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978-3-937445kookbooks Reihe Lyrik 00-7 Daniel Falb die räumung dieser parks 03-8 Steffen Popp Wie Alpen 04-5 Ron Winkler vereinzelt Passanten 14-4 Gerhard Falkner Gegensprechstadt – ground zero + CD Music by David Moss 16-8 Uljana Wolf kochanie ich habe brot gekauft 18-2 Hendrik Jackson Dunkelströme 22-9 Tom Schulz Vergeuden, den Tag 23-6 Monika Rinck zum fernbleiben der umarmung 27-4 Christian Schloyer spiel • ur • meere 29-8 Sabine Scho Album 30-4 Christian Hawkey Reisen in Ziegen­geschwindigkeit 34-2 Sabine Scho farben 35-9 Steffen Popp Kolonie Zur Sonne Monika Rinck Helle Verwirrung & Rincks Ding- und Tierleben 37-3 38-0 Uljana Wolf falsche freunde 39-7 Daniel Falb BANCOR 41-0 Martina Hefter Nach den Diskotheken 42-7 Matthea Harvey Du kennst das auch 43-4 Alexej Parschtschikow Erdöl 44-1 Alexander Gumz ausrücken mit modellen 45-8 Mathias Traxler You’re welcome 46-5 Daniela Seel ich kann diese stelle nicht wiederfinden 47-2 Michael Palmer Gegenschein 49-6 Monika Rinck Honigprotokolle 50-2 Dagmara Kraus kummerang 51-9 Gerhard Falkner Pergamon Poems 52-6 Hendrik Jackson Im Licht der Prophezeiungen 53-5 Christian Hawkey / Uljana Wolf SONNE FROM ORT

Dem et er Apo llon

Hekate Aster ia

Phob os Zeus

Klo tho

L etho

www.kookbooks.de

1. Auflage 2012 / © 2012 kookbooks, Berlin / Alle Rechte vorbehalten / Gestaltung und Illustration: Andreas Töpfer, www.toepferschumann.de / Illustrationen unter Verwendung der Fotos von Johannes Laurentius / Gesetzt aus der AG Old Face und Lydian / Druck und Bindung: Steinmeier, Deiningen / Printed in Germany / 978-3-937445-51-9


Gerhard Falkner PERGAMON POEMS Gedichte

Ăœber tragen von Mark Anderson


und also hat Herakles den Linos der ein Säusler war und Gedichte rezitierte, in einer Jauchegrube ertränkt!

ASTERIA

Die Hand ist ergänzt. Dem Arm fehlt eine Schulter Das Knie rast reglos in sich selbst. Alles ist Impuls. Die Brüche sind geglückt Wo sich ein Gott in Szene setzt, da fallen die Giganten. Alles atmet so die Gunst der Stunde. Die Göttinnen packen die Helden bei den Haaren und reißen sie wie Bäume aus dem Boden. Die Unsterblichkeit wird aufgehoben. Im Marmor herrscht Alarm Die Mutter der Hekate, Schwester der Leto reißt am Schopf den nächsten Helden nieder Alles schwingt, die Hüften und Gewänder Es existiert vom Schwert nur noch der Stoß der Rest ist Lücke, Zwischenraum, Fragment Doch wie viel Gigabyte hat dieser Fries, welch gigantisches Archiv birgt dieser Stein, dass selbst die Klinge, die nicht mehr vorhanden mit einem Schimmer von Unsterblichkeit die Ewigkeit der Götter widerspiegelt


APHRODITE

Aphrodite, auf deren Wink hin sich die Tiere paaren mit Schenkeln wie aus bestem attischem Gestüt und in Gewändern wie von Botticelli übergossen (die im Gekräusel ihre Wallung widerspiegeln) Aphrodite, wie im Tanz, inneren Impulsen von Kampf und Kühnheit folgend, von Rock’n’Roll tritt dem Giganten, dessen Schönheit selbst den Marmor aus der Fassung bringt mit der Sandale in die Kehle wie einem erschlagenen Hund, um ihm die Lanze wie im Tanze aus dem Leib zu ziehen. Man denkt sich Perseus hätte diese Schenkel brauchen können als die Gorgonen ihn verfolgten, wenn man nicht bedenkt dass Perseus eben diese Schenkel hatte, vom Rock’n’Roll Das ganze Geheimnis liegt immer in den größeren Zusammenhängen. Die Frauen, die als Göttinnen den Fries durchkämpfen sind den Männern gleichgestellt an Kraft nicht jedoch an Schönheit überlegen (ein großer, griechischer Gedanke!)


ARTEMIS

Nie wieder ist ein Körper so ans Licht getreten wie der, den Artemis, von rechts ins Kampfgetümmel steigend aus sich herausholt. Er entspringt. Er bejubelt sich und seinen Schwung – das Kleid ist außer sich vor Falten Der Wulst, mit dem es unter ihrer Brust gehalten macht den Marmor weich und lässt ihn fließen (kein Blutvergießen, nur der Sieg, es geht um alles) Ihr Knie berührt den Hund, der um sie kämpft in delikater Weise Ein Knie, das jedes Knie der Welt in Schatten stellt Ein Knie, das sich vollendet fortsetzt in der Wade – alles wie gemeißelt – die Sandale, mit der sie ihren Fuß auf einen überwundenen Gegner setzt ihn niedertritt Kill Bill, gespielt von Himmlischen (Götterkino) Die Torsi torkeln von der Wucht des Schönen und jeder Lücke stockt der Atem wie Schönheit so und Schock sich hier versöhnen


APOLLON

Es sind nur Brust und Köcher, die Apollo zeigen ein Torso, den der Marmor nur noch nackter macht der Arm, zerbrochen wie ein Schaft der Lanze schwebt leer im Treiben der Fragmente doch jeder Teil (der aus sich selber lacht) bewahrt noch seinen Stolz aufs Ganze Das Licht der Sonne wird verrückt auf dieser Brust, die Schatten schälen jeden Muskel aus dem Stein und jeder Blick kriegt auf sich selber Lust statt Stachel des Erblickten nur zu sein Du siehst hier nirgends Blut es geht um mehr, es geht um alles plus das Kolossale, mit dem die Götter ihre Grenzen kennen Kreta lächelt schon, die ikarischen Flügel die im heißen Licht zu Wachs werden Es geht um den Olymp, das Schöne (das wir kaum noch kennen) denn uns erreichen vom Himmel allenfalls heruntergeladene Klingeltöne


KYB E LE AU F DE M LÖWE N

Es ist irre wie eins ins andre übergreift wie dort ein Gott auf einen Stierkopf sich versteift, da ein Arm – noch warm – in seine Rüstung greift während alles andere schon stürzt Irre, wie der Marmor sein Gelände in die Länge zieht damit ein Löwe, wie auf Drogen, die Kybele (berüchtigt für ihre rasende Eifersucht und eben erst aus Ephessus man könnte sagen: eingeflogen) ins Getümmel reitet Wie sich die Fragmente in den Pausen, die der Marmor macht zu Impulsen verdichten, zu Rhythmen Wie die zerbrochenen Glieder ihre Lücken überbrücken und das Ganze in ein olympisches Orchester mündet Nach allem, dieser Frische, dieser jugendlichen Kraft wäre es sicher angebrachter gewesen, die Götter von damals hätten die Menschen von heute ins Museum gestellt. Das einzige Problem: Da wäre sicher keiner hingegangen.


ZEUS

In einem Meer von Marmor kämpfen Götter von ihrem Gang und ihrer Kraft durchdrungen und von den Schlangen, die an ihren Schenkeln prangen, geht ein Gongschlag durch den Stein (als hätten der Welt die Ohren geklungen) Die Glieder, die ihr Schreiten in der Schwebe halten liegen in Trümmern, eine Hand hält einen Arm umklammert, der nur ein Stück noch von sich selbst, nichts weiter, eine abgebrochene Gebärde auf der Suche nach dem Missing Link Der Ansturm, der den Stein durchrauscht legt das Geglückte der Gestalt in Falten Was heißt hier das Geglückte? Das Getanzte! Das vollendet aus sich selbst Hervorgebrachte gegen die alte und mit den Titanen zunichtegemachte rohe Kraft, die aus der Erde & der Tiefe kommt Die Helle des Olymp! Das nur noch die eigene Ordnung tragende: Überragende Und mittendrin in diesem Machtgetöse ein weit ausgreifender Zeus ein Muskelspiel, das nicht von dieser Welt – dabei ist es von diesem Gott nur fünf Minuten bis zum Alexanderplatz


P E R G A M O N A LTA R / AT H E N E

Wie viele Gigabyte hat dieser Fries Was steckt an Wissen in den Flügeln der Giganten Hat das harte Maß des Vollkommenen Platz für die Mängel der Notwendigkeit Steckt das Schöne auch im Misslingen Ist Misslingen eine Ortschaft in Schwaben Muss man Flügel beim Menschen nicht ablehnen Haben wir das Recht, vor dem Überwältigenden zu frühstücken Ist die attische Amphora der Schoß der schwarzfigurigen Jugend des Menschen (Brauchte Schönheit je Beweise) Kann man sagen wenn wir Götter betrachten: Ohne Headsets wären wir aufgeflogen Meinten wir wirklich aufgeflogen – und nicht aufgeschmissen Ist Athena der stets die Nike mit dem Siegeskranz sich nähert eine Schutzmacht der Metropole und des Krieges Heißt diese Metropole heute Berlin und der Krieg Geschichte. Hat sich der Altar, diese kühne Bühne olympischen Kampfes, für Eumenes, den Investor, gelohnt?


ASTRONAUTS

No evening sky. No antilopes Nothing where time and place pay tribute to each other Only movement pure, action, turmoil Everything simply and only a dance of deeds Goddesses with flexed calves Men bathing the marble halves: breaking the waves! Bravura. 3-D Is anything missing? The art of holding our gaze in check? Astronauts. Heaven wanderers Even the dogs know what price is at stake. With such ease is this heavy stone set in motion, the quick strength of the warriors forces it to roughhouse with them and yet manages to bring into accord that which nowhere rests to be perfectly beside itself

3 4 –––––    3 5

P e rgamo n po e ms


AT H L E T E S

It’s not just Giants and Athletes not just lions, snakes and Molosser hounds it’s the hour that gathers them here together the battle, the Attic time, the Aegean beginning: Power change! Never have god and human come so close you could almost say they’ve intersected The humans have fought like gods the gods suffered like humans, even Apollo has taken Man as his role model Artemis, ready to pounce, modelled for vases Primeval time, the blossoming ruled like a shimmer that overcame even the hardest stone Nothing expresses gods better than marble beauty was invented for its sake to round off the image, the ideal, with its silence The example the Greeks set− we can’t escape it

3 8 –––––    3 9

P e rgamo n po e ms


DER FRIES

Du sagst: Mich lässt der Marmor kalt, die alten Scherben ich kann mich in der Schönheit nicht erkennen nicht in der Schlacht, ich kenne keine Löwen kann kein Griechisch, lenke keinen Sonnenwagen ich habe keinen Sinn für etwas, das mich übersteigt, mein Alltag wird davon nicht heller meine Zeit nicht leichter Ich versteh das nur zu gut: Du wirst verrückt wenn du dein Bein dagegenhältst, deinen Kopf wenn du dein Leben, das im Lustigen verpufft, mit Höhepunkten höchstens noch im Fußballfieber, vergleichst mit etwas von nichts Überflüssigem gestreift, wo mit Lust und Größe alles ineinandergreift, jede Geste ausgereift Kein Wunder, dass da Marmor keine Wirkung tut nicht mal als Platte, auf der steht: Hier ruht.


PERGAMON POEMS

I ––– V

2012 –––  5 Ku r zfilme, ca. 9 Minuten –––  5 shor t films, ab o ut 9 mi nutes

G edichte –––  Poems by

Gerhard Falkner

S chauspieler –––  Actors

Judith Engel (Asteria) Eva Meckbach (Aphrodite) Tilman Strauss (Artemis) Sebastian Schwarz (Apollon) Jenny König (Kybele) Re gie & Produktion –––  Directed and Pr o d uced b y

Felix von Boehm Constantin Lieb

B ildgest altung –––  Director of Photograp hy

Till Vielrose

Ton –––  S ounddesign

Johannes Hampel Maske –––  Make Up

Hanna Riehm

Komposition –––  Composer

Therese Strasser

Ü be r setzung –––  Translation

Mark Anderson

Aufge zeichnet im Pergamonmuseum auf der Museumsin sel B erl i n so w i e im Stu dio de r Kaskeline Filmakademie. Eine Kooperation zw i schen d en St aatlichen Mu seen zu Berlin (Antikens ammlung) und der S chaub ühne B erl i n. Eine bb oxxF I LM E Produktion im Auftrag der St aatlichen Museen zu B erl i n. Filme d on location at Pergamon Museum Berlin and Kask el i ne Fi l m A cad emy. A cooperation be twe en The Berlin St ate Museums (The C o l l ecti o n o f C l assi cal Antiquitie s) an d S chaubühne Berlin. A bb oxxF I LM E producti o n.

http://bit.ly/ PergamonPoems


7 ––––– 8

ASTERIA ASTERIA

9 ––––– 1 0

APHRODITE APHRODITE

1 1 ––––– 1 2 A

R T E M IS A R T E M I S

1 3 ––––– 1 4 A

P OLLON APOLLON

1 5 ––––– 1 6 KYBE

LE AUF DEM LÖWEN

CYBELE ASTRIDE THE LION 1 7 ––––– 1 8 A

N R U F BEI G OE T HE G E N Ü G T

A CALL TO GOETHE WILL DO THE TRICK 1 9 ––––– 2 0 Z

EUS ZEUS

2 1 ––––– 2 2 P

E R G A M O N A L T A R   /   A T HE N E

P E R G A M O N A L T A R   /   A T H EN A 2 3 ––––– 2 4 D

EMETER DEMETER

2 5 ––––– 2 6 L

E T HO & A R T E M IS R E V ISI T E D

LETHO AND ARTEMIS REDUX 2 7 ––––– 2 8 O

T OS O T O S

2 9 ––––– 3 0 E

U R O PA E U R O PA

3 1 ––––– 3 2 HEK 3 3 ––––– 3 4 A

AT E H E K AT E

STRONAUTEN ASTRONAUTS

3 5 ––––– 3 6 HE

R A K L ES H E R A K L E S

3 7 ––––– 3 8 A

T H L E T E N AT H L E T E S

3 9 ––––– 4 0 P

E R G A M O N   /  HO L L Y W OO D

P E R G A M O N  /   H O L L Y W O O D 4 1 ––––– 4 2 O

LY M P O LY M P U S

4 3 ––––– 4 4 KO

R T IK A L E S Ä U L E N C O R T I C A L C O L U M N S

4 5 ––––– 4 6 W

HI T E N OISE W H I T E N O I S E

4 7 ––––– 4 8 D

E R F R IES T H E F R I E Z E

Begegnung und Echo oder Der Tanz der Gedichte um das 8. Weltwunder

4 9 ––––– 5 1

Encounter and Echo or The poems’ dance around the eighth wonder of the world

5 2 ––––– 5 4

55

Impressum

At h e n a

Pos e id o n

Her a

Ar tem is

5 6 ––––– 5 7

5 8 ––––– 5 9

6 0 ––––– 6 1

64


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