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TRENDREPORT BIOLOGIE IM BÜRO DESIGN FÜR VIELFALT

COCREATION

TECHITURE

MIKROMULTINATIONALE

DESIGN FÜR ARBEITS- UND LEBENSRÄUME IM JAHRZEHNT DER VIELFALT


DIE KÖPFE HINTER DEM BERICHT Auf der Suche nach den inspirierendsten Erkenntnissen müssen wir oftmals über den eigenen Tellerrand schauen. Für den Kinnarps Trendreport 2015 haben wir deshalb einen exklusiven Kreis von Persönlichkeiten zu Rate gezogen, die genauso gespannt auf die Zukunft des Designs sind wie wir. Wir möchten folgenden Menschen für ihre Ideen und Anregungen danken. VIELEN DANK Ingrid Backman, Designerin & Partnerin, White Architects Jörg Bakschas, Gründer & Inhaber, Headroom Consultants Ulf Boman, Partner & Zukunftsstratege, Kairos Future Stefan Brodbeck, Gründer, Brodbeck Design Boris Müller, Professor für Interaction Design, Fachhochschule Potsdam Sandra Gauer, Change Management Consultant & Gründerin, Perspectives GmbH Kursty Groves, Autorin & Workplace Innovation Consultant Susanne Hedin, Ergonomikerin, Ergonomhuset Cecilia Hertz, Gründerin & CEO, Umbilical Design Wayne Hemingway, Gründer, HemingwayDesign Jörgen Jedbratt, Senior Partner & Berater, Kairos Future Nina Jobs, Designerin James Lawrence, Innenarchitekt, Gensler Louis Lhoest, Partner, Veldhoen + Company Nicklas Lundblad, Director of Public Policy & Government Relations, Google Luca Nichetto, Designer, Luca Nichetto Design Studio Tim Oldman, Gründer & CEO, The Leesman Index Petrus Palmér, Mitgründer, Form Us With Love Johanna Agerman Ross, Gründerin & Chefredakteurin, Disegno Magazine Philip Ross, CEO, UnGroup & UnWork Ola Rune, Architekt & Designer, Claesson Koivisto Rune Monika Semkowicz, Innenarchitektin, White Architects Paul Wheeler, Head of Workplace Strategy, Hewlett Packard


INHALT VORWORT Ein Jahrzehnt der Vielfalt verlangt nach vielfältigen Denkansätzen

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DESIGN FÜR VIELFALT 7 Abschied von der Norm 9 Die 4-Generationen-Teams 10 Gleichberechtigung im Design 11 Introvertiert vs. Extrovertiert 12 Design für Alle in einer Welt der Vielfalt 14 BIOLOGIE IM BÜRO 16 Wellness ist das neue Grün 19 Aufgepasst: Der durchdachte Arbeitsplatz 20 Im Kampf gegen Technikfrust 22 Das menschliche Büro 24 TECHITURE 27 Das verschwindende Büro 29 Meetings ohne Grenzen 32 Wie der intelligente Arbeitsplatz noch raffinierter wird 34 CO-CREATION 37 Arbeitsplätze zwischen Zeit und Raum 39 Der neue Designdialog 41 Personalisieren oder nicht personalisieren – Das ist hier die Frage! 42 Hacker-Kultur setzt auf Craft Punk Design 44 MIKRO-MULTINATIONALE 47 Flexibilität durch Liquid Work 49 Der Kollege im Café 50 Gemütlichkeit im Home Office 52 Der Pop-up-Arbeitsplatz 54 Eine Co-working-Gemeinschaft 57 UNSER WEG ZUM DESIGN DER ZUKUNFT

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TRENDREPORT 2015 EIN JAHRZEHNT DER VIELFALT VERLANGT NACH VIELFÄLTIGEN DENKANSÄTZEN Design im Wandel: Die digitale Revolution, die unser Leben Stück für Stück durchdringt, wird auch gestaltungstechnisch einiges verändern. Diese gewaltige Transformation ist für diejenigen bereits in vollem Gange, die in weiser Voraussicht die Technologien der Zukunft – und damit auch das Design der Zukunft – für sich erschlossen und in ihren Organisationen, Konzernen, Partnerschaften oder Einzelunternehmen integriert haben.

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Unsere heutige Welt ist ein bunter Mix mit vielzähligen Facetten. Grenzen und Schranken verwischen auf allen Ebenen. Die geografische Lage spielt keine Rolle mehr. Vielmehr geht es darum, Talente zu identifizieren und zu binden, ganz gleich, wo diese zu finden sind. Analog und digital sind nichts Gegensätzliches mehr, sondern miteinander verknüpfte Elemente. Wer eine moderne Arbeitsumgebung entwickeln und aufbauen will, muss verstehen, wie wir denken und leben. Diese zunehmende Offenheit und Vernetztheit hat zu einem grundlegenden Schwer­ punktbereich geführt, auf den wir unser kreatives Denken richten müssen: Vielfalt. Bei einem Blick in die Zukunft offenbart sich diese zentrale Triebkraft der Vielfalt in Form eines verstärkten kulturellen Austauschs, als gemischtgeschlechtliche Belegschaften, als Introvertierte und Extrovertierte, die gemeinsam an einem Strang ziehen, als Joint-Ventures zwischen Individuen und Firmen sowie als Teams, in denen nicht weniger als vier Generationen Seite an Seite arbeiten. Kinnarps ist davon überzeugt, dass sich uns zahlreiche Chancen eröffnen, wenn wir diesen grundlegenden Wandel verstehen und ohne zu zögern darauf reagieren. So können wir Designlösungen für Arbeitsplätze und Lebensräume schaffen, die den Arbeitsalltag im Jahrzehnt der Vielfalt verbessern. Wir möchten Sie an diesen Chancen teilhaben lassen, denn die Zukunft hat bereits heute begonnen. Die Frage besteht darin, wie wir diese Chancen gemeinsam ergreifen können, um einen positiven, proaktiven Beitrag zu diesen Räumen zu leisten, in denen wir den Großteil unseres Lebens verbringen. Per-Arne Andersson CEO, Kinnarps

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DESIGN FÜR VIELFALT WIE DESIGN DIE

BEDÜRFNISSE VIELER ERFÜLLEN MUSS


Standardlösungen sind in der heutigen modernen Arbeitswelt schlichtweg unmöglich. Vielfalt wird so großgeschrieben wie nie zuvor. Die geografischen Grenzen verwischen. Geschlechtsspezifische, altersbezogene, körperliche oder psychologische Unterschiede machen sich immer weniger bemerkbar. Für Firmen wird es immer schwieriger, Talente anzuwerben und zu halten. Dieser kontinuierliche Wandel und die aktuellen Entwicklungen verlangen nach einem Umdenken, nicht nur bei der Arbeitsplatzpolitik, sondern auch bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes an sich, das heißt von der Architektur bis hin zu den Möbeln. Design kann ebenso vereinen wie spalten. Deshalb ist das Konzept „Design für Alle“ der Schlüssel für unsere zukünftige Arbeitsumgebung.

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ABSCHIED VON DER NORM Modernisierung und Optimierung des Arbeitsplatzes für alle In der Informatik ist mit Standard eine Einstellung oder Option gemeint, die ein Computer anwendet, wenn nichts anderes ausgewählt wird. Der allgemeine Standard, der in der Vergangenheit für unsere Arbeitsplätze galt, orientierte sich an Männern zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Sechzig, die vor Ort im Unternehmen arbeiten. Um aber dem aktuellen Trend der Vielfalt mit modernen und optimierten Teams gerecht zu werden, muss für unsere Arbeitsplätze, Produkte und Konzepte aktiv eine andere Einstellung bzw. Option gewählt werden. Wir machen gerade drei grundlegende Veränderungen durch, die alle danach verlangen, dass wir uns von der bisher geltenden Norm verabschieden.

Veränderung 3: Introvertiert vs. Extrovertiert Jeder nutzt andere Denkansätze, um Lösungen zu finden und Probleme zu beheben. Vor allem zwischen introvertierten und extrovertierten Persönlichkeiten bestehen hierbei große Unterschiede. Ein moderner Arbeitsplatz sollte also unbedingt beiden Charakterzügen gerecht werden. Wenn man diese anspruchsvolle Aufgabe löst, gelingt es, alle Persönlichkeitstypen an einen Tisch zu bringen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

→ FÜR UNSERE ARBEITSPLÄTZE MUSS AKTIV EINE ANDERE EINSTELLUNG BZW. OPTION GEWÄHLT WERDEN. ←

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Design für Vielfalt

Veränderung 1: Die 4-Generationen-Teams Die digitalisierte Wirtschaft bringt längere Karrieren mit mehr Wahlmöglichkeiten mit sich. Dies bedingt die sogenannten 4-Generationen-Teams, in denen junge, reifere und ältere Menschen Seite an Seite arbeiten. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, Design am Denken und Handeln der verschiedenen Generationen zu orientieren.

Veränderung 2: Gleichberechtigung im Design Seit vielen Jahren erobern auch Frauen die Berufswelt – und behaupten sich dort. Das Streben nach Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern ist typisch für moderne Arbeitsplätze. Die Chancen liegen in einer umfassenden Analyse möglicher Unterschiede bei Struktur und Psychologie beider Geschlechter sowie deren Auswirkungen auf die Gestaltung von Objekten und Räumen. Das Infragestellen des derzeitigen Status quo aus Geschlechterperspektive bildet den Ausgangspunkt für die Schaffung eines Arbeitsumfelds, das wirklich für alle geeignet ist.


DIE 4-GENERATIONEN-TEAMS Generationsübergreifende Zusammenarbeit

Design für Vielfalt

Die Bevölkerungspyramiden in der westlichen Welt werden gerade auf den Kopf gestellt. Wir leben länger, wir arbeiten länger und wir haben weniger Kinder. Dies bedeutet, dass 24-Jährige in Zukunft gemeinsam mit 74-Jährigen arbeiten werden. Eine aktuelle Studie der UK Commission for Employment and Skills (UKCES) hat ergeben, dass sogenannte 4-Generationen-Teams immer häufiger anzutreffen sein werden, da viele Menschen erst mit 70 oder gar 80 Jahren in Rente gehen werden. Allerdings haben laut dem Chartered Institute of Personnel and Development (CIPD) zwei Drittel der Arbeitgeber in Großbritannien keine Personalstrategie, wie sie mit dieser Altersvielfalt umgehen sollen. In den USA wurde der Begriff „Silber-Tsunami“ geprägt, um die möglichen Auswirkungen einer alternden Arbeitnehmerschaft zu beschreiben. Die generationsübergreifende Zusammenarbeit ist heutzutage ein Muss, die Frage ist nur, wie diese zu realisieren ist. Auf der einen Seite steht die ältere Generation, für die gewisse Standardpraktiken und Bedingungen Normalität sind und die beispielsweise an ein vorwiegend analoges Arbeitsumfeld gewöhnt sind, welches von Männern dominiert wird. Auf der anderen Seite stehen die neue Generation und alle zukünftigen Generationen: die sogenannten Digital Natives, die in eine Welt hineingeboren werden, in der das Internet allgegenwärtig ist und gemischtgeschlechtliche Teams der Regelfall sind. Mit zunehmendem Alter ergeben sich zudem zahlreiche körperliche als auch geistige Herausforderungen. Diese Unterschiede bergen natürlich Konfliktpotenzial, können aber auch gegenseitig beflügeln. Mit dem richtigen Design kann der generationsübergreifenden Zusammenarbeit Vorschub geleistet werden. Erstens kann Design unterstützend

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→ MITARBEITER AUS UNTERSCHIEDLICHEN ALTERSGRUPPEN HABEN UNTERSCHIEDLICHE ERWARTUNGEN AN GUTES DESIGN. DIE HERAUS­FORDERUNG LIEGT DARIN, ZWISCHEN DEN GENERATIONEN ZU VERMITTELN UND EIN DESIGN ZU FINDEN, DAS ZU ALLEN PASST. EIN STUHL IST NOCH IMMER EIN STUHL, UND SO UNTERSCHEIDET SICH EIN MODERNER STUHL NICHT GRUNDLEGEND VON EINEM STUHL VON VOR 50 JAHREN. DIE MÖGLICHKEITEN FÜR DAS DESIGN ERGEBEN SICH NUN EHER AUS DEM UMFELD HERAUS, IN WELCHEM ES EINGESETZT WERDEN SOLL. ←

OLA RUNE, ARCHITEKT & DESIGNER, CLAESSON KOIVISTO RUNE wirken, weil es die generationsbedingte Lücke schließt, indem es eine Arbeitsumgebung schafft, die sowohl für die neuen digital versierten Generationen als auch diejenigen geeignet sind, die ihre Arbeit eher analog erledigen – und zwar ohne, dass sich beide gegenseitig ausschließen müssen. Traditionell sind ältere Menschen daran gewöhnt, jeweils immer nur eine Aufgabe zu erledigen, während die Jüngeren mehrere Aufgaben zur gleichen Zeit bearbeiten. Allerdings wird bereits darüber diskutiert, ob sich dies eventuell negativ auf die Produktivität und Aufmerksamkeit auswirkt. Zweitens kann die tatsächliche Architektur und Ausstattung des Arbeitsumfelds an alle Altersgruppen angepasst werden, um den unterschiedlichen körperlichen und geistigen Anforderungen der verschiedenen Lebensphasen gerecht zu werden. Der Trick besteht darin, alle Bedürfnisse zu berücksichtigen, ohne irgendeine bestimmte Generation zu bevorzugen oder gar zu diskriminieren.


GLEICH­ BERECHTIGUNG IM DESIGN Neugestaltung des Arbeits­ platzes aus Perspektive der verschiedenen Geschlechter Im Jahr 2009 ließ die Boston Consulting Group in ihrem Bericht „The Female Economy“ verlauten, dass Frauen als Markt betrachtet eine größere Chance bieten als China und Indien zusammen genommen. Und dass Frauen 80 bis 90 Prozent aller Kaufentscheidungen in einem Haushalt treffen, ist schon lange bekannt. Das Jahr 2009 stellte auch einen Wendepunkt in der US-amerikanischen Geschichte dar, denn erstmals arbeiteten Frauen genauso viel wie Männer. Drei Jahre zuvor hatte die Zeitschrift „The Economist“ Studienergebnisse über Länder veröffentlicht, in denen Frauen nicht arbeiten, und zeigte, dass dort das Bruttosozialprodukt im Vergleich zu Ländern mit einer ausgeglicheneren Verteilung der Geschlechter in der Arbeitswelt stagnierte. Darüber hinaus haben Studien ergeben, dass Unternehmen, die von weiblichen CEOs geführt werden, über die Jahre hinweg betrachtet finanziell erfolgreicher sind. Einfach gesagt profitieren also alle, angefangen bei den Firmen bis hin zur gesamten Gesellschaft, davon, dass Frauen die Arbeitwelt erobern.

Schwangere reservierten Parkmöglichkeiten – der Grund, warum es vorher keine gegeben hatte, war einfach der, dass den Gründern dieser Gedanke nicht in den Sinn gekommen war. Sandberg fragte sich in ihrem Buch, wie viele andere Frauen die Situation bisher wohl stillschweigend hingenommen hatten ohne nach einer Sonderbehandlung zu verlangen. Unzählige Geschäftsfrauen können ähnliche Geschichten erzählen, die alle eines gemeinsam haben: die lange Abwesenheit von Frauen in der Arbeitswelt hat ein Umfeld geschaffen, in dem männliche Bedürfnisse als Standard gelten und Frauen gezwungen sind, sich anzupassen. Tatsächlich sind es aber die Arbeitsplätze, die man anpassen sollte.

Trotzdem gelten bei Entscheidungen bezüglich Design, Konzepten und Richtlinien noch immer Männer als die Norm, und Frauen haben es im Berufsleben deshalb oftmals schwerer als ihre männlichen Kollegen. Sheryl Sandberg, COO von Facebook, erinnert sich in ihrem Buch „Lean In: Frauen und der Wille zum Erfolg“ an eine Begebenheit während ihrer Zeit bei Google. Damals war sie gerade schwanger und musste zu einem Meeting. Der Weg vom Parkplatz war ziemlich weit und so fragte sie ihre Vorgesetzten, ob denn für sie und andere schwangere Kolleginnen und Besucherinnen keine Sonderparkplätze eingerichtet werden könnten. Kurz darauf baute Google tatsächlich die für

Man sollte den Blickwinkel verändern und Konzepte entwickeln, die von Anfang an auf Frauen ausgerichtet sind. Bestes Beispiel hierfür ist der erfolgreiche Volvo YCC (Your Concept Car), der auch heute noch nichts von seiner Relevanz verloren hat. Im Jahr 2004 präsentierte Volvo mit seinem Modell YCC ein Auto, das von Frauen für Frauen entwickelt wurde. Mittlerweile sind laut Volvo einige Design-Merkmale des YCC auch in handelsüblichen Fahrzeugen verbaut. Das Konzeptauto hatte damals etwa 50 neue Funktionen, von denen ungefähr 20 in die Serienproduktion eingeflossen sind. Viele dieser technischen Raffinessen waren bahnbrechend, darunter Gangschaltung über Lenkrad­tasten,

Start-Stopp-Automatik und automatische Einparkhilfe. Der Volvo YCC ist ein Beispiel für das Konzept „Design für Alle“: exzellentes Denken aus einer neuen Perspektive, die eine breitere Personengruppe berücksichtigt.

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DER ARBEITENDEN IN DER KREATIVBRANCHE SIND MÄNNLICH

Ganz gleich, ob es sich nun um Frauen­ parkplätze oder spezielle Fahrzeugausstattung handelt: Design für Alle setzt sich in der Arbeitswelt immer mehr durch und eröffnet Firmen die Chance, einen Arbeitsplatz anzubieten, der für geschlechtliche Gleich­ berechtigung steht. Ein grundlegender Schritt in Richtung eines Designs für Alle in der Arbeitswelt besteht darin, die Arbeitsplätze in der Kreativbranche schon in der Entwurfsphase zu diversifizieren, denn der Anteil der Männer in diesem Segment beträgt noch immer 83 %. Ein Design, das diese Heraus­ forderungen berücksichtigt und Frauen und Männer dabei unterstützt, sowohl ihren beruflichen als auch häuslichen Pflichten nachzukommen, wird für alle modernen Arbeitsplätze ausschlag­ gebend sein.


INTROVERTIERT VS. EXTROVERTIERT Die leise Revolution am Arbeitsplatz

Design für Vielfalt

In der Psychologie wird eine introvertierte Person als ein Mensch definiert, der sich hauptsächlich mit sich und seinen eigenen Gedanken und Gefühlen beschäftigt. Dieser Persönlichkeitstyp steht im Gegensatz zum Extrovertierten, der sich nach außen auf sein soziales Umfeld richtet. Diese klassische Charakterisierung vom schüchternen Introvertierten und kontaktfreudigen, geselligen Extro­ vertierten hat zu Stereotypen am Arbeitsplatz geführt. In jüngster Zeit werden introvertierte Persönlichkeiten jedoch zunehmend akzeptiert und auch verstanden. Ein guter Kollege bzw. eine gute Kollegin zu sein, bedeutet heute nicht mehr, eine extrovertierte Persönlichkeit im klassischen Sinne zu sein. Zahlreiche Arbeitsplätze werden an diesen Trend der Vielfalt angepasst, damit sich beide Persönlichkeitstypen wohl fühlen. So wird eine Arbeitskultur geschaffen, in der beide Denkweisen Platz haben. Vor allem das Buch „Still: Die Kraft der Introvertierten“ von Susan Cain hat gezeigt, wie unterschiedlich Menschen sind. Introvertierte brauchen Ruhe und Abgeschiedenheit, um sich auf ihre Aufgaben konzentrieren zu können, während Extrovertierte in einer offenen Umgebung mit vielen Gesprächen und sozialer Energie bessere Leistungen erbringen. In der heutigen Gesellschaft werden oftmals die lauten, aufgeschlosseneren Persönlichkeiten bevorzugt. Allerdings wird unsere Welt zunehmend von Ideen getrieben, und der Bedarf nach breitgefächerten Kompetenzen steigt. Dies hat seitens der Unternehmen zu der Einsicht geführt, dass beide Persönlichkeitstypen gebraucht werden. Aus diesem Grund muss Design unbedingt die Ansprüche sowohl von introvertierten als auch von extrovertierten Menschen erfüllen. Bestätigt wird dies durch eine Leesman-Studie, bei der die selbstständige Arbeit am Schreibtisch unter den 70.000 Befragten als wichtigste Aktivität eingestuft wurde. Der Aufstieg des Introvertierten – oder besser gesagt die zunehmende Anerkennung von Menschen, die ihre Aufgaben anders erledigen als die extrovertierte Norm – ist ein wichtiger Aspekt bei der Abkehr von den offen geplanten Büros, die bisher im Trend waren. Hersteller von Objektmöbeln haben darauf reagiert, indem sie immer mehr Produkte mit akustischer Wirkung anbieten. Das mag zwar vorübergehend Abhilfe schaffen, löst aber die Herausforderungen, die sich aus der zunehmenden Vielfalt unserer Welt ergeben, nicht wirklich so effizient wie ein intelligentes Design für Alle.

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→ EIN PUNKT, DEN WIR INNERHALB DER FIRMA UNZÄHLIGE MALE DISKUTIERTEN, WAR DIE TATSACHE, DASS WIR EIN INTROVERTIERTES UNTERNEHMEN SIND. HEUTZUTAGE DREHT SICH ALLES UM DIE RÜCKKEHR DER INTROVERTIERTEN. SUSAN CAIN VERWEIST DARAUF, DASS MODERNE ARBEITSPLÄTZE BISHER IN DER HAND DER EXTROVERTIERTEN WAREN. DIE OFFENE GESTALTUNG FÖRDERTE DIE ZUSAMMENARBEIT, LIESS ABER KEINEN RAUM, UM SICH UNGESTÖRT ZURÜCKZUZIEHEN. DABEI IST ES GENAU DAS, WONACH SICH EIN GROSSTEIL DER ARBEITSKRÄFTE WIRKLICH SEHNT. NACH DER MÖGLICHKEIT, ALLEIN ZU SEIN. DANACH, EINE WEILE GANZ IN RUHE NACHZUDENKEN, ZU LESEN UND KREATIV ZU SEIN. UND ERST DANACH SEINE IDEEN ZU TEILEN UND IM RAHMEN EINES PROJEKTES ZUSAMMENZUARBEITEN. ← NICKLAS LUNDBLAD, DIRECTOR OF PUBLIC POLICY AND GOVERNMENT RELATIONS, GOOGLE


→ DESIGN MEINT NICHT EINFACH NUR, PRODUKTE ZU SCHAFFEN ODER EINEM OBJEKT FORM ZU VERLEIHEN. ES GEHT UM EINE GEISTESHALTUNG. ES GEHT DARUM, SEINEN TAG ZU ORGANISIEREN ODER SICH ZU ÜBERLEGEN, WIE MAN VON A NACH B GELANGT. DESIGN DREHT SICH HEUTZUTAGE WENIGER UM DIE PRODUKTE AN SICH, SONDERN IST VIEL MEHR DARAUF AUSGERICHTET, DASS VORHANDENE PRODUKTE BESSER FUNKTIONIEREN. ← JOHANNA AGERMAN ROSS, CHEFREDAKTEURIN, DISEGNO MAGAZINE

Design für Vielfalt

EIN GUTER KOLLEGE BZW. EINE GUTE KOLLEGIN ZU SEIN, BEDEUTET HEUTE NICHT MEHR, EINE EXTROVERTIERTE PERSÖNLICHKEIT IM KLASSISCHEN SINNE ZU SEIN.

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DESIGN FÜR ALLE IN EINER WELT DER VIELFALT

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Die beschriebenen drei großen Veränderungen lassen, gepaart mit der zunehmenden Globalisierung auf dem Arbeitskräftemarkt, einen echten Schmelztiegel der Kulturen entstehen. Daraus ergibt sich das neue Bedürfnis nach einem Design, dass allen körperlichen Unterschieden gerecht wird und gleichzeitig den Anspruch der Universalität erfüllt. Unter einem solchen „Design für Alle“ versteht man laut dem Forschungs-und Entwicklungszentrum IDRC der OCAD University ein Design, das die gesamte Bandbreite der menschlichen Vielfalt in Bezug auf Kompetenzen, Sprache, Kultur, Geschlecht, Alter und andere Unterschiede berücksichtigt. Laut Leesman-Index haben nur 54 % der 70.000 Befragten das Gefühl, dass ihr Arbeitsplatz produktives Arbeiten ermöglicht. Dies ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass die Zeit für ein intelligenteres Design für die Masse mehr als reif ist. Wenn man das Bedürfnis nach einem Design für Alle erkennt und akzeptiert, ist schon der erste Schritt getan. Als Nächstes steht dann die Umsetzung auf dem Programm – und genau in dieser Phase wird ein Arbeitsplatz der Vielfalt geschaffen, der innovativer, produktiver und nachhaltiger ist.

PRINZIP 1 Entwerfen Sie einfache und intuitiv anwendbare Lösungen. Schaffen Sie angenehme Erlebnisse für den Nutzer, die ein ständiges Blättern in Bedienungsanleitungen ersparen.

PRINZIP 3 Zeigen Sie Mitgefühl und Sympathie. Versetzen Sie sich in andere hinein. Unterschiedliche Menschen haben auch unterschiedliche Erwartungen an Ihr Produkt – versuchen Sie, die Welt aus deren Perspektive zu betrachten.

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PRINZIP 2 Berücksichtigen Sie die Randgruppen einer Gesellschaft anstatt nur die breite Masse zu sehen. Beziehen Sie die größtmögliche Bandbreite in Bezug auf Alter, Geschlecht und Kompetenzen ein.

PRINZIP 4 Ergonomisches Design hat eine emotionale und funktionale Komponente. Was Menschen über das Produkt denken ist also genauso wichtig wie dessen Funktionalität.


PRINZIP 5 Entwickeln Sie Designlösungen, die flexibel einsetzbar sind. Alles ist miteinander verknüpft, also entwerfen Sie vielseitige, anpassungsfähige Konzepte.

PRINZIP 6 Bleiben Sie bei einem guten Design, unabhängig von den oben genannten Prinzipien. Stellen Sie attraktive Ästhetik in den Mittelpunkt, sodass Nutzer nicht stigmatisiert werden.

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CAPELLA – EIN WAHRHAFT INTUITIVER STUHL Ein Stuhl ist niemals einfach nur ein Stuhl. Sitzen kann man auf unzählige Art und Weise. Die Anforderungen in der heutigen modernen Arbeitswelt sind hoch, und ein Bürodrehstuhl sollte nutzerfreundlich, bequem und nachhaltig entworfen sein und über wegweisende ergonomische Funktionen verfügen. In diesem Trendreport sprechen wir darüber, wie wichtig Design für Alle ist. Für uns liegt darin eine Designstrategie begründet, die allem übergeordnet ist. Unsere neue Stuhlserie Capella wurde genau mit diesem Ansatz im Hinterkopf entworfen. Mit einem Design für Alle soll den Ansprüchen einer breiteren Zahl von Arbeitskräften entsprochen werden. Das erste Kinnarps-Prinzip für ein Design für Alle lautet: „Entwerfen Sie einfache und intuitiv anwendbare Lösungen. Schaffen Sie angenehme Erlebnisse für den Nutzer, die ein ständiges Blättern in Bedienungsanleitungen ersparen.“ Ein intuitives Produktdesign ist der Kern unserer CapellaStühle. Eines der wichtigsten Gestaltungselemente ist die Platzierung der Hebel. Diese wurden so angebracht, dass eine fortlaufende, intuitive Bedienung möglich ist. Bei der Frage nach der richtigen Platzierung der Hebel haben wir mit Prof. Anna-Lisa Osvalder von der Technischen Hochschule Chalmers in Göteburg, Schweden, eine führende Expertin auf diesem Gebiet an Bord geholt, die uns wertvolle Anregungen für das Design lieferte. Dieses intuitive Design verbessert nicht nur den allgemeinen Sitzkomfort, sondern macht den Stuhl auch noch so flexibel, dass er für sogenannte Activity Based Workplaces geeignet ist. An solchen tätigkeitsbezogenen Arbeitsplätzen wird der Stuhl von verschiedenen Menschen genutzt.

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BIOLOGIE IM BÜRO WIE SICH UNSERE ARBEITSUMGEBUNG AN KÖRPER UND GEIST ANPASST


Gesundheit ist Reichtum, sagt man. Heutzutage wird unseren kognitiven Fähigkeiten und deren unterschiedlichen Ausprägungen am Arbeitsplatz eine ebenso hohe Bedeutung wie unseren körperlichen Anforderungen beigemessen. Erkenntnisse aus der Psychologie haben dazu geführt, dass unsere geistigen Fähigkeiten ebenso viel Platz bei der Designentwicklung einnehmen wie unsere körperlichen Bedürfnisse. Daraus ergeben sich zahlreiche Chancen für die Schaffung eines Arbeitsumfelds, das ebenso gesund wie effizient ist.

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WELLNESS IST DAS NEUE GRÜN Psychologisch nachhaltige Arbeitsumgebungen zum Nutzen der Gesellschaft Der moderne Arbeitsplatz besteht aus vielen verschiedenen Komponenten und unterscheidet sich deutlich von der bisherigen Wahrnehmung eines funktionsfähigen Büros. Heute bekennen wir uns zu einem weicheren Ansatz, bei dem psychologische und kulturelle Aspekte mehr Gewicht haben. Dies macht uns produktiver und innovativer und wirkt sich schlussendlich nicht nur positiv auf die Unternehmen selbst, sondern auch auf das Wohl der Gesellschaft aus.

→ TROTZ UNSERER MOTIVATION, UNSERE ARBEITSMETHODEN – UND UNSERE LEBENSWEISEN – INNOVATIV ZU GESTALTEN

demografischen Verhältnisse verändern und sich daraus andere Bedürfnisse und Erwartungen ergeben. Neue Demografien führen in Kombination mit Faktoren wie dem Arbeiten außerhalb der Bürozeiten, der globalen Zusammenarbeit sowie der Zunahme projektbasierter Tätigkeiten zu zahlreichen Herausforderungen bei der Schaffung einer Wohlfühlatmosphäre für die Mitarbeiter. Dies gilt vor allem für die Designabteilung. Innenarchitekten müssen die unterschiedlichen Mentalitäten der Personen verstehen, für die sie tätig sind, um abwechslungsreiche Räume zu schaffen. Die Erkenntnis, dass großartige Köpfe nicht alle gleich denken – und gleich arbeiten – bildet die Grundlage für den Arbeitsplatz der Zukunft.

Biologie im Büro

UND ZU VERÄNDERN, MÜSSEN WIR VORSICHTIG SEIN, DAMIT WIR UNS NICHT ÜBEREILT AN DIESE MANNIGFALTIGEN VERÄNDERUNGEN ANPASSEN. ←

DESIGN ALS CHANCE SANDRA GAUER, CHANGE MANAGEMENT BERATERIN & GRÜNDERIN, PERSPECTIVES GMBH Das Konzept der Nachhaltigkeit hat innerhalb der Unter­ nehmens­kultur einen höheren Stellenwert erlangt und wurde so erweitert, dass jetzt sowohl die körperliche als auch die geistige Gesundheit der Mitarbeiter einbezogen wird. Einfach gesagt ist Wellness das neue Grün, und dafür zu sorgen, dass wir im Berufsleben länger durchhalten – und damit auch länger leben – ist eine strategische Herausforderung für alle Unternehmen, nicht zuletzt für diejenigen, die Designent­ scheidungen treffen. Wenn man beispielsweise das Wohl seiner Mitarbeiter im Auge hat, investiert man in höhenverstellbare Schreibtische, weil Untersuchungen ergeben haben, dass es gesundheitsfördernd ist, wenn man während langer Arbeitszeiten immer wieder verschiedene Positionen einnimmt und nicht statisch sitzt. Ähnliche Designentscheidungen werden nun auch aus psychologischer Sicht getroffen. Zum Beispiel werden in ausgewählten Bereichen unterschiedliche Stimmungen durch Licht- und Soundeffekte erzeugt.

DESIGN, DAS BEWEGT Körperliche Betätigung schärft den Geist, und Inneneinrichtungen können so gestaltet werden, dass sie Menschen dazu ermutigen, nicht nur still an einem Platz zu verharren. Die Erschaffung attraktiver Bereiche an verschiedenen Orten innerhalb der Bürofläche fördert den aktiven Wechsel des Arbeitsplatzes. AUF DIE RICHTIGE STIMMUNG KOMMT ES AN In einer dynamischen Arbeitsumgebung gibt es unterschiedliche Bereiche für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzer. Ein Bereich kann eher ruhig gehalten sein mit gedämpftem Raumlicht, gedeckten Farben und individuell einstellbarer Arbeitsplatzbeleuchtung, während ein anderer Raum hell und lichtdurchflutet gestaltet ist mit auffallenden Kunstwerken oder Hintergrundmusik. Unterschiedliche Persönlichkeiten werden diese Bereiche jeweils für andere Aufgaben nutzen, je nachdem welche psychologischen Signale die Umgebung aussendet.

Einer der treibenden Faktoren hinter dem WellnessGedanken am Arbeitsplatz besteht darin, dass sich die

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AUFGEPASST: DER DURCH­ DACHTE ARBEITSPLATZ Bewusstes Design für eine bewusste Wahrnehmung unserer Umgebung

Biologie im Büro

Angesichts der tatsächlichen Ausgaben, die Regierungen und öffentliche Gesundheitsbehörden aufgrund gesundheitlicher Probleme wie Adipositas, Rauchen und Alkoholmissbrauch tragen müssen, werden Gesetze erlassen, um den negativen Folgen ungesunder Lebensweisen entgegenzuwirken. Der private und der öffentliche Sektor ziehen nun nach und bemühen sich auf physiologischer und psychologischer Ebene um positive Veränderungen für ihre Mitarbeiter. Der Weg nach vorn ist offen und nutzt bewusstes Design als potenziellen Fahrplan. Dieser neue Unternehmensansatz blickt weit über die Körperergonomie hinaus und untersucht beispielsweise, wie Räume durch durchdachtes Design mehr oder weniger stressvoll wirken können. Wenn man in dieser Hinsicht versagt, hat das nicht nur körperliche Symptome zur Folge, sondern verursacht auch wirtschaftliche Verluste auf allen Seiten. Studien in Skandinavien beispielsweise, bei denen die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage in Unternehmen und Branchen in verschiedenen Regionen erfasst wurde, haben einen direkten Zusammenhang zwischen Büroumgebungen und körperlicher Verfassung erkannt. Die psychologischen Aspekte des

DESIGN ALS CHANCE DER MENSCH ENTSCHEIDET Zunächst einmal sollten wir die Arten der Interaktionen zwischen den Menschen sowie deren Dynamiken definieren. Anschließend sollten wir Wahlmöglichkeiten anbieten, damit jeder seine Beziehungen und Umgebungen selbst mitgestalten kann. Die Herausforderung besteht darin, ein Design zu wählen, das nicht für eine bestimmte Sache geeignet ist, sondern dem Nutzer Wahlmöglichkeiten bietet. ARBEITEN NACH DEN FUNKTIONSPRINZIPIEN UNSERES GEHIRNS Bei der Gestaltung zukünftiger Arbeitsplätze sollten wir unsere Arbeitskräfte besser unter­ stützen. Dazu müssen wir in vollem Umfang aktuelle Forschungen berücksichtigen, die uns Einblicke in die Funktionsweisen des Gehirns sowie die Einflüsse unserer Umgebung geben.

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bereitgestellten Arbeitsplatzes könnten sogar noch wichtiger sein als die physiologischen Komponenten, und zwar in einem Umfang, den wir alle nicht erwartet hätten. Aber wie gestalten wir einen Arbeitsplatz unter psychologischen Gesichtspunkten? Welche akustischen Maßnahmen und welchen Sichtschutz brauchen wir beispielsweise, damit wir uns ungestört konzentrieren können? Um diese Fragen zu beantworten, wird untersucht, bei wie viel Ablenkung man immer noch produktiv arbeiten kann und wie Elemente wie Licht und die Nähe zu anderen Menschen die Effizienz beeinflussen. Besonders die Disziplin der Proxemik wird hierbei erforscht, um vollständig nachvollziehen zu können, wie wir mit Objekten und Menschen in unserer Umgebung umgehen und auf diese reagieren. Seit der Veröffentlichung von „Effect of the self-schema on perception of space at work“ wird der Ruf nach einem psychologisch gesunden Arbeitsplatz immer lauter. Das Werk verknüpft Design und Psychologie am Arbeitsplatz miteinander und schlägt ein theoretisches Modell für die Verbindung zwischen Umweltwahrnehmung, Arbeitsfreude und Selbsterkenntnis vor. Aus diesem hat sich das Konzept des „Design Thinking“ entwickelt. In Zukunft wird auf Design gesetzt, das Identität und Selbstbewusstsein stärkt und das Gefühl vermittelt, zu einer Organisation zu gehören und mit ihr verbunden zu sein. Psychologische Ergonomie heißt die neue Disziplin in der Arbeitsplatzgestaltung, die es zu erobern gilt. Die Akzeptanz und Berücksichtigung der verschiedenen Geisteshaltungen am Arbeitsplatz wird sich als erfolgreiche Strategie für das Wohlbefinden der Mitarbeiter erweisen.

→ JE MEHR WAHLMÖGLICHKEITEN WIR ANBIETEN UND JE ABWECHSLUNGSREICHER DIESE SIND, UMSO SELBSTVERSTÄNDLICHER WERDEN MENSCHEN LEISTUNGEN VOLL­ BRINGEN. ES IST IMMER EINE BALANCE. UNTERSCHIEDLICHE MENSCHEN HABEN ANDERE BEDÜRFNISSE, WEIL WIR EINFACH ALLE ANDERS SIND. ← LOUIS LHOEST, PARTNER, VELDHOEN + COMPANY


KANN EIN SCHREIBTISCH EIN GANZES JAHRZEHNT PRÄGEN? 1989 markierte nicht nur das Ende eines Jahrzehnts, das Geschäftsleuten und Yuppies wahrscheinlich am meisten in Erinnerung bleiben wird, sondern auch den Beginn einer neuen Dekade, in der sich die Aufmerksamkeit auf das Arbeitsumfeld richten würde. Die Wahlen in Schweden waren vorüber, und es ergaben sich Chancen für einen Wandel auf dem Arbeitsmarkt – es war an der Zeit, die Ergebnisse eines Forschungs- und Entwicklungsprojektes publik zu machen, das von Kinnarps und Fagerhults initiiert wurde und den Namen „Decade“ trug. Im Mittelpunkt von Decade stand der Entwurf eines Möbelstücks, mit dem der mehrmalige Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen und Arbeitspositionen möglich wurde. Ausschlaggebend für dieses Ziel war die Erkenntnis, dass der Trend bei Büroinneneinrichtungen bis zu diesem Zeitpunkt dahin ging, Arbeitsplätze zu entwerfen, die so kompakt waren, dass man während des gesamten Arbeitstages nicht einmal aufstehen oder seinen Platz verlassen musste. Zwar hat man mittlerweile erkannt, dass langes Stillsitzen negative Konsequenzen auf die Gesundheit haben kann, und berücksichtigt diese Tatsache als grundlegenden Gesichtspunkt bei der ergonomischen Gestaltung, damals aber war dieser Zusammenhang neu. Deshalb bestand die Hauptinnovation von Decade in einem Bürotisch, der nach Belieben höher oder niedriger gestellt werden konnte. Gerade einmal 12 Sekunden waren nötig, um den Tisch in seine höchste Position bei 117 cm zu bringen – anfangs mit einer Kurbel, später dann mit einem elektrischen Motor. Und das Ganze funktionierte sogar, wenn auf dem Tisch ein Gewicht von 120 Kilo auflag – ein untrügerisches Indiz dafür, dass unsere Computer seitdem deutlich leichter geworden sind. Heutzutage können wir uns aussuchen, ob wir im Sitzen oder Stehen arbeiten möchten, und bei der Gestaltung von gesunden Arbeitsplätzen sind wir einen gewaltigen Schritt vorwärts gekommen.

Biologie im Büro

Heute gilt das Decade-Projekt als typischer Meilenstein in der Geschichte von Kinnarps. Decade hat in Büros auf der ganzen Welt den Weg für höhenverstellbare Bürotische sowie für eine bessere Gesundheit geebnet.

→ IN DIESEN TAGEN IST ES EINE SELBST­V ERSTÄNDLICHKEIT, DASS ZU EINER TISCHSERIE AUCH EIN HÖHENVERSTELLBARES MODELL GEHÖRT. VOR 25 JAHREN SAH DAS ABER NOCH GANZ ANDERS AUS. DAMALS WAR DER ERSTE HÖHENVERSTELLBARE BÜROTISCH VON KINNARPS EINE ECHTE INNOVATION. DAS MÖBELSTÜCK LÖSTE EINE REVOLUTION AUS. ES WAR ETWAS VORHER NOCH NIE DAGEWESENES, DAS VON VIELEN IN FRAGE GESTELLT WURDE. ← ELISABETH SLUNGE, BRAND RANGE DESIGN DIRECTOR, KINNARPS

Die Decade-Serie wurde bereits 1989 vor­ gestellt und löste damals eine Revolution aus.

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Biologie im Büro

IM KAMPF GEGEN TECHNIKFRUST

Wie wir unser Gehirn entlasten statt belasten Ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Schaffung einer nachhaltigen Arbeitsumgebung sind die Technologien in unserem Umfeld. Wir müssen lernen, diese zu kontrollieren. Die Art und Weise, wie digitale Hilfsmittel und Werkzeuge unser Leben durchdringen, wird nicht immer als positiv betrachtet. Wir sind immer vernetzt und erhalten auf unseren Smartphones ständig Nachrichten. Das kann auf die Dauer nerven und unsere biologische Uhr aus dem Gleichgewicht bringen. Vor allem unser Schlafrhythmus und unsere Konzentrationsfähigkeit leiden darunter. Es ist erwiesen, dass Technologie abhängig machen kann. Ohne Kontrolle können wir bald überhaupt nicht mehr abschalten und erleben Technik nur noch als ermüdend. Dieser Suchtfaktor von Technologie ist wahrscheinlich

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→ WIR MÜSSEN EINE LÖSUNG FINDEN, WIE WIR UNS OHNE ABLENKUNG AUF UNSERE ARBEIT KONZENTRIEREN KÖNNEN. ES MACHT KEINEN SINN, IN EINEN SEPARATEN RAUM ZU GEHEN, UM UNGESTÖRT SEINE AUFGABE ZU ERLEDIGEN, WENN MAN SEIN TELEFON MITNIMMT. ES GEHT HIER VOR ALLEM UM DIE RICHTIGEN VERHALTENSWEISEN, ABER DAS ARBEITSUMFELD SOLLTE DIESE BEGÜNSTIGEN UND UNTERSTÜTZEN. ← LOUIS LHOEST, PARTNER, VELDHOEN + COMPANY eine der grundlegendsten Herausforderungen bei der Schaffung eines Gleichgewichts zwischen Berufs- und Privatleben. Durch Smartphones und Laptops haben wir unsere Posteingänge stets dabei und sind immer und überall erreichbar. In Skandinavien ist dieser Technikfrust ein Problem, das auf vielfältige Weise angegangen wird. So führte beispielsweise im Jahr 2011 der größte schwedische Telekommunika­ tionsanbieter TeliaSonera ein kosten­ loses Programm zum Herunterladen ein, mit dem Nutzer das Internet für einen festgelegten Zeitraum deaktivieren können. Außerdem richtete TeliaSonera während der Urlaubszeit an mehreren öffentlichen Standorten in Schweden internetfreie Zonen ein. Weltweit gibt es eine Fülle verschiedener Smartphone-Apps in der Kategorie Wellness, die von Meditation bis hin zum tatsächlichen Abschalten aller anderen Apps reichen, damit wir endlich

die Ruhe und Ungestörtheit finden, nach der wir uns sehnen. Die ständige Verfügbarkeit der Technik führt nicht nur zu Spannungen zwischen Privat- und Berufsleben, sondern ist auch während der normalen Arbeitszeit ein Problem. Das Pop-up-Fenster, das beim Eingang einer E-Mail aufleuchtet, Sofortnachrichten, Smartphone-Apps und soziale Netzwerke: All das kann uns von unseren Hauptaufgaben ablenken oder bei Meetings stören. Überraschenderweise klagen sowohl die gewöhnlichen Durchschnittsnutzer als auch die Technikbegeisterten über dieses Problem. So hat sich bei Google eine Kultur entwickelt, in der jetzt auch laptopfreie Meetings durchgeführt und Notizen schriftlich von Hand anstatt digital gemacht werden. Die Erkenntnis, dass Technikfrust ein sehr reales und nur schwer beherrsch-


DESIGN ALS CHANCE ANALOG IST WIEDER IN

DAS PASSENDE LOOK & FEEL Bei der Schaffung heterogener Räume sollten wir darauf achten, für die Produkte verschiedene Materialien und Formen zu verwenden, die entweder eine analoge oder eine digitale Funktion vermitteln. Das kann uns dabei helfen, die jeweilige Funktion leichter zu verstehen. Hightech-Gegenstände dürfen sich ruhig auch hochtechnisch anfühlen, während technikfreie Objekte schlicht und natürlich daherkommen können, sodass intuitiv das richtige Gefühl bei uns ausgelöst wird.

lorem ipusum

bares Problem mit ernsten Konsequenzen ist, hat wahrscheinlich grundlegend dazu beigetragen, dass Arbeitgeber bei der Arbeitsplatzgestaltung darauf achten, dass Technologien weniger sichtbar sind, und sich bei ihren Designüberlegungen von Wohneinrichtungstrends beeinflussen lassen. Bei dieser Entwicklung geht es aber nicht um eine Rückkehr von digital zu analog. Vielmehr muss verstanden werden, dass ein gesunder Arbeitsrhythmus eine Kombination aus verschiedenen Methoden und Umgebungen braucht, damit abwechslungsreiche Denkprozesse angeregt werden. Der Arbeitsplatz der Zukunft wird so gestaltet, dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Produkten und Umgebungen entsteht, die für mehr Heterogenität und weniger Technikfrust sorgen.

Gutes Design sollte anerkennen, dass digital und analog bei der Gestaltung eines funktionierenden Arbeitsplatzes gleichberechtigte Komponenten sind. In Gebäuden können technikfreie Räume eingerichtet werden, in denen ungestört Meetings durchgeführt werden können oder ohne digitale Ablenkungen gearbeitet werden kann. Diese Räume sind so gestaltet, dass sie zu analogen Tätigkeiten wie Zeichnen, Schreiben oder Lesen anregen.

→ ICH NEHME ZU MEETINGS KEINEN COMPUTER MEHR MIT. STATTDESSEN HABE ICH FÜR GEWÖHNLICH EIN NOTIZBUCH DABEI. DAS SCHREIBEN MIT DER HAND INSPIRIERT ZU ANDEREN KOGNITIVEN PROZESSEN ALS DAS EINTÖNIGE TIPPEN AUF EINER TASTATUR. DIESE ERFAHRUNG TEILT FAST JEDER BEI GOOGLE MIT MIR. ← NICKLAS LUNDBLAD, DIRECTOR OF PUBLIC POLICY AND GOVERNMENT RELATIONS, GOOGLE

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DAS MENSCHLICHE BÜRO

21% EINSAMKEIT

der jungen Leute identifizieren Einsamkeit als eine ihrer Hauptsorgen

Im Zuge der Digitalisierung gestatten Unternehmen ihren Mitarbeitern zunehmend, flexibel zu arbeiten. Dadurch verliert der bisherige Ansatz des Befehlens und Kontrollierens beim Arbeitsplatzdesign in vielerlei Hinsicht an Relevanz. Das Konzept des Managements durch Design wandelt sich rasant, und eine der Hauptaufgaben des Arbeitsplatzes besteht heute darin, eine Umgebung zu präsentieren, die Menschen bei den zu erledigenden Aufgaben unterstützt und lenkt. Es wird ein Designansatz benötigt, der sich noch mehr am Menschen orientiert und deren Bedürfnisse, vor allem die psychologischen, erfüllt. So wird es möglich, dass Individuen jeweils die besten Entscheidungen zur Erreichung ihrer Ziele treffen. Das Büro war schon immer ein wichtiger Treffpunkt im Leben der Menschen. Mit dem richtigen Design wird es auch weiterhin ein Ort bleiben, an dem wir uns zusammenfinden, um gemeinsam zu arbeiten, Teil

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WIR SIND MENSCHEN – UND WIR BRAUCHEN UNSERE SCHNITT­S TELLEN

eines Teams zu sein, uns zu Hause zu fühlen und einfach Mensch zu sein. Im heutigen Zeitalter, in dem wir überall arbeiten können, dienen Büroräume weiterhin als Schnittstellen der Unternehmenskultur. Auch bei der Förderung von Gesundheit und Zufriedenheit wird der Arbeitsplatz als sozialer Knotenpunkt eine wichtige Rolle spielen. Das gilt vor allem für jüngere Menschen, denn 21 % der 18bis 24-Jährigen geben Einsamkeit als eine ihrer Hauptsorgen an. Es ist also wichtig, dass wir uns durch Elemente, die typisch für die jeweilige Gruppe sind, zu Hause fühlen. So entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit und Verbundenheit und die Unternehmenskultur kann florieren. Das Zulassen von natürlichen Gedankenflüssen und Ideen fördert das Wachstum von Organisationen. Arbeitsplätze entwickeln sich zu Orten, die wir nur noch sporadisch aufsuchen. Die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verwischen. Vor diesem


Eine weitere Komponente bei der Humanisierung des Büros besteht darin, den Arbeitsablauf auf nachhaltige Art und Weise zu optimieren, indem bei der Gestaltung auf die menschlichen Sinne, wie Fühlen, Sehen, Hören, Riechen und sogar Schmecken, eingegangen wird. Ein solcher Ansatz, der auf unsere fünf Sinne abzielt, wird zu einem wichtigen Aspekt bei der Planung und Gestaltung von Arbeitsplätzen. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, wurde das Konzept „Activity Based Workplace“ entwickelt, bei dem

→ IM GEGENSATZ ZUR ÜBLICHEN MEINUNG IST ES NOCH IMMER EIN MYTHOS, DASS JEDER ZU HAUSE ARBEITEN WILL UND DASS DAS BÜRO EIN AUS DER MODE GEKOMMENES KONZEPT IST. ZWAR MÖGEN WIR NICHT UNBEDINGT FÜNF TAGE DIE WOCHE IM BÜRO SEIN, ABER WIR MÖCHTEN DENNOCH HÄUFIGER DORT SEIN ALS ALLEIN ZU HAUSE, UM UNS DAZUGEHÖRIG ZU FÜHLEN. ES GEHT DARUM, DAS RICHTIGE GLEICHGEWICHT ZU SCHAFFEN ZWISCHEN DER DURCH DIE MODERNE TECHNOLOGIE BEDINGTEN FLEXIBILITÄT, ÜBERALL ARBEITEN ZU KÖNNEN, UND DEM WUNSCH, VOR ORT ANWESEND ZU SEIN UND SICH MIT ANDEREN AUSZUTAUSCHEN. ← WAYNE HEMINGWAY, GRÜNDER, HEMINGWAYDESIGN Büroarbeitsplätze an individuelle Aufgaben angepasst werden. Zusätzlich kann diese Art von Innenraumgestaltung das Gemeinschaftsgefühl und damit einen wichtigen Markenwert eines Unternehmens stärken. Ein Markenwert ist das, was uns zum „Wir“ auf Arbeit macht. Wir kommen heute nicht mehr nur zur Arbeit, um produktiv zu sein. Vielmehr wollen wir uns als Teil einer Gemeinschaft wahrnehmen. Deshalb ist es so wichtig, dass im Büro das, was uns ausmacht, mit Leben gefüllt wird. Wir wollen spüren, was uns wichtig ist. Und schlussendlich arbeiten die meisten von uns noch immer in Büros. Eine Leesman-Studie hat ergeben, dass von den mehr als 70.000 Befragten nur 17 % von zu Hause aus tätig sind. Die Aussage „Culture eats strategy for breakfast“ besitzt also nach wie vor Gültigkeit: Kultur ist das A und O.

Der soziale Kontext, der in einem Büro erschaffen wird, ist stark vom Design abhängig. Ausgangspunkt für die Konzeption einer lebendigen, atmenden Unternehmenskultur ist demnach ein soziales Motiv für die Inneneinrichtung, angefangen bei gemeinsam ausgewählten Kunstwerken bis hin zu individuellen Gestaltungselementen. Die Chance hierbei liegt darin, zu verstehen, dass man eine Kultur am besten kreiiert, indem man aus einem Arbeitsplatz mehr als einen Arbeitsplatz macht – nämlich einen Platz zum Arbeiten, der an der menschlichen Natur ausgerichtet ist. Dadurch können wir ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit erreichen, bei dem Büro und Zuhause einerseits getrennt voneinander, andererseits aber auf gesunde, flexible Art und Weise miteinander verbunden sind.

DESIGN ALS CHANCE EIN NEUES DESIGN-MANTRA An einem innovativen heterogenen Arbeitsplatz können Möbel so gestaltet sein, dass sie sowohl im Büro als auch zu Hause gut eingesetzt werden können. Das Mantra aller Designer von Büromöbeln sollte deshalb lauten „Würdest du dieses Stück auch zu Hause haben wollen?“.

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Biologie im Büro

Hintergrund ist es nicht mehr notwendig, und sogar unerwünscht, dass Büros steril und programmiert wirken. Wenn wir auch zu Hause, im Hotel oder in einem Café effizient arbeiten können, ist es logisch, dass das Büro in ähnlicher Weise wie diese Orte gestaltet sein sollte. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Büro zu Hause Einzug halten sollte. Vielmehr geht es darum, dass sich die Bürogestaltung an Hotels oder Restaurants orientiert, die ihre Inspirationen wiederum aus dem Wohndesign beziehen. Darin eingeschlossen sind gestaltungstechnische Anregungen und Ideen in Bezug auf die Ästhetik. Büros müssen zudem genauso komfortabel wie die eigenen vier Wände sein und werden deshalb im Sinne der Wellness immer weniger steril gestaltet, damit man dort genauso kreativ und produktiv wie zu Hause arbeiten kann.


TECHITURE WIE A N A L O G E UND D I G I T A L E ARCHITEKTUR DEN ARBEITSPLATZ DER ZUKUNFT GESTALTET


Das Zusammenspiel von Architektur und Technologie ist eine der Haupttriebkräfte hinter dem nächsten großen Designwandel. Digitale Lösungen für nahtloseres Arbeiten sind bereits vorhanden und lassen diejenigen, die diese Chancen ergreifen, zu Gewinnern im bevorstehenden Jahrzehnt der Vielfalt werden. Wir leben im Zeitalter von Techiture. Der Arbeitsplatz der Zukunft ist ein Ort, der an die menschlichen Bedürfnisse angepasst ist und nicht von Hardware dominiert wird.

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DAS VERSCHWINDENDE BÜRO

→ WENN SIE EINMAL DAS MARKANTE ONE

Von technologieorientiertem Arbeitsplatzdesign zu designorientierter Technologie

BETRACHTEN, SCHAUEN SIE SICH DOCH MAL

CANADA WATER BUILDING IN LONDON DIE UNTERTEILUNG DER FENSTER UND DIE ABSTÄNDE ZWISCHEN DEN PFOSTEN AN. DIESE

Der Siegeszug der Technologie geht mit der Anschaffung und Nutzung von physischer Hardware einher. Durch die Architektur, die wir rund um Technologien erschaffen, hat sich unsere Arbeits- und Lebensweise grundlegend gewandelt. So änderte sich mit dem Einzug der TV-Geräte in unsere Wohnungen auch die Inneneinrichtung, um den Platzanforderungen der Fernseher gerecht zu werden. Versteckte man die Geräte früher noch in den Möbeln, stellte man sie später beinahe altarähnlich zur Schau, um sie mittlerweile in Form von Flachbildschirmen an der Wand aufzuhängen.

DES HOCHHAUSES UND SIND AUF DIE GRÖSSE EINES ARBEITSPLATZES ABGESTIMMT. UND DIESER WIEDERUM MUSS SO GROSS SEIN, DASS EIN PC-BILDSCHIRM ODER LAPTOP PLATZ HAT. ICH DENKE, IN ZUKUNFT WERDEN WIR BEIM DESIGN SEHR VIEL MEHR FREIHEITEN GENIESSEN: GANZ GLEICH, OB BEI DER ARCHITEKTUR ODER BEI DEN MÖBELN, OB BEI DER NEUGESTALTUNG VON ARBEITS­ PROZESSEN ODER BEI DER UMSETZUNG VON ÜBERARBEITETEN LIEFERKETTEN. ←

Techiture

Im Gegensatz dazu achtete man bei der Einrichtung und Gestaltung von Büros eher auf eine Harmonie der Möbel mit der Computerhardware. Offensichtliche Beispiele dafür sind die Kabelmanagementsysteme aus den 80ern und 90ern oder der Eckschreibtisch, auf dem ein Röhrenmonitor Platz fand. Weniger offensichtlich sind die Ähnlichkeiten zwischen IT-Infrastruktur und Büroaufteilung sowie zwischen dem formalen Stil der Inneneinrichtung und der Form von Computern und Leiterplatten, die darin untergebracht waren.

ABSTÄNDE PRÄGEN DAS ERSCHEINUNGSBILD

PAUL WHEELER, HEAD OF WORKPLACE STRATEGY, HEWLETT PACKARD

Die Arbeitsplätze der Zukunft werden grundlegend anders aussehen und funktionieren als in der Vergangenheit. Die traditionelle Aufteilung, Einrichtung und ästhetische Gestaltung von Büros, an die wir uns in den vergangenen 50 Jahren gewöhnt haben, wird durch neue Technologien hinfällig. Organisationen brauchen jetzt andere Dinge, damit ihre Mitarbeiter produktiv sein können – und im gleichen Atemzug muss sich auch das, was wir Büro nennen, radikal verändern, um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten.

TECHNOLOGIE ALS UNSICHTBARE KRAFT

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Techiture

Eine dieser Veränderungen bezieht sich auf die individuelle Ebene. Mitarbeiter haben heute zunehmende Erwartungen nicht nur daran, wie ihr Arbeitsplatz aussehen und wirken soll, sondern auch an die Technologie, mit der sie ihre Aufgaben erledigen. Schließlich sind die Auswahlmöglichkeiten heute so groß wie niemals zuvor. Um diesen steigenden Anforderungen gerecht zu werden, haben sich einige Unternehmen davon verabschiedet, ihren Mitarbeitern vorzuschreiben, welche Technologie sie verwenden sollen, und setzen stattdessen auf den Trend „Bring You Own Device“. In diesem Zusammenhang dürfen Mitarbeiter selbst entscheiden, welche digitalen Mittel sie zur Erledigung ihrer Arbeit nutzen möchten, und erhalten sogar ein Budget für den Kauf ihres eigenen Gerätes zugeteilt. Dies wirkt sich natürlich auch unmittelbar auf die Architektur

aus und erfordert eine Aufgeschlossenheit gegenüber vielfältigen Arbeitsplatzlösungen. In der Vergangenheit diktierte die verwendete Technologie, wie Design am Arbeitsplatz aussehen musste. Heute aber gibt es optisch attraktivere Optionen und intelligente Lösungen, bei denen ästhetische Elemente und digitale Funktionen miteinander harmonieren. Der Arbeitsplatz wird nun auch in größerem Maße wohnlicher gestaltet und Unternehmen können ihre eigenen Designansprüche geltend machen anstatt sich von der Technologie vorschreiben zu lassen, wie ein Büro aussehen muss. Tatsächlich wurde Design am Arbeitsplatz früher von der vorhandenen Technologie bestimmt und auch zu Hause machte sich dies in abgeschwächter Form bemerkbar. Jetzt beobachten wir,

wie die in heimischen Umgebungen verfügbaren Technologien gemeinsam mit dem entsprechenden Design auch am Arbeitsplatz Einzug halten. Mit einfachen Worten gesagt: Wir können jetzt die Inneneinrichtung frei wählen und uns dabei vom Design der Technologie anstatt von deren Anforderungen leiten lassen.

OFFEN SEIN FÜR VIELE VERSCHIEDENE ARBEITSPLATZ­ LÖSUNGEN

Wie Technologie fordert und gestaltet:

EIN TREFFENDES BEISPIEL AUS DEM WOHNUMFELD Wenn man einen Blick in die Zukunft wagen möchte, muss man manchmal in die Vergangenheit zurückblicken. Als die Fernseher in den 1950er ihren Siegeszug in unsere Wohnungen antraten, wurden sie zunächst als normale Möbelstücke getarnt und mitunter sogar in einem Barschrank oder Sideboard versteckt. Je mehr wir uns an die Präsenz von Technologien in unserem Zuhause gewöhnten, umso mehr nahmen die Produkte, die wir kauften – oder gern kaufen wollten – eine ganz eigene Designsprache an. Anstatt im Verborgenen zu bleiben, wurde der Fernseher schon bald zum Mittelpunkt unserer Wohnzimmer, um den sich die ganze Familie auf einer Sofagarnitur versammelte. Die Funktion des Wohnzimmers wandelte sich ebenso wie das Design des Fernsehgeräts, das in den 70ern neue Formen anzunehmen begann und sich schwarz und quadratisch in den Vordergrund drängte. In den 1980ern entpuppte sich die Fernbedienung in unseren Heimen als Zepter der Macht – je mehr Tasten und Funktionen, umso besser. Als die Bildschirme jedoch immer flacher wurden, integrierten wir sie in unsere Wände und bevorzugten weniger Tasten, um das Wunder zu vollbringen. In gleicher Weise hat sich auch die Arbeitsplatzgestaltung in Abhängigkeit von der Hardware und der damit nutzbaren Technologie weiterentwickelt. Auch hier gilt mittlerweile an der digitalen Front: weniger ist mehr. Und je moderner die Technologie ist, umso schlichter scheint ihr Design in unserem Heimen und an unseren Arbeitsplätzen zu wirken.

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DESIGN ALS CHANCE BEFREIT DEN ARBEITSPLATZ!

→ IM ZEITALTER DER DIGITALISIERUNG UND

Bei der Arbeitsplatzarchitektur werden wir mehr Freiheiten genießen und uns nicht mehr solchen starren Kriterien wie Stellfläche, Beleuchtungspegel, Klimaanlage oder Verkabelung unterordnen müssen.

GLOBALISIERUNG GEHÖRT DER ARBEITSPLATZ

ZUR SEITE MIT DIR, IT-HARDWARE!

AUS GESTALTUNGSTECHNISCHER PERSPEKTIVE

Die Einrichtung und Gestaltung unserer Arbeitsplätze kann auf neue Weise angegangen werden. Anstatt sich von den Anforderungen an die IT-Hardware und -Infrastruktur einschränken zu lassen, können wir das Design jetzt an den Tätigkeiten der Mitarbeiter und deren Interaktionsmodi ausrichten.

ZU DEN SPANNENDSTEN BEREICHEN. BERUF UND FREIZEIT SIND SO ENG WIE NIEMALS ZUVOR MITEINANDER VERBUNDEN UND ALLE BETEILIGTEN INNERHALB DER ARCHITEKTUR-, DESIGN- UND TECHNOLOGIEBRANCHE – OB EINZELUNTERNEHMEN ODER KONZERNGIGANT – MÜSSEN ZUSAMMENARBEITEN, UM DIE BESTMÖGLICHE ARBEITSUMGEBUNG DER WELT ZU GESTALTEN.← JACOB SAHLQVIST, VORSTAND, SCHWEDISCHER ARCHITEKTENVERBAND

TECHNISCHE RENOVIERUNG FÜRS BÜRO Das klassische Bild vom Büro, das zum Großteil durch Technologien und Managementstrukturen bestimmt wurde, wird immer hinfälliger. Produkte, die für Arbeitsumgebungen entworfen wurden, müssen sich in ihrer Ästhetik nicht mehr von den Objekten unterscheiden, die für Hotels, Restaurants, Bars oder Wohnräume gestaltet werden.

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Bild: Boris Müller

→ UNTERNEHMEN PROFITIEREN ZUNEHMEND DAVON, DATEN AUSZUWERTEN UND ZUSAMMENHÄNGE ZU VERSTEHEN. VISUALISIERUNG SPIELT HIERBEI EINE UNGEHEUER WICHTIGE ROLLE. DIE FRAGE LAUTET: WELCHE ART VON RÄUMEN KANN MAN FÜR VISUALISIERUNGSZWECKE ENTWERFEN? UND WIE GELINGT DIES SO, DASS MENSCHEN NICHT NUR INFORMATIONSEMPFÄNGER SIND, SONDERN ZUM DISKUTIEREN UND DEBATTIEREN ANGEREGT WERDEN? EINE PRÄSENTATION, BEI DER DIE WORTE VOM BILDSCHIRM QUASI OHNE BETEILIGUNG DER ANWESENDEN DIKTATORISCH HERAUSGESCHRIEN WERDEN, SPIELT DABEI KEINE ROLLE. INTERESSANT WIRD ES ERST, WENN MAN MIT DEN INFORMATIONEN AUF VERSCHIEDENE ART UND WEISE INTERAGIEREN UND DIESE NEU GESTALTEN KANN. DER ENTWURF INTERAKTIVER UMGEBUNGEN, IN DENEN GENAU DIES MÖGLICH IST, GESTALTET SICH SEHR SCHWIERIG. ←

NICKLAS LUNDBLAD, DIRECTOR OF PUBLIC POLICY & GOVERNMENT RELATIONS, GOOGLE

MEETINGS OHNE GRENZEN Die Schaffung von Visualisierungsräumen und Kollaborationsorten im Zeitalter von Big Data Arbeiten hatte schon immer etwas mit Menschen zu tun, mit dem Austausch von Gedanken. Ohne Meetings würden Ideen in den meisten Fällen Hirngespinste unserer Fantasie bleiben und ihren Weg nicht in die Realität finden, um dort die Welt zu verändern. Heute sind Präsentationswände wahrscheinlich die wichtigsten Mittel, um die Informationsvermittlung bei Meetings zu vereinfachen. Außerdem wird dadurch ein nahtloser Arbeitsablauf

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für die Suche und Realisierung der besten Idee gewährleistet. Traditionelle Besprechungsräume machen Platz für Bereiche, in denen die Visualisierung und Zusammenarbeit im digitalen Zeitalter vom Big Data gefördert wird. Zunächst ein paar Worte zum Thema Big Data aus der Sicht eines Designers. Big Data – mit diesem ganzheitlichen Begriff ist jede Sammlung von Datensätzen gemeint, die so groß und komplex ist, dass deren Verarbeitung mit herkömmlichen Methoden schwierig ist. Für einen Designer verbergen sich dahinter gewaltige Chancen. Diese Daten können nämlich nicht nur für den Entwurf neuer Produkte genutzt werden. Auch die Analyse-, Erkenntnisund Designprozesse verändern sich radikal durch speziell dafür entwickelte Arbeitsplätze und Tools.

Big Data ist aber nicht nur eine Chance, sondern auch ein Risiko. Aufgrund der großen Menge an Informationen, die Big Data liefert, kann schnell Verwirrung entstehen und Erkenntnisse können sogar manipuliert werden, was unweigerlich schlechtes Design zur Folge hat. Deshalb sind angemessene Werkzeuge und Räume für diese neue Art des Designdenkens erforderlich. Die Art und Weise, wie sich Präsentationswände in diese Gleichung einfügen, schafft nicht nur einen fruchtbaren Boden für die Ideen von Arbeitsplatzdesignern, sondern lässt Designer auch für alle anderen von uns einen fruchtbaren Boden für Ideen erschaffen. Was heißt das aber für Besprechungs­ räume der nächsten Generation? Der klassische Besprechungsraum


verfügt an einem Ende über eine Leinwand, einen Tisch in der Mitte und Whiteboards an der Seite. Dadurch versammeln sich alle um den Tisch in der Mitte, oftmals auf Stühlen, die ungehindertes Bewegen unmöglich machen. Das Vorhandensein von nur einer Leinwand führt dazu, dass die Aufmerksamkeit jeweils immer nur auf eine Präsentation gerichtet ist. Die Anwesenden hören sitzend immer nur einem Vortragenden zu. Außerdem werden Präsentationen meist nicht über digitale Medien ausgetauscht und gemeinsam bearbeitet. Im Besprechungsraum der nächsten Generation wird es wohl keinen Tisch in der Mitte geben, sodass man sich freier von Touchscreen zu Touchscreen bewegen kann und sich über die Ergebnisse, die – in diesem Raum oder von einem vollkommen anderen Ort – digital vorgetragen wurden, austauschen kann. Arbeiten in der Cloud wird zunehmend sicherer und immer mehr Daten können von dort abgerufen werden. In diesem Zusammenhang können

OHNE MEETINGS WÜRDEN IDEEN IN DEN MEISTEN FÄLLEN FIKTIONEN UNSERER FANTASIE BLEIBEN Präsentationswände als Zugangspunkte für diese Daten genutzt werden, und die Gestaltung neuer Lösungen für Visualisierung und Interaktion eröffnet die Chance, einen Arbeitsplatz zu erschaffen, an dem Meetings keine Grenzen gesetzt sind.

DESIGN ALS CHANCE RAUM FÜR INTERPRETATION Die Schaffung von Räumen zur Auswertung großer Datenmengen stellt für zukünftige Designer von interaktiven Technologien, Architekturlösungen und Produkten eine riesige Chance dar. MIT DATEN GESTALTEN Big Data eröffnet Designern bereits dahingehend Chancen, dass die offenbarten Muster Einblicke in menschliche Verhaltensweisen erlauben, die vorher nicht verfügbar waren. Wenn Hersteller beispiels­ weise besser verstehen, wie ihre ergonomischen Möbel in der Praxis tatsächlich eingestellt werden, können sie wertvolle Einblicke in die Leistungsfähigkeit ihrer Produkte erhalten.

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WIE DER INTELLIGENTE ARBEITS­ PLATZ NOCH RAFFINIERTER WIRD Techiture im Dienste eines optimalen Designs

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MILLIONEN Machine-to-MachineGeräte im Jahr 2011

Design für das Arbeiten in einer virtuellen Welt bedeutet, dass sich die Regeln der Arbeitsplatzgestaltung ändern und der Arbeitsplatz zu einer neuen Art von Ökosystem wird. Digitalisierte Gebäude und leblose Objekte, die miteinander vernetzt sind und in Echtzeit kommunizieren, gehören bereits heute zu unserem Leben dazu und werden in Zukunft sogar noch präsenter sein. Es gibt mehrere verschiedene Wege, die man einschlagen kann, um zu beobachten, in welche Richtung sich Design entwickelt – und wie der intelligente Arbeitsplatz noch raffinierter wird. Die Idee, dass Technologie in jeden beliebigen Gegenstand eingebettet ist und Objekte dadurch über das Internet, auch bekannt als das Internet der Dinge, kommunizieren können, wird bereits seit einiger Zeit in der Design- und Ideenentwicklung

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implementiert. Im Jahr 2011 gab es bereits 108 Millionen sogenannter Machine-to-Machine-Geräte, die über kabellose Netzwerke rund um den Globus kommunizieren. Bis zum Jahr 2017 wird sich diese Zahl mindestens verdreifachen. Unter diese Kategorie fallen alle möglichen Geräte und Maschinen von Aufzügen über Drucker bis hin zu Bürothermometern. Zu dieser Entwicklung kommt nun noch hinzu, dass Technologie als losgelöst von allen Objekten betrachtet wird, die keine Interaktionsschnittstellen sind. Das Internet der Dinge erfährt hier also noch eine Steigerung. Daraus ergeben sich zwei Designrichtungen für die Zukunft, die beide Chancen eröffnen. Beide Optionen zur Schaffung von Techiture sind jedoch Mittel zum selben Zweck: Das Ausleben eines HightechLifestyles in einer Lowtech-Umgebung. Techiture macht das Büro intelligenter,


→ ES EXISTIERT EINE SICHTWEISE, DASS TECHNOLOGIE ZUNEHMENDE VERÄNDERUNGEN AN UNSERER ARBEITSWEISE FÖRDERN WIRD, DASS WIR IMMER MEHR STANDORTBEZOGENE GERÄTE MIT UNS TRAGEN UND DASS DIE RÄUME, IN DENEN WIR UNS AUFHALTEN, DIGITALISIERT WERDEN. DAS PASST ZUM TREND NAMENS „DAS INTERNET DER DINGE“, DER PROPHEZEIT, DASS DER STATUS VIELER LEBLOSER OBJEKTE IN ECHTZEIT DOKUMENTIERT WIRD, WAS ZU EINER VERMISCHUNG STANDORTBEZOGENER SERVICES UND ERLEBNISSE FÜHRT UND MITARBEIT UND ZUSAMMENKÜNFTEN ALLER ART VORSCHUB LEISTET. DIE GEBÄUDE WERDEN WISSEN, WER SICH IN IHNEN AUFHÄLT UND WAS IN IHNEN VOR SICH GEHT. SIE WERDEN SICH VON EINEM AHNUNGSLOSEN IN EINEN INTELLIGENTEN AUFENTHALTSORT VERÄNDERN. VON DER STÄDTE- BIS HIN ZUR GEBÄUDEEBENE WERDEN INTELLIGENTE DATEN MIT MENSCHEN KOLLIDIEREN. ← PHILIP ROSS, CEO, UNGROUP & UNWORK

In größerem Umfang betrachtet geht es bei Techiture darum, unsere Arbeitsweise aus einer Makroperspektive zu überdenken. Ein Großteil der Arbeitsplatzarchitektur aus der Vergangenheit basiert auf Arbeitsmustern, die immer mehr an Relevanz verlieren. Wie bereits oben erwähnt, bieten digitalisierte Gebäude die Chance, neue Muster über Menschen, deren Arbeitsweise und deren Raumnutzung zu erfahren. Beispielsweise kann

der Designgedanke bei einem Büro der gewesen sein, dass ein Ort für die Zusammenarbeit zwischen vielen Menschen geschaffen werden sollte, im wirklichen Leben aber wird dieser Raum genutzt, um dort allein und konzentriert arbeiten zu können. Der Raum wird also zweckentfremdet. Durch die Erfassung von Echtzeitinformationen in digitalisierten Gebäuden kann dieser zweckentfremdete Raum entdeckt werden und man kann daraus Schlüsse für zukünftiges Design ziehen. Architekten von heute haben zahlreiche Möglichkeiten, um neu zu definieren, welche Bedeutung ein Arbeitsplatz in der erbauten Umgebung hat, vor allem dann, wenn zukünftige Designs auf einem authentischen Verständnis der Arbeits- und Lebensweisen von Menschen basieren.

Techiture

indem es vor allem dafür sorgt, dass Technologie unsichtbar wird und wir flexibler arbeiten können durch einfache Dinge wie weniger Kabel und Steckdosen sowie modernere Geräte wie leere Präsentationswände, die darauf warten, unsere Ideen zu empfangen und in der Cloud zu speichern.

DESIGN ALS CHANCE SPRECHENDE GEBÄUDE Gebäude werden immer intelligenter und wissen, wer sich darin aufhält und was darin geschieht. Diese Daten können Designer nutzen, um besser zu verstehen, welche Gebäudeteile effektiv genutzt werden und welche nicht. Mit diesen Informationen kann der Designer den Arbeitsplatz laufend optimieren, um sicherzustellen, dass er den tatsächlichen Nutzungsmustern der Menschen entspricht.

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CO-CREATION WIE WIR OHNE GRENZEN ZUSAMMENARBEITEN


Radikale Offenheit, totale Transparenz und eine aufgeschlossene Geisteshaltung schaffen die Bühne für Kreation und Zusammenarbeit ohne Grenzen – und Design spielt dabei eine Hauptrolle. Gemeinsam arbeiten und schaffen – überall, jederzeit, in kleinen Unternehmen und großen Konzernen – wird immer einfacher und problemloser. Diese neuen Möglichkeiten beeinflussen das Design und die Gestaltung von kleinen Objekten genauso wie von Arbeitsplätzen und ganzen Gebäuden.


ARBEITSPLÄTZE ZWISCHEN RAUM UND ZEIT Ein Werkzeugkasten für zukünftige Zusammenarbeit ohne Grenzen Virtualisierung und Globalisierung haben eine Umgebung geschaffen, in der Raum und Zeit nicht mehr das sind, was sie einst waren. Arbeiten in dieser neuen Welt bedeutet, sich mit Kollegen aus anderen Funktionen, Standorten, Geschäftsbereichen und Zeitzonen in einer Kultur von Co-Creation und der Massenkollaboration zu verbinden. Hierin liegt eine Kraft, die die Grenzen für das Arbeiten in digitalen Welten noch weiter sprengt und Arbeitsplätze in vielerlei Hinsicht beeinflusst. Organisationen müssen ihre vor­ handenen Arbeitsplätze anpassen und beispielsweise mit mehrfach nutzbaren Räumen, projektbezogenen Zonen und hochmodernen Technologien gestalten, um bewusst die Produktivität zu steigern. Eine Haupttriebkraft für diese Art von Arbeitsplatz ist der einfache Zugriff auf digitale Materialien von jedem beliebigen Ort. Dies fördert die Mobilität und legt den Fokus verstärkt auf Wissens- und Ideenaustausch sowie Vernetzung. Für viele von uns ist das bereits Realität und auch Unternehmen tragen diese Entwicklung. In einer Leesman-Studie gaben 79 % der 70.000 Befragten an, dass der Remote-Zugriff auf Arbeitsdateien und das Firmennetzwerk unterstützt wird. Momentan implementieren verschiedene Unternehmen neue umfassende Initiativen für diese Art von digitalem Zugang. Dazu zählen beispielsweise Google Drive oder die Kollaborationsplattform HP Virtual Rooms, über die Teammitglieder Meetings, Kundenbriefings und

Schulungsveranstaltungen ganz bequem online organisieren können. Trotz dieser Bemühungen sind die meisten Arbeitsplätze jedoch noch immer so gestaltet, dass jeweils immer nur eine Person auf einem Gerät auf ein Dokument zugreifen und dieses bearbeiten kann. Um Massenkollaboration und Co-Creation in vollem Umfang realisieren zu können, müssen die Verhaltensweisen und Sicherheitsmaßnahmen an ein fließenderes Arbeitsmodell angepasst werden, bei dem Vertrauen die Grundlage und Kommunikation der Schlüssel ist. So muss es beispielsweise möglich sein, dass mehrere Personen an der Entwurfsversion einer Präsentation arbeiten können, die in der Cloud vorliegt.

→ ORGANISATIONEN MÜSSEN IHRE VOR­ HANDENEN ARBEITSPLÄTZE ANPASSEN UND BEISPIELSWEISE MIT MEHRFACH NUTZBAREN RÄUMEN, PROJEKT­ BEZOGENEN ZONEN UND HOCHMODERNEN TECHNOLOGIEN GESTALTEN. ←

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Co-Creation

Telepräsenz und intelligente Präsentationswände sind ein integraler Bestandteil solcher Räume, in denen eine offene Design-Zusammenarbeit möglich ist. Der Fokus wird verstärkt auf Präsentationswänden in verschiedenen Formen und Größen sowie auf Lösungen liegen, mit denen digitales Arbeiten überall möglich wird. Die Präsentationswand wird zum wichtigsten Werkzeug und Interaktionsmedium. Auch synchrone Werkzeuge werden in größerem Maße integriert. Video- und Audiokonferenzen, Datenaustausch und Anwesenheitserkennung sind hier als Beispiele zu nennen. Neue Designlösungen für Büros werden diesen virtuellen Arbeitsplatz unterstützen und auch die soziale Komponente von virtueller Zusammenarbeit und von Meetings einbeziehen. An diesen Arbeitsplätzen profitieren Mitarbeiter von mehr

Sicherheit und von neu entwickelten sozialen Praktiken, die Privatsphäre und ungestörtes Arbeiten gewährleisten. Mitarbeiter werden sich von ihrem eigenen Schreibtisch entfernen können und gleichzeitig Zugang zu unzähligen anderen Arbeitsplätzen inner- und außerhalb des Bürogebäudes erhalten. Informationen bezüglich der zukünftigen Produktentwicklung oder Lieferkette, die Unternehmen vorher als streng geheim gehandhabt haben, werden öffentlich zugänglich. In diesem Zusammenhang kann es eine wichtige Rolle spielen, sich über Produktentwicklungen auszutauschen und Kunden daran zu beteiligen. Die Bekleidungsmarke Patagonia ist ein Musterbeispiel für ein Unternehmen, das bereit ist, der Öffentlichkeit einen Einblick in alle Einzelheiten seines Beschaffungs- und Designprozesses zu gewähren. Weltweit dürfen Kunden beim Design mitreden: von den individuell wählbaren Farben für

Sneakers beim NikeID Projekt bis hin zu den neuen Geschmacksrichtungen von Walkers Crisps, die aus einem Kundenwettbewerb hervorgegangen sind. Diese Mitbestimmung ist längst nicht mehr nur ein Trend, sondern gehört für Unternehmen, die das Potenzial von Zusammenarbeit erschließen wollen, zum guten Ton der Geschäftsführung. Im Zuge der zunehmenden Beteiligung von externen Parteien werden sowohl die virtuellen als auch die physischen Räume von Unternehmen immer durchlässiger. Dies birgt im Hinblick auf Sicherheit und Öffentlichkeitsarbeit sowohl Risiken als auch Chancen. Das Konzept des Back Office wird es eventuell nicht mehr geben, da sich Kunden mit Unternehmensmitarbeitern vermischen werden. Deshalb muss sich das Unternehmen überall einheitlich präsentieren, um dieser Art von Vielfalt gerecht zu werden.

→ VIELE GLAUBEN, BEI ARBEITSPLATZDESIGN GEHT ES NUR UM DIE INNENEINRICHTUNG, ABER DIESER BEREICH UMFASST NOCH SO VIEL MEHR. ORGANISATION, TECHNOLOGIE UND FÜHRUNGSSTIL

DESIGN ALS CHANCE

MÜSSEN IN DEN PROZESS EINBEZOGEN WERDEN. ES GEHT UM EIN KOLLEKTIVES VERSTÄNDNIS, DASS EIN MODERNER ARBEITSPLATZ DIE SICHTWEISEN ALLER BETEILIGTEN BERÜCKSICHTIGT. WER EINE KOLLABORATIVE ORGANISATION SCHAFFEN WILL, MUSS AUCH EINE KULTUR DER ZUSAMMENARBEIT FÖRDERN. DAFÜR GIBT ES JEDOCH KEINE SIMPLE FORMEL. DIE HERAUSFORDERUNG FÜR UNS BESTEHT DARIN, ALLE FACETTEN EINES UNTERNEHMENS EINZUBEZIEHEN UND DIE RÄUME DARAUF ZUZUSCHNEIDEN. ←

PER-ARNE ANDERSSON, CEO, KINNARPS

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WECHSELNDE ARBEITSMUSTER VERSTEHEN Die Vermischung von physischer und virtueller Kommunikation an ein und demselben Ort führt zu neuen Designkriterien für Inneneinrichtung, Interaktionslösungen und Produktentwicklung. Die Chance liegt darin, wechselnde Arbeitsmuster zu verstehen und Umgebungen zu gestalten, die diese unterstützen. SICHER UND GESCHÜTZT Eine besondere Herausforderung in dieser neuen Unternehmensform besteht darin, die Sicherheit von Informationen und Räumen zu gewährleisten. Hierin liegt aber auch eine Chance für all jene, die wissen, was zu tun ist, damit andere nicht eindringen können.


Kunden und Unternehmen werden eins Im Zeitalter der Massenkollaboration können wir mehrere Dimensionen von Co-Creation beobachten. Die Hauptaufgabe für Unternehmen lautet, transparent zu werden, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam mit Mitarbeitern und Partnern aus aller Welt einen Designdialog zu initiieren. Indem Nutzergruppen in den Designprozess einbezogen werden, können Unternehmen Bedürfnisse besser verstehen und die Beteiligung anregen. Das gilt nicht nur für Büros, sondern auch für Firmen und deren Kunden. So haben beispielsweise zahlreiche Unternehmen mit ihrer Fangemeinde zusammengearbeitet, um das Potenzial ihrer treuesten Kunden freizusetzen

und auszuschöpfen. Immer mehr Unternehmen führen in ihrem Vorstand mit dem Chief Customer Officer (CCO) eine neue Funktion ein. Diese Führungspersönlichkeit vertritt die Interessen und Standpunkte des Kunden und beeinflusst die Unternehmensstrategien und Kundenbeziehungen über Nutzerschnittstellen, Callcenter und die Beteiligung von Kunden am Innovationsprozess. Unternehmen gehen mit kollaborativen Denkfabriken an den Start oder beteiligen sich an derartigen Strukturen, bei denen das Unternehmen die Masse kultiviert und Kunden dazu motiviert, sich selbst zu organisieren und ihre Ideen in den kreativen Prozess einzubringen. Beispiele für solche Firmen reichen von Nokia und seinen 3D-Druck-Softwaredateien, mit denen Kunden ihre eigenen Handytaschen gestalten und erstellen können, über Uber und seine Zusammenarbeit mit verschiedenen Unternehmen bei Kampagnen bis hin zu Candlewood Suites mit der Initiative „Lending Locker“, über die sich Gäste

Haushaltsgegenstände ausleihen können, die normalerweise nicht in Hotelzimmern zu finden sind. Nicht zu vergessen Kickstarter, wo sich jeder mit einer Idee präsentieren und diese von der breiten Masse finanzieren lassen kann. Diese Liste lässt sich endlos fortsetzen. Die digitale Revolution entfaltet sich weiter und die Welt rückt von Minute zu Minute näher zusammen. Im gleichen Atemzug schreitet auch der beschriebene Paradigmenwechsel weiter voran. Co-Creation und Massenkollaboration werden erst dann wirklich realisiert, wenn Unternehmen und Kunden gemeinsam den Weg für zukünftiges Design ebnen.

→ UNTERNEHMEN UND KUNDEN EBNEN GEMEINSAM DEN WEG FÜR ZUKÜNFTIGES DESIGN. ←

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Co-Creation

DER NEUE DESIGNDIALOG


PERSONALISIEREN ODER NICHT PERSONALISIEREN – DAS IST HIER DIE FRAGE!

Co-Creation

Wer teilt, nimmt Anteil – aber persönlich Personalisierung ist in der Welt der Hacker und Maker unverzichtbar. Die Definition der eigenen Persönlichkeit und Gruppe gewinnt in diesem neuen Zeitalter, in dem Arbeitsräume immer dynamischer und Beschäftigungsverhältnisse immer instabiler werden, zunehmend an Bedeutung. Der Wunsch nach einer Personalisierung unseres gewohnten Arbeitsplatzes mag vielleicht schon immer existiert haben, seit es individuell gestaltbare Räume gibt, aber im digitalen Zeitalter, das von innovativen Technologien, mehr Transparenz und neuen Organisationsstrukturen charakterisiert ist, definieren wir uns selbst und unsere Gruppe anders als in der traditionellen Industriegesellschaft. Wissenschaftliche Studien liefern tatsächlich die Beweise, dass Personalisierung das Erinnerungsvermögen von Mitarbeitern verbessert und dabei hilft, sich Dinge besser und schneller zu merken und für Störungen weniger anfällig zu sein. Gleichzeitig entpuppt sich Activity Based Working (ABW) als universeller Trend, in dessen Zusammenhang weniger Möglichkeiten für eine Personalisierung von Büroumgebungen, insbesondere von Schreibtischen, bestehen werden. Tatsächlich steht das Vorhandensein eines eigenen Schreibtisches für viele einer dynamischen Arbeitsweise entgegen. Viele der ersten ABW-Büros, die vor mehreren Jahren eingerichtet wurden, wirken mittlerweile eher steril und lieblos. Ein Beispiel für eine Organisation, die sich dieser Herausforderung stellt, ist die Kommunikationsagentur The Truth im schwedischen Göteburg. Dort dürfen die kreativen Köpfe ihre eigene Kunst an den Wänden aufhängen und sogar verkaufen. Die Räume können also selbst von den Mitarbeitern gestaltet oder dekoriert werden, Tische und Stühle jedoch sind überall gleich. Das Ziel besteht für eine wachsende Zahl fortschrittlicher Unternehmen darin, gemeinsam nutzbare und dennoch personalisierte Arbeitsplätze zu entwerfen.

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DESIGN ALS CHANCE KULTUR DURCH PERSONALISIERUNG In der gleichen Weise, wie Architekten die Nutzungsformen von Gebäuden verändern, bauen Designer zunehmend Möbel und Produkte aus gefundenen oder upcycelten Objekten und Materialien. Dieser Ansatz wird angesichts der Forderung nach einer nachhaltigeren Welt sogar noch relevanter.


→ INDEM NUTZERGRUPPEN IN DEN DESIGNPROZESS EINBEZOGEN WERDEN, KÖNNEN UNTERNEHMEN BEDÜRFNISSE BESSER VERSTEHEN UND DIE BETEILIGUNG ANREGEN. ←

DER GEMEINSAM GESTALTETE ARBEITSPLATZ IN OSLO

Co-Creation

Als Kinnarps Norway seine neuen Arbeitsplätze in Eiksmarka, Oslo, umgestaltete, entschloss sich das Team, nach den Prinzipien von Next Office, dem Kinnarps Konzept für den aktivitätsbasierten/tätigkeitsorientierten Arbeitsplatz (ABW), zu arbeiten. Alle Mitarbeiter wurden einbezogen und sollten ihre Aktivitäten analysieren, um festzustellen, wo diese am besten erledigt werden konnten und wie viel Zeit dafür pro Tag, Woche und Monat benötigt wurde. Daraus ergaben sich für die Kollegen verschiedene Schlüsse in Bezug auf die Anforderungen an verschiedene Umgebungen und Arbeitsbereiche. Wenn man sich für einen tätigkeitsbezogenen Arbeitsplatz entscheidet, wählt man nicht nur einfach ein Inneneinrichtungsprojekt, sondern verpflichtet sich langfristig zu einem Wandel, bei dem ein Gleichgewicht zwischen selbstständigem Arbeiten und Teamwork, zwischen Meetings und ungestörten Tätigkeiten sowie zwischen Konzentration und Dialog gewährleistet sein muss. Deshalb war es wichtig, den Kinnarps Arbeitsplatz zu nutzen, um die Auswirkungen des Konzepts zu erörtern, zu denen natürlich auch die Zufriedenheit über das gemeinsame Schaffen gehört. → WIR HABEN EINEN TÄTIGKEITSBEZOGENEN ARBEITS­ PLATZ NUR FÜR UNS GESTALTET UND DAMIT EIN BÜRO GESCHAFFEN, DAS SOWOHL UNS ALS INDIVIDUEN ALS AUCH DER GRUPPE GERECHT WIRD. WIR HABEN ALSO FÜR DIE INNENEINRICHTUNG EINE GANZHEITLICHE ERGONOMISCHE LÖSUNG MIT FUNKTIONALEN, FLEXIBLEN RÄUMEN SOWIE EINEM ATTRAKTIVEN DESIGN UND ANSPRECHENDEN FARBKOMBINATIONEN GEWÄHLT. DIESE LÖSUNG FÜHRTE ZU EINER STRUKTURIERTEREN ARBEITSWEISE, DENN WIR ÜBERLEGEN UNS NUN GENAUER, WELCHE UMGEBUNG WIR FÜR DIE JEWEILIGE AUFGABE WÄHLEN. IM GANZEN KÖNNEN WIR UNSERE ARBEITSTAGE DADURCH ABWECHSLUNGSREICHER UND GESELLIGER GESTALTEN, DENN WIR TREFFEN UNS OFT MIT ANDEREN KOLLEGEN IN DEN VERSCHIEDENSTEN SITUATIONEN UND RÄUMEN. ←

LIV TVETER, MANAGING DIRECTOR, KINNARPS NORWAY

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HACKER-KULTUR SETZT AUF CRAFT PUNK DESIGN

Co-Creation

Wie Hacking die Funktionalität verbessert Radikale Offenheit ist der Nährboden für eine äußerst lebendige Grassroot-Kultur aus Makern und Hackern, die Werkzeuge und Plattformen entwickeln, um ihre eigenen Produkte und Designs bzw. die anderer Personen zu erschaffen, zu erneuern oder umzugestalten. Die HackerKultur war lange Zeit auf die typischen virtuellen Räume begrenzt, mit dem Aufstieg der 3D-Drucker stehen Hackern und Makern nun jedoch wie niemals zuvor alle Türen offen, um beide Welten – virtuell und physisch – miteinander zu verbinden. Dieses sogenannte Craft Punk Design hat das Potenzial, eine umfassende Machtverschiebung auf den Märkten von morgen herbeizuführen. Im Rahmen dieser Designbewegung fördern Verbraucher neue Ideen und kaufen die Produkte, die aus Ideen der breiten Masse entsprungen sind. So haben sie die Möglichkeit, den Weg von der Idee zum Produkt zu begleiten und das Angebot an der Nachfrage abzustimmen. Bisher wurden zahlreiche Initiativen und Projekte im Rahmen des Craft Punk Designs in großen digitalen Communities wie Threadless und Etsy in kleinerem Umfang implementiert. Threadless ist eine kreative Community – und ein schnell wachsendes Multimillionen-Dollar-Unternehmen, das Arbeiten von Künstlern entwirft, unterstützt und kauft. Nutzer stimmen für ihre Lieblings-T-Shirts ab und das beliebteste Design wird finanziert, in einer bestimmten Menge produziert und über die Website verkauft. Etsy wiederum vereint kreative Menschen, die Selbstgemachtes wie Schmuck oder Strickwaren verkaufen möchten. Die Produktdesigner auf Etsy fertigen ihre Artikel nach Bedarf und bieten auch Einzelanfertigungen an. Im August 2013 wurden auf diesem digitalen Marktplatz 5,5 Millionen Produkte angeboten.

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↘ DER WICHTIGSTE DURCHBRUCH BEI DER HERSTELLUNG UND BEIM VERTRIEB VON SELBST­ GEMACHTEM IST JEDOCH DER 3D-DRUCKER, AUF DEM JEDER SEINE EIGENEN PHYSISCHEN OBJEKTE ENTWERFEN UND AUSDRUCKEN KANN.

Der wichtigste Durchbruch bei der Herstellung und beim Vertrieb von Selbstgemachtem ist jedoch der 3D-Drucker, auf dem jeder seine eigenen physischen Objekte entwerfen und ausdrucken oder das Design einer anderen Person zum Ausdrucken herunterladen kann. 3D-Druck steckt aber noch in den Kinderschuhen und Einzelpersonen und Firmen experimentieren gerade mit den Möglich­keiten, die diese Technologie bereithält. Einzelhändler und Produzenten erörtern die Chancen und Risiken dieser neuen Technologie, die einerseits noch mehr maßgeschneiderte und personalisierte Produkte verspricht, andererseits aber auch die Gefahr birgt, dass Designvorlagen gehackt und illegal an die Massen verbreitet werden. Die Hacker-Kultur hat darüber hinaus auch neue Dimensionen erreicht, was die physische Welt in Form von Gebäuden betrifft. Neue Bauwerke erfordern Leistungsstrategien, um den Erwartungen und Anforderungen zukünftiger Mieter gerecht zu werden. Vorhandene Gebäude halten


DESIGN ALS CHANCE AN VERHALTENSMUSTERN ORIENTIEREN Wir sollten beim Produktdesign berücksichtigen, wie Menschen sich tatsächlich in ihrer Arbeits­ umgebung verhalten. Ein Design, das auf einem tiefgreifenden Verständnis der Arbeitsplatzkultur und der jeweiligen Geschäftsart basiert, hält enorme Chancen bereit. UNTERSCHIEDLICHE NUTZUNGSFORMEN BERÜCKSICHTIGEN Einrichtungs- und Produktdesigner sollten auf Erfahrungen zurückgreifen, die sie bezüglich der Zweckentfremdung von Design durch Individuen gemacht haben. Produkte und Räume können so offen gestaltet werden, dass sie für verschiedene Verwendungszwecke ausgelegt sind. Dieser Ansatz kann sehr riskant sein, ist aber bei richtiger Umsetzung ein deutlicher Gewinn. UPCYCLING ALS DESIGNKONZEPT jedoch mitunter noch mehr Möglichkeiten bereit, da veränderte Demografien, neue Technologien und alternde Bausubstanzen dazu führen, dass die Bauwerke von gestern saniert werden müssen, um interessant und modern zu bleiben. Für sein Büro in Los Angeles wählte Gensler beispielsweise ein Gebäude im City National Plaza aus, das 1971 für eine Bankfiliale entworfen worden war und bereits seit neun Jahren leer stand. Zahlreiche Nachhaltigkeits- und Designstrategien führten dazu, dass sich eine in die Jahre gekommene Bausubstanz erfolgreich in eine dynamische, leistungsstarke Arbeitsumgebung verwandeln konnte. Gensler gestaltete auch das J. Edgar Hoover Building in Washington D.C. um und schlug einige Veränderungen vor, um das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zu den Maßnahmen gehörten neue Fenster, Innenhöfe, öffentliche Plazas und Eingänge. Dieses Zueigenmachen von Gebäuden und deren Entfremdung vom ursprünglichen Gebrauch hat auch in kleinerem Umfang Relevanz, besonders wenn es um das Arbeitsplatzdesign geht und Individuen Plätze oder Objekte an ihre Bedürfnisse anpassen. Letztendlich gibt es viele gut gemeinte und sorgfältig durchdachte Arbeitsplätze, die auf eine Weise

In der gleichen Weise, wie Architekten die Nutzungsformen von Gebäuden verändern, bauen Designer zunehmend Möbel und Produkte aus gefundenen oder upcycelten Objekten und Materialien. Dieser Ansatz wird angesichts der Forderung nach einer nachhaltigeren Welt sogar noch relevanter.

genutzt werden, die von den Designern nicht beabsichtigt war. So werden Pausenräume lange Zeit nicht genutzt, weil sie einfach zu öffentlich sind oder weil diese Art des Entspannens im Widerspruch zur Unternehmenskultur steht. Andererseits gibt es auch Kollaborationsräume wie bei Google Zürich, die eigentlich für Besprechungen gedacht waren, jetzt aber für zurückgezogenes, konzentriertes Arbeiten genutzt werden. Wir leben in einem Zeitalter, wo Hacking als Umnutzung eines Objekts oder Raums immer mehr akzeptiert wird. Aus dieser Zweckentfremdung können wir wertvolle Erkenntnisse darüber erlangen, wie Orte und Produkte wirklich gestaltet werden sollten.

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HOME SWEET HOME


MIKRO-MULTINATIONALE WIE UNSER VERNETZTES LEBEN RAUM FÜR INDIVIDUELLERE VERBINDUNGEN ZULÄSST


Der moderne Arbeitsplatz zeichnet sich durch Grenzenlosigkeit aus. Menschen bewegen sich ständig von einem Platz zum nächsten, und über die virtuelle Cloud können Aufgaben überall auf der Welt erledigt werden. Dies begünstigt einen Wandel, bei dem die Zunahme unabhängiger Arbeitskräfte – d. h. Freiberufler, Selbstständige, Berater und Vertragsnehmer – den Anstieg von Start-ups und Einzelunternehmen widerspiegelt. Auf der Suche nach geeigneten Arbeitsumgebungen neben Heimbüros und Internetcafés entsteht eine neue Kategorie des Arbeitsplatzes, und die Designbranche zieht bei dieser Entwicklung sofort nach.


FLEXIBILITÄT DURCH LIQUID WORK Arbeitskräfte im ständigen Fluss In der Physik meinen wir mit dem Aggregratzustand jeweils eine der unterschiedlichen Formen, die eine Materie annehmen kann: von fest über flüssig bis hin zu plasma- und gasförmig. In unserer digitalisierten Welt, in der die kreativen Köpfe auf dem Vormarsch sind, hat sich unsere Arbeitsweise von einem eher festen in einen flüssigen Zustand verändert. Informationen fließen wie ein ständiger Strom von Ideen durch unsere digitalen Wasserwege.

In den letzten zehn Jahren haben zahlreiche Unternehmen verschiedene Programme für Co-Creation und Zusammenarbeit eingeführt, was dem Liquid-Work-Konzept im positiven wie auch negativen Sinne Vorschub geleistet hat. Zu den Vorteilen zählen eindeutig die erhöhte Flexibilität und die Verfügbarkeit eines breiten Talentepools. Nachteilig ist, dass diese neue Form des Arbeitens weniger vorhersehbar und sehr schnelllebig ist. Liquid Work mit all seinen Höhen und Tiefen formt jedoch unsere Gesellschaft, und es müssen Designlösungen entwickelt werden, um den Bedürfnissen der Mikro-Multinationalen gerecht zu werden.

HOME SWEET HOME

Doch auch wenn Arbeitskräfte in immer kleineren Einheiten zusammenarbeiten, so besteht noch immer der Wunsch nach sozialer Zugehörigkeit. Wenn man diesem Trend mit

DIE SCHAFFUNG VON RÄUMEN ÜBERALL UND JEDERZEIT IST DER SCHLÜSSEL

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Mikro-Multinationale

Das gilt nicht nur für größere Organisationen, in denen Mitarbeiter frei entscheiden können, wo sie ihre Aufgaben erledigen. Führend bei dieser Bewegung der MikroMultinationalen sind vor allem kleinere Initiativen und Firmen von Freiberuflern bis hin zu Einzelunternehmern, die großen organisatorischen Strukturen den Rang ablaufen und den Weg für Co-working und alternative Arbeitplätze ebnen. Aufgrund dieser Entwicklung werden herkömmliche Büros abgeschafft, und Co-working Plätze und Cafés mit kostenlosem WLANZugang werden immer beliebter.

einem innovativen Design entgegenkommt, profitieren alle Seiten davon. Das soziale Netzwerk Beehive von IBM ist ein Beispiel für eine solche Lösung: Es handelt sich dabei um ein internetbasiertes soziales Netzwerk, über das Mitarbeiter von IBM sowohl auf beruflicher als auch privater Ebene stärker mit ihren Kollegen vernetzt sind.


Mikro-Multinationale

DER KOLLEGE IM CAFÉ „Wo sind sie denn alle?“, könnte man fragen, wenn man ein modernes Büro betritt. Die Antwort lautet: eigentlich sind sie da, aber eigentlich auch nicht. Aus mehreren Gründen wurzelt der Trend der Mikro-Multinationalen in der Fähigkeit, sich zwischen verschiedenen Orten und Räumen zu bewegen und diejenigen Grenzen zu sprengen, die uns in der Vergangenheit hinter unseren Schreibtischen verharren ließen. Die Zahl der Fernarbeitsplätze steigt ständig und wird auch weiterhin zunehmen. Im Jahr 2013 arbeiteten 3,3 Millionen Menschen in den USA von einem Fernarbeitsplatz, und diese Zahl beinhaltet noch nicht die Selbstständigen und unbezahlten Ehrenamtlichen. Studien belegen außerdem, dass Fernarbeitslösungen eine Haupttriebkraft bei der Befähigung, Motivation und Produktivitätssteigerung von Mitarbeitern sind. Gallup fand heraus, das Fernarbeitskräfte engagierter sind als Mitarbeiter, die vor Ort arbeiten. In der virtuellen Welt mit Kollegen aus anderen Funktionen, Standorten, Geschäftsbereichen und Kulturen zusammenzuarbeiten wird in Zukunft zur Normalität werden. Fernarbeit bietet eine abwechslungsreichere Umgebung, eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, flexiblere Arbeitszeiten, weniger Stress, kein Pendeln und bessere Kenntnisse der Technologien. Allerdings braucht man Plattformen und Strukturen, die Co-Creation zwischen diesen Kollegen ohne Grenzen ermöglichen und unterstützen. Design kann hier einspringen. So ist die Atmosphäre

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→ ICH DENKE UND HOFFE, DASS DER ARBEITSPLATZ DER ZUKUNFT KEIN ORT SEIN WIRD, AN DEM SICH MENSCHEN ISOLIERT FÜHLEN. MIR GEFÄLLT DIE IDEE, DASS EIN ARBEITSPLATZ WIE EINE ART GEMEINSCHAFT WAHRGENOMMEN WIRD. ←

LUCA NICHETTO, DESIGNER, LUCA NICHETTO DESIGN STUDIO


bei Citizen Space in San Francisco beispielsweise ähnlich wie bei Google – mit offen gestalteten Arbeitsplätzen, einer Küche und einem wohnzimmerähnlichen Bereich. Hier fühlen sich Solopreneure, Berater und kleine Teams von bis zu vier Personen wohl. Ein anderes Beispiel ist die Firma START in Houston, Texas, die mit ihrem Technologiefokus Menschen aus unterschiedlichen Branchen anzieht. START organisiert Fachveranstaltungen sowie Events und Workshops zum Thema Geschäftsentwicklung und stellt seinen Mitgliedern Mentoren aus der Industrie zur Verfügung.

Das Aufkommen der Mikro-Multinationalen und der Liquid Work führt aber auch zu erhöhter Arbeitsplatzunsicherheit und prekären Beschäftigungsverhältnissen. Der Begriff des „Prekariats“ wurde geprägt und beschreibt eine Gruppe von Menschen mit unsicheren Beschäftigungsverhältnissen, die ihre Jobs häufig wechseln, oftmals lückenhafte Arbeits­ verträge unterzeichnen und in indirekte Arbeitsbeziehungen über Agenturen oder Vermittler gedrängt werden. In Großbritannien beispielsweise gibt es laut dem Office of National Statistics seit Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2013 ganze 10 % mehr Selbstständige, während die Zahl der Angestellten im Land um 434.000 Menschen zurückgegangen ist. Von den Selbstständigen arbeiten ganze 42 % nicht von zu Hause aus. Das Prekariat ist nicht zwangsläufig mit der Arbeiterklasse gleichzusetzen. Angehörige des Prekariats kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten und sind auch in der gebildeten Bevölkerung zu finden. Diese Berufsklasse fühlt sich in vielerlei Hinsicht ausgegrenzt und kann aus diesem Grund der Ursprung für einen grundlegenden Wandel sein. Menschen aus

MEHR FREIHEIT FÜR FREIBERUFLER Etablierte Unternehmen mit einem hohen Anteil von Freiberuflern stehen vor einer interessanten Herausforderung: ihre Arbeitsumgebungen müssen so gestaltet und verwaltet werden, dass die Marke und die Firmenkultur erhalten werden. Designer haben die Chance, Räume zu erschaffen, in denen sich eine Freiberufler-Kultur entfalten kann und gleichzeitig die Markeninhalte des jeweiligen Unternehmens gewahrt bleiben.

Mikro-Multinationale

Die Arbeitsplatzgestaltung war schon immer ein wesentlicher Aspekt des Managements und soll sicherstellen, dass die Mitarbeiter die besten Bedingungen zur Erledigung der ihnen übertragenen Aufgaben vorfinden. Mit der Virtualisierung der Arbeitsplätze ergeben sich neue Herausforderungen für das Design, denn das Management von Mitarbeitern, die zu Hause oder in einem Café tätig sind, erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise sowohl an die analoge auch auch die virtuelle Welt.

DESIGN ALS CHANCE

→ DER ARBEITSPLATZ DER ZUKUNFT KOMMT AUCH OHNE ARBEITGEBER AUS. ← PETRUS PALMÉR, MITGRÜNDER, FORM US WITH LOVE

dem Prekariat wenden sich mitunter von großen Konzernen ab und gründen ihre eigenen neuen, und möglicherweise subversiven, Organisationen. Das Prekariat kann sich zu einer eigenen multinationalen Bewegung entwickeln, die ihr eigenes Design verlangt, um virtuell und über geographische Grenzen hinweg effizient arbeiten zu können.

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29 % ARBEITEN MINDESTENS EINEN TAG PRO WOCHE VON ZU HAUSE AUS.

GEMÜTLICHKEIT IM HOME OFFICE Das neue Liquid-Work-Konzept, bei dem die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen, ist geprägt von Globalisierung, Digitalisierung und Outsourcing. In einer virtuellen Welt mit Kollegen aus anderen Funktionen, Standorten, Geschäftsbereichen und Kulturen zusammenzuarbeiten wird immer mehr zum Normalfall und gestattet das Arbeiten von zu Hause aus. Gleichzeitig scheinen sich viele Arbeitsplätze in freizeitähnliche Umgebungen zu wandeln, in denen Bereiche für entspannte gesellige Zusammenkünfte, Küchen und Räume für zwanglose Besprechungen zur Verfügung stehen. In seinem Atelier in Sydney setzt das Architektur- und Designbüro Woods Bagot auf warmes Holz, Grünpflanzen und auffällige Beleuchtung, um eine wohnliche Atmosphäre zu schaffen, während eine küchenähnliche Theke

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noch mehr Platz für Zusammenarbeit bietet. Es wird auf einen Blick deutlich, dass das Büro immer mehr wie ein Wohnzimmer wirkt. Die Frage, die man sich vor diesem Hintergrund stellen muss, lautet: Wie wirkt sich dies auf die Art und Weise aus, mit der die in diesen Umgebung arbeitenden Personen sowohl ihr Zuhause als auch ihr Büro wahrnehmen? Man darf durchaus annehmen, dass diejenigen, die von zu Hause aus arbeiten, ebenso gern ein förderliches Arbeitsumfeld schaffen wollen wie diejenigen, die im Büro tätig sind. Regierungen haben allerdings damit begonnen, zu regulieren, in welcher Form und wann Heimarbeit akzeptiert wird. In Deutschland hat das Arbeitsministerium zum Schutz seiner Angestellten festgelegt, dass Anrufe durch Vorgesetzte nach Feierabend nur noch in Ausnahmefällen erlaubt sind. In Frankreich setzen sich


→ DIE MEISTEN MENSCHEN KÖNNEN IHR ZUHAUSE KOMFORTABEL, MODERN UND ANSPRECHEND EINRICHTEN, WEIL DER HANDEL MIT GÜNSTIGEN ANGEBOTEN LOCKT. DAS BÜRO MUSS HIER MITHALTEN, DENN WIR ALLE WOLLEN KEINE WELT, IN DER WIR EINFACH NUR LIEBER VON ZU HAUSE AUS ARBEITEN, WEIL ES DORT GEMÜTLICHER IST ALS IM BÜRO. EIN ARBEITSPLATZ MUSS HEUTE DEN GLEICHEN KOMFORT WIE ZU HAUSE BIETEN, INDIVIDUELL GESTALTBAR SEIN, RAUM FÜR PERSÖNLICHE ENTFALTUNG LASSEN UND DAS GEMEINSCHAFTSGEFÜHL FÖRDERN. ← WAYNE HEMINGWAY, GRÜNDER, HEMINGWAYDESIGN

29 % der Angestellten im Jahr 2013 mindestens einen Tag pro Woche von zu Hause aus arbeiten. Drei Jahre zuvor waren es nur 17 %. Wenn man also erfolgreich die besten

Designoptionen für ein gemütliches Home Office umsetzen möchte, muss man alle Aspekte von Wohndesign und traditionellem Office-Design miteinander verknüpfen und in neue Lösungen einfließen lassen.

Mikro-Multinationale

Gewerkschaften dafür ein, dass E-Mails nach Dienstschluss zu unterlassen sind. Indem Technologien zeitweise aus unserem Privatleben verbannt werden, soll symbolisch der andere Teil des arbeitenden Menschens, d. h. der private Bürger, geschützt werden. So wird sichergestellt, dass dieser am Ende nicht stressbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen muss, was wiederum die Sozialsysteme belasten würde. Ein weiterer Aspekt des Arbeitens von zu Hause ist der dadurch entstehende Platz. Wenn beispielsweise in den USA 20 % weniger Büroflächen als bisher genutzt werden, was einem Mietverlust von insgesamt 1,25 Billionen US-Dollar entspricht, würde dieser Nachfragerückgang zu einer Über­ kapazität bei den Büroimmobilien im Wert von 250 Milliarden US-Dollar führen. Um dieser neuen Entscheidungsfreiheit in der Arbeitswelt gerecht zu werden, konkretisieren laut einer aktuellen BenchmarkingStudie zahlreiche Organisationen Programme für „alternative Arbeits­ plätze“, die nicht traditionelle Arbeitsmethoden, -umgebungen und -standorte kombinieren. Auch der Gebäudemanagementsektor lässt verlauten, dass 32 % seiner Angestellten als mobile Arbeitskräfte einzustufen sind, wobei diese 50 oder noch weniger Prozent ihrer Zeit an ihrem Arbeitsplatz verbringen und

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DESIGN FÜR UNTERNEHMENS­ KULTUREN IN EINER SICH AUFLÖSENDEN ARBEITSUMGEBUNG

Mikro-Multinationale

DER POP-UPARBEITSPLATZ

69% 54

DER WELTWEIT TÄTIGEN GEBÄUDEMANAGER, ARCHITEKTEN UND DESIGNER GEHEN DAVON AUS, DASS ARBEITGEBER IHREN ANGESTELLTEN MEHR OPTIONEN FÜR HEIMARBEIT ANBIETEN WERDEN.

Immer mehr Menschen arbeiten sowohl in nicht traditioneller Weise zum Beispiel von zu Hause aus als auch global vernetzt vor Ort oder werden dies in Zukunft tun. Im Zuge unserer zunehmenden Mobilität wird der Bedarf an herkömmlichen Büroflächen immer weiter schrumpfen und zahlreiche Gebäude werden leer stehen. 69 % der weltweit tätigen Gebäudemanager, Architekten und Designer gehen davon aus, dass Arbeitgeber ihren Angestellten mehr Optionen für Heimarbeit anbieten werden. In diesem Zusammenhang wurde das Konzept des Alternative Workplace Arrangement (AWA), also der „alternativen Arbeits­ platz­anordnung“, eingeführt. Die Gestaltung von Arbeitsumgebungen für Mitarbeiter, die von zu Hause aus tätig sind, ist sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance. In Zukunft werden Arbeitgeber vielleicht sogar Fernarbeitskräften ergonomische Möbel zur Verfügung stellen müssen. Eine Herausforderung bei dieser Entwicklung besteht darin, die Unternehmenskultur zusammenzuhalten. Selbst wenn die Möglichkeit, an einem anderen Ort wie beispielsweise zu Hause, im Café oder in der Bibliothek zu arbeiten,


→ DIE SUCHE NACH FLEXIBLEN UND OFFENEN STRUKTUREN, vielen Menschen zu mehr Leistung INNERHALB DERER MAN SEINEN ARBEITSPLATZ FREI verhilft, so kann die mitunter fehlende regelmäßige Interaktion dazu führen, dass WÄHLEN KANN, BIRGT AUCH IMMER DIE GEFAHR, DASS die Unternehmenskultur gefährdet ist DIE KULTUR UND IDENTITÄT DER ORGANISATION ODER oder dass erst gar keine entstehen kann. Aus diesem Grund hat sich Marissa Mayer, ARBEITSUMGEBUNG VERLOREN GEHT. ← CEO von Yahoo, im Jahr 2013 entschieden, jegliche Form des Fernarbeitens von einem INGRID BACKMAN, DESIGNERIN & PARTNERIN, WHITE ARCHITECTS anderen Ort zu verbieten. Stattdessen müssen alle Mitarbeiter von Yahoo vor Ort im Büro sein, da das gemeinsame Arbeiten den Aufbau einer starken und fruchtbaren Unternehmenskultur fördert. Wenn das Büro ein Ort ist, an dem man gerne sein will, dann werden sich die Menschen viel lieber dort treffen als woanders allein zu arbeiten.

DESIGN ALS CHANCE

MIKRO-MULTINATIONALE: DIE MAKROEFFEKTE

Mikro-Multinationale

Es scheint aber dennoch, als würde der Pop-up-Arbeitsplatz weiterhin Bestand haben. Cafés verwandeln sich in Plätze, an denen Berufstätige in einer voll ausgestatteten Umgebung arbeiten können und auch nach Austrinken ihres Kaffees nicht herausgeschmissen werden. In einigen Lokalitäten kann man sogar spezielle Räume zum Arbeiten mieten, sodass die Grenzen zwischen Café und gemeinsamer Arbeitsstätte immer mehr verschwimmen.

Das Aufkommen der Mikro-Multinationalen und die damit zusammenhängenden Auswirkungen auf Büro, Zuhause und alle Orte dazwischen führt zu neuen gestaltungstechnischen Chancen, die darauf ausgerichtet sein müssen, durch digitale Lösungen, innovative Bürolandschaften, neue Führungsstile und den Einbezug von Design gemeinsame Plattformen zu schaffen.

Auch neue Orte des Ungestörtseins werden zunächst von Individuen erobert und schließlich vom Markt erschlossen. Öffentliche Bibliotheken beispielsweise, die in den letzten Jahren immer weniger Nutzer verzeichneten, werden im Zuge des steigenden Bedarfs an Arbeitsumgebungen wieder neu entdeckt. Diese Orte werden heute weniger als Buchausleihe genutzt, sondern vielmehr als ruhiger Ort, an dem Studenten und mobile Arbeitskräfte ungestört arbeiten können. Das Erlebnis des traditionellen Lesesaals wird dank WLAN, Stromanschlüssen und Kaffeemaschinen mit neuem Leben gefüllt. Im neuen – globalen und lokalen – Büro gibt es viele, ungewöhnliche Arbeitsplatzlösungen, aber alle scheinen auf die Mikro-Multinationalen ausgelegt zu sein.

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lorem ipusum


EINE CO-WORKINGGEMEINSCHAFT Unterstützung von Mikro-Multinationalen mit kreativen Arbeitsstätten Um den Arbeitsplatz effektiv umzugestalten, müssen wir unsere Lebens- und Arbeitsweise in einem noch größeren Umfang überdenken, denn dieses Zeitalter der Mikro-Multi­ nationalen verändert unsere gesamte Gesellschaft. Eine Gesellschaft gründet wiederum auf Gemeinschaften, und diejenigen, die für das Co-working gestalten, sind am erfolgreichsten, wenn sie bei ihrem Design das Konstrukt der Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellen. So kann die Vielfalt geschaffen werden, die für interdisziplinäre Zusammenarbeit erforderlich ist.

→ WIR STREBEN DANACH, FORT­ SCHRITTLICH UND KREATIV ZU SEIN. WIR SIND DARAN GEWÖHNT, BEI UNSERER ARBEIT DINGE IN FRAGE ZU STELLEN, UM NEUE LÖSUNGEN ZU FINDEN. DAS IST IN EINER WELT, IN DER VERÄNDERUNG DIE EINZIGE VERLÄSSLICHE KONSTANTE IST, ABSOLUT NOTWENDIG. DIE FÄHIGKEIT,

Auch die Regierung investiert in das Co-working-Konzept, weil es scheinbar das Wirtschaftswachstum ankurbelt. Der neu eröffnete kollaborative Tech Hub „1871“ in Chicago, der von Gensler entworfen wurde, wird teilfinanziert durch einen Zuschuss vom Staat Illinois in Höhe von 2,3 Millionen US-Dollar. Er wird nicht gewerbsmäßig betrieben und soll Anlaufstelle für die sozial aktiven technischen Start-ups der Stadt sein. Diese Unterstützung bezieht sich allerdings nicht nur auf Co-working-­Zentren, sondern auch auf große Konzerne wie Procter & Gamble oder Lego, die bei der Ideenfindung und Produktentwicklung ebenfalls mit Freiberuflern zusammenarbeiten. In den letzten zehn Jahren haben zahlreiche Unternehmen verschiedene Maßnahmen für Co-Creation und Kollaboration eingeführt. Diese Initiativen stecken jedoch noch in den Anfängen. Menschen nutzen leistungsstarke Technologien, darunter auch soziale Netzwerke, mobile Geräte und mobile Bezahlsysteme, um sich zu vernetzen. In allen Fällen erhalten sie voneinander genau das, was sie brauchen, und müssen nicht auf ineffiziente Unternehmen zurückgreifen. Dieser Peer-to-Peer-Handel befähigt die Masse, wie ein Unternehmen zu agieren, und durchbricht traditionelle Geschäftsmodelle.

SICH AUF NEUE BEDINGUNGEN EINZUSTELLEN, IST HEUTE WICHTIGER ALS JEMALS ZUVOR, SOWOHL FÜR UNS ALS AUCH FÜR UNSERE KUNDEN. ←

Mikro-Multinationale

Aktuell gibt es 500 Co-working-Plätze in den USA und etwa 1.300 weltweit. Die meisten von uns brauchen nicht die ganze Zeit einen Schreibtisch. Nach zwei Jahren der gemeinsamen Nutzung von Schreibtischen und Equipment haben sich 72 % der Co-working-Plätze rentiert. In Grand Rapids im USBundesstaat Michigan haben vier große, nicht konkurrierende Unternehmen gemeinsam das Design-Zentrum Grid70 entwickelt, in dem die Kreativität aller Beteiligten gesteigert wird. Der Impact Hub umfasst offene Co-working-Plätze in mehr als 60 Städten weltweit, an denen Unternehmen zusammengeführt werden, um Kontakte zu knüpfen und gemeinsam zu arbeiten und zu gestalten.

PAULINA LUNDSTRÖM, MARKETING & COMMUNICATIONS DIRECTOR, KINNARPS

DESIGN ALS CHANCE EINZIGARTIGE EINHEITEN FÖRDERN Die steigende Nachfrage nach Co-workingPlätzen leistet Designoptionen Vorschub, die auf bestimmte Aufgaben oder Branchen abgestimmt sind. Diese Orte sollen nicht allgemeiner Natur sein, sondern die Marke jedes einzelnen MikroMultinationalen reflektieren, die Vernetzung fördern und die Aufgabenerfüllung unterstützen.

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UNSER WEG ZUM DESIGN DER ZUKUNFT

Auf den vergangenen Seiten sind wir in die Technologien, Verhaltensmuster, Strukturen und Demografien eingetaucht, die im bevorstehenden Jahrzehnt der Vielfalt eine tragende Rolle spielen werden. Dadurch wollten wir die Chancen erörtern, die unsere neue Arbeitslandschaft bereithält.

lorem ipusum

Wir haben Techiture ergründet und sind der Frage nachgegangen, wie die Beziehung zwischen Technologie und Architektur dazu führt, dass Büros scheinbar von der Bildfläche verschwinden. Wir haben diskutiert, wie sich die digitale Welt auf allen Ebenen auf unsere Zusammenarbeit auswirkt. Wir haben darüber nachgedacht, wie sich Wellness als das neue Grün entpuppt und wie Erkenntnisse aus der Psychologie dabei helfen, den Designansprüchen von introvertierten und extrovertierten Persönlichkeiten gleichermaßen gerecht zu werden. Schließlich haben wir unsere Gedanken zu den Themen Hacker-Kultur und Craft Punk Design geteilt und darüber sinniert, wie diese Trends beeinflussend und störend wirken können. Von der Biologie im Büro bis hin zu den Mikro-Multinationalen: Dies sind nur einige der Entwicklungen, die uns erwarten. Wir leben in einem spannenden Zeitalter und es ist an der Zeit, dass wir unsere Arbeitsumgebungen mit neuen Augen betrachten und uns an eine neue Perspektive heranwagen. Vielfalt sollte dabei unser Ansatzpunkt sein. Lösungen für gemeinsames Arbeiten, die eine Brücke schlagen zwischen Technologie, Architektur, Psychologie und Physiologie, werden in einem von Vielfalt geprägten Jahrzehnt der Schlüssel zu modernen Arbeitsplätzen und Lebensräumen sein, die echtes Design für Alle bereithalten.

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ÜBER KINNARPS Kinnarps ist ein schwedischer Hersteller von Inneneinrichtungen, der innovative wie inspirierende Komplettlösungen für Arbeitsumgebungen anbietet. Aktuell sind wir europaweit Marktführer in unserer Branche und verfügen zudem über Niederlassungen in 40 Ländern auf der ganzen Welt. Im Vordergrund stehen für uns Nachhaltigkeit, Wohlbefinden und Erfolg für all jene, die in den von uns entworfenen Umgebungen an den unterschiedlichsten Arbeitsplätzen tätig sind. Wir überwachen den gesamten Prozess von der Konzeption über die Produktion bis hin zum Vertrieb und zur Montage, um höchstmögliche Effizienz und erstklassige Qualität mit einer guten Umweltverträglichkeit zu erreichen. Dank unserer mehr als 70-jährigen Tradition in der Branche verfügen wir über einen reichen Kompetenz- und Erfahrungsschatz. Darüber hinaus analysieren wir kontinuierlich, welche Trends Auswirkungen auf das Arbeitsumfeld von morgen haben werden. Auf diese Weise erhalten Sie das bestmögliche Ergebnis: einen Arbeitsplatz, an dem Ihre Mitarbeiter zufrieden sind und durch den Ihr Unternehmen gedeiht. Mit anderen Worten möchten wir für Sie ein gutes Arbeitsumfeld schaffen.

REFERENZEN: Bücher: Cain, S. (2013). Still: Die Kraft der Introvertierten. Goldmann Verlag. Knight. C. (2013). Mad Women: Herstory of Advertising. Olika Förlag. Plumbe, C. et al. (2010). Innovating with People – The Business of Inclusive Design. Norwegian Design Council; 1. Ausgabe. Sandberg, S. (2013). Lean In: Frauen und der Wille zum Erfolg. Econ. Standing, G. (2015). Prekariat: Die neue explosive Klasse. Unrast.

Artikel: Fischer, Nicolas Gustave et al. (2004). Effect of the self-schema on perception of space at work. Journal of Environmental Psychology. Vol 24, Issue 1, pp. 131-140. Guida, A. et al. (2009). The personalisation method applied to a working memory task: Evidence of long-term working memory effects. European Jounal of Environmental Psychology. Vol. 21, Issue 6, pp. 862-896.

Forschungsarbeiten: Leesman Index Oktober 2014 – 70.306 Befragte

Links: www.gov.uk/government/news/four-generation-workplaces-on-the-rise-as-report-revealsthe-future-of-work www.en.wikipedia.org/wiki/Aging_in_the_American_workforce www.cipd.co.uk/pm/peoplemanagement/b/weblog/archive/2014/03/24/prepare-for-4g-agediverse-workforce-now-cipd-urges-employers.aspx

www.hbr.org/2009/09/the-female-economy www.economist.com/node/6800723 www.fortune.com/2014/07/08/women-ceos-fortune-500-1000/ www.youtube.com/watch?v=XX4xFjZPezA www.idrc.ocad.ca/index.php/about-the-idrc/49-resources/online-resources/articles-andpapers/443-whatisinclusivedesign www.pwc.co.uk/en_UK/uk/human-resource-services/issues/the-rising-cost-ofabsence-sickbills-cost-uk-businesses-29bn-a-year.jhtml www.theguardian.com/media/2010/aug/07/social-networking-friends-lonely www.berginsight.com/ReportPDF/ProductSheet/bi-globalm2m4-ps.pdf www.ccocouncil.org/site/defining-the-cco.aspx www.web-strategist.com/blog/2014/04/04/graphic-a-timeline-ofcorporations-in-thecollaborative-economy/ www.watson.ibm.com/cambridge/Projects/project2.shtml www.stjohnstreet.net/why-conventional-offices-are-on-the-way-out-andalternative-workspaces-are-on-the-rise/ www.freshbooks.com/blog/2014/01/30/coworking-space-should-you-run-yourbusiness-fromone/ www.business2community.com/human-resources/14-tools-productive-virtualteam0724033#!F88tu www.costar.com/News/Article/Changing-Office-Trends-Hold-Major-Implications-for-FutureOffice-Demand/146580 www.kingscross.impacthub.net/about-us/

BILDER: Evert F. Baumgardner – National Archives & Records Administration (S. 30). iStock (S. 13-14, 53), Verschiedene andere Bilder von Kinnarps. Illustrationen. Elin Svensson – NU Agency AB.


Wir möchten Ihnen neue Perspektiven und Einblicke in die Arbeitswelt von morgen geben und erörtern, wie Design diese Zukunft mitgestalten kann. Wir hoffen, Ihnen mit diesem Bericht die notwendigen Kenntnisse und Anregungen zu geben, um den Wandel, den die Arbeitswelt derzeit durchmacht, besser nachvollziehen zu können. In unserem vorherigen Bericht haben wir die acht Veränderungen beschrieben, die wir als besonders wichtig erachten. Eine dieser Veränderungen lautete „Vom sichtbaren Design zum Designdenken“. Hierbei ging es um die Annahme, dass die zukünftige Arbeitsplatzgestaltung deutlich anders aussehen wird als heute und dass erfolgreiche Unternehmen den Bürodesignprozess auf eine wissenschaftlichere Weise angehen werden. Bei unseren Trendforschungen für diesen Bericht haben wir uns entschlossen, diese Thematik noch weiter zu ergründen, denn damit sind zahlreiche spannende Facetten verbunden, die zweifelsohne eine Auswirkung haben werden. Deshalb lautete die wichtigste Frage, die wir uns, unserem Kinnarps Trend Team und mehreren internationalen Experten stellten: Welche Chancen hält das Jahrzehnt der Vielfalt für die Arbeitsplatzgestaltung bereit? Die Ergebnisse aus unseren Kinnarps Future Lab Workshops haben wir in fünf Trends zusammengefasst:

DESIGN FÜR VIELFALT – Wie Design die Bedürfnisse vieler erfüllen muss BIOLOGIE IM BÜRO – Wie sich unsere Arbeitsumgebung an Körper und Geist anpasst TECHITURE – Wie analoge und digitale Architektur den Arbeitsplatz der Zukunft gestaltet CO-CREATION IM ZEITALTER DER MASSENKOLLABORATION – Wie wir ohne Grenzen zusammenarbeiten MIKRO-MULTINATIONALE – Wie unser vernetztes Leben Raum für individuellere Verbindungen zulässt Diese fünf Trends werden unser Arbeitsleben jeden Tag aufs Neue grund­ legend und in vielerlei Hinsicht verändern. Smart Design lautet das Schlag­ wort bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen und Lebensräumen, die auf das Zeitalter der Vielfalt zugeschnitten sind. Mehr Informationen zu den Trendanalysen von Kinnarps erhalten Sie unter: www.kinnarps.com/trend

Kinnarps Trend Report 2 - German  
Kinnarps Trend Report 2 - German