Klipp November/Dezember 2021

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Inhalt

SPOTS

040„Ich will meine Millionen nicht“

Erbin Marlene Engelhorn

Musik der 20er und 30er

050Covergirls: it‘s swing-time 060Politiker als Zeichner

Johann Schleich engagierte sie. Autor von 80 Büchern.

Restaurant ZeitRAUM im „Wilden Eder“ in St. Kathrein

KULINARIK

380Steirische Kern-Kraft

In Ratschendorf werden Kerne zu „grünem Gold“

400„Ich mag Überraschungssackerl“

Lebensmittel retten mittels App

070„... Suppe mit Messer essen ...“

MEDIEN 080 Nur er wagt sich aus Deckung

, Sicher m, beque h isc ökolog

Ex-„Kleine-Zeitung“-Chef Horst Pirker

POLITIK

Bequem – einfach aufdrehen und jederzeit wohlige Wärme zuhause genießen Ökologisch – Wärme aus ökologisch nachhaltigen Energiequellen

Weitere Informationen dazu finden Sie auf www.energie-graz.at

110 Erstmals: Zwei Frauen

regieren die Landeshauptstadt Graz

42 Spiegelbild

KLIPP war jenseits der Grenze in der Thermenregion Pomurje

140Justicia, so? Oder so?

An den Beispielen Christina Jilek und Christian Pilnacek

HINTERGRUND 260„Der Jochen war ein wilder Hund“

Graz verewigt das Renn-Idol mit dem Jochen-Rindt-Platz

STANDARDS 050Klipper 180Lilly 430Buchtipps Medieninhaber und Herausgeber: KLIPP Zeitschriften GmbH & Co KG Waagner-Biro-Straße 100, 8020 Graz Tel. 0316/426080-0 office@klippmagazin.at

320Einzigartig in Österreich

Michis Meeresfische aus Weiz

370Der „Koloss“ vom Graßnitzberg

Nachbarn befürchten exklusive Zweitwohnsitze

KULTUR 190Ein literarischer Blitzableiter

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Kart-Bambini-Champion Carlo Pongratz weiß, wie‘s geht

FREIZEIT

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250 Hyundai IONIQ 5 im KLIPP-Test

Foto: Stadt Graz / Getty Images / Popperfoto

Sicher – die Grazer Fernwärme steht Ihnen 365 Tage im Jahr verlässlich zur Verfügung

240 Aus dem Windschatten heraus

10 Siegfried Nagl als Bürgermeister ist weg – nun auch durch Finanzskandal Mario Eustacchio (FPÖ)

Fernwärme

Saubere Wärmeversorgung für die Stadt Graz

VERKEHR & UMWELT

Nobelpreiträgerin Elfriede Jelinek wurde 75

Officemanagement: Isabella Hasewend Redaktion/Autoren: Jürgen Lehner, Isabella Hasewend, Helmut Dietl, Reinhard Schuch, Alina Kirchmayer, Martina Tosch, Elisabeth Hewson Coverfotos: Heribert Corn (Engelhorn), Stadt Graz / Foto Fischer (Schwentner), Heimo Ruschitz (Griss) Produktionsleitung: Isabella Hasewend Produktion: Christian Wallner Lektorat: L.R. Druck: Dorrong, Graz Abonnentenpreise: Jahresabo: 20 Euro, Zweijahresabo: 35 Euro Vertrieb: Postversand Erscheinungsort: Graz, Verlagspostamt 8020 Graz, P.b.b. Nächste Ausgabe: Jänner/Februar 2022 www.klippmagazin.at

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Geschenksideen von

VÖRÖSMARTY Sackstraße 21, 8010 Graz

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an betritt die Boutique der Familie Prassl in der Sackstraße und spürt auch beim ersten Mal rasch: Hier werde ich das Passende für mich oder als Geschenk finden. Von Accessoires, wie Gürteln, Geldbörsen, über Reisetaschen, bis hin zu Schuhen, Stiefeln, „Bags“ für alle Anlässe – in den aktuellen Formen und Farben dieses Winters – wird alles gezeigt. Schwarz, Grau, Cappuccino, Olivgrün – das sind die Nobelfarben in diesem Winter. Die Schuhe sind vom Erzeuger Handmacher und praktisch in jedem Leder, auch Velours, und in jeder Farbe erhältlich. Was sich der Kunde wünscht, bekommt er. „Unsere Devise ist: qualitätsvolle, aber leistbare Produkte namhafter internationaler Designer“, legt die Familie Prassl großen Wert auf die persönliche Beratung.

Im Dezember freuen wir uns auf Ihren Besuch! 03_Voeresmarty.indd 3

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„Tax-me-now“-Mitglied und Erbin Marlene Engelhorn:

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Sie studiert Germanistik an der Uni Wien und arbeitet als Volontärin bei der Guerilla Foundation, einer Stiftung, die Aktivisten und soziale Bewegungen unterstützt. Und sie ist Teil von „Tax me now“, einer Gruppe von reichen Menschen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, die strengere Regeln für Ihresgleichen fordert: höhere Vermögenssteuer, nationale Erbschaftssteuern, härtere Strafen bei Steuerhinterziehung. „Dieses Geld gehört mir nicht“, sagt Marlene Engelhorn in einem Gespräch mit der Zeitschrift „Die Zeit“ (Nr. 26 / Juni 2021). Sie habe nichts dafür getan, sie habe es nicht verdient, erklärt sie zu ihrem künftigen Erbe. „Es gehört der Gesellschaft und ich möchte es der Gesellschaft zurückgeben.“

Foto: Scheriau

Ihre Großmutter ist Sponsorin des Kulturzentrums Stieglerhaus in St. Stefan/Stainz, eine gelungene Initiative von Schauspieler und TV-Star Gustl Schmölzer.

n diesem Jahr wurde der von SaubermacherChef Hans Roth initiierte rotahorn-Literaturpreis bereits ein Mal vergeben. Nun war die Überreichung des rotahorn-Preises für das Jahr 2021 durch Kulturlandesrat Christopher Drexler und Kulturstadtrat Hans Roth (2.v.l.) mit den Jury-Mitgliedern Günter Riegler bereits für Barbara Frischmuth, Valerie Fritsch und die nächsten Tage fixiert Andreas Unterweger (v.l.). gewesen. Der überfallsartig angesetzte Lockdown machte Initiator Hans Roth einen Gedichtbände, ihre Arbeiten Strich durch die Rechnung – „muss wurden in mehr als zehn Sprachen nun alles absagen.“ Damit gibt’s übersetzt und sie veranstaltet die gleiche Misere wie 2020. audio-visuelle Performances. Die Da gab es wegen des ersten gebürtige Steirerin Freda Fiala Lockdowns auch keine Preisverzog nach Wien, absolvierte dort leihung und Nava Ebrahimi und Studien der Theaterwissenschaft Franziska Füchsl erhielten ihn erst und Sinologie, sowie eine Ausim heurigen Frühjahr. Ein ähnlibildung zur Fotografin an der Akaches Schicksal erleiden nun die demie für Angewandte Fotografie. heurigen Preisträgerinnen Volha Für längere Zeit lebte sie auch Hapeyeva und Freda Fiala. Die in China, Hongkong und Taiwan. belarussische Autorin, ÜbersetzeDerzeit dissertiert sie über zeitrin und promovierte Linguistin war genössischen Tanz und kulturelle auch Stadt-Schreiberin in Graz. Diplomatie in Ostasien. Sie veröffentlichte bislang sechs

Lockdown-Schock

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rger und Frust auch bei den Geschäftsleuten in der Grazer Innenstadt. Man habe Ware eingekauft, alles für das Weihnachtsgeschäft hergerichtet. Für viele bedeutet der Lockdown eine wirkliche Existenzbedrohung. Warum die Regierung seit Sommer nicht entsprechende Maßnahmen gegen die Virus-Ausbreitung getroffen habe, fragt man sich. Aber man dürfe sich mental nicht fertig machen lassen durch die Situation, sonst werde man krank. „Aber selbst die kleinen Geschäfte, die

Foto: Fischer / Holding Graz

Marlene Engelhorn ist eines ihrer Enkelkinder. Die hoch betagte Großmutter, eine gebürtige Wienerin, lebt heute in Lausanne. Ihr verstorbener Ehemann Peter Engelhorn war ein Urenkel des BASF-Gründers Friedrich Engelhorn und Gesellschafter der deutschen Boehringer-Mannheim-Gruppe. Ende der 1990er-Jahre wurde sie an den Schweizer Pharma-Riesen Roche verkauft. Das Forbes-Magazin schätzt heute das Vermögen von Traudl Engelhorn-Vecchiatto auf 4,2 Milliarden US-Dollar. Der Enkelin soll dann eben ein kleiner Teil gehören. Marlene Engelhorn ist in Wien geboren und lebt dort bis heute.

Die Schwestern Isabel und Ulrike mit Eva

Auch rotahorn muss warten

Foto: Heimo Ruschitz

Dem heimischen Schauspieler und TV-Star August Schmölzer ist es gelungen, in St. Stefan ob Stainz – dort wo er herkommt – das Kulturzentrum Stieglerhaus in einem aufgelassenen Geschäftshaus auf die Beine zu stellen. Es gibt starke Resonanz darauf. Erst bei der Eröffnung wurde bekannt, dass es sich bei der Sponsorin um Traudl Engelhorn-Vecchiatto handelt, die August Schmölzer aufgrund einer persönlichen Bekanntschaft davon überzeugen konnte, sein Kunstund Kulturprojekt als Mäzenin zu unterstützen.

Foto: Heribert Corn

arlene Engelhorn ist seit zwei Jahren eine gefragte junge Dame in den Medien. Das Warum ist leicht erklärt. Sie hat vor zwei Jahren erfahren bzw. realisiert, dass sie einmal einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag erben soll. Sie will dieses Geld aber gar nicht haben. Dieses Vermögen kommt von ihrer Großmutter und diese wurde in der Steiermark im Jahr 2017 für ihre Großzügigkeit geehrt und gewürdigt. Genauer gesagt in St. Stefan ob Stainz.

Foto: ladiesandlord

„Ich will meine Millionen nicht“

offenhalten dürfen, so wie Trafiken und andere, ,profitieren‘ nicht davon. Denn die Innenstadt ist zeitweilig wie leer, es bleiben einfach die Besucher aus. Die Menschen sind förmlich aus der Stadt verschwunden“, so Innenstadt-BoutiqueBesitzer Manfred Prassl.

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s setzen auf: it‘s swing-time ben. „Wer einmal von diesem Lebensgefühl infiziert ist, kommt nie mehr davon los.“ Isabel führt das Familienunternehmen, ihre Schwester ist Musik-Professorin und die dritte im Bunde, Eva, ist Inspektorin für Religion in Schulen. Sie alle drei packen kräftig an. „Wir sind mit Bus und großem Anhänger zu unseren Auftritten unterwegs. Wir schleppen vom echten Piano bis zum Nachtkastllamperl und Omas Wohnzimmer-Mobiliar alles für die WohlfühlStimmung auf die Bühne.“

en Novem ber jä der Weltm ännertag – hrte sich zum zweiu nd und niema nertag wir nd hat es b zwanzigsten Mal d ungefäh e r me s o offenen Ba ustelle, od wahrgenommen wie rkt. Der Mäne r der Tag de Zahnspan der Tag d ge dürfte r noch vor ih es Knies, sogar der alle. Der T Tag der m liegen, ag des Kn es ies wurde gefeiert, im übrigens z gibt sie tatsächlich Septembe um ersten r 2004 bei es gab, gla Mal in Gra ein ube ich, zw z ei Wiederh em Orthopädenko das Knie s ngress, olungen. In till geword en, und au zwischen is ch um die t es um Dabei ist d Männer. er Männert ag wichtig ger als de , mögliche r Frauenta rweise sog g. D Bewusstse ar w in des män enn er wurde gegrü ndet, um d ichtinlichen Ge Gesundhe as schlechts it zu schärf in Bezug a en. Bekan um sieben uf seine ntlich sterb Jahre früh en Männe er als Frau ihnen drei r im Schnit en. Die Se Und das Publikum zeigt sich mal höher. In ihrem Programm „It‘s Christmas“ ist „Undercovert lb s tm M o ö o d g rd e li r ra c a h te rbeiten zu erweise le ist bei von der musikalischen Reise girl“ Aaron der „Hahn im Korb“. v b ie e l, n o M der sie sin Geschlech in die gute alte Zeit anged in Wahrh änner zu riskant, t. Die Ursa e chen sind S o z ia lf o rschung n den Expert it das schwächere er Name verspricht viel. tan. Zur perfekten Bühnenoch nicht s e n aus Mediz o richtig k Zwei der drei Covergirls sind Show gehört aber auch eine kosmetische in und Interessan la r. t is t, dass sich familiär mit dem fast 100-jährigen Zeitreise. Und die braucht viel länger als Weltmänn in W ikipedia g ertag find enau sieb (1921 gegründet) Mode-Unternehder Soundcheck. Die 41-Jährige Isabel: en und zu geschätzt en Zeilen m Internati 7 0 zum 0 oder 800 onalen Fra men Hufnagl in Bad Gleichenberg „Allein für die Haare braucht es schon spricht in s Z e il en. Der So uentag olchen un z io verbandelt. Und das macht es eine Stunde.“ Die glamourösen Acceslo ge Walter d anderen schen Main Hollstein Fälle stream in P leichter, im Outfit der 1920- und soires, die Petticoats und Swing-Kleider olitik, Wiss n von einem profem Frauen stä e inistirk n e schaft und r in den Fo 1930er-Jahre (it‘s swing-time) diese findet die Brautmoden-Expertin bei nern könn Medien, d kus rückt. te e V r o a r allem de Musik auf der Bühne zu zelebrieren. internationalen Modemessen. Bei den denn bei ih ber ein wenig Beac n jungen M h tu n ä e nng am Mä „Unser Publikum mag das.“ Covergirls gibt’s mittlerweile acht Kinfühlen sich n läuft es nicht so ru nnertag h elfen, nd. Laut e mehr Män der – könnte durchaus sein, dass einige in ner zwisch er US-Stud wegen ihre en 18 und ie s Geschle Seit zehn Jahren haben sich die später einmal die stattlich angewachse34 im Arb chts diskri ner schne eitsleben miniert als iden beim Schwestern Isabel Tropper und Ulne Garderobe im eigenen Probe- und Frauen. Ju Studium s mit dem V nge Mänchlechter erlust ihre rike Tropper sowie Eva Bacher auf Musikstudio probieren und auch Lust a b s und könne Jo Männer re n später agieren an bs schlechter umge der Bühne dem Swing verschrieauf Bühnenluft bekommen. hen als Fra de für männli uen. che Tugen rs, und Hollstein ford den, denn ert mehr R nehme Arb Männer m esp eiten, die a c h F en auch un ekt rauen nich Hoch- und t machen angeTiefbau, S wollen: M traßenkeh Auch bei B üllabfuhr, ren oder A Ab Jänner 2022 verantwortet Michael Feiertag das Standortmarkeundeshee bwasserre r, Feuerwe gend Män inigung. hr und Rett ting im Steiermark Tourismus. Sprich er muss die weißgrüne Mark ner im Ein ung sind ü s a tz s ic . M h a a n m berwiebraucht sie Männerta auch international bestmöglich ins Rampenlicht stellen. Mit dem g besinne , darauf kö n. nnte man „Herzeigen“ und „ins-Schaufenster-Stellen“ hat der mediengeeichIch schenk e zu te, umgängliche Marketing-Mann viel Erfahrung. In den letzten am nächste m Frauentag gerne B n dritten N Jahren mit keiner einfachen Aufgabe für eine durchaus fordernde ovember S lumen, und wünsch man sich ja e mir c h w o as. Aber F Persönlichkeit, praktisch ein 24-Stunden-Job. Feiertag musste als rauentag h kolade, wünschen d kommen d arf in ie , Männerta neuen Ge Pressesprecher Hermann Schützenhöfer den Steirern „verkaufen“. s und transs g her, jetzt exuellen P chlechter, in Gestalt ersonen, ih von transg gegen Ho nen ist de mo r Internatio ender Mai wird a -, Bi-, Inter- und Tran nale s uf Mensch en hingew phobie gewidmet. A Tag Orientieru iesen, die m 17. ng oder G in ihrer se eschlechts tivität abw xuellen identität v eichen. Es on der He war an de zent der B teronorma r Zeit, den evölkerun n geschätzt g sind betro 270 000 P 0,3 Proffen, in Ös ersonen. W te as schenk rreich imm dertag? Ein t man eige Bli ntlich am T erhin sich über D ck in das Internet k rans lärt auf: Q es ueer peop genin Übergrö sous, Perücken, Pus le freuen h-up Hösc ße, oder a erieben, gerochen, geweint he uch mal üb oder selbs er eine leb n, Damenschuhe thaftende – mit diesen 3-Gs wartet der en Silikonbrü Queer Ma ste. Warum sechte Vagina Steirische Kren als Heilpflanze des rketing ist Heilpflanze des Jahres auch nicht. die etwas andere Bo Das Jahres 2021 auf und ist jede der utique onli ne. Tränen wert, die beim Verreiben an gesundheitsfördernden Foto: Lupi Spuma

Foto: ladiesandlord

Warum fin eigentlich det so wenig Bder Männertag eachtung Am dritt ?

„... immer wieder, immer wieder Steiermark“

Da fließen Freudentränen ... bei so viel 3G

Foto: Barbara Majcan

Foto: Steiermark Tourismus/Bernhard Loder

Foto: Scheriau

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fließen. Denn er dankt es uns mit vielen wertvollen Eigenschaften. Gerade in der kalten Jahreszeit sollte Steirischer Kren wie Salz und Pfeffer auf dem Tisch stehen. Steirischer Kren g.g.A. ist auch ein Superfood, denn er liefert reichlich B-Vitamine und wertvolle Mineralstoffe. Mit dieser Fülle

Eigenschaften hat sich Kren seit Jahrhunderten als altes Hausmittel bewährt. Die scharfe Wurzel wirkt auch durchblutungsfördernd. Wenn Ihnen jetzt die Tränen kommen sollten,dann sind Sie gerade dabei, die 3GRegel zu erleben.

Reinhard S chuch

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Johann Schleich: Gratulation zum 75er

Politiker als Zeichner Ex-Minister Martin Bartenstein: der Türke aus dem Palais Saurau

Johann Schleich engagierte sie. Autor von 80 Büchern.

Peter Schachner: Der Ganssteinmicherl (li.) Anna Rieder: der weiße Hirsch

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er in seinem bisherigen mehr als 70-jährigen Leben 80 – kein Schreibfehler! – Bücher verfasst hat, dem muss recht viel eingefallen sein. Der, von dem die Rede ist, kommt aus Feldbach, war dort als Berufssoldat und Unteroffizier für Versorgung und Verpflegung verantwortlich. Aus dem gesicherten Job heraus entwickelte Johann Schleich eine unglaublich umfangreiche schreiberische Kreativität. Nicht nur, dass er über vier Jahrzehnte in seinem „zweiten

Waltraud Klasnic: Teufel brachte den Schlossberg aus Afrika Alfred Stingl: Mariensäule („Türkensäule“) am Eisernen Tor

Wirtschaftskammer-Präsident Peter Mühlbacher: der Räuberwirt

Horst Freiberger, Marcel Pollauf (AK): Schlangenbeschwörer

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Leben“ auch Regional-Reporter für die „Kleine Zeitung“ war, schrieb er in dieser Zeit auch seine 80 Bücher. Er arbeitete sich, wenn man so will, an der Geschichte der Region und der Steiermark ab. Als Journalist im Nebenberuf hatte er natürlich auch viele Kontakte mit Politikern. Und in diesem Zusammenhang fällt KLIPP ein Buch auf. Als er an seinem Buch „Der Steirische Sagenschatz“ (1999) arbeitete, kam ihm der Einfall, Politiker mögen ihm doch mit von ihnen verfassten Zeichnungen helfen, sein Buch zu illustrieren. Und bekannte Namen aus der damaligen Politik machten gerne mit. Die Kreativität des Schaffens lassen einen heute noch schmunzeln. Und Psychiater würden bestimmt mit interessanten Analysen aufwarten.

Herbert Paierl: Pischelsdorf im Nebel

Autor Johann Schleich: Todesbotschaft für den Kater

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„Wer die Suppe mit dem Messer essen will, ...“

ZeitRAUM-Restaurant im „Wilden Eder“ in St. Kathrein

Messern und Gabeln auf dem Tisch. Um dem entgegenzuwirken haben wir in den Tischen Schubladen mit einbauen lassen. Jeder Gast hat eine eigene Schublade mit Besteck. Das kennt man auch aus Omas Zeiten“, so Stefan Eder und seine Lebenspartnerin Eveline Wild. „Es gibt keine Regeln. Jeder kann das Besteck nehmen, das er gerne möchte. Wenn einer die Suppe mit dem Messer essen will, dann soll er das tun.“ IH

Nagls letzte Ehrung

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in ordentlicher Christ ist Sonntag Vormittag in der Messe“, erklärt Max Taucher beim Rückruf nach einem erfolglosen KLIPPAnruf. Der Anlass für seinen Kirchgang war aber ein besonderer. Sohn Christian ist bei der steirischen Caritas für Marketing und Werbung verantwortlich. Und die Caritas würdigte den Geburtstag ihrer bereits im 13. Jahrhundert verstorbenen Schutzpatronin, der Heiligen Elisabeth. „Der Christian hat dabei die Predigt halten dürfen, hat das gut gemacht und da war ich gern dabei“, so der Vater über den Anlass. Ein anderer erfreulicher Anlass für ihn war die Überreichung des Ehrenzeichens der Landeshauptstadt Graz in Gold des Noch-Bürgermeisters Siegfried Nagl, einer seiner letzten Auftritte in dieser Funktion. Der Grund für die Ehrung: Jahrelang waren die Grazer Dachböden nur dazu da, dass dort Gerümpel lagerte und verstaubte. Bis Ende der 1980er-Jahre findige Hausbesitzer und Experten daraus gefragten

Jeder hat am Tisch seine eigene Bestecklade

Wohnraum für Jungfamilien schufen – natürlich mit einem neuen gesetzlichen Rahmen. „Ich war damals in der Wegraz dafür verantwortlich und da gelang uns viel“, so Taucher. Er selbst bezog dann in der Schubertstraße in Graz eine Dachwohnung mit seiner Familie. Den Antrag, ihm das Ehrenzeichen zu verleihen, hat das Gemeindeforum als überparteiliche Plattform bereits vor sieben Jahren gestellt. Mit seinem Unternehmen PBGES (Projekt-Baubetreuungs- und Immobilien GmbH) hat er unter anderem auch große Projekte – Ansiedlungen von Magna in Ilz, Lannach, Albersdorf – realisiert. Man wollte Prof. Taucher als geschäftsführenden Präsidenten das Ehrenzeichen für seine Verdienste und anlässlich seines 70. Geburtstages überreichen. Dieser dazu lakonisch: „Hat in Graz halt länger gedauert.“ Siegfried Nagl ehrte neben ihn mit dem Ehrenzeichen auch Haubenkoch Didi Dorner, Hundesportclub-Präsident Gerd Weiß, Architekt Eilfried Huth und Chorveranstalter Alfred Hudin. RotkreuzPräsident Gerald Schöpfer bekam den Ehrenring und Lichtungen-Herausgeber Markus Jaroschka wurde Bürger der Stadt Graz (Bilder v.l.).

Foto: Johannes Polt / Fotokuchl

„Hat länger gedauert“

Die Gastgeber Eveline Wild und Stefan Eder

„Alle Jahre wieder zieht der Junker in die Glieder“

Fotos: Stadt Graz / Foto Ficher

Und weil die Zeit im Vordergrund steht, bezahlt der Gast auch nicht für das Essen, sondern nur für die Zeit, sprich pauschal für den Abend. „Man muss sich das so wie ein Event vorstellen. Zeit muss einfach eine Wertigkeit haben. Demnach servieren wir auch keine Gänge mehr, sondern bei uns gibt es eben Momente“, erläutert der Kreativ-Kopf. Für die ersten staunenden Blicke sorgen schon die spärlich gedeckten runden Tische. Besteck? Fehlanzeige! „Die Leute haben oft Respekt vor so vielen

Foto: Andrea Sajben

in Teller voller Kieselsteine raucht, versteckte Besteckladen am Tisch oder schwerelose Süßigkeiten – Überraschungsmomente sind garantiert im neuen Fine-Dining-Restaurant ZeitRAUM im 4-Sterne-Hotel „Wilder Eder“ in St. Kathrein am Offenegg. Alles dreht sich um das Thema Zeit – „das wohl wichtigste Gut für uns Menschen“, wie Stefan Eder bei der Eröffnung erklärt. „Wir wollten einen Schritt weiter als regional gehen, nehmen die Produkte, die wir hier haben und wollen aber auch ein bisschen Kultur mit einfließen lassen – alles was im Laufe der Jahrtausende passiert ist“, erläutert er das Konzept.

Foto: Rene Strasser

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v.l.: LWK-Stmk.-Direktor Werner Brugner, Katrin Dokter, LR Johann Seitinger, Beatrix Luttenberger, Wein-Steiermark-GF Werner Luttenberger, Lisa Müller, Oliver Kröpfl (Steiermärkische Sparkasse).

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atürlich ist es wichtig, dass die Winzer und die Experten den Weinliebhabern die Qualität des neuen WeinJahrgangs mit der Junker-Verkostung präsentieren. Doch ganz unabhängig von der jeweils geschilderten Qualität, in welchem Jahr auch immer, war die Stimmung beim Traditionsevent in der Grazer Messehalle unter den Weinliebhabern stets gut. Sie haben sich nie, auch in diesem Jahr nicht, die Stimmung beim Verkosten „versemmeln“ lassen. Ganz in diesem Sinne scherzte auch Landesrat Hans Seitinger: „Alle Jahre wieder zieht der Junker in die Glieder.“ Nach dem Corona-bedingten Totalausfall im Vorjahr gab es trotz Corona-Maßnahmen heuer eine Verkostung. Mit der Einschränkung, dass nur 700 Besucher – üblicherweise sind es doppelt so viele – im ersten Stock der Messehalle die Gläser klingen ließen. Und sie vernahmen von Weinbaudirektor Werner Luttenberger die Botschaft: „Die Jungweine sind teilweise nicht ganz so frisch wie sonst, sondern schon ein bisschen fülliger und cremiger.“ Für Stefan Potzinger, Obmann von Wein Steiermark, war eines ungewöhnlich: Das Wetter im September und Oktober, das den 21er-Tropfen so vielversprechend macht. November/Dezember 2021 7

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MEDIEN

Nur er wagt sich aus der Deckung

Der Ex-„Kleine-Zeitung“-Chef: „BoulevardMedien werden von türkis angefüttert“

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is 2010 war der gebürtige Kärntner in Graz Generaldirektor der Styria Media Group mit ihrem Flaggschiff „Kleine Zeitung“, die er – nicht von ihm gewollt – mit vielen Baustellen verlassen musste. In dieser Zeit legte er jedoch das Fundament, das die Kleine und den kirchennahen Medienkonzern unter seinen Nachfolgern bis heute erfolgreich bleiben ließ. Als Mehrheitseigentümer der Verlagsgruppe News Medien Holding (VGN) kritisierte er in einem offenen Brief an Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) die österreichische Medienpolitik insgesamt und das Füttern des Boulevard. Vor allem von „Krone“, „Heute“ und „oe24“ der Familien Dichand und Fellner im Besonderen. Im Juni dieses Jahres machte Horst Pirker öffentlich, dass seinem Verlag vom Finanzministerium ein „totaler Inseratenstopp“ verkündet worden sei, nachdem das Magazin „News“ kritisch über die ÖVP berichtet hatte: „So mies geht’s türkis.“ Das Ministerium dementierte logischerweise, aber Pirker bleibt bei den Vorwürfen. Das Ministerium hatte einen unterschriebenen 200.000-Euro-Auftrag storniert. Nur der „Standard“, „Falter“ und „Servus TV“ haben sich in dieser Sache medial engagiert. Die anderen großen Medienplayer der Republik blieben in Deckung. Das Warum überrascht nicht. Pirker kürzlich in einem Interview in der Fachpostille „Journalist:in“: „Ich hab’ mir die Bilanzen der österreichischen Medienhäuser angeschaut. Zieht man das Geld für politische Inserate ab, würden fast alle negativ bilanzieren. Es bliebe kaum jemand übrig, der positiv bilanziert, allenfalls Eugen Russ in Vorarlberg und die ,Kleine Zeitung’ natürlich in der Steiermark und Kärnten. Aber ,Kronenzeitung’, ,Kurier’, ,Österreich’, ‚Heute‘ usw. könnten so, wie sie kostenseitig aufgestellt sind, ohne die Inserate aus Steuergeldern keine positive Bilanz abgeben.“ Es gibt für die gewaltigen Geldflüsse keine nachvollziehbaren Kriterien. Die Gründe für das Ausschütten des Füllhorns aus dem Steuertopf reichen von Sympathie bis Willfährigkeit, ausgehend von reiner Willkür. „Ein Teil wurde immer freihändig vergeben“, so Pirker. In der Ära Faymann begann die politische Geldregen-Strategie über Inserate. In der Ära Kurz erreicht das Polit-Spiel aber Champions-League-Ausmaße. Früher hat ein Bundeskanzler zwei Pressesprecher gehabt. Jetzt wachen 50 bis 100 Kommissa-

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re – über die viel zitierte „Message Control“ – was, wo berichtet, geschrieben oder gesendet wird. Es sei dies der Versuch einer totalen Machtübernahme. Der frühere ÖVP-Sympathisant Horst Pirker: „Die ÖVP ist nicht mehr die ÖVP, sondern die Partei des Herrn Kurz und seiner Freunde oder Familie. Das sind zwei verschiedene Parteien, auch wenn sie im Moment gemeinsam auftreten. Es gibt zwei Szenarien. Das Orbanisierungsszenario, wo die Regeln so verschoben werden – das ist in Ungarn und Polen passiert –, dass ein praktisch bei Wahlen nicht mehr gefährdetes System entsteht. Die zweite Möglichkeit ist, dass das System fällt, mit einer völlig zerstörten ÖVP danach. Was ich nicht für möglich halte, ist, dass sich dieser Weg normalisiert. Weder die Opposition noch die Medien werden in der Lage sein, eine Veränderung herbeizuführen.“ Pirker: „Entweder enden wir in einer illiberalen Demokratie oder das System sprengt sich selber in die Luft.“ Im Ibizia-Untersuchungsausschuss seien Dinge ans Licht der Öffentlichkeit gekommen, beispielsweise die Whatsapp- und SMS-Affären, die eine schwere Belastung für das politische System darstellen. Aber es habe noch nicht gereicht. Zu den Geldflüssen aus der Regierung an seinen eigenen Verlag: Andere größere österreichische Medienunternehmen haben zwischen 10 und 20 Prozent ihres Gesamtumsatzes aus Steuermitteln bekommen. In seinem Verlag war das ein niedriger einstelliger Prozentsatz. „Das ist ein Geldfluss, der unser Handeln nicht beeinflusst, weil er nebensächlich ist. Ich möchte in meinem Leben in zwei Situationen nie kommen: Bittsteller bei der Politik zu sein oder die

Horst Pirker, heute Mehrheitseigentümer der VGN Medien Holding

Politik mindestens implizit zu erpressen, um irgendwelche Brosamen oder Nicht-Brosamen zu kriegen. An diesem Akt der Selbstaufgabe werde ich sicher nie in meinem Leben teilnehmen, da höre ich lieber auf.“

Fakten: Mit 10 Millionen Verlust begann‘s. 2016 ergreift

Horst Pirker seine Chance: Die Bertelsmann-Gruppe wollte sich vom News-Verlag wegen ständiger Verluste trennen. Heute gehören Pirker 75 Prozent der VGN Medien Holding und man schreibt Gewinne. Die restlichen 25 Prozent halten die Fellners. „Die wollen bis jetzt nicht verkaufen.“

109.064.738,76 Millionen Euro So viel haben die Bundesregierungen unter Sebastian Kurz für Inserate ausgegeben. Allein die drei großen Boulevard-Zeitungen haben 46 Millionen Euro bekommen. Offenbar lässt sich so Steuergeld in wohlwollende Berichterstattung verwandeln. Die „Kronenzeitung“ streifte knapp 20 Millionen Euro ein, die mit ihr verwandte Gratiszeitung „Heute“ 13,3 Millionen und die Österreich-Gruppe der Gebrüder Fellner knapp 13,5 Millionen Euro. Gemessen an der Reichweite von 608.000 Lesern ist das mit 21,91 Euro für jeden Leser am meisten.

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POLITIK

Erstmals eine Kommunistin an der Spitze von Graz as hätte sich Landeshauptmann und ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer in seinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen können: Dass er es sein wird, der eine Kommunistin als erste Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Graz angeloben wird und muss und sein Parteifreund Siegfried Nagl ab diesem Tag Polit-Pensionist ist. Nicht nur für Schützenhöfer war es ein historischer Handschlag – auch für die neue Bürgermeisterin Elke Kahr. Schützenhöfers auf Distanz gehende Körperhaltung – zum Teil natürlich auch Corona bedingt – schien das auch für den Beobachter sichtbar zu machen. Noch vor nicht einmal zwei Monaten hatte niemand in der ÖVP damit gerechnet. Diese Stimmung in der ÖVP spiegelte sich auch bei Peter Piffl-Percevic wider, der als ältester Gemeinderat die konstituierende Sitzung bis zur Angelobung von Elke Kahr gemäß dem Protokoll leitete. Aber distanziert. Er wird, wie Schützenhöfer, noch lange brauchen, um das abrupte Ende von Siegfried Nagl zu begreifen und um diesen politischen Hammerschlag zu verdauen. Wenn man Redeausschnitte des chinesischen Präsidenten Xi Jinping hört oder auch welche von Russlands Präsidenten Vladimir Putin,

Nicht nur für ihn ein historischer Handschlag bei der Angelobung

Fotos: Stadt Graz / Fischer

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dann wird einem dabei als „Demokrat westlicher Herkunft“ mulmig. Ganz anders hören sich da Statements von Elke Kahr an, auch eine Kommunistin. Ihre Äußerungen bei der Angelobung waren keine „verbalen Geschosse in Richtung Nicht-Kommunisten“. Und daher akzeptiert. Die frisch gewählte Bürgermeisterin: „Wer hätte gedacht, dass ich die erste Frau im Bürgermeisteramt von Graz werde, noch dazu aus der KPÖ? Wir, die KPÖ, die SPÖ und die Grünen, wollen einen

Erstmals eine Frau an der Spitze in Graz – und noch dazu eine Kommunistin.

Die neue Stadtregierung (v.l.): Robert Krotzer (KP), Kurt Hohensinner (VP), Claudia Schönbacher (FP), Judith Schwentner (Grüne), Elke Kahr (KP), Manfred Eber (KP), Günter Riegler (VP).

neuen Weg gehen. Wir wollen die Menschen zusammenführen und niemanden ausgrenzen. Wir alle sind Graz. Ich werde weiterhin meine Sprechstunden abhalten. Unser Blick auf viele Fragen wird ein Blick von unten sein. Die Stärken unserer Stadt wollen wir in den nächsten Jahren ausbauen. Den Schwächen wollen wir Grenzen setzen. Klimaschutz und Innovation sollen der wirtschaftliche Motor sein. Mit unserer Koalitionsvereinbarung eröffnen

wir ein neues Kapitel. Wir wollen an die besten Traditionen unserer Bewegungen anschließen und Graz sozialer, freundlicher, ökologischer und demokratischer machen. Die gesamte Politik muss an einem Strang ziehen. Wir müssen das Gemeinwohl im Auge haben. Unsere Stadt muss immer eine gute Heimat sein, daran wollen wir gemeinsam arbeiten. Ich werde meine ganze Kraft einbringen.“

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Fotos: Heimo Ruschitz

Teilen das Schicksal: Siegfried Nagl und Mario Eustacchio

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m Oktober sorgte „Kleine-Zeitung“-Journalist Bernd Hecke mit Enthüllungen über geheime Extragagen aus der FPÖ-Klubförderung, sprich Steuergelder, an den Grazer Parteichef Mario Eustacchio und seinen Klubobmann Armin Sippel für helle Aufregung im Funktionärskader und in der Landespartei. Reflex der beiden: Man sei Opfer einer rufschädigenden Kampagne. Rücktritte wurden ausgeschlossen. Man werde die Sache intern aufklären und damit basta. Doch FPÖ-Landeschef Mario Kunasek wusste um die Brisanz solcher „Spesenenthüllungen“, die auch Heinz-Christian Strache letztendlich zu Fall brachten. Er ordnet daher eine Prüfung der Grazer FP-Finanzen durch Rechnungsprüfer an und informiert die Medien. Als dann am 31. Oktober auch andere Medien nachstoßen und von „Zahlungen der Grazer FPÖ an ihre Burschenschaften aus dem Steuertopf“ berichten, ist der Rücktritt der Grazer FPÖ-Doppelspitze Eustacchio/Sippel besiegelt. Einen

Gab‘s noch nie

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Tag später weitete sich die Affäre aus. FPÖ-Finanzreferent Matthias Eder gab zu, im Laufe der letzten Jahre rund 500.000 Euro aus der Klubkassa für persönliche Zwecke abgezweigt zu haben. Seine stärkste Phase hatte Mario Eustacchio als Oppositionspolitiker und mit seinen Attacken auf Bürgermeister Siegfried Nagl. 2009 hatten ihn, den Banker und Quereinsteiger, die FPÖ-Kameraden mit 93 Prozent zum Grazer FPÖ-Obmann gewählt. Weil seine Vorgängerin Susanne Winter mit ihrer Islam-Hetze im Wahlkampf 2008 bundesweit für Aufregung und Schlagzeilen gesorgt hatte. Bei der Wahl 2012 konnte er 15.733 Grazer (13,75 Prozent) für die FPÖ gewinnen, im Jahre 2017 waren es sogar knapp 20.000 Stimmen (15,86 Prozent). Nach der Wahl kam es zu einer Koalition mit Nagl und der „Agenda 22“ als Programm. Es sollte der Anfang vom Ende für beide sein. Vor zwei Monaten bei der Gemeinderatswahl schaffte er dann den Sitz in der Stadtregierung nur noch hauchdünn. Siegfried Nagl wurde bekanntlich auch am 26. September 2021 als Nummer 1 abgewählt, von Neo-Bürgermeisterin Elke Kahr entzaubert. In einer einsamen Entscheidung hatte er – ohne Notwendigkeit – die für das Jahr 2022 planmäßige Wahl vorverlegt und sich damit selbst zu Fall gebracht.

KAGes-Chef Tscheliessnigg „wurde zurückgetreten“

Keine offenen, klaren Worte von LH Schützenhöfer

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as Geschehen ist an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten. Da war den Verantwortlichen seit Wochen, ja Monaten, bekannt, dass KAGesChef Karlheinz Tscheliessnigg nicht geimpft war. Und sie haben das akzeptiert. Auch wenn er sich selbst nie direkt dazu geäußert hat, wie die meisten der Chefitäten in der KAGes und ihren Spitälern. Diese plädieren ja, dass nur noch Mitarbeiter ihren Dienst versehen dürfen, welche die 2G-Regel erfüllen – also Genesene oder Geimpfte. Nur Getestete müssen damit zu Hause bleiben und fürchten den Verlust ihres Jobs. Der Druck auf diese Gruppe von Mitarbeitern ist so groß, dass sich diese „zwangsweise impfen“ lassen. KAGes-Chef Karlheinz Tscheliessnigg ist diese Form der Nötigung erspart geblieben. Durch eine Indiskretion kam seine Impf-Verweigerung an die Öffentlichkeit. Nicht, dass er nicht an die Gefährlichkeit von Corona glaube, er persönlich hatte als erfahrener Herz-Chirurg nur Zweifel, dass die Impfstoffe für ihn die beste Lösung und damit der beste Schutz wären. Er wartete also noch zu auf den schon viel zitierten Tot-Impfstoff, der bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen angeblich noch weniger Risiko in sich trage als Pfizer und Co. Es ist enttäuschend, dass LandesFoto: Werner Stieber

Sich selbst zu Fall gebracht

hauptmann Hermann Schützenhöfer kein klares, offenes Wort zum auch durch ihn erzwungenen Rückzug von Karlheinz Tscheliessnigg gefunden hat. Schon wieder ein Beispiel dafür, dass die ehrliche, offene Information und Kommunikation in Corona-Sachen nicht gegeben ist. Was wäre dabei, wenn Hermann Schützenhöfer den Steirern die „volle Wahrheit“ über den blitzartigen Rücktritt zugemutet hätte? So aber klingt seine Formulierung irgendwie verlogen, wenn er sagt: „Karlheinz Tscheliessnigg war die BESTE Wahl für die Führung der KAGes. Als Vorstandsvorsitzender seit März 2013 hat er in den fast neun Jahren seiner Tätigkeit UNGLAUBLICH VIEL geleistet. Karlheinz Tscheliessnigg wird im Dezember 75. Ich nehme seinen Rückzug mit Respekt vor seiner Lebensleistung und mit meinem Dank für die FRUCHTBRINGENDE ZUSAMMENARBEIT zur Kenntnis.“ Diese „fruchtbringende Zusammenarbeit“ – es gab sie auch seit Beginn von Corona im Jahr 2020, also schon vor knapp zwei Jahren – führte nun dazu, dass der nie pflegeleichte Mediziner von einer Stunde auf die andere „zurückgetreten wurde“. Aber, wie passt dieser „Rauswurf“ mit Tscheliessniggs gewürdigter Lebensleistung zusammen?

Grazer Bürgermeisterin verzichtet auf großen Teil ihres Gehalts

4.300 Euro brutto im Monat stehen – und das 14 Mal im Jahr – einem Grazer Bürgermeister als Gage zu. Mit der neuen Bürgermeisterin Elke Kahr wird sich diese gesetzliche Bestimmung nicht verändern. Doch Elke Kahr setzt auch als Bürgermeisterin ein Zeichen. Sie hat

schon als Stadträtin einen Teil ihres Monatseinkommens in einen Sozialfonds eingezahlt. Diesen gibt es in der KPÖ seit 20 Jahren und bisher wurden zwei Millionen in diesen Topf von den KPÖ-Funktionären einbezahlt. Elke Kahr begnügte sich als Stadträtin mit 1.950 Euro netto.

Künftig wird sie, so hat sie angekündigt, im Monat 2.200 Euro netto für sich behalten. Der Rest ihrer Bürgermeister-Brutto-Monatsgage von 14.300 Euro wandert in den von der KPÖ verwalteten Sozialfonds.

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KLIPP & KLAR Mittun

aus Angst Dfürworter ist vielschichtig. Die

ie Gruppe der Corona-Impfbe-

Überzeugten fürchten keine negativen Folgen. Daneben gibt es auch viele, die anders denken und ticken, aber doch mit tun. Sie lassen sich impfen, weil die Medien es empfehlen – zu ihrem Schutz und Schutz von anderen. Und dann jene, die alles aus Angst tun: angesteckt zu werden und damit zu erkranken, auf der Intensivstation zu landen, sozial ausgegrenzt zu werden, private Kontakte zu verlieren, keine Restaurants, Kinos, Theater, Museen mehr besuchen zu können, diskriminiert zu werden, letzten Endes vollkommen isoliert zu sein, als asozial zu gelten, beschimpft zu werden, als Angsthase zu gelten, als verbohrt, stur und unbelehrbar abgestempelt zu werden, und, und. Auch wenn ich in Vielem nicht übereinstimme, sehe ich als Bürger und als Journalist meine Aufgabe darin, dazu beizutragen, dass die Meinungen, Argumente und Standpunkte auch jener gehört, gelesen und nicht verschwiegen werden. Alles andere wäre bei einem so entscheidenden, die Gesellschaft spaltenden Thema mit meinem Verständnis auf das Grundrecht für Meinungsfreiheit nicht zu vereinbaren. Denn wo der kritische Diskurs fehlt, ist die Zensur nicht mehr weit – und gleichzeitig regiert die Angst, welche, kräftig geschürt durch anhaltende Panikmache, viele Zeitgenossen kopflos macht und absonderliche Blüten treibt.

t i e Str der nicht in , ie t a r k o tie.“ „Eine Dem ist keine DemokScrhmaidt Helmut n wird, gestritte

Bei allem

Wo bitte leben wir?

Diese Frage stellten sich zwei Familienväter, als sie vergangenen Samstag auf der Demonstration gegen die Maßnahmen der Regierung mitmarschierten. Mit mulmigem Gefühl machten wir Demo-Greenhorns uns samt weiteren Freunden auf den Weg nach Wien. Keiner von uns war bislang jemals in Versuchung geraten, sich so etwas anzutun. Die Angst vor Ausschreitungen war groß und mit im Gepäck kreisende Geistesblitze um den fatalen ersten Schuss von West-Berlin 1967, der Mann, welcher sich 1989 den Panzern in der Nähe des Tian’anmenPlatzes in den Weg stellte, etc. Der Wille ein Statement zu setzen, war jedoch stärker, ein Unbedingter. Das kürzlich verkündete Maßnahmenpaket der Regierung hat bei uns, wie bei vielen anderen Menschen eine derartige Bestürzung ausgelöst, dass wir nicht anders konnten. Das ewige Gezerre an unseren Familien und Kindern muss ein Ende haben.

Der offizielle Blick zurück: hunderttausende im Jahr 1938 Quelle: Online-Ausstellung der Österreichischen Mediathek (mediathek.at) Foto: Sammlung Paul Macku

Wir alle wissen, dass es um eine ernstzunehmende Krankheit geht, jedoch verstehen wir die skrupellose Vorgehensweise der Proponenten nicht mehr. Es muss doch schon jedem ins Gesicht strahlen, dass der prä-

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Fakenews: Und das sollen nur 35.000 gewesen sein?

lem was uns heilig ist! sentierte Leuchtturm, der Gamechanger in Form der Impfung das Problem nicht allein lösen kann. Nun haben wir in Wien bei der Demo am Heldenplatz direkt vor Ort mit eigenen Augen gesehen, wie Spaltung und Hetze entstehen und obendrein geschürt werden!

35.000 Menschen sollen es gewesen sein? Einige in unserer Nähe waren schon beim Lichtermeer 1993 dabei. Damals haben 300.000 Menschen eine Lichterkette gegen das Ausländervolksbegehren der FPÖ gebildet. „Der Platz war gleich voll wie heute“, sagten sie. Und wir erleben es heute auch. Rund 1 Stunde und 20 Minuten brauchte der DemoZug, um eine markierte Stelle zu passieren. Auf einer Länge von 100 Metern gehen ca. 600 bis 1.000 Demonstrierende vorbei und bei fünf bis sechs Kilometern Länge kann sich jeder ausrechnen, wie viele Menschen es tatsächlich waren. Auch fielen „zufällig“ die Webcams der Stadt Wien aus, als sich der Platz richtig füllte. Ständig war ein Polizeifahrzeug mit dem laufenden Schriftzug unterwegs, wonach nicht gefilmt und keine Fotos verwendet werden dürfen. Uns wurde schmerzhaft bewusst, dass wirklich alles unternommen, nichts unversucht bleibt, diese friedliche Demonstration ins schlechte Licht zu rücken. Wo bitte leben wir? Die eine Seite darf offensichtlich alles. Lügen, betrügen, diktieren, verzerren, zurechtrücken, erniedrigen, spalten, manipulieren, hetzen ... Man

nutzt jedes Detail für Stimmungsmache. Gleichsam sollen wir einfaches Volk möglichst ruhig sein, wenn man uns, wie Pferden die Zügel anzieht, uns die Daumenschrauben fester dreht, uns wie unseren Kindern die Luft zum Atmen nimmt, Pfleger mit Todesengeln gleichsetzt werden oder ungeimpfte Menschen als „schäbig“ abstempelt?

Nein, bei uns gab es keine Krawalle, keine brennenden Autos und bei so vielen Menschen lediglich 10 Festnahmen in Summe, wobei zum Glück weder Polizisten noch Demonstranten verletzt wurden. Da hat doch jedes

Fußballspiel mehr Polizeieinsätze zu bieten. Diese Demonstration als eine mit wüsten Ausschreitungen sowie Übergriffen auf unsere Demokratie darzustellen ist ein starkes Stück! Von einem internationalen Vergleich zu den Niederlanden kann bitte überhaupt keine Rede sein. Das Gegenteil war der Fall. Wir konnten zugegeben nicht alles überblicken, jedoch konnten wir keine brutalen, radikalen Schläger oder andere Extremisten wahrnehmen, was sich ja auch in den wenigen Verwaltungsdelikten widerspiegelt. Wir haben viele Kinder lauthals mit ihren Eltern um Frieden und Freiheit rufen gehört. Uns persön-

Der offizielle Blick zurück: 300.000 bei der größten Demonstration der Zweiten Republik.

Quelle: Volksgruppen.orf.at, Foto: APA/Schnarr Ulrich

lich hat am meisten erschüttert, als wir am Christkindlmarkt vorbeikamen, wo wir von einigen Leuten aus der 2G-Zone angestarrt wurden. Man kann dieses Gefühl nur schwer beschreiben, doch man ist in Gedanken sofort im dunkelsten Kapitel österreichischer Geschichte. Einigermaßen verwundert waren wir dann aber ehrlich über zahlreiche Demonstranten mit Behinderungen jeglicher Art. Die protestierten, um nicht unter die Räder eines Systems zu kommen, wie man uns erzählte. Offenbar hat man diese Bevölkerungsgruppe auch ganz vergessen. Nein, das ist keine Demokratie mehr, in der wir als aufrechte Menschen uns wohl fühlen. Weihnachten soll sogar für die bösen Ungeimpften, welche an allem Schuld sind, ausfallen. Von den Bürogebäuden am Heldenplatz prangt hingegen in großen Lettern: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Ist das nun wirklich noch so? Das sind mehr als besorgniserregende Zustände und ich möchte und kann nur die Worte Charly Chaplins wiederholen: Macht braucht man nur, wenn man etwas Böses vor hat. Für alles Andere reicht Liebe, um es zu erledigen! Auf der Rückfahrt waren wir positiv gestimmt. Das Gefühl war verflogen, dass wir allein und machtlos wären. Der Alltag kam aber rasch zurück. Bei einer Pause vor einem Gasthaus hieß es: „Ich möchte den 2G-Nachweis sehen.“ Ein Sich-ausgeschlossenFühlen, wie ich es mit meinen 43 Jahren bisher in Österreich noch nie erlebt habe. MM November/Dezember 2021 13

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POLITIK

Justicia, so?

Am Beispiel der Hirschmann-Preisträgerin Christina Jilek

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er „Gerhard Hirschmann Preis für Kritisches Denken“ wurde im Oktober an Ex-Korruptionsstaatsanwältin Christina Jilek verliehen. „Der Rotzbua wird unsere Partei in die Luft sprengen“, warnte der im September 2019 verstorbene Gerhard Hirschmann seine Freunde in der Politik Hermann Schützenhöfer und Christopher Drexler vor Sebastian Kurz bereits 2017. Als die Landesfürsten praktisch mit einem Kniefall alle Macht in der Partei in die Hände des knapp 30-jährigen Senkrechtstarters legten.

Drexler von Kurz fasziniert Vor diesem Hintergrund muss man die erste Preisverleihung des vom Land Steiermark und der Stadt Graz ins Leben gerufenen Preises sehen. Und: Die sechsköpfige Jury mit Alt-Landeshauptmann Franz Voves und Ex-Industrie-Präsident Jochen Pildner-Steinburg hatte es in sich. Denn mit der Grazerin Christina Jilek wurde jene Korruptionsstaatsanwältin (und heutige Richterin) ausgezeichnet, die mit ihrer Arbeit maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Sebastian Kurz aufgrund seiner Aussagen im Ibiza-Untersuchungsausschuss zum Beschuldigten wurde und wenige Tage vor der Preisverleihung als Kanzler aufgrund der Umfrage-Skandals zurücktreten musste. Die Laudatio für die Preisträgerin hielt Kulturlandesrat Christopher Drexler. Dieser hatte in einem Interview mit dem Magazin „Weekend“, ebenfalls wenige Tage vor dem Rücktritt von Sebastian Kurz sich folgend geäußert (Zitat): „Er fasziniert mich in seiner Strukturiertheit und Entschlossenheit. Ich glaube, dass er entlang der Kanzlerpersönlichkeiten in einem Atemzug mit Bruno Kreisky und Leopold Figl zu nennen sein wird.“ Ein offenes Bekenntnis,

aber aus heutiger Sicht bereits eine Fehleinschätzung und ein Tritt ins Fettnäpfchen. Der Zeitpunkt der Preisverleihung hätte delikater, das atmosphärische Umfeld nicht bizarrer und grotesker sein können. Bekanntlich hat sich auch Hermann Schützenhöfer – „wir lassen uns unseren jungen Kanzler nicht herausschießen“ (TV-Pressestunde) – bis zur letzten Stunde schützend vor Sebastian Kurz gestellt. Das Polit-Duo hat beim Festakt in der Aula der Alten Universität in Graz versucht, die Entscheidung der Jury mannhaft hinzunehmen und das Beste aus der Situation zu machen. „Die Jury hat keine bequeme, sondern eine mutige Entscheidung getroffen“, so Schützenhöfer knapp.

Preisträgerin Christina Jilek ist Mit-Initiatorin des Anti-Korruptions-Volksbegehrens. Sie hat als Beamtin und Staatsanwältin ihren Auftrag zu Ermittlungen ernst genommen und ist offensichtlich in den Widerstand gegen Versuche der Einflussnahme und Unterdrückung getreten, sagte sie vor dem Untersuchungsausschuss als Zeugin aus. Sie hat es abgelehnt, unter widrigen Bedingungen ihren Auftrag nur teilweise zu erfüllen und daraus persönlich Konsequenzen gezogen, um sich damit der Ohnmacht einer Mittäterschaft zu entziehen, die da lauten: Postenschacher, Freunderlwirtschaft, politische Intervention und mangelnde Transparenz. Sie hat mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, dass der Schleier in

einer Parallelwelt gelüftet wird. Von Gerhard Hirschmann (siehe Kasten) sagte Schützenhöfer: „Er war süchtig nach dem Widerspruch, war mit seinen Ideen und was er gemacht hat, seiner Zeit voraus.“ Auch was die Einschätzung des vermeintlichen ÖVP-Heilbringers Sebastian Kurz betraf. Christina Jilek zog sich als Staatsanwältin freiwillig zurück und ist heute Richterin in Graz. Gestern Staatsanwalt, heute Richter – sowas ist auch nur in Österreich möglich. Jilek ist keine Heldin per se, hat nie um ihre berufliche Existenz fürchten müssen. Und doch hätte Hirschmann zu Christina Jilek als Preisträgerin zustimmend genickt.

WER WAR GERHARD HIRSCHMANN? E

r verstarb auf einer Zugfahrt von Wien nach Graz am 27. September 2019, 68-jährig, an Herzversagen. Hirschmann hätte im Jahr 1995 nach der Wahlniederlage von

Landeshauptmann Josef Krainer und dem damit verbundenen Verlust der absoluten ÖVP-Mehrheit im Lande (erstmals!) diesem als Landeshauptmann der steirischen ÖVP folgen sollen. Völlig überraschend lehnte er aus privaten Gründen (Scheidung stand bevor) diesen Karrieresprung ab und schlug in der entscheidenden Sitzung des ÖVPParteivorstands Waltraud Klasnic vor. Hirschmann galt damals als Kronprinz von Josef Krainer, war in der steirischen ÖVP einer der Strategen, Visionäre und als geschäftsführender Parteiobmann

auch für das „Modell Steiermark“ verantwortlich.

Klasnic wurde daher 1995 zur Landeshauptfrau gewählt. Hirschmann trat in die Landesregierung ein, aus der er 2003 freiwillig ausschied und als Vorstandsdirektor in die Energie Steiermark wechselte. Der sogenannte „Estag- und Herberstein-Skandal“, den Gerhard Hirschmann ein Jahr später anprangerte, führte zum totalen Bruch mit Waltraud Klasnic und „seiner ÖVP“. Klasnic erzwang Ende 2004 sein

KAMPF DER ELITEN Es ist ein ständiges Tauziehen zwischen der Justiz und der Politik: Die Justiz versucht der Politik eine Macht zu entreißen – nämlich die Unabhängigkeit. Das kann aber gegenüber der Politik nur funktionieren, wenn sie von der Politik auch anerkannt wird, die Justiz, die da unabhängig sein will. In der österreichischen Justiz herrschte

lange eine für die ÖVP günstige Hegemonie. Jahrzehntelang war hier die Dominanz eher konservativer als liberaldemokratischer Werthaltungen typisch. Es war daher für die ÖVP leicht, diesen Umstand als eigenen Schrebergarten zu pflegen. Das gerät nun scheinbar außer Kontrolle. Sichtbares Dokument nach außen war und ist sozusagen der Fall Pilnacek. Er wies

Staatsanwälte an, etwa im Fall des Kaufs der Eurofighter, die Sache zu zerschlagen, wie man auf Wienerisch sagt. Seine Äußerungen wurden von Staatsanwälten geheim aufgenommen und dann nach außen gespielt. Damit wurde erstmals eine Kluft innerhalb der Justiz sichtbar. Es findet offensichtlich ein „Generationenwechsel“ statt. Die Mehrzahl der jüngeren

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Foto: SPÖ Presse und Kommunikation

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... oder so?

Beide leben in Graz mit ihren Familien

Der suspendierte Sektionschef Christian Pilnacek löste VP-Desaster aus

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hristian Pilnacek war der mächtigste Mann im Justizministerium. Generalsekretär, Chef der Weisungssektion, Cheflegist und damit so etwas wie ein Schatten-Minister. Jetzt, da er suspendiert ist, kann er seiner Frau am Wochenende galant beim Einkauf am Kaiser-Josef-Platz den Einkaufskorb tragen. Trotz seines noch nicht rechtskräftigen Freispruchs wegen des Delikts des Verrates von Amtsgeheimnissen trägt er schwer an seinem Schicksal. Denn nicht zuletzt die Umtriebigkeit und Machtbesessenheit des Spitzenbeamten mit den guten Kontakten in die ÖVP haben dazu geführt, dass ÖVP-Minister, aber auch er selbst und auch Johann Fuchs, der Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Wien, also auch ein Aufsichtsorgan, über

Ausscheiden aus der Energie Steiermark.Bei der Landtagswahl am 2. Oktober 2005 trat er daraufhin zum Entsetzen der steirischen ÖVP mit einer eigenen „Liste Hirschmann“ an, schaffte aber den Sprung in den Landtag nicht. Doch Waltraud Klasnic, fünf Jahre vorher bei der Landtagswahl noch als triumphale Siegerin gefeiert, mit Hirschmann als Strategen, erlitt ein Wahldebakel und die ÖVP war erstmals nur noch zweitstärkste politische Kraft in der Steiermark. Mit Franz Voves gab es zum ersten Mal bis 2015 dann einen SPÖ-Landeshauptmann in der Steiermark.

Richter-innen und Richter ist heute von einer parteifernen und halbwegs liberal-bürgerlichen Haltung geprägt. Die Vorstellung von Unabhängigkeit hat dort einen, den Justizalltag bestimmenden, Niederschlag gefunden. Warum die ÖVP so sensibel reagiert: Sie bemerkt, dass die über Jahrzehnte gewährleistete Zugehörigkeit der Justiz zum eigenen Lager

die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwalt (WKStA) Beschuldigte in einem drohenden Strafverfahren sind. Pilnacek hat stets versucht, Spuren seiner Interventionen in Strafverfahren unsichtbar zu machen. Er hat seine Chats stets gelöscht. Aber die Staatsanwaltschaft hat in einem versteckten Ordner geheime Dokumente gefunden, die ihn nun zum Beschuldigten gemacht haben. Möglicherweise hat er nie damit gerechnet, dass ihm ein Staatsanwalt sein Diensthandy einmal wegnehmen könnte. Stand doch der Sektionschef Pilnacek irgendwie über den Dingen. Aber die GoogleApp merkt sich alles und IT-Experten haben jene Dateien wieder aktiviert – darunter auch Verschlussakten, die den suspendierten Sektionschef nichts angehen. Aus ihnen ist ersichtlich, dass Pilnacek – besonders pikant – als Aufsichtsorgan der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwalt den Finanzminister Gernot Blümel, einen Freund von ihm, als Beschuldigten gegen die WKStA berät. Dazu gehört auch eine Vorinformation über die Hausdurchsuchung beim „Gernot“, wie Pilnacek den Finanzminister amikal nennt. Pilnacek spielt also quasi den privaten Strafverteidiger.

eine Dienstbesprechung zurückzuführen, in der Pilnacek einen seiner cholerischen Auftritte hatte. Die Kollegen mögen doch die Ermittlungen in Sachen Eurofighter-Ankauf endlich „daschlagen“, dann werde er in einem anderen Fall ein Auge zudrücken, lautete seine Empfehlung. Was Pilnacek nicht ahnen konnte: Die Dienstbesprechung wurde von einem Teilnehmer der Besprechung heimlich aufgenommen. Davon erfuhren auch die Medien. Damit wurde der Grabenkrieg zwischen Pilnacek und der WKStA praktisch öffentlich. Der vorläufige Schlusspunkt war dann Pilnaceks Demütigung, indem ein Staatsanwalt-Kollege ihm sein Diensthandy abnahm und er sein Büro nicht mehr betreten durfte. Es ist dies einmalig in der Geschichte der österreichischen Justiz und es wurde damit sonnenklar, wem nicht zu trauen war. Nicht rote Netzwerke haben die Justiz unterwandert, wie Kanzler Kurz und die ÖVP wiederholt trommelten, sondern schwarze. Nicht die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft spielte die Akten raus, wie behauptet wurde, sondern ein Sektionschef mit den besten Kontakten in die ÖVP, der sich auch zum erweiterten Kreis der viel zitierten „Familie“ zählte.

Der Hass des mächtigen Sektionschefs auf die ihm formal untergebene Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwalt ist auf

Diese Kontakte nützte Pilnacek auch in einer privaten Angelegenheit. Seine Frau ist Präsidentin des Straflandesgerichts in Graz. Als

schwindet. Die ÖVP betrachtete diese Vergangenheit als natürliche Bindung. Jetzt gibt es sie in dieser Form nicht mehr. Und daraus lassen sich auch die ungustiösen Angriffe auf die Justiz erklären. Plötzlich machen sich Leute um die Unabhängigkeit der Justiz Sorgen, die sich ehedem nicht zu geringsten Gefühlswallungen veranlasst sahen, wenn, wie überall

in Österreich, justizintern erkennbar Günstlingswirtschaft und Postenschacher betrieben wurde. Die Unabhängigkeit der Justiz wird immer dann eingefordert, wenn es zu einem Skandal in der anderen Partei kommt. Dann sollen unabhängige Gerichte das klären. Dann soll die Justiz für die rechtsstaatliche Ordnung wieder sorgen. Betrifft der Skandal die eigenen

solche bewarb sie sich um die Präsidentschaft beim Oberlandesgericht in Graz. Ihr Mann wollte ihrer Bewerbung, was persönlich verständlich ist, Nachdruck verleihen und intervenieren. Dazu erbat er sich von Hermann Schützenhöfers Sohn, der im Justizministerium beschäftigt ist, die Handynummer des Vaters. Zu mitternächtlicher Stunde schrieb er diesem eine Nachricht, in der er darum bat, dass Hermann Schützenhöfer als Landeshauptmann die Bewerbung seiner Frau für das Präsidenten-Amt am Oberlandesgericht in Graz doch unterstützen möge. „Caroline wäre eine Wohltat für die Justiz in der Steiermark.“ In der TV-Pressestunde im Sommer dieses Jahres dazu befragt, stellte der steirische Landeshauptmann jede Intervention in Abrede. Pilnaceks Frau ist in der Folge auch nicht Präsidentin des Oberlandesgerichts Graz geworden. Im Zusammenhang mit der Suspendierung ihres Mannes führte Christian Pilnaceks Frau auch ein Telefonat mit Florian Klenk, dem Chefredakteur der Wochenzeitung „Der Falter“. Die Präsidentin des Straflandesgerichts Graz beendete das Telefonat mit dem stets höflich gebliebenen Chefredakteur mit den Worten: „Schreiben Sie, was Sie wollen, Sie Schmierfink.“ Eine deftige Ehrenbeleidigung. Nicht gerade souverän für die oberste Richterin am Straflandesgericht in Graz.

Reihen, dann wird da von parteiischer Justiz gesprochen. Die Justiz wird also zum Spielball des Geschehens – eine Art Pingpong. Und man geht immer davon aus, dass sie politisch unabhängig agiert, also mit politischer Enthaltsamkeit vollgepumpt ist. Die gibt es aber nicht. Quelle: Auszug aus dem Kommentar von Alfred Noll (Rechtsanwalt und Univ.-Prof.) in der Wochenzeitschrift „Der Falter“

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Fotos: zVg

neue Windräder

Christian Purrer, Martin Graf

Die Rahmenbedingungen für die Energiewende liegen mit dem EAG (Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz) auf dem Tisch. Das Bundesgesetz über den Ausbau der Energie aus erneuerbaren Quellen ist seit 7. Juli in Kraft. Und gleichsam zum Einstieg verkündet das Energie-SteiermarkFührungsduo Christian Purrer und Martin Graf ein Premieren-Projekt. In Gabersdorf in der Südoststeiermark wird die erste außerbetriebliche Produktionsstätte für grünen Wasserstoff gebaut. Diese soll bereits Ende 2022 die Produktion aufnehmen und jährlich 300 Tonnen Wasserstoff erzeugen. „Auch vieles andere läuft schon“, so das Energie-Steiermark-Führungsduo Christian Purrer und Martin Graf. Auf der „To-do-Liste“ stehen für die nächsten fünf Jahre: • 100 neue Windräder • 6 bis 7 neue (kleinere) Wasserkraftwerke • 300 Megawatt für den Ausbau in die Photovoltaik Die Investitionen dafür sind mit 1,2 Milliarden Euro veranschlagt. 600 Millionen

Foto: Lex Kralley

Energie Steiermark: „Sind für Energiewende gut vorbereitet

fließen in den Netzausbau, der Rest eben in den Wasserstoff-, Windkraft- und Photovoltaik-Ausbau. Die große Herausforderung dabei wird die Verfahrensdauer für die einzelnen Projekte sein. Nicht zuletzt im Lichte der jüngsten Meldungen über angebliche Unregelmäßigkeiten und Mängel bei den UVP-Verfahren, also der Prüfung der Umweltverträglichkeit. Als ein Beispiel für die Länge der Verfahren – es dauert bereits sechs Jahre – wird das Projekt für 17 Windräder auf der Stubalpe genannt. Dort werden 85 Millionen Euro investiert. Dieses Vorhaben ist noch immer nicht abgeschlossen. Damit wird man nach Genehmigung für den Betrieb 35.000 Haushalte versorgen können. Die Energie-Steiermark-Chefs hoffen auf einen Start im kommenden Jahr.

neue Kraftwerke

werden. Die alte Netz-Architektur garantierte die Versorgung in eine Richtung – nämlich zum Kunden. In Zukunft müsse die Versorgung in beide Richtungen gewährleistet sein. Ein Beispiel: In der Oststeiermark „warten“ 600 Megawatt, an einem sonnigen Tag „abgeholt“ zu werden. Das vorhandene „Bauernnetz“ ist nicht in der Lage, diese Stromlast zu transportieren. Mit dieser Strommenge könnte man für einen

mehr Photovoltaik

Tag die gesamte Steiermark versorgen – um die Größenordnung zu verdeutlichen. Die Freiflächen für den Ausbau der erneuerbaren Energie gibt es, nur die Kraftwerke stehen meist woanders. Wenn alles so läuft wie geplant, dann sollen der Anteil der Windkraft in fünf Jahren von 5 auf 16 Prozent in der Steiermark anwachsen, die Photovoltaik von 1,4 auf 12,4 Prozent steigen und die Wasserkraft auf knapp 50 Prozent.

Alles freiwillig...

Rund 30.000 Kilometer lang ist das Stromnetz der Energie Steiermark. Sein Ausbau und auch der Umbau ist in den nächsten fünf Jahren unumgänglich, um die geforderte Energiewende wirklich umzusetzen. Die Leitungs- und Versorgungskapazitäten müssen in einzelnen Abschnitten um ein Vielfaches erhöht

Foto: AK Stmk / Radspieler

AK-Präsident Pesserl gegen Impfpflicht

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er steirische Arbeiterkammer-Präsident Josef Pesserl lässt im Interview mit dem ORF aufhorchen: Er spricht sich als erster ranghoher SPÖ-Funktionär gegen die Impfpflicht aus. Es bräuchte ein klügeres Vorgehen, nicht „mit der Keule“, so Pesserl. Man müsse auf die Menschen zugehen und sie für die Impfung gewinnen. Das sei verabsäumt worden.

Foto: Heimo Ruschitz

Dorf im Alleingang gebaut

Im Vorfeld habe er sich keine großen Gedanken gemacht und daher sei die Freude über den dritten Platz umso größer, erklärt Gerhard Seher gegenüber der „Kleinen Zeitung“. „Die Saat ist aufgegangen“, so der Südsteirer, der mit seinem „Handwerkerdörfl“ den dritten Platz bei der ORF-TV-Sendung „9 Plätze – 9 Schätze“ erreichte, eine Genugtuung für die Würdigung seiner jahrzehntelangen Arbeit. Gerhard Sehers Leidenschaft ist im KLIPP Februar/März 2019 nachzulesen.

„S

ie wollen sich heute von mir impfen lassen?“, so die Ärztin in der Impfstraße. Die Impf-Kandidatin: „Nein, ich will nicht. Ich muss. Weil ich sonst meinen Job verliere.“ Darauf die Ärztin: „Sie müssen WOLLEN, denn sonst darf ich Sie nicht impfen.“ Antwort: „Aber ich will ja nicht, sondern ich muss.“ Die Ärztin: „Aber Sie müssen WOLLEN. Ohne Ihr Einverständnis darf ich Sie nicht impfen.“ Darauf die „unwillige“ Impf-Kandidatin: „Also gut. Ich will.“

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Wo stehen wir im Jahre 2040?

Klimaschutz als Job- und Wirtschaftsmotor Bund stärkt Green Tech Valley

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er Green Tech Cluster mit Geschäftsführer Bernhard Puttinger war der erste Mieter im Science Tower in Graz im Jahr 2017. Dort, wo auch das Steiermarkmagazin KLIPP seine Redaktion hat. „Der Hotspot Green Tech wächst und zieht global an. So hat kürzlich CNN im ,Green Tech Valley’ gedreht und sich mit Lösungen auf dem Weg Richtung Klimaneutralität befasst. Raus aus Kohle in Mellach und hin zu 100% erneuerbarem Strom. Österreich zeigt sich hier als Green Tech Vorzeige-Land“, so Bernhard Puttinger beim Besuch von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler im Science Tower in der Smart City. „Klimaschutz ist ein absoluter Job- und Wirtschaftsmotor“, lobt die Ministerin die Zukunft grüner Technologien made im Green Tech Valley. 250 Unternehmen und Forschungseinrichtungen, darunter zwanzig weltweit führende Technologieanbieter, arbeiten hier im Süden Österreichs an Lösungen für

die grüne Transformation. Das führende Ökosystem steht für geballte Innovationskraft auf den Sektoren Biomasse, Solar, Wasserkraft und Recycling, die weltweit zum Einsatz kommen. Der europäische Green Deal bietet enormes Potential für das weitere Wachstum des Green Tech Valley. Rückenwind kommt jetzt auch vom Bund. Künftig wird daher das Klimaschutzministerium als „Gesellschafter“ dem Green Tech Cluster angehören und diesen damit unterstützen und fördern. Weitere Mitglieder des Green Tech Clusters sind die Bundesländer Steiermark und Kärnten, die KWB (Anbieter von Gesamtlösungen für Heizungen), die Andritz AG, die Stadt Graz, Binder + Co. und E-Quadrat Engineering. „Auch die Zahl der Forscherinnen und Forscher wächst kontinuierlich: im Vorjahr waren erstmals mehr als 2.000 Forschende zu verzeichnen, ein Plus von 6,7 Prozent innerhalb eines Jahres“, so Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl.

Gratulanten zum 30-Jahr-Jubiläum der SFG: Bundesrat Christian Buchmann, LH Hermann Schützenhöfer, SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig, Bundesministerin Margarete Schramböck, LR Barbara Eibinger-Miedl und der ehemalige SFG-Geschäftsführer Burghard Kaltenbeck (v.l.)

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ls man die Wirtschaftsförderung des Landes Anfang der 90er-Jahre des vorigen Jahrhunderts aus der Verwaltungsebene der Landesregierung ausgliederte, wusste niemand, ob und wie erfolgreich dieser Weg beschritten wird. Vieles war Neuland und die Politik tat sich schwer, den damals Verantwortlichen in der SFG, sprich Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft, den nötigen eigenverantwortlichen Handlungsspielraum zu gewähren. Heute weiß man, dass diese Entscheidung gefruchtet hat.

Die SFG hat mit ihrem Wirken, wenig beeinflusst durch die Auf und Abs der Politik und deren Konflikte, unaufgeregt gearbeitet. Und damit maßgeblich dazu beigetragen, dass die Steiermark heute in Österreich das Forschungsland Nummer 1 ist. Unter den 278 europäischen Regionen nimmt sie damit einen der vorderen Plätze ein. Damit habe die Steiermark den Fuß in der Tür der Zukunft. Die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes und der Unternehmen

Pöls ist um 192 Silberlinge reicher D

och damit gibt’s keinen Euro mehr – leider – in der Gemeindekassa. Gerfried Kaser, der Kassier der Marktgemeinde Pöls-Oberkurzheim, ist ein aufmerksamer Mann. Bei der Durchsicht alter Aktenbestände stieß er in Pöls auf einen Silberschatz im Besitz der Gemeinde, der aber plötzlich aus den Büchern verschwunden war. Die Sache geht auf das Jahr 1941 zurück, als der damalige Bürgermeister den Landeskonservator von einem Silberschatz-Fund bei Bauarbeiten im Gemeindeamt verständigte. Gefolgsam, wie man zu Nazi-Zeiten war, wurden die 192

Silbermünzen nach Graz geschickt. Doch dann verliert sich die Spur. Der Fund war einer der bedeutendsten Münzfunde der Steiermark. Der Silberschatz geht auf die Zeit des 13. Jahrhunderts zurück, also den Beginn der „steirischen“ Geschichte. Die Pölser wollten nun wissen, was mit den Silberlingen passiert ist. Man beauftragte Peter Koch, den Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft für Geschichte und Archäologie mit den Recherchen. Diese waren recht aufwändig, doch der

Verbleib konnte nun geklärt werden. Im Münzkabinett des Universalmuseum Joanneum ist der größte Teil des Silberschatzes inklusive dem Fundgefäß verwahrt gewesen und dort unentdeckt geblieben. Es ist nun vereinbart, der Bevölkerung der Region um Pöls-Oberkurzheim in einer Ausstellung „ihren Silberschatz“ zu präsentieren.

in Österreich sei essentiell, um den hohen Lebensstandard der Menschen in Österreich zu erhalten. Bundesministerin Margarete Schramböck als Gratulantin verwies darauf, dass man mit der neuen Standort-Strategie Österreich zu einem Top-10-Wirtschaftsstandort transformieren will. Es gelte, dass Österreich für die Zukunft seine Stärkefelder ausbaue, basierend auf einer Stärken- und Schwächen-Analyse. Diese in folgenden Bereichen: Technologie- und Innovationsführerschaft in spezialisierten Sektoren, Nachhaltigkeit als Standortvorteil nutzen durch Green Tech, Green Materials und CO2-arme Produktion sowie der Bereich Life Science und Gesundheit. Arbeitsgruppen werden in sieben Schwerpunkt-Bereichen Ziele und konkrete Maßnahmen erarbeiten – in Zusammenarbeit mit den innovativsten Unternehmen, führenden Expertinnen und Experten, den Sozialpartnern und Interessenvertretungen. Die Präsentation der Strategie erfolgt Ende des Jahres.

Foto: Universalmuseum Joanneum / D. Modl

Im Science Tower (v.l.): KIOTO-SOLAR-Geschäftsführer Peter Prasser, LR Barbara EibingerMiedl, Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, KWB-Geschäftsführer Helmut Matschnig und Green-Tech-Cluster-Geschäftsführer Bernhard Puttinger.

Foto: Hartberger

Foto: Niki Pommer

Landes-Wirtschaftsförderung feiert 30er

Wieder gefunden: Silberschatz aus dem 13. Jahrhundert.

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WIRTSCHAFT

LILLY LOTTERBLUME

• Solche Chats können nie Privatsache sein • Irmgard Griss findet klare Worte über Kurz • Im GAK-Verfahren gibt‘s am Ende eine Anklage – eine ehemalige Buchhalterin

Hallo, meine Lieben! Ich als einfache Frau habe noch nie den Posten aus, zum Nachteil anderer, da an Ex-Magna-Chef Sigi Wolf oder an in meinem Leben gechattet, weiß vielleicht besserer Kandidaten. So sieht Karl-Theodor zu Guttenberg, den ehegar nicht, wie das auf meinem Handy es zumindest der Herwig. Und genau maligen deutschen Wirtschaftsminister, funktioniert. Abernicht, unsereich Freundin, die was Postenvergabe wollten der über gefälschte Dissertation guteseine Freunde hat. Die Frieda hat im- diese so Form der von Hubert. Dem klarerweise Ich weiß weiß nicht, Ute – die alles gerneAllerliebaus. Abgeordnete untersuchen gestolpert war. Steuerbar sollten mer wieder gehört, und sievor geht ja in Österreichs noch immer leid tut, dass die „Cheichprobiert machen sollNeue und mein Und siester ist als ÖVP-Anhängerin auch gegen den Widerstand allemder dieÖVP weiblichen Aufsichtsratsmitaus und ein, dass Grillitsch – anfangs fin“ damals so sangund klanglos isttreue mir da überhaupt keine Hilfe entsetzt, was da durch die Chats von der Grünen, die ihren Koalitionspartner glieder sein. Darauf kam es an, erinnert dabei. Er sagt nur: „Du wirst das gute Chancen gehabt hätte, dem von der politischen Bühne abtreten Ex-Kanzler Sebastian Finanzminisschonen wollten. derzu Verfasder Herwig. Hermann Schützenhöfer zu folgen, ÖVPmusste. schon richtigKurz, machen …“ Unsere Bei ihremErst 60er, dem ihr ter Gernot Blümel und den „Freund der sungsgerichtshof gab grünes Licht Jüngste war so schwer verliebt und hätte er das im Auge gehabt. Nun ist zwei Wochen nach der Wahlzur logiFamilie“ sowie anderen Spitzenfunktioder Handys. jetzt ist es auf einmal über Nacht es klarerweise* vorbei damit. Schon Übergabe scherweise viele Mitarbeiter gratunären an die Oberfläche gekommen ist. aus. Sie tut mir so leid, weil sie sich einmal war Fritz Grillitsch knapp lierten, kam aber keine Stimmung Die Verteidigungslinie, das seien private * All das enthüllen die Chats von Thomas fast wie in ihrer Kindheit bei mir an- vor dem Sprung in die Landesregie- auf. Da war die Trauerarbeit wichtiDinge, die da immer wieder auch von Schmid, die nun der WKStA vorliegen. lehnt und Schutz sucht. Das tut gut, rung, damals noch zu Zeiten von ger. steirischen ÖVP-Spitzen bemüht wird, ist Kurz konnte damals ja auch noch nicht Da gibt‘s wenig zu deuteln, verteidigt aber sie wissen ja, man kann da Waltraud Klasnic. Er habe damals völlig unangebracht, so die Ute. Wenn ahnen, dass all die Chats von Thomas ihn die Ulrike nicht. Monatelang hatte nicht wirklich helfen, sondern kann bereits, so erzählt die Frieda, die Sebastian Kurz davon spricht, ob er Schmid eines Tages in der ÖffentlichSchmid sein Idol Kurz, aber auch dessen nur versuchen, zu trösten. Bei uns in Zusage der damals allmächtigen ein Bundesland aufhetzen soll, wenn keit bekannt werden. Kurz stellte sich damaligen Exekutor, den Kanzleramtsder Nachbarschaft gibt’s auch einisteirischen VP-Chefin gehabt, die bewusst In der Steiermark durfte Gerhard Kurz sich gegen die Katholische Kirche vergesslich, vermutet mein minister Gernot Blümel, und den daDraxler ge türkische Zuwandererfamilien . dann allerdings im Parteivorstand seinerzeit nicht ORF-Lanwendet und diese unter Druck setzen Allerliebster, und antwortete ausmaligen Finanzminister Hartwig Löger Und da haben wir gehört, dass die einen anderen vorschlug, ohne Grildesdirektor werden, er für will, wenn Kurz von getürkten Umfragen weichend, sagte in manchenweil Punkten gedrängt, ihn, Schmid zu bestellen. Und mit ihrer Tochter kürzlich in die litsch darüber zu informieren. VerÖVP-Landeshauptfrau Waltraud gewusst hat, dass seine Partei die Wahlschlicht die Unwahrheit. Unser Jurist nun kommen die direkten Aussagen: Klasnic Türkeium gereist sind, weil sie dort den ständlich, sollte das so stimmen, zu viel und zu viel kampfkosten mehrere Millionen in der Tarockrunde: Derrot Ex-Kanzler „Keine Sorge, du bist Familie.“ „Und wir Bräutigam ausgesucht haben. Und dass der Grillitsch sich zu Klasnics schwarz war. In Kärnten wurde überschritten hat. hat tatsachenwidrig ausgesagt. Er hat er alle brauchen dich“, beruhigte Gernot deren Tochter findet nichts dabei, Verdiensten kaum noch äußerte. ORF-Landesdirektor unter Jörg nichts über die Gespräche mit Schmid Blümel, der heutige Finanzminister seivon der FPÖ. In Wien wurde weil sie ja in* dieser Welt aufgewachundHaider anderen darüber im U-Ausschuss nen Haberer. „Kriegst eh alles, was du er Informationsdirektor Wolfsen ist. Die war ganz freudig aufgeDa heißt es in derunter Einleitung willst“, textete Sebastian Kurz an Schmid. ausgesagt. Schüssel von der ÖVP. Und regt, obwohlAussage, sie ihrenMenschenBräutigam gar Zu Schützenhöfers desgang Verfahrens der WKStA: Demnach Und Schmid bedankte sich untertänigst: wurde erimwieder steirischer nichtdajebetrieben, vorher gesehen Weil dieduFrieda gerade von gibst, Klasnic hat nun hatz werde nachdemhat. Wenn Sebastian Kurz Untersuchungs„Danke, dass mir diese Chance Hösele war ei- ausschuss Landesdirektor unterdiedem roten dann daranAnklage denke, wie niedergehat. Herwig Kanzlerich Kurz mit einer wegen tatsachenwidrig ab Ende mich geredet zu beweisen. Das ist grenzgenial.“ falscherschlagen Zeugenaussage dem jetzt ist, mit dem gemeinsamen Bestreben Was die gerade begeistert: und 2017 nerUlrike ihrernicht engsten Mitarbeiter Landeshauptmann Franz Voves. unserevor Jüngste U-Ausschuss muss, Thomas für die ÖVPkommt, zum die vielen die die sicher untereinander ist, soBussis, der Hubert, ein belese- Mag. Was damitSchmid zum Ausdruck dann rechnen denke ich mir:bemerkt Solche Sorgen der Herwig: Kurz die Türkin der ÖBAG nominieren austauschen. ner Mann. Kein Wunder, dass er viel Alleinvorstand hat mir kürzlich derzuJosef erzählt. habenSebastian die Eltern derhatjungen Bestellung Schmids hinter den Kulissen Gespräche und Telefonate, * über die Vorzüge und Nachteile der geführten Dass Gerhard Draxler von seinem nicht. höchstpersönlich dirigiert. Er hat auch Austausch Und nur zur Zeitschiene: das schrieDemokratie, das All passende Wahl- sowie Jobden alsdiesbezüglichen Journalist was verstehen dafür gesorgt, dass selbst die Aufsichtsdiesem in Abrede ben sich diephilosophiert. jungen Männer im Frühjahr recht Doch mit einem in Chats mussmit und alle jene einesgestellt Besseren räte der ÖBAG, also die Kontrolleure behauptet, nur 2018,scheint noch ehe zurhaben, mit undbelehrt er es einüberhaupt Problem zu hat, er diesei ihn ininformiert, der jeweiligen seines Freundes von ihm, aber nicht darüber hinausgehend einöffentlichen Ausschreibung des demokratiÖBAGdem innerparteilichen Phase jener politischen GruppieDas letzteSchmid, Mal hat mir ja dem Frieda erKanzler,zählt, ausgesucht wurden. Er dachte gebunden gewesen. Postens gekommen war. Sie packelten dass der Jochen Pildner- schen Umgang. Der Hubert denkt da rung zugeordnet haben, die gerade

Steinburg, Präsident der Steiri-

AKTION

an die Zeit zurück, als Klasnic we- dort an der Macht war oder ist. * schen Industrie, nach Wien gehen gen der Energie Steiermark gewaltig soll und dort als Nachfolger von In- Zoff mit Gerhard Hirschmann und Im Klartext heißt das: Der Bundeskanzdustriellen-Präsident Veit Sorger Herbert Paierl hatte. Hösele spielVw Polo Austria, 1.0, 2017, € 8990.ler habe die Unwahrheit gesagt oder vorgesehen ist. Und die Frieda te in dieser Auseinandersetzung Christoph Biro, Chefredakteur der Skoda Spaceback, 75 PS, 2013, € 7990.(sogar) gelogen, als er behauptete, meinte noch, damit wäre er neben eine wichtige Rolle. Heute bezeich- Steirerkrone, zeigt immer wieder, so Skoda Rapid 1.2 TSI, Green Tec, 2013,€ 8490.über Schmids Bestellung nur am Rande dem gut vernetzten Fritz Grillitsch, net er sich selber als „Wut-Bürger“, habe ich der Ute bei der letzten TaPeugeot 3008 HDI/AUTOMATIC, 2015, € 12490.informiert worden zu sein. Aber das ist rock-Runde beim Diskutieren am dem Bauernbundpräsidenten, der wegen der stärker werdenden Poli- noch Audi A6 / Avant 2.0 TDI, 2014, € 14990.nicht alles. Die WKStA wirft Kurz, tikverdrossenheit in Österreich, und Nebentisch zugehört, dass er von ranghöchste steirische Vertreter auf Opel Mokka Cosmo - Allrad, 1.4, 2014, 65000 Km , € 12900.davon weiß auch der Herwig, noch zwei schließt sich dem Kreis jener an, die der Steiermark noch immer wirklich dem Wiener Parkett. In der steiriOpel Mokka 1.6 CdTI – ALLRAD, EZ.2016, 136 Ps, E 13.490.weitere Lügen vor: Er soll auch seine dagegen sogar ein Volksbegehren wenig weiß. Er kommt aus Wien schen ÖVP, so erzählt die Frieda, Opel Crossland X/1.2, EZ.5/2020, 7200 KM,110 PS, E 16700.Rolle bei der Auswahl des ÖBAG-Auf-und überlegen. Schon pikant. Oder perist einsowie Bürgerlicher im alten waren die Funktionäre arg geOpel Grandland 1.6 CDTI, EZ. 3/2018, 51700 KM, 120PS, € 17990.sichtsrats seine Kenntnis einer Sinn vers. Oder auch zum Schmunzeln. des Wortes, tut sich schwer mit neuschockt, als sie nun lesen mussten, R.Rover Sport 3.0TD/V6, 11/2010, 133000 KM,Vollausstattung, € 22900.Hösele äußerte sich in den Medien en Entwicklungen. Daher gefallen dass der Grillitsch sich von einer Fiat Ducato Kastenwagen / 2.0 TDI, 2012, € 8490.Stunde auf die andere total aus der im Sinne wie: „Irgendwann werden ihm auch Typen, die ihm schmeiPolitik zurückzieht. Es waren auch die Regierungsparteien von uns cheln und ihn als einen der Großen für ihn die Aufregungen so arg, dass hören.“ Aber er selbst hat nicht gut und Wichtigen im Lande darstellen. er in Graz bekanntlich wegen Herz- zugehört und die Dinge richtig ana- Mit Oswin Kois verlasse der vielproblemen ins Krankenhaus mus- lysiert, als er im Regierungsbüro in leicht kompetenteste Manager die ste. Alle, mit denen die Frieda über der Grazer Burg die Fäden gezogen große Bühne, streut Biro dem NochGrillitsch gesprochen hat, waren hat. Denn sonst wäre die Landtags- Energie-Steiermark-Chef Rosen. fast traurig, weil der Obersteirer wahl 2005 für Waltraud Klasnic Das zeugt schon von wirklicher auch in den anderen Parteien viele nicht zu einem Desaster geworden, Sachkenntnis, lästert die Ute. Was

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Postenschacher-Vereinbarung falsch dargestellt haben. Einen Vorteil hat die neue Situation für Kurz jedenfalls: Er hat ab sofort die Lizenz, Kois inauch der ganz einstoffiziell skandalgebeutelvor Justizbehörden zu lügen. ist tenden Estag gelungen sei, so derErHerr jaBiro, Beschuldigter eines Strafverfahrens suche seinesgleichen. Wer und unterliegt als solcher nicht mehr denke angesichts des Grünen E heuder Wahrheitspflicht in seinem te noch an die schmutzigenVerfahSchlagren. zeilen von früher? Und die Estag sei

auch profitabel. Zweistellige Millionenbeträge dürfe*das Land Jahr für Ein klares Urteil kommt auch von IrmJahr kassieren, und dass der steirigard Griss, der ehemaligen Präsidentin sche Stromriese keinen Atomstrom des Obersten Gerichtshof, weiß der ins Netz einspeist, stehe ebenfalls Herwig. Kein Richter müsse mehr festauf der Kois’schen Erfolgsliste, stellen, dass Sebastian Kurz zum Kanzler schreibt Biro in der Steirerkrone. ungeeignet sei. Die entscheidenden Letzteres stimme in keinem Fall, Vorwürfe, Anstand usw., seien alle schon hört die Ute aus der Energie-Steiergeklärt. mark-Zentrale von jemandem, der mit Stromhandel zu * tun hat. als männerfeindDie Ulrike will ja nicht lich gelten. Sie ist viel unterwegs im Kois aber überhaupt 31. Warum gehe Justizpalast in Graz, auch inper Wien. März, trauert Biro. Franz Sie zeigt sich verwundert, dass imVoves langkönnteVerfahren ihm da sicher die passende jährigen um den GAK nun Antwort geben, rätEinzige die Uteauf dem Steigerade eine Frau als der Anrerkrone-Chefredakteur. Im Übriklagebank landen soll. Es handelt sich um eine ehemalige Buchhalterin. Diese, gen habe dieser Oswin Kois Handsoschlagqualität hat die Ulrike erfahren, sei schon – ein Charakterzug, vor einmal inimmer einer anderen derJahren heutzutage seltener zu Sache aufist, der will Anklagebank gesessen. finden das Biro-Lob kein Die Korruptionsstaatsanwaltschaft Ende nehmen. Er meint damit hat aber sie nun angeklagt. Prozess vor hoffentlich nichtDerden Sacksollvoller Weihnachten über die Bühne gehen. Energie-Steiermark-Inserate und Auch keine angenehme die zigtausenden EuroSache. dafür,Wie welche die Ulrike bei unserem letzten Plausch die Krone im Laufe der letzten zweivor dem Lockdown im Café Promenaeinhalb Jahre einsackeln konnte, de erzählt hat, will sich die ehemalige ätzt die Ute weiter. Aber wer weiß, so GAK-Buchhalterin aber nicht mir nichts die Ute, vielleicht hat der Nachfoldir nichts ihrem Schicksal ergeben. „Den ger von Kois eine ähnlich lockere Letzten beißen die Hunde“, hat da die Hand beim Geldausgeben, wenn’s Ulrike irgendeinen Schriftsteller-Spruch darum geht, vor allem für sich als hinzugefügt. Mir sagt das wenig. Aber Person guten Wind zu machen. ich habe ja auch gar keine Zeit zum Denn viel will der Tarock-Runde Bücherlesen. Vor allem nicht vor Weihnicht einfallen, als die Ute danach nachten. fragt, was dem Kois so alles gelungen alles sei. Da fielen dann Aber Liebe für die ZeitBegriffe und das wie Murkraftwerk und Photovoltaik-Anneue Jahr, Eure Lilly! lage auf der Firmenzentrale. Doch diese Projekte sollen schon die Vorgänger auf Schiene gebracht haben.

Bis zum nächsten Mal,

Eure Lilly

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KULTUR

Ein literarischer Blitzableiter Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek erhielt Nestroy-Preis

Foto: Martin Vukovits

Aus der Öffentlichkeit ist sie abgetaucht, persönlich ist die Vielschreiberin für ihr Publikum nicht greifbar. Keine andere Schriftstellerin reagiert so schnell und so heftig auf die Verwerfungen der Zeit. Wie eine Seismographin, ein literarischer Blitzableiter, reagiert sie auf gesellschaftspolitische Erschütterungen.

Anlässlich des 75. Geburtstags von Elfriede Jelinek veranstaltete der Interuniversitäre Forschungsverbund Elfriede Jelinek ein künstlerisch-wissenschaftliches Fest für die österreichische Literaturnobelpreisträgerin.

S

ie bedanke sich herzlich und „zwar ganz unironisch, eher melancholisch, weil das Leben bald vorbei ist und das Werk mit ihm gehen wird oder auch nicht“, sagte Jelinek in einer akustischen Einspielung bei der Verleihung des

Nestroy-Preises für ihr Lebenswerk. Sie räumte ein, dass sie bei der Betrachtung ihrer Stücke auf einem Bildschirm manchmal vor Schmerz aufschreie, weil ihr bewusst würde, „dass etwas, was ich geschrieben habe, der Bühne nicht genügt hat.“

„Die Zeit von Kurz ist vorbei”

am Handelsgericht Wien und am Oberlandesgericht Wien. Ab 1993 war sie Richterin am Obersten Gerichtshof und Mitglied des Obersten Patent- und Markensenats. 2007 wurde sie zur Präsidentin des Obersten Gerichtshofes ernannt und hatte diese Funktion bis zur Pensionierung im Jahr 2011 inne.

Irmgard Griss in einem ORF-Interview in der ZIB2

M

it Irmgard Griss gab es erstmals eine Steirerin als Kandidatin für die Präsidentschaftswahl im April 2016. Ihr Antreten bei der Wahl als parteiunabhängige Kandidatin war eine Sensation und ein Signal für die Zivilgesellschaft. Sie hat es letztendlich nicht geschafft – Heinz Fischer blieb im Amt –, auch wenn ihr Abschneiden ungewöhnlich gut für eine Quereinsteigerin war. Griss hatte gleichsam in der Politik „Blut geleckt“ und dockte bei den Neos an, für die sie dann auch im Nationalrat saß (2017 bis 2019). Irmgard Griss wurde als Kind der Familie Reiterer auf dem Bauernhof vulgo Ponigl in Bösenbach, einer kleinen Gemeinde im Bezirk

2004 wurde Elfriede Jelinek mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Die mit der Preisverleihung verbundene „Geldvermehrung“ von rund einer Million Euro ermöglicht ihr ein völlig unabhängiges und ohne auf Kompromisse eingehendes Leben und Schreiben. Am 20. Oktober 2021 wurde sie 75. In Mürzzuschlag geboren lebt sie heute in Wien und München. Einige der Zuschreibungen für Elfriede Jelinek: Textakrobatin, Sprachakrobatin, Feministin, Nestbeschmutzerin und umtriebige Außenseiterin. Als Kassandra der zeitgenössischen Literatur hat Elfriede Jelinek die Übertreibung in ihren Texten und Werken perfektioniert. Sie beschreibt kompromisslos und radikal Zustände unserer Gesellschaft. Sie findet Worte für das Unaussprechliche, bohrt immer tiefer in menschliche Abgründe, beschreibt das,

Deutschlandsberg, am 13. Oktober 1946 geboren. Sie maturierte 1965 an der Bundes-Handelsakademie in Graz. 1970 schloss sie ihr Studium mit der Promotion zum Dr. jur. an der Universität Graz ab. Im Anschluss war sie bis 1975 Assistentin am Institut für Zivilgerichtliches Verfahren der Universität Graz. Von 1976 bis 1978 war sie Konzipientin (Rechtsanwaltsanwärterin) in Wien und legte anschließend die Anwaltsprüfung ab. Dann war sie Richterin am Bezirksgericht für Handelssachen Wien und später

Bei der Nationalratswahl 2019, nach dem Ibiza-Skandal zog sie sich aus der Politik zurück, ist aber nach wie vor eine gefragte Interviewpartnerin für brisante politische Themen. Auf die Frage von Armin Wolf in der ZIB am 18.10.2021, was sein werde, wenn bei den Ermittlungen gegen den zurückgetretenen Kanzler Sebastian Kurz nichts herauskomme, ob er als Bundeskanzler wieder kommen könne. Wolf: „Sehen Sie das auch so?“ Griss: „Nein, ich halte das für völlig ausgeschlossen. Wolf: „Weil?“ Griss: „Und zwar - das Strafrecht kann ja nicht die äußerste Grenze sein. Also wenn jemand

worüber andere lieber schweigen – ob jetzt mehr politisch oder prophetisch. Die meisten Verwerfungen in unserer Gesellschaft lassen sich auf Eifersucht, Neid zurückführen. „Wenn man das weiß“, so sagte sie in einem Interview, „dann hat man in groben Zügen alles vor sich aufbereitet. Man kann diese Dinge auch auf die kompliziertesten Vorgänge legen und wird immer auf dieses Schema oder Muster kommen.“ Nach ihrer Preisverleihung meinte Elfriede Jelinek: „Sprechen und schreiben, was man will, ohne finanziellen Druck, ist extrem wichtig.“ Zumal sie auch eine Vielschreiberin ist. Ihre Stücke sind eine Bestandsaufnahme der Welt aus den Fugen, der Profitgier, der Gewalt, der Ausbeutung. Selbst das aktuelle Thema der Corona-Pandemie kommt in ihrem neuesten Stück vor. Das Schreiben hat sie einst gerettet, erklärte sie in einem Interview vor der Nobelpreisverleihung. Als Kind hat sie fünf Instrumente gelernt. Der Wächter über ihre Disziplin war die Mutter, mit der sie eine „Hassliebe“ verbunden hat. Die Mutter stirbt im Jahr 2000. Die Liste ihrer Buch- und Bühnenerfolge ist von gewaltigem Umfang. Ein Blick ins Internet unterstreicht das mehr als deutlich. keine Vorstrafen hat, also nicht im Strafregister irgendwas eingetragen ist, dann - er muss natürlich Qualifikationen mitbringen - aber von seiner Integrität her ist er schon geeignet, ein höchstes Amt im Staat auszuüben? Das kann doch nicht sein. Ich finde, das ist ja auch die Selbstachtung von uns Bürgerinnen und Bürgern, dass wir sagen, wir wollen doch nicht in einer Spitzenposition jemanden haben, der mit solchen Mitteln an die Macht gekommen ist. Und dass er mit Mitteln an die Macht gekommen ist, die ein anständiger Mensch jetzt als nicht passend und als nicht akzeptabel ansieht, das ist klar.“ Griss zu den Chatnachrichten: „(...) Menschen, Leute, die solche Positionen im Staat erreichen wollen, die müssen auch anständig sein. Und was man tut und was man nicht tut, das ist klar. Aber an die müssen doch moralische Maßstäbe angelegt werden. Und nicht nur: Strafbar hat er sich nicht gemacht. Das ist doch zu wenig.“ November/Dezember 2021 19

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Franz Wuthes Betrieb ist seit 42 Jahren =15.330 Tage rund um die Uhr geöffnet

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amit ist der Kfz-Meister mit seinem Pannen- und Bergedienst wahrscheinlich „Europameister“. „Die absolute Voraussetzung dafür ist, dass du so etwas gerne machst und auch die entsprechenden Mitarbeiter dafür hast. Sonst funktioniert die Sache nicht“, bemerkt er. „Ich löse einfach gern Probleme.“ Und das war auch der Auslöser für die Gründung des Verbands der Berge- und Abschleppunternehmen (VBA) Österreich im Jahre 2008. „Gemeinsam sind wir stärker und damit wird auch unsere Stimme gehört“, erklärt Initiator Franz Wuthe. „Bis dahin hat sich keiner um unsere Anliegen gekümmert.“ Man entschied sich damals für eine Kooperation mit der Deutschen Akademie für Bergung und Abschleppen (TABA) in Wuppertal. Der VBA Österreich zählt gewerbeübergreifend mit seinen Kfz- und Abschleppunternehmen rund 100 Mitglieder und ist in jedem Bundesland vertreten. „Wir leisten unsere Arbeit an den Schnittstellen zwischen den Einsatzorganisatio-

nen, Polizei und Feuerwehr und Behörden und Versicherungen. Bei den VBA-Betrieben besteht eine 24-Stunden-Dienstbereitschaft“, beschreibt Wuthe eine wesentliche Voraussetzung. Der VBA Österreich hat nun für seine Mitglieder ein eigenes Gütesiegel eingeführt.

Berge-Übung bei einem Seminar

Franz Wuthe machte sich mit 1. Oktober 1973 als Mechanikermeister selbstständig. Vorher war er in der Versuchsabteilung im Puchwerk Graz-Thondorf tätig. Sein erster Standort war in der Heinrichstraße, wo er eine Tankstelle übernahm. 1979 übersiedelte er an den Karlauergürtel und seit damals ist der Betrieb täglich rund um die Uhr geöffnet. Im Unternehmen gibt es – leicht schwankend – 25 Mitarbeiter. Darunter sind Fachkräfte, die besonders fürs Abschleppen, Bergen und Räumen regelmäßig geschult werden. Seit dem Jahr 1979 ist sein im Jahr 1973 gegründeter Betrieb in Graz keinen einzigen Tag geschlossen gewesen. Seit 2003 ist sein ATSW

24 h Service offizieller Abschleppdienst für die Stadt Graz. „Wir konnten die internationalen Ausschreibungen stets für uns entscheiden.“

Präsident Franz Wuthe (li.) mit Kollegen vom deutschen VBA: „Schulungen fürs Abschleppen unerlässlich“

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SMART CITY

Der Science Tower ist die Landmark in der Smart City. Nun fährt auch die Straßenbahn dort.

Die Smart City ist eine Botschaft

Mario Müller

Eigentümer Hans Höllwart

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ie Baukräne, die Bauzäune, Baufahrzeuge, Bagger, die Leitungsmonteure, die Pflasterer, die Betonierer, die Rohrverleger, und, und – sie alle werden weniger und geben die Straße frei. Für die bevorstehende Jungfernfahrt der neuen Straßenbahnlinie in die Smart City in Graz. Rundum ist noch vieles im Entstehen. „Wir befinden uns in einem Intermezzo. Das Finale wird es dann 2024 geben“, zeigt sich Science Tower-Ideengeber Mario Müller doch recht zufrieden. „Das Projekt Smart City ist mehr als eine Transformation von Industriegebieten. Smart City ist eine Botschaft, dass jeder Teil in einem Austausch von einander lernt, was man richtig und falsch macht.“

Die Idee dazu entstand im Rahmen von Forschungsprojekten im Jahre 2010. Die SFL-Unternehmensgruppe des Eigentümers Hans Höllwart betrieb unter der Leitung von Mario Müller in Stallhofen Fassaden- & Gebäudetechnik-Forschung zur Nutzung von erneuerbaren Energien. „Der Gedanke war, ein Kompetenzzentrum für Gebäude der Zukunft in der Stadt zu schaffen“, so Mario Müller. Die Architektur für das Stadtquartier – völliges Neuland für Graz und Österreich – entwickelte der Kreativ-Kopf Markus Pernthaler. „Wir wollten einen 70 Meter hohen Turm bauen“, spricht der Science Tower-Ideengeber über die Anfangspläne. Im Grazer Stadtplanungsbüro sagte man Nein. Das Projekt wurde radikal gestutzt

auf 45 Meter Höhe mit Büro- und Laborflächen. Darüber weitere 15 Meter Fassade und Dachgarten. Im September 2017 konnte dann SFL-Eigentümer Hans Höllwart nach kräfteraubendem Tauziehen mit der Grazer Stadtbürokratie und Verspätung endlich die Eröffnung feiern. Der Startschuss für die Smart City war damit geglückt. Der Science Tower, ihr Landmark, das weithin sichtbare Zeichen, ist das Fotomotiv dafür. „Der Tower mit dem Roof Top Farming an seiner Spitze ist ein Living Lab. Mit ihm will man die Erkenntnisse gewinnen, was mit einer smarten Fassade und mit der generellen Bereitstellung von dezentraler thermischer und elektrischer Energie möglich ist“, so Mario Müller. Worauf der Physiker wert legt: „Der Turm wird

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achtzigzehn | Foto: © Philipp Podesser | BEZAHLTE ANZEIGE

Ideengeber Mario Müller vom Science Tower: „Ist mehr als die Transformation von Industriegebieten“


Fotos: Stadt Graz / Foto Fischer

SMART CITY

Die zweite neue Tram erschließt den neuen Stadtteil Reininghaus

nicht geheizt, sondern konditioniert. Es gibt im Turm keine Hochtemperaturquelle. 200 Meter tiefe Bodensonden tauschen über eine Wärmepumpe die Energie mit dem Tower. Im Sommer wird dem Turm Energie entzogen und im Erdreich gespeichert – im Winter über den natürlichen Wärmespeicher aus dem Boden wieder eingebracht. Es handelt sich um einen Wärme-Pendelspeicher mit Rückgewinnung der sommerlichen Wärme.“

Über ein Notstromaggregat im Tiefgeschoß ist der Science Tower bisher das einzige Gebäude in der Smart City, das im Falle eines Blackouts über mehrere Tage autark weiter betrieben werden kann. Beim Blick aus dem Turm wird Mario Müller nachdenklich: „Noch gibt es zu viel Bauwüste, Grün sollte aber dann am Ende überwiegen. Die Ziele am Anfang waren sehr ambitioniert.“ Aber in Richtung Realisierung gab es dann

mehr und mehr Abstriche. „Leider.“ Was die Grund-Idee der Smart City betrifft, habe man die Aufgaben erfüllt. Weil allein der Standort eine Botschaft ist. Den Menschen etwas zu vermitteln, das attraktiv ist, aber auch für sich spricht. Auch die Eröffnung der neuen Straßenbahnlinie ist ein wichtiger Schritt – und hat auch eine Symbolik: Sie verbindet die Smart City direkt mit der Technischen Universität.

ABFALL TRENNEN: WIE? WO? WANN? holding-graz.at/abfall

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Aus dem Windschatten heraus

Kart-Bambini-Champion Carlo Pongratz weiß, wie’s Der 10-Jährige: „Kurvenfahren ganz wichtig.“

schatten heraus am besten in der Kurve überholt und welche Linie die schnellste ist. „Das ist eine der Stärken von Carlo“, glaubt Vater Patrick. „... die schnellste Linie auf der Strecke finden.“

S

chnelle Autos und damit – nur in der Freizeit – ordentlich Gas geben, das hat in der Grazer Unternehmerfamilie Pongratz Tradition. Senior Gösta Pongratz matchte sich seinerzeit bereits mit Helmut Marko bei Motor-Rallyes. Sohn Boris bewegt gerne schnelle Straßenautos, wie etwa eine Chevrolet Corvette oder einen Maserati. Sein Bruder Patrick, in der Geschäftsführung der Grawe Immobilien AG, ist wiederum passionierter Schrauber und versucht sich bei Bergrennen. Dessen zehnjähriger Sohnemann Carlo zeigt im Kartsport sein Talent. Nach knapp zwei Jahren „Lernzeit“ steht bei ihm zu Hause in Graz schon der Siegerpokal für den österreichischen Klubmeister bei den Bambini. Das ist die Altersklasse bis 12 Jahre.

Zum Saisonabschluss ging es für Carlo zur ersten internationalen Bewährungsprobe – die Schule gab ihm dafür frei – nach Lonato an den Gardasee, einem Mekka für den Kart-Nachwuchs. Rund 60 Kids aus Italien, Ungarn, England, Russland, Australien, Ukraine, Schweiz, Deutschland …, praktisch die Besten der Welt, matchten sich dort in einer mehrtägigen Quali-Serie mittels einer Punktewertung um die 34 Finalplätze. Die Profi-Teams kamen mit Trucks und Serviceleuten, also großes Renn-Kino. Nach jedem Training oder Quali-Lauf wurden die Karts wieder serviert und das Setup verbessert. „Unvorstellbar der Aufwand“, berichtet Vater Patrick Pongratz. „Aber es war eine tolle

Zu Hause baut er gerne mit Lego

Atmosphäre“, freut er sich mit und für den Sohn über die Erfahrung. Als „Privatfahrer“ schaffte er es bis ins Halbfinale. Carlo war natürlich nervös, aber er wurde von Runde zu Runde in der Qualifikation schneller. Am Ende fehlten ihm 1,5 Sekunden auf die Weltspitze. Die Erkenntnis am Gardasee: „Noch mehr trainieren und aggressiver fahren.“ Dafür, dass Carlo erst vor eineinhalb Jahren ernsthaft mit dem Kartfahren begann, war das international schon ein guter Anfang. Auch Dank der Vorbereitung von Walter Holt, einem Vorarlberger, der Carlo in sein Bambini-Team aufgenommen hat. Er hat 30 Jahre Erfahrung in der Kart-Szene. „Und er ist der beste Lehrer“, wie Carlo vermerkt. Von ihm lernt er, wie man aus dem Wind-

Begonnen hat alles bei einem Familienausflug zu Silvester nach Jesolo, wo Carlo auf einem Kart die ersten Runden in der Bahn drehte. Später kaufte der Vater für 800 Euro das Gefährt. Im Frühjahr darauf trat er in die Kids-Kart-Schule auf der Rennstrecke in Kalsdorf ein. Begonnen hat er dort im Doppelsitzer mit Instruktor. Mittlerweile gibt es schon das vierte Kart im Hause Pongratz. So um die 20.000 Euro Aufwand – „ohne meine Zeit zu rechnen“ – werden es pro Jahr schon sein, schätzt der Vater. „Wenn man einmal dabei ist, dann lässt einen das nicht mehr los“, gibt er zu. So ist es zumindest für jeden, der Benzin im Blut hat. Und das glaubt er von sich, versucht er sich doch bei Bergrennen mit einem von ihm selbst aufbereiteten Peugeot 205. Trotzdem ist eines klar: „Solange es Carlo Spaß macht, nach den Möglichkeiten, die wir haben und alles mit Maß und Ziel, soll er im Kart seine Freude haben. Ab 12 geht‘s dann in die Klasse der

Eingesammelt nach einem Regen-Rennen: von der Strecke gerutscht

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TEST

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wie’s geht

Bulliger E-Koreaner: der Hyundai IONIQ 5

Juniors. Und wenn er wirklich ein besonderes Talent sein sollte, sich das herausstellt – erst dann werden wir nachdenken, wie‘s weitergeht, über Sponsoren, und, und.“

Siegerehrung: Club-Sport-Austria-Meister bei den Bambini

Vater Patrick zu Carlos Zukunft: „Sollte er besonderes Talent haben, dann werden wir nachdenken, wie‘s weitergeht.“

Was macht ihn so besonders? J

a, da gibt’s mehrere Gründe dafür. Sitzt man in einem IONIQ 5, dann merkt man, dass Menschen draußen oft spontan innehalten und sich fragen „Was ist das für ein Auto?“ Und der IONIQ 5 CUV (Crossover Utility Vehicle) fällt nicht nur durch seine markante, eckige Linienführung auf, sondern es sind auch die gut einen halben Meter hohen Räder, die ihn (4,6 Meter lang) zu einer Mischung aus Sport-Coupé und SUV machen. Die Koreaner wollen den Hyundai IONIQ überhaupt zur führenden Elektro-Marke weltweit machen. Im kommenden Jahr soll es bereits den IONIQ 6 als Sport-Limousine geben und ab 2024 wird es den IONIQ 7 als großen SUV geben. Tesla, BMW, Audi und VW sollten sich gut darauf vorbereiten. Die Leistungswerte unseres Testfahrzeuges sind beachtlich. Mit 218 PS sprintet er in 7,8 Sekunden von 0 auf 100 – gehört zu einem E-Auto, da bleibt alles Andere hinter dir. Der IONIQ 5 basiert auf der von der Hyundai Motor Group speziell für batterieelektrische Fahrzeuge entwickelten “Electric Global Modular Platform“ (E-GMP). Diese Plattform bietet dem Kunden die

In 20 Minuten aufgeladen

Möglichkeit, beim Hyundai IONIQ systeme bei einem „Asiaten“, wie 5 zwischen zwei Batteriegrößen Toterwinkel-Assistent, Einpark(58,2 oder 72,6 kWh) und jeweils Assistent, Querverkehr-Assistent, Allrad- oder Heckantrieb zu wählen. Parkhilfe mit Notbremsfunktion Je nach Konfiguration erreicht das oder auch das Bose-PremiumE-Fahrzeug eine Systemleistung Soundsystem mit sechs Lautvon bis zu 225 kW/305 PS und biesprechern. Unser Testfahrzeug tet eine Reichweite von bis zu 481 (Top-Line) mit allen Extras kostet Kilometern nach WLTP-Norm. knapp 60.000 Euro – allfällige Einzigartig im Volumensegment Förderungen noch nicht berückist die 800-Volt-Technologie des sichtigt. Ja, man sollte nach 300 km E-CUV, mit der beide Batteriewieder eine Ladestation anfahren. versionen an entsprechenden E-Auto-Besitzer planen längere Schnellladesäulen innerhalb von Fahrten aber ohnehin im Voraus. 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent Im IONIQ 5 fühlt man sich wie in ihrer Kapazität aufladen. Zudem einem Luftschiff – mit der vollen steht dem Fahrer die Vehicle-to-LoAufmerksamkeit auf die Straße ad-Funktion zur Verfügung. Mit ihr gerichtet. Möglich macht das das können während der Fahrt oder im fortschrittliche Augmented-Reality Stand beliebige elektrische Geräte Head-Up-Display. Als Fahrer sehe wie Notebooks oder E-Scooter mit ich die wichtigsten Infos immer in 230-Volt-Wechselstrom versorgt die Windschutzscheibe projiziert. werden. Es lässt sich im Fond, wenn man unterwegs ist, neben dem Entspannen auch gut arbeiten. Nahezu eine Selbstverständlichkeit sind die vielen AssistenzKomfortabel und guter Überblick

Arbeiten oder Entspannen im Fond

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HINTERGRUND

Jochen Rindt erlebte WM-Titel als Krönung nicht mehr

Foto: Stadt Graz/Foto Fischer bzw. Ankünder/Milatovic

1970 in Monza tödlich verunglückt. Graz „verewigt“ ihn mit „JochenRindt-Platz“.

Als „Safety Car“ in der Murgasse bei der Sonderfahrt ...

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HINTERGRUND

Am 5. September 1970 beim Training in Monza:

Er kehrt nicht mehr zurück an die Box

Heute eine Legende. Rindt riskierte immer Kopf und Kragen.

N

iki Lauda, im Mai 2019 verstorben, ist laut Motorsport-Jargon „ein wilder Hund“ gewesen. Und eine Ikone der Formel 1. Am 1. August 1976 überlebte er einen Horrorunfall am Nürburgring beim Großen Preis von Deutschland nur, weil ihn Rennfahrer-Kollegen aus dem Flammeninferno seines brennenden Ferrari zogen. Nur 42 Tage nach diesem fürchterlichen Rennunfall saß Niki Lauda bereits wieder im Cockpit. Unglaublich.

Foto: Stadt Graz / Getty Images / Popperfoto

Jochen Rindt war der erste österreichische Formel-1-Champion. Mit seinem Mut zum Risiko riskierte er bei jedem Rennen Kopf und

Kragen. Seine Erfolge und sein Charisma machten aus dem SkiLand Österreich auch eine Motorsport-Nation. Die Rennautos waren zu seiner Zeit „PS-starke, rasende Särge“. In Rindts Jahrzehnt starben 15 Formel-1-Piloten und noch einmal so viele in anderen Klassen. Weil er Angst vor einem Feuerunfall im Auto hatte und fürchtete, nicht mehr heraus zu kommen, schnallte sich Rindt nie richtig an. Das Schicksal schlug zu, als bei seinem rot-weiß-gelben Lotus am Samstag, den 5. September 1970 im Abschlusstraining von Monza in der fünften Runde in der Parabolica-Kurve bei rund 300 km/h die vordere rechte Bremswelle brach.

Jochen Rindt mit seiner Frau Nina Bei letztem Sieg in Hockenheim 1970

Rindt verfolgte schon in seiner Mittelschulzeit nur ein Ziel, das seine Freunde kannten: „Ich werde Rennfahrer.“ Helmut Marko, Red Bull Motorsportchef: „Begonnen hat unsere Bekanntschaft im Mopedalter, so mit 16 Jahren. Jochen ging schon damals immer ans Limit, er wollte stets der Beste sein. In unserer Grazer Zeit haben wir an den Wochenenden das Partyleben der Stadt in vollen Zügen genossen.“ Im Sommer im Margarethenbad und im Winter beim Eislaufen am Hilmteich waren natürlich die Mädchen Thema Nummer 1, erzählt man. Mit dabei im größeren Freundeskreis Karl Ritter, Stefan Pachernegg, Andy Zahlbruckner, Fredi Herzl und andere – alle Autofreaks, aus gut situierten Familien. Und wenn es da und dort im Elternhaus sturmfreie Bude gab, dann wurden nicht nur Formel1-Rennen im Fernsehen verfolgt. Jochen Rindt, Sohn eines Deutschen und einer Grazerin, wurde am 18. April 1942 in Mainz, Deutschland, geboren. Als er gerade einmal 15 Monate alt war, kamen seine Eltern bei einem Fliegerangriff ums Leben. Die Eltern seiner Mutter holten ihn zu sich nach Graz, wo er seine ganze Kindheit und Jugend verbrachte. Obwohl er immer deutscher Staatsbürger blieb, war er für die heimischen Fans immer „einer von uns“.

Sein erster Förderer war Ossi Vogl (†), selbst mehrfacher Staatsmeister

Foto: Vogl+Co

Foto: Stadt Graz / Getty Images / Popperfoto

Der Aufprall von Rindts Auto an der Kurvenbegrenzung war so stark, dass er durch seinen „losen Gurt“ stranguliert wurde, lautet ein Erklärungsversuch. Seine Frau Nina stoppte, wie das damals üblich war, die Rundenzeiten. Bernie Ecclestone, ein enger Freund Rindts und sowas wie sein Manager, überbrachte ihr die Unglücksnachricht. Rindts erstes Auto war ein Simca Montlhery, den er von seiner Familie aus Mainz bekam. Diesen „räumte er aus“ und machte ihn mit Ossi Vogls technischer Hilfe schneller. Dieser war der Junior-Chef des gleichnamigen Grazer Autohauses. Nach einem Unfall überließ er Jochen seine hochgetunte Alfetta. Es entstand eine innige Freundschaft zwischen den beiden bis zum Tod. Als Rindt nach einem Formel-2-Boliden Ausschau hielt, wurde er auch bei einem Wiener Rennfahrer vorstellig. Da er kein Geld hatte, würde er den Kaufpreis mit den Siegerprämien im nächsten Jahr zurückzahlen. Der Wiener erkundigte sich bei Ossi Vogl in Graz. Dieser: „Wenn er es überlebt, kriegst du dein Geld sicher.“ So geschah es dann auch.

In Paris posthum geehrt Als Weltmeister geehrt wurde Jochen Rindt im Dezember 1970 – da war er schon begraben. Der Belgier Jacky Ickx konnte als Zweiter seine Punkteanzahl nicht mehr erreichen. Rindt hatte mit seinem Lotus vier Siege hintereinander geschafft – allerdings mit Colin Chapman sozusagen einen „Pakt mit dem Teufel“ geschlossen. Dieser war Luftfahrttechniker und seine Vision waren Leichtbau-Formel-1-Boliden. Diese Besessenheit kostete nicht nur Rindt das Leben. Der Brite Jim Clark wurde in einem Cooper zwei Mal Weltmeister, bevor er 1968 am Hockenheimring tödlich verunglückte. Jochen Rindt war Clarks Nachfolger im Cockpit. Er ist bis heute der einzige Weltmeister, der nie von seiner Krone erfuhr. In seinem Taschenkalender steht am 12. Dezember 1970 mit Bleistift: „Paris?“ Dort gab es für ihn posthum im Dezember die Weltmeisterehrung. Sein Begräbnis in Graz glich einem Staatsakt. 30.000 folgten dem Trauerzug zum Zentralfriedhof. November/Dezember 2021 27

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HINTERGRUND

Warten auf Jochens Straßenbahn

Bernie Ecclestone, Walter Zipser, Jean Todt, Natasha Rindt, Sofià Ridgway, Nina Rindt, Richard Mille, Helmut Marko, Sir Jacky Stewart, Kurt Hohensinner (stehend), Uwe Eisleben (stehend), Jean-François Decaux und Dieter Weber (kniend)

E Elisabeth Philipp: „... Rindt-Törtchen“

Weber, Marko, Decaux, Stewart

s ist der 7. Oktober 2021. Nur „Wetten dass“ hätte möglicherweise die Aufgabe, das Kunststück, gelöst, Bernie Ecclestone, FIA-Präsident Jean Todt, Sir Jacky Stewart, Helmut Marko, Richard Mille, Jean-François Decaux und die Familie Rindt zu einer gemeinsamen Straßenbahnfahrt nach Graz einzuladen. Und diese als Anlass zu Ehren des 50. Todestages von Jochen Rindt. Es war ein organisatorisches Meisterstück im Rahmen des ehrgeizigen Projekts „Jochen Alive“, das da AnkünderChef Dieter Weber und seinen Mitstreitern – dabei auch von Rindts Mutter, Tochter und Enkelkind

Fotos: Stadt Graz/Foto Fischer bzw. Ankünder/Milatovic

Jugendfreund Helmut Marko, seines Zeichens auch Red-Bull-Motorchef unterstützt – gelang.

Eintrag ins Goldene Buch: Sir Jacky Stewart mit Stadtrat Riegler (li.)

Beim Auto-Symposium: Bernie Ecclestone (li.) und Jean Todt

Die Initialzündung dafür kam von Jean-François Decaux, dem französischen Mitgesellschafter des Ankünders (siehe auch Kasten). „Wenn ihr zum 50. Todestag von Jochen in Graz was macht, dann komme ich mit meinem Ford GT 40“, sicherte er als Jochen-Rindt-Fan in einem Mail Anfang Jänner 2019 Dieter Weber zu. Es ist dies jener heute Millionen Euro teure Ford-Klassiker, mit dem Jochen Rindt im Jahr

1966 im 24-Stunden-Rennen von Le Mans gefahren ist. Geplant war die Würdigung der österreichischen Formel-1-Legende zum 50. Todestag im Jahr 2020, doch Corona machte dem Team Dieter Weber, Maximilian Mazelle, Diana Materi einen gehörigen Strich durch die Rechnung. „Es war ein schwieriger und langer Weg“, so Dieter Weber. Brauchte es doch den Beschluss des Grazer Gemeinderats für den JochenRindt-Platz im neuen Stadtteil Reininghaus und die terminliche

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HINTERGRUND

Ja, auch das gibt’s

Weltpremiere: Noch nie gemeinsam in einer Straßenbahn – Richard Mille, Bernie Ecclestone (verdeckt), Helmut Marko, Sir Jacky Stewart. Rechts: Fotomotiv mit „Hall-of-Fame“- und FIA-Formula-1-Logos für Fans. Unten: Beim Galadinner: Natasha

Rindt, Tochter Sofià, Tilo Berlin

Geschäftspartner-Trio (v.l.): Dieter Weber, Jean-François Decaux, Bernd Schönegger

V Galadinner in der Orangerie

Noch bis 29.11. im GrazMuseum

Abstimmung mit den Weggefährten und Freunden sowie der Familie der Formel-1-Legende. Dieter Weber ist selbst ein Formel1-Fan, in seinem Büro hängt ein Plakat von Ayrton Senna. Zu Zeiten von Jochen Rindt war er noch Schüler. „Aber ich hab‘ mitbekommen, wie er die Österreicher begeistert hat.“ Chauffiert von Jean-François Decaux fuhr Jochen Rindts Witwe

Nina im Ford GT 40, sozusagen als „Safety Car“, vor einer JochenRindt-Straßenbahn durch die Grazer Innenstadt hinaus in den neuen Stadtteil Reininghaus zur Einweihung des dortigen JochenRindt-Platzes. Auch die Haltestellen sind eine Art zeitgemäßes Denkmal für Jochen Rindt, dienen auch für Fotoshootings für Formel-1-Fans und halten die Formel-1-Legende damit lebendig.

or fast 100 Jahren – 1924 – von der Stadt Graz als Steiermärkische Ankündigungs GmbH gegründet, liefert das führende Unternehmen in der Außenwerbung heute respektable Gewinne für die Holding Graz ab. „In der Außenwerbung ist für den Kunden der Standort alles – egal ob regional oder national werbend“, stellt Dieter Weber als Unternehmenssprecher fest. Seit 18 Jahren steht er an der Spitze des Ankünder. Bernd Schönegger ist als zweiter Geschäftsführer seit 2018 mit dabei. Daten über Gewohnheiten und Frequenzverhalten des Zielpublikums werden heute schon intensiv digital ermittelt und sind richtungsweisend für die Weiterentwicklung im Bereich der Außenwerbung. Einstieg von Weltmarktführer JC Decaux Um ganz vorne dabei zu sein, gelang es Dieter Weber 2013 mit dem weltweit größten Unternehmen für Außenwerbung, dem französischen Familienkonzern JC Decaux, eine Partnerschaft einzufädeln. Dieser ist in 80 Ländern tätig. Nur der Vollständigkeit halber: Firmenchef Jean-François Decaux war nun jener Mann, der die Initialzündung für die Jochen-Rindt-Würdigung in Graz setzte. Weil dem französischen Konzern in Österreich 67 Prozent an der Gewista Werbegesellschaft gehört (der Rest ist im Besitz der Stadt Wien), entschloss sich Decaux dazu, sich auch am Ankünder im Südosten Österreichs mit 33 Prozent zu beteiligen. Damit eröffnete sich für den Ankünder die Möglichkeit, seinen Kunden auch österreichweite Werbung anzubieten. Dieter Weber: „Eine echte Win-win-Situation für beide Seiten.“

Der Ankünder ist nunmehr in der Regel über 49 Prozent Beteiligungen auf den Märkten in Kärnten, Salzburg, Tirol, Vorarlberg und Wien (Megaboard) direkt vertreten. Darüber hinaus haben Ankünder und Gewista unter dem Namen Europlakat bereits seit Anfang der 1990er-Jahren den slowenischen und kroatischen Markt erschlossen. Die rund 60 Mitarbeiter des Ankünder erwirtschafteten von Graz aus im Jahr 2019 einen Rekordumsatz von 16 Millionen Euro und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zum Konzernergebnis der Holding Graz. Nach dem Corona-Jahr 2020 rechnet Dieter Weber auch für heuer wieder mit einem sehr guten Ergebnis. Er kam vor 18 Jahren von der Styria Media AG zum Ankünder und führte vor vier Jahren digitale Werbung in Graz ein. „In Zukunft wird es einen Mix aus analog und digital geben“, so seine Prognose.

Der legendäre GT 40

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Alexander Wankhammer, Ralf Baumgartner, Daniel Hojka, Peter Sciri (v.,l.)

Die Soundmacher aus Graz Als Startup mit Plugins im Höhenflug

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enn es wegen Hunger um Nahrungsaufnahme oder Lebensmittel geht, dann sind die Mitarbeiter von Sonible bestens vernetzt. Liegt doch das erfolgreiche Grazer Startup nur einen Steinwurf hinter dem Obst- und Gemüsemarkt am Kaiser-Josef-Platz. Gibt’s die Lust auf Uni-Luft, dann ist die TU in der Rechbauerstraße gleich um die Ecke oder zum Entspannen das dortige Kult-Kino. Doch jetzt, in Corona-Zeiten ist für die knapp 20 Mitarbeiter meist Homeoffice angesagt. Eine intelligente Vorsichtsmaßnahme. Das ist auch das Stichwort für den KLIPP-

Unauffällg, aber erfolgreich

Die KI-Plugin-Schmiede

Bericht und den Umstand, dass die drei Startup-Gründer Ralf Baumgartner, Peter Sciri und Alexander Wankhammer leicht greifbar sind. Daniela Hütter, die rechte Hand der Geschäftsführung, auch für das Marketing verantwortlich: „Wir setzen ganz stark auf Artificial Intelligence. Konkret ermöglicht die von uns entwickelte Technologie, dass Audiospuren automatisiert verbessert werden – und zwar mit Plugins.“ Was ist smart dabei? Hütter: „Im Hintergrund arbeiten auf Musiksignale trainierte Algorithmen.“

„Unauffällig“ die Büro-Location – Ecke Haydngasse/Wastiangasse. Umso auffälliger ist der Erfolg. Rund 15.000 MusikProfis weltweit profitieren von dieser Zeitersparnis. Darunter die Produzenten von Coldplay oder Alicia Keys oder der Streaming-Gigan Netflix. Sonible ist im Höhenflug. Im Jahr 2016 hatte sich die Steirische Wirtschaftsförderung (SFG) an Sonible über die Finanzierungsaktion „Risikokapital“ beteiligt und so wesentliche Wachstumsschritte ermöglicht. Kürzlich wurden die knapp 30 Prozent der Anteile zurückgekauft und mit sattem Aufschlag an die Innsbrucker Go Invest weiter verkauft. Christoph Ludwig, Geschäftsführer der SFG: Man sei stolz, Teil dieser Erfolgsgeschichte zu sein. Diese begann 2013. Ralf Baumgartner, Peter Sciri und Alexander Wankhammer haben als Studenten der TU Graz bereits als Techniker bei Live-Konzerten oder im Tonstudio – unabhängig voneinander – viel mit „Signal-Verarbeitung“ zu tun gehabt. „Alle haben wir die gleichen Probleme gehabt, aber keine wirklichen Lösungen dafür.“ Im Studiengang „Audio Engineering“, einem gemeinsamen Projekt der TU und der Kunstuni Graz, den alle drei besuchten und sich dort ihre akademische Würde erarbeiteten, entstand die Idee für die Gründung von Sonible. Das Gründer-Trio: „Die Herausforderung war, mit KI und den digitalen Möglichkeiten ein sinnvolles Werkzeug zu entwickeln.“ Für die Plugins mit KI überweisen die weltweit arbeitenden Kunden knapp 130 Euro pro Stück. „Sie übernehmen zum Teil die Arbeit des Ton-Ingenieurs bei einer Produktion“, so die Sonible-Macher. Damit können die Profis, aber auch jene, die zu Hause im Wohnzimmer ihre Video- und Audio-Produktionen machen, mit einer Digital Audio Workstation (DAW) und den Plugins von Sonible die Hörqualität entscheidend verbessern. Und die SoundTüftler arbeiten bereits an der nächsten Generation.

Geheiratet wird immer ... und nicht digital. Darauf setzt Isabel Tropper.

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evor wir von Graz kommend auf der B66 in „Gleichenberg City“ einfahren, fällt uns auf der linken Seite ein riesiges Schaufenster mit Hochzeitsmode auf. Ziel erreicht. Wie bitte, warum gerade hier? „Zu uns kommen nur die, die uns brauchen“, erklärt die Geschäftsführerin Isabel Tropper-Hölzl KLIPP den Vorteil. „Daher findet uns auch jeder.“

Hufnagl Fashion am Hauptplatz im Zentrum von Bad Gleichenberg und der im Mai eröffnete SecondhandShop für Marken- und Designerware. „Ich weiß nicht, ob es an unserer musischen Ader liegt, aber uns gehen die Ideen nie aus.“ Eine „tägliche Sorge“ macht Isabel Tropper-Hölzl ganz schön zu schaffen: Die Suche nach gelernten

Die 41-jährige Chefin des Modehauses weiß um die digitale Welt, den Onlinehandel, hat sich aber dennoch dem „Face-to-Face“-Verkauf, dem persönlichen Kontakt mit dem Kunden verschrieben. Studiert hat sie klassisches Klavier, war Musiklehrerin. Die Eltern wollten mit der Brautmode aufhören – da entschied sie sich, den Betrieb ihrer Eltern als Übergangslösung zu übernehmen. Flexibel sein, ist ihr Lebensmotto. Sie ist bis heute im Geschäft geblieben. „In fünf Jahren haben wir den Umsatz verdoppelt und auf 25 Mitarbeiter aufgestockt – und das zu einer Zeit, in der alle Unternehmen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise spürten.“

Schneidern – ob weiblich oder männlich. Daher will sie Lehrlinge ausbilden – auch mit dem Risiko, dass sie nicht bleiben. Ein ungewöhnlicher Schritt in einem Mangelberuf. Maß anlegen, aber auch Änderungen erfordern Kreativität, so Tropper. Da nütze die Erfahrung aus einer Serienoder Fabrik-Produktion wenig. Die Arbeiten brauchen Zeit und kosten auch Geld. „Kostenlos geht nicht, da wären wir wirtschaftlich bald am Ende.“

Ehemann Uwe Hölzl macht das Controlling. Auch er ist als ursprünglicher Musiker und Tontechniker ein Quereinsteiger. Krisen nutzen die beiden bis heute zur Weiterentwicklung. Drei Standorte werden bespielt: Der Brautsalon Hufnagl an der B66, eines der größten Hochzeitsmodehäuser Österreichs,

Daher verrechnet man im Brautsalon oder im Modehaus pro Minute Arbeitszeit 90 Cent. „Wir machen den Kunden auch den Wert der Arbeit verständlich, dass das eine qualifizierte Arbeit ist.“ Und sie überzeugt die meisten mit dem entwaffnenden Argument: „Wenn Sie das woanders billiger bekommen – bitte, ich versteh’ das. Kaufen Sie dort.“ Das tut sie allerdings mit dem Wissen, dass es keine Alternativen gibt. „Und daher kauft der Kunde doch bei uns.“

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WIRTSCHAFT

Eine steirische Vision

Initiator Jürgen Roth: „eFuels können helfen, dass Autofahren leistbar bleibt“ s ist geplant, dass in Österreich – von der EU so vorgegeben – ab 2030 keine Autos mit fossilen Treibstoffen mehr zugelassen werden. Jürgen Roth, Initiator der eFuel Alliance Österreich und Fachverbandsobmann Energiehandel WKO, zweifelt ohnehin daran. „Selbst wenn das der Fall ist, dann fahren die Autos woanders am Planeten herum. CO2 hat ja keinen Reisepass“, auf das Corona-Virus anspielend. Und dem angestrebten Klimawandel helfe das nichts. Ja zum Umstieg auf Elektromobilität und Alternativenergien. Hinten komme zwar kein CO2 heraus, der Strom, der getankt wird, komme aber zum Großteil aus Kohlekraftwerken. In Europa gebe es bis 2030 sicher nicht genügend grüne Energie. Der Totalumstieg und damit der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, Treibstoffen sei ambitioniert, aber unrealistisch. Weltweit gäbe es 1,4 Milliarden Autos auf dem Markt. In Österreich sind es 7,5 Millionen.

Im Rahmen des Projekts „Innovation Flüssige Energie“ wird die AVL bis 2022 synthetische Brenn- und Kraftstoffe herstellen, die zu leistbaren eFuels weiterverarbeitet werden können. Die Steiermark wird damit eine Vorreiterrolle übernehmen. Dies erfolgt unter anderem durch den Einsatz von GrünStrom, grünem Wasserstoff und CO2, Kohlendioxid. Woraus bestehen eFuels? Es handelt sich um überschüssige Energie aus nachhaltigen Quellen wie Sonne, Wasser oder Wind. Und diese wird erstmals flüssig lagerfähig. „Ob CO2-neutral oder nicht“, so Helmut List, „entscheidet sich zu Beginn der Kette. Der verwendete Strom im Auto muss grün sein, sonst nützt es nichts für den Klimawandel.“ „Die eFuels“, so Jürgen Roth, „könnten auch als Gamechanger angesehen werden. Die Beimengung zum ,normalen fossilen Brennstoff’ – zuerst 10 Prozent und dann schrittweise mehr – bewirkt, dass die

energetische Nutzung dann CO2-neutral ist.“ Damit braucht es aber auch keine teuren Umrüstungen, man braucht nicht auf die bewährte Infrastruktur in der Mobilität, aber auch im Flug- und Schiffsverkehr und sogar am Raumwärmemarkt verzichten. Wirtschaftslandesrätin Barbara EibingerMiedl bei der Präsentation im AVLHauptquartier in Graz: „Ambitionierte Umweltschutzziele erreicht man nicht mit Verboten, sondern durch Technologieoffenheit.“ Die Befürworter von eFuels waren sich einig, dass Österreich mit der Entwicklung einen entscheidenden Beitrag für sozialverträgliche Energiewende leisten könne. Denn vom Preis her koste die Beimengung von einem Liter eFuel geschätzt einen Euro. Vor fünf Jahren waren es noch fünf Euro. Jürgen Roth: „Es ist also für die Autofahrer leistbar.“

Prof. Helmut List (CEO AVL List GmbH)

Barbara Eibinger-Miedl (Wirtschaftslandesrätin Steiermark

Fotos: @IBEX.agency / Klaus Pressberger

E

Jürgen Roth (Fachverbandsobmann Energiehandel WKO und Vorstandsvorsitzender der eFuel Alliance Österreich)

Es ist angerichtet

Grazer Startup entwickelt fermentiertes Superfood

„K

ennst du das: Du bist bei der Arbeit, hast keine Zeit zu kochen und trotzdem willst du eine gesunde, warme, vegane Mahlzeit, die noch dazu glutenfrei ist?“ - mit diesem Satz beginnt Neena Gupta-Biener das Promotion-Video der Wortschöpfung Viffff – steht für „Vegetarian International Fermented Functional Food Factory“. Die gebürtige Inderin hat das Startup gemeinsam mit ihrem Partner Johannes Biener im Jahr 2019 gegründet. „In zweijähriger Forschungsarbeit haben wir ein neues Lebensmittel entwickelt und dieses mittlerweile sogar europaweit präsentiert“, erklärt sie KLIPP gegenüber. „Die Intention war, eine nahrhafte und bekömmliche Speise herzustellen, die nicht nur vegan ist, sondern auch eine vollwertige Mahlzeit darstellt.“ Neena Gupta-Biener, Johannes Biener in „ihrer Küche“ am Nikolaiplatz in Graz

Die Viffffs genannten Knödel basieren auf Hülsenfrüchten und Getreide, die dann in einem komplexen Verfahren fermentiert werden. „Fermentation kennt man ja vom Sauerkraut“, so das Wissenschaftler-Duo. „Sie macht viele Speisen geschmackvoller und vor allem auch bekömmlicher. Und das ist bei unseren Viffffs sehr wichtig, da sie ja einen hohen Hülsenfrüchte-Anteil haben – also Erbsen, Bohnen, Linsen.“ Aufgrund der Fermentierung haben die Knödel aber trotz des hohen Kohlehydratanteils auf den Blutzuckerspiegel keinen Einfluss. „Der Blutzucker schießt also nach dem Essen nicht hoch, was sehr hilfreich für Diabetiker ist und ihnen einige Insulinspritzen erspart“, so Neena Gupta-Biener. Auch Ausdauersportler, die proteinreiche Kost benötigen, profitieren davon. „Die Viffffs sind reich an leicht verdauli-

Hm, machen Appetit. Die Viffffs einfach im Wasserbad oder in der Mikrowelle erwärmen.

chem Eiweiß, enthalten wenig kurzkettige Kohlenhydrate, haben einen niedrigen glykämischen Index, sind fettarm, glutenfrei und fördern die Entwicklung einer gesunden Darmflora“, fasst die Mikrobiologin zusammen. Ab Dezember werden Viffffs in einer isolierten Mehrwegbox tiefgefroren an die Endverbraucher verschickt. Online kann man diese bereits vorbestellen. Daheim kann man sie entweder im Wasserbad oder in der Mikrowelle erwärmen und hat so nach fünf bis sieben Minuten eine komplette warme Mahlzeit. Für die Herstellung ihres neuen Lebensmittels hat das Duo eine auf Tiefkühlprodukte spezialisierte Großküche in Wien gewinnen können. „Die Produktion ist ein komplexer, automatisierter und digitaler Prozess. Wir nutzen auch künstliche

Intelligenz. Es hat ein ganzes Jahr lang gedauert, bis die Mannschaft trainiert war und wir den Prozess soweit automatisiert hatten, dass wir bis zu 10.000 Teller pro Tag herstellen können“, kommt sie auf die Herausforderung zu sprechen. Derzeit gibt es eine Kürbiskern-Variante und eine Mais-Variante vom Vifffff. „Nächstes Jahr planen wir eine mit Lupinen.“ Wichtig ist den beiden Wissenschaftlern auch der CO2-Fußabdruck. „Wir haben eine nachhaltige Verpackung und beziehen auch unsere Bio-Zutaten soweit wie möglich regional, haben Kooperationen mit Bauern der Region usw.“ So ist das Startup auch Teil der „Climate Initiative“ von Arnold Schwarzenegger. Neena Gupta-Biener: „Wenn er im nächsten Jahr nach Österreich kommt, wird er hoffentlich unsere Viffffs probieren können.“

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HINTERGRUND

Einzigartig in Öster Michis frische MeeresFische aus Weiz sind echte Steirer

„A

m besten, Sie geben Mortantsch 4 in 8160 Weiz in Ihr Navi ein“, rät mir Michael Wesonig am Telefon. Kurz bevor wir sein Anwesen in der Oststeiermark erreichen, steht ein Holzschild am Wegesrand, mit dem Hinweis: „Tischlerei Eder“. Vor knapp vier Jahren hat der Steirer die ehemalige Tischlerei gekauft, diese adaptiert und begonnen, neben seiner Fischzucht im Mürztal, hier auf 550 Meter Seehöhe auch Meeresfische zu züchten. Der heute 42-Jährige hat Holztechnik und Holzwirtschaft studiert und anschließend in der Parkett-Branche im Familienbetrieb (Weitzer) gearbeitet. „Ich war viel im Ausland, habe unter anderem in Ungarn ein Sägewerk aufgebaut“, blickt Michael Wesonig zurück. Was wichtig für ihn ist: „Ich mache immer alles mit

Fotos: zVg

Von Isabella Hasewend voller Begeisterung. Alles andere interessiert mich dann nicht mehr. Wenn du immer weißt, was dich fasziniert, dann fasziniert es dich wahrscheinlich nicht mehr“, philosophiert er. Wobei die Leidenschaft für das Fischen auf seine Kindheit zurückgeht. „Wir haben ein Fischwasser im Weizbach gehabt und ich habe von klein auf, schon mit sechs Jahren gefischt.“

Schuld war der Otter

Daher gab er seinen ursprünglichen Plan auf, Fische für das Fliegenfischen-Gewässer zu züchten. „Mit dem – geschützten – Fischotter wäre das sinnlos gewesen.“ Also hat Wesonig eine Bio-Fischzucht im Mürztal aufgebaut. „Das hat mir richtig gefallen, hat mich fasziniert, ohne dass ich jetzt wirklich erklären kann, warum“, erzählt er. „Ich habe das immer weiter ausgebaut.“

In der ehemaligen Tischlerei in Mortantsch wachsen jetzt Fische auf.

Später dann hat er in Mürzsteg zum Fliegenfischen begonnen. „Irgendwann ist die Mürz dann aber quasi leer gewesen. Der Otter hat alle Fische angebissen, zerkratzt und letztendlich gefressen. Innerhalb von drei Jahren ist der Fischbestand dann auf 0,3 Prozent eingebrochen.“ Jährlich plündert der Fischotter tausend Tonnen Fisch.

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HINTERGRUND

erreich Hier bei seinem Projekt in Mortantsch hat er sich intensiv mit dem Zander beschäftigt. „In Österreich gibt es keinen idealen Lebensraum dafür. Die meisten Zander, die bei uns gegessen werden, sind aus dem Ausland“, so Wesonig.

Tausende Fische passen in eine Hand In der Folge sind dann die Salzwasserfische dazu gekommen. „Ich habe mir gedacht, wenn du einen Meeresfisch hier züchten kannst, bist du quasi komplett unabhängig vom Meer“, so seine Intention. Wobei „züchten“ nicht ganz stimmt, denn: „Wir kaufen die Meeresfische mit 0,1 bis 0,3 Gramm und ziehen sie dann auf. Es ist auch kein Aufwand, die zu transportieren, denn da reden wir von ein paar Plastiksackerln, wo du dann eigent-

lich Monate lang verkaufen kannst davon. Tausende Fische passen da sozusagen rein in eine Hand. Das ist ja kein Gewicht“, erklärt er. Ein Jahr dauert es, bis sie auf dem Teller landen.

Wasserqualität entscheidend Hauptsächlich sind es derzeit Wolfsbarsch, Doraden und Adlerfische, die er in den Salzwasserbecken hier in Mortantsch aufzieht. „Hier in den Becken fließt ja kein Quellwasser durch, wie etwa bei unserer Biozucht im Mürztal. Daher wird das Wasser laufend gefiltert und wieder neu verwendet. Du musst die perfekten Bedingungen für die Fische in der Anlage immer erhalten“, kommt Wesonig auf die Herausforderungen zu sprechen. „Wir müssen die Wasserwerte ständig

kontrollieren. Das geschieht nicht automatisch, zumal sich das bei uns auch nicht auszahlt.“ Insgesamt ist es ein ständiges Beobachten. „Du musst dir immer die Wachstumskurven der Fische anschauen, für dich selbst ausloten, wie groß du die Fische werden lässt.“ In den Produktionsräumen ist es erstaunlich dunkel. „Die Fische mögen das, sie schwimmen ja auch in der Natur in einigen Metern in der Tiefe.“ Verwertet wird von den Fischen alles. „Wir haben ja auch Hundeund Katzenfutter im Programm – ohne irgendwelche Zusätze, also in seiner reinsten Form.“ Zwei, drei Saiblingsarten, mehrere Lachsarten, Huchen, Zander, Flussbarsch, zwei Wels-Arten, und eben die drei Salzwasserfische sowie auch Garnelen sind im Angebot von „Michis Frische Fische“. „Wobei es natürlich

Eine Delikatesse für den fotogenen Vierbeiner ist das Hundefutter in Michis Sortiment – eben nur Fisch. Im Bild: Michaels Tochter Emilia (oben). Michi Wesonig mit seiner Frau und Sohn Paul.

eine Verrücktheit ist, so viele verschiedene Fische zu züchten bzw. aufzuziehen. Es ist eine Auswahl, die so in Österreich aus eigener Zucht keiner anbieten kann“, ist er klarerweise stolz auf die Einmaligkeit. Und so kann sich die Produktpalette sehen lassen: „Vom Bio-Saibling bis zur Gebirgsgarnele, von Kaviar bis zur Fischsuppe gibt’s bei uns alles.“ Und Michi Wesonig fischt nur „auf Bestellung. Für mich ist es das Schlimmste: Ich kümmere mich jeden Tag um sie und dann sind sie weg.“ Der Verkauf läuft über Bauernmärkte, Gastronomie und online. Im Schnitt verzehrt der Österreicher 8 kg Fisch pro Jahr (Fleisch: 64 kg!), nur 6 Prozent davon kommen aus Österreich.

„Immer alles heute tun“

Ach, ja: Fischen tut Michael Wesonig heute übrigens gar nicht mehr. „Ich kann ja gar nicht. Da, wo ich früher gefischt habe, ist jetzt kein Fisch mehr. Und ich weiß ja, wie es vorher war.“ Infos: www.michis-frische-fische.at Steirer-Branzino mit Spargel ...

Wesonigs Fische sind Fleischfresser. Das Futter stammt aus Europa und basiert eben auf Fisch. Weiters sind pflanzliche Bestandteile drin, wie Pflanzenöl, Erbsen oder auch Weizen – beim Bio-Futter alles in entsprechender Qualität. „Wir füttern die Fische, bis sie satt sind“, erklärt er. Das hänge klarerweise von deren Alter ab. „Wenn sie jung sind, fressen sie im Verhältnis zum Körpergewicht sehr viel. Auch da spielen Erfahrungswerte eine große Rolle.“ Gewisse Grundlagen habe er sich natürlich aneignen müssen, aber insgesamt sei es eben ein ständiges Beobachten und auch schnelles Reagieren. „Morgen gibt’s nix zum Tun, es ist immer alles heute zu tun – und einfach alles mit Hausverstand.“

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„Blackout-Risiko“ auf der Streif verringern

Foto:Kitzbühel Tourismus | Michael Werlberger

UMWELT

Aber auch für tausende Gäste in Kitzbühel vorsorgen

Der berühmte Abfahrts-Schlusshang beim „Streif Vertical UP 2016“

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ie Streif in Kitzbühel wird Jahr für Jahr zum Mekka zigtausender Skifans. Sie ist die spektakulärste Abfahrt im internationalen Skizirkus. Keine andere Abfahrt ist nur annähernd so werbeträchtig für den Skisport. Zu viel Risiko, Selbstüberschätzung, ein „Blackout“, also Kurzschluss während der Fahrt, endeten im Laufe der Jahre für etliche Rennfahrer schon mit verhängnisvollen Folgen. Dabei überlegen die Organisatoren Jahr für Jahr, die Sicherheitsstandards zu verbessern und damit das Risiko noch besser in den Griff zu bekommen.

damit die Wasserversorgung, das Heizungssystem – zusammen. Dies passiert in den Abendstunden. Es wird stockdunkel in allen Häusern. Ein Horror. In Hotels stecken Kinder, Familien, ältere Menschen in Liften fest. Die Handynetze sind überlastet. Fernsehen und Rundfunk sind ausgefallen. Auch die Polizei ist nicht mehr erreichbar. Alle versuchen verzweifelt, die Einsatzkräfte zu erreichen. Niemand will sich eine solche Notlage vorstellen und man könnte an dieser Stelle seitenweise mit der detaillierten Schilderung des Chaos fortfahren.

„Daher finde ich es Ein „Blackout-Paket“ so erfreulich, dass auf einer ganz andesich Kitzbühel diesem ren Ebene hat der hochsensiblen Thema Steirer Walter Schiefer gestellt hat. Das tun gemeinsam mit den leider viel zu wenige dortigen Stadtwerken Gemeinden, Städte, erarbeitet. Im KLIPPvor allem in TourismusGespräch schildert er gebieten“, so Walter den umfangreichen Schiefer. Ein solcher Vorgang. Zufällig führt Blackout kann das gute mit Stadtwerke-Direktor Blackout-Experte Image einer TourisJörg Kickenweitz das Walter Schiefer musregion auf Jahre wichtigste kommunazerstören. Wie auch der Coronale Unternehmen auch ein Steirer. Cluster im Fall Ischgl gezeigt hat. Er war viele Jahre in der Basilika Mariazell für wirtschaftliche Belange Aber dieser mutet im Vergleich zu einem totalen Blackout wie ein und Organisation zuständig. Walter „Kindergeburtstag“ an. Das oberste Schiefer schildert ein mögliches Ziel in einer solchen Stresssituation: Szenario: Niemand soll während und nach dem Blackout allein sein. „Erstmals“, Die Hotels und Gästepensionen in so Schiefer und der Stadtwerkeder Gamsstadt sind ausgebucht. Plötzlich bricht von einer Minute auf Direktor, „wurden alle Bereiche der die andere das Energienetz – Strom, Daseinsvorsorge in den Blackout-

Schutz eingebunden. Jedes Haus in Kitzbühel hat einen Krisenplan. Ihn zu leben, ist aber das Andere. Mit diesem Blackout Schutzprojekt wird wiederum gezeigt, wie die 3-Säulen-Selbsthilfe in der Praxis realisiert werden kann und beim Blackout weiterhin Stadtverwaltung, Stadtbauhof, Stadtwerke, Wasser-, Wärme- und Erdgasversorgung, Abwasserentsorgung, Müllabfuhr, medizinische Betreuung funktionieren. Top ist auch die Organisation, denn für diese gibt es eine Einsatzzentrale, die sich im Betriebsgebäude der Stadtwerke befindet. Untergebracht sind hier die Gemeinde Einsatzleitung, der Gemeinde Krisenstab und die Infostelle, an die sich die Bevölkerung während des Blackouts 24 Stunden wenden kann. Rund um die Uhr sind auch das Gerätehaus der Stadtfeuerwehr und die Dienststelle des Roten Kreuz besetzt. Notrufmeldungen werden dort entgegengenommen. Für Hilfsbedürftige sind Strom- und Wärme versorgte, barrierefreie Aufenthaltsräume mit intakter Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in der Mittelschule vorhanden.

Alle müssen eingebunden werden Erstmals waren bei einem Gemeinde Blackout Vorsorgeprojekt ein Hotel und ein Bauernhof dabei. Am Beispiel Grand Hotel Kitzbühel und

Landwirt Andreas Feller wird veranschaulicht, wie Tourismus/Hotellerie und Landwirtschaft sich auf ein Blackout vorbereiten. Musterprojekte wurden geschaffen. Zur allumfassenden Blackout-Vorsorge gehört auch die Notstromversorgung für Betriebsgebäude der Stadtwerke, Gerätehaus der Stadtfeuerwehr, Stadtbauhof, Mittelschule, Altenwohnheim, Ärztezentrum und Biomasseheizwerk. So wird Altenpflege, medizinische Versorgung, Betreuung Hilfsbedürftiger, Notruf Alarmierungskette, Bevölkerungsinformation gewährleistet. Die Verantwortlichen der Stadtgemeinde und Stadtwerke haben aber nicht nur alles organisatorisch und technisch vorbereitet, sondern informieren regelmäßig in der Stadtzeitung die Bevölkerung über die lebenswichtige Eigenvorsorge. Gemeinsam vorsorgen wird in Kitzbühel gelebt. Ein wichtiges Detail bei einem Blackout in einer Touristenregion: Zum einen muss die Notbeleuchtung funktionieren, zum anderen sind Lifte eine Schwachstelle. Sie bleiben stecken, lösen bei den Gästen in den Fahrstühlen dann Panik aus. Eine Vorsichtsmaßnahme, so die Blackout-Experten: Am Dach des Liftes eine Batterie zu installieren,die im Blackout-Fall den Betrieb aufnimmt und so den stecken gebliebenen Lift rasch ins nächste Geschoß bringt und die Türen öffnet. Damit ist dann schon viel erreicht.

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UMWELT

Baumarkt-Brennholz oft zu nass und teuer Landwirtschaftskammer-Check zeigt auf: Massive Preissteigerung bei importiertem Holz. Augen auf daher beim Brennstoff-Kauf

deklariert ist. Erst auf Nachfrage bei den Baumarkt-Mitarbeitern erhält man teilweise Auskunft zur Herkunft – vorwiegend aus Osteuropa. Nur einer von elf getesteten Baumärkten (Region Weiz) verkaufte regionales Brennholz vom Waldbauern.

Foto: LK

Unerklärlicher Preisanstieg Bildtext

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ie Zeiten, wo Baumärkte ausländisches Brennholz zu Billigst-Preisen angeboten haben, sind vorbei. Zwar ist das Brennholz weiterhin aus dem Ausland, doch liegen die Preise mittlerweile deutlich über jenen von qualitativ hochwertigem Brennholz heimischer Bauern. Die Baumärkte haben anscheinend die Preissteigerung bei Sägerundholz zum Anlass genommen, ihr Brennholz-Sortiment um bis zu 20 Prozent zu verteuern. An Absurdität, so die Landwirtschaftskammer, ist dieses Vorgehen zum Schaden der Konsumenten nicht nachzuvollziehen. Getestet wurden 15 Brennholzkisten von elf verschiedenen Baumärkten. Verkauft wird vorwiegend ausländisches Holz, das unzureichend

Bis zu 20 Prozent teurer als im Vorjahr ist das Baumarkt-Brennholz. Durchschnittlich kostet ein Raummeter trockenes Holz 110 Euro. Halbtrockene Ware bekommt man für rund 100 Euro. Heimische Waldbauern, so die Landwirtschaftskammer, sind deutlich günstiger. Zumal sich der Brennholz-Preis zum Vorjahr kaum verändert hat.

Mengenangaben verwirrend Ein Großteil der Brennholz-Kisten (80 Prozent aus dem Ausland) wurde im LandwirtschaftskammerCheck im Mengenmaß zwischen 0,85 und 0,9 Raummeter angeboten. Das übliche Mengenmaß für Brennholz ist 1 Raummeter. Darunter versteht man geschichtetes Brennholz unter Einschluss von Luftzwischenräumen, bis das Volumen

1 Kubikmeter erreicht. Typische Brennholz-Kisten im Baumarkt enthalten, wie gesagt, 0,85 bis 0,9 Raummeter. Für den Konsumenten ist das nur schwer zu verstehen, mit dem Resultat, dass er weniger Holz bekommt.

Viel Luft Ein weiterer Punkt, der über die Holzmenge entscheidet, ist die Stärke der einzelnen Holzscheiter. Grob gespaltetes Holz mit einem großen Querschnitt lässt sich schlechter schlichten. Die Lufteinschlüsse in der Kiste sind größer. Bei klein gespaltenen Scheitern erhält man mehr Holz.

Entscheidend: die Luftfeuchtigkeit Letztlich entscheidend ist aber nicht die Holzmenge an sich, sondern die darin enthaltene Energie. Genau hier kommt der Wassergehalt ins Spiel, sprich die Feuchtigkeit. Häufig wird Brennholz im Baumarkt als „halbtrocken“, „halbfrisch“ oder „frisch“ verkauft. All diese Bezeichnungen stehen für zu nasses Holz mit der Folge, dass sich der Energie-Inhalt um bis zu 50 Prozent reduzieren kann. Streng genommen müsste es zumindest noch ein Jahr lang lagern.

Und die Zustellkosten? Die gehen logischerweise auch noch ordentlich ins Geld. Für drei

Kisten Brennholz zahlt man, je nach Baumarkt, solide 50 Euro, aber auch 120 Euro kann es kosten.

Heimisches Brennholz Durchschnittlich kostet ein Raummeter beim heimischen Bauern knapp 80 Euro brutto. Laut Landwirtschaftskammer-Check haben sich diese Preise gegenüber dem Vorjahr nicht oder nicht wesentlich erhöht. Wer mit Holz heizen kann, der heizt daher im Vergleich zur Öloder Erdgas-Heizung noch immer unschlagbar günstig. Der heimische Lebensmittelhandel nutzt regionale Produkte bereits für Werbe- und Marketingauftritte. Auch Kooperationen von Baumärkten mit heimischen Forstbetrieben könnten hier eine „Win-win-Situation“ für beide Seiten bringen.

Praktische Tipps Die Landwirtschaftskammer Steiermark hat für Brennstoff-Kunden eine Broschüre herausgegeben, die praktische Tipps für das Erkennen von guten und schlechten Brennstoffen gibt. Sie informiert auch über die Qualitätsstandards von Brennholz, Hackgut, sowie Pellets und das richtige Anzünden von Ofenholz. Download stmk.lk.at/energie. Bestellen: energie@lk-stmk.at Telefon: 0316/ 80501433 Quelle: „Landwirtschaftliche Mitteilungen“, Klaus Engelmann, 1. November 2021

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HINTERGRUND

Wenn es Familien den Boden unter den Füßen wegzieht

PKW zu retten. Aufgrund der Strömung und der Lage des Fahrzeuges erwies sich die Bergung allerdings als äußerst schwierig. Es konnte nur unter Einsatz eines Krans aus dem Wasser auf die Brücke gehoben werden. Leider konnten die Retter nur noch den Tod der drei Männer feststellen. Bei ihnen handelt es sich um zwei Bosnier (22 und 27 Jahre) sowie um einen 23-jährigen Slowenen. Die dritte Leiche wurde allerdings erst am Vormittag im Wasser treibend entdeckt. Zwei 18-jährige Grazer waren Zeugen des nächtlichen Unfalls geworden. Sie hatten die Einsatzkräfte alarmiert.

Unfallursache: stark überhöhte Geschwindigkeit ...

„D

rei junge Grazer mit dem Auto in der Nacht in die Mur gestürzt. Tödlich verunglückt. Alle drei tot. Zu hohe Geschwindigkeit“, meldeten die Medien. Man liest über das Drama in den Zeitungen, hört die Meldung im Rundfunk oder auch im Fernsehen, denkt kurz darüber nach und das war’s dann. Zugegeben, wir können den Alltag um uns herum gar nicht anders bewältigen. So funktionieren wir Menschen, wenn Unfallopfer für uns keine Gesichter haben, anonym sind. Was das aber für die Familien, Angehörigen bedeutet, wenn plötzlich völlig unerwartet die Polizei an der Haus- oder Wohnungstür läutet und die schockierende Nachricht überbringt. Dann zieht es den betroffenen Familien, Freunden, Le-

benspartnern, Kindern den Boden unter den Füßen weg. Zweiköpfige Kriseninterventionsteams des Landes oder des Roten Kreuzes begleiten die Polizisten. Sie sollen das erste „Auffangnetz“ sein und professionelle Trostspender.

„PKW in der Mur ...“ So lautete der Alarmierungswortlaut für die Grazer Berufsfeuerwehr in der Nacht von Samstag auf Sonntag um2:46 Uhr. Der Einsatzort war der Bereich der Puntigamer Brücke. Das Fahrzeug dürfte zwischen dem Brückengeländer und einer hölzernen Absperrung gefahren sein und in weiterer Folge durch die Wucht und die hohe Geschwindigkeit sich überschlagen haben und dann in die Mur gestürzt sein. Taucher und Fließwasserretter der Berufsfeuerwehr versuchten, die Insassen des

Niemand wird je erfahren, den Angehörigen sagen können, was in den letzten Minuten, Sekunden sich im Leben der jungen Männer im Auto für eine Tragödie abgespielt hat. Quälende Ungewissheit für immer. Diese Situationen aufzuarbeiten, die Angehörigen in solchen Katastrophen zu betreuen, zu begleiten – das sei die Aufgabe von ihnen, so Cornelia Forstner, die Koordinatorin der Krisenintervention des Landes Steiermark. In den ersten Stunden nach einer solchen Schocknachricht gehe es auch sehr oft um „nonverbale Kommunikation“. Meist bilden eine Frau und ein Mann die zweiköpfigen Teams. „Wir sind für die Akut-Unterstützung da.“

Diese könne beim ersten Mal bis zu zehn Stunden dauern – klarerweise auch über die Nacht hin. „Unser Job ist, ein soziales Überbrückungsangebot, ein Unterstützungssystem für die Betroffenen in dieser Stresssituation herzustellen“, so Kriseninterventions-Koordinatorin Cornelia Forstner. Bis zu dem Zeitpunkt – das sei natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich –, wenn das soziale Netz der Betroffenen, Angehörigen diese Funktion übernehme. Dies könne von der Dauer auch bis zum Begräbnis sein, so Forstner. Die betreuten Angehörigen könnten auch über die Hotline 130 rund um die Uhr Kontakt aufnehmen. Die Arbeit in den Kriseninterventionsteams erfolgt ehrenamtlich. Was es gibt, sind Kilometergeld und Verpflegungskosten, so welche anfallen. Jährlich gibt es 620 Einsätze im Schnitt, ein Drittel davon in Graz. Jeder der 400 ehrenamtlichen Mitarbeiter hat eine halbjährige Ausbildung hinter sich. Bei jedem Einsatz gibt es für spezielle Situationen auch noch eine fachliche Hintergrundbereitschaft, die stets erreichbar ist. „Wir bilden alle Mitarbeiter selbst aus“, erfährt KLIPP im Gespräch mit Cornelia Forstner. Das Interesse an den Ausbildungskursen ist ungebrochen. Zwei Mal im Jahr können 40 Personen daran teilnehmen. Bei der Amokfahrt in Graz waren bis zu 60 Personen der Kriseninterventionsexperten des Landes im Einsatz. „Es muss einem persönlich natürlich gut gehen, wenn man einen solchen Einsatz übernimmt“, verweist sie auf die psychische Belastung.

Krisenteam-Koordinatorin Cornelia Forstner: „Sind eine Akut-Unterstützung.“

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HINTERGRUND

„Der Koloss“ von Graßnitzberg Nachbarn befürchten exklusive Zweitwohnsitze – ohne Nutzen für Gemeinde

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ein Steirer, der nicht um die Idylle und Orte im steirischen Weinland weiß. Dazu gehört auch die Gegend um Graßnitzberg, das zur slowenischen Grenze hin liegt. Und logischerweise nimmt die Begehrlichkeit der Menschen zu, sich in dieser Idylle eine „Bleibe“ zu schaffen, sozusagen einen Platz an der Sonne. Große Projekte, wie die Domäne Wolf, die des gebürtigen Münchner Investors Hans Kilger und andere beschäftigen die Menschen und Medien im Weinland. Ferien- und Zweitwohnsitze, wie auch in der Tourismusregion Schladming (siehe KLIPP-Ausgabe September), die heftige Konflikte auslösen.

Jene, die diese Idylle und damit auch ihre persönliche Ruhe bewahren wollen, wehren sich gegen Immobilieninvestoren, die daran verdienen möchten. Die größte Hürde dabei sollten der Bürgermeister und der örtliche Gemeinderat sein. Ihre stärkste Waffe: Die Bewahrung des Ortsbildes mit Hilfe der Raumplanung regeln. In Graßnitzberg scheint das nicht der Fall. Das malerische Ortsbild des Weinortes werde durch den „Koloss“ zerstört, so die Nachbarn und Kritiker. Darunter auch die Grünen in Straß. Es handelt sich um eine weitläufige Wohnanlage, exklusiv, mit acht großzügigen Wohneinheiten, drei Swimmingpools, einer Tiefgarage samt Nebengebäuden, Hausverwaltung und Weinkeller. Anfang Oktober genehmigte der Bürgermeister in einer Bauverhandlung

das Projekt – ohne Bedenken. Verursacher der Aufregung – oft ist das der Grund – ist ein Einheimischer, der ein geerbtes Grundstück „vergolden“ will. Natürlich zulässig, verständlich und frei nach dem Motto: „Wer am meisten bietet, der kriegt es.“ Nicht jedoch zur Freude der Anrainer. Bei der Bauverhandlung Anfang Oktober bestätigt der örtliche Sachverständige für die Raumplanung (und Ortsbildschutz), dass gegen das Projekt des Bauwerbers (die Pichler Wohnraum GmbH aus Gralla) nichts einzuwenden sei. Auch die anderen Gutachter (geotechnisch, lufttechnisch und schalltechnisch) sagen ja dazu. Selbst die Überschreitung der Bebauungsdichte ist kein Hindernis. Die betroffenen Nachbarn sehen das nicht so. Für sie passt der Bau-Koloss nicht ins Ortsbild. Um dieses zu schützen, dazu seien der Bürgermeister und die Gemeinde verpflichtet, so ihr Einwand. Ein von ihnen beauftragter Sachverständiger hält fest, dass dort, wo der Koloss auf einer Hügelkuppe am Graßnitzberg entstehen soll, sich eine lockere Einfamilienhaus- bzw. Bauernhofbebauung befindet. Es sind vorwiegend Häuser mit ausgebautem Dachgeschoss, die zum Leitbild der Baukultur im südsteirischen Weinland gehören. Die geplante exklusive Wohnanlage sei hingegen ein völliger Fremdkörper, mit Tiefgarage und einer Höhe von elf Metern, einem Weinkeller, einer eigenen Hausverwaltung für die acht Wohnein-

Eine Idylle, wie man sie im Weinland erwartet ...

heiten. Es deutet vieles auf eine Zweitwohnsitz-Ferienanlage hin. Und die Erbauer-Gruppe verneint das. Die Gegner: Welcher Bewohner von Graßnitzberg kann oder will sich die rund 400.000 Euro teuren Wohneinheiten als Hauptwohnsitz leisten? Daher gebe es auch keinen Nutzen für die Gemeinde, sagen sie. Nachbar Johann Schantl, übrigens ein Verwandter des Grundverkäufers („der Großvater würde sich im Grabe umdrehen“), beauftragte einen Ortsbild-Sachverständigen. Dieser in seinem Gutachten: Das geplante Bauvorhaben stehe im direkten Widerspruch zum Straßen-, Orts- und Landschaftsbild des Ortsteils Graßnitzberg. Die vermeintliche „Modernität“ des auf Stützen geplanten Baus erinnere eher an ein Flughafengebäude und stehe in völligem Gegensatz zur örtlichen Charakteristik. Der Wein-Ort Graßnitzberg gehört seit der Fusion zur Gemeinde Straß. Bürgermeister Reinhold Höflechner hat sein Büro jenseits der Mur „im Tal“. Er, auch Obmann des Naturparks Südsteiermark, ausweichend: Da der verantwortliche

Sachverständige für die Raumplanung der Gemeinde keine Bedenken gegen das Vorhaben habe, habe er als Bürgermeister gar keine Möglichkeit, es abzulehnen. Es spiele daher keine Rolle, was er persönlich vom Projekt halte. Der Grazer Rechtsanwalt und Hochschulprofessor Georg Eisenberger: „Ob etwas dem Ortsbild entspricht oder nicht, ist eine reine Sachverständigen-Frage. Es gibt kein Nachbarrecht auf ein bestimmtes Ortsbild.“ Nun geht es in die zweite Runde. Die Anrainer und Nachbarn erheben Einspruch beim Landesverwaltungsgerichtshof wegen der von ihnen aufgezeigten Fehler, Mängel in der Baugenehmigung. Sie bleiben dabei: „So wie gebaut werden soll, sieht es nach Zweitwohnsitzen aus. Auch die intensive Bodenversiegelung am Grundstück drückt das aus“, sagen sie. Es steht ein kostspieliger Rechtsweg bevor für die Anrainer. Das allein dokumentiert die Ernsthaftigkeit ihres Engagements. Die künftigen Erbauer tun sich leicht. Sie schlagen die Kosten dafür einfach auf die künftigen Wohnungseigentümer drauf.

Plan: Architekt Dipl-Ing. Johann Wahlhütter

Errichtung einer Wohnanlage mit 8 Wohneinheiten, einer Tiefgarage mit 16 PKW Abstellplätzen, 2 Besucherparkplätze im Freien, einer Mülleinhausung sowie Geländeveränderungen in Graßnitzbergstraße 97, 8472 Straß in Steiermark

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... soll durch exklusive Wohnanlage mit elf Meter Höhe, Weinkeller und Tiefgarage ersetzt werden.

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KULINARIK

Steirisch

KLIPP in Ratschendorf – wo

Was uns beim Betreten der kleinen Ölmühle Pechmann in Ratschendorf sofort ins Ohr geht, ist ein dumpfes, monotones, aber regelmäßiges „Tuk, Tuk, Tuk, Tuk“, mit dem ein Riemen ein Rad und dieses wiederum eine Pumpe antreibt. Fast wie in einer alten Schmiede, stiege einem da nicht dieser unverwechselbare, belebende, nussige Geruch von steirischem Kernöl in die Nase. Es ist noch dazu angenehm warm. Durch das Ofentürl erkennt man die Feuerglut aus Holz. Früher wurde steirisches Kernöl als Wagenschmiere diffamiert. Inzwischen ist es selbst für Feinschmecker zum Inbegriff gesunden Essens geworden – das Kernöl. Haubenlokale locken mit Kernöl-Spezialitäten Gäste an, die EU anerkannte 1996 den Begriff „Steirisches Kernöl g.g.A.“ als geschützte Herkunftsbezeichnung.

Steiermark ist Kernöl-Land Nr. 1 in Österreich

2.100 Kernölbauern erzeugen rund 3 Millionen Liter Kernöl pro Jahr Der Kürbis tauchte erstmals in den Geschichtsbüchern auf, als Kolumbus nach Indien wollte und die neue Welt fand. Erste Aufzeichnungen über den Kürbis in der Steiermark finden sich in der Inkunabel aus dem Jahre 1551 im Stift Vorau. Erst um das Jahr 1770 bestätigt die Kaiserliche Hofkanzlei, dass das Öl der prallrunden, gelben Plutzer als Heilmittel eingesetzt werden darf.

Hans, der Müller und Herr des grünen, kernigen Teigs röstet diesen gerade – so lange, bis kein Wasserdampf mehr über dem Kessel sichtbar ist. „Das Rösten dauert zwischen 20 und 35 Minuten“, erklärt Irmgard Schober, Chefin von „Pechmanns Alte Ölmühle“. „Es ist wie beim Kochen. Jeder Kern nimmt eine unterschiedliche Menge an Wasser auf und gibt die Feuchtigkeit dann beim Rösten wieder ab. In unserer kleinen Mühle können wir den Röstvorgang noch händisch mitsteuern, weil wir kleine Mengen rösten. Das garantiert dann beim Öl auch eine Top-Qualität.“ Bei einem Pressvorgang verarbeiten Müller Hans und sein Kollege 25 kg Kerne. „Daraus werden rund 10 Liter Öl und das Ganze dauert etwa 2 bis 2,5 Stunden“, so Irmi Schober. Sie hat mit dem Kernölpressen bereits am elterlichen

Bauernhof in Purkla begonnen und war damals die jüngste KernölMüllermeisterin der Alpenrepublik. 1994 begannen ihr Mann Herbert und sie mit der „Mostschenke im Gewölbe“. Die Ölmühle wurde von Purkla nach Ratschendorf „übersiedelt“. Die Mostschenke ist, mehrfach gewachsen, heute ein Besuchermagnet für die Region. Zu bewundern gibt’s dort von den Kamelen, Lamas, Alpakas, Hasen, Schildkröten, Ziegen, über Motorräder, Traktoren, Oldtimer bis hin zu Jets, einer Hochseeyacht oder einem Propellerflugzeug. „Ich bin in Österreich schon viel herumgekommen, habe sowas aber noch nie anderswo gesehen“, zeigt sich ein Gast aus Oberösterreich völlig überrascht. Das Ölpressen ist heute somit nur eine „Aktivität“ bei den Schobers. „Aber wir pressen das ganze Jahr über“, erzählt Irmgard Schober. Wenn alles gut läuft, so sind es an einem Tag an die 100 Liter. Es geschieht vor allem am Wochenende, sodass auch die Gäste in der Mostschenke das Pressen mitverfolgen können und sich dann auch die meisten mit Produkten der Schobers eindecken. Früher, da wurden die Kürbisse händisch geerntet. Heute erledigen diese Arbeit Erntemaschinen mit rotierendem Schneidwerk. „Auspatzeln“, nennt man das Herauslösen der Kerne aus dem Fruchtfleisch auf gut steirisch. Wichtig für die Qualität der Kerne ist, dass diese nach der Ernte rasch gewaschen und getrocknet werden. Denn dann bleiben die gesunden Inhaltsstoffe erhalten. Das sind Vitamine wie A, B1, B2, B6, C, D, E, sowie ungesättigte Fettsäuren, Mineralstoffe, Kalzium, Selen, Zink. Das Öl oder die Kerne sind auch ein probates Mittel gegen Prostata-Beschwerden und gut für vieles Andere. „Die Kerne kaufen wir bei unserem Bauern“, so das Ehepaar, „die werden dort zuerst gewaschen, auf eigenen Anlagen mit Heißluft

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che Kern-Kraft

– wo Kerne zu „Grünem Gold“ werden

der Ölsterz vor dem Rösten

rösten so lange, bis das Wasser verdampft ist

Kerne über ein Gebläse ...

2 Stunden hat‘s gedauert, bis das „Grüne Gold“ fließt

und dann geht‘s ab das Herzstück, denn da entstehen die Haltbarkeit, die Farbe und das nussartige Aroma. Nach dem Röstvorgang kommt die ursprünglich 25 kg schwere Kernölmasse in Schichten in einen Zylinder. Auf jede Schicht wird eine Stahlplatte gelegt. Diese werden dann mit 360 Atü Druck zusammengepresst, während das Öl in den vorbereiteten Bottich rinnt. Übrig bleibt dann der so genannte Ölkuchen.

... in die Mühle

Selbst der Ölkuchen ist noch wertvoll Zum Schluss zwei alte Tricks: Auf einem weißen Teller einen Tropfen Kernöl geben. Wurde das Kernöl mit anderen Ölen verschnitten oder mit Wasser verdünnt, läuft der Tropfen auseinander und der Panscher ist entlarvt. Und: Wenn es Kernöl-Flecken auf Kleidungsstücken oder anderen Textilien gibt – nur in die Sonne hängen! Sie bleichen dann aus.

in den Rührbottich getrocknet und dann angeliefert.“ Da die getrockneten Kerne noch durch Staub und andere Partikel verunreinigt sind, wandern sie erst über ein spezielles Gebläse in das eigentliche Mühlwerk. Danach kommen die gemahlenen Kerne in einen Bottich mit einem Rührwerk. Dazu kommen dann ca. drei

Liter Wasser und in der Folge wird der „Kürbisteig“ durchgeknetet, bevor er in die Röstpfanne „übersiedelt“. Irmgard Schober: „Dort entscheidet sich nämlich beim Rösten die Qualität des künftigen Öls. Zu viel Wasser macht nix, aber bei zu wenig Wasser brennt der Teig an und wird grauslich bitter. Du kannst dann alles wegwerfen. Daher muss man immer dabei sein, probieren und schauen, dass alles gut abläuft.“ Der Röstvorgang ist

Foto: Steiermark Tourismus / Harry Schiffer

in die Ölpresse

Saures mit Kernöl in der Buschenschank: eine steirische Spezialität für die Gäste. November/Dezember 2021 39

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KULINARIK

Ich mag Überraschungssackerl Alina Kirchmayer rettet Lebensmittel mittels App vor dem Wegwerfen

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eden Tag in der Mittagspause stelle ich mir die gleiche Frage: „Was könnte ich heute essen?“, meistens endet diese Überlegung dann mit dem Besuch in einem Imbiss oder mit einer Jause vom Lebensmittelgeschäft nebenan. Es muss halt einfach schnell gehen im Berufsalltag. Kürzlich habe ich allerdings eine Möglichkeit gefunden, tagesfrische Lebensmittel zu einem günstigen Preis zu erwerben und damit auch noch etwas Gutes für den Planeten tun. Das ist mir möglich, indem ich die App „Too Good To Go“ nutze. Die Food-Sharing App „Too Good To Go“ bietet Betrieben eine Plattform, um übriggebliebenes Essen zu einem günstigeren Preis anzubieten. Die Benutzer haben die Möglichkeit, Geschäfte in ihrer Nähe zu suchen und können sich eine Überraschungsbox bestellen. Diese wird dann mit Lebensmitteln befüllt, die ansonsten im Müll gelandet wären. Der reduzierte Preis beträgt häufig zwischen 2,99 € und 4,99 € und entspricht einem Drittel des ursprünglichen Warenwertes. Dieses Konzept klingt vielversprechend und hat meine Neugier geweckt, deshalb habe ich mich auf den Weg in die Grazer Innenstadt gemacht.

ring-Plattformen zusammen, damit nichts verschwendet wird.

Großen Hunger stillen Nach meiner Erkundungstour habe ich großen Hunger bekommen, deshalb war ich im asiatischen Restaurant MOMODA. Hier habe ich Sushi, gebackenes Gemüse, ein Nudelgericht mit Fleisch und ein Getränk für3,99 € vor dem Weg-

werfen gerettet. Für die Verpackungen sind 50 Cent bei der Abholung mitzubringen, diese bestehen größtenteils aus Papier. Die Handhabung der App ist grundsätzlich einfach. Man wählt mit dem Handy einen Betrieb aus und kann die ausgewählte Menge an Portionen dann bequem über verschiedene Online-Banking Plattformen bezahlen. Nach der Bestellung wird man darüber informiert, dass man eine

Gegen Lebensmittelvernichtung

Zweischneidig?

Zahlreiche Grazer Betriebe nutzen dieses Angebot bereits und leisten somit ihren Beitrag zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Laut einer EU-Statistik werden pro Person und Jahr 173 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen. Ein heißes Thema. In den Geschäften erfahre ich: Der Mindestwert pro Sackerl soll 12 € betragen, dies ist eine Vorgabe. Die Nutzung der App ist grundsätzlich gebührenfrei, aber bei einem Verkaufspreis von 3,99 € bekommt der Betrieb 2,99 € ausbezahlt. Die Abrechnung der Beiträge erfolgt direkt in der App und die Betriebe bekommen ihren Anteil überwiesen. Sehr transparent und nachweisbar. Sollte ein Sackerl einmal nicht abgeholt werden, arbeiten manche Geschäfte auch noch mit anderen Food-Sha-

Überraschungsbox erhält und das nicht vorhergesagt werden kann, was enthalten ist. Abschließend holt man sich die Box zu der ausgewiesenen Uhrzeit ab und kann diese genießen. Habe ich dann auch gemacht. Das Essen hat hervorragend geschmeckt und zum größten Teil meinen Geschmack getroffen. Rindfleisch mag ich allerdings nicht so gerne, deshalb habe ich es meinem Großvater vorbeigebracht. Er hatte dann auch noch eine Mahlzeit, die ihm schmeckt und es musste nichts weggeworfen werden.

Mahlzeit! Sushi und andere asiatische Spezialitäten als Schnäppchen.

Während meiner Recherche konnte ich diverse Überraschungsboxen von Betrieben begutachten. Man bekommt all das, was an diesem Tag im Müll gelandet wäre. Wahlmöglichkeiten gibt es somit keine. Diese Tatsache könnte zu einem Problem in diesem Konzept werden, denn was passiert mit den Lebensmitteln, die einem gar nicht schmecken oder die Allergene enthalten, die man nicht verzehren darf? Größtenteils werden diese früher oder später erst wieder im Müll verschwinden, was dem Grundgedanken der App widerspricht. Somit entpuppt sich die App „Too Good To Go“ als zweischneidiges Schwert. Deshalb hoffe ich, dass mehr Menschen so denken wie ich und nach Möglichkeiten suchen, das Essen weiterzugeben.

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FREIZEIT

„New York bitte melden, hier Eisenerz!“ Napalm Records: „Metalmusik auf immerdar“

1995 hat der Eisenerzer Markus Riedler das Unternehmen gegründet, nachdem er bereits im Kinderzimmer in der Wohnung seines Großvaters Musikkassetten importiert und weiterverkauft hat.

Mittlerweile hat das „Austrian Rock & Metal Empire“ 70 Mitarbeiter und hat 180 Bands unter Vertrag.

40.000 Artikel auf Lager Erfolg und Expansion benötigen Platz: Den hat man mit dem am 24. September, offiziell eröffneten Logistik- und Eventzentrum geschaffen. Diese Investition mit einem Bauvolumen von drei Millionen Euro wurde erfreulicherweise in Eisenerz Begeisterung bei den Metal-Fans.

getätigt, der Firmenphilosophie „Lokal und doch global“ entsprechend.

Wir fliegen ab Graz!

40.000 Artikel hat Napalm Records auf fünf Kilometern Stellfläche auf Lager, 200.000 Kunden kaufen über den Online-Shop, 70.000 Pakete werden jährlich verschickt.

Vinyl hat Zukunft Trotz der digitalisierten Welt hat bei Napalm Records Musik als angreifbares, als physisches Produkt einen hohen Stellenwert. „Die VinylSchallplatte wird weiter leben, sie ist ein wichtiges Segment unseres Labels“, sagen Riedler, Caser und ihre Prokuristin Diana Graf. Manche Bezahlte Anzeige • Foto: © wolfganghummer.com / Flughafen Graz

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aut der Wassermann-Sage haben die Eisenerzer anno dazumal Weitblick bewiesen, weil sie statt kurzfristigem Silber oder Gold „Eisen auf immerdar“ gewählt haben. „Metalmusik auf immerdar“ ist das Motto des anerkannten Plattenlabels „Napalm Records“, das von der Firmenzentrale in Eisenerz weltweit tätig ist – mit Standorten in Berlin, Hannover, Colorado Springs und sogar in New York!

dieser Tonträger sorgen nicht nur für ein anspruchsvolles Hörerlebnis, sondern mitunter für einen beträchtlichen Sammlerwert. Nach der Eröffnung ist vor der Eröffnung: Bei Napalm Records werden weitere Expansionspläne geschmiedet – Platz für weitere Geschäftsflächen ist in der von Abwanderung geplagten Region um Eisenerz reichlich vorhanden.

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FREIZEIT

Spiegelbild KLIPP war jenseits der Grenze. In der Thermen- und Weinregion Pomurje.

Die Slowenen wissen natürlich, dass wir Österreicher als Nachbarn gerne zur Erholung in unser Thermen- und Weinland aufbrechen – vor allem an den Wochenenden. KLIPP und eine kleine Gruppe heimischer Journalisten nützten die Einladung des Slowenischen Tourismus zu einer Kurzvisite in den östlichsten Teil unseres südlichen Nachbarlandes. Dort, wo Slowenien an Ungarn und Kroatien grenzt.

Gedankenspiel. Er bekommt ein Headset aufgesetzt und je besser er sich auf einen positiven Gedanken oder ein Erlebnis konzentriert, desto höher steigt das Wasser in den Glasröhren vor ihm in der Vitrine. Es klingt nach „Zauberei“, gesteuert

Wer richtig gut essen will, mit allem Drum und Dran, der kann das in der Gostilna Rajh bei Murska Sobota tun. Uns hat es dort geschmeckt – natürlich ist das subjektiv. Doch die Autos mit

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om Hörensagen waren mir Namen wie Gornja Radgona, Murska Sobota oder Lendava, Radenci, Ljutomer, Jeruzalem oder Moravske Toplice bekannt – nicht den anderen Kollegen. Eher peinlich war mir die Reaktion auf meine Frage, woher der Name der dortigen Region Promurje komme. „Ja, bei der Mur.“ Erst da wurde ich daran erinnert, dass die Mur nicht nach Bad Radkersburg „aufhört“. Wiewohl die größte Stadt Murska Sobota nicht direkt an der Mur liegt. Aber so genau wollen wir es nicht nehmen. Und von Graz aus fährt man eine gute Stunde, auch aus dem Murtal ist die Anfahrtszeit angenehm. Die Region im Nachbarland ist ein Spiegelbild des steirischen Weinund Thermenlandes. Am besten und raschesten lässt sich das als Gast im Pavillon „Expano“ begreifen. So nennt sich der interaktive Erlebnispark bei Murska Sobota mit seinem umliegenden, reichhaltigen Freizeitangebot samt Badesee. Vor einigen Jahren hat der Pavillon auf der Weltausstellung in Mailand Slowenien repräsentiert. Der Pavillon wurde bei Murska Sobota wieder aufgebaut und beeindruckt mit seinen digitalen Attraktionen jeden Besucher. So nimmt man zum Beispiel in

Virtuelle Ballonfahrt mit „toller Aussicht“ – auch über die Therme 3000 in Moravske Toplice (re.)

Faszinierendes Gedankenspiel mit Wasser einem Ballon-Gehäuse Platz, setzt sich die Virtual-Reality-Brille auf, hebt ab und überfliegt so die Region Pomurje. Der Blick aus der Vogelperspektive über die Ebenen und Weinhügel, verbunden mit dem Fluggefühl, ist ein intensives Erlebnis und macht Appetit darauf, diese Region auch in der Wirklichkeit zu durchwandern oder sie mit dem Fahrrad oder Auto zu erleben. Was die Kraft von Gedanken bewirkt und die gesundheitliche Bedeutung der Heilwasserquellen in der Region hervorstreicht, erlebt der Besucher über ein interaktives

wird dieses Schauspiel über ein Programm, das die Hirnströme misst. Nur wenige Kilometer vom Erlebniscenter „Expano“ befindet sich in Moravske Toplice die Therme 3000 – das Flaggschiff der Region für Wellness-Urlauber. Die Zeit war zu kurz, um dorthin einen Abstecher zu machen, aber eines lässt sich schon am Parkplatz feststellen: Es gibt nicht wenige Besucher aus Österreich. Nicht zuletzt der Preise wegen, die doch niedriger sind als in Österreich. Bei den Abstechern zu zwei bekannten Buschenschanken (Passero und Puhan) fühlte ich mich in dieser Hinsicht bereits wieder nach Österreich versetzt. Aber das Angebot an Köstlichkeiten – Schinken, Gibanica, Salami, hauseigene Schokoladen und natürlich Weine (Traminer) sowie Kürbiskernöl – macht den Genießer zufrieden.

österreichischen und ungarischen Kennzeichen am Parkplatz sind der „objektive Beweis“. Infos: www.visitmurskasobota.si

Spezialitäten in der Buschenschank (o.) und in der Gostilna (u.)

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BUCHTIPPS Claudia Rossbacher Drehschluss Gmeiner Es gibt Promis, die sie lieben und noch mehr, die sie hassen: Clara Bodenstein. Die Chefredakteurin des Boulevardmagazins UP hat schon so manchen Stern am Society-Himmel aufgehen lassen, aber auch für gnadenlose Untergänge gesorgt. Gerade wegen ihrer Skrupellosigkeit wird Clara von der Filmdiva Jackie Benz beauftragt, deren Skandalbiografie zu schreiben, was einige Zeitgenossen gern verhindern möchten. Nach Morddrohungen und einem nächtlichen Überfall bei Dreharbeiten auf Mallorca verschwindet die Benz plötzlich spurlos. Und sie ist nicht die Einzige, die wie vom Erdboden verschluckt ist … Michael Engler, Illustrationen: Nina Dulleck Mörtel und Maus wollen hoch hinaus Baumhaus Mörtel lebt mit seiner Familie in den Zwischenwänden eines alten Hauses. Denn Mörtel ist ein Wichtel und zudem noch ziemlich neugierig! Seine beste Freundin heißt Maus, und zusammen wollen sie Helden werden. Leopold Federmair Parasiten des 21. Jahrhunderts Otto Müller Verlag Leopold Federmair nennt sein neues Werk „Essais“ nach französischer Schreibart, um auf das Hauptwerk von Michel de Montaigne anzuspielen. Es handelt sich um erzählende, mäandernde Annäherungen an einen Komplex von Themen, die sich unter der Vorstellung des Parasitentums zusammenfassen lassen. Das Buch beginnt mit einem „Lob des Parasiten“. In dem Text arbeitet der Autor das kreative Potenzial parasitärer Existenzformen heraus. Im 2. Essai steht die Digitalisierung und der „neue Mensch“ im Zentrum. Für den 3. Essai hat Federmair in seiner Heimat sowohl Flüchtlinge als auch ihre österreichischen Helfer befragt, die diese zugewanderten „Parasiten“ während der sogenannten Flüchtlingskrise betreuten. Abgerundet wird der Band mit einer Auseinandersetzung zum Konzept eines neoliberalen „Terrors der Ökonomie“.

Heinz Strunk Es ist immer so schön mit dir Rowohlt Eine katastrophale Liebesgeschichte. Er war mal Musiker. Jetzt ist er Mitte vierzig und im Großen und Ganzen nicht unzufrieden. Seine Freundin hat ein geregeltes Einkommen, und das Ein-MannTonstudio wirft auch ein bisschen was ab. Die Träume von der künstlerischen Karriere sind längst begraben. Sie schmerzen nicht mehr.Da lernt er Vanessa kennen, Schauspielerin, jung, strahlend schön. Zuerst versteht er gar nicht, warum sie sich für ihn interessiert. Er verliebt sich in sie. Er verlässt seine Freundin. Ist er jetzt mit Vanessa zusammen? Es wird immer größer: das Glück und das Chaos … Mein perfekter Sommer / Mein perfekter Frühling ViktoriaSarina Community Editions Mit „Mein perfekter Frühling“ nimmt das Influencer-Duo die Leser mit auf eine aufregende Reise durch die buntesten Monate des Jahres. Das Mitmachbuch ist voller Rätsel und Tests, bunte Ausmal- und Kreativseiten und Ideen für den Frühling. Das Besondere: Dreht man das Buch einmal um, hat man noch ein zweites in der Hand: „Mein perfekter Sommer“ – mit genauso viel Abwechslung für die sonnigste Jahreszeit. Romy Fölck Sterbekammer Lübbe Dunkel ragt die Silhouette der alten Deichmühle in den Himmel. Es ist ein unheimlicher Ort, an den sich der alte Josef Hader vor vielen Jahren zurückgezogen hat. Seither meidet er jeden Kontakt mit den Menschen im Dorf. Als eines Nachts von Polizistin Frida Paulsen die Leiche dieses Eigenbrötlers entdeckt wird, ist das nicht ihr einziger grausiger Fund in dem alten Gemäuer ...

A la Carte Willi Balanjuk hat dafür 2.730 Weine von 426 Weingütern verkostet und bewertet. Gleich fünf Weine erhielten dabei die Traumnote 100 Punkte. Aber wieso gibt es auf einmal so viele Spitzenweine? A-la-Carte-Weinchef Willi Balanjuk: „Die Erfahrung der Winzer wächst mit jedem Jahrgang und parallel das Alter der Reben. Eine große Zahl der Spitzenweine kommt aus Bio- oder biodynamischen Weingärten, die homogeneres Wachstum und daher auch eine etwas verlangsamte Reife erzielen. Daher stand den Winzern, die selektionierten, exzellentes Traubenmaterial zur Verfügung.“

Michael Steiner WAS (Bd. 114) – (no) future Leykam Verlag Glauben wir noch an die Zukunft? – Finden Sie es heraus! Der neueste Band der WAS-Reihe ist eine vielschichtige Betrachtung unseres Verständnisses von Zukunft. Eine großartige Lektüre für alle, die nicht nur in Erinnerungen schwelgen, sondern die Zukunft gestalten wollen.

Hörbücher

Owen Matthews – Gelesen von Sascha Rotermund Black Sun Lübbe Audio Sowjetunion, 1961: Major Alexander Vasin, Agent des KGB, wird mit einem Spezialauftrag in die isolierte Stadt Arsamas-16 geschickt. Er soll dort den mysteriösen Tod des jungen Physikers Fyodor Petrov untersuchen. Bei seinen Ermittlungen stößt Vasin auf eine Wand des Schweigens. Was versuchen die Forscher zu verbergen?

Arnaldur Indriðason Tiefe Schluchten Lübbe Audio Eine Frau wird in ihrer Wohnung in Reykjavík ermordet aufgefunden. Auf dem Schreibtisch liegt ein Zettel mit Kommissar Konráðs Telefonnummer. Die Frau hatte offenbar kurz vor ihrem Tod noch angerufen und ihn angefleht, nach ihrem Kind zu suchen, das sie vor Jahrzehnten zur Adoption freigegeben hat. Konráð hatte abgelehnt. Dies bereut er nun zutiefst und will ihrer verzweifelten Bitte wenigstens postum nachkommen ... November/Dezember 2021 43

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