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nr. 45 april / mai 2012 chf  6,00  (schweiz) eur 4,00 (deutschland) eur 4,50  (österreich) eur 8,00  (nederland)


Pakt


auftakt Sportskanonen – Eine Ausgabe über gesteigerte Körperbewegungen

Lieber Leser. Du bist erhitzt. Du bist nass. Du zitterst. Du bewegst dich. Schneller. Seitdem sich die alten Griechen in sportlichen Wettkämpfen übten, die Naturisten dem Körperkult durch Leibesertüchtigung huldigten und Aerobic in den Wortschatz frustrierter Hausfrauen einzog, hat sich die gesellschaftliche Haltung gegenüber freiwillig ausgeübter Anstrengung viele Male geändert. Geblieben ist das Verlangen nach Züchtigung, Kontrolle und Narzissmus. Warum du dich aber deswegen in eine Phalanx von keuchenden Muttis auf dem Laufband im Fitnessstudio einreihen musst, bei Pilates und Power Yoga deine Pfunde verlieren möchtest, oder als Extremsportler auf federnden Stelzen durch die Grossstadt hüpfst, bleibt schleierhaft. Täglich ein paar wenige Meter mehr zu Fuss oder auf dem Fahrrad würden da schon Wunder wirken. Spar dir dein Geld für den Personal Trainer und mach lieber nach zügigem Aufstieg ein paar Liegestützen auf dem Uetliberg. Der bewegungsgierigen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Du rennst, läufst, joggst und spurtest. Und dann bist du erhitzt, nass und zitterst. Na toll, du Sportskanone. Deine unbewegliche kinki Redaktion

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www.tigerhill.de


Anker– feat. My Heart Belongs To Cecilia Winter

Strasse

heart

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I

kinki braucht deine Stimme! Denn wir möchten uns mit unserem Videobeitrag zur ‹Swatch from the Streets› Competition gegen unsere internationale Konkurrenz behaupten. Besuche einfach kinkimag.ch und erkunde im Kurzfilm von Jan Gassmann zusammen mit der Band My Heart Belongs to Cecilia Winter die Zürcher Ankerstrasse. Wir sehen uns dort!

kinki

competition

I heart Ankerstrasse

magazin


98

inhalt

standard

Auftakt 03 Inhalt 10 Neuzeit 12 kinkimag.ch 18 Klagemauer 20 Kopfkino 92 Blattmacher 94 Int. Beziehungen 106 Maske 108 Abo / Impressum 112 Ghettofaust 114

report

Wortlaut: Patrick O’Dell 30 Tour of Eritrea 32 Kraft im Kopf 38 Der Traum vom Rollstuhl 46 Querschläger: Walter Scheibli 50 Unsere Nati A 52

musik

Interview: Breathe Owl Breathe 70 Verhör 72 Interview: Modeselektor 74 Vorspiel 78 Interview: First Aid Kit 80 Interview: Speech Debelle 82

Sculpture Study Rachel de Joode

22

Kann mir einer das ... Andrea Olivo

mode

‹Kann mir einer das ...› von Andrea Olivo 22 Come back, sneaker ... 54 Interview: Julian Zigerli 58 ‹Kick the habit› von Stefan Giftthaler 84 Sport + Design = Fine 96 ‹Sculpture Study› von Rachel de Joode 98

kunst

‹Sieg und Niederlage› von Laurent Perbos 40 ‹Fat Nation› von Zed Nelson 62 Schauplatz: Addict Galerie, Paris 110 kooabaisiert [ Ergänzungsmaterial auf kooaba.com ]

kinki inhalt

58

Interview: Julian Zigerli

Der Schweizer Modedesigner Julian Zigerli überzeugt auch diesen Sommer wieder mit formschöner Herrenmode. 10

80 Interview: First Aid Kit

Eigentlich ist man die Mischung aus Folk und Country eher von bärtigen Mannsbildern gewohnt. Die zierlichen Schwestern von First Aid Kit zeigen, dass dieses Klischee Schnee von gestern ist.


zugabe

Andrea Olivo

Marisa Burn-Pichler

Den gebürtigen Südafrikaner Andrea Olivo zog es vor neun Jahren nach Mailand, wo er mittlerweile, nach einigen Jahren als Kaffee kochender und Equipment wuchtender Assistent, als Fotograf für internationale Kunden Fuss gefasst hat. Ausserdem porträtiert der 31-Jährige auf seinem Blog andyolivescastingcouch.blogspot.com all die hübschen Damen, die auf seiner Couch Halt machen – das Kaffee kochen hat sich definitiv gelohnt! – S. 22

Nach ihrem Abschluss als Dipl. Interaktionsleiterin FH arbeitete Marisa Burn-Pichler als Stylistin und gründete 2007 ihren Blog Hopehope. Es folgte ein Online-Magazin und kürzlich auch ihre Kreativ Agentur Hopehope Studio. Für diese Ausgabe inszenierte sie Retro-Basketball-Sneakers, die sie an ihre Teenagerzeit erinnerten. Ärgerlich nur, dass es die schönsten Sneaker-Farben und -Formen nicht in ihrer Schuhgrösse 37, sondern erst ab Grösse 40 gibt! Liebe Sneaker Brands, think about it! Marisas Mode-Picks sowie Einblicke in ihre Kreativprojekte könnt ihr jederzeit auf hopehope.ch erhaschen. – S. 54

Bianca Leppert

Arci Friede

Eigentlich war unsere Autorin Bianca Leppert gerade dabei, eine Reportage über Transsexualität zu schreiben. Doch als sie bei ihrer Recherche auf die Krankheit BIID stiess, liess das Thema sie nicht mehr los. Freiwillig behindert sein? Das ist doch verrückt. Nach langer Suche, die viel Fingerspitzengefühl erforderte, traf sich die 27-Jährige mit Hendrik, dem Protagonisten ihrer Reportage. Danach musste Bianca ihre Vorurteile begraben. Denn sie lernte einen sympathischen Mann kennen, der so gar nicht verrückt auf sie wirkte. Mit Vorurteilen kennt sie sich bestens aus. Wenn sie erzählt, dass sie als Formel 1-Reporterin um die Welt tourt und zugleich für Frauen- und Lifestylemagazine Reportagen und Porträts schreibt, erntet sie wegen der aussergewöhnlichen Kombination nicht selten fragende Blicke.– S. 46

Seit zehn Jahren ist Arci Friede als Kulturunternehmer tätig. Seine Agentur Yuhzimi ist Anteilseignerin am Club Bonsoir, Mitstifterin der Galerie MILIEU und Betreiberin des Bilderblogs 7000words.com. Friede konzipiert Themenmagazine für einen Jugendverlag, betreut das House-Duo Mercury und hat eben seinen ersten Dokumentarfilm veröffentlicht. Seine Reportage ‹Tour of Eritrea› erzählt von den Dreharbeiten mit dem Bahnrad-Athleten Patrick Seabase im isolierten Kleinstaat am Horn von Afrika. Arci Friede lebt in Bern. – S.32

Sieg und Niederlage

40

Laurent Perbos

52 Unsere Nati A

Wie nahe die politischen Gesinnungen und sportlichen Leidenschaften unserer Politiker sich liegen, verrät uns Natalie Gyöngyösi. 11


neuzeit

agenda

04

03.4. – 19.05. monika dillier / hanspeter hofmann Stampa Galerie, Basel 04.04. – 15.05 schwedenwochen Verschiedene Locations, Bern

Bums dein Bike? Oder doch lieber Fixieficken? Bei Bike Smut ist alles möglich!

fick dein fahrrad filme, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten: Schnell gedrehte Handykamera-Rad-Flirt-Filmchen neben aufwendig produzierter Fahrraderotik, Schmuse-FahrradSex neben Hardcore-SM-Penetration mit Fahrradteilen – AmateurDarsteller neben Porno-Profis. Die Kurzfilme, die bei ‹Erotic Bicycle› gezeigt werden, gibt es nicht online oder als DVD zu erwerben, sie werden nur exklusiv auf der Veranstaltung selbst gezeigt. Nach einem erfolgreichen Jahr 2011 ruft Bike Smut bis zum 30.04.2012 Fans und Gleichgesinnte dazu auf, neue Filme für die nächste Tour einzureichen, die unter anderem nach Brasilien führen wird.

Was ist die Gemeinsamkeit zwischen Menschen, die Sex haben und die Fahrrad fahren? Beide sind Verkehrsteilnehmer und klar im Vorteil, wenn sie deutliche Zeichen geben, um ans gewünschte Ziel zu kommen. Das Kurzfilmfestival ‹Erotic Bicycle› des Künstlerkollektivs Bike Smut aus Portland, USA, bringt Sex und Fahrrad zusammen. Bike Smut, das sind Burlesque-Tänzerin Poppy Cox, Kurator Reverend Phil und Koordinatorin Liberty Sprocket. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit ihrem Kollektiv möglichst viele Menschen auf der ganzen Welt für ‹Bike-Sexuality› zu begeistern. Mit ‹Erotic Bicycle› waren sie 2011 auf EuropaTour, gezeigt wurden von Fans eingereichte Fahrrad-Fetisch-Kurz-

(vcd) bikesmut.com

pecha kucha Pecha what? Pecha Kucha ist eine Alternative für alle, die langwierige und -weilige Vorträge mit Abschweifen oder Einnicken quittieren. Im Format 20 x 20 bringen Pecha Kucha Nights Projekte aus Kunst, Mode, Design, Architektur und Wissenschaft ins Rampenlicht: Jeder Referent darf sein Projekt mit 20 Bildern illustrieren und dazu je 20 Sekunden referieren, das macht insgesamt prägnante 6 Minuten und 40 Sekunden. Entwickelt wurde das Format von den Architekten Astrid Klein und Mark Dytham – Premiere hatte es 2003 an einer Designveranstaltung in Tokio –  und wird mittlerweile weltweit durchgeführt. In Zürich findet die nächste Pecha Kucha Night am 18. Mai im kinki neuzeit

Rahmen der ewz Selection (Unterwerk Selnau) statt und kreist dabei thematisch um das Bild als Weltzugang, Wissensform und Werkzeug. Von den verborgenen Windungen des Gehirns bis zu den urbanen Ruinen unserer Gegenwart – mit zwölf abwechslungsreichen Präsentationen werden die Besucher zu einer Entdeckungsreise durch die vielfältigen Dimensionen unserer visuellen Kultur geladen. Übrigens: Neben der Vortragslänge ist auch die Möglichkeit, an einer Pecha Kucha Night Alkoholisches konsumieren zu können, in der Regelung festgelegt: ‹It's about thinking and drinking›. Sympathisch, nicht? (fr) pecha-kucha.org/night/zurich

12

04.04. – 29.07. freitag out of the bag Museum für Gestaltung, Zürich 20.04. holmes / solander Restaurant Viadukt, Zürich 20.04. pony pony run run La Laiterie, Strasbourg 22.04. zeus Kaserne, Basel 24.04. wallis bird Kaserne, Basel 24.04. peasant Henrici, Zürich 26.04. – 26.05. joe bradley – pigpen Galerie Eva Presenhuber, Zürich 28.04. bowerbirds El Lokal, Zürich

05 03.05. jack stoiker Abart, Zürich

03.05. – 20.05. milena gysin: hinter verbrannten türen Foyer der Feuerwehr, Winterthur 03.05. – 28.05. world press photo 2012 Papiersaal, Zürich 05.05. – 06.05. kreislauf 4 & 5 Zürich 20.05. the miserable rich Café Mokka, Thun 23.05. neon indian Mascotte, Zürich 25.05. theo parrish Dachstock, Bern


Stilsicher gewandet durch den Zürcher Frühling: Street-Files.

stilsicheres dreierlei Tag für Tag wird es für den modernen und jungen Mann einfacher, sich gut einzukleiden. Heimliche Stossgebete und das simple Bedürfnis, sich – auch als Mann – zeit-

gemäss und ausgewählt zu kleiden, ohne den Billigschweden zu mimen, wurden erhört. Denn zumindest in der Stadt Zürich gibt es drei gute Adressen, wo Männer auf kleinstem

Raum eine Auswahl an Brands und Designs zwischen Streetwear, Klassikern und Hipster-Apparel vorfinden, die maskulines Einkaufen so viel effizienter gestalten als feminine Shoppingstreifzüge. In Zürich übernimmt diese Funktion zum Beispiel der Shop Street-Files, der feinste urbane Kleidung und Accessoires bietet und sich seit neuestem – tadaaaa – auf drei Standorte erstreckt. Einen Katzensprung von der Boutique an der Badenerstrasse 129 wurde bei Nummer 131, wo 2007 alles begann, der kleinflächige Street-Files Mini-Mart wiedereröffnet. In diesem Zuge wurde der grössere Store zum Flagship geschlagen und für Labels des gepflegten Stils wie Ontour, Suit, Penfield, Sperry und Sandqvist auserkoren, etwas sportivere oder skatetaugliche Labels wie Sixpack, New Balance und Vans wurden dem kleineren zugeteilt. Und wer auf

Schnäppchenjagd gehen möchte, der findet – ebenfalls nur ein paar Gehminuten entfernt – an der Ankerstrasse 11, unterhalb von Hum Records den temporären Street-Files Discount, wo es nicht nur ausrangierte Kleider, sondern auch exklusiven, upcoming Stuff vergünstigt zu ergattern gibt. Und weil das alles so schön verlockend und ein Grund zum Feiern ist, verlosen wir 20 Einkaufsgutscheine im Wert von CHF 20.–, schreibt einfach eine Mail mit eurer Adresse und Betreff ‹Street-Files› an wettbewerb@kinkimag.ch und sichert euch einen stilsicheren Zustupf. Ach ja, der Webstore steht ebenfalls frisch poliert allen Gehfaulen und OnlineShoppern zur Verfügung. (fr) Badenerstrasse 129, 131 und Ankerstrasse 11, 8004 Zürich street-files.com

geniale babys Die neuen Baby-G Uhren von Casio sind da! Wir haben das Lookbook schon mal für euch beschnuppert. Positiv aufgefallen sind uns darin neben der neuen Stücke die kindlichen Illustrationen des Berliner Künstler- und Designkollektivs Klub7. Sie umrahmen die Bilder des jeweiligen Modells und erklären die Features. Wie zum Beispiel eine Batterielaufzeit von bis zu sieben Jahren (!) oder Spezialfunktionen wie Kälteunempfindlichkeit, Mineralglasgehäuse und LED-Licht. Die Baby-G gibt’s in allen Farben, die das uhrenliebende Herz begehrt, von Mitternachtsblau bis Knallgelb. Die coolen Babes sind eine erfrischende Abwechslung für alle, die eine Uhr haben möchten, welche aus der Masse heraussticht. (as) baby-g.eu

Modisch und fast unzerstörbar: die neuen Baby-G Uhren sind da.

Die Möbel-Boutique ‹Einzelstück› hält, was der Name verspricht.

unikate für zu hause man am besten mit Einzelstücken, die es seit der Neueröffnung im Vintage-Möbelladen ‹Einzelstück› in Zürich gibt. Tolle Unikate für jedes Budget warten dort auf neue Besitzer. Im Vordergrund der Einzelstück-Philosophie steht vor allem Recycling, Handmade, Nature und Fairtrade. Neben Vintage-Möbeln mit Patina stehen ebenso hochwertige Mode-Accessoires wie Schmuck, Taschen oder Schals, unverwechselbare Home-Deko (Kissen, Bilderrahmen, Spiegel) und

Der Frühlingsputz erobert die Wohnung im Sturm, dabei fällt auch mal das eine oder andere Möbelstück der Müllabfuhr zum Opfer. Wer sich aber von Altem trennen kann, darf sich auch auf etwas Neues freuen. Oder auch etwas Altneues? Glücklicherweise gibt es auch noch Möbelstücke, die keinen zungenbrecherischen skandinavischen Namen tragen und in jeder Nachbarswohnung anzutreffen sind. Das eigene Heim schreit schliesslich nach Individualität. Diese erreicht 13

vieles mehr, was das Heim noch schöner macht, zum Verkauf. Vintage-Liebhaber sollten sich deshalb eine Stöberrunde in der einzigartigen Boutique an der Müllerstrasse 34 im Zürcher Kreis 4 gönnen. Und wer’s zu Hause schon so gemütlich hat, dass er sich schwer tut, die eigenen vier Wände zu verlassen, der kann einige der hübschen Sachen auch schon mal auf dem einzigartigen Blog bestaunen. (sp) einzelstueck.ch


kinki presents giana factory Die Skandinavier schon wieder. Manchmal möchte man wirklich gerne wissen, welches Kraut im hohen Norden wächst und wie genau man es sich einverleiben muss, damit dieses Mass an Kreativität und eigensinniger Exzellenz erreicht werden kann. Wir hören auf zu hinterfragen und freuen uns einfach darüber, der kinki Gemeinde ein weiteres Stück der dänischen Freigeist-Torte zum Genuss freizugeben. Zwischen dem 29. April und dem 5. Mai entführen uns die drei Damen von Giana Factory in ihren psychedelischen Soundgarten, lassen Individuen erblühen und schlummernde Tanzgeister erwachen. Lebensweisheiten gibt’s in Form des Album-Titels dazu: ‹Save the Youth› vereint Düsterkeit mit glühender Atmosphäre und lässt

Synthies mit beseelten Melodien verschmelzen. kinki präsentiert Giana Factorys Streifzug durch Deutschland und die Schweiz und lädt zur Feiereinheit mit garantiertfulminanter Frühlings-Ekstase. Und wenn du den prachtvollen Noir-Pop und die beneidenswert stilsichere Kostümwahl der Däninnen for free erleben willst, kriegst du auch das von uns. Schreib eine Mail mit dem Betreff ‹Giana Factory und gewünschtem Konzert› an wettbewerb@kinkimag.ch und gewinne. Für folgende Events halten wir je 2 x 2 Eintrittskarten bereit. (mb) gianafactory.dk

29.04.12 Hamburg, Molotow 02.05.12 Berlin, .HBC 03.05.12 Dresden, Thalia Kino 05.05.12 Zürich, X-Tra

Giana Factory nehmen dich mit ins Regenbogenland.

nix für pferde Wenn sich zwei erstklassige Modelabels zusammentun, kommt meist etwas Gutes dabei heraus. Auch wenn das eine davon eigentlich für Reitermode steht. Die Rede ist hier von den beiden britischen Brands Pointer und Lavenham. Beide haben in Kollaboration für die Frühlingssaison ein Schuhmodell kreiert. Und weil der typische Lavenham-Stoff an Schuhen so gut aussieht, entschlossen sich die Briten, gleich noch eine passende Tasche, ein iPad-Case, eine Laptop-Tasche, eine Jacke und ein SonnenbrillenCase zu designen. Wer eines der Teile ergattern möchte, sollte sich allerdings sputen. In diesem Sinne: Hü! (sp) pointerfootwear.com lavenhamjackets.com

Das Siegerbild der World Press Photo 12 von Samuel Aranda.

weltenbilder

Hoppe, hoppe Reiter: Die Accessoires von Pointer und Lavenham stehen auch allen anderen.

kinki neuzeit

Tunesien, Ägypten, Libyen und dem Jemen dokumentierte. Eine 19-köpfige internationale Jury hat aus Tausenden von Pressefotografien aus 124 Ländern eine Auswahl getroffen. Alle prämierten Bilder werden vom 3. bis zum 28. Mai 2012 im Rahmen der Wanderausstellung World Press Photo 12 im Zürcher Papiersaal zu sehen sein. Öffentliche Führungen gibt es jeweils sonntags. Die Ausstellung wird zudem von einem spannenden Rah-

Anfang Februar wurde das World Press Photo des vergangenen Jahres erkoren. Das berührende Siegerbild zeigt eine jemenitische Mutter, die ihren bei den Protesten gegen den jemenitischen Präsidenten Saleh verletzen Sohn umsorgt. Aufgenommen wurde es vom spanischen Pressefotografen Samuel Aranda, der den Arabischen Frühling in 14

menprogramm begleitet. Am 8. Mai erzählt der dänische Fotograf Jan Grarup aus seinem Alltag als Fotograf in Kriegs- und Krisengebieten und reflektiert die Rolle des Fotojournalismus. Am 15. Mai zeigt der in Südafrika lebende, gebürtige Amerikaner Roger Ballen seine Arbeiten, die menschliche Abgründe in inszenierter Umgebung beleuchten. Sehenswert! (mm) worldpressphoto.org


reykjavík calling Innerhalb von weniger als zwei Jahren vom Flugbegleiter zum gefeierten Accessoires-Designer, dessen Kollektionen bereits verkauft sind, bevor sie überhaupt produziert wurden: Dass der Jungdesigner Florian T. einen ziemlichen Senkrechtstart hingelegt hat, ist keine Neuigkeit. Neu ist aber, dass er im Januar 2012 seine jüngste Kollektion von hinreissenden Lederbijoux lanciert. Wo bisher vor allem die Portemonnaies und Handtaschen das Herzstück seiner Kollektionen bildeten, entwarf der Zürcher in seiner Kollektion Reykjavík kleine Lederaccessoires, die er persönlich bis dato auf dem Markt vermisst hatte. Und das waren kleine, aber feine Goods wie Reisepasshüllen, Businessbrieftaschen in diversen Grössen, iPhone-Hüllen und Kartenetuis in allen Farben des Regenbogenfisches. Die kleinen Schätze wurden aus Fischleder vom atlantischen Lachs, Wolfsfisch aus Island,

Florian T. entwirft Lederbijoux in allen Farben des Regenbogens.

Nilbarsch oder Talipa aus dem Victoriasee gefertigt. Alle Fische stammen aus nachhaltiger Züchtung und so sind die Stücke aus der Reykjavík Kollektion nicht nur extrem hübsch anzusehen, sondern tragen auch ihren kleinen Teil zur Erhaltung der Artenvielfalt in den sieben Weltmeeren (und ausserhalb) bei. Erhältlich bei Grieder Conceptstore, Mary Jane Vintage, Monsieur Dubois, La Lotta Boutique und Opia, allesamt in Zürich. (ad) floriant.ch

einer für alle, alle für etwas Städtevernetzer Ron Orp bringt das Crowdfunding in die Schweiz! 100-days.net ist eine Website, die Projektinitiatoren und ihre Finanzierer zusammenbringt. Veranstaltungen, Bücher, Studio-Umbauten oder ein neues Fotoequipment  – dies sind nur einige Dinge, die durch dieses moderne System realisiert werden können. Doch was sind die Gründe für die steigende Beliebtheit dieser besonderen Art der Finanzierung? In erster Linie ist es vor allem eines: Einfach. Denn man kann bequem über Paypal, SMS oder alle anderen OnlineZahlungsmittel als ‹Booster›, sprich Investor eines Projekts aktiv werden, ohne mühsames Login oder dergleichen. Gleichzeitig entdeckt man viele tolle, kreative Projekte, die man direkt unterstützen und mitfinanzieren kann, so hat man das Resultat seiner Bemühungen immer

im Blick. Die Partner von 100-days, Ron Orp und Fair Give sorgen dafür, dass dein Projekt genug virtuelle Augen zu sehen bekommen, gewähren Datenschutz sowie den fairen Umgang mit deinem Geld. Eine grossartige Chance also, um auch speziellen Projekten eine Plattform zu geben. Wie der Name schon sagt, dauert jede Aktion 100 Tage, Studien haben nämlich gezeigt, dass die meisten Projekte in dieser Zeit finanziert werden und auch der eigene Elan nicht endlos verfügbar ist. Nach Ablauf dieser Frist bekommen erfolgreiche Initianten ihr gesammeltes Geld, abzüglich einer Bearbeitungsgebühr, ausgehändigt. Sollte das Projekt trotz aller guten Umstände scheitern, bekommen die Investoren ihr Geld zurück – ganz nach dem Motto ‹Ausser Spesen nichts gewesen›. (as)

www.sobe.ch / info@sobe.ch Official and exclusive distributor Official and exclusive distributor

100-days.net

15 Kinki_APRMAY2012.indd 1

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urbaner kunststreich

art is in the house Die Ausstellungsreihe ‹Sofort Kunst!› hat es sich zur Aufgabe gemacht, Umbau- und Abrissgebäude zur künstlerischen Zwischennutzung zu verwenden. Dass ein leeres Haus und eine Handvoll ausgewählter Künstler durchaus eine interessante Mischung ergeben können, bewiesen die Macher bereits im vergangenen November in Zürich Höngg. Vom 20. April bis zum 4. Mai geht das Projekt in die zweite Runde: An der Bülachstrasse 4 in Oerlikon werden sich insgesamt 18 nationale und internationale Künstler mit Zukunft und Vergangenheit der Immobilie

München hat mehr zu bieten als Brez’n, BMW und Brathendl.

Vom 3. bis 6. Mai verwandelt sich das Areal der Münchner Praterinsel in eine Spielwiese für artistisch versierte Farbjongleure. Zum sechsten Mal geht dort die Stroke Art Fair über die Bühne – dieses Mal in ehrwürdigen Höfen, Hallen und Gewölben. Mit zum Konzept der urbanen Kunstmesse gehört das regelmässige ‹Städtlein-wechsledich›-Spiel. Im Rhythmus der gemässigten Jahreszeiten offerieren die Brüder Marco und Raiko Schwalbe mal in Berlin, mal in München junge Kunst – umgarnt von vielen äusserst verlockenden SideEvents. Die Stroke verschreibt sich frei von Konventionen neuen Talenten und vergibt für wenig Geld Plätze an Künstler deutscher und internationaler Galerien. Man stösst dort deshalb auf eine breite und interessante Mischung digital getünchter Kunst, Musik und Live-Spektakel. Und da Frühlingssonne nur mit Biergarten-Zeit konform gehen kann, ist die bayrische Brez’n-, BMW& Brathendl-Metropole München wohl die einzig richtige Wahl. Denn die strapazierte, vom Staunen ausgedörrte Kehle lässt sich ja bekanntlich nur damit beruhigen: rauen Mengen kühler Hopfenweizen-Plörre. So mögen wir das.

Auch Max Grüter zeigt an der Ausstellung ‹Sofort Kunst!› seine Kunst.

sofortkunst.ch

looky looky

(mb)

Die Verwirrung ist gross, wenn man versucht, die neue Online-Plattform für kontemporäre Mode bei Google ausfindig zu machen. Denn Lookk mit Doppel-O und Doppel-K will vielleicht auch einfach nicht vom gemeinen Volk gefunden werden. Gegründet in London von Menschen aus der ganzen Welt, trachtet die Website nach modischen Novitäten, fresh und clean aufbereitet für die fashion-hungrige HipsterSchar. Auf Lookk bewerben sich Labels, die bisher bloss die eingestaubten Herzen einiger BranchenInsider im Viereck tanzen liessen. Und auf Lookk kann man sich die aktuellen Kollektionsbücher der künftigen Überflieger nicht nur ansehen, man darf sich den heissesten Scheiss aus den neuesten Designs mit etwas Glück sogar nach Hause holen. Und wenn man die Mode eines Designers gar so gut findet, dass man sich entschliesst, dessen Jünger zu werden, gibt’s Spezialangebote und exklusive Teile manchmal sogar für Lau in den zahlreichen Wettbewerben zu gewinnen! Beteilige dich am Spass im virtuellen Mode-Reigen und verliere dich auf der Odyssee durch das Lookbook-, Magazin- und Shopping-Universum mit Namen Lookk. (mb)

stroke-artfair.com

lookk.com

kinki neuzeit

auseinandersetzen und die leeren Räumlichkeiten in Kunsträume verwandeln. ‹In tha house› sind unter anderen die Schweizer Künstler Max Grüter, Alex Schauwecker und Stefan Rohner sowie der Holländer Wink Withold. Das Programm umfasst zahlreiche Ausstellungen und Kunstaktionen, vorbeischauen lohnt sich also. Das Projekt ‹Sofort Kunst!› findet übrigens in Kooperation mit der Galerie Fishpiece statt. Wer mehr dazu wissen will, macht sich am besten auf der Website sofortkunst.ch schlau. (rb)

Gut versteckt, für euch gefunden: Die Mode-Plattform Lookk.

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Mehr Sein als Schein

Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu. Fumer nuit gravement à votre santé et à celle de votre entourage. Il fumo danneggia gravemente te e chi ti sta intorno.


kinkimag.ch

skaterkids Der unbewusste Ausdruck und die Verletzlichkeit, die durch die Existenz in einer Gruppe oder am Rande einer Gruppe entstehen, sind Themen, die Nikki Toole immer wieder in ihre Arbeiten einfliessen lässt. So auch bei ihrem aktuellen Projekt, für das die in Melbourne lebende Fotografin junge Skater in den USA, England, Japan und Europa fotografiert hat. Die Porträts sind noch bis

zum 29. April 2012 in der National Portrait Gallery of Australia ausgestellt. Nikki Toole dozierte in London, Edinburgh, Paris und den USA Fotografie und kulturelle Identität, und ihre Arbeiten finden sich in zahlreichen privaten Sammlungen auf der ganzen Welt. Einige ihrer Skater-Porträts hat Nikki Toole auch kinki zur Verfügung gestellt, zu sehen sind sie diesen Monat auf unserer Website!

we like to move it

Der deutsche Fotograf Philipp Jelenska kommt bei Shootings auch mal ins Schwitzen, besonders dann, wenn er gleichzeitig vor und hinter der Kamera steht und auch noch sportliche Aktivitäten vorführt.Für die kinki Sportausgabe setzte sich Jelenska ein Schweissband auf, nahm sich die Trillerpfeife zur Brust und schwang energisch den Badmintonschläger. All dies, obwohl er privat Sportarten mit einem Brettchen unter den Füssen bevorzugt. Zu sehen gibt’s die schweisstreibende Modestrecke auf kinkimag.ch.

priti baiks Dass nicht nur Hipster-Fixies Style haben, stellt der Fotogaf José Castrellón aus Panama mit seinem Projekt ‹Priti Baiks› unter Beweis. Der junge Fotograf hat sich in zahlreichen Städten und Strassen Panamas auf die Suche nach Männern gemacht, die ihr wichtigstes Transportmittel kreativ aufpimpen. Mit viel Einfallsreichtum und (auch finanzieller) Hingabe dekorieren die jungen Männer ihr liebstes,

meist bescheidenes Gefährt mit Hupen, Boxen oder religiösen Symbolen. Zu Castrellons Zielen gehört es, kulturelle Eigenheiten und Bewegungen innerhalb von Gesellschaften aufzuzeigen und zu dokumentieren. Die Porträts der stolzen Bike-Besitzer zeigen die Identifizierung und Selbstdarstellung über das sportliche, praktische und vermutlich unabdingbare Fahrrad auf.

rer Homepage antreten. Dort geht es unter ‹magazin› weiter mit sportiver Unterhaltung in Form von Musikinterviews, Künstlerporträts und sehenswerten Bildstrecken.

Ausserdem erwartet euch eine kinki Playlist aller Heft-Contributors, die sich besonders gut zum Sporttreiben eignet. Ausgeruht wird später!

work it out Nachdem ihr euch durch unsere Sportausgabe geackert habt, werdet ihr euren gestählten Körper wie ein Latexband dehnen können und gleich den Homerun zu unsekinki kinkimag.ch

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Prêt-à-porter. Die neue A-Klasse und Tanja La Croix in einem Kleid von Enna Sue. Erlebe und fahre als Erster die neue A-Klasse. Einfach QR-Code scannen und registrieren.


klagemauer Beim Tanzen mal wieder von der Freundin ausgelacht geworden? Deine Arme sind länger als deine Beine? Dein Nachbar stellt Nacktfotos von dir ins Netz? Egal was dich gerade stresst oder nervt: Auf kinkimag.ch unter ‹Klagemauer› kannst du Dampf ablassen. Die besten Einträge werden hier veröffentlicht.

leise für sich alleine abzugehen, weil alle pennen nachtmensch | wenn ich an der garderobe arbeite, und gäste die in paaren kommen fragen ob sie wohl ihre jacken zusammen abgeben könnten. dass ihr dünne jacken trägt im frühling, ist total irrelevant! ist mir und dem kleiderbügel echt egal. 2 franken pro person pro bügel. und taschen separat. chummelerlaubnis | ist das eigentlich ein naturgesetz, dass männer NIE ein smilie verwenden, sondern wenn überhaupt diese retardierte ‹haha› und ‹hehe› benutzen? und wisst ihr eigentlich wie lahm man sich euch dann vorstellt, haha? passiv-aggressiv | haha ich hasse diese smileys PAUL | im rezept stand 70min backen. ich bin jetzt bei 120 und s ist immer noch nicht ganz gut. betty lügt | Das das Wetter IMMER besser als meine Laune ist. bämbäm | erst ab 11 produktiv zu werden, gutes timing! coco| Hör auf, mich kaputt zu machen und mir im nächsten Atemzug zu sagen, dass du mich vermisst. So funktioniert das nicht. Zephyr | lampe verloren kein licht | als überzeugter atheist eine hausarbeit zu einem religiösen thema schreiben zu müssen und den standpunkt der kirche nicht kritisieren zu können, weil der dozent, der die arbeit benotet, orthodoxer theologe ist! lorbeer | wurstfinger schon wieder söckli | als überzeugter christ eine hausarbeit zu einem religiösen thema schreiben zu müssen und den standpunkt der christen kritisieren zu müssen, weil der dozent, der die arbeit benotet, atheist ist! erdbeer | hunger aber angst vor kotz krank | ich will, dass er will. sobald er will denk ich will ich? dann siehts aus als würde er nicht mehr so richtig wollen und ich will wieder, unbedingt! stellt sich als missverständnis raus, er will. will ich? die blöde unfähige kuh | wenn man mit seiner affaire schluss macht, weil sie mit ihrem freund schläft, ist auch was falsch gelaufen oder? phils | all i need is love...!!! lifeisabitch | SCHEISS FRÜHLING pulsewidthmodul | draussen sonne. blauer himmel. see. drinnen keine sonne. kein blauer himmel. kein see. buhu. sniff | er ist ein verdammtes arschloch. immer wieder. und ich überzeug mich selbst vom gegenteil | von wegen das auge ist mit. s'kann auch lecker aussehen und kacke schmeken. millies cookies | ich hab so ne schöne traumwelt, ich brauch gar keine realität mehr. Anonymous | xtrazone schickt die sms nicht lomo | ohne Aldi-Pizza leben müssen :( Lidlfan | ich kann mich schon bald nicht mehr an meinen letzten positiven gedanken erinnern. grundlos | ich könnte jetzt schreiben was mich nervt, oder es eben doch bleiben lassen. PAUL | @Lidlfan, geniesse lieber noch migros & coop pizzas, in zehn jahren wirst du nämlich aldi & lidl immer noch haben … nur die anderen beiden nicht mehr. gina | kinki klagemauer

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www.keds.de • facebook: Keds D/A/CH


kinki mode

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Andrea Olivo

Kann mir einer das Wasser reichen 23


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Bikini: Tosca Delfino

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Bikini: La Perla

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Bikini: American Apparel 

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One piece: Missoni

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Bikini: Individuals 

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One piece: Tosca Delfino

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Bikini: Lisa Marie Fernandez Goggles: Nike

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Bikini: Betsey Johnson Photography Andrea Olivo Styling Vanessa Cocchiaro Hair and Make-up Sarah Mierau Model Lotta @ Models Plus Milano

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wortlaut das 10 minuten interview

Patrick O’Dell: ‹Im Skateboarding sind viele schräge Vögel unterwegs.› Interview kinki magazin: Hallo Patrick, hoffentlich geht es dir wieder besser. Erzähl uns mal, wie es dazu kam, einen Foto-Blog mit sehr persönlichen Aufnahmen von dir und deinen Freunden ins Leben zu rufen. Muss man denn eine exhibitionistische Ader haben, um so etwas zu tun? Patrick O'Dell : Vermutlich schon. Ich hatte eben einfach so viele Fotos, die ich nicht verwerten konnte, dass ich mir dann dieses Format überlegt habe. Das heisst, ich habe die Fotos immer nach bestimmten Themen sortiert und jeder BlogEintrag ergibt eine abgeschlossene Serie. Man hat sonst nirgendwo die Möglichkeit, seine Bilder so zu zeigen. Zu Beginn habe ich jeden Tag einen neuen Eintrag hochgeladen, weil ich auch jeden Abend unterwegs war und neue Bilder mitgebracht habe. Heute gehe ich höchstens zweimal die Woche in Bars oder auf Partys, alleine deswegen kann ich den Blog nicht mehr ständig aktualisieren. Ich habe auch nicht mehr so viel Zeit, seitdem ich Epicly Later’d als TV-Format mache.

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er New Yorker Skateboardfotograf Patrick O’Dell ist in seinem 36jährigen Leben schon ziemlich herumgekommen: Patrick wurde in St. Louis geboren und zog wegen des Berufes seiner Eltern alle zwei Jahre in eine andere Stadt. Unter anderem hat es ihn auch nach Hongkong verschlagen, wo er als 13-Jähriger das Skaten für sich entdeckte. An der amerikanischen Schule in Hongkong lernte Patrick ein paar Jungs kennen, die ihm die ersten Tricks beibrachten. Als er kurze Zeit später nach Columbus, Ohio, zog und dort in die Highschool gehen sollte, beschloss er, sich eine eigene Ramp hinter das Haus seiner Eltern zu bauen. Das war der Beginn einer langen kinki wortlaut

Du hast ja auch viele deiner Freunde in ziemlich privaten oder unangenehmen Situationen fotografiert, wie zum Beispiel den übel zugerichteten Ed Templeton. Waren die dann nie sauer darüber? Eigentlich nie. Ed bat mich sogar, in diesem Moment Fotos zu machen. Und sonst frage ich die Leute immer vorher. Sie wissen, was auf sie zukommt, wenn sie mit mir rumhängen. Es soll ja allen Spass machen. Ausserdem bekommt man durch den Blog oft einen falschen Eindruck von meinem Leben. Ich lebe ja auch zwischen den Partys. Natürlich trifft man in New York einen Haufen interessanter Leute, wie Schauspieler und Künstler und ich wurde auch schon zu Partys mit der Limousine abgeholt und wir haben Champagner getrunken. Aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt meines Lebens.

Reise vom Skateboarding zur Fotografie und letztlich zur eigenen Fernsehsendung. 1996 zog Patrick nach San Francisco, wo er das Art Institute besuchte und alles zu fotografieren begann, was ihm vor die Linse kam. Neben seiner Arbeit fürs Thrasher Magazine nahm er mit der Zeit auch kommerzielle Aufträge an. Nicht zuletzt durch seinen Fotound Videoblog Epicly Later’d und diverse Aufträge für namhafte Magazine wie Vice oder Self Service machte sich Pat auch ausserhalb des Skate-Business’ bald einen Namen. Trotz vollem Terminkalender und einer überstandenen zweiwöchigen Krankheit fand Patrick Zeit, mit uns über seine Arbeit zu sprechen. 30

Während der Fotoblog Epicly Later’d im Internet sehr viele Aspekte aus deinem Leben zeigt, ist die gleichnamige Sendung als Online-TV ganz stark Skateboardlastig. Was denkst du, warum auch Leute, die nicht skaten, sich die Sendung so gerne ansehen? Ich glaube, weil sie so nerdy ist. Ich stelle mir vor, dass mein typischer Zuschauer ein 28-jähriger Skater ist. Für den mache ich die Sendung. Und weil im Skateboarding auch viele schräge Vögel unterwegs sind, schauen sich das auch NichtSkater gerne an. Wenn ich mir zum Beispiel eine Sendung über die Hell’s Angels und ihre Motorräder angucke, ist das ja auch interessant, obwohl ich keine Harley habe. Das liegt an unserer voyeuristischen Ader. Wenn man sich aber im Fernsehen etwas über Skateboarding anguckt, wird dort über die Klamotten und Tattoos der Skater oder den Hip-Hop-Trend diskutiert. Die versuchen einen SkateboardLifestyle zu verkaufen und das ist dann eher langweilig und unglaubwürdig. Unsere Show ist ehrlich, wir zeigen Skateboarding für Skater. Welche Personen würdest du ausserhalb des Skateboardings gerne mal fotografieren? Den Musiker Will Oldman aka Bonnie ‹Prince› Billy, den ich mal in einer Bar getroffen habe und so sprachlos war, dass mir die Knie zitterten und ich meinen Mund nicht aufbekam. Und natürlich Morissey, den ich schon so oft bei Konzerten fotografiert habe, aber noch kein Porträt mit ihm machen konnte. Und natürlich Elvis Presley, wenn das möglich wäre ... Text und Interview: Matthias Straub Foto: Matt Draper / The Holloweyed


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04 – 06 July 2012


Der Schweizer Fixie-Fahrer Patrick Seabase auf der Strasse von Asmara nach Massawa.

kinki report

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Tour of Eritrea

Ein Velo-verrücktes Land, das kaum einer kennt und de jure erst seit 1993 existiert: Eritrea. Für ein filmisches Porträt über den Schweizer Bahnrad-Athleten Patrick Seabase schien der isolierte Kleinstaat am Horn von Afrika die ideale Kulisse zu sein. Wir haben die Dreharbeiten vor Ort verfolgt. Text: Arci Friede, Fotos: Yuhzimi

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s ist 3:05 Uhr morgens, als der Airbus A320-100 auf der Landepiste des Asmara International Airport aufsetzt. Kaum einer von uns ist nach der insgesamt vierzehnstündigen Reise müde. Die Ungewissheit, die bei einem jeden Reisenden kurz vor dem Ziel den Adrenalinspiegel spürbar hochgehen lässt, wirkt auf uns. Die Reisehinweise des Departements für auswärtige Angelegenheiten kommen uns in den Sinn: Eritrea ist quasi immer noch im Kriegszustand und hält sich jederzeit bereit für eine Invasion äthiopischer Streitkräfte, welche das Land schon einmal, 1961, damals unter dem Kommando von Haile Selassie, eingenommen hatten und dreissig Jahre lang besetzt hielten. Eritrea ist isoliert, Verbündete hat es nur wenige und die, die es hat, spielen oft die Rolle der Hitzköpfe und Bösewichte auf der weltpolitischen Bühne. Die wohl einzige positive Anerkennung durch die Vereinten Nationen gebührt Eritrea für seine engagierte Vermittlung im Friedensabkommen zwischen der sudanesischen Regierung und den Rebellen des Ostsudan. Mit Medienleuten aus dem Westen hat das Land schlechte Erfahrungen und umgekehrt. Später werden wir noch erfahren, dass erst letztes Jahr ein skandinavisches Filmteam, unter dem Vorwand, eine Reportage über Land und Leute realisieren zu wollen, auf einem ländlichen Friedhof einen Pornofilm abgedreht hat. Andere solche Geschichten, wahr oder unwahr, manche mit gar bösem Ausgang, haben uns schon während der Reisevorbereitungen verunsichert, so dass wir auf ein mehrstündiges bürokratisches Prozedere bei der Einreise eingestellt sind.

unbeschädigt überstanden hat – eigentlich unsere Hauptsorge – kümmert uns in diesem Augenblick auch ein wenig. Doch der Spuk ist schnell vorbei. Kein Verhör, nichts wird beschlagnahmt, keiner abgeführt. Um 4:00 Uhr früh, kaum eine Stunde später, fahren wir in drei Taxis Richtung Innenstadt, zu unserem Hotel. Obwohl wir alle müde sind von der langen Reise, kann kaum einer von uns schlafen. Bei Patrick scheint der Rausch der Vorfreude so unerträglich, dass es ihn bereits um halb sechs auf die noch leeren Boulevards und Strassen der Stadt treibt. Wochenlang hat er sich auf dieses Abenteuer eingestellt. Mit der kühnen Abfahrt vom eritreischen Hochland an die Rotmeerküste will Patrick sich weiter emanzipieren von der urbanen Fixie-Szene. Für ihn ist das Fahren mit starrem Gang und ohne Handbremsen schon lange nicht mehr nur eine Frage der Ästhetik. Spätestens, seit er mit seinem Carbon-Bahnrad den Simplonpass und das Stilfser Joch bezwungen und es beim Motorpace auf eine Spitzengeschwindigkeit von 83 Stundenkilometern gebracht hat, umgibt ihn der Nimbus eines Extremsportlers.

‹Ich denke nicht, dass du das richtige Fahrrad mitgebracht hast.›

Das Team erhält einheimische Unterstützung.

Ankunft in Asmara

Bei der Überquerung des spärlich beleuchteten Rollfelds hin zur Ankunftshalle spitzen sich die bangen Gedanken bei einem jeden von uns zu. Das Gespenst von unbarmherzigen Zollbeamten, die unser Material konfiszieren und uns ohne weitere Erklärung am Flughafen festhalten, verscheucht die fröhliche Ausgelassenheit, die uns seit Genf begleitete. Die kühle Nachttemperatur auf 2 300 Meter über dem Meer nehmen wir kaum wahr. Und die Frage, ob Patricks Carbon-Fixed-Gear-Prototyp die Reise 33


Italiener, die das Land von 1890 bis 1941 als Kolonie hielten. Die Aussicht ist atemberaubend, als wir in einer breiten Kurve zum Stehen kommen. Bis ans Ende des dunstigen Horizonts reihen sich fast musterhaft angeordnet karg bewachsene Bergkuppen, über manche kriechen wie im FastMotion-Modus fransige Wolkenzüge. Patrick kriegt von diesem Bild kaum etwas mit. Er ist mit dem Strassenbelag beschäftigt, hebt Kiesel hoch, lässt sie durch die Finger gleiten und wieder zu Boden fallen, scharrt mit den Schuhen in Schlaglöchern und beobachtet den Verkehr, der in dieser Stunde aus überladenen Lastwagen, Reisebussen, Fussgängern und gemütlich schreitenden Tierherden besteht. Eine Gruppe einheimischer Radsportler fährt zügig nach Asmara hoch. Ihre professionelle und teure Ausrüstung irritiert uns. Waren wir nicht in einem der ärmsten Länder der Welt?

Ein Volk von Radfahrern Lastwagen, Reisebusse und Fussgänger teilen sich die enge Strasse.

Der Radsport und die wohl schönste Strasse Afrikas sind ein Erbe der Italiener.

kinki report

Dass er als weltweit erster Fixie-Fahrer von Red Bull individuell unterstützt wurde, hat diesem Image nicht nur zusätzliche Schärfe verliehen, sondern Patrick auch die Möglichkeit gegeben, weiter zu gehen. In diesem Fall bis nach Eritrea – in ein kleines, unbekanntes, fahrradverrücktes Land mit den Topographien und Klimazonen eines gesamten Kontinents. Asmara, Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum Eritreas, wird als die sauberste und sicherste Stadt auf dem afrikanischen Kontinent beschrieben. Die Architektur im Stadtkern ist neoklassizistischen und futuristischen Stils, die Strassen sind gekehrt. Es dauert kaum einen Tag, und wir haben Bekanntschaften geschlossen, die unsere Reise und Arbeit in Eritrea nachhaltig positiv prägen werden.

Das Erbe der Italiener

‹Ich denke nicht, dass du das richtige Fahrrad mitgebracht hast. Es ist besser, wenn ich dir mein Rennrad dafür leihe. Das hat Gänge und Bremsen›, sagt Biniam Asmellash. Patrick hat ihm gerade erzählt, dass er hier sei, um mit seinem Carbon-Bahnrad von Asmara nach Massawa zu fahren. Es ist Tag zwei und wir stehen in einem von drei Fahrradgeschäften, die der umtriebige Exil-Eritreer in seiner alten Heimat betreibt. Der Wahl-Londoner ist, wie wir, für zehn Tage in Eritrea. Er will in seinen Geschäften nach dem Rechten sehen und die Aktivitäten der Eritrean Cycling Union, deren Vorstandsmitglied er ist, weiter vorantreiben. ‹In Eritrea gibt es neun Ethnien und drei grössere Religionsgemeinschaften: die Orthodoxie, den Islam und den Katholizismus. In der Begeisterung für den Radsport kommen wir alle zusammen›, erzählt uns Biniam, als er uns in seinem alten VW Golf aus der Stadt an den Rand des Hochplateaus fährt. Er will uns die Strasse nach Massawa zeigen, um Patrick doch noch davon zu überzeugen, die Strecke mit einem strassentauglichen Rennrad zu fahren. Beides, der Radsport und die ‹wohl schönste Strasse Afrikas›, sind ein Erbe der 34

Am Abend in einem traditionellen Restaurant - wir essen Lammeintopf mit Injera, ein landestypisches säuerliches Fladenbrot aus Teffmehl empfängt uns Michael Tkue, Profi beim Team EriTel, in das manche Familien ihr ganzes Vermögen investieren oder gar Schulden machen, um ihren Kindern eine Radsportkarriere zu ermöglichen. Patrick scheint abwesend. Er hängt den Szenen von heute Nachmittag nach. Die Strassenverhältnisse nach Massawa sind kritischer als gedacht. Schon am dritten Tag weiss die halbe Stadt von ‹diesem verrückten Radfahrer aus Europa, der ohne Handbremsen die Strasse nach Massawa fahren will›. Das haben wir einerseits unseren Dreharbeiten auf der Harnet Avenue zu verdanken, Hauptschlagader der Stadt und wohl einzige Strasse im Land, auf der das Fahrradfahren verboten ist, und andererseits Biniam. Ihn hat inzwischen der Eifer gepackt, uns ein möglichst authentisches und vielschichtiges Bild von der schier obsessiven Leidenschaft dieses Volkes für den Fahrradsport zu vermitteln. Biniam hat einen Termin mit der eritreischen Radrennsportmannschaft vereinbart. Zunächst verläuft das Treffen harzig. Die Fahrer scheinen müde und stellen sich halbherzig für die lokale Presse in Pose. Beim ersten Annäherungsversuch von Patrick reagiert das Nationalteam steif. Erst als ihnen Patricks puritanisches Fahrrad auffällt, wird die Unterhaltung engagiert. Schliesslich lässt sich das Team für eine spontane Fahrt durch die Strassen von Asmara begeistern. Wer in Eritrea im Radsport erfolgreich ist, hat Möglichkeiten. So wie Daniel Teklehaimanot, afrikanischer Meister 2010, der auf Einladung des Internationalen Radsportverbands mehrere Monate in der Schweiz trainierte und jetzt hofft, erneut ein Trainingsprogramm bei der UCI in Aigle absolvieren zu können. Dass Patrick, ein Schweizer, nach Eritrea gekommen ist, um hier Rad zu fahren, freut ihn, sagt er uns. Fügt aber hinzu: ‹Die Strasse nach Massawa ist gefährlich. Selbst mit einem Strassenrennrad mit Bremsen und Leerlauf ist es eine Herausforderung›.


Die Strassenverhältnisse nach Massawa sind kritischer als gedacht. ... die wahre Herausforderung für Patrick sind die engen Bergstrassen.

Die Strassen Asmaras sind gut ausgebaut, ...

Patrick Seabase im Training mit dem Profi-Team EriTel.

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N ach Westen

Auf dem Weg in Richtung Westen überholen und kreuzen wir zig Radsportler, die allein oder in Teams unterwegs sind. Auch hier ist jeder gut ausgerüstet. Wir sehen Männer, die kleines Schlachtvieh und Nahrungsmittelsäcke auf ihren Gepäckträgern transportieren; Kinder, die zu dritt auf einem rostigen Mountainbike den Hang runterrollen. Fahrräder überall. Es heisst, es gäbe 500 000 im ganzen Land. 6:00 Uhr morgens in Keren. Die Dämmerung hat kaum eingesetzt. Wir warten auf unser Frühstück und auf unsere Fahrer. Beide kommen verspätet und die Fotografen in unserem Team werden nervös. Sie wollen die goldene Stunde, das perfekte Licht zwischen 7:00 und 8:00 Uhr, nicht verpassen. Die Strasse von Keren in die nächste Talebene sei spektakulär. Kurvig, eng und verkehrsreich. Doch ein Lastwagen ist rückwärts zur Seite gekippt und liegt schräg auf der rechten Fahrbahn. Auf die Strasse läuft Öl aus. Es liegen Kamelhaufen auf dem Asphalt. Weiter unten steht ein Reisebus auf der Strasse, dessen Motor versagt hat. Als wir die Talebene erreichen, meint einer von uns, so stelle er sich das Heilige Land aus dem Alten Testament vor. Die gelbe Steppe ist mit grünen Landstrichen versetzt, Fluss- und Bachbette durchziehen den Boden. Patrick und die drei einheimischen Fahrer aus Samis Klub haben in der Ebene durchschnittlich fünfzig Sachen drauf, mit Spitzengeschwindigkeiten

bis zu 70 Stundenkilometer. Die Strasse ist stellenweise mit tiefen und grossflächigen Schlaglöchern gesäumt. In den Dörfern dient sie als Treffpunkt der lokalen Bevölkerung. Am wenigsten von einem anrollenden Objekt beeindrucken lassen sich Esel. Sie bleiben oft

‹Morgen fahre ich runter ans Rote Meer.› einfach stehen oder bewegen sich genau in die Richtung, in die man ausweichen will. Fast 80 Kilometer kann Patrick mit seinem Starrlauf mithalten, dann laden wir ihn auf. Als wir sein Fahrrad in den Pickup hieven, bemerken wir, dass das Kettenblatt locker ist. Es fehlen zwei von fünf Schrauben. Ersatz hat Patrick nicht. ‹Das ist ironisch›, sagt er und schüttelt dabei den Kopf. ‹Normalerweise ziehe ich die Kettenblattschrauben nie an. Heute morgen schon.› Und dann fügt er besorgt an: ‹Ohne ein komplett fixiertes Kettenblatt kann ich Asmara-Massawa sowieso vergessen. Das wäre Selbstmord.› Wieder in Asmara bringen wir Patricks Fahrrad zu ‹Lise› – in eines von Biniams Fahrradgeschäften, benannt nach der Frau, die Biniam als 17-Jährigen aufnahm, als dieser nach Norwegen immigrierte. Biniam sieht sich das Kettenblatt an, murmelt etwas von ‹Bianchi› und verschwindet in der Werkstatt. Nach ein paar Minuten kommt er zurück mit zwei Schrauben,

Fixie fahren ist für Patrich Seabase längst mehr als eine Frage der Ästhetik.

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die er seinem alten Rennrad entnommen hat. Die Schrauben scheinen zu passen. Und Patrick scheint sich wieder sicher zu sein: ‹Morgen fahre ich runter ans Rote Meer›. Die Reportage ist im Rahmen von Dreharbeiten für ein Porträt über den Bahnrad-Athleten Patrick Seabase entstanden und endet vor der eigentlichen Herausforderung: der Strasse von Asmara nach Massawa. Das komplette Abenteuer liegt als Dokumentarfilm ‹ASMAWA› (Red Bull Media House/Yuhzimi) vor. Die Reportage von Arci Friede erschien erstmals in der deutschen Ausgabe des Intersection Magazines.


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Kraft im Kopf

Train your brain, lautet die Devise der Zukunft!

Der Mensch begann Sport zu treiben, als ihm die Maschine die Muskelarbeit abnahm. Jetzt, da ihm der Computer das Denken erleichtert: Beginnt er bald mit dem Hirntraining? Unser Autor Tin Fischer hat sich jedenfalls bereits sein Lesecenter eingerichtet. Illustration: Eva Jauss kinki report

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u den ungelösten Rätseln der Menschheitsgeschichte gehört die Frage, warum die Tour de France zur gleichen Zeit begann, als auch das Motorrad in Serienproduktion ging. Das ergibt keinen Sinn. Warum begann sich der Mensch, kaum hätte er einen Töff haben können, für die ultimative Form des Velofahrens zu begeistern? Glaubte er nicht an den Fortschritt? Das war um 1900, hundert Jahre später dann wieder ein ähnliches Rätsel: Warum wurde das Wissens-Quiz ‹Wer wird Millionär?› zur gleichen Zeit populär wie Wikipedia? Warum begann sich der Mensch, kaum hatte er Wissen überall und umsonst verfügbar, für die ultimative Form des Auswendiglernens zu begeistern? Glaubt er immer noch nicht an den Fortschritt?

Maschinen für die Muskelkraft

Dass beides nicht so unlogisch war, wie es auf den ersten Blick erscheint und sogar zusammenhängt, legte der deutsche Journalist Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, neulich in einer Rede nahe. Er wies darin auf eine interessante Beobachtung hin. Als im 19. Jahrhundert die Maschinen den Menschen die Muskelarbeit abnahmen, habe man gedacht, dass sich der Mensch in Zukunft nur noch geistig betätigen müsse. Doch passiert sei das Gegenteil: Sport, gesunde Ernährung oder Arbeitspausen seien erst dann ein Thema geworden. Die Maschinen hätten eine Kompensation des Körpers verlangt, so Schirrmacher. Und es stimmt: Just in der Zeit, als die Maschinen Muskeln zu ersetzen begannen, als uns Züge und Autos von A nach B brachten, Maschinen uns halfen, Energie aus dem Boden zu ziehen und Fabriken den Handwerksbetrieb ablösten, wurde Sport zum Spektakel. Ironischerweise vor allem jener Sport, bei dem man – genau wie bei einer Maschine – ‹die Leistung in Gramm, Zentimeter und Sekunden› messen konnte, wie der Historiker Kaspar Maase schreibt. Die Tour de France beispielsweise war schon in ihrer ersten Auflage keine Tour, sondern die reinste Tortur: 2 428 Kilometern mussten Tag und Nacht gefahren werden.

Sport muss sein

Eigene sportliche Aktivitäten waren zwar bis zum Ersten Weltkrieg vor allem auf eine privilegierte Minderheit beschränkt. Dennoch begannen Jungs auf den Strassen Fussball zu spielen. Das Velo erlebte Anfang des 20. Jahrhunderts einen regelrechten Boom, auch als Freizeitgefährt. Vor allem aber erhielt der Sport einen festen Platz im Wochenplan. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in England der arbeitsfreie Samstagnachmittag zur Erholung eingeführt. Der Sonntagmorgen diente weiter dem Seelenheil und der Nachmittag der Geselligkeit im Pub. Aber am Samstagnachmittag hatte man Zeit für Sport, zuerst als Zuschauer, später als Mitstreiter. Heute ist es selbstverständlich, dass wir ‹zum Ausgleich› Sport treiben. Zum Ausgleich wovon, müssen

wir in der Regel gar nicht gross erklären. Es genügt zu sagen: ‹Vom ständigen Sitzen.› Oder: ‹Vom Büro› – jenem Ort, an dem Muskelkraft für gar nichts mehr zu gebrauchen ist. Ich selbst gehe beispielsweise vier mal pro Woche joggen. Ich renne dabei nach der Arbeit nochmals den Weg hin und zurück, den ich vorher mit der S-Bahn zur Arbeit gefahren bin. Es ist absurd. Ich kompensiere abends fast eins zu eins die Arbeit, die mir die Maschine vorher abgenommen hat. Niemand hat mich jemals gefragt, warum ich das tue. Und ich glaube es ist besser, wenn auch ich mich nicht danach frage. Wir haben uns wohl daran gewöhnt, dass Sport einfach sein muss.

Digitale Erschlaffung

Woran wir uns allerdings noch nicht gewöhnt haben, ist, dass auch ein Ausgleich zu den Errungenschaften der Digitalen Revolution nötig sein könnte. Man würde mich für seltsam halten, wenn ich sagen würde, dass ich abends eine Stunde lang einen Roman lese, ‹zum Ausgleich vom ständigen sozialen Netzwerken›. Aber genau das ist es, was wir vielleicht bald schon öfters tun werden – und worauf Schirrmacher in seiner Rede hinaus wollte. So wie die Maschine im 19. Jahrhundert den Menschen die Muskelarbeit abgenommen hat, nehme der Computer heute dem Menschen die Denkarbeit ab, meint er. Und so wie der Mensch damals einen Ausgleich suchte und den Sport entdeckte, brauche er diese Kompensation auch heute. Denn die Computer sind gerade dabei, mit unseren Köpfen das gleiche zu machen, was die Maschinen mit den Muskeln gemacht haben: Erschlaffen lassen. Wir kennen das alle. Digitale Medien lenken ab. Sie lösen ständig Alarm aus und liefern uns mehr Informationen, als wir verarbeiten können. Das kostet Zeit und somit Geld. Vieles prägen wir uns nicht mehr ein, weil

‹Wir haben uns wohl daran gewöhnt, dass Sport einfach sein muss.› es ständig abrufbar ist – auch wenn das am Ende mehr Zeitaufwand bedeutet. Und dann fragen wir den Computer auch noch ständig nach Rat. Wir fragen Google, an was wir leiden, Amazon, was wir mögen und Wikipedia, wann das Motorrad erfunden wurde. Dass die Antworten möglicherweise falsch sind, ist gar nicht mal das Problem. Viele sind richtig. Blöd ist nur, dass die Antworten immer und für jeden gleich sind und damit etwas langweilig. Wir treiben heute aus verschiedenen Gründen Sport. Wir hoffen, dank Training auf dem Laufband hie und da schneller zu sein als ein Motorfahrzeug, etwa mit dem Velo in der Stadt. Wir hoffen, dass wir dank des Joggens länger konzentriert am Schreibtisch sitzen können und dank Fussball teamfähiger sind. Wir wollen mit Hilfe von Hanteln Kosten durch Rückenschäden vermeiden. Und in der Kletterhalle 39

wollen wir uns die Fähigkeit bewahren, auf Berge zu kommen, auf die keine Seilbahn führt. Wir versprechen uns viele Vorteile. Vielleicht verbinden wir Gehirntraining bald mit den gleichen Erwartungen und Hoffnungen. Wir hoffen, durch Quiz-Sendungen Wissen schneller präsent zu haben als mit Wikipedia. Wir hoffen, dass wir dank des Lesens dicker Romane länger konzentriert arbeiten können und dass uns deren Geschichten sozial geschickter machen. Wir wollen mit Denkaufgaben das Gedächtnis länger aktiv halten. Und wir versuchen, indem wir wahllos durch Buchläden streifen oder mit Leuten reden, auf Ideen zu kommen, auf die uns Amazon oder Google nicht gebracht hätten.

Das Lesecenter

An den Räumen einer Wohnung lässt sich wohl am besten ablesen, wie weit eine Revolution fortgeschritten ist. Vor der Industrialisierung hatte man die Werkstatt noch im Haus. Dann verschwand sie und stattdessen war da plötzlich ein Raum für Haushaltsgeräte. Am Ende aber standen die Haushaltsgeräte mitten in der Wohnung, als prachtvoll inszenierte Kochinseln. Und wo früher die Werkstatt war, ist heute der Fitnessraum mit grob geschweissten StahlMaschinen. Die digitale Revolution kam ähnlich schleichend ins Haus. Zuerst hatte man ein ‹Computerzimmer› mit speziellem Schreibtisch für den Rechner. Abends legte man eine Abdeckung über den Bildschirm und schob die Tastatur unter den Tisch. Dann haben wir den Computer auf unseren Schreibtisch gelassen. Doch mittlerweile hat er das Wohnzimmer erreicht. Auf dem Sofatisch liegt plötzlich das iPad. Und ich vermute, dass da, wo früher das Computerzimmer war und heute das Gästezimmer ist, bald der ‹Leseraum› sein wird: Ein von WLAN abgeschirmter Raum, in dem nichts anderes steht als ein Lesepult. Das sieht qualvoll aus, ich weiss. Nicht nach etwas, wo man gerne seine Freizeit verbringt. Aber was hätten sich wohl die Menschen im Jahr 1912 gedacht, wenn man ihnen gesagt hätte, dass es in Zukunft in den besten Häusern kahle, kalte Räume geben wird, in denen nichts steht ausser Maschinen, die nur dazu da sind, den Menschen zu erdrücken, wenn er ihnen nicht ausreichend Widerstand leistet?


Laurent Perbos

Sieg und Niederlage

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1 Martyr, 2008 2 Composition avec rouge, jaune et bleu, 2011 3 Ballon2, 2003

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4

4 J.O. 2003 5 M. J. C. (module de jeux compact), 2003 6 Le plus long ballon du monde, 2006 7 Aire, 2005

5 kinki kunst

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8 Composition avec rouge, jaune et bleu, 2011 9 Composition avec jaune, 2011 10 Composition avec jaune, rouge et bleu, 2011 11 Inflatabowl, 2008

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Der Traum vom Rollstuhl

Sie sind körperlich gesund und werden dennoch von den meisten für verrückt erklärt: Menschen, die an BIID leiden, wünschen sich einen behinderten Körper. Unsere Autorin Bianca Leppert traf sich mit einem Betroffenen. Illustration: Frederieke Goebbels

A

ls sich Hendrik* mit seinem Rollstuhl den steilen Hang in Würzburg hochkämpft, hat er ein breites Grinsen im Gesicht. Sein Ziel, die Wallfahrtskirche, ist nicht mehr weit. Er erinnert sich, dass ihn damals ein junger Mann schieben wollte. Doch Hendrik schüttelte den Kopf. Es ist sein Weg. Nur seiner. Wenige Meter vor der Kirche dreht der 45-Jährige um. Jede einzelne Blase an seinen Händen brennt sich in sein Gedächtnis. Seine Arme pochen. Er ist glücklich. Einige Sekunden kostet er das süsse Gefühl des Triumphs aus, dann konzentriert er sich auf die Abfahrt. Er muss sich beeilen, den Zug

‹Sie wünschen sich ein Leben mit Behinderung. Für sie ist es der grösste Traum.› Richtung Heimat zu erwischen. Am Bahnhof angekommen, rollt Hendrik mit seinem Rollstuhl in eine dunkle Ecke eines Parkhauses. Hendrik steht auf. Er klappt den Rollstuhl zusammen, stopft ihn in eine grosse Fahrradtasche und läuft in Richtung Bahnhof. Die Tasche hängt schwer an seinen Schultern. So schwer, wie ihm seine Verwandlung vom Behinderten zum scheinbar Gesunden fällt. Hendrik ist nicht gesund. Er ist seelisch behindert. Er leidet unter BIID, der Body Integrity Identity Disorder. Ein Phänomen, das weltweit vielleicht tausend Menschen betrifft. Sie wünschen sich ein Leben mit Behinderung. Ohne Beine. Ohne Augenlicht. Ohne Arme. Für sie ist es der grösste Traum. Für jeden anderen ein Albtraum. kinki report

Wo liegt das Problem von BIID-Kranken? Im Gehirn oder vielleicht doch in den Gliedern?

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‹Ein alter Labersack›

Erst seit wenigen Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft mit BIID, die offiziell keine Krankheit ist. Noch zu wenig ist darüber bekannt, warum sich Menschen erst dann ‹ganz› fühlen, wenn ihnen Sinne oder Gliedmassen fehlen. Denn BIIDler machen aus ihrem Wunsch ein Geheimnis. Zu gross wäre das Risiko, sozial ausgegrenzt zu werden. Die Anonymität ist für sie das Schneckenhaus. Mehrere Stunden täglich sitzt Hendrik vor seinem Laptop. Als der Akademiker vor Jahren den Begriff ‹amputiert› an seinem damaligen Arbeitsplatz zum ersten Mal in den Computer eingab, schaute er sich ständig um. ‹Ich war aber auch verblüfft, dass es noch welche von meiner Sorte gibt›, sagt er. Mittlerweile hat er mit anderen Betroffenen ein Forum gegründet. ‹Ich hatte die Illusion, etwas tun zu müssen. Und ausserdem bin ich ein alter Labersack›, erzählt er, als ginge es um den neuesten Klatsch über Britney Spears. Im Forum tauscht er sich mit anderen Betroffenen aus, die er im realen Leben wohl nie getroffen hätte. Schliesslich hat keiner BIID auf der Stirn tätowiert. Hendrik würde man mit seinen Jeans, dem braunen Cordjackett und der eckigen, modernen Brille nicht anmerken, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Er zitiert gerne Hermann Hesse, liebt die Ironie. Wenn er lacht – und er lacht viel – blitzt eine kleine Zahnlücke hervor.

Zwei Zentimeter sollen übrig bleiben

Wenn er von seinem Leiden erzählt, macht er sich Notizen, versucht seine Gedanken zu ordnen. Als ob am Ende unterm Strich wie damals im Mathe-Unterricht die Lösung herauskommt. Dabei deutet er sie beim Erzählen immer wieder an – mit einer einfachen Handbewegung. Zack. Mit seinen Handflächen durchtrennt er imaginär von innen nach aussen seine Oberschenkel. Wie viele BIIDler weiss Hendrik auf den Zentimeter genau, an welcher Stelle er amputiert werden will. Höchstens zwei Zentimeter sollen von seinen Oberschenkeln noch übrig bleiben. Am liebsten wäre ihm eine schräge

‹Wie viele BIIDler weiss Hendrik auf den Zentimeter genau, an welcher Stelle er amputiert werden will.› Linie von rechts nach links. ‹Es geht dabei aber nicht um das Loswerden meiner Beine, sondern um das Leben danach›, versucht Hendrik zu erklären, was die meisten nie verstehen werden. Diese tiefe Sehnsucht nach einem Leben ohne Beine zehrt an ihm. ‹Es fühlt sich an, wie wenn man verliebt ist und die Person, die man liebt, auf der anderen Seite des Ozeans ist.› Schon

als Kind bastelte er sich Krücken. Alles, was mit Behinderten zu tun hatte, zog ihn an. Aber er unterdrückt seine Gefühle. Er weiss, dass sie nicht normal sind. Das Gefühl, anders zu sein, kennt er bereits. Bei seinem schwulen Comingout mit Anfang Zwanzig hat er das alles schon einmal durchgemacht. Nur klingt schwul sein in der Öffentlichkeit nicht so verrückt wie der Wunsch nach einer Behinderung.

Neuro oder psycho?

Selbst die Wissenschaft ist ratlos. Hendrik ist nicht verrückt. Alle medizinischen Tests schliessen eine Psychose oder ähnliches aus. Manche Forscher vermuten eine neurologische Ursache hinter BIID. Sie gehen davon aus, dass der rechte obere Scheitellappen im Grosshirn – der Parietallappen – bei Menschen mit BIID anders ausgebildet ist. Dieser Teil des Gehirns ist für die Körperwahrnehmung verantwortlich. Für eine neurologische Ursache spricht auch, dass Menschen mit BIID eine ‹Amputationslinie› spüren. ‹Ich würde mir eine neurologische Ursache wünschen›, sagt Hendrik. ‹Dann könnte man nicht sagen, ich steigere mich nur in etwas rein.› Verständnis findet Hendrik nur im InternetForum unter Gleichgesinnten. Es geht aber nicht nur um Verständnis. Auch um Lösungen. Selbstamputation ist eine davon, denn Ärzten ist es nicht erlaubt, gesunde Körperteile abzunehmen. Methoden wie aus dem Horrorfilm sind der einzige Ausweg. Das Bein wird zum Beispiel so lange in eine Wanne mit Trockeneis gelegt, bis es abstirbt. Eine andere Möglichkeit ist der Zug. Eine, die auch Hendrik schon oft in Betracht gezogen hat. Jeden Morgen stand er mit seiner Aktentasche am Gleis und wartete. Auf den Zug. Auf die Erlösung. In seiner Nase immer der verbrannte metallische Geruch der Bremsen. Aber wie wäre es, wenn der Zug mal nicht bremsen würde? Wie schnell fährt der Zug ein und zu welchem Zeitpunkt müsste man dann davor springen? Und wie würde man es anstellen, dass die Räder seine Beine auch wirklich abtrennen? ‹All diese Gedanken schwirrten mir jeden Morgen durch den Kopf›, sagt er und macht die Scheibenwischergeste. ‹Mittlerweile kommt für mich nur noch eine Amputation durch einen Chirurgen in Frage, alles andere wäre eine Verzweiflungstat.› Im Ausland gibt es einen Arzt, der BIIDlern hilft. Er amputiert ihnen illegal, unter dem Vorwand eines Unfalls, ein gesundes Bein. Danach kehren die Patienten glücklich wieder zurück. Als wären sie mal eben im Urlaub gewesen. Ein paar Bekannte von Hendrik haben das schon so gemacht. Und jedes Mal ist er neidisch, wenn er sie sieht. Für Hendrik ist das aber keine Lösung, denn der geheimnisvolle Chirurg nimmt immer nur ein Bein ab, keinesfalls beide. So bleibt nur der Wunschtraum. Ein Traum, den er manchmal auch lebt. So wie an dem Morgen, als der Postbote klingelt und ein riesiges Paket vorbeibringt. Auf Hendriks Stirn glitzern die Schweisstropfen aus Angst vor den Nachbarn. Es ist sein Rollstuhl, den er sich bei ebay für 411 Euro ersteigert hat. Der Sopur Allround 615, 14,5 Kilogramm schwer. Ein robus47

‹Das Bein wird zum Beispiel so lange in eine Wanne mit Trockeneis gelegt, bis es abstirbt. Eine andere Möglichkeit ist der Zug.›

BIID – Was sagt das Gesetz? Menschen mit BIID sehen oft nur die Amputation als Ausweg. Für Ärzte sind vor allem ihr hippokratischer Eid und der Paragraph § 228 des Strafgesetzbuches massgeblich. Darin heisst es: ‹Wer eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstösst.› Doch wer entscheidet, ob eine Amputation gegen die guten Sitten verstösst? Der Gesetzestext ist schwammig formuliert. Mehr rechtliche Transparenz wird letztlich nur die weitere Forschung bringen können – dieser Trend ist jedoch rückläufig.


Der Rollstuhl wäre wie ein Sechser im Lotto: Henrdik träumt von einem Leben ohne Beine.

tes Teil. Sein Hersteller verspricht: ‹Sopur ist der Stoff, aus dem die Träume sind: Weil sie f��r Leute gemacht sind, die dem Ruf der Freiheit folgen wollen. Wohin er sie auch führt. The sky is the limit.› Diesen Spruch nimmt sich Hendrik zu Herzen. Um ein Uhr morgens wagt er sich das erste Mal mit dem Rolli auf die Strasse. Er trägt eine ausgewaschene Baseballmütze, die er tief in die Stirn gezogen hat, damit ihn niemand erkennt. In den ersten Minuten zittern seine Hände, wenn er ausholt und die Reifen berührt. Dann rollt er einfach drauflos und denkt an die Worte seiner Psychotherapeutin: ‹Das ist ein Experiment.›

Der Klotz am Bein

Nach dieser Nacht zieht es Hendrik immer wieder in den Rollstuhl. Manchmal benutzt er ihn auch einfach als Schreibtischstuhl. Oder kämpft sich in einer fremden Stadt wie Würzburg einen Hang hinauf. Der Fachbegriff für dieses So-tunals-ob lautet Pretending. ‹Das Blöde ist, dass es einem wirklich gut dabei geht›, meint Hendrik, schlägt die Beine übereinander und lacht. ‹Natürlich finde ich es auch praktisch, wieder aufstehen zu können, aber spätestens nach einer halben Stunde schreit es in mir und ich will wieder zurück in den Rollstuhl. Er ist für mich wie ein alter Hausschuh.› Oft sucht sich Hendrik im Internet die Puzzleteile für sein neues Leben zusammen. Ein Leben ohne Oberschenkel. ‹Dann wäre endlich dieser Klotz am Bein weg›, meint er. Einige Sekunden später prustet er los und merkt, wie recht er damit hat. Wenn er in seiner zukünftigen Altbauwohnung im Erdgeschoss aufwacht, will er aus dem Bett in seinen kinki report

‹Um ein Uhr morgens wagt er sich das erste Mal mit dem Rolli auf die Strasse.› neuen Rollstuhl klettern. Am liebsten in einen Küschall, der wiegt nur 7,5 Kilo und trägt Modellnamen wie Champion oder UltraLight. Und ein Handbike muss her. Alles ist durchgeplant. Selbst seine geliebten Tanzabende würde er nicht aufgeben müssen. ‹Auch im Rolli kann man super tanzen›, sagt Hendrik mit ausgestrecktem Zeigefinger und breitem Grinsen. Alles, was er über sein neues Leben erzählt, klingt fröhlich. Sein Lachen vergeht ihm nur einmal. Als seine Gefühle ausnahmsweise stärker sind als er. ‹Wie kann ich wollen, nicht zu wollen, was ich will?›, fragt er mit Verzweiflung in der Stimme.

* Name von der Redaktion geändert

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NEUE FOLGEN. MIKE JUDGE’S

BEAVIS AND BUTT-HEAD SONNTAGS 22:45 UHR


querschläger alles, ausser angepasst

Der Sportkommentator Walter Scheibli ist ein richtiges Zürcher Stadtoriginal. Wir trafen den Stadtzürcher in seiner Stadtzürcher Wohnung um uns mit ihm – über was wohl? – zu unterhalten. Text: Rainer Brenner, Foto: Daniel Tischler

W

enn Walter Scheibli mit seinem bekannten Lispeln Eishockeyresultate ins Radiomikrofon schreit, kann man die Spucke fast schon hören. Vor allem, wenn sein Lieblingsclub, die ZSC Lions, in Führung liegen. Doch Scheibli ist nicht nur neben dem Eishockeyfeld Stadtzürcher mit Leib und Seele: Mit kurzer Unterbrechung lebt Scheibli nämlich seit 78 Jahren in derselben Genossenschaftssiedlung in der Nähe des Zürcher Milchbucks, wo wir ihn an einem Dienstagvormittag besuchen. ‹Ein Treuer› sei er, erklärt Scheibli und zeigt mit dem Finger auf die Strasse vor dem Fenster. Hier ging er in den Kindergarten, fuhr mit seinem Velo um die Siedlung, gleich dort hinten ging er zur Schule … Alles dreht sich irgendwie um Zürich und Sport in seinem Leben, wie es scheint, am liebsten in Kombination. Zumindest fast alles: Noch lieber wäre Scheibli nämlich als Profi-Fussballer bei einem französischen Club untergekommen. Und wenn er von Frankreich spricht, dann leuchten noch heute seine Augen. Weiter als Martigny kam er allerdings nicht. Deshalb wurde Walter Scheibli erst mal Bäcker. Dann Verkäufer im Konsum, später Aussendienstmitarbeiter von Nestlé und Selecta. Erst im stolzen Alter von 53 Jahren fand er seine Berufung als Reporter. Als Scheibli beim Blick arbeitete, lernte er Schawinski kennen, der ihn schliesslich für Radio 24 begeisterte. Das war vor 32 Jahren: ‹Ich habe alle überlebt –  sogar den Schawinski›, lacht Scheibli. Scheiblis Wohnung ist aufgeräumt, bodenständig und sieht genau so aus, wie ich sie mir vorgestellt habe. Frau Scheibli trägt einen modernen Trainingsanzug und führt uns ins Wohnzimmer. An den Wänden hängen Bilder von Scheibli und anderen berühmten Personen, Urkunden mit Unterschriften von kinki querschläger

ZSC-Leuten, im Wohnzimmer sitzen dutzende Kuscheltiere in Körbchen und Stubenwagen und neben dem Esstisch stehen Maggi Streuwürze und Aromat in Greifdistanz. Wenn Herr Scheibli wichtige Dinge wiederholt, verfällt er in seinen stadtbekannten Kommentatoren-Tonfall. Müsste man diesen in Buchstaben fassen, sähe das wahrscheinlich folgendermassen aus: ‹Dass! Dä ZSCee!!! Ä eigäas!! Stadionnn! Überchunnth.›

besser als diese düstere, die davor war und die uns niemand abkaufen will. Wir sind aber eher Oerlikonorientiert, daher hat mich das nicht so betroffen. Welches ist das bessere Schimpfwort: Schafseckel oder Sausiech? Ich finde beides nicht sehr schön. Mir reicht ‹Tubel›. Gibt’s in der Stadt Zürich eigentlich noch eine Kegelbahn? Früher wurde viel mehr gekegelt, ja. ‹Preiskegeln› nannte man das, wenn man sich traf, um ein bisschen Geld in die Vereinskasse zu spülen. Im Einsiedlerhof gab’s eine Bahn, an der Oerlikonerstrasse war auch eine … Ich habe aber selten gekegelt.

Interview kinki magazin: Ich habe ein paar richtige ‹Züri-Fragen› für Sie vorbereitet, Herr Scheibli: Gehören Innereien ins Zürigschnätzlets? Innereien? Ich kenne es eigentlich nur mit Kalbfleisch.

Ist der Sportteil der Blick Zeitung wirklich so gut? Er ist natürlich recht reisserisch, aber wirklich auch immer sehr aktuell.

Schmeckt der Coupe Dänemark im Gasthof Sonne an der Langstrasse wirklich so gut? Keine Ahnung, ich kenne die Sonne eher als Milieulokal. Ich bin eigentlich auch nicht so Aussersihlorientiert …

Was ist der Unterschied zwischen einer St. Galler und einer Zürcher Bratwurst? Ich glaube in der Zürcher Bratwurst ist keine Milch drin. Ich weiss es aber nicht so genau. Die OlmaWurst ist auf jeden Fall grösser.

… dann beantwortet sich die nächste Frage wahrscheinlich von selbst: Niederdorf oder Chreis Cheib? Hmm, von mir aus beides. Im Niederdorf essen wir gerne ab und zu mal ein Fondue. Das Quartier hat sich in den letzten Jahren gewaltig verändert, das war ja früher anrüchig, heute ist’s eher nobel. Wo parkiert man sein Auto am besten, wenn man zur Bahnhofstrasse will? Ich gehe da nie mit dem Auto hin, sondern mit dem Tram.

Waren sie mal in Udo Jürgens legendärer Wohnung am Bellevue? Nein. Aber im Mobimo-Tower waren wir mal zu einer Besichtigung eingeladen. Ganz oben gibt’s riesige Wohnungen, da wird’s einem ganz schwindlig, wenn man zum Fenster rausschaut. Noch schwindliger wird’s einem, wenn man den Preis hört. Ich bin eher der Genossenschafts-Typ in Sachen wohnen und einkaufen. Mir gefällt das genossenschaftliche Denken.

Finden sie die neue Weihnachtsbeleuchtung doof? Hmm, die ganz neue finde ich

War die Haifisch Bar ein Cabaret oder ein Puff? Die hiess damals noch anders 50

und war ein Dancing. Als ich in der RS war, ging man dort in den Ausgang, denn dort gab es den Vorteil, dass man jeden Tanz einzeln bezahlte, wenn man schon um Viertel vor zehn wieder in die Kaserne zurück musste, war das billiger. Welches ist die bessere Schlittschuhbahn: Dolder oder Oerlikon? Im Dolder war ich als Bube auch manchmal, eine schöne Eisbahn, auch sehr schön gelegen. Vertrauter war mir aber schon die KEBO. Wo kauft man einen ordentlichen ‹Tschopä›? Die habe ich immer beim Ruchti, gleich hier unten bei der Krone gekauft. Toller Laden, toller Verkäufer, hat aber leider irgendwann dann aufgehört und den Laden weitergegeben. Gab’s dort auch diese gelben Pullover, die sie immer tragen? Nein, der traditionelle gelbe Pullover war von Adidas, damals als Adidas noch in Tagelswangen war. Welches war das schönste Jahrzehnt hier in Zürich? Die 80er? Das ist eine schwierige Frage. Für mich persönlich wahrscheinlich damals, als ich mich als freier Journalist selbständig gemacht habe. Das war um 1985, ja. Diese Zeit gefiel mir wahrscheinlich am besten. Die Zeit bei Nestlé gefiel mir auch. Eigentlich hatte ich überhaupt keine schlechte Zeit, mir hat das Leben immer gefallen. Das ist doch schön.

Walter Scheibli arbeitet, lebt und bleibt in der Stadt Zürich. Da sein Sohn ebenfalls Sportkommentator ist und Walter J(unior) Scheibli heisst, wird Walter Scheibli oft als Walter J. Scheibli angesprochen. Das stört ihn zwar nicht, doch der Genauigkeit halber verraten wir an dieser Stelle auch mal den Mittelnamen von Walter Scheibli Senior: Otto!


‹Mir gefällt das genossenschaftliche Denken.›

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Unsere Nati A

Wir denken, Hobbys und sportliche Vorlieben sagen mindestens so viel über einen Menschen aus wie seine politische Gesinnung. Und wir haben sogar Beweise dafür! Text: Natalie Gyöngyösi, Illustration: Sean Morris

Der Schwimmer

Philipp Hildebrand, ehemaliger Präsident Schweizer Nationalbank Der SNB-Präsident hat Fehler begangen und darum ist er jetzt weg vom Fenster. Seine Devisentransaktionen, die durch eine Verletzung des Bankgeheimnisses bekannt geworden sind, sind in der Öffentlichkeit nicht so gut angekommen. Er wies jedoch darauf hin, dass die Dollarkäufe (für 1,1 Mio. und 500 000 Franken) keine Verletzung des internen SNB-Reglements darstellten. Dies sorgte für heisse Diskussionen über Bänkler-Recht und -Unrecht, worauf eine Art Ethik-Term geschaffen wurde, von dem zwar niemand genau weiss, was er bedeutet, aber Hildebrand ist jetzt weg und alle wieder ruhig. Wie dem auch sei: So steil Hildebrands Aufstieg war, so unerwartet kam auch sein Köpfler. Untermauert wurde das Spektakel von seiner imposanten Grösse von 1,94 Metern und seiner athletischen Figur. Diese kommt nicht von ungefähr. Der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler war in den 80er-Jahren zweifacher Schweizer Schwimmmeister und drehte, um fit zu bleiben, bis vor kurzem noch täglich ein paar Runden im SNB-Geldspeicher.

Die OL-Läuferin

Ruth Humbel, CVP-Nationalrätin, Aargau Frau Humbel ist Juristin und Direktionsmitglied des Krankenkassenverbandes Santésuisse. Und fünffache Schweizermeisterin im Orientierungslauf! Die christliche Sportskanone mit der neckischen Ponyfrisur wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden schlanken, sportlichen und weissbesockten Kindern im Aargau und ist stolz darauf. Mit roten, gelben und grünen Punkten auf Lebensmitteln wollte sie – entgegen der kompromisslos destruktiven Politik der SVP und SP – gegen die unser Land zu überrollen drohende Übergewichts-Epidemie ankämpfen. Doch man liess sie nicht. Auch ihre Idee, Raucher und Dicke mit höheren Krankenkassenprämien zu belasten, kam vor allem bei Rauchern und Dicken leider bisher nicht gut an. kinki report

Schweizer Politiker stemmen nicht nur ihre verantwortungsvollen Ämter, sondern auch gerne mal Gewichte.

Der Skifahrer

Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden im Auftrag der UNO: Adolf ‹Dölf› Ogi, Alt-SVP-Bundesrat, Bern Herr Ogi war von 1987 bis 2000 Mitglied im Bundesrat. Kofi Annan ernannte ihn 2001 zum Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden im Auftrag der UNO. Bis 2007 bekleidete Adolf Ogi dieses Amt und wollte mithilfe des Sports etwas Licht in die verlassensten Orte der Welt bringen, Hunger, Armut und Konflikte verringern. Sein erster Einsatz als Sonderberater führte Ogi 2001 nach Alaska, wo er eine Langlauf-Veranstaltung für Menschen mit geistiger Behinderung besuchte. In Flüchtlingslagern hat er mit der Stiftung ‹Right to play› Sport eingeführt. Beim Strassenfussball im kolumbischen Medellín wurden gleichzeitig die Mädchen gefördert: In einer siebenköpfigen Mannschaft mussten mindestens zwei Mädchen mitspielen und das erste Tor zählte nur, wenn es von einem Mädchen erzielt wurde. Den Konflikt zwischen Indien und Pakistan hätte er nicht mit politischen Massnahmen entschärfen können, sondern mit seiner ‹Cricket-Diplomatie›, bei der sich die Staatschefs anlässlich von Länderspielen beim Nationalsport Cricket begegneten 52

und wieder ins Gespräch kamen. Der fröhliche Friedensbotschafter konnte allerdings früher, als er Direktor der Schweizer Ski-Nati war, auch weniger sympathisch: Die Ski-Jugend trimmte er damals auf Erfolg, indem er die Nachwuchstalente drillte und sie ‹unter Druck, quasi auf Befehl› Leistung erbringen liess. Zugegebenermassen erfolgreich.

Der Bobfahrer

Hansjörg Trachsel, BDP-Regierungsrat, Graubünden Hansjörg Trachsel war von 1974 bis 1980 Mitglied der Bob-Nationalmannschaft und wurde Vizeweltmeister 1977 und Bronzemedaillengewinner an der WM im Jahre 1979. Seit 2005 ist Hansjörg Trachsel Ehrenmitglied des Internationalen Bobverbands (FIBT). Als die Bündner SVP im Juni letzten Jahres aus der Mutterpartei SVP Schweiz ausgeschlossen wurde, benannte man die Waisenpartei um in BDP. Seither sitzt Trachsel noch enger angegurtet hinter Frau Eveline Widmer-Gollum-Schlumpf und zusammen hängen sie sich in die eisigen Kurven der Schweizer Politarena, um sich an den Diskursbanden nicht zu fest den Näggel anzutätschen.


‹Die Ski-Jugend trimmte er auf Erfolg, indem er Nachwuchstalente drillte. Zugegebenermassen erfolgreich.›

Der Fallschirmspringer

Adrian Amstutz, SVP-Nationalrat Sigriswil, Bern Adrian Amstutz, von der Tagesschau kürzlich als ‹Richard Gere aus dem Oberland› tituliert, kämpft laut eigener Aussage lieber mit der Motorsäge als mit der Nagelfeile für seine politischen Anliegen. Zu letzteren zählt unter anderem das Verhindern eines EU-Beitritts oder das Ausschaffen krimineller Ausländer. Und Herr Amstutz geht ab und zu ziemlich in die Luft. Aus sicherer Höhe und in lustigem BatmanFallschirmkostüm beschützt er dann die Bevölkerung. Er ist das fleischgewordene und fliegende Früherkennungssystem für mögliche Sabotageakte auf unser Kernkraftwerk Mühleberg durch angriffslustige Asylanten. Wer Herrn Amstutz dabei gerne einmal über die Schulter schauen möchte, kann sich dazu das tolle Video ‹Adrians zweiter Wingsuit-Flug› auf seiner Homepage zu Gemüte führen. Auch der Text des Tracks, welcher den Flug untermalt, hat uns ziemlich berührt: ‹Let the sunshine in your heart and feel the power in your wings ...›

Der Marathonläufer

Thomas Heiniger, FDP- Regierungsrat, Zürich Thomas Heiniger ist 1957 geboren und gehört definitiv zu den Sport-Nerds unter den Politikern. Als begeisterter Berggänger und Wintersportler, Fallschirmspringer und Marathonläufer setzt er sich mit seinem strammen Trainingsprogramm für Zürich ein, damit die Zürcherinnen und Zürcher alle ebenso stark, fair, ausdauernd und intelligent werden wie er. Über die Lieblingsdisziplinen vieler Zürcher wie Hochabsatzsprung oder die Dreitagerennen am Wochenenddauerlauf im Zürich-West-Klub-Vitaparcours haben wir aber noch nichts in Herrn Heinigers Parteiprogramm gefunden. Einen weiteren Artikel von Natalie Gyöngyösi zum Thema Sport und Politik findest du diesen Monat auf kinkimag.ch/magazines.

Sportlich lässt es sich auch gegen die härtesten Wahlkampf-Gegner antreten.

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Diese Seite: Adidas: Decade OG MID CHF 180.–, über adidas.ch Rechte Seite: Adidas: Forum Mid CHF 160.– , über adidas.ch Hummel: Slimmer Stadil Low Canvas CHF 80.–, über hummel.net Nike: Air Force 1 Low Light CHF 149.90, über titolo.ch New Balance: U420SWB CHF 119.–, über urbanpeople.com Reebok: Freestyle High CHF 120.–, über reebok.com

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come back, sneaker comeback Moden kommen und gehen. Trabenden Schrittes haben dieses Fr端hjahr Sneakers das Modegeschehen von Laufsteg bis Gehsteig erobert. Besonders Retro-Sneakers, die zuletzt in den 90ern modische Anerkennung genossen, haben abseits von Basketballplatz und Rennstrecke auch wieder das Modeterrain zur端ckerobert. Design Consultant Marisa BurnPichler und die Fotografin Marie-Christine Gerber haben f端r kinki die sch旦nsten Modelle in Weiss, Blau und Rot inszeniert.

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Diese Seite oben: Nike: Air Max 1 Lux Max Air CHF 229.90, über titolo.ch Diese Seite unten: Adidas: Nizza CHF 130.–, über adidas.ch Onitsuka Tiger: Suede High Top CHF 160.–, über onitsukatiger.ch Hummel: Slimmer Stadil High CHF 100.–, über hummel.net New Balance: MLM574VN CHF 139.–, über urbanpeople.com Converse: Auckland Racer ca. CHF 90.–, über converse.de Rechte Seite: Nike: Blazer High Premium Retro CHF 149.90, über titolo.ch Styling und Set Design: Marisa Burn-Pichler, Hopehope Studio, hopehope.ch Fotografie: Marie-Christine Gerber, mcgerber.ch

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Von Sport, Textilien und Dinosauriern

Ohne Rucksack geht auch diesen Herbst niemand aus dem Hause Zigerli.

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Der Jungdesigner Julian Zigerli macht Männermode endlich wieder aufregend, so sehr, dass auch Frauen beherzt zugreifen! En passant nimmt uns der Designer an der Hand und springt mit uns über Stock und Stein ins Zeitalter der Dinosaurier. Ein Interview im Laufschritt. Text und Interview: Florence Ritter, Lookbook: Amanda Camenisch, Porträt: Yves Suter, Looks: Marvin Zilm

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ulian Zigerlis Karriere gleicht einem Run, keinem gehetzten, sondern einem leichtfüssigen und engagierten, hinaus in die freie Wildbahn. Anders als viele Modeabsolventen, die nach dem Studium für Praktika bei renommierten Modehäusern im Ausland anheuern, zog es den Schweizer nach dem Abschluss der UdK Berlin und nach sechs intensiven Jahren in der kreativen Grossstadt zurück ins beschauliche Zürich. Hier fiel 2011 mit seiner Diplomkollektion AW 11/12 auch gleich der Startschuss für sein eigenes Label ‹Julian Zigerli›. ‹Ich hatte eine gute Kollektion,

‹Grundsätzlich kommt es nicht darauf an, wo man arbeitet, kreativ kann man überall sein.› also dachte ich, jetzt oder nie. Im Oktober habe ich abgeschlossen und im Januar bin ich bereits zu den Messen nach Paris und Berlin gefahren. Am zweiten Tag hatte ich schon eine Bestellung von Bauhaus aus Hongkong›, erklärt der Designer. Für den Standort Schweiz sprachen unter anderem die Kontakte zu hiesigen Textil-firmen, der Überfluss an Jungdesignern in Berlin sowie die Möglichkeit, vor Ort unabhängig vom kleinen Schweizer Markt zu agieren: ‹Meine Designs funktionieren in Asien sehr gut oder in jeder grösseren Metropole, für den schweizerischen oder den deutschen Markt sind meine Kollektionen etwas zu avantgardistisch. Grundsätzlich kommt es nicht darauf an, wo man arbeitet, kreativ kann man überall sein.›

High-Tech-Fashion

Julian Zigerli arbeitet vornehmlich mit Schweizer Textilien, ‹das ist nicht ganz günstig, es ist jedoch ein Qualitätsanspruch, den ich an mein Label stelle. Je nachdem besteht aber nicht die komplette Kollektion aus Schweizer Stoffen›, sagt Zigerli. Besonders reize ihn die Materialität, die Technologie und Ästhetik von Funktionstextilien, welche einen Bruch zu gewöhnlich verwendeten Stoffen darstellen. ‹Die Firma Eschler, von der ich viele Stoffe beziehe, ist sehr fokussiert auf Sportmaterialien, sie haben drei Schichten: Die erste Schicht ist auf der Haut und absorbiert Schweiss, die zweite isoliert und die dritte Schicht schützt und ist wasserabweisend bis wasserdicht. Eigentlich ist es nur eine Ästhetik, 59


möchte man meinen, in Zigerli den fachmännischen Sportler und Abenteurer vor sich zu haben. ‹Ich fahre sehr gerne Rad, seit ich zurück in der Schweiz bin, bewege ich mich nur noch damit fort. Ich bin in einer sehr sportlichen Familie aufgewachsen, mein Bruder hat sogar Sport studiert. Ich selbst bin sportlich, finde aber kaum Zeit dafür, oft fehlt mir auch der notwendige und antreibende Drill, obwohl ich es eigentlich sehr mag und natürlich gefällt mir am Sport auch die Sportkleidung!›

Infinity and Beyond

Neben den technischen Aspekten sticht dem Betrachter Julians Naturverbundenheit ins Auge, Inspiration schöpft er oft aus Mutter Naturs Schoss. Sei es der ‹Labradoodle›, ein Hybrid aus Labrador und Pudel, der für seine erste Kollektion ‹Sugar, Spice And Everything Nice› Pate stand, oder Flechten, die als symbiotische Gewächse aus Pilz und Alge malerisch die Drucke von ‹Over Stick And Stone› zierten. In der neuen Herbstkollektion ‹To Infinity And Beyond› liess er sich von den Themen Dinosaurier und Unendlichkeit leiten. Eine Mischung aus recherchiertem Wissen und verklärten Kindheitserinnerungen führten ihn letztlich fürs märchenhafte Lookbook zurück ins Sauriermu-

‹Ich bin in einer sehr sportlichen Familie aufgewachsen.›

‹Nicht die Funktion, sondern das Design ist bei den Trägern ausschlaggebend.›

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die ich benutze. Aber ich finde es auch toll, eine Jacke zu verkaufen, die wasserdicht ist. Die Funktion ist jedoch auch bei den Trägern nicht ausschlaggebend.› Ähnlich verhält es sich beim Kernelement seiner Kollektionen, dem Jackpack, einer Kombination aus Rucksack und Jacke: ‹Der Jackpack wird eigentlich eher als Jacke mit aussergewöhnlicher Form getragen und nicht als Rucksack. Obwohl er diese Funktion bereitstellt, machen die Silhouette und der Look das Stück aus.› In der neuesten Kollektion finden sich viele Jackpacks auch in Form von etwas praktischeren Westen. Auch gibt es simple Rucksäcke mit liebreizenden Prints oder ein wasserdichtes Jackenmodell, das sich dank ausladender Form schützend über den Backpack stülpen lässt. Im Rucksack ist zudem ein kleines Fach fürs Mitführen der Regenjacke angebracht. Bei so viel Detailverliebtheit und Praxistauglichkeit 60

seum Aathal, wo er so manche Kindheitsstunde verbrachte. Für die Gestaltung seines imaginären Dinosaurierhaut-Prints schöpfte er denn auch alle Freiheiten aus und arbeitete mit dem Magic-Eye-Effekt als Grundprinzip, als Strukturen dienten ein Sandstrand, ein Vulkanstein und ein Ölfleck mit Sonnenreflektion. Prominenten Platz nimmt in seiner Kollektion auch das formschöne Infinity-Zeichen ein, als nuancierter Perlenaufnäher oder in einen College-Pullover gestrickt, auf dem es optisch leicht verschwindet und wieder hervortritt. Mit solchen Spielereien und innovativen Ideen entführt Zigerli uns in seine Welt, und gerade angesichts des Einzugs der Sportlichkeit in die High Fashion scheinen seine Entwürfe zeitgeistig. Unterstützend wirken seine aufwendig und professionell inszenierten Videos und Lookbooks, die er mit jungen Kreativen, wie der Fotografin Amanda Camenisch oder den Künstlern Rico und Michael mit viel Liebe und Sinn für Ästhetik produziert. Da wundert es keinen, dass Zigerli drauf und dran ist, der Darling der Bloggerszene und mancher Stylisten zu werden. Wir warten dann applaudierend beim Zieleinlauf.

Weitere Info findest du unter julianzigerli.com


www.muschikreuzberg.de


Zed Nelson/ INSTITUTE

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Fat Nation

The National Association to Advance Fat Acceptance (NAAFA) describes itself as a ‹non-profit human rights organisation dedicated to improving the quality of life for fat people›. Their NAAFA Convention promises members a week of ‹selfempowerment, education, support›, and for some, the chance to have some fun. The ‹size acceptance› movement is framed as a civil rights battle, a fight for the right to exist, in the words of NAAFA, ‹without guilt, without shame and without the humiliation meted out by a fat-fearing public, a thin-obsessed media, and a society that sees fit to condemn fat people›.

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‚Sport offenbart mir Songs›

Drei eigenwillige Geister stecken unter einer Decke: Breathe Owl Breathe

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Zu dritt leben sie im Niemandsland von Michigan: Micah Middaugh, Trevor Hobbs und Andréa MorenoBeals alias Breathe Owl Breathe. In einer holzbeheizten Blockhütte in unberührter Natur sind sie zuhause und irgendwie hört man das ihren mystischen Folk-Klängen auch an. Weniger vermuten würde der Hörer wahrscheinlich, wie sportlich diese drei Eremiten sind … Text und Interview: Selma Wick, Fotos: Patrick Lelli

Interview kinki magazin: Wie seid ihr eigentlich auf euren Bandnamen gekommen? Micah: Der Name Breathe Owl Breathe entspringt einem Traum, den ich einmal hatte. Wer auch immer die Kameraführung dieses Traumes hatte, es war wunderbar. Es war eine kalte und klare Nacht. Ich sah die Welt von oben, die Perspektive vergrösserte sich langsam und konzentrierte sich auf eine Maus, die unten auf der Erde durch ein Feld huschte. Es war mitreissend und verwirrend zugleich. Plötzlich brach das Bild ab. Die Maus machte ihren letzten Atemzug und ich sah sie im Schnabel einer Eule durch die Lüfte fliegen. Ich wachte halbwegs auf und schrieb im Halbschlaf ‹Breathe Owl Breathe› auf ein Blatt neben dem Bett. Dann schlief ich weiter. Als ich später aufwachte, rief ich Andréa an und erzählte ihr meinen Traum. Unser Bandname war damit gefunden … Ihr habt ganz unterschiedliche Hintergründe. Wie habt ihr eigentlich zusammen gefunden? Trevor: Stinknormal, wie das bei Freunden halt passiert. Micah und ich trafen uns, musizierten noch bevor wir miteinander sprachen, und gingen dann gemeinsam auf eine Party, zu der wir nicht eingeladen waren. An der Party wollte Micah einen Film drehen. Er hatte seine Kamera dabei und eine Idee im Kopf. Wir drehten einen Zombiefilm. Ich war die Hauptfigur und bin in der letzten Szene durch das Fenster entkommen. So verliessen wir die Party. Ich bin mir nicht sicher, ob die anderen Partygänger merkten, dass der Film zu Ende war. Wie war euer Leben vor der Band? Womit habt ihr euer Geld verdient? Micah: Ich habe für meinen Vater teilweise Schreinerarbeiten erledigt und studierte verschiedene Drucktechniken. Es gab auch Zeiten, da bin ich mit meinen Brüdern nach Colorado gefahren, um ein Schneeschuh-Team zu unterstützen.

Andréa: Eine Zeit lang war ich Hilfslehrerin an einer Rudolf-Steiner-Schule und unterrichtete Cello. Zwischendurch lebte und arbeitete ich auf Bauernhöfen und in einem alten Hühnerstall. Trevor: Ich war Vollzeitstudent und wurde langsam Teilzeitmusiker. Dann wurde ich Vollzeitmusiker und nur noch Gelegenheitsstudent. Ich absolvierte einen Bachelor in Geowissenschaften und einen Master in Geomorphologie. Auch das Leben vor der Band war voller Musik, aber natürlich nicht in der gleichen Weise wie jetzt. Manchmal wollte ich Musik studieren, aber ich war schon immer ein schlechter Notenleser. Das kostet mich einfach zu viel Geduld … Ihr verbringt jeden Tag Stunden in der Natur und treibt Sport. Was soll das? Micah: Oh, ich geniesse die Stille beim Sport. Ich versuche, multiple Wege in der Reise durch den Tag einzuschlagen. Damit kann ich die Routine des täglichen Lebens brechen. Es gibt einem Zeit, über Dinge nachzudenken oder über ‹Nicht-

‹Ich geniesse die Stille beim Sport. Sie gibt einem Zeit, über Dinge nachzudenken.› Dinge› zu philosophieren. Manchmal offenbart mir der Rhythmus des Körpers das Fragment eines neuen Liedes. Sport offenbart mir Songs. Entstehen denn alle eure Songs so? Micah: Dafür gibt es keine Formel und wir haben ganz verschiedene Methoden. Eine nennen wir zum Beispiel ‹Keller abfragen›. Wir gehen in den Keller und suchen uns in unserem Sammelsurium von Instrumenten irgendwelche aus und fangen an zu spielen. Manchmal entsteht so ein Song. 71

Wohin führt euch denn der musikalische Weg, zu den Kellerwelten oder dem Nichts? Micah: Das fragen wir uns auch immer wieder. Wir wissen es nicht, aber das macht das Leben doch so interessant. Wenn ihr noch einmal Kinder wärt, was würdet ihr anders machen? Andréa: Ich würde mir nicht nochmal meine beiden Schneidezähne brechen. Und die Nase auch nicht. Micah: Ich wäre offener für Musik und Tanz. Die Schulmusicals fanden immer während der Basketballsaison statt und ich habe Prioritäten gesetzt. Einmal wurde ich zum Musical gezwungen, da ich meinen Daumen gebrochen hatte und musste zusehen, wie unsere Mannschaft chancenlos auseinanderbrach. Und das alles nur wegen meines Daumens. Trevor: Ich würde die letzten beiden Freiwürfe in jedem Basketball-Match machen. Als wir in der 8. Klasse gegen unsere Rivalen verloren, war es so schmerzhaft.

Weitere Info findest du unter breatheowlbreathe.com


verhör essentielle alben für jede lebenslage

Unser Reviewnator hat es sich zum Sport gemacht, euch allmonatlich mit den heissesten News aus der musikalischen Champions League zu versorgen. Auch dieses Mal weiss er wieder von einigen Volltreffern zu berichten.

chicago erfindet sich neu

Addison Groove – Transistor Rhythm Juke ist der Name eines neuen Musik- und speziell auch Tanzstils, der das Zeug hat, 2012 europaweit durchzustarten. Seltsam ist, dass es angesichts der globalen Medienvernetzung so lange gedauert hat, bis die in Chicago bereits vor rund fünf Jahren entstandene Musikrichtung nun wohl auch den Weg in die hiesigen Clubs finden wird. Juke ist musikalisch gesehen rasanter House in einem wehenden Techno-Gewand, der Tanz erinnert ziemlich an Grumpy und die Vocals an Grime. Obwohl Vocals zuviel gesagt ist, denn es gibt keine Songtexte, stattdessen werden Wörter oder kurze Satzfragmente in eine endlose Loopschleife geschickt oder in kleingehackten Sequenzen rausgefeuert. Die Beats sind im Rhythmus reduziert und meistens von einem analogen Drumcomputer produziert. Speziell der Roland 808, legendär für seinen weichen Klang, der ja schon House gross gemacht hat, feiert beim Juke sein nächstes Revival. Als Instrument der ersten Wahl benutzt es auch Addison Groove auf seiner neuen Platte ‹Transistor Rhythm›. Der stammt zwar aus England, jedoch adaptiert kinki verhör

er den Juke Stil perfekt und baut ihn sogar noch aus. Mit besten Musikzutaten der Insel wie Dubstep oder Garage, kreiert er einen schwer zu widerstehenden Mix. Zwar weniger direkt als die Originale aus Chicago, dafür zugänglicher und mit zahllosen echohaften Pop-Samples gespickt. Nicht unwahrscheinlich, dass Antony Williams aka Addison Groove mit dieser Platte den Juke also auch in Europa auf die Schiene setzt und gehörig nach vorne bringt. Dass er Musikstile ohne Berührungsphobie zusammenbringen kann, hat er ja schon vor einigen Jahren bewiesen, als er mit seinem Clubhit ‹Footcrab› die bis dahin noch stark fremdelnden Dubstep- und House-DJs gleichermassen verzückt in die Plattenkisten greifen liess.

titel selbst puzzlen und mit ebenfalls beigelegten kulturellen Icons wie der – nie braun werdenden – WarholBanane das Cover bekleben. Man sieht, die Band erwartet Interaktion und dies gilt natürlich vor allem für die Musik. So führt sie den Zuhörer in ein textliches Labyrinth, aus dem man schon nach einer Strophe egal welchen Songs auf der Platte nicht mehr herausfindet. Alles muss man nicht verstehen, soll man sicher auch nicht. Aber so viel Wortwitz war schon lang nicht mehr in deutschen Texten zu entdecken. Sätze wie ‹Ich will keinen Mindestlohn, ich will Mindestliebe!› in dem Song ‹Leben oder Streben› sind in ihrer dadaistischen Verdrehtheit massenhaft in den Liedern zu finden und würden als originelle Tweets die Followerzahl eines jeden Twitter-Accounts explodieren lassen. Auch wenn die Kernkompetenz der Band um den Sänger und Labelchef von Staatsakt Maurice Summen vor allem die Texte sind, ist die patchworkartige Musik auf der Platte nicht weniger gut geworden. An Instrumenten wird dabei nicht gespart, so umfasst der Fundus neben der klassischen Formation von Gitarre, Bass und Schlagzeug zudem noch Geigen, Orgeln und Bläser. Dass sie all diese musikalischen Mittel stimmig in den Stücken einsetzen können, lässt sich am besten in den Jam-Einlagen der Band nachhören, die in ihrer Ausgelassenheit bisweilen stark an die ehemaligen britischen SkapopHelden von Madness erinnern. Ansonsten treffen sich speziell Glamrock aus den 70ern und Ska auf einem rhythmisch verspielten Elektroteppich und bilden eine Soundkulisse, die sofort in die Beine geht und so dem doch mitunter etwas angestrengten Kopf immer wieder Pausen verschafft!

da tanzt der hipster

Die Türen – ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ Die Türen spucken mit ihrem nunmehr vierten Album so gut wie jedem in die Suppe, Politik und Gesellschaft oder auch Rentnern und Studenten, wie im gleichnamigen ersten Lied der Platte. Um den Wortwitz der Band gleich aufzugreifen, spucken sie mit einem Albumtitel wie ‹ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ› natürlich jedem in die Buchstabensuppe. In postmoderner Manier kann man sich aus den beiliegenden Buchstaben den Album72

folktronica aus brüssel

He died while hunting – We used to dream awake Belgien macht im Moment ja echt schwere Zeiten durch. So lähmt der Zwist zwischen den Bevölkerungsgruppen Flamen und Wallonen immer stärker das Land. Bis vor wenigen Monaten verhinderte er zum Beispiel mehr als ein Jahr lang die Regierungsbildung nach der letzten Wahl. Die Jungs vom Guiness-Buch der Rekorde mussten sogar den Irak als bisherigen Rekordhalter in dieser Kategorie wieder rausstreichen. Kulturell sieht die Sache aber schon besser aus. Speziell Brüssel zeichnet sich in diesen Tagen durch eine lebendige Musikszene aus. Ein schillerndes Beispiel sind die Jungs von He died while hunting. Auf deren neuen Scheibe ‹We used to dream awake› präsentieren Cédric van Mol und Kevin P. Guillaume ein intelligentes Kaleidoskop des elektronischen Indie-Folks. Aus allen Himmelsrichtungen fliegen die Referenzen zu, von amerikanischem Indietronic der Marke The Postal Service bis hin zum instrumentalen Post-Rock britischer Bands wie Codes in the Clouds. Neben diesen Einflüssen scheint das Duo zudem auch von den deutschen Lo-Fi-Experten der Band The Notwist an-


getan zu sein. Ähnlich behutsam werden die Sounds aufeinander aufgebaut und mit fragil gesungenen Lyrics unterlegt. Bei jedem Durchlauf der Stücke werden neue Facetten sichtbar, die zuvor scheinbar noch nicht da waren. Hier ein Loop, da ein Glockenspiel, dort eine kurze Melodiesequenz, angedeutet mit akustischer oder elektronischer Gitarre. Trotzdem wirken die Tracks nicht angestrengt, behalten ihre intime Sanftheit. Die Band begreift ihre Musik in erster Linie als unverbaute Klanglandschaften, eingerahmt höchstens hin und wieder von einer Prise Shoegaze. Die meisten Stücke wie beispielsweise ‹Again. Journey› oder das am Anschlag eskapistische ‹Love + Hate› bleiben somit überwiegend skizzenhaft. Gefühlvolle Fragmente, deren emotionale Interpretation allein dem Zuhörer überlassen wird. Wer also mal wieder einen Abend mit seinem Unterbewusstsein verbringen möchte, kann einfach die EP der Band einlegen. Tagträume wie in einem Streifen von Jim Jarmusch sind mit dem smarten Minimal Folk von He died while hunting locker garantiert.

Tracks die jeweiligen Talente der Musiker und lassen etwas komplett Neues entstehen. Hier die klassisch ausgebildete Pianistin, dort der cluberfahrene DJ mit Rave-Attitüde. Vor allem Funke überrascht mit der Platte, da sie wesentlich ruhiger ausfällt, verglichen mit seinen bisherigen Soloalben. Doch noch immer beweist der Musiker, wie elegant er die Sounds miteinander vermischen kann, wie organisch sein Verständnis von elektronischer Musik ist. Das Hauptthema in Musik und Lyrics der minimal-elektronischen Tracks auf ‹Unknown› ist eine stets spürbare Lust auf das bisher Unentdeckte. Textlich am besten im Opener der Platte umgesetzt, dem gleichnamigen Stück ‹Unknown›, in dem immer wieder die Zeilen ‹This Unknown ... keeps us together, brings us closer› erklingen. Dass diese Leidenschaft aber auch ambivalent ist und mit der Angst vor dem Ungewissen einhergeht, wird nicht ausgeblendet, sondern offen in die Tracks mit eingebaut. So wird die Stimme von Dessange mitunter nervöser und die Akkorde am Klavier färben sich immer wieder dunkel. Alles in allem überwiegt

dancing on a cloud

Saschienne – Unknown Arbeit und Privates soll man trennen. Bloss nicht, denkt man sich im Fall des Berliner DJ und Produzenten Sascha Funke und der Multiinstrumentalistin plus Sängerin Julienne Dessange. Denn mit ‹Unknown› haben die beiden privat liierten Musiker unter dem Projektnamen ‹Saschienne› nun eine berauschende elektronische Scheibe abgeliefert. Ja, selbst wenn man in einer gut laufenden Partnerschaft ist, die beiden Glückskinder scheinen in Sachen Harmonie und gegenseitiges Verständnis noch ein ganzes Stück weiter zu sein. Nahe schon an der musikalischen Seelenverwandtheit vermengen sich in den acht

aber die Abenteuerlust in den Stücken, weshalb die Platte durchaus als Hommage an die Zweisamkeit und vor allem an das Morgen, an all die Dinge, die kommen werden, zu verstehen ist. Das Musikjahr kommt endlich langsam in Fahrt! Grund genug, dass ihr euch fit macht in Sachen heisse Newcomer. Am besten mit einer ausgiebigen Runde Earobic in unserem Verhör – geleitet wie immer vom durchtrainierten Vorturner und ‹Reviewnator› Mathias Bartsch. Als ausgebildeter Hymnologe bringt er Ordnung in den Wust der monatlichen Neuzugänge. Trennt musikalische Putzerfische von echten Haien auf der musischsten Doppelseite im gesamten Magazin! Zu allen mit Dreieck gekennzeichneten Artikeln liefert euch kooaba Paperboy zusätzliche Info in Sekundenschnelle auf euer Handy. Einfach die kostenlose kooaba Paperboy App downloaden und die entsprechende Heftseite knipsen.

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Bukarest, Berlin, Z端rich: der Tourplan von Modeselektor gleicht einem Marathon.

kinki musik

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Kumpelsport Gernot und Szary aka Modeselektor sind wie Marathonläufer auf der Techno-Rennbahn. Seit über 15 Jahren basteln die beiden Berliner eigenwillige Tracks, arbeiten mit Künstlern wie Thom Yorke im Studio und betreiben seit einiger Zeit ihr eigenes Label-Imperium Monkeytown. Wir haben die beiden Spitzenreiter ihrer Disziplin in Zürich getroffen und mit ihnen über Erfolg, Denksport und die Aufgabenteilung in einem Motorrad mit Seitenwagen gesprochen. Interview: Antonio Haefeli, Fotos: Promo

Interview kinki magazin: Ich habe gestern erfahren, dass ihr den Echo Kritiker Award gewonnen habt … Szary: Ja, sieht so aus. Das haben wir irgendwie gar nicht so auf dem Schirm gehabt bis jetzt und wissen darum auch nicht so genau, was das bedeutet. Letztendlich ist es ein Stück Metall, das jetzt bei mir auf dem Küchentisch steht. Wo steht er bei dir Gernot? Gernot: Auch auf dem Küchentisch. Szary: Auch auf dem Küchentisch. Ja, da wird er jetzt bewundert. Ich glaube aber, das braucht noch ein wenig Zeit, bis wir damit wirklich was anfangen können. War auch alles ein bisschen surreal, wie wir da an diesem Tisch sassen, mit Klaus Meine von den Scorpions und dem Chef vom Echo, und uns gegenseitig fragten: ‹So, und was machst du eigentlich?› Ihr hattet in letzter Zeit bestimmt saumässig viel zu tun. Fühlt sich der Preis auch ein wenig an, wie wenn ihr einen Pokal bei einem Marathon gewonnen hättet? Gernot: Ich glaube, das trifft es eigentlich ganz gut. Ich habe einen kleinen Sohn, der ist jetzt vier Jahre alt und als er den Echo am morgen auf dem Küchentisch sah, hat er den sofort als Pokal identifiziert und mich dann gefragt, ob ich jetzt Musik-Champion bin. Echt jetzt? Gernot: Ja, wirklich. Ich habe dann gesagt: ‹Ja Sohn, Papa ist jetzt Musik-Champion›.

Ihr merkt schon: Ich will mit euch über Sport reden ... Gernot: Also Sport ist ja eigentlich ein weiter Begriff. Da gibt es Sport im Sinne von diesem ganzen Körperkult und Yoga-Wahnsinn, das ist die eine Seite. Was uns angeht, passiert Sport eigentlich viel mehr im Kopf. Das hat nichts mit Hantelstemmen zu tun, sondern eher mit etwas wie Schach spielen. Schach ist immerhin eine anerkannte Sportart. Szary: Ich habe übrigens mal gelesen, dass Yoga kein Sport ist. Gernot: Ist wohl eher ’ne Therapieform. Szary: (Lacht) Da scheiden sich die Geister. Gernot: Na ja, ist ja auch egal. Was ich sagen will ist: Ich finde, was wir machen, ist sportlich. Ja, das wäre auch gleich meine nächste Frage: Könnte man euren Job, oder vielleicht auch ‹Clubbing› im Allgemeinen als eine Art Sport bezeichnen? Gernot: Klar, jetzt mal fernab von all den biologischen Gesetzen, die wir brechen. Von wegen Rauchen und Bier und so… Szary: Ja sicher. Aber um jetzt nochmals etwas auszuholen: Vor 15 Jahren gab es ja den ‹Kumpelsport›... Kumpelsport? Szary: Ja, sich einmal die Woche treffen und irgendeinen Sport machen, so semiprofessionell. Auch wenn wir alle immer total fertig waren, haben wir das durchgezogen, weil wir es einfach geil fanden. 75

Stimmt, gab es nicht mal so eine Bpitch-ControlFussballmannschaft (Anm. d. Red.- ehemaliges Label von MDSKR)? Gernot: Nee, dafür hatten wir keine Kraft mehr. Unser Sport besteht darin, am Donnerstag in Tel Aviv zu spielen, am Freitag in Istanbul, am Samstag in Bukarest, am Sonntag in Berlin, dann hat man zwei Tage Rennereien, um irgendwelche

‹Das hat nichts mit Hantelstemmen zu tun, sondern eher mit Schach spielen.› Termine zu erledigen und dann ist man auch schon wieder in Zürich. Wir sind eigentlich immer nur am Hürden springen und am Staffelstab weiterreichen. Wie sieht denn das Training aus für diese Art von Sport? Szary: Ich glaube, unser Training besteht darin, dass wir den Sport ununterbrochen ausüben. Wir sind ja wirklich ständig auf Achse und haben mittlerweile ein super eingespieltes Team um uns. Ich meine, wir machen hier jetzt ein Interview und sind ganz entspannt. Früher hätten wir schon voll den Stress gehabt wegen Soundcheck und so … Gernot: Aber was hat das denn jetzt mit Sport zu tun? Szary: Na das hat mit dem Sport zu tun, den


Seid ihr denn politisch? Gernot: Nein. Irgendwie anti-, aber nicht mit so einer bescheuerten politischen Punk-Attitude. Politik ist so ein Bereich, mit dem wir uns nicht die Finger schmutzig machen wollen. Ich bin letztendlich der Meinung, dass Politik überflüssig ist, habe auch aber auch keine Lösung für ein neues Modell. Daher halte ich mich da komplett raus. Szary: Politik hat in unserer Musik auf jeden Fall nichts zu suchen. Gernot: Vielleicht ist das genau der Grund, warum wir so sind, wie wir sind. Weil wir es einfach nicht nötig haben, auf die Kacke zu hauen. Wir machen das alles, um die Leute glücklich zu machen und Bestätigung zu bekommen für das, was wir tun. Ein Feedback zu bekommen, etwas zu spüren, das ist uns wichtig.

Gernot und Szary, das perfekte Team –  im Studio oder beim Motorsport.

wir betreiben! Ich wollte das nur mal erklären. Training und so, weisste? Gernot: Ja, aber was seine Frage war, ist ja auch: Wie kann man das durchhalten? Und da kannst du einfach nur Urlaub machen, Punkt. Man muss genau wissen, wann man Stopp sagen und seine Energie gut einteilen muss. Man merkt nämlich schon irgendwann, dass die Kraft nachlässt, da kann man noch so gut organisiert sein. Szary: Der Muskelkater von so einem Wochenende dauert dann auch schon mal bis Dienstag. Ihr kennt euch ja schon seit der Schule und macht seit Mitte der 90er Musik zusammen. Was sind denn die markantesten Veränderungen seit damals? Szary: Hm, ich versuche mich da gerade mal selber von aussen zu betrachten ... Was hat sich denn verändert, Gernot? Gernot: Na alles hat sich verändert. Komplett, von hinten bis vorne, ist alles anders. Das ist eine einzige riesige Transformation, die stattfand und immer noch stattfindet. Das ist aber mit der Hauptgrund, dass wir noch immer Musik machen und uns wie kleine Kinder freuen, wenn wir spielen können. Wir haben ja, ich sag jetzt mal als kleine Taugenichtse angefangen und so gesehen ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht zwischen dem, was wir damals machten und heute. Wie wir aber an Musik herangehen und sie interpretieren, hat sich weniger verändert. Das ist der rote Faden, den man als Künstler irgendwie braucht. Ihr plant ein neues Projekt mit Shed und Marcel Dettmann, habe ich gehört ... Gernot: Genau, eine Technoband, Technogruppe Berlin Ost nennt sich die. Szary: Die Abkürzung dafür ist A.T.O.L – mit Punkten dazwischen. Nee, nur Spass, nicht Technogruppe Berlin Ost, einfach A.T.O.L. Gernot: Wir sind immer glücklich mit dem, was wir haben, aber dann ist es auch schon wieder kinki musik

Zeit für was Neues. Wir haben ja gerade ein Album gemacht, sind aber schon wieder zurück im Studio und machen gerade noch eines. Wir müssen einfach nochmals Musik machen. Mir scheint, ihr seid trotz des grossen Erfolges irgendwie immer so relaxed. Wie macht ihr das? Seid ihr nie arrogant, abgehoben und Scheisse drauf? Szary: Wir sind die totalen Arschlöcher. Eigentlich reissen wir uns gerade extrem zusammen. Gernot: Das Ding ist, da steckt einfach so viel Herz drin. Und letztendlich haben wir an elektronischer Musik schon immer eine Sache gut gefunden, nämlich der Zusammenschluss von

‹Wir sind die totalen Arschlöcher. Eigentlich reissen wir uns gerade extrem zusammen.› Leuten, die das gleiche geil finden. Szary: Es war ein Lebensgefühl. Es ist ein Lebensgefühl. Gernot: Ich finde es einfach viel cooler, mit jemandem zu arbeiten, wie beispielsweise Thom Yorke. Also eigentlich wollen wir da aus Prinzip nicht drüber reden, aber das beantwortet diese Frage ganz gut. Er war der Einzige, der zu uns nach Berlin ins Studio gekommen ist und wir haben da dann einfach abgehangen. Da gab es keine Euphorie, einfach nur gegenseitigen Respekt. Das unterscheidet unsere Welt vielleicht auch von dem Echo-Ding, das ist für mich einfach alles nicht real. Wir sind da schon ein wenig Underground-Resistance-mässig gross geworden, ‹Fight The Power› und Public Enemy, N.W.A und Jeff Mills war unser Soundtrack der Jugend. 76

Mit der letzten Frage nochmals zum Sport zurück: In welcher ‹normalen› Sportart wärt ihr als Team am besten? Gernot: Das wäre so ’ne krasse Rally, oder? Szary: Ein Rally-Team? Gernot: Irgendwas, wo man sich auf jemanden verlassen muss. Ohne viel Zeit dazu zu haben, zu sprechen oder diskutieren. Szary: Mir würde da auch Rudern einfallen. Im Zweier. Da spielt es auch keine Rolle wer vorne oder hinten sitzt, weil beide einfach voll durchziehen müssen. Ich hab das übrigens mal gemacht. Gernot: Nur ganz kurz. Szary: Ja, ganz kurz und im Winter, im Trockendock. Gernot: Ich glaube, dass es eher eine Sportart wäre, bei der die Aufgaben unterschiedlicher sind. Kennt ihr noch diese Motorradrennen mit Beiwagen? Ja, aber was hat der im Beiwagen denn eigentlich gemacht? Gernot: Ausgeglichen. Das Gewicht ausgeglichen. Szary: Ey, jetzt fallen mir Sportarten ein! Curling. Das ist auch ein Teamsport. Gernot: Also ich muss leider sagen, wenn das ein Motorradsport wäre, dann würde ich schon fahren wollen. Weil ich glaube, dass ich krasser bin als Szary. Er ist der vorsichtigere und schaut voraus und sorgt dafür, dass wir uns nicht überschlagen. Tourdaten und weitere Info findet ihr unter modeselektor.com.


12.–17. Juni 2012 64 Galerien aus 22 ländern neu an der LISTE* Belgien: Dépendance, Brüssel. Office Baroque, Antwerpen. Elisa Platteau, Brüssel China: *2P, Hongkong. Platform China, Peking dänemark: *Christian Andersen, Kopenhagen deutschland: Chert, Berlin. Circus, Berlin. Croy Nielsen, Berlin. Exile, Berlin. *Cinzia Friedlaender, Berlin. Kadel Willborn, Karlsruhe. KOW, Berlin. Lüttgenmeijer, Berlin. Neue Alte Brücke, Frankfurt a. M. Sommer & Kohl, Berlin. Supportico Lopez, Berlin Frankreich: Bugada & Cargnel, Paris. Gaudel de Stampa, Paris. Marcelle Alix, Paris. Schleicher + Lange, Paris/Berlin Griechenland: The Breeder, Athen Grossbritannien: Ancient & Modern, London. Hollybush Gardens, London. IBID, London. *Kendall Koppe, Glasgow. Limoncello, London. Mary Mary, Glasgow. Rob Tufnell, London. Jonathan Viner, London Holland: Ellen de Bruijne, Amsterdam. *Jeanine Hofland, Amsterdam. Wilfried Lentz, Rotterdam. Martin van Zomeren, Amsterdam irland: Mother‘s Tankstation, Dublin italien: Fluxia, Mailand. Kaufmann Repetto, Mailand. Francesca Minini, Mailand. Monitor, Rom Mexico: *Gaga, Mexico City. Labor, Mexico City neuseeland: Hopkinson Cundy, Auckland Österreich: Andreas Huber, Wien. Emanuel Layr, Wien Polen: Stereo, Posen rumänien: Andreiana Mihail, Bukarest. *Sabot, Cluj-Napoca schweden: Johan Berggren, Malmö. Elastic, Malmö schweiz: BolteLang, Zürich. Freymond-Guth, Zürich. Karma International, Zürich. *Gregor Staiger, Zürich spanien: *Maisterravalbuena, Madrid. NoguerasBlanchard, Barcelona Türkei: Rodeo, Istanbul usa: Altman Siegel, San Francisco. Bureau, New York. Laurel Gitlen, New York. Overduin and Kite, Los Angeles. Renwick, New York. *Simone Subal, New York. Wallspace, New York Vereinigte arabische emirate/Pakistan: *Grey Noise, Dubai/Lahore Hauptsponsor seit 1997: e. GuTzwiller & Cie, Banquiers, Basel

Stand: März 2012

Grafik: Ute Drewes, Basel; Foto: HJ.F.Walter, Zürich

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 13 bis 21 Uhr, Sonntag, 13 bis 19 Uhr Vernissage: Montag 11. Juni, 18 bis 22 Uhr, Burgweg 15, CH 4058 Basel, info@liste.ch, www.liste.ch, ein Projekt im Werkraum Warteck pp


vorspiel das album des monats

Alt-J: An Awesome Wave 01 ‹Intro›

Dieser Song hiess ursprünglich ‹Nod To The Canon›, was eigentlich schon alles sagt. Wir machen damit ein Geständnis, gewisse Dinge unabsichtlich gestohlen oder ausgeliehen zu haben. Dinge, die dann unbewusst zum Kern unserer Arbeit wurden.

02 ‹Interlude 1›

Eine junge Frau träumt verzweifelt von einem sorgenfreien Leben – ohne Schluckauf, Traumata oder Hindernisse. Sie betet dafür, glücklich zu werden und ohne Sorgen zu sein, aber ihre Tränen werden nur von aggressivem Hundegebell erwidert.

03 ‹Tessellate›

Dieses Lied handelt vom Aufflackern einer alten Liebe und der physischen Intimität, die man mit diesem einen Individuum geteilt hat. Der Song markiert für uns einen neuen Sound und war darum sozusagen ein Durchbruch.

04 ‹Breezeblocks›

‹Breezeblocks› basiert auf Maurice Sendaks Kinderbuch ‹Where The Wild Things Are›. Der Song leiht sich Ideen aus dem Buch, um die Schmerzen einer unerwiderten Liebe zu beschreiben.

05 ‹Something Good›

W

er auf seinem ApfelRechner ‹Alt› und ‹J› drückt, bekommt ein süsses kleines Dreieck auf den Bildschirm gezaubert – zumindest auf englischen Tastaturen. Das ist auch die Formel, aus der ‹Alt-J› ihren Bandnamen zusammensetzt. Das junge Quartett aus Leeds ist einer dieser Geheimtipps, bei denen man sich fast hundertprozentig sicher ist, dass er keiner bleiben wird. Gefunden haben sich Joe, Gwil, Gus und Thom an der Kunsthochschule Leeds. Auch wenn Drummer Thom erst etwas später zur Band stiess. ‹Es war die Musik, nach der ich gesucht hatte – quasi ohne es zu wissen›, sagt er. Nachdem die vier einige Jahre im Keller eines kleinen Hauses mit Veranda Musik gemacht und nebenbei ein wenig studiert haben, unterschrieben sie Ende kinki vorspiel

‹Something Good› dokumentiert den Tod eines Matadors. Der grauenvolle Stierkampf ist hier eine Analogie zu der langsamen Heilung eines spasseshalber gebrochenen Herzens. Der Tod des Matadors symbolisiert das Ende des Verliebtseins.

2011 bei Infectious Records einen Vertrag und veröffentlichten ihre erste Platte. Zum Glück! Denn die Songs auf ihrem Debüt ‹An Awesome Wave› sind allesamt einzigartig, komplex und catchy zugleich. In den Stücken spielt die Zeit verrückt: sie ändert die Richtung, bricht ab, Minuten werden zu Stunden und Jahre zu Sekunden. Dazu erzählt Sänger Joe Newman seine kryptischen Geschichten. Um ihren einzigartigen Sound herum interpretieren und zitieren Alt-J wild drauf los. ‹Wir gestehen gerne ein, dass wir uns Ideen und Elemente borgen, um sie dann in unsere eigene Arbeit einfliessen zu lassen›, sagt Joe. Für uns hat sich Joe nochmals allen Songs auf ‹An Awesome Wave› angenommen und reflektiert, wie und in welchem Zusammenhang sie entstanden sind.

06 ‹Dissolve Me›

Hier geht es um die tägliche Routine vor dem Schlafengehen, die ich als Kind mit meiner Mutter pflegte: Wir hatten so ein Spiel, bei dem wir uns gegenseitig einen Tag am Strand beschrieben. Was wir tun und welche Badehose wir tragen würden, das Essen, die Sorte Eis und die Geräusche des Strandes.

07 ‹Matilda›

Der Song wirft einen Blick auf die letzten Momente von Leon im gleichnamigen Film von Luc Besson. Das Stück zeigt den geteilten Untergang des Protagonisten und seines Widersachers und wiederholt Leons letzte Worte an seinen finalen Gegner.

08 ‹Ms›

‹Ms› beschreibt den rohen, quälenden Hangover einer kaputten Beziehung, ist aber auch geprägt vom Gefühl der Hoffnung.

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09 ‹Fitzpleasure›

Dieser Song basiert auf einem Kapitel in Hubert Selby Jrs Buch ‹Exit to Brooklyn› mit dem Titel ‹Tralala›. Der Text erzählt die letzen Seiten dieses Kapitels nach, geht aber noch mehr ins Detail. Es ist zu empfehlen, erst das Buch zu lesen und dann den Song zu hören. So ergibt sich vielleicht eine neue Perspektive auf die Geschichte.

10 ‹Bloodflood›

Der Song handelt von der adrenalingetränkten Angst, die den ganzen Körper durchströmt, wenn man sich in Gefahr befindet. Konkret geht es auch um eine eigene Erfahrung, als ich von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen wurde. Der Song vergleicht einen ‹Happy Slap› mit dem Klatschen einer Walflosse auf der Wasseroberfläche.

11 ‹Taro›

Es geht um die beiden Kriegsfotografen und Liebenden, Robert Capa und Gerda Taro. Der Song beschreibt Capas letzen Moment, bevor er auf eine Landmine trat, und seine Liebe zu Gerda Taro, die viele Jahre vor ihm auf ähnliche Weise starb. ‹An Awesome Wave› erscheint am 25. Mai bei PIAS Records. Weitere Info zu Alt-J findest du unter altjband.com. Text und Übersetzung: Antonio Haefeli Foto: Promo Zu allen mit Dreieck gekennzeichneten Artikeln liefert euch kooaba Paperboy zusätzliche Info in Sekundenschnelle auf euer Handy. Einfach die kostenlose kooaba Paperboy App downloaden und die entsprechende Heftseite knipsen.


STROKE URBAN ART FAIR 3. - 6. Mai 2012/ Praterinsel www.urbanartfair.org


Some Deep Shit Die Musik von First Aid Kit ist nicht besonders spektakulär. Dass sie diese Musik spielen hingegen umso mehr. Die zwei Schwestern aus Schweden sind nämlich gerade einmal 18 und 21 Jahre alt und haben sich in eine Musik verliebt, die wir sonst von bärtigen Männern in Karohemden kennen: Country-Folk. Text und Interview: Dinah Brunner, Fotos: Neil Krug

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m diese Musik spielen zu können, lernten Klara und Johanna Söderberg ruckzuck ein paar Gitarrenriffs und schrieben ein paar Texte. Texte, die so reif wirken, dass man meint, die beiden hätten ihre Zukunft schon hinter sich – einen aber trotzdem nicht aus den Socken hauen. Doch da sind diese wunderschönen Stimmen, die so perfekt miteinander harmonieren, wie es wohl nur diejenigen von zwei Schwestern können. In ihrem selbsternannten Lieblingslied ‹Emmylou› singen First Aid Kit dann auch ohne grosse Umschweife, worum es ihnen eigentlich geht: ‹You know I’m not asking much of you, just sing little darling sing with me.› Singen ist ihre Leidenschaft, und ihre Leidenschaft hat sie weit gebracht: ins Studio von Jack White, in die Produzentenhände von Bright Eyes’ Mike Mogis, auf Platz Eins der schwedischen Charts und in die Herzen tausender Fans. Beim Konzert im Zürcher Mascotte haben sie dieser Leidenschaft mit heftigem Headgebange Ausdruck verliehen und gezeigt, dass Country-Folk nicht nur was für bärtige Männer ist.

Interview kink magazin: Ihr seid Schwestern – ist es einfach, zusammen Musik zu machen? Johanna: Das kommt ganz darauf an, von welchem Tag wir sprechen! Manchmal ist es schon ziemlich anstrengend. Aber es ist doch für jede Band schwierig, die Gruppe zusammenzuhalten. Und als Geschwister sind wir dazu bestimmt, uns zu ärgern. Und das tun wir oft! Wir haben aber eine enge Beziehung, darum können wir zwar ganz schlimme Sachen zueinander sagen, verzeihen uns aber immer wieder. Konkurrenzkampf gibt es keinen? Johanna: Wir könnten dies hier nicht machen, wenn wir irgendwie Konkurrenz verspüren würden. Dann müssten wir beide solo weitermachen. Klara: Als wir jünger waren, war das aber manchmal schon so ... Aber meistens waren wir in unterschiedlichen Sachen gut. Darum konnten wir gar nicht konkurrieren. Country-Folk ist nicht gerade die Musik eurer Generation. Wie seid ihr zu dieser Musikrichtung gekommen? Klara: Natürlich weil wir diese Musik lieben. Anfangs fragten wir uns schon, was sollen wir machen? Punk oder New Wave wie unser Vater? Aber als wir über einen Freund auf Bright Eyes gestossen sind, haben wir die Folkmusik für uns entdeckt. Wir waren berührt von der Musik und begeistert, wie qualitativ gut sie ist. Und vor allem wie ehrlich und einfach. Sie gab uns das Gefühl, einfach eine Gitarre in die Hand nehmen zu können und zu singen. Das hast du, Klara, ja dann auch wortwörtlich so gemacht... Klara: Ja, ich hab mit 13 Jahren angefangen Gitarre zu spielen. Ich hab einfach ein paar Akkorde gelernt und dann meinen ersten Song geschrieben. Auch unsere erste EP ist eigentlich so entstanden, dass ich immer einen neuen Akkord gelernt und dann dazu einen Song geschrieben habe. Johanna: Ja, es war schon komisch, wir haben dann einfach geübt, während wir spielten.

Auch wenn sie aussehen wie zwei verträumte HippieMädchen …

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... die Schwestern Klara und Johanna Söderberg spielen Musik, die wir sonst von bärtigen Männern im Karohemd kennen.

Habt ihr nie andere Musikstile ausprobiert? Johanna: Doch, wir singen ja viel zusammen, eigentlich die ganze Zeit. Und wir singen die verschiedensten Songs. Wir lieben einfach guten Gesang und schöne Harmonien. Im CountryFolk gibt es dieses Autotuning-Zeug und die ganzen manipulierten Sachen nicht. Sondern einfach die pure Stimme – das lieben wir. Ihr seid sehr jung, seid mit dem Internet aufgewachsen. Glaubt ihr, dass das Internet der Musik schadet? Klara: Der Musik nicht! Aber der Musikindustrie und denjenigen, die davon leben wollen. Für die Musik ist es eher von Vorteil, so können sie mehr Menschen hören als zuvor. Wir hätten zum Beispiel so viele Künstler ohne das Internet nie entdeckt. Und Bands wie wir haben durch das Internet die Chance, ihr Publikum und ihre Fans zu finden, auch wenn es sehr wenige sind. Du musst nicht unbedingt ein Label haben, das dich gut findet, sondern du kannst einfach deine Musik machen, sie da rausstellen und dann gewinnt der Beste. Johanna: So sehen wir es im Moment, aber wir wissen ja nicht wie es weitergehen wird. In den kommenden Jahren werden sich das Internet und alles drumherum sicher noch mal stark ändern. Erst dann wird sich zeigen, ob es gut oder schlecht ist. Und das Berühmtsein? Ist das gut oder schlecht? Klara: Das gute daran ist, dass so viele Menschen unsere Musik hören und wir hoffen, wir können die Country- und Folk-Tradition so an jüngere Generationen weitergeben. Wir hoffen einfach, dass die Leute in irgendeiner Weise berührt werden und sich durch die Musik besser oder stärker fühlen. Johanna: Es gibt schon auch schräge Sachen an diesem ganzen ‹Fame›. Dass die Leute zum Beispiel eine Art Beziehung zu dir haben, ohne dich zu kennen – das ist befremdlich. Richtige Stalker hatten wir bis jetzt aber nicht. Wir bekommen Fanpost, aber nichts Gefährliches.

Dafür hat euer Album einen gefährlichen Namen: ‹The Lion's Roar›. Eure Musik aber ist gar nicht so laut und gefährlich? Klara: Doch. Es kommt halt drauf an, wie du ‹laut› und ‹gefährlich› definierst. Natürlich ist es nicht Punkrock, aber wir haben starke Stimmen. Mit Löwengebrüll meinen wir die Art, unsere Emotionen ganz eindeutig und laut auszudrücken, wie das Warngebrüll einer Löwin. Und um wen geht es im gleichnamigen Song? Klara: Das wollen wir nicht sagen ... Es geht um Dunkelheit und den Druck von aussen. Aber der Song ist offen für Interpretationen. Als wir dem Song den Namen gaben, wollten wir

‹Alle haben irgendwie Angst davor, dass sich ihre Pläne und Träume verwirklichen, aber sie trotzdem nicht glücklich sind.› besprechen, wovon der Song eigentlich handelt, damit wir eine Antwort haben, wenn jemand fragt. Ich sagte etwas und Johanna etwas ganz anderes. Für jeden fühlt es sich einfach anders an, ohne richtig oder falsch. Darum sollen die Leute ihre eigenen Interpretationen finden können. Beim Song ‹This Old Routine› wird die Bedeutung aber schon im Namen klar. Ist das ein Thema, das euch beschäftigt? Johanna: Ja schon! Der Song handelt nicht von uns persönlich. Es ist die Geschichte von einem alten Mann, der seine Frau und seine Kinder betrachtet und sich so entfernt von ihnen 81

fühlt. Er merkt, dass sie ein anderes Leben führen, und er fragt sich, was tue ich eigentlich hier? Wie konnte es so weit kommen? Es ist eine Reflexion einer Frage, die wir uns oft stellen: Wer wir sein werden, wenn wir älter sind. Was ist der Sinn des Lebens? Eine Familie haben? Klara: Alle jungen Menschen denken über die Zukunft nach und fragen sich, was passieren wird. Jeder hat irgendwie Angst davor, dass sich ihre Pläne und Träume verwirklichen, aber sie trotzdem nicht glücklich sind. Sie sich immer noch leer fühlen ... Some Deep Shit! Weitere Info findest du unter thisisfirstaidkit.com


Share your thoughts! Es scheint, als würde sie ihre Songtexte nur an eine einzige Person richten, so intim und direkt klingt es, wenn Speech Debelle rappt. Daran wird es wohl auch liegen, dass Debelle einen offiziellen Song zur Olympiade 2012 beisteuert. Denn mit Sport hat sie nicht viel am Hut. Text und Interview: Antonio Haefeli, Fotos: Promo

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ie 26-Jährige Corynne Elliott aka Speech Debelle aus South London hat in den vergangenen Jahren ihren ganz persönlichen London-Sound entwickelt: Viel Soul, glasklare Raps und intelligente Texte, die sich zwischen Politik und Persönlichem bewegen. Mit 23 bewarb sie sich bei verschiedenen Plattenlabels und wurde vom renommierten Label Big Dada unter Vertrag genommen. Ihr Debütalbum ‹Speech Therapy› erschien 2009 und gewann den prestigeträchtigen Mercury Prize. 2012 folgte nun ihre zweite Platte ‹Freedom Of Speech›.

Interview kinki magazin: Dein erstes Album hiess ‹Speech Therapy›. Ist die Therapie für dich oder für deine Zuhörer? Speech Debelle: Für mich. Und wovon musst du dich therapieren? Nun ja, ich bin ein Mensch mit Gefühlen und Geschichten, die ich mit mir herumtrage. Okay, ich verstehe. Ich habe heute dein ‹Tagebuch› auf Youtube gesehen. Warum ist es dir wichtig, Gedanken und Ideen zu teilen? Naja, wenn ich eine gute Läuferin wäre, dann wäre es für mich wichtig zu laufen. Man sollte das tun, was man gut kann und es dann perfektionieren. Ich kann nun mal gut mit Texten umgehen und habe das Verlangen, meine Geschichten mit anderen zu teilen.

Bezogen auf den Song ‹Baze Up A Fire›: Wie ‹entfacht› man am besten ein Feuer? Natürlich spreche ich da von dem Feuer, das wir alle in uns selbst tragen und da muss jeder selber wissen, wie er das entfacht. Gedanken und Ideen mit andern zu teilen, hilft jedenfalls. In dieser Ausgabe geht es um Sport. Welche Rolle spielt Sport in deinem Leben? Ha! Sport spielt in meinem Leben echt keine grosse Rolle. Ich springe viel Seil, damit ich fit bleibe, das ist alles (lacht). Ein Cover deines Songs ‹Spinning› ist trotzdem einer der offiziellen Songs für die Olympischen Spiele 2012. Was denkst du, warum passt der Song zu diesem Sport-Event? Keine Ahnung, ehrlich, die haben mich einfach angefragt und ich hab ja gesagt. Kann sein, dass der Song ein gewisses Gefühl transportiert  — und er handelt von der Welt, wie sie sich immer weiter dreht.  

Und wie dreht sie sich für dich 2012 weiter? Das ist schwer zu sagen, aber ich glaube es wird ziemlich toll. Für mich selber, aber auch für die Musik. Ich glaube es wird ein sehr gutes Jahr für die Musik, ja! Weitere Info zu Speech Debelle findest du unter speechdebelle.com

Deine Musik ist eher souly und sanft, welche Beziehung hast du zu hartem Grime Rap und der damit verbundenen Szene in London? Ich habe überhaupt keine Beziehung zu Grime. Ich mag eigentlich alle Musikstile, habe aber keine spezifische Verbindung zu dieser Szene. Viel mehr verbunden fühle ich mich mit klassischer Musik oder Soul – eben Musik, wie ich sie selber mache.

Zählt Seilspringen als Sport? Geht's nach Speech Debelle, ja!

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Stefan Giftthaler

kick the habit kinki mode

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Jacket and Skirt: Costume National Top and Leggins: Delphine Murat Ears: Federica Moretti Shoes: Lo Zoccolaio

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Overall: Maison Martin Margiela Bustier: Elisabetta Franchi Gold Label Jeans

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Tailcoat: Fausto Puglisi Singlet: Arena Short: True Religion Ears: Archives

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Vest: Maison Martin Margiela Ears: Federica Moretti

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Jacket: Maison Martin Margiela

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Dress: A-lab Milano

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Jacket: Chanel Top and Leggins: Delphine Murat Sunglasses: ic Berlin Photography Stefan Giftthaler Styling Luca Termine Make-up Mikaela Alleyson @ Green Apple Using Mac cosmetics. Hair Kilian Marin @ Green Apple Model Nomi G @ Elite

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kopfkino vom umschlag bis zum abspann

Ihr habt Muskelkater, seid aus der Puste – und was soll die ganze körperliche Ertüchtigung überhaupt? Um ganzheitlich fit zu sein, ist auch geistiges Training und visuelle Herausforderung gefragt. Deshalb widmen wir uns in der Verschnaufpause diesen Büchern und Filmen – die Hantel bleibt dabei natürlich in der Hand.

Buch grösser

tels vieler Erinnerungen, Anekdoten und Ansichten wird die Geschichte von Aussersihl aufgezeichnet. Bekannte Zürcher Autoren schreiben über Literatur, Kunst, Architektur und das Sexgewerbe, und Protagonisten der früheren sowie der heutigen Kulturszene diskutieren in Gesprächsrunden über den Kreis 4. Ein spannendes und liebevoll zusammengetragenes Stück Stadtgeschichte, das hoffentlich nicht so bald zur Dokumentation verkommt.

Fahrräder auch einfach nur praktische Fortbewegungsmittel. Erschienen bei Gingko Press, ca. CHF 32.–

träumerisch

Kompositionen die prägnante Bildsprache. Durch die Abstrahierung macht sich der Kunstanspruch ihrer Bilder geltend, die sich zwischen Kunst-, Mode- und feinsinniger Dokumentarfotografie bewegen. Anstelle eines Vorworts kommt die Monografie mit der Kurzgeschichte ‹Chameleone› des ugandischen Schriftstellers Moses Isegawa aus. Das Werk ist poetisch, überraschend und viele Blicke Wert. Erschienen beim Prestel Verlag, CHF 53.90

Erschienen bei Scheidegger & Spiess, CHF 44.–

Grösser als Zürich ‹Ein kleines Psychogramm des Zürcher Stadtquartiers Aussersihl› lautet der Untertitel des Buchs ‹Grösser als Zürich›, welches das aufregendste und urbanste Quartier Zürichs porträtiert, den Kreis 4, früher auch ‹Chreis Cheib› genannt. Eben dieser im Wandel begriffene Stadtteil scheint zurzeit auch irgendwie bedroht, weil die Gentrifizierung ohne Rücksicht auf Identitätsverlust voranschreitet. Das Buch zeigt die immensen Veränderungen auf, welche das Viertel bereits erlebt hat: Von den Anfängen als Arbeiterund Immigrantenquartier hin zum Künstler- und Hipsterviertel, vom Rotlicht- zum Kreativmilieu mit Galerien zwischen Bordellen, von der Drogenszene, den Quartierlädeli, den italienischen Restaurants und der Aufwertung des Quartiers. Und vor allem erzählt es vom Nebeneinander der Kulturen und der Durchmischung der Bewohner, die beide heute noch zu einem gewissen Mass vorhanden sind – sozial und kulturell betrachtet eben irgendwie grösser als Zürich. Weder wehmütig, pathetisch noch warnend, sondern mitkinki kopfkino

poetisch

schneller Viviane Sassen: Parasomnia Der Titel von Viviane Sassens neuestem Werk bezeichnet eine Schlafstörung, die abnormale und unnatürliche Bewegungen, Verhalten, Emotionen, Wahrnehmungen und Träume während des Schlafens umfasst. Trotz dieses wenig ansprechenden Krankheitsbilds passt das vermittelte Gefühl ganz gut zur anregenden Monografie, zumal die in West- und Ostafrika inszenierten Fotografien häufig nicht auf den ersten Blick begreifbar sind: Die Protagonisten befinden sich in natürlichen bis künstlich inszenierten Posen und sind manchmal so abstrahiert, dass man zweimal hinsehen muss. Die Schönheit von Bild- und Farbkomposition hingegen ist für den Betrachter sofort ersichtlich. Dass die niederländische Fotokünstlerin einige Jahre ihrer Kindheit in Kenia verbrachte, spiegelt sich auch in diesen Fotografien wider. Das gekonnte Spiel mit Licht und Schatten, leuchtenden Farben, scharfen Konturen und der Hautfarbe ihrer Protagonisten verleiht ihren

Bike Art Fahrrad, Fixie oder Mountainbike fahren ist dieser Tage nicht nur Hobby, sondern meist Teil eines bewussten Lifestyles, zuweilen sogar ein Statement. Im gleichen Zuge stilisierte sich der Drahtesel in gewissen Kreisen und (Untergrund-) Bewegungen zum Design- und Sammelobjekt. Und auch die Kreativszene zelebrierte und nährte den Zweirad-Kult und integrierte das Bike in seine künstlerische Bildwelt. In ‹Bike Art – Bicycles In Art Around The World› werden solche Bildnisse, Designs und Entwürfe von unterschiedlichsten internationalen Kreativschaffenden zusammengeführt. Aber mal ehrlich, manchmal sind 92

Allen Ginsberg: Gedichte Allen Ginsberg gehört zusammen mit William S. Burroughs und Jack Kerouac zu den bekanntesten Vertretern der Beat Generation. Da im Kopfkino schon des öfteren Bücher der Beats besprochen wurden und im kinki Nummer 38 ein ausführlicher Nachruf auf die Beatniks erschien, kommen wir ohne grosse Umschweife auf das zu besprechende Buch. Es beinhaltet eine ausgezeichnete Auswahl von 24 Gedichten von Ginsberg, darunter auch sein Meisterwerk ‹Howl› (Das Geheul). Die lyrischen Ergüsse des Dichters drehen sich um Sex, Drogen und Spiritualität und sind vollgepackt mit Metaphern. Die Gedichte wurden einwandfrei ins Deutsche übersetzt,


unter anderem von der Übersetzerlegende Carl Weissner. Gleichsam wäre es wünschenswert gewesen, die englischen Originale auch im Buch mit abzudrucken.

Gordon-Lewitt (‹300 Days of Summer›) gespielt, was die Tragik für alle weiblichen Zuschauer noch mal grösser werden lässt. Die Diagnose ist eine Sache, es der Familie und den Freunden zu sagen, noch mal eine andere. Und da wäre dann noch die eigentliche Behandlung. Die zweite Hauptrolle und der Fels in der Brandung ist sein bester Freund Kyle (Seth Rogen). Aufgrund des Themas erwartet man einen traurigen Film, wird aber von Jonathan Levine überrascht. Eine Menge Witz, liebevolle Momente und ein flotter Soundtrack sorgen für das lachende Auge, während das weinende mitschaut. Der Autor Will Reiser hat das Werk übrigens basierend auf selbst erlebten Begebenheiten geschrieben.

Kino ängstlich

Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch Verlag, CHF 13.50

fotografisch

Mark Borthwick: Not in Fashion In den 90ern gehörte der aus London stammende und in Brooklyn lebende Mark Borthwick zu den Fotografen, die mit den Konventionen der Modefotografie brachen. Den polierten Editorials setzte er seine vor Natürlichkeit, Liebe und warmem Licht strotzenden Bilder entgegen. Er bezog Kunst, Design und Architektur in seine Modestrecken ein, die in den coolsten Magazinen wie Purple, Self Service, I-D und AnOther publiziert wurden. Heute nimmt Mark Borthwick nur noch selten Aufträge von Mags entgegen – zu viele Vorgaben. Und auch die Freiheit, Kontrolle abzugeben, hat er sich als Verfechter der Analogfotografie bewahrt. Dieses Quäntchen Schicksal beim Fotografieren oder Überbelichten bringt Borthwicks Haltung und Kunst auf den Punkt. In seiner Retrospektive mit 200 Fotografien seiner besten Fashion Editorials, Celebrity-Porträts und Werbungen ist sein Einfluss auf die Modefotografie augenscheinlich. Erschienen bei Rizzoli, ca. CHF 52.–

Joshua Trank: Chronicle Ganz übernatürlich sportlich geht es im ersten Kinostreifen von Joshua Trank zur Sache. Warum nicht einmal einer Gruppe normalsterblicher Teenager eine gute Portion Superkräfte unterjubeln und dann das unumstössliche Drama der richtigen Handhabung mit den neuen Gaben in einem gehörigen Höhepunkt mit tonnenweise Special Effects gipfeln lassen? Der Anfang des Films erinnert an den Weird Fiction Klassiker ‹The Challenge From Beyond›, finden die drei Jungen doch einen blau leuchtenden Stein, der ihnen Nasenbluten und einige Tage darauf die Superkräfte verleiht. Die neuen Fähigkeiten, die primär telekinetischer Art sind, filmen sie – wie es sich schon in anderen Gruselfilmen jüngerer Zeit bewährt hat – mit der Handkamera. Der grosse Unterschied zu Blair Witch Project: Andrew, der die Kamera hält, kann auch filmen. Was heisst: der Film driftet nicht in anstrengendes Dauergewackel ab, das anderen Filmen schon jede Ernsthaftigkeit raubte. Diese postmoderne Version der Anti-Superhelden ist sicherlich keine Bildungslücke, die gefüllt werden sollte, aber amüsant, und für jeden Liebhaber des Actiongenres ein Muss.

Ab 3. Mai im Kino.

sinnlich

David MacKenzie: Perfect Sense Wer seine Sinne für Filme schulen möchte, darf sich diesen auf keinen Fall entgehen lassen. Allerdings darf man sich dabei nicht gleich von der zugegebenermassen etwas speziellen Handlung abschrecken lassen: Eine Epidemiologin (Eva Green) trifft auf einen Koch (Ewan Mc Gregor), beide verlieben sich, als plötzlich eine Epidemie ausbricht, die die Sinne der Menschen abtötet. Soweit die simplen Ingredienzien, die zunächst nicht zum Gourmet-Filmabend einladen. Aber wer zu kochen weiss, versteht auch, dass in der Einfachheit des Gerichts oft sein Geheimrezept verborgen liegt. Die Epidemie lässt kurz vor dem Erlöschen des jeweiligen Sinnes ihn wie bei einer Nahtot-Erfahrung aufleben, in grausamen und schönen Aufnahmen, dann ist er weg. Während der Suche nach den Sinnen und dem Sinn des Lebens verstrickt sich die Liebesgeschichte in ein verzwicktes, dramatisches und moralisches Konstrukt, das – mit der Musik von Max Richter unterlegt –  ein wahrlich sinn-volles Filmerlebnis ergibt, das man David MacKenzie so nicht zugetraut hätte. Definitiv sehenswert!

Bereits im Kino.

In ihren Meisterdisziplinen Ping-Pong und Snowboarden können William S. Blake und Florence Ritter leider nicht gegeneinander antreten. Messen tun sich unsere Rezensenten dafür in den Kategorien Running, Squash und Speed-Lesen. And the winner is … none of your business.

ehrlich

Jonathan Levine: 50/50 Auf der Sonnenseite des Lebens wandelt der 27-jährige Adam erstmal nicht, als er erfährt, dass er Krebs hat. Dieser wird von Joseph

Seit 18. März auf DVD.

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DVD peinlich?

Roland Emmerich: Anonymous Ob Shakespeare wirklich Shakespeare war oder Edward de Vere oder doch jemand anderes, darüber streitet sich die Wissenschaft. Interessant ist, dass das Werk von Roland Emmerich, dem wir bis jetzt nur Weltuntergangsszenarien zugetraut haben, als ernstzunehmende Interpretation von den grössten Shakespeare-Kennern aus Oxford und Co. anerkannt wurde. Das bedeutet vielleicht einen nicht zu unterschätzenden Sieg des Unterhaltungsfilmes über die Literatur: Man darf schliesslich nicht vergessen, dass Emmerich Shakespeare wieder zu einem aktuellen Thema für die breite Masse gemacht hat. Liebhaber des englischen Klassikers werden trotzdem mit den Zähne knirschen, aber das Kostümaufgebot lässt die meisten anderen historischen Filme in den Schatten treten und ganz ehrlich: Emmerich weiss, wie man Filme macht. Ein Film für die Massen? Ja, und zwar einer, den wirklich jeder gesehen haben sollte. Ab 16. Mai auf DVD.

Um all ihre Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen und danach auch noch genügend Energie für Kinobesuche und DVD-Nächte zu haben, hat sich unsere Filmexpertin Franziska auch diesen Monat wieder ordentlich ins Zeug gelegt. Und Ausdauer und Kondition bewiesen!


blattmacher die weite welt des prints

Das Green Soccer Journal zeigt Fussball von seiner schönsten Seite: ganz ohne Sepp Blatter und rotzende Männer, dafür mit viel Herzblut und Style.

Interview kinki magazin: Warum habt ihr Fussball als Magazinthema gewählt und keine der vielen anderen Sportarten? James: Ich liebe Fussball. Keine Chance, dass ich’s mit Golf oder Rugby gemacht hätte –  geschweige denn ein Tennis-Magazin – niemals. Adam hat einfach eine tiefgehende Begeisterung für Magazine und wollte so was schon lange machen.

Name: The Green Soccer Journal Herausgeber / Ort: Junior Junior Media, London Auflage: 7 500 (UK) / 2 500 (USA) Erscheinen: halbjährlich Gründungsjahr: 2010 Thema: ästhetisierte Welt des runden Leders, Mode, Lifestyle und künstlerisch aufbereitete Klischee-Verarbeitung Vertrieb: weltweit

F

ussball in Verbindung mit Avantgarde und dem versierten Wort zu bringen, ist an sich schon eine intellektuelle Meisterleistung. Man erwartet schwitzende, rotzende Männer, die sich Poster von nackten Frauen – vorzugsweise auf Gras oder polierten Autos wälzend – in ihren Spind hängen. Vor zwei Jahren wurden in London Gründe gefunden, diese Klischee-Gebilde anzuzweifeln. Ex-Burberry Art-Direktor James Roper und GrafikDesigner Adam Towle setzten sich in den Kopf, ein ‹slightly more traditional, less gossipy, less glossy› Magazin zu produzieren, das sich aus neuer Perspektive dem Weltsport Fussball widmet. Mission accomplished. Die Spind-Poster finden sich im ‹The Green Soccer Journal› zwar auch, aber die könnten gut und gern auch als Mode-Editorials durchgehen. Da wird auch verziehen, dass selbst im Über-Männer-Heft dem Penis seine fünf Minuten blanken Spotlights gewährt wird. Aber vielleicht gehören Klischees auch einfach mal gewürdigt: nackte Frauen an der Wand und Schwänzemessen im Gemeinschaftsraum. Oh boy, praise the God of Soccer!

kinki blattmacher

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Wie steht’s mit euch? Seid ihr selbst sportliche Männer? Ja. Und seit wir am Magazin arbeiten, entwickelt sich eine interessante Sache – eine Art Szene aus Fotografen, Schreibern, Leuten, die im Design oder der Mode arbeiten und sich auf dem Feld treffen. Freitags spielen immer gegen die ‹Soho Warriors›. Die versuchen daraus eine Art Brand zu machen, glaub ich. Siehst du Sport auch als Kunstform? Es gibt so viele Leute, die eine enorme Leidenschaft dafür hegen. Manche sind sicher etwas besessen. Aber das ist mit allem im Leben so –  sei’s Kunst, Essen, was auch immer. Also ja. Glaubst du, es ist wichtig, ‹in style› zu schwitzen? Ja, schon. Mein Fussball-Kit, das im Büro liegt, besteht oft zwar bloss aus Sachen, die gerade in meinem Zimmer rumliegen, aber dann sind da auch noch die anderen Jungs – die FashionFraktion – die kommt mit den besten Boots und der neuesten Ware. Und wenn du gut aussiehst, spielst du auch gut. Ist das Magazin-Machen auch eine Art Sport? Die meiste Zeit hocken wir ja im Office. Schwierig sind nur die Shoots mit den Fussballern. Du musst bereit sein, jede Sekunde alles stehen und liegen zu lassen, um ihnen zu dienen. Fussballer sind also Diven? Nein! Sobald du zu ihnen vordringst – Clubs, Nike und all das hinter dir lässt – sind die meisten von ihnen wirklich liebenswürdige Leute. Weitere Info findet ihr auf thegreensoccerjournal.com Text und Interview: Melanie Biedermann


Anthony - Gallerist


sport + design = fine Lange wurde Design im sportiven Umfeld nicht allzu gross geschrieben. Aber das hat sich mit zahlreichen modischen Perlen und fein designten Sportgerätschaften definitiv geändert! Die schönsten schweisstreibenden Must-Haves haben wir für euch gesammelt.

1

1 jumping So klein und doch so effektiv: Das Springseil kann unserer Fitness wahrlich Gutes tun. Stilvolles Trainieren ermöglicht das Modell von Adidas aus Leder mit Holzgriffen für ca. CHF 30.– adidas.ch

2 drinking

3

Die Flaschen von Sigg Bottle sind Klassiker und Lieblingssportaccessoires Hollywoods zugleich. Für unser AlltagsWorkout bevorzugen wir sie schlicht und unifarben. Die 1-Liter-Flaschen sind für CHF 22.– erhältlich. sigg.com

2

3 riding Wenn das Wetter es erlaubt, verbringen wir den Sommer ja öfters auf dem Zweirad. Mit dem Bike ‹Viktor› von Schindelhauer Bikes können wir unter Fortbewegung, Sport und Stil einen Haken setzten. Erhältlich für ca. CHF 1 560.– bei Stilrad in Zürich. schindelhauerbikes.com, stilrad.com

4

4 carrying Das muss sich erst mal einer ausdenken, ein BasketballCage für lässiges Mittragen des Basketballs. Das Label Fleet Ilya hat es getan und ein gutes Stück Design im Harness-Stil aus Sattelleder entworfen. Die Design-Innovation trägt den stolzen Preis von ca. CHF 576.– fleetilya.com

5 surfing Ein bisschen Spass muss sein; genau danach sehen die knallbunten Plastik-Skateboards des australischen Labels Penny Skateboards aus. Unterschiedlichste Farbkombinationen und Grössen gibt es ab CHF 120.– pennyskateboards.com

6 running So minimalistisch und doch so detailliert, das aussergewöhnliche Nike Free Modell – auch als bequemster Schuh des Moments gehandelt – gibt es nun auch ganz in Black or White at its simplest. Der Nike Free Run + 2 ist für CHF 160.– erhältlich. nike.com

5

6

7 browsing Der Künstler Michael Leon hielt im Zine ‹A Curious Catalogue› seine romantische Vision einer Skateboardfirma fest und präsentiert in Katalog-Opitk verklärte bis antigrafische Skateboard-Designs. Erhältlich für CHF 18.– beim Zürcher Verlag Nieves. michaelleonstudio.com, nieves.ch

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7


8 looking (good) Als Experiment produzierte das Label Shwood auch schon Sonnenbrillen aus aufeinandergeschichteten Skateboards. Unser Favorit ist das Kollaborations-Modell mit Pendleton, das hübsche Inkamuster auf den Bügeln aufweist. Erhältlich für ca. CHF 190.– shwoodshop.com

8

9 showering Was ist für den Mann beim Sport ebenso elementar wie gewinnen, angeben und vielleicht ein bisschen Spass? Sich danach zu duschen und sich den Mitmenschen zuliebe mit frischen Duftwogen zu umgeben, zum Beispiel mit dem 2 in 1 Shower Gel AXE Sport Blast, geeignet für Haut und Haar. Erhältlich für CHF 4.45. axe.ch

9

10 swimming 10

Das Erfolgsrezept von Gerry St Tropez aus Spanien (!) sind farbige Prints, gepaart mit einfachem Schnitt. Die Badeshorts eignen sich sowohl für sportliche Betätigung als auch für demonstratives Flanieren an der Mittelmeerküste. Erhältlich für CHF 99.– bei On y va in Zürich. gerrysttropez.com, onyva.ch

11

11 protecting (from the sun) Die Designer Ilya Fleet und Resha Sharma des Labels Fleet Ilya kümmern sich ganzheitlich um unser modisches Wohl. Um Sonnenschutz und Stilfaktor beim Sporttreiben zu gewährleisten, gibt’s schnieke Leder Visors: die behalten wir auf! Erhältlich für ca. CHF 312.– fleetilya.com

12

12 playing + showing Normalerweise jagen 22 Mann das runde Lederspielzeug über ein riesiges Rasenfeld. Das schwarze Exemplar von Umbro eignet sich auch hervorragend für andere Männersachen: Angeben und Schautragen. Erhältlich im UmbroOnlinestore für ca. CHF 90.– umbro.com

13

13 jumping + sitting Es gibt auch Böcke, die unsere gebeutelten Körper nicht foltern. Einige lassen ihn sogar ruhen – und verzaubern mit dem Gym-Look glorreicher Sporttage. Den Sprung-Bock-Hocker zum Geniessen gibt es für ca. CHF 240.– bei Fabrik Schick. fabrikschick.de

14

14 going to the gym Das Schweizer Streetwear-Label AliasOne hat gemeinsame Sache mit dem schönsten Tattoo-Magazin, Sang Bleu, gemacht und das Turnsäckli neu interpretiert. Erhältlich für CHF 85.– alias-one.com 15

15 ponging Die eloquentesten Sportarten findet man am Strand. Beach Racket in der Hand, flanieren, sinnieren und Wasserperlen aus dem Antlitz wehen. Den Preis für das Luxusexemplar von Chanel gibt's auf Anfrage. chanel.com

16 lifting 16

Ob’s die Eisenfaust oder der stählerne Adonis werden soll, bleibt euch überlassen. Mit den schicken Hanteln von Casall liegt beides drin. Erhältlich sind die ‹handy weights› ab CHF 27.90 bei Shark Fitness. casall.com, sharkfitness.ch

17 sporting Ohne sportlich inspirierte Collegejacke geht auch diesen Sommer nichts. Die light Version ‹Bulker› von WESC gibt es für CHF 139.– bei No Way. wesc.com, noway.ch 17

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Rachel de Joode & Hanna Terese Nilsson 

Sculpture Study

Space Venus (1977) Salvador DalĂ­

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The Kiss (1889) Rodin

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The Rape of Proserpina (1622) Bernini

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Silen and Hermaphrodit (Unknown)

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Hermes (343 BC) Praxiteles

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Mycerinus and Wife (2548-2530 BC) (Unknown)

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Jacket: Weekday Necklace: Monki

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Shirt: Weekday Socks: Falke Bikini Bottom: Wood Wood Top: Juliaandben

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Pants: Monki Bikini Top: Wood Wood Shoes: Weekday

Page 101

Body: Falke Tights: Falke Jacket: Henrik Vibskov Top: Stine Goya

Page 102

Jewellery: Bjorg

Page 103

Scarf (him): Anntian Scarf (her): Awareness & Conciousness Underwear: Weekday Top (him): Bless Shirt Dress (her): Stine Goya Shoes: Monki

Page 104

Top: Weekday Scarf: Anntian Shoes: Cheap Monday

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Jacket: Raphael Hauber

Photography Rachel de Joode, studio.racheldejoode.com Concept, Art Direction, Styling & Graphics Hanna Terese Nilsson & Rachel de Joode, hannaterese.com Hair & Make-up SERVULLO using i+m Kosmetik Berlin, nude-agency.com Models Gesine, Maximilian und Janosch @ ISAIO

Venus de Milo (130-100 BC) Alexandros of Antioch

kinki mode

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David (1624) Bernini

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internationale beziehungen städter sind netter

Der beste Städtetrip ist nur halb so spannend ohne die wertvollen Tipps der Einheimischen oder Hängengebliebenen. Der Fotograf Tanaka Tomonori zeigt seine ganz persönliche Sicht auf seine Heimatstadt: die pulsierende Metropole Tokio.

Komazawa Park

Dieser Park ist riesig. Es gibt ein ehemaliges olympisches Stadion, ein Baseball- und ein Fussballfeld – und einen kleinen Skateboardpark. Hierhin gehe ich, seit ich in der Highschool war. Es ist auch ein guter Ort, um die Ferien zu verbringen, wenn man nicht auf Reisen geht. Umgeben von Bäumen, Hunden und glücklichen Menschen lässt es sich gut mit Freunden abhängen. Hier wird mir immer wieder klar, woher ich komme und wo meine Wurzeln liegen.

Die Aussicht nahe Roppongi

Ich bin in dieser Gegend aufgewachsen und habe hier die Dynamik der Stadt intensiv beobachtet; grosse Gebäude, kleine Gebäude, unübersichtliche und absolut chaotische Strassen. Man sieht so viele Dinge gleichzeitig und staunt. Ständig entstehen neue Gebäude und Strassen und alte werden abgerissen. Das alles fühlt sich an, als sei die Stadt ein grosses lebendiges Etwas.

kinki internationale beziehungen

Kreuzung in Shibuya

Hier gehe ich fast jeden Tag durch. Und hier ist es, wo ich nach langen Reisen das Gefühl habe, wieder zuhause zu sein. Jeder, der mit dem Zug oder mit dem Flugzeug in Tokio ankommt, tritt hier in die Stadt ein und alle haben unterschiedliche Gründe, warum sie hier sind. Viel Leben trifft hier auf kleinem Raum aufeinander, aneinander vorbei.

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‹Ripzinger› wie sich der Freelance-Fotograf Tanaka Tomonori seit vielen Jahren nennt, ist 1974 in Tokio geboren und aufgewachsen. Rip ist immer unterwegs: Zwischen New York, Tokio und den japanischen Bergen, wo er mit seiner Leica Momente konserviert: Momente der Konfrontation mit anderen Kulturen und Menschen oder Momente der Freiheit auf dem Snow- oder Skateboard.


Konzept: Elke Krystufek fotografie: Maria Ziegelbรถck

www.12festival.at presented by


maske art must be beautiful

‚Distorted Hair I›, 2011, Mixed Media (Schwarzkopf Color Gloss & Blonde Toning)

kinki maske

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Jeden Monat setzen an dieser Stelle Schweizer Künstler Beauty-Produkte in Szene. Die Street-Artistin TIKA verlegte ihr kreatives Schaffen für die Inszenierung von Essie-Nagellacken von städtischen Mauern auf ein schmuckes Holzbrett. Orange, it’s obvious – Orange Die Essie-Frühlingskollektion besteht aus sechs kräftigen Farben, die jeder Trägerin Selbstvertrauen und Kontrolle über ihr Schicksal einhauchen sollen. Ebenso wirkungsvoll wie die Signalfarbe Rot, nur frischer und aussergewöhnlicher, wirkt ein starkes Orange. CHF 19.90

Navigate Her – Mintgrün Nicht nur knallige Farbtöne unterstreichen das Thema der Saison ‹She’s A Selfmade Women›, auch Pastellfarben weist die frühlingshafte Essie-Farbpalette auf. Unser Favorit ist das erfrischende Minzegrün, das uns den Weg auf jeder Stadtkarte weisen wird – sei es in Paris, London oder New York. CHF 19.90

Tour de Finance – Pink Vor einigen Saisons hätte dieser Farbton vielleicht noch zu kitschig und Barbie-like gewirkt. Colour-Blocking sei Dank, schrecken Frauen heute nicht mehr vor starken Farben zurück, somit passt das kräftige Pink perfekt zu jedem Sommeroutfit und zu jeder Frau, die weiss, was sie will. CHF 19.90

TIKA Die Schweizer Künstlerin TIKA ist eine wahre Weltenbummlerin. In Kairo, Brüssel, Zürich und Köln aufgewachsen, lebt sie heute je drei Monate im Jahr in Zürich, Berlin und Rio de Janeiro. Die restliche Zeit ist sie für Ausstellungen und Projekte unterwegs und bringt ihre breitnasigen, inkahaften Characters an die Wände dieser Welt, im letzen Jahr waren das beispielsweise Mauern in Alexandria, Cape Town oder Makasutu, Gambia. Ihre vielfältigen Ausdrucksformen stellt TIKA (selbst grosse Befürworterin bunter Fingernägel) auch mit der Inszenierung der Essie-Nagellacke unter Beweis und drückte der kinki Maske ihre ganz persönliche Handschrift auf, indem sie gebranntes und geschnitztes Holz mit den frühlingshaften Nagellackfarben bemalte. Das Original der abgebildeten kinki maske wird vom 21. April – 5. Mai an der gemeinsamen Ausstellung ‹TNT› der zwei Künstler Thierry Furger und TIKA bei ‹we make it› am Bleicherweg 21 in Zürich zu sehen sein. tikathek.com

‹Distorted Hair II›, 2011, Mixed Media (Schwarzkopf Color Gloss & Blonde Toning)

Text: Florence Ritter

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schauplatz die besten adressen für kunst

Street Art findet man nicht nur auf Pariser Zügen und Fassaden, sondern auch in der ADDICT Galerie. Dort bietet Mme Hecht seit sechs Jahren zahlreichen nationalen und internationalen Urban Artists eine Plattform für ihre Kunst. Redaktion: Franziska von Stieglitz, Text: Rainer Brenner

S

tadt der Liebe, Stadt der Künste – Paris ist weltweit bekannt für seine Museen und Galerien. Aber auch jenseits von Louvre und Palais de Tokyo findet sich in der französischen Hauptstadt Kunst sprichwörtlich an jeder Ecke. Die Metropole übt nämlich nicht nur auf Liebende, sondern auch auf Kreative eine fast schon magische Anziehung aus und verfügt über eine lebendige Graffiti- und Urban Art-Szene, welcher sich die ADDICT Galerie seit nunmehr sechs Jahren widmet. Damals machte die Mode-Stylistin Laetitia Hecht ihre Leidenschaft für urbane Kunst zum Beruf. Hecht arbeitet seit 2006 mit 14 permanenten und insgesamt 30 Gastkünstlern aus aller Welt zusammen. Das Ziel ist allerdings nicht, die Kunstwerke einfach von der Strasse in die Räume an der Rue de Thorigny zu holen: ‹Graffiti macht nur Sinn auf Fassaden, nicht in einer Galerie›, erklärt Hecht. ‹Für die meisten der Künstler, die hier ausstellen, war Street Art eine Art «Passage», ein gemeinsamer kultureller Hintergrund, den sie nun auf der Leinwand weiterentwickeln.›

Studio versus Strasse

Doch trotz des gemeinsamen Backgrounds könnten die Arbeiten, die in der ADDICT Galerie gezeigt werden, unterschiedlicher nicht sein: Jean Faucheur beispielsweise zieht den Betrachter vor allem durch seinen üppigen Material- und Grössenmix in seinen Bann, experimentiert mit verschiedenen Medien wie Fotografie, Malerei und Installation und lässt die Grenzen zwischen diesen Genres verschwimmen. John ‹CRASH› Matos hingegen, dessen Arbeiten bis Juni in der Galerie zu sehen sind, tendiert mit seinen sehr persönlichen Arbeiten fast schon zu einer exkinki schauplatz

pressionistischen Ausdrucksform. Und die Serie ‹La Grande Buffe› des deutschen Thomas Fiebig, die bis Mitte des Monats ausgestellt war, bringt auf ‹kulinarische Weise› Fine Art und Street Art einander näher – nämlich zwischen den SandwichBrötchen von Hamburgern. ‹Urbane Kunst auf der Strasse schränkt die Künstler zwar nicht durch Rahmen ein, dafür hat man im Studio mehr Zeit für ein Bild, kann sich auch mal einen Fehler erlauben›, fasst Hecht die Vor- und Nachteile von Urban Art auf Leinwand zusammen. Ab Mitte Juni wartet die Galerie übrigens mit einer grossen Gruppenausstellung auf, die den ganzen Sommer über dauern wird. Ein TGV-Ticket lohnt sich diesen Sommer also auch für nicht mehr ganz frisch Verliebte … Oben links: Innenansicht der ADDICT Galerie Oben rechts: ‹Untitled Aquarelle 1› von John ‹CRASH› Matos ADDICT Galerie 14 / 16 Rue de Thorigny 75003 Paris Dienstag bis Samstag, 11 — 19 Uhr Weitere Info findest du unter addictgalerie.com

Unten: ‹Hamburger 6.2› aus der Serie ‹La Grande Buffe› von Thomas Fiebig

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impressum April / Mai Cover Andrea Olivo Redaktionsanschrift kinki magazin Breitensteinstrasse 88, 8037 Zürich T +41 44 271 09 00 F +41 44 271 09 02 kinki magazin Büro Zürich Breitensteinstrasse 88 8037 Zürich Büro Stuttgart Falbenhennenstrasse 5 70180 Stuttgart Büro Berlin Wissmannstrasse 2 12049 Berlin Geschäftsführung mark.mirutz@kinkimag.ch Marketing maria.blazquez@kinkimag.ch nina.kosian@kinkimag.ch melanie.biedermann@kinkimag.ch Aboservice kinkimag.ch/abo | abo@kinkimag.ch Auflage 65 000 Einzelverkauf / Abonnement Pro Ausgabe: CHF 6 (Schweiz) /  4 (Deutschland) /  4.50 (Österreich) /  8 (Niederlande)  11 Ausgaben: CHF 58 (Schweiz) /  50 (Deutschland) /  60 (Österreich)  Herausgeberin Aurum Communication AG Vertrieb Schweiz VALORA AG, valora.com

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Illustration Marie-Christine Gerber, Friederike Goebbels, Max Grüter, Eva Jauss, Sean Morris, TIKA

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foto des monats In vitalem Outfit feierte diesen Monat DJ Psylo Trip seinen ersten Auftritt im Zürcher Calvados. Trotz funktionaler sexy Sportbekleidung und ‹Stadionrock vom Feinsten› konnte er die Menge nur bedingt zum Kochen bringen. Woran lag’s, Psylo? ‹Das Publikum war einfach scheisse!› Foto: Nadja Abanin

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kinki magazin - #45