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KLAR • STEIRISCH • UNABHÄNGIG

Gipfelstürmer Andy Holzer – der weltbeste „blind climber“

Seine Finger

sind seine Augen Murau: Jugend wandert ab Energiechefs sagen nicht die Wahrheit Reisen wie einst Sissi 24 Stunden von Le Mans


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„Ich hatte einfach Glück“ Musikerin Simone Kopmajer – von Bad Aussee nach Florida

COVERSTORY 15 „Meine Finger sind meine Augen“ Gipfelstürmer Andy Holzer – der beste „blind climber“ weltweit

HINTERGRUND 21 Die Jugend verlässt das Land Düstere Prognose: Region Murau – das Altenheim der Steiermark

Seite 6 – Ich hatte einfach Glück Foto: Martin Kopfsguter

HINTERGRUND 24 Revival einer Königin Die Zirbe ist die Königin der Bäume und heuer Baum des Jahres

AUTO & MOTOR

Seite 15 – Gipfelstürmer Andy Holzer – der beste „blind climber“ weltweit

28 Der Klassiker 24 Stunden von Le Mans

I N H A L T

KULTUR 30 Hexen und Folter 31 Der perfekte Mord Ein Gedanke begleitet die Grazerin Käthe Bubna-Litic ständig

Seite 21 – Murau: Jugend wandert ab

REISE 38 Die Terrakotta-Armee des Kaisers

Illustration: Milan Illic

Foto: Petr Blaha

41 Liebe auf den zweiten Blick Gourmet-Zeitreise im ungarischen Schlosshotel Szidonia

Seite 11 – Mateschitz gibt Vollgas

Seite 42 – Reisen wie einst Sissi

Seite 24 – Revival einer Königin Die Zirbe

42 Reisen wie einst Sissi Unterwegs mit dem Majestic Imperator 44 Herzlich willkommen im Urlaubsparadies Bayerischer Wald! 45 Jeder kommt auf seine Rechnung … … im Sporthotel Wagrain im Salzburger Pongau das ganze Jahr über

STANDARDS 4

Spots

20 Lilly Lotterblume 28 Auto & Motor 32 Gesundheit 48 Urlaubstipps 50 Bücher

Seite 8 – Zum Glück atomstromlos 2

Seite 28 Der Klassiker – die 24 Stunden von Le Mans KLIPP April 2011


www.klippmagazin.at

IMPRESSUM Medieninhaber und Herausgeber: KLIPP Zeitschriften GmbH & Co KG, 8020 Graz, Friedhofgasse 20, Tel. 0316/ 42 60 80-0, Fax-Dw 122 office@klippmagazin.at

Neu! Klicken Sie rein!

Officemanagement: Isabella Hasewend Redaktion und Autoren: Jürgen Lehner, Ali Rosker, Reinhard Schuch, Michaela Vretscher, Helmut Dietl, Sylvia Einöder, Karin Klug, Michael Schröder. Titelfoto: Andreas Unterkreuter

Für L es Vorde er, denen rgrün nicht diges genü gt!

Produktionsleitung: Isabella Hasewend Produktion: Martin Druschkowitsch, Hans Obersteiner, Christian Wallner. Lektorat: Mag. Dr. Günter Murgg Druck: MA-TISK d.o.o. Maribor

Sie – unsere Homepage – war in die Jahre gekommen, stammte doch die Version noch aus der Frühzeit des Internets. Einfallsreichen jungen Mitarbeitern und engagierten Internet-Kennern ist zu danken, dass Klipp nun einen Relaunch geschafft hat und damit wieder auf der Höhe der Zeit ist. Jetzt müssen Sie, liebe Leser, nur reinklicken und

Abonnentenpreise: Jahresabo € 14,53, Zweijahresabo € 26,16, Studentenabo: 2 Jahre € 18,16, 1 Jahr € 13,08

wenn’s Ihnen gefällt davon weitererzählen. Wenn’s nicht gefällt, dann bitte nicht weitererzählen, sondern kontaktieren Sie uns und teilen Sie uns mit, was wir besser machen könnten. Jürgen Lehner

Vertrieb: Hurtig & Flink Erscheinungsort: Graz, Verlagspostamt: 8020 Graz, P.b.b. www.klippmagazin.at Nächster Erscheinungstermin: Mai 2011

Kompetenz, Erfahrung und Erfolg Ein guter Rath ist die beste Verteidigung


Foto: Conny de Beauclair

Foto: Heimo Ruschitz

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Alle Jahre wieder…

Werner Frömmel, Heidelinde Weis, Karl Spiehs, Gattin Angelika, Konsul Gert Seeber und Heidi Schaller (v.l.)

Er hat McDonald’s in der Steiermark ein Gesicht gegeben

Der Anton hört auf S elbst seine Mitarbeiter wollten es nicht glauben, aber am 1. Mai hört er auf – Anton Heesen. Er brachte 1982, vom McDonald’s aus San Francisco kommend, den Big Mac nach Graz, und die

Chinesische Tänze und Musik

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it einer kompletten Neuinszenierung kommt das Künstler-Ensemble Shen Yun Performing Arts aus New York im Mai 2011 zum 4. Mal auf seiner Welttournee nach Wien in die Wiener Stadthalle. Begleitet von einem Live-Orchester zelebriert es die geheimnisvolle Pracht des klassischen chinesischen Tanzes und verzaubert das Publikum mit Gesangs- und Instrumentaldarbietungen auf höchstem künstlerischem Niveau.

Infos: Wiener Stadthalle, Halle F, 1. bis 4. Mai 2011 www.shenyunperformingarts.org http://www.stadthalle.com/events/ Shen-Yun/5764 4

Murstädter standen am Jakominiplatz Schlange dafür. Über mehr als ein Jahrzehnt war Anton Heesen das Gesicht für McDonald’s in der Steiermark. Sein soziales Engagement, seine unzähligen Aktivitäten für Schulen, Vereine, Kindergärten, aber auch für Erwachsenen-Organisationen machten ihn zu einem der erfolgreichsten Franchisenehmer im US-Konzern. Eine Zeitlang führte Anton Heesen sogar drei McDonald’s. In den letzten beiden Jahren machte er den McDonald’s in Graz-Straßgang mit täglich rund 2.000 Kunden zu einem Vorzeigeplatz. Denn Anton, wie ihn seine Umgebung nennt, will immer zu den Besten gehören und erhielt daher auch zahlreiche McDonald’sAwards. Noch vor Wochen diskutierte er mit Freunden die geplante 2 Millionen Euro teure Erweiterung. „Aber es gibt so etwas. Du entscheidest dich dann spontan anders und es ist dennoch gut überlegt“, so Anton Heesen. Seine ältere Tochter hat andere Berufswünsche und die Zwillinge sind erst sieben Jahre. „Da fragst du dich dann: Wofür mach ich das? Und das Ganze ist ja auch nicht unbedingt familienfreundlich.“ „Nun muss ich mir einen neuen Tages- und Lebensrhythmus suchen, aber da fällt mir sicher einiges ein“, sagt Anton Heesen, der ja sicher „keine Ruh’ geben“ wird. O

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s zeigt schon, dass das Fest selbst für die Gäste was Vertrautes ist, denn sonst würden nicht so viele immer wieder zur Saisoneröffnung des Werzer’s nach Pörtschach am Wörthersee pilgern. Ein Sigi Wolf, der als Manager in der Automobilindustrie praktisch rund um die Uhr in Russland unterwegs ist, viel Zeit davon im Flugzeug verbringt, wenn sich der beim Saisonfest entspannen kann, dann bedeutet das schon viel. Werner Frömmel, der Initiator und Hausherr, selbst ist nachher immer ziemlich geschafft, nicht nur, weil er jedes Mal bis 1/2 8 Uhr früh zum Frühstücksbeginn durchhält. Nach 2 Stunden Schlaf mischt er sich schon wieder unter seine Gäste. Diesmal ging’s am

Nachmittag sogar weiter, weil er zur Fernsehshow von Carmen Nebel wollte, die von Klagenfurt ausgestrahlt wurde. Diesmal wurde im Werzer’s mit dem Golden Award Karl Spiehs geehrt. „Die Reaktionen waren gut, das Fest ist gelungen“, freut sich Werner Frömmel, auch wenn die Akustik und Tonqualität nicht passte. Noch verrät er nicht, wer im kommenden Jahr beklatscht wird. Nach dem Fest setzte sich Frömmel nach Florida ab, wo er traditionell einmal im Jahr sich zu erholen versucht. „Zwei Tage habe ich dann fast durchgeschlafen“, verrät er. Da wird es dann hoffentlich mit der Erholung auch geklappt haben. O

Da wird es sich abspielen am Schwarzl-See in Unterpremstätten bei Graz, beim SeeRock-Festival 2011. In den vergangenen Jahren lockten die Seefesttage tausende Besucher an und heuer holt Veranstalter Klaus Leutgeb Weltstars aus der Musikbranche zum See-RockFestival an den Schwarzl-See. Topstars wie Sting, Bryan Adams, die Eagles, Joe Cocker und Shakira geben sich die Ehre.

Klipp verlost je zwei Karten … … für die Konzerte von Shakira (10.6.), Zucchero (17.6.), James Blunt (6.7.), Bryan Adams (7.7.), Roxette (3.6.), Joe Cocker (3.6.), The Eagles (25.6.), EAV (6.8.), Wir sind Helden (5.8.) und Sting (11.6.). Schreiben Sie uns – Klipp Zeitschriften, Friedhofgasse 20, 8020 Graz oder per Mail an isabella.hasewend@klippmagazin.at – warum gerade Sie für das jeweilige Konzert Karten gewinnen wollen.

Foto:Tourdesign Marc Baptiste

Anton Heesen machte den Big Mac in der Grünen Mark salonfähig.

KLIPP April 2011


Fair und chic kein Widerspruch

Die Weltladen-Chefin: „Unser Mut zum Risiko hat sich gelohnt.“

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ie Französin Hélène ReiterViollet (39) ist Architektin und Geschäftsführerin eines Weltladens am Tummelplatz in Graz. Sie wurde kürzlich mit dem Preis „Gründerin des Jahres 2010“ vom steirischen Gründerinnenzentrum ausgezeichnet. Reiter-Viollet, verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Sie ist in Paris aufgewachsen, hat in Barcelona Architektur studiert und arbeitet seit 14 Jahren als Architektin in Graz. „Es ist eine tolle Anerkennung“, so Reiter-Viollet. „Ich hätte nicht gedacht, dass das Projekt auf so ein großes Interesse stößt. Ausschlaggebend war sicherlich, dass wir mit unserer Idee Mut zum Risiko bewiesen haben. Das Schönste am Preis ist aber die mediale Aufmerksam-

-Echo

Reaktionen: office@klippmagazin.at

Sehr geehrte Damen und Herren, Ich teile zwar nicht alle Einschätzungen des Graz-Linz-Vergleichs, aber das möchte ich hier nicht näher ausführen. – Aber ich möchte dennoch auf einen Irrtum hinweisen, der beim Stadtderby in Zahlen passiert ist: Es wurden beim Tourismus die Nächtigungszahlen der beiden Städte vertauscht! Tatsächlich hat Graz mit 824.000:693.000 Nächtigungen die Nase noch immer sehr deutlich vorne. Vielleicht passt diese Richtigstellung irgendwann/irgendwie in die nächste Ausgabe. Mit freundlichen Grüßen, Dieter Hardt-Stremayr aus GRAZ

KLIPP April 2011

der Es ist schon wieder was passiert. Ein Hund hat ein Kind gebissen, irgendwo in der Provinz. Das ist wirklich bedauerlich. Ich weiß das, ich habe selbst drei Kinder. Wie immer in solchen Fällen ertönt Volkes und der Medien Ruf nach Legislative und Exekutive. Der Ruf nach einem Hundeführerschein wurde laut – und überraschend schnell umgesetzt. 12 gefährliche Hunderassen und die noch gefährlicheren Besitzer solcher Hunde müssen laut Verfassungsgerichtshof einen Führer-

denen die Befähigung und der Wille zur Erziehung fehlen. Dann bräuchten die bedauernswerten Kinder, wenn sie erwachsen sind, keine Kampfhunde und keinen Hundeführerschein. Ich habe selbst einen Hund. Er kam aus dem Tierheim, und obwohl er zu den Jagdhunden zählt, ist er fast so sanft wie ein Lämmchen. Er jagt z.B. Katzen nur, solange sie weglaufen. Bleiben sie stehen und fauchen, sagt mein Hund: „Okay, war ja nicht so gemeint“, und macht einen großen

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keit, die danach entstanden ist – da gibt es nichts Besseres für ein Geschäft wie dieses.“ Reiter-Viollet beriet zehn Jahre lang österreichische Weltläden. Nicht nur, was die Architektur betrifft, sondern auch, wie sie sich als Marke besser positionieren können, und bei der Standortsuche. „Dabei habe ich die Fair-Trade-Idee entdeckt, die ich sehr bewundere und die mich als Alternative zum üblichen Markt fasziniert. „Durch meine Arbeit mit den Weltläden erhielt ich einen Einblick in deren Struktur und wollte diese Chance nützen, um mein eigenes Projekt zu verwirklichen.“ Welche Menschen sind eigentlich Ihre typischen Kunden? „ReiterViollet: „Aufgeklärt, bewusst, aber nicht unbedingt alternativ. Die Leute sollen wegen der Qualität der Produkte kommen und nicht, um Almosen zu geben. Deko und Design sind die Schwerpunkte dieses Geschäfts. Wir haben sehr viele Designprodukte, die noch nie vorher in Österreich waren. Dazu ist uns Transparenz wichtig, indem wir die direkte Verbindung zum Produzenten offenlegen. Das gibt es nicht am konventionellen Markt und ist einzigartig. D.D.

Vom Unbehagen gegenüber (Hunde-)Führern schein machen. Ich finde das in Ordnung. Trotzdem ist ein Unbehagen damit verbunden, denn haben wir für eine demokratische Gesellschaft nicht schon zu viele Führer? Mir sind sie generell suspekt, egal ob Hundeführer, Parteienführer, Sektenführer, Rädelsführer, Wirtschaftsführer und Staatsführer. Man hat ja gesehen, wohin manche Führer ihre Anhänger gebracht haben. Das waren Politiker ohne Führerschein. Auch wenn man sich die heutigen Politiker ansieht, fragt man sich, ob nicht ein Politikerführerschein angebracht wäre. Mit Prüfungsfächern wie „Kleines 1x1 der Demokratie“, „Was ist Moral?“, „Wann trete ich zurück?“ oder „Trockenlegung von Sümpfen …“. Angesichts der momentanen Führer in der Politik sind einem Wanderführer, Weinführer, Pflanzenführer und Reiseführer allemal lieber. Vielleicht sogar Hundeführer, wenn sie ihren Hund gut halten. Leider gibt es Hundebesitzer, deren Führerrolle für ihr Tier manchmal gewalttätige und krankhafte Züge annimmt. Sie fühlen sich durch den Besitz eines „scharfen“ Hundes stärker und kompensieren irgendwelche Erlebnisse. Also ist der Mensch das Problem, nicht das Tier. Mindestens so angebracht wie ein Hundeführerschein wäre ein Kinderführerschein für Eltern,

Bogen. Von meinen drei Kindern lässt er sich mehr gefallen, als jede Katze sich gefallen lassen würde. Für diesen Hund werde ich vermutlich keinen Hundeführerschein brauchen. Höchstens eventuell einen Lämmchenführerschein. Wir sind ein geordnetes Land mit Bürokratius als oberstem Schutzheiligen. Auf den Politikerführerschein werden wir noch warten müssen. Eher blüht uns die Hundeverkehrsordnung mit Hundestraßenschildern und markierten Hundewegen wie für die Radfahrer. Nicht jeder Fußgänger will schließlich einem Hund begegnen. Wie wäre es mit Hinweistafeln, wo der Hund kleines Geschäft oder großes Geschäft machen darf? Eine dufte Herausforderung für Schilderdesigner. Das wäre doch ein neues Gesetz wert, wir Österreicher lieben Gesetze. Der Amtsschimmel wiehert und die Hunde bellen freudig. Manche Menschen sind freilich auch durch Gesetze und Regeln nicht belehrbar, oder sie kennen sie einfach nicht. Angeblich soll ja jeder, der mit einem Auto unterwegs ist, einen Führerschein haben. Genug Verkehrsregeln gibt es auch. Dennoch passieren bei uns kaum weniger Autounfälle als in der Türkei. Reinhard Schuch 5


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aben sie natürlich nicht. Hätten die ägyptischen Revoluzzer den Leobner Bürgermeister Matthias Konrad gefragt, wann der Umsturz in Ägypten für Konrad, Arzberger und Co. passen würde, dann würde Mister Mubarak erst in den kommenden Monaten von seinem Thron gestoßen werden. Denn als im Jänner die Unruhen in Kairo begannen, auch das ägyptische Nationalmuseum dabei in Mitleidenschaft gezogen wurde, liefen gerade die letzten Vorbereitungen und Gespräche für die geplant gewesene Ausstellung „Götter am Nil“.

Doch von da an gab es absolute Funkstille, niemand wurde mehr erreicht oder meldete sich. „Wir konnten nicht mehr zuwarten, mussten binnen weniger Tage eine neue Ausstellung auf die Beine stellen und haben uns durch unsere guten Kontakte mit Mannheim in Verbindung gesetzt. Dort lief die Ausstellung über die griechischen Götter. Die haben wir übernommen und zusätzlich Exponate eben aus Berlin bekommen. Es war eine organisatorische Meisterleistung von den Verantwortlichen“, so der Leobner Stadtrat … O Foto: SMB/Antikensammlung, Johannes Laurentius

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Science Busters: Die Physik des Muttertages

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arum lieben wir unsere Mutter eigentlich? Die Science Busters (Prof. Heinz Oberhummer, Univ.-Lektor Werner Gruber, Martin Puntigam und Christian Gallei) erklären, wieso wir manchmal Essen nicht mögen, obwohl es so schmeckt wie daheim, warum uns beim Autofahren mitunter schlecht wird und wieso man auf

einem Mutterstern nur sehr schlecht Muttertag feiern kann.

Infos: MAMAAAAAAA! Die Physik des Muttertages 05. Mai 2011; Orpheum Graz; Beginn: 20.00 Uhr www.sciencebusters.at

Auf Steirer nicht vergessen …

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in guter Wirt vergisst niemals auf die einheimischen Gäste, heißt es so schön. Auch der Sattlerhof in Gamlitz schaut künftig verstärkt auf die eigenen Landsleute. Was man an Qualität weltweit längst zu schätzen weiß – nahezu die ganze Südsteiermark produziert ja Topweine –, kann nach wie vor auch beim quasi alteingesessenen Weingut Sattlerhof genossen und erworben werden. Zwar ist das Familienunternehmen über die Landesgrenzen hinweg seit langem in aller Munde, so wollen die Brüder Willi und Hannes aber dennoch auch hierzulande punkten. „Wir exportieren den Wein seit Jahren in die ganze Welt und brauchen uns punkto Qualität nicht zu verstecken. Letztlich sollen freilich die Steirer selbst den steilen Weg herauf zu uns finden“, erklärt Willi Sattler. Der Wein ist grundsätzlich die Domäne der Familie und hat auch den Übergang zu

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Einer macht den Wein, der andere schwenkt den Kochlöffel: Willi und Hannes Sattler. (v. l.) Foto: Gerd Krauskopf

kulinarischen Leckerbissen ermöglicht. Zu Welschriesling, Morillon, Sauvignon blanc & Co kann man im sattlerischen Hauben-Restaurant oder Wirtshaus demnach neuerdings auch vermehrt typisch steirische Schmankerln genießen. Als gute alte Bauernküche versteht Hauben-Koch Hannes Sattler nämlich das Back- und Brathendl genauso wie saure Nierndeln oder Leber und Fisch aus der Nachbarschaft. O 7

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Zur falschen Zeit


POLITIK Kernkraftwerk Zwentendorf: nur 37 Kilometer von der 2-Millionen-Stadt Wien entfernt

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n der damaligen Volksbefragung beteiligten sich knapp 3,2 Millionen Österreicher. 1.606.705 (50,47 Prozent) sagten NEIN zu Zwentendorf. Ihnen ist für ihre Weitsicht noch heute zu danken, denn sonst würden heute die Atombrennstäbe dort glühen. Damit würden die Österreicher die Katastrophe von Fukushima viel „brutler“ erleben und es würde eine bange Stimmung um uns herrschen. Denn zwei Millionen Menschen leben im näheren Umkreis von Zwentendorf, das 37 Kilometer von Wien entfernt ist. Ein Supergau dort, wie in Fukushima, mit den Folgen (Evakuierung, Verstrahlung …) – und die Republik wäre praktisch am Ende. Nun werden jene sofort die Hand heben, die meinen, so etwas hätte bei uns nie passieren können. Denen sei gesagt: Diese „Prognose“ gab’s bei allen bisherigen Atomunfällen. Wenn man die Vorgänge rund um Zwentendorf nachliest, dann wird eines ganz deutlich: Dass die repräsentative Demokratie, die Politik beider Großparteien (SPÖ und ÖVP), damals kläglich versagte. Wäre es 1978 nach Kreisky, der Wirtschaftkammer und dem ÖGB gegangen, dann glühten die Brennstäbe in Zwentendorf auf Teufel komm raus. Falsche Energiebedarfsszenarien, Irrtum und Manipu-

Was wäre, wenn … Ein Gedankenspiel zu Zwentendorf Eine hauchdünne Mehrheit von knapp 30.000 Stimmen entschied am 5. November 1978, dass das fertig gebaute Atomkraftwerk Zwentendorf nicht in Betrieb ging.

Erleuchtende Strahlen. Manche unserer Nachbarn beneiden uns heute um diese weitsichtige Entscheidung. Länder, die den „point of no return“ längst überschritten haben, die nicht mehr zurückkönnen, sind jetzt Getriebene der einst bedenkenlos geschaffenen Reaktor-Verhältnisse. Dort führen nun Sachzwänge dazu, dass man auf die Verantwortung für das eigene Tun verzichtet.

geben Anlass zum Umdenken. Erneuerbare Energie heißt das Gebot der Stunde! Für die Steiermark bedeutet das eine effiziente und vernünftige Holzverwendung. Unter dem Motto „Holz statt Atome spalten“ macht daher die LWK Steiermark während der ersten Maiwoche im Rahmen der „Woche der Landwirtschaft“ verstärkt auf das Multitalent Wald aufmerksam. Dabei wird der Wald als ungefährliche Rohstoff- und Energiequelle sowie als sauberste Fabrik der Welt in den Mittelpunkt gerückt. O

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lastung reden. Das sind Werte, die in den letzten Jahrzehnten zwar angehoben, verändert wurden, aber in keinem Fall das tatsächliche Gefährdungspotential wiedergeben. Was vor 25 Jahren ungefährlich war, gilt heute als gefährlich, und es wird in 25 Jahren das, was heute als ungefährlich gilt, wieder gefährlich sein. das Risiko der Kernenergie ist nicht abschätz- und eingrnzbar.

Experten-Schwachsinn lation, vorurteilbeladenes Engagement, überdrehte Nutzwert-Analysen waren 1978 täglich zu hören, zu sehen und zu lesen. Dann stand plötzlich die direkte Demokratie, die Entscheidung des Volkes zu einer Sachfrage auf dem Prüfstand. Und was antworteten die Österreicher den Politikern? „Wir wollen im Zweifel bei hohem Risiko vorsichtiger sein“, so die Mehrheit.

Holz statt Atome spalten ie erschreckenden Folgeschäden der Atomkatastrophe von Japan

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... Helfer in Rot-Weiß-Rot hätten bei einem Störfall ausrücken müssen.

Wenn es darum geht, auch in Zukunft einen sicheren Schutz vor den verheerenden Folgen technischer Entwicklungen zu schaffen, so lehrt das Beispiel Zwentendorf, dass wir unser Schicksal selbst und direkt bestimmen müssen. Wir müssen selbst entscheiden und selbst verantworten, welchen Fortschritt wir wollen. Und vor allem, welchen Preis wir für unsere Zukunft zu entrichten bereit sind.

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf Die so genannten Experten und Befürworter der Atomenergie – jüngst auch in Fukushima – gehen immer nach diesem Motto vor. So ist vieles über Tschernobyl bis heute nicht bekannt geworden. Die geheimsten Daten und Unterlagen über das gesundheitliche Schicksal der evakuierten Bevölkerung und jenes der Helfer, Polizisten, Feuerwehrleute, Busfahrer, Ärzte, Sanitäter, Betonarbeiter und, und sind nie veröffentlicht worden. Ähnliches ist auch im Fall von Fukushima zu befürchten. Man will sich gar nicht vorstellen, wie viele direkte und indirekte Opfer es geben wird. Da hilft es wenig, wenn die Experten von radioaktiver Grenzbelastung oder von nicht gesundheitsgefährdender Strahlenbe-

Ein Bild will mir nicht aus dem Kopf gehen: Es war ein aufklärender Fernsehspot über die Gefahr radioaktiver Strahlung in den USA aus den späten 50er- und frühen 60er-Jahren im Fall einer Atomexplosion. Die Zivilschützer und Experten rieten damals, in einem solchen Fall sich „wegzuducken und den Kopf zu bedecken“. Im Spot sah man Menschen, die sich auf den Boden legten und mit Zeitungspapier abdeckten. Das sagt doch alles. Seit der Entdeckung der Röntgenstrahlung wurde deren Gefährlichkeit immer wieder unterschätzt. Es gab im Laufe der mehr als 100 Jahre viele, viele Tote, sehr oft waren es Wissenschafter, die einfach die Gefährlichkeit für den Menschen nicht zur Kenntnis nehmen wollten. Auch die Atombombenabwürfe von Hiroshima änderten nicht wirklich etwas daran. Denn sonst wäre es nicht zu Fukushima gekommen. Mit einer Sicherheitsphilosophie, die nicht wirklich Sicherheit geben kann, versucht man, die Menschen zu beruhigen. Bezeichnend, aber auch entwaffnend, ist die Frage eines 13-Jährigen („Zeit“-Magazin, April 2011) zum Unglück von Fukushima: „Warum wart ihr euch so sicher?“ JL KLIPP April 2011


E-Steiermark war laut Greenpeace nicht auskunftswillig

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ine Greenpeace-Studie zum Strommix der österreichischen Energieversorgungsunternehmen deckt die Möglichkeit zur „Stromwäsche“ mittels RECS-Zertifikaten (Renewable Energy Certificate System) auf. Demnach ist es erlaubt, Zertifikate für sauberen Strom ohne den dazugehörigen Strom zu kaufen. Wer also ein RECS-Wasserzertifikat bezieht, kauft sich damit nicht unbedingt Wasserkraftstrom, sondern nur das „Recht“ zu behaupten, dass der Strom aus Wasserkraft bezogen wurde. Durch diesen Etikettenschwindel können die Energieversorger den im Ausland eingekauften Atomstrom „grünwaschen“ und als Wasserkraft kennzeichnen. Dies ist durch eine Lücke im EU-Gesetz zur Stromkennzeichnung möglich. Die Zertifikate stammen aus Ländern, in denen eine EU-konforme Stromkennzeichnung fehlt: Finnland, Schweden, Norwegen und Spanien.

Null Reaktion Greenpeace-Aktivist Jurrien Westerhof hat KLIPP im Detail erläutert, wie die Kommunikation mit der Energie Steiermark scheiterte: „Wir haben mit insgesamt mindestens fünf mir bekannten Personen Kontakt gehabt und niemand war bereit uns zu erklären, woher der Strom kommt. Als einziges Energieversorgungsunternehmen hat die Energie Steiermark sogar überhaupt keine Angaben machen wollen.

Deswegen mussten wir annehmen, dass der Strom am Markt zugekauft wird und sich so zusammensetzt wie der europäische DurchschnittsStrommix. Selbst als wir drohen muss-

und die E-Control überprüft hier auch nicht gründlich.“ Deren Reaktion: „Es ist ein Unternehmensgeheimnis, wie viele RECS-Zertifikate verwendet werden.“

der europäische DurchschnittsStrommix (UCTE-Mix) angenommen, der auch Atomstrom beinhaltet. Das Ergebnis der Studie zeigt, dass alle Energieversorger mit Atomstrom

Energiechefs sagen nicht die Wahrheit Es war der 16. März 2011, die BiGreen Energy“ anderes vorgibt. lanzpressekonferenz der Energie Im Folgenden wörtlich die ÄußeSteiermark, der Supergau um das rungen der beiden E-Manager: Atomkraftwerk Fukushima und Oswin Kois in seinem Einleitungsdie Diskussion um den ungeliebten statement: „Wir sind wirklich ein Atomstrom voll ausgebrochen. Rundum-green-energy-Konzern Logischerweise wurden daher mit einer Fülle von Aktivitäten; auch Oswin Kois und Olaf Kieser, vielleicht machen wir den Fehler, die beiden obersten Strommänner dass wir zu wenig darauf hinweider Energie Steiermark, zur Prosen, dass wir das noch besser blematik des Atomstroms befragt. Um „Green-Image“ bemühtes Duo Oswin transportieren müssen. Die EnerDenn Österreich importiert Atom- Kois (links) und Olaf Kieser behauptet, gie Steiermark setzt voll auf erstrom, wie aus den Angaben der E- keinen Atomstrom an die Kunden zu liefern. neuerbare Energie und wird ihren Control zu entnehmen ist. Daher Kunden auch weiterhin ausbeziehen die Energie-Versorger – die Energie Steierschließlich atomfreien Strom liefern. Die Atomkatamark erzeugt selbst gar keinen Strom – einen so gestrophe in Japan hat uns in unserem Kurs bestätigt. nannten Strommix. Das belegt auch eine GreenDaher wird die Energie Steiermark in Zukunft mit peace-Studie. Vor allem die Industrie ist interessiert noch mehr Nachdruck grüne Energie produzieren.“ an möglichst billigem Strom und lehnt Atomstrom Auf die Frage: „Sie kaufen Strom überregional. Wie auch nicht ab. Umso unverständlicher sind daher kann dann garantiert werden, dass das atomfreier die folgenden Äußerungen von Oswin Kois und Olaf Strom ist?“ Sein Kollege Olaf Kieser: „Wir können Kieser. Sie wagten es nicht, die (volle) Wahrheit zu atomfreien Strom garantieren, so steht es auch in sagen, weil die Imagekampagne „Wir sind rundum den Bezugsverträgen.“ O

ten, dass diese Vorgangsweise uns als einzige Möglichkeit übrigbleibt, wollte man keine Auskunft geben.“ Niklas Schinerl, Klima- und Energiesprecher von Greenpeace: „Hier wird ein absurdes Gesetz ausgenutzt

Wer hat den schwarzen Peter? Greenpeace geht davon aus, dass der nicht deklarierte Anteil der Strombezüge über Börsen, kurzfristige Lieferverträge etc. bezogen wird. Für diesen nicht deklarierten Anteil wurde daher

handeln, variierend von circa 8 Prozent bei Wienstrom bis 28 Prozent bei der Energie Steiermark. Obwohl die Energieversorger immer mehr ausländischen Strom und somit Atomstrom beziehen, führt interessanterweise beinahe kein Unternehmen tatsächlich einen Anteil Atomenergie in seinem Strommix auf. Wie kann das sein? Dem Strom selbst ist nicht anzumerken, aus welcher Quelle er stammt. Nur ein Blick in die Bücher legt die Lieferbeziehungen eines Stromversorgers offen. Es ist ganz anders als bei den Lebensmitteln. Dort, wo Öko draufsteht, muss Öko drin sein. Im Stromgeschäft kann der Begriff beliebig vermarktet werden. Fazit: Tatsächlich werden die Zertifikate von etlichen Anbietern nur dazu benutzt, um Kohle oder Atomstrom im Tausch mit Energie aus Sonne, Wind oder Wasser per Mausklick in Ökostrom zu verwandeln. Dieser Handel läuft nur virtuell ab. Er findet lediglich als Datenabgleich in Computern statt. Längst sind alle Angebote nicht so grün, wie sie scheinen. Wenn Ökostrom – dann richtig! 9

POLITIK

Etikettenschwindel mit „grüngewaschenem“ Strom


Gemeindefusion nach Schweizer Vorbild? POLITIK

Im Schweizer Kanton Glarus wurden 27 Gemeinden zu 3 Großgemeinden zusammengelegt Gemeindebundpräsident Erwin Dirnberger machte sich ein Bild:

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erade im Zeitalter der Globalisierung und wirtschaftlichen Turbulenzen wünschen sich viele Menschen eine sichere Heimat. Die dafür notwendigen Dienstleistungen können von steirischen Kommunen derzeit aber nur schwer aufgebracht werden. „Anzustreben sei darum eine Finanzlösung, die alle heimischen Politfarben zu tragen haben“, so Dirnberger. Ein brauchbarer Lösungsansatz zur Kosteneinsparung wäre eine Zusammenlegung der Kommunen – evtl. nach Schweizer Vorbild. Demnach führte die Suche nach künftig kostensparenden Synergien kürzlich zum eidgenössischen Mustermodell. „Der Kanton Glarus leitet seit Jahresbeginn nur noch 3 Groß-

gemeinden und ist ob ähnlicher Wirtschaftsstrukturen wie die Steiermark ein durchaus anregendes Beispiel“, erklärt Dirnberger. Hinsichtlich Einsparung wird sich dort aber erst im Laufe der Jahre zeigen, wie kostensparend das Modell tatsächlich ist.

Modell Glarus

„Steirische Gemeinden tun sich schwer.“

Anfang 2011 vereinigten sich im Kanton Glarus 27 Ortsgemeinden zu nunmehr drei Kommunen, wobei die Verantwortlichen vor völlig neue Aufgaben gestellt wurden. Glarus teilt sich ab sofort in Nord, Mitte und Süd. Ähnlich wie in der Steiermark dominieren im Kanton Glarus Landund Holzwirtschaft, Industrie und Tourismus. Als einzige Gemeinde

hat sich Glarus Nord für ein Gemeindeparlament entschieden. Sechs Gemeinderäte und ein Präsident führen dort sieben Ressorts. Auf die Steiermark umgelegt, müssten ein dafür notwendiges Budget erarbeitet und gleichzeitig alte Strukturen für eine gewisse Zeit beibehalten werden. O

LH Gerhard Do?rfler, LH Franz Voves, Desiree Oen (EU-Verkehrskommissariat), Strabag-Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Haselsteiner, Moderator Franz Neger, Bundesministerin Doris Bures und O?BB-V.jpg

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tunnel eine Schlüsselstelle der sogenannten Baltisch-Adriatischen Achse“, so LH Dörfler. Mit einer Länge von 32,9 km stellt der Tunnel das Kernstück der Gesamtverbindung zwischen Danzig und Bologna dar.

Enorme Länge – stolze Summe Beeindruckend ist aber nicht nur die Länge des Tunnels, sondern auch der dafür notwendige Geldbetrag. Allein für den 20 Kilometer langen Mittelabschnitt müssen rund 570 Millionen Euro hingeblättert werden. Ein Fünftel davon ist bereits verbaut, wonach Steiermark und Kärnten einen Kostenzuschuss von je 140 Millionen Euro leisten.

TV-Studio kommt nach Spielberg

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Schlüsselstelle zwischen Danzig und Bologna

tolz und zufrieden zeigten sich beim Spatenstich zum Koralmtunnel die beiden Landeshauptleute Franz Voves und Gerhard Dörfler sowie die zuständige Ministerin Doris Bures. Bereits die Amtsvorgänger Waltraud Klasnic und Jörg Haider haben ja entsprechende Vorarbeit geleistet. „Mit der Koralmbahn wird in rund 10 Jahren zweifellos ein lang ersehnter Wunsch von Kärntnern und Steirern in Erfüllung gehen“, erklärte LH Voves. Außerdem soll die neue Bahnverbindung dem Zentralraum Ungarn-Südösterreich-Norditalien mehr Bedeutung einräumen. „Auch vom gesamteuropäischen Gesichtspunkt aus gesehen, ist der Koralm-

Motorsport-Studio

Die Kosten zwischen Graz und Klagenfurt sind indes mit 5,3 Milliarden Euro veranschlagt. Analysen zufolge wird sich dieser Betrag allerdings gehörig ausweiten, was die Fahrgäste in Folge aber kaum stören dürfte: Die Fahrzeit von Graz nach Klagenfurt verkürzt sich nämlich auf eine Stunde. Grundsätzlich angestrebt wird freilich – gemeinsam mit Semmering-Tunnel Neu – eine ähnlich gute Kundenfrequenz wie auf der Westbahnstrecke. Zumindest was den Personentransport betrifft, denn durch die Adriaanbindung sollte beim Gütertransport ohnedies großer Nutzen gezogen werden. O Helmut Dietl

erhard Hirschmann war bis 2003 Sportlandesrat in der Regierung. Er hat dafür gesorgt, dass mit hohem Einsatz von Steuermitteln der Ring bis 2003 die Formel 1 behielt. Uns war klar, dass wir die Formel 1 so nicht halten können und dass die Steiermark sich das nicht leisten wird können. Rein volkswirtschaftlich hat der Ring nie das zurückgespielt, was da eingesetzt wurde, aber er hatte eine starke symbolische, mythologische Wirkung für die Region, einmal im Rampenlicht zu stehen. Und es gibt eben so positive Mythen. Daher war er froh, als Didi Mateschitz sein Projekt einer Luftfahrt- und Pilotenakademie, verknüpft mit Rennsport, realisieren wollte. Und nach der blamablen Situation, dem praktischen Aus im Jahr 2005, läuft das neue Projekt weit besser an, als er je noch gedacht hat. Das alte, so Gerhard Hirschmann, sei sicher das spektakulärere gewesen, aber das jetzige sei wahrscheinlich das stabilere und nachhaltigere. Denn ganz klar sei jetzt schon erkennbar, dass es sich beim Red-BullRing nun um eine beachtliche Tourismus-Destination handeln wird mit Fokus auf den Motorsport. Bereits jetzt hat Didi Mateschitz mehrere hunderte Betten höchster Qualität in der Region geschaffen und insgesamt sollten es tausend werden. Das war noch immer die große Schwäche im Murtal, dass die Beherbergungssituation eher triste war. Was da jetzt entsteht, ist wirklich nachhaltig, denn Mateschitz bespielt ja letztendlich den Red-BullRing selbst mit seinen „Sportlern“ aus allen möglichen Bereichen. Der Motorsport ist sicher ein wichtiger Bereich, aber andere Disziplinen werden ebenfalls eine große Rolle spielen. Dazu passt auch ins Bild, dass Red Bull am Ring ein eigenes TVSport-Studio einrichten wird. Zur Zeit kommen ja alle produzierten Sendungen aus dem Hangar 7 in Salzburg. O

KLIPP April 2011


Red Bull verspricht fulminanten Start

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Mateschitz gibt Vollgas

er Motorsport kehrt nach 8 Jahren Pause nun wirklich nach Spielberg zurück. Damit erwacht nicht nur der Ring zu neuem Leben, sondern mit ihm auch das groß angelegte „Projekt Spielberg“. Touristiker und Gastronomen jubeln, weil so die gesamte Region belebt werden soll und sich wirtschaftliche Impulse erhofft. Am Wochenende von 15.–17.4. brummten bereits die Motoren beim Histo-Cup Austria. Noch läuft ein Testbetrieb, doch schon am 15. Mai wird der 70 Millionen Euro teure Red-Bull-Ring mit einem Tag der offenen Tür die Massen nach Spielberg holen: Red Bull verspricht einen fulminanten Start mit einem Eventprogramm, das von spektakulären Kunstflugdarbietungen über ein historisches Formel-1Rennen bis zum Wiedersehen mit Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und vielen anderen prominenten Gesichtern aus dem Motorsport reicht. Wer weiß, was sich Marketing-Guru Didi Mateschitz noch alles einfallen lässt, um die Zuseher am 15. Mai zum Staunen zu bringen.

KLIPP April 2011

POLITIK

Von Sylvia Einöder

Spielplatz Spielberg Die gesamte Region wird sich unter dem Motto „Spielberg – Nomen est omen“ in einen riesigen Spielplatz für Jung und Alt verwandeln: Ob golfen, den Pilotenschein machen, reiten, fliegenfischen oder wandern – es gibt nichts, was es nicht gibt. Red Bull möchte die Möglichkeiten der Region voll ausschöpfen. Um internationale Topkunden aus Industrie und Wirtschaft anzuziehen, wurden eigens luxuriöse Hotels wie das Steirerschlössl oder der Countryclub Murhof errichtet. Die Gourmetküchen der Hotels sollen verwöhnte Gaumen anlocken und die zahlreichen Wellness-Möglichkeiten Ruhesuchenden Erholung bieten.

Jetzt geht's ans Eingemachte Das erste offizielle Rennen findet mit den Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) am 5. Juni statt. Fol-

Volle Tribünen werden in den nächsten Monaten erwartet

gende weitere Großveranstaltungen hat Red Bull bereits bestätigt: Die Ducati Speeddays im Juli, die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) im August sowie die Ferrari Racing Days im September. Motorsportfans dürfen sich nicht nur auf die neue Rennstrecke

freuen, sondern auch auf ein Offroad Car und Bike Track, ein Go Kart Track und ein Fahrzentrum. Schon im Oktober 2008 waren die Bagger rund um die Rennstrecke angefahren, um den alten Ring plus OffroadGelände wiederauferstehen zu lassen. O

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200 Jahre TU Graz: Wissen – Technik – Leidenschaft POLITIK

Unser Fallschirm für sichere Zukunftskandung Seit 200 Jahren überzeugt die TU Graz mit ihren Leistungen in Lehre und Forschung. 1811 von Erzherzog Johann gegründet, tragen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seither Innovationskraft und Visionen weiter in die Zukunft.

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er menschliche Geist ist wie ein Fallschirm. Offen funktioniert er einfach besser! Die TU Graz ist unser Fallschirm für eine sichere Landung in der Zukunft“, so Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder.

200 Köpfe der Wissenschaft und Oben:labs Die Ausstellung „200 Köpfe der Wissenschaft“ porträtiert Persönlichkeiten, die die TU Graz maßgeblich beeinflusst haben. So wirkten etwa Chemie-Nobelpreisträger Richard Zsigmondy oder der geniale Erfinder Nikola Tesla an der TU Graz. Otto Nußbaumer schrieb hier Radiogeschichte. Friedrich Schmiedl feuerte die erste Postrakete der Welt ab. TU Graz-Absolvent

tinnen und Astronauten aus aller Welt anreisen und Rede und Antwort zu ihren Erfahrungen im All stehen. Ebenfalls öffentlich zugänglich: der erste Raketenstart ab Graz – am „Rocket Launch Day“ heben von den Studierenden selbst gebaute Flugkörper ab. Auch wenn diese nicht bis zu den Sternen fliegen, ist neben dem Erfahrungswert für die

Haus des Kindes eröffnet Im Herbst eröffnet das neue Haus des Kindes der TU Graz seine Tore:

Hans Sünkel, Rektor der TU Graz: „Über die Konkurrenzfähigkeit eines Landes wird nicht in den Fabriken, sondern in den Klassenzimmern entschieden, sagte Henry Ford und er hat recht.“

Hans Löschner war der erste Doktor der Technischen Wissenschaften in der Monarchie. Dem international renommierten Architekten Raimund Abraham ist genauso eine Schautafel gewidmet wie dem legendären Unternehmer Hans List. Aber auch die erste Absolventin und die erste Direktorin der Technischen Wissenschaften – Pionierinnen ihrer Zeit – werden vorgestellt. Hoch hinaus wollen die Studierenden der „International Space University“ (ISU) im Rahmen einer intensiven Sommerschule von Juli bis September. Die Öffentlichkeit ist eingeladen, wenn zum „International Austronaut’s Panel“ Astronau-

Scharfe Grünen-Kritik:

Kaum Einsparungen bei Parteienförderung „Die von Finanzlandesrätin Vollath angegebenen minus 15 Prozent entpuppen sich als Schwindel“, so der GrünenKontrollsprecher Labg. Lambert Schönleitner. „Wenn man sich die Budgetzahlen für die Parteienförderung genau ansieht. Konkret: Waren im Jahr 2010 für die Budgetposten Beiträge an die Landtagsklubs, Zuwendungen an Vereine und Schönleitner wirft LR Vollath eine MogelInstitutionen für politische Bil- packung im Budget vor. dungsarbeit, Beitrag für Gemeindevertreterverbände und Zuwendungen an Parteien, die im Landtag Steiermark vertreten sind insgesamt 18,265 Millionen Euro budgetiert, sind es für das Jahr 2012 noch immer 17,62 Millionen Euro. Sprich: 3,5 Prozent oder gerade 645.000 Euro beträgt hier die Einsparung …“ O

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Studierenden für Spaß und Unterhaltung gesorgt. Und: Ebenfalls im Sommer startet der erste österreichische Satellit ins All. Geplant und umgesetzt wurde er unter Federführung der TU Graz.

Neuer Katalog der steirischen “Meister“ Das neue Handbuch der “Meisterstrasse Steiermark“ – eine Liste über die besten steirischen Werkstätten - ist da. Darin beeindrucken knapp 100 Betriebe mit ihrer Handwerkskunst und zum Teil Jahrhunderte alter Tradition. Auf mehr als 230 Seiten präsentieren die Unternehmen ihr spezielles Leitprodukt und überliefertes Wissen, das sich am Stand der heutigen Zeit bewegt. Die Handwerksmeister sehen sich als Gegenstück zur industriellen Massenproduktion, was auf jeder Seite des neuen Führers zu spüren ist. Was im Jahr 2000 als kleiner Zusammenschluss im Salzkammergut begonnen hat, ist seither ein professionelles Netzwerk aus über 40 Sparten.

Legt sich für die „Meisterstrasse“ ins Zeug: Bertram Mayer

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Vorläufiges Ende von „Gier frisst Hirn“ POLITIK

Abzocker hinter Gittern E Hier wird Betreuung vom Babyalter bis zur Pubertät geboten. Das Haus ist das ganze Jahr nutzbar für rund 120 Sprösslinge von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genauso wie von Studierenden. Geplant sind neben einer flexiblen Kinderbetreuung (eine Gruppe für Kinder von 0 bis 12 Jahren) eine Kinderkrippe (vier Gruppen für Kinder von 0 bis 3 Jahren) und zwei „Kinderhäuser“ – in dieser Einrichtung spielen Kinder von 11/2 Jahren bis zum Ende der Pflichtschulzeit bung gemischt. Das Miteinander soll das soziale Lernen fördern, außerdem gibt es einen technisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt: Das „Marie Curie Zimmer“ bietet ein kindergerechtes Forschungslabor und eine Werkstatt für Klein und Groß. O

s war höchst an der Zeit. Klipp hat in den letzten Jahren wiederholt über die dubiosen Praktiken von Euro Success, Agatos und Butterfly berichtet. Es handelt sich da um versteckte, verbotene Pyramidenspiele, die vor allem jungen Leuten einen attraktiven Nebenjob mit hohem Einkommen versprechen. Auch die Konsumentenschützer warnten und warnen immer wieder davor. Jeder Interessierte, meist eben junge Leute, musste schon beim Einstieg knapp 6.000 Euro einzahlen. Sie würden dadurch erstklassige Seminare besuchen können und sich so weiter in ihrer Berufskarriere entwickeln. Wenn sie in ihrer Umgebung „neue Seminarteilnehmer“ werben, werden sie auf diese Weise ein Vielfaches zurück bekommen. In Wahrheit war es aber so, dass nur einige an der Spitze der Pyramide kräftig absahnten, alle anderen gingen leer aus. Die Staatsanwaltschaft reagierte nach Meinung vieler sehr, sehr spät,

Aus für Eurosuccess, Butterfly und Co. Nach Geschäftsführer könnte es noch weitere Anzocker – Verdacht auf Millionenbetrug – treffen.

obwohl die Kripo schon seit Jahren genügend Material gesammelt hatte, das für eine Verhaftung gereicht hätte. Wie dem auch sei, seit Wochen sitzt nun der Geschäftsführer von Euro Success in Untersuchungshaft. Etliche der Pyramidenspiel-Millionäre halten sich in benachbarten Ländern auf. Es geht um Betrug, Geldwäsche, Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Noch vor der Verhaftung ihres Kollegen parkten die Pyramidenspiel-Manager ihre prot-

zigen Karossen mit Spezialausstattung gerne in der Grazer Innenstadt. Jetzt meiden sie Österreich. Doch es könnten bald internationale Haftbefehle erfolgen, sodass die Verdächtigen auch in den ehemaligen Ostblockländern verhaftet werden können. Darauf hoffen auch jene Geschädigten, die für den Einstieg in diese dubiose Sache Kredite aufnehmen mussten und diese noch heute zurückzahlen. O

Frauen an die Macht

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iese Entwicklung zeigt sich nicht nur bei der Regierungsumbildung der ÖVP. Die oft als „Schotter-Mitzi“ bezeichnete Maria Fekter – ihre Familie besitzt ein Schotter-Unternehmen – stieg zum Finanzminister auf. Die Steirerin Beatrix Karl wurde Justizministerin und die Niederösterreicherin Johanna Mikl-Leitner Innenministerin. Fast zeitgleich wurde an der Uni Graz erstmals, so sagen es zumindest die Geschichtsbücher der Uni, nach mehr als 600 Jahren, eine Frau zur Rektorin gewählt – die Neuromedizinerin Christa Neuper. Einen Eklat gibt’s allerdings, wie könnte es anders sein bei den Männern, um die Rektor-Wahl an der Kunst-Uni. Der Uni-Rat will den amtierenden Rektor Georg Schulz verlängern, der Senat mit seinem Vorsitzenden Franz Kerschbaumer nicht. Er legte dem Uni-Rat – dieser nimmt die Wahl vor – einen DreierVorschlag ohne Schulz vor. Das Problem: Der Uni-Rat selbst darf keiKLIPP April 2011

nen Vorschlag erstellen. Die Leiter von 11 der 17 Institute votieren für Schulz. Senatsvorsitzender Franz Kerschbaumer wiederum sagt, von den 350 Mitarbeitern hätten nur 20 unterschrieben. Er selbst hatte sich schon vor Jahren um die RektorWürde bemüht, war aber Schulz damals unterlegen. Daher vermuten Kerschbaumers Kritiker und Gegner darin einen „Racheakt“. In den kommenden Wochen soll der Streit mit einem Kompromiss beendet werden. O

Fekter, Karl, Mikl-Leitner und Neo-Rektorin Christa Neuper. Für die Universität Graz war ihre Wahl ein historischer Akt in der 425-jährigen Geschichte. Klar, dass dieses Ereignis in den Medien entsprechend „gefeiert“ wurde.

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Qualität wandert nicht POLITIK

WIFI-Chef Peter Hochegger gilt als einer der anerkannten Bildungsexperten im Land

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b 1. Mai kommt es bekanntlich zur Ostöffnung und totalen Liberalisierung des Arbeitsmarktes in Österreich. Die Verunsicherung ist zum Teil groß, ob nun Slowenen, Rumänen, Bulgaren den heimischen Arbeitsmarkt stürmen. Die Gewerkschaft fürchtet zum einen, dass durch Lohn-Dumping heimische Dienstnehmer unter Druck gesetzt werden. „Qualität – es gibt einige Ausnahmen – wandert nicht“, sagt Bildungsexperte Peter Hochegger. „Wer wandert, das sind die Unzufriedenen, aber auch die weniger Qualifizierten.“ Denn die echt gut qualifizierten Spanier oder auch Polen würden nicht auf die Wanderschaft gehen, so Hochegger. Immer wieder kommt von der Politik der Vorschlag für die so genannte qualifizierte Zuwanderung. Dies sei eine Idee, die es in der Realität am Arbeitsmarkt so nicht geben werde, ist Hochegger überzeugt. „Wir können uns die Zukunft für eine gute Entwicklung des Arbeitsmarktes in Österreich nicht beim billigen Jakob einkaufen, das koste einfach mehr“, stellt er unmißverständlich fest. Mit Deutschkursen könne Österreich die Integration nicht schaffen. Jene Nicht-Österreicher, die jetzt f den heimischen Arbeitsmarkt drängen, sind meist die weniger Talentierten und auch die weniger Qualifizierten. Sind die einmal in Österreich, so müsse den heimischen Verantwortlichen eines klar werden: Es gebe die soziale Integration nicht zum Nulltarif. Natürlich gibt es Programme und Projekte für die Integration, aber entscheidend sei, „in welcher Qualität und Intensität diese ablaufen“. Wenn man Migranten ins Land holen will, so muss man eine echte Sozialisierungsschiene anbieten, nur die sprachliche Qualifikation sei ihm zuwenig. Und eine wirkliche Sozialisierung koste einfach. Pro

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Gefahr eine Mogelpackung, dass jede der Parteien ihren Eislutscher bekommt, aber es nicht wirklich zur dringenden Reform kommt.“ Und zur Diskussion auf den Universitäten merkt Peter Hochegger an: Diese hätten nicht zu wenig Geld, sondern sie würden zu viel verschwenden und die Mittel nicht wirklich zukunftstauglich einsetzen. Die Bildungspolitik dort sei nicht wirklich messbar. Es ist auch

vlnr: Josef Renner, Bio Ernte Steiermark, Johannes Gepp, Steir. Naturschutzbund, Herbert Kain, Bio Ernte Steiermark, Benedikt Haerlin, Zukunftsstiftung Landwirtschaft

Peter Hochegger: Wiener Zuwanderungsfond bietet viele Anreize.

Kopf umgelegt sind die Ausgaben dafür eine Schande. Daher könne sie nicht funktionieren. Es werde von den Verantwortlichen verschwiegen, was da an Kosten entsteht. Bei den Bundesländern selbst zeigt Wien wie es gehen kann. Dort gebe es, so Peter Hochegger, einen Zuwanderungsfonds und es sei damit kein Zufall, dass der Anteil der 15Jährigen im Bundesland wachse, aber zum Beispiel in der Steiermark schrumpfe. Um für die EU wirklich gerüstet zu sein, sei eines in der Bildungspolitik unabdingbar: die Ganztagsschulbetreuung. Unser Bildungssystem sei bei weitem nicht so schlecht wie es oft dargestellt werde. Doch für die Ganztagsschulbetreuung benötigt man auch eine breite Infrastruktur und müsse unter anderem auch die Gebäudestruktur der Schulen ins 21. Jahrhundert bringen. Das erfordere wiederum Investitionen von beachtlichem Ausmaß. Es sei zu wenig, sollten die Hauptschulen einfach nur mit dem Begriff der neuen Mittelschule „umgefärbelt“ werden und das die Gymnasium, ein Wunsch der ÖVP, so wie es bisher ist, weiter bestehen. „Da besteht die

nicht klar beschrieben, wer dafür verantwortlich sei, in welcher Qualität und in welcher Quantität. Eine Universität, die vier Monate im Jahr geschlossen sei, könne einfach die Erfordernisse als Dienstleister an der Republik und den Bürgern nicht mehr so wie gewünscht erfüllen. Da sei es nicht überraschend, dass die Universitäten immer öfter auch als Vernichter von Steuergeld angeprangert würden. O

Kleinbauern und Weltmarkt Vieles lässt uns im Glauben, dass wir gesund essen - ein Großteil unser Lebensmittel stammt jedoch aus industrialisierter Landwirtschaft.

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ine ökologische Wende der aktuellen Agrarpolitik mittels kleinerer Strukturen muss her“, so Benedikt Haerlein, Agrarexperte. Als ehemaliger Politiker verschreibt sich Haerlein generell der Umweltschonung, Biodiversität sowie dem Klimawandel und der Versorgung der anwachsenden Weltbevölkerung – alles Leitthemen, die auch die europäische Landwirtschaft künftig vor zahllose Herausforderungen stellen wird. Wohin aber geht die Reise tatsächlich? Mit Bio beispielswei-

se könnte laut Expertenrunde eine Agrarwende gelingen, die die Artenvielfalt erhält und regional hilft, das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen. „Aber dafür bräuchten wir eine langfristige Regierungspolitik von 10 bis 20 Jahren“, erklärt Johannes Gepp vom Naturschutzbund. Letztlich sollte auch der Konsument die Produktion der Lebensmittel bestimmen. Mitentscheidend für eine künftige Weichenstellung ist daher was der Verbraucher wo nachfragt und in welcher Qualität. O

Wahnsinn mit System Rund eine Milliarde Menschen auf dieser Welt leiden Hunger – Gleichzeitig gibt es rund eine Milliarde Überernährte und ein Drittel davon kann als fettleibig bezeichnet werden. Dabei gäbe es für alle mehr als genug. Von jährlich 2,3 Milliarden Tonnen Getreide dienen lediglich 47 % der Ernährung. Der Rest wird als Tierfutter oder für die Gewinnung von Treibstoff und Industrierohstoffen verwendet. Abgesehen davon verteuern sich alleine durch Finanzspekulationen die Lebens- und Futtermittel um bis zu 15 Prozent. Ferner ist das aktuelle Ernährungssystem eines der tragenden Ursachen für den Rückgang der Artenvielfalt, für Klimawandel und die Umweltverschmutzung; es sorgt für Kindersterben und Wasserknappheit. O

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Sylvia Einöder

AM WORT

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Foto: Martin Kopfsguter

„Meine Finger sind meine A ugen“

ndy Holzer inspiriert die Menschen, bringt sie zum Träumen, indem er das scheinbar Unmögliche möglich macht. Sechs der „seven summits“, der höchsten Gipfel der sieben Kontinente, hat er bereits mit seinem Team bestiegen. Am 18. April startete seine jüngste Expedition: Diesmal geht es auf den Achttausender Shisha Pangma in Tibet. Eine kleine Pension im ländlichen Mortantsch ist unser Treffpunkt. Andy sitzt mit seiner Frau Sabine draußen auf einer Bank bei einem Apfelsaft. Am Abend wird der 44jährige Osttiroler Extrembergsteiger in einer großen Halle nahe Weiz vor einigen hundert Zuhörern von sich und seiner außergewöhnlichen Geschichte erzählen. Wir suchen uns ein ruhiges Plätzchen, wo wir uns unter vier Augen unterhalten können. In Andys Fall eher unter vier Ohren, vier Händen und zwei Nasen. Um sich in der fremden Umgebung zu orientieren, legt er seine Hand auf meine Schulter. Als ich ihn auf eine Stufe aufmerksam machen möchte, erklärt er, dass solche Veränderungen für ihn ohnehin an der Bewegung meiner Schulter spürbar sind. Ein kleiner Hund wuselt uns um die Füße und Andy möchte, dass ich ihm beschreibe, wie er aussieht. Die Sonne scheint ihm ins gebräunte Gesicht und lässt seine grünblauen Augen noch mehr leuchten. Die langen Haare hat er zusammengebunden, in der Hemdtasche seines roten Cordhemds steckt sein Handy griffparat. Als der Wind unter meine Zettel auf 15

COVERSTORY

Ein Blinder, der 400 Meter über dem Abgrund eine Seilschaft durch eine Felswand führt. Was nach Fantasy-Roman klingt, ist Andy Holzers Leben. Hätten seine Eltern gewusst, dass ihr Kind blind sein wird, wäre er vielleicht nie geboren worden. Heute ist der Österreicher einer von zwei „blind climbers“ weltweit.

Gipfelstürmer Andy Holzer der beste „blind climber“ weltweit


„Sehenden die Augen öffnen“ Botschaften wie „Du schenkst uns Mut und Hoffnung“ oder „Ich war zutiefst berührt und beeindruckt von dir“ stehen hier zu hunderten. Der Extremsportler tut sich mit Bewunderung genauso schwer wie mit dem Hochmut jener, die ihn als „Behinderten“ bemitleiden. In seinen europaweiten Seminaren für Manager erlebt er immer wieder dasselbe Szenario: „Am Anfang spüre ich so richtig, wie die Leute auf mich herabschauen. Dann nehme ich mein Mikrofon, rede eine Minute und

wenn sie selbst angestanden sind. Kinder haben ja viel mehr Fantasie, ganz andere Möglichkeiten.“ Besonders hoch rechnet Andy seinen Eltern an, dass sie ihm so viele Freiheiten gelassen und erlaubt haben, sich zu verletzen. „Ich durfte meine Füße brechen, meine Arme brechen, meine Kniescheiben einschlagen … Wenn sie ständig auf mich aufgepasst hätten, hätte ich keine Chance gehabt, meine eigenen Erfahrungen zu machen.“ Für ein Baby ist es kein Problem, ohne Augenlicht mit vier Sinnen die Welt zu entdecken. Wenn Onkel und Tanten vom „Schicksalsschlag“ redeten und Andy fragten: „Bist du traurig, weil du blind bist?“, musste er lachen, weil ihm nie etwas weggenommen wurde.

wurde mein Tränensack strapaziert“, erinnert er sich. Rückblickend ist er genau diesen Schulkameraden unendlich dankbar, weil sie ihn zu dem gemacht haben, was er heute sein darf. Anstatt über die Stolpersteine zu jammern, die ihm das Leben vor die Füße geworfen hat, baut er sich damit lieber seine Treppe nach oben: „Man braucht ein anderes Vorstellungsvermögen, einen anderen Zugang zur Welt, kurz gesagt: Man muss einen Vogel haben, um blind in eine 400 Meter hohe Felswand einzusteigen. Genau dieser Vogel hilft mir, jeden Tag abzuheben, mich hinaustragen zu lassen und nicht ständig in den Fußstapfen der anderen hinterherzutraben.“

Hinter den sieben Bergen

Seit 21 Jahren ein Paar: Andy mit seiner Sabine – beim Funken hat’s gefunkt.

merke, wie 400 Menschen mich sofort auf gleicher Höhe sehen. Nach einer Stunde bin ich für sie der Übermensch, und dann kommen die überschwänglichen, übertriebenen Reaktionen. Beides ist halt so typisch menschlich. Und das mein’ ich mit ,den Sehenden die Augen öffnen‘, verstehst?“, erklärt er und lacht.

Sein Credo: aus Stolpersteinen eine Treppe bauen Andy Holzer weiß, wie er beinharten Managern begegnen muss, denn seine Volksschulkollegen waren noch viel hartgesottener: „Dermaßen brutale Erfahrungen wie damals hab ich mein ganzes Leben nicht mehr gemacht. Die haben mich verspottet, mir weh getan, mir von hinten mit dem Zirkel in den Rücken gestochen und gefragt: ,Andy, wer war’s denn? Siehst eh nichts!‘ Jeden Tag 16

Obwohl blind: Von klein auf Erfinder und Abenteurer Hinterhertraben wollte er schon als kleiner Bub niemandem. „Ich war als Kleinkind nicht nur mit dabei, sondern der Anführer von der Rasselbande, weil ich einfach von frühester Stunde an meine Erfindungen machen musste, um Hindernisse zu umschiffen.“ Andys ältere Schwester war schon zweieinhalb Jahre alt, als bei ihr „Retinis pigmentosa“, eine unheilbare Augenkrankheit, festgestellt wurde. Erst da hat man bemerkt, dass es sich um einen Gendefekt handelt und auch das nächste Kind blind sein wird. „Ich war Gott sei Dank schon unterwegs, das war mein Glück“, bedenkt Andy. Verzweifelt waren seine Eltern trotz zweier blinder Kinder nie. „Wir haben die Eltern ermutigt und motiviert, indem wir immer wieder Lösungen für uns gefunden haben,

Foto: k.k.

COVERSTORY

dem Tisch fährt, reagiert Andy blitzschnell und greift treffsicher danach. Er fragt, ob ich die vielen Einträge in seinem Online-Gästebuch gelesen habe.

Im Dreihundert-Seelen-Dorf Amlach wenige Kilometer von Lienz entfernt ist Andy ganz bodenständig aufgewachsen. „Hinter die sieben Berge hat mich der Herrgott hineingepflanzt.“ Seine Eltern – ein Briefträger und eine Textilverkäuferin – hatten mit den Bergen nicht viel am Hut. „Wenn wir auf mein Betteln hin unterwegs waren, haben sie irgendwann die Jause ausgepackt und gesagt: ,So, jetzt sind wir am Gipfel‘, aber ich hab über uns noch die Kuhglocken gehört und mir gedacht, besonders weit oben können wir nicht sein. Dann hab ich von meinen Schulkollegen erfahren, dass es ein Gipfelkreuz gibt, das ich mit meinen Fingerspitzen leicht überprüfen kann. Aber der Vater wollte mir schon wieder verkaufen, dass unsere erklommenen Gipfel die höchsten, gigantischsten sind, die es gibt.“ Mit neun Jahren konnte er die Eltern zu einer Bergtour auf den felsigen Spitzkofel überreden – für ihn ein wegweisendes Erlebnis. „Meine Eltern waren unendlich froh, als dieser Sommer 1975 endlich vorbei war und die junge Kletterkarriere ihres Sohnes vorerst ein Ende fand.“ Mit 23 Jahren fand Andy in Hans Bruckner endlich den ersehnten Kletterpartner, der zehn Jahre sein Seil mit ihm teilte. Der alte Bergfex war seiner Zeit voraus und ahnte, dass eine Seilschaft mit einem Blinden funktionieren könnte, sogar eine erweiterte Wahrnehmung bedeuten könnte. „Es haben mich viele enttäuscht, die mir Touren versprochen haben und mich dann doch nicht abgeholt haben, wenn ich um sechs in der Früh fertig vor der Haustür gestanden bin. Der Hans ist KLIPP April 2011

„Blind climber“ Andy Holzer: Er führt seine sehenden Bergkameraden zum Gipfel.


Die Felswand ertasten, riechen, hören: so schafft er den Gipfel

Bergtod des Onkels Andys Onkel ist im 17. Lebensjahr noch vor seiner Geburt bei einer Solobesteigung der HochstadlNordwand in den Lienzer Dolomiten verunglückt: „Als kleiner Bub hat mich diese Vorstellung fasziniert, für mich hat diese Wand ein wahnsinniges Feuer ausgestrahlt. Da oben in der Wand, da ist mein Onkel – so hab ich das empfunden – und es zieht mich richtig an, ich möchte einmal rauf, wo der ist.“ So hat ihn das Schicksal seines Onkels eher in die Berge gezogen als abgeschreckt. Mit 31 Jahren konnte Andy tatsächlich die Nordwand zur Unfallstelle hinaufsteigen. Er hatte das Glück,

Foto: Andreas Scharnagl

Je steiler das Gelände, umso leichter kann sich Andy orientieren: „Dann kommt mir der Boden buchstäblich entgegen und ich habe ihn komfortabel vor mir zum Betasten.“ Alles innerhalb einer Reichweite von 1,20 Metern kann Andy in der Bergwand mit seinen Fingern betasten: „Meine zehn Finger sind meine Augen“, gestikuliert er. Bevor es losgeht, bereitet sich Andy akribisch auf eine neue Route vor. So trägt er beim Aufstieg bereits ein

wand, um Entfernungen abzuschätzen. Sobald sich die Sichtverhältnisse verschlechtern, greifen seine Kletterkollegen auf Andys feinsinnige Wahrnehmung zurück.

COVERSTORY

wirklich gekommen. Es war eine heilige Stimmung den ganzen Tag, bis der Hans am Abend daheim vor der Tür mit seiner rauen Stimme gefragt hat: ,Was machst am nächsten Sonntag?‘“ Vom Mont Blanc bis zu den Julischen Alpen haben sie jede Wand gemeinsam erkundet.

Foto: Martin Kopfsguter

Am Mount Vinson, einem der „Seven Summits“, in der Antarktis bei bis zu minus 70 Grad

inneres Bild des Geländes mit sich. Von seinen Bergkollegen lässt er sich Details beschreiben: „Drei Meter über mir ein schräger schwarzer Riss, fünf Meter rechts eine gelbe überhängende Wand, zwei Meter links eine graue Rinne.“ Andys Kopf ist voller neuer Bilder, wenn er abends nach Hause kommt. „Ich rieche zum Beispiel auch verschiedene Felsformationen, je nachdem ob die eisenhaltig sind oder schwefelhaltig. Wenn ich ein bestimmtes Gewächs, einen abgestorbenen Baum, ein Schneckenhaus ertaste, weiß ich: Aha, jetzt bin ich in der Höhe.“ Rieselnder Sand, bröckelnder Fels oder der Wind, der um nahe gelegene Ecken und Kanten pfeift, helfen Andy, seine Umgebung zu erfassen. Er schnalzt, um sich am Echo der Felsen zu orientieren, und wirft Sandkörnchen gegen die Berg-

mit einem älteren Bergsteiger unterwegs zu sein, der damals bei der Bergung dabei war und ihm zeigen konnte, wo genau der Unfall passiert war: „An diese Stelle hinzukommen, der erste Mensch in der Familie zu sein, der jetzt wirklich hier sein und spüren darf, wo Onkel Franz seine letzten Atemzüge getan hat, war sehr, sehr erbauend für mich.“

Nächtliche Langlaufexzesse Der Dolomitenlauf führte an der Haustür von Andys Elternhaus vorbei. Nachdem die Pistenraupen unterwegs waren, hat Andy gleich die Loipenspur überprüft und festgestellt, dass Langlaufen etwas für Blinde ist: „Sobald du in der Loipe stehst, lenkt es dich wie von Geisterhand und niemand muss ,links‘ oder ,rechts‘ schreien.“ Nachdem die Hausaufgaben erledigt waren, ging 17


Neben Olympiasiegern am Start Am Dolomitenlauf wollte der 18jährige Andy Holzer unbedingt teilnehmen. „Zu meinem Papa habe ich gesagt: ,Hinten bei den Wapplern möchte ich nicht stehen am Start. Ich will vorne bei der Elite dabei sein.‘“ Also hat sein Vater organisiert, dass neben ihm Olympiasieger aus Norwegen, Frankreich und Russland standen, und hinter ihm fast 4000 Menschen. „Schon acht Meter nach dem Start bin ich auf der

Foto: Sylvia Einöder

Beherrscht die Blindensprache nicht, sondern programmierte für sich eine eigene Computersprachausgabe.

Schnauze gelegen und ich spüre heute noch, wie sich die Menschenmengen über meinen Körper gewälzt haben, wie kraftvoll sie sich mit ihren Schistecken am Fleisch meines Rückens abgestoßen haben.“ Dass von seinem Rennanzug im Rückenbereich nicht mehr viel übrig war, konnte ihn nicht davon abhalten, als 181. in die Zielgerade einzufahren. „Mein Vater hat mir in Brusthöhe eine Weidenrute hineingehalten, damit ich nicht in der Würstelbude lande.“

Arbeitsplatz Massagekabine Andys Vater hatte auch die zündende Idee für seinen Beruf: Heilmasseur. Anfang der 1980er Jahre war das im rückständigen Osttirol etwas Außergewöhnliches. Doch schon bald setzten die bandscheibengeplagten Patienten auf das besondere Gespür des blinden Masseurs, sodass bei der ärztlichen Chefvisite immer wieder nach ihm verlangt wurde. „Ich kann sofort den Bergsteiger, den Kettenraucher oder den Bauarbeiter auf der Massagebank identifizieren“, beschreibt Andy. Bis vor eineinhalb Jahren ist er in

der Massagekabine des BKH Lienz gestanden. „Ich hab den Beruf zur Seite gestellt, weil ich vielen Menschen in einem Saal mehr mitgeben kann als einer Person in einer Massagekabine.“

lernt. Von Anfang an spürten die beiden eine Art Telepathie, monatelang haben sie sich nur über die Stimme gekannt. In ihrem gemeinsamen Haus in Tristach sind Bergsteiger aus der ganzen Welt zu Besuch. Im Dorf sind die beiden eher Außenseiter. „Die Leute wissen nicht so recht, wie sie mit uns umgehen sollen. Das Exotische, das wir verkörpern, verunsichert sie“, erzählt Sabine. Auf Andys Vortragsreisen sind sie als eingespieltes Team unterwegs. Wenn Andy am Berg ist, kommuniziert das Paar über Satellitentelefon: „Es kann auch sein, dass ich vier Tage nichts von ihm höre, aber keine Nachricht ist immer eine gute Nachricht“, sieht Sabine Andys Expeditionen gelassen.

Nur Ohren für eine Als 17-Jähriger hat Andy in der Disco in einer Wolke von Rauch und Musik genauso wie seine Kumpels eine Freundin gesucht. Letzten Endes war er der Erste, der eine gefunden hat: „Kommunizieren hab ich schon immer gut gekonnt. In dem Alter hinken ja die Burschen den Mädels hinterher, und ich war durch meine Blindheit einfach reifer, hab ganz anders Schmäh geführt.“ Seine Frau Sabine hat er durch ein großes Hobby, die Funkerei, kennenge-

Lauter Blinde in der Felswand

Foto: Gerhard Rosenits

COVERSTORY

Andy von nun an bis zum Abend schlafen, um dann in seinen Rennanzug zu schlüpfen, sich die Schier aus dem Keller zu schnappen und hinauszufahren in die dunkle Nacht. „Da hab ich meine Kilometer gespult, oft bis zu 60, um drei Uhr morgens bin ich dann heimgekommen.“ Ein einziger Bub unterwegs in einem hautdünnen Rennanzug bei 20 Grad unter null. „Wenn ich irgendwo hingefallen und liegen geblieben wäre, wäre ich nicht mehr heimgekommen“, ist ihm heute klar. Für ihn war das Langlaufen nicht nur Sport, sondern eine Möglichkeit, seinen Horizont zu erweitern: „Ich habe die ganzen Loipenkreuzungen auswendig gelernt. Das Schlagen der Kirchturmuhren in den verschiedenen Dörfern hat mir verraten, in welchem Dorf ich gerade bin, weil jede Kirchturmglocke ihren eigenen Klang hat“, erklärt Andy. Sein eigenwilliger Laufstil ermöglichte nicht immer eine friedliche Koexistenz auf der Loipe: „Es ist natürlich auch passiert, dass ich mit meinen Schispitzen eine ältere Dame vor mir gespürt habe und wir haben uns beide am Boden wiedergefunden und sie hat gekeucht und geschimpft“, schmunzelt er. Dann hat Andy eine Notlüge erfunden: „Liebe Dame, ich habe Sie total übersehen“, etwas anderes hätte ihm ohnehin niemand geglaubt.

Ein eingespieltes Team: Andreas Scharnagl, Andy Holzer und Thomas Notdurfter im Basislager am Cho Oyu im Himalaya

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Bei der Besteigung der Kleinen Zinne hat ein ORF-Team Andy als ersten Blinden in dieser Wand für die Sendung „Thema“ mit Helikopter gefilmt. Das Drehbuch musste allerdings geändert werden, weil Andy eine unwahrscheinliche Begegnung machte: „Plötzlich macht mich mein Seilpartner darauf aufmerksam, dass zwei Meter vor mir so ein komischer Typ genau im Weg steht, der nicht auf Zeichen reagiert. Dann ruft 30 Meter über uns dessen Seilpartner herunter: ,Sorry guys, my friend is blind.‘“ Andys erster Gedanke: KLIPP April 2011


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kann in mein Herz hineinschauen.“ Der deutsche Verlag Patmos hat schließlich kapiert, worum es ihm geht. Von den österreichischen Verlagen erhielt er nur Absagen: „Herr Holzer, Sie werden sich doch nicht einbilden, dass außerhalb von Tirol jemand dieses Buch liest!“, hat er wiederholt zu hören bekommen. Nun ist sein Titel „Balanceakt – Blind auf die Gipfel der Welt“ in der dritten Auflage erschienen und in Deutschland auf der Bestsellerliste vertreten.

Foto: Andreas Unterkreuter

Ausgeträumt

„Wenn ich ein bestimmtes Gewächs, einen abgestorbenen Baum, ein Schneckenhaus ertaste, weiß ich: Aha, jetzt bin ich in der Höhe.“ Andy in der klettertechnisch schwierigen Carstensz-Pyramide (Foto)

„Da hab ich dem ORF versprochen, dass 300 Meter über dem Abgrund als Blinder zu klettern etwas Besonderes ist, und jetzt haben wir da nur Blinde. Extrem peinlich!“ An Ort und Stelle hat Andy dem Unbekannten entlockt, dass er Eric aus Colorado ist und sein höchster bestiegener Berg der Mount Everest ist. Die beiden einzigen „blind climber“ der Welt haben sich am 14. Juli 2004 denselben Berg und dieselbe Kante ausgesucht, ohne voneinander zu wissen, und sich am selben Quadratmeter zur selben Minute ertastet. Das war die Türöffnung für Andys jetziges Leben: „Vier Tage später kam in der Nacht ein Anruf aus den USA, eine Einladung nach Ostafrika auf den Kilimandscharo. Für mich waren derlei kostspielige Expeditionen damals völlig utopisch, aber Eric hatte durch seine MountEverest-Besteigung einige Sponsoren.“

Bestseller in Deutschland Letztes Jahr hat Andy sieben Monate lang seine unglaubliche Geschichte in einem Buch niedergeschrieben. Einen Ghostwriter hat er abgelehnt: „Ich habe vom ersten Punkt bis zum letzten Beistrich alles selber geschrieben, denn niemand KLIPP April 2011

„Der Gipfel hat eigentlich fast etwas Melancholisches, ist fast eher traurig, weil dann wieder ein riesengroßer Traum zu Ende geht, den ich mir lange vorgenommen habe. Dann muss ich aufpassen, dass ich den Abstieg nicht unterschätze, weil mein inneres Bild dann schon langsam zum nächsten Ziel wandert“, schildert er. Das Bergsteigen ist für Andy Holzer nichts weiter als sein Steckenpferd, seine persönliche Spielwiese. „So wie andere Briefmarken sammeln oder mit Aktien handeln. Völlig egal, solange du es mit Leidenschaft machst. Wäre ich in Hamburg auf die Welt gekommen, hätte ich dieselbe Geschichte, dann würde ich jetzt halt mit einem Segelboot um die Welt fahren.“

Die Angst zum Freund Am Mount McKinley sind Andy und seine Kameraden acht Tage bei bis zu minus 50 Grad und 160 km/h Wind im Zelt gehockt: „Da waren wir alle am Ende unserer Weisheit. Du kannst nicht beeinflussen, ob noch ein neunter oder zwölfter Tag wie dieser kommt. Also lass ich es passieren, gebe das Steuer aus der Hand und spüre, wo die Fahrt hingeht.“ Die Angst ist für ihn einer seiner wichtigsten Partner: „Das ist ja nur jemand, der dir auf die Schulter klopft und sagt, dass du jetzt etwas ändern musst, weil dir sonst etwas passiert. Angst ist für mich etwas ganz Sympathisches und hat mit meiner Intuition zu tun.“ Das fasziniert Andy am Bergsteigen: Die Eigenverantwortung, das Handeln am eigenen Körper zu spüren: „Wenn du auf 7000 Meter eine Entscheidung treffen musst, kannst du niemanden auf dieser Welt anrufen und ihm die Schuld geben. Wenn alles klappt, bist du am Gipfel und hast einen wunderschönen Tag. Wenn du 600 Meter über dem Abgrund einen kleinen Fehler machst, ist es vorbei.“ O 19


LILLY LOTTERBLUME

Prölls Scherbenhaufen Verhängnisvoller Genuss Untergriffe durch Steirerkrone-Chef

Hallo, meine Lieben!

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ie jüngste Regierungsumbildung der ÖVP sorgt auch bei uns in der Familie für lebendige Diskussionen. Denn sowohl einer unserer Söhne, aber auch seine Schwester, kennen den jungen „Regierungsaufreger“ Sebastian Kurz vom Neo-ÖVP-Teamchef Michael Spindelegger. Unser Nachwuchs war öfters bei diversen Events und Partys in Wien in der Runde des nunmehr jüngsten neuen Staatssekretärs der Alpenrepublik. So gut wie der Sebastian sei er schon lange, machte mir unser Sohn klar dass er nun ebenfalls mit einer Karriere in der Politik spekuliert. Wenn der Basti das schafft, dann bin ich ja auch ein heißer Anwärter, zumindest für die Landespolitik. Wozu soll ich da noch studieren? – kam die provokante Äußerung. Nur die Schwester, typisch Frau, warf sofort ein: Aber das kann morgen schon wieder vorbei sein, wie man jetzt ja bei Erwin Pröll gesehen hat. Politiker sind zwar für alles zu verwenden, aber zu nichts zu gebrauchen, lästert unser Hausfreund Otto beim letzten Kaffeetratsch, indem er auch auf die jüngsten Fälle von Ernst Strasser und Hella Ranner verwies, die letzten Endes die Auslöser für den Abgang von Pröll waren. Dieser sprach zwar von einer geordneten Übergabe, wurde nach Meinung des Otto auch häufig überschätzt in seiner Qualität als Politiker, habe aber nach Meinung nicht weniger ÖVP-Insider einen Scherbenhaufen hinterlassen. Nur jetzt will man nicht sofort mit den Vorwürfen in der Öffentlichkeit anfahren. O Hätte bei Pröll alles gepasst, dann würde Spindelegger nicht das gesamte Führungsteam von einem

auf den anderen Tag umkrempeln. Bei solchen Anlässen wird immer das Wort von der kantigeren Politik in den Mund genommen, die man in Zukunft machen müsste. Das hat der Otto in den letzten Jahren – er hat viel im Parlament zu tun – schon so oft gehört. Dieser Wunsch nach kantiger Politik führt immer dazu, dass immer rasche neue Köpfe in die Politik drängen, an den Futtertrog, weil sie schlecht lässt sichs dort ja nicht verdienen. Dass in jüngster Zeit die Gerichte schon ganz stark mit Sündenfällen von Politikern befasst sind, ist die Kehrseite der Medaille. O Ob sich dieser Knick in der Karriere von KarlHeinz Snobe ausbügeln lässt – „ich trau‘ mich nicht darauf zu wetten“, reagiert Helmut zurückhaltend bei unserem letzten Tarok-Abend. Seine Frau arbeitet beim AMS. Karl-Heinz Snobe ist ja bekanntlich bei einem Bordell-Besuch in Wien heimlich fotografiert worden und damit ungewollt ein Thema in den Medien geworden. Wirklich pikant wurde die Sache aber erst dadurch, als Snobe einen handgeschriebenen Kassazettel in die TV-Kamera hielt, wo, so der Helmut, ein Verzehr und die Summe von 500 Euro zu lesen waren. Das tue heute ja nur noch der Wirt um die Ecke oder ein kleiner Kreisler, lästert Helmut. Snobe wollte damit belegen, dass er selbst den „Verzehr“ – was immer das war – aus der eigenen Tasche bezahlt hat. Denn mit von der Partie war noch ein Freund, dessen Firma Aufträge, sprich Schulungskurse, für das AMS abwickelt. Natürlich witterte man durch diese Situation Freunderlwirtschaft und Korruption. Mein Allerliebster will wiederum wissen, dass solche Belege normal dort so nicht ausgestellt werden. Aber er empfindet Verständnis für Karl-Heinz Snobe. Was?, fragte ich. Ich schwöre dir, ich war nie dort, versuchte er mich zu beruhigen. Mir hat das jemand erzählt, der das Bordell kennt. Mir tut ja nicht der Snobe leid, sondern die Frau und Familie. Auf die Vermittlung dieses besagten Verzehrs hätte er lieber verzichten sollen, erzählt die Frau vom Helmut, ist

natürlich der AMS-Chef ein zentrales Thema in der eigenen Institution. Da auch Spuren von einem Peilsender an seinem Auto gefunden wurden, könnte es ja nicht nur ein Mitbewerber seines Freundes gewesen sein, sonnte könnte auch Eifersucht eine Rolle spielen. Leider trifft da wieder das alte Sprichwort zu: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. O Da verlässt einer seinen gut abgesicherten Arbeitsplatz als Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft Joanneum Research, um in Graz Spitzenkandidat seiner Partei, in diesem Fall der SPÖ, für die Bürgermeister-Wahl im Jahr 2013 zu werden, weil seine Parteifreunde in ihm einen guten Kandidaten mit guten Chancen sehen. Keine Freude damit hat Steirerkrone-Chef Christoph Biro. Er hält Müller, wie man lesen kann, für untragbar, politisch naiv, spricht ihm jede Qualität für diese Bewerbung ab. Was den Herrn Journalisten so aufregt und er meint auch des Volkes Zorn in dieser Sache zu hören. Müller möchte nicht auf die ihm vertraglich zustehende Abfertigung von rund 900.000 Euro verzichten. Diese ist vertraglich aber bereits vor Jahren geschlossen worden. Zu einer Zeit, als Müller nie daran dachte, jemals Politiker zu werden. Wäre Edmund Müller Wirtschaftschef des LKH Graz oder des ORF geworden, kein Biro hätte darüber gegeifert. Wie er sich auch nicht dagegen aussprach, dass die gut verdiendende Steirerkrone sich mehrere hunderttausend Euro Förderung und Unterstützung aus dem Steuertopf für zeitungseigene Events holte. Da Geld ja kein Mascherl hat, könnte man ja auch sagen, damit habe der Steuerzahler indirekt auch Biros bestimmt nicht mickriges Gehalt mit finanziert. Ob Müller die richtige Wahl war, werden nur die Grazer Wähler im Jahr 2013 zu entscheiden haben. Tschüß, bis zum nächsten Mal,

Eure Lilly

Bankhaus Krentschker:

Kundendepot-Volumen auf 487 Millionen Euro. Unterm Strich blieben 6,3 Millionen Euro als Überschuss, sodass eine 20-Prozent-Dividende ausgeschüttet wird. Tradi„Knapp 21 Millionen Euro mehr an tion hat im Bankhaus auch das EnSpareinlagen vertrauten die Kungagement für soziale Belange. Bei den unserem Institut an“, so die der Krentschker Gala anlässlich des beiden Vorstände Georg Wolf- Wolf-Schönach und Vollath: Zufrieden Neuwohnen-Bussiness-ProAm Schönach und Michael Vollath. Das wurden immerhin 2.790 Euro für einen guten Zweck gezeige auch das Vertrauen in die Kompetenz des Bankspendet – je zur Hälfte geht das Geld an Help4Kids und hauses, dessen 108 Mitarbeiter eine Bilanzsumme von die Woche-Aktion „Von Mensch zu Mensch“. 1,14 Milliarden Euro erwirtschafteten. Um 12 Prozent angewachsen sind das Wertpapiergeschäft und das

Gutes Plus

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Michael Schröder

vor ort

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urau, Hauptplatz, früher Nachmittag. „Tomaten, Zwiebel und scharf?“, fragt die junge Frau, während sie den Dönerspieß bearbeitet. „Eigentlich ist das nur ein Nebenjob. Ich mach eine Lehre zur Textilverkäuferin“, erzählt sie. Nach Beendigung wird auch sie, wie schon viele ihrer Freunde, die Obersteiermark verlassen. „Ich geh wahrscheinlich nach Klagenfurt, da ist was los und Arbeit gibt es bei uns sowieso keine.“ Sie deutet auf den Hauptplatz mit den drei kleinen Boutiquen. „Shoppen und fortgehen kannst da auch nicht g’scheit. Dafür fahr ich nach Judenburg oder Graz, weil am Wochenende kannst bei uns nackt über den Hauptplatz laufen, da sieht dich keiner.“ Wenn sie allerdings einen guten Arbeitsplatz in der Region finden würde, „dann bleib ich natürlich. Mir gefällt’s hier, aber was soll ich machen?“

Aus der Stadt gibt’s kein Zurück

Düstere Prognose: Region Murau – das Altenheim der Steiermark

Die Jugend verlässt das Land

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Die ländliche Idylle ist trügerisch. Schon seit einigen Jahren kämpfen viele der kleinen Gemeinden im Bezirk Murau mit den steigenden Kosten. Eine davon ist die 650 Einwohner zählende Gemeinde Krakaudorf. Bürgermeister Manfred Eder kommt gerade aus Graz, wo ihm die Landesregierung finanzielle Unterstützung zugesichert hat. „Wenn wir das alles bekommen, was sie gesagt haben, bin ich eigentlich zufrieden.“ Zur drohenden Abwanderung macht er sich selber Mut: „Wir haben im Moment noch nicht so stark mit dem Bevölkerungsschwund zu kämpfen, aber in Zukunft werden wir da größere Probleme haben.“ Ein Groß-

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Hintergrund

… und damit die Heimat ihrer Eltern, weil sie beruflich wenig Zukunftschancen sieht. Ist sie erst einmal weg, führt meist kein Weg zurück. Lange schon ist die Problematik bekannt, unternommen wurde bisher nicht viel und auch zukünftige Impulse sind nicht in Sicht. Wenn nicht bald etwas passiert, sind alle weg, sterben Dörfer aus.


Die Jugend verlässt das Land teil der Bewohner von Krakaudorf sind Tages- und Wochenpendler. Sie fahren bis nach Deutschland und in die Schweiz und sind teilweise bis zu zehn Tage von zuhause weg. „Diese Generation nimmt das Pendeln noch in Kauf; wie das allerdings mit denen aussieht, die jetzt erwachsen werden, weiß ich nicht“, sagt Eder. Er sieht die Problematik vor allem im sehr spezialisierten und beschränkten Arbeitsmarkt der Region. „Viele studieren in Graz oder Klagenfurt, und die werden das Problem haben, in unserer Gegend den richtigen Arbeitsplatz zu finden. Sie kommen zwar immer gerne zurück, aber den Lebensmittelpunkt haben sie halt woanders“, so Eder. Auch im Bezirk Schöder macht sich die Abwanderung der zukünftigen Steuerzahler langsam bemerkbar. Dazu Bürgermeister Alois Gruber: „Wir haben steigende Ausgaben in allen Bereichen, wir mussten bereits die Gebühren anheben. Der Bezirk bezahlt die Ausbildung der Kinder und dann werden sie uns vom städtischen Raum mit Vergünstigungen abgeworben, die man nur bekommt, wenn man den Hauptwohnsitz dort hat. Das können wir uns nicht mehr

Bgm. Alois Gruber: Jugend wird abgeworben.

Bgm. Manfred Eder: Infrastruktur in Salzburg besser.

LAbg. Manuela Khom: Peter Mühlbacher: Eigenheiten der Schwierigkeiten nur Regionen stärken. im Verbund zu lösen. 22

Abwärtsspirale: Geburtenüberschuss, gute Ausbildung, hohe Lebensqualität, nur keine Arbeit. Der Jugend bleibt nur Abwanderung.

leisten. Außerdem haben wir einen großen Infrastrukturnachteil, bei uns wird langsam alles geschlossen: Post, Gericht und Polizei. Wir brauchen die Unterstützung vom Land, dass wir auch Betriebe bekommen und nicht immer nur abgezogen wird.“

Bei Salzburg ging’s uns besser Eine schwerwiegende Problematik, die auch bereits von Eder angesprochen wurde, sehen beide Bürgermeister in den schlechten Straßen und der fehlenden Bahnanbindung. „Da wird sich keiner ansiedeln, wir haben 75 Prozent sanierungsbedürftige Straßen, wir sind Schlusslicht in der ganzen Steiermark“, so Eder. „Ich finde, wir wurden immer schon vernachlässigt. Wenn man schaut, was im Ennstal gemacht wird. In Murau war die Schanze, das NordischeZentrum, aber in der Ramsau ist alles neu gemacht worden. So wird kleinweise der Bezirk, so hart das klingt, ausgerottet. Wir haben gerade letztens diskutiert, für uns wäre es gescheiter, wenn wir zum Bundesland Salzburg dazugehen. Allein von der Infrastruktur her haben die Salzburger den Steirern was voraus.“

Es geht auch anders Nicht jede der Gemeinden im Murauer Raum ist von der Abwanderung gleich stark betroffen. Einige sind sehr gut aufgestellt, beispielsweise wurde in Teufenbach und Auch das Vereinsleben leidet unter der Abwanderung. Betroffen auch Feuerwehr und Rotes Kreuz.

Neumarkt in der Vergangenheit investiert und Bauland erschlossen, dadurch konnten nicht nur Arbeitsplätze geschaffen, sondern auch neue Bewohner gewonnen werden. Dafür braucht es aber Initiative. Die Vorstellung, „es wird einer kommen und der wird was hinbauen und dann kommt der Nächste“, ist nicht realistisch, sagt der ehemalige Wirtschaftskammerpräsident Peter Mühlbacher. „Jeder kann mit seinem Betrieb in die ganze Welt gehen, wir haben zwar eine schöne Gegend, aber heute stellen sich nur drei Fragen: Wo? Wie schnell? Und gibt es Mitarbeiter? Wenn wir da jetzt noch ein paar Jahre zuschauen dann haben wir keine Bevölkerung und damit keine Mitarbeiter mehr.“ Mühlbacher ist selbst Obersteirer und betreibt ein Hotel am Fuße des Kreischberges. Mit Nächtigungszahlen weit jenseits der 300.000 kann das Schigebiet auch die umliegenden Ortschaften ein wenig mitziehen. Ein Stück weiter abseits der großen Touristenströme ist dieses einst gute Geschäft langsam am Versiegen. „Vor 30 Jahren hatten wir in Krakaudorf 25.000 Nächtigungen im Jahr, jetzt sind es gerade noch 8.000. Damals sind die Leute

drei Wochen geblieben und haben gleich den Urlaub fürs nächste Jahr gebucht“, erz��hlt die Dorfwirtin. „Heute rufen sie einen Tag vorher an, ob ein Zimmer frei ist, und bleiben nur ein paar Tage. Du musst dir jetzt wirklich was einfallen lassen und viel in Werbung investieren. Wir haben zum Beispiel ein Edelsteinmuseum im Keller. Aber wer nicht auf unsere schöne Natur und das Sportangebot aus ist, der kommt eh nicht.“ Verwunderlich, da Krakaudorf ein Luftkurort ist und auch andere Urlaubsorte vor allem wegen ihrer unberührten Natur und der schönen Wanderwege besucht werden.

Wissenschaftliche Prognose „Aufwachen wird die Politik erst, wenn einige Dörfer wirklich aussterben“, sagt Max Taucher, Fachmann für Gemeinde- und Regionalentwicklung sowie Betriebsansiedlung. Gemeinsam mit Martin Polaschek, dem Vizerektor der Karl-FranzensUniversität Graz, hat er die Studie „Interkommunale Zusammenarbeit der Gemeinden des Bezirkes Murau“ veröffentlicht. Darin verweisen die Autoren unter anderem auf die düstere demographische Entwicklung der Region. Im Jahr 2001 verzeichnete der Bezirk Murau 31.472 Einwohner. Laut ÖROKPrognose wird diese Zahl bis 2031 auf 26.955 zurückgehen, wobei sich der Anteil der unter 20-Jährigen fast halbiert. 2050 leben dann nur noch 22.800 KLIPP April 2011


Murau: Einrichtung der Neuen Mittelschule im Bundesschulzentrum.

Personen im Bezirk. Möglicherweise kommt es noch dicker.

Verkehrsanbindung ist unverzichtbar Initiiert und finanziert wurde die Studie vom Forum St. Lambrecht, welches Anfang der 90er Jahre gegründet wurde und sich als Diskussionsplattform für Gemeindepolitik und -entwicklung versteht. „Wir können von uns aus nur auf Themen aufmerksam machen“, sagt der Bürgermeister von St. Lambrecht Johann Pirer. „Seit dem Niedergang der Großbetriebe spüren wir die Abwanderung am stärksten. 1987 hatte St. Lambrecht noch 2000 Einwohner, aktuell stehen wir unter 1500. Jeder Arbeitsplatz, der wegfällt, ist weg.“ Den Bau des Hotels Lambrechterhof beschreibt Pirer zwar als Lichtblick, „wenn man sonst nur mit Schließungen zu tun hat. Aber aus einem Tischler kann man halt auch kein Zimmermädchen machen.“ Unter dem Bevölkerungsschwund leide auch ganz besonders das Vereinsleben, sagt Pirer. „Jetzt kann man sagen, man braucht keinen Sportverein, aber das geht ja bis zur Feuerwehr und zum Roten Kreuz und das ist unverzichtbar.“ Er sieht die Schwierigkeiten der Region ganz deutlich in der schlechten Verkehrsanbindung verhaftet. „Wenn man schaut von Vorarlberg bis ins Burgenland, wo haben sich Wirtschaft und Arbeitsplätze vernünftig entwickelt, immer dort, wo es eine gute Verkehrsanbindung gibt. Wenn hier nicht gehandelt wird, wird es auch mit der Jugend kein Wiedersehen geben. v

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Duo Bgm. Johann Pirer und Prof. Max Taucher: Ohne Hilfe werden bald ganze Dörfer aussterben.

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us der vom Forum St. Lambrecht in Auftrag gegebenen Studie ist auch das Murauer Memorandum hervorgegangen. Dazu Pirer: „Das Memorandum ist eine Bestandsaufnahme und verweist auf Entwicklungsnotwendigkeit und -möglichkeit in der Region. Wir sehen uns verpflichtet Wege aufzuzeigen, auch wenn das von der Regierung nicht besonders euphorisch zur Kenntnis genom-

men wurde.“ Das Murauer Memorandum wurde von den 34 Bürgermeistern der Region unterzeichnet und enthält Projekte, die ihrer Meinung nach die Abwanderung stoppen könnten und auf lange Sicht dem Murauer Raum neue Einwohner bringen. „Es gibt teilweise Aktivitäten, die wir angeregt haben, nur wirklichen Rückenwind gibt es bisher nicht“, so Pirer. „Wir sind über das Stadium der Diagnose hinaus, jetzt braucht die Region die verschriebene Medizin. Wir brauchen ein regionales Förderprogramm. Ein Förderprogramm soll Nachteile ausgleichen, so sehe ich das zumindest. Manchmal hat man allerdings den Eindruck, die besten Standorte bekommen die höchste Förderung. Wenn das nicht so wäre, würde ich mir gar keine Sorgen machen, dass auch wir ein Förderprogramm bekommen.“

Schiene: Regionales Verkehrskonzept Murtalbahn, Elektrifizierung und Umbau auf Normalschiene.

Holzwurm ist drin

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Murauer Bier: Regionale Marke mit überregionaler Bedeutung.

urau hat sich vor einigen Jahren den Titel Holz-Hauptstadt gegeben. Daran erinnern auch heute noch der Holzpfad, der im Bezirk Murau zahlreiche historische und moderne Holzobjekte verbindet, und das bereits 1988 gegründete Holzmuseum. Leider kam es gerade beim Bau der BH-Murau zum Sündenfall. Dabei wäre gerade dieser Neubau eine Chance gewesen, ein nachhaltiges Zeichen zu setzen und in der holzreichsten Region Österreichs zu zeigen, was mit Holz möglich ist. Beispiele, wie Holz auf innovative und wirtschaftlich erfolgreiche Weise verarbeitet werden kann, liefert die Firma KLH Massivholz in

Kreischberg: Hier zeigt sich, was Investitionen bewirken. Snowboard- und Ski-Freestyle-WM 2015.

LKH Stolzalpe: Größten Arbeitgeber der Region stärken, nicht interne Abteilung schließen.

Katsch an der Mur, mit den von ihr errichteten eindrucksvollen Holzbauten. Jetzt ist die Landespolitik gefordert, wie die (Holz-)Wirtschaft in der Region gefördert werden kann. Damit mehr Wertschöpfung im Bezirk entsteht, darf das Holz nicht nur gefällt und verkauft, es muss auch gleich in der Region veredelt werden. Dies erspart Transportwege und hält Erträge und Arbeitsplätze in der Region. Eine Investition in die Selbsterhaltungskräfte einer Region ist auf lange Sicht die wirksamste Lösung und gibt den Menschen in der Region Halt, Sinn und eine Zukunftsperspektive. Oder man sieht einfach dabei zu, wie ein Teil der Steiermark entvölkert wird und die dortige Kultur auf Nimmerwiedersehen verloren geht. M.Sch. 23

Hintergrund

Politik wird erst aufwachen, wenn Dörfer aussterben


Revival einer Königin Die Zirbe ist die Königin der Bäume und heuer Baum des Jahres von Helmut Dietl Seit jeher ist die Zirben­stube Inbegriff eines gemütlich eingerichteten, heimeligen Zuhauses. Zirbenholz kann aber weitaus mehr: Es riecht nicht nur gut, sondern ist erwiesenermaßen auch gesundheitsfördernd. Kurzum, die Zirbe ist zum Schlafen gut und fördert das Wohlbefinden.

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elbst das Zirberl, gemeint ist das Stamperl, hat eine anregende Wirkung. Zirbenholz ist also seit Generationen etwas Besonderes. Nach rückläufiger Nachfrage nach Zirbenholz Mitte der 90er-­ Jahre gelang mittels wirkungsvoller Maßnahmen – zeitgemäßem Marketing und Designwettbewerben – nunmehr eine Art Revival. Auch der steirische proHolz-Obmann Johann Resch kurbelt unermüdlich am positiven Image der Zirbe und macht die hochalpine Baumart nicht nur salonfähiger, sondern auch trendy. So veranlasste er etwa in seiner Heimatgemeinde Haus im Ennstal die Einrichtung zweier Vollholz-Schulklassen, in denen auch Zirbenholz zum Einsatz kam.

Zauberformel Zirbenholz Generell weist die Zirbe aufgrund des hohen Gehaltes an Holzinhaltsstoffen einen angenehmen Harzduft

auf, der sich über mehrere Jahrzehnte hält. Demnach ist sie als Möbelstück gefragt sowie als Werkstoff wegen ihrer Weichheit und den feinen Fasern beliebt, da sie kaum zu Rissbildung und Verdrehung neigt. „Außerdem finden sich im Zirbenholz Substanzen wieder, die gegen Schadorganismen (Pilze, Bakterien) wirken“, so Resch. Zirbenholz hat also durchaus positiven Einfluss auf Körper und Geist. Der Organismus wird nämlich bei weitem weniger beansprucht, wie die guten Auswirkungen auf die Belastungs- und Erholungsfähigkeit des Menschen bestätigen.

Süße Träume So gesehen entsinnt sich die Wissenschaft immer mehr alter Qualitäten. Auch was den Schlaf betrifft. Dahingehend greift man mittlerweile ebenso auf die altbewährte Zirbe zurück. Laut Testpersonen schlummert es sich in Zirbenholz-Betten

Zirbenspäne dienen neuerdings auch der Matratzen­ beschichtung.

Der Einsatz von Zirbenholz steigt kontinuierlich an: Zirbe riecht gut, tut gut und schmeckt gut. 24

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Nicht nur als Erholungsraum, sondern auch als Rohstoff-Lieferant hat der Wald eine enorm hohe wirtschaftliche Bedeutung. Der steirische proHolz-Obmann Johann Resch im Interview.

Foto: www.zirbenland.st

Es ist Holzzeit

Auf die Plätze – fertig – Holz

Zirbenholz sorgt für eine niedrige Herzschlagrate und somit für eine gesündere ­Erholungsphase.

erholsamer, da mittels gesunder Grundstoffe die Herzschlagrate und das Infarktrisiko gesenkt werden. Ein Großteil von Zirbenbetten-Testschläfern war im anschließenden Tagesgeschehen wesentlich redseliger und aufgeschlossener als jene Personen, die in herkömmlichen Holzbetten ruhten. Ob das womöglich der Grund war, warum bereits in früheren Generationen gerade Gast-

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stuben mit Zirbe vertäfelt wurden? Die durchschnittliche Ersparnis jedenfalls liegt laut Wissenschaft bei Zirbenschläfern bei 3.500 Herzschlägen pro Tag. „Das entspricht etwa einer Stunde Herzarbeit“, bekräftigt Resch. Mittlerweile werden aus diesem Grund sogar Matratzen mit sogenannten Zirben-Flocken – das sind Zirben-Sägespäne – beschichtet.  v

Die Holzbranche ist neben dem Tourismus der wichtigste Devisenbringer für die Steiermark. 55.000 Menschen sind in dieser Wertschöpfungskette alleine auf weiß-grünem Boden beschäftigt. Bei einem Produktionswert von über 11 Milliarden Euro gibt’s österreichweit gesehen sogar einen Exportüberschuss von rund 3,1 Milliarden Euro. Was folgt daraus? Johann Resch: Die öffentliche Hand tut gut daran, vermehrt auf den Baustoff Holz zurückzugreifen. Dadurch wird nicht nur die Umwelt geschützt, sondern es werden auch Arbeitsplätze in den Regionen gesichert. Die Betriebe der Forst- und Holzwirtschaft sowie der Platten- und Papierindustrie sind aktuell nicht nur wichtige Investoren, sondern schaffen auch Wohlstand für die Bevölkerung in strukturell schwachen Regionen. Wie ist derzeit die Stimmung für Holz? Resch: Das Jahr 2010 war ein erfolgreiches Holzjahr und auch 2011 läuft bisher gut. Zwar sind aufgrund der politischen Unruhen in Nordafrika und der katastrophalen Folgen des Erdbebens in Japan die Absatzmärkte vor Ort vorübergehend eingebrochen, werden aber in späterer Folge umso ergiebiger sein. In beiden Fällen handelt es sich nämlich für die österreichische Holzwirtschaft um stark export­ orientierte Märkte. Im Zusammenhang mit dem Umweltschutz und der CO2-Emission ist die vermehrte Verwendung von Holz ein Gebot der Stunde. Resch: Besonders große Entwicklungspotenziale bestehen dabei in den Bereichen Gewerbe- und Industriebau, im mehrgeschossigen Wohnbau und generell im städtischen Bereich. Das heißt, ein Kubikmeter verbautes Holz spart im Durchschnitt eine Tonne CO2-Emissionen. Das klingt plausibel und visionär. Haben wir Österreicher und speziell wir Steirer denn genügend Wald für solche Vorhaben? Resch: Ja, weltweit gehen zwar jährlich 130.000 km2 Wald verloren, aber in Öster­ reich wächst mehr Wald nach, als Jahr für Jahr gerodet wird; demnach sind bei uns in den vergangenen 25 Jahren die Wälder um mehr als die doppelte Fläche Wiens angewachsen.

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U M W E LT- E N E R G I E

Solarhauptstadt Gleisdorf und ihr amb

Energiewende schon Als in anderen heimischen Gemeinden die Verantwortlichen auf die Frage „Was kann und wie funktioniert Solarenergie?“ unwissend mit den Schultern zuckten, wurde diese in Gleisdorf schon genutzt. Nicht zufällig wurde deshalb Gleisdorf mit der Etikette „Solarhauptstadt Österreichs“ versehen. Heute kommt auf jeden Bürger der 5.000-Bewohner-Stadt bereits ein Quadratmeter Solarzellen. Damit liegt Gleisdorf meilenweit voran.

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alter Schiefer, Geschäftsführer der Feistritzwerke STEWEAG GmbH: „Wir setzen auf die Energie der Sonne, aber nicht nur. Unsere Schwerpunkte sind umweltfreundliche Energieanlagen, Sonnenkraftwerke und die Erzeugung von Umweltstrom. Denn die umweltfreundliche Energie ist bereits jetzt notwendig und für unsere Kinder und Kindeskinder überlebenswichtig.“

Solares Kühlen im Einsatz Weil der heurige Sommer vor der Tür steht: Damit die MitarbeiterInnen der Feistritzwerke-STEWEAG und der Stadtwerke Gleisdorf auch im Sommer angenehme Klimabedingungen in den Büros haben, ist im Betriebsgebäude in Gleisdorf die Pilotanlage Solares Kühlen installiert und seit letztem Jahr in Betrieb. Völlig neu: für alle Saisonkartenbesitzer gibt es gratis Wireless LAN im Wellenbad Gleisdorf. Aber nicht nur dort, sondern auch an mehreren Plätzen der Stadt. „Wir sind daher die erste Kleinstadt, die so etwas kostenlos ermöglicht.“ (Bürgermeister Christoph Stark)

Ehrgeiziges Programm Die Ziele für die Region Gleisdorf im Jahr 2015, wie sie im Jahr 2009 formuliert wurden. Schritt für Schritt setzt man seither dieses ehrgeizige Programm um. 7.750 m2 Sonnenkollektoren – 1,4 m2 pro Ein26

Dieses Trio treibt die Projekte der Alternativenergie in der 5.000-Einwohner-Stadt voran: Feistritzwerke-GF Walter Schiefer, Bürgermeister Christoph Stark und Umweltreferent Karl Hierzer (v.l.).

wohner, 750.000 Photovoltaikmodule – 140 Watt pro Einwohner, 400 Stück dezentrale Biomasseheizungen Privathäuser, sechs zentrale Biomasseheizwerke, 50 Prozent energiesparende Straßenbeleuchtung, 300 Elektrofahrzeuge – Räder, Roller, Autos, 120 Niedrigenergiehäuser, 700 Häuser mit zusätzlicher Wärmedämmung, zehn solar Kühlund Heizanlagen, zehn Solartankstellen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Energieatlas, verbunden mit dem Energiekonzept der Stadt Gleisdorf. „Es war eine große Herausforderung, den Energiebedarf für die rund 1.500 Objekte in unserer Stadt zu erheben“, so Walter Schiefer. „Bei Hunderten Objekten gibt es einen Dämmbedarf und dort werden wir künftig auch beratend zur Seite stehen.“ So wurde zum Beispiel schon die ÖWGS-Siedlung saniert. KLIPP April 2011


U M W E LT- E N E R G I E

mbitionierter Energieatlas

on längst eingeläutet

Die Energiekosten für die Bewohner dort sind spürbar gesunken – alle sind zufrieden. Um sich eine Vorstellung von den nötigen Investitionen machen zu können: In Gleisdorf beziffern die Experten diese für die Dämmung mit 150 Millionen Euro. Ein unverzichtbarer Schwerpunkt bei der Realisierung der Ziele des Energieatlas wird die weitere Errichtung von Biomasseheizwerken und Photovoltaikanlagen sein. „Wobei wir bei der jüngsten Erhebung auf ein interessantes Phänomen gestoßen sind“, sagt Walter Schiefer. „Vom gesamten Energieaufwand der Gleisdorfer entfallen nur noch 12 Prozent auf Strom, 40 Prozent auf die Raumwärme und bereits mehr als 50 Prozent auf die Mobilität.“

Apropos Mobilität: Auch in Sachen E-Mobilität ist Gleisdorf Vorreiter.„Unser E-Fuhrpark umfasst rund 40 Fahrzeuge – darunter seit den 90er-Jahren auch Elektro-Autos, zum Beispiel ein Fiat Panda, ein Peugeot, Elektro-Minicars, ElektroQuads, E-Roller, ein Segway und natürlich Elektro-Fahrräder und EBikes“, führt Feistritzwerke-STEWEAG-Geschäftsführer Walter Schiefer an. „Hinzu kommen noch Pflanzenöl-Fahrzeuge. Insgesamt fahren wir allein mit dem Fuhrpark allein 60.000 Kilometer im Jahr. Jeder Gleisdorfer kann die E-Fahrzeuge kostenlos testen. Wir wollen damit Bewusstsein schaffen und das Umdenken unterstützen.“ O

Jetzt im neuen Look.

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Auto und motor

Der Klassiker

Foto: DPPI

Foto: Sutton Motorsport Images

Foto: Ferdi Kräling Motorsport-Bild GmbH

Die 24 Stunden von Le Mans

Jochen Rindt siegte 1965.

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ochen Rindt war 1965 der erste österreichische Sieger, dann folgten Helmut Marko (1971) und Alexander Wurz (1996 und 2009). Die 24 Stunden von Le Mans sind der Klassiker schlechthin im Automobilsport. Am 11. Juni 2011 ist es wieder einmal so weit. Erstmals wird der 9-fache Sieger Audi mit dem R18 einen Prototypen mit Dach einsetzen. In der Vergangenheit waren es jeweils Cabrio-Versionen. Das in Kohlefaser gearbeitete Monocoque ist aus einem Stück, auf diese Weise gewinnt man Steifigkeit und spart Gewicht. Der R18 steht 28

Helmut Marko sah die Zielflagge 1971.

Alexander Wurz gewann 1996 und 2009.

Jo Gartner verunglückte bei 300 km/h.

außerdem erstmals auf gleich großen Vorder- und Hinterrädern, was zu einer ausgewogeneren Gewichtsverteilung führt. Das geschlossene Coupé soll vor allem hinsichtlich Aerodynamik noch geschmeidiger sein. Der einzige Nachteil: Für den Fahrerwechsel muss etwas mehr Zeit eingerechnet werden. Die 24 Stunden von Le Mans haben eine unglaubliche Geschichte. Gab es doch bereits im Jahr 1923 den ersten Sieger. 1955 kam es während des Rennens zur größten Katastrophe des Motorsports überhaupt, verursacht durch den Franzosen Pierre Levegh. Nach einer Kollision auf der

Zielgeraden flogen Teile seines Mercedes Benz 300 SLR in die dortige Zuschauertribüne. Auslöser war der Jaguar-Pilot Mike Hawthorn, der den langsameren Austin-Healey Lance Macklins links überholte, dann abrupt nach rechts zog, um doch noch einen Boxenstopp zu absolvieren. Dort brauste jedoch Levegh mit hoher Geschwindigkeit heran und konnte deshalb nicht mehr reagieren. Mercedes zog daraufhin seine Fahrzeuge zurück und verabschiedete sich am Ende des Jahres 1995 sogar völlig aus dem Motorrennsport. Legendär war der 1925 eingeführte Le-Mans-Start, bei dem die Fahrer

über die Fahrbahn zu ihren vor der Boxengasse aufgestellten Fahrzeugen sprinten mussten und stehend starteten. Dieser kam nach Einführung der Sicherheitsgurte 1969 in die Diskussion. Der spätere Sieger Jacky Ickx protestierte durch demonstrativ langsames Gehen gegen diesen Startmodus. Nach einem stehenden Start mit bereits angeschnallten Fahrern im Jahr 1970 wird das Rennen seit 1971 aus Sicherheitsgründen wie unter anderem in Indianapolis nach einer Einführungsrunde mit einem fliegenden Start begonnen. Das erste Rennen wurde vom 26. auf den 27. Mai 1923 KLIPP April 2011


Faszination in Rot D

er gebürtige Leibnitzer Heribert Kasper – er lebt schon lange in Wien – saß schon vor knapp 30 Jahren im eigenen Ferrari, hatte diesen persönlich in Maranello abgeholt. „Gottvater“ Enzo Ferrari selbst übergab ihm damals seinen Autotraum. „Es war ein 308 GT4, auf den ich ein Jahr gewartet habe. Dieser hat damals 520.000 Schilling gekostet“, erzählt Heribert Kasper. „Durch den elterlichen Betrieb – wir waren Fiat-Großhändler und Fiat war seit 1969 an Ferrari ­beteiligt – war ich mit dem FerrariVirus infiziert und konnte auch meinen Vater überzeugen, dass er mir für den Kredit haftet. Der Ferrari war zu dieser Zeit noch ein totaler Exote, die Menschen haben ihn ja nur aus dem Fernsehen gekannt. Ich war einer der jüngsten – wenn nicht der jüngste – Käufer eines neuen Ferrari.“ Diese Leidenschaft für den roten PS-starken Untersatz aus Mara­nello in Italien hat ihn nie mehr los­ gelassen. Schnelle, rassige Cabrios sind gleichsam zu seinem Lebens-

ausgetragen. Bis in die 1980er Jahre fand das Rennen in Teams à zwei Mann statt, heute wechseln sich drei Fahrer ab. Das Rennen ist auch bekannt für seine lange Gerade, die Ligne Droite des Hunaudières, oder Mulsanne Straight, wie sie in England genannt wird. Dabei handelt es sich um eine nahezu fünf Kilometer lange Gerade, auf der früher Geschwindigkeiten von über 400 km/h erreicht wurden. 1990 wurden aus Sicherheitsgründen zwei Schikanen eingebaut. Seitdem liegt die Spitzengeschwindigkeit bei etwa 340 km/h. Der Auslöser für diese Maßnahme war unter anderem der tödliche Unfall des Österreichers Jo Gartner am 1. Juni 1986. Sein Porsche 962 kam wegen einer mutmaßlich gebrochenen Hinterradaufhängung mit über 300 km/h von der Strecke ab. Die längste jemals zurückgelegte Distanz beträgt 5410,713 km, diesen Rekord stellten 2010 Timo Bernhard, Romain Dumas und Mike Rockenfeller in einem Audi R15 TDI Plus auf. Das entspricht einschließlich Boxenstopps einem Schnitt von 225,45 km pro Stunde. v www.lemans.org KLIPP April 2011

Vor einer Ausfahrt mit Heribert Kasper: Prinzessin Simone von Anhalt, die in den USA lebt und dort in der Jet-Art-Kunst­szene sehr aktiv ist.

inhalt geworden. Und nicht zufällig schmückten ihn die Medien mit der Etikette „Mister Ferrari“. Heribert Kasper ist ein häufiger „Seitenblicke“Gast. Ab 20. Juni treten Kasper und sein Team wieder selbst als Veranstalter auf. Da gibt’s anlässlich der Internationalen Sportwagenwoche in Velden das große Ferrari-Treffen. Knapp 100 der „roten Schönheiten“, manche auch in anderer Farbe, treffen einander in Velden, und tausende werden wieder ihre Kameras zücken, um zumindest ein Foto zu Hause auf dem Schreibtisch oder an der Wand zu haben, wenn schon nicht einen Ferrari in der Garage. Sportwagen-Treffen beim Hotel Falkensteiner

Die „Südsteiermark Classic“: Automobile Highlights früherer Generationen

Sozusagen zum Aufwärmen wird nach Ostern in Bad Waltersdorf beim Hotel Falkensteiner ein Sportwagen-Treffen abgehalten. Da sind praktisch alle Marken vertreten und gemeinsam geht’s sogar an einem Tag mit den Oldtimern durch das steirische Weinland. Denn zur selben Zeit gibt’s die „Südsteiermark Classic“, bei der die Auto-Schönheiten vergangener Generationen von ihren Besitzern herausgeputzt und ausgeführt ­werden. v

Open Air unterwegs Gaberszik: „Für die heurige Saison hat Ford kein neues CabrioModell herausgebracht, vielmehr verkaufen wir hier in Graz unsere Gebraucht-Cabrios speziell an junge Leute sehr gut“, so Sonja Gaber­ szik. Autohaus Winter: „Das neue Saab-Cabrio-Modell 903 ab 163 bis 280 PS ist der neue Eye­catcher in unserem Verkaufsraum. Der Kostenpunkt dabei beginnt bei 35.000,– Euro.“

BMW Denzel: „Das 6er Cabrio gehört zur Luxusklasse und ist mit 320 oder 406 PS erhältlich. Preislich geht’s los bei 93.650,– Euro. Das 1er Cabrio unterzog sich 2011 indes einem Facelifting und ist ab 32.000,– Euro zu haben.“ Mercedes Wittwar: „Cabrios haben bei Mercedes eine langjährige Tradition“, so Marketingleiterin Ursula Hilberger. Aktuell werden mehrere Modelle angeboten, etwa der SLK Roadster ab 42.500,– Euro,

die E-Klasse ab 51.250,– Euro, SL ab 97.700,– Euro oder G 350 ab 106.605,– Euro. Diese Typen sind jeweils auch als Topmodell erhältlich. Peugeot Edelsbrunner: Christian Eibisberger von der Verkaufsleitung: „Gut verkauft sich etwa das Modell 308 CC (Cabrio-Coupé), das zwar schon seit 2007/08 am Markt ist, aber heuer rundum erneuert wurde. Erhältlich ab 120 PS und zirka 27.000,– Euro.“

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Auto und motor

Am 11. und 12. Juni 2011 erstmals am Start. Auffälligstes Detail sind die LED-Scheinwerfer, deren Tagfahrlicht in Form einer 1 gestaltet ist. Der Audi R18 wird mit einem 3,7 Liter großen V6 TDI-Motor angetrieben. Im Vorjahr setzte Audi noch einen 5,5 Liter V10-TDI mit mehr als 600 PS ein.


Kultur

„Hexen und Zauberer“ auf der Riegersburg

Folter im Namen der Obrigkeit Die imposante Riegersburg ist nicht nur beliebtes Ausflugsziel, sondern auch eng verknüpft mit einem der düstersten Kapitel in der Geschichte der Oststeiermark: dem Feldbacher Hexenprozess. 95 Frauen und Männer saßen während des dreijährigen Prozesses auf der Anklagebank. 20 Hinrichtungen sind dokumentiert, wie viele tatsächlich ihr Leben lassen mussten, ist nicht bekannt. Von Sylvia Einöder

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60.000 Besucher machten die Landesausstellung „Hexen und Zauberer“ 1987 zur er­ folgreichsten aller Zeiten. Seit 1. April präsentiert sich eine gleichna­ mige Reprise im neuen Gewande. Durch Videos und Toninstallationen soll ein noch anschaulicheres Bild einer Zeit und Geisteshaltung ver­ mittelt werden, die uns einerseits befremdet und fasziniert, anderer­ seits nur allzu vertraut und leider hochaktuell ist. „Es geht nicht nur um Hexen, sondern um Verfolgung generell, die global betrachtet ja auch in der Gegenwart stattfindet“, so Burgführer Rudolf Fitz. „Die mo­ ralische Dimension ist vor allem für Schulklassen interessant. Wie funk­ tioniert Ausgrenzung?“

Beteiligten der angeblichen Treffen im Hatzendorfer Wald sollten durch Hagelmachen die Ernte der Bauern vernichtet haben. Den Angeklagten wurde Pakt mit dem Teufel, Hexen­ sabbat, Hexenflug, Schlechtwetter­ zauber und Hostienschändung vor­ geworfen. Im Herzogtum Steiermark waren circa 50% der Angeklagten weiblich und circa 35% männlich, von den übrigen Personen sind we­ der Name noch Geschlecht bekannt. In der Südsteiermark und dem heu­ tigen Norden Sloweniens wurden deutlich mehr Frauen verfolgt.

20 Hinrichtungen sind dokumentiert, das Schicksal der restlichen Angeklagten ist unbekannt.

Verführbarkeit durch den Teufel verbunden. Der Hexenhammer (Ori­ ginaltitel „Malleus maleficarum“, d.h. „Hammer der Schadenstifterin­ nen“) war ein Traktat des Inquisitors Heinrich Kramer, das die Hexenleh­ re erstmals auf Frauen zuspitzt, die weltlichen Gerichte zur Verfolgung auffordert und praktische Anwei­ sungen zur Durchführung der Fol­ ter gibt. Die Ursachen für Kramers Wahnvorstellungen sind wohl in der gestörten Sexualität des Inquisitors zu finden. In der frauenfeindlichen Schrift aus dem 15. Jahrhundert heißt es: „Schlecht ist die Frau von Natur aus, da sie schneller am Glau­ ben zweifelt, auch schneller den Glauben ableugnet.“

wurden, sondern ein selbstbestimm­ tes Leben führte, brachte ihr diesen Beinamen. In zahlreichen Prozessen musste sie mit größten Anstrengun­ gen ihre umkämpfte Position als Burgherrin in einer von Männern dominierten Gesellschaft verteidi­ gen. Noch viel tragischer war das Schicksal von Katharina Paldauf, einer Bediensteten der „Gallerin“. Die Burgpflegersgattin, noch heute verharmlosend als „Blumenhexe“ bekannt, war eines der Opfer der Feldbacher Hexenprozesse. Kein Wunder, dass die ungewöhnlichen Frauenschicksale der „Gallerin“ und der „Blumenhexe“ fruchtbaren Nährboden für eine reiche Legen­ denbildung boten.

„Die Blumenhexe“ und „die Gallerin“ – Legendäre Frauen

Jede(r) gegen jede(n)

Der Begriff der „Hexe“ entstand im Spätmittelalter und wurde von Anfang an mit Frauen und deren

Elisabeth Katharina von Galler, von 1648 bis 1672 Burgherrin der Rie­ gersburg, ging wegen ihres unkon­ ventionellen Lebenswandels als die „schlimme Liesl“ in die Geschichte ein. Allein die Tatsache, dass „die Gallerin“ sich nicht in das enge Kor­ sett von Normen schnüren ließ, in das Frauen im 17. Jahrhundert gepresst

Grausames Folterinstrument: Die Eiserne Jungfrau mit nach innen gerichteten Spießen

„Die Blumenhexe“: Opfer des Feldbacher Hexenprozesses

Seit Eva nur Sünde

Pakt mit dem Teufel In unserer Zeit geht’s im Gericht in Feldbach „beschaulich“ zu. Schau­ erlich hingegen war’s in den Jahren 1673 bis 1675 – da gab es im Lan­ desgericht Feldbach den größten Hexenprozess der Steiermark. Ent­ gegen landläufiger Meinung handelt es sich bei den mitteleuropäischen Hexenverfolgungen um kein Phä­ nomen des „finsteren Mittelalters“, sondern vor allem der frühen Neu­ zeit. 1673 gingen drei schwere Un­ wetter über Riegersburg nieder. Die 30

Zu Beginn der Verfolgungen waren nur alte Frauen betroffen, wie es dem Klischee entspricht, doch bald wurden auch junge Frauen, Män­ ner und sogar Kinder verfolgt. Man glaubte, dass sich Hexen unauffällig in der Gemeinschaft bewegen und entlarvt werden müssen. Die Verfol­ gungsrufe kamen aus der Mitte der Bevölkerung. Der Verdacht konnte jeden treffen, sogar die Oberschicht und die Geistlichkeit. Alles, was das menschliche Fassungsvermögen überstieg – Gewitter, Ungeziefer, Seuchen oder Unglücksfälle – wur­ de durch böse übersinnliche Kräf­ te erklärt. „Abergläubische“ Ge­ genmaßnahmen schienen vor dem religiösen und wissenschaftlichen Hintergrund jener Zeit gerechtfer­ tigt. Erst die Aufhebung der Folter und der Einfluss der Aufklärung im 18. Jahrhundert leiteten das Ende dieser grausamen Ära ein. Quellen: Katalog zur Landesaus­ stellung 1987. KLIPP April 2011


Der perfekte Mord Gesucht wird: Eine Frau und Mutter, die sechs Kinder großgezogen hat, drei Mädchen und drei Buben, in Rekordtempo das Jusstudium geschafft hat, in dieser Zeit das erfolgreichste Pauker-Institut für Jusstudenten in Graz mit Freunden aufbaute, mit zwei Liebesheiraten in ihrer Biografie aufwarten kann, eine mit 22, die andere mit 38, dazwischen eine Scheidung familienfreundlich über die Bühne gebracht hat, sich nicht die Zeit für ihre sportlichen Hobbys nehmen ließ, sich als Managerin des international bekannten Malers, der in Japan lebt, um die Organisation und den Verkauf von dessen Bildern und Ausstellungen kümmert, gerne und gut kocht und auch isst. Ach ja, da wäre noch etwas Wesentliches für den Steckbrief: Sie muss seit ihrem 10. Lebensjahr eine tiefe Zuneigung zum Schreiben von gruseligen Geschichten haben und darf nie in der Vergangenheit als „Power-Frau“ gefeiert worden sein. Tüchtig, wie die Polizei ist, und weil Graz überschaubar ist, war deren Suche erfolgreich. Käthe Bubna-Litic ist ihr Name, zu Hause in einem schmucken Haus am Waldrand in Graz-Mariatrost, wo ihr die Rehe sogar beim Kochen zuschauen. Leichter könnte die Spurensuche dadurch geworden sein, dass Bubna-Litics Mann als Staatsanwalt in Graz arbeitet. Weg von der Phantasie Zurück in die Wirklichkeit. „Sie ist ein weibliches Ideen-Kraftwerk, das du schwer bremsen kannst“, hat ihr Umfeld, Familie und Freunde, mittlerweile gelernt, damit umzugehen. Käthe Bubna-Litic selbst: „Ich bin eine Kämpferin, Misserfolge halten mich nicht auf, sondern motivieren mich noch mehr, weiterzumachen.“ Vor wenigen Monaten erschien ihr erster Taschenbuch-Krimi „Tanz der Sinne“ im Novum Pocket Verlag. Dass Buchhandlungen – wie sie jetzt weiß – nur Bücher von großen Verlagen wie Bertelsmann usw. bewerben KLIPP April 2011

sie nach den Fragen und deren Antworten, und nur deshalb schaffte Käthe die Prüfung. Daraus entstand die Geschäftsidee der Pauk-Kurse. Gemeinsam organisierten die beiden Studentinnen, dass Kiebitze bei Aufgewecktes Mädchen allen Prüfungen dabei waren und „Schon als Kind haben meine Eltern sich die nötigen Infos holten. „Auf ein Problem gehabt damit, weil ich diese Weise sammelten meine Go…, gewir Hunderte Fragen meint ist und Antworten“, so Mund, nicht Bubna-Litic, „verfasshalten konnten daraus Skripten te. Die Mutund organisierten ter, Hausfrau dann die Pauk-Kur– der Vater se.“ Das Geschäft war Böhlerlief blendend. Nach Arbeiter – dem Kauf eigener schloss bei lauRäumlichkeiten in ter werdenden der Innenstadt Anlässen immer wurden daraus die Fenster der die Rechtskurse Wohnung in KapDr. Mattner. „Ich fenberg. Was werhatte einen Meden die Nachbarn diziner gehein von sagen?“ Die Tochratet“, so die e n io g e hat L . ter besuchte die Käthe Bubna-Litic Doktor verholfen Krimi-Autozum Volks- und Haupt- Jusstudenten rin. Für Leschule in der Böhlergionen von Jusstudenten Stadt. Ihren weiteren war das die einzige Chance („Ohne Bildungsweg organisierte sich sie wäre ich nie Doktor geworden“), Käthe mit Hilfe einer Freundin das Studium überhaupt jemals zu selbst, den Besuch der HAK in Graz schaffen. Einer dieser damals nicht (1958 maturiert) und danach das gerade leicht motivierbaren StudenJusstudium auf der Uni. ten verliebte sich in die vortragende junge Doktorin und ist heute ihr Paukkurse erfunden Mann, Staatsanwalt Heinrich BubFür ihre erste Prüfung „Einführung na-Litic. Aber so ist es im Leben. in Recht und Staat“ war Käthe Bubna-Litic gewissenhaft vorbereitet. Staatsanwalt im Haus Diese sollte ihren weiteren Lebens- In der Kurzbeschreibung zu Käthe weg stark beeinflussen. Die Prüflin- Bubna-Litics Person in ihrem Buch ge vor ihr waren alle durchgefallen, heißt es: Die Autorin ist in zweiter nur eine Studentin verließ lachend Ehe mit einem Staatsanwalt verheidas Prüfungszimmer. Diese fragte ratet, mit dem sie am liebsten über dürfen, findet sie grotesk und fast mafios. „Es ist absurd, ich muss mein Buch selbst vermarkten“, hält sie mit ihrer Kritik nicht hinterm Berg.

den perfekten Mord diskutiert. Und wenn man in das Buch hineinliest, dann fallen der klare Stil, die kurzen Sätze und die pointierte Bildersprache auf. Der Krimi enthält auch etliche nicht jugendfreie Passagen. Geht es doch um eine Gerichtsmedizinerin, Anfang 40, die „sexuell wachgerüttelt“ sich in einen neuen Lebensabschnitt katapultiert und deren Leben völlig außer Kontrolle gerät. Die Autorin hat auch ein Gefühl und Verständnis für sympathische Mörder entwickelt. Mehr soll hier gar nicht verraten werden.

Sechs Kinder geben viel Stoff Bei den Motiven und Themen und dem ganzen Rundherum für einen Roman kann sie natürlich aus dem Vollen schöpfen. Sechs Kinder, die es in alle Himmelsrichtungen verschlagen hat, bis nach Australien, die die unterschiedlichsten beruflichen Tätigkeiten haben, wo es im Laufe der Jahre viele Freundinnen, Freunde, Männer, Kinder, Enkelkinder, Schwiegereltern gibt, auch Scheidungen, darunter etliche verflossene Liebschaften, Familienkonflikte, Erziehungskonflikte – also genügend Stoff für eine Schriftstellerin. Deren große Vision: „Dass eines meiner Bücher verfilmt wird.“ Denn das Kino hat Käthe Bubna-Litic schon als 10-Jährige in Kapfenberg fasziniert, als sie mit einer Freundin – „wir beide schrieben für uns selbst schon Kinderbücher“ – beim Film „Erzherzog Johanns große Liebe“ mitfieberte. Schon damals träumte sie von der Verfilmung ihrer eigenen Geschichte. „Diesen Jugendtraum hoffe ich mir noch immer zu erfüllen.“ O

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K U LT U R

Ein Gedanke „begleitet“ die Grazer Krimi-Autorin Käthe Bubna-Litic:


Unser Leben wird beständig komplizierter, komplexer, unüberschaubarer. Termine und Notwendigkeiten häufen sich, die Palette an Möglichkeiten und Angeboten wächst ebenso wie die Fülle der Aufgaben. Der Fortschritt schreitet unaufhaltsam voran. Und wir hinken oftmals schon ein wenig ermattet hinterher …

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angeweile, Zeit zum Nichtstun, Faulenzen, unproduktive Zeit, Zeit zum Innehalten – das war gestern. Zeit zum Erholen, Ausspannen, Leben, Lachen und Lustigsein ebenso. Wir leben im Zeitalter von Stress und Burnout, und wer heute nicht ständig mindestens zwei Termine gleichzeitig hat und dabei auch noch permanent ein Handy am Ohr, der ist nicht mehr up to date und verpasst irgendwie sowieso das meiste – meinen wir. Und dabei verlernen wir allmählich, was es heißt, auf seine Bedürfnisse zu

hören, gut auf sich zu achten, Spaß zu haben, Zeit zu haben. Wir verlieren die wesentlichen, kleinen Dinge des Lebens aus den Augen, weil wir nur mehr mit den ganz großen, ganz wichtigen, topaktuellen und superdringlichen beschäftigt sind.

Foto: TOLO TOYS Deutschland GmbH

GESUNDHEIT

Wenn das Leben so einfach wär … Gefühl der Leere Wenn wir uns dann einmal schnell aufs Sofa werfen und nicht gleich den Fernseher einschalten, sondern nur mal kurz durchschnaufen, dann überkommt uns so ein klägliches Gefühl der Leere, unangenehme Fragen drängen ins Bewusstsein – Mag ich das alles machen? Macht das tatsächlich Sinn? Bin ich wirklich zufrieden? – und dann schnappen wir uns gleich mal die Fernbedienung und zappen die lästigen Gedanken weg und die Kinder schreien auch schon wieder und die Mitzi-Tant ruft an und die EMails sollten auch noch bearbeitet werden – Gott sei Dank, wir sind wieder vollauf beschäftigt, der Alltagstrott hat uns wieder. Mit seinem vielfältigen, nie abreißenden Strom von Problemen und Herausforderungen. Erst wenn wir, einer großen oder kleinen (Lebens-)Krise wegen, aus diesem Alltagsrädchen fallen, sei es durch Krankheit, Jobverlust, Trennung, dann sind sie wieder da, die lästigen Fragen, die ungemütliche Leere, das große Schweigen. Angst, Ver-

Er hat kein Problem durch Burn-Out

zweiflung, Hoffnungslosigkeit nehmen dann schnell einmal überhand. Fragen nach Sinn und Wert tauchen auf, wer bin ich in dieser Leistungsgesellschaft, wenn ich nicht mehr funktioniere, wenn ich nicht mithalten kann oder mag, nicht ständig am Tun bin? Bin ich dann noch etwas wert? Selbstzweifel nagen. Die Antwort ist simpel: Ja.

Und meist findet sich der erste Schritt im Akzeptieren, im Annehmen dessen, was ist. Was ist, wenn ich mal aufhöre zu strampeln und kämpfen und verzweifeln, wenn ich einfach hinschaue, was ist? Gerade jetzt, in meinem Leben, mit mir? Annehmen kann der erste Schritt sein, um zur Ruhe zu kommen, Halt zu finden, wenn Körper und Seele schon heftig

Autowaschen und andere kleine Erfolge B

urnout beginnt mit dem Ausbleiben eines erlösenden Erfolges. Achtung! Für das Gehirn ist es auch ein Misserfolg, wenn Sie einen riesigen Berg von Arbeit vorgelegt bekommen, diesen aufarbeiten und am nächsten Tag einen noch größeren Berg auf Ihrem Platz vorfinden. Auch wenn Sie so viel wie möglich abarbeiten, Ihr Gehirn kann dies nicht als erlösenden Erfolg erleben. Sorgen Sie in diesem Fall am besten immer gleich für kleine Aufgaben, die Sie erledigen können. Räumen Sie einen Schrank oder ein Kellerabteil auf. Saugen oder waschen Sie Ihr Auto. Nähen Sie einen losen Knopf an, der schon seit Ewigkeiten an Ihrer Lieblingsbluse fehlt. Bringen Sie also kleine Dinge in Ordnung, erleben Sie das positive Gefühl, dass Sie etwas erledigt haben. Ihr Gehirn erholt sich, wenn es Aufgaben abschließen kann. Mehr arbeiten wäre gar nicht so schlimm, wenn es auch mehr Erfolgserlebnisse gäbe. Ist das nicht 32

Gesundheitspsychologin Ursula Grohs: den Glücksbereich aktivieren hilft in Stresssituationen

der Fall gibts einen Teufelskreis. Merkschwäche, schlechte Konzentrationsfähigkeit, man wird zynisch, teilweise sogar aggressiv, Schlafstörungen und Erschöpfung sind die Folge. Manchmal kommt es sogar noch schlimmer: Panikattacken überfallen einen, jedes Telefonläuten wird zu einer massiven Belastung, jede neue E-Mail-Nachricht wird ein weiterer Angriff. Depression, Angst und Hoffnungslosigkeit dominieren das Leben und treiben in die Isolation.

Die Empfehlung von Ursula Grohs: „Man muss zuerst den Stressbereich ausschalten, um den Glücksbereich zu aktivieren, das weiß man aus der Hirnforschung. Mit Gerüchen, Farben und anderen Hilfsmitteln kann man den Stressbereich überlisten, ihn ausknipsen und macht so den Weg für das Glück frei.“ Es gibt auch immer wieder kleine „Hausaufgaben“, die man erledigen soll. Natur, Bewegung und auch Musik spielen eine weitere Rolle, ebenso wie die zärtliche Berührung durch einen anderen Menschen. Massagen und Streicheleinheiten sind ebenso ein wichtiger Bestandteil des Programms. Zu 70 Prozent ist bei Burnout die Persönlichkeit ausschlaggebend, so die Gesundheitspsychologin, deren RauchstoppTherapie auf Basis des Psychodynamischen Modelltrainings (PDM) weltweit zu den erfolgreichsten zählt. Besonders Menschen aus „helfenden Berufen“ sind häufig betroffen: Ärzte, Lehrer, Krankenpfleger, Sozialarbeiter und dergleichen. Quelle: „Unumwerfbar – In 6 Wochen wieder im Gleichgewicht“ von Ursula Grohs und Heike Kossdorff (Ecowin Verlag)

KLIPP April 2011


sich reserviert, ein Spaziergang in einer Sternennacht, ein warmes Bad, ein Wochenende auf der Alm oder in der Therme, weit weg von den Belastungen des täglichen Lebens. Reduzieren, runterkommen, Tempo drosseln, Halt machen und mal tief durchatmen – all das kann helfen, sich selbst und die Welt mit neuen Augen zu sehen. Und möglicherweise zu entdecken, dass man dieses oder jenes nicht braucht, dass man einiges anders machen, reduzieren, weglassen, vereinfachen könnte. Wer sich Zeit nimmt und genau hinschaut, wird Lösungen finden, die im Trubel des Alltags sonst nie sichtbar werden. Wer bereit dazu ist, kann jederzeit den ersten Schritt tun – denn damit fängt jede Reise an. O

GESUNDHEIT

schwanken. Innehalten, die Leere aushalten, hinschauen, wahrnehmen – und annehmen. Erst aus dem, was ist, kann Veränderung, Neues entstehen. Erst wenn ich bereit bin hinzuschauen, kann sich ein neuer Weg auftun. Und es gibt stets viele Wege. Und viele Menschen, die verschiedene Wege gehen. Was sind meine Bedürfnisse und meine Ziele? Meine Werte im Leben? Haben sie noch Gültigkeit? Weiß ich noch, was ich tue und warum? Manchmal hilft es, Momente im Alltag zu finden, in denen man aussteigen kann, kleine Ruheinseln, kleine Oasen der Stille. Eine kurze Runde um den Block, wenn der Kopf raucht, eine Wanderung auf den nächsten Hügel oder Berg, eine halbe Stunde jeden Tag, die man nur für

Schmerzmittel … keinesfalls harmlos

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eder bekommt sie in der Apotheke, Schmerzmittel ohne ärztliche Verschreibung. Fast alle schlucken sie. Doch schon bei normaler Dosierung sind sie nicht harmlos. Die Risken sind nicht ohne. Die häufigsten frei verkauften Schmerzmittel sind Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol und ihre Kombinationspräparate. Der Absatz von Paracetamol stagniert zwar, doch steigt der von Ibuprofen und Diclofenac. Von Nebenwirkungen nicht verschont sind selbst Patienten, die ihren Schmerzmittel-Konsum unter Kontrolle halten und nur gelegentlich bei Kopf-, Gelenk- oder Rückenschmerzen dazu greifen. Die Hersteller verweisen im Beipackzettel darauf, dass Acetylsalicylsäure Magenblutungen auslösen kann und Paracetamol bei hohen Dosen Leberschäden. Vielfach hat man als Konsument nach dem Lesen des Beipackzettels das Gefühl, das Medikament sofort in den Abfalleimer werfen zu müssen, so viele und gefährliche Nebenwirkungen sind da angegeben. Erst Anfang des Jahres sorgte eine Analyse des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern für Aufmerksamkeit in dieser Richtung. Die Nebenwirkungen häufig gebrauchter Medikamente sind da doch nicht ohne. Bei 11.429 Patienten fanden die Wissenschafter 554 Herzinfarkte und 377 Schlaganfälle, wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ (10. Februar 2011) berichtet. „Es ist höchstwahrscheinlich, dass die Medikamente das RiKLIPP April 2011

siko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall um den Faktor zwei bis vier erhöhen. Das sei beträchtlich, besonders für ältere Menschen mit vorgeschädigten Blutgefäßen könne das eine Gefahr bedeuten.“ Hellhörig muss man auch bei folgender neuer Erkenntnis werden: Es geht um das Schmerzmittel Paracetamol. Dieses gilt herkömmlich als harmlos, neueste Forschungsergebnisse weisen jedoch auf das Gegenteil hin. Selbst bei normaler Dosierung wird von Patienten berichtet, die vermehrt Leberschäden aufweisen. Hinweise darauf, dass Paracetamol mehr Nebenwirkungen als ursprünglich angenommen hat, kursieren schon seit Jahren, wurden jedoch nicht wirklich durch konkrete Forschungsergebnisse bestätigt. Es mag damit zusammenhängen, dass Schmerzmittel wie das Aspirin schon mehrere Jahrzehnte am Markt sind – der Patentschutz ist damit abgelaufen – und daher keine neuen Untersuchungen über die Nebenwirkungen gemacht werden. In mehreren Zeitschriften tauchen nun Berichte darüber auf, die vor einer unkritischen Einnahme von Paracetamol warnen. Besonders gefährdet sollen Frauen sein, die es während der Schwangerschaft einnehmen, weil damit auch schon der Embryo geschädigt werden kann. Die Einnahme führt zu einer EntzündungsBlockade und in der Folge kann dadurch auch eine Asthma-Erkrankung hervorgerufen werden. Generell gilt: Jede Schmerztablette weniger bedeutet weniger Gesundheitsrisiko. O 33


Steirische Ausflugsziele

Das Gute liegt so nah Burg Oberkapfenberg

Kunsthalle Leoben: Die Rückkehr der Götter

Wir befinden uns mitten im Frühling und für alle, die sich fragen was sie unternehmen könnten, hält die „Osthälfte“ der Steiermark zahlreiche Ausflugsziele bereit ­– kontrastreich und vielfältig wie das Land selbst. Manche Ausflugsziele sind gut, andere weniger bekannt. Fest steht aber, dass jede Region einen Besuch wert ist, so entdeckt man aufs Neue ein Stück Heimat und ist an Erlebnissen reicher.

Città Slow Hartberg

Besuchen Sie mit Ihrer Familie die Greifvogel­ flugschau oder die Ausstellung „Grenzgänge – eine Zeitreise mit Kreuzrittern und Alche­ mis­ten“ (bei der Kinderausstellung dürfen die kleinen Besucher alles selbst ertasten, ent­ decken und erraten). Entspannung gibt’s in der Burgschenke oder im Restaurant nach ei­ ner Wanderung zur Lorettokapelle.

Ende April gibt’s bei der APFELBLÜTENFAHRT dutzende Edelkarossen im Zentrum von Hartberg zu bewundern. Entspannt präsentiert sich auch das „GARTENFESTIVAL“ vom 6. bis 8. Mai, danach lockt die GARTENWANDERUNG. Gewohnt klassisch zeigt sich die GARANTA Motor Mythos 2011! Veranstaltungs- und Ausflugsüberblick auf www.hartberg.at

Foto: © TRV Oststeiermark / B. Bergmann

Berlins verborgener Olymp. Die Kunsthalle Leoben präsentiert 2011 einmalige Kunstschätze aus der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin. Rund 150 Marmor– skulpturen, Statuetten, Kultgegenstände u.v.m. bieten einen faszinierenden Einblick in die Götterwelt der Griechen und Römer sowie in das antike Theater – bis 1. November 2011. www.kunsthalle-leoben.at

Frühlingspicknick im Garten Österreichs Genuss-Hauptstadt Graz

Nutzen Sie die wunderbare Natur für ein unvergessliches Frühlingspicknick und über 250 Ausflugsziele für Ihre Urlaubsgestaltung in der Oststeiermark. Gratis Reiseführer und Ausflugszielekarte anfordern unter: Tourismusregionalverband Oststeiermark, Radersdorf 75, 8263 Großwilfersdorf, Tel. 03385 21090, info@oststeiermark.com, www.oststeiermark.com

Foto: www.blumau.com

Gerade mal ein paar Tage Zeit und trotzdem Lust, möglichst viel zu erleben? Die GenussHauptstadt Graz präsentiert sich südlich und lustvoll, im Gepäck hochklassige Events und Ausstellungen, traditionsreiche, aber neu  geschärfte Festivals, Musik, Theater und kulinarische Köstlichkeiten. www.graztourismus.at

Stainz-Reinischkogel Foto: Symbol-Schiffer

Wein & Kulinarik, Laufen, Kräuterwandern, Walken, Rent-a-Traktor, Genussradeln, E‑Biken, Gästetaxi, Flascherlzug und Zauberhexe, Schilcher, Kernöl und viel, viel mehr! Entdecken Sie den Weinfrühling im Schilcherland gemeinsam mit der ganzen Familie. Veranstaltungen und Spezialangebote finden Sie unter www.schilcherland.com.

Südsteirische Weinstraße - Lust auf mehr Nirgendwo sonst genießt man Wein und Kulinarik so intensiv wie hier! Am Buschenschank wie im Wirtshaus. Am besten Sie beziehen ein Quartier und entdecken die Region zu Fuß oder mit einem E-Bike. Top-Tipps: Reininghaus Jahrgangspils-Picknick, „Tischlein deck dich“ – für Schwindelfreie auf der Kreuzbergwarte, WeinBus bei den Tagen der offenen Kellertür. Mehr auf www.suedsteirischeweinstrasse.at 34

BAD BLUMAU – Kunst und Natur Erkunden Sie verschiedene Ausflugsziele, wie z.B. die „Wassergöttin“ (Skulptur von André Heller), die 1000-jährige Eiche, den Thermenpark mit Weidenbau und den „Cube der Würde“. Entdecken Sie die Natur beim Laufen oder Radfahren. Ausgezeichnete Gastronomie vom Haubenlokal bis zu urigen Buschenschenken. Anschließend WohlfühlZeit in den Thermen Rogner Bad Blumau. www.bad-blumau.com

KLIPP April 2011


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nter dem Motto “Daheim ist daheim“ urlauben viele SteirerInnen gerne im eigenen Land. „Auch das Zuhause ist einen Urlaub wert“, heißt es immer öfter. Bereits mehr als 50 Prozent haben schon einmal bewusst Urlaub daheim gemacht – das nahe Umfeld erfreut sich offensichtlich zunehmender Beliebtheit. Es wird am liebsten gefaulenzt, - sozusagen Füße hochlagern, nichts tun und erholen. Außerdem sind Essen und Trinken sowie der Besuch von Sehenswürdigkeiten wichtig, wie auch Sport und Ausgehen zu den Dauerbrennern bei der Feriengestaltung zählen. Bemerkenswert ist, dass die Steiermark bei allen Altersgruppen

Foto: Steiermark Tourismus – Tom Lamm | ikarus.cc

Auch heuer sind die Ferien für knapp Dreiviertel der steirischen Landsleute wieder die populärste Form von Glück. Die Füße “hochlagern“ ist dabei am beliebtesten.

als beliebteste inländische Urlaubsdestination gilt. Baden in heimischen Seen ist dabei für die meisten Befragten die populärste Urlaubsart. Wen es trotzdem ins Ausland zieht, der fährt nach Italien, Kroatien oder Griechenland. Egal nun, ob In- oder Ausland: Kurzurlaube und Tagesausflüge gewinnen in jedem Fall an Bedeutung: Fast 70 Prozent

der befragten SteirerInnen haben in den vergangenen drei Jahren Kurzurlaube gemacht. Die jährlich erstellte Urlaubsstudie der Tourismusschulen Bad Gleichenberg unter der Leitung von Claudia Brandstätter besagt außerdem, dass viele Urlaubsdestinationen bereits vorab via Internet beschnuppert werden. Demnach nimmt das Internet logi-

scherweise als Urlaubsberater und Buchungsmöglichkeit zu. Was jedoch wie schon in den vergangenen Jahren - unverändert bleibt, ist die Flirtfaulheit. Denn nur 40 Prozent sind für einen Urlaubsflirt zu haben! Weiter ansteigend ist allerdings die Zahl jener, die den Urlaub als Zeit für Sinnsuche sehen: Bereits für 36 Prozent sollen die Ferien quasi “sinngebend“ sein! Und was die Preise angeht, beurteilen zwei Drittel das bekannte Preisleistungs-Verhältnis in Österreich als passend! Wann aber entscheiden wir uns nun eigentlich für einen Urlaub? Auch darüber gibt die Studie Auskunft: 31 Prozent treffen die Urlaubsentscheidung total spontan. Helmut Dietl

Info: www.flughafen-graz.at KLIPP April 2011

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FREIZEIT

Wie die Steirer urlauben …


Landwirt Franz Deutschmann aus Frauental – ganz auf Bio eingestellt

Heute sind seine Köstlichkeiten sogar im Ausland begehrt. Aller Anfang (aus Leidenschaft) ist jedoch schwer. Daher erzeugte der Landwirt Franz Deutschmann aus Frauental im Jahr 1993 am elterlichen Hof aus eigener frischer Kuhmilch nur zwei Käse-Sorten – den Bio-Camembert und den BioFasslkäs.

Isabella Hasewend

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er Fasslkäs ist ein zehn Wochen gereifter, halbfester Schnittkäse, gepflegt mit Rotweingeläger“, so Franz Deutschmann. Dessen Liebe zum Käse entstand, als der Absolvent der Landwirtschaftsschule Stainz Leiter der Molkereisammelstelle in Frauental war. „Die Eltern haben den Betrieb bereits Ende der 80er-Jahre nach den Richtlinien des biologischen Landbaues bestellt, und so führe ich 40 ha Eigen- plus Pachtgrund ebenfalls als Bio-Landwirtschaft weiter.“ Schon bei der Fahrt hinauf zur Kleinkäserei, oberhalb von Frauental gelegen, stimmen einen die Kühe auf den saftigen Wiesen auf das kommende Geschmackserlebnis ein. Pro Jahr erzeugen Franz Deutschmann, seine Frau und die Mitarbeiter rund 40 Tonnen Käse – alles von Hand geschöpft –, der auf den Tellern von Feinschmeckern in ganz Europa landet. „Gefragt sind natürlich noch immer der Bio-Camembert und der Bio-Fasslkäs’, aber auch der Steirerschimmel, der Brie, Roter Brie und Kürbiskernkäse mit Geschmacksnuancen von süßlich über fein säuerlich bis würzig-pikant“, erklärt Franz Deutschmann. „Die Fans unseres Käses finden sich in der Schweiz, in Holland, Deutschland, Frankreich und Italien.“ Dafür gab es bereits zahlreiche Auszeichnungen: Lucullus, Käse-Botschafter, Käse-Kaiser. Unersetzlich auch seine Frau Gertrud, die ausgebildete Käse-Sommeliere ist. Alles ist unverfälscht hergestellt, aus Naturlab,

Gertrude und Franz Deutschmann im unterirdischen Käse-Paradies.

ohne Käsereisalze. Feinsäuberlich geschlichtet lagert der Käse im originalen Reifekeller aus Stein und Ziegel. „In der ersten Kammer lagern wir die Camembert-Laibchen“, so Käse-Sommeliere Gertrud Deutschmann, „die im Rohzustand gelblich sind und ab dem siebenten Tag mit Edelschimmel überzogen. Nach zwei Wochen Ruhezeit werden diese durch die nächste Schicht ersetzt und können die Gaumen der Kunden erfreuen. Im zweiten Kellerraum lagern die übrigen Sorten – teilweise große Laibe in farblicher Abstufung, je nach Reifegrad, Zutaten und Art der Naturrinde.“ Verständlich, dass sich bei so vielen geschmackvollen Köstlichkeiten bei mir ein starkes Verlangen danach bemerkbar macht. Weil der Kundengeschmack sich langsam, aber doch stets verändert, sind die Deutschmanns weiterhin kreativ und haben auch schon entsprechend dafür offizielles Lob in Form von

Urkunden eingeheimst. Da heißen die Käse-Spezialitäten etwa „Honigtraum“, „Zwetschgerl“, „Rote Traube“ oder „Wildbacher“, die in Bio-Met, Zwetschkenbrand, Zweigelt oder Strohwein – alles erlesene Erzeugnisse aus der Region mit feinen Aromen – für mehrere Tage eingetaucht werden. „Es ist dies ein Sortiment von jung gereiftem Weich- und Schimmelkäse.“ Ich würde sagen: Probieren geht über Studieren. v Infos: Tel. 03462 / 40 57, www.hofkaeserei-deutschmann.at

vor ort

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Das Projekt MeisterstraSSe Steiermark „Handwerk hat goldenen Boden“, dieser Spruch hat vor allem in der Steiermark seine Gültigkeit bewahrt.

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eit 2005 haben sich die Besten ihrer Zunft zum Netzwerk Meisterstrasse Steiermark zusammengeschlossen, das aktuell rund 100 Meister-Betriebe aus zehn steirischen Regionen vereint. Das Spektrum der vereinten Handwerkskünste reicht von holzhandwerklichen Unternehmen über Betreiber von Ölmühlen, Handwerker im Trachtenbereich, verschiedenste Metallbearbeiter, Bäcker und Fleischer bis hin zu Uhrmachern und feinhandwerklichen Schmuck­ erzeugern. Jeder meisterhafte Hand-

werksbetrieb hat sein spezielles Leitprodukt und überzeugt mit selbst kreierten, einmaligen Erzeugnissen. In gemeinsamen Aktionen wird unter anderem bei Veranstaltungen in den Regionen, in der Landeshauptstadt und darüber hinaus auf die regionalen Besonderheiten des heimischen handwerklichen Gewerbes aufmerksam gemacht. Somit gelingt neben der direkten Stärkung der einzelnen Unternehmen auch eine Ankurbelung der Wirtschaftskreisläufe in den steirischen Regionen. Unter Nutzung der vorhandenen Stärken jeder Region ist eine gemeinsame Vermarktung möglich, in der höchs-

te Qualität, Individualität, regionale Verwurzelung und Vernetzung ganz oben stehen. Tradition bei gleichzeitiger Innovation ist für die Meisterbetriebe mehr als nur ein „Schlagwort“. Die MeisterstraSSe Steiermark hat viel bewirkt und eine tolle Aufbruchstimmung erzeugt. Für das Thema Handwerk wurde verstärkt neues Bewusstsein geschaffen, das langfristig sichtbar sein wird. Es ist gelungen, mit viel Engagement ein Thema aufzugreifen, das viel bewegt und neue Identität geschaffen hat. Die handwerklichen Fertigkeiten der einzelnen Meisterbetriebe konnten nicht nur dargestellt, sondern in ei-

Foto: Lebzelterei Pirker, Mariazell

Handwerksstücke aus Meisterhand

nem starken Netzwerk durch umfangreiche Aktivitäten weiterentwickelt werden.

Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend und der Europäischen Union, Europäischer Fonds zur Förderung der Entwicklung des Ländlichen Raums, Schwerpunkt LEADER

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R ei s e Textidee und Fotos: Werner List „Im Vergleich dazu wirken die ägyptischen Pyramiden eher bescheiden“, versucht der Grazer Vielreisende Werner List seinen Eindruck über den „Ansturm“ auf die Terrakotta-Armee von Xi’an wiederzugeben. Er war vor wenigen Monaten wieder in China und machte neuerlich – diesmal nicht mit der Bahn, sondern mit dem Flugzeug – einen Abstecher in die alte chinesische Kaiserstadt.

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as neue Xi’an ist austauschbar mit anderen chinesischen Städten“, so Werner List, „einmalig sind aber die historischen Sehenswürdigkeiten.“ Dazu zählen die riesige 14 Kilometer lange und 12 Meter hohe Stadtmauer und natürlich die einmaligen Grabanlagen aus dem Jahre 210 vor Christi Geburt. „Die Dimension und die Vielfalt, was du da zu sehen bekommst, sind unglaublich“, schwärmt Werner List, der ohne Übertreibung schon viel von unserer Welt gesehen hat. „Wenn man sich nur eine Zahl vor Augen führt: 700.000 Arbei-

ter sollen an der Errichtung über Jahre beteiligt gewesen sein.“ Die Grabanlage bzw. das Mausoleum des Qin Shihuangdi liegt 30 Kilometer nordöstlich der alten Kaiserstadt Xi’an. Die Entdeckung der Anlage geschah rein zufällig im März 1974, als chinesische Bauern aus dem Dorf Xiyang versuchten, einen Brunnen zu bohren, um die Trockenheit zu bekämpfen. Bei einer Tiefe von vier Metern kamen Tonstücke zutage, darauf folgten ein mit Ziegelsteinen ausgelegter Boden, ein bronzener Armbrustmechanismus und bronzene Pfeilspitzen. In den folgenden Jahren kam es dann zum einmaligen Fund der Terrakotta-Armee. Diese verteilt sich auf drei Gruben, besteht aus 7.278 lebensgroßen Soldaten (Fußund Reitsoldaten), denen Pferde und Kriegswagen und echte Waffen (Schwerter, Pfeilspitzen, Armbrüste) beigegeben sind. Es handelt sich um die Darstellung einer vollständigen Armee der damaligen Zeit. Die verschiedenen Ränge sind an unterschiedlichen Uniformen erkennbar. In der Hauptgrube sind die Soldaten in einer Schlachtordnung aufgestellt. Die ersten drei Reihen (204 Bogen-

Dem zufälligen Fund eines Bauern verdankt die Welt diesen einmaligen Kulturschatz. Eine Armee von mehr als 7.000 lebensgroßen Soldaten schützt die Grabanlage des Kaisers.

Die Terrakotta-Krieger von Xi’an sorgen für ungläubiges Staunen bei den Heerscharen von TV-Leuten und (Foto-)Journalisten. 38

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damals nachgebildet wurden oder ob die Erschaffer die unterschiedlichen Figuren frei gestalteten. Seit 1987 ist die TerrakottaArmee auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO vertreten.

Die Bronzewagen Im Jahre 1978 entdeckte man westlich vom Grabhügel des Kaisers eine große Grube mit zwei Bronze-Gespannen als Grabbeigaben. Sie sind die frühesten, größten und technisch

fortgeschrittensten Bronzegespanne, die in China bekannt sind. Die beiden Gespanne in etwa halber Lebensgröße sind äußerst aufwändig hergestellt. Sie sind mit zahlreichen Silber- und Goldelementen verziert; so sind am zweiten Gespann 1.720 Schmuckstücke, die aus 3.033 Gramm Gold und 4.342 Gramm Silber hergestellt sind, befestigt worden.

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schützen) bilden die Vorhut. Dahinter folgt die Hauptarmee, welche aus wahrscheinlich 6.000 Soldaten besteht. Da nicht die ganze Grube ausgegraben wurde, kann man die Gesamtzahl nur anhand der „Figurendichte“ der bereits ausgegrabenen Soldaten schätzen. In der zweiten Grube befinden sich Infanteristen, Reiter, Bogenschützen

und Streitwagen. In der dritten Grube fand man weitere Figuren, welche man aufgrund der Aufstellung und Ausstattung (zum Beispiel Zeremonialwaffen) der Soldaten als Kommandostab identifizierte. Bemerkenswert ist, dass alle diese Figuren individuell gestaltet sind, also keine zwei in Haltung, Gesichtszügen oder Ausstattungsdetails identisch sind. Offen ist die Frage, ob tatsächliche Soldaten von


R ei s e Jede Figur: eigener Gesichtsausdruck

Wie die Tonfiguren sind auch die zwei Gespanne naturgetreu bis ins Detail dargestellt. Die Wagen, Pferde und Wagenlenker sehen lebendig aus, da ihre Proportionen naturgetreu abgestimmt wurden und allen Details der Anatomie entsprechen. Gesicht, kurzer Bart, Wimpern, Handlinien, Haare und Nägel des Kutschers werden lebensecht wiedergegeben. Im Gegensatz zu dieser Arbeitsweise ist die Bemalung am Wagenkasten von romantischem Stil geprägt. Auf der weißen Grundfarbe an der Außen- und Innenseite sind Tiger-, Drachenund PhönixPeking Xi’an

Die alte Kaiserstadt Xi’an: 1.100 km von Peking entfernt.

Auch ausgegraben und restauriert: die ältesten Broncegespanne

muster auf eine übertriebene Weise bunt aufgezeichnet. Am Rand ist der Kasten mit bunten stilisierten Ornamenten verziert. Die beiden Gespanne standen ursprünglich hintereinander und sind auch auf diese Weise ausgestellt. Es sind Eindeichsel-Gespanne mit vier Pferden und einem Kutscher. Jedes Gespann wiegt über 1.200 Kilogramm und besteht aus mehr als 3.000 Einzelteilen. Historischen Aufzeichnungen zufolge hatte der Kaiser damals zwei Wagenkolonnen zur Verfügung, die eine bestand aus 18 Wagen, die andere aus 36. Es wird vermutet, dass in der Nähe des Grabes eine ganze Kolonne mit 81 Wagen unter der Erde vorhanden sein könnte. Erst in einigen Jahren planen die chinesischen Archäologen dann, den eigentlichen Grabhügel zu öffnen. Bis heute kann man nur mutmaßen, was er enthält. Der Historiker Sima Qian beschrieb in seinem von 109 bis 91 v. Chr. geschriebenen Werk Shiji die Grabhalle Qin Shihuangdis folgendermaßen:

An einer hohen Decke seien tausende von Perlen und Edelsteinen befestigt worden, die den Sternenhimmel symbolisieren sollen. Auf dem Boden befinde sich ein Panorama von China, in dem alle Seen und Flüsse aus Quecksilber nachgebildet worden seien. Die Flüsse sollen durch einen Automatismus ständig fließen. In der Mitte der Halle befindet sich laut Sima Qian der Sarg des ersten Kaisers von China. Die Gänge zur Grabhalle seien gesäumt von Tonfiguren, welche vor allem Tiere und Vögel darstellten. v

Verloren ihre prächtigen Farben: Einige Wochen, nachdem die Soldaten wieder Sauerstoff „atmeten“.

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R e i se n

Gourmet-Zeitreise im ungarischen Schlosshotel Szidonia

Liebe auf den zweiten Blick „Es war Liebe auf den ersten Blick“, kam, sah und kaufte Marta Derry Mitte der 90erJahre das ehemalige Jagdschloss Szidonia und machte daraus ein Romantik-Hotel. Und so bleibt den Besuchern „nur“ die Liebe auf den zweiten Blick. Aber auch die hat es in sich.

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n einem solchen Augenblick spielen die kleinen Wunderdinge der Orientierungstechnik – sprich das Navi – eine ganz wichtige Rolle. „Röjtökmuzsaj Szidonia“ tippen wir ein. Und tatsächlich – nach knapp drei Stunden prosten wir der Schlossherrin beim Begrüßungsaperitif bereits zu. Ach ja, entschuldigen Sie, Sie wollen natürlich wissen, wo das Szidonia liegt: nur 20 Autominuten von Sopron, zu Deutsch Ödenburg. Wer das mag, ist sofort angetan von der Atmosphäre im Szidonia: die Hotel-Halle, mit Kamin für den Winter, im eleganten, dunk-

len Holz, die Zimmer unterschiedlich möbliert, wie es sich für ein Schlosshotel gehört, die Badezimmer oft größer als eine Junior-Suite in einem Business-Hotel. Kollegen, die schon früher angereist waren, hatten sich bereits im WellnessBereich vom Tag erholt und zeigten sich zufrieden vom Gebotenen, den Massagen und dem ganzen Rundherum. Auch außerhalb des Hotels – denn da erstreckt sich der weitläufige, gepflegte Schlosspark. In der kommunistischen Ära war das Schloss ein Ferienheim für 350 Kinder – die dürften sich recht wohl gefühlt haben. Groß war der Aufwand, mit dem Marta Derry ihr Schloss (Eröffnung: Jahreswende 2000) in eine gepflegte Ruheoase umwandelte, restaurierte und ein modernes „Vital Badehaus“ hinzufügte. Das Schwimmbecken bietet einen entspannenden Ausblick auf den Schlosspark.

Geschmack längst vergangener Zeiten Hasenpastete mit Spargelsalat, Spargelsuppe, Wachtel mit Reis-

brei, Zitronensorbet, Hühnerpaprikasch mit Kartoffelknödel, Vanillecreme als Dessert. Das stand auf der Menükarte, nachdem uns die Schlossherrin zu Tisch gebeten hatte. Das Gourmet-Menü (für den Monat April) stammt aus der Reformzeit und Revolution (1830 bis 1850). Zahlreiche Kochbücher aus längst vergangenen Zeiten lieferten dem Szidonia-Kochteam die Vorlage für geschichtlich-kulinarische Kreationen vom Biedermeier bis zur Gegenwart. Das Jahr 2011 steht im Zeichen einer kulinarisch-historischen Zeitreise. Im Mai (nach der Revolution 1850 bis 1870) änderte sich auch die Küche. Die Aristokraten und Industriellen aßen weniger Zwiebel und scharfe Paprika, man verfeinerte die Speisen mit Sahne oder Sauerrahm. In den Konditoreien bestellten die Gäste Kaffee mit Schokolade und Schaum, Likör und Mignon. All diese Köstlichkeiten serviert das Szidonia seinen Gästen – Monat für Monat bis zur heutigen klassischen, gesunden Küche, gewürzt mit eige-

Schlossherrin Marta Derry: Mit unserer kulinarischen Reise Geschmäcker der Vergangenheit aufspüren.

nen Gartenkräutern und saisonalen Zutaten aus der Umgebung. Gastgeberin Marta Derry: „Unser Ziel ist es, die Geschmäcker der Geschichte mit Hilfe der modernen Technologie auf den gedeckten Tisch zurückzuzaubern. Die Gerichte werden in Form einer Art ,SchlossCuvée‘ weitergeführt, indem die gastronomischen Einwirkungen der letzten Jahrhunderte sorgfältig aufgearbeitet werden.“ v

Infos

Eintauchen in die Vergangenheit

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Hühnerpaprikasch mit Kartoffelknödel

Juni 2011: Von Kleinbürgern zu Großbürgern (1870 – 1890) Juli 2011: Glückliche Friedenszeiten (1890 – 1914) August 2011: Aus der Krise in die Krise (1914 – 1930) September 2011: Schwere Kriegs­ jahre (1930 – 1950)

Oktober 2011: Die Genossen auf Jagd (1950 – 1970) November 2011: Mensaspeisen (1970 – 1990) Dezember 2011: Das Schloss glänzt (in den heutigen Tagen) Tel.: +36 (0) 99 / 544-810, www.szidonia.hu 41


Foto: Petr Blaha

REISEN

Luxuriös im Salonwagen geht’s an den ehemaligen k. u. k. Nobelkurort Opatija.

Unterwegs mit dem Majestic Imperator

Reisen wie einst Sissi D

ie meisten meiner Sitznachbarn haben die drei Waggons des Majestic Imperator Train – er ist an einem fahrplanmäßigen Zug einfach angehängt – schon in Wien bestiegen. Standesgemäß über den roten Teppich. Und auch wenn dieser in Graz für uns nicht ausgerollt wurde, hat das Verwöhntwerden schon begonnen. Das Personal serviert – angefangen vom Wiener Frühstück über ein Kalbsgulasch bis hin zum Gugelhupf und den jeweils dazupassenden Getränken – mit der entsprechenden Noblesse. Und so lassen wir es uns gutgehen und stellen fest, dass Kaiserin Elisabeth Recht hatte, 42

Von Walzer-Klängen „begleitet“ besteige ich am frühen Vormittag in Graz den Waggon, pardon, besser ausgedrückt den Salonwagen des kaiserlichen Zugs. Vorbei an der kleinen Bar werde ich gebeten, in einem der bequemen Polstersessel am nobel gedeckten Tisch Platz zu nehmen. „Darf’s ein Glaserl Prosecco sein?“ – „Danke, gern.“ Weiter hinten im Zug in der „HolzbankKlasse“ fährt das normale „Volk“, so wie das auch vor mehr als 100 Jahren war. Am Fenster zieht die steirische Landschaft vorbei und mit meinen Sitznachbarn stoße ich auf die bevorstehende Fahrt und die kommenden Tage an. Na dann: „Îivjeli!“ als sie damals auf einer Zugreise in ihr Tagebuch schrieb: „Die Reiseziele sind nur deshalb begehrenswert, weil die Reise dazwischenliegt.“ Unseres auf der knapp achtstündigen Fahrt ist – wie bereits erwähnt – der einstige k. u. k. Kurort Abbazia, heute Opatija in der kroatischen Kvarner Bucht. Bald gesellt sich auch Zug-Eigentümer Gottfried Rieck zu uns und plaudert mit uns über seine Eisenbahn-Leidenschaft. „Begonnen hat die, als ich als Heizer einer Dampflok

gearbeitet habe. In der Folge bin ich dann bis zum Lokomotivführer aufgestiegen und sammelte so in meiner mehr als 25-jährigen Tätigkeit für die Bahn genügend Erfahrung“, blickt Rieck zurück. Im Jahr 1991 verwirklichten er und seine Frau Sibylle dann ihren Traum und erweckten den ehemaligen k. u. k. Hofsalonzug des Kaiserpaares Franz Joseph I. und Elisabeth von Österreich wieder zum Leben. Nach vielen Monaten der Planung und des Rekonstruierens rollte

der erste von sechs Waggons „Salon I“ über die Gleise. Die Jungfernfahrt der Waggons im alten Stil, aber nach modernster Technik, des glanzvoll restaurierten Luxuszuges Majestic Imperator erfolgte am 9. Mai 1998. Beim Schmökern in den Zug-Prospekten erfahre ich, dass der Majestic Imperator von Wien aus Prag, Budapest, Venedig, München, aber auch Kitzbühel, Linz und Salzburg anfährt. Zum Ausrasten habe ich mich in eines der vier Abteile zurückgezogen, KLIPP April 2011


Foto: Sergio Lussino

Wirklich idyllisch ist die Promenade, der 12 Kilometer lange „KaiserFranz-Josef-Weg“. Am nächsten Morgen noch fast menschenleer, laufe ich vorbei an idyllischen kleinen Häfen und Badebuchten, prächtigen historischen Villen, Parks und Hotels. Und so muss ich mich selbst nach einer dreiviertel Stunde fast zur Umkehr ermahnen, denn schließlich soll ich ja wieder zurück zum Hotel. Das anschließende Frühstück auf der Terrasse mit Blick auf die OpatijaRiviera und die vorgelagerten Inseln Krk und Cres entschädigt mich für die Anstrengung.

die logischerweise auch entsprechend edel und komfortabel eingerichtet sind. „Salon Elisabeth“ nennt sich unser Waggon, der den Namen der Kaiserin Elisabeth trägt und in ihrer Lieblingsfarbe Blau gehalten ist. Später lasse ich es mir wieder im Salon gutgehen, der Platz für 24 Personen bietet. Im Laufe des Nachmittags werden wir dann auf die kroatische Adria eingestimmt. Serviert werden kroatischer Prsut, Käse und Wein; gekonnt spielt Marco mit seiner Gitarre dazu die passenden Lieder. Als dann der Majestic Imperator am Bahnhof in OpatijaMatulji einrollt, erwarten uns schon zahlreiche Schaulustige am Bahnsteig, und protokollgemäß gibt’s auch ein kleines Empfangskomitee. Früher waren es gut gepolsterte Pferdekutschen, uns bringt ein Bus hinunter an die Küste nach Opatija.

Wie aus dem Bilderbuch Unvergesslich und überwältigend ist für Generationen von Urlaubern der erste Blick hinunter aufs Meer und die Bucht von Opatija und Lovran. Diesen genießt man auf der Fahrt von der höher gelegenen Ortschaft und Eisenbahnstation Matulji Richtung Opatija und Lovran fahrend.

Foto: Hotel Miramar

Wer sich da nicht erholt, dem kann nicht geholfen werden.

Unsere Residenz: das historische Miramar, direkt an der Kaiser-Franz-Joseph-Promenade

Kurze Zeit später stehen wir an der Rezeption in der Hotelhalle des 4-Sterne-Adria-Relax-Resorts Miramar, nachempfunden dem Stil der k. u. k. Zeit, einfach ein Ort zum Staunen. Im Mittelpunkt des Luxushotels steht die Villa Neptun mit PanoramaRestaurant, Schlossbar samt Meerterrasse und Turmsuiten. Weitere drei Gästevillen gruppieren sich um die mediterrane Gartenlandschaft. Gleich am ersten Abend geht unsere kulinarische Verwöhn-Tour weiter. Küchenchef Arthur Berger, ein österreichischer Spitzenkoch, kredenzt für uns ein mehrgängiges GalaDinner mit

verschiedenen Köstlichkeiten aus Kroatien und Österreich. Opatija (italienisch Abbazia) an der Adria blickt auf eine langjährige Geschichte als einer der schönsten und mondänsten Badeorte Europas zurück. Zu Zeiten des Kaiserreichs war es eines der begehrtesten Reiseziele. Begünstigt durch das milde Klima entwickelte sich eine exklusive Ferien- und Parklandschaft mit luxuriösen Grandhotels und einer eleganten Villenkultur.

Walzer im Wellness-Schlössl Danach geht’s zur Massage in den Wellnessbereich des Adria Relax Resorts Miramar, wo es auch ein breites Spektrum an Massagen und Beautybehandlungen gibt. Ich habe mich – passend zum Motto „Reisen wie zu Kaisers Zeiten“ – für die Wiener-Walzer-Massage entschieden; kein (Wiener) Schmäh, sondern eine Musikmassage zu den Klängen von Johann Strauss’ „Donauwalzer“. Zum Baden ist die Adria mit 15 Grad noch zu kalt, daher drehe ich meine Runden im 200 Quadratmeter großen Meerwasserinnen- und -außenpool. „Am Hafen steigen vornehme Damen mit großen Hüten und elegant gekleidete Herren mit Spazierstöcken aus einem Dampfschiff. An den Stränden erholen sich die züchtig bekleideten Badenixen und aus dem Parkpavillon hört man die Musik des Nachmittagskonzertes …“ Bildhaft schildert uns Frau Liliana, die Miramar-Vizedirektorin, bei der nachmittäglichen Schifffahrt entlang der Küste von Volosko nach Lovran auf dem restaurierten ehemaligen Fischerboot „Tornado Blue“ die Atmosphäre, wie es sie zur Kaiserzeit gab. Unsere „glanzvollen Tage“ in Opatija vergehen viel zu schnell. Auf der Busfahrt hinauf zum Bahnhof Matulji noch rasch ein Blick zurück und ein Foto in die Bucht. Im Salonwagen des Majestic Imperator Train, wieder vornehm gedeckt, lassen wir wieder die „angenehmen Prozeduren“ über uns ergehen. Der harte Auftritt am Asphalt des Bahnsteiges beim Aussteigen, ohne Teppich, sagte mir: der Alltag und Graz haben mich wieder. O Infos: Tel.: +385 (0) 51/ 28 00 00 www.hotel-miramar.info Vom 26. bis 30. Oktober geht’s mit dem Majestic Imperator Train wieder nach Opatija (899 Euro pro Person). Näheres unter Tel.: 01/ 513 28 81 oder www.imperialtrain.com.

REISEN

Geschichtsträchtige Promenade


R e i sen

Idylle und Erholung im Sporthotel Sonnenhof

Herzlich willkommen im Urlaubsparadies Bayerischer Wald! Der Bayerische Wald, die größte Waldlandschaft Mitteleuropas, besticht durch seine Artenvielfalt in Flora und Fauna. Er gilt als letztes Reservat für wilde und ursprüngliche Natur in Deutschland. Bei Wanderungen in herrlicher Umgebung kann der Besucher viel Schönes entdecken und den Alltag und die Sorgen für eine Weile vergessen. Uralte Bauernhöfe, zahlreiche Kirchen und Kapellen, Wegkreuze und Pestsäulen erinnern an eine weit zurückliegende Zeit.

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ie Gemeinde Sonnen im Passauer Land bietet ihren Gästen neben einer fantastischen Lage auch vielfältige Entspannungs- und Erholungsmöglichkeiten. Und der Name „Sonnen“ hält, was er verspricht: Jahr für Jahr

werden die Gäste hier mit bis zu 1850 Stunden Sonnenschein verwöhnt. In der näheren Umgebung gibt es zahllose Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Durch die verkehrsgünstige Lage sind die beliebtesten Ausflugsziele des Bayerischen Waldes schnell erreichbar. Besuchen Sie die alte Dreiflüssestadt Passau oder machen Sie eine Schiffsfahrt auf der Donau. Am Ortsrand von Sonnen, 8 km von der österreichischen Grenze entfernt, liegt das 4-Sterne-Sporthotel Sonnenhof, das seinen Gästen Spaß und Erholung pur bietet. Entfliehen Sie dem Alltag und genießen Sie ihren Aufenthalt im Sporthotel Sonnenhof mit allen Sinnen. Im hoteleigenen Hallenbad und in der Sauna können Sie sich fit für Ihre Ausflüge

in die Umgebung machen. Außerdem stehen Ihnen ein Ruheraum und ein Solarium zum Entspannen zur Verfügung. Für Ihr Wohlbefinden wurde in diesem Hotel ein AquaBlue-Gerät installiert. So bekommt das Wasser beste Quellwasserqualität, das heißt, Sie duschen und schwimmen in quellreinem Wasser. Im exklusiven Wellnessbereich des Hotels können Sie es sich auf verschiedene Weisen gut gehen lassen: Hier werden Ihnen zahlreiche Beautybehandlungen und Massagen geboten. Bei der Gesichts- Verwöhnbehandlung kommt jeder voll auf seine Kosten. So richtig entspannen kann man sich bei einer Aromaölmassage, sie wirkt ausgleichend, nährend und pflegend.

Foto: stadtdatenbank.de

Urlaub im Bayerischen Wald Gewinnfrage: Bis zu wie viel Sonnenstunden gibt es im Bayerischen Wald?

Sonnen ist der ideale Ausgangsort für Wander­touren. 44

Aber die Gäste werden natürlich auch kulinarisch verwöhnt. Im gemütlichen Hotelrestaurant genießen die Gäste Gerichte aus Bayern und aus aller Welt. Der Tag im Sporthotel Sonnenhof startet mit einem Frühstücksbuffet, das keinen Wunsch unerfüllt lässt, und abends erwartet Sie ein 4-GängeWahlmenü. Regelmäßig sorgen Spezialitätenbuffets für urbayerischen Genuss. Das wunderschöne Restaurant mit 200 Plätzen bietet nicht nur eine angenehme Atmosphäre, sondern auch eine große Sonnenterrasse, die an schönen Tagen zum Verweilen einlädt. Nach einem ereignisvollen Tag können Sie außerdem den Tag mit einem Drink in der einladenden Restaurant-Bar ausklingen lassen. v

n Mitmache Gewinnen

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Zu gewinnen gibt es 2 verlängerte Wochenenden für jeweils 2 Personen, 3 Übernachtungen inklusive Halbpension im Sporthotel Sonnenhof im Bayerischen Wald. Der Gutschein ist einlösbar nach Verfügbarkeit und in Absprache mit dem zuständigen Hotelier, nicht übertragbar und nicht in bar auszahlbar. An- und Abreisekosten gehen zu Lasten des Gewinners. Infos: Sporthotel Sonnenhof Tel.: +49 (0)8584 - 98 00 www.sporthotel-sonnenhof.de Antworten nur an Klipp Zeitschriften, Friedhofgasse 20, 8020 Graz, oder isabella.hasewend@klippmagazin.at

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Jeder kommt auf seine Rechnung … im Sporthotel Wagrain im Salzburger Pongau das ganze Jahr über Die Zeichen stehen ganz auf Frühling – die Nordic Walker, Spaziergänger und Radfahrer sind schon fleißig unterwegs und genießen die Sonnenstrahlen. Auch ich bummle durch die Gassen von Wagrain, einem idyllisch gelegenen Ort im Salzburger Pongau. Wir haben uns für ein verlängertes Wochenende im 4-Sterne-Sporthotel Wagrain entschieden – zu einer Zeit, in der die umliegende Bergwelt noch zum Skifahren lockt, aber die Frühlingssonne auch zu anderen Outdoor-Aktivitäten einlädt.

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a ich heuer noch nicht wirklich viel zum Skifahren gekommen bin, strahle ich fast mit der Sonne um die Wette, als wir die Hänge runterwedeln. Am Vormittag sind die Schneeverhältnisse auch noch ziemlich gut und wir können sogar die Talabfahrt nach Flachau machen. Mit Skifahren hat meine Begleitung weniger am Hut. Sie erkundet lieber den Ort. Und da bietet sich der so genannte „Wagrainer Kulturspaziergang“ an – ein Rundweg auf den Spuren des bekannten österreichischen Dichters Heinrich Waggerl und von Joseph Mohr, der gemeinsam mit Franz Xaver Gruber das Lied „Stille Nacht“ schuf. Nach unserem aktiven Vormittag haben wir uns dann wieder im Hotel getroffen – in der Vitalwelt, einer Oase, in der man sich einfach nur wohlfühlen kann – mit großem Hallenbad, Saunen, Aromakabinen, Dampfbad, Infrarotkabinen, Solarien und Ruheräumen. Und weil Schönheit ja doch nicht nur von innen kommt, gibt’s auch eine Beautyfarm, wo man zahlreiche Kosmetik- und Massageangebote auskosten kann. Apropos auskosten … Vom Skifahren und Spazierengehen hungrig geworden, heißt es beim Abendessen dann so richtig schlemmen. Hhhmmm, beim Gedanken an das „Bauernbuffet“ läuft mir jetzt noch das Wasser im Mund zusammen. Da hat man die Qual der Wahl, bei der abwechslungsreichen Küche des Hauses – ob Gala- oder

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Schlemmermenüs, Candlelight Dinner oder Salat-, Themen- und Nachspeisenbuffets, Köstlichkeiten aus Österreich oder doch internationale Gerichte? Die Entscheidung fällt mir schwer.

Bauch muss weg Und damit sich all die Leckereien nicht allzu sehr auf meine Hüften niederschlagen, geht’s am nächsten Tag zum „Bauch-muss-weg-Training“ mit Helga, einer der ausgebildeten Trainerinnen und Therapeutinnen des Hotels. Wir Frauen achten da ja etwas bewusster drauf und waren beim Training auch unter uns. Doch im Haus sind mir schon einige „männliche Exemplare“ begegnet, die ein Bauch-muss-wegTraining nötig gehabt hätten. Aber möglicherweise haben diese ja im Kraftraum die Hanteln gestemmt

oder sich in der Tennishalle ausgepowert. Dann hätten sie sich – so wie wir – Kaffee und Kuchen an der Bar auch verdient. Und während wir da so sitzen und unseren Gaumen verwöhnen, beobachten wir die Herrschaften in den angrenzenden Räumlichkeiten, die etwas für ihr Köpfchen tun. Verfügt das Sporthotel Wagrain doch über acht mit allen technischen Anforderungen ausgestattete

Isabella Hasewend

vor ort

Seminarräume. Dort sind nicht nur die Voraussetzungen für konstruktives Arbeiten gegeben, sondern stehen den Teilnehmern auch alle Annehmlichkeiten des Hotels zur Verfügung. Und so kommt im Sporthotel Wagrain das ganze Jahr über wirklich jeder auf seine Rechnung. v Infos: Tel. 06413/ 7333 www.sporthotel.at

Global Family Charity Resort „Ich habe nie verstanden, warum Menschen auf Urlaub fahren. Jetzt weiß ich es.“ Felix Berger vom Sporthotel Wagrain ist auch in sozialer Hinsicht sehr engagiert und unterstützt den Verein „Global Family Charity Resort“, der sich bemüht, bedürftigen Familien ein paar schöne und sorgenfreie Tage Urlaub zu ermöglichen. Gegründet wurde dieses ambitionierte Sozialprojekt im Jahre 2007 von Karl Auer. Mittlerweile unterstützen über 70 engagierte Hoteliers aus ganz Österreich das Projekt, indem sie Spendenboxen aufstellen, Charity-Events veranstalten oder Familien kostenlos aufnehmen.

Felix Berger wollte damals zuerst gar nicht, ist nun aber einer der aktivsten Hoteliers und stellt regelmäßig Kontingente für betroffene Familien bereit. Was ihn überzeugt hat? „Zum Muttertag lud ich eine erste Gruppe aus dem Frauenhaus Wien für eine Woche zu uns ein“, erzählt er. „Als der erste Schock der ,wilden Kinder‘ überwunden war

und die Gruppe sich nach ein paar freundlich ermahnenden Worten eingefügt hatte, waren es deren Aussagen, die mein Herz erwärmten. So rief ein Kind etwa voller Begeisterung: ,Das ist hier ja wie im Fernsehen!‘ oder sagte eine Mutter: ,Ich habe nie verstanden, warum Menschen auf Urlaub fahren. Jetzt weiß ich es.‘“ Ein trauriges Detail: Eine der Mütter, die damals mit der Gruppe nach Wagrain mitreisen sollte, ging kurz vor der Abreise noch einmal aus dem Frauenhaus zu ihrem gewalttätigen Mann. Sie hat den Besuch nicht überlebt … Infos: www.global-family.net

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Lifestyl

Hausherr Wolfgang Lichtenegger: Hat viel Kreativität beim Bau des REART einfließen lassen.

In St. Stefan im Lavanttal

an ungewöhnlichem Ort

Von Helmut Dietl und Ines Röll Ein Designhotel, eine Kunstgalerie, modernst ausgestattete Seminar- und Veranstaltungsräume und sogar ein eigenes Kino … – alles unter einem Dach, in einer europäischen Großstadt? Nein, sondern ganz nahe. Nur wenige Kilometer jenseits der Pack, im kärntnerischen St. Stefan im Lavanttal liegt das REART. Ein außergewöhnliches Haus, das einen zum Staunen bringt.

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o früher in der Schlosserei der Familie Lichtenegger handwerkliche Qualitätsarbeit entstand, vereinigen sich nunmehr Kunst und Design. Denn Wolfgang Lichtenegger hat vor gut zwei Jahren genau dort ein Lifestylehotel entstehen lassen. Damit schwimmt der Kärntner Unternehmer kräftig gegen den Strom.

Man gibt am besten „REART, Am Gewerbepark 8“ und „St. Stefan im Lavanttal“ ins Navi ein und lässt sich überraschen – die Technik führt den Besucher und auch uns von Klipp direkt ans Ziel – zu einem außergewöhnlichen Hotel. Schon der Name klingt vielversprechend. REART ergibt sich aus der Wortschöpfung Restaurant und Art.

Gelungene, einladende Meeting Lounge Christopher Zavodnik, Hotelmanager mit viel internationaler Erfahrung, führt seit Sommer 2010 die Designherberge. Und er weiß um die Einmaligkeit des Hauses. „Statt inspirierend wirken viele andere Hotels stereotyp, hier ist es aber komplett anders.“ Und dann erklärt Zavodnik: „Bei uns im REART kann sich sowohl der Geschäftsreisende als auch der Erholungssuchende wohlfühlen, es ist Raum für beide.“ Mit der erst kürzlich geschaffenen großzügigen, 140 m2 großen Meeting Lounge im Obergeschoss samt Sonnenterrasse verfügt das Haus zudem über einen besonderen Ort zum Kennenlernen, Plaudern – Gedankenaustausch. Generell eignet

sich das Haus optimal für Vernissagen, Konzerte oder etwa Weinverkostungen. Und daran sollen – ob der nahen Landesgrenze – auch die steirischen Nachbarn Gefallen finden, fährt man doch auch von Graz nur eine gute dreiviertel Stunde mit dem Auto. „Weil wir gut erreichbar sind, sowohl aus dem Raum Klagenfurt als auch aus dem Raum Graz, und die Atmosphäre passt, haben wir viele Seminargäste“, so Hotelmanager Christopher Zavodnik. Den Gästen stehen dafür mitunter 4 Tagungsräume zur Verfügung.

Cooles Design und gutes Essen Ganz speziell ist aber das hauseigene Kino mit 80 Plätzen und einem eigenen Spielplan. „Zutritt hat da jeder, der ins Kino will“, sagt Christopher Zavodnik. Und die Menschen in und um St. Stefan kennen den kleinen Gewerbepark, wo sich das Hotel befindet. Als auswärtiger Besucher könnte man bei der Ankunft allerdings ein wenig irritiert sein. „Hier soll das sein, zwischen Tischlerei und Druckerei?“, fragen wir uns. Doch mit dem Betreten des REART taucht man in eine andere Welt ein, es werden alle Zweifel wegge-

wischt. So etwas haben wir nicht erwartet: geschmackvolles, modernes, klares Design – und viel moderne Kunst von heimischen Künstlern wie Beppo Pichler, Lisa Huber oder Ralf Röll. Generell strahlt das Ho- „Das Hotel eignet tel etwas Frisches und sich für GeschäftsUnkonventionelles aus. leute und ErhoOb es nun eine Wand mit lungssuchende“, roten Rosen oder überdi- meint Christopher Zavodnik. mensionalen, bunten Andy Warhol – Marilyn Monroes ist, allen Zimmern ist eine gewisse Coolness gemein, die jedoch nie kühl wirkt. „Die ruhigen, gestylten 4-Sterne-Zimmer – keines gleicht dem anderen – sowie eine Wellness-Oase eignen sich aber auch hervorragend für Entspannungswochenenden mit kulinarischen Leckerbissen“, bekräftigt Zavodnik. Man könnte meinen, das REART bietet eine Atmosphäre, die den Gast umhüllt, ja fast gegen die Welt da draußen schützt, das spüren offensichtlich alle, die einmal hier zu Gast waren. v www.lichtenegger-reart.com

Überall wird deutlich, dass der Hausherr ein Freund des Schönen ist und hohe Ansprüche an das Ambiente stellt. 46

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PLAUSCH

Von Head Pro Ali Rosker im Golfclub Erzherzog Johann, Maria Lankowitz Internet: www.golfschule-ali.at, E-Mail: office@golfschule-ali.at

Privatmuseum moderner Kunst als Ruheraum für Hotelgäste

„nitsch raum“ im Krallerhof

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eine Bilder hängen hier im ‚nitsch raum’ des Krallerhofs ganz so wie Monets Seerosen im Musée de l’Orangerie in Paris, meinem seit vielen Jahren großen Vorbild. Ich bin davon, wie meine Werke hier in Szene gesetzt wurden, sehr angetan – nun gibt es auch in Salzburg ein eigenes Nitsch-Museum“, ist Künstler Hermann Nitsch davon begeistert, in welcher Atmosphäre der Krallerhof in Leogang, Salzburg, seine Bilder präsentiert. Ebenso freut sich Genussmensch Nitsch, dass die Betrachtung seiner Kunstwerke hier gänzlich entspannt, vor allem im Liegen erfolgt. Seit der kürzlich erfolgten Eröffnung des „nitsch raum“ laden sieben, teils

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ie Gösser Open, diesmal vom 20. bis 22. Mai, waren immer gut besetzt. Heuer sind sie sportlich gesehen aus österreichischer Sicht ein besonderes Highlight. Hinzu kommt, dass die Alps Tour in den letzten Jahren gewaltig an Image und Qualität dazugewonnen hat, weil immer mehr Spanier, Franzosen und Talente aus anderen Ländern dort Fuß fassen. Auch dass die Alps Tour in Marokko Station macht, zeugt davon.

Open in Maria Lankowitz besonders aufschlussreich sein. Ganz nach dem Motto: „Na denen wollen’s wir zeigen.“ Ganz besonders logischerweise dem Lokalfavoriten Martin Wiegele. Er hat ja das Gösser Open bereits ein Mal gewonnen. „Ich muss eine gute Woche erwischen, damit ich am Ende am Leaderboard ganz oben stehe“, ist Wiegele natürlich Realist aufgrund der starken inund ausländischen Konkurrenz. In Malaysia schaffte er den Cut leider nicht. Bei Redaktionsschluss flog Martin Wiegele gerade nach China, dann geht’s weiter nach Korea, Indien und möglicherweise Mallorca, bevor er sich zu Hause auf die Gösser Open vorbereitet.

Martin Wiegele (li.) mit neuem Sponsor Sven May Way.

I

n Maria Lankowitz wird es sehr eng und heiß hergehen, dafür werden schon die erfolgshungrigen, jungen Österreicher sorgen. Das sind zum Beispiel die beiden Nemecz-Brüder. Der ältere Lukas spielte bereits eine 65er-Runde und Tobias wurde kürzlich in Maria Lankowitz steirischer Meister. Weil er 4 über spielte am zweiten Tag, wollte er schon nach Hause, denn er glaubte, alle seine Chancen verloren zu haben. Doch weil es seinen Konkurrenten noch schlechter ging, gab es ein Stechen, das Tobias (Murhof) mit einem Birdie bereits am ersten Zusatzloch gegen seinen Klub-Kollegen Martin Ziegler für sich entschied.

A

uf seinem Lieblingsplatz Maria Lankowitz hat Martin Wiegele natürlich auch schon ein Hole in One geschafft, dafür sogar ein Auto gewonnen. So gut hat es Helga Kohlbacher nicht erwischt. Aber auch sie spielte ein Hole in One, was für eine 70-Jährige, die vor zehn Jahren erst mit dem Golfen begonnen hat, doch eine tolle Leistung ist. Also jenen, die es noch immer nicht geschafft haben – man darf die Hoffnung nie aufgeben.

Nicht wenig Druck: Er will in Lankowitz der Favoritenrolle gerecht werden.

Z Fotos: www.wellnesshotel.com

überdimensionale, meditativ-ruhige Werke des österreichischen Künstlers von Weltrang die Hotelgäste zum Kunstgenuss genauso wie zum Zur-Ruhe-Kommen in den neuen Ruheraum des Wellnesshotels Der Krallerhof ein. Dieses einzigartige Privatmuseum moderner Kunst wurde von Hotelchef Gerhard Altenberger initiiert, der ein leidenschaftlicher Kunstfreund ist und das vielfältige Schaffen von Hermann Nitsch seit vielen Jahren begeistert verfolgt. O KLIPP April 2011

E

igenlob ist manchmal verdächtig, aber in diesem Fall darf es sein. Der Lankowitzer David Maschutznig – er wird 17, in den letzten beiden Jahren steirischer Meister in der Klasse der unter 16-Jährigen –

V Journalisten-Sieger und OrganisationsTeam in Bad Waltersdorf.

Foto: MurhofGruppe

Freude bei der Eröffnung: Meister Nitsch, Moderatorin Claudia Stöckl und Hotelchef Gerhard Altenberger.

wei weitere große Golf-Hoffnungen kommen aus dem Ennstal, ebenfalls Brüder: Der mittlerweile 16-jährige Matthias Schwab war ja der Shooting Star bei den Austrian Golf Open im September 2010. Dort lag er am ersten Tag ganz im Spitzenfeld, beendete das Turnier auf Rang 32 und wurde damit bester Österreicher. Sein jüngerer Bruder Johannes stehe, so die Golfexperten, dem Matthias, was Talent und Technik betrifft, in keiner Weise nach. Ja, Erfolge, wie der Matthias, kann er noch nicht aufweisen, doch es könnte schon bald sein, dass er ebenfalls groß aufhorchen lässt.

Notiert von Isabella Hasewend

Lukas und Tobias Nemecz wollen bei den Gösser Open auch ganz vorne mitspielen.

erspielte sich bei den offenen Meisterschaften diesmal den sechsten Rang. Auch ihm kann man eine große Zukunft prophezeien. Das tue nicht nur ich als sein Trainer.

D

ie wilden Jungen sind klarerweise alle noch Amateure und daher wird das direkte Aufeinandertreffen mit den Profis bei den Gösser

iele wollen es sich auf der Runde bequemer machen und legen sich daher einen Elektrotrolley zu. Keine ganz billige Angelegenheit, doch nun gibt’s einen Newcomer, der als Gastronomie-Ausstatter – es handelt sich um „May Way“ – österreichweit bekannt ist. Unter dem Namen „May Cad“ steigt das Familienunternehmen nun auch in den Golfsport ein.

S

paß muss sein, vor allem wenn’s zu Saisonbeginn ist: Auf der Anlage in Bad Waltersdorf versuchten Journalisten – es gibt auch etliche gute Golfer darunter – auf Einladung der Thermenregion Bad Waltersdorf in guten Schwung zu kommen. Stark „abgeräumt“ hat das Ehepaar Pertzl (Journal Graz), Waltraud war im Brutto-Sieger-Flight und ihr Mann Fritz war im NettoSieger-Flight. O 47

FREIZEIT

GOLF


urlaubstipps

Foto: Hotel Schneeberg in Ridnaun

Mit Kind und Kegel Südtirol entdecken

Action und Entspannung

Gastgeberfamilie

vom

und vielem mehr, bringen jeden Tag aufs

Aktiv-Urlaubern wird durch die expo-

zu über 15 Golfplätzen in der nächsten

Hotel Schneeberg Resort & Spa im son-

Neue Abenteuer pur. Speziell mit dem

nierte Lage des Alpinen-Lifestyle-Hotels

Umgebung. Nach so viel Action ruft der

nenverwöhnten Ridnauntal in Südtirol

aktuellen Angebot für die ganze Familie

inmitten des Ferienparadieses Alpen-

Wellness & Spa-Bereich. Eine Runde im

hat ein Herz für Kinder: Die Kinder-Was-

steht einem kostengünstigen Familien-

dorf bei St. Johann im Pongau eine Viel-

Hallenbad, ein Saunagang und rein in den

ser-Wellness-Welt mit Kinderdampfbad,

spaß in Südtirol nichts im Wege.

zahl von Sportmöglichkeiten geboten.

kuscheligen Bademantel und relaxen.

Elefantenrutsche und Piratenschiff, der

Infos: Tel.: +39 0472/ 656 232

Von Nordic-Walking- und Biketouren,

Infos: Tel: 06412/ 5231-0

Miniclub mit Bastelecke, Klettergarten

unzähligen Wandermöglichkeiten bis hin

Kruselburger

Urlaubs

www.schneeberg.it

www.hotel-tannenhof.at

Foto: Paul Dahan

Genussvolle Gartenidylle in Zell am See Schwebendes Loslassen im großzügigen

ten, ganzjährig beheizten Outdoorpool

Sole-Dome und ein Ägyptoswickel für die

und einen extravaganten Whirlpool im

jugendliche Straffung der Haut gehören

Freien erweitert. Das Tauchbad im küh-

zum Entspannungsprogramm im Genie-

len Teichwasser ist das Highlight der

ßer- und Wellnesshotel Salzburgerhof

geführten Saunagänge.

in Zell am See. Mit der Erweiterung des Wellness-Schlössls hat Familie Holleis

Infos: Tel.: 06542/ 765

die Oase um einen völlig neu gestalte-

www.salzburgerhof.at

Abkühlung garantiert

Kinderlachen in Kleinarl Die Bewohner des Dorfes Kleinarl am

Foto: : TVB Kleinarl

Rande des Nationalparks Hohe Tauern haben nicht nur ein Herz für die vielen fröhlichen Urlauberkinder, sondern ein ganz besonders großes Herz für kranke Kids, zeigt sich durch deren Unterstützung der ClownDoctors Salzburg. Der

48

Das 4-Sterne-Vital- und Wellnesshotel

Liegeplätzen rund um den Teich, die kos-

Höhepunkt der Charity-Aktionen ist die

Jerzner Hof in Tirol eröffnet im Juli

tenfrei von Hotelgästen genutzt werden

alljährliche Scheckübergabe der Klein-

2011 die diesjährige Badesaison mit

können. Der neu ausgehobene Schwimm-

arler an die ClownDoctors Salzburg, die

neuem hoteleigenem Naturbadeteich.

teich (Fertigstellung Ende Juni 2011) er-

diesmal am 14. August 2011 beim Musik-

Das Teichareal mit einer Gesamtgröße

streckt sich auf insgesamt 260 m .

pavillon Kleinarl stattfinden wird.

von 2.500 m2 verfügt über eine ausge-

Infos: Tel:: 05414/ 85100

Infos: Tel.: 06418/ 206

dehnte Liegefläche mit etwa 30 festen

2

www.jerznerhof.at

www.kleinarl.info KLIPP April 2011


Alles Kastanie, oder was?

Familiensommer im Salzburger Land

Das 4-Sterne-Kastanienhotel hat sich als

nea Beauty- und Wellnesslandschaft, wo

Das Alpendorf – Österreichs Inbegriff ei-

Der Sommer im AlpenSchlössl steht ganz

Hot Spot der Südtiroler Hotellerie etab-

die Gäste mit Massagen, Bädern und Be-

nes Hoteldorfes der Superlative. Mitten-

im Zeichen der Familien-Sparwochen,

liert. Das Thema „Castanea – Kastanie“

handlungen mit der hauseigenen, welt-

drin das neu gebaute AlpenSchlössl der

wobei hier beim Programm nicht gespart

zieht sich wie ein roter Faden durch das

weit einzigartigen Kastanien-Kosmetik

Familie Viehhauser, die ihr großes Herz

wird. Jeder Tag bringt neue Erlebnisse.

Gesamtkonzept. Exklusive Suiten aus

verwöhnt werden.

für Familien immer wieder unter Beweis

Kastanienholz, Küchenzaubereien aus

Infos: Tel.: 0039 /0472/ 855 225

stellt. Jedes Familienmitglied kümmert

Infos: Tel.: 06412/ 40600

sich persönlich um das Wohl der Gäste.

sti pps Kastanien-Rezepturen bis hin zur Casta-

www.unterwirt.it

urlaubstipps

Foto: Taubers Hotel Unterwirt, Archiv SMG, Frieder Blickle

www.alpenschloessl.at

Foto © Inzell

Wellness zwischen Kühen und Pferden Der Naturpark Almenland ist Europas

geworden, die dieses Wohlfühlangebot

größtes zusammenhängendes Almwei-

mitten in der Natur schätzen. Nun, zum

degebiet mit 3.500 Rindern und Pferden,

3. Geburtstag der Almwellness, eröffnet

die die Almen als Lebensraum genießen.

Familie Pierer eine zusätzliche Wellness-

Diese Almidylle wird im Hotel Pierer seit

Welt, draußen auf der Alm.

drei Jahren mit Wellness kombiniert.

Alta Badia auf zwei Rädern Foto: Hotel Sassongher

Das 4-Sterne-Superior-Hotel Sassongher in Corvara erfreut sich großer Beliebtheit unter den Mountainbikern und Roadbikern.

Seither ist das Almwellness Hotel Pierer

Infos: Tel: 03179/ 71 72- 0

zum Anziehungspunkt für Wellness-Fans

www.almurlaub.at

Golfen mit Aussicht auf die Walliser Alpen

Nicht nur Genussradler schätzen die Lage

KLIPP April 2011

des Hotels am Fuße des Sassonghers,

Nicht nur Viertausender, sondern auch

sondern auch trainierte Mountainbiker,

tolle Golfplätze bietet das Wallis. Hoch

die den besonderen Kick suchen. Die Do-

über dem Rhonetal, auf dem Hochplateau

lomitenpässe zählen zu den attraktivsten

von Crans-Montana, am Aletschgletscher

Zielen und Herausforderungen der Biker.

auf der Riederalp, im Trendsportort Ver-

Das Highlight ist sicherlich die „Maratona

bier oder in Obergesteln im Goms – Ab-

dles Dolomites“, die jährlich 8.000 Profis

wechslung und Herausforderung halten

gen. So gibt es einen Golftag „Aletsch“

und Radbegeisterte anzieht.

sich hier die Waage. Aber auch in der Tal-

inkl. Greenfee schon ab 145,– Euro pro

Infos: Tel.: +39/ 0471/ 836085

ebene, nahe den lebhaften Städten Leuk,

Nacht/Person auf der Riederalp.

Sierre und Sion lässt es sich gut abschla-

Infos: www.wallis.ch

www.sassongher.it

Foto: Eppan

49


Bücher Irre! Eine heitere Seelenkunde Manfred Lütz Gütersloher Verlagshaus

D

as Buch ist eine scharfzün­ gige Gesellschaftsanalyse und zugleich eine heitere Ein­ führung in die Seelenkunde. Was ist Depression, Angststörung, Panik, Schizophrenie, Sucht, Demenz und all das, und was kann man dagegen tun?

Menschenhandel – Sklaverei im 21. Jahrhundert E. Benjamin Skinner Bastei Lübbe

S

teinbruchsklaven, Kinder in der Textilindustrie und Zwangspro­ stituierte – obwohl offiziell abge­ schafft, blüht der Menschenhandel überall auf der Welt. Auch im 21. Jahrhundert hat dieses Thema nichts an Aktualität und Brisanz verloren. Der Autor hat Schleusernetzwerke infiltriert, Kin­ derhändler getroffen und mit Opfern gesprochen. Herausgekommen ist ein ebenso mutiger wie er­ schütternder Bericht, der die Schicksale einzel­ ner Opfer beschreibt und die globalen Verstri­ ckungen im Menschenhandel aufdeckt.

Handbuch Weltraumtourismus Martin Kohn Bastei Lübbe

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aumfahrt für jedermann ist heute keine Zukunftsmusik mehr – sie ist Realität! Wer sich auf den Countdown vorbereiten möchte, kommt an diesem Ratgeber nicht vor­ bei: egal, ob man den Trip wirklich plant oder nur in Gedanken verreist. Die fachgerechte Er­ hebung von Gesteinsproben ist nach der Lektü­ re ebenso geläufig wie Sex im luftleeren Raum. Mitarbeiterzeitschriften optimal ­umgesetzt Philip Meier, Stefanie Funkat Orell Füssli

Ehrenwort

CD-Tipps Centao The Look The Wait The Kill Der Blick – Das Abwarten – Das Zuschlagen oder Der erste Augen­ blick – Das lange Warten und Der Tod. Zwei unter­ schiedliche Pers­ pektiven, wie man den neuen Albumtitel von „CENTAO“ interpretieren könnte, und als Spielball dieser beiden Ge­ fühlswelten spiegelt sich auch die Musik des neuen Werkes wider. Rau, hart, angriffslus­ tig, fordernd und auf der anderen Seite emo­ tional gefühlvoll, melancholisch nachdenk­ lich, in Demut zum Leben. Harte treibende Metal- und Rock-Riffs treffen auf Gesangs­ linien, die runtergehen wie Öl und zum Mit­ singen einladen.

Rising From Dawn to Fall Wie Phönix aus der Asche erhe­ ben sich „From Dawn to Fall“ mit ihrem zwei­ ten Werk „Ri­ sing“. Die Band hat die Wut und Aggression des Debütwerkes ab­ gelegt und fokussiert sich darauf, was sie am besten kann – großartige Melodien schrei­ ben und diese in ein Rockgewand verpa­ cken. Songs wie „Broken Heart“, „Rome“ oder „Gossip“ fressen sich derartig in die Gehörgänge, dass sie dort als Ohrwürmer wie Kaugummi kleben bleiben. Sänger Ste­ fan Eckhard weiß seine Stimme perfekt über die ausgeklügelten Songs zu streuen.

50

Ingrid Noll Diogenes in halsbrecherischer Sturz bringt den fast 90-jährigen Willy Knobel ins Krankenhaus. Die Prognosen stehen schlecht, die Ärzte rechnen mit ein paar wenigen Wochen. Trotz der lau­ ten Proteste seines Sohnes Harald setzt dessen Frau Petra es durch, dass der Alte bei ihnen zu Hause gepflegt wird. Lange würde es ja nicht mehr dauern. Dass Max mit seiner Vanille-Pud­ ding-Kur es schaffen würde, den Großvater wie­ der auf Vordermann zu bringen, hätte keiner ge­ dacht.

E

Rechtsberater für Vermieter Anneliese Markl, Christian Markl Linde populär

D

as österreichische Miet­ recht ist aufgrund ständiger Novellierungen eine sehr kom­ plizierte Rechtsordnung – nicht nur Laien stehen den unüberschaubaren Regelungen oft verständ­ nislos gegenüber. Die Autoren, beide Wohn­ rechtsexperten, stellen in ihrem Buch die kom­ plexe Materie kompakt und in einfachen Worten dar – mit Hilfe erklärender Beispiele, grafischer Darstellungen und übersichtlicher Checklisten. Der Vatikan – Geschichte einer ­Weltmacht im Zwielicht Klaus-Rüdiger Mai Bastei Lübbe

D

er Vatikan ist Symbolik für die Politik und Macht der katholischen Kirche. Seit rund 2.000 Jahren nimmt sie ent­ scheidenden Einfluss auf das Leben von Milliarden von Menschen auf der gan­ zen Erde. Aus der Geschichte ist diese Macht nicht wegzudenken, aus der Gegenwart erst recht nicht. Der Vatikan ist Keimzelle größter humani­ tärer Unternehmungen der Menschheit, Hort be­ deutendster Kulturgüter, eine der einflussreichs­ ten Finanzmächte dieses Globus.

D

ie Autoren zeigen, was heu­ te bei der internen Kommu­ nikation „State of the Art“ ist. Anforderungen an moderne Un­ ternehmenspublikationen wer­ den mit zahlreichen und ausführlich diskutierten Beispielen aus der Praxis erläutert. Konkrete Hil­ festellungen und Anregungen sorgen dafür, dass Kommunikationsfachleute das Beste aus sich selbst und ihren Produkten herausholen. Die Verlobung des Monsieur Hire Simenon Diogenes

M

onsieur Hire lebt zurückge­ zogen in einem Pariser Hin­ terhof. Tagsüber vertreibt er sich die Zeit mit kümmerlichen dunk­ len Geschäften, und nachts beobachtet er die jun­ ge sinnliche Alice im Fenster gegenüber. Sie hat einen Freund, doch Monsieur Hire folgt den bei­ den überallhin … Der Untergang der islamischen Welt Hamed Abdel-Samad Droemer

D

er deutsch-ägyptische Politik­ wissenschaftler Hamed Ab­ del-Samad zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand und der Zukunft der islamischen Kultur und wagt eine scharfe zwingende Prognose für deren Zu­ kunft: Die islamischen Staaten werden zerfallen, der Islam wird als politische und gesellschaftli­ che Idee, er wird als Kultur untergehen. Social Media für Unternehmer Claudia Hilker Linde international

S

ocial-Media-Expertin Claudia Hilker zeigt, wie Unternehmer, Geschäftsführer, Fach- und Füh­ rungskräfte die neuen Chancen erkennen und die Potenziale von Social Media für Marketing, Ver­ trieb und PR bestmöglich ausschöpfen. Das Buch präsentiert Best-Practice-Beispiele aus unter­ schiedlichsten Branchen. KLIPP April 2011


Filme

Überschrift, Vorspann, Bildunterschrift Markus Reiter UVK

G

ute Kleintexte sind eine Ein­ ladung an den Leser. Sie ma­ chen ihn neugierig auf den Arti­ kel, der ihn erwartet, und ziehen ihn in den Text. Die Regeln dafür erläutert Mar­ kus Reiter in diesem Buch anhand zahlreicher Positiv- und Negativbeispiele. Seine Tipps sind stets praxisnah und lassen sich im Redaktionsall­ tag gut umsetzen. Hunkeler und die Augen des Ödipus Hansjörg Schneider Diogenes

W

o steckt der Theaterdi­ rektor Bernhard Vetter? Sein Hausboot ist herrenlos beim Stauwehr von Märkt auf­ gefunden worden, von ihm fehlt jede Spur. Und das wenige Tage, nachdem eine Inszenierung von König Ödipus in Basel die Gemüter erhitzt hat – so sehr, dass eine Dame aus der feinen Gesellschaft dem Regisseur des Stücks mit ih­ rem Granatring zwei Zähne ausgeschlagen hat. Komm zurück, Como Steven Winn Page Turner

S

teven Winn und seine Frau Sally versuchen vergeblich, ihrer kleinen Tochter Phoebe ih­ ren sehnlichen Wunsch nach einem Hund aus­ zureden – und bringen eines Tages den kleinen Terriermischling Como mit nach Hause. Como sieht allerliebst aus, aber er entpuppt sich schon bald als frechster Hund Kaliforniens … Mitarbeiter-Zeitschriften: Inhalt, Konzeption, Gestaltung Klaus Viedebantt Frankfurter Allgemeine Buch

D

ie Mitarbeiterzeitschrift bleibt das wichtigste Instrument unter­ nehmensinterner Kommunikation. Der Erfolg der Zeitschrift hängt jedoch maßgeb­ lich von der richtigen Konzeption und Gestaltung ab. Der Autor zeigt, wie man Mitarbeiterzeitschrif­ ten journalistisch und gestalterisch zum Hoch­ genuss machen und effizient einsetzen kann. Solar Ian McEwan Diogenes

M

ichael Beard ist Physiker – und Frauenheld. Er hat den Nobelpreis erhalten, doch ist er al­ les andere als nobel: Im Beruf ruht er sich auf seinen Lorbeeren aus, privat hält es ihn auf Dau­ er bei keiner Frau. Bis die geniale Idee eines Rivalen für Zündstoff in seinem Leben sorgt. In „Solar“ geht es nicht nur um Sonnen-, sondern auch um kriminelle Energie. KLIPP April 2011

miral Drama Darsteller: Freida Pinto, Hiam Abbass, Yasmine Elmasri, Alexander Siddig, Omar Metwally Regie: Julian Schnabel

D

ie junge hübsche Mi­ ral wächst als Schüle­ rin des berühmten Dar-AlTifl-Instituts wohlbehütet und glücklich in Ostjerusalem auf. Ihre Lehrerin Hind legt – ebenso wie Mirals liebevoller Vater Jamal – großen Wert auf eine gute Ausbildung für Mädchen und erzieht ihre palästinensischen Schützlinge zu Menschlichkeit und Gewaltfreiheit. Als Miral erwach­ sen wird und sich in den politischen Aktivisten Hani verliebt, droht sie diese Ideale aus den Augen zu verlieren. Doch Hind kämpft um sie wie um ihre eigene Tochter …  Fotos: Luna Filmverleih

Sanctum (3D)

Abenteuer, Drama

Darsteller: Rhys Wakefield, Alice Parkinson, Christopher Baker, Daniel Wyllie, Richard Roxburgh Regie: Alister Grierson

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s sollte ein unver­gess­ liches Abenteuer werden: Ein Höhlentau­ cher-Team um Frank ­McGuire und Carl Hurley macht sich auf, die größte und zugleich unzugänglichste Höhle der Erde zu erforschen. Doch was als sportliche Herausforderung beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Alptraum. Als ein Unwetter über das Inselparadies herein­ bricht, ist die Gruppe innerhalb kürzester Zeit in den Tiefen der Höhle unter dem Meeresspiegel einge­ schlossen. Bedroht von hereinbrechenden Wassermassen und konfrontiert mit der eigenen aufkommen­ den Angst, nicht zu überleben, suchen die Taucher nach einem Ausweg aus dem Labyrinth … Fotos: Constantin Film Verleih GmbH

giselle Ballett-Aufführung Darsteller: Natalia Osipova, Leonid Sarafanov, Ilya Kuznetsov, Yekaterina Kondaurova

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ufgezeichnet wurde die­ se hochkarätige Produk­ tion im historischen Mariin­ ski Theater in St. Petersburg. Durch die beeindruckende 3D-Technik können Sie Na­ talia Osipova und Leonid Srafanov hautnah erleben und fühlen Sie sich direkt in das Stück hineinversetzt. Das romantische Ballett in zwei Akten erzählt die Geschichte des Bauernmädchens Giselle, dessen immerwährende Liebe zum treulosen Prinzen Alb­ recht über den Tod hinaus geht. 51


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F端r Leser, denen Vordergr端ndiges nicht gen端gt!


Steiermarkmagazin Klipp April 2011