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Verlagspostamt 1150 WIEN – P.B.B. – GZ02Z031986M

04/2010

klimabündnis zeitschrift von klimabündnis österreich

Fairplay für den Klimaschutz

Foto: Brigitte Drabeck

• für eine gute Basis 20 Jahre Klimabündnis

• die Beispiele

... S. 3

Yasuní-Nationalpark: Lasst das Öl im Boden!

... S. 4

Gemeinden: Mit Weitblick in die Zukunft

... S. 7

Schulen: Der Funke springt über

• die Perspektiven

... S. 10

Betriebe: Sogar der Kühlschrank flog raus

... S. 11

Interview: Bilanz und Perspektiven

... S. 13


Foto: Gudrun Stöger

Sparen am falschen Platz

Das „breit“ angelegte Sparpaket der österreichischen Bundesregierung trifft auch einen Bereich, der schon seit Jahren nicht gerade zum Ruhmesblatt Österreichs zählt: die österreichische Entwicklungszusammenarbeit. Eigentlich sollte Österreich als eines der reichsten Länder der Welt 0,7 % des Bruttonationaleinkommens für Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit aufwenden. Erreicht wurden in den letzten Jahren nur 0,23 % bis 0,52 % - und das teilweise mit Maßnahmen, die allgemein nur schwer als Entwicklungszusammenarbeit bezeichnet werden können. So wurden etwa 2008 die Militärhilfe im Tschad (20 Millionen Euro), Gelder an internationale Finanzinstitutionen (98 Millionen Euro), der errechnete Aufwand für Studierende aus Entwicklungsländern in Österreich (67 Millionen Euro) sowie Entschuldungsmaßnahmen für den Irak im Ausmaß von 470 Millionen Euro dem Bereich Entwicklungszusammenarbeit zugerechnet. In den kommenden Jahren wird nun aufgrund des Sparbudgets die Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit wieder auf unter 0,4 % des Bruttonationaleinkommens sinken. Die Kürzungen sollen in den nächsten vier Jahren insgesamt rund 83 Millionen Euro ausmachen! Das ist aufgrund der globalen Problemstellungen, die in den nächsten Jahren zu lösen sind, nur schwer verständlich bis inakzeptabel. Diese Kürzungen werden noch unbegreiflicher, wenn man bedenkt, dass bei der Klimakonferenz in Kopenhagen vor genau einem Jahr als einziges Ergebnis eine sogenannte „Anschubfinanzierung“ von den Industriestaaten für Entwicklungs- und Schwellenländer von 30 Milliarden Dollar pro Jahr bis 2012 vereinbart wurde. Der österreichische Anteil würde zusätzlich rund 40 Millionen Euro jährlich ausmachen. Dass diese Vorgehensweise für weitere Klimaschutzverhandlungen, wie soeben in Cancun/Mexiko, nicht gerade hilfreich ist, ist relativ leicht vorstellbar. Das Klimabündnis unterstützt bereits seit 1993 die FOIRN am Rio Negro im Nordwesten Brasiliens. In der langjährigen Zusammenarbeit ist es gelungen, den Indigenen die Landrechte für ein Regenwaldgebiet in der Größe von Österreich und Slowenien zu sichern. In einem vor kurzem zugesandten Bericht haben wir Sie über die aktuellen Projekte der FOIRN-Partnerschaft informiert. Es geht dabei vorrangig um Anerkennung weiterer Siedlungs- und Nutzgebiete für rund 40.000 Indigene am Mittleren und Unteren Rio Negro sowie die systematische Erfassung, Digitalisierung und Verbreitung von vorhandenem indigenen Wissen. Wir leisten mit Unterstützung der österreichischen Klimabündnis-Mitglieder unseren Beitrag. Es ist hoch an der Zeit, dass auch Österreich seinen Anteil beiträgt!

Ihr

Peter Molnar

Geschäftsführer Klimabündnis Österreich Medieninhaber, Herausgeber, Verleger: Klimabündnis Österreich, Hütteldorfer Straße 63-65 / Top 9-10, A-1150 Wien, T: 015815881, E: office@klimabuendnis.at • Redaktion: Brigitte Drabeck, Hannes Höller, Johann Kandler, Petra Muerth, Christian Salmhofer, Anna Schwerzler, Robert Stögner, Andreas Strasser • AutorInnen: Maria Hawle, Friedrich Hofer • Graphik & Layout: Andreas Strasser • Anzeigen: Elfriede Hecher • Druck: Kärntner Druckerei, Klagenfurt, mit Druckfarben auf Basis nachwachsender Rohstoffe • Papier: Recyclingpapier aus 100% Altpapier • Erscheinungsweise: 4 mal jährlich • Offenlegung laut §25 Mediengesetz: Die Zeitschrift klimabündnis dient der Information aller PartnerInnen, MitarbeiterInnen der beigetretenen Gebietskörperschaften, der tragenden Organisationen, der miteingebundenen Initiativen und Gruppen sowie allgemein an den Themen Klimaschutz, Umwelt- und Entwicklungspolitik Interessierter. © Wien 2010 für alle Beiträge bei Klimabündnis Österreich.

Neu im Klimabündnis: Seit Februar ist Christina Bruckner als Projektmitarbeiterin bei Klimabündnis Niederösterreich, seit Oktober vertritt sie Büroleiterin Korkmaz. Markus Peyreder ist seit September bei Klimabündnis Steiermark für Betriebe zuständig. Julia Baschinger hat im September ihr freiwilliges ökologisches Jahr bei Klimabündnis Österreich in Wien begonnen.

Auszeichnung

Klimabündnis Steiermark wurde mit dem Landespreis für Umwelt und Natur 2009 ausgezeichnet. Brigitte Schicho bei der Überreichung der Urkunde durch LR Wegscheider.

8 www.klimabuendnis.at/steiermark

Willkommen im Klimabündnis! Neu beigetretene Gemeinden:

• Burgenland: Bildein, St. Michael im Burgenland, Strem. • Kärnten: St. Georgen am Längsee. • Niederösterreich: Japons, Klein-Pöchlarn. • Oberösterreich: Hirschbach im Mühlkreis, Königswiesen,

Liebenau, Losenstein, Pfarrkirchen b. Bad Hall, Rohr im Kremstal, Sandl, St. Georgen am Walde, St. Leonhard bei Freistadt, St. Martin im Mühlkreis, St. Roman, Schönau im Mühlkreis, Unterweißenbach, Weitersfelden. Steiermark: Maria Zell. Tirol: Galtür, Häselgehr, Sellrain.

• •

Neu beigetretene Betriebe:

• Oberösterreich: Bäckerei/Konditorei Vogl (Eferding), Franz Kal-

lab, Rauchfangkehrer (Scharnstein), ebike world (Aschach an der Donau), Fernwärme Pettenbach, KFZ-Werkstatt Fürntratt Martin - KFZ-Technik KEG, Ökoenergie Max Zauner (Pettenbach), Oö. Besamungsstation GmbH (Hohenzell), Regionalmanagement Oberösterreich GmbH (Steyr-Kirchdorf), Leader Region Traunviertler Alpenvorland, Leader Region Nationalpark Oö. Kalkalpen. Kärnten: Weltladen Feldkirchen.

Neu beigetretene Kindergärten und Schulen:

• • •

Burgenland: Caritas-Kindergarten „Kinder in der Mitte“ Strem, „ökoEnergieland“-VS Strem Niederösterreich: Aktiv-Hauptschule Hohenruppersdorf, VS Laa an der Thaya, VS Tullnerbach. Oberösterreich: VS Dörnbach in Wilhering, Ökosoziale Landwirtschaftliche Fachschule Freistadt, VS Geinberg, VS Riedersbach, VS St. Georgen bei Obernberg am Inn, VS Schönering in Wilhering, VS Thalheim, VS Uttendorf, BHAK und BHAS Vöcklabruck, HS Wilhering, VS Wilhering.

In Österreich haben sich alle Bundesländer, über 890 Städte und Gemeinden, rund 500 Betriebe und über 220 Schulen und Bildungseinrichtungen dem Klimabündnis angeschlossen.

www.klimabuendnis.at Titelfoto: Fair play für Klima und BodenPremiere im Rahmen der Kinderwallfahrt in Völkermarkt. Weitere Infos auf S. 5

Fotos: privat.

klimaintro

Foto: Landespressedienst Steiermark

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klimabündnis

klimabünitdranffis er

20 Jahre im Ze

Fotos: Julian Wolfsegger.

14 auf einen Streich. Im Rahmen des 5. Freistädter Bezirksenergiefestes in Pregarten

unterzeichneten Mitte September 14 Mühlviertler Gemeinden das Klimabündnismanifest und traten der Klimarettung des Landes Oberösterreich bei. LAbg. Ulrike Schwarz, Andreas Drack von der OÖ Akademie für Umwelt und Natur, Michael Stumptner vom Energiesparverband und Ulrike Singer von Klimabündnis OÖ gratulierten den VertreterInnen der Gemeinden Kaltenberg, Königswiesen, Leopoldschlag, Liebenau, Pierbach, Sandl, St. Leonhard, St. Oswald, St. Georgen am Walde, Schönau, Tragwein, Unterweißenbach, Waldburg und Weitersfelden.

Foto: Hannes Höller, Klimabündnis Österreich

Jubiläumsfeier mit Klimaforschern er selbst formulierte – „die schlechten Nachrichten vom Klima“. Lukas H. Meyer vom Institut für Philosophie an der Uni Graz analysierte das Thema „Klimagerechtigkeit – der gordische Knoten der Klimapolitik“. Wie Klimaschutz in der Praxis umgesetzt werden kann, präsentierten anschließend die BürgermeisterInnen Ulrike Böker (Ottensheim) Peter Molnar mit dem Klimaforscher Stefan und Herbert Katzengruber Rahmstorf und Philosoph Lukas H. Meyer. (Amstetten). Anna Schwerzler von Klimabündnis Tirol Unter dem Titel „20 Jahre lokaler Klistellte das Projekt „Gemeinden mobil“ maschutz“ feierte das Klimabündnis vor. Weitere Best-Practice-Beispiele präim Wiener Rathaus seinen 20. Geburtssentierten die Firma Fronius und die Jutag. Mit dabei waren zwei international nior High School in Wien-Liesing. führende Klimaforscher: Stefan RahmHannes Höller storf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung – „überlieferte“ wie info! www.klimabuendnis.at

Ausgezeichnete Klimabündnis-Partner Die von Gemeindebund, Lebensministerium und Verbund vergebene Auszeichnung „Österreichs Klimaschutz-Gemeinde“ ging heuer unter neun Preisträgern gleich an sieben Klimabündnis-Gemeinden. In der Kategorie bis 1.500 EinwohnerInnen siegte Auersbach (Stmk.) vor Großschönau (NÖ). In der Kategorie 1.500-5.000 EinwohnerInnen setzte sich Murau (Stmk.) vor Kötschach-Mauthen (Ktn.) und Hittis-

au (V) durch. In der Kategorie über 5.000 EinwohnerInnen siegte Thalgau (S) vor Hollabrunn (NÖ) und Graz. Beim Energy Globe Austria 2010 punkteten die beiden Klimabündnis-Betriebe VAE Eisenbahnsysteme (Stmk.) und Kraus Haustechnik (Ktn.).

Info! www.gemeindebund.at www.energyglobe.com

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1989 Bei den Amazonientagen in Berlin entsteht die Idee zum Bündnis zwischen indigenen Organisationen und europäischen Gemeinden. 1990 Gründung des Klimabündnis in Franfurt (D) und Verabschiedung des „Manifests europäischer Städte zum Bündnis mit den Indianervölkern Amazoniens“. Der Österreichische Informationsdienst für Entwicklungspolitik (ÖIE – heute ÖIE und Südwind) bringt die Klimabündnis-Idee nach Österreich und führt die Bundeskoordination von Villach aus durch. 1991

Graz, Klagenfurt, Linz, Wien, Wiener Neustadt, Salzburg-Stadt, Schwaz und Götzis sind die ersten Klimabündnis-Gemeinden in Österreich.

1993

Start der Partnerschaft zwischen Klimabündnis Österreich und der FOIRN (Föderation der indigenen Organisationen des Rio Negro) zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien.

1994

Gründung des Klimabündnis als gemeinnützige GmbH. Verlegung der Bundeskoordination nach Wien.

1995

Trieben (Stmk.) ist 100. Klimabündnis-Gemeinde.

1997

Start des Projektes „Betriebe im Klimabündnis“.

1998 Die Fachschule Gaming (NÖ) wird 1. Klimabündnis-Schule. 1998 Erste Reise einer österreichischen Klimabündnis-Delegation zu unseren Partnern am Oberen Rio Negro und endgültige Anerkennung der traditionellen indianischen Siedlungsgebiete durch die brasilianische Regierung. 2000 Das Klimabündnis koordiniert den 1. Europaweiten Autofreien Tag in Österreich – 80 Gemeinden nehmen teil. 2001 Start der Ökostaffel (heute Klimastaffel). 2003 300 Schulen machen bei der ersten Kindermeilen-Kampagne mit. 2004 Schwanenstadt (OÖ) wird 500. KlimabündnisGemeinde. 2005 VS Payerbach (NÖ) wird 100. KlimabündnisSchule. 2007 Teilnahme-Rekord bei der Europäischen Mobilitätswoche mit 406 Gemeinden, der 2010 neuerlich gebrochen wurde. 2010 Dem Klimabündnis haben sich in Österreich über 880 Gemeinden, 500 Betriebe und 220 Bildungseinrichtungen angeschlossen.


klimabündnis

José Rosenberg (Ecuadorianische Botschaft), Eric Spitzer-Marlyn (Filmemacher), Peter Molnar, Ermel Chavez, Viktor Lopez und Johann Jachs (Oesterreichische Nationalbank).

Die Erde rund um die Förderstellen ist mit Öl verseucht.

Yasuní – Lasst das Öl im Boden Die Rettung des Yasuní-Nationalparks in Ecuador als Beginn des post-fossilen Zeitalters

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er Vorschlag klingt bestechend: Ecuador lässt rund 900 Millionen Barrel Öl unter dem Yasuní-Nationalpark im Osten des Landes im Boden, wenn die internationale Staatengemeinschaft in den nächsten 13 Jahren die Hälfte der aus der Erdölexploration zu erwartenden Einnahmen ersetzt. Damit könnten einer der artenreichsten Regenwälder der Welt mit teilweise noch halbnomadisch lebenden Stämmen indigener Ureinwohner erhalten und zugleich rund 400 Millionen Tonnen CO2, die bei Exploration und Verbrennung des Öls anfallen würden, vermieden werden. Der Yasuní-Vorschlag resultiert auch aus den Erfahrungen Ecuadors mit der Ölförderung im sogenannten OrienteRegenwaldgebiet, wo seit den 70er-Jahren Wald und Flüsse im Amazonastiefland großflächig vergiftet wurden. Die Geldmittel aus dem Yasuní-Projekt, rund 3,6 Milliarden US-Dollar, sollen das Kapital eines Treuhandfonds bilden, dessen Erträge für Sozialprojekte, den Erhalt von Naturschutzgebieten, die

Unterstützung indigener Gemeinden und den Ausbau erneuerbarer Energien in Ecuador verwendet werden. Im August 2010 richtete Ecuador unter Schirmherrschaft der UNO einen Treuhandfonds ein – bis jetzt erklärten sich nur Spanien und Chile bereit, Gelder einzuzahlen. Der neue deutsche Minister für Entwicklungszusammenarbeit hat die 2009 im Bundesrat einstimmig beschlossene Unterstützung des Projektes mit jährlich 50 Millionen Dollar ausgesetzt, da „Garantien für einen dauerhaften Verzicht auf die Ölförderungen“ fehlten. Bei einer Diskussionsveranstaltung in der Oesterreichischen Nationalbank in Wien, wurde der Yasuní-Vorschlag von Vertretern aus Ecuador präsentiert. Der Energieexperte Victor Lopez sowie der Präsident der indigenen Widerstandsbewegung „Frente de Defensa de la Amazonia“, Ermel Chavez, diskutierten mit österreichischen stakeholdern über Voraussetzungen für eine Unterstützung des Projektes. Grundtenor: Der Vorschlag

läutet einen Paradigmenwechsel ein, der unser derzeitiges Wirtschaftssystem auf den Kopf stellt: Zum ersten Mal soll dafür gezahlt werden, damit etwas nicht gemacht wird, also eine „wirtschaftliche“ Entwicklung unterlassen, damit der Regenwald erhalten bleibt! Victor Lopez: „Der Vorschlag ist weder Bitte noch Erpressung. Er ist ein Angebot an die internationale Staatengemeinschaft, den Regenwald im Yasuní-Nationalpark zu erhalten und eine soziale und ökologische Entwicklung in Ecuador zu unterstützen. Für Ecuador wäre es ein Leichtes das Erdöl zu fördern. Wir wollen aber den verbliebenen Regenwald auch für künftige Generationen erhalten“. Ermel Chavez: „Die indigene Bevölkerung in Ecuador hat die Folgen der Erdölexploration in den letzten Jahrzehnten im Amazonasgebiet miterleben müssen. Der Ölkonzern Texaco wird seit 17 Jahren vor internationalen Gerichten geklagt, Wiedergutmachung für die dramatischen Verschmutzung des Erd- und Wasserbereiches zu leisten. Wir brauchen in Zukunft kein weiteres Beispiel der sogenannten „wirtschaftlichen Entwicklung“ sondern haben Interesse an einer Partnerschaft zwischen Nord und Süd für einen gemeinsamen Klimaschutz“ PS: Die 900 Millionen Barrel Erdöl im Yasuní-Nationalpark reichen beim aktuellen globalen Tagesverbrauch von rd. 82 Millionen Barrel für genau 11 Tage!

Mir isst es RECHT

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Peter Molnar

Info! www.klimabuendnis.at Foto: Andreas Strasser

om 28. November bis 31. Dezember 2010 kann jede/r unter dem Motto „Mir isst es Recht“ in 9 Wiener Lokalen spezielle FIAN-Teller genießen. Alle Gäste unterstützen damit die unabhängige Arbeit von FIAN zum Menschenrecht auf Nahrung mit € 1,- bis 1,50 pro Speise. Derzeit sind etwa 925 Millionen Menschen von Hunger und Unterernährung betroffenen. FIAN unterstützt Betroffene, die zum Beispiel von Ihrem Land vertrieben wurden mit Hilfe von Eilbriefaktionen und Fallarbeit bei der Durchsetzung ihres Rechts auf Nahrung. Die Organisation setzt sich weltweit für das Menschenrecht auf Nahrung ein und hat Beraterstatus bei den Vereinten Nationen. Teilnehmende Lokale und Infos zur Aktion: www.fian.at

Lago Agrio – die Ölstadt im Regenwald.

Dos segundos da vida Dokumentarfilm über das Yasuni-Projekt mit österr.

Beteiligung (Produzent und Sound Eric Spitzer-Marlyn).

www.yasuni-film.com www.filmdelights.com

Fotos: Klimabündnis Österreich, Peter Molnar

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Foto: © Rodrigo Baléia / Greenpeace

Boote sitzen im Schlamm fest, in vielen Städten werden Güter knapp und es gibt kaum mehr Treibstoffe, vor allem für die Dieselgeneratoren zur Stromversorgung.

Rekorddürre am Amazonas

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Fotos: Archiv Klimabündnis Österreich, Katholischer Pressedienst und Klimabündnis Kärnten

ine von Juli bis Anfang November anhaltende Dürre im Westen Amazoniens senkte die Pegelstände vieler Flüsse auf historische Tiefstwerte. Der Solimões sank 98 cm unter den Tiefststand von 1998 und in Manaus unterschritt der Rio Negro die 13,63 Metermarke von 1963. Viele Nebenflüsse trockneten fast völlig aus, Fische und Tiere verendeten im Schlamm. Vielerorts fehlte sauberes Wasser, infolgedessen kam es zu Durchfallserkrankungen, an denen eine bislang unbekannte Zahl von Kindern starb. 50 der 62 Gemeinden

des Bundesstaates Amazonas haben den Notstand ausgerufen und mussten aus der Luft versorgt werden. Boote und Schiffe saßen fest, viele kleine Dörfer waren wochenlang isoliert. Laut Daniel Nepsted vom Forschungsinstitut IPAM, hat diese Dürre nichts mit dem Wetterphänomen El niño zu tun. „Die gesammelten Daten deuten auf Klimaveränderungen, die durch den Rauch von Brandrodungen und Weidebränden verstärkt wurden.“ Hans Kandler

info! www.klimabuendnis.at

Das Fußballspiel der anderen Art

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en meisten ist bewusst, dass es auf der Welt nicht immer gerecht zugeht. Und bei „Fairplay für Klima und Boden“ erleben die SpielerInnen die unterschiedlichen Torchancen auch hautnah mit: So spielen 2 gegen 8, um symbolisch den globalen Energieverbrauch darzustellen – schließlich verbraucht ein Fünftel der Weltbevölkerung 80% der Energie. Auch der österreichische CO2-Ball ist gut 14 mal größer als der einer Person aus Malawi. Und die Näherin von Sportschuhen erhält nur 0,4% des Verkaufspreises. Dabei kann jede/r von uns viel Positives bewirken: Den Energieverbrauch reduzieren, erneuerbare

Energieträger bevorzugen, auf Biolandwirtschaft und Fairen Handel setzen oder einfach mit dem Rad fahren. Bisher haben sich bunt gemischte Teams, zusammengesetzt aus GemeinderätInnen, SchülerInnen und engagierten Personen in Linz, Völkermarkt, Perchtoldsdorf und Ober-Grafendorf, durch faires Spiel für den Klimaschutz eingesetzt. Für ein Spiel in Ihrem Bundesland wenden Sie sich bitte an Ihre Regionalstelle. Brigitte Drabeck

info!

www.klimabuendnis.at

Alternativer Nobelpreis für Bischof Kräutler Der als Bischof der Armen oder Indianer-Bischof bekannte gebürtige Vorarlberger wurde für sein Engagement mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Dieser Preis ist Bestätigung für seinen jahrzehntelangen Einsatz und gleichzeitig eine wertvolle Hilfe im noch nicht beendeten Kampf gegen den Großstaudamm Belo Monte am Rio Xingú. Erwin Kräutler: „Wir werden das Geld für die Menschen in Amazonien einsetzen, für alles, was mit ihrem Lebensrecht und Lebensraum zu tun hat.“ Wegen seines Engagements erhielt Bischof Kräutler immer wieder Morddrohungen. 1987 hat er einen Anschlag nur schwer verletzt überlebt. Von der Option für die Armen, einem Prinzip der lateinamerikanischen Befreiungstheologie, „rückt er keinen Millimeter ab“, erzählt Hans Kandler, der mit Kräutler in engem Kontakt steht und den Bischof 2006 bei seinem Besuch in Kärntner Klimabündnis-Gemeinden, -Schulen und -Betrieben begleitete. Das Klimabündnis gratuliert herzlich. AS

Info! www.rightlivelihood.org

www.bischof-kraeutler.at

Bischof Kräutler bei der Unterzeichnung des Klimabündnis-Manifests anlässlich des Beitritts der Diözese Gurk mit dem ehemaligen LR Rohr und Bischof Schwarz im Jahr 2006.


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klimakommunal

Wien: Rasen am Ring einmal anders. • Reutte: In der Tiroler Gemeinde wurde der Verkehr „geschrumpft“ und mit einem Spielzeugauto-Stau ein Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft. • In Salzburg ging‘s mit Seifenkisten den Müllner Hügel in die Altstadt runter.

Rekord bei Mobilitätswoche 435 Gemeinden nahmen heuer in Österreich teil

Eines der Highlights, der vom Klimabündnis organisierten Mobilitätswoche 2010, war die Verkehrsmittelvergleichsfahrt: In Wien, Graz, St. Pölten, Steyr und Feldkirch siegte das Fahrrad, bei der Fahrt von Puchenau nach Linz lagen die Öffis vorne und in Eisenstadt gewann das Auto knapp vor dem Elektroroller. In sieben von acht Städten hatte das Auto das Nachsehen. Peter Czermak, Koordinator der Mobilitätswoche: „Das Ergebnis soll für die Städte ein weiterer

Anreiz sein, mehr Infrastruktur und Straßenraum für den Fahrradverkehr bereitzustellen. Z.B. würden Rad-Hauptverkehrsstraßen in Form von eigenen Fahrradstraßen im Nebenstraßennetz eine große Attraktivitätssteigerung bedeuten. Wer mit dem Rad zur Arbeit fährt, schont auch sein Geldbörsel. Der durchschnittliche Arbeitsweg ist 7 km lang, die jährlichen Nutzungskosten eines Autos betragen 450 Euro. Genauso viel kostet auch eine Jahresnetzkarte für die Öffis in Wien. Werden auch die Fixkosten des Autos berücksichtigt, dann beträgt die Arbeitswegersparnis 1.300 Euro.“

Festlich belebt wurden autofreie Bereiche auf der Josefstädter Straße in Wien und beim aufgelegten Rollrasen am Ring. Auch in Salzburg wurde in den Stadtteilen Maxglan und Mülln Rollrasen ausgelegt. Tausende SalzburgerInnen flanierten durch die Straßen oder rollten gar in originellen Seifenkisten den Müllner Hügel Richtung Altstadt hinunter. In Reutte in Tirol war das Zentrum vier Tage lang autofrei. Am Autofreien Tag wurde der Verkehr „geschrumpft“ und eine beeindruckende Stauschlange in Form von Spielzeugautos aufgebaut. Das Fahrrad als besonders lärmarmes Verkehrsmittel wurde in Langenlois beim RADLresonanzREKORD parodiert. 400 begeisterte RadlerInnen erzeugten mit Rasseln, Trommeln und Kuhglockeneinen Lärmpegel von 105 dbA. Das war laut, aber immer noch leiser als drei Meter neben einer stark befahrenen Bundesstraße oder Autobahn.

Fotos: Archiv Klimabündnis Österreich, Hannes Höller

Autofreies Genießen

Hannes Höller

Info! www.mobilitaetswoche.at

Im Kampf um den Sieg hat die VS Nofels (Vlbg.) etwas vorgelegt und wurde am 30. September von Minister Berlakovich als Sommersieger ausgezeichnet (die Endsieger werden erst ermittelt): Für 11.635 Schulwege erteilten die SchülerInnen dem „Elterntaxi“ eine klare Absage und nutzten stattdessen Pedibus, Roller oder Öffis – nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz sondern auch zur geistigen und körperlichen Entwicklung der Kinder. Wie fit unsere Kids sind, beweist das heurige Sammelergebnis von fast einer Million umweltfreundlich zurückgelegter Schul- und Kindergartenwege. Sie werden in Cancun der Leiterin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, überreicht. Vielleicht springt damit ein Funke auf die Verhandlungen über ... Petra Muerth

Minister Berlakovich gratuliert den Halbzeitsiegern aus dem Ländle.

8 www.klimabuendnis.at/kindermeilen

Fotos: Dietmar Stiplovsek/APA

Halbzeitsieger der Klimameilenkampgne


klimakommunal

Mit Weizblick in die Zukunft Die steirische Klimabündnis-Gemeinde ist gemeinsam mit Gleisdorf der Brennpunkt für erneuerbare Energien.

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ie Bezirkshauptstadt Weiz ist ein Mittelpunkt der österreichischen Elektroindustrie. Die ELIN - Siemens Transformers Austria, Andritz HYDRO und ELIN EBG Motoren bilden das Fundament der aufstrebenden Region Weiz. Frank Stronach war hier Lehrling und Arnold Schwarzenegger sieht man regelmäßig am Grab seiner Mutter. Aber die historisch gewachsene Industriestadt lebt nicht von Promis und ihrer Geschichte. Sie lebt von Innovation.

Zur Gemeinde Name: Weiz

Bundesland: Steiermark

Fotos: Gemeinde Weiz

Bezirk: Weiz

Lage: Weiz liegt 25 Kilometer nordöstlich von Graz . Seit 1932 besitzt Weiz das Stadtrecht. EinwohnerInnen: 8.943 Klimabündnis-Gemeinde: seit 1995 Bürgermeister: Helmut Kienreich. www.weiz.at

Als eine der ersten Städte in Europa erkannte Weiz die Zeichen der Zeit und setzt seit 2000 voll auf erneuerbare Energie. Zusammen mit der Nachbarstadt Gleisdorf bildet Weiz die „Energieregion“. Die Stadt gehört auch zur ersten Generation österreichischer KlimabündnisGemeinden, die Anfang der Neunziger Jahre die Partnerschaft mit den Regenwaldvölkern Amazoniens eingegangen sind. Getreu dem Leitbild „Die Stadt voll Energie“ werden in der Städteplanung und im Bau der öffentlichen Gebäude richtungsweisende Klimaschutzmaßnahmen verwirklicht. Im öffentlichen Bereich fördert man nur mehr Bauten mit Passivhausstandard. 2009 errichtete man eine der größten Abwasserwärme-Nutzungsanlagen Europas. „Dafür haben wir den Kyocera-Umweltpreis 2010 für das österreichweit beste Umweltprojekt bekommen“, freut sich Umweltstadtrat Donnerer. Die Stadt hat im Laufe der Jahre so gut wie alle Klimaschutz- und Umweltpreise gewonnen – 32 insgesamt. Die Stadt Weiz ist natürlich auch e5-Gemeinde und bekam als erste steirische Gemeinde den European Energy Award überreicht. Dieser Preis stellt die höchste europäische Auszeichnung für energieeffiziente Gemeinden dar. Mehr als 400 europäische Kommunen können sich dadurch Fortsetzung Seite 8

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Bürgermeister Kienreich mit Team bei der Präsentation Waste Water Projekts. Mit der Abwärme der Kläranlage werden die Firma Autozentrum Harb und die Pichler Werke Weiz gewärmt beziehungsweise gekühlt.

Kurz-Interview mit Bürgermeister Helmut Kienreich Wenn Sie als Bürgermeister und ehemaliger Umweltreferent auf die letzten 20 Jahre zurückblicken – wie fällt Ihre Bilanz aus? Wir haben nach dem Motto „global denken – lokal handeln“ einen ÖKO-Plan für unsere Stadt erstellt und zahlreiche Ziele formuliert. Gleichzeitig haben wir mit unseren Nachbargemeinden die „Energieregion Weiz-Gleisdorf“ gegründet. Energie ist das Leit-Thema der gesamten Region. Zahlreiche Aktionen und Projekte wurden durchgeführt, die Umweltsituation der gesamten Region verbessert und wertvolle Klimaschutzmaßnahmen verwirklicht. In Weiz haben wir es z.B. geschafft, 70 % der Haushalte, alle gemeindeeigenen Gebäude und Einrichtungen sowie zahlreiche große Betriebe mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Mit dem Abwasser der Kläranlage heizen und kühlen wir die Gebäude mehrere privater Betriebe. Weiz gehört zur ersten Generation der Klimabündnis-Gemeinden. Wie sehen Sie die Rolle von NGO‘s wie dem Klimabündnis? Für mich sind solche Initiativen sehr sinnvoll. Sie zeigen auf, in welche Richtung man sich entwickeln soll und was man dadurch für die Menschen und die Erhaltung der Umwelt erreichen kann. Wir sind verpflichtet, unseren nachfolgenden Generationen eine intakte Umwelt zu hinterlassen. Eine soziale Verantwortung, die wir als Mitglied des Klimabündnisses sehr ernst nehmen.


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klima kommunal

Ehepaar Malitsak-Pauer und Anton Iby vom Klimabündnisstammtisch Horitschon erhalten von LH Niessl und LR Falb-Meixner den burgenländischen Umweltpreis 2010.

„Weltrekord-Versuch“ bei der Eiswette 2010 in Kärnten: Erstmals waren zwei Tonnen Eis über einen Zeitraum von sieben Monaten „eingehaust“.

Prämierter Stammtisch • Der Umweltpreis Burgenland ging heuer an den Klimabündnis-Arbeitskreis Horitschon. Neben Fragen der Nachhaltigkeit und des kommunalen Klimaschutzes beschäftigt man sich dort insbesondere mit Bio-Weinbau – die Bio-Winzer Moritz, Iby, Weninger und Pöltl sind aktive Mitglieder des Arbeitskreises. Zum dritten Mal wurde heuer eine BioWeinbauveranstaltung mit renommierten ReferentInnen organisiert. Mit 25 % Prozent Biowein-Anteil an den gesamten Weinanbauflächen ist Horitschon Vorreitergemeinde in Sachen Bioweinbau. 8 www.klimabuendnis.at/burgenland

Klimabündnis Schwerpunktregion •

Dieses einzigartige Konzept wurde in Niederösterreich bereits zum vierten Mal erfolgreich umgesetzt. Die Bilanz nach drei Jahren im Biosphärenpark Wienerwald: 32 Gemeinden haben mit über 200 klimarelevanten Projekten und 100 Workshops mit rund 1.000 TeilnehmerInnen mitgemacht. Neben den Beratungsleistungen stellte das Land NÖ 840.000 Euro für Klimaschutz-Projekte zur Verfügung. In Workshops wurden Projekte geplant. Für Austausch sorgten Vernetzungstreffen. Die Gemeinden erhielten eine kostenfreie Umsetzungsbegleitung sowie ein eigens geschaffenes Fördermanagement. Aufgrund des erfolgreichen Pilotprojektes wurde die vom Klimabündnis angebotene Förderberatung auf ganz NÖ ausgeweitet.

Weltrekordversuch bei Eiswette • In der Kärntner Klimabündnis-Gemeinde Himmelberg wurde erstmals ein zwei Tonnen schwerer Eisblock mit 30 cm Passivhausdämmung der Firma sto sieben Monate lang den Außentemperaturen ausgesetzt. Bei der Enthüllung Mitte August waren zur Überraschung aller noch mehr als 56 % des Eises vorhanden. „Ein geglückter Weltrekordversuch – noch nie war das Eis so lange Zeit verpackt“, freute sich der Himmelberger Bürgermeister Heimo Rinösl. 8 www.klimabuendnis.at/kaernten

Neue Umweltlandesrätin in Kärnten • Mit Beate Prettner zog

im April die einzige Frau in die Kärntner Landesregierung ein. Als Energie-, Umwelt- und Wasserwirtschaftsreferentin hat sie eine enge Verknüpfung zu ihrem Beruf als Ärztin. Mit „Kärnten voller Energie“ unterstützt Prettner auch das Klimabündnis. 8 www.klimabuendnis.at/kaernten

Herr Leitgeb, Leiter des Bau- und Wirtschaftshofs, Bgm Kienreich, Stadtrat Donnerer, Umweltberaterin Kulmer, GRin Offenbacher bei der e5- Auszeichnung Fortsetzung von Seite 7 vergleichen! „Wir stehen im direkten Wettbewerb mit anderen Gemeinden. Durch unser Engagement sind wir mit unseren innovativen Energieeffizienz- und Klimaschutzmaßnahmen immer vorn dabei“, freut sich Barbara Kulmer, die als Koordinatorin der e5-Gemeinde, den Überblick über die vielen unterschiedlichen Projekte bewahren muss. 2010 wurde die Energieregion WeizGleisdorf für ihr Projekt „energie_rad_ region Weiz-Gleisdorf“ zum Gewinner des steirischen Mobilitätspreises des VCÖ gewählt. Die Gemeinden der Energieregion verfügen bereits über 200 Pedelecs und acht Solartankstellen sowie ein E-Bike-Verleihsystem mit drei Entlehnstationen.

Fotos: Stadtgemeinde Gemeinde Weiz

8 www.klimabuendnis.at/niederoesterreich

Christiane Brunner (die Grünen), Michael Sigmund (Gemeinde Pressbaum) und Peter Molnar mit dem neuen Ökostrom-Leitfaden.

Foto: Archiv Klimabündnis

Fotos: Klimabündnis Österreich, Land Kärnten, Klimabündnis Wienerwald, Medienservice Land Burgenland

klimatelegramm: News aus Ländern und Gemeinden

Ökostrom-Leitfaden • Die Klimabündnis-

Programmmanager Alfons, Umweltgemeinderat Holzwieser, LAbg., Bgm. Schuster und Bgm. Herzig bei der Abschlussfeier in Breitenfurt.

Gemeinde Pressbaum in NÖ ist auf Ökostrom umgestiegen. Die Erfahrungen bei der Auftragsvergabe können jetzt alle Gemeinden nutzen. Das Klimabündnis erstellte mit den Grünen einen neuen Leitfaden. Die Basis schuf Umweltgemeinderat Sigmund.

8 www.klimabuendnis.at

Bewegtes Wahrzeichen: Das Weizer Geminihaus ist einzigartig in Europa - es dreht sich mit der Sonne um die eigene Achse.


klimakommunal

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Foto: W. Fürst

Mit Fleiß und Konsequenz hat sich Weiz zu einer europäischen Vorbildstadt gemausert. „Wer von Klimaschutz spricht, muss lernen, global zu denken. Daher ist es uns wichtig, Partner im Klimabündnis zu sein. Wir haben eine der niedrigsten Arbeitslosenraten Österreichs – das ist wohl die wichtigste Bestätigung für unseren Weg“, freut sich Bürgermeister Kienreich. Christian Salmhofer

Bundesminister Berlakovich gratuliert Umweltberaterin Kulmer und Stadtrat Donnerer zum European Energy Award in Silber Erst jüngst wurde die Energieregion Weiz-Gleisdorf mit dem österreichischen Klimaschutzpreis ausgezeichnet. Bemerkenswert dabei ist: Die Stadt setzt nicht nur auf Energieeffizienz und technische Maßnahmen sondern ist auch in sozialer Hinsicht ein Vorreiter. Mit der Solidarregion reagiert Weiz auf die Herausforderungen der Globalisierung. So gewähren die Banken des Bezirkes den Unternehmen einen Solidarkredit ohne Bankenspanne, wenn damit Arbeitsplätze für arbeitslose Menschen

Info! www.weiz.at

www.solidarregion.at

über 50 Jahre geschaffen werden. Dazu legen sie auch ein eigenes Solidarsparbuch auf, mit dem alle Sparer dieses Projekt unterstützen können. Mit den Weltläden in Weiz, Anger und Gleisdorf hat die Region auch eine einzigartige Dichte an Fachgeschäften mit fair gehandelten Produkten. Weiz ist die einzige Kleinstadt Österreichs in der mit der Bioinsel Rosenberger ein Biosupermarkt bestehen kann. Ein weiteres Zeichen dafür, dass in der Bevölkerung ein hohes Umweltbewusstsein vorhanden ist.

Klima-Porträt

Elfriede Hecher, Klimabündnis Österreich Das Studium für Landschaftsplanung an der BOKU hat die gebürtige Kärntnerin nach Wien verschlagen. 2007 begann sie mitten im vorweihnachtlichen Countdown zur Weltklimakonferenz in Bali bei Klimabündnis Österreich, wo sie seither die Büroleitung inne hat.

Als Büroleiterin bist du gewissermaßen das Herz des Wiener Klimabündnis-Büros – und erste Adresse für Fragen und Anliegen aller Art. Dein skurrilster Anruf? Eine Dame wollte unsere Unterstützung im Kampf gegen illegale Ablagerung von Gartenlaub im nahegelegenen Wald. Mein Schluss daraus: Klimaschutz ist ein sehr breites Thema. Es wird nicht immer hoch wissenschaftlich wahrgenommen, sondern mitunter ganz banal. Aber genau auf dieser banalen, alltäglichen Ebene kann jeder seinen Beitrag leisten.

Fotos: privat

Wie schaffst du Ausgleich zu den Herausforderungen des Arbeitsalltags? Am liebsten erwandere ich fremde Länder. Auf meinen Touren durch Rumänien oder Marokko muss ich immer wieder feststellen, dass der Fortschritt der Natur nicht immer zuträglich ist. Und so bleibt nach der Rückkehr ein Grund mehr, sich für die Sache zu engagieren. Dein persönliches Rezept, deine Mitmenschen zum Klimaschutz im Alltag zu motivieren? Ich versuche mit gutem Beispiel voranzugehen. Wenn ich sehe, dass Information zu einem Thema zu einer Verhaltensänderung beitragen kann, suche ich das Gespräch. Oft fühle ich mich in der globalisierten Welt als kleine hilflose Ameise. Aber auch die leistet einen Beitrag zum großen Ganzen. Frei nach dem Motto „Global denken, lokal handeln“.

kontakt! elfriede.hecher@klimabuendnis.at

Umwelt- und Klimaschutz ist der Kärntnerin auch in der Freizeit ein großes Anliegen.


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klima kommunal

VS St. Valentin Werkstraße

In der VS St. Valentin Werkstraße in NÖ wird Klimaschutz in alle Fächer eingebaut – „weil lesen, schreiben und rechnen alleine nicht reicht“, so Direktorin Brigitte Mayer.

Der Funke springt über Porträt der Klimabündnis-Volksschule St. Valentin

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eit 10 Jahren ist Klimaschutz fixer Bestandteil im Schulprogramm der Klimabündnis-Volksschule St. ValentinWerkstraße in NÖ. Der Jahresschwerpunkt heuer lautet „Wald und Klima“. „Lesen, schreiben und rechnen alleine reichen heute schon lange nicht mehr“, so die recht simple Erklärung der Direktorin der Volksschule St. Valentin, Brigitte Mayer. Genauso simpel ist der Grundgedanke, der jedem Kind mitgegeben wird: „Wir können nicht immer nur nehmen, wir müssen auch lernen zu geben.“ In Abstimmung mit der gesamten Lehrerschaft wird Klimaschutz in den Schulall-

tag integriert. Für Mayer ist genau das das Erfolgsrezept: „Das wichtigste ist, dass alle Beteiligten wissen, wohin wir gemeinsam wollen. Der Punkt, an dem wir uns treffen wollen, muss definiert sein.“ Genauso wichtig ist aber auch der lange Atem. „Gerade beim Klimaschutz sind Jahresprojekte sinnvoll. Wir ziehen den roten Faden durch unterschiedliche Unterrichtseinheiten wie Sachunterricht, Musik oder Deutsch. Die LehrerInnen können sich durch die langfristige Planung schon vorab informieren und ihren Unterricht darauf abstimmen. Jeder kann dann selbst entscheiden, wie er das Projekt umsetzt.

Damit erhöhen wir auch die Motivation der Lehrkräfte.“ Das Projekt „Wald und Klima“ soll die Wahrnehmung der Kinder wecken und Zusammenhänge aufzeigen. „Es ist leider erschütternd, wie wenig die Kinder heutzutage über die Natur wissen. Das sieht man, wenn man einen Spaziergang im Wald macht, bei dem alle Sinnesorgane wachgerufen werden können“, so Mayer. Am Interesse der SchülerInnen mangelt es nicht, im Gegenteil: „Der Funke springt schnell über. Das ist auch bei ganz alltäglichen Dingen so - wie Stoßlüften oder Licht abdrehen. Da kommt schnell etwas zurück. Kinder sind für klimarelevante Themen sehr empfänglich.“ Schwieriger ist es im Verkehrsbereich. Mayer: „Wir geben Elternbriefe heraus, sammeln Kindermeilen und machen die Problematik sichtbar. Leider bringen immer noch zu viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto in die Schule.“ Hannes Höller

info!

www.klimabuendnis.at/schule

Foto: VS St. Valentin Werkstraße

Werkstraße 22, 4300 St. Valentin Mitglied seit: 2010 Klimabündnis-Koordinatorin an der Schule: Direktorin Brigitte Mayer www.vsstvalentin-werkstrasse.ac.at

Das beste Klima für unsere Kinder Schulhaussanierung im Passivhausstandard sorgt für bestes Lern-Klima ... er Kindergarten und die Volksschule St. Leonhard bei Arnoldstein wurden nach den Prinzipien eines Passivhauses generalsaniert. Das schafft eine jährliche CO2-Einsparung von 72 Tonnen. Aber eine Sanierung zum Passivhaus ist nicht nur wichtiger Beitrag zur Reduktion von CO2. Genauso wichtig ist es, auch ein gesundes Umfeld für unsere Kinder zu schaffen. „ Die Sanierung in den Passivhausstandard ist eine Antwort auf PISA. Sie sichert die besten Lernbedingungen für unsere Jugend, da neben dem besten energetischen Standard auch das Lernen bei bester Luftqualität garantiert wird“,

bringt es die Kärntner Umweltlandesrätin und Ärztin Beate Prettner auf den Punkt. Das Projekt unter der Leitung von Architekt Gerhard Kopeinig wird sich innerhalb von neun Jahren amortisieren. „ D ie Einsparung zwischen einer Standardsanierung und einer Passivhaussanierung nach der Armortisationszeit beträgt 97.000 Euro ohne Berücksichtigung einer eventuellen Energiekostenpreissteigerung“, freut sich Kurt Bürger, einer der engagiertesten CO2-Einsparer Österreichs und Umweltberater in der Klimabündnis-Gemeinde Arnoldstein.

Fotos: Arch+More

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klimakommunal

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Die beiden Geschäftsführer Johann Huber (m.) und Johannes Huber (r.) mit dem Umweltbeauftragten und Betriebsleiter, Rudolf Spießberger (l.).

Sogar der Kühlschrank flog raus Bei Samen Maier in OÖ geht seit der Umsiedlung die Klimaschutz-Saat voll auf.

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er ökologische Aspekt hat bei jeder betrieblichen Entscheidung einen großen Stellenwert“, ist Johann Hubers Devise. Huber ist seit neun Jahren Geschäftsführer des Klimabündnis-Betriebs Samen Maier und damit für ein Unternehmen mit 40 MitarbeiterInnen verantwortlich, das sich auf Samen und Blumenzwiebel spezialisiert hat. Ausgeliefert wird seit der Umsiedlung von Ried nach Taiskirchen vom zentralen Produktionsstandort und drei Außenlagern. Der Grund dafür ist ein ökonomischer, der sich auch ökologisch vorteilhaft auswirkt:

„Wir haben unsere Fahrten analysiert und ein Logistikkonzept erstellt. Früher hatten wir fünf große LKWs, jetzt nur noch einen – dafür kleinere, verbrauchsärmere Fahrzeuge.“ Verändert haben sich am neuen Standort auch der Energieverbrauch und -einsatz, so Huber: „Wir haben eine Hackschnitzelanlage und sind auf Ökostrom umgestiegen. Im Vorjahr kamen außerdem eine Photovoltaikanlage und eine Solaranlage dazu. Eine weitere Photovoltaikanlage ist in Planung. Mit dem neuen Standort kommen wir unserem Ziel, ein CO2-neutraler Betrieb zu werden, immer näher.“

Neue Impulse gab auch der Betriebecheck im Zuge des Beitrittes zum Klimabündnis. „Da wurde alles schonungslos analysiert. Als kleines Beispiel: Seither habe ich keinen Kühlschrank mehr in meinem Büro“, so Huber. Fahrgemeinschaften wurden gebildet, ein Heimarbeitsplatz geschaffen und ein Umweltbeauftragter eingeführt. Huber: „So eine Stelle im Betrieb zu schaffen, kann ich nur empfehlen – das steigert das Engagement der MitarbeiterInnen.“ Noch dazu, wenn der Umweltbeauftragte eine Person ist, die sich mit dem Thema identifiziert. Rudolf Spießberger ist Betriebsleiter und im Klimaschutz immer schon ein Vorreiter: „Er hatte bereits vor 20 Jahren eine Solaranlage“, erinnert sich Huber.

Bio zahlt sich aus

Der zweite Meilenstein neben der Verlegung des Standortes wurde voriges Jahr gelegt: Samen Maier erhielt die Bio-Zertifizierung und macht jetzt den nächsten Schritt. „Wir fordern unsere Lieferanten auf, dass auch sie das mittragen. Unsere Kunden wissen das zu schätzen – im Biobereich steigt die Nachfrage“, ist der Geschäftsführer zufrieden. Hannes Höller

info! www.samen-maier.at

Kindergarten und Volksschule wurden in der Klimabündnis-Gemeinde Arnoldstein „klimafit“ saniert.

„ Jede Energie, die ich nicht verbrauche, muss auch nicht produziert werden!“ so der Grundsatz von Gerhard Kopeinig. Seine Häuser weisen uns die Zukunft des Bauens. Für die Sanierung einer Arbeiterwohnsiedlung in Linz erhielt er den „Energy Star“. Die Heizkosten betragen dort nunmehr 4,90 Euro pro Monat! Christian Salmhofer

Info! www.archmore.cc

Foto: Samen Maier

Der Umweltbeauftragte


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klimanews

Moskau

Rauchzeichen ...

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ie Aufmerksamkeit der Medien war im Sommer ganz auf die über 800 Brände rund um Moskau gerichtet, die von einer ungewöhnlichen Rekordhitze ausgelöst wurden. Im Vergleich zu den abertausenden alljährlichen Bränden in Südamerika und Afrika war das dennoch ein relativ unbedeutendes Ereignis. Mittlerweile gehören Brände – ganz anderer Dimensionen – zum globalen Alltag. Allein im August 2010 zählte man verteilt über den südamerikanischen Kontinent 150.000 Brände. Wie das Satellitenbild veranschaulicht war der halbe Kontinent unter Rauch. Allein in Bolivien

mussten 28 der 39 Flugplätze gesperrt werden. Grund für die unzähligen Brandherde ist neben der ungewöhnlichen Hitze die expandierende Landnutzung. Der Anbau von Soja und Zuckerrohr sowie die Weidehaltung zur Fleischgewinnung erhöhen seit Jahren den Zerstörungsdruck rund um den Regenwald von Amazonien. Wir hier in Europa tragen Mitschuld, da unsere Tiere und Autos indirekt die dortigen Erträge konsumieren. Allein Österreich importiert 600.000 Tonnen Soja als Tierfutter pro Jahr. Und beim weltweiten Agrosprit-Boom sind wir auch vorn dabei. info! http://earthobservatory.nasa.gov

klima & wetter • News aus den Archiven Arktis schmilzt • Mit Ende dieses Som-

mers waren nur noch etwa 4,9 Millionen Quadratkilometer des Arktischen Ozeans von Eis bedeckt. Es war der drittgeringste Wert seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 1972. Den bisherigen Negativrekord gab es 2007, als die Eisfläche auf 4,2 Mio. km2 schrumpfte. Sowohl die Nordost- als auch die Nordwestpassage war für Schiffe passierbar. 1980 war der Ozean noch auf einer Fläche von 7,8 Mio. km2 zugefroren. 8http://earthobservatory.nasa.gov

Das Arktis-Eis schmilzt – Grönland taut auf ...

Grafiken: http://earthobservatory.nasa.gov

Grönland taut • Am südlichen Ende

der Inlandeiskappe Grönlands sind die Gletscher bis vor rund 100 Jahren noch gewachsen. Nun ziehen sie sich jedes Jahr um etwa 15 Meter zurück. Die Durchschnittstemperaturen seien binnen weniger Jahre um rund zwei Grad gestiegen. „In diesem Sommer hatten wir mehrfach Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius.“ Auch in den Herbsttagen kletterte das Quecksilber mehrfach über die 20-Grad-Marke. 8http://earthobservatory.nasa.gov

Ozeane als Klimamotor • Sie

bedecken 75 % der Erdoberfläche. Die Meeresströmungen transportieren große Mengen Wärme um den Globus. Damit sind sie eine der wichtigsten Schubkräfte des Klimas. Diese Zusammenhänge und den menschlichen Einfluß beschreibt der erste „world ocean review“. Im Internet erhältlich unter: 8 www.worldoceanreview.com

Sommer-Bilanz 2010 • national verlief der meteorologische Som-

mer 2010 um 0,5 bis 2,2° C zu warm, die Niederschlagssummen lagen fast durchwegs über dem Mittel und auch die Sonne erfüllte ihr Soll in ganz Österreich. Eine große Hitzewelle prägte den Sommer 2010. Im Juli wurde im Süden Österreichs stellenweise an 20 Tagen die 30° C- Marke überschritten und mit 37,2° C in St. Andrä im Lavanttal stammt auch der absolut höchste Temperaturwert des Sommers 2010 aus Kärnten. Diese Hitzewelle gestaltete auch die Mitteltemperaturen des Sommers nachhaltig: Von Osttirol bis ins Südburgenland lagen die Monatstemperaturen um 1,5 bis 2,2° C über dem vieljährigen Mittelwert. 8 www.zamg.ac.at

• global gesehen ist die Temperatur 2010 auf Rekordkurs. Die Oberflächentemperaturen der Ozeane und Kontinente lagen zwischen Jänner und Oktober bei 14,1° Celsius. Das ist um 0,63° C höher als der Mittelwert des 20. Jahrhunderts. Das bisher wärmste Jahr hatten wir 1998. 8 www.ncdc.noaa.gov/sotc/?report=global Christian Salmhofer | Andreas Strasser


Foto: oekobüro

klima politik

durchaus passieren können, dass das Klimabündnis von einer Seite vereinnahmt worden wäre. Einen großen Verdienst haben daran sicher der langjährige Geschäftsführer des Klimabündnis, Wolfgang Mehl – und seine MitarbeiterInnen in den Regionen.

Verzerrte Welt – wie CO2-Emissionen unsere Weltkarte verändern.

Bilanz und Perspektiven

Helmut Adam im klimabündnis klimabündni-Gespräch mit Hannes Höller anlässlich 20 Jahre Klimabündnis Wurde die Grundidee des Klimabündnis richtig umgesetzt? Das Klimabündnis war zu Beginn geprägt von der entwicklungspolitischen Thematik. Im Laufe der Zeit hat es sich immer mehr der ökologischen Schiene zugewandt. Der Grund dafür liegt, meiner Meinung nach, in der Förderlandschaft. Anfangs wurde es vom Außenministerium unterstützt, später mehr vom Umweltministerium. Außerdem sind Gemeinden Öko-Themen wesentlich näher als Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.

Foto: privat

Zur Person

Helmut Adam ist studierter Betriebswirt. Er wechselte nach leitenden Aufgaben in der Privatwirtschaft (Kodak, Unilever) und Auslandsaufenthalten in den Non-Profit-Bereich. Von 1993-2001 war er Geschäftsführer von Trans Fair Österreich (heute Fairtrade) und ist seit 2002 Geschäftsführer der Südwind-Agentur, die Gesellschafter von Klimabündnis Österreich ist. www.suedwind.at

1997 wurde das Klimabündnis um Betriebe, 1998 um Schulen erweitert. Ein guter Ansatz, der heute immer wichtiger wird. Dadurch können neue Zielgruppen erreicht werden – um auch in die Breite zu kommen. Was hat das Klimabündnis Ihrer Meinung nach in Österreich bewirkt? Gelungen ist es auf alle Fälle, auf kommunalpolitischer Ebene für ökologische Fragen zu sensibilisieren. Auch die Problematik am Amazonas wurde bewusst gemacht. Das sind zwei echte Erfolge. Ein Verdienst ist sicher auch, dass der faire Handel und die Produkte, die es gibt, gemeinsam mit Initiativen wie Clean Clothes und Fairtrade in Gemeinden bekannt gemacht wurden. Wichtig ist auch, dass das Thema der sozial und ökologisch nachhaltigen öffentlichen Beschaffung aufgegriffen wurde. Warum ist es in Österreich gelungen, dass so viele, unterschiedlich große Städte und Gemeinden beigetreten sind? Entscheidend war auf alle Fälle, dass es gelungen ist, dass beide großen politischen Lager in Österreich positiv hinter dem Thema stehen. Es hätte

Die Partnerschaft mit Rio Negro gibt es bereits 17 Jahre. Braucht man solche Partnerschaften überhaupt noch? Die Partnerschaft geht auf alle Fälle in die richtige Richtung. Sie zeigt die Probleme, die es gibt, anschaulich auf und weckt durch die Delegationsreisen auch das Interesse in Österreich. Heute geht es aber auch darum, die komplexen und schwierigen globalen Zusammenhänge aufzuzeigen. Und auch Forderungen zu stellen. Für mich könnte das derzeitige Konzept des Klimabündnis ruhig etwas weiter gehen. Man sollte den nächsten Schritt machen. Parallel zur Partnerschaft müssen die von den Industriestaaten verursachten Klima-Probleme in Afrika, Asien und Lateinamerika – wie Dürre, Unwetter, Überflutungen – deutlicher angesprochen werden. Insbesondere unsere Verantwortung dafür. Was ist heute die Herausforderung für NGOs? NGOs müssen Anliegen und Themen ansprechen, die oft unpopulär sind. Das Problem dabei ist, dass es dafür noch weniger Geld gibt, als früher. Die Politik finanziert leider lieber angenehme Themen. Wo muss das Klimabündnis in den nächsten Jahren ansetzen? Die zwei Schlüsselthemen für das Klimabündnis sind Rohstoffe und Mobilität. Hier müssen strukturelle Veränderungen auf lokaler Ebene angesprochen und angestoßen werden. Mobilität ist in Österreich ein schwieriger Bereich, weil wir sehr autofixiert sind. Das Klimabündnis sehe ich dabei als wichtigen Akteur in der Bewusstseinsbildung und beim Lobbying.

Info! www.klimabuendnis.at

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Wir freuen uns über Ihre Bestellung:

klima politik

Telefon: 01/798 83 49-2 Fax 01/798 83 75 15 Email: versand@suedwind.at oder Online-Shop: www.suedwind-buchwelt.at

chwelt.at u -b d in w d e u .s w w w Christian Felber

Mathis Wackernagel/Bert Beyers

Zsolnay (2010), 160 S., € 16,40

Europ. Verlagsanstalt (2010), 244 S., € 20,50

Felbers „Gemeinwohl-Ökonomie“ ist eine profunde Antwort auf die Krisen der Gegenwart. Das Wirtschaftsmodell beruht auf individueller Initiative und privaten Unternehmen, die nicht in Konkurrenz zueinander nach Gewinn streben, sondern mit dem Ziel des maximalen Gemeinwohls kooperieren – ein fundamentaler Neuansatz!

Nach dem Motto, nur was man messen kann, kann man auch handhaben, entwickelt Wackernagel den „Ökologischen Fußabdruck“: eine wissenschaftliche Methode, die den Ressourcenverbrauch eines Einzelnen, einer Gruppe und der gesamten Menschheit bemisst, und ein Instrument, mit dem Naturkapital optimal gemanagt werden kann.

Arno Peters/u. a. Hg.

Werner Boote

Peters Weltatlas. Die wahren Proportionen der Erde Ullmann (2010), 232 S., 24cmx35,5cm, € 14,95

Durch das diesem Atlas zu Grunde liegende Darstellungsverfahren, die Peters-Projektion, werden in 43 Karten die Länder und Erdteile flächentreu wiedergegeben. 212 thematische Weltkarten zeigen u.a. die ärztliche Versorgung, die Bevölkerungsdichte, Religionen, die Trinkwasserversorgung und den Einsatz chemischer Düngemittel. Ricardo Coler

Der Ecological Footprint – Die Welt neu vermessen

Plastic Planet – Special Edition Eurovideo (2009), DVD 90 min., € 18,50

Der aufrüttelnde Dokumentarfilm zeigt, dass Plastik zu einer globalen Bedrohung geworden ist, die nicht einmal problematisiert wird. Warum reagieren Industrie und KonsumentInnen nicht auf die Gefahren? Wer ist verantwortlich für die Müllberge in Wüsten und Meeren? Wer gewinnt dabei und wer verliert?

Yann Arthus-Bertrand

Das Tal der Hundertjährigen

Unsere Erde und wir

Rütten & Loening (2010), 176 S., mit Farbfotos, € 18,50

Knesebeck (2008), 158 S., € 20,60

In einem Dorf in Ecuador erreichen die Menschen ein biblisches Alter. Niemand denkt hier daran, sich mit hundert zur Ruhe zu setzen. Dona Hermina, erst 98 Jahre alt, schließt nicht aus, noch einmal zu heiraten; der hundertjährige Timoteo besteigt jeden Tag noch einen Zweitausender und Hundertzwanzigjährige erfreuen sich bester Gesundheit. Ein mitreißender Reisebericht, der eine Hommage an die Menschen dieses Tales ist.

Der Luftbildfotograf Arthus-Bertrand zeigt in eindrucksvollen Aufnahmen die Schönheit unserer Erde, aber auch die von Menschen verursachten Umweltschäden. Er weist so auf ökologische Zusammenhänge hin und wir erfahren, wie wir unseren Lebensraum schützen können. Mit sachkundigen Kommentaren. Für Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene.

Erwin Kräutler

Wolfgang Hölker/Christine Sommer-Guist (Hg.)

Rot wie Blut die Blumen

Mach mit! 85 Tipps für eine bessere Welt

Otto Müller (2009), 181 S., € 18,00

Coppenrath (2010), 127 S., bebildert, € 10,30

Alternativer Nobelpreis 2010 für Dom Erwin Kräutler! Kräutler ist Bischof von Xingu, des größten Bistums Brasiliens. Seit Jahrzehnten führt er an der Seite der Einheimischen einen gewaltlosen Kampf für ihre Rechte gegen Kraftwerkbauer, skrupellose Politiker, Großgrundbesitzer und all jene, die auf Kosten der Armen nach Reichtum gieren und dabei vor Gewalt nicht zurückschrecken.

Klimawandel, erneuerbare Energie, Globalisierung – was ist das eigentlich? Schreckensmeldungen über Flutkatastrophen und Hungersnöte, die Klimaerwärmung, das Aussterben bedrohter Tiere, dagegen kann sowieso keiner was tun? STIMMT NICHT! Das Buch veranschaulicht, wie man mit kleinen Schritten die Welt verbessern kann, und erklärt auch, was es mit Ökologie, Ozonschicht & Co auf sich hat. Für Kinder ab 8 Jahren und ihre Eltern.

Südwind-Buchwelt Schwarzspanierstr. 15, 1090 Wien Tel.: 01/405 44 34 Mo-Fr: 10.00-18.00 Uhr NEU: Sa 10.00-13.00 Uhr Weihnachtssamstage: 10.00-18.00 Uhr E-Mail: buchwelt@suedwind.at

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Fair kaufen ...

Klimabündnis-Bezirk mit fairer Einkaufskarte

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o kann ich in meiner Umgebung fair gehandelte Kleidung/Textilien einkaufen? Und führt der Blumenhändler am Eck FairtradeBlumen? Die Lokale Agenda des 8. Wiener Gemeindebezirks hat in einem übersichtlichen FairtradeEinkaufsführer alle Adressen markiert, an denen Fairtrade-Produkte bezogen werden können – nach Sektoren unterteilt in Lebensmittel, Bekleidung, Blumen und Gastronomie/Unterkünfte. So können die JosefstädterInnen auf einen Blick die „fairen“ Anlaufstellen in ihrem Bezirk ausmachen.

Vorstand des Weltrats für erneuerbare Energien, Träger des alternativen Nobelpreises, Bundestagsabgeordneter der SPD, Mitinitiator des ErneuerbareEnergien-Gesetzes, Mitbegründer und Präsident von EUROSOLAR verstarb Mitte Oktober des Jahres. Im September erschien sein letztes Buch. Ab Dezember ist ein Film als dvd erhältlich, in dem er nochmals nachhaltig zu Wort kommt.

100% jetzt!

Ein Buch, das Mut macht, die Dynamik des Wechsels endlich als umfassende wirtschaftliche Chance zu begreifen, als ökonomischen wie ethischen Imperativ. Hermann Scheer

Der energethische Imperativ

100 % jetzt: Der vollständige Wechsel zu erneuerbaren Energien Kunstmann Verlag, München 2010 240 Seiten • € 19,90 • isbn 978-3-88897-683-4

Freie Energie für alle!

Dieser Film zeigt, wie die Energiewende auch gegen den Widerstand mächtiger Konzerne gelingen kann. Carl A. Fechner

Die 4. Revolution Energy Autonomy

dvd, Deutschland 2010 •83 min. • € 19,90 • www.fechnermedia.com

Die Josefstadt, der 8. Wiener Bezirk, hat sich im März als jüngstes Mitglied Wiens dem Klimabündnis angeschlossen. Die Klimabündnis-Bezirkstafel wurde erst kürzlich feierlich enthüllt: Im Anschluss an eine Verkehrsmittel-Vergleichsfahrt (siehe auch Seite 6) im Rahmen der Mobilitätswoche, aus der Bezirksvorsteher Heribert Rahdjian mit dem Fahrrad als Sieger hervorging. Petra Muerth

INFO! http://la21wien.at/die-la-21-bezirke/8-bezirk

klimathek

+ Hermann Scheer

Globale Herausforderung

Nina Oberbucher | Christian Salmhofer | Andreas Strasser

Foto: www.hermannscheer.de

feklub und SOL – Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil – haben für Nord-Süd-Initiativen eine FAIR-Netzungsplattform geschaffen. Sie bietet Kontaktaufnahme und Austausch mit anderen entwicklungspolitisch interessierten Personen, Initiativen und Gruppen. Darüber hinaus sollen Entwicklungszusammenarbeit und insbesondere „Kleinprojekte“ meist kaum bekannter Initiativen einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Grafik: josefstadt_agenda 21

FAIR-Netzung • Der Entwicklungshil-

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Seit jeher hat der Mensch den Boden genutzt, aber auch zerstört und verwüstet. Jahr für Jahr gehen Milliarden Tonnen fruchtbaren Bodens unwiederbringlich verloren. In „Dreck“ geht Montgomery diesem Aderlass auf den Grund und präsentiert Alternativen für einen nachhaltigen Umgang mit dem Stoff, der unser aller Überleben sichert. David R. Montgomery

Dreck

Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert • Band 6 der Reihe Stoffgeschichten oekom Verlag, München 2010 • www.oekom.de 304 Seiten • € 24,90 • isbn 978-3-86581-197-4

Klimadiskussion

Klimaforscher Schellnhuber entlarvt politischen Kleinmut und Ignoranz in der Klimadiskussion. Als Chefberater der deutschen Bundesregierung und als Mitglied des Weltklimabeirats erörtert der Autor auch auf der persönlichen Ebene die Folgen unseres nicht-nachhaltigen Lebensstils und plädiert für ein Mitgefühl mit der Zukunft. Hans Joachim Schellnhuber

Stühlerücken auf der Titanic

Ist der Klimawandel noch beherrschbar? C. Bertelsmann Verlag, 2011. 352 Seiten • € 19,99 • isbn 978-3570100592

Problemlösung mit Megatechnologien

Unser Ernährungssystem hat vielfältige Auswirkungen auf Klima und Umwelt. Ernährungsweise und Auswahl unserer Lebensmittel sind mit dem Verbrauch von Ressourcen wie Energie, Land und Wasser verbunden.

Geo-Engineering, Nanotechnologie, Gentechnik, synthetische Biologie und „konvergierende Technologien“ versprechen Rettung vor der Klimakrise, die Abschaffung von Hunger und Krankheit. Das Buch zeigt die unkalkulierbaren Risiken dieser „Heilsversprechen“ auf und ist zugleich ein Plädoyer für stärkeren Einfluss der Zivilgesellschaft bei den dringenden Fragen unserer Zeit.

Martin Schlatzer

Pat Mooney

Ein wissenschaftlicher Diskurs zum Einfluss der Ernährung auf Umwelt und Klima LIT Verlag, 2010 • 242 Seiten • € 19,90 • isbn 978-3643501462

Wie das Spiel mit Megatechnologien unsere Existenz bedroht

Wie wir unsere Welt aufessen ...

Tierproduktion und Klimawandel

Next BANG!

oekom Verlag, München 2010 • www.oekom.de 320 Seiten • € 19,90 • isbn 978-3-86581-212-4


Fotos: Archiv Klimabündnis Österreich.

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20 Jahre Klimabündnis


Klimabündnis Zeitschrift Winter 2010