends, die in Medien hervorgehoben werden. Wie alle Trends sorgen auch sie dafür, „in“ zu sein. Sich einem Trend anzupassen, ist ein Ausdruck sozialer Zugehörigkeit. Andersherum: Ein entspannter Umgang mit Essen und Trinken kann entstressen, für körperliches Wohlbefinden sowie Glücksmomente sorgen. Ein gutes Beispiel: Raw Food. Raw-Food-Esser essen Rohkost; die Speisen dürfen eine Erhitzung von 42 Grad Celsius nicht überschreiten. Die Inhaltsstoffe bleiben vollständig erhalten. Tatsächlich kann Rohkost wegen der vielen Ballaststoffe bei chronischer Verstopfung bzw. Darmträgheit dafür sorgen, dass der Körper dies selbst wieder reguliert. Es gibt jedoch kein ernährungsphysiologisches und medizinisches Argument, Rohkost dauerhaft anderen Ernährungsformen vorzuziehen. Im Gegenteil: Wer dauerhaft Rohkost isst, kann dem Körper nicht die Energie zuführen, die er benötigt. Beim Ernährungstrend Paleo kommt nur auf den Tisch, was es schon in der Steinzeit gab. Zucker, Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot sind tabu. Da die Lebenswelt sich in den letzen zwei Millionen Jahren verändert hat, hat sich auch der Mensch entwickelt und dem Nahrungsmittelangebot angepasst. Frei-von-Trend: Ob es Glutenfrei oder ohne Laktose ist, immer mehr Menschen greifen zu den Produkten, die für

GESUNDHEITSTIPPS Menschen mit einer Unverträglichkeit entwickelt wurden und ihnen helfen sollen, im Alltag besser zurecht zu kommen. Für nicht Betroffene bieten diese Lebensmittel keine Vorteile, sind aber kostspieliger. Clean-Eating: Hier soll alles vollwertig, frisch und naturbelassen sein. Die Regeln sind teilweise streng: Sechs kleine Mahlzeiten, immer frühstücken, gesunde Fette einsetzen, ausschließlich kleine Portionen essen, keine Fertiggerichte, keine Konservierungsstoffe, kein Zucker und dann die Erlösung: den Genuss von Alkohol limitieren. Hallo? Alkohol ist ein Zellgift und wird bei diesen sehr engmaschigen und strengen Vorgaben nur limitiert? Wer hat diese Regeln erfunden? Superfood - die peruanische Wurzelknolle Maca, die ChiaSamen, Goji-Beeren aus Asien und japanisches Matcha u.a. Lebensmittel haben unsere Küchen erobert. Sie alle werden durch ihren Gehalt an Inhaltsstoffen wie z.B. B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren und Calcium hervorgehoben. Das ist auch nicht falsch, aber diese Inhaltsstoffe kommen auch in Fisch, Rapsöl, Käse und Gemüse vor. Intervallfasten: Hier gibt es festgelegte Nahrungspausen und im Anschluss ist der Genuss wieder erlaubt. Die Umsetzung ist Auslegungssache: 5:2 ist nicht das Ergebnis des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft, nein, hier geht es um fünf Tage Essen und Trinken und zwei Tage begrenzte Nahrungsaufnahme bis 600 Kalorien. Möglich ist aber auch das auf einen Tag des Essens ein Tag des Fastens folgt. Der Feuerwehrmann und der 10-jährige Junge gehen jetzt übrigens einen anderen Weg. In Schulung und Einzelgespräch wurden ihnen nachvollziehbar Gewohnheiten, Wünsche und Bedürfnisse dargestellt, die Chance für Veränderungen im Alltag und bei der Ernährung. Andrea Haase Diplom-Oecotrophologin und Ernährungsberaterin/DGE, Kierspe

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AUS DER WISSENSCHAFT DIREKT INS FITNESSSTUDIO

Kennen Sie das: Ihre Freundin/Ihr Freund isst gerne Kuchen und ist rank und schlank – während Sie schon mit vielen Diäten versucht haben Ihr Traumgewicht und Ihre Traumfigur zu bekommen und es bisher trotz Sport und Ernährungswahn nicht geschafft haben? Wie ungerecht ist denn das? – oder doch nicht so ungerecht? Denn die Erklärung ist so verblüffend wie einfach: „Ihre DNA legt fest wie Sie Lebensmittel verwerten.“ Doch wer kennt schon seine eigene DNA? Das Fitnessstudio „Sportshouse4U“, in der Mitte von Kierspe (am Wildenkuhlen), kann durch die Zusammenarbeit mit der Firma „for me do GmbH“ mittels des Tests „MetaCheck fitness“ ab April 2018 die Lösung für dieses Problem anbieten. „MetaCheck fitness“ untersucht auf Grundlage von aktuellen wissenschaftlichen Studien bestimmte Stoffwechselgene und deren Interaktion miteinander. Die Auswertung des Tests wird dann von Universität Köln/Bonn vorgenommen und das Ergebnis kommt direkt ins Studio. Damit kann eine individuell optimierte Ernährung und die dazugehörige Trainingsplanung mit dem/r Trainer/ in ausgearbeitet werden.

Ihre Vorteile: - natürlich und nachhaltig abnehmen durch angepasste Ernährungsumstellungen, - kein Jo-Jo-Effekt durch diese Umstellung, - keine Radikaldiät und Hungern, - unkomplizierter Wangenschleimhautabstrich genügt, - einmaliger Test reicht aus, da sich Ihre DNA nicht mehr verändert.

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Seit Jahren sucht Geschäftsführer Derek Schulze nach einer wissenschaftlich fundierten Diagnostik zur individuellen Ernährungs- und Trainingsplanung. „Gerade die Ernährungsberatung ist so komplex und individuell, dass es nicht machbar ist, mit einer generellen Diät- oder Ernährungsempfehlung unsere Mitglieder alle erfolgreich zu begleiten. Das führt immer wieder zu Frust und Aufgabe bei den Betroffenen.“ „Mit diesem DNA-Test für den Stoffwechsel und der Muskulatur haben wir erstmalig einen individualisierten und exakten Einblick in die physischen Abläufe unserer Mitglieder. Damit werden die Ernährungsberatung und die Trainingssteuerung zielführend und erfolgreich revolutioniert. Aus der Wissenschaft direkt ins Fitnessstudio“ sagt Derek Schulze begeistert. Doch es gilt auch weiterhin ohne Schweiß, Kontinuität und fachkundige Anleitung ist kein Erfolg erreichbar. Für 2018 hat Derek Schulze und sein Team das Jahr der Gesundheit und Fitness ausgerufen. Für die Mitglieder heißt das, dass zertifizierte Trainer/innen alle 2 Monate einen neuen Trainingsplan kostenlos erstellen. Zudem sind neben einem umfangreichen Betreuungs- system diverse Aktionen und Angebote geplant. „Durch die Kooperation mit „for me do GmbH“ ist nunmehr die letzte Lücke meiner Vision des Studios geschlossen. Individuell, fundiert und mit Nachhaltigkeit im Bereich der Ernährungsberatung und Trainingssteuerung setzen wir uns signifikant von allen anderen Wettbewerbern in unserer Region ab“ sagt Derek Schulze.

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HAUS ISENBURG Prächtiges Herrenhaus mit bewegter Vergangenheit Unweit von Kierspe Dorf, nur etwa fünfhundert Meter oberhalb des Kerspetals liegt die Isenburg. Sie ist keine Burg, wie der Name glauben macht, auch kein Schloss, worauf man in Anbetracht des wuchtigen Rundturms schließen möchte. Die Isenburg ist vor allen Dingen ein herrlich anzusehendes Haus mit einer spannenden Vergangenheit, dessen Wurzeln bis ins 14. Jahrhundert zurückgehen sollen. Eigentümerin ist Dagmar Schröder-Becker. Sie hat das Haus vor zwanzig Jahren zusammen mit ihrem verstorbenen Mann aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Denn Haus Isenburg, das zuletzt als Müttergenesungsheim diente, stand ab Mitte er 90er Jahre leer.

Von Martin Büdenbender

Ursprünglich war das Haus ein Bauerngut im Besitz der Familie Isenburg. Nachweislich ist der Name Isenburg seit 1538 mit dem Hof verbunden. Als Reidemeister Johann Dietrich Reininghaus im Jahr 1806 Margarethe Isenburg heiratete, änderte sich erstmals der Besitzername. Vielfach wechselten in der Folgezeit, meist durch Heirat, die Besitzer. Und auch das Haus selbst änderte immer wieder sein Aussehen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es sogar vollständig abgerissen und von Grund auf neu gebaut. Vom einstigen Bauerngut zeugt heute nur noch eine alte Federzeichnung. Der Neubau im Stil eines Herrenhauses wurde 1895 fertig, erhielt den runden Turm, der heute so sehr den Anblick des Hauses bestimmt, aber erst Mitte der 1920er Jahre. Damals zierte zudem eine elegante Balustrade die Vorderseite. Sie steht heute nicht mehr. In den 1950er Jahren kam der Anbau an der linken Seite hinzu. Der Eingang wurde dorthin verlegt und der Haupteingang an der Vorderfront geschlossen. Diese Maßnahmen hatten mit der Nutzung des Hauses als Müttergenesungsheim zu tun, das 1954 eröffnete. Den damaligen Bedürfnissen entsprechend wurde vieles im Haus Isenburg umgebaut. Als das Heim im Jahr 1995

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Hausflur ist über die Jahrzehnte unverändert geblieben

schloss, war vom Glanz des einstigen Herrenhauses nicht mehr viel übrig geblieben „Als wir das Gebäude übernommen haben, stand es mitten im Wald“, erinnert sich Dagmar Schröder-Becker. Der dichte Baumbestand schien das Haus zu erdrücken. Beengend habe sie das damals empfunden und sei von dem Gedanken, in diesem Haus zu wohnen, zunächst gar nicht begeistert gewesen. Doch ihr Mann habe sie mit seinen Plänen überzeugt, der Isenburg ihren einstigen Charme wiederzugeben. Das Ehepaar renovierte das inzwischen unter Denkmalschutz gestellte Haus von Grund auf. Die ganze Umlage wurde umgestaltet und der dichte Baumbewuchs gelichtet. Neue Fenster im alten Stil brachten Licht und Glanz ins Haus. In den Obergeschossen entstanden anfänglich Räume für Freiberufler, die später dann zu Mietwohneinheiten umfunktioniert wurden. Alle Veränderungen wurden mit Fingerspitzengefühl geplant und wo nötig funktionell, aber immer geschmackvoll umgesetzt.

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Ein Besuch der Isenburg zeigt, wie gut dies gelungen ist: Das große Hoftor öffnet dem Besucher den Weg zum ehemalige Herrenhaus. Rechts über die Grünanlage hinweg erblickt man den wuchtigen Rundturm, der mit dem nicht minder imposanten Erker an der Vorderfront korrespondiert. Im Anbau auf der rechten Seite befindet sich der Haupteingang mit seinem kunstvoll geschmiedeten Portal, durch das man ein modern gestaltetes Treppenhaus betritt. Von hier geht es zu den Mietwohnungen. Überall hängen Bilder, Zeichnungen, Gemälde und Fotografien. Sie erinnern - ebenso wie die Skulpturen im Garten - daran, dass Dagmar Schröder-Becker im Haus Isenburg viele Jahre eine Galerie unterhalten hat. Der Eingang zu ihrer Wohnung befindet sich auf der Hausrückseite. „Das ist der ehemalige Lieferanteneingang des Müttergenesungsheims“, verrät die Hausbesitzerin schmunzelnd. Auch hier betritt man zunächst einen Hausflur, der die Jahrzehnte nahezu unverändert überstanden hat und noch immer den Charme des einstigen Herrenhauses versprüht. Eine alte, weißlackierte Holztreppe mit rotem Läufer windet sich nach oben und führt vorbei an einem wunderschönen, bleiverglasten Fenster. Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen flankieren den Weg treppauf. In der ersten Etage, dort wo sich noch vor dreißig Jahren die Zimmer der erholungssu-


chenden Mütter befanden, ist der einstige Durchgang mit einem großen Schrank verbaut. Er ist randvoll mit Erinnerungen an die abwechslungsreiche Geschichte des Hauses gefüllt. Alte Zeitungsartikel, Bücher, Fotografien und Zeichnungen lassen die Vergangenheit der Isenburg lebendig werden. Ein Fragment der Balustrade, die einmal das Haus zum Garten hin öffnete, ist in diesem kleinen „Hausmuseum“ ebenso zu finden, wie alte Postkarten mit Ansichten des Hauses, oder das rote Schild mit dem Namen des früheren Besitzers Carl Hüser, auf den die Erweiterungen der Isenburg in den 20er Jahren zurückgehen. Interessant auch die beiden Porzellanschilder mit der Aufschrift „Sprechstunde“, die auf den Heilpraktiker Walter Krüger hinweisen, der hier Anfang der 50er Jahre praktizierte, bevor die evangelische Frauenhilfe Soest das Haus erwarb und zum Erholungsheim umfunktionierte. Walter Krüger machte durch seine ungewöhnlichen Methoden von sich reden

und soll Heerscharen von Patienten angezogen haben. In der guten Stube von Dagmar Schröder-Becker fällt der Blick zunächst einmal auf die züngelnden Flammen des Kaminofens. Vom prasselnden Feuer aufgewärmt lässt der Besucher die Großzügigkeit des Raumes auf sich wirken. Dies, man mag es kaum glauben, war bis Mitte der 90er Jahre der Aufenthaltsraum für erholungssuchende Mütter. Nüchtern und alles andere als gemütlich sieht der Raum auf einem alten Foto aus, das Dagmar Schröder-Becker herausgesucht hat. Aber unverwechselbar machen Fenster, Türen und der Rundbogendurchgang hinten links deutlich: es ist das selbe Zimmer. Die geschmackvolle Einrichtung lässt ihn dennoch völlig anders wirken. Alte Holzschränke und Vitrinen, spannende Gemälde zwischen den Fenstern, dezenter Stuck an den Decken - wirklich ein wohnliches Zuhause.

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ALPAKAS IN BLOM­ BERG BEZAUBERN MIT CHARME Sie sind die Aufsteiger des Jahres. Sie stehen ganz oben auf der Beliebtheitsliste. Wer spricht noch vom Einhorn? Die Alpakas haben die Herzen erobert. Die Tiere sind friedlich, freundlich und fröhlich. Ihr leises Summen und ihr Lächeln ist ansteckend. Es macht die Menschen froh. Silke und Lutz Aufenacker züchten Alpakas. Sie leben mit ihnen auf dem Hof Blomberg zwischen Valbert und Meinerzhagen. „Den Kuschelcharakter haben sie unter anderem wegen der großen Knopfaugen, der langen Wimpern und der teddyartigen Bewollung“, schwärmt Lutz Aufenacker. Die Fluchttiere wahren zunächst einen Abstand von ein bis anderthalb Meter. Nach einer Zeit des gegenseitigen Kennenlernens siegt ihre stark ausgeprägte Neugierde und sie treten in Kontakt zu ihren Besuchern. Dies zeigt sich, indem sie ihr Gegenüber genau beobachten und vorsichtig beginnen, es zu beschnuppern. Auch Aufenackers sind dem Charme der Alpakas erlegen. Doch den aufflammenden Hype sehen sie durchaus kritisch. „Viele springen auf den Zug auf, bedenken jedoch nicht, dass die Alpakas nur in einer Gruppe gehalten werden können und bis zu 25 Jahre alt werden. Wer sie hält, übernimmt eine große Verantwortung“, machen die Züchter deutlich. Lutz und Silke Aufenacker übernehmen diese Verantwortung mit Leidenschaft. Als sie einen Film mit Alpakas im Fernsehen gesehen hat, ist es passiert - da hat sich Silke Aufenacker in die Tiere verliebt. Das war vor etwa sechs Jahren, da waren sie noch nicht trendy. Seit 2012 züchtet das Ehepaar Alpakas und seit 2014 in Blomberg. Die beiden leben mit ihnen und leben für die Tiere. „Sie stehen bei uns an erster Stelle. 365 Tage im Jahr“, sagt Lutz Aufenacker. Okay, ein freies Wochenende kommt vor.

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Text: Elke Teipel Fotos: Martin BĂźdenbender

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„Und dann besuchen wir eine Alpaka-Show“. Die Alpakas als Lebensmittelpunkt. „Das geht prima und macht Spaß“. Mit 60 Jahren ging Lutz Aufenacker in Rente. Er hatte als Pilot im Rettungsdienst gearbeitet. Mit dem Ende der Arbeitszeit startete er in einen neuen Lebensabschnitt - die Alpakazucht. Schluss mit der Fliegerei. Die hat er abgehakt, die fehlt ihm nicht. Ausgangspunkt für den Neustart war der Bauernhof eines Freundes in Siegen. Von da aus suchten sie nach einem eigenen Hof. „Wir haben alles verkauft, um uns den Traum zu erfüllen“, erzählt Lutz Aufenacker. Nicht nur Haus und Umgebung sollten passen. Ein Tierarzt in der Nähe, der sich mit Alpakas auskennt, diese Voraussetzung musste erfüllt sein. Hof Blomberg war’s: Haus und Ställe, knapp fünf Hektar Land. Hier können Aufenackers bis zu 50 Tiere halten. Zurzeit sind es 35. Sie summen. Die Jungs und Mädels von der Fohlengruppe sind munter. Das Alpaka ist eine aus den südamerikanischen Anden stammende, domestizierte Kamelform (Neuweltkameliden). Alpakas sind wie alle Kamele soziale Tiere und fühlen sich in der Herde am wohlsten. Die Hengstgruppe ist für die tierbegleitenden Aktivitäten auf dem Hof zuständig. Alpakas liefern nicht nur wunderbare Wolle – das Vlies der Götter – ihr ruhiges und friedliches Wesen beruhigt auch die Menschen. Stichwort: Entschleunigung, Abschalten, Grenzen erkennen. Alpakas werden immer häufiger für die „Tiergestützte Therapie“ eingesetzt. Die Therapie mit Alpakas wird auch gerne als „Delphin-Therapie auf vier Beinen“ bezeichnet. In Absprache mit Therapeuten bilden Aufenackers geeignete Alpakas

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für diese Einsätze aus. Neben dem „sich anfassen und kuscheln lassen“ lernen die Alpakas auch ganz praktische Sachen wie Treppen steigen und in Räume gehen oder Verladen in ein Transportfahrzeug. Dies sind z.B. Voraussetzungen, damit die Therapeuten mit den Tieren in Schulen oder anderen Einrichtungen arbeiten können. „Alpakas sind nicht ganz so dickköpfig wie Esel, aber wenn sie nicht wollen, dann wollen sie nicht“, charakterisiert der Züchter die Neuweltkameliden. Das Ehepaar Aufenacker hat die notwendige Sachkunde erworben, Lehrgänge besucht, viel gelesen, ist in ein breites Netzwerk eingebunden und hat praktische Erfahrungen gesammelt. Auf dem Hof Blomberg sind Fans der Alpakas willkommen. Hier können Kinder ihren Geburtstag

feiern. Kakao und Kuchen im eigens dafür dekorierten Stall, basteln, malen, draußen die Tiere treffen und den Alpaka-Führerschein machen. Aufenackers zeigen bei Hofführungen großen und kleinen Gruppen Tiere, Hof und Zucht. Zusammen mit den Alpakas können Besucher auch die Natur erleben. Bei Alpakawanderungen rund um Blomberg dürfen die Teilnehmer die Tiere führen. Einfach mal eine Auszeit nehmen – seit Anfang des Jahres können Menschen gemeinsam mit den Alpakas Zeit verbringen. Der Stallbesuch als Entschleuniger. „Das funktioniert von allein“, versichert Lutz Aufenacker. Eine Stunde im Stall mit den

Tieren, ihre Sanftmütigkeit auf sich wirken lassen. „Man geht raus und aller Ärger ist vergessen“. Lutz und Silke Aufenacker haben eine erfolgreiche Zucht aufgebaut. Im Frühjahr 2017 haben fünf Tiere ausgezeichnete Bewertungen in der Zuchtprüfung erreicht. „Das ist eine super Basis, um weiter zu züchten“. Ziel ist es, gesunde Tiere zu züchten und gleichzeitig die Wollqualität weiter zu verbessern. Einmal im Jahr, um Pfingsten, wird geschoren. Ein professioneller Scherer kommt auf den Hof. Er schafft etwa sechs Tiere pro Stunde. „Dann sind alle nackig“, schmunzelt der Züchter und meint „Die Tiere sind zu Beginn der warmen Jahreszeit glücklich, ihre Wolle abzugeben“. Sie wird zur Wollmühle gebracht, gereinigt und zu Naturgarn verarbeitet. Der Andrang dort ist groß. „Nach zwölf bis fünfzehn Monaten bekommt man die Wolle zurück – ungefärbt und unbehandelt. Edle Wolle von besonderen Tieren“, berichten die Aufenackers. Die Auswahl im Hofladen ist groß. Schals, Socken, Ponchos, Decken. „Hochwertige Textilien aus fairem Handel“, versichert Silke Aufenacker. Und da sind sie, die Aufsteiger des Jahres, die Alpakas. Die Langhaarigen, die Suris, und die Kurzhaarigen, die Huacaya, die auf Hof Blomberg leben, stehen im Shopregal. Die sehen nicht nur kuschelig aus, mit ihnen kann man auch kuscheln.

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FALKNEREI FUNKTIONIERT NUR MIT GANZEM HERZEN

Text: Elke Teipel Fotos: Martin Büdenbender

„Die Falknerei ist die Kunst, gemeinsam mit einem Greifvogel zu jagen, sodass der Vogel trotz der Gegenwart des Menschen – also aus reinem Vertrauen – und mit dessen Hilfe seinem natürlichen Verhalten nachgeht. Für diese Art der Jagd gibt es einen Begriff, man nennt sie Beizjagd.“ (Deutscher Falkenorden). Klingt emotionslos, ist es aber nicht. „Falknerei funktioniert nur mit ganzem Herzen.“, stellen die Experten fest. Na also. Geht doch. Und wie. Birgit Struth liefert den Beweis. „Falken sind faszinierend, erhaben, einfach toll“, schwärmt die Valberterin. Sie ist Falknerin mit ganzem Herzen. Wenn ihr da Vinci fliegt, hebt sie ab.

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Der südamerikanische Wüstenbussard da Vinci lebt bei Birgit Struth und Jörg Eilhard-Struth. Hinzu kommt Snow, ein sibirischer Uhu – eine WG mit Traumstatus. Birgit Struth und ihre Liebe zu den Greifvögeln: Als kleines Mädchen hatte sie in Eckenhagen Flugvorführungen miterlebt. Sie war ergriffen. Und sie wollte unbedingt Falknerin werden. Der Plan stand fest, doch der Start wurde immer wieder verschoben. Zuerst hatte die Schule Vorrang, dann folgten Ausbildung, Gesellenprüfung und Meisterschule, der Schritt in die Selbstständigkeit mit einem eigenen Haarstudio.


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Prüfungsfragen musste Birgit Struth beantworten können. Sie hat unermüdlich gepaukt, bis alles saß. Im März 2011 nahm sie die letzte Hürde. Prüfung bestanden. Am 20. Mai haben Birgit und Jörg ihren da Vinci abgeholt. Da war er 23 Tage alt. Das Ei hatte die angehende Falknerin schon vor der Prüfung beim Züchter reserviert. Jetzt begann neuer Stress – die Prägungsphase. Dafür hatten sich die Beiden Urlaub genommen. Es galt, eine enge Bindung zum Vogel aufzubauen. Urlaub war das nicht. Birgit erinnert sich: „Ich habe den Vogel stundenlang im Wohnzimmer herumgetragen“. Der Einsatz hat sich gelohnt. Da Vinci und Snow kommen auch mit den beiden Hunden Gandhi und Mandela prima klar. Die Englisch Setter, der Wüstenbussard und der sibirische Uhu sind ein Herz und eine Seele.

„Wann erfüllst Du Dir Deinen Traum?“ habe ihre Mutter sie schließlich gefragt. Das war der Startschuss. Ihre Mutter sollte erleben, dass die Tochter ihren Wunsch in die Tat umsetzt. Das verlieh ihr Flügel. Innerhalb eines Jahres bestand Birgit Struth die Prüfung für den Jagdschein und für den Falknerjagdschein. Das sind die Voraussetzungen, um Falken zu halten. Ein Jahr harte Arbeit. „Der Partner muss mitziehen“, erklärt die Valberterin und blickt zurück. „Ich bin um fünf Uhr morgens aufgestanden und habe bis sieben Uhr gelernt“, erzählt sie. Dann ist sie zur Arbeit gefahren. Wieder zu Hause hat sie weiter gebüffelt. Abends hat ihr Mann Jörg sie abgefragt. 1.200 schriftliche

Der sibirische Uhu gehört seit 2016 zur Familie. „Snow ist ein reiner Liebhabervogel“, gesteht Birgit Struth. Sie lacht: „Er ist der faulste Uhu aller Zeiten“. Snow fliegt nicht so gerne. Schön und imposant wecke er die Aufmerksamkeit der Kinder. Die Falknerin besucht mit den Tieren Schulklassen und berichtet über die Natur. Aufklärung ist ihr wichtig. „Man darf nicht jeden Kauz, der am Waldrand sitzt, mitnehmen.“ Sie möchte den Kindern Respekt vor der Natur beibringen. Die Falknerei ist nichts für Überflieger. „Meist ist die gesamte Freizeit auf dieses eine Hobby ausgerichtet, denn einen trainierten Greifvogel kann man nicht einfach für ein paar Tage in die Ecke stellen.“ Birgit Struth und ihr Mann Jörg stimmen der Aussage des Deutschen Falkenordens zu. Sie sind ein Team. Jörg Eilrich-Struth hat den Sachkundenachweis für die Falknerei erworben. Freiflüge – mehrmals in der Woche sind sie in den

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Revieren unterwegs mit Genehmigung der Pächter. Da Vinci genießt die „Freie Folge“ und Birgit Struth strahlt: „Das ist das Schönste“. Die Falknerin kennt sich aus. Das hat sich herumgesprochen. Häufig klingelt das Telefon. Tierschutzverein, Polizei oder Feuerwehr rufen sie zum Notfalleinsatz. Im Sommer 2017 hatte die Feuerwehr einen Milan auf dem Gelände eines Genkeler Bauernhofes gerettet. Das Tier war auf einer kleinen Insel gestrandet inmitten eines umzäunten Auffangbeckens. Birgit Struth und ihr Mann kümmerten sich um den Vogel. „Er konnte nicht gerettet werden. Das tat weh“. Dies war kein Einzelfall. Unvergessen ist auch der Zwischenfall auf dem Bahnhof

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Meinerzhagen. Dort war ein schneeweißer Mäusebussard verletzt gefunden worden. Struths brachten ihn in die Tierklinik nach Gießen. Doch auch er war nicht zu retten. Die Vögel leben gefährlich. 99 Prozent sterben


bei Autounfällen. Sie jagen beispielsweise vom Straßenrand aus oder von den Mittelstreifen der Autobahnen. Birgit Struth hat sich der Falknerei verschrieben. Für sie bedeutet das, aktiv für die Natur einzutreten. Die sibirischen Uhus, berichtet sie, seien vom Aussterben bedroht. Die Falkner züchten nach, um den Bestand zu

sichern. Nicht ohne Stolz verweist die Valberterin darauf, dass die Deutsche Falknerei von der UNESCO als Kulturerbe anerkannt ist. Die Kunst der Falknerei ist mindestens 3500 Jahre alt und wird auf der ganzen Welt praktiziert. Seit dem 1. Dezember 2016 gehört sie zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

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PLÄNE FÜR EIN LEBENDIGES STADTZENTRUM

Von Horst vom Hofe

Aufbruchstimmung in Meinerzhagen – Stadthalle soll erhalten und modernisiert werden „Wir werden die Stadthalle erhalten. Diese Zusage steht!“ Mit dieser Aussage nahm Meinerzhagens Bürgermeister Jan Nesselrath (CDU) gleich zu Beginn der Einwohner-Informationsveranstaltung im Rathaussaal den zahlreichen Gegnern einer städtebaulichen Neugestaltung im Kernbereich der Volmestadt den Wind aus den Segeln. Das, was da vor fast 200 interessierten Zuhörern der Öffentlichkeit an Planung vorgestellt wurde, löste überwiegend positive Resonanzen aus. „Wir haben hart an der besten Lösung gearbeitet“, betonte der Bürgermeister und fand dafür den von ihm erhofften breiten Zuspruch. Stellvertretend für den Stimmungstenor stand das Resümee, das sein Amtsvorgänger Erhard Pierlings zog, der im Vorfeld – als sogar der Komplettabriss der Stadthalle zur Disposition stand – noch als einer der prominententesten Gegner der Pläne aufgetreten war. „Das ist ein überzeugendes Konzept. Und nun mutig in die Hände gespuckt und voran mit dem Projekt!“ Ein Areal, das sämtliche Anforderungen erfüllt, um langfristig ein kulturelles und wirtschaftsstarkes Zentrum in der Innenstadt auf- bzw. auszubauen: Mit diesem Anspruch hatte sich das renommierte Architekturbüro “RKW Architektur +“ aus Düsseldorf im vergangenen Jahr im Auftrag der Stadt Meinerzhagen an die Konzepterarbei-

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tung für das Stadthallenumfeld gemacht. „Wir haben hier in Meinerzhagen eine riesige Chance. Moderne, ansprechende Architektur mit Strahlkraft für das gesamte Zentrum, ein umfangreiches Einzelhandelsangebot, Gastronomie, Kultur und Begegnung – das alles können wir möglich machen“, so wertet Bürgermeister Nesselrath die Potenziale, die sich mit dem Projekt für die Stadt eröffnen: „Wir wollen ein lebendiges Stadtzentrum, wir wollen einen funktionierenden Einzelhandel, wir wollen ein modernes und einladendes Stadtbild.“ Und so präsentiert sich das Stadthallenareal laut Konzept als offenes Gebäudeensemble, das sich erkennbar harmonisch in die bestehende Bebauung einfügt. Wesentlicher Bestandteil ist die Stadthalle. Die zeigt sich im Entwurf in ihrem unverkennbaren Habitus, gleichzeitig modern und offen mit einer neuen vorgehängten Fassade aus – teilweise gelochten – hellen Architekturbetonplatten sowie großflächigen verglasten Bereichen. Ein besonderer Blickfang ist der neue barrierefreie, verglaste Eingangsbereich der Stadthalle. Insgesamt war für die Sanierung der mehr als 40 Jahre alten und technisch wie baulich dringend sanierungsbedürftig gewordenen Stadthalle ein Investitionsumfang von rund sieben Millionen Euro veranschlagt worden. Diese Mittel müssen neben der gestalterischen


Fassadenerneuerung vor allem in die grundlegende technische und sanitäre Erneuerung, die Ausstattung sowie in die energetische Sanierung fließen. Neben der Stadthalle sieht das Konzept eine Neunutzung des Bereichs, in dem sich jetzt der seit längerem ungenutzte Gastronomieanbau befindet. Dieser soll einer Neubebauung weichen. Dabei entsteht aus der Anordnung von Stadthalle und neuen Baukörpern, die durch Treppenhauskerne miteinander verbunden sind, eine Passage mit Geschäfts- und Lokalzeile und Wohnungen. Dieser „Quartiersweg“, der den gleichen Steinbelag wie der neue Stadtplatz erhalten soll, öffnet sich trichterförmig zum Stadtplatz hin und verbindet das neue Quartier optisch und atmosphärisch mit dem Platz und der Hauptund Volmestraße sowie im weiteren der Fußgängerzone.

Kultur, Begegnung, Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten werden hier zusammengeführt und sollen damit als Ergänzung für die Aufenthaltsqualität auf dem Stadtplatz selbst sowie für die Innenstadt dienen. Direkt an die Stadthalle angebaut, erstreckt sich ein eingeschossiger Anbau mit begrüntem Dach, der Platz für Einzelhandel mit kleineren Flächen und zwei Gastronomieeinheiten

bietet. Der größere der geplanten Gastronomiebetriebe kann auch für die Veranstaltungsbewirtung in der Stadthalle selbst genutzt werden. Flankiert wird dieser Anbau durch ein Gebäudeensemble mit weiteren Flächen für Einzelhandel, Büros, Wohnungen oder auch Praxen auf der anderen Seite des Quartiersweges zur Volmestraße hin. Über das Zusammenspiel dieser beiden Elemente öffnet sich der Weg platzartig zu einem dritten neuen Gebäudekomplex: Im rückwärtigen Bereich mündet die Anordnung in einen weiteren eigenständigen Baukörper, der im Unter-, Erd- und Obergeschoss Platz für größere Einzelhandelsflächen bietet. Auch hier wurde Wert auf eine offene, einladende Anmutung gelegt. Eine großzügig verglaste Gebäudefront und ein als Gründach ausgelegtes Schrägdach lockern die Atmosphäre sichtbar auf, so dass sich

das Gebäude ausgewogen in das Umfeld mit offen gelegter Volme einfügt. Insgesamt sieht das Konzept somit eine Gesamtfläche für den Handel von 4.900 Quadratmetern, für Gastronomie von 610 Quadratmetern und für Dienstleistungen, Büros, Praxen oder Wohnflächen von 770 Quadratmetern vor. Auf drei Parkdecks sollen bis zu 230 Stellplätze entstehen.

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Wenn die weiteren Prozesse plangemäß verlaufen, ist auf die Antragsstellung zur Sanierung der Stadthalle am Ende dieses Jahres mit einer Zusage der Fördermittel und darauffolgend mit der Vorbereitung der Ausschreibungen etwa im ersten Halbjahr 2019 zur rechnen, so dass die Stadthalle voraussichtlich bis Ende 2019 wie gewohnt genutzt werden kann. Für die Umgestaltung der Stadthalle wird mit einer Bauzeit von knapp zwei Jahren gerechnet. Für den gewerblichen Bereich der Planungen geht man von einem Baubeginn im Jahr 2021 aus. Trotz der erhofften Fördermittel für die Stadthalle ist Hilfe aus der Bürgerschaft mehr als willkommen, um die verbleibende zu tragende Summe zu stemmen. Die sagte ein Bürger in der Informationsveranstaltung spontan zu: Er betonte, dass ein solches Zentrum eine ganz neue

Lebensqualität auch im Gastronomiebereich bringe, die zurzeit einfach nicht vorhanden sei: Sollte das Konzept umgesetzt werden, sicherte er eine Spende aus eigener Tasche zu.

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Fragen

Ein Planungsfokus liegt dabei auf der flexiblen Einteilung. So soll insbesondere eine Einheit mit den bestehenden Bereichen der Innenstadt in architektonischer Hinsicht, aber auch in Bezug auf einen gemeinsamen Stadt- und Einkaufskern geschaffen werden.

an Jan Nesselrath

Herr Bürgermeister, Sie haben in der Informationsveranstaltung zur Vorstellung des „Konzeptentwurfs Stadthallenareal“ wörtlich von einer „Riesenchance“ für die Stadt gesprochen. Für wie realistisch halten Sie es, dass die ambitionierte Planung mit einem Gesamtvolumen von bis zu 35 Millionen Euro tatsächlich umgesetzt werden kann? Sehen Sie vor allem auch das konkrete und für den Erfolg der Maßnahme unerlässliche Interesse privater Investoren? Die Voraussetzungen und Perspektiven für dieses Vorha-

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ben sind sehr gut. Zum einen gibt es vor Ort eine sehr hohe Kaufkraft, die aber nicht umfassend befriedigt wird. Insofern gibt es durchaus messbar einen Bedarf, Einzelhandel und Gastronomie zu ergänzen und die Kaufkraft in der Stadt zu halten. Zum zweiten können wir dafür ein Grundstück mitten im Zentrum nutzen, dessen Lage und Umgebung ideal sind. Diese Kombination ist ein Glücksfall. Das Architektur- und das Stadtplanungsbüro, die an dem Konzept beteiligt waren, sehen ebenso wie wir eine sehr realistische Chance, dass wir das Projekt so oder in sehr ähnlicher Form umsetzen können. Verschiedene Nachfragen von Interessenten über die vergangenen Jahre hinweg stützen diese Einschätzung zusätzlich. Ohne Fördermittel werde es nicht gehen, haben Sie den Bürgern unmissverständlich klargemacht. Was geschieht mit der Stadthalle, wenn diese nicht fließen sollten? Natürlich kann man diese Entwicklung nicht gänzlich ausschließen. Aber ich bin an dieser Stelle optimistisch: Wir haben das Projekt detailliert auch im Hinblick auf die Förderfähigkeit vorbereitet und alle nötigen Prozesse eingestielt. Deshalb gehe ich davon aus, dass Fördermittel freigegeben werden. Kann die Stadthalle trotz des erkannten erheblichen Sanierungs- und Instandsetzungsbedarfs bis zum projektierten Baubeginn weiter uneingeschränkt genutzt werden? Sofern die aufgezeigten Schritte plangemäß erfolgen, kann die Stadthalle voraussichtlich bis Ende 2019/Anfang 2020 genutzt werden. Während der Sanierungsphase wird es eine Schließung geben müssen, die wir aber so kurz wie irgend möglich halten werden. Mit der Gestaltung des Stadthallenumfeldes geht eine rund vierjährige Bauphase in der Innenstadt in diesem Frühjahr zu Ende. Die mit der Baumaßnahme verbundenen zum Teil erheblichen Einschränkungen haben beim örtlichen Einzelhandel und auch den Betreibern des Wochenmarktes zu empfindlichen Einbußen geführt. Wird die jetzt vorgelegte Planung realisiert, droht für mindestens weitere zwei Jahre Ähnliches, insbesondere mit Blick auf den vorübergehenden Totalausfall der größten Parkplatzfläche im Innenstadtbereich. Warum konnten beide Maßnahmen nicht zeitlich aufeinander abgestimmt in einem Zuge angepackt werden? Zunächst kurz zu den Parkplätzen: In der Innenstadt gibt es noch weitere Parkflächen, auf die wir dann ausweichen müssen. Aber natürlich werden wir uns bemühen,

auch an dieser Stelle die Einschnitte so gering wie möglich zu halten. Nun zur zeitlichen Abstimmung der Maßnahmen: Die Neugestaltung des Stadtplatzes als Teil des Regionale 2013-Programms wurde bereits im Jahr 2009 projektiert. Damals stand offenbar die Notwendigkeit einer Sanierung der Stadthalle noch nicht im Fokus. Der tatsächliche Sanierungsaufwand wurde erst 2016/2017, also fast sieben Jahre später, untersucht. In welcher Form wird die Öffentlichkeit am weiteren Verfahren beteiligt? Das Interesse der Bevölkerung und der Wille, sich konstruktiv zu beteiligen, sind hoch, und wir freuen uns über jeden Beitrag aus der Bürgerschaft. Nach unserer Informationsveranstaltung haben wir sämtliche Pläne großformatig im Rathaus ausgehängt, so dass sich jeder nach eigenen Wünschen ein Bild machen kann. Außerdem haben wir eine Internetseite eingerichtet, auf der Erläuterungen zum Konzept, die Pressemitteilungen zum Thema, Pläne und Skizzen sowie Hintergründe wie das projektflanierende Konzept zur Stärkung des Einzelhandels einsehbar sind. Für die Meinungen, Fragen und Anregungen gibt es schon seit längerem die E-Mailadresse ideen-stadthalle@meinerzhagen.de, deren Eingänge direkt an den zuständigen Fachbereich und das Architekturbüro gehen. Und gemeinsam mit meinem Kollegen Friedrich Rothaar, Fachbereichsleiter Technischer Service, stehe ich auch am 2. März von 10.00 bis 12.00 Uhr sowie am 8. März von 16.00 bis 20.00 Uhr für persönliche Gespräche zur Verfügung. So glaube ich, dass wir die Möglichkeiten gut ausschöpfen, uns auszutauschen, und wir werden sämtliche Rückmeldungen aufnehmen und prüfen, ob sie berücksichtigt werden können.

Öffungszeiten: Mo - Fr 7 - 18 Uhr, Sa 8 -17 Uhr, So 8 -18 Uhr Bäcker mit Herz GmbH Zu Alten Post 6 - 8 ∙ 58540 Meinerzhagen Tel. 0 23 54 / 7 78 51 51 ∙ kontakt@torten.com

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NEUES GAS FÜR KIERSPER KUNDEN

Von Wolfgang Teipel

Kierspe - „Wir drehen auf H-Gas“, so lautet das Motto des Großprojekts Erdgasumstellung in Deutschland. In Kierspe hat es am 19. Februar mit der Eröffnung des Erdgasbüros im Haus der Stadtwerke an der Thingslindestraße begonnen. „Deutschlandweit ist die Gasumstellung unter organisatorischen Aspekten ein noch größeres Projekt als die Abwicklung der sogenannten Abwrackprämie 2009“, sagt Volker Neumann, Prokurist von Enervie Vernetzt. Das Enervie-Tochterunternehmen hat das Gasnetz der Volmestadt von der Stadtwerke Kierspe GmbH gepachtet und ist als lokaler Netzbetreiber für die Umstellung verantwortlich.

Warum muss die Versorgung von L- auf H-Gas umgestellt werden? In Deutschland wurden Haushalte und Unternehmen bisher mit L- und H-Gas versorgt. Die L-Gas-Vorkommen stammen aus Deutschland und den Niederlanden. Sie gehen kontinuierlich zurück. Ab Oktober 2029 werden die Niederlande kein L-Gas mehr nach Deutschland exportieren. Deshalb müssen bis dahin alle Regionen, die bisher mit L-Gas versorgt wurden, schrittweise auf HGas umgestellt werden. H-Gas kommt unter anderem aus Ländern wie Norwegen, Dänemark, Großbritannien und Russland. Was ist L- und was ist H-Gas? Die Gasarten unterscheiden sich in der chemischen Zusammensetzung und beim Brennwerts L-Gas („low calorific gas“) ist Erdgas mit einem niedrigen Brennwert. H-Gas („high calorific gas“) hat einen etwa 20 Prozent höheren Brennwert. Warum muss mein Gerät auf H-Gas angepasst werden? Jedes Gasgerät ist auf die jeweilige Gasart eingestellt, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten. Wird die Gasart umgestellt, muss auch das Gerät angepasst werden. Wann muss auf H-Gas umgestellt werden? Den Zeitplan schreibt der Netzentwicklungsplan Gas (NEP Gas) vor. In Kierspe beginnt Enervie Vernetzt im April 2018 mit der Erhebung. Dies dauert etwa 13 Wochen. Ab Januar 2022 folgt dann die Umstellung auf H-Gas.

Im April geht’s los. Zunächst werden die Gerätedaten aller 1.600 Kiersper Gaskunden erhoben. Jede Menge Arbeit für Enervie Vernetzt, das bei dieser Mammutaufgabe mit den Partnerunternehmen Stadtwerke Kierspe, Enervie Service (Hagen) und U-Serve (Gelsenkirchen) kooperiert. „Allein könnten wir das Projekt nicht stemmen“, räumt Volker Neumann ein. Von der Heizung über den Herd bis zu Geräten zur Warmwasseraufbereitung – allein in Kierspe müssen rund 2.500 Endgeräte erfasst, überprüft und umgestellt werden. Das ist allerdings nur für die wenigsten Geräte unproblematisch. Bei modernen Brennern wird die Veränderung des Düsendrucks reichen. Bei anderen muss die Düse ausgetauscht werden. Oliver Bings ist Enervie-Koordinator für die Erdgasumstellung in Kierspe. Er rechnet damit,

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Wie erfolgt die Anpassung meiner Gasgeräte? Die Arbeiten erfolgen in zwei Schritten mit einem Zeitabstand von einigen Monaten. Beim ersten Termin werden alle Gasgeräte erfasst; beim zweiten Termin erfolgt die technische Umstellung auf die neue Gasart. Entstehen für mich Kosten? Die Erhebung und die Anpassung der Gasgeräte sind kostenfrei. Die Kosten trägt der Gasnetzbetreiber. Sie werden später auf alle erdgasversorgten Haushalte und Unternehmen in Deutschland umgelegt. Bei einem Verbrauch von 3.500 kWh pro Haushalt kostet das maximal zwei bis drei Euro im Hauptumstellungsjahr 2025. Steigt mein Gaspreis durch die Umstellung? Nein. Zwar kostet H-Gas mehr als L-Gas, doch durch den höheren Energiegehalt wird weniger Gas verbraucht. So gleicht sich der höhere Preis für H-Gas wieder aus.


dass bei der Erhebung auch Anlagen erfasst werden, die nicht angepasst werden können. „Da muss dann Ersatz beschafft werden.“ Ohne die Umstellung würde es gefährlich. Beim Betrieb durch H-Gas wird aufgrund des höheren Brennwerts die Flamme zu lang. Das kann zu Verbrennungen führen.Oder es würde zu viel Kohlendioxid produziert. Deshalb ist es so wichtig, alle Geräte zu erfassen. „Um die Sicherheit in der Gasversorgung und beim Betrieb der Gasgeräte gewährleisten zu können, sind wir zur Anpassung der Gasgeräte verpflichtet“, betont Volker Neumann. Ohne Anpassung müsste der Gasanschluss aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. „Sicherheit steht für uns an erster Stelle.“ Das gilt auch für das Erhebungs- und Umstellungsverfahren. Die Monteure erscheinen nur zu dem Termin, der dem Kunden zuvor in einem Schreiben angekündigt worden ist. Die Mitarbeiter und ihre Fahrzeuge sind am gelbblauen HL-Logo zu erkennen. Zudem können sie sich ausweisen. Wer fürchtet auf einen Trickbetrüger reinzufallen, sollte sich das von Enervie Vernetzt ausgestellte Dokument zeigen lassen.

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UMSTEUERN BEI DEN STEUERN Von Wolfgang Teipel Es gibt nichts Sichereres auf der Welt als den Tod und die Steuern. Das wusste schon Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika. Heute weiß jeder, dass Steuern eine weitere Eigenschaft haben. Sie steigen beinahe ständig. Auch die Gemeinde Schalksmühle hat an ihren kommunalen Steuern geschraubt – allerdings mit dem gegenteiligen Effekt. Die Abgaben für Gewerbebetriebe sowie Haus- und Grundbesitzer sind gesunken. Das war einmalig in der Geschichte der Gemeinde. Zudem: Der Bürgermeister Jörg Schönenberg überraschte die Politik mit seinem Vorschlag. „Die Empfehlung kam

recht kurzfristig“, räumt der Rathaus-Chef ein. Aber er habe sichergehen wollen, dass seine Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung im Volmeort zutreffend war. „Die exakten Zahlen aus den Unternehmen hatte ich tatsächlich sehr spät.“ Die Politik stimmte dem Vorschlag mehrheitlich zu. Die Gewerbesteuer wurde von 452 Prozent auf 446 Prozent zurückgenommen, die Belastung von Haus- und Grundbesitzern (Grundsteuer B) von 575 Prozent auf 545 Prozent. Hier wäre noch mehr drin gewesen, murrte im Dezember der ein oder andere.

Gewerbesteuer

Meinerzhagen

450 575

Grundsteuer B

423

Halver

430

490

Lüdenscheid

730

430

Kierspe

480

446

Schalksmühle

545

0

100

200

300

400

500

600

700

800

Hebesätze in %

Langfristig eine Abwärtsspirale Kommunen und Wirtschaft müssen enger zusammenarbeiten. Das fordert Christoph Brünger, SIHK-Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik. Denn es sei ein Trugschluss zu glauben, man könne mit immer höheren Hebesätzen ein nachhaltig steigendes Steueraufkommen erzielen und dadurch den Haushalt sanieren. Steigende Hebe-

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sätze führten ganz im Gegenteil langfristig zu einer Abwärtsspirale aus schlechter werdenden Rahmenbedingungen, sinkender Standortattraktivität und damit auch sinkenden Steuereinnahmen. Ein Senken der Hebesätze durchbreche diese Abwärtsspirale, so Brünger.


„Der Gemeindehaushalt ist kein Selbstzweck“, sagt Jörg Schönenberg im Gespräch mit dem Komplett-Magazin. Politik und Verwaltung müssten sich gegenüber den Steuerzahlern verantwortlich verhalten. Das gelte nicht nur für die Steuern, sondern auch für die Gebühren, die die Gemeinde erhebe. Auch der Schuldenabbau gehöre dazu. Der Etat sei eben ein Gesamtpaket. Wie lange die verringerten Steuersätze Bestand haben werden, vermag der Rathaus-Chef nicht zu sagen. „Eine Glaskugel, mit der ich in die Zukunft schauen kann, habe ich nicht.“ Es sei schon schwierig genug, die Gewerbesteuereinnahmen von Jahr zu Jahr abzuschätzen. Noch geht Jörg Schönenberg aber davon aus, dass die Gemeinde trotz der leicht gesenkten Gewerbesteuer mit rund 14,5 Millionen Euro mehr Geld in der Kasse haben wird, als 2017. Lob erhielt die Gemeinde von der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK). „Damit ist die Gemeinde Schalksmühle ein positives Beispiel in einer Zeit, in der fast nur noch über Steuererhöhungen diskutiert wird. Die Senkung ist aus standortpolitischer Sicht ein klares und begrüßenswertes Signal an die Unternehmen vor Ort“, sagt Christoph Brünger, SIHK-Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik. Er hoffe, dass das Beispiel Nachahmer bei anderen Kommunen im SIHK-Bezirk finde.

Jörg Schönenberg hat aber auch andere Reaktionen erlebt. „Du setzt uns aber ganz schön unter Druck“, hätten ihm Nachbarkommunen vorgehalten. Aus Halver können solche Mahnungen wohl kaum gekommen sein. Die Stadt im Grünen belastet ihre Unternehmen mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 423 Prozent. Haus- und Grundbesitzer zahlen 430 Prozent Grundsteuer B. Das klingt ganz nach einem kleinen Steuerparadies in der Region.

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© Fotoatelier Albrecht

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DATEIEN ERSETZEN AKTEN:

BEIM E-GOVERNMENT MÜSSEN KOMMUNEN NOCH VORBEHALTE ABBAUEN Halver und Kierspe gehören zu Vorreitern bei der Digitalisierung – Neuer Service: Meinerzhagen erinnert per Mail an Müllabfuhr Am Bildschirm ploppt eine Mail auf: Abfuhrerinnerung. Was etwas sperrig klingt, erleichtert den Alltag. – Die Kommune erinnert daran, die grüne Tonne für die Entsorgung von Papier und Pappe rauszustellen. Denn die wird am nächsten Tag abgefahren. Diesen Service bietet die Stadt Meinerzhagen seit Ende 2017 an. Halver hat eigens eine App, die rund um den Abfall informiert. Die Kommunen testen neues Terrain: die Digitalisierung. – Das Volmetal marschiert vorne mit. Müll steht in Kierspe auf der Hitliste der Online-Dienste ganz oben. 2.416 Anmeldungen von Sperrmüll- oder Elektroschrott verzeichnete die Verwaltung 2017 – fast 14 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor (2.123), berichtet Anja Kluth, die die Digitalisierung im Rathaus managt. Deutlich zugelegt (plus 32 Prozent) hat auch die Zahl der Zugriffe auf Online-Dienste – auf 750 in 2017. Meistens ging es dabei um Formulare für das Pass- und Meldewesen. Für das Stadtfest oder zum Weihnachtsmarkt erfolgen inzwischen 80 Prozent der Anmeldungen online, so Anja Kluth. „Wir haben schon immer die Rubrik Rathaus-online gehabt“, sagt Andrea Reich, die in Halver die Digitalisierung koordiniert. Was mit der Anmeldung von Sperrmüll per Mail begonnen hatte, ist inzwischen schon automa-

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Von Rüdiger Kahlke

tisiert. Statt beim Sachbearbeiter im Rathaus, geht die Meldung jetzt gleich an den Entsorger. Das spart Verwaltungsaufwand. Es hat aber auch ein paar Jahre gedauert, räumt Reich ein. „Jetzt klappt es super.“ Halver hat inzwischen ein breites Angebot an Online-Diensten. Interessenten können sehen, ob ihr Wunschbuch in der Stadtbücherei verfügbar ist oder sie können Eintrittskarten für die städtischen Kulturveranstaltungen bestellen mit dem Effekt, dass auch Auswärtige Karten kaufen, hat Andrea Reich beobachtet.

„Keiner trägt mehr Akten durchs Haus“ Rats-Informationssyteme sind in den Kommunen seit ein paar Jahren Usus. Sitzungstermine, Beschluss-Vorlagen sind im Internet abrufbar. „Keiner trägt mehr Mappen durchs Haus. Das geht alles auf Knopfdruck“, so Reich. Und: es spart Aufwand fürs Kopieren, fürs Verteilen. Letztlich spart es auch Papier. „Prozesse beschleunigen sich“, sagt Volker Rombach, Experte für die Digitalisierung der Rathäuser beim kommunalen Dienstleister Südwestfalen-IT. Für ihn ist es keine Frage, ob der Umstieg vom Papier auf Dateien wirtschaftlich ist. „Es ist lebenswichtig“, sagt er. Rombach leitet eine Arbeitsgruppe (AG), die vor zwei Jahren beim Daten-Dienstleister, ehemals Citkomm, eingerichtet worden ist. „Viele kleine Kommunen können das nicht allein hinkriegen“, verweist der Fachmann auf die rechtlichen und technischen Voraussetzungen. Zwei der zehn AG-Mitglieder kommen aus dem Volmetal. Kierspe und Halver arbeiten mit, sind die Vorreiter in der Region. Gemeinsam suchen die Teilnehmer nach Möglichkeiten, die Online-


Angebote auszuweiten und Prozesse umzusetzen. Nur Formulare zum Download anzubieten reicht nicht mehr aus. IT-Experte Rombach: „Der Gesetzgeber drängt darauf, bis 2025 alles online zu haben.“ Ziel sei es, etwas zu schaffen, „was für alle nutzbar ist“, beschreibt Anja Kluth die Aufgabenstellung. Bis dahin gibt es noch einige Hürden zu überwinden – bei den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch in der Verwaltungen. Dabei gilt es auch, Vorbehalte bei den Bürgern abzubauen. „Die deutsche E-Government-Misere weitet sich aus“, titelte der Mediendienst „heise-online“ Ende Oktober 2017. Nach einer Studie ist im Jahresverlauf von 2016 auf 2017 die Nutzerquote elektronischer Verwaltungsdienste von 45 auf 41 Prozent gesunken. Die Zufriedenheit sank binnen eines Jahres von 62 auf nur noch 54 Prozent in 2017.

Studie: Online-Services noch zu umständlich Gründe für das mangelnde Interesse in der Bevölkerung liegen nach einer McKinsey-Studie darin, „dass sie das derzeitige E-Government-Angebot schlichtweg nicht überzeugt – sie bevorzugen weiterhin den persönlichen Kontakt zur Verwaltung, weil ihnen Online-Services noch zu umständlich und kompliziert erscheinen.“ Fazit: Die Angebote müssen nutzerfreundlicher werden. Laut Studie vom März 2015 zeigt die Erfahrung, „dass die Akzeptanz neuer Produkte oder Dienstleistungen nicht zuletzt davon abhängt, wie leicht sie zugänglich sind.“ „Zuverlässigkeit der Technik ist wichtig“, bestätigt Andrea Reich. Und wo es Vorbehalte und Unsicherheit gibt, müsse man „sich Zeit nehmen und den Menschen zeigen, wie es funktioniert. Die Leute können immer noch zu uns kommen. Wenn Besucher erstmal gesehen haben, was alles online möglich ist, machen die das auch“, hat die Halveraner Verwaltungsmitarbeiterin festgestellt. Ein anderes Problem ist „die Schwerfälligkeit der Verwaltung Prozesse umzustellen“, weist Anja Kluth auch auf interne Hürden ein. Den Mitarbeitern müsse man bewusst machen, „dass die Arbeit vereinfacht wird“, sagt Andrea Reich, die sich früh auf die neuen Möglichkeiten eingestellt hat und schon lange um den Halveraner Internet-Auftritt kümmert. Die klammen Kommunen hätten längst Personal abgebaut. „Wir führen die Technik nicht ein, um Personal zu sparen, sondern um ein-

fice möglich“. Gerade in kleinen Verwaltungen könnte durch Zugriff auf die Dateien der Bürgerservice verbessert werden. Auskünfte kann nicht mehr nur der jeweilige Sachbearbeiter erteilen, sondern jeder, der berechtigt ist, auf die Dateien zuzugreifen.

Arbeit erleichtern - neue Zugänge ermöglichen Soweit die Theorie. In der Praxis kommt es auf die Umsetzung an. Verwaltungsvorgänge müssen angepasst werden. Prozesse, die keine Unterschrift benötigen, lassen sich einfach umsetzen, ist die Erfahrung von Andrea Reich, die versucht, „das Angebot breit aufzustellen.“ Es mache Spaß, wenn die Dinge funktionieren, Mitarbeitern die Arbeit erleichtern und Bürgern neuen Zugang zur Verwaltung ermöglichen. „Wir haben da richtig Bock drauf“, sagt sie. „Anfangen ist wichtig“, rät Volker Rombach und setzt auf Beispiele, darauf, „was die Verwaltung sehen kann, was der Mitarbeiter, der Bürgermeister sehen kann, wie Verwaltung wirklich funktioniert mit elektronischen Medien.“ „Das wird weiter wachsen“, meint auch Petra Gothe von der Verwaltung in Meinerzhagen mit Blick auf die Internet-Services. Das Online-Rathaus in Meinerzhagen bietet sechs Themenfelder mit digitalen Angeboten.

gespartes Personal zu kompensieren“, betont sie. Für S-IT-Fachmann Volker Rombach ist Digitalisierung auch eine Voraussetzung, attraktive Arbeitsplätze anbieten zu können und damit im Wettbewerb um Fachkräfte zu punkten. Elektronische Akten „machen mehr Home-Of-

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sierung der Verwaltung wider. Wir haben auf der einen Seite eine Generation, die mit diesen Medien aufwächst. Sie kann sie zwar nicht immer perfekt bedienen aber sie nutzt sie ganz anders, viel offener. Diejenigen, die nicht damit aufgewachsen sind, müssen stärker an digitale Themen herangeführt werden und stärker als in der Vergangenheit weitergebildet werden. Letztendlich verändert sich die berufliche Praxis auf Dauer.

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Breitbandausbau, den der Bund fördert, ist ja ein großes Thema. Wenn wir demnächst schnelle Netze haben ist alles gut?

Fragen

Für Bürgerinnen und Bürger soll der Zugang zu Behörden durch ein landesweites zentrales Service-Konto (s. InfoBox) vereinfacht werden. Die Zielrichtung ist eindeutig: was technisch machbar ist, wird früher oder später auch eingeführt. Noch gibt es vor Ort Verbesserungsbedarf. Der Wunsch, in Meinerzhagen per Mail an die Müllabfuhr erinnert zu werden, bedarf schon einiger Suche. Dann braucht es noch etliche Klicks, um den Service zu aktivieren... – Einfach geht anders.

an Volker Rombach Volker Rombach, Experte für Digitalisierung der Verwaltung beim kommunalen Dienstleister Südwestfalen-IT.

Der Schwung der Digitalisierung hat laut einer Studie aus dem Herbst 2017 abgenommen. Wer sitzt denn eher im Bremserhaus, die Kommunen oder die Diensteanbieter? Digitalisierung zu fordern ist einfach, eine konsequente Umsetzung ist im Detail jedoch an vielen Stellen nicht über Nacht möglich. Aus meiner Sicht sind eher die Softwareanbieter, die nicht schnell genug die Schnittstellen zur Verfügung stellen können, im Rückstand. Die Kommunen selbst haben aber auch in der Vergangenheit die Notwendigkeit nicht gesehen, die gesellschaftlichen Veränderungen mitzumachen. Dem hilft der Gesetzgeber nun mit der Verpflichtung zu Online-Angeboten nach. Und es ist wirklich Zeit… Wo liegen weitere Probleme, die Digitalisierung der Verwaltung voranzutreiben? Eines der Themen, die wir bei der Digitalisierung der Gesellschaft haben, spiegelt sich auch in der Digitali-

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Die Breitbandversorgung ist sicher eine wichtige Grundlage für die Nutzung des Internets und der darauf aufbauenden Technologien und Angebote. Dabei geht es nicht nur um Glasfaseranschlüsse, sondern auch WLAN und schnelle Handy-Netze. Das wird gerade in den ländlich strukturierten kleineren Gemeinden noch länger dauern und ist ein wichtiger Standortfaktor für die Ansiedlung von Unternehmen. Parallel müssen wir die Online-Angebote der Kommunen erweitern und offen gemeinsam mit Bürgern, Wirtschaft, Forschung und Lehre an die vielen Facetten der Digitalisierung herangehen. Dies bietet auch die Möglichkeit, die Identität mit der Kommune und der Region zu fördern. Der Schlüssel liegt da in „gemeinsam“. Nach dem Datenschutz ist die Datensicherung ein Problem. Papier hält Jahrzehnte, Datenträger wohl nur 10 bis 15 Jahre. Was dann? Die Langzeitaufbewahrung digitaler Dokumente ist bereits seit Jahren ein Thema, dem sich die Archivare der Kommunen und die Anbieter von Speicherlösungen widmen. Dabei ist schon lange Praxis, Datenbestände und Dateien in der Regel auf Festplatten immer wieder verlustfrei umzuspeichern und dadurch zu sichern. Angesichts der großen Datei- und Datenmengen verlieren einzelne Datenträger und Speicherformen wie CDs, DVDs, Speicherkarten und -kassetten an Bedeutung. Je mehr Dokumente elektronisch in Akten abgelegt werden, umso wichtiger ist es für Bürger, Wirtschaft und Kommunen die Datensicherung ernst zu nehmen. Dann sind auch lange Aufbewahrungspflichten wie z.B. in den Standesämtern der Kommunen kein Problem. Vermehrt entstehen auch Speicherangebote von Cloud-Dienstleistern.


FOKUSSIERT AUF DETAILS – AUSTAUSCH IN DER GRUPPE SCHÄRFT BLICK FÜR QUALITÄT Fotoverein Halver – ein Senkrechtstarter in der Volmetaler Kulturszene

„Das müssen wir nochmal rausnehmen“, sagt Helmut Willnat. Auf der Glasplatte sind noch Staubflusen. Genau hinsehen, den Fokus auf Details richten, exakt arbeiten. Darum geht es bei der Vorbereitung der Ausstellung „Nah dran“. Darum geht es den Mitgliedern des Fotovereins Halver auch bei ihrem Hobby. Im Halveraner Bürgerzentrum stehen die Tische in UForm. In der Mitte Roll-Container mit 50 Bilderrahmen. Auf den Tischen ringsum werden die Klammern der Rahmen gelöst, Scheiben geputzt, Bilder ausgetauscht. Keine Fluse, kein Staub- oder Farbpartikel soll den Blick auf die neuen Bilder stören. Dafür packen alle mit an. „Nah dran“ ist nach „Fotowelten“ der Titel der 2. Ausstellung, die der Fotoverein innerhalb weniger Monate in der Villa Wippermann, Halvers noch fast neuem Regionalmuseum, präsentiert. 50 Fotos bieten Einblicke in die Natur. Sie sollen eine neue Facette der fotografischen Arbeit des Vereins zeigen. „Die Kamera ermöglicht es uns, kleine und unscheinbare Lebewesen groß ins Blickfeld zu rücken, über die wir ansonsten achtlos hinweggehen oder die wir nur vorbeihuschen sehen. Manche Tiere halten sich weit entfernt von uns, so dass man sie nicht im Detail wahrnimmt. Die TeleOptiken selbst einfacher Kameras ermöglichen es, diese

Von Rüdiger Kahlke

Dinge nah heranzuholen und zu fotografieren“, heißt es auf der Homepage. 20 Mitglieder gehören dem Verein an. Im Februar 2014 hatten die Gründer Heinz-Peter Wettlaufer und Oliver Lohmann Fotofreunde in den Kulturbahnhof eingeladen. Schon im September beteiligten sich die Fotofreunde mit der Aktion „Du bist Halver“ am Halveraner Herbst. Aus hunderten Gesichtern von Besuchern entstand eine Kollage des Stadtwappens. Mit einer Lupe kann sich jeder Teilnehmer wiederfinden. Das Bild überreichte der Fotoverein im Dezember 2014 dem Bürgermeister als langfristige Leihgabe für das Rathaus. „Durch diese Aktion hat der Verein viele Fotointeressierte erreicht“, heißt es in der Rückschau. 2016 kam die Neuorganisation als gemeinnütziger Verein, bei dem „Spaß an der Freud“ im Mittelpunkt steht, betont Schriftführer Helmut Willnat.

„Gelernt, neu zu gucken“ Inzwischen haben die Mitglieder eine Reihe von Ausstellungen mit teils spektakulären Fotos hinter sich. Alle zwei Monate stellen sich die Fotografen selbst ein Thema, an dem jeder für sich arbeitet. Anschließend werden die Bilder besprochen, werden Erfahrungen ausgetauscht, Tipps gegeben. „Die Leute haben gelernt,

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neu zu gucken“, sieht Helmut Willnat durchaus eine Entwicklung. Joachim Festl hat für die Ausstellung „Nah dran“ Baumrinde als Biotop fotografiert und zeigt, „was da lebt“. „Manchmal ist es ein Suchbild“, sagt der Halveraner. Im Austausch mit den Vereinsmitgliedern hat er gelernt, die Details „technisch rauszukitzeln“. Regina Reininghaus hat immer viel fotografiert und dann ihre „Glücksbilder“ aussortiert. Sie kam zum Fotoverein, weil sie Ratschläge für den Kauf einer neuen Kamera suchte und wissen wollte, worauf sie bei den Bildern achten sollte, wie sie das „Glück“ vielleicht systematisieren könnte. Die „gute Atmosphäre und die Offenheit“ in der Runde gefielen ihr – sie blieb. Bei Besprechungen werde sie auf Details aufmerksam, der „Blick wird geschärft. Meine Bilder gefallen mir jetzt besser“, sagt sie.

Ausstellung bringt Mitglieder-Schub Anders zu fotografieren, erregt auch Aufmerksamkeit ist Helmut Willnat überzeugt. Rüdiger vom Brocke und Peter Suck haben inzwischen bei externen Wettbewerben Preise gewonnen. Ausstellungsbesucher loben die hohe Qualität der Fotos, hat Vorsitzender Rainer Herberg immer wieder gehört. Das Niveau macht den Verein interessant. Zum Mitglieder-Treff Anfang Februar kamen fünf „Neue“. „Jede Ausstellung bringt einen Schub“, sagt Willnat mit Blick auf die Mitglieder-Entwicklung. Gleichzeitig betont er: „Wir sind kein elitärer Verein“. Joachim Festl ist froh, dass es kein „Benchmarking“ gibt.

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Und Regina Reininghaus gefällt vor allem, dass es ein Hobbyverein geblieben sei, bei dem keiner Angst habe müsse, seine Bilder vorzustellen. Unabhängig von Motiven oder der Ausrüstung, jeder werde gleichermaßen ernst genommen, betonen die Mitglieder. Alle „feilen“ an der Qualität ihrer Arbeit. Die wird dadurch gefördert, dass „man Interessen bündelt“, sieht Vorsitzender Rainer Herberg ein Ergebnis der Vereinsarbeit. Wenn man zusammen unterwegs sei, ins Gespräch komme, helfe das, bei den Fotos zu besseren Ergebnissen zu kommen. Zum Vereinsleben gehören neben dem regelmäßigen Austausch auch Exkursionen, etwa in den Düsseldorfer Medienhafen, wo Architektur ein großes Thema war, oder Entdeckungstouren auf heimischen Bauernhöfen oder Weihnachtsmärkten. Dabei gilt es auch, von Profis zu lernen, ihnen etwas abzugucken. Aktuell stellen sich die Mitglieder dem Thema „Verbindungen“. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. „Das kann ein Pärchen sein, das Händchen hält“, sagt Joachim Festl. Es könne aber auch das Smartphone sein, dass zur Datenübertragung neben dem PC liegt.

Ziel: Region in den Fokus rücken Sechsmal im Jahr stellen sich die Mitglieder Aufgaben zu einem Thema. „Ziel sind zudem zwei bis drei Ausstellungen im Jahr“, erläutert Rainer Herberg. Die nächste steht im September in Breckerfeld an – Thema noch offen. Die vielfältigen Aktivitäten, vor allem die Ausstellungen, haben den Verein schnell bekannt


gemacht. „Wir sehen uns als wichtigen Bestandteil der Kultur Oben an der Volme“, sagt Willnat selbstbewusst und betont gleichzeitig den Wunsch, mit anderen zu kooperieren. Ein Bespiel ist die Teilnahme an der Expo-Art des Kunstvereins Vakt im Herbst 2017. Im Kulturbahnhof zeigten die Fotografen neue Blicke auf Halver. Den Mitgliedern geht es auch um Überlegungen, ob und wie man mit Bildern die Region in den Fokus rücken kann, schildert Herberg. Die Anschaffung der einheitlichen Bilderrahmen für die Ausstellungen ist aus Mitteln der Regionale 2013 und einem Zuschuss der Stadt gefördert worden. Das sieht der Fotoverein einerseits als Aner-

kennung seiner Kultur-Arbeit, aber auch als Verpflichtung an, „Dank zu zeigen“. Wünsche gibt es auch. Das Bürgerzentrum hat als Treffpunkt bald ausgedient. Herberg hofft, dass die neuen Räume in der ehemaligen Hauptschule ab Herbst dann auch die Ausstattung bieten, die der Fotoverein braucht. „Verdunklungsmöglichkeit ist das Mindeste“, wünscht sich Herberg, „sonst sieht man nichts.“ – Das wäre für Fotografen der GAU. Mehr Informationen unter: www.fotoverein-halver.de

Wir schaffen Räume voller Individualität und Atmosphäre. Wir hören gut zu, wenn Sie uns Ihre Vorstellungen, Pläne, Träume und Bedingungen schildern bevor wir mit Ihnen Ideen und Konzepte entwickeln.

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Text: Elke Teipel Fotos: Martin Büdenbender

BERÜHRUNGSÄNGSTE ÜBERFLÜSSIG

Frühförderstelle der Lebenshilfe stärkt Sorgenkinder

Manuka ist neu im Team der Frühförderstelle der Lebenshilfe. Die Labrador-Hündin ist acht Monate alt und schnuppert hinein in ihre Aufgaben. Manuka gehört zu Anna Göpel, Heilpädagogin B.A. Tiergestützte Therapie wird zu einem wichtigen Baustein der Behandlung. In der Zweigstelle Kierspe, Friedrich-Ebert-Straße 275, treffen die Kinder nicht nur Manuka. Elisabeth Siewert, (Dipl. Heilpädagogin), Anna Rommeiß (Heilpädagogin B.A.), auch die Motopädinnen Melanie Käseberg und Susanne Walter unterstützen Kinder in ihrer individuellen Entwicklung. Die Hauptstelle hat ihren Sitz in Lüdenscheid, Wehberger Straße 4 B. Sie ist Anlaufstelle für alle Eltern, die sich Sorgen um die Entwicklung ihres Kindes machen. Sie betreut Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt, die in ihrer Entwicklung verzögert sind, im Verhalten Auffälligkeiten zeigen, zu früh geboren sind, von einer Behinderung bedroht sind oder mit Behinderung geboren wurden. Den Eltern entstehen keine Kosten. Frühförderung wird über den Sozialhilfeträger und /oder die Krankenkasse finanziert.

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Sarah Bauermeister leitet die Einrichtung, die etwa 400 Kinder aus Lüdenscheid, Kierspe, Halver, Schalksmühle, Herscheid, Plettenberg, Werdohl, Neuenrade, Altena und Nachrodt-Wiblingwerde betreut. „Die Zahlen steigen. Vor 23 Jahren waren es 140 Kinder “, berichtet Mechthild Reer-Stracke, Sarah Bauermeisters Vorgängerin, jetzt zuständig für die Diagnostik. Dabei falle es den Eltern nicht leicht, den Weg zu gehen. Sie haben Berührungsängste, die Hemmschwelle sei groß, weiß Sarah Bauermeister. Wichtige Impulse geben die Kinderärzte, Kindertagesstätten, soziale Dienste. Sie bemerken, dass sich das Kind auffällig benimmt, dass es nicht spricht oder nicht läuft. Die Frühförderstelle findet heraus, wie sich das Kind bisher entwickelt hat – Entwicklungsdiagnostik. „Wir klären, wo das Kind steht und welche Stärken wir nutzen können“, erklärt Sarah Bauermeister, wie der Förderplan entsteht. Bis zum Eintritt in die Schule kann das Kind gefördert werden. Und dann? Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 2017 gingen von 64 schulpflichtigen Kindern 43 in die Grundschule ohne besondere Hilfe.


Die Arbeit basiere auf dem Netzwerk Eltern, Frühförderung, Kita, Ärzte, beschreibt die Leiterin die Grundpfeiler. „Wichtig ist, dass die Eltern mitziehen.“ Das war der Fall bei einem Zweijährigen, der „massiv auffällig“ war. Offenbar nahm er nichts wahr. Eltern und Erzieherinnen befürchteten, er sei autistisch oder geistig behindert. Sarah Bauermeister: „In der Frühförderung entwickelte er sich so toll, dass er dann die Regelschule besuchte. Er ist super fit und wird sein Abi machen.“ Auch die Eltern eines anderen Jungen „haben alles gegeben“. Ihr Sohn war nach der Geburt reanimiert worden. Eltern und Arzt hatten große Sorgen, eine Behinderung würde zurückbleiben. Der Kleine kam zur Frühförderstelle. Er sei jetzt auf dem Gymnasium und ein erfolgreicher Sportler. Ja, der Eindruck täusche nicht, die Frühförderstelle betreue überwiegend Jungen, berichtet die Leiterin.

In der Regel kommen die Kinder einmal pro Woche. Die Therapie unterteilt sich in einen motorischen und einen kognitiven Teil. Die Kinder klettern, spielen mit der Eisenbahn, matschen, malen und fahren sogar in der Mülltonne durch Räume und Flure. Das sind nur einige Beispiele. Es macht den Kleinen Spaß. Es stärkt ihre Stärken und es stärkt ihr Selbstbewusstsein. Dazu wird künftig auch Labradorhündin Manuka beitragen. Manuka ist noch in der Ausbildung. „Sie ist ganz wichtig für die emotionale Entwicklung“, sagt Heilpädagogin Anna Göpel. Ihre Kolleginnen meinen: „Das Tier bringt die Kinder runter. Wilde werden zu Lämmchen.“ In der Zweigstelle Kierspe leisten alle ganze Arbeit. Die Fachfrauen betreuen zurzeit 60 bis 70 Kinder. „Wir vollbringen keine Wunder“, meinen sie. Wichtig für den Erfolg sei die enge Zusammenarbeit von Kitas, Kinderärzten und Therapeuten. „Die Eltern merken, alle ziehen an einem Strang.“

INFO Frühförderstelle Lebenshilfe Lüdenscheid e.V. Wehberger Straße 4 B, 58507 Lüdenscheid Tel.: (02351) 66 80 190 | lebenshilfe-luedenscheid.de

Zweigstelle Kierspe Friedrich-Ebert-Straße 275, 58566 Kierspe Telefon: (02359) 69 51

Alle mögen Lounis Lounis (21 Monate) sitzt in seinem Stühlchen und freut sich über die Nudeln mit Fleischsauce, die ihm seine Mutter Tanja (39 Jahre) füttert. Gemeinsam wohnen die beiden mit Vater Orhan (41 Jahre) und Schwesterchen Leyla (6 Jahre) in einer gemütlichen Wohnung. Lounis hat das Down-Syndrom. Einen Gen-Defekt, von dem die Eltern erst in der 31. Schwangerschaftswoche erfahren haben. „Es hat uns erst mal den Boden unter den Füßen weggerissen“, berichtet Tanja. „Damit rechnet keiner, wobei wir auch keinerlei Pränatal-Diagnostik im Vorfeld gemacht haben. Meine Mama hat dann mit mir zusammen geweint. Doch für mich war immer klar: Ich nehme dieses Kind, so wie es kommt.“ Bereut habe sie diese Entscheidung in keiner Minute. Ein Leben ohne diesen Sonnenschein könne sie sich gar nicht mehr vorstellen. „Uns war wichtig, dass direkt möglichst viele davon erfahren. Wir wollten kein Gerede hinter unserem Rücken.“ Im Vergleich zu anderen hat die Familie aus Werdohl bisher keine schlechten Erfahrungen machen oder sich negative Kommentare anhören müssen.

Im Gegenteil: „Lounis war von Anfang an überall willkommen. Alle mögen ihn.“ Anders ist es auch nur schwer vorstellbar, strahlt der kleine Junge doch sehr viel Lebensfreude aus. Musik, Fußball spielen und der Hund „Booma“ seiner Tante haben es ihm dabei besonders angetan. Gemeinsam mit seiner großen Schwester tobt er begeistert durch

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die Wohnung. „Obwohl er vier Wochen zu früh gekommen ist, hat er motorisch schneller gelernt als meine Tochter in seinem Alter“, berichtet Tanja stolz. „Anfängliche Erkrankungen wurden direkt nach der Geburt operativ behoben. Er ist nun kerngesund. Wir gehen nur einmal in der Woche zur Frühförderung der Lebenshilfe Lüdenscheid, um das erste große Etappenziel zu erreichen.“ Im Sommer soll Lounis nämlich in den Regelkindergarten gehen, den derzeit noch seine Schwester besucht. Diese wechselt dann in die Grundschule, auf die er – wenn möglich – ebenfalls einmal gehen soll. Wünsche für seine Zukunft? „Wir wünschen uns, dass er so normal wie möglich leben kann. Vielleicht in einer WG lebt oder sich verliebt und mit seiner Partnerin wohnt. Er soll einfach glücklich sein.“

„Felix ist der richtige Teil unserer Familie“ Felix ist acht Jahre alt und besucht die Förderschule „Schule an der Höh“. Er ist fröhlich, mitfühlend, hört gerne Musik in voller Lautstärke, spielt mit seinen Kuscheltieren und – ach ja – er hat das Down-Syndrom. Seine Eltern Gitta und Jörg erfuhren am Ende des ersten Schwangerschafts-Trimesters, dass etwas bei ihrem jüngeren Sohn nicht so ist, wie es sein sollte. Es wurde erst ein Herzfehler diagnostiziert, dann bei der Nackenfaltenmessung eine Störung erkannt. Die anschließende Fruchtwasser-Untersuchung ließ keine Zweifel mehr offen. „Wir waren ziemlich am Boden. Doch für uns war

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klar: Wir wollen ihn haben. Wir wussten gar nicht, dass wir damit zur Ausnahme gehören.“ Durch die frühen Pränatal-Tests leben immer weniger Kinder mit DownSyndrom in Deutschland. Belastbare Abbruch-Zahlen gibt es dafür kaum. Experten schätzen aber, dass neun von zehn Kindern mit dem Gen-Defekt abgetrieben werden. „Für uns gab es kein ja oder nein. Für uns stand immer fest, dass wir unser Kind behalten werden. Und da gab es noch so ein Erdnuss-Ultraschall-Bild, bei dem Felix einen kompletten Fuß mit allen fünf Zehen in die Kamera streckte…“ Ungewissheit und Fragen blieben nach der Entscheidung trotzdem, gab es doch vorher keinerlei Berührungspunkte zu Menschen mit Behinderung. „Wir wurden schon gefragt, wie wir das schaffen wollen. Und eine Dame sagte uns sogar, dass sie so ein Kind ja nicht haben wolle. Das war uns aber egal.“ Nach einer langen Behandlung seines Herzfehlers ging Felix zur Frühförderung der Lebenshilfe Lüdenscheid. Er wurde dort umfassend auf dem Weg zu einem möglichst selbstbestimmten Leben unterstützt. Nun sorgt er durch seine Energie, Vitalität, Lebensfreude und Kraft für viel Wirbel und geht dabei seinem großen Bruder Tim auch schon einmal auf die Nerven. „So wie Felix ist, ist er der richtige Teil von unserer Familie.“


KEINE WIEDERBESETZUNG Kurzgeschichte aus der Geschichtenschmiede von Marion Görnig

Selten nehmen neue Bundesregierungen die Gestalt von Ämtern an in den kleineren Kommunen des Landes. Wenn man aber das Innenministerium um ein Heimatministerium erweitert, bleibt es nicht aus, dass man an höchster Stelle beschließt, in die Fläche zu gehen. Heimat vor Ort sozusagen. Und so bekam die kleine Stadt Kierspe ganz unvermutet eine Dependance. Die Abteilung „Sauerland-Süd“ zog ein in den nagelneuen gläsernen Anbau des Bakelitmuseums im Alten Amtshaus, für dessen Errichtung zweckgebunden großzügige Mittel aus Berlin geflossen waren. Gestellt wurde natürlich auch der Mitarbeiterstab, lauter emsige Bundesbeamte. Bis auf den Kollegen Holger Wermkes. Ihn hatte man nicht verbeamtet, er war einfach nur befristet angestellt. Ein Jahr Sonderaufgabe, man müsse ja erst einmal schauen, ob sich die Sache mit der Heimat in der Provinz so etablierte wie geplant, hatte es in Berlin geheißen. Dabei hatte er doch auch die entscheidende Prüfung absolviert, die ihn für den Dienst nach Besoldungsgruppe A9 qualifizierte. Wie sie der Kollege Kampenrath auf seiner Lebenszeitstelle hatte, ein gebürtiger Kiersper, der als vertrauensbildende Maßnahme vom Rat-

haus in den Dienst beim Heimatministerium versetzt worden war. Und seine Stelle hatte noch nicht einmal einen sogenannten k.w.-Vermerk, das hieß, keine Wiederbesetzung. Wenn er in Pension ging, konnte ein anderer nachrücken. Allerdings war Kampenrath erst 51 und erfreute sich bester Gesundheit bei moderatem Übergewicht. So blieb es nicht aus, dass sich Holger Wermkes jeden Tag mehr nichts sehnlichster wünschte als Kampenraths Stelle, Beamter auf Lebenszeit, eine sichere Pension. Gelegentlich träumte er von einem tragischen Verkehrsunfall. Und wurde nicht immer gewarnt vor dem Herzinfarkt bei Männern in mittlerem Alter. Aber Kampenrath hatte einen bürgerlichen Fahrstil und ernährte sich gesund aus seinem Schrebergarten. Knapp drei Monate lief Holger Wermkes Vertrag noch, als ihm Kampenrath voller Begeisterung von der wilden Pastinake erzählte, die er jetzt in seinem Garten kultiviert hatte. Pastinaken aus Südfrankreich, und nicht die Wurzel verwendete er, sondern die Blätter, ein kulinarischer Geheimtipp, ganz eigene Note, leicht nussig im Geschmack, ein Hauch von Rucola und Knoblauch. „Nur die zartesten Blätter ganz von der Spitze, auf selbst gebackenem Vollkornbrot mit Süßrahmbutter. Eine Delikatesse.“ Von da an ging Holger Wermkes ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Der Gedanke an die aktive Beschleunigung von Kampenraths Schicksal. Eine leichte Verkürzung seines Lebenswegs. Nicht direkt Mord, nein, eher eine Herausforderung an die Mächte, die darüber bestimmten, wessen Erdendasein schon vorzeitig ein Ende

fand. Wilde Pastinaken. In einem englischen Kriminalroman hatte er gelesen, dass sie leicht mit hoch giftigem Wasserschierling zu verwechseln waren. Im Internet Genaueres zu recherchieren hieß, Spuren zu hinterlassen. Eine stille Ecke in der Stadtbücherei dagegen versprach Anonymität. Ohne Datenspuren zu hinterlassen, fand er in dem Bildband „Was wächst denn da im Sauerland“ unter Giftpflanzen den Wasserschierling mit Bild und die Information, dass dieser an den zahlreichen Gewässern des Sauerlandes durchaus nicht selten vorkam. An einem wunderbaren Sonntag im Mai machte er sich auf, mit dem Fahrrad, dem Wanderrucksack und einer spitzen Grabhacke. Er fand schließlich das ersehnte Kraut am Ufer der Lingesetalsperre. Der wilde Schierling führte hier nur ein unbeachtetes Schattendasein, aus dem ihn Holger Kempkes erlöste, indem er ihn ausgrub. Und wieder eingrub, so dass wenig später zwischen den wilden Pastinaken in Kampenraths Garten unerkannt einige Schierlingsstengel wuchsen. In einer winzigen Nuance helleren Grüns. Klopfenden Herzens betrat Holger Wermkes von nun an jeden Morgen das gemeinsame Büro. Doch immer war Kampenraths Platz schon besetzt. Mit Kampenrath. Eine Woche verging, eine zweite, eine dritte und an keinem Tag erwartete ihn die Nachricht von Kampenraths tragischem Tod. Doch dann endlich, am 1. Juli, war Kampenraths Stuhl leer. Holger klopfte das Herz bis zum Hals, als er sich an die Arbeit setzte. Um viertel nach Neun hielt er es nicht mehr aus. Er ging ins Nachbarbüro zum Kollegen Merkmann. „Sagen Sie mal, ist Kollege Kampenrath heute nicht da?

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Der wird doch hoffentlich nicht krank sein?“ Doch Kollege Merkmann schüttelte fröhlich den Kopf. „Ach was, der ist doch nicht krank. Der feiert heute sein 25-jähriges Dienstjubiläum und macht in der Kantine schon mal alles fertig für einen kleinen Umtrunk. Ich geh da auch gleich hin. Ich nehme Sie mit.“ Fröhliches Gelächter drang durch die Tür des Sozialraums im Erdgeschoss. Selbst der Chef, Regierungsdirektor Freese, der gerade vorbei schlenderte, runzelte nicht missbilligend die Stirn. Holger erwiderte den Gruß seines obersten Vorgesetzten gedankenverloren. Seinen Glückwunsch für Kampenrath hatte er schon eingeübt, nachdem er die erste tiefe Enttäuschung überwunden hatte. Schierling und Pastinaken gediehen prächtig, noch gestern war er am frühen Abend, mit einem alten Hut und einem Künstlervollbart vom letzten Karneval angetan am Schrebergarten vorbei spaziert. Sollte Kampenrath sein Jubiläum doch noch genießen, bald würde Erntezeit sein. „Einfach köstlich, so schlicht und doch so raffiniert“, hörte er die Stimme des Kollegen Merkmann über das fröhliche Stimmengewirr. Alle waren sie da, die komplette Belegschaft versammelt, es war eng und heiß. „Ja, greift zu, da darf nichts übrig bleiben“, rief Kampenrath, der auf einer Handfläche wie ein professioneller Kellner eine große Silberplatte balancierte. „Das wird schnell welk bei der Hitze. Hallo, das ist ja auch Kollege Wermkes. Sie müssen natürlich auch von meinen berühmten französischen Pastinakenschnittchen probieren.“ Er senkte die Platte und hielt sie ihm hin. Holger starrte auf die fünf übrig-

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gebliebenen handtellergroßen Scheiben selbst gebackenen Bauernbrotes, mit gesalzener Süßrahmbutter bestrichen und grünen Pastinakenblättern belegt. Übelkeit stieg in ihm hoch, Zahlen wirbelten vor seinen Augen. Wie viele Mitarbeiter hatten sie? Zwanzig? Fünfundzwanzig? Ein spontaner Hoffnungsschimmer kämpfte seinen Weg durch Zahlenspiele und Übelkeit. Gestern Abend war das kleine Kräuterbeet noch unberührt gewesen. Vielleicht stammten diese grünen, appetitlich anzuschauenden Blätter aus dem Nachbargarten. Oder vom Wochenmarkt. Kampenrath enthob ihn fröhlich einer verdächtigen Nachfrage. „Habe ich gestern Abend um zehn noch geerntet. Die beste Erntezeit von wilden Pastinaken ist beim dritten Mondaufgang der Sommerphase.“ In diesem Augenblick öffnete Regierungsdirektor Freese schwungvoll die Tür. „Ah, Kampenrath, wie ich sehe, ist die fröhliche Feier schon im Gange. Wie schön. Ich sage ja immer, ein gutes Arbeitsklima in einem lebensfrohen Team, das ist das Wichtigste. Gratuliert habe ich Ihnen ja schon. Ich hoffe, es ist noch eins der berühmten Pastinakenschnittchen für mich übrig.“ „Aber natürlich“, antwortete Kampenrath. Sein Gesicht glühte freudig. „Es sind noch genug da, hinten in der Teeküche. Greifen sie zu.“ Der Regierungsdirektor griff zu und biss mit gespannter Kennermiene in das Brot. „Was ist denn, Wermkes?“ fragte er genussvoll kauend, „Sie sind ja ganz blass. Nun essen sie mal, dann geht’s ihnen besser.“ „Ja“, dachte Holger, „das wird es wohl.“ Er griff nach einem Brot, betrachtete es eine Weile tief in sich versunken. Waren nicht einige Blättchen um eine winzige Nuance heller grün als die übrigen? Aber das bemerkte nur der Wissende. Dann biss er hinein. Beherzt und ohne zu zögern.

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GENAU! Der Jahreswechsel mit seinen Feiertagen liegt ja nun geraume Zeit hinter uns und damit auch die Zeit, in der im TV auf allen Kanälen die mit Abstand meisten Wiederholungen laufen. Genau! Dinner for one war auch für mich exakt 54 Jahre nach der Erstausstrahlung wieder ein Muss. Weihnachten bei den Hoppenstedts ließ ich mir ebenfalls nicht entgehen, obwohl ich die Dialoge Loriots als des Meisters der hintersinnigen Komik längst auswendig repetieren kann. Kevin war auch diesmal nicht allein zu Haus, hatte in der zigsten Ausstrahlung ebenso ein Millionenpublikum wie der Kleine Lord. Nicht zu vergessen im Kinderprogramm mein ganz großer Liebling, Michel aus Lönneberga.

Klingt interessant, ist es aber meist leider nicht! Damit es trotzdem nach neuer Produktion aussieht, gibt es mehr oder weniger geistreiche Zwischenmoderationen von immer den gleichen Protagonisten aus dem Hause WDR: omnipräsent die Quasselstrippe Yvonne Willicks, oft und gern genommen TV-Koch Björn Freitag, natürlich auch die weitgereiste Tamina Kallert, als Allzweckwaffe der notorische Bug vom Radio, dann die süße Kleine mit der Zahnlücke, und nomen est omen auch der Lück, der aus welchen Gründen auch immer stets als Entertainer firmiert. Dieses Prinzip wird nicht nur für die Sparte Unterhaltung bemüht. Diverse Reportagen in der Servicezeit zu Verbraucherthemen bestehen aus bereits mehrfach gesendeten und immer wieder aufs Neue zusammengeschnipselten Beiträgen. Ein Best-of der Best-ofs fehlt da gerade noch, wird aber bestimmt auch bald kommen. Ein Verfallsdatum scheint es nicht zu geben – das Archiv gibt ja so viel her!

Solche Wiederholungen sind vom Publikum gewünscht und mit hoher Einschaltquote unbestritten erfolgreich, deshalb auch kein Grund zur Kritik. Was mich als zwangsverpflichteten Gebührenzahler für Radio und TV aber zunehmend ärgert, ist die immer gebräuchlicher werdende Form des Programm-Recyclings. Unser WDR ist gemessen an der Anzahl seiner Mitarbeiter nach der britischen BBC der zweitgrößte Fernsehsender Europas. Da sollte man meinen, dass diese Anstalt (wie die öffentlich-rechtlichen Sender sich ja weiterhin offiziell nennen) ein qualitativ wie quantitativ besonders hochwertiges Angebot macht.

Perfide wird es, wenn die Programmverantwortlichen uns, den Konsumenten, vorgaukeln, wir selbst hätten per Voting zum Beispiel darüber entschieden, welcher Uralt-Tatort mit längst in die ewigen Ermittler-Jagdgründe eingegangene Kommissaren noch einmal gezeigt wird – manchmal sogar gleich zweimal an einem Abend! Da wundere ich mich, dass immerhin die Wettervorhersagen noch aktueller Natur sind – obwohl man auch hier mit beliebig einsetzbaren Versatzstücken aus dem Fundus der Wetterfrösche arbeiten könnte.

Die Realität sieht anders aus. Schnipselmann und Co. bestreiten mittlerweile in Radio und Fernsehen einen großen Teil der Sendestunden, so mein Eindruck. Da werden uns zur besten Sendezeit stundenlang Beiträge unter dem Motto „Die Besten im Westen“ vorgesetzt. Untote erscheinen ein ums andere Mal auf dem Bildschirm. Sketche mit Dieter Krebs und anderen Ulknudeln der Nation, die auch in der zigsten Wiederholung nicht origineller werden und viele andere alte Kamellen aus der Mottenkiste.

Auf allen Kanälen werden uns so täglich unzählige Deja-vu-Erlebnisse zuteil, auf die wir verzichten könnten, wenn mit den von uns Gebührenzahlern aufgebrachten Einnahmen von rund acht Milliarden Euro jährlich kreativer umgegangen würde. Der zunehmende Erfolg der US-Streamingdienste, wie Netflix und Amazon, kommt wohl nicht von ungefähr, bringt die Verantwortlichen aber leider nur auf eine Idee. Genau! Die Rundfunkgebühr soll demnächst wieder erhöht werden.

Einfallsreichtum wird dahingehend entwickelt, Obertitel zu kreieren, die als roter Faden dienen können.

Horst vom Hofe


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