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KLAR • STEIRISCH • UNABHÄNGIG

Heimkehr des

Bullen

Didi Mateschitz gibt ab April seinen Ring frei.

„Warm up“ in Spielberg


SPOTS 6

Seite 10

Heißes Eisen: Tatort Hypo Alpe Adria: Ein mutiger Steirer und sein Buch

Heimkehr des Bullen in die Obersteiermark

POLITIK 8

Steueroasen und Stiftungen gefährden die Europäische Union: Milliarden-Betrügereien! Der Skandal um Grasser/Meischberger/Hypo zeigt es

10 Ein Hasardspiel? Voves und Co. wollen beim Landesbudget 25 Prozent einsparen

Seite 6 – Tatort Hypo

12 Die Steiermark war ihm wichtig: Bruno Kreisky wäre heuer 100 Jahre alt geworden

COVERSTORY 16 Heimkehr des Bullen

SONDERTHEMA

I N H A L T Seite 30 – Jammern macht glücklich

24 Unser Wald – unser Holz

WIRTSCHAFT 26 Super drauf Kreativköpfe aus Graz

HINTERGRUND 29 Gedächtnisstark und hellwach Juliane Koch mit 101 Jahren: „Wir haben noch das Kaiserlied gesungen.“ 30 Jammern macht glücklich Die moderne Glücksforschung liefert Beweise dafür, wie wichtig Jammern für die Weiterentwicklung von uns Menschen ist

KULTUR Seite 36 – Ideal für Familienurlaub

Seite 28 – Gedächtnisstark und hellwach – Juliane Koch mit 101 Jahren

32 Kulturmagazin Kürbis ist neugierig: Warum leben und arbeiten Sie eigentlich auf dem Land?

FREIZEIT

Seite 12 Die Steiermark war ihm wichtig Bruno Kreisky wäre heuer 100 Jahre alt geworden

36 Ideal für Familienurlaub Mountain Resort Feuerberg auf der Gerlitzen

STANDARDS 4

Spots

13 Lilly Lotterblume 34 Auto & Motor 33 Gesundheit 40 Urlaubstipps

Seite 8 – Steueroasen 2

42 Bücher

KLIPP Februar 2011


KLIPP spürte es schon im November 2010:

Heldin von morgen kommt aus dem Murtal

Starker Auftritt auch jüngst in der Shopping City Seiersberg

In dem Fall ist Eigenlob erlaubt. Klipp schrieb im November 2010: „Cornelia wollte probieren, wie ihre Stimme auf andere wirkt“, beschreibt ihre Mutter Brigitte Mooswalder den Grund, warum sie sich dem ORF-Casting zu „Helden von morgen“ gestellt hat. Bis 2009 besuchte Cornelia ein Mal in der Woche die Musical-Akademie im nahe gelegenen Fohnsdorf, deren Leiter Gernot Kraner schon ihre ausbaufähige Stimme lobte. Natürlich waren die Eltern Brigitte und Gottfried Mooswalder, aber auch Bruder Markus, 15, glücklich über ihren ersten fulminanten Auftritt auf der großen Bühne vor hunderttausenden TV-Zuschauern. „Es war ein Wahnsinn, natürlich kommen da die Tränen“, so der Vater über das Glücksgefühl. Beide Eltern haben in jungen Jahren in Musikgruppen mitgespielt und der Vater spielt auch heute noch für den Hausgebrauch Gitarre. Auch die HAK in Judenburg steht nun hinter der 17-jährigen Cornelia. Sie besucht die 4. Klasse und muss natürlich viel nachlernen, sollte sie bis Dezember in der Show bleiben. Und mittlerweile wissen wir es, was wir im Klipp damals prophezeiten: Cornelia gewann.

IMPRESSUM Medieninhaber und Herausgeber: KLIPP Zeitschriften GmbH & Co KG, 8020 Graz, Friedhofgasse 20, Tel. 0316/ 42 60 80-0, Fax-Dw 122 office@klippmagazin.at Officemanagement: Isabella Hasewend Redaktion und Autoren: Jürgen Lehner, Ali Rosker, Reinhard Schuch, Michaela Vrecer, Helmut Dietl, Sylvia Einöder, Karin Klug, Michael Schröder. Titel-Illustration: Milan Ilic Produktionsleitung: Isabella Hasewend Produktion: Martin Druschkowitsch, Hans Obersteiner, Christian Wallner. Lektorat: Mag. Dr. Günter Murgg Druck: MA-TISK d.o.o. Maribor Abonnentenpreise: Jahresabo € 14,53, Zweijahresabo € 26,16, Studentenabo: 2 Jahre € 18,16, 1 Jahr € 13,08 Vertrieb: Hurtig & Flink Erscheinungsort: Graz, Verlagspostamt: 8020 Graz, P.b.b. www.klippmagazin.at Nächster Erscheinungstermin: März 2011


Aufstieg des Hauses Eggenberg

Wer weiß, wenn Kaiser Friedrich III. ihn erwischt hätte, gäbe es möglicherweise kein Schloss Eggenberg, heute ja hoch dekoriert als UNESCO-Kulturerbe. Jede Adelsfamilie habe irgendwelche Leichen im Keller, man muss nur in der Geschichte nachblättern, lautet einer der Stehsätze einer bekannten blaublütigen steirischen Vertreterin. Balthasar Eggenberger war der reichste Grazer Bürger des ausgehenden Mittelalters. Er übernahm die Handels- und Münzgeschäfte seines Vaters und wurde um 1450 von Friedrich III. zum Münzmeister von Graz und Laibach ernannt. Eggenberger verringerte den Silbergehalt in den Münzen so sehr, dass diese nahezu wertlos wurden, er aber einen satten Profit einfuhr. Der Kaiser war auf Drängen der Bauern, aber auch der Stände gezwungen, die Prägung der „Schinderlinge“ einzustellen. Vor dem kaiserlichen Haftbefehl floh Eggenberger im Jahre 1460 mit einer hohen Summe Geld vorübergehend nach Venedig. Er kaufte jedoch wenig später Land am westlichen Rand von Graz, auf dem er den Bau des „Castrum Eckenperg“ als Familienresidenz beginnen ließ. Balthasar wechselte mehrmals die Seiten und arbeitete auch für den ungarischen König Matthias Corvinus, den Erzrivalen Friedrichs III., was ihm vermutlich letztlich auch die Erhebung zum Adeligen sowie die Verleihung des Eggenberger Familienwappens mit den drei Raben einbrachte. Balthasar erreichte eine erhebliche Vergrößerung der Eggenberger Besitzungen und legte den Grundstein zum Aufstieg des Hauses Eggenberg zum Adels- und Fürstengeschlecht. Quelle: Steirische Berichte 6/10 (Patrizia D’Alessandro)

Foto: Graztourismus

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Jeder hat Leichen im Keller

Ramsaus Pech war Schladmings Glück

Gut gehütetes Geheimnis

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eute ist der Nachtslalom in Schladming – martialisch im Neudeutsch auch „The Nightrace“ genannt – europaweit neben Kitzbühel das Top-Event im alpinen Weltcup-Zirkus. Dabei verdankt er seine „Geburtsstunde“ dem „Pech“ der von den Schladmingern nicht immer geliebten Nachbargemeinde Ramsau. Dort brachte die Nordische Ski-WM 1999 zwar eine historische Goldmedaille für Österreich, aber unterm Strich blieb ein sattes zweistelliges Millionen-Schilling-Minus. ÖSV-Präsident Peter

Schröcksnadel war deswegen ziemlich knieweich; da griff ihm das Land Steiermark unter die Arme. Der damalige Sportreferent Gerhard Hirschmann überwies dem Skiverband den Batzen Geld, erhielt im Gegenzug dafür aber die Zusicherung, dass Schröcksnadel und Co. Schladming mit einem Slalom fix auf dem Weltcup-Rennkalender verankern und auch die Kandidatur für die WM (bis zum Sieg) unterstützen. Schröcksnadel hielt Wort und daher schweben die Schladminger jetzt mit der WM 2013 natürlich auf Wolke 7.

Michael Krainer: Erleichtert, dass in Eggenberg alles gut angelaufen ist.

H u m o r

Genusstaugliche Auster Marterlspruch im Passaier Durch einen Ochsenstoß kam er in des Himmels Schoß. Musst er auch gleich erblassen und Weib und Kinder hier verlassen. Kam er doch zur ewigen Ruh, durch dich, du Rindviech du!

Hier liegt die tugendsame Jungfrau Rosina Baumgartner Tulfes bei Rinn. O liebe Rosina, wie so manche Nacht haben wir zusamm verbracht. Bis der liebe Heiland kam und dich wieder zu sich nahm.

Hier zog Franz Gruber seine Spur, im Rucksack die Lawinenschnur. Betet für den armen Sünder! Er hinterlässt vier ledige Kinder.

Aufigstiegn, abigfalln, bin gwesn.

Der Weg in die Ewigkeit ist nicht weit, um 7 Uhr ging er fort, um 10 Uhr war er dort. Hier in diesem Grabe liegt Anich Peter, die Frau begrub man erst später. Man hat sie neben ihm begraben, wird er die ewige Ruhe haben?

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Hier ruht in Gott Adam Leutsch, 26 Jahre lebte er als Mensch, 37 Jahre als Ehemann. Hier liegt begraben unser Organist. Warum? Weil er gestorben ist. Er lobte Gott zu allen Stunden, das Kreuz ist oben und er liegt unten. Quelle: „Aus meiner Hausapotheke“ von Maria Treben (Ennsthaler Verlag)

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ie Rede ist nicht etwa von der Gattung einer neuen Speiseauster, sondern von der funkelnagelneuen Schwimmsport-Arena in Graz-Eggenberg, für die es vor wenigen Tagen das offizielle Bandldurchschneiden gab. Einer ist nun besonders erleichtert, musste er doch im letzten halben Jahr gehörig Stress erleben und abbauen – der Grazer Freizeitbetriebe-Chef Michael Krainer. „Nachdem sich während des einmonatigen Probebetriebs keine Störungen einstellten, war ich schon wirklich happy.“ Denn immerhin kostet das schmucke Stück 42 Millionen Euro. Wobei es nach wie vor nicht auf den Euro genau bestimmt ist, wie viel Förderung Bund und Land lockermachen. Alle, vom Bürgermeister abwärts, gehen davon aus, dass es zu einer anständigen Lösung kommt. Bis dahin regieren Hoffnung und Diplomatie in den vertraulichen Gesprächen.

Graz will Genusshauptstadt sein 13 steirische Spitzenköche kochen ihre außergewöhnlichen Kreationen in einer Front-CookingShow live beim ersten Genussball im Grazer Congress am 5. März. Dorian Steidl und Katrin Lampe moderieren, und natürlich tun auch die besten steirischen Winzer mit. Man darf gespannt sein. KLIPP Februar 2011


Wirkliche VIPs und andere ...

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enn ich zehn Mal im selben Ort Urlaub mache, dann wird es langweilig, doch bei der Opernredoute wird uns nie fad, weil du jedes Jahr andere Leute triffst“, so ein VIP-Stammgast beim Anstoßen an der Champagner-Bar. Und er amüsiert sich mit seiner Partnerin darüber, dass sich eine aus dem Osten zugewanderte Ballett-Tänzerin auch wie eine VIP in Szene setzt, nur weil sie sich einen bekannten Doktor geangelt hat. Das würde in Wien nicht einmal registriert werden, aber in Graz fällt das auf. Natürlich auch, wenn sich wirkliche Hochkaräter, wie Vizekanzler Pröll, Frank Stronach, mit ihrem Anhang im Gedränge der Ballbesucher durchs Haus schieben lassen. Was diesen offensichtlich gut gefällt, ist die lockere Atmosphäre, ohne Protokoll, ganz anders als beim großen Bruder, dem Wiener Opernball. Ständig umlagert sind die im Haus verstreuten Bars und Labestationen. Und die Organisatoren Bernd Pürcher und Michael Tomec mögen das klarerweise, weil es damit in der Ballkasse ordentlich klingelt. Da passt ja eine Beobachtung in Sachen „Klingelbeutel“ ganz gut dazu. Nach der Wahl ist nicht vor der Wahl. LH Franz Voves war ja in den letzten Jahren der Opernredoute ferngeblieben. Er mischte sich lieber beim 10Euro-Ball in Puntigam unter die Leute oder setzte sich zu einem Provinzball in die Obersteiermark ab. Glück im Unglück für Voves: Dieses Jahr gibt’s keinen 10-EuroBall, lechzte es ihn auch nicht nach Provinz, verscherbelte er seine Opernredoutekarten auch nicht für einen guten Zweck und vergnügte sich mit seiner First Lady Ingrid standesgemäß bei der Opernredoute. Das war auch der geparkte, millionenteure Maybach vor dem Opernhaus. Er war allerdings nur ein optischer Aufputz des Autohauses Prügger. KLIPP Februar 2011

Alois Volgger und Hermann Schützenhöfer (v.l.) bei der Landesprämierung in der Grazer Burg.

Bollwerk gegen Schnelllebigkeit Wenn man daran denkt, dass die gut verdienende Styria und die Krone von Stadt und Land hunderttausende Euro an Förderung im Jahr für Events kriegen, die zum großen Teil ihnen nutzen und die sie auch ohne Förderung veranstalten könnten, dann ist die Summe von 11.000 Euro eher bescheiden. Noch dazu, wenn sie für Aktivitäten übergeben wird, die ehrenamtlich erfolgen. Susanne Niebler, Kustodin des Hallstattzeitlichen Museums in Großklein, Gerald Gerhardter, Obmann des Krippenvereins Stein an der Enns, Alois Volgger, Obmann vom Verein Licht im Leben – sie sind die diesjährigen Preisträger des Volkskulturpreises des Landes Steiermark. Die Jury wählte sie unter 21 Bewerbern aus und das Trio teilt sich die 11.000 Euro brüderlich.

Freundlich, wie es sich für die Öffentlichkeit bei der UrkundenÜbergabe gehört: Josef Zotter und LR Christian Buchmann tun sich da nicht schwer.

Countdown zum Start in die neue Tennissaison

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iele Mannschaften haben das Training für die Meisterschaft auf Sandplätzen schon sorgfältig geplant und sich die begehrtesten Termine vor Meisterschaftsstart im Mai in einem der Tenniscamps am Meer gesichert. Tennisbegeisterte Familien und Hobbyspieler sind bei der Terminwahl flexibler, doch jetzt ist es höchst an der Zeit, sich den Ort und Wunschtermin für das Tennistraining in der Frühjahrssonne zu sichern. „Die Wagner Tennis Tenniscamps in Istrien-Kroatien ermöglichen den perfekten Start in die bevorstehende Tennissaison 2011“, erklärt Heinz Wagner, einer der größten TenniscampVeranstalter in Europa. „Istrien und die nördliche Adria locken die Tennisspieler mit mildem Klima und ausgezeichnet gepflegten Sandtennisplätzen. In den professionell geführten Tenniscamps unserer Tennisschule erwartet die Gäste, neben angenehmer Atmosphäre, ein Trainerteam mit ausschließlich staatlich geprüften Tennislehrern, die die richtigen Tipps für die bevorstehende Saison mit je-

dem individuell in die Praxis umsetzen.“

Die bekannten Tenniscamp-Standorte Porec, Rovinj, Medulin, Pula und Vrsar sind mit dem Auto bequem und rasch zu erreichen, verfügen über preiswerte Hotels und Appartementanlagen und bieten dem Tennisspieler mehrere hundert gepflegte Sandtennisplätze. Mehr Infos für die optimale Planung Ihres nächsten Tennisurlaubs finden Sie im Katalog der Wagner Tennis Reiseagentur, info@wagnertennis.at, www.tenniscamps.at

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Opernredoute ist ein Dauerhit

Er verwöhnte schon vor zwei Jahrzehnten nicht nur die Grazer mit seinen Konditor-Köstlichkeiten in seiner Konditorei am Glacis, auch viele Nicht-Grazer waren „süchtig“ nach seinen herzhaft schmeckenden Kalorienbomben. Dann verließ er Graz, weil es geschäftlich dennoch nicht so lief, wie er sich das vorgestellt hatte, und startete zu Hause in Bergl bei Riegersburg noch einmal neu durch. Josef Zotter tat dies mit einer gläsernen Schokoladen-Fabrik. Er gilt daher im so genannten „Vulkanland“ nicht nur als der ungekrönte Schokoladen-König, sondern auch als Urvater der gläsernen Fabrik. „Bei uns können die Besucher die Herstellung der Produkte mit allen Sinnen erleben“, freut sich Josef Zotter über das ihm von Landesrat Christian Buchmann verliehene Gütesiegel „Erlebniswelt Wirtschaft“. Zotters Schokoladen-Tempel ist zu einer Pilgerstätte geworden, wo jährlich rund 150.000 Naschkatzen der Schokolade frönen.

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Ungekrönter Schokoladen-König


Heißes Eisen: Tatort Hypo Alpe Adria

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Ein mutiger Steirer I

Die ritterliche Tat des heiligen Martin im Winter (nach einer Legende): Er teilte seinen Mantel und gab die eine Hälfte einem unbekleideten Mann. LH Franz Voves würde Hannes Kartnig sicher auch helfen wollen, sollte es ganz schlimm kommen. Die Illustration stammt aus dem Klipp Juni 2006, als der Sturm-Präsident das Land um Finanzhilfe bat.

Zeit der Entscheidung naht

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er Prozess gegen den Ex-Sturm-Präsidenten Hannes Kartnig wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe steht im Frühjahr auf dem Spielplan des Landesgerichts. So „schlecht“, wie es auf der Klipp-Illustration dargestellt ist, geht es Hannes Kartnig zum Glück nicht. Doch er muss zumindest mit einer saftigen Geldstrafe rechnen – auch die nötigen Euros dazu muss man erst einmal auf dem Konto oder am Sparbuch haben. Ob er neuerlich auch zu einer unbedingten Haftstrafe verurteilt wird – niemand weiß es heute. Käme es dazu, dann geht der ExSturm-Präsident, na net, in die Berufung. Und dass eine solche Jahre dauern kann, zeigt das Beispiel von Andrea Herberstein. Sie wurde bereits vor drei Jahren zu einer unbedingten Gefängnisstrafe verurteilt, die letzte Instanz hat noch immer nicht entschieden. Der Aufschub bringt natürlich momentan Erleichterung für die Betroffenen, doch in den Alpträumen wird auch die Gefängniszelle eine Rolle spielen.

Wo wird er landen? Die Marktfrau am Kaiser-Josef-Platz in Graz, aber auch der treue, langjährige Kleine-Zeitung-Abonnent wird mit dem Namen Horst Pirker wenig anzufangen wissen. Sehr wohl hingegen die großen Entscheider in der österreichischen Politik und Wirtschaft, in den Medien ,und da natürlich besonders jene in der Steiermark.Wo wird er landen? Was wird er tun nach seinem völlig überraschenden Rückzug im Herbst vergangenen Jahres als allmächtiger Vorstandsvorsitzender des Styria-Konzerns? Er galt als „unverwundbar“ und noch ist nichts Offizielles bekannt, was er in Zukunft tun wird. Klar, dass die Familie da entscheidend mitreden wird – seine Frau und der fünfköpfige Nachwuchs. Nicht überraschend, dass sie – so

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wollen es Insider wissen – das Haus und damit den Familiensitz in Graz nicht auf- Ex-Styria-General geben wollen. Horst Pirker Damit würde sich aber Pirkers Bewegungsspielraum einschränken. Am Angebot von gut bezahlten Jobs hat der ExStyria-Chef sicher keinen Mangel. Doch eine vergleichbare Position im Medienbereich, wie die des Styria-Generals, ist in Österreich Mangelware. Im kleinen Kreis genannt wird Pirkers Name öfters mit einem großen oststeirischen Familienunternehmen, dessen Eigentümer er freundschaftlich verbunden ist.

n Zagreb oder Kroatien lebend müsste er schon genauer beobachten, wer sich im Kaffeehaus in seine Nähe setzt oder in seiner Wohnstraße auf und ab spaziert. „Aber Steirerblut ist bekanntlich kein Himbeersaft“, heißt es über unser Naturell. Bereits mehrere Wochen hält sich das Buch des Grazer Journalisten Richard Schneider „Tatort Hypo Alpe Adria“ (Residenz Verlag) als Sachbuch ganz vorne auf den Bestsellerlisten. Auch Gerichtsklagen gegen VorwortVerfasser Veit Heinichen mit einem Streitwert von 70.000 Euro sind bereits die Begleitmusik dazu. Die Spitzen-Medienanwälte des Landes wärmen sich bereits für den Gerichtsring auf. Denn mächtige, millionenschwere, zum Teil auch dubiose Geschäftsleute und Hintermänner spielen die Hauptrollen. Ein steirischer Verlag hätte zuerst die Chance gehabt, den Stoff zu verlegen, doch man traute sich nicht drüber. Lieber ein paar Ladenhüter mehr im Programm als einen Knaller und dafür mit der „Chance“, vor den Kadi zu müssen. „Ich hab’ ein Jahr recherchiert und gearbeitet“, zeigt sich Aufdeckungsjournalist Richard Schneider klarerweise zufrieden, auch wenn drohende, teure

Gerichtsklagen natürlich nicht ganz ohne sind. „Aber ich hab’ gründlich recherchiert. Viele kennen ja oberflächlich die unglaublichen Deals der Hypo, ich wollt’ aber das System und Spinnennetz der Hypo als Gesamtheit aufzeigen und wie sich das von Kroatien aus entwickelt hat.“ Und Schneiders Ausleuchten der unglaublichen Hintergründe und Zusammenhänge, der Netzwerke ist so detailreich, dass seine Informanten aus dem innersten „Täter- und Opfer-Kreis“ kommen müssen. So deutet Richard Schneider an, dass dem in Salzburg inhaftierten kroatischen Exministerpräsidenten Ivo Sanader entgegen dessen Beteuerungen sehr wohl eine ganz zentrale Rolle zukomme und er ein Wissender der Vorgänge sei. Sanaders Nachfolgerin als Premierministerin Jadranka Kosor war jahrelang seine rechte Hand. Sie wird darum sehr genau wissen, warum Kroatien gegen Sanader einen internationalen Haftbefehl erließ und dieser einer raschen Auslieferung nicht zustimmt. Andererseits: Sollte Sanader „auspacken“ (müssen), weil einige Mächtige in diesem Polit- und Wirtschaftskrimi ihn als prominentes Opfer ausgewählt haben, könnte das eine

Wer suchet, der findet Zum 16. Mal hat die steirische Ferialjobbörse nun ihre Internet-Pforten geöffnet. Gemeinsam mit der verantwortlichen LR Elisabeth Grossmann gibt LOGO Jugendmanagement wieder einer Vielzahl von Jugendlichen die Chance, einen Ferialjob zu finden. Anders als viele große medial gesteuerte Ferialjobbörsen, welche Jugendlichen oftmals einen falschen Eindruck von der Arbeits-/Ferialjobsuche vermitteln, ist die Steirische Ferialjobbörse ein zuverlässiger und vertrauenswürdiger Vermittler für jobsuchende Jugendliche und jobanbietende Unternehmen. Realitätsverzerrende Arbeitsbildbeschreibungen und -anforderungen haben in dieser Jobbörse keinen Platz. Alle steirischen Wirtschaftstreibenden sind deshalb aufgerufen, Jugendlichen eine Chance auf einen Ferialjob zu geben und gleichzeitig diesen großen Pool junger Arbeitskräfte zu nutzen. Infos: http://ferialjobboerse.logo.at

Für die Golf-Profis Markus Brier und Martin Wiegele (Foto) läuft es zur Zeit sehr gut. Sie verdienen auch gutes Geld.

KLIPP Februar 2011


Enthüllungsjournalist Richard Schneider.

Staatskrise heraufbeschwören. Eine Katastrophe, so kurz vor dem EU-Beitritt. Die Hypo Alpe Adria mit ihrem Sitz im EU-Land Österreich und ihren ehrgeizigen Expansionsplänen nach Südost-

europa passte dem verstorbenen „Alleinherrscher“ Franjo Tudjman und seiner Clique perfekt als internationale Gelddrehscheibe für ihre Privatisierungsund Milliardengeschäfte. Richard Schneider belegt dies akribisch genau, wie die Hypo-Manager ihrerseits dies für sich schamlos nützten – Bereicherung und Untreue gegenüber der eigenen Bank eingeschlossen. Ein Schlüssel zu vielen offenen Fragen im HypoSkandal liegt in Liechtenstein. Denn 51 Prozent der dortigen HypoTochter werden von Treuhändern gehalten und diese wehren sich mit allen (legalen) Tricks gegen die Enttarnung und das Öffnen aller Konten. Wenn dieser Damm bricht, wer weiß, was da noch alles an die Oberfläche geschwemmt wird.

Bei den Scheichs lochen sie gut ein „So ist Golf“, lautet der banalste, aber wahrste aller Sprüche. Vor wenigen Monaten wollte der 42-jährige Markus Brier seine Profikarriere beenden, die Schläger in die Ecke stellen, weil ihm 2010 auf der European Tour kein gutes Ergebnis mehr gelang. Nur mit Mühe schaffte er über die unangenehme Tour School doch noch ein Ticket für die European Tour, wo hunderte NachwuchsGolfer und früher erfolgreiche Profis über sechs Tage hinweg um die Tourkarte fighten. Brier war erleichtert. Und plötzlich spielte er wie in Südafrika bis zum dritten Tag wieder um den Sieg mit und auch jüngst in Katar, wo er sogar 3. wurde. Durch das auf Markus Brier gerichtete Scheinwerferlicht der heimischen Medien bleiben die guten Leistungen des Steirers Martin Wiegele etwas im „Dunkeln“. Ihm geKLIPP Februar 2011

lang bei den Scheichs eine 64erRunde, 8 unter par, die beste seiner Profikarriere. Damit verbesserte er sich vom 56. auf den 24. Rang und nahm auch noch 17.000 Dollar Preisgeld mit. Offensichtlich beflügelt durch Colin Montgomerie, mit dem er im Flight war. Der Schotte ist ein europäischer Superstar, hat er doch sechs Mal die Gesamtwertung der European Tour gewonnen und war auch Ryder-Cup-Captain. Dass Wiegele für seine Super-Runde von ihm gehörig auf die Schulter geklopft wurde, freute den Steirer natürlich. „Colin war viele Jahre mein Vorbild.“ Katar beendete Wiegele auf dem 37. Platz. Nur der Vollständigkeit halber: Die Nummer 1, Lee Westwood, hat dort nicht einmal den Cut geschafft. Als Nächstes gibt’s das 2,5-Millionen-Dollar-Turnie der Scheichs von Dubai.

der Es ist ein Segen, dass das Jahr 365 Tage hat. Dennoch wird es langsam knapp. Denn der Kalender ist voll mit Tagen, die Dingen, Phänomenen oder Ereignissen gewidmet sind, derer man gedenkt oder die man feiert. So wichtige Ereignisse wie der „Tag der Paradeiser“ oder der „Tag des Mädchenfußballs“ fressen sich unaufhaltsam und stetig wie Metastasen in den Kalender. Und es werden immer mehr. Den Tag der Fahne oder den Tag der offenen Tür kennt ja nun jeder.

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und sein Buch

noch sehen werden. Für Historiker: Der erste Grazer Knietag fand im September 2004 statt, das genaue Datum konnte ich leider noch nicht erforschen, aber ich arbeite daran. Inzwischen schreien bereits andere Körperteile nach entsprechender Würdigung. Der Tag der Leber will gleich nach dem Tag des Mannes seinen Gedenkplatz bekommen. Die Leber ist eben ein zutiefst männliches Organ. Allerdings liegt sie im Streit mit dem Bier und dem Fußball, die eben-

Feiere den Tag des Knies Dass Ersterer den Angeheiterten gewidmet ist, gehört übrigens zu den Scherzen. Ebenso, dass der Tag der offenen Tür vor allem bei Familien mit Kindern verbreitet ist. Nun gibt es aber zahlreiche Tage, die weniger bekannt sind, aber dennoch ihre Anhänger haben, wie zum Beispiel der Tag des Windes, der am 15. Juni im Kalender steht. Dass manche Personen ihren Tag des Windes nahezu tagtäglich feiern, gehört zu jenen delikaten Personalien, die hier nicht gelüftet werden sollen. Obwohl gerade da Lüftung nottäte. Eine ganze Menge an schwer überschaubaren Thementagen macht sich breit. Es gibt den Tag des Sports, den Tag der Menschenrechte, der Logistik, der Sonne, der offenen Baustelle, der Artenvielfalt, des geistigen Eigentums, der seelischen Gesundheit, der Nachhaltigkeit, der Apotheke. Es gibt den Tag der Frau und – tatarataaaa – am 3. November den Tag des Mannes. Ich hoffe, liebe Männer, das wurde im Beisl auch anständig und gebührend gefeiert. So könnte der Tag des Mannes mit dem Tag der Fahne in eins verschmolzen sein. Mein Favorit ist ja der Tag des Knies. Diesem wichtigen Körperteil einen eigenen Tag zu widmen, war eine kluge, aber nicht ungefährliche Entscheidung, wie wir

falls diesen Termin beanspruchen. Vielleicht ließe sich das alles an einem Datum zusammenfassen. Ich schlage den 11.11. vor, wenn die Nächte lang genug zum Feiern sind: Tag des Mannes, des Bieres, des Männerfußballs und der Leber. Das wäre was. Ich habe beschlossen, den nächsten Tag des Knies mit meinen beiden Knien still und im kleinen Kreis zu feiern. Als Dank gewissermaßen, dass sie mich schon einige Jahrzehnte durch die Gegend tragen. Motto: Kleine Schritte für die Menschheit, aber eine große Sache für zwei Knie. Vielleicht lade ich auch noch, was mein Orthopäde nahelegt, meine rechte Hüfte dazu ein. Kann nicht schaden. Allen Lesern ans Herz legen möchte ich den Tag der Briefmarke und den Tag der Sprachen. Aus dem Grund, weil die armen, bunten Briefmarken ihr Dasein im Verborgenen fristen und wenigstens einen Tag im Jahr ans Licht der Welt gehören. Das Gleiche gilt für die Sprachen, die hierzulande oft zwischen Buchdeckeln zu einem Schattendasein verurteilt sind. Freilich kann sich unsereiner jetzt nicht gleich um alles kümmern. Aber zumindest der wöchentliche Tag der Fahne mit den Freunden im Beisl – der muss sein. Reinhard Schuch

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POLITIK

Ein Krebsgeschwür – Steueroasen und Stiftungen gefährden die Europäische Union: Milliarden-Betrügereien! Der Skandal um Grasser/Meischberger/Hypo zeigt es

Steuern zahlen ist was

für arme Leute S

teuern zahlen sei was für arme Leute, hat eine amerikanische Milliardärin es offen ausgesprochen. Bingo! Wer sich auskennt und Geld hat, versteuert wohl nur einen kleinen Teil seines Einkommens in Österreich, möglicherweise steuerbegünstigt in einer Privatstiftung. Für den Rest des Vermögens gibt es beispielsweise Treuhandgesellschaften und Briefkästen in Steuerparadiesen. Was haben das Hypo-Finanzkarussell mit Tilo Berlin & Co, der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser, sein Trauzeuge Walter Meischberger und Wolfgang Flöttl gemeinsam? Sie wickeln ihre Geschäfte über Gesellschaften in Steueroasen ab. Bei KHG ist es eine besondere Pikanterie, dass der supersaubere Exchef der Finanz in das Fürstentum Liechtenstein stiften ging. Steuerparadiese und Stiftungen sind die Ingredienzien für die Verschleierung von Transaktionen und für die Steuervermeidung. Sie sind – als Kehrseite der Medaille – auch die Ursache dafür, dass der Mittelstand und die arbeitende Bevölkerung immer mehr belastet werden. Warum die EU als Ganzes

und ihre einzelnen Mitgliedsstaaten nichts gegen diese Entwicklung machen, liegt auf der Hand. Weil bekanntlich das Geld die Welt regiert und die Lobby-Politik diesen Versuchungen nicht widerstehen kann. So kommentiert der anerkannte Klagenfurter Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Johann Neuner das System (Kleine Zeitung, 21. Jänner 2011).* Der Gesetzgeber erlaubt Vermögenden Geschäfte mit Steueroasen. Der Fiskus prüft in der Zwischenzeit lieber Klein- und Mittelbetriebe. Sich mit den Mächtigen im Land anzulegen, ist immer gefährlich. Dafür sorgen schon die Lobbyisten. Johann Neuner: „In Wirklichkeit sind solche Rechtskonstruktionen nichts anderes als das Geschwür eines kranken Systems, welches die Zukunft unserer gesamten Gesellschaftsordnung gefährdet. In Österreich ist Karl-Heinz Grasser sogar Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens am Bande für Verdienste um die Republik. Vielleicht deshalb, weil er den Steuerzahlern gezeigt hat, wo’s langgeht. Weitere Auszeichnungen aus Liechtenstein dürften nicht lange auf sich warten lassen.“

Auf Aruba, den Virgin Islands, Guernsey, in Monaco, Andorra sind Steuern für ausländische Briefkästen praktisch ein Fremdwort. Gestrenge Aufsichtspflicht, Bilanzierung oder Prüfung kennt man dort nur vom Hörensagen. Wer als Vermögender sein gesamtes Einkommen zum Höchststeuersatz in Österreich versteuert, ist entweder Angestellter mit automatischem Lohnsteuerabzug oder nicht ganz bei Trost.

Griechen voran, die nur ein Prozent ihrer Anlagen deklarieren. Am meisten veranlagt haben laut Studie die deutschen „Spa-

ra Andor

Zwölf Milliarden Euro Schwarzgeld aus Österreich in der Schweiz Laut dem auf Finanzrecherchen spezialisierten Genfer Unternehmen Helvea werden in der Schweiz insgesamt 587 Milliarden Euro aus der EU gebunkert. Allein aus Österreich kommen davon rund 13 Milliarden Euro, zwölf Milliarden sind demnach Schwarzgeld, da Österreicher nur elf Prozent deklarieren. Nicht überraschend: Beim Schwarzgeld liegen übrigens Italiener und

y e ns r e Gu

rer“, gefolgt von Italien und Frankreich. Nach der Affäre um gekaufte Steuerdaten hat sich die Zahl der Selbstanzeiger innerhalb der EU sprunghaft erhöht.

Oasen-Info Nur 700 Euro muss man flüssig haben. Um so wenig Geld kann man eine steuerschonende Briefkastenfirma in einem Steuerparadies gründen. Sonderwünsche kosten klarerweise mehr.Auf dem Radarschirm der OECD befinden sich zur Zeit 56 Steueroasen weltweit. So viele Länder und Teilstaaten – von A wie Aruba bis Z wie Zypern – verteidigen ihren Steuerparadies-Status mit Zähnen und Klauen gegen die Attacken der OECD. Aber solange Finanzgroßmächte wie Großbritannien und die USA, aber auch EU-Mitgliedsstaaten solche Oasen betreiben, ist das ein Kampf gegen Windmühlen. Man darf annehmen, dass es in der Alpenrepublik zu einem Erdbeben kommt und die Bürger jeden Glauben in die Verantwortungsträger verlieren, sollten die Daten aus den Steueroasen durch wen auch immer veröffentlicht werden.

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Es ist nicht alles illegal, wenn ein Österreicher sein Geld auf die Reise nach Luxemburg, in die Schweiz oder nach Zypern schickt. Doch die Kapitaleinkünfte aus den Steueroasen und Offshore-Paradiesen fehlen allzu oft in der Steuererklärung. Beim legalen Steuersparen hilft sonst nur noch das nachweisliche Verlegen des Lebensmittelpunktes in eine Steueroase. Diese bieten den Reichen viel Freizeit-Luxus, damit es den Herrschaften beim Steuernsparen nicht zu langweilig wird. Auch wenn die krumme Tour mit dem Geldkoffer noch nicht ausgestorben ist. Die Nachforschungen österreichischer Steuerfahnder verlaufen dann meist im Sande. Wer es aber digital möchte, der kann ja per Mausklick Millionenbeträge an fast

jeden Ort der Welt transferieren. Natürlich hinterlassen die Täter damit eine elektronische Spur. Doch diese zu verwischen ist nicht schwierig. Experten schaffen das durch hintereinander geschachtelte Firmen, undurchsichtige Transaktionen mit Finanzderivaten oder unauffälligen Deals am Aktienmarkt. Und wenn alles dennoch vom Fiskus aufgespürt werden sollte, dann hilft immer noch das so genannte „Wanderkonto“. Fragen die Finanzer bei der Bank im Steuerparadies an, überweist diese das Geld automatisch in die nächste Steueroase. Und alles geht ohne Papierkrieg, moderne Briefkastenfirmen brauchen nicht mal mehr einen Briefkasten. Einschlägige Berater und heimische Banken geben hier vertraulich die besten Tipps und locken damit ihre Kunden.

Steueroasen boomen, es tobt ein gnadenloser Wettbewerb Seitdem die multinationalen Unternehmen

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Nicht in der EU

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Liechtenstein Lux em bur g bei ihren Investitionen in den Kapitaltransfer kaum noch Beschränkungen haben, haben sich die reichen Länder gegenseitig in eine Abwärtsspirale ge-

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jagt. Die tatsächlichen Steuerquoten der so genannten Reichen und der großen Konzerne (z. B. Siemens, BMW, Mercedes) sind in ihren Herkunftsländern dramatisch gesunken. Die zu versteuernden Erträge werden in Niedrigsteuerländer verlagert. Vor Jahren noch bei 40 Prozent gelegen, betragen sie heute 15 Prozent und weniger. Die weltweite Schwindsucht der Unternehmenssteuern ist ein Grundproblem für die Budgets der Länder. Denn der freie Kapitalverkehr hat zwar die wirtschaftliche Entwicklung der Konzerne gefördert, aber er hat auch den Spielraum für Steuervermeidung gewaltig vergrößert. Der unlautere Wettbewerb schadet vielen und nutzt nur wenigen. Es gibt zwei Wege für multinationale Unternehmen, ihre weltweiten Steuerzahlungen zu minimieren. Sie können ihre Produktion in Niedrigsteuergebiete verlagern. Der zweite Weg: Man lenkt einen großen Teil des Gewinns einfach dorthin, wo der Fiskus sich mit wenig begnügt – ganz egal, ob der Ertrag wirklich dort erwirtschaftet wird oder nicht. Die Vorgangsweise ist einfach: Die konzerninternen Verrechnungspreise für Vorleistungen aus einem Niedrigsteuerland werden möglichst hoch angesetzt. Dort sammeln sich die Erträge, während das Unternehmen im importierenden Hochsteuerland hohe Kosten hat und damit niedrige Gewinne ausweisen kann. International agierende Unternehmen können sich deshalb die beste aller Welten schaffen, sie produzieren dort, wo Staat und Gesellschaft alle Vorleistungen und

eine Infrastruktur in höchster Qualität anbieten, entrichten aber ihre Steuern dort, wo der Fiskus besonders gnädig ist. Leider wandern die Gewinne dann nicht in reale Investitionen, sondern es wird damit auf den Finanzmärkten spekuliert. Auch innerhalb der EU gefährden Steuerparadiese und Steuerschongebiete die Gemeinschaft. Ob auf Malta, in Irland, Belgien, Holland, Italien, auf Madeira, in Gibraltar – um nur einige zu nennen. Diese sind von der Europäischen Kommission offiziell anerkannt und genehmigt, weil sie als Maßnahme zur regionalen Wirtschaftsförderung gedacht waren. Überall dort sind die Körperschaftssteuern extrem niedrig. Auch wenn es unzählige Appelle, Forderungen in den Medien gibt, die EU will sich ihres Krebsgeschwürs nicht entledigen. Denn die Großen profitieren davon. Ein Mekka der Privatanleger ist das Großherzogtum Luxemburg. Denn Luxemburg verfügt wiederum über ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Malta. Setzt man zum Beispiel auf eine Luxemburger Gesellschaft eine Maltesische Holding drauf, dann schneidet man steuerlich ebenso gut ab, wie wenn man nach Mauritius, Hongkong oder Singapur „flüchtet“. Kein Land in der EU, das über Steueroasen verfügt, sieht sich als Täter in Sachen Steuerdumping, jeder fühlt sich als Opfer. Die Folgen des Steuerwettlaufs sind aber verheerend. Die dort geparkten Gelder und verloren gegangenen Steuereinnahmen (sie werden für geheime spekulative Finanzgeschäfte genützt) würden dem gesamten Wirtschaftskreislauf in der EU nützen, die Konjunktur verstärken und die Steuerbudgets der einzelnen Staaten auffetten. O

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Viele Finanztouristen

* Neuner wiederholt das auch im KlippGespräch.

Steuerparadise Andorra Anguilla Antigua und Barbuda Aruba Bahamas Bahrain Barbados Belize Bermuda Britische Jungferninseln Cookinseln Dominica Dubai Gibraltar Grenada Hongkong Irland Isle of Man Jordanien Jungferninseln Kaimaninseln Kanalinseln Libanon Liberia

Liechtenstein Luxemburg Macao Malediven Malta Marshallinseln Mauritius Monaco Montserrat Nauru Niederländische Antillen Niue Panama Samoa Schweiz Seychellen Singapur St. Kitts und Nevis St. Lucia St.Vincent und die Grenadinen Tonga Turks- und Caicosinseln Vanuatu Zypern


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Duo VoSchü will mit seiner Reformpartnerschaft 25 Prozent beim Landesbudget einsparen

Ein Hasardspiel? Die Landesspitzen Franz Voves und Hermann Schützenhöfer und deren Anhang haben beschlossen, die Ausgaben des Landes um 25 Prozent zu kürzen. Damit soll das Budget ausgabenseitig saniert werden, weil dem Land sonst Gefahr läuft, sich zu überschulden. Dabei steht die Steiermark aber im Vergleich zu anderen Bundesländern noch gut da.

B

is 2013 soll es gelingen, kei- Gemeinden verkraften sollen – rund ne neuen Schulden mehr auf- 200 sind ja ohne Landesförderunzunehmen. Das kommt noch gen nicht überlebensfähig –, darauf dazu gut an bei den Wählern, denn kann keiner der Experten eine exakniemand von uns will Schulden ha- te Antwort geben. ben, sondern nur Guthaben. Dass es Zum Ausmaß der Verschuldung des dafür immer jemanden braucht, der Landes Steiermark liefert der Finanzwissensich auch Landesbudget 5 Milliarden Euro schafter Ruverschuldet dolf Dujmo(also einen vits von der Kredit aufÜberschuldung 1,6 Milliarden Euro Universität nimmt) und Graz erhellendamit erst Zinsendienst/Jahr 33 Millionen Euro des und für die die Sparzin(Zehlen sind gerundet) heiße Diskussen ermögsion nützliches Zahlenmaterial: licht, wird meist ausgeblendet. Ein drastischer Sparkurs kann aber „Laut dem Staatsschuldenbericht in einer Krisen-Situation auch fatale ist sie im Jahr 2008 noch ganz gut Folgen haben, weil die Gefahr be- dagestanden, die Pro-Kopf-Versteht, dass auch die Einnahmen schuldung betrug 366 Euro. Der wegbrechen und damit eine Spirale Österreich-Durchschnitt lag bei 755 nach unten ausgelöst wird. Wie sich Euro, Kärnten lag sogar bei 1.766 den angepeilten 25-Prozent-Spar- Euro, Niederösterreich bei 1.593 kurs die angeschlagenen steirischen Euro und Wien (wegen Ausgliede-

Mag. Jochen Pildner-Steinburg, Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark

Linear einsparen wäre falsch In der Verwaltung – ob nun im Land, Bezirk oder in der Gemeinde – gibt es sehr viel Einsparungspotential. Aber überall, linear 25 Prozent einsparen zu wollen, das wäre natürlich Humbugh. Und wenn um 25 Prozent wo eingespart wird, dann heißt das ja nicht, dass die Wertschöpfung in der Steiermark um 25 Prozent zurückgeht. Denn viel von dem Geld kam ja nie den Steirern zugute. Unser Problem ist einfach, dass wir ein System haben, wo wir oben viel hinein geben und unten beim Empfänger, dem einzelnen Menschen oder dem zu fördernden Betrieb, einfach zu wenig raus kommt. Ein zu großer Teil der Steuermittel verschwindet in den Kanälen und Verästelungen der Administration. Wir müssen und können restrukturieren, damit Steuermittel einsparen und diese für innovative, zukunftsorientierte Projekte einsetzen. Wir werden große, neue Technologien brauchen, um unseren Wohlstand in Europa abzusichern. O

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Duo „VoSchü“: Mister -25% rungen nur sehr eingeschränkt vergleichbar) bei 865 Euro. Die Gemeinden stehen bekanntermaßen deutlich schlechter da: Österreichweit (ohne Wien) lag die Pro-KopfVerschuldung bei 1.684 Euro, die steirischen Gemeinden lagen knapp darunter. Es sollte auch einmal gesagt werden, dass in bestimmen Sektoren der Wirtschaft Defizite aus

volkswirtschaftlicher Sicht sinnvoll sein können. Beispiele dafür sind das Gesundheitswesen, die Post und nicht zuletzt die Bahn. Natürlich ist bei solchen natürlichen Monopolen auf eine kostenminimierende Erstellung der Leistungen zu achten, doch eine rein betriebswirtschaftliche Perspektive greift da zu kurz. Für die von vielen im Munde geführ-

Uni-Professor und Finanzwissenschafter Richard Sturn:

Unsere Steuerbelastung nicht so grauenvoll hoch

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In einer Phase der Rezession ist es problematisch, zu viele ausgabenseitige Kürzungen bei öffentlichen Budgets vorzunehmen. Sie können den Wirtschaftskreislauf schwächen bis abwürgen. Die Politik muss in einer solchen Phase auch darauf achten, dass es zu keinem Angstsparen der Privaten kommt. Was die Verschuldung der öffentlichen Hand betrifft: Sie findet auch dort ihre Grenze, wo der Staat oder auch die Länder zum Spielball von Kapitaleignern werden und damit den Spielraum für Gestaltung verlieren. Je „niedriger“ man diese Verschuldungsfrage auf die Gebietskörperschaften runterbricht – z.B. auf kleine Gemeinden –, desto schwieriger ist es für die einzelne Körperschaft, antizyklische Verschuldungspolitik zu machen. Man stärkt die Glaubwürdigkeit, wenn man mittelfristig konsolidiert. Mit tragfähigen Reformen des Pensionssystems oder des Föderalismus signalisiert man glaubwürdig die Verpflichtung zu mittelfristiger Balance im Budget. Kurzfristiges Sparen im Bildungs- und Sozialbereich kann Ungleichgewichte verstärken. Beim Sparen kommt es immer darauf an, dass mit dem Ersparten dann auch realwirtschaftlich etwas passiert, die Mittel investiert werden. In einer Krise ist es Aufgabe der Politik, dies sicherzustellen. Verteilungskämpfe über die Aufteilung der Steuerlasten wird es immer geben. Unsere Steuerbelastung ist nicht so grauenvoll hoch, wie oft dargestellt wird, denn das Steuer- und Transfersystem hat gerade in dieser Krise als wichtiger automatischer Stabilisator gewirkt. O

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die gemeinnützigen Wohnbauträger können dann ihre Beschäftigten nicht mehr entsprechend mit Arbeit auslasten, so sie nicht andere Projekte am Markt „finden“. Die, die 25 Prozent weniger bekommen, können also die fehlenden Einnahmen oder Ausgaben dadurch ausgleichen, dass sie neue Kunden finden, die dann ihre Bestellungen aber auch bezahlen können. Und nicht so wie im Fall der US-Immobilienkrise, wo die Hausbesitzer plötzlich kein Geld mehr für die Rückzahlung ihrer Kredite hatten. Aber so funktioniert unsere Geldwirtschaft als Ganzes nun Mal. Sie bleibt nur stabil, wenn sie wächst. Der Einzelne kann und muss sparen, weil ihm die Bank zum Beispiel keinen neuen Kredit mehr gibt. Die Bank wiederum muss dafür einen anderen Kunden finden und darauf vertrauen, dass dieser seinen neu aufgenommenen Kredit zurückzahlt. O

Finanzexperte Prof. Rudolf Dujmovits (Uni Graz)

Entscheidend ist, wofür geborgtes Geld verwendet wird In Zeiten einer Wirtschaftskrise ist es problematisch, wenn zu stark aufs Sparen gesetzt wird. Das gilt vor allem für lineare Ausgabenkürzungen. Das kann nicht nur den zarten Wirtschaftsaufschwung abwürgen, sondern es werden dabei auch Zukunftsbereiche der Wirtschaft beschnitten. Zukunftsinvestitionen in das Bildungssystem vom Kindergarten bis zur Hochschule, in Forschung und Entwicklung oder in den Ausbau öffentlicher Verkehrssysteme wie der Bahn sind auch in Krisenzeiten erforderlich. Entscheidend ist wofür Bund, Länder und Gemeinden die Steuereinnahmen und das geborgte Geld verwenden. Natürlich muss die öffentliche Verschuldung ernst genommen werden. Die öffentliche Hand sollte auch darauf achten, dass sie nicht zu abhängig vom Finanzsystem wird und damit eigenständigen politischen Gestaltungsspielraum verliert. O

+ KLAR Es ist jetzt wieder die Zeit, wo die einen kaufen was das Zeug hält, andere wiederum sich ganz schwer tun, sich nur das Notwendigste zu leisten. Dabei strengen sich aber alle gehörig an. Natürlich arbeitet man länger oder verzichtet auf vereinbarten Lohn, weil sonst der Job weg ist. Natürlich kümmern sich Ältere um noch Ältere, weil die Sozialsysteme es allein nicht schaffen. All das ist vorbildhaft. Damit sind aber die Probleme unseres reichen Landes nicht gelöst. Die große soziale Frage des neuen Jahrhunderts: Wie halten wir die Gesellschaft zusammen, in der wenige reicher oder immer mehr ärmer werden? Wie kann der Sozialstaat unter diesen (globalen) Bedingungen überleben? Der Sozialstaat ist eine nationalstaatliche Erfindung, die Wirtschaft jedoch ist längst global. Die Relation zwischen Arbeit und Kapital stimmt nicht mehr. Letzteres ist flüchtig wie ein scheues Reh, die Arbeit bleibt sitzen. Die Weltwirtschaft wird auf Kostenwettbewerb reduziert. Der Billigste gewinnt. Das untergräbt die vorhandenen Sozialstandards. Nur ein starker und engagierter Staat kann die Dinge richten. Dafür braucht er Geld und er soll es sich dort holen, wo es in hohem Maße vorhanden ist. Spitzeneinkommen, Erbschaften und große Vermögen gehören höher besteuert. Der Staat muss sich nun von der Illusion ver-

Wenige werden reicher – immer mehr ärmer

Wie soll das gut gehen abschieden, dass immer weniger Steuern Arbeitsplätze schaffen. Arbeitszeitverlängerung und Deregulierung führen nicht dazu. Eine Maßnahme, die aus Sicht des einzelnen Unternehmens Sinn macht – nämlich die Senkung der Produktionskosten und Erhöhung des Gewinns –, hat für eine Volkswirtschaft verheerende Folgen, wenn sich alle Wirtschaftsteilnehmer danach richten. Eine Volkswirtschaft, in der immer mehr ärmer und einige reicher werden, bricht zusammen, weil die Konsumenten für die angebotenen Waren und Dienstleistungen fehlen. Daher: Eine vernünftige Sozialpolitik ist nicht der Lazarettwagen, der hinter der wirtschaftlichen Entwicklung herfährt und die Fußkranken aufliest. Ein vernünftiger Lebensstandard für Beschäftigte und die Gewinne mit Arbeitnehmern zu teilen – dies sind Investitionen in die Zukunft. Sozialpolitik hat also auch mit der Ordnung der Gesellschaft zu tun. Diese kommt nicht ohne Prinzipien aus. Und dies sind nun mal Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Ein Problem mit Barmherzigkeit zu lösen, wenn Gerechtigkeit gefragt ist, muss scheitern. Denn letztere ist eine Stütze der Selbstachtung. J.L.

Zwei neue Gesichter an der Spitze Der Reihe nach: Monatelang sucht die Grazer SPÖ nach einem neuen Sympathieträger und Spitzenkandidaten für die Bürgermeister-Wahl im Jahr 2013. Herper, Vollath und Genossen haben da mit dem Noch-JoanneumGeschäftsführer Edmund Müller einen guten Griff getan. Er war vorher nie in einer politischen Funktion, aber dennoch immer politisch sehr interessiert. Bis 1997 war er Sekretär von ExLandeshauptmann-Stellvertreter Peter Schachner und wechselte von dort als Geschäftsführer in die ForKLIPP Februar 2011

schungsgesellschaft Joanneum. Müller bewies seine Führungsqualitäten im Joanneum Research, wirkt Edmund Müller sympathisch und hat einen kooperativen Arbeitsstil. Den braucht auch der 49-jährige Knittelfelder Josef Herk. Er ist bekanntlich der neue Präsident der Wirt-

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te ökonomische Effizienz können nämlich Defizite zweckmäßig sein, da die dabei entstehenden Vorteile für die BürgerInnen insgesamt überwiegen. Diese Defizite sind über Steuern zu finanzieren. Bei vermögens- und ressourcenbezogenen Steuern besteht in Österreich ja noch einiger Spielraum nach oben.“ 25 Prozent weniger Ausgaben heißt 25 Prozent weniger Einnahmen bei jenen, die vom Land Geld in Form von Förderungen oder Zuschüssen zu bekommen haben. Der geförderte Wohnbau bietet sich da als gutes Anschauungsbeispiel an. Vor Jahren waren es noch 2.500 geförderte Wohneinheiten pro Jahr, die Zahl sank im letzten Jahr auf 1.400 und soll im Rahmen des Sparkurses auf knapp über 1.000 sinken. Ein solcher Schritt löst natürlich eine Kettenreaktion aus. Diese Maßnahmen sorgen bei den Baufirmen, den Schlossern, Dachdeckern für geringeres Auftragsvolumen. Aber auch

schaftskammer Steiermark und folgt Ulfried Hainzl nach. Herk ist politisch ein unbeschriebenes Blatt, führt Josef Herk einen Karosserie-Betrieb in Knittelfeld und wurde im Vorjahr zum Bundesspartenobmann für das Gewerbe und Handwerk gewählt. Mit seinem Einsatz für die Nachwuchsarbeit, also für die Lehre,

hat er sich kammerintern bekannt gemacht. Da er aus der Obersteiermark kommt, ist damit auch die Vormacht der Grazer in den Spitzengremien der WK nicht mehr so stark. Vorgänger Ulfried Hainzl stolperte letztendlich über den Dienstwagen-Ankauf. Für knapp 90.000 Euro wollte er einen Lexus aus dem eigenen Autohaus – Kritiker sprachen von einem Ladenhüter – als Dienstwagen anschaffen lassen. Der „Lexus-Luxus“ war ja doch nur der letzte Auslöser für Hainzls Rücktritt, es knirschte schon seit Monaten zwischen den Funktionären im Kammer-Präsidium. O 11


Bruno Kreisky wäre heuer 100 Jahre alt geworden

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Kreiskys fast historisch gewordenes Credo: „Mir machen einige Milliarden Schilling mehr Staatsverschuldung weniger Kopfzerbrechen als einige hunderttausend Arbeitslose mehr.“ Ökonomen bezeichnen diese Art der Politik Defizit-Spending, wie sie ja auch in den letzten zwei Jahren der Wirtschaftskrise betrieben wurde. Nur so konnte diese in Österreich gemildert werden. Die 13 Jahre der Regierungära Kreiskys seien da der Auslöser für die Verschuldungspolitik gewesen, gegen die heute angekämpft werde. „Eine Polemik und unwahr“, wie der Grazer Wissenschafter und Volkswirtschaftsexperte Rudolf Dujmovits (Uni Graz) betont. Denn die Staatsverschuldung betrug im Jahr 1970, als Kreisky seine erste Minderheitsregierung bildete, 13 Prozent. Im Jahr 1982, nach 13 Jahren, lag sie bei 28,4 Prozent. Dies entspricht einer Schuldenzunahme von 1,2 Prozent pro Jahr. In der Regierungszeit von Kreisky gab es zwei Ölschocks zu bewältigen, die zu dramatischen Wirtschaftskrisen eben in den 70erJahren führten. Die damals eingesetzten Milliarden wurden damals allerdings für Investitionen zur Verfügung gestellt und nicht, wie in der jüngsten Krise, zu einem großen Teil für die Banken-Absicherung. Den größten Zuwachs an der Staatsverschuldung gab es – abgesehen jetzt von der Krise der letzten Jahre – zwischen 1983 und 1986, zur Zeit der rot-blauen Koalition. Dort belief sich diese auf insgesamt 12,9 Prozent, also 3,2 Prozent pro Jahr. Von 1986 bis 1999 gab es ja bekanntlich eine rot-schwarze Regierung unter Kanzler Franz Vranitzky, Viktor Klima und den ÖVP-Vizes Riegler, Busek und Schüssel. In dieser Zeit stieg die Staatsverschuldung von 41,3 Prozent auf 59,6 Prozent. Das entspricht in den 14 Jahren einem jährlichen Anstieg von 1,4 Prozent. Die schwarz-blaue Koalition unter Schüssel-Grasser-Haider hat dann das Defizit formal stabilisiert, wurde allerdings von der EU dafür gescholten, dass man durch die Auslagerung von Schulden in staatsnahe Gesellschaften (Asfinag usw.) das Bild schönte.

Die Steiermark war ihm wichtig

Foto: Magna Steyr

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s waren die steirischen Genossen, die Bruno Kreisky bei seiner Wahl zum SPÖVorsitzenden unterstützten, als er sich 1967 überraschend gegen den haushohen Favoriten Bruno Bittermann durchsetzte. Der damalige steirische SPÖ-Parteiobmann hieß Dr. Alfred Schachner-Blazizek. Er war Erster Landeshauptmann-Stellvertreter in der Steiermark, wie sein Sohn Peter Schachner-Blazizek (1990 bis 2002). Kreisky wollte nach der gewonnenen Nationalratswahl am 1. März 1970 Alfred Schachner-Blazizek im Frühjahr 1970 als Minister in seine

Letzter Auftritt in Zeltweg

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Minderheitsregierung holen. Schachner war bei den Landtagswahlen vom 15. März 1970 zwar noch Spitzenkandidat, die Josef Krainer I gewann (er verstarb im November 1971). Der steirische SPÖChef lehnte Kreiskys Wunsch ab, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits schwer krank war. Er verstarb im September 1970. Nicht zuletzt wegen der Rückenstärkung durch die Steirer war die Grünweiße Mark für Kreisky stets ein wichtiges Anliegen. Aber auch wegen der verstaatlichten Industrie in der obersteirischen Mur-Mürz-Furche. Deren Bewohner zählten ja zu

den SPÖ-Wählerhochburgen. Immer wieder besuchte er die Industrieregion, die ja damals bereits mit starken Strukturproblemen kämpfte. Ein Modellfall für Kreiskys Erneuerungspolitik war die Region Aichfeld-Murboden. Der dortige Bergbaubetrieb in Fohnsdorf musste geschlossen werden. Die Regierung startete ein umfangreiches Umschulungsprogramm mit den Bergknappen. Man siedelte neue Produktionsbetriebe an – wie etwa eine Fabrik, die Kunststoff verarbeitete, den Küchen- und KühlgeräteErzeuger Bauknecht oder eine Leiterplatten-Fabrik in Leoben-Hinterberg, die ursprünglich zum VoestKonzern gehörte. Später erwarb sie dann die Gruppe Dörflinger-ZoidlAndrosch. Wiederholt wurden die Maßnahmen der Regierung als gelungene Erneuerung eines alten Industriegebietes plakatiert. Viele Milliarden Schilling investierte der Bund über die verstaatlichte Industrie zu Kreiskys Zeiten in die Industrieregion der Mur-Mürz-Furche, von Judenburg bis Mürzzuschlag. Es kam dennoch zu vielen gewaltigen Turbulenzen. Der österreichische Volkswirtschafter und Grazer Universitätsprofessor Gunther Tichy prägte damals den Begriff von der so genannten „endogenen Erneuerung“. Aufgrund der diversen Krisen wurde Kanzler Kreisky öfters als „Feuerwehr“ und „Brandlöscher“ in die Steiermark gerufen. So auch im Falle des österreichischen VorzeigeUnternehmens Eumig (Hersteller von Kameras, Radios, Tonbandgeräten, Kassettendecks), das Ende der 70er-Jahre einen jähen Absturz erlebte, der auch zum Ende der Produktion im Werk Fürstenfeld führte. Kreisky gelang es, dort einen Ersatzbetrieb anzusiedeln, der noch heute existiert. KLIPP Februar 2011


LILLY LOTTERBLUME Sensation: Mercedes kommt nach Graz Auch in Graz sorgte Kreiskys Handschrift in der Industriepolitik für einen Paukenschlag. Neben der Zweirad-Erzeugung von Puch (Motorräder, Mopeds und Fahrräder) war der in Graz entwickelte Geländewagen mit Vierrad-Antrieb, der Puch G, zu einem gefragten Fahrzeug in Europa geworden. 1977 gelang dann eine Kooperation mit Mercedes. Es war eine echte Sensation, dass sich der Weltmarktführer Mercedes am kleinen Standort in Graz-Thondorf beteiligte. Künftig wurde der Puch G weltweit als Mercedes Geländewagen verkauft und nur in den Ländern Schweiz, Österreich und im Osten als Puch G. Diese Kooperation gibt es bis heute. Sie war gleichsam der Beginn der Auto-Produktion in Graz. Am 11. April 1977 kam es in Graz zur Grundsteinlegung der neuen Mercedes-Puch-G-Produktionshallen. Damit war auch das Fundament für die spätere Eurostar- und Magna-Automobil-Produktion gelegt. Immer wieder wurde spekuliert, dass Mercedes die gesamte Produktion übernehmen würde. Bis heute ist es aber dazu nicht gekommen. Die Republik Österreich musste bei den Investitionen in die Verstaatlichte klarerweise viele Milliarden Schilling in die Hand nehmen. Denn ohne die Staatshilfe wären Ansiedlungen und Erneuerung nicht gelungen. Die letzte Wahl, die Bruno Kreisky schlug, war die Nationalratswahl vom 24. April 1983. Kreisky verlor damals seine absolute Mehrheit als SPÖ-Kanzler. Er schaffte nur noch 47,6 Prozent (90 Mandate). Daraufhin trat er zurück. Seine Genossen konnten ihn nicht umstimmen. Seinen letzten öffentlichen Wahlauftritt als Bundeskanzler hatte er bewusst gewählt: dieser war am Freitag, den 22. April, in der Region Aichfeld-Murboden, in Zeltweg. O

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Hallo, meine Lieben! Ich bin gerade dabei, ein möglichst günstiges Reise-Angebot für Ostern zu suchen, weil mein Allerliebster und ich mit unserem Nachwuchs für ein paar Tage weg wollen. Und beim Gustieren, da hab‘ ich geglaubt, ich les‘ nicht recht. Da heißt es in einem Prospekt, es gebe eine große Nachfrage nach so genannten Themen-Kreuzflügen, die so vier bis fünf Tage dauern. Da fliegt man im luxuriösen Privatjet mit maximal zwölf Passagieren zu exklusiven Kulturaufführungen oder an sündteure Golfplätze oder zum Essen und Trinken in HaubenRestaurants quer durch Europa. Natürlich nur dann, wenn du zwischen 10.000 und 12.000 Euro pro Nase dafür hast. Ich kann nur den Kopf schütteln, weil ich mit einem Drittel für die ganze Familie auskommen muss. Geld regiert also die Welt. Leider fehlt vielen schon das vernünftige Mittelmaß. Das hat auch Ulfried Hainzl nicht gehabt, seit kurzem Ex-Wirtschaftskammer-Präsident. Er wollte sich ja bekanntlich einen Dienstwagen für knapp 90.000 Euro, einen Lexus, zulegen, noch dazu einen gebrauchten aus dem eigenen Autohaus. Das hat für ungeheuer viel Zoff bei den Funktionären in der Kammer gesorgt. Hainzl wollte das durchstehen, er wurde nun aber „freiwillig zurückgetreten“. Die Dienstwagen-Affäre war aber letztlich nur noch der Tupfen auf dem i, so weiß die Ute. Denn innerhalb der Wirtschaftskammer, im Präsidium, auch in anderen Gremien, hat es schon seit Monaten geknistert. Hainzls Führungsstil nach der gewonnenen Wahl im Vorjahr, seine einsamen Personal-Entscheidungen, die kamen nicht gut an. Als dann vor zwei Wochen sein Vizepräsident Benedikt Bittmann in aller Deutlichkeit und öffentlich erklärte, Hainzl sei beratungsresistent und agiere ständig ohne sie im Präsidium zu fragen, da war klar, dass dieser Bruch nicht mehr zu kitten war. So habe er zum Beispiel Wirtschaftsbund-Direktor Jakob Taibinger in die Kammer geholt – das allerdings im Alleingang – und habe diesem einen Spitzenposten zugeschanzt. Auch Kammer-Direktor Thomas Spann sei über dieses Vorgehen äußerst ungehalten gewesen, musste er doch fast fürchten, irgendwann

einmal selbst von Hainzl zur Seite geschoben zu werden. In der Industriellenvereinigung mit deren Chef Jochen Pildner-Steinburg wollte man dieses Vorgehen nicht mehr einfach zur Kenntnis nehmen. Es kam, wie die Ute weiß, zu heftigen Diskussionen, auch mit Landesrat Christian Buchmann. Dieser hat ja schon seinerzeit Hainzl den Vorzug gegeben, die Industriellenvereinigung war ja für Regina Friedrich als Kammer-Präsidentin. Buchmann sei nie in seiner Berufslaufbahn Unternehmer gewesen, lautete der nicht gerade freundliche Kommentar von Industriellen-Chef PildnerSteinburg. Buchmann hätte als Nur-Angestellter der Wirtschaftskammer nie verspürt, was unternehmerisches Risiko bedeutet. Er sei auch der erste Wirtschaftsbund-Obmann, der nicht als selbstständiger Unternehmer in diese Funktion gewählt wurde. Bei seinen Personalentscheidungen für Spitzenpositionen bevorzuge Buchmann seine loyalen, ergebenen Gefolgsleute. Dies nütze dem Lande nicht, wird der Industriellen-Chef zitiert. Auch beim Vorschlag des Nachfolgers von Hainzl, dem Knittelfelder Herk, sei Buchmann nicht gerade visionär vorgegangen. Er habe damit lediglich die Kritik der obersteirischen Funktionäre besänftigen wollen, die sich von den Grazern dominiert fühlen. Regina Friedrich wäre die logische Entscheidung gewesen, auch ÖVP-FrauenChefin Edlinger-Ploder übt Kritik: „Es schaut für die Frauen traurig aus.“ Eines wird damit deutlich, so die Ute: Industriellen-Chef Jochen PildnerSteinburg wird in Hinkunft Buchmanns Entscheidungen so nicht mehr hinnehmen. Mit der Konsequenzen, dass die Industriellenvereinigung ganz deutlich zu Landesrat Buchmann auf Distanz gehen wird. Viel Rätselraten gibt es um den Konkurs von Hella Ranner, der EuropaAbgeordneten. Sie war ÖVP-Gemeinderätin in Graz, war Präsidentin der Grazer Messe und besitzt ein Beratungsunternehmen, übere das sie jetzt wegen Schulden von rund vier Millionen Euro Konkurs anmelden musste. In echtem altem österreichischen Geld, wie der Otto aus der Grazer ÖVP sagt, immerhin

etwa 50 Millionen Schilling. Er hat Ranners politische Karriere in den letzten Jahren beobachtet und meint, dass der Grazer ÖVP-Chef Siegfried Nagl der große Förderer von Hella Ranner war und ist. Aus welchen Gründen, darüber gibt’s ganz viele Spekulationen. Hella Ranner hat schon betont, dass sie ihr Mandat im Europarat behalten werde. Ein Umstand, der ihr in dieser schwierigen Situation sicher helfen wird. Denn wie der Otto sagt, darf das Einkommen von Politikern aufgrund deren Immunität – ein EU-Abgeordneter kriegt rund 10.000 Euro monatlich – nicht gepfändet werden. Das sei ein Privileg oder eine Absicherung, damit Politiker nicht erpressbar würden. Hella Ranner kann dies in ihrer schwierigen Situation nur Recht sein. Weil der Otto von Hella Ranners Problemen bei unserer letzten TarockRunde gesprochen hat: Natürlich ist der Karl-Heinz Grasser auch ein Thema gewesen. Und da hat sich auch mein Allerliebster wieder einmal ganz besonders aufgeregt. Grasser und seine Fiona behaupten ja immer wieder, Karl-Heinz sei ein Saubermann und habe nichts Falsches gemacht, was seine weiße Weste in Frage stelle. In den Telefonaten mit seinem Spezi Meischberger – er ist ja auch sein Trauzeuge – reagiert Grasser aber nie ablehnend oder gar wütend, wenn der über die Millionen-Provisionen spricht, ärgert sich mein Allerliebster. Grasser gibt sogar gute Tipps, wie Meischberger die Kripo oder auch die Finanz an der Nase herumführen könnte. Das tue doch keiner, der von diesen Geschäften keine Ahnung hätte. Denn der würde doch bittberböse sagen: Lass‘ mich bitte in Ruh‘, du weißt, ich hab‘ nichts damit zu tun und ich will da nicht hinein gezogen werden in eure kriminellen Spiele, du ruinierst meine Existenz. Aber nichts da bei Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, dem der Verdacht von Korruptionsgeschichten seit Jahren an den Fersen klebt. Hätte sich Wolfgang Schüssel in der ÖVP durchgesetzt, den mein Mann geschätzt hat, dann wäre Grasser sogar ÖVP-Vizekanzler geworden. Mein Allerliebster ganz erbost: Ich will mir das gar nicht vorstellen. Eure Lilly

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POLITIK

Fohnsdorf: Exbürgermeister Johann Straner, abgesetzt, entmachtet, stellt sich Neuwahlen

Er will es Voves „heimzahlen“ Vor der Landtagswahl im September 2010: Landeshauptmann Franz Voves steht zu Johann Straner, dem Parteifreund und Fohnsdorfer Bürgermeister, winkt Millionenförderungen für die Aqualux-Therme in der Regierung durch. Wenige Wochen nach der Wahl: Voves lässt den Genossen wie eine heiße Kartoffel fallen. Straner wird abgesetzt, durch Staatskommissär ersetzt. In wenigen Wochen gibt es eine Neuwahl. Straner tritt aus der SPÖ aus und will es Voves mit Unterstützung der Fohnsdorfer „heimzahlen“.

denbelastung der Therme so: „Auch andere Großprojekte in Fohnsdorf brauchten Anlaufphasen. Wir sind erst am Beginn des vierten Geschäftsjahres.“ Ihm gehe es um die Belebung der Region, darum, Strukturen und Arbeitsplätze zu schaffen: „Betriebswirtschaftliche Überlegungen sind zwar wichtig, jedoch haben wir als regionale Politiker auch sehr stark die volkswirtschaftlichen Interessen zu vertreten.“ Das

haben eine Abwanderungsquote von 20 Prozent, vor allem verursacht durch die 20- bis 40-Jährigen.“ Mit seiner Online-Präsenz auf seiner Facebook-Seite versucht er die Jungen anzusprechen und wirbt er mit dem Slogan „Dein Fohnsdorf. Deine Zukunft.“. So gesehen versteht der Exbürgermeister die Aufregung um die maroden Finanzen der Gemeinde nicht: „Ich kann doch nicht einen Ort, der

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ur Terminvereinbarung mit Johann Straner frage ich bei der zuständigen Sekretärin im Gemeindeamt nach dem „Exbürgermeister“ und werde prompt zum „Herrn Bürgermeister“ weitergeleitet. Als ich im kleinen, aber feinen Café der Aqualux-Therme eintreffe, sitzt Straner bereits gesellig in einer Runde von Einheimischen. Im sportlichen Pullover mit ThermenLogo hebt er sich nicht von den Angestellten des Hauses ab. Seiner Popularität hat die Entmachtung durch das Land bisher keinen Abbruch getan. Die Stimmung in Fohnsdorf erinnert derzeit an ein gallisches Dorf – dementsprechend klein ist die Einsicht, Erhebliches zur Finanzmisere beigetragen zu haben. Mit dem Bau der Aqualux-Therme hat sich die Gemeinde trotz sieben Millionen an Landesförderungen schwer übernommen. Schützenhöfer und Voves lösten nun wegen angeblich fehlender Sanierungskonzepte den Gemeinderat auf.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten Politiker-Urgestein Johann Straner war 13 Jahre lang Bürgermeister von Fohnsdorf und konnte bei den letzten drei Wahlen über 70 Prozent der Wählerstimmen einfahren. Jetzt wurde er vorerst ausgebremst. „Ich genieße halt inzwischen einen Sonderurlaub, sagen wir so“, sieht Straner die Lage recht gelassen. Er hat schon Schlimmeres überstanden. 2003 wurde er Opfer eines Schussattentates – ein verzweifelter Bürger rächte sich für die Ablehnung einer Baugenehmigung: „Damals war es 14

Bürgermeister Johann Straner überlebte vor Jahren ein Schuss-Attentat nur knapp: „Das war ein Anschlag auf mein politisches Leben!“

ein Anschlag auf Leib und Leben, jetzt ist es halt ein Anschlag auf meine politische Laufbahn. Auch das werde ich überstehen.“ Straner zuversichtlich: „Die Leute wählen Politiker, die durchziehen, was sie versprechen. Da braucht man eine gewisse Sturheit, sonst gäbe es viele Projekte einfach nicht.“ Sein hochgestecktes Wahlziel: Wieder soll die Zahl 7 davorstehen! Der Machertyp zu seiner politischen Arbeit: „Ich war schon öfter enttäuscht, weil ich scheinbar vergebliche Energien in etwas investiert habe. Schlussendlich hab ich dann doch oft Erfolg gehabt.“ Zum angehäuften Schuldenberg äußert sich Straner salopp: „Das ist aus meiner Sicht keine Riesentragik, ich habe andere Vorstellungen von Regionalentwicklung als die Herrschaften in Graz.“ Er verteidigt die hohe Schul-

Land denkt darüber freilich anders. Straner sieht in der Reformpartnerschaft von SPÖ und ÖVP die Wurzel allen Übels: „Wir sind von der Kontrolle und den Maßnahmen her LHStv. Schützenhöfer untergeordnet, der kein politischer Freund von mir ist. Nun spüren wir die logische Konsequenz.“

„Wir wollen nicht Kindergärten in Pflegeheime umbauen!“ Fohnsdorf war seit jeher eine sehr strukturschwache Gemeinde. Bis 1979 gab es hier das tiefste Braunkohlewerk Europas, mit der Schließung des Werkes begann eine starke Abwanderung. Die Lieblichkeit des Ortes ließ lange zu wünschen übrig. „Wir mussten uns ganz neu orientieren“, so Straner. Seine höchste Priorität ist es, die jungen Leute in der Region zu halten: „Wir

jahrhundertelang vom Kohleabbau gelebt hat, mit einem Fingerschnipser in einen Tourismusort umwandeln. Dafür braucht es Zeit und eben auch die nötige finanzielle Unterstützung des Landes.“ Eine Belebung erhofft sich Straner auch von der bevorstehenden Neueröffnung des Red-Bull-Ringes: „Durch die erhöhte Frequenz in der Region könnten wir einen Investor finden, der ein Thermenhotel baut.“ Für die Kritiker des Ring-Projektes hat er wenig Verständnis, weil es in der Region seit Jahrzehnten Motorsport gibt. „Im Endeffekt geht es darum, dass wir die Region mit neuen Projekten am Leben erhalten und den Menschen hier eine Perspektive bieten, damit wir nicht Kindergärten in Pflegeheime umbauen müssen.“ O

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welt

nähe

oport‘, ein efühl, zur t optimal stolz bei amberger elungenes n und die ene Plattserne Fadas VorhaBildungs-

lassen hat. Was erstaunen mag – seit kurzem entwirft er auch Möbel für die Neue Wiener Werkstätte. „Ich hab‘ schon in der Vergangenheit Möbel entworfen. Für meine allererste

Bauhausstil, habe er schon immer eine Vorliebe gehabt. „Bei meinen Wien-Besuchen habe ich die Stadt nach Stücken der Wiener Werkstätten abgegrast.“ Und was ist sein Ansatz

-Echo Reaktionen: office@klippmagazin.at

Zu ESTAG und Kois

„Unis stehen ein wenn halbes Mein Arbeitsplatz wärefast in Gefahr, mein Jahr leer“ Name genannt wird. Kipp hat immer sehr ausKlippund Dezember 2010 führlich kritisch über die Verhältnisse und Zustände in der Steweag berichtet. Zum Insiderwissen nurpauschal gratulieren.feststelEs lässtkann sichman nicht Istlen, Klipp entgangen, der „Herrdass alle Unisdass imunter Sommer leer schaft“ Kois 1998/99 sowohl die Aktiven und stehen. Die Sommermonate werden vor allem die Pensionisten bei der Abfindung an den Unis vor allem für die Fordes rechtmäßigen Anspruchs auf Firmenpensischung genutzt, weiters bieten sie on mit Unterstützung des Betriebsrates um bis Platz Initiativen, etwa wurzur 50auch Prozent ihresfürAnspruches gebracht Nachwuchsförderung (Stichwort den? Hat Kois sich seine verzockten 30 MillioKinderunis). Umstellung auf Trinen Euro von denDie Mitarbeitern zurückgeholt? Kois hat sich Pension gesichert. Voves, mester ist seine im WissenschaftsministeSchützenhöfer, undangedacht. AK lassen alle Mitarrium derzeitÖGB nicht beiterBundesministerin und Pensionisten im „Regen“ Beatrixstehen Karl und verweigern jede Unterstützung.Wo bleibt *** die viel gerühmte und propagierte „soziale Die KFUG hat etwa 27.000 StudieGerechtigkeit“? Mehrere hundert Betroffene rende, aber auch ca. 3.500 finden keine Unterstützung. SteckenBediensalle unter tete. Mein Büro z.B. steht imbleiben Jahr einer Decke? Aktive und Pensionisten etwa 10 Wochen leer (5 Wochen Urauf der Strecke, weil sie sich keinen Prozess laub, Wochen Absenz zumderBeund damit5 eine korrekte Erledigung berechtigten Forderungen gegen auswärtige den Stromgisuch von Konferenzen, ganten N.d.R.b. Lehreleisten etc.).können. Ist das der vielbeschwo-

Abzocke, Pyramidensystem, MLM

Umstellung aufeinmal Trimester „innerIch stand wieder kurz davor, mein halb von vier Jahren die Absolvenhart verdientes Geld in ein Pyramidensystem ten-Zahlen verdoppeln“ zu stecken! Da[zu] ich sehr skeptisch bin,und habe ich mir einmal diekostenneutral, Veranstaltung angesehen dies auch noch missund NICHT unterschrieben … und wieder achtet eklatant das Offensichtliche: einmal steht Herr A. mit seiner Frau ganz vornämlich die Qualität universitärer ne. Sind Agatos, Butterfly, Eurosuccess VerForschung und (Aus-) Bildung. gangenheit? Bin gespannt, wie lange Herr A. Werner Wolf, Uni Graz

In memoriam Maximilian Vrecer

„Mein Herz pocht in der Steiermark“

Ech rene Journalismus, der Transparenz, Information und demokratische Bürgerrechte zu sichern helfen soll?? Sie könnten höchstens schreiben, dass die Lehrsäle einige Monate – über das ganze Kalenderjahr gerechnet – leer stehen. Aber auch Schulen stehen im Sommer, über Weihnachten etc. leer … Bei mangelnder Auftragslage stehen sogar Fertigungshallen leer … Es sind nicht alle und es ist nicht alles gleich auf dieser Welt. Peter Teibenbacher, Uni Graz *** Der Artikel ist ein erschreckendes Dokument von im besten Fall Ahnungslosigkeit, im weniger guten Fall von populistischer Unverantwortlichkeit, wenn nicht gar ein Produkt jener immer öfter zu beobachtenden Dummheit, die dazu verleitet, Universitäten als Art von betriebswirtschaftlich zu organisierenden Fabriken anzusehen, bei denen Produktionszeiten direkt proportional zum Warenausstoß stehen. Die absurde Idee, durch

Foto: Uni Graz

nicht vere Banker dem Are wäre der

KLIPP Februar 2011

Von Michaela Vretscher

E

r war eine beeindruckende Persönlichkeit und ein begnadeter Filmschaffender. Ausgestattet mit der Gabe zu „sediesmal wieder auf Kundenjagd ist, mit ehehen“, enormer Energie sowie einer maligen Eurosuccess-, Butterfly- und AgatosRiesenportion Mut, Humor und Ehr„Bedient euch nur“ Kollegen. Ich war am Donnerstag am Abend Bewegte Bilder – bewegtes Leben geiz, startete Maximilian Vrecer beKlipp Dezember 2010 um 19 Uhr im Hotel Amedia in Graz und da reits in jungen Jahren eine steile sich in Beverly Hills gleich neben ging’s um KB-Gold aus der Schweiz. Als ich nicht unterschrieben habe, die wurde Herr A. Karriere. Seine Filme wurden mehr- Steven Spielberg nieder und tauchDieser Artikel verurteilt Migranrichtig aufdringlich und unangenehm fach ausgezeichnet. Im 60. Lebens- te ein in die glitzernde Welt der tInnen und insbesondere jene ausfordernd. Da kann man richtig Angst bekomjahr nahm er Abschied vom irdi- Hollywoodsterne. Aufs Geratewohl muslimischen Ländern, also auch men! Viele andere haben aber unterschrieschen Schauplatz. losgestartet – niemanden gekannt, MuslimInnen. ben. N.d.R.b Im Bemühen, meine Verwandten jedoch bald anerkannt – hinterließ Wenn das AMS das Geld (DLU, väterlicherseits aufzuspüren, setzte der Grazer auch in Übersee seine Kinderbetreuungsgeld, KonsumentenschützerFahrtenbeimahnen ich mich vor einigen Jahren mit Ma- Spuren binnen kurzem auf Gebieten hilfe) ausschließlich für MigrantInbei Gold-Sparplänen zur Vorsicht ximilian Vrecer in Verbindung. Bei wie Drehbuch, Kameraführung, Renen ausgeben würde, wäre das Die Firma KB Edelmetall etwa bewirbt laut unserem ersten Treffen am Rande des gie, Schnitt, Produktion. nicht gerecht. Verbraucher Aber alle Menschen, Arbeiterkammer mit sogenannten in Sparplänen in Edelmetall. Die Firma KB Wienerwaldes, unweit seines dama- Nach zehn erfolgs- und erfahrungsdie Österreich ihren HauptwohnEdelmetall (KB Kapital & ligen Wohnsitzes, erschien er mit ei- reichen Jahren verließ Max Vrecer sitz und sitzt einein München Arbeitsbewilligung nem „Aussie-Hut“, wie er diese Kopf- das Spiel-Feld Hollywood. Ausgehaben, können diese Möglichkeit bedeckung nannte, die er oft trug seit löst und inspiriert durch den weltnutzen. Es gibt einen Rechtsanseinen Ausflügen per Pferd oder Jeep weit bekannten „Agent Amor“. Der spruch. Ein wesentlicher Teil der in den Grand Canyon. Ein Reisender, Mittelpunkt seines Wirkens verlaIntegration ist die ChancengleichAbenteurer, ein weltoffener Mensch gerte sich zurück nach Österreich, heit und Sprachkenntnis gehört mit wachen Augen und strahlendem wo er mit Lebensgefährtin Bettina, dazu. Sie unterstellen den MigranGesicht saß mir gegenüber. einer Schauspielerin, die „Leah tInnen aus muslimischen Ländern, Max’ Biografie klingt nach einer Film“ – benannt nach ihrer gemeinsie wollten nur „das Familienbudfrei erfundenen Geschichte für ein samen Tochter – gründete und ebenget auffetten“ und gar nicht Drehbuch: Schon im zarten Jüng- falls ein breites Spektrum an audioDeutsch lernen. So eine Verallgelingsalter von 14 Jahren bannte visuellen Kreationen schuf. meinerung grenzt an Verleumdung der gebürtige Steirer – mühsam per Die familiäre Trennung bedeuteund ist absolut falsch. Es gibt viele fundraising das Werkzeug ergat- te einen tiefen Einschnitt, Vrecer MigrantInnen und MuslimInnen, ternd – seine Umgebung auf Zel- fühlte sich auch zusehends einsam, die sehr gut Deutsch sprechen und luloid und erhielt nach der Matura und dies wirkte sich natürlich auch eine Ausbildung haben. Trotz Bemit „Magic Graz“ den ersten öster- auf sein weiteres Schaffen aus. Ob mühung finden sie keinen Arbeitsreichischen Staatspreis. Kurze Zeit wir gemeinsame Vorfahren haben, platz. Warum? Weil es solche Menspäter radelte er in Richtung Bun- weiß ich bis heute nicht, aber ich schen wie Sie gibt, die Vorurteile deshauptstadt, wo der Autodidakt konnte durch die Suche nach meischüren und eine ganze Gemeinebenfalls reüssierte und für „Wien nen Verwandten einen guten Freund schaft in ein schlechtes Licht stelz. B.“ seinen zweiten Staatspreis gewinnen, um den nicht nur ich len. Sie schreiben: „Migranten aus Widerruf_Tengg.qxd 03.02.2011 10:30 Uhr Seite 24 verliehen bekam. Im Jahre 1979 trauere. „Mein Herz pocht in der muslimischen Ländern ,schicken‘ wandte er Österreich den Rücken zu Steiermark“, sagte Max des Öfteren, ihre Frauen (...) in Sprachkurse.“ und wollte in der US-Filmmetropole hier – in seiner Heimatstadt Graz – Dies ist absolut diskriminierend. Hollywood Karriere machen. Er ließ liegt auch seine letzte Ruhestätte.v Frauen aus muslimischen Ländern sind keine „Pakete“, die sich vom Mann irgendwo hinschicken lassen! Diese Aussage sagt hingegen viel mehr über Ihr eigenes Frauenbild aus. Muslimische Frauen haben ihre eigene Meinung. (gekürzt) 11 Frauen verschiedener Herkunft – SOMM, SelbstorganisatiIch, Dipl.-Ing. Hansjörg Tengg, widerrufe meine in einem Interview in on von und für Migrantinnen der Ausgabe vom Februar 2010 getätigte Aussage, Herr Dr. Horst WagundMusliminnen, Graz ner hätte seine Zeit als zweimaliger Geschäftsführer der Therme LoiPS: In einem Mail bietet Klipp persdorf wohl nicht zu seinem Schaden genutzt, gegenüber den Lesern eine Diskussion an, bis heute von Klipp als unwahr. gibt’s keine Antwort.

WIDERRUF

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Heimkehr des Bullen... Endlich! Der schon tot geglaubte Ring in Spielberg erwacht, lebt wieder auf. Nach den vielen Negativ-Schlagzeilen über Kündigungen bei der Austria Antriebstechnik haben die Menschen in der Region einen Grund zum Jubeln, weil Didi Mateschitz im April seinen RedBull-Ring eröffnet. Tausende in- und ausländische Fans werden dorthin pilgern, Jahr für Jahr das Murtal anpeilen, ihr Geld dort

Illustration: Milan Ilic

lassen und so die Region mächtig beleben.

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chon bei der Eröffnung in Spiel-Berg (neues Red-BullLogo: Nomen est omen) wird es Rambazamba mit Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und Kollegen geben, wird Red Bull auch andere Stars aus seiner Sportwelt auftreten lassen. Auch wenn das ursprüngliche 700-Millionen-EuroProjekt „Universum des Motorsports“ Geschichte ist – von einem sind die Obersteirer überzeugt: dass dem Marketing-Genie Didi Mateschitz und seinen Kreativ-Köpfen noch viel einfallen wird, dass Spielberg zu einer einmaligen Event-Location in Europa wird, wie sie nur Red Bull mit seinen weltweit 7.500 Mitarbeitern inszenieren kann. Bereits am 5. Juni startet am Ring das erste Motor-Spektakel mit dem ersten DTM(Deutsche Touren Meisterschaft)-Lauf, sicher vor zigtausend Zuschauern. Das Fundament des Sport-Imperiums ist der Red-Bull-Energydrink

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und klarerweise die Cash-Kuh. Er löscht nicht den Durst, sondern soll müden Geistern wieder Energie und Lebensgefühl, die sprichwörtlichen Flügel verleihen. Über diesem Dosen-Fundament hat das MarketingGenie Didi Mateschitz es geschafft, in den letzten Jahren ein vielstöckiges Sport-Imperium aufzuziehen, das von Jahr zu Jahr wächst. Rund 500 Sportler – allesamt Top-Athleten in ihren Disziplinen, ob Motorsportler, Mountainbiker, Ski-Crosser, Base-Jumper, Extremkletterer, um nur einige anzuführen – sind weltweit unter Vertrag und verbreiten die Red-Bull-Botschaft in alle Welt. Selbst in den Weltraum, na logisch, wohin sonst? Red Bull und Didi Mateschitz erfinden den Sport neu und werden das auch mit Spielberg beweisen wollen. Die Red-Bull-Botschafter aus aller Welt werden dafür sorgen, unterstützt von der PR- und MarketingMaschinerie des roten Bullen, die

zigtausende Besucher zum Staunen bringen wird.

Rennen mit vielen Boxen-Stopps Bereits im Jahr 2007 hätte die Eröffnung des Motorsport-Universums in Spielberg erfolgen sollen. Das Projekt war für alle Verantwortlichen und die steirische Politik eine Jahrhundert-Idee. Doch eine kleine Gruppe von Anrainern unter der Führung von Karl Arbesser, SchlossBesitzer und Adeliger, brachte dieses zu Fall, David hatte sich gegen den Goliath durchgesetzt.

Zur Geschichte: Alles hatte Ende der 90er-Jahre vielversprechend begonnen. Gerhard Hirschmann war damals als Landesrat in der Regierung in Graz für den Sport zuständig. Es war ihm gegen beträchtlichen Widerstand der SPÖ gelungen, allerdings für viele Millionen Euro, die Formel 1 mit Bernie Ecclestone in die

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von Red Bull stört, wird höflich, aber knallhart sanktioniert. Fast erinnert ein solches Verhalten an jenes von „Sekten“. Seine Medienscheu steigert natürlich das Interesse an seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit.

Und was ihm zusätzlich „Pluspunkte“ beim gelernten Österreicher bringt: Er verschiebt die Milliardengewinne des Konzerns und sein Privatvermögen nicht nach Liechtenstein oder in ein anderes Steuerparadies – siehe Grasser, Meischberger und Co –, sondern liefert seine Steuern in Österreich ab.

Mateschitz ist Absolvent der Hochschule für Welthandel in Wien. Danach war er unter anderem für Jacobs Kaffee und den Zahnpasta-Hersteller Blendax im Marketing tätig. 1984 gründete er zusammen mit seinen thailändischen Partnern Chaleo und Chalerm Yoovidhya die Red Bull GmbH. Nach einer Abwandlung der Rezeptur des thailändischen Krating Daeng und der Entwicklung eines Marketingkonzepts wurde Red Bull 1987 im Markt eingeführt. In der Folgezeit wurde das Erfrischungsgetränk zum Weltmarktführer bei Energy-Drinks. Red Bull ist die bekannteste österreichische Weltmarke.

Doch hinter dem breiten Lächeln des Bullen steckt auch eine sehr klare Haltung, wenn’s um die Imagebildung seiner Marke geht. Er wird brüsk, wenn sich Journalisten mit seiner Person beschäftigen und unabgesprochen und ohne sein Okay berichten. Die werden dann gerne zur unerwünschten Person bei Red-Bull-Events oder werden eben nicht mehr zu Großveranstaltungen eingeladen. Jeder, der die Flügelschwünge

Über das Privatleben von Dietrich Mateschitz ist wenig bekannt. Er war und ist unverheiratet, hat einen 1993 geborenen Sohn. Mateschitz’ Leidenschaft gehört den Flugzeugen, die er auch sammelt. Seine Flying Bulls setzt er auch als Werbeträger ein. Laut dem Magazin Forbes wird das Vermögen von Mateschitz auf um die fünf Milliarden Euro geschätzt.

sicherheitszentrum weichen und dem ÖAMTC die Pachtrechte abgelöst werden. Gerhard Hirschmann, selbst ein Sportfan, schied im April 2003 aus der Politik aus. Er hätte das Projekt schon ob seiner damals guten Kontakte zu Mateschitz sicher geschickter begleiten können, als es dann lief.

Im Visier der Grünen … steht auf jeden Fall das Förderungspaket für den neuen Ring, weil sie darin keine große Vision für zusätzliche Arbeitsplätze sehen. 25

Millionen Euro an Steuermitteln sind für eine Rennstrecke hineingebuttert worden, die es so schon einmal gegeben hat, kritisiert man. Dazu kommen in Zukunft noch jährliche Unterstützungszahlungen, dafür, dass der Ring überhaupt betrieben wird. Die Kritiker – allen voran auch Karl Arbesser – werden genau beobachten, dass man die Auflagen der Behörden wohl auf Punkt und Beistrich einhält. Eine Fortsetzung des Konfliktes scheint sich abzuzeichnen. Denn das Projekt selbst wird noch wachsen. So gibt es den bereits

genehmigten Partner-Tower bisher nur auf dem Reißbrett und als Modell. Der Partner-Tower ist gedacht für jene Sponsoren, die dem Projekt in Spielberg beitreten könnten. In der ursprünglichen Version waren es große Konzerne, wie VW, Audi, der Luftfahrt-Konzern EADS und andere. Auch die Offroad-Strecke wird noch in Betrieb gehen. Aber bei Red Bull hat man gelernt, Stück für Stück will man dieses Projekt in Spielberg voranbringen und keine Dinge durch vorschnelle Botschaften an die Öffentlichkeit gefährden.

Foto: Gepa Pictures

Steiermark zu locken. Hirschmann wusste aber, dass sich die Steiermark Ecclestone und den A1 Ring nicht mehr lange leisten werde können. Er reagierte daher erleichtert und erfreut, als der Seckauer Lehrer Winkler, ein Vertrauter von Didi Mateschitz, ihm die Projektidee darlegte. Es war eine JahrhundertChance. Gerhard Hirschmann sorgte auf der politischen Ebene dafür, dass Didi Mateschitz den Ring lastenfrei übernehmen konnte. Dazu mussten zum Beispiel das ÖAMTC-Fahr-

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Didi Mateschitz kommt aus St. Marein im Mürztal, wurde dort am 20. Mai 1944 geboren. Er ist sicher weltweit gesehen der erfolgreichste Steirer und schuf mit dem Energy-Drink Red Bull eine Weltmarke, die heute auf einer Ebene mit Coca Cola steht.


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Schlossbesitzer Karl Arbesser blickt der Neueröffnung des Red-Bull-Ringes in Spielberg mit gemischten Gefühlen entgegen

„Sonst sind wir wieder beim Faustrecht!“

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n Spielberg werden ab April wieder die Motoren am RedBull-Ring brummen, doch nicht alle sind glücklich darüber. Anrainer und Schlossbesitzer Karl Arbesser hat durch seinen unerbittlichen Widerstand österreichweite „Berühmtheit“ erlangt – gleichzeitig ist er das Feindbild schlechthin für die Bürgerinitiative „Pro Spielberg Neu“.

sein lupenreines Hochdeutsch auf. Arbesser lässt uns den Vortritt und leitet seine Gäste mehrere Gänge hoch durch den säulengesäumten Innenhof in sein Arbeitszimmer. Die Ausstattung ist sichtlich historisch, die schweren verzierten Türklinken stammen noch aus der RenaissanceZeit.

Er kämpfte jahrelang einsam und doch erfolgreich gegen das riesige Ring-Projekt von Didi Mateschitz. Nun beobachtet er mit Argusaugen, ob die Umweltauflagen am Ring nach Punkt und Beistrich eingehalten werden …

Der Schlossherr, dessen Vorfahren den Titel „Edle von Rastburg“ trugen, nützt gleich die erste Möglichkeit, um auf sein neuestes „Projekt“ zu sprechen zu kommen. Es geht ihm nun um die Kritik an einem Erdwall entlang der Start-Ziel-Geraden, der laut Arbesser nicht genug Lärmschutz bieten soll: „Die UVPBehörde toleriert mal wieder etwas, das nicht tolerabel ist. Ein Erdwall wurde nie verhandelt.“ Arbesser glaubt, dass der Wall in der derzeitigen Form den Lärm der Rennstrecke nicht ausreichend dämmen wird, weil die Höhe des Walls wesentlich geringer ist als die der ursprünglich geplanten Tribüne. Die Behörde meint zwar, dass der Wall Arbesser gar nicht betrifft, doch das interessiert jemanden wie ihn herzlich wenig: „Ich habe bisher immer Erfolg gehabt. Das Thema ist noch nicht gegessen, ich habe Zeit“, pokert er. Die Landesregierung hat bereits einen „Moderator“ eingesetzt,

Am Weg zu Herrn Arbessers Schloss werden wir bereits im Dorf vorgewarnt: „Viel Glück, wenn Sie seinen Privatweg hinauf wollen, da werden Sie Probleme kriegen, außer Sie haben einen Termin! Und außerdem ist dort nichts geräumt, der Postler soll angeblich fluchen, wenn er da rauf muss!“ Na gut. Etwas mehr Gas und Schwung in den Kurven fällt in Spielberg wohl kaum auf. Oben angelangt muss das Anwesen noch einmal umrundet werden, um zum Eingang zu gelangen, wo mich der Schlossherr bereits empfängt. Ein schmaler, großgewachsener Mann um die 50 mit goldgefasster Brille, ernst und äußerst höflich. Mir fällt gleich 18

Ein Erdwall wirbelt Staub auf

der zwischen Red Bull, Arbesser, der Gemeinde und dem Land Kompromisse vermitteln soll. Eine Sisyphusarbeit?

Arbessers Lärm-Monitoring – viel Lärm um nichts? Aus der Bedrängnis machte der wehrhafte Schlossbesitzer eine Profession: „Ich setze mich beruflich sehr intensiv mit Schall auseinander, verfüge auch privat über die kostspieligen Messgeräte.“ Wenn Eurofighter seine „Lärmwarte“ Schloss Spielberg überfliegen, können leicht an die 95 Dezibel gemessen werden. Arbesser findet das skandalös: „Das ist Presslufthammer-Niveau! Der international anerkannte Grenzwert, ab dem es gesundheitsgefährdend wird, liegt bei 65 Dezibel!“ Er bietet nun LärmMonitoring an, das die Anrainer des Ringes zukünftig in Anspruch nehmen können. Zukünftig wird er genauestens kontrollieren, ob die Lärmgrenzwerte eingehalten werden: „Es könnte jetzt dazu kommen, dass wir im August feststellen, der Jahreslärmpegel ist bereits erreicht und leider muss im September der Veranstaltungsbetrieb eingestellt werden.“ Arbesser kann noch nicht einschätzen, auf wie viel Anklang sein Lärm-Monitoring bei der Bevölkerung stoßen wird. „Manche Leute haben Scheu, sich an mich zu

wenden, eben weil ich einen gewissen Ruf habe“, räumt er ein. Papagei Rokko macht sich bemerkbar und fächert sein buntes Federkleid auf. Der exotische Vogel passt irgendwie zum Schlossbesitzer: „Man kennt mich hier wie einen bunten Hund, und was ich mache, wird sehr genau beobachtet“, betont er mit Stolz. „Wenn ich heute mit Ihnen in ein Gasthaus essen gehe, wird das ganz sicher kommentiert werden.“ Viele Leute in der Region warten nur darauf, dass sich der größte ProjektKritiker einen Fehltritt leistet.

Jahrhundertprojekt-Verhinderer oder Öko-Rebell? Angesprochen auf die umstrittene Geschichte des Red-Bull-Ringes schildert Arbesser akribisch und mit einer gewissen Genugtuung die Chronologie der Ereignisse. Man spürt, wie sehr er sich dieser Sache verschrieben hat. Er spricht langsam und sehr konzentriert. Nur mit den Händen gestikuliert er manchmal ein wenig. Immer wieder lässt er sich Zeit und überlegt, um die richtige Formulierung zu finden. Gleichermaßen überlegt ist er gegen Red Bull vorgegangen. Die Einhaltung jeder Umweltauflage wurde mit Hilfe von Sachverständigen und Juristen genauestens überprüft. Ein Unterfangen, das Jahre an Arbeit bedeutet und neben viel Geld vor allem KLIPP Februar 2011


starke Nerven, Strategie und Geduld erfordert. Wieso tut man sich das an und lässt sich nicht einfach eine schöne Abfindung zahlen? An den Wänden hängen Portraits der Ahnen Arbessers. Ob es die jahrhundertelange Verwurzelung in der Region ist, die ihn hier hält? „Nein, es ist schon eine Prinzipien-Geschichte. Ich bin ein Verfechter des Rechtsstaates und des Rechts des Einzelnen.“ Argumente, die den wirtschaftlichen Mehrwert des Ring-Projektes für die gesamte Region hervorheben, lässt er nicht gelten: „Provokant gesagt bin ich in diesem Fall derjenige, der vielen hundert Leuten ein gesundes Leben ermöglicht.“ Für den Projektverhinderer bzw. Bremser Arbesser ist das eine klare Sache: „Das Recht jedes Menschen auf sein individuelles Leben unter Berücksichtigung der Rechte des Anderen, das ist genau das, was uns vom Faustrecht unterscheidet. Auch unendlich viele Arbeitsplätze rechtfertigen nicht, dass ein paar hundert Leute krank werden.“ Einen persönlichen Krieg führt er nicht: „Da müsste man ja verrückt werden! Und durch persönliche Anfeindungen wird ja eine Lösung unglaublich erschwert!“

Berühmt fürs Unbequemsein Ich lehne mich in den antiken Holzstuhl mit dem eingeschnitzten Schriftzug „Spielberg“ zurück. Gemütlich ist etwas anderes. Das trifft wohl auch auf den Besitzer des Stuhls zu. Ein Unikat, aber unbequem. Der Bekanntheitsgrad von Arbesser ist KLIPP Februar 2011

in der Region sicher unschlagbar, die Beliebtheit hält sich in Grenzen. Eine Einheimische erzählt mir im Wirtshaus, dass sie mit ihrem Mann schon öfter in pikante Situationen geraten ist, weil der Gatte dem Schlossherrn äußerlich ähnelt. Unterkriegen lässt sich Arbesser trotzdem oder gerade erst recht nicht. Derzeit läuft eine Klage gegen den Absender einer 24-teiligen Serie von Morddrohungen, den Arbesser mit Hilfe von Privatdetektiven entlarven konnte. Er hat schon größere Verfahren durchgestanden. Als Didi Mateschitz Ende 2004 gezwungen war, sein geplantes Megaprojekt abzublasen, hatte Arbessers große Stunde geschlagen. Zur Feier des Tages gönnte sich der eigensinnige Schlossbesitzer jene Dose Red Bull, die er sich gekauft hatte, als das erste Verfahren im September 2003 begann, und die über ein Jahr lang seinen Schreibtisch zierte: „Die stand scherzhalber dort und ich habe sie mit Vergnügen geleert!“ Bevor wir wieder galant zum Parkplatz begleitet werden, krault der Grüne Arbesser noch liebevoll den Kopf von Paradiesvogel Rokko. Er steht wartend vor dem Eingang des Schlosses, bis wir losfahren und seine Umrisse im Rückspiegel kleiner werden.

Ein Bestseller Der Salzburger Journalist Wolfgang Fürweger schrieb mit seinem Buch „Die Red Bull Story“ einen Bestseller. Da sie aber von Red-Bull-Gründer Didi Mateschitz nicht autorisiert wurde, er mit dem Autor nicht darüber sprechen wollte, teilte ihm Red Bull mit, dass er im Hangar 7 in Salzburg, dem Zentrum der Red-BullAktivitäten, eine unerwünschte Person sei. Was man bei Red Bull gar nicht mag: Wenn Journalisten unangenehme Fragen stellen. Wolfgang Fürweger: „Didi Mateschitz ist sicher einer der erfolgreichsten Unternehmer weltweit. Er ist ein Erfinder, Missionar, wenn Sie so wollen. Es gibt wahrscheinlich keinen Tag, an dem nicht irgendeine Zeitung, irgendeine Fernsehstation oder ein Medium auf der Welt eine Red-Bull-Story schreibt oder ein Foto irgendwo erscheint. Egal, ob das jetzt, wie im Winter, Lindsey Vonn, Adam Malysz oder Schlierenzauer ist oder eben auch die Motorsportler, die Fußballer, die Eishockey-Spieler. Für mich

2010 verzeichnete Didi Mateschitz das beste Unternehmensergebnis in der Geschichte von Red Bull: Mit 4,2 Milliarden verkauften Dosen und der Umsatz stieg um 15,8 Prozent auf 3,78 Milliarden Euro. Einer der Hauptgründe für die positiven Zahlen sei die „hervorragende Absatzentwicklung“ in den RedBull-Märkten Türkei (plus 86 Prozent), Japan (plus 80 Prozent), Brasilien (plus ein Drittel), Deutschland (plus 13

ist Red Bull die größte MedienAgentur der Welt. Red Bull nützt die Medien bestens, gibt aber von sich selbst nichts her, will über sich selbst nicht wirklich etwas berichtet haben. Vor allem dann nicht, wenn es unangenehm ist oder einen negativen Touch hat. So kam es zu einem Unfall mit einem Sportflugzeug am Wolfgangsee. Jener Fotograf, der die Fotos schoss, erhielt dann keine Akkreditierung bei anderen Ereignissen. Oder nehmen Sie das Red Bull Air Race – das ist heuer eben nach sechs Rennen ausgesetzt worden. Ich hab noch nirgends was gelesen, warum und mögliche Hintergründe darüber. Da waren ja immerhin bei jedem Rennen 200.000, 300.000 Zuseher. Würde ein anderer Veranstalter so etwas tun, dann gäbe es einen Aufschrei in den Medien.“ Übrigens: Das Red Bull Air Race hatte seine Geburtsstunde im steirischen Zeltweg bei einer AirpowerShow im Jahre 2002. Hannes Arch aus Trofaiach ist ja einer der letzten Weltmeister. Er steht auf der Payrole von Red Bull.

Prozent) sowie in den USA (plus 11 Prozent). Stark wachsende Zukunftsmärkte sind China, Japan, Indien und Brasilien. Neben dem Gewinn aus dem Formel-1-Rennzirkus sei vor allem der sehr dynamische Ausbau der Medienaktivitäten ein weiterer Schwerpunkt im vergangenen Jahr gewesen. Red Bull beschäftigte per Ende 2010 in 161 Ländern 7758 Mitarbeiter (2009 waren es 6900 Mitarbeiter in 160 Ländern).

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Der Hangar 7 ist zu einem Wahrzeichen der Mozartstadt geworden. Dort wird Lifestyle zelebriert, tausende wollen ihn jährlich schon seiner Architektur wegen sehen. Red Bull ist auch die größte Lifestyle-Agentur der Welt, wenn man die rund 500 Extremsportler und Aktivisten hernimmt, die für Red Bull werben.


Wie halt in dieser Branche damals üblich, wurde mit allen Tricks, darunter auch unlauteren Mitteln, um den Sieg gekämpft. Als Rennfahrer gewann Marko mit dem Niederländer Gijs van Lennep im Juli 1971 die prestigeträchtigen 24 Stunden von Le Mans auf Porsche 917 und schaffte damit seinen Durchbruch im Rennsport. Foto: Davenport

Der Doktor aus Graz

Helmut Marko hat bei Red Bull das gewichtigste Wort, wenn es um Motorsport geht, und zieht für Bullen-Boss Didi Mateschitz die Fäden in der Formel 1. Der heute 67-Jährige hat in Graz Jus studiert und wird daher im Red-Bull-Lager „der Doktor“ genannt.

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ein G’spür für Talente bewies Helmut Marko mit Sebastian Vettel, der bekanntlich in der abgelaufenen Saison erstmals für Red Bull Weltmeister wurde. Marko meidet, so wie Mateschitz, wo es geht die Öffentlichkeit. Freunde hat er wenige, auch ist der Hotelier- und Immobilienmagnat damit nicht unbedingt der oberste Sympathieträger für Red Bull, aber er ist ein konsequenter, harter Arbeiter für die Sache. Didi Mateschitz setzt auf Helmut Marko und schätzt seine Professionalität. Insider wollen wissen, dass die beiden sogar ohne schriftlichen Vertrag zusammenarbeiten. Helmut Marko wirkt wenig zugänglich, weibliche Geschöpfe ausgenommen. 20

Das Gaspedal hat der Grazer Helmut Marko schon immer gerne durchgedrückt. Er wuchs in der Generation von Lauda und Rindt auf, besuchte die Mittelschule in Bad Aussee, wo er auch die Matura machte. Dort landeten zu dieser Zeit alle verwöhnten „Pimpfe“, für die es in anderen Mittelschulen des Landes zu streng herging. Da es zu Hause durch die elterliche Elektrik-Firma auch schon Wohlstand gab, konnte sich Helmut Marko früh seiner Motorleidenschaft widmen. Das Rennfahren war sein Lebensinhalt zu dieser Zeit. Jene, die auch mit ihm auf der Strecke fighteten, bezeichnen ihn als gut, aber nicht superschnell. Helmut Marko hatte aber schon früh seinen eigenen Mechaniker.

Sein Unfall 1972 beim Großen Preis von Frankreich auf dem Circuit de Charade bei Clermont-Ferrand war ein tiefer Einschnitt in seinem Leben. Er wurde von einem Stein getroffen, den der vor ihm fahrende Ronni Peterson hochgewirbelt hatte. Dieser durchschlug das Visier von Marko und fügte ihm eine schwere Augenverletzung zu, die das Ende der aktiven Motorsportkarriere bedeutete. Marko trägt seither ein Glasauge. Mit den heutigen Notarzt-Systemen der Formel 1 hätte Marko sicher größere Chancen gehabt, den Unfall besser zu überstehen. Für Marko war das ganz bitter, weil er bereits einen Vorvertrag mit Ferrari gehabt haben soll. Mit dem WM-Sieg von Sebastian Vettel ist er spät „entschädigt“ worden und zumindest ein bisschen Weltmeister. Trotz des erzwungenen, abrupten Endes seiner Rennfahrer-Karriere blieb er dem Rennsport verbunden. In den 90er-Jahren wurde Marko Berater für Nachwuchsfragen bei Red Bull sowie Teamchef des RedBull-Juniorteams in der Formel 3000, wo er Talenten wie Juan Pablo Montoya den Weg in die Formel 1 ebnete. 2005 kam er als Motorsportchef von Red Bull in die Formel 1 zurück, als das Unternehmen den

Rennstall Jaguar Racing übernahm und seitdem unter dem Namen Red Bull Racing weiterführt. Ohne gastronomische Vorbildung stieg Marko in die Hotelbranche ein. Er eröffnete zwei Hotels in Graz – das Schlossberghotel, eine kleine Luxusherberge, und in der Schönaugasse ließ er sich, obwohl im viele davon abrieten, vom Architekten Günther Domenig ein Design-Hotel hinbauen. Bei der Innengestaltung seiner Häuser ließ er vor allem junge österreichische Künstler zum Zug kommen. Und wenn Marko von jemandem überzeugt ist, dann unterstützt er ihn voll. So auch seinen Hotel-Architekten Günther Domenig. Dieser wurde von Didi Mateschitz dann beauftragt, die Neugestaltung des RedBull-Rings zu entwerfen. Mateschitz tat dies mit den Worten: „Machen Sie ein Kunstwerk.“ Helmut Marko selbst hat aber auch viele Kritiker in seiner Heimatstadt. Mit seinem M1 in der Innenstadt und anderen Umbauten eckte er immer wieder bei Altstadtschützern an. Doch er zieht Projekte konsequent durch. Wie auch etwa bei seinem privaten Anwesen am Plabutsch. Das Red-Bull-Engagement am Ring in Spielberg sah er weit weniger euphorisch als andere – um es vornehm auszudrücken. Wiewohl er als Realist natürlich letztendlich die Idee von Didi Mateschitz mit trägt. Helmut Marko ist bei allem, was er geschäftlich tut, um Diskretion bemüht. Genauso, wie er auch seine Gäste nie ins Schaufenster stellen möchte. Diskretion ist für ihn eine wichtige Eigenschaft, weil er damit nicht nur sein Umfeld schützt, sondern auch sich selbst.

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Die Geschichte des Rings D

ie Geschichte der Rennstrecke im obersteirischen Aichfeld beginnt 1957 bis 1964 mit den Flugplatzrennen von Zeltweg. Der Österreichring in Spielberg wird 1969 eröffnet, das erste Formel-1-Rennen geht am 16. August 1970 in Szene.

Übernahme des Motodroms und den Um- und Ausbau gewälzt, die sich in einem 700-Millionen-Euro-Projekt einer „Motorsport & Aviation Academy“ mit Unterstützung des Landes konkretisieren. Um den Weg freizumachen, müssen die langfristigen Verträge mit dem Pächter ÖAMTC abgelöst werden.

Rennstrecke wird zum A1-Ring Zwischen 1987 und 1997 gibt es zehn Jahre Pause, ehe der F-1-Zirkus auf die um 400 Mio. Schilling (29,1 Mio. Euro) umgebaute und in A1-Ring umbenannte Rennstrecke zurückkehrt. Zwischendurch wird das Gelände für Open-Air-Konzerte genutzt, der ÖAMTC baut 1995 ein Fahrtechnikzentrum und fungiert als Betreiber. Immer wieder ist das Engagement der öffentlichen Hand umstritten und Gegenstand politischer Auseinandersetzung.

Einleitung des UVP-Verfahrens Oktober 2003: Mit der Einleitung des UVP-Verfahrens für den RingUmbau formiert sich der Widerstand unter den Anrainern vor allem gegen die geplante Offroad-Strecke. Juni 2004: Die erste Instanz genehmigt das Projekt auf dem Areal des A1-Rings, auf dem im Frühjahr die Abbrucharbeiten begonnen haben.

zieht sich zurück. Mit großem landespolitischem Anschub wird das Projekt – wieder mit Mateschitz – als „Spielberg neu“ reanimiert. Mit Industriepartnern soll eine Prüf-, Test- und Incentive-Strecke um 100 bis 150 Mio. Euro gebaut werden.

Umweltsenat bestätigt Bescheid

Jänner 2008: Der Umweltsenat bestätigt den positiven UVP-Bescheid, der im September von der ersten Instanz erlassen wurde. Davor ist es zu einer überraschenden Einigung mit Initiativbürgern und der Umweltanwältin gekommen.

Mächtige Investoren September 2005: Red Bull, KTM, Magna und VW unterzeichnen eine Absichtserklärung für Finanzierung, Durchführung und Inbetriebnahme. Mai 2006: Alle Grundstücke sind mittels Optionen gesichert.

VW gibt Ausstieg bekannt Sommer 2007: VW gibt seinen Ausstieg bekannt, von den anderen Partnern und Mateschitz selbst kommen Zweifel an der Realisierbarkeit.

Investition in ­kleineres Projekt Im Sommer 2008 griff das Land Steiermark für ein kleineres Projekt nochmals in die Tasche und beschloss mit Red-Bull-Chef Mateschitz – dieser diesmal als Privatinvestor – die Errichtung einer Testund Rennstrecke. Die Eröffnung gibt es Mitte April Quelle: www.oesterreich.orf.at 2011

Projekt „Spielberg neu“ 3. Dezember 2004: Der Umweltsenat durchkreuzt die Pläne. Mateschitz

Formel 1 verabschiedet sich 18. Mai 2003: Nach 25 Bewerben verabschiedet sich die Formel 1. Schon davor hat Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz Pläne für die Schon einmal war das Murtal Geburtshelfer eines erfolgreichen Red-Bull-Spektakels. Bei der Airpower im Jahre 2002 gab es das erste Mal ein Airrace. Mittlerweile eines der erfolgreichsten Red-Bull-Events mit hunderttausenden Zusehern. Hannes Arch aus Trofaiach wurde 2009 sogar Weltmeister.

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Klammheimlich holen sie sich selbst hunderttausende Euro jährlich aus dem Steuertopf.

Wasser predigen, Wein saufen Schon im Dezember 2010 beschäftigte sich KLIPP mit den Förderungen des Landes und der Stadt Graz für die beiden großen steirischen Tageszeitungen. Nun ein weiterer „Schwank“

E

s mag schon stimmen, dass die politischen Parteien im Rahmen der Parteienförderung des Landes Steiermark gehörig in den Steuertopf greifen. Kleine und Krone kritisieren dies zu Recht. Abenteuerlich ist jedoch, mit welcher Unverfrorenheit sie sich selbst von den Regierenden in Stadt und Land bedienen lassen. Von jenen, die sie ob ihrer Ausgabenverantwor-

tungslosigkeit an den Pranger stellen. Nur für diverse Feste und Events gab’s im Jahr 2009 für den Faschingumszug (Kleine) 10.000 Euro, für den Tag der Bauern (Grazer Woche) 11.000 Euro, für das Grazer Stadtfest (Krone) 97.000 Euro, für den Feiertag des Sports (Der Grazer) 25.000 Euro, für das Freiluftkino Franziskanerplatz (Grazer Woche) 15.000 Euro, für

den Grazer Halbmarathon (Der Grazer) 30.000 Euro, für den Graz Marathon (Kleine) 35.000 Euro, für The Dome (Der Grazer) 25.000 Euro und für den Bauernsilvester und Silvesterlauf (Der Grazer) 25.000 Euro. Insgesamt also für die Kleine Zeitung 45.000 Euro, für die Grazer Woche 26.000 Euro, für die Kronen Zeitung 97.000 Euro und für den Grazer 105.000 Euro, ergibt gesamt 273.000 Euro. Das sind nur die Direktzahlungen der Stadt Graz, ohne jene des Landes Steiermark. Und da

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sind jene PromotionStrecken noch nicht berücksichtigt, die bei bestimmten Anlässen in der Kleinen und in der Krone als Anzeige erschienen sind. Nicht wegen Geldmangel, sondern weil die Kritik in der Öffentlichkeit unangenehm für Nagl und Co. wurde, hat man sich in der Stadt Graz vorerst bei diesen teuer bezahlten Promotion-Seiten etwas eingebremst. O SFG Chef Kaltenbeck und LR Buchmann wollen trotz Sparstift den Unternehmern unter die Arme greifen.

Wie gesund ist die Steiermark? Künftig angestrebt werden Maßnahmen, die sich verstärkt an Schulen, Betriebe und Gemeinden richten. Mit Bewusstseinsschaffung soll ein gesünderes Leben erzielt werden, so etwa der Umgang mit Alkohol. „Überdies geht es auch nicht darum, welches Alter ein Mensch erreicht, sondern in welcher Qualität“, betont Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder. „Künftige Gesundheitsberichte sollen mit stärker greifbareren Inhalten bestückt werden“, kündigt Edlinger-Ploder an. Dabei im Vordergrund stehen werden nicht nur physische Gutachten von betroffenen Steirerinnen und Steirern, sondern auch finanzielle Befunde des Gesundheits-Resorts. Was die geplanten 25-ProzentEinsparungen des Landes betrifft – diese machen sich auch im Spitalswesen bemerkbar. „Es gibt jedoch nicht ausschließlich Einschnitte, sondern auch Erweiterungen“, entgegnete Edlinger-Ploder. Dennoch weist der jüngste Gesundheitsbericht eine starke Abhängigkeit des Gesundheitszustandes von Bildung und Herkunft aus. H.D.

Fortsetzung

VERTRA ULICH

WIRTSCHAFT

Kleine und Krone prangern Parteienförderung aus Steuertopf heftig an.

Heuer schaut´s schlecht aus! Im Jahr 2010 machte die steirische Fördergesellschaft (SFG) so viel Geld wie nie zuvor locker.

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urch die 25-Prozent-Sparmaßnahmen des LandesBudgets stehen für 2011 seitens der SFG – sie leistet finanzielle Unterstützung für Unterneher – weniger Fördermittel zur Verfügung. War der Geldtopf im Vorjahr noch mit 86 Millionen Euro gefüllt, so senkt sich der Pegel heuer voraussichtlich auf rund 65 Millionen Euro. Weg mit dem Speck heißt´s auch in den eigenen Reihen der SFG

Akteure. „Demnach werden wir uns künftig nur noch auf drei Leitthemen (Health Tech, Mobility sowie Eco Tech) konzentrieren“, betont SFG-Boss Burghard Kaltenbeck.

Effiziente Verteilung Das Hauptaugenmerk für 2011 will man auf junge und innovative Unternehmensgründer legen. Ferner sollen Exportmöglichkeiten und Innovationsprojekte angekurbelt und gestützt werden. „Unser Fokus liegt mitunter in Qualifizierung und zielt auf Klein- und Mittelbetriebe ab. Wie viel tatsächlich ausbezahlt wird, ist davon abhängig, wie hoch die Investitionshöhe eines Unternehmens ist“, verrät außerdem Landesrat Christian Buchmann. Einen zusätzlichen Schub indes, könnte die Kreativwirtschaft durch den Titel „City of Design“ erhalten. O KLIPP Februar 2011


WIRTSCHAFT

Steiermärkische bezieht „umgestürzte Pyramide“

Neubau am Katastrophenstandort Applaus für Architekten-Paar SzyszkowitzKowalski und Baufirmen von Steiermärkische-Führungsduo Franz Kerber (li.) und Gerhard Fabisch.

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s gibt nichts Spannenderes, als an einem solchen Katastrophenstandort zu bauen. Das treibt zu Höchstleistungen an“, schwärmt das Architekten-Paar Michael Szyszkowitz und Karla Kowalski. Ob das nun die vielfältigen Auflagen der Altstadt-Kommission sind, der mangelnde Platz für die Baufirmen, die keine Lagerflächen haben, die Vorgaben des Bauherrn für die 250 Arbeitsplätze der Mitarbeiter, die hell und gut klimatisiert sein müssen, die ökologische, sparsame Energieversorgung oder eine kundenfreundliche helle Tiefgarage mit 180 Stellplätzen. All das erfordert viel, viel Nachdenk-Arbeit und Kreativität, auch von den mehrfach ausgezeichneten und altstadterfahrenen Planern. Galt es doch, unterschiedlichste Abteilungen in dem neuen Kundencenter heimisch werden zu lassen, mit barrierefreien Zu-

Tageslicht und Sicht in den attraktiven Innenhof. Noch tragen die Pflanzen aufgrund der Jahreszeit kein Grün.

gängen und kurzen Wegen, aber auch einem entsprechenden Ambiente und guter Architektur, auch nach innen. Dafür „verantwortlich“ ist der neu entstandene, zentrale und begrünte Innenhof. Dieser ähnelt einer auf den Kopf gestellten Pyramide und bis auf die obersten Terrassen gibt es das Prinzip hängender Gärten.

Klar, dass es vom Vorstandsduo der Steiermärkischen Gerhard Fabisch und Franz Kerber für die getane Arbeit an die Architekten und Firmen Applaus gibt. „Die 15 Millionen Euro, die der Erweiterungsbau der Firmenzentrale am Andreas-HoferPlatz verschlang, sind gut investiert“, betonen die Bank-Manager. Weil damit jährlich schon einmal

Energie- und Betriebskosten von ca. 220.000 Euro eingespart werden, die man sonst an den bisherigen Bürostandorten der nun umgesiedelten 250 Mitarbeiter aufbringen hätte müssen. Franz Kerber: „Bauen kostet schon viel, aber dann das Betreiben ein Vielfaches, wenn man nicht nachhaltig plant.“ O

Regisseur bei zwei sensiblen Bauprojekten

Er versteht sein Geschäft Seine Zurückhaltung und ruhige Art sind das Erste, was beim Gespräch mit ihm in seinem Büro auffällt. Obwohl Bauprofi Walter Roscher zur Zeit bei den größten und sensibelsten Baustellen in der Grazer Altstadt – Walter Roscher dem Erweiterungsbau der Stei- (Steiner Bau) ermärkischen und der Sanierung des Landesmuseums Joanneum – Regie führt. Der gebürtige Kärntner führt seit zwei Jahrzehnten die Steiner-Bau-Niederlassung in der Steiermark mit rund 200 Mitarbeitern. Mit seinem Team hat er sich in den letzten Jahren darauf spezialisiert, alles Schwierige zu realisieren, wenn es darum geht, sich unter bestehende AltKLIPP Februar 2011

bauten hinein zu graben und darüber liegende Objekte abzustützen. Gerne überlässt er das Scheinwerferlicht den Bauherren, wiewohl die Projekte der letzten Jahre meist große Herausforderungen waren. Das war beim auffälligen Kunsthaus der Fall, beim Bau der Kast- Das Landesarchiv (Foto) und der Steiermärkische-Zubau: große ner&Öhler-Tiefgarage, der Musik- Herausforderung selbst für die Tiefbau-Profis. Uni Graz, der LKH-Garage, aber auch in einem ganz anderen Bereich: bei der nehmen hat seine Zentrale in St. Paul im Lanjüngst eröffneten, neuen Grünhübl-Brücke in vanttal – 800 Mitarbeiter, etwa 350 sind in Wien Judenburg. Zum „Betätigungsfeld“ gehören aber „stationiert“. Das Unternehmen ist ein Familiauch etliche Kraftwerksbauten an der Mur. enbetrieb, der Seniorchef hat mit zwei Leuten Die 200 Mitarbeiter in der Steiermark bilden und einem Moped begonnen, heute führen die eine erfahrene Mannschaft. Insgesamt stehen beiden Söhne das leistungsstarke mittelständiauf der Lohnliste von Steiner Bau – das Unter- sche Bauunternehmen. O 23


Die grüne Rohstoffreserve: Ein Ort voller

W ir t s c h a f t

Ohne Holz keine Überlebenschance Von Helmut Dietl Das Jahr 2011 ist das „Internationale Jahr der Wälder“ – Gerade in der Steiermark hat der Rohstoff Holz eine zentrale Bedeutung.

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hne Holz gibt‘s im Alpenraum keine Überlebenschance. Außerdem ist die Holznutzung der beste Waldschutz“, erläutert Stefan Zwettler, Leiter der steirischen Forstabteilung zwei der Grund-Botschaften zur Wald-Weltinitiative. Aber auch Großstädter und sogenannte Frischluftfanatiker schwärmen zu Recht vom gesunden HolzDuft, fungiert der Wald doch als natürliche Kläranlage und verwandelt CO2-haltige Luft in reinsten Sauerstoff. Folglich kann der Wald nicht auf Holz reduziert werden, zumal er noch

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weit mehr Leistungen erbringt: Er liefert sauberes Trinkwasser, schützen vor Naturgefahren und bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Das bedeutet gleichzeitig auch eine verheißungsvolle Zukunftsprognose, die, wenn wir sie richtig handhaben, unsere Lebensqualität erhalten und auch steigern kann. Was die Bevölkerung in der Steiermark als fast selbstverständlich anerkennt, global gesehen, steht es um den Wald allerdings bedeutend schlechter. Demnach haben die Vereinten Nationen 2011 zum Jahr der Wälder erklärt. Ziel dabei: Bewusstsein und Wissen um die Erhaltung und Entwicklung von Wäldern zu fördern. Aus diesem Grund machen zahllose Veranstaltungsreihen landesweit auf den Stellenwert der grünen Lunge aufmerksam: 14-tägige TV-Beiträge, Aktion sprechende Bäume im Grazer Stadtpark, Waldbauerntag in Frohnleiten usw.

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Leben, Sinneseindrücke und Geheimnisse

im Alpenraum Viel Holz vor der Hütte

Foto: www.newsroom.de/djv

Bemerkenswert für Österreich ist, dass hierzulande mehr an Forst nachwächst, als geerntet wird. Und zwar jede Sekunde ein Kubikmeter. Alle 40 Sekunden soviel, dass daraus ein schönes Einfamilienhaus entstehen könnte. Das Potenzial zur Energienutzung ist demnach größer geworden, indem die steirische Waldfläche in den vergangenen 25 Jahren in der Größenordnung von Lichtenstein angewachsen ist. Und das tut der Wirtschaft gut: Steiermarkweit gesehen ist die Forstund Holzwirtschaft einer der größten Arbeitgeber. Demzufolge sind knapp 57.000 Menschen – vom Forstarbeiter

bis zum Zimmermann – mit dem Forst verbandelt. 50 Prozent des 4 Mrd. € Umsatzes werden alleine in der Papierindustrie und deren Verarbeitung erwirtschaftet. Damit rangiert Holz als Devisenbringer nach dem Tourismus an zweiter Stelle.

Mit dem Wald wird vorgedacht Der Wald bietet Aussichten, die in keiner Wirtschaftsprognose zu finden sein werden, denn Waldbesitzer haben mehr oder weniger einen Generationenvertrag geschlossen. Sie verwerten Bäume, die ihre Vorfahren vor langer Zeit gepflanzt haben und verjüngen gleichzeitig den Wald indem sie neue Bäumchen anpflanzen. Das ist ein, in heutiger Zeit nahezu irrwitziger Vergleich, zumal Konzernmanager ausschließlich über Quartalsbilanzen rätseln. Megathemen wie Klimawandel, Bevölkerungswachstum und der mögliche Ausstieg aus den fossilen Energien, heben die Bedeutung des Waldes zusehends. „Ziel müsse daher ein Auftritt aller am Holz hängenden Institutionen und Betriebe sein“, bekräftigt Zwettler. Kurzum: Dem Wald sollte jene Bedeutung beigemessen werden, die er verdient. v

Moderne Feuerstellen

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ürgen Rajhs Öfen laden zum Besitzen und Liegen ein. In der Materialwahl entfernt sich der Keramikmeister oftmals von seinem ursprünglichen Metier und eignet sich an, was ihm geeignet scheint. Dabei entstehen neben seinen „Klassikern“ in Stein, Öfen aus großformatigen Betonfassadenplatten oder aus dünner flexibler Stahlhaut. In seiner keramischen Arbeit KLIPP Februar 2011

lädt Rajh gerne andere Künstler zur Mitarbeit ein, davon zeugen Öfen mit den typischen „Kopffüßlern“ von Oswald Tschirtner oder dezent in Siebdrucktechnik gestaltete Wärmespeicher. So unterschiedlich die Ausdrucksweise dieser „Heizkisten“ (Eigendefinition) in Form und Material auch ist, gemeinsam ist ihnen die Technik des tradierten Kachelofens. v

„Weil wir professionelle Planer, gute Mitarbeiter – nicht nach einem MöbelhausSchema – haben, sind wir in der Lage, sämtliche Vorstellungen unser Kunden zu erfüllen“, sagt Firmenchef Erwin Faustmann.

I

n der Möbelmanufaktur mit ihrem Sitz in Eichberg bei Vorau wird besonderer Wert auf die Einzigartigkeit jedes Stückes und auf die Qualität in der Verarbeitung gelegt. „Wir finden für jeden Kundenwunsch die passende Lösung, weil wir individuelle Anferti-

von Golf-Trainer Ali Rosker, jenes des Fußballprofi Mario Hass, der Familie Wilfinger oder des Eigentümer der Moser Medical Group oder um eine Zirbenstube – wir schaffen alles, die Spezialisierung ist einfach unsere Stärke.“ „Bei der Verarbeitung von Platten verwenden wir österreichische Produkte. Und das sieht man sofort, bei den ersten Arbeitsschritten“, so Erwin

Jedes Stück ist einzigartig

gungen mit den modernsten Maschinen produzieren können. Egal, ob das nun eine Torschusswand ist, wie sie sich Mario Haas für seine Camps gewünscht hat oder es sich um den Umbau des Hotel Böhlerstern in Kapfenberg, um die Pulte für ein Autohaus handelt oder um ein Büro für die Israelitische Kultusgemeinde, um die Einrichtung einer Boutique oder um Eigenheime von Privatleuten, wie jenes

Faustmann. Die Stärke des Tischlers ist die, dass im Möbelhaus gute Möbel gleich kosten wie beim Tischler. „Nur, unser Produkt ist einmalig, ist eine Maßarbeit.“ Erwin Faustmann startete sein Unternehmen als Ein-Personen-Firma in der kleinen Garage zu Hause in Eichberg in der Oststeiermark. Mit stets vor Augen gehaltenen Zielen und Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Ehrgeiz und Mut baute er seinen Betrieb auf. 1994 errichtet er sein erstes WerkstättenGebäude. Bis heute ist der Betrieb auf eine Produktionsfläche von 4.200 Quadratmeter angewachsen. Als Möbelmanufaktur wird besonderer Wert auf die Einzigartigkeit jedes Stückes und auf die Qualität geachtet.


Super drauf Nach dem Studium an der FH Joanneum zieht es viele JungDesigner ins Ausland. Zum Glück für Graz bleiben aber auch einige in der Stadt und halten mit ihren Arbeiten das gute Image am Leben. Sie zeigen zur Zeit im Kunsthaus, was sie draufhaben und warum sich Graz um den UNESCO-Titel „City of Design“ bewirbt.

Jung-Designer Christian Gumpold und Christopher Gloning: Premierenauftritt bei der Yacht-Show in Hongkong.

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reativität ist allerdings nur ein Teil der Begabung, die ein Designer mitbringen muss. „Du musst extrem vielseitig sein. Speziell im Industrial Design ist der Designer die Schnittstelle zwischen Techniker, Entwurf und Kunde“, erklärt Christian Gumpold. Gemeinsam mit seinem Kollegen Christopher Gloning betreibt er die Designagentur motion code: blue. Das Duo hat sich auf Schiffsdesign spezialisiert, die Abschlussarbeit war ein Yacht-Entwurf. Diese sollte auch gebaut werden, doch im Zuge der Finanzkrise sprang der Investor

„Die erste fertige Yacht werden wir auf der diesjährigen Hongkong Yachtshow präsentieren.“ Alexandra Hötzl-Giselbrecht gehört auch zur jungen Garde, ist die Tochter des bekannten Architekten. Sie designt seit sieben Jahren Brillen für die österreichische Marke Robert La Roche. „Wir sind zwei Designerinnen und entwerfen drei Kollektionen pro Jahr.“ Designer zu sein ist für sie „eine gewisse

Auch in Graz erdacht und entworfen: Showcar RSQ, das für den Film „I Robot“ entwickelt wurde.

ab. Gumpold und Gloning ließen jedoch nicht locker und schafften es, einen taiwanesischen Werftbesitzer auf sich aufmerksam zu machen.

Lebenseinstellung, die man haben muss. Eine Freude an schönen Dingen, an Benutzerfreundlichkeit. Man muss sich gern in die Zielgrup-

Einfach nur schön So lautete der Gäste-Tenor bei der kürzlichen Eröffnung der neuen Ausstellungsräumlichkeiten der Firma ODÖRFER in Graz Puntigam. Kreativ im Bad und energiebewusst bei Heizung“, lautet auch die bewährte Firmen-Botschaft. – Das wichtigste dabei: Für jedes Börserl gibt’s eine Lösung! Die funkelnagelneue Verkaufsgalerie – ein Jahr wurde daran herumgetüftelt – ist innovativ und trendig zugleich. „Wir nehmen weiter Kurs auf ge26

pe, in andere Kulturen und Altersgruppen hineindenken, das ist wichtig.“ Für eine Kollektion entwirft sie zwischen 50 und 60 Zeichnungen, von denen am Ende etwa acht genommen werden. Die Inspirationen für ihre Entwürfe kommen aus dem täglichen Leben. „Oft sind es Personen, die einen bestimmten Style ausdrücken. Aber auch Kunst, Architektur, Reisen oder ein Buch, das man liest. Dann hörst du Musik, schaust dir ein paar Zeitschriften an und machst Skizzen.“ Im Moment ist sie in Karenz und widmet sich daher die meiste Zeit ihrem achtmonatigen Sohn. Doch ganz aufgehört hat

sie nicht, „dafür macht mir mein Beruf viel zu viel Spaß.“ Gerhard Heufler ist an der FH Industrial Design sozusagen die Mutter der Grazer Designer-Kompanie und ist berührt vom starken Publikumsinteresse für die Ausstellung im Kunsthaus. „Bei uns kommt nie Langeweile auf, keine Spur von der Null-Bock-Generation. Die Jungen halten mich mit ihren Ideen und ihren Fragen jung. O

Infos: „Design Impulse aus der Steiermark“, noch bis zum 27. Februar im Grazer Kunsthaus.

Licht und Wasser werden in verspielter Form zu zentralen Elementen. Foto: Odörfer/Volker Wohlgemuth

lungene Optik und den letzten Stand der Technik und schaffen außerdem einen Ort des Wohlfühlens“, zeigte sich Geschäftsführerin Mag. Susanne Schneider-Assion erfreut. Die Badezimmer von morgen werden mehr und mehr zur WellnessOase und spiegeln die harmonische Zusammenfügung von Bad und Wohnraum wider. Außerdem wird künftig auf passende Lichtwelt Rücksicht genommen. O

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WIRTSCHAFT

Kreativköpfe aus Graz

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Thema der Anzeigenredaktion

Steirische Gemeinden kämpfen mit Finanzabgängen und rangeln um Erhalt der Lebensqualität

Mit dem Rücken zur Wand von Helmut Dietl Gerade im Zeitalter der Globalisierung äußern viele Menschen den Wunsch nach Heimat und Geborgenheit. Gemeinde-Dienstleistungen können derzeit aber nur schwer aufrechterhalten werden.

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eimat ist dort, wo Menschen

bei ihrem Kaufmann einkaufen, ihre Kinder in die Schule gehen und der Hausarzt sitzt. Dieses Idyll-Bild hat in den vergangenen Jahren allerdings stark an Glanz eingebüßt. „Die ehemals vitalen Zentren samt ihren Wirtschaftstreibenden tun sich zusehends schwer, es für die Enkel noch zu richten, sprich Nachhaltigkeit zu schaffen“, erklärt Erwin Puschenjak von der Kommunalpolitischen Vereinigung Steiermark. 1,2 Millionen Einwohner und 542 Gemeinden hat das „Grüne Herz“ Österreichs. Darunter viele Kleinstgemeinden. Und gerade jene stehen vor gehörigen Finanzproblemen, zumal sich der größte Teil der Umsetzung von Landes- und Bundesvorhaben auf die Kleinen überträgt. Gut 200 der steirischen Kommunen sind aktuell einfach nicht mehr in der Lage, ausgeglichen zu bilanzieren, weil die Sozialkosten davonlaufen. Sie können nur noch durch die Landeshauptleute, die die Abgänge mit Landesmitteln decken, ruhiggestellt werden. Demnach will jede dritte Gemeinde die Gebühren erhöhen und jede vierte will zusätzliches Fremdkapital aufnehmen. Wie das weitergehen soll, weiß eigentlich niemand. Dünnere Mehrwertsteueranteile durch nachlassenden Konsum, geringere Kom-

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Erwin Puschenjak: „Weil die Sozialkosten davonlaufen, sind gut 200 steirische Gemeinden nicht mehr in der Lage, ausgeglichen zu bilanzieren.“

munalsteuern, weil die Wirtschaftskrise auch die kleinen und mittleren Betriebe vor Ort trifft, trüben die Hoffnung mehr und mehr.

Lebensnotwendiger Verbund Der steirische Gemeindebund bemüht sich dennoch, die Lebensqualität in den Kommunen aufrechtzuerhalten und die wirtschaftliche Zukunft der Gemeinden zu sichern. „Die kleinen Körperschaften sind ein enorm wichtiger Bestandteil für den Fortbestand der ländlichen Bevölkerung“, bekräftigt Puschenjak. Das Netz an Gemeindestraßen, Kindergärten, Schulen oder die meisten Pflegeeinrichtungen werden bekanntlich im örtlichen Kollektiv finanziert. Auch bei Was-

ser- und Abwasseranlagen sowie Müllentsorgung hält die Gemeinde den Kopf hin. „Anstelle von langfristigen Lösungen werden örtlichen Verwaltungseinheiten immer noch mehr Aufgaben übertragen und damit auch Kosten aufgebürdet. Wenn nicht bald eine Finanzlösung für Gemeinden gefunden wird, sterben ganze Landstriche aus“, fährt Puschenjak fort. Bleibt die Frage, ob es künftige tatsächlich vernünftige Maßnahmen gibt, die kostensparende Synergien schaffen können. Möglichkeiten, Gemeindeleistungen und Projekte aus Mitteln der Bedarfszuweisungen zu finanzieren, sind jedenfalls beschränkt. Ohne Geld ist also auch “Regio-Next“ uninteressant. Lösungsansätze wären in etwa bei der Erbringung von gegenseitigen Gratis-Dienstleistungen zu finden. Auf Basis von „Ich helfe dir, du hilfst mir“, wie anno dazumal.

Fusionen der Gemeinden? Die explosiv steigenden Ausgaben für die Sozialhilfeverbände, in die die Gemeinden für die Pflege ein-

zahlen müssen, kommen ebenfalls auf den Erlagschein-Stapel dazu und treffen das Land Steiermark in Folge doppelt. Diesbezüglich plädiert der Gemeindebund für einen Stabilitätspakt unter der Voraussetzung einer Bundeslösung. Zudem kämpft speziell die Obersteiermark vermehrt mit einer starken Bevölkerungsabwanderung. Mittlerweile befinden sich nämlich ca. 42 Prozent aller steirischen Arbeitsplätze in und um Graz. Mitunter tragen Finanzausgleich und die Wohnbauförderung zu dieser Schieflage bei. Kurzum: Es ist Feuer am Dach! Via Gemeindefusionen pirscht man sich nun an Einsparungen heran, wobei sich beim Thema Feuerwehr letztlich aber doch wieder keiner die Finger verbrennen will. Etwaige Zusammenlegungen können mit Sicherheit nur individuell erfolgen und bedürfen eines Zusammenspiels von Regionen, deren Infrastruktur und der öffentlichen Hand. Hier sind Fachleute, die Politik und die Bevölkerung gleichermaßen gefordert.

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Als Bürgermeister brauchst du eine dicke Haut Speziell im ländlichen Raum schafft die Nähe des Bürgermeisters zu den Mitbürgern oftmals Angriffsflächen auf persönlicher Ebene.

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icht selten wird ein Orts-

Chef – ab und zu gibt’s halt Ungereimtheiten – scharf attackiert. Die Grenze zwischen Funktion und Privatperson wird oft nicht mehr wahrgenommen. Darüber hinaus sind Bürgermeister einer Dauerpräsenz ausgesetzt und

Erwin Dirnberger: „Land-Gemeinden besitzen einen enorm hohen Stellenwert für örtliche Lebensqualität.“

gleichzeitig gefordert, über profunde Beschlagenheit in sämtlichen Disziplinen zu verfügen. Die Kommunalpolitische Vereinigung greift demnach Bürgermeistern und Kommunalfunktionären zur Wissens­ erweiterung unter die Arme. Allerdings gibt es nicht wenige Gemein-

devorsteher, die nach kurzer Amtsperiode dennoch das Handtuch werfen, weil sie dem Leistungsdruck nicht standhalten. „Für diesen Job brauchst du eine dicke Haut und einen breiten Rücken“, weiß Erwin Dirnberger, LAbg und Präsident des Steirischen Gemeindebundes. In diesem Zusammenhang engagiert sich neuerdings die Kommunalpolitische Vereinigung, im Teamwork mit ärztlicher Fachkompetenz, den psychischen Druck von den Schultern vieler Bürgermeister abzuwenden. v 27


Der Wecker klingelt. Nein, nur das nicht. Heute nicht. Ich kann nicht. Kaum geschlafen diese Nacht. Ich schaff es nicht. Dreh mich rum, wickel mir die Decke über den Kopf, grunze, seufze, ächze. Mit einem Schwung zieht Otto mir die Decke vom Kopf. Mit unerträglicher Fröhlichkeit brüllt er: „Aufstehen, Zeit zum Aufstehen, Liebling. Das ams wartet!“ Und dann, als ich noch immer nur grunze und ächze: „Der Kaffee ist auch schon fertig“ … Mir ist kalt. Seufzend quäle ich mich aus dem Bett, unter die Dusche, zwinge mir Rouge und Eyeliner ins Gesicht, schlurfe in die Küche, halte dem qietschvergnügten Otto mein Kaffeehäferl unter die Nase und lasse mich von seinen frühmorgendlichen Erkenntnissen berieseln. Dem geht’s gut, der muss nicht zum ams. Der

LILIANE IST SCHÖN Liliane ist schön. Liliane ist schlank. Liliane ist fleißig. Liliane hat immer etwas zu tun. Liliane arbeitet halbtags in einem kleinen Büro. Wenn die Kinder im Kindergarten sind. Mittags nach dem Büro holt sie die Kinder vom Kindergarten. Liliane kauft ein. Liliane versorgt den Haushalt. Liliane versorgt ihre zwei kleinen Kinder. Liliane versorgt ihren Mann (den vor allem). Liliane versorgt die Pflanzen, die Schwiegereltern, den Hund und die Nachbarin, wenn es ihr mal dreckig geht, was öfter vorkommt. Liliane kümmert sich um alle und alles. Man mag Liliane, weil sie immer Zeit hat. Immer ein offenes Ohr. Und ein hübscher Anblick ist sie obendrein. Manche beneiden Liliane. Was die alles hat. Was die alles kann. Liliane kann fast nicht mehr. Liliane ist am Ende ih-

hat einen Job an der tu. Einen tollen Job. Mit viel Gehalt und viel Freizeit. Eigentlich mehr Freizeit als sonst was. Vielleicht sollte ich mich auch an der tu bewerben. Bloß als was? Ich mag nicht. Ich mag nicht zum ams. Nicht heute. Ich muss. Ich stehe in der Straßenbahn. Es ist viel zu früh. Für mich. Es ist viel zu voll. Es ist viel zu laut. Fast übersehe ich die richtige Station. Normalerweise fahre ich so nicht hierher – nicht mit der Straßenbahn. Ein paar Schritte zu Fuß. Quer durch den stinkenden, lärmenden Verkehr. Ich bin müde, ich gähne. So was von keine Lust. Ich bin da. ams, Arbeitsmarktservice Graz, acht Uhr, acht Uhr zwei, um genau zu sein. Was soll’s, bin ich halt zu spät. Ich hasse dieses Gebäude. Ich will da nicht rein. Allein die Vorstellung löst Übelkeit in mir aus. Aber ich muss. Ich brauche Karin Klug

rer Kraft. Liliane bemüht sich. Sie lächelt. Sie sagt: „Danke, gut“, wenn man sie fragt, wie es ihr geht. Es geht ihr gar nicht gut. Liliane ist so erschöpft, dass sie manchmal gar nicht weiß, wie sie aufstehen soll, wie sie ihren Haushalt bewältigen soll. Die Kinder schreien. Die Kinder sind hungrig. Die Kinder müssen zum Arzt. Liliane kann nicht mehr. Manchmal schreit Liliane mit den Kindern, weil sie nicht mehr kann. Oft ist sie verzweifelt. So verzweifelt, dass sie am liebsten in den Wald rausgehen würde. Für immer. So lange gehen, bis sie umfällt. Und dann schlafen. Für immer. Liliane spricht nicht darüber. Mit niemandem. Keiner weiß, wie es Liliane geht. Keiner soll es wissen, dass sie sich schäbig fühlt. Und wertlos. Dass sie – als Einzige – weiß, wer weiß wie lange noch, dass sie nichts kann, dass sie zu schwach ist, unfähig, dumm.

Geld. Wenn ich hier nicht reingehe, kriege ich kein Geld. Und keine Versicherung. So einfach ist das. Also Tür auf. Menschenmassen drängen sich schon am Gang. Es ist Montagmorgen. Es ist schwül, es ist stickig, es riecht nach Schweiß und Kaffee. Mein Magen revoltiert. Mein Kopf revoltiert. Irgendjemand grüßt. Ich grüße auch nach allen Seiten, wie es sich gehört. Was tut man nicht alles für Geld? Ein junges Mädchen grinst mich breit an. Irgendwie fast verständnisvoll. Hat wohl auch eine lange schlaflose Nacht hinter sich. Ein alter Mann zieht mich am Ärmel – „Wo ist hier das Klo?“, nuschelt er mir mit einer Alkfahne ins Gesicht. Das brauche ich selbst bald. Ich stolpere den Gang entlang. Vorbei an Zimmer 1 bis 8, vor 9 ist es besonders schlimm. Da drängeln sich sicher schon fünfzehn Leute, Knoblauchgeruch schlägt mir entgegen. Ich

Am Wort

Sie kann nicht mithalten mit den anderen. Denkt sie. Die anderen sind besser, die schaffen ihr Leben. Denkt sie. Liliane schafft es nicht. Denkt sie. Sie weiß nicht, wie sie es schaffen soll. Sie tut alles für andere. Sie tut nichts für sich. Alle bewundern Liliane. Ihr Mann ist stolz auf sie. Auf seine hübsche, tüchtige Frau. Liliane dreht sich weg in der Nacht, wenn er sie berühren will. Liliane kann nicht schlafen. Sie liegt wach und denkt nach, was sie machen soll. Wie sie alles schaffen soll. Wo sie die Kraft hernehmen soll. Sie ist verzweifelt. Sie weint nicht mehr. Sie liegt nur stumm im Bett. Manchmal steht sie auf in der Nacht, geht in die Küche, räumt das Geschirr aus dem Geschirrspüler, setzt sich an den Küchentisch, lässt den Kopf in die Hände sinken und starrt die Tischplatte an. Liliane isst nicht sehr viel. Sie hat Probleme mit

bin nahe dran, einfach umzudrehen und wieder bei der Tür rauszumarschieren. Pfeif aufs Geld. Wieso tu ich mir das an? Immer wieder. Es ist acht Uhr vier. „Auch wieder mal unpünktlich, Frau Meier, ist ja ganz was Neues!“ Ich stehe in der geöffneten Tür, Herr Haberzahn schaut mich mit strafendem Stirnrunzeln an. „Der Chef war schon da und hat sich nach ihnen erkundigt!“, meint er noch mit Genugtuung. Dann drängt auch schon eine Frau mittleren Alters bei der Tür rein, mit drei Billasäcken bewaffnet, die sie vor den Schreibtisch wirft. „Ich wart da schon eine halbe Stunde, eine Frechheit ist das, wir werden behandelt wie der letzte Dreck, kein Respekt, als ob wir Arbeitslosen nicht auch Termine hätten …“ „Jaja, ist schon gut, Frau Säger, ich bin ja schon da.“ Mit einer Hand schalte ich den pc ein, mit der anderen ziehe ich mir den Sessel heran … der Arbeits­tag hat mich wieder.

dem Magen. Ihr ist oft schlecht, sie hat Bauchkrämpfe, die Hände zittern dann. Der Arzt hat sie mehrfach untersucht. Sie schluckt Magenmedikamente. Und Herztropfen. Weil ihr Herz manchmal so rast, dass sie in Panik verfällt. Die Kopfschmerzen hat sie gar nicht erwähnt beim Arzt. Damit lebt sie einfach. Daran hat sie sich schon gewöhnt. Nur manchmal werden sie so unerträglich, die Kopfschmerzen, dass sie sich stärkere Schmerzmittel besorgt. Ihre Hände zittern oft. Und der Druck auf der Brust steigt. Dann fällt ihr das Atmen schwer. Liliane will nicht aufgeben. Sie will nicht, dass andere schlecht von ihr denken. Dass sie nichts zustande bringt. Dass sie wehleidig ist. Deshalb spricht Liliane mit niemandem. Sie versucht anderen zu helfen. Für andere da zu sein. Bis sie eines Tages nicht mehr da ist. Sie ist jetzt in Zimmer 105. Geschlossen. Für längere Zeit.

Wie wär’s mit Segeln im Urlaub Der Sommer kommt schneller als man denkt. Die Urlaubsplaner sind schon am Werken. Wer sich auf dem Meer und in der Adria wohlfühlt, also richtig entspannen will oder aber auch sein Segel-Wissen und seine -Fähigkeiten erweitern will, der kann das auf der Hidra 54 tun, einem Vorführboot der Luxus-Klasse und einem der schnellsten Segler. Ausgangshafen ist Cres auf der Insel Cres in Kroatien. 1 Woche Hidra 54 inklusive Skipper (von Samstag bis Sonntag) Mai: 4.000 Euro; Juni und September: 4.500 Euro; Juli und August: 5.000 Euro Kapazität der Hidra 54: Maximal 6 Personen Anfahrt und Verpflegung sind im Preis nicht inbegriffen. Werbung

Hintergrund

ARBEITS-LOS

Anfragen: g.pongratz@goesta.at, Tel.: 0316/ 71 60 32 14 28

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Gedächtnisstark und hellwach – Juliane Koch mit 101 Jahren

HINTERGRUND

Juliane Koch beging am 15.1.2011 ihren 101. Geburtstag. Sie führte ein hartes, aber zufriedenes Leben in tiefer Frömmigkeit. „Die jungen Leute haben oft keinen Glauben mehr.“

Wir haben noch das Kaiserlied gesungen „Es ist eine Gnade Gottes“, betont Juliane Koch anfangs, „dass ich noch bei Verstand bin in dem Alter.“ Klipp-Mitarbeiterin Michaela Vretscher war beeindruckt von der geistigen Fitness ihrer Gesprächspartnerin.

E

twas nervös, aber auch erwartungsvoll mache ich mich auf zu einem Interview, ist es doch eine Besonderheit, mit einer Frau sprechen zu können, die im Jänner dieses Jahres ihren 101. Geburtstag feierte. Mein Weg führt mich hinauf nach Unterfresen im Bezirk Deutschlandsberg gelegen; eine schmale Straße schlängelt sich in dieses Gebiet, wo einem an klaren Tagen eine wunderbare Aussicht bis zum Bacherngebirge eröffnet wird. Zum Zeitpunkt meines Besuches jedoch hängt über der Landschaft eine Nebelglocke und eine harte Schneeschicht bedeckt den kleinen Pfad zum Haus. Friedrich, der Sohn von Juliane Koch, heißt mich willkommen und führt mich in das Zimmer seiner Mutter, die auf ihrem Bett sitzt, gehüllt in mehrere Decken. Ein Holzofen spendet knisternd angenehme Wärme, und nachdem ich in ihrer Nähe Platz nehmen durfte, beginnt die betagte Frau sogleich aus ihrem Leben zu erzählen, verständlich, flüssig, ohne lange über Jahreszahlen und Namen nachdenken zu müssen. „Es ist eine Gnade Gottes“, betont Juliane Koch anfangs, „dass ich noch bei Verstand bin in dem Alter. Mir fallen Begegnungen in Altersheimen ein, wo viel Jüngere schon ziemlich abwesend ihren Lebensabend verbringen.“ Offensichtlich hält Juliane Koch auch die gewohnte eigene Umgebung „munter“. Mit vier Schwestern teilte sie das Schicksal, die Mutter früh zu verlieren, denn kurz nach der Heimkehr ihres Vaters vom Ersten Weltkrieg starb diese an der „spanischen Grippe“. Damals war „Juli“ – wie sie KLIPP Februar 2011

von allen genannt wurde, acht, marschierte täglich eine Stunde lang – im Sommer barfüßig – von ihrem damaligen Heimatort Gressenberg nach Schwanberg zu den Schulschwestern, die sie schreiben und lesen lehrten und bei denen sie „eine strenge religiöse Erziehung“ genoss. Dort „haben wir noch das Kaiserlied gesungen“, erzählt sie lächelnd und kann sogar die ersten Strophen wiedergeben. Nach der Schulzeit ab ihrem 15. Lebensjahr war sie bei mehreren Bauern als „Kinderdirn“, als Kindermädchen, tätig,

Oberschenkelbruch ist sie auf seine Hilfe angewiesen, er kocht, wäscht, versorgt sie mit allem, was sie benötigt. Sein eigenes Haus steht unweit von dem der Mutter und durch eine elektrische Glocke ist sie immer mit ihm – wenn er nicht in ihrer Nähe ist – für den Notfall „verbunden“. „Einmal bin ich aus dem Bett gefallen und da hab ich ihn in der Nacht angeläutet. Sogar für den Brandfall ist „vorgesorgt“, gibt’s eine Hacke unter dem Bett. „Damit könnte ich die Fenster einschlagen. Ich leide an Osteo-

Friedrich Koch, 75, umsorgt seine Mutter liebevoll, schaukelt den Haushalt, das Anwesen und findet noch Zeit für seine kleine Schafherde.

half aber darüber hinaus bei sämtlichen Arbeiten am Hof. Von Fleiß und Mühe ist ihre Vergangenheit geprägt, wohl auch von Gemeinschaft, Frömmigkeit und Fröhlichkeit. Den Landund Forstarbeiter Friedrich Koch heiratete sie 1935, schenkte ihm ein Jahr später einen Sohn, 1944 eine Tochter.

Gut umsorgt von ihrem Sohn „Der Friedl ist heuer auch schon 75“, gibt sie bekannt, „seit acht Jahren schaut er gut auf mich.“ Nach einem

porose“, erklärt Juliane, ohne zu jammern, während sie auf die Körperstellen zeigt, die ihr weh tun. „Ich habe keine groben Schmerzen, aber manchmal vergeht mir schon die Geduld, das Herumhocken ist langweilig, früher konnte ich wenigstens noch lesen, jetzt seh ich schon schlecht“, fügt sie hinzu. Im Laufe ihres Lebens mehrmals auf Wallfahrten unterwegs, etwa nach Mariazell, Mariatrost, Maria Lankowitz, per Fuß nach Osterwitz und zu anderen umliegenden Kirchen,

so hört sie heute die Messe übers Radio. Beten gehört nach wie vor zu ihrem Alltag, auf dem Nachtkästchen liegt immer griffbereit ein Rosenkranz, über dem Bett hängen Heiligenbilder, eine Marienstatue thront auf dem Tisch. „Zur Firmung nach Groß St. Florian bin ich noch mit der Pferdekutsche gefahren“, erzählt sie weiter, das erste Mal mit einem Auto wurde sie im Zuge einer späteren Pilgerreise befördert. Bis zum Jahre 1962 kam man im Hause gänzlich ohne elektrischen Strom aus, all die technischen Errungenschaften – Riesensprünge in ihrem Leben – registrierte sie mit großer Verwunderung. Mit Begeisterung lausche ich den Erzählungen der bewundernswerten Dame, deren Antlitz wahrlich nicht einer 101-Jährigen zugeschrieben werden kann. „Eingecremt habe ich mich nie, das war früher nicht Mode“, antwortet sie auf mein Kompliment und auf die Frage nach der Gesichtspflege. Abschließend hebt Friedl seine Mutter in den Rollstuhl und schiebt sie zum Fotografieren in die Küche. Mit dem Kamm fährt Juliane selbst durchs Haar, er rückt sanft die Decke zurecht, und jeder Handgriff, jedes Wort, die ganze Atmosphäre im kleinen, gemütlichen Haus spiegelt diese liebevolle Betreuung, die außergewöhnliche Beziehung zwischen den beiden wider. Es ist gemütlich, auch wenn’s nicht ganz so aufgeräumt wirkt. Ich bin beeindruckt und marschiere voller Gedanken – begleitet von Friedl – den Hügel hinan, vorbei an den Schafen, welchen er sich nun zuwendet. Auch sein Leben ist von harter Arbeit geprägt. „Daran bin ich gewöhnt“, winkt er bescheiden ab und spricht einen Dank für den Besuch aus. Aber auch ich fühle Dankbarkeit, kehre ich doch beglückt über eine verloren geglaubte Lebensweise zurück ins Tal. O 29


Hintergrund

Jammern macht glücklich „Die moderne Glücksforschung liefert Beweise dafür, wie wichtig Jammern für die Weiterentwicklung von uns Menschen ist“, behaupten die beiden Psychologen Annika Lohstroh und Michael Thiel.

D

ie angenehmste Form ist die nach dem Motto: Lerne zu jammern, ohne dass es dir schlecht geht. Denn Jammern dringt wie feiner Staub in jede Ritze, jede Ecke unseres Lebens, in den Beruf, in die Beziehung, in die Nachbarschaft, unter Freunde, in die Politik, in die Medien. Psychologen wurden früher dahingehend trainiert, Jam-

... ich will das haben, ich will das haben!

mern grundsätzlich als Symptom für Probleme oder Krankheiten zu sehen, und diese sollte man mit Therapien wegzubringen versuchen. Das stimmt so nicht mehr, sagen die beiden Psychologen. Jammerer, die Jammern gezielt und taktisch klug einsetzen, sind durchaus stark und erfolgreich. Jammere laut und penetrant, dann wird dir geholfen. Doch Jammern ist nicht immer harmlos. Wenn viele Menschen dauerhaft alles und jeden bekritteln, über alles jammern, breitet sich Negativismus aus, der dafür sorgen kann, dass eine ganze Gesellschaft inaktiv wird, gedrückt erscheint und letztendlich stillsteht.

Tun es Männer anders als Frauen? Sie kennen das doch. Der Mann bekommt eine Grippe oder sein Auto hat einen Kratzer oder sein Lieblingsverein steigt in die zweite Liga ab. Frau30

en jammern emotional, suchen die Gründe für ihre Frustration bei sich selbst und zerfleischen sich manchmal genussvoll in Selbstkritik. Es sei denn, ER baut Mist. Nur eine Frau kann so ausdauernd über einen anderen Menschen, nämlich ihren Liebsten, jammern. Jede beste Freundin weiß genau, wovon wir reden. Männer jammern eindrucksvoller, weil sie es nicht so häufig wie Frauen tun und es deshalb überrascht. Frauenjammern ist meistens weniger zielgerichtet, weil es mehr ein Ausdruck einer allgemeinen Gemütslage ist und oftmals als eine Selbstoffenbarung empfunden wird: Was habe ich nur verkehrt gemacht? Und der Klassiker: Was hat sie, was ich nicht habe?

jammert das Baby. Die Mutter kommt, nimmt es auf den Arm, tröstet es, spielt mit ihm. Das Baby ist zufrieden. Es „trainiert“ seine Mutter darauf. Das Gehirn des Babys entwickelt sich angst- und stressfrei, weil sich das Kind auf seine Mutter verlassen kann, weil die Jammersignale in Stresssituationen gehört werden. Angst, Stress, Überreizung und Überforderungen werden damit sogar abgebaut. Der stärkste Stress, den ein Kind erleben kann, ist die Nichterreichbarkeit von Erwachsenen, das Gefühl von Alleinsein. Es wird nicht mehr gehört und kein Jammern hilft. So gesehen ist Jammern das Bindungsverhalten schlechthin, weil es die Nähe zwischen Kind und der erwachsenen Bindungsfigur herstellt. Funktioniert

... diesmal hat‘s leider nicht geklappt.

Vielleicht sollten es Männer öfters den Frauen nachmachen und mehr jammern. Immerhin ist die männliche Herzinfarktrate höher und die Lebenserwartung niedriger als die der Frauen. Unzufriedenheit ist der erste Schritt zum Erfolg, gibt es einen Ausspruch von Oscar Wilde. Die Psychoneurologie ist im Moment das spannendste Forschungsgebiet in der Psychologie. Sie belegt durch Computerdaten, dass Jammern auch automatisiert werden kann. Je öfter man jammert, desto automatischer wird es auch in anderen Lebenssituationen, die gar nicht so beklagenswert sind. Wie beim Muskelaufbau im Fitnessstudio: Je öfter der Muskel beansprucht wird, desto stärker wächst er.

es, weil das Jammern gehört wird, ist das gut. Wird es ignoriert, findet also keine Nähe statt, dann kommt es leicht zur Katastrophe. Nehmen wir zum Beispiel die Amokläufer aus Erfurt oder sonstwo her. Sie wurden alle als äußerst ruhig, zurückhaltend, unauffällig beschrieben. Niemand traute ihnen die Tat zu. Es gab anscheinend keine deutlichen Hinweise auf den geplanten Amoklauf – oder man konnte bzw. wollte sie nicht sehen. Die Täter jammerten nicht laut, begehrten nicht auf, beklagten nicht hörbar vermeintlich ungerechte Noten oder Behandlungen von Lehrern, wurden nicht unbequem. Sie liefen einfach so nebenbei mit. Ach, hätten sie doch nur mehr gejammert.

Und wo lernen wir das Jammern?

Wir

Schon im Babyalter. Sobald irgendetwas nicht passt, weint, plappert oder

Es passiert im Supermarkt. Taymour schmeißt sich neben dem Regal

werden

dazu

erzogen

mit Süßigkeiten auf den Boden und jammert mit hochrotem Kopf: „Ich will eine Schokolade!“ Die Mutter, schon nervös, weil andere Kunden ihren Kleinen fixieren, versucht es in Ruhe pädagogisch: „Komm Taymour, mach jetzt nicht so ein Theater. Du bekommst keine Schokolade. Gleich gibt’s Abendessen und sonst isst du wieder nichts.“ Das überzeugt ihn nicht. Er legt noch ein paar Dezibel an Lautstärke drauf: „Ich will aber!“ Im ganzen Geschäft wird man auf die lautstarke Auseinandersetzung aufmerksam. Die Mutter resigniert: „Gut, aber noch das eine Mal. Hast du verstanden?“ Ein Punktesieg für Taymour. Er steht triumphierend auf, packt schon auf dem Weg zur Kasse die Schokolade aus. So funktioniert es, denkt er sich. Natürlich nicht, aber er hat das positive Gefühl, nach einer JammerAttacke das Gewünschte erhalten zu haben. Und glückspendende Endorphine werden freigesetzt. In seinem Gedächtnis wird gespeichert: Wenn ich etwas haben will, muss ich genau dieses Verhalten zeigen, dass ich es bekomme. Prompt hört sein quälendes Verlangen auf, der Körper hat diesen wunderbaren Endorphinkick inklusive Schokolade. Das ist die simpelste Form, wie ein Verhalten gelernt und gefestigt wird: die so genannte Konditionierung. Das Verhalten von Taymour wird verstärkt, indem seine Mutter nachgibt und sein Bedürfnis nach Schokolade gestillt wird. Wiederholung ist sicher! Wie‘s besser gehen könnte? Taymour erhält selbst einen kleinen Einkaufswagen mit gemaltem Einkaufszettel, auf dem neben notwendigen und gesunden Sachen auch eine kleinen Süßigkeit vorher gemeinsam gezeichnet wurden. Vor der Kasse werden Sachen, die nicht auf der Liste waren, wieder ins Regal gebracht. Das muss Taymour ertragen lernen. Fängt er zu jammern an, wird er konsequent ignoriert. Bleibt er ruhig, bekommt er ganz viel Lob. v Quelle: „Deutschland, einig Jammerland – Warum uns Nörgeln nach vorne bringt“ von Annika Lohstroh und Michael Thiel (Gütersloher Verlagshaus) KLIPP Februar 2011


natur

Nachtschwärmer im Winterschlaf E

s ist der erste Feiertag des neuen Jahres, an dem die Zählung in den Römerbrüchen Aflenz an der Sulm/Bezirk Leibnitz stattfindet. Die Einladung, das ehrenamtlich tätige, sechsköpfige Expertenteam bei der Exkursion ins mir noch unbekannte Ruhereich der Fledertiere zu begleiten, nehme ich gerne an.

Zu Besuch bei der Kleinen ­Hufeisennase & Co Los geht’s an jenem Vormittag im Unteren (dem kleinen) Römerbruch, vorbei an einem reizvollen Eissäulenfeld, zu den Schlafstätten der markanten Säuger, wo als erstes Exemplar die Kleine Hufeisennase zu entdecken ist – allerdings für mich ohne Hinweis der Spezialisten nicht auffindbar. Hoch oben an der Decke schlummert sie kopfüber hängend, den Stoffwechsel auf „Sparflamme“ reduziert. Gut für den Winterschlaf mittels großer Mengen gespeicherten Körperfetts gewappnet, übersteht sie die lange „Torporphase“, die durch Absenkung der Körpertemperatur auf jene der Umgebung herbeigeführt wird. Bei häufigen

Schlaf-Störungen werden die Energiereserven frühzeitig erschöpft, was den Tod der Tiere bedeuten kann. Das kurze Aufleuchten der Taschenlampe jedoch scheint sie und weitere Artgenossen nicht aus dem Dämmerzustand zu beuteln, hurtig überblicken die Fledermausforscher den Bestand und wir eilen weiter zum Großen Römerbruch, der verzweigt über mehrere Kilometer zu durchforsten ist. Anzutreffen sind hier – einzeln oder gruppenweise in Bohrlöchern, Nischen und ebenfalls an Decken – Große Mausohren, Kleine und Große Hufeisennasen sowie Wimperfledermäuse. Heimische Fledermäuse – von mehr als 1.100 Arten weltweit kommen mindestens 27 in Österreich vor – suchen je nach Witterung ab Mitte Oktober ihre Winterquartiere auf und verbringen in diesen frostsicheren Verstecken die Zeit bis Mitte März/Anfang April in energiesparender Schlaflethargie.

Erfreuliches Ergebnis Fledermäuse befinden sich auf der „Roten Liste“ der in Österreich gefährdeten Säugetierarten, die bishe-

Fotos: Harald Polt

Einmal pro Jahr, immer zum gleichen Zeitpunkt, macht sich eine Forschergruppe auf, um eine Bestandsaufnahme der Fledermäuse in steirischen unterirdischen Winterquartieren, insgesamt 35 Höhlen und Stollen, durchzuführen.

Langflügelfledermaus: In den 60er-Jahren gab es im Unteren Römerbruch eine Kolonie von ca. 500–700 Tieren, danach sind sie verschwunden.

Michaela Vretscher

vor ort

rige Zählung 2011 in der Steiermark erlaubt Hoffnung auf Zuwachs: Bei der Bestandsaufnahme am 6. Jänner konnte das erste Mal für den Großen Römerbruch die Wasserfledermaus entdeckt werden, insgesamt waren in den beiden unterirdischen Steinbrüchen rund 130 Tiere von fünf Arten zu finden. „In diesem Jahr konnten in bislang 23 überprüften Stollen und Höhlen (weitere folgen im Februar) um 21 % mehr Fledermäuse angetroffen werden als im

Vergleichszeitraum 2010“, freut sich Harald Polt, Koordinator der fledermauskundlichen Bestandsaufnahmen vom Landesverein für Höhlenkunde in der Steiermark. „Der Bestand der Kleinen Hufeisennase stieg um 20 %, jener der stark gefährdeten Großen Hufeisennase sogar um 52 %.“ Das „Jahr der Fledermaus“ beginnt mit einem positiven Ergebnis. Es braucht aber dennoch viel Glück, die im Frühling erwachten beeindruckenden „Geschöpfe der Nacht“ bei ihren Jagdflügen erspähen zu können. Wesentlich einfacher ist es, die Fledermaus als Operette zum Beispiel in der Wiener Volksoper zu sehen. v

Infos Ihre Vorfahren bevölkerten die Erde bereits vor ca. 65 Millionen Jahren, ihr Verbreitungsgebiet ist enorm groß und sie zählen nach den Nagetieren zur artenreichsten Säugetiergruppe. Fledermäuse gehören aufgrund ihrer Fähigkeiten – aktiver Flatterflug und ausgeklügeltes Echoortungssystem – zu den faszinierenden Herrschern der nächtlichen Lüfte.

Zählen und forschen als Fledermausexperten in stockfinsteren Höhlen: Volker Weißensteiner, Edmund Weiß, Harald Polt, Franz Moitz, Harald Pliessnig, Friederike Spitzenberger (v. l.)

KLIPP Februar 2011

Hufeisennasen: Häufigste Fledermausart in Österreich

www.batlife.at www.lvhstmk.at www.museum-joanneum.at/de/ zoologie

31


Kulturmagazin Kürbis ist neugierig:

K U LT U R

Warum leben und arbeiten Sie eigentlich auf dem Land?

I

n vielen ländlichen Regionen gibt es wirtschaftliche Probleme, attraktive Arbeitsplätze sind rar, vor allem junge Menschen wandern in die städtischen Ballungsräume ab.

Supermarkt zu fahren und mit dem Jogginganzug eine Biomilch zu holen.

aufgehoben zu sein: Stillstand im Glück.

Mike Markart, Autor, Stainz Für mich als Künstler gibt es keinen definierten Arbeitsplatz. Der Ort, an dem ich bin, ist Ausgangspunkt. Mein Theaterverlag ist in Köln, mein Buchverlag in Wien. Mein Wohnort ist zur Zeit Stainz. An dem Ort, der mich gerade umgibt, brauche ich eine Mischung aus den Möglichkeiten, qualitätsvolle soziale Kontakte zu pflegen oder meine vollkommene Ruhe zu haben und eine funktionierende Natur.

Peter Faßhuber, Kulturarbeiter und Theatermacher, Oberzeiring Als regionaler „Kulturarbeiter“ – und als solcher bin ich seit mehr als 25 Jahren tätig – habe ich es mir abgewöhnt, in klassischen Mustern wie städtisch, ländlich oder provinziell zu denken. Provinz ist überall und Hauptstadt ist dort, wo jemand auftritt und behauptet: „Ich bin Hauptstadt.“

Wolfgang Temmel, Künstler und Musiker, Wies Das Land als Gegensatz zur Stadt? Beide Seiten spielen ihre anerzogene Rolle – sie beäugen den anderen jeweils argwöhnisch. Die StadtbewohnerInnen die LandbewohnerInnen von oben herab. Die LandbewohnerInnen die StadtbewohnerInnen von draußen. Ein kleines Land, das seine monarchistische Vergangenheit noch lange nicht abgelegt hat. Landesfürsten regieren. Der Blick über den Tellerrand fällt vielen so schwer.

Gertrude Grossegger, Autorin, Eichkögl Alle meine Stadterfahrungen sind Landerfahrungen. Ich erfahre die Stadt als jemand, der vom Land kommt und nicht immer in der Stadt lebt. Immer in der Stadt zu leben hieße, in der Stadt heimisch geworden zu sein und mit dem Jogginganzug die Stiege hinunter zum Supermarkt zu laufen und eine Biomilch zu holen und nicht zu Hause auf dem Land in das Auto zu steigen und zum 32

Fritz Hubmann

Wolfgang Temmel

Hannes Jöbstl

Friedrich Grill, Arzt und Freund der Künste, Fantsch Mein Lebensentwurf „Landleben“ hat weder soziale, ökonomische noch sentimentale Gründe – nur egoistische. Ich will mit, in und von der Natur leben.

Fritz Hubmann, Stainz Als Nachfolger im Familienunternehmen bin ich in meinen Arbeitsplatz sozusagen „hineingeboren“ worden, aber: Meine Frau und ich empfinden es nach wie vor als Gnade, in einer so schönen Region leben zu können und in nur vier Minuten unseren Arbeitsplatz zu erreichen. Stainz ist eine sehr gelungene Mischung von ländlicher Lebensart und urbaner Kultur.

Mia Zabelka, Musikerin, Klanghaus Untergreith Im Zeitalter des www ist es egal, ob ich mein Büro in der Stadt oder am Land habe. Ich bin hier mit der Welt genauso verbunden, bin aber nicht abgelenkt in meinem Arbeiten und Denken von dem Überangebot an Entertainment in der Stadt. Der Beton nimmt Energie, die Erde, die Wiese, die Hügel geben Energie.

Anita Fuchs, Gestalterin, Künstlerin, Stainz Weil freie Luft um die Nase weht und dort bei den Gräben und Wäldern und Wiesen und Feldern Energie für mich fließt und ich dort Ruhe finden kann; wenn ich mit meinem Sohn an einem Bach spiele, scheint die Zeit

Mike Markart

Hannes Jöbstl, „Master of Schilcher“, Wernersdorf

meinen Eltern geerbt. Nach vielen Überlegungen entschloss ich mich, den Hof, der damals eher ein Obstbaubetrieb war, immer mehr zum Weinbaubetrieb umzustrukturieren. Mit diesem Entschluss war der Verbleib am Land logisch und arbeitstechnisch sinnvoll. Ob ich Weinbauer wurde, weil ich am Land lebe, oder am Land lebe und daher Weinbauer wurde, ist schwer zu sagen. Aber wenn ich heute den Sonnenaufgang beobachten kann und erleben darf, wie das Pflanzen- und Tierreich täglich neu erwacht – oder das unbeschreibliche Gefühl, wenn im Frühjahr die Natur in ihrer überschwänglichen Blütenpracht jährlich neu entsteht, empfinde ich es als Privileg, dass ich mit meiner Familie Teil dessen sein darf. O

Ich bin auf dem Land groß geworden und habe Grund und Boden von

Herz ist Trumpf

Seelenloses Raubtier? Ich war bei einem Symposium für „Herzensbildung“. Organisiert von der Universität Graz gemeinsam mit dem Schauspieler August Schmölzer, Gründer der gustl58-Initiative. Und da kommen einem natürlich viele Gedanken. Wofür das alles? Sind wir nicht sowieso alle Träger eines Herzens in Bezug auf unsere soziale Wesenheit? Als „Krone der Schöpfung“, wie man uns zu lehren versucht, zeichne sich der Mensch mit all seinen speziellen Fähigkeiten aus: vernunftbegabt, verantwortungsvoll, mitfühlend … Werke der Weltliteratur sind gefüllt mit Beschreibungen über die „Sonderstellung“ des Menschen unter den Lebewesen, sein Vermögen zum gesellschaftlichen Zusammenleben, zur Sittlichkeit und (Nächsten-)Liebe. Beim Blick auf die Geschichte und die gegenwärtige Lage begegnet einem hingegen ein seelenloses Raubtier, hungrig nach Macht und Geld, selbstherrlich alles verschlingend, was noch einen Funken ursprünglichen Lebens in sich trägt. Die Natur – längst degradiert zum Objekt – hat sich dem ökonomischtechnischen Denken des „homo consumens“ zu beugen. Materielle Wer-

te, Kampf – Ausbeutung in jeglicher Hinsicht regiert die Welt. Wir wollen alles – und dies um jeden Preis. Es scheint, als würde die Quelle, welche einst die Empfindung speiste, versiegen, als hätte das Herz – als Sitz des Guten, der Seele, der Weisheit, der Leidenschaft für die Welt – ausgedient. Ja, es feiert nach wie vor glänzende Erfolge auf den internationalen Bühnen der Kunst. Den Protagonisten aller Sparten wird heftig applaudiert, wenn das Herz die Hauptrolle spielt. Wir schunkeln zu schmalzigen Liebesliedern, rocken inmitten Tausender im Rhythmus zur Musik, weinen beim tragischen Ende eines Theaterstücks, trauern beim Tod eines Filmhelden. Erfreulich zu bemerken, dass es in uns (noch) brodelt und pocht. Personen allerdings, die Mitgefühl auch im Alltag leben, respektvoll agieren, Schutz bieten, Hilfe leisten, die in uns angelegte „Begabung zur Güte“ zum Erblühen bringen, sollte es viel mehr geben. Dank daher jenen, die der Melodie ihres Herzens folgen, denn ohne ihre Klänge würde die Welt verstummen … M.V.

KLIPP Februar 2011


Von Isabella Hasewend

D

ie Ring-Vollwert-Glyxdiät kann bei diesem Vorhaben unterstützen, und das, ohne dass man hungern muss. Deren Schwerpunkt liegt auf Lebensmitteln mit niedrigem glykämischem Index. Er gibt die blutzuckersteigernde Wirkung der Kohlehydrate aus Lebensmitteln in Zahlen an. Gertrude Mogg, Diät-Küchenchefin im Bio-Thermen-Hotel Wilfinger in Bad Waltersdorf ist schon von Beginn an dabei und hat somit bereits viel Erfahrung mit der VollwertGlyxdiät. „Wir legen großen Wert auf die Frische der Produkte und deren schonende Zubereitung. Die Kalorienanzahl der Speisen wird so gewählt, dass der Gast nach dem Essen kein Hunger- oder Völlegefühl verspürt, er soll aufstehen und sich satt fühlen.“ Das ist – wie ich es selbst ausprobiert habe – das Beste an der Glyxdiät. Denn man hat nie den Eindruck, sich einer Diät zu unterziehen. Üblicherweise bedeutet Diät

meistens Verzicht, Verzicht. Doch beim abwechslungsreichen Speiseplan der Ring-Vollwert-Glyxdiät hat man aber nicht das Gefühl, auf irgendetwas verzichten zu müssen. So stehen bei der Glyxdiät selbstverständlich auch die für viele unverzichtbaren Desserts auf dem Speiseplan. „Wir belassen es ausschließlich bei der Süße des Obstes oder verwenden Honig, der – wenn möglich – nicht erhitzt wird“, erklärt Gertrude Mogg. „So zum Beispiel wird Apfelmus fertig zubereitet, und wenn es noch lauwarm ist, kommt erst der Honig dazu,

damit dessen Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Wichtig ist jedoch, dass wir Honig nicht anstelle von Zucker verwenden, da die Speisen ja sonst übersüßt wären.“ Ein weiterer wichtiger Bestandteil auf dem Menüplan ist natürlich auch Rohkost, wobei hier auch die Frische der Produkte gewährleistet

Gesundheit löst Wellness mehr und mehr ab Die Heiltherme in Bad Waltersdorf hat für Thermen- und QuellenhotelBesucher längst mehr parat als Wellness und geht allerlei Weh-Wehchen, wie auch psychischer Belastung, auf den Grund. Im Rahmen der neuen Gesundheitsinitiative (InGe) werden das ganze Jahr über passende ProKLIPP Februar 2011

Diät-Küchenchefin Gertrude Mogg: „Die Grundprodukte für die RingGlyxdiät stammen weitgehend aus biologischem Anbau.“

ist. Außerdem gibt es viel frisches Obst und frisch gepresste Säfte. In der Küche des Bio-Thermen-Hotels werden zwei Arten von Fetten verwendet: kaltgepresste Öle und Butter. Diese werden – wenn möglich – nicht erhitzt, damit deren Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Infolgedessen werden also auch keine Speisen in Fett gebrutzelt. Darf man bei der „Ring-Glückskur“ alles essen? Die erfahrene DiätKüchenchefin: „Grundsätzlich ist nichts verbo-

Foto: Heimo Ruschitz

Die Zeit des Schlemmens und der Süßigkeiten liegt nun hinter uns. Mit dem Frühjahr kommen die Vorstellungen des Abnehmens, da sich in den letzten Monaten einige Speckröllchen zu viel an den Hüften angesammelt haben.

gramme zu Bewegung, Ernährung sowie BurnoutPrävention angeboten. Neu sind mitunter auch Tanzwochen, die 2011 zu acht Terminen stattfinden. – Beim sogenannten „Zumba“ handelt es sich um eine lockere Kombination aus Tanz, Gymnastik und garantiertem Spaß. H.D.

Glück durch Glyxdiät – Saltim bocca mit gebratenem Fenchel und Dinkelbandnudeln – ein Beispiel aus der abwechslungsreichen Ring-GlückskurMenükarte des BioThermen-Hotels.

ten, außer jemand hat irgendwelche Allergien, verträgt etwas Bestimmtes nicht oder hat Einschränkungen vom Kurarzt auferlegt bekommen.“

Und wie kommt man auf neue Rezepte? „Neue Ideen kommen immer mit dem Arbeiten, indem man Kleinigkeiten ändert oder Neues und Interessantes ausprobiert. Der Menüplan hat sich im Laufe der Zeit natürlich geändert, er wurde umgewandelt und es wurden neue Produkte eingebaut.“ Das hört sich alles hervorragend an, doch wie soll ich nach einem „Glückskur-Aufenthalt“ daheim weiteressen? Gertrude Mogg: „Natürlich ist der Arbeitsaufwand größer. Man muss komplett umdenken. Doch da es heute ja viel leichter ist, Bioprodukte kaufen zu können, kann man die Vollwertkost auch für zu Hause umsetzen. Außerdem werden diese Punkte während eines Aufenthaltes bei uns in Vorträgen von Energetikern, FastenberaterInnen und Küchenchefs näher erörtert.“ O Infos: www.ringzentrum.at oder 03332/ 608-0

Gratis Wasser- & Schneevergnügen Bevor die Außentemperaturen im Frühling ansteigen und sodann das Schmelzwasser von den Dächern plätschert, machen Schnee und Wasser schnell noch gemeinsame Sache. Wie das funktioniert? Das Skigebiet auf der Hebalm und die H2O-Therme in der Oststeiermark machen eine Angebotskooperation: Kinder in Begleitung wedeln bis zum Ende der Skisaison auf der

Hebalm gratis. Und Familien die im Skigebiet ein Ticket lösen, bekommen einen Gratis-Eintritt für ein Kind in der H2O-Therme geschenkt. Gleiches gilt für ThermenTagesgäste: Beim Verlassen der Therme bekommt man ein Ticket für das Gratis-Pistenvergnügen seiner Kinder auf der Hebalm sowie einen Gratis-KinderEintritt für den nächsten Thermenbesuch dazu. O 33

GESUNDHEIT

Eine Diät ohne Verzicht


MOTOR & AUTO

KLIPP 1 … familienfreundlich zum Cruisen, der 5008

… und sportlich, der RCZ.

Zwei Mal Peugeot – zwei Mal ganz anders

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robleme beim Einparken haben ja nicht nur Frauen, nur Männer geben es nicht gerne zu. Klipp fuhr mit dem Peugeot 5008 und dessen Parklückensensor macht alles wesentlich komfortabler. Denn schon im Vorbeifahren misst er die Größe einer Parklücke und informiert einen darüber, ob die Parkplatzgröße ausreichend für das Auto ist. Außerdem wird auch die Schwierigkeit des Parkmanövers ermittelt. Dies ist mit der vorderen und hinteren Einparkhilfe gekoppelt, die den Abstand des Fahrzeugs zu einem Hindernis per Warnton anzeigt. Zusätzlich erscheint auf dem zentralen Bildschirm eine graphische Darstellung.

Anfahren am Berg wird erleichtert Klipp fuhr damit unter anderem auch auf die Gerlitzen, wo wir auch die Berganfahrhilfe „testen“ konnten. Und sie ist wirklich praktisch, denn sie verhindert zwei Sekunden lang, dass man beim Anfahren am Berg zurückrollt, wenn man vom Bremszum Gaspedal wechselt. Komfortabel ist auch die automatische elektrische Feststellbremse – eines der zahlreichen Assistenzsysteme der 5008er. Diese wird beim Abschalten des Motors automatisch aktiviert und löst sich beim Anfahren von selbst.

Ausreichend Platz Wir waren nur zu zweit unterwegs, allerdings mit dem ganzen Skizeug,

und hatten daher reichlich Platz. Alle Einzelsitze – ob im Fünf- oder Siebensitzer – lassen sich im Fahrzeugboden versenken, was gerade für Familien oder auch bei Übersiedlungen praktisch ist.

„Steirischer Löwe“ Wenn wir die Rücksitzlehnen umgelegt hätten, hätten wir auch im sportlichen Peugeot RCZ Platz gehabt. Weil er ja in Graz gefertigt wird, hätte uns das natürlich auch gefreut, aber

es war gerade keiner verfügbar. Und welch schnittiges Coupé mit dem Löwen-Logo da in Graz vom Fließband rollt, das belegen auch die Werksangaben. Zum „steirischen Löwen“ gehört auch ein entsprechend starker Motor. Die 200 Pferdestärken des 1.6 l THP mit 6-Gang-Schaltgetriebe ermöglichen es einem, das Maximum aus dem Fahrzeug herauszuholen. Die Beschleunigungswerte – von 0 auf 100 km/h in 7,5 Sekunden – können

Infos: www.edelsbrunner.at; www.peugeot.at

Ordentlich Gas, pardon „Strom geben“

Unterwegs mit dem E-Auto

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er Think City, ein Elektro-Auto aus der Flotte der Energie Steiermark, wurde Klipp für zwei Tage zum Testen überlassen. Und es macht wirklich Spaß, damit durch die Stadt zu kutschieren. Ich fühle mich wohl im funktionell gestalteten Innenraum, der überraschend geräumig ist. Auch die Übersichtlichkeit ist beispielhaft, kann ich doch durch die große Heckscheibe praktisch bis zur Stoßstange sehen. Und das ist ein Riesenvorteil, wenn’s ans Einparken geht. Das ist mit dem Think City praktisch ein Kinderspiel. Und aufgrund seiner geringen Ausmaße finde ich auch fast überall eine Parklücke.

Einfache Handhabung Eigentlich ist es für seinen Besitzer genauso einfach und bequem wie ein Mobiltelefon zu handhaben. Einfach über Nacht die Batterie

Graz-Nord, Weinzöttlstraße 7–15 34

sich daher sehen lassen. Und was ja sonst bei einem Coupé nicht so völlig selbstverständlich ist: Das Design ermöglicht auch einen guten, nahezu uneingeschränkten Überblick auf das Verkehrsgeschehen. So im Kopf haben wir das schon einmal vornotiert, den RCZ auch einmal selbst zu fahren. O

nachladen und am Morgen ist es für einen weiteren Tag einsatzbereit. Der Think City ist ein modernes Stadtauto, ohne jegliche Emissionen und mit einer Energieeffizienz, die dem dreifachen Wert eines üblichen Verbrennungsmotors entspricht.

Ordentliche Beschleunigung Die mittig am Fahrzeugboden platzierten Batterien sorgen durch den tiefen Schwerpunkt für eine optimale Straßenlage. Und die Beschleunigung ist wie bei allen E-Autos genial, einfach ordentlich Gas, pardon „Strom geben“ und schon beschleunigt der Think City in 6,5 Sekunden von 0 auf 50 km/h. Und das alles bei null Motorgeräuschen, sodass

www.auto-kuss.at KLIPP Februar 2011


H

ubert L. fuhr mit seinem PKW auf die Alm, um Baumaterial zuzustellen. Dabei fuhr er bei einer etwas steilen Auffahrt auf einen Stein auf, der offensichtlich die Ölwanne des Automatikgetriebes beschädigte. Hubert L. hielt sofort Nachschau, konnte aber außer ein paar Schleifspuren auf der darunter liegenden Abdeckung aus Kunststoff keinen weiteren Schaden feststellen. Es bestand auch kein Ölaustritt und Hubert L. fuhr erleichtert weiter. Doch eine Woche später die böse Überraschung: Huber L. hielt bei einer Kreuzung, doch als er wieder

ich beinahe lautlos durch die Stadt flitze. 160 Kilometer beträgt die Reichweite laut Werksangabe und die Höchstgeschwindigkeit 100 km/h.

Umweltfreundlich ist er … und zwar nicht nur dann, wenn er gefahren wird, sondern auch in anderen Belangen. Und so habe ich ein gutes Gefühl, wenn ich lese, dass auch beim Fahrzeug selbst auf größtmögliche Recyclingfähigkeit geachtet wurde: Fahrzeugentwickler, Materialeinkäufer und Designer haben auf effizienten Einsatz von wiederverwertbaren Materialien und umweltfreundlichen Produktionsprozessen geachtet. So ist zum Beispiel das Armaturenbrett zu 100 Prozent wiederverwertbar. Und auch Stoffe, Karosserie, Luftauslässe und sonstige Kunststoffteile wurden aus den gleichen wiederverwertbaren Materialien gemacht.

Einzige Hürde Zur Serienausstattung gehören Fahrer- und Beifahrerairbag, ABS, Servolenkung, 4 kW elektrischer Heizapparat, elektrische Fensterheber, ein regeneratives Bremssystem (Ladung der Batterie durch Bremsenenergierückgewinnung), elektrisch verstellbare Außenspiegel, zwei Stereolautsprecher, Antenne und Zentralverriegelung. Die einzige „Hürde“ bei der ganzen Sache ist der Preis. Denn für den Think City muss man stolze 44.400 Euro hinblättern. Dafür kriege ich ja schon zwei „normale“ Autos. Aber gut, in dem Fall hat Umweltfreundlichkeit halt ihren Preis. I.H.

KLIPP Februar 2011

wieder wie ein Bock. Nichts ging mehr. Wieder abschleppen. Die nächste Info von der Werkstatt: Durch die deformierte Ölwanne ist ein kausaler Getriebefolgeschaden entstanden. Kosten der Reparatur: mehr als 5.000 Euro. Die Kaskoversicherung lehnt die Bezahlung ab, will nur die 800 Euro bezahlen, denn das kaputt gegangene Automatikgetriebe sei ein Folgeschaden. Huber L. war jedoch vorsichtig. Er hatte sofort nach dem ersten Schaden ein Beweisgutachten auf eigene Kosten erstellen lassen. Der Sachverständige stellt fest,

Sinnlichkeit und Sinn Für klare Maßstäbe sorgt das neue Mercedes-BenzCLS-Modell bei Wittwar in Graz. Unter dem Motto Sinnlichkeit und Sinn konnten jüngst zahlreiche „SternLiebhaber“ das exzellent gelungene Viertürer-Coupé beschnuppern. Das Wort Coupé stammt übrigens aus dem Französischen, bedeutet so viel wie „abgeschnitten“ und bezeichnete im 19. Jahrhundert eine geschlossene Kutsche für zwei Passagiere. Insofern stellt der funkelnagelneue CLS mit 2 bequemen Sitzen in der hinteren Reihe einen völlig unterschiedlichen Ansatz dar. Durch die geschwungene Dachlinie und die fließende Form bietet die Limousine im Sportkleid einen besonderen Anreiz, um bei entsprechendem Geldbörsel für ei-

nen Neuaufputz in der eigenen Garage zu sorgen. Unter der Haube kommt ein Motor zum Einsatz, der überaus sparsam ausfällt, aber gleichzeitig mehr Drehmoment bereitstellt. Kurzum: atemberaubendes Design, konsequenter Leichtbau, sportlich abgestimmtes Fahrwerk und höchste Fahrsicherheit. O

Mehr Verkehrssicherheit trotz Stromersparnis Das Projekt Green Light Graz 2010, das die Energie Graz im Auftrag der Stadt umsetzt, hat zum Ziel, die veraltete Straßenbeleuchtung in Graz zu modernisieren und durch den Einsatz von modernster Technologie und Regeltechnik sowie neuester Lampentechnik (auch LED) bei den Energiekosten zu sparen. Parallel dazu kam es bereits in der „ersten Etappe“ auch zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit und des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung. Mit dem Green-Light-Projekt ist nun auch die Adaptierung und Steuerung der Beleuchtung in verkehrsarmen Nachtstunden möglich. Die Verbesserungen und Einsparungen (220.000 Euro pro Jahr) sind bereits mit der Inbetriebnahme der ersten 18.000 Leuchten gesichert.O

Energie Graz setzt Green-Light-Projekt um.

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MOTOR

losfahren wollte, ging nichts mehr. Nur mit dem Rückwärtsgang bewegte sich das Fahrzeug. Aber nach vorne – niente. Mit dem Abschleppwagen ging’s in die Werkstatt. Dort stellte man fest, dass die Ölwanne am Automatikgetriebe eingedrückt war. Eine weitere Fehlersuche blieb ergebnislos. Die Werkstatt erneuerte die Ölwanne und den darüber liegenden Filter, füllte das Getriebe mit Öl und unternahm eine kurze Probefahrt. Kosten: rund 800 Euro (kaskogedeckt). Alles funktionierte. Hubert L. übernahm am nächsten Tag freudig sein Auto, wollte nach Hause fahren, aber nach einigen Kilometern stand sein Fahrzeug

&

Versicherungsexperte Egon Oppelt warnt vor Vertragsfallen – ein Beispiel aus dem Leben und nicht konstruiert.

AUTO

Bin ja kaskoversichert

dass der zweite Schaden kausal auf den ersten zurückzuführen ist. Durch den Ölwannenschaden gelangte nur noch eine verringerte Menge an Automatiköl in die Getriebeelemente. Dies führte dann zu einer extremen Abnützung bei den Reibeelementen und zum Schaden am Getriebe. Da die Werkstatt nur eine lokale Probefahrt vornahm, wurde auch nie in den vierten, fünften Gang geschaltet, wo das eigentliche Problem der defekten Kupplungselemente vorlag. Hubert L. ist guter Dinge, weil er sofort das Beweissicherungsgutachten in Auftrag gab. Doch noch ist die Kaskoversicherung nicht zahlungsbereit. O


F re i z e i t

Auch vom Bergquellpool aus hat man einen traumhaften Blick auf die umliegende Bergwelt.

Mountain Resort ­Feuerberg auf der Gerlitzen verbindet Winter-Aktiv- mit Wellness-Urlaub

Ideal für Familienurlaub N

ach dem Einchecken in unsere Ferienwohnung in einem der zum Hotel gehörenden romantischen Chalets im Almhüttendorf haben wir nur einen Wunsch: So schnell wie möglich auf die Piste! Also schnell umziehen, in die Skischuhe rein, Ski anschnallen und los geht’s. Und dann stehe ich zum ersten Mal in diesem Winter auf den Brettln. Am Sessellift lassen wir uns die Sonne ins Gesicht scheinen und genießen das traumhafte BergPanorama. Herz, was willst du mehr?

Für Könner, aber auch für Anfänger Vom Sommer her kennen wir das Gebiet um die Gerlitzen und den Ossiachersee bereits als abwechslungsreiches Wandergebiet. Doch im Winter waren wir noch nie da. Rund

Foto: Vi-Fa-Os Tourismus

Kehre für Kehre kurven wir vorsichtig die Gerlitzen Alpenstraße hinauf, denn es gibt dichten Nebel. Nicht gerade angenehm, doch plötzlich kommt die Sonne durch und gibt den Blick auf die umliegende Bergwelt frei. Einfach beeindruckend! Schon wenig später strecken wir uns nach zweistündiger Fahrt von Graz am Parkplatz vor dem 4-Sterne-Hotel Mountain Resort Feuerberg auf 1.766 Meter und genießen den tollen Rundblick.

Schneeschuhwandern bietet abseits der Pisten einen ganz anderen Eindruck von der Umgebung. 36

60 Kilometer Pisten und 15 Liftanlagen gibt’s hier, habe ich auf dem Prospekt gelesen. Die Gerlitzen ist ein richtiges Familien-Skigebiet und die mittelschweren und blauen Pisten kommen den Genuss-Skifahrern sehr entgegen, sind aber so breit angelegt, dass sie auch Anfänger nicht überfordern. Wer’s ganz sportlich will, der kann sich mit Skiern oder Snowboard auf den schwarzen Pisten austoben. Von der „Aufwärmrunde“ auf den Pisten zurück geht’s dann – klarerweise noch vor dem Abendessen – zur Entspannung in den 2.000 Quadratmeter großen Wellnessbereich. Das Gustostückerl dort ist wohl die Alpentherme im Freien. Auf den „Sprudel-Liegen“ im 32 Grad heißen Wasser im Freien lässt es sich wirklich aushalten. Wir beobachten die letzten Skifahrer und später auch die Pistenraupen, die schon die Abfahrten für den nächsten Tag präparieren. Einfach klasse! Das Hallenbad haben die Familien mit Kindern in Beschlag genommen. Daher zieht es uns später dann in den Ruhebereich mit den Bergquellpools und acht Saunawelten. Angetan hat es mir die Salzstein-Sauna mit Salzziegeln aus dem Himalaya-Gebirge. Da kann man so richtig abschalten. Genießen ist das, was im Mountain Resort Feuerberg über allem „schwebt“. Nicht zufällig gibt’s auch die „Wolke 7“, einen Ruheraum. Dort gönnen wir uns, weil wir es nicht so eilig haben, am nächsten Morgen einen Vormittags-

Isabella Hasewend

vor ort

kaffee und genießen den 270-GradPanorama-Blick über beinahe ganz Kärnten. Gastgeber Erwin Berger hat sich zu uns gesetzt. „Wir wollen im Hotel einfach das umsetzen, was wir selber leben“, freut er sich über unser Lob. Es soll was Besonderes sein, auch für den Geist. Daher arbeiten wir sehr viel mit Farben, Licht, Bildern und Texten und auch Musik.“ Hier in der „Wolke 7“ gibt es zum Beispiel täglich ausgewählte Morgenmusik. Als Gast wird man nicht nur berieselt, sondern erfährt, ob nun Beethoven oder was Moderneres „aufgelegt“ wird. Angenehm ist auch, dass überall im Hotel Krüge und Gläser bereitstehen, wo man sich an sprudelndem Bergquellwasser laben kann.

Spirit am Berg „Den wollen wir einfach vermitteln“, so Erwin Berger, „und daher laden wir außergewöhnliche Menschen – Künstler, Profisportler, Philosophen, Dichter und Mystiker – zu uns ein, die den Gästen ihr Leben näherbringen wollen.“ Wir erlebten einen „Nomaden auf Zeit“, nämlich Karl Lueger. Seine Vorträge über seine Reisen sind preisgekrönt und er hat auch uns beeindruckt. An etlichen Stellen im Hotel gibt’s permanente AusstellungsKLIPP Februar 2011


Schneeschuhwandern „Das müsst ihr unbedingt auch mal probieren“, rät uns ein Kollege. Und am nächsten Nachmittag haben auch wir schon diese komischen „Dinger“, genannt Schneeschuhe, an den Füßen und sind damit unterwegs. Unsere Gruppe stapft durch den Schnee hinauf in Richtung Gerlitzen-Gipfel. Ganz schön anstrengend. „Nicht zu schnell beginnen, das ist ein Anfänger-Fehler“, mahnt uns Marc, „jeder soll sein eigenes Tempo gehen.“ Und es ist fürwahr ein Erlebnis, weil man abseits der Skipisten einen ganz anderen Eindruck von seiner Umgebung bekommt.

Skitag im Internet „analysieren“ Klar, dass wir es uns am Abend in unserem urigen Appartement gemütlich machen bei offenem Feuer im Kaminofen. Wir sind recht ordentlich müde und können das aber auch „belegen“. Denn auf www. gerlitzen.com gibt’s einen interessanten Service. Gibst du den Code deines Skipasses ein, dann kannst du die gefahrenen Pistenkilometer, die Anzahl der Liftfahrten sehen, die zurückgelegten Höhenmeter, wo man wann gefahren ist und auch wie lange die Pausen waren. Und die Statistik lügt in diesem Fall nicht. „Einige Kilometer mehr möchten wir morgen aber schaffen“, motivieren wir uns für den nächsten Tag. v

Infos www.hotel-feuerberg.at Tel.: 04248/ 2880 KLIPP Februar 2011

Schifoahn in Villach Nicht nur „lei, lei“ in der Faschingshochburg

F re i z e i t

flächen von Künstlern, dann PianoKonzerte oder es werden auch seltene Filme im Raritätenkino gezeigt. Weil in Kroatien gerade Ferien sind, befinden sich viele Familien mit Kindern im Hotel. Und so hängen zahlreiche kleine Mäntelchen und Jäckchen in der Garderobe vor dem Restaurantbereich beim Abendessen. Ja, auch kulinarisch wird man im Feuerberg-Resort verwöhnt und kommt jeder auf seine Kosten. Sogar für die Kleinen stehen jeden Tag zwei eigene Kindermenüs zur Auswahl. „In den Ferienzeiten haben wir oft bis zu 150 Kinder im Haus“, so Erwin Berger. Und da braucht es natürlich Unterhaltung für den Nachwuchs. „Wir haben für die Kleinen ein eigenes Kinderhaus gebaut, wo sie sich so richtig austoben können.“ Den ganzen Tag über gibt es ein Aktivprogramm mit Betreuung, damit sich die Eltern auch mal erholen können. Auch eine eigene Skischule ist dem Hotel ange­schlossen.

Die Stars des Villacher Faschings machen auf Skiern ebenso gute Figur wie auf der Bühne.

Helga und Helmut planen ein vergnügliches Wochenende mit keiner allzu langen Auto­ fahrt. Er will Ski fahren, sie möglicherweise auch, aber vor allem entspannen, bummeln und shoppen. „Schatz, wie wär’s mit Villach?“

A

ls Faschingshochburg Österreichs ohnehin ein Begriff. Und wer die Stimmung dort einmal inhalieren und mit einem sportlichen Wochenende kombinieren will, für den ist das Designhotel Holiday Inn am Ufer der Drau quasi ein maßgeschneiderter Stützpunkt. Denn das Hotel ist mit dem Villacher Congresszentrum verbunden. Dort werden die närrischen Faschingssitzungen (bis 26. Februar) mit den bekannten TV-Highlights Nossek, EU-Bauer … abgefeiert. Klar, dass man sich dafür ein attraktives Package für 229 Euro einfallen hat lassen. Enthalten sind darin zwei Übernachtungen, Begrüßungsprosecco, reichhaltiges Frühstücksbuffet, Eintrittskarte zu einer der Villacher Faschingssitzungen, ein 4-Gänge-Menü im 2-HaubenRestaurant, 20 Prozent Ermäßigung auf alle Skipässe und ein Gratis-Skishuttle zum Parkplatz der GerlitzenAlpe sowie Benützung des Vitality Klubs mit Sauna, Dampfbad, Fitnesscenter. Und weil Helmut auch konditionsstark ist und Frischluft mag: Auf der Gerlitzen, dem Hausberg – bei der Talstation ist man mit dem Hotel-

Das italienische Weltcup-Skigebiet Monte Lussari-Tarvisio mit dem auf 1.760 m gelegenen Bergdörfchen mit Wallfahrtskirche.

Das Holiday Inn Hotel (links) und das Congress Center Villach direkt an der Drau gelegen.

Shuttle in zehn Minuten –, gibt’s auch für ihn die passenden Pisten, Helga sitzt mehr in der Sonne. Nach Tarvis ins Skigebiet des Monte Lussari fährt Helmut am nächsten Tag nur mit dem Nachwuchs. Obwohl Tarvis auch als Einkaufsstadt bekannt ist, bleibt Helga in Villach und entspannt sich nach einem Streifzug durch die Altstadt im hoteleigenen Vitality Klub. Als Alternative hätte es noch Tourengehen und Langlau-

fen auf dem Dobratsch gegeben, allerdings ohne Lift, aber da streikte die Jugend. Beim Abendessen sind alle zufrieden mit dem abgelaufenen Tag. Was will man mehr? v

Infos Tel.: 04242/ 42000, www.region-villach.at Tel.: 04242/ 22522-0, www.holidayinn-villach.com 37


Freizeit

Alpine Wellness im Valserhof hoch oben im Pustertal in Südtirol

Wintervergnügen und Yoga

So erfrischend offen wie HotelBesitzer Dietmar Erlacher auch Nichtweinkennern die Vorzüge, aber auch die Schwächen der Südtiroler Weine nahebringt, so ist alles im Valserhof, hoch oben im Pust ertal nicht weit von Brixen.

Hotelchef Erlacher (mit Sohn): „Wir fahren Ski und wandern mit den Gästen.“

O

bwohl wir schon etliche „schöne Platzerl“ im Pustertal kennen, fahren wir die kurvenreiche Straße von Mühlbach hinauf nach Vals und Meransen – bei gar nicht wenig Schnee – das erste Mal. Der Valserhof selbst liegt auf rund 1.400 Meter. Als Mitglied der Vitalpina Hotels Südtirol hat die Familie Erlacher das Wohlfühlprogramm in ihrem neu gestylten 4-Sterne-Haus auf drei entscheidende Säulen aufgebaut: aktiv sein in den Bergen, alpine Wellness mit heimischen Naturprodukten und gesunde Ernährung.

Wer’s einmal asketisch haben will, der kann das bei der Yogawoche (20.3. bis 26.3.) tun. Zwei Mal täglich vermittelt eine erfahrene YogaLehrerin die Anreize für ein Entspannungserlebnis des Körpers, des Geistes und der Seele. Die Gastgeber Monika und Dietmar Erlacher sind selbst geprüfte Wanderführer und begleiten ihre Gäste im Sommer wie Winter mit viel Leidenschaft und Know-how durch die atemberaubende Südtiroler Bergwelt. In der Valserhof Vitalquelle treffen alle Elemente der Natur aufeinander und vereinen sich zu einem harmonischen Entspannungserlebnis. Und ganz egal, ob im Sommer oder im Winter: Als Gast genießt du die großzügigen Bade- und Saunabereiche, sowohl drinnen wie auch in freier Natur. Es ist einfach die Kombination aus italienischem Lebensgefühl und der Südtiroler Gastfreundschaft, die man als Gast unmittelbar spürt. Natürlich auch beim Essen. Genießer-Menüs und leichte Vitalkost, Tiroler Vorspeisen- und italienische DessertBuffets, täglich frische Salat- und Gemüse-Variationen und hausgemachte Südtiroler Kuchen haben

Zauchensee – Die Magie eines Schneeloches

Vom Bett zur Piste in Re

Foto: TVB Altenmarkt-Zauchensee

E

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inschlafen und aufwachen mit Blick auf die Skipiste, Schneesicherheit bis nach Ostern und ein kostenloser Urlaub für die kleinen Skizwerge. Die Gondelstation direkt vor der Hoteltüre und ein herrliches Bergpanorama vom Zimmer der Wohlfühlsuite. Die herzliche Atmosphäre und ein fantastisches Essen. Klingt das kitschig? Nein, klingt nach Winterurlaub im 4-Sterne-Hotel Enzian. Die Toplage direkt an der Gondelstation zum Einstieg in die Ski amadé spricht für sich. Zauchensee – auch bekannt als „Schneeloch“ – garantiert 100 Prozent Schneesicherheit im Winterurlaub. Dann heißt es nur noch Ski anschnallen und ab auf die Trainingspisten des Weltcupsiegers Michael Walchhofer. Geht ein

fantastischer Skitag dem Ende zu, dann steigt schon der Dampf aus den Enzian-Saunen. Aufguss gefällig? Im komfortablen Beauty- und Wellnessbereich des Hotels kann die Muskulatur gelockert und auf einen weiteren Aktivtag vorbereitet werden. Noch ein Sprung ins Hallenbad, reinkuscheln in den Bademantel und relaxen. Spätestens dann wird der leere Magen spürbar oder hörbar und zieht in Richtung „Ofenstüberl“. Am warmen Kachelofen oder im Wintergarten mit Blick auf das nächtliche Zauchensee werden ausgezeichnete GourmetMenüs serviert. Noch ein Glas Wein, noch ein Stück Käse, ein letzter Blick auf die Scheinwerfer der Pistenraupen und sich auf morgen freuen. All das ist die Magie im Hotel Enzian.

Kinder rodeln gerne, vor allem am Abend, wenn’s ein bisschen mystisch ist, finden dann auch eine Pferdeschlittenfahrt cool – auch das wird vom Hotel Enzian aus organisiert. Weil heuer Ostern spät fällt: bei der gefragten Ladies-Week (26.3. bis 2.4.) gibt’s sicher herrlichen Firnschnee, dazu aber auch eine Modenschau und eine Weindegustation. Und sollte jemand Interesse haben, nationaler niederländischer Landesmeister im Skifahren zu werden: die Meisterschaften gibt’s vom 19. bis 26. Februar. Die Winterpauschale „Zeit für mich“ (28. Februar bis 11. März) ist bereits ab 596,50 Euro pro Person im Doppelzimmer buchbar und inkludiert folgende Leistungen: 5 Übernachtungen mit Halbpension, Begrüßungsdrink, KLIPP Februar 2011


GOLFTRAINING

In 1.400 Meter Seehöhe: Indoor- und Outdoor schwimmen und saunieren.

Infos Tel.: +39 0472/ 547 177 www.valserhof.com

ekordzeit Buffetabend, Frühstücksbuffet, Verwöhnmenüs, deftige Mittagssuppe, süße Einkehr, freie Benutzung von Hallenbad, Saunen, Dampfbad, Bademantel im Zimmer und 5-Tage-Skipass. Kinder bis 7 Jahren urlauben im Zimmer der Eltern (oder Großeltern) kostenlos – Kinderaktion gültig vom 28. Februar bis 5. März. v

Äußerst wirksame Übungen für besseres Handicap:

Von Head Pro Ali Rosker im Golfclub Erzherzog Johann, Maria Lankowitz

Der Schwung im Trockenen W er es im Golf schnell weiterbringen will, darf auf sinnvolle Trockenübungen nicht verzichten. Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie den Rückschwungpunkt, die Rückschwungposition am besten üben können, wie man das richtig macht und wie man sich richtig vorbereitet. Der große Vorteil von Trockenschwungübungen, die jederzeit auch zu Hause absolviert werden können, besteht darin, dass die Bewegungen, die man in sich zu verankern versucht, wahrscheinlich rascher begriffen und absorbiert werden, weil kein Zwang besteht, real auf einen Ball zu schlagen. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sagen, dass ich die meisten meiner Schüler zu diesen Übungen motiviere und in kürzester Zeit eine Verbesserung sichtbar ist. Die Übungen, die ich hier vorführe, mögen vielleicht ein wenig simpel und schlicht wirken, aber Sie können mir glauben, dass sie mit großer Sicherheit zu einer Verbesserung Ihres Spiels und auch jenes Ihrer Kinder führen werden.

Übung 1: Das Gefühl für den Durchschwung Rückschwungübung 1 Prägen Sie sich das Gefühl eines guten Rückschwunges ein. Dies ist eigentlich eine fundamentale Rückschwungübung, die ich Golfern jeder Spielstärke empfehle. Die Idee dahinter ist ganz einfach die, dass man durch den Unterarmgriff, bei dem die rechte Hand das linke Handgelenk an der Stelle, wo die Armbanduhr sitzt (Bild 1 und 2), umfasst, bei einem normalen Rückschwung den rechten Ellbogen korrekt abzuwinkeln lernt. Sie sehen, dass die linke Schulter beim Rückschwung immer in der gleichen Höhe ist, man spürt die korrekte Drehung, man fühlt die korrekte Gewichtsverlagerung, man sieht einen gestreckten linken Arm und – wie schon vorher erwähnt – eine korrekte Haltung des rechten Ellbogens.

Wiederholen Sie diese Übung, diese Drehbewegung, das Heben des linken Arms so lange, bis es eine fließende Bewegung wird, und machen Sie diese öfters am Tag.

Rückschwungübung 2 Nehmen Sie die Ansprechposition ein, geben sie den Schlägerschaft bzw. das Griffende zum Nabel, strecken Sie beide Arme, drehen Sie jetzt die Schulter 90 Grad und drücken gegen den Griff, damit der linke Arm und Schaft einen Winkel von 90 Grad erreicht. Sie lernen mit dieser Übung, dass beim Drehen die Arme den Körper nicht überholen (Sie sehen es am Bild). Weiters erhalten Sie durch Drücken der Handballen gegen den Schlägerschaft (der Arm wird gestreckt) einen perfekten Winkel (90 Grad) zwischen Arm und Schaft. �

Infos Tel.: 06452/ 40 61 www.enzian-zauchensee.at KLIPP KLIPPFebruar Februar2011 2011

Übung 2: Schläger am Nabel 39

3

Freizeit

schon etwas für sich. Und sozusagen der Tupfen auf dem i ist dann die Verkostung eines guten Tropfens aus dem bestens bestückten Weinkeller garniert mit den pfiffigen Erklärungen des Hobbysommeliers Dietmar Erlacher. Für Familien ist der Valserhof eine gute Urlaubsentscheidung. Denn im Winter gibt’s für die Bambini Rodelpartien, kinderfreundliche Pisten, einen Natureisplatz zum Schlittschuhlaufen, einen Yeti-Klub, eine Reifenrutsche, eine schon mehrfach ausgezeichnete Kinder-Skischule, usw. Und auch im Kinderspielbereich im Hotel ist allemal was los. v


URLAUBSTIPPS

Am Nabel des Wintersports

Urlaubs

Foto: Kitzbühel ©medialounge

Das weltberühmte Skigebiet Kitzbühel ist

eine perfekte Piste. Rund 170 km prä-

bestens gerüstet. Perfekte Bedingungen

parierte Abfahrten und 33 km markier-

für unbeschwerten Frühlingsskilauf sind

te Skirouten aller Schwierigkeitsgrade,

garantiert. Die günstige Nordweststaula-

Snowboard-Funparks, Naturrodelbahnen,

ge von Kitzbühel am Alpenhauptkamm und

Langlaufloipen und Winterwanderwege

700 Schneeerzeuger sichern den Winter-

machen das Skigebiet Kitzbühel bis in den

spaß doppelt ab. Zudem reichen aufgrund

April hinein legendär.

der Grasdecke bis in 2.000 Meter Höhe

Infos: Tel.: 05356/ 666 60-23

selbst relativ geringe Schneemengen für

www.kitzbuehel.com

Wohnkonzept auf Basis Holz, Feuer und Wasser Eine Auszeit, die es in sich hat

Im Verwöhnhotel Kristall in Pertisau am Achensee kommen Gäste mit dem Angebot „Winter-Wellness-Auszeit“ ab 199 Euro in den Genuss des gesamten Wohlfühlangebots. Die Pauschale für 2 oder 3 Nächte im Verwöhn-Doppelzimmer Kristall bietet alle Extras: Nach einem prickelnden Schluck aus der im Zimmer bereitstehenden Fla-

Foto: Naturhotel Tandler

sche Sekt sorgen die im Angebot inkludierWas die Natur alles kann, stellt das in St.

es primär auf die Naturelemente Holz, Fels

ten Anwendungen für das Gefühl, endlich

Jakob im Defereggental neu eröffnete

und Wasser aufgebaut. Exklusive Zimmer

anzukommen. Die 3/4 Verwöhnpension mit

4-Sterne-Naturhotel Tandler eindrucks-

mit einem ganz besonderen, gesunden

Frühstücks- und Nachmittagsbuffet und 5

voll unter Beweis. Die neue Ausrichtung

Raumklima und dem Geruch nach Holz und

Gänge Gourmetmenüs mit Themenabenden

des traditionsreichen Hauses als Naturho-

Naturmaterialien sind die Folge.

bieten himmlische Genüsse.

tel wurde mit viel Konsequenz und Liebe

Infos: Tel.: 04873/ 6355

Infos: Tel.: 05243/ 5490

zum Detail umgesetzt. Innen wie außen ist

www.tandler.at

www.kristall-pertisau.at

Romantik im Winter Foto: EurothermenResorts Foto: Ferdinand Neumüller

Die Forelle lädt zum Genussfestspiel

Die kalte Jahreszeit lässt die Menschen

pension, Welcome Drink, süße Verführung

Der Kärntner Edelgreißler und Genussbot-

der Forelle direkt am Weißensee namhaf-

näher zusammenrücken. Unter dem Motto

am Zimmer, ein Mal aufwärmen in der Jod-

schafter Herwig Ertl ist nicht zuletzt auf-

te Produzenten mit ihren Produkten ein

„Winterfreuden genießen“ verführt das

soledampfkabine, Erholung in der hotelei-

grund seiner jährlichen Genussfestspiele

Stelldichein. Abgerundet wird das Genuss-

Vier-Sterne-Hotel Miraverde im Euro-

genen Wellness-Oase, vier Tageseintritte

über die Grenzen hinaus bekannt. Am 5.

festspiel traditionell mit einem raffinier-

thermenResort Bad Hall in Oberösterreich

in die Therme Mediterrana.

März starten seine diesjährigen „Feste für

ten Menü des Gastgebers.

alle Sinne“ bei Hannes Müller, Patron und

noch bis 28. Februar zum zweisamen Entspannen. Das Package (299 Euro/Person) umfasst drei Nächte mit Verwöhn-Halb40

urlaubstipps_januar.indd 28

Infos: Tel.: 07258/ 799-6600 www.eurothermen.at

2-Hauben-Koch im Genießer-Landhotel Die Forelle. An diesem Tag geben sich in

Infos: 04713/ 2356 www.dieforelle.at KLIPP Februar 2011

04.02.11 14:04


bstipps

URLAUBSTIPPS

Foto: Bergergut

Unvergessliche Bergerlebnisse im Montafon Fünf Skigebiete und elf Winterziele haben

chen ein. Ein alle Sinne betörendes Berg-

ein Angebot zusammengestellt, das ne-

frühstück im Schafberghüsli, Nervenkitzel

ben Traum-, Steil- und Weltcup-Abfahrten

beim nächtlichen Blindflug an einem Stahl-

keinen Gipfelgenuss auslässt: So entführt

seil über den Latschausee oder selbst am

die HochjochTotale zum Pistenrausch am

Steuer eines Pistenbullys zu sitzen sind

frühen Morgen. Abseits laden die Tief-

Erlebnisse, die den Winterurlaub im Mon-

schneehänge der Madrisa-Rundtour zu

tafon unvergesslich machen.

einer Schneeschuhwanderung durch das

Infos: Tel.: 05556/ 722-530

tief verschneite Montafoner Wintermär-

www.montafon.at

Tirol für Genießer An einem verzaubernden Ort, an den Fuß des Naturschutzgebietes Karwendel geschmiegt, liegt das Alpenhotel Speckbacher Hof in Gnadenwald. Von herrlicher

Zirben-Spa statt Alltagshektik

Ruhe und einem einmaligen Panoramablick typrogramm geboten wird. Ob tropische

umgeben lässt es sich aus dem Alltag aus-

Körperbehandlung mit karibischen Blüten,

brechen und die Bergwelt in ihren schöns-

Anti-Stress-Thalassotherapie bis hin zur

ten Facetten erleben. Das Hotel steht für

Saunieren, Schwitzen und Relaxen – ein

klassischen Fußreflexzonen-Massage. Für

Tradition, herzliche Tiroler Gastfreund-

Wellnessurlaub ist trendy wie nie. Das

Romantiker empfiehlt sich ein gemein-

schaft und das gute Gefühl, sich vollends

exklusive 4-Sterne Hotel Alpina eröffnete

sames Luxusbad in der Zirben-Spa-Suite

fallen und verwöhnen lassen zu können.

kürzlich den neuen Wellnessbereich „Wil-

oder die Aromaöl-Partnermassage.

Infos: Tel.: 05223/ 52511

der Kaiser“, wo auf insgesamt 3.000 Qua-

Infos: Tel.: 05375/ 2146

dratmetern ein Entspannungs- und Beau-

Foto: Alpenhotel Speckbacher Hof Gnadenwald

www.speckbacherhof.at

www.hotel-alpina.at Foto: HFSC Freistadt

Auf der Piste und in der Luft

Foto: HFSC Freistadt

Erwachsenenhotel in Ladis

„Paraski“ bezeichnet die Verbindung von

ab. Wer dieses Event erleben möchte,

Auf dem sonnigen Hochplateau von Ser-

zigen „Erwachsenenhotel“ in der renom-

Skilauf und Zielsprüngen mit dem Fall-

der kann das mit einem Ski-Kurzurlaub

faus-Fiss-Ladis stehen über 180 Kilome-

miertesten

schirm. Die waghalsigen Männer (rund 80

verbinden: Zwei Nächte mit Halbpension

ter Pistenspaß auf dem Winterprogramm.

der Alpen. Paare, Singles und Familien mit

Athleten aus 16 Nationen), die sich sowohl

und Zwei-Tages-Skipass für die Skiregion

Perfekt organisiert mit modernsten Bah-

Kindern ab 12 Jahren finden hier Wellness-

auf die Piste als auch vom Himmel zur Erde

Dachstein West gibt’s ab 127 Euro pro Per-

nen und Liften, wie man es von Tirols Ski-

Wochen, Romantik-Tage, Kulinarium und

stürzen, halten von 28.2. bis 5.3.2011

son.

Dimension kennt. Nur 100 Meter von der

Aktiv-Urlaub unter einem Dach.

in Gosau in der Ferienregion Dachstein-

Infos: Tel.: 0732/ 221022

Talstation entfernt, sind die Ski-Freunde

Infos: Tel.: 05472/ 61330

Salzkammergut ihre Weltmeisterschaft

www.wintersport.at

zu Gast im Verwöhnhotel Goies, dem ein-

KLIPP Februar 2011

urlaubstipps_januar.indd 29

Winter-Familiendestination

www.goies.at 41

04.02.11 14:04


Bücher Bestsellerliste Belletristik 6 Österreicher unter den ersten 5 Dirk Stermann

Ullstein HC

Sturz der Titanen Ken Follett

Bastei Lübbe

Theo

Melinda Nadj Abonji

Jung und Jung

Freiheit Jonathan Franzen

Rowohlt, Reinbek

Sachbuch Lawine Rudi Mair, Patrick Nairz

Tyrolia

Licht der Welt Benedikt XVI.

Herder, Freiburg

Guinness World Records 2011 Bibliographisches Institut Mannheim

Die Kunst, kein Egoist zu sein Richard D. Precht

Goldmann

FC Wacker Innsbruck – die Legende Georg Herrmann

Herbert Gartner Linde populär

Zsolnay

Tauben fliegen auf

Haymon Verlag

Lesestoff Alle Bücher erhältlich unter:

www.webbuch.at

in Graz, Liezen, Deutschlandsberg, Hartberg, Kapfenberg, Leoben und Feldbach

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W

Vermieter-Fibel

Daniel Glattauer



Die Magie des Zufalls Jan Cederquist Kailash ir denken an eine be­ stimmte Person und im selben Augenblick ruft sie an. Einem Unfall entgehen wir mit knapper Not, weil uns „irgendetwas“ in letzter Mi­ nute gewarnt hat. Magie oder purer Zufall? Jan Cederquist spürt in alltäglichen Situationen Fälle auf, die C. G. Jung als Synchronizität beschrieb: geheimnis­ volle Verbindungen zwischen zwei scheinbar von­ einander getrennten Ereignissen. Ein kluges Buch über Momente, denen ein Zauber inne­ wohnt, der die verborgene Ordnung hinter dem Sichtbaren offenbart.

D

as Mietrecht gilt als eines der kompliziertesten Rechtsgebiete Österreichs. Die in letzter Zeit sehr mieter­ freundliche Judikatur stellt Vermieter von Häusern, Woh­ nungen oder Geschäftslokalen vor zahlreiche Fragen. Dieses Buch zeigt, wie Vermieter Fehler in der Vertragsgestaltung vermeiden, die nur durch erheblichen Aufwand behoben werden können, jedoch eine wesentliche Beeinträchti­ gung des Werts einer Immobilie darstellen. Die Stumme Chahdortt Djavann Goldmann

N

ur noch wenige Tage tren­ nen Fatemeh vom Tod. Die verbleibende Zeit nutzt sie, um in ihrem Tagebuch Zeugnis abzulegen von ihrem Schicksal – und dem ihrer geliebten Tante, die von allen „Die Stumme“ genannt wurde. Voller Bewunderung erinnert sich Fatemeh an diese freiheitsliebende Frau, die zeitlebens gegen die strikten Regeln ihrer Umgebung rebelliert und in ihrer ganz eigenen Welt gelebt hatte. Piefke – Kulturgeschichte einer ­Beschimpfung Hubertus Godeysen Edition Vabene

S

eit 140 Jahren beschimp­ fen Österreicher die Deut­ schen als „Piefke“, doch vor lauter Häme, Wut und Spott haben sie die Begründung vergessen. Typisch deutsch, dass dies nun ein „Piefke“ nachholt! Dabei be­ fass­ten sich Staatspräsidenten und Regierungs­ chefs mit „Piefke“. Johann Strauss widmete ihm eine Polka, der britische Geheimdienst suchte ihn, im EU-Parlament fand er statt, und NS-Son­ dergerichte bestraften seine Erwähnung.

Kick it in Kabul Awista Ayub Bastei Lübbe

A

cht Mädchen, die Verständ­ nislosigkeit, Verachtung und sogar Verfolgung riskiert ha­ ben, um das zu tun, was sie am meisten lieben – Fußball spie­ len. Und sie haben es geschafft: Dort, wo Frauen vor wenigen Jahren noch in Sportstadien hinge­ richtet wurden, weil sie Nagellack trugen, wird ihnen heute zugejubelt, weil sie Tore schießen. Kunst einer dunklen Zeit Herbert Lipsky Leykam

D

ie bildende Kunst in der Steiermark zur Zeit des Nationalsozialismus. Eine um­ fassende und detaillierte Be­ standsaufnahme jener steiri­ schen KünstlerInnen, die bereitwillig mit dem NS-Regime kollaborierten oder sich zumindest anpassten, und zugleich eine eingehende Un­ tersuchung des gesamten Kulturbetriebes in der Steiermark vor dem Anschluss und zur Zeit des Dritten Reiches. Täuschwirtschaft – Wie die Wirtschaft sich selbst und uns alle belügt Alexander Dill FinanzBuch Verlag

N

icht nur in der Natur, auch in der Wirtschaft sind Tarnung und Täuschung vielgebrauchte Mittel, um den eigenen Vorteil zu erhöhen. Anhand von gut recherchierten und überraschenden Bei­ spielen aus dem Alltag und aus der Finanzwirtschaft zeigt der Autor, wie die Wirtschaft sich selbst und uns alle täuscht. Heiß und Fetisch – Kleine Sünden für große Mädchen Emily Dubberley Bastei Lübbe

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irty Talk, Rollenspiele und Intimschmuck sind Themen, über die man sich heutzutage beim Friseur, im Café oder in der Straßenbahn unter­ halten kann, ohne rot zu werden. Alle reden dar­ über, aber trauen Sie sich, es auch zu tun? Wenn Sie das gelesen haben, sicher! Mental-in statt Burn-out Mag. Gerhard Hetzl Lebensgeschenke Verlag

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ie Zahl der von Burnout Betrof­ fenen steigt unaufhaltsam. Laut Studien gehören 2/3 der Bevölkerung, unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialer Stellung, zum betroffenen bzw. gefährdeten Per­ sonenkreis. Das Buch beschäftigt sich mit den Ursachen und Hintergründen von Burnout und blickt hinter die Fassade dieses Phänomens. KLIPP Februar 2011


Filme

Lebe wild und wagemutig! Warwick Cairns Bastei Lübbe

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aben Sie Angst, Ihre Kin­ der könnten entführt wer­ den, und lassen Sie sie deshalb nicht mehr draußen toben? Wagen Sie sich aus Panik vor Viren nicht mehr auf fremde Toiletten? Und tra­ gen Sie beim Skifahren längst auch einen Helm? Aber Achtung: Übertriebene Vorsicht und zu vie­ le Sicherheitsvorkehrungen beschneiden die ei­ gene Selbstbestimmung und schränken Lebens­ freude ein. Befreien Sie sich von übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen und riskieren Sie lieber ein schönes Leben. Der König von Helsinki Roman Schatz Bastei Lübbe

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m Berlin der 80er-Jahre er­ liegt Roman den Verfüh­ rungskünsten der schönen Finnin Sirpa und folgt ihr mit dem Fährschiff nach Helsin­ ki. Dort muss er feststellen, dass Männer genau zwei Al­ ternativen haben: trinken oder schweigen. Roman jedoch entscheidet sich für eine dritte und legt in diesem merkwürdigen Land eine echte Bilder­ buchkarriere hin: vom Putzhelfer im Altersheim zum amtierenden Hofnarr der Nation. Historische Gast-Häuser & Hotels – Steiermark Thomas Winzker Hoffmann Verlag

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asthäuser und Hotels mit Ge­ schichte geben Einblicke in die Vergangenheit und den Charakter ei­ ner Region und ihrer Bewohner. Mau­ ern, die Jahrhunderte überlebt haben, oder auch Gastgeber, die alte Traditionen lebendig erhalten, ermöglichen außergewöhnliche Reiseerlebnisse. 50 historische Häuser werden in diesem Band vorgestellt – nicht mit Punktebewertung und Rang­liste, sondern spannend und informativ. Der Struwwelpeter in Schüttelreimen Harald Weinkum Edition VaBene

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as kann man nun von einer Verbindung der beiden Phä­ nomene – Struwwelpeter und Schüttelreime – erwarten? Nun, da wären einmal Happy-Endings wie im Falle des bösen Friede­ rich oder im Drama vom Paulinchen. Von trocke­ nen Urteilen, über Alltagsjournalismus bis hin zu herzzerreißenden Finale finden sich alle Ge­ schichten mit allen Details, Zeile für Zeile „über­ setzt“. Als „Draufgabe“ folgt eine große Samm­ lung von Schüttelreimen aus Weinkums Feder, nach eigenem Dafürhalten in gelungene und we­ niger gelungene unterteilt.

KLIPP Februar 2011

Kokowääh Komödie Darsteller: Til Schweiger, Emma Schweiger, Jasmin Gerat, Samuel Finzi, Meret Becker Regie: Til Schweiger

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rehbuchautor Hen­ ry hangelt sich von einer glücklosen Lieb­ schaft zur nächsten und beruflich kommt er auch auf keinen grünen Zweig. Wie aus heiterem Himmel erhält er ein sensationelles Angebot: Er soll als Coautor an einer Bestsellerverfilmung arbeiten – zusammen mit der Autorin, seiner Exfreundin und großen Liebe Katharina. Während Henry auf seine große zweite Chance hofft, taucht plötzlich die 8-jährige Magdalena vor seiner Wohnungstür auf und stellt sein Leben auf den Kopf …  Fotos: 2010 Warner Bros. Ent.

inside america

Drama

Darsteller: Patty Barrera, Carlos Benavides, Edward K. Bravo, Luis De Los Santos, Zuleyma Jaime Regie: Barbara Eder

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ie amerikanische Hanna High School an der Staatsgrenze zu Mexiko ist ein Ort alltäg­ licher Hoffnungen und Tragödien und lässt ko­ kainsüchtige Cheerleader, patriotische Waffenfanatiker, todeshungrige Gangs und heiratswillige Mexikanerinnen aufeinanderprallen. Fotos: Thimfilm

habermann Drama Darsteller: Mark Waschke, Karel Roden, Ben Becker, Hannah Herzsprung, Radek Holub Regie: Juraj Herz

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er junge Unternehmer August Habermann lebt Anfang der Dreißigerjahre als angesehener Bürger in ei­ nem kleinen Dorf im Sude­ tenland. Seit vier Generatio­ nen betreibt seine Familie dort das größte Sägewerk im Umkreis. Als er seine bild­ hübsche Frau Jana, eine Halbjüdin, heiratet, freut sich jeder mit dem Paar. Aber die friedlichen Zeiten enden jäh: Die Deutschen holen das Sudetenland „heim ins Reich“. Anfangs zeigt sich nur Augusts jüngerer Bruder Hans vom Nationalsozialismus infiziert. Doch schon bald geht ein tiefer Riss durch die gesamte Gemeinde … Fotos: Thimfilm 43


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