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nr. 25 mai/juni 2010 chf 6.–

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‹auftakt› danke, merci, grazie, grazia

Lieber Leser Mit dieser Ausgabe hältst du einen Zwischenstand nach zwei wunderbaren und auf­reibenden Jahren Erfahrungssammeln beim Zeitschriftenmachen in den Händen. Noch nie waren wir so gerührt und so neugierig auf die Zukunft. Thank you for lis­ tening reading. Eure frohgelockte und dankheuchelnde kinki Redaktion kinki

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[ L I F E AFTER SKAT E ]


2010

WeActivists JASON LEE & PETER STORMARE SHOT BY CHERYL DUNN www.wesc.com


SPRING / SUMMER 2010 www.fenchurch.com

Swiss Distribution - DAC Sport Import SA - 021 869 02 20 - info@dacsport.ch - www.dacsport.com


‹inhalt› Standard 03 10 12 20 110 112 114

Auftakt Inhalt Neuzeit Klagemauer Abo / Impressum Kopfkino Henry & Paul

Report 22 32 34 40 42 44

Californication Standleitung Ausgetrunken Wortlaut: Wolfgang Voigt Querschläger: DJ Antoine Punch

Musik

66 Interview: Archie Bronson Outfit 68 Vorspiel: The Dead Brothers 70 Verhör 72 Lieblingslieder: Katakombot 74 Interview: Lars and The Hands of Light

Mode 76 ‹Les Fleurs du mal› von Stefan Milev 86 Heisse Ohren 90 ‹That’s the Story: Glam and Glory› von Frederic Auerbach 98 Vertreter: Adilette

K unst

50 Interview: Andrey Bartenev 56 Lukasz Wierzbowski: Rye Catcher 100 Laith McGregor: Shine on you crazy Diamond 108 Schauplatz: Nice / Nice Exhibition Space, Hannover kooabaisiert [ Ergänzungsmaterial kooaba ]

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Fünfundzwanzig. ‹Ein Viertel von Hu der Quersumme S und die Hälfte ein Dekade. Zahlreich ten, viele Geschic te Fotos, lautes G ter, manchmal mü pleite, andauernd tert. Das alles und mehr.›


undert, in Sieben ner halben he Seichten, bunGelächüde, ständig d begeisd noch viel

‹mitgehangen›

Lukasz Wierzbowski

Michael Hugentobler

Lukasz ist kein Mann der vielen Worte. Sich selbst beschreibt der Pole als ‹27-jähriger Fotograf aus Breslau, Polen›. Doch stille Wasser gründen tief, wer also etwas tiefer in die Gefilde des Autodidakten abtaucht, der erfährt unter anderem, dass Lukasz Sozialpsychologie studiert, sich von Zitronen-Ingwer Tee ernährt und durch seinen Vater schon auf Kindsbeinen zur Foto­ grafie kam. Seine aussergewöhnlichen Bilder oszillieren zwischen Traumwelt und Tagebuch und versuchen unerwartete, unkontrollierbare und fragile Momente des Lebens einzufangen. So, nun aber genug der Worte, lassen wir nun Lukasz’ Bilder sprechen! – S. 56

Nach Abschluss der Pflichtschuljahre reiste Michael Hugentobler durch die Welt und absolvierte zahlreiche Jobs als Bäcker, Fabrikarbeiter, Polizist, Barkeeper, Postbote, Aufräumer und Plakatkleber. Seit zehn Jahren ist er für verschiedene Schweizer Magazine und Zeitungen als Reporter auf allen fünf Kontinenten unterwegs. Seine Faszination für Randexistenzen führte ihn zu Transsexuellen nach Bangkok, Waisenkindern nach Kirgistan und Hippies nach China. Für kinki besuchte er die Anonymen Alkoholiker an der Cramerstrasse in Zürich. Seither rührt er keinen Alkohol mehr an. – S. 34

Frederic Auerbach

Laith McGregor

Dass ‹Glam› und ‹Glory› sich nicht unbedingt in überteuerten Clubs abspielen müssen, beweist uns in dieser Ausgabe der Fotograf Frederic Auerbach. Geboren und aufgewachsen in der Schweiz, zog es Frederic nach seiner Assistenzzeit nach Paris, wo er sich im Laufe der letzten 15 Jahre mit Editorials für die französische, britische und amerikanische Vogue, Elle, die Zeit und viele weitere einen Namen machte. ‹Beim Shooting für diese Ausgabe arbeitete ich mit einem fantastischen Team zusammen›, beschreibt Frederic die Arbeit an ‹That’s the Story: Glam and Glory›. ‹Wir arbeiteten aus dem Bauch heraus.› Entstanden ist das Editorial an einem einzigen Ort, und zwar nicht in einem ausgeleuchteten Studio oder einem teuren Hotel, sondern in einer wunderschönen Altbauwohnung. – S. 90

Es ist nicht immer ganz einfach, mit einem Künstler in Kontakt zu treten. Extrem schwierig verhält es sich, wenn ein Künstler heutzutage über keinen Onlineauftritt verfügt. So versuchten wir uns also als Detektive und schrieben wahllos alle Galerien und Plattformen an, auf deren Websites von den wunderbar eigenartigen Zeichnungen des Künstlers die Rede war. So fanden wir seinen ‹Fingerabdruck› beispielsweise auf der Page des MoCA Sydney, wo er im Rahmen einer Gruppenausstellung 2009 einen Teil seiner Werke präsentierte, sowie im Zusammenhang mit etlichen weiteren Ausstellungen und Preisen. Gefunden haben wir Laith schliesslich über die Sydneyer Agentur Sullivan & Strumpf, und das Ergebnis war die Suche auf jeden Fall wert! – S. 100

kinki

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‹neuzeit›

verführerisches laster Schmuck ist eine heikle Sache: Einerseits soll er einzigartig sein, soll unser nach Alltag miefendes Outfit aus seiner Unprätentiösität katapultieren. Andererseits erwarten wir von Schmuck, dass er unser Wesen unterstreicht, ohne es dabei mit seinem Glanz zu überstrahlen. Wir alle wissen von dieser prekären Problematik. Die perfekte Balance zwischen schreiender Einzigartigkeit und technischer Zurückhaltung – sozusagen ein fast schon nirvanaöser Zustand – haben da unserer Meinung nach die Kreationen des aus Singapur stammenden Labels Vice and Vanity gefunden. Im Grunde bietet Vice and Vanity all das, was wir an Schmuck lieben: Ein Mix aus ungewöhnlichen Materialien wie Leder und Kirschholz, interessante Formen und eine gewisse Flexibilität, denn die Ketten sind allesamt in ihrer Länge regulierbar. Die aktuelle Kollektion mit dem absonderlichen Namen ‹Sinew and Strain› lässt seine Trägerin aztekenhaft wie eine Gottheit erstrahlen, bei der sogar Quetzalcoatl neidisch geworden wäre. Übersetzt bedeutet ‹Vice and Vanity› übrigens ‹Laster und Eitelkeit›. Eine Sünde, zu der wir gerne stehen. (am)

auawirleben: zeitgenössisches theatertreffen Bern 22.05.

global ghetto anthems, jackmaster (uk) Südpol, Luzern 23.05.

the phenomenal handclap band (usa) Kaserne Basel 25.05.

ash (uk)

Abart, Zürich

trans am (usa) & psychic paramount Exil, Zürich 29.05.

le petit cabaret grotesque Kellerbühne, St.Gallen 27.05. – 29.05.

bad bonn kilbi feat. aphex twin, hot chip, yeasayer uvm. Für alle, die zu ihrem Laster der Eitelkeit stehen können: die Schmuckstücke von Vice and Vanity.

lichtspiel

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05 12.05. – 22.05.

vicevanity.com

Unter dem Dach eines ehemaligen Chocolat Tobler Fabrikgebäudes im Berner Holligenquartier stapeln sich kinematografische Raritäten und Kuriositäten, dass sich buchstäblich die Balken biegen. Diese einzigartige Reise in die Geschichte des Kinos ermöglicht der Verein Lichtspiel. Seit rund zehn Jahren kümmert sich das Team von David Landolf um das Erbe des Kinospezialisten Walter A. Ritschard, welches durch das Engagement des Vereins vor dem Verscherbeln gerettet wurde. Neben antiken Kinoprojektoren, tausender alter Filmrollen, Plakaten und Scheinwerfern können nichtalltägliche Sammlerstücke, wie wunderschöne Film-Jukeboxen aus Zeiten, zu denen noch die alte Garde um Marlon Brando und Audrey Hepburn vor der Kamera stand, bestaunt werden. Das Lichtspiel ist

‹agenda›

aber nicht nur ein Sammelsurium für Filmfreaks. Regelmässige Vorführungen am Sonntagabend lassen die Zuschauer die Vielfalt und den Reichtum der stetig wachsenden Filmsammlung entdecken – Schätze, die normalerweise in einem speziellen Kühlraum fachgerecht gelagert werden. Thematische Filmzyklen ermöglichen dem breitgefächerten Publikum einen spannenden und unterhaltsamen Einblick in die einzigartige Sammlung und lassen einem das ursprüngliche Kinoerlebnis inklusive Rattern und Flattern des Projektors und altersschwächebedingten Filmrissen erleben. Mehr Informationen zum Lichtspiel und das volle Programm der nächsten Wochen erfahrt ihr auf der Website der Kinemathek. (mm) lichtspiel.ch

Bad Bonn, Düdingen 27.05. – 30.05.

urban art messe stroke.02 München

06 04.06.

sophia (uk)

KiFF, Aarau 08.06. – 10.06.

pate I–III; theater, musik und nachtessen Südpol, Luzern 11.06. – 12.06.

b-sides festival feat. these new puritans, micachu & the shapes uvm. Sonnenberg, Kriens 11.06. – 13.06.

greenfield festival feat. the strokes, rammstein, danko jones uvm. Interlaken 03.06. – 18.06.

‹mfa show 2010›: abschlussausstellung des masterstudiengangs fine arts der zhdk Shedhalle, Zürich 17.06. – 29.08.

moyra davey – speaker receiver Kunsthalle Basel


sweat it or leave it Wenn die Sonne uns schon am Morgen die Nase kitzelt und über Mittag dann mit voller Kraft auf die Pauke scheint, dann fühlen sich auch unsere Schweissdrüsen dazu berufen, wieder aus ihren vollen Kräften zu schöpfen. Während sich normalerweise nur kleine Schweissperlen ein Stelldichein in der Achselhöhle geben, gibt es immer

wieder diese schweisstreibenden Situationen, in der man(n) plötzlich ins Schwitzen gerät. Sei es nun das andere Geschlecht, das Monsieur in Wallungen versetzt oder der neue Boss, wir kennen es doch alle: Plötzlich ist man(n) verklemmt, blickt ständig unter die Achselhöhlen, dass man beinahe eine Halskehre kriegt, und klemmt

die Arme dermassen zusammen, dass sich unweigerlich immer grössere dunkle Flecken bilden. Oder aber Mann fühlt sich mit dem eigenen Schweiss ganz im Reinen, zeigt Achselflecken und Achselschweiss, als wäre es das Prädikat der Männlichkeit, seine weibliche Begleitung hingegen würde sich bei jeder Armbewegung am liebsten ducken, weil eine Schweissfontäne oder zumindest ein strenger Duftschwall aus der Achselgegend zu entweichen scheint. Damit es gar nicht erst so weit kommt, hat AXE ein neues Antitranspirant entwickelt, das die Schweiss- und Geruchbildung nicht einfach überdeckt, sondern sie schon im Entstehen hindert. Der AXE DRY Antitranspirant hilft einerseits bei der Schweissregulation und verhindert das Wachstum geruchsbildender Bakterien, denn diese – das haben wir ja alle im Bio-Unterricht gelernt – führen erst dazu, dass der Schweiss zu einer stinkigen Angelegenheit wird. Da können Mann und Frau ja endlich wieder aufatmen. (fr)

kamaeleon Hochhackiger Wahnsinn: Georgia Iacobellis Kamaeleon Schuhe.

Die aus Italien stammende Giorgia Iacobellis kreiert in Berlin ihre ‹Rock Shoes with mental madness›. Dieser sehr kleine und persönliche Brand versieht hochhackige Ankle Boots mit absolut wahnsinnig anmutenden Grafiken, die das abgedrehte Partygirl mit Drang zur Extravaganz auf ihrer Mission durch die Nacht begleiten. (sb)

gustave Die noch junge Agentur Gustave hat für die traditionsreiche Lokalität ‹Kaufleuten Lounge› im Herzen von Zürich ein neues Gesamtkonzept entwickelt. Das bald unter dem Namen ‹Kaufleuten Hof› bekannte Lokal ist Bar, Restaurant und entspannter Club zugleich und soll die Gäste in einen stimmungsvollen Mikrokosmos einhüllen. Aus dem Grundgedanken: ‹British Bohemian› entstehend, gelang es VirginiaClara Maissen und Elvira Borbély mit einem eklektischen Interior- und Farbenmix zu fesseln. Mit der Interpretation des Private Clubs, welcher der Londoner Upper Class als schickes Etablissement der Kontaktpflege dient, taucht der Gast in eine stark vom Gefühl des Privaten und Intimen geprägte Welt der Gemütlichkeit. Innerhalb des mehrgeschossigen Grundrisses wird das Bestehende mit dem Neuen verbunden und ein liebevoll zusammengetragener Fundus an Sammler- und

Ein neuer Wind im altehrwürdigen Zürcher Club: Die Agentur Gustave gestaltete das neue Konzept für die Kaufleuten Lounge.

Kunstobjekten, Möbel, Lampen und Bilder lässt die einzigartige Stimmung entstehen. In diesem

Zusammenhang entstanden auch die von Gustave eigens für dieses Projekt entworfenen Tapeten. (sb)

Kaufleuten Lounge Talacker 34 8001 Zürich kaufleuten.com

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der mode geopfert

paperboy

Fashion found its slaves: Für den brandneuen Store liessen sich sogar Zoot Woman als Models ‹versklaven›.

Life’s short, get dressed! Das ist der Schlachtruf der drei Gründerinnen von Fashionslave. Barbara Furer, Laura Bättig und Selina Stöckli sind stolz nach intensiver Vorbereitungszeit die Fashionslave ‹Menswear & Style Gallery› eröffnet zu haben. Im brandneuen Store, unter einem der denkmalgeschützten Viaduktbögen, verschmelzen Modedesign, Style und Kunst. Das exklusive Sortiment umfasst etablierte Labels, aber auch die Mode aufstre-

bender Jungdesigner. Präsentiert wird auch die erste hauseigene, von mystischen Themen aus verschiedenen Kulturkreisen des nahen Ostens inspirierte, Kollektion Balagan. Der Zürcher Konzertveranstalter Sup Kultur ermöglichte Fashionslave nun ein Fotoshooting mit der begehrten Band Zoot Woman. Fashionslave ermöglichte es wiederum dem jungen und talentierten Fotografen Jonas Kündig, der 2009 als bester Fotograf des Mode- und Kunst-

paparazzi

Der Sommerurlaub steht bald schon vor der Tür. Wer seine Abenteuer in fernen Ländern oder auch die Campingferien im Tessin für die Nachwelt dokumentieren wollte, griff bisher vielleicht zum Handy und langweilte nach der Rückkehr Freunde und Verwandte mit Fotos, die in Sachen Qualität oft zu wünschen übrig liessen. Die neue Olympus E-PL1 ist die perfekte Alternative für alle, die qualitativ hochstehen14

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de Bilder schiessen, und trotzdem keine Profiausrüstung mit sich herumschleppen möchten. Das Schmuckstück, erhältlich in vier Farben, lässt sich einfach bedienen, und dank diversen Hilfsmitteln wie dem Bildstabilisator und eingebautem Blitz gelingt in jeder Situation das perfekte Bild. Im Videomodus kann die Kompaktkamera zusätzlich bewegte Bilder aufzeichnen. Aufmerksame Leser unseres Blogs haben möglicherweise schon an der Verlosung einer Olympus E-PL1 teilgenommen. Der Wettbewerb läuft noch bis zum 15. Juni. Rechtzeitig zum Heftrelease könnt ihr in unserem Blog einen Zwischenstand der bisher besten Einsendungen zum Thema ‹Frühlingserwachen› betrachten. (mm) olympus.ch

events ‹Art Lauf› ausgezeichnet wurde, mit ihnen zu kollaborieren. Bei einem Liveshooting, das beim Konzert im Zürcher Club Escherwyss stattfand, bewiesen Zoot Woman Durchhaltevermögen und wurden nach der Präsentation des neuen Albums ‹Things are what they used to be› auf wunderbar aussergewöhnlichen Bildern für die Ewigkeit festgehalten. (ah) fashionslave.ch

Nun ist kinki definitiv 2.0, wenn nicht sogar 2.0.1! Ab sofort könnt ihr nämlich jeden Beitrag, der im Inhaltsverzeichnis mit dem kleinen Dreiecksymbol gekennzeichnet ist mit euerm iPhone fotografieren, und ihr erhaltet in Sekundenschnelle Hintergrundinformation, zusätzliche Inhalte wie Videos und Musik oder könnt die Artikel via Facebook und E-Mail an eure Freunde weiterempfehlen. Dazu müsst ihr euch lediglich die kostenlose App ‹kooaba Paperboy› runterladen und schon kann’s losgehen: Einfach die Paperboy-App installieren, in der Applikation ein Foto einer mit dem Dreiecksymbol gekennzeichneten Seite aufnehmen, und schon liefert euch Paperboy mittels Bilderkennungsprogramm automatisch digitale Extras für die betreffende Seite. Also löscht eure doofen ‹Feuerzeug›- und ‹Wasserwaage›-Apps und schafft Platz für eine Applikation, die wirklich Sinn macht! (ah) kooaba.com

bis der pinsel raucht… Wer in den vergangenen Wochen in Luzern oder Zürich über eine Handvoll kunstreich bemalte Plakate gestaunt haben mag, dem sei hier des Rätsels Lösung verraten: Camel liess nämlich für einmal nicht sein berühmtes höckeriges Wappentier, sondern 6 nationale Street Art-Künstler zum Mittelpunkt ihrer Plakatkampagne werden. Zwischen dem 28. April und 7. Mai gaben sich namhafte Schweizer Künstler wie Smash 137, Ezra, C-Line oder Mamma Grüsli an fünf verschiedenen Standorten in der Stadt Zürich und am Löwenplatz in

Luzern die Ehre und nutzten die weissen Werbeflächen der Firma zur kreativen Umsetzung ihrer Ideen. Eines der beeindruckenden Kunstwerke gibt’s diesen Monat bei uns zu gewinnen. Allerdings solltet ihr vielleicht die eine oder andere Wand eures trauten Heims einreissen, bevor das Plakat eintrudelt, das Werk in Format F12 hat wahrscheinlich nicht in jedem WGZimmerchen Platz. Details zur Verlosung sowie einen Bericht zur Urban Art-Plakataktion findet ihr auf unserem Blog auf kinkimag.com. (rb)


kinki magazine pr채sentiert on tour

Edition

Disco

Old School m e h r i n f o : k i n k i m a g . c h ; m y s p a c e . c o m /e d i t i o n p a r t y

Berlin 17.06. M체nchen 01.07.

Stuttgart 01.05. Hamburg 04.06.

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musikalisches karussell Was früher zu den schillernden Jahreshöhepunkten meines sehr jungen Lebens gehörte, hat heute schlichtweg jeden Reiz verloren: Die ‹Chilbi› ist entzaubert worden – für immer. Geradezu unverständlich und genervt beäuge ich heute das laute und ‹billige› Treiben, welches für den schnellen Schuss Euphorie einer konsum- und vergnügungssüchtigen Gesellschaft sorgen soll. Doch ich möchte mich nicht mit Chilbigängern und erst recht nicht mit Kindern anlegen, schliesslich gibt es auch für die älteren Semester der jungen Generation eine Kilbi, die über drei Tage hinweg jegliche Sinnesfreuden stimuliert. Die Rede ist von der ‹Bad Bonn Kilbi›, die jährlich irgendwo in Düdingen (bei Bern) mit einem musikalischen Programm der Extraklasse aufwartet. Vom 27. – 29. Mai 2010 treten unter anderem Grössen wie Hot Chip, Dum Dum Girls, Yeasayer und Tocotronic sowie kleinere oder nationale Acts wie Kassette, Bit-Tuner, We Loyal und natürlich DJ Fett auf. Doch damit nicht genug, am Mittwoch, dem 26. Mai, gibt es ein DJ-Warm-Up mit keinem Geringerem als Richard David James aka Aphex Twin. Der Irische DJ, Produzent und Labelbetreiber ist einer der bedeutendsten Vertreter der ElectronicaSzene und kommt nach 15 Jahren endlich wieder in die Schweiz, um ein sensationelles DJ-Set mit überdimensionaler Lightshow und Visuals zu liefern. Dazu dreht der fast genauso bekannte Luke Vibert, die DMX Krew und viele weitere DJs noch eine Runde auf den Plattentellern – daneben sehen Riesenrad, Hau den Lukas und Autoscooter glatt alt aus! Noch älter sehen jedoch diejenigen aus, die sich bis jetzt kein Ticket gesichert haben, denn diese sind so begehrt wie heisse Mandeln an der Chilbi. Deshalb verlost kinki 1x2 Vorrunden am Mittwoch und 1x2 Runden am Donnerstag, um euch mit qualitativem Pläsier zu verjüngen. Schreibt einfach eine E-Mail mit Betreff ‹Bad Bonn›, eurer Adresse und dem gewünschten Tag an wettbewerb@kinkimag.ch. (fr) badbonn.ch

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paper wrap Wenn es doch nur so einfach wäre, in Unterwäsche dreimal über den Papierblock rollen, umschnüren und fertig ist das Dress, das sich aus keiner geringeren Materialität zusammensetzt, als aus unserem guten, alten Alltagsgegenstand: dem Papier. Kleider aus Papier können jedoch auch einiges aufwendiger, nuancierter und schöpferischer gestaltet werden. Zum Beispiel, wenn sie in Modehäusern von Issey Miyake, A.F. Vandevorst, Maison Martin Margiela, Hussein Chalayan oder Paco Rabanne erschaffen werden. Das Museum Bellerive befasst sich bis zum 1. August 2010 mit der Kunst der ‹Pap(i)er Fashion› und zeigt deren Geschichte, die schon vor Jahrhunderten in unterschiedlichen Kulturen begann; in den ‹Swinging Sixties› einen Aufschwung in der Werbe-, Modeund Kunstwelt in Amerika und Europa erlebte und heute wiederum einen glamourösen Einzug in die Modewelt feiert. So stehen traditionelle Entwürfe detailreichen Papierkreationen von renommierten

Unter anderem an der Ausstellung zu sehen gibt es ein Kleid aus Party-Papierbällen aus dem Hause Martin Margiela.

Designern gegenüber und führen die erstaunliche Vielseitigkeit und Wandelbarkeit von Papier im Kontext der Mode vor Auge. (fr)

horoscopo chino

Es war diesen Winter am Nachtmarkt, als eine Horde vergoldeter Tiere sich ihren Weg durch das Zürcher Nachtleben bahnten und sich zur Freude des Besitzers an manch einem Finger festkrallten. Die heterogene Tierherde bestand indessen aus allerlei Tieren, die da waren: Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund, Schwein – die zwölf Tiere des chinesischen Horoskops. Danach waren die hübschen Tierringe wie vom Erdboden verschluckt und nur eifrige Fährtenleser konnten ihre Spur bis auf die kreative Verkaufsplattform

Pap(i)er Fashion: 30.04. – 01.08.2010 Museum Bellerive Höschgasse 3 8008 Zürich museum-bellerive.ch

stroke.02

‹guzuu› verfolgen. Weitere Indizien führten nach Zürich und nach Bogota, zwischen denen die Designerin Monica Murillo hin- und herpendelt. Das Goldschmiedehandwerk erlernte die sympathische Kolumbianerin neben ihrem Kunststudium bei einem Privatlehrer. Seit neun Jahren ist sie nun in der Schweiz und bezaubert uns mit ihren Schmuckstücken, die sie selber designt und zusammen mit einem kleinen Team von Kollegen in Kolumbien produziert. Mit der Kollektion ‹horoscopo chino›, dem Gold und den Tiersujets, scheint sie den Nerv der Zeit und den Geschmack der Modeaffinen getroffen zu haben, seit kurzem gibt es die Ringe im ‹The Gloss›, im ‹On y va› und im ‹Dings› zu erwerben. Und wenn ich die Zeichen richtig deute, werden Tiger, Hase & Co. noch bevor Monica Murillos nächste Kollektion erscheint, über unzählige Finger und Seiten von Modemagazinen trippeln. (fr)

Bereits im letzten Jahr begeisterte die Stroke.01 mit rund 200 Projekt- und Galerieteilnehmern über 7000 Besucher und war ein Erfolg. Dieser soll sich nun im aktuellen Jahr vom 27. bis 30. Mai in München wiederholen. Die Urban Art Messe Stroke.02 will eine Plattform für Galerien und Kunstprojekte aus dem Bereich Urban Art bereitstellen und diese innerhalb eines Rahmenprogramms präsentieren. Ein Gebäude der ehemaligen Landeszentralbank am Münchner Tucherpark bietet mit 1500 Quadratmetern, die sich auf fünf Etagen verteilen, einen geeigneten Veranstaltungsort für das Kunstevent. (sb)

guzuu.com/monica-murillo

stroke02.com


SMART MAY HAVE THE BRAINS, BUT STUPID HAS THE BALLS.

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BE STUPID


‹kinkimag.ch›

the blue van In Dänemark steht anstelle der ‹Herren mit den weissen Jacken› ein blaues Auto vor der Tür und zur Abholung bereit, wenn man in den Augen der Gesellschaft verrückt geworden ist. Etwas mulmig war uns deswegen schon zumute, als wir zwei der vier Bandmitglieder von The Blue Van nach ihrem crazy Auftritt im Zürcher Abart zum Interview trafen. Warum man auch nach zehnjähriger Bandgeschichte noch immer als Kloputzer jobben muss, warum Männer mit rosa Hemden keine Männer sind und was Frauen wirklich wollen, hat uns die Band bei ein paar Bier in einer winzig kleinen, blau gestrichenen Zelle verraten.

anonymous

‹Wir sind eure Nachbarn, eure Familie, eure Freunde. Fürchtet euch, wir sind Anonymous!› So präsentieren sich die selbsternannten ‹Scientology Hunter› in einem ihrer kleinen YouTube-Filmchen. Für ihr Ziel, die Auflösung der Sekte Scientology durch einen unerbittlichen PR-Krieg, nutzen die Anhänger der mysteriösen Organisation denn auch alle Kanäle des elektro-

nischen Zeitalters und hoffen so, ihre mächtigen Gegner das Fürchten zu lernen. Doch verfahren sie dabei nicht vielleicht allzu ähnlich wie ihre Feinde? Und zeigen diese sich überhaupt beeindruckt von den ach so gefährlichen Geisterjägern? Unser Reporter Florian Hennefarth versuchte, der Sache auf den Grund zu gehen.

en plus! Ein Heft im Monat ist der Unterhaltung nicht genug, deshalb gibt es auch diesen Monat zusätzliche Schmankerl, lustige Blogs, schräge Künstler, Musikperlen und entgleisende Kolumnen auf unserer Website zu entdecken. Neben den erwähnten Artikeln werden die verrückten Performancewesen des 18

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Künstlers Andrey Bartenev (S. 50) ihr Unwesen auf unserer Seite treiben. Und der Fotograf Mads Teglers, der seine Fotografien in zahlreichen coolen Magazinen publizierte, wird unsere Generation in Bildern zeigen, welche die Handschrift der zeitgenössischen Fotografie in sich tragen.

gross und stark Nackte Körper tanzen Breakdance auf weissem Parkett. Oder eine Katze liegt auf dem Rücken, blickt verwundert in die Kamera, eine Hand zieht sie über den Teppich, als wäre sie ein Staubwedel, dazu spielt ein klassisches Piano. Die Performances und Installationen von Manuel Goliath Scheiwiller fordern oft eine intensive Auseinandersetzung des Betrachters mit den gezeigten Arbeiten. Er ist Mitbegründer der Plattform für Performancekunst ‹gross und stark›, welche bereits Veranstaltungen in Amsterdam, Göteborg und New York präsentiert hat. Sei es Tanz, Theater oder Konzeptkunst, der in Basel und Stuttgart lebende Künstler nimmt verschiedene Rollen im Feld der Kunst ein. Mal ist er Kurator, mal Kunstschaffender, mal Kritiker. Wir haben den Künstler in Basel getroffen und stellen ihn und seine Arbeit auf kinkimag.com/magazines ausführlich vor.


I am the fire, I am the flame. I am the one who stands strong. My fabric is tough, my heart is brave. My soul is also proudly made by each of you who wears me now and screams it loud,

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klagemauer Dein Meerschweinchen hat dich heute gebissen? Deine Freundin steht auf DJ Bobo? Die Welt ist böse? Zürich geht dir auf den Sack? Dein Lover hat deinen Geburtstag vergessen? Egal was dich gerade stresst oder nervt: Auf kinkimag.com unter ‹Klagemauer› kannst du Dampf ablassen. Die besten Einträge werden hier veröffentlicht.

ich sagte spitzen schneiden, nicht bis auf die spitzen schneiden! wo kauft man perücken?! Anonymous | dass mir jurassic park keine angst mehr macht. diemutige | 23:36 h ’ja, guten abend, es tut uns sehr leid für den späten anruf, aber sie sind bestimmt noch nicht im begriff ins bett zu gehen, sie sind ja noch jung, nicht war? sind student oder? - wir machen nämlich eine umfrage über detoxierung unter studierenden frauen, sie wissen sicherlich wovon ich spreche!? also vom entgiften des körpers, auch zum abnehmen praktiziert und.... (blablabla) Nein ich will nicht ihre fragen beantworten und ihnen zuhören! Dankeschön und auf nichtwiederhören! Ringstalking | das ich immer noch nicht weiss, was kinki bedeutet?! Gian-Bruno | Ist es Wahnsinn einen Vogel abzulecken, nur um heraus zu finden wie der Frühling in Afrika schmeckt? GrüsseTom | andere konsistenz am joghurtdeckel. deckelschlecker | mich nervt, dass die ex meines freundes das osterwochenende bei ihm asyl erhalten hat!! Raconteuse | oh nein! mein nachbar hat gemerkt, dass ich seiner katze heimlich alkohol gebe! mein probeabo ist noch nicht da | essen macht so viel spaß, dass mein bauch jetzt wackelt, wenn ich hüpfe deinherzseiwild | Die Hoffnung stirbt zuletzt! Aber sie stirbt… Anonymous | kennt ihr die auch, die guten momente, wo ihr spürt, dass alles gut wird? dass ihr den mut habt, zu ändern, was man ändern sollte? und dann kommt der montagmorgen und man ist von neuem gelähmt und gefangen im alltag und die einzige hoffnung ist das wochenende und die sehnsucht nach diesem einen guten moment. wenninumewüsst | Dass es Leute gibt, die Druckfarbe nicht mögen Druckfarbenfetischistin | Ich dachte stets, dass Angst mein größter Feind sei. Doch jetzt richte ich meine Waffen auf den allergrößten Feind - die Faulheit Siam | der alte Heizkörper (ohne Ventil zum Entüften), der um 04.30 zu klopfen beginnt und ich ihn nicht entlüften kann wachum0430 | ich liebe! warum das nervt? nuna mich nicht, nur alle dies lesen und es nicht tun. tut mir leid, ehrlich jetzt. aber ich kann nichts dafür. Ich liebe! lovelove | medienkalkulation an einem sonnigen dienstag morgen. ach: ich studiere gestaltung. fail! i_know_a_banana | Wieso kann der Mensch nicht aus einem grossen Muskel bestehen?! Seniore-T | Gibts hier auch bald mal eine Happy-Mauer? Anonymous | retro kann mich mal! loosin touch | Ich mag dich mehr als du mich. lovelikeasunset | Ich hasse es wenn der Chef den Lohn nicht bezahlt. angepisst | Ich hab heute einen Typ getroffen, den ich nicht kannte… aber er kennt mich… aaaaaaaaaahhhh!!!. lovelikeasunset | jetzt denk denk denk doch nicht immer nur an dich! das mach ich schon genug. castlekey | 20

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Für frisch und fertig. Mit Betty Bossi zaubern Sie im Handumdrehen ausgewogene und unkomplizierte Gerichte aus frischen und feinen Zutaten. Ohne Schnippeln, ohne Kochen

und mit wenig Abwasch, schmecken z zum Beispiel Betty Bossi Tortelloni S Spinaci-Ricotta wunderbar nach Bella Italia. «En Guete.»


Anoush Abrar

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er Schauspieler und Regisseur Jacques Tati soll dereinst gesagt haben, in Hollywood gäbe es nur zwei Sorten von Menschen: ‹Solche, die ein eigenes Schwimmbad haben und solche, denen es nicht gelingt, den Kopf über Wasser zu halten.› Doch natürlich versucht so manch einer, im seichten Gewässer des Nachbarn seine ersten Schwimmübungen. So probieren jahrein, jahraus junge Männer und Frauen ihren Weg in die Traumfabrik über verschiedenste Hintertürchen zu ebnen. Sei es der Umweg über drittklassige TV-Produktionen, Werbedrehs oder Shootings für erotische Kataloge und Bildgeschichten: Wer erst mal das Bein in der Tür hat, dem stehen auch die Tore der Filmwelt offen, lautet die Devise. Der Fotograf Anoush Abrar, Teil des Kollektivs Anoush & Aimée, dokumentierte für seine Arbeit ‹Californication› den Weg all jener jungen Frauen, die sich noch auf dem steinigen Vorplatz zum vielversprechenden Filmbusiness befinden: ‹In einer Welt der maximalen medialen Welt wie der unseren, in der nur die Exponierung der eigenen Person zum Erfolg führt, spielt das Bild eine tragende Rolle: Egal ob im Fernsehen, in Magazinen, Kino oder im Internet, für diese jungen Frauen zählt einzig und allein die Coverage. Sie rennen von Casting zu Casting, lassen sich fotografieren, treten in Shows auf und wollen sich durch nichts und niemanden davon abbringen lassen, entdeckt zu werden›, kommentiert der Fotograf mit Schweizer Wurzeln seine Erfahrungen, die er in Los Angeles im Laufe seines Projekts gesammelt hat. Einige seiner Bilder entstanden, indem er den Starlets bei ihrem ‹Casting Trial› folgte, einige, indem er selber einen CastingAufruf für ein Fotoshooting startete. Ob eine dieser Frauen jemals das Sprungbrettleiterchen zum grossen Schwimmbecken erklimmen wird, werden wir vielleicht nie erfahren, noch weniger, wie sie sich im tiefen Wasser machen.

Text: Rainer Brenner Weitere Info zu Anoush Abrar und Aimée Hoving findet ihr unter anoush.ch.

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e c a l G Ein ne i e e i w

© BEN & JERRY’S HOMEMADE, INC. 2010

COWS: WOODY JACKSON 1997

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Seit 1978 machen wir das vielleicht beste Glace der Welt nach unserem Geheimrezept: Von allem zu viel! Das gilt übrigens für jede unserer verrückten Sorten. Diese stellen wir seit über sechs Jahren klimaneutral her. Und damit nicht genug: Seit 2010 kooperieren wir offiziell mit dem SAC. So helfen wir nicht nur der Umwelt, sondern auch der Schweizer Gletscherwelt. Mehr auf www.benjerry.ch


Come as you are: Der Silbereisen hat genug von seinem Ruf als Goldjunge der Nation.

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‹standleitung› Der Silbereisen Kreativ und depressiv? Eine Discounthotline verspricht Hilfe. Was niemand weiss: Sie führt direkt in ein indisches Call­ center. Dort sitzt Rajiv Ratra und hört zu. Diesen Monat wird das Zuhören allerdings zur Qual, denn am anderen Ende der Leitung schüttet ihm ein Grunge-besessener Schlagerstar sein Herz aus. Von Laurence Thio und Tin Fischer

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pplaus brandet auf, Fanchöre peitschen durch die Halle: FLO-RI-AN, FLO-RI-AN, FLO-RI-AN! Silbereisen hastet hinter die Bühne. Alles ist schief gegangen. Der asthmatische Husten, er ist wieder da, das Händezittern, aufgelöst wählt er die Nummer. Früher war er Werbeträger für das Sor­ gentelefon – heute braucht er selber Hilfe. – Depressiv und kreativ, wie kann ich ihnen helfen, meldet sich Rajiv Ratra in seinem Callcenter in NeuDelhi. Es ist ohrenbetäubend laut in der Leitung: FLO-RI-AN, FLO-RIAN, FLO-RI-AN! – Wer ist da?, fragt Rajiv, er versteht kaum ein Wort. – Silbereisen, das ist doch kaum zu überhören!, meldet sich endlich jemand. – Guten Abend, Herr Silbereisen – weshalb rufen Sie an? Silbereisen ist immer noch paralysiert. Der Jubel will nicht enden, das Renterpublikum begehrt weiter auf, will eine Zugabe vom deutschen Schlagergott in blond. – Ich war Schlagersänger, sagt Silbereisen. – Also berufliche Probleme, antwortet Rajiv, der sich jetzt durch den Lärm nicht mehr ablenken lässt. – Wenn Sie es so nennen wollen. Ich bin nicht mehr Florian Silbereisen, verstehen Sie? Ich bin jetzt der Silbereisen, sagt Silbereisen, wobei er das ‹der› betont. Mit dem Florian hab ich abgeschlossen! Rajiv runzelt die Stirn – er googelt Silbereisen. Vor ihm poppt ein Video auf. Es heisst ‹Florian Silbereisen als Kind›. Es ist ein proper, blonder Junge in Tracht zu sehen,

der volksmusikalische Melodien dudelt und dabei wie ein Derwisch über die Bühne fegt. Das Kind wirkt entrückt. Irre. Was auch immer dieser Silbereisen heute sein soll, Rajiv ist erleichtert, dass er zumindest nicht mehr diese Kind ist. Es wäre schwer zu therapieren gewesen, erst recht telefonisch. – Vor kurzem bin ich 30 geworden, sagt Silbereisen. Ich mache seit über 25 Jahren Schlager. Meine Eltern haben mich gedrängt. Im Dorf da gab’s doch kaum a andere Aktivität! Aber ich hasse mein Publikum. Sie sind alle gleich. Sie denken nicht nach. Sie verdrängen ihr Leiden. Silbereisen klingt jetzt wie einer, dessen Pubertät vom Schlagerschaugeschäft 15 Jahre lang unterdrückt wurde und jetzt plötzlich doch noch eingesetzt hat. – Ich will jetzt Musik machen, die anders ist, die verstört.

Ich will wie Kurt Cobain in meine Psyche vordringen. Das Publikum sollte erschrecken. Es sollte denken: Das ist nicht mehr der Florian! Es sollte empört den Saal verlassen! Rajiv kann es sich nicht verkneifen: Ist das im Hintergrund Ihr Publikum? fragt er. Die Rentner rasseln und hauen Stützprothesen und Gehhilfen gegen die Absperrgitter. Sie fordern

ihren Star: ZU-GA-BE, ZU-GA-BE! Ein Rudel 70-Jährige fängt an die Barhocker umzustossen. Andere rufen bereits das Management an, fordern eine Preisrückerstattung: 50-Plus-Sachbeschädigung. Silbereisen greift sich durch sein blondes langes Haar, das sich nicht wie sonst mit viel Gel und einem versteckten Klebeband am Nacken nach hinten wallt, sondern rau und fettig ist wie das von Kurt Cobain und über sein Gesicht hängt. Lange kann er sich nicht mehr zieren. Er stöhnt – jetzt spricht der Kurt Cobain in ihm, aber er klingt auf unfreiwillige Weise noch immer wie ein Schlagerstar: – Ich hab Töne für das Leiden gefunden, die sind so leidenschaftlich, das kann ein einzelner Mensch gar nicht fühlen. Ich bin eine Art Forscher, ich dringe in Bereiche der Psyche vor, die vorher nie ein Mensch betreten hat. Während Silbereisen spricht, hat Rajiv versucht, sich mit den Filmen auf YouTube ein Krankheitsbild von seinem Klienten zu machen. Er ist sich ja von Bollywoodfilmen einiges gewöhnt. Aber was er hier sieht, die entrückte Farbenwelt des deutschen Schlagers, hält selbst er für eine psychische Störung. Er sieht seinen Klienten frohgelaunt im weissen Anzug, wie er hüpft und die Beine ausschlägt wie im Ballett, dazu singt er. ‹Wer seine Freunde zählen kann, ist auch ohne Geld ein reicher Mann!› hört er Silbereisen singen, damals noch Schlager. Rajiv dreht den Ton runter, um wieder ins Gespräch einzusteigen. – Ich verstehe, sagt er. Was haben Sie denn heute gesungen, Herr Silbereisen? – Nirvana natürlich, sagt Silber-

eisen. Polly wants a cracker, ergänzt er, bayrisch. Schnell sucht Rajiv das Lied auf YouTube, versucht dem Problem auf den Grund zu kommen. Er weiss nur: Eine Art Michael Jackson der deutschen Volksmusik ist am Telefon und braucht Hilfe. Silbereisen redet weiter, redet von Kurt Cobain, dass ihn seine Biografie bewegt habe. Rajiv hört gleichzeitig auf YouTube Cobains heisere Stimme, begleitet von einer pulsierende Gitarre. Konzentrier dich wieder, Rajiv, hat er dann zu sich selber gesagt. Dieses Klicken in YouTube lenkt nur ab. Aber anstatt das Fenster zu schliessen, hat er versehentlich auf das zweite, noch offene Browser-Tab geklickt. Und da lief er noch immer, der Film mit dem hallodrischsingenden und wie ein nussknackertanzenden Silbereisen, dessen Schritte jetzt aber von der Nirvana-Gitarre unterlegt, sein Timbre nun jenem von Kurt Cobain gleicht. – Herr Silbereisen, sagt Rajiv lachend. Ich glaube Sie haben ein echtes Problem! Es ist das erste Mal, dass Rajiv selber aufgelegt hat. Illustration: Patric Sandri Unser indischer Freund Rajiv Ratra ist ein wahres Multitalent: Als Berater einer Baumarkt-Hotline und Telefonseelsorger kümmert er sich gleichermassen um defekte Möbel und Menschen. Den kinki Lesern bietet er dabei monatlich einen kleinen Einblick in seinen Berufsalltag.

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Ausgetrunken

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Wir alle wissen, was uns der Alkohol verspricht: Heiterkeit, Jubel, Entspannung, Mut ‌ Doch wann ist das oft gelobte Mass denn wirklich voll? Wo ist die Grenze? Wann ist der Punkt erreicht, ab dem man sich neben wildfremde Leute in einen Kreis setzt und seine Saufeskapaden nicht als lustige Geschichtchen, sondern als Zeichen einer Sucht beschreibt? Unser Reporter Michael Hugentobler wagte den Selbstversuch und wohnte einem Treffen der Anonymen Alkoholiker bei.

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ine Warnung vorweg: Die Sache ist nicht ganz koscher. Ich gebe mich als Alki aus, obwohl ich keiner bin. Soll heissen, ich habe den Fiesling im Griff. Andererseits behauptete das mal jeder der Anwesenden, bevor er hierher kam. Als er sich noch täglich eine Pferdetränke voll Bier die Kehle runterzischen liess und derweil steif und fest bekräftigte, es sei alles in bester Ordnung. Bis er sich irgendwann den Stimmen der Liebsten beugte, an der Cramerstrasse in Zürich anklopfte, bei den Anonymen Alkoholikern, und die Schande über sich ergehen liess, die Sache beim Namen zu nennen. Jedes Mal wenn er jetzt das Wort ergreift, beginnt er mit demselben Satz: ‹Ich bin der Soundso und bin Alkoholiker.› Da haben wir ihn also, den Süffel, den Trunkenbold. Er sitzt an einem langen Tisch, ist männlich oder weiblich, zwischen 30 und 70 Jahre alt. Das Meeting beginnt damit, dass jemand die Präambel vorliest: ‹Anonyme Alkoholiker sind eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die miteinander ihre Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen, um ihr gemeinsames Problem zu lösen und anderen zur Genesung zu helfen ...› Dann die zwölf Schritte der AA, erstens: ‹Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind und unser Leben nicht mehr meistern konnten, zweitens:

‹Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, grösser als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann›, und so weiter. Im dritten Punkt kommt dann kurz Gott aufs Tapet, aber nicht als drohender Allvater mit erhobenem Zeigefinger, der Pech und Schwefel herabregnen lässt auf jeden, der sich anschickt, den Korken aus einer Schnapsbuddel zu pulen. Eher wie jemand, den man um vier Uhr morgens am leeren Taxistand antrifft und der einen guten Ratschlag zur Hand hat. Gott ist mit im Boot (als Beifahrer, nicht als Lenker), seit die AA 1935 von Bill und Bob gegründet wurde, zwei hoffnungslosen Trinkern. Einer erfolgloser Börsenmakler, der andere Arzt, beide Mitglieder der Oxford-Gruppe. Sie erkannten, dass Alkoholismus keine moralische Schwäche ist, sondern eine Krankheit. Sie trafen sich zu ersten Meetings, wurden trocken, dann schrieb die New York Times darüber und jetzt sind zwei Millionen Erdenbürger verschiedener Couleur mit dabei. So der Zeitraffer. Damit wäre dann das Ausschütten gemeint, nicht das Einschütten. Gebechert haben die Anwesenden genug. Jetzt muss alles raus. Und ich darf zuhören, darf horchen. Deshalb will ich hier nicht als Schreiber antanzen, als Sprachrohr. Ich

will wissen wie jener aufgenommen wird, der vor der Tür steht und hofft, dass alle Meetings diese Woche abgesagt sind, damit er hinter der nächsten Ecke einen zwitschern kann. Und werde beruhigt. Ich MUSS hier überhaupt nichts. Ich darf nur. Darf schweigen und hören und wenn ich will, gibt’s gratis zu lernen. Jetzt ein Räusperer im Raum. ‹Ich bin Freddy und bin Alkoholiker.› Freddy redet als gäbe es kein Morgen. Über einen Wochenendausflug in den Kanton Thurgau, über den Blauburgunder, der dort wächst, über das blitzkurze Verlagen, über eine anschliessende Einladung bei Freunden, über die Rivellaflasche vor sich. Freddy redet und redet und irgendwann merke ich, dass das ganz sonderbar ist. Im täglichen Leben kann man keinen Satz beenden, ohne dass ein nerviger Mitbürger seinen wohlgemeinten Senf dazugibt. Kein Senf hier, alle hören zu, nicken. Und, das Erfolgsrezept hinter AA: Sie verstehen. Sie waren auch schon dort, beim Verlangen, kurz vor dem Rückfall. Aber es geht hier nicht um Verbote, keiner fällt bei der Prüfung durch, keiner wird verwiesen, man muss nicht mal nüchtern antraben. Hier wird Lebenserfahrung serviert, auf dem Silbertablett. Da darf man anzapfen. Freddy spult jetzt ein paar Jahre zurück. Zu dem Moment, wo seine Hand den Mund nicht mehr fand und er realisierte, dass der Hirnzellentöter einerseits ein Nahrungsmittel mit hohem Energiegehalt ist, andererseits ein Genussmittel und eine psychoaktive Substanz. Er brauchte nämlich ausser Alkohol überhaupt nichts mehr im Leben. Es gab nur noch Freddy und die Pulle, und aussenrum zerbröckelte alles. Die Alkoholabhängigkeit lässt sich durch Fragebogen erfassen, der kürzeste ist der CAGE-Test. Er beschränkt sich auf die Veränderung des Trinkmusters, psychische Reaktionen und die körperlichen Entzugssyndrome. In der Klemme steckt, wer mehr als zwei der folgenden Fragen mit ja beantworten muss: a) Ich habe erfolglos versucht meinen Konsum einzuschränken, b) Ich ärgere mich über Kritik an meinem Trinkverhalten, c) Ich habe Schuldgefühle und d) Ich brauche morgens schon einen Augenöffner. Freddy konnte viermal ja sagen. Er hatte einen Durst, der gar nicht gelöscht werden konnte, nicht gelöscht werden wollte. Freddy stolperte durch endlose Entzuge, psychiatrische Gutachten, Rorschachtests, Medikamente, die ihn gaga machten. Und dann der Fallschirmsprung in die Sicherheit, die Notlandung, zack in einen Raum voller Leute mit demselben Problem. Es war das einzige, das half. Und sie waren nicht alle ‹verdammti Sozialfäll›, sondern es war noch ein Anwalt darunter, ein Finanzbuchhalter, neben Lehrern, Büroangestellten, Versicherungsvertretern. Ganz normales Volk.

Sonja Das Abhängigkeitspotential von Alkohol ist nicht so stark wie das von Opiaten oder Kokain, ist aber vergleichbar mit dem von Beruhigungsund Schlafmitteln. Forscher nehmen an, dass es eine Art Suchtgedächtnis gibt. Das funktioniert wie beim Velofahren, man macht 10 Jahre Pause, steigt dann in den Sattel und fährt los. Beim Alkohol macht man den Kronkorken von der Fla-

sche ab und wird mit dem ersten Schluck vor den letzten Vollsuff zurückkatapultiert. Auch wenn seither ein Jahrzehnt verstrichen ist. Es gibt Versuche mit alkoholabhängigen Ratten, die trocken gehalten wurden und sich hinterher die Hucke vollsoffen, wenn man ihnen die Wahl zwischen Alkohol und Wasser gab. Sogar dann, wenn der Alkohol mit Chinin vermischt wurde und scheusslich schmeckte.

‹Ich bin Sonja und bin Alkoholikerin, sogenannte Quartalsalko­ho­likerin, ich hab nicht das ganze Jahr jeden Tag trinken müssen, konnte drei, sechs Monate ohne Alkohol sein, aber als ich einen hob, fuhrs mächtig ein, ich hatte dreiwöchige bombastische Abstürze, trank nur noch, jeden Tag, von morgens bis abends.› Die 55-Jährige ist heute dezent geschminkt, fröhliches Gesicht, sieht jünger aus als sie ist. Das war mal anders. Sie verlor völlig die Kontrolle, einerseits über sich selber, andererseits über die Familie. Ihre Suffintervalle wurden kürzer, bis sie täglich vollkommen breit war. Dann geschah, was in vielen Alkoholikerfamilien geschieht. Ein Rollenwechsel vollzog sich, Sonja konnte die Funktion nicht mehr wahrnehmen, die sie bis anhin innehatte. Sie verlor ihre Autoritätsposition in lebenswichtigen Bereichen der Familienstruktur: Buchhaltung, Essenszubereitung, tägliche Seelsorge. Das ist, als würde während einem Fussballmatch der Torhüter einer Mannschaft plötzlich abspazieren und am Rasenrand eine Sandwichpause einlegen. Die Form beginnt zu wackeln, fällt in sich zusammen. Sonjas Kinder übernahmen, und der Ehemann. Sonja weiss noch heute nicht, wie das passieren konnte. Sie weiss nur, dass sie zig Ausreden und noch viel mehr Schnapsverstecke hatte. Eine Flasche kinki

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wartete immer im Wäschekorb, und unter dem Vorwand, noch kurz den Tumbler zu füllen, ging sie in den Keller und setzte an. Anfangs soff sie heimlich, irgendwann war es ihr egal. König Alkohol hatte sie im Griff. Vor den Augen der Kinder hob sie die Flasche an die Lippen und nuckelte daran. Die Tochter dachte: ‹Bitte tu das nicht.› Der Ehemann sagte: ‹Was mach ich bloss mit dieser Frau?›

Pius Pius, ein schmaler Mann mit grauen Haaren und lebendigem Funkeln in den Augen. Er führte ein ganz normales Leben. Ab und zu trank er, ab und zu ein bisschen zu viel, aber eben nur ab und zu, so wie alle anderen auch. Er schloss ein Studium ab, wurde Abteilungsleiter in einer namhaften Firma, leitete ein Dutzend Leute. Bis 45 gab es keine Anzeichen für ein Leben ausser Rand und Band. Er hatte Haus, Frau, Kinder. ‹Das Leben war sehr gut, tipptop›, sagt er. Plötzlich begann das Schlittern. Pius erreichte ziemlich schnell den 60 Gramm Gefährdungs-Grenzwert von Alkohol, das sind eineinhalb Liter Bier oder eine Flasche Weisswein pro Tag. Alkohol wird von den Schleimhäuten resorbiert, geringe Mengen in Mundschleimhaut und Magen, die Hauptmenge im Dünndarm. Höher konzentrierte Getränke gelangen schneller in den Dünndarm, lassen den Blutalkoholspiegel rascher ansteigen. Viele Alkoholiker kippen zum Bier noch Hochprozentiges als Startrakete. So auch Pius. Er trank täglich sechs Liter Bier, dazu noch Wein und Schnaps. Es ging nur noch bergab. Bis fünf Uhr abends konnte er sich jeweils beherrschen, dann gab er sich bis Mitternacht die Kante. ‹Industrielle Vernichtung des Alkohols› nennt er das. ‹Ich brauchte morgens eine Stunde, um mich mit kalten und warmen Kompressen stadtfein zu machen, wie eine Frau. Bis ich einigermassen gesellschaftstauglich aussah. Das kann man sich gar nicht vorstellen.› Auch Pius weiss nicht, wie es so weit kommen konnte. Im Gymnasium hatte er während dem Ausgang an Trinkspielen teilgenommen, mit acht Stangen wurde man abgefüllt. Die ganze 17-köpfige Klasse machte mit, allen wars hinterher speiübel. Aber Pius war der einzige, der ein Problem entwickelte, der Jahre später nicht mehr aufhören konnte, bei seinem Job nicht mehr tragbar war. Der Chef hatte genug. Die Kosten, die alkoholkranke Mitarbeiter dem Betrieb verursachen, werden nach Schätzungen auf 25 Prozent des jeweiligen Lohnes beziffert. Pius wurde schlichtweg zu teuer für die Firma, verlor die Stelle, zu der er sich ehrgeizig emporgearbeitet hatte. Ein Jahr später kamen schicksalhafte Weihnachten, der Grosi-Besuch stand an. Pius’ Ehefrau, die seine Krankheit jahrelang bemäntelt hatte, weigerte sich plötzlich, den Schlucker mitzunehmen. Pius spürte woher der Wind weht, dass er nun auch noch aus dem Familiengefüge herauszufallen drohte. Jetzt musste etwas getan werden. ‹Gehen Sie doch mal zu den Anonymen Alkoholikern›, sagte der Hausarzt. ‹Was?›, sagte Pius, ‹zu denen, die mit der Buddel in der Tasche unter der Brücke schlafen?› 38

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Peter Peters Krankenakte liest sich ähnlich, mit dem Unterschied, dass er die Metzgerlehre eigentlich nur deshalb toll fand, da man abends ein Feierabendbier trinken konnte. Peter war dem Alkohol schon früh verfallen. Der heute 50-Jährige ist ein Schrank von einem Mann, überragt so ziemlich alle, und er wollte seinen Freunden in nichts nachstehen, wollte gleichviel trinken. Das tat er auch. Nicht nur das, irgendwann trank er noch viel mehr. Da kam aber der Zeitpunkt, wo er am Stammtisch laut wurde, alles besser wusste, seine Meinung ist schliesslich immer gefragt, dachte er. Die Freunde wandten sich ab, Peter trank zunehmend alleine. Bis er völlig vereinsamte, nur noch den Kofferraum seines Wagens mit Harassen füllte und sich am Waldrand zuschüttete, auch schon Morgens. Er trank regelmässig acht Liter (sic!).

‹Wenn du trinken willst, dann trink. Wenn du vögeln willst, dann schmeiss die Flasche weg.› Das zumindest sagte Charles Bukowski, der berühmte amerikanische Trinker und Schriftsteller. Peter ging es ähnlich. Er kriegte keinen vernünftigen Sex mehr hin. Das hatte aber nie etwas mit ihm zu tun, es lag immer an der Frau. Peter wollte nicht wahrhaben, dass es zwischen ihm und dem Alkohol ein Problem gab. Er hatte während dem grössten Teil seines Erwachsenenlebens einen in der Krone. ‹Als ich dann irgendwann doch heiratete, war die Beziehung wie zwischen Bruder und Schwester›, sagt er. Und er trank weiter. Es folgten Ehe-Therapie, Hausarztbesuche, Antabus, Rückfall, Suchtberatung, neuer Hausarzt, wieder Antabus, wieder Rückfall und so weiter. In Peter entwickelte sich eine Riesenwut: Alle anderen dürfen trinken, nur er nicht; alle anderen haben die Flasche im Griff, ausser Peter. Das erste Treffen bei den Anonymen Alkoholikern war der reinste Reinfall. ‹Zu diesem Schmuseverein geh ich nie und nimmer zurück›, sagte er. Zwei Wochen später stand er dann aber trotzdem wieder auf der Matte. Und war überrascht. Niemand warf ihm vor, er habe die letzten zwei Wochen einen Schlag gehabt, habe 14 sternhagelvolle Tage hinter sich. Sie sagten nur, es sei schön, dass er gekommen ist. Er traf Sonja und Pius. Sie hatten es auch geschafft. An dem Tag sprach Peter etwas aus, das er im Grunde schon lange wusste. Er sagte: ‹Ich bin Peter, und ich habe glaub ein kleines Problem mit dem Alkohol.› 300 000 Menschen in der Schweiz sind alkoholabhängig. Das ist etwa einer von zwanzig, oder anders ausgedrückt: In jedem SBB-Wagen sitzen während der Stosszeit vier Trinker. Würden sie alle in der-

selben Firma arbeiten, müsste eine zusätzliche Arbeitskraft eingestellt werden, um ihre Ausfälle wettzumachen.

Die Wahl des Höheren In der Antike warnte schon Platon vor den Gefahren übermässigen Weinkonsums. Man wusste auch, dass es Menschen gibt, die nicht mit dem Trinken aufhören konnten. Das ist jetzt 2500 Jahre her, und die Wissenschaft ist sich noch immer nicht ganz darüber im Klaren, warum der eine Mensch süchtig wird und der andere nicht. Weder Peter, noch Pius oder Sonja sind übermässig religiös. Aber sie glauben an etwas Höheres als Grund für ihre Krankheit. Eine Krankheit, die alle drei das Leben gekostet hätte. Unterhalb des Harmlosigkeitswertes ist nicht mit einer alkoholbedingten körperlichen Schädigung zu rechnen, oberhalb steigt das Risiko sprunghaft an. Hinzu kommen die Depressionen. In den USA sind etwa 25 – 50 Prozent aller Suizidtoten Alkoholiker. ‹Wer an Alkohol stirbt, stirbt nicht›, sagt Pius. ‹Er verreckt. Anders kann man es nicht ausdrücken.› Es ist die Kunst des Redens und Zuhörens, die Freddy, Sonja, Pius und Peter heilte, und die sie noch heute imprägniert gegen die Versuchung. Jede Woche treffen sie sich mit anderen Trockenen, reden über ihre Ängste, aber auch ihre Zuversicht. Und zum Schluss noch dies: Pius konnte seine Ehe retten, Peter ebenfalls. Sonja trennte sich kürzlich von ihrem Mann. Er gab ihr nicht die Chance, ihre Rolle in der Familie zurückzuerobern. Ihm war die hilflose Trinkerin lieber. Aber die existiert nicht mehr. ‹Und sie wird nicht zurückkommen›, sagt sie.


‹wortlaut› Das 10 Minuten Interview. Wolfgang Voigt: ‹Selbstinszenierung ist mir lieber als eine langweilige Wahrheit.›

kinki magazine: Herr Voigt, Sie sind eine Art Techno-Papst in Deutschland. Wie gehen Sie mit ihrer Bekanntheit um? Wolfgang Voigt: Erfolg ist eine schöne Sache, kann aber manchmal die Kreativität einengen. Und überall erkannt zu werden, kann auch anstrengend sein. Inszenieren Sie sich selbst? Geprägt durch die Pop-Philosophie der 70er und 80er liegt mir die glamouröse Inszenierung näher als eine langweilige Wahrheit. Dabei sind die Grenzen zwischen Leben, Arbeit und Kunst fliessend. Wie wichtig ist Ihnen die Meinung anderer? Natürlich höre ich die Meinung anderer, aber die Devise lautet: Schau nach links und rechts aber verlass dich auf dich selber. Im Zusammenhang mit GAS, einem kunstübergreifenden Projekt von Ihnen, waren auch Fotografien zu sehen. Was ver­ suchen Sie mit ihren Bilder darzustellen? Meine in den 90ern entstandenen Waldfotografien zeigen die visuelle Seite des GAS-Projektes. Ein verklärter, detailfokussierter Blick auf ein naturalistisches Motiv. Durch Sampling (Musik) und FotoZoom (Bild) sowie diverse Verfremdungs- und Looptechniken soll das Motiv, sozusagen unter dem Mikroskop, auf seine ästhetische Grundstruktur zurückgeführt und ein rauschhaftes Gefühl von Anfangs- und Endlosigkeit erzeugt werden.

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ompakt Records ist vom internationalen Musikmarkt im Bereich der elektronischen Musik kaum mehr wegzudenken. Das verdankt die Kölner Firma, die gleichzeitig Vertrieb, Agentur, Plattenladen und Tonstudio ist, nicht zuletzt ihrem Mitbegründer und Namensgeber Wolfgang Voigt. Der Mann ist nämlich der Kreativkopf hinter vielen der musikalischen und künstlerischen Projekte und Ur­ gestein der Deutschen Technoszene. Schon in den 70ern interessierte er sich für Kraftwerk und Tangerine Dream. Später dann ritt er auf der Acid-House-Welle bis in die 90er, als der Techno schliesslich mit all seinen Spielarten in sein Leben trat. Damals gründete Voigt das Label Profan, mit welchem er viele seiner 40

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eigenen Platten unter zahlreichen Pseudonymen veröffentlichte und andere Musiker förderte. Voigt hatte schon früh den Traum einer ‹Creative-Factory› wie sie beispielsweise Andy Warhol betrieben hatte. Mit der Gründung von Kompakt 1998 kam er diesem Ziel einen grossen Schritt näher. Persönlich widmet sich Voigt heute vermehrt der Fusion von Bassdrums, institutioneller Kunst und Blasmusik. Sein Faible für Pop und die Verschmelzung von Fiktion und Wirklichkeit, macht diesen Mann zu einer nur schwer durchschaubaren Person. Ich hatte die Möglichkeit mit ihm über Lüge und Wahrheit, seine zahlreichen Projekte und darüber, wie man Musik malen kann, zu sprechen.

Was meinen Sie mit dem Verschwimmen von Anfang und Ende? Bei dem Projekt GAS geht es darum, aus bestimmten Klang- und Bildquellen Auschnitte und Details so zu fokussieren und zu überlagern, dass die ursprüngliche Bedeutung der Quellen zugunsten reiner Ästhetik verwischt wird. Raum und Zeit, oben und unten, Anfang und Ende sollen in einem rauschhaften Raum aufgehen, in dem man sich verlieren kann. Und wann verlieren Sie sich in Träumereien? Ich kann mich in meiner Musik und Kunst verlieren wie in einem Rausch. Speziell GAS hat etwas narkotisch Hypnotisches, weshalb ich für diese Musik auch schon mal den Begriff ‹Narcopop› geprägt habe. Ich neige aber nicht

zu entrückter Träumerei, sondern eher zur Grenzüberschreitung. Kann es sein, dass elektronische Musik visueller ist als andere? Möglicherweise. Denn besonders die computerbasierte Musiktechnik hatte für mich schon immer auch eine visuelle Entsprechung. Über die Jahre bin ich mehr und mehr dazu übergegangen meine Musik auch – oder zum Teil sogar nur noch – zu malen. Bitte? Sie malen Musik? Das müssen Sie mir genauer erklären … In der Musik faszinieren mich seit jeher Strukturen der Wiederholung: Loops. Bei meinem Projekt ‹Freiland› zum Beispiel bewegt sich ein einziger Klang mal statisch, mal verlaufend über einen feststehenden Loop. Bei GAS werden über einen geraden Bass-Bassdrum-Loop lange, abstrakte sich frei bewegende Klanggebilde gelegt. Beide Ansätze lassen sich auch malen bzw. grafisch ausdrücken. Symbole, Zeichen, Strukturen und Gebilde, ob mathematisch genau oder abstrakt, haben eine musikalische und eine visuelle Entsprechung. Gibt es eigentlich noch elektronische Musik, die Sie überrascht? Natürlich wird die Luft dünner. Es sind die sehr radikalen, unangepassten Wagnisse, die mich heute mehr denn je interessieren. Fusionen von Musikstilen, die es so noch nicht gegeben hat. Ich selber befasse mich gerade wieder mit der Kreuzung von Minimal-Techno und Blasmusik. Anfang Juni erscheint bei Profan meine CD ‹Freiland-Klaviermusik›. Eine so noch nicht da gewesene Fusion aus Bassdrum und atonaler, freier Klaviermusik, die sicher überraschen dürfte. Text und Interview: Antonio Haefeli Foto: Promo


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W W W. B R E A D A N D B U T T E R . C O M


‹querschläger› Alles, ausser angepasst. Antoine Konrad ist der international erfolgreichste DJ der Schweiz. In seiner Villa in Sissach spricht der ‹pinky blinky Hummerboy› mit uns über Selbstzweifel, Ibiza und seinen Gärtner.

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uf der Zugreise von Zürich nach Sissach schliesse ich meine Augen und denke an DJ Antoine. Ein Schmunzeln zeichnet sich um meine Mundwinkel ab, da ich bemerke, dass dies das erste – und wahrscheinlich auch das letzte – Mal ist, dass ich dies tue. In meinen Gedanken schwebt ein schwarzer Hummer H2 an einem riesigen Diamantring vorbei, weisse Hemden und noch weissere Zähne fliegen durch ein retuschiertes Universum aus Strasssteinen, irgendwo hoch über Ibiza. Musik höre ich keine. Als wir schlussendlich Antoines Haus, welches gleichzeitig seine Wohnung und sein Büro beherbergt, erreichen, fühlt es sich an, als hätte ich meine Augen gar nie geöffnet: vor der pastellfarbenen Villa putzt ein junger Mann einen blitzblanken Rolls Royce, sorgsam gestutzte Pflänzchen weisen streng in Reih und Glied drapiert den Weg zum Eingang. Hätte Barbie ein Haus in der Schweiz, so würde es wahrscheinlich aussehen wie jenes des international erfolgreichsten DJs dieses Landes. Antoine ist gross. Grösser als man denkt, und sieht in echt besser aus als auf den Fotos, die ich von ihm kenne. In einem dunkelblauen Blazer, kariertem Hemd und gelben Schuhen empfängt uns Antoine in seinem Reich aus vergoldeten Spiegeln, Gemälden, gläsernen Kerzenständern und Plüschsesseln. Hier sucht der Finger vergebens nach Staubkörner, wenn er über die Kommoden und Glastische streicht. Eigentlich sollte er ja in Oslo sein, meint Antoine, und wundert sich, dass ein bisschen Vulkanasche ganze Fluggesellschaften zu Boden zwingt. Als er sich mir gegenübersetzt und seine langen Beine übereinander schlägt, blicke ich auf seine gepflegten Hände und bin beruhigt, dass auch der funkelnde Ring, mit dem Antoine immerzu

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spielt, seinen Weg aus meiner Traumwelt in die Realität gefunden hat. kinki magazine: Antoine, wer ist dieser Mann, der da draussen dein Auto poliert? DJ Antoine: Das ist mein Gärtner und Putzmann. Weisst du, meine erste Putzfrau hat uns beklaut, sie nahm sich aus den Portemonnaies aller Angestellten immer wieder kleinere Summen, mal 5, mal 3 Franken. Aufs Jahr gesehen summiert sich das natürlich. Die nächste Putzfrau war dann eigentlich super, hatte aber Rückenprobleme. Den Mann, den du gesehen hast, kenne ich schon seit 10 Jahren, er arbeitet schon lange als Gärtner für mich. Mittlerweile putzt er auch, laminiert die Presseberichte, macht den Postversand … Er ist super. Und manchmal putzt er dir auch dein Auto? Ja, so ein Mal die Woche, ungefähr. Wir nennen den Rolls Royce Tourbus. ‹The black beauty tourbus› … Deinen schwarzen Hummer besitzt du aber auch noch, oder? Nein, schon lange nicht mehr. Früher hat man mir ja den Stempel aufgedrückt: ‹Pinky blinky Hummerboy›. Damit bricht für mich eine Welt zusammen! Ich habe immer nach deinem schwarzen Hummer Ausschau gehalten. Das ging so weit, dass ich mir einbildete, es bringe mir Glück, wenn ich dich in deinem Hummer erspähe … Viele Leute denken wirklich, ich hätte den schwarzen H2 noch. Ab jetzt musst du dich in dem Fall halt nach meinem schwarzen Rolls Royce umsehen.

Wie denkst du, dass die Leute dich beurteilen? Einerseits gibt es natürlich viele, die mich nicht mögen, weil ich polarisiere. Je mehr man in der Schweiz auffällt, desto kritischer wird man hierzulande betrachtet. Wenn man einen etwas extravaganten Kleidungsstil pflegt, ausgefallene Autos fährt und sich vielleicht etwas dominanter verhält, wenn man einen Club betritt, stört das viele Journalisten, und sie geben das entsprechend an die Leute weiter. Schweizer sind neidisch, sie haben ein Problem, wenn beim Nachbarn die Fuchsbäumchen besser aussehen als die im eigenen Garten. Deine Nachbarn müssen dich hassen! Nein, nein (lacht). Aber mir fällt einfach auf, dass im Ausland die Leute ganz anders auf jemanden reagieren, der Erfolg hat oder polarisiert. In der Masse gibt es hierzulande sicherlich genug Menschen, die gut finden, was ich mache, sonst würde ich nicht so viele CDs verkaufen, andere halten mich vielleicht für ein Arschloch, mögen aber meine Musik, oder hören sie heimlich, von dieser Sorte gibt es sicherlich auch genug. Dein Auftreten wirkt extrem selbstsicher. Zweifelst du nie an dir selbst? Ja, ich bin sehr überzeugt von mir. Nicht, weil ich mich für cooler halte als andere, sondern weil ich das mache, was ich will. Ich ziehe an, was mir gefällt, man kann es sowieso nicht allen recht machen. Und ein bisschen Ironie muss auch sein. Erzähl mir ein bisschen von Ibiza! Ich stelle mir das so vor, dass dort den ganzen Tag lang Männer in

weissen Anzügen neben Frauen in Bikinis tanzen. Hmm, mit den Frauen in Bikinis könntest du recht haben, aber Ibiza ist nicht so fashy, wie du dir das vorstellst. Um weisse Anzüge zu sehen, müsstest du vielleicht eher nach St. Tropez. Natürlich gibt es solche Orte dort, aber auf Ibiza finden sich auch viele 08/15-Leute, die Welt ist nicht immer fashy. Ausserdem ist Mode natürlich immer relativ, es ist Geschmacksache. Ibiza ist sicherlich aber ein wichtiger Ort für die elektronische Musikszene, solche Orte braucht es, damit grosse Festivals und dergleichen funktionieren. Wenn das nicht funktioniert, lässt die Nachfrage nach. Antoine, 34, lebt in Sissach / BL und ist gläubiger Christ. Am liebsten geht er in ‹schöne und warme Kirchen› wie das Kloster Einsiedeln, Maria Stein oder Madonna del Sasso im Tessin. Wenn er zu Gott betet, sagt er öfter Danke als Bitte. Text und Interview: Rainer Brenner Foto: Daniel Tischler


‹Ja, ich bin sehr überzeugt von mir. ›

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hcnup Der gute alte Fausthieb. Ein Gewaltakt mit langer Tradition und kulturgeschichtlichem Hintergrund. Auch heute noch schlagen kräf­tige Männer (ab und zu auch Frauen) gerne mit ihren Fäusten auf alles mögliche ein – zum Beispiel auf den Lederball des Boxauto­ maten an der Chilbi. Text: Antonio Haefeli, Fotos: Mischa Christen 44

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ereits 3000 v. Chr. brachen Männer mit Fäusten Anderer Nasen und ernteten dafür Jubel und Bewunderung. Der Faustkampf hat eine lange Geschich­ te. Schon bei den Olympischen Spielen im alten Griechenland gehörten Boxkämpfe zum festen Programm (damals jedoch noch ohne Regeln und mit Metalldornen an den Fäusten!). Der Schlag mit der Faust stellt eine Art Urform der Gewalt dar. Physikalische Kraft, unverfälscht und so effektiv wie die Wucht der Masse dahin­ ter. Das vor allem männliche Bedürfnis, sich mit blanken Fäusten zu beweisen und den Gegner auszuschalten, scheint bis heute nicht verblasst zu sein.

Urform der Gewalt Doch wie so einiges wurde auch dieses Bedürf­ nis im Zeitalter der Maschinen mit Automaten gestillt: zum Beispiel mit dem Punching BallBoxautomaten an der Chilbi. In meiner Kindheit waren diese Dinger ein Ort auf dem Jahrmarkt, den ich mied. Denn da trieben sich diese meist älteren, muskelbepackten Typen herum, die sich wie eine aufgescheuchte Gorillaherde um einen hängenden Ball aus Leder bewegten und – so schien es mir – nicht davor zurückschre­ cken würden, mir zur Abwechslung, aus purer 46

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Langeweile das Nasenbein zu brechen. Jetzt, fast zwanzig Jahre später, wagte ich mich ohne Furcht nochmals an diesen von Testosteron ge­ schwängerten Ort der fliegenden Fäuste. Erst jetzt wurde mit klar, dass ich hier auch Zeuge eines Wettbewerbs der Nationen werde. Albanische Flüche, die ich zwar nicht ver­ stand, aber sie an ihrer aggressiven Artikula­ tion als solche erkannte, italienisches Tempe­ rament, kroatischer Stolz, ein internationales ‹Yesss!› und hin und wieder ein schweizerisches ‹Gopferdammisiech› machen diesen Ort zu ei­ nem multikulturellen Boxring. Secondos aller Nationalitäten schlugen sich um Ruhm und An­ erkennung. Es war eine Art Mini-Ausgabe der Box-Olympiade, die mir da rund um den Box­ automaten geboten wurde. Von den Spielen im alten Griechenland unterschied sich dieses Schauspiel nur dadurch, dass hier die Fäuste nicht Anderer Nase brachen, sondern auf einen braunen Lederball einschlugen, der per Knopf­ druck immer wieder nach vorne schwang, um ohne Gegenwehr eine weitere Rechte oder Lin­ ke zu kassieren. Vielleicht werden die Zeiten ja doch besser …

Die Fotografien sind Teil der freien Arbeit ‹Boxing Secondos› von Mischa Christen und entstanden 2005 in Luzern. Mehr Fotografien findet ihr auf mischachristen.ch.


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Rangliste: 1

› 915 Punkte Ömer (Türkei)

› 884 Punkte

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Martin (Schweiz) 3

› 812 Punkte

Ivica (Serbien Montenegro) 4

› 751 Punkte

Adis (Serbien Montenegro) 5

› 718 Punkte

Endrit (Albanien)

Erstellt wurde die Rangliste am 24.4. im Lunarpark auf der Schützenmatte, Bern. Unser Reporter Antonio Haefeli (Schweiz) erzielte 611 Punkte.

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Happy Art

Während die moderne Kunst sich immer wieder elitär und vornehmlich intellektuell gibt, arbeitet der russische Künstler Andrey Bartenev daran, Humor und Lebensfreude in Form von Performances zurück ins zeitgenössische Kunstgeschehen zu bringen. Denn einzig der Humor vermag auch die Kultiviertesten noch zu überraschen, davon ist Bartenev überzeugt. Text und Interview: Florence Ritter

Performance ‹Bubbles of Hope›, 2010

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Performance ‹Emily Likes the TV›, 2006

Der Künstler Andrey Bartenev ist selber untrennbarer Teil seines Kunstwerks geworden.

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arbenfrohe Skulpturen bewegen sich scheinbar ziellos durch den Raum, nackte Körper rollen übereinander und springen danach ins Publikum, Menschen schlafen öffentlich im Supermarkt – die Performancekunst hat viele Gesichter. Auch ist das künstlerische Genre der ‹Performance Art› oder schlicht ‹Performance› nicht jedermann bekannt, geschweige denn jedermanns Sache. Performances sind flüchtige künstlerische Darbietungen, die unter anderem zwischen Kunst, Tanz und Theater oszillieren. Sie befassen sich unmittelbar mit Raum und Zeit, dem Körper der Performancekünstler und dessen Verhältnis zum Publikum. Während einige Performancekonzepte stark strukturiert sind, gibt es auch sehr offene Stücke, die erst während der Präsentation durch Improvisation oder Interaktion mit den Zuschauern entstehen.

Farbige Spielfiguren Inhaltlich ist das Spektrum der Performancekunst ebenso breit wie die Darstellungsweise variabel ist: man möchte überraschen, schockieren, verwundern, unterhalten oder auch irritieren. Die Performances des russischen Künstlers, Kurators, Lehrers und Designers Andrey Bar-

tenev gehören zu denjenigen Vorstellungen, die überraschen und positiv berühren. Den meist farbenfrohen Pappmaschee-Objekten und den quirligen, unbeholfenen Skulpturwesen kann man sich einfach nicht verschliessen. Bartenev erfindet amüsante skulpturale Installationen und sich bewegende Kompositionen. Diese bestehen aus Wesen und Objekten, die durch ihre ulkige Übergrösse, ihre riesige Anzahl und Farbenprächtigkeit den Betrachter direkt in ihre surreale Welt entführen. Die Wesen sind schrill, ungewohnt und stellen zuweilen eine visuelle Reizüberflutung dar, die des Öfteren den Lachnerv kitzelt. So buhlen bei ‹Animal Competition› Tierwesen in aberwitzigen Kostümen um die Gunst der Zuschauer. Bartenev selber gibt im Ganzkörperanzug und auf Plateauschuhen den Moderator des Défilées, bei dem der Löwe ein Plastik-Busenwunder verschlingt. Zum Schluss artet alles in einer obligat ekstatischen Party aus. Das Stück ‹Botanic Ballet› spielt mit abstrakteren Formen, die aus Pappmaschee in Schwarz und Weiss die Darsteller wuchtig umhüllen. Die weissen Gesichter und die schwarzen Lippen, die Spitzbusen und wohlgeformten Figuren erinnern an eine Mischung aus Nikki de Saint PhalleFiguren und Klaus Nomi. Die Performance ‹Wash Your Hands Until You Get Holes› inspiriert sich etwas konkreter von einer präventiven Antivirus-

Kampagne und lässt Menschen als Desinfektionsmittel kostümiert auf tanzende Viren treffen. Weitere skulpturale Performances oder Installationen tragen wohlklingende Namen wie ‹Invasion of the Bread Crumbs›, ‹The Sunpool›, ‹Emily Likes the TV›, ‹The Ladder of Red› und ‹Bubbles of Hope› und lassen ähnlich beeindruckende Szenarien erahnen.

Bastelsurium Grundsätzlich ist das Unterfangen, Andrey Bartenevs Kunst in Worte zu fassen, zum Scheitern verurteilt. Besonders seine Live-Darbietungen sind zu mannigfaltig, komplex und detailreich, um genügende Umschreibungen dafür zu finden. Hinzu kommt, dass stets eine Vielzahl an Wesen und Objekten auf Bartenevs Bühne herumwirbeln und trippelnd aufeinander oder auf das Publikum reagieren. Allein die aufwendigen Kostüme, die Bartenev allesamt selber designt und in Zusammenarbeit mit seinen Studenten von Hand herstellt, sind kleine Kunstwerke. Die verwendeten Materialien kennen dabei keine Grenzen; Karton und Pappmaschee, Ballone, Mal- und Bodypainting-Farben. Zur Kostümgrundausstattung gehören Spandex-Anzüge, die – im Stil des japanischen Zentai – zum Teil auch kinki

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das Gesicht abdecken, ohne Schlitze für Augen und Mund frei zu lassen. Die Kostüme überragen ihre Träger meistens und weisen oft flexible Teile auf, die ulkige Bewegungen ermöglichen oder beispielsweise Fäden und Ballone um sich schlingern lassen. Es ist nicht das künstlerische Handwerk, das bei den Kostümen zählt, vielmehr stehen sie ganz im Dienst der überbordenden Kreativität. Eine Gleichsetzung seiner Arbeit mit dem Modedesign wimmelt Bartenev deshalb lachend ab, seine Kostüme sollen nämlich ‹jeden Stil zerstören›.

Glückliche Kunst Wohnt man Bartenevs Auftritten bei, fühlt man sich nicht intellektuell, sondern sinnlich herausgefordert – vielleicht wie Alice im Wunderland. Der Künstler nennt seine eigene Kunst ‹Happy Art› und begründet diese Hinwendung zum Frohsinn folgendermassen: ‹In meinem Kopf und meinen Gefühlen habe ich eine Art emotionale Orientierung. In allem, was ich tue, versuche ich Emotionen und eine neue Art von Humor zu finden, die mich und die Zuschauer glücklich machen.› Als ich Bartenev bitte, den Grundgedanken von Performance Art zu erläutern, wählt er das folgende praktische Exempel: ‹Versammle an einem Ort 18 Personen, gib ihnen 700 grosse Rahmtorten und lass sie sich diese gegenseitig zuwerfen, auf diese Weise wirst du eine chaotische abstrakte Dislokation von weisser Masse beobachten können. Welche Art von Gefühlen werden die Zuschauer empfinden? Als ich selber diese Dynamik sah, Leute die sich einfach Torten ins Gesicht werfen, da dachte ich mir, das ist genau das, was wir in dieser Welt brauchen, um politische Probleme und Anspannungen zu lösen: Man muss Tortenschlachten statt Kriege führen.› Während Bartenev also Lösungen für den Weltfrieden fand, strebten die Zuschauer während der Tortenschlacht in alle Richtungen, um den fallenden Tortenstücken zu entkommen. Ähnliche Reaktionen erzwingt der Künstler immer wieder vom Publikum, das sich unter schützenden Plastikblachen versteckt oder dazu aufgefordert wird, wankende Objekte von sich zu stossen. Jedoch ist das aktive Einbeziehen der Zuschauer bei Bartenevs Performances nicht zwingend. Die Shows garantieren dafür beste Unterhaltung, die an Exaltiertheit nicht zu überbieten ist. Einzig die Idee oder Überlegung dahinter ist nicht immer verständlich. Dazu meint Bartenev: ‹Das Publikum soll nicht viel wissen. Manchmal haben die Zuschauer interessantere Interpretationen, als die Erklärung, die ich anbiete. Ich kreiere eine Idee für mich selber, für mein Team, damit wir daran arbeiten können. Ich kann meine Überlegung auch für den Pressetext darlegen, die Zuschauer aber sollen sich etwas Neues ausdenken.› Nur eine generelle Mitteilung seiner Kunst verrät er: ‹‹To the sun, the moon and light, we are rush in mutual pipe.› Alle Themen meiner Performances sind der Evakuierung von Humor von der Erde in einen luftleeren Raum gewidmet.› Seine Kindheit erlebte der Künstler umgeben vom ewigen Permafrost in Norilsk City, der nördlichsten und angeblich ödesten Stadt Sibiriens. Seine Heimat dient Bartenev noch heute als grosse Inspirationsquelle. Wenn man fragt, was ihn 52

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Bei der Performance ‹Bubbles of Hope› geht es darum, ‹dass wir unsere Träume beeinflussen. Wir geben viel Energie in unserer Träume rein, schlussendlich werden daraus Blasen, die wegfliegen, die aber auch ex­ plodieren können›, erklärt Bartenev.


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‹To the sun, the moon and light, we are rush in mutual pipe.› in seiner Arbeit am stärksten prägte, meint er: ‹Die Abwesenheit von Gedanken. Wie grenzenlose Schneewüsten im Norden. Es fühlt sich an, als würde Leere den Raum verführen … Erst von diesem Moment an ist es möglich, noch mal von vorne zu beginnen.› Als Bartenev vor rund zwanzig Jahren in die Kunstwelt eintrat, wurde er erstmal von der russischen Kunstelite ob seiner kitschigen Werke belächelt, heute gilt er in Moskau als Superstar und Enfant Terrible der russischen Kunstszene. Bartenev lässt sich allerdings nicht festnageln, als Künstler experimentiert er, malt, produziert grafische und gestalterische Filme, macht Installationen, Skulpturen, Performances und ist als Kurator tätig. Es gibt kaum ein Medium, dass er sich noch nicht zu Nutze gemacht hätte. Eine ebenso wichtige Rolle spielt für Bartenev das Vermitteln von Kunst, er ist Dozent an der Design Fakultät der Theater Akademie in Norwegen, gibt Workshops in Moskau und Europa, arbeitet mit dem Vitra Design Museum und mit dem Watermillcenter von Robert Wilson in Amerika zusammen: ‹Der Ideenaustausch mit den Studenten ist mir enorm wichtig, dabei lerne ich sehr viel›, meint er. Die Studenten sind es auch, die mit ihm die Performances nach seinen visuellen Ideen vorbereiten und als Performer umsetzten, aber auch mal ein Konzept von Anbeginn an mit dem Künstler entwickeln. Im Gespräch mit Andrey Bartenev fällt vor allem sein unbändiger Drang nach Neuerung auf, der sich wie ein roter Faden durch seine Arbeiten und durch alle möglichen Kunstformen und Materialien zieht: ‹Früher war meine Kunst sehr gradlinig, ich hatte einige Ideen und verfolgte diese. Dann realisierte ich, dass die emotionale Welt einiges grösser ist, als meine praktische Sicht von ihr. Ich versuche heute ständig neue 54

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Ideen zu eröffnen.› Den entscheidenden Einfluss auf sein künstlerisches Denken hatte der Theaterautor und Regisseur Robert Wilson, für dessen Watermillcenter Bartenev einige Projekte realisierte. Auch in visueller Hinsicht erfindet sich Bartenev immer wieder neu: Für jede Performance und für jedes Interview tritt er als andere Figur auf, die sich oft inklusive Gesicht hinter Ganzkörperanzug und Sonnenbrille verbirgt.

Ständige Wieder­geburt Es ist die Flüchtigkeit der Performance, die sich auch im Wesen des Meisters festgesetzt hat. Deshalb kann er unermüdlich durch die Welt reisen und sich neu definieren und in seiner Kunst zu Hause fühlen. Als ich ihn frage, ob er denn selber so positiv wie seine Kunst sei, meint er: ‹Im Leben bin ich nicht so optimistisch, aber in meiner Kunst werde ich wie eine Blume oder wie ein Baum, dessen emotionaler Körper beim Gedanken an eine Farbkomposition tausende junge Blätter spriessen lässt. Und diese Blätter wachsen sehr schnell und geben mir in allem was ich mache das Gefühl von Frische. Jedes Mal starte ich von Null, ich vergesse meine Vergangenheit, die Geschichte meiner Kunst und alles, was ich bereits weiss!› – wahrlich wird uns Bartenev immer wieder mit seinen unerschöpflichen Ideen überraschen. Das Interview in voller Länge und zahlreiche Performancevideos findet ihr auf kinkimag.com/magazines. Weitere Info über den Künstler gibt es auf bartenev.ru.


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25/06/2010 21:00 – 21:30 h


Hochgradige Verbartung

Krach machen kann eine ganz schön komplizierte Angelegenheit sein. Etwa dann, wenn sie mit so viel Hingabe und Eigenbrötlertum betrieben wird wie von den drei Herren von Archie Bronson Outfit. Die spielen ihren GaragenRock mit peniblem Sinn für das Scheppern im Detail und fabrizieren komplex zusammengeschusterte RumpelPsychedelia, die immer arschtrittgenau gebaut ist. Text: Arno Raffeiner

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erdang Derdang. So lautete vor vier Jahren der onomatopoetische Titel des letzten ABO-Albums und verwies charmant darauf, dass der Sound des Trios auf halbem Weg zwischen Garagentor und Surfbrett gern in ziemliches Gedengel ausartet. Mit ihrem, über lange Jahre hinweg solitär ausgebrüteten Geschepper geniessen Sam Windett, Dorian Hobday und Mark (aka Arp) Cleveland relative Alleinstellung in der englischen Rocklandschaft - weshalb sich die heimische Presse anlässlich der Kokosnuss, die ihr eben wieder ins Nest gelegt wurde, einmal mehr mit Lobeshymnen überbietet. ‹Ich denke, man muss ein bisschen schwachsinnig sein, um Musik für eine Karriereoption zu halten›, meint Schlagzeuger Mark Cleveland zum hysterisch überhitzten Rockstarbetrieb auf der Insel. ‹Eigentlich hasse ich Bands, die das tun.›

Haarige Eigenbrötler Das System ABO erklären die drei Anfangdreissiger immer noch über Kategorien wie Freundschaft und Hobby-Geschrammel. Sie kennen sich seit Ewigkeiten, waren in der Kleinstadt Bath im englischen Südwesten an derselben Schule, haben sich vor rund 15 Jahren mit ihren Instrumenten in Kellern und Garagen getroffen und bis Mitte zwanzig einfach nur so vor sich hingeklampft und -getrommelt. Man kann sich bildlich vorstellen, wie sie später im Londoner Süden in ihrem gemeinsam bewohnten Haus hocken und zwischen Vintage-Verstärkern und Postern von 60s-Konzerten die Bärte wachsen lassen. ‹Vor acht oder neun Jahren haben wir dann angefangen, vor Publikum zu spielen und gedacht, wir sollten vielleicht versuchen, eine Pop- oder Rockband zu sein›, erzählt Sänger Sam Windett. Ihren Vorlieben für amerikanische Indie-Klassiker wie Dinosaur Jr. und Sonic Youth waren sie schliesslich entwachsen, als sie im Pub um die Ecke irgendwann eine Hand voll Songs spielten, die zufällig auch der Chef von Domino Records 66 kinki

hörte. Der sprach sie direkt auf einen Plattenvertrag an, womit auch der Hobby-Modus ad acta gelegt war.

Lärmiger Trash mit Symbolwert Nach Jamie Hince von The Kills, der 2004 ihr Debüt ‹Fur› produziert hatte, wurde für das dritte Album ‹Coconut› Tim Goldsworthy von DFA engagiert. Der hat seinen Ruf für rotzig angerührte Rhythmen zwischen Punk und Funk weg und sollte speziell die Beats prominent herausputzen. Viele der neuen Songs wurden ausgehend von den Drums geschrieben, jenem Punkt, wo auch die restlichen Inhalte ihren Ursprung haben: Schlagzeuger Mark Cleveland schreibt die Texte im Alleingang, Sam Windett ist nur Erfüllungsgehilfe am Mikrofon. Die lyrischen Purzelbäume der Texte passen zum Wildwuchern der Musik. Generell herrscht in der Band ziemliche Verbartung. Das betrifft nicht nur die Gesichtsfrisuren in den Abstufungen ‹Halblang› und ‹Mittelkurz›, sondern auch Windetts Gesang, der mit ein bisschen Jello-Biafra-Tremolo in der Stimme oft genug so verzottelt ist, dass man Kokosnuss von wilder Erdbeere nur schwer unterscheiden kann. Was ABO machen, ist Nonsens, aber im Sinne von Psychedelia: mit so offensichtlich ins Bild gerücktem Symbolwert verziert, dass hinter jeder Zeile über Haifischzähne oder Silikonbrüste, hinter jedem Kick gegen eine Phaser-Tretmine eine Mehrbedeutung zu lauern scheint. Da nützen auch die Beteuerungen von Texter Cleveland nichts, dass er Worte hauptsächlich ihres Klangs wegen auswähle. ‹Es geht dabei eher um den Groove und einen bestimmten Vibe, um den Geschmack einer Atmosphäre. Man muss nicht immer einen Typen hören, der seine Gedichte vorsingt.› Krachig aber muss es unbedingt sein. Nur eben auf eine ausgesuchte, aufwendige Art, die bei der Produktion viel Arbeit bedeutet, wie Cleveland bestätigt. ‹Hoffentlich kann man dieses energetische LoFi-Element noch fühlen. Wir

haben ziemlich grosse Umwege gemacht, um einen irgendwie trashigen Klang hinzubekommen.› Diesmal hat es drei Jahre gedauert, um das Ding wieder genau an der Sollbruchstelle knacken zu lassen. Aber der Aufwand muss sein. Auch den Eskapismus zwischen Surf-Sounds und Kokosnuss muss man sich heute erst verdienen. So lassen sich mit ABO Urzeit-Rock ’n’ Roll-Banalitäten schön genussvoll wiederkäuen. Das passt, schließlich haben die Jungs sich ihren Namen noch in der Schulzeit von grimmigen Kuhhirten aus Buffalo Bill abgeschaut. ‹Wir haben den Namen damals von diesen Cowboy-Outlaws übernommen. Vielleicht ist er heute für uns sogar relevanter als je zuvor›, überlegt Mark Cleveland und driftet ab ins Comic-Wunderland. Boingpeng! Archie Bronson Outfit ‹Coconut› (Domino/ Indigo) ist bereits erschienen. Weitere Info unter archiebronsonoutfit.com. Foto: Promo


Wildwuchernde Klänge, verwachsene Rhythmen und lieblos gestutzte Bärte: willkommen in der dubiosen Fauna und Flora von Archie Bronson Outift.

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‹vorspiel› Musiker erklären ihre Songs. The Dead Brothers : The 5th Sin-Phonie

1.

I am all I got:

Fidel und Banjo – ein traditionelles Thema. Fideln wurden von amerikanischen Immigranten gespielt, da Violinen das harte Leben der Nomaden in der Neuen Welt nicht überlebt hätten. Und das Banjo, das stammt ursprünglich aus Westafrika. Ivory Coast, Irland, Schweiz, Amerika? Fakt ist, dass Musik nicht von irgenwo her kommt, aber auch nicht vor Grenzen stoppt. Wenn du die menschliche Seele berühren kannst, wird sie ewig.

Ich mag die lange Geschichte darüber, niemanden zu haben, auf den man zählen kann, ausser sich selbst. Es ist typisch männlich. Während Frauen eine Verbindung zu der Welt, zum Planeten spüren, wissen Männer: Wir sind alleine! Deshalb mögen wir Cowboy-, Seemänner- und Landstreichergeschichten. Me, myself and I.

2.

Langenthal:

Death Blues: Der Song soll von universellen Themen handeln, die jeden ansprechen, jeder auf sich beziehen kann. Und es geht um die wichtigen Momente im Leben. Der Tod hat beide dieser Qualitäten!

3.

Balkan Blues mit Mago Dead Flueck an der Sitar, Resli Dead Burri an der Clarinette und dem Mandolie-Fever von Matthias Dead Lincke. Das ist meine Version von Malcom Lowrys ‹Under the Volcano›. Und meine beste Personifikation unseres Freundes DJ Scratchy, dem DJ von The Clash aus London.

5.

Bela Lugosi’s Dead:

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10.

Die meisten Texte wurden vom Filmemacher Mark A. Littler geschrieben. Ein südafrikanisch-deutsch-amerikanischer Filmemacher, der eine Dokumentation über die Dead Brothers drehte und den grossartigen Schwarz-Weiss-Film ‹The road to NOD›, in dem ich mitspielte. Seit zehn Jahren schreibt er schon Gedichte, aber niemand interessierte sich dafür. Also setzte ich mich mit ihm an einen Tisch und wir verwandelten einige seiner Worte in Songs.

Ist es Rock ’n’ Roll? Klassische Musik oder Hippie-Scheisse? Schwer zu sagen. Oder wie Mark A. Littler sagte: ‹War es Liebe oder war es Mord?› Es war beides. Man kann uns nicht in eine Schublade stecken. Die Dead Brothers schaffen unverfälschte Musik, den Rock ’n’ Roll der Welt.

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Es ist das erste Mal in der Musikgeschichte, dass ein französischsprechender Schweizer Songwriter einen Song in ‹Schwiizerdütsch› geschrieben hat und singt. Das wurde zuvor noch nie gemacht. Ich hoffe, niemand hasst mich dafür. Der Song wurde im Zug nach Langenthal geschrieben – eine Musterstadt der Schweiz.

Exotic Odyssey:

The Power a secret holds:

men dazu, die Combo reiste um den Globus – unter anderem mit dem legendären Reverend Beat Man im Schlepptau – veröffentlichten vier Platten und sogar einen Filmsoundtrack. Ganz schön was los in der obskuren, wilden Welt des ‹Dead Alain› Croubalian und seinem ‹one and only Death Blues Funeral String Trash Orchestra›. Die Musik der Dead Brothers ist fast genauso schwer zu fassen wie die Frage nach dem Sinn von Tod und Leben zu beantworten – auch auf ihrem neuen Album. Ist es Blues? Ist es Jazz? Ist es Avantgarde Folk, ist es Rock ’n’ Roll? Laut den Brothers lautet die allumfassende Antwort auf diese Fragen: ‹Hell, Yes!›

9.

The Story it’s always the same:

4.

ie toten Brüder sind immer noch tot, aber sie haben eine neue Platte aus dem Grab geschaufelt. ‹The 5th Sin-Phonie› ist – wie der Titel schon vermuten lässt – bereits das fünfte Album der Mannen aus Genf, die mal zu dritt, mal zu zehnt auftreten, was dazu führt, dass sich ihr Sound mal nach Punk-Trio, mal nach Bigband anhören kann. Immer dabei ist jedoch Sänger Alain Croubalian mit seinem Banjo. 1998 begannen The Dead Brothers Zigeuner-Musik mit Blues, Rock ’n’ Roll und Chicago-Jazz zu vermischen und bezeichneten sich dabei selber ganz bescheiden als ‹The only real Heavy Metal Band›. Inzwischen ist viel passiert: Brüder gingen und neue ka-

8.

Drunkard’s Walk:

Ein Bauhaus-Cover. Ich habe nicht Peter Murphy’s Stimme, aber ich liebte diesen Song schon immer. Es war 1988, als Robin Wills von der Britischen Band Barracuda’s vorschlug, mit ihm und meiner damaligen Punk Band Les Maniacs aufzunehmen. Ich hasste New Wave. Jetzt ist es Old Wave. Und diese Streicher spielen Riffs … ein Punk-Kammerorchester!

6.

Tic Tac: Die Geschichte von Senta, der Frau des ‹fliegenden Holländers›, wie sie uns von Richard Wagner erzählt wurde. Ein Seemannsklas­ siker, interpretiert vom ‹one and only Cowboy Fantôme›. Eine Oper in drei Akten.

11.

Policeman: Ein traditioneller Bluegrass-Song, den wir von The Foghorns gelernt haben. Es ist richtiger ‹Blackgrass› geworden, vergleichbar mit Kuhscheisse auf Schlangenleder-Boots. Es war eine wilde Party im Gange, als wir diesen Song in einer alten Mühle im Jura aufgenommen haben. Mit gutem Rotwein, Käse und einem leckeren Jambalaya.

12.

Teenage Kicks: Ein klassischer Punksong der Undertones. Mein Dauerfavorit, der übrigens auch John Peels Lieblingssong war. Wir spielten in London, eine Woche nach dem Tod dieses grossartigen Radio One DJs, ein Konzert – in Gedenken an ihn. Machmal können Menschen nicht ersetzt werden. Auf seinem Grab der ewige Satz: ‹Teenage dreams, so hard to beat.› So wahr …

13.

How deep is the water?: Eine wunderschön arrangierte Streichquartett-Version eines älteren Dead BrothersSongs. Er ist romantisch wie die Hölle – in der Art des 19. Jahrhunderts. Die Geschichte einer jungen Liebe, die rein bleiben will, beruhend auf dem Roman ‹Romeo und Julia auf dem Dorfe› von Gottfried Keller.

7.

Drunkard’s Dream: Ein richtig traditionelles, neu arrangiertes Stück vom Violinenspieler Matthias Dead Lincke. Ein Gospelchor und die immer währende Geschichte von Fall und Erlösung. Aber ist es eine so gute Nachricht, gerettet zu werden? Der Himmel muss langweilig sein.

Dead Brothers – The 5th Sin-Phonie (Voodoorhythm Records) ist bereits erschienen. Text: Antonio Haefeli Foto: Mischa Scherrer


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‹verhör› Essentielle Alben für jede Lebenslage. Ein dunkler Raum, verraucht und stickig. Gefangen im Laufwerk der Stereoanlage liegt sie machtlos da und gibt alles Preis, was der Mann hinter dem blendenden Schein der Schreibtischlampe von ihr hören will. ‹Ich bin doch nur ein Datenträger›, hört man sie zuweilen verzweifelt quietschen, wenn er sie aus ihren schützenden Digipacks klaubt. Doch der Reviewnator kennt auch diesen Monat kein Erbarmen … während des seelenstriptease

Band of Horses – Infinite Arms

‹Kopf hoch mein Junge, nimm erstmal ein Taschentuch› – so, oder so ähnlich könnte man die Musik der Band of Horses beschreiben. Muss man aber nicht. Wer nämlich das Cover der letzten Platte kurz betrachtet, könnte bei dem halb romantischen Vollmond über einem noch wohligeren See auch an den puren, unverblümten Kitsch denken. Schaut man sich die Protagonisten ein wenig genauer an, könnte man jedoch auch die Vermutung hegen, es könne sich bei der Gruppe von Pferden um raue PostHardcore-Schrammler handeln – mit den ungepflegten Zottelbärten und den wilden Tattoos eigentlich nahe liegend. Was zuletzt dann aber bleibt, ist schliesslich nur ein Gedanke: Willkommen am Ende des Schubladendenkens. Gefühlvoll-energisch rauscht da ein Gemisch durch die Boxen, das so einfach nicht zusammenpassen will: Ein ausbalancierter Melancholie-Teppich, der sich zwischen 70

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akustischem Folk und avantgardistischem Indie nicht entscheiden kann. Da wechseln sich Gitarrenrockparts mit Streichern ab, da wird posiert zwischen grossen Gefühlen und der grössten Verzweiflung und es bleibt ein Eindruck zurück: Mann, ist das traurig. Aber auch nur auf den ersten Blick. Vielmehr zelebrieren die Gäule auf ‹Infinite Arms› den brachialen Seelenstriptease und laden ihre Hörer ausdrücklich zur Nachahmung ein. Runter mit den Klamotten, runter mit der Schminke, weg mit der Tönung – bis am Ende nur noch das nackte, verletzliche Menschlein übrig bleibt, das sich nach etwas Wärme sehnt. Band Of Horses ist die Indie-Kapelle der Stunde. Auch ihre neue Platte bringt alles mit, was es für ein grosses Stück musikalischer Kunst braucht. Warme Riffs, donnernde Soundkonstrukte und wolkige Melodien vereinen sich und verhängen den Horizont des Hörers mit einem bedeutungsschwangeren Gewitter. Dieses geschlossene Werk ist einfach ein emotionaler Gaumenschmaus, dem sich geneigte Indie-Rocker kaum entziehen werden können. Und damit wäre man dann wieder im Schubladendenken angekommen. Irgendwo zwischen ‹The Wombats› und ‹Taking Back Sunday› findet man bilderbuchartige Hooklines, groovige Basslinien und wohlige Gitarrenläufe, die sofort ins Langzeitgedächtnis wandern und sich an ihrem neuen Wirt satt saugen – auch wenn man sich anfänglich noch sträubt. ‹Buildings› ist eine Platte, die zunächst sehr gewöhnlich daherkommt, mit der Zeit jedoch ihre

Stärke preisgibt und das in voller Wucht. Wenn der Frühling erstmal da ist, die Röcke kürzer werden und die Augen länger, dann weiss man auch, warum Bands wie General Fiasco die Musik machen, die sie machen: für die Ladys. Wahrscheinlich die vom Nachbarn.

liebe in der dritten person

Nada Surf – If I Had A Hi-fi

Als Eigenbrötler hat man es leicht. Die Probleme der Welt scheinen in den weiten Fernen des eigenen Universums geradezu zu verpuffen. In seltenen Fällen stauen sie sich diese jedoch auch an und scheinen den Mikrokosmos, den manch ein Nerd umgibt, geradezu aufzublähen. In solchen Fällen sollten die Betroffenen dringend Druck ablassen, um ein etwaiges Platzen ihrer lebensraumähnlichen Blase und den daraus resultierenden Kontakt zur Parallelgesellschaft zu vermeiden. Manche machen dies mit schrägen Bildern, andere mit langatmigen Autorenfilmen und manch einer läuft auch mal Amok. Nada

Surf machen ‹If I Had A Hi-Fi›. Nada Surf sind eine dieser urbanen Indie-Bands, die es immer wieder vermögen eine Schippe Schwermütigkeit draufzupacken. Da wird ganz ungezwungen über vernebelte Liebe, fadenscheinige Freundschaften und zwielichtige Gesellschaften sinniert – mal traurig, mal noch trauriger. Und wie das bei verschlossenen Typen so ist, dauert es immer eine Weile, um zu solch introvertierten Menschen und ihrer Kunst einen Zugang zu bekommen. Es ist eben schwierig für gewöhnliche Menschen, tiefgehende Gedankenspiele über pseudosympathische Gewaltverbrecher, Betrachtungen der Liebe in der dritten Person und das Weltgeschehen als temporären Zustand nachvollziehen zu können. Nada Surf sind eben eine Band, die geradezu danach lechzt, dass man sich ernsthaft mit ihr auseinandersetzt. Melancholische Weltansichten zwischen College-Rock, popigem Indie und einem Hauch von Skater’s Attitude machen Nada Surf zu einer der aussergewöhnlichsten Bands ihrer Zeit. Intelligenter Gitarrenrock ist eben nicht totzukriegen und daran ändert auch die Tatsache nichts, dass jener eben nicht für Jedermann etwas ist. Während andere Bands im Verlaufe ihrer Karriere immer weiter gen vordere Verkaufsregale rutschen, scheint es, würden sich Nada Surf freiwillig in der letzten Reihe anstellen: Immer zugeknöpfter werden die Alben des New Yorker Trios. Aber vielleicht zeichnet dies ja auch ein gutes Album aus: Der Verzicht auf Konventionen und das Ausleben des wah-


ren ‹Ichs›. Auch wenn es niemand versteht. Aber das ist immer noch besser als kunstvoll Farbe mit einer Wasserpistole auf faltige Oberkörper aufzutragen oder im schwarzen Kampfanzug die Primarschule zu stürmen.

während der mathevorlesung

Foals – Total Life Forever

MGMT und Vampire Weekend machen es vor: Durchgeknallter Indierock reduziert auf das Minimum von gar nichts, zieht besser denn je. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich seine Songs mit Synthieflächen, verschrobenen Gitarren-

sounds und vocodergesampelten Gesangslinien hat zumüllen lassen – es ist Songwriter-Ausverkauf, und alles muss raus. Die Foals scheinen sich dies zu Herzen genommen zu haben und präsentieren mit ‹Total Life Forever› eine Scheibe, die im wahrsten Sinne des Wortes zu einer regelrechten Geistererscheinung in den überfüllten Katakomben viel zu gleichklingender Veröffentlichungen werden könnte. Während immer mehr Bands, immer weiter in den klangtüftlerischen Wahnsinn abrutschen, kehren die Foals zurück zum Ursprung und graben sie aus, die stinkend, verwesende Leiche des reduzierten Songwriting mit einem gewissen Schuss Progressivität und Anspruch. Totgeglaubte leben einfach länger und sehen zudem auch besser aus. Mit ihrem stoischem Indierock gepaart mit rohklingenden Schrammelgitarren und dem etwas schizophren anmutenden Gesang von Yannis Philippakis, gelingt es dem Fünfer aus Oxford seine Tracks in der Vordergrund rutschen zu lassen und nicht das Drumherum. Manch einem mag das streckenweise zu verkopft klingen, gar zu ma-

thematisch, aber mit Mathrock, mit dem sie gerne mal in Verbindung gebracht werden, hat das Quintett wenig gemein. Geisteswissenschaftliche Gitarrenmusik würde es da besser treffen, denn die Foals sind einfach irgendwie verschroben intellektuell. Vielleicht hat das ja auch was mit der Art zu tun, wie die Buben ihre Gitarren halten. Während bei Linkin Park die Gitarre da hängt, wo bei einem echten Rocker das Allerheiligste zu Hause ist, klemmen sich die Foals ihr Gerät eben unter die Achseln, was schon optisch deutlich ernsthafter wirkt. Wären MGMT nicht so durchgeknallt und hätten Vampire Weekend etwas mehr Tinte auf dem Füller, hätten auch diese beiden Combos gute Chancen, solche ernstzunehmenden und vor allem atmosphärischen Indierock der guten alten Schule zu fabrizieren. Können sie aber nicht und sollten sich daher vielleicht mal überlegen, ob’s nicht vielleicht daran liegt, das manche Dinge einfach irgendwann sterben. Die Könige sind tot, lange leben die Foals.

Während zwei Jahren belieferte uns Florian ‹Reviewnator› Hennefarth mit seinen CDReviews. Er hat tausende Alben verschlungen, doch nur wenige schafften es in seine kleine feine monatliche Auswahl. Wir danken Flo für seine Lobeshymnen, seine Trauergesänge, seine Kampfansagen und Freudentänze, mit denen er uns in den letzten 25 Ausgaben beehrte! Ab nächstem Monat wird Mathias Bartsch an dieser Stelle in seine Fussstapfen treten.

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‹lieblingslieder› Helvetische DJs stellen ihre All Time Favourites vor. Katakombot 08:15

Katakombot – Ritalin (Original Mix) Im Winter entstanden, das hört man. Mit viel Liebe zum Detail produziert, dies wird klar wenn man sich die Zeit nimmt, auf die Details zu achten. Mit feiner Klinge angerührt, einer Prise Melancholie bereichert und mit viel Liebe verfeinert. Das neueste Werk von Katakombot.

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James Zabiela – Tylium Eine der prächtigsten Progressive HouseVeröffentlichungen aus dem letzten Jahr. Nicht alle Songs des experimentierfreudigen Blondschopfs sind wahre Perlen, ‹Tylium› jedoch schon. Auch wenn man lange nicht versteht, wohin der Track zielt, irgendwann ist es einem klar oder einfach egal. Schöne Breaks und klasse Drops. Weiterhin ein fester Bestandteil der Katakombot-Sets.

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Lindstrom and Christabelle – Baby Can't Stop (Aeroplane Dub)

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ie Jungs von Katakombot wissen definitiv, wie man der Crowd so richtig einheizt – und das schon seit bald 10 Jahren. 2001 gründeten Peter Day, Tom Steiger und Remy Riester ein DJ-Kollektiv namens Cutacombo und spielten vor allem Hip-Hop, Soca und Dancehall. Vier Jahre später beginnt unter dem Namen Katakombot eine neue Ära, die bis heute anhält. Die drei verabschiedeten sich von den karibischen Beats und brachen mit sämtlichen Genregrenzen, um sich einem neuen Ziel zu verschreiben: Mit allen erdenklichen Mitteln den Club zu rocken! Und dieses Ziel verfolgen sie bis heute hartnäckig bei jedem ihrer Gigs. Ein geeignetes Mittel, um die tanzende Meute zum Ausrasten zu bringen, scheinen Katakombots zahlreiche Remixes und Bootlegs zu sein, mit denen sie auch die Aufmerksamkeit der internationalen DJ-Szene auf sich zogen – Lady Sovereign geht eine Liaison mit Genesis ein, Falco trifft auf Dead Prez. Aber an 72

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diesem Punkt stehen zu bleiben, wäre nicht im Sinne des Projekts Katakombot. Die stetige musikalische Weiterentwicklung – oder zumindest Veränderung – und das Aufbrechen gewohnter Strukturen scheint Programm zu sein. Nach grossangelegten Club-Kreuzzügen durch ganz Europa folgten schon bald die ersten eigenen Produk­ tionen, die auf die Namen ‹Eis, Zwei Discobei›, ‹Lets Be Happy› oder ‹Ritalin› hören. Seien es osteuropäische Klänge auf ‹Lets Be Happy› oder kickender Electroclash bei ‹Eis, Zwei Discobei›, die Tracks entwickelten sich im Nu zu smashenden Clubhymnen. Die stetige Entwicklung des pulsierenden Kollektivs zeigt sich auch in den zahlreichen DJ-Mixes, die im Laufe der Jahre erschienen sind. Die aktuellen Mischungen ‹Technical Kabot Vol. 2› und ‹Tender in November› könnt ihr gratis runterladen. Sie sind manchmal nämlich die einzige Hoffnung, wie aus langweiligen WGFesten doch noch ausufernde Clubpartys werden können.

‹Baby can’t stop› der Remix-Götter Aeroplane treibt mit einem fantastischen GittarrenRiff und hypnotischen Synthie Melodien extrem nach vorne. Im Grunde ist jeder Remix oder Track von Aeroplane ein kleines Meisterwerk. Aber dieser drängt sich besonders auf. Eignet sich perfekt für den Moment, in dem die Leute nicht wissen, ob sie jetzt schon tanzen sollen oder doch lieber nochmals ein Bier an der Bar holen gehen.

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Solo – Joga Bola (Original Mix) Spielst du diesen Tune im richtigen Zeitpunkt, kannst du die Musik danach abstellen und dich vor dem Publikum verbeugen. Brasilianische Lyrics kombiniert mit einem treibenden Beat und verspielten Synthies ergeben ein Tune, welcher von Rio bis Zürich für Ekstase sorgt. Ein wunderbares Werk für die Partyszene von Solo!

03: 20

Maximus Dan – Be Humble (Dougla Riddim) Dieser Song hat’s geschafft, dass wir alle mindestens einmal in Trinidad waren und in Folge dessen unzählige Dancehall-Partys in einen Carnival verwandelten. Gefährlich böse kommt der superschnelle Beat daher. Maximus Dan’s mit tiefer Stimme vorgetragenen Rhymes passen da perfekt! Bei diesem Track verliert auch dein Buchhalter die Beherrschung und schwingt seinen Popo.

05: 56

MJ Cole – SIncere (Nero Remix) Dubstep galt lange als Musik für Spastiker, welchen Drum ’n’ Bass zu schnell ist und die es nicht stört, dass das Boy / Girl-Verhältnis auf der Tanzfläche bei 93 Prozent zu 7 Prozent liegt. Dies änderte sich, als Produzenten wie Nero angefangen haben, weibliche Vocals in ihre Bass-Monster einzubauen und damit ein neues Genre kreierten: Sexy Dub­ step!

04: 48

Alter Ego – Rocker 2004, Porto, Portugal Ein voller Club, dieses Lied und 3 Dancehall-DJs die sich entschieden haben, elektronische Musik ins Herz zu schliessen. Unserer Meinung nach der grösste Tune von Alter Ego. Ein Klassiker, welcher bisher unerreicht bleibt und auch heute noch super funktioniert.

04:52

Celeste – Hey Boy Italo Disco ist eine grenzwertige Sache. Da die Vocals bei einer Karaoke Version (logischerweise) fehlen, kommt hier ein derart pumpendes Instrumental hervor, dass sogar die Jungspunde abgehen, welche zum Zeitpunkt des Releases (1987) noch nicht einmal geboren waren. Wer sich traut kann den Original Videoclip auf YouTube schauen.

04:02

I AM & Sunz Of Man – La Saga Ich glaube da muss man nicht viel dazu sagen. Tunes wie dieser haben uns in den 90ern zusammen gebracht und rocken uns noch heute. Auch wenn unsere Hosen mittlerweile nicht mehr so breit sind und das Basecap im Schrank verstaut wurde. Pure Nostalgie, kein Partykiller!

06:26

Katakombot feat. Pushkin Noize – Ninja Bike Das Fidget House-Brett aus der Katakombot Beat-Brauerei. Entstanden zusammen mit Zürichs Fidget-König Pushkin Noize und den bekannten Lyrics der DancehallGrossmutter Lady Shaw. Dieser Tune macht wirklich jedes Mal Spass, wenn wir ihn spielen – man braucht sich nur die Gesichter der Crowd anzusehen, welche durch die Variationen der wuchtigen Basseline hervorgerufen werden! Text: Antonio Haefeli Foto: Pascal Suprapto Schmid Weitere Info unter myspace.com/cutacombosound.


Es blüht im Staate Dänemark

Lars and The Hands of Light sind Lars Vognstrup, Line Vognstrup, Peter Leth und Thomas Stück. Und gemeinsam haben sie mit ihrem Album ‹The Looking Glass› den Soundtrack des Frühlings geschrieben. Text und Interview: Martina Messerli Manchmal auch vermeintlicher Suals vermeintlicher perstar in L.A. unterwegs: Lars Vognstrup

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ars Vognstrup ist Frontmann, musikalischer Mastermind und Strippenzieher der Band Lars and The Hands of Light. Wobei, eine Band sind die vier Dänen ja eigentlich nicht. Noch nicht, doch dazu später. Der unglaublich vielseitige junge Mann hat in seinem Leben Halt an den unterschiedlichsten musikalischen Destinationen gemacht, und es scheint, als hätte er nach Abstechern in den Industrial Metal seiner ehemaligen Band Raunchy, US-Old School Hip-Hop à la Dr. Dre und Sounds aus elektronischen Gefilden im Pop der 60er-Jahre sein Zuhause gefunden. Zumindest vorübergehend. Ende März erschien der erste Longplayer ‹The Looking Glass› und in etwa so wie das Cover, das die Scheibe ziert, klingt auch die Musik von Lars and The Hands of Light. Hasenkostüm und Ringelpulli, die passenden Accessoires, um den Frühling in allen seinen bunten Facetten einzuläuten. Der Soundtrack dazu klingt abwechselnd beschwingt nach 60er-Jahre-Pop, schlägt aber gerne auch relaxtere Töne an. Die Stücke auf ‹The Looking Glass› verschmelzen zu einem lockeren Soundteppich und entfalten so unbeschwert ihren eigenen Soul und Style. Doch lassen wir Lars Vognstrup selber ein paar Worte zu seiner Musik sagen. kinki magazine: Lars, wie würdest du den Sound von Lars and The Hands of Light beschreiben? Lars Vognstrup: Hauptsächlich als modernen Pop, geprägt von vielen verschiedenen In­ strumenten und Einflüssen. Wir verwenden auch rockige Elemente und spielen gerne mit elek­tronischen Hilfsmitteln. Alles in allem hört sich unser Album auch ziemlich folky an. Dazu kommen unüberhörbare Referenzen zu Musik aus den 60ern und 70ern. Hast du eine spezielle Verbindung zu Musik aus dieser Zeit? Ja, das habe ich tatsächlich. Als Kind kam ich in der Schule zum ersten Mal in Kontakt mit dieser Musik. Es war das erste Mal, dass ich mich überhaupt für Musik interessierte. Ich hörte die Beatles mit ‹Twist and Shout› und ich konnte es einfach nicht glauben. Dieser Song war für mich das Grösste, das ich bis dahin gehört hatte. Ich bekam dann diese SixtiesCompilation ‹Golden Oldies›, aufgrund deren ich Gitarre spielen lernte. Ich wollte unbedingt auch so klingen. Aber im Laufe meines Lebens hab ich so viele Musikrichtungen kennengelernt, dass ich nicht sagen würde, dass die Popmusik der 60er-Jahre meine Lieblingsmusik ist, aber ich habe definitiv eine Beziehung dazu. Gibt es andere Einflüsse, die Lars and The Hands of Light prägen? Als ich in der Highschool war, habe ich Hip-Hop produziert. Ich fand vor allem RZA und Dr. Dre toll und das sitzt immer noch irgendwo in mir. Obwohl ich heute ganz andere Musik spiele, habe ich noch immer dieselbe Vorgehensweise, um Songs zu schreiben, nur heute ziehe ich eben einen richtigen Drummer einem Drumcomputer vor.

Die Gruppe ist nach dir benannt, bist du in erster Linie fürs Songwriting verantwortlich? Genau so ist es. Ich weiss gerade nicht wie es in Zukunft aussehen wird, aber zu diesem Zeitpunkt schreibe ich die Songs alleine und nehme auch die meisten Instrumente fürs Album selber auf. Die Band begleitete mich bisher eigentlich nur bei Live-Auftritten. Im Moment habe ich aber wirklich gute Leute zusammen, und wir schauen gerade wie es weitergeht als Band. Ich mag das Band-Ding wirklich, ich habe das gerade erst für mich entdeckt. Im März ist dein erstes Album ‹The Looking Glass› erschienen. Wie fühlte es sich an, als die Aufnahmen abgeschlossen waren und du das Album zum ersten Mal in den Händen hieltst? Das fühlte sich sehr, sehr gut an. Während den Aufnahmen hab ich viele verschiedene Phasen durchlebt, gute und schlechte. Am Schluss, wenn du merkst, dass sich alles gut zusammenfügt, und ein Ende in Sicht ist, dann ist das schon ein gutes Gefühl. In Dänemark ist das Album bereits draussen und ich freue mich jetzt extrem darauf, das Album auch in der Schweiz, Österreich und Deutschland zu veröffentlichen. Hast du einen Lieblingssong auf dem Album? Ich schwanke zwischen verschiedenen Songs. Oder anders gesagt, jeder Song ist von Zeit zu Zeit mein Lieblingssong. Aber wenn ich mich für einen entscheiden müsste, dann wäre es wohl die Nummer sieben, ‹Keep My Feet Tagging Along›. Ich mag den Bongo-Part sehr. Es ist ein guter Partysong. Und welches ist der perfekte Moment, um sich euer Album anzuhören? Wahrscheinlich der Moment, in dem man sich einen Drink einschenkt und sich für die Party am Abend in Schale wirft. Apropos Party: Von der ersten Singleauskopplung ‹Me, me, me› gibt es einen sehr tanzbaren Remix des dänischen House-Produzenten Trentemøller – wie ist es zu dieser Kooperation gekommen? Als Däne kannte ich Trentemøller schon länger und schätzte ihn schon immer sehr für seine rockigen Remixes, zum Beispiel für seine Interpretation von Bruce Springsteens ‹State Trooper›. Eines Tages kontaktierte mein Mana­ gement Trentemøller und wir fanden raus, dass er die Single ‹Me, me, me› bereits kannte und sie gerne remixen würde. Ich traf ihn dann in der Kopenhagener Bar Jolene, wo er auflegte, und als ich rein kam spielte er gerade ‹Me, me, me›, obwohl er erst zwei, drei Tage daran gearbeitet hatte. Jetzt sind wir so was wie gute Freunde.

ein Superstar sei, was natürlich eine faustdicke Lüge war. Seit dieser Zeit bin ich oft als DJ unterwegs und geniesse es auf einer ganz anderen Bühne zu stehen. Was hat dich zurück nach Dänemark verschlagen? Das war eine Visa-Angelegenheit, ich durfte nicht mehr länger in den Staaten arbeiten, würde aber sofort wieder zurückgehen. Dann wollte ich auch nach Dänemark zurück, um an meinem Album arbeiten zu können. Ich habe staatliche Unterstützung erhalten, um mein Album fertigstellen zu können und das ermöglichte mir auch, eine Band zu gründen, ich wollte ja nie alleine auf der Bühne stehen. Jetzt ist unter anderem meine Schwester Line als Sängerin dabei. Sie ist eine sehr wichtige Person für mich und ich wollte die Musik schon immer mit ihr teilen.

‹Heute ziehe ich einen richtigen Drummer dem Drumcom­puter vor.› Du hast erwähnt, dass der Staat dich finanziell bei der Aufnahme deines Albums unterstützt hat. Ist Dänemark ein gutes Pflaster für junge Musiker? Es gibt eine gute kreative Szene in Dänemark. Die Leute helfen einander, inspirieren sich gegenseitig. Obwohl es ein kleines Land ist und es ist hier ziemlich ruhig zu und her geht, gibt es viele Leute, die selber etwas auf die Beine stellen. Vor einer Weile war das noch anders, da gab es nicht wirklich eine Musikszene in Dänemark, aber jetzt blüht und spriesst die Musikwelt hier oben sozusagen. Die dänische Musikszene blüht nicht nur, sie scheint mit Lars and The Hands of Light auch be­sonders schmackhafte Früchte zu tragen. So haben Lars and The Hands of Light im Rahmen ihrer Europatour am 9. Mai bei ihrem Zwischenstopp in Aarau bewiesen, dass sie auch live in Sachen ansteckend-blumigem Sixties-Gitarrenpop überzeugen können. Das ausführliche Gespräch mit Lars Vognstrup findet ihr auf kinkimag.com. Das Album ‹The Looking Glass› (Crunchy Frog) ist bereits erschienen. Weitere Info findet ihr unter myspace.com/ larsandthehandsoflight. Foto: Simon Birk

Ist es wahr, dass du selber für eine gewisse Zeit in Los Angeles als DJ gearbeitet hast? Ja, das stimmt. Das war eine gute Erfahrung. Meinen ersten Job hatte ich in einer extrem sexy Hollywood-Location in L.A. über einem grossen, bekannten Club. Ein Freund von mir sagte dem Manager, er müsse mich unbe­dingt als DJ engagieren und mir eine Menge Geld bezahlen, da ich in Dänemark bereits kinki

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Les fleurs du mal Fotograf Stefan Milev, stefanmilev.com Make-up Janine Mannheim Styling Nora Erdle Models Eva Staudinger, Siri Laude Haare Ahmet Bilir Haar-Assistent Mostafa Esperesbn 76

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Bikini-Top La Perla Schmuck H&M

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Heisse Ohren Wer die letzten Monate nicht unter einem Stein verbracht hat, dürfte eine Veränderung im Stadt- und Landbild beobachtet oder zumindest wahrgenommen haben: Kopfhörer sind die neue Spielwiese der Designer! kinki zeigt euch in einem kleinen Überblick, was es diesen Sommer von wem auf die Ohren gibt. Text: Romy Uebel

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ix da Schwarz oder Apple getreu Weiss – bunt gemustert verkriechen sie sich in der Ohrmuschel, laufen mit Bügeln um die Lauscher oder verstecken sie unter riesigen, mannigfaltig geformten Schalen. Und man wundert sich: warum erst jetzt? Walkoder Discmans mit leiernden Kassetten und leeren Batterien gelten als prähistorisch, am Kopfhörer-Design der praktischen MP3-Player hatte sich bis dato hingegen wenig geändert. Allein im letzen Jahr gingen weltweit über 1 Milliarde der digitalen Geräte über die Ladentische, laut einer unabhängigen Umfrage zeigten sich 80 Prozent der Kunden wenig begeistert über die mitgelieferten Kopfhörer. Wer wirtschaftlich eins und eins zusammenzählen kann, macht heute also ‹Headphones›. Audio-Technica zeigte kürzlich Ohr-Mode in Zusammenarbeit mit Paul Smith und dem Avantgarde-Label Bless, bei der Herbst-Winter-2010Schau von Dolce&Gabanna schmückten wuchtige, gold-schwarze Modelle die Köpfchen der Damen. Das High Fashion-Segment ist erwacht, gestartet haben den Trend jedoch Marken aus dem Action Sport-Segment und sie setzen ihn bereits seit einigen Jahren in preiswerte Massenware um. In den U-Bahnen von London, Berlin oder New York sind sie omnipräsent, die extravaganten Styles von Marken wie WeSC, Nixon oder Skullcandy, die traditionelle Technikhersteller derzeit das Fürchten lehren. Die Macher von Skullcandy – allesamt passionierte Boardsportler – dürfen sich als Initiatoren des Hypes bezeichnen. Sie hatten keine Lust mehr auf 08 / 15-Kopfhörer und gründeten 2003

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ihre Marke mit dem Slogan ‹Adrenalin für den Kopf›. Heute gibt es über 200 Modelle, Skullcandy liefert Produkte für mehrere NBA-Teams und Stars wie Snoop Dogg oder Jay-Z. Weltweit sorgen 190 Vertriebe für Umsätze im dreistelligen Millionenbereich, in den USA ist das Unternehmen mit dem rundgelutschten Totenkopf nach Sony bereits Verkaufsvize. Zu verdanken ist dieser Erfolg vor allem dem quietschigen Design – dass Klang- und Materialqualität besser sein könnten, ist den Kids dabei egal. ‹Am liebsten wäre uns natürlich, unsere Kunden würden mit jeder neuen Saison ein neues Modell, noch besser zu jedem neuen T-Shirt einen neuen Kopfhörer in passender Farbe kaufen›, erklärt Marketingchef Marc Fischer.

Realistische Zukunftsmusik Damit besingt er durchaus realistische Zukunftsmusik, denn die Kopfhörer-Branche boomt. Trendbewusste Konsumenten haben ein Dutzend Sonnenbrillen, Mützen und Turnschuhe im Schrank, der Bedarf an Kopfhörern hingegen ist lange nicht gedeckt! Ein weiteres Plus in finanzschwachen Zeiten: Mit Preisen zwischen 10 und 400 Euro kosten die Kopfhörer den Bruchteil einer limitierten Handtasche. Die Entwicklung im internationalen Headphones-Markt verläuft rasant und der Kuchen wird in immer kleinere Stücke unterteilt. Es gilt sich abzuheben, seine Stil- und Preis-Nische zu besetzen, schneller


Schmucke Designerstücke mit Kopfhörerfunktion: die schlichten Headphones der Marke Aiaiai tönen nicht nur gut, sondern sehen auch so aus.

und innovativer als der Rest zu sein. Kopiert wird flott und Patente gibt es kaum.

Ohrschmuck Die Nase vorn hat dabei derzeit das Label Nixon, das ebenfalls aus dem Boardsport-Bereich stammt und seine Mission bei Firmengründung 2002 wie folgt definierte: ‹Wir machen den kleinen Scheiss besser. Die Sachen, die du anfangs gar nicht bemerkst, aber auch nicht ignorieren kannst. Wir achten darauf! Egal was du von uns hast, sei es eine Uhr oder ein Geldbeutel, wir sorgen dafür, dass du den richtigen Style hast.› Besonders die coolen Uhren fanden begeisterten Anklang nicht nur bei Pro-Sufern und Lifestylern. Ende 2008 startete Nixon mit Kopfhörern. Die enge Zusammenarbeit mit Künstlern wie Mos Def oder Trouble Andrew sorgten für Kredibilität in der Musikszene, mit Testimonials wie Little Boots und Santigold richtet sich die Marke explizit auch an die weibliche Zielgruppe. Nicht zuletzt ist es jedoch das Design, die starke CI und das innovative Verpackungsdesign, die mittlerweile sogar die Herrschaften von Apple überzeugt haben. Ab diesem Jahr führen ausgewählte Applestores Nixon-Modelle. Da liegen sie allerdings nicht allein. Denn auch die Entwürfe von Aiaiai haben es in die sleaken Designtempel der Apfel-Marke geschafft. Aiaiai, nie gehört? Das dürfte sich bald ändern. 500 Shops in 40 Ländern beliefert der Newcomer aus Ko-

penhagen bereits. Von Vermassung kann dennoch keine Rede sein, denn das dänische Label zäumte das Pferd von hinten auf und fand über angesagte Fashionshops und Hipster-Medien Anerkennung. ‹Unsere Grundidee war es, Kopfhörer mehr als Schmuckstück zu sehen. Es war uns wichtig, Partner und Kunden zu finden, die unsere subtile Designästhetik verstehen›, erzählt Jacob Moersgaard, einer der Gründer. Aiaiai wird vom Vertrieb der Landsleute von WoodWood vertreten und in genau diesem Geschmackskreis funktioniert die Marke auch. Colette in Paris, Hard to find in Genf, Tenue de Nîmes in Amsterdam – A-Liga-Läden, in denen die Marke sich mittlerweile ihre Fans angelt. Sonderlich viel Erfahrung mit Technik und Sounddesign hatte das vierköpfige Kernteam bei Gründung 2007 hingegen nicht. Man betrieb einen Club und hing in einem Künstlerhaus im Kopenhagener Hafen ab. Der Erfolg von Skullcandy beflügelte die Jungs in ihrer Idee. ‹Skullcandy bewegt sich heute in einer viel breiteren Zielgruppe, aber sie haben bewiesen, dass man als David gegen die Goliaths antreten kann.› Die Aiaiai-Macher lernten schnell, liessen sich von DJs, Sound- und Produktdesignern sowie Musikern beraten und fanden auch finanziellen Support. Im Vergleich zu vielen der anderen, neuen Brands, entwickelt Aiaiai selbst das Design und nimmt nicht irgendein Muster aus dem Regal, um es dann in China nachbauen zu lassen. Der Sound ist überdurchschnittlich gut und schick aussehen – ja das tun sie allemal! Warum klassische Kopfhörer-Hersteller

derzeit nur zaghaft auf den Trend reagieren und in Schockstarre verweilen, erklärt Jacob folgendermassen: ‹Marken wie wir funktionieren über einen gewissen Lifestyle, deine Herkunft, deinen persönlichen Stil – das können die traditionellen Hersteller eben nicht bieten.›

Schwedisches aus China Mit Lifestyle und Aura-Architektur kennt sich auch das schwedische Streetwear-Label WeSC aus. Von einer Handvoll Ex-Profiskateboarder Ende der 1990er gegründet, überzeugte ‹We are the Superlative Conspiracy› nicht nur durch lässige Streetwear, sondern vor allem durch Slacker-Attitüde und provokante Kampagnen. Den Kopfhörertrend erkannte man im Stockholmer Hauptquartier frühzeitig, mittlerweile werden rund 60 Prozent des Gesamtumsatzes mit Kopfhörern generiert, 1 Million Stück gingen allein 2009 über die Verkaufstresen. Konrad Bergström, Verantwortlicher für den erfolgreichen Launch der Sparte, verlies das Unternehmen 2008, um sich Grösserem zu widmen. Mit ein paar Freunden und Investoren lancierte er Zound Industries, eine weit verzweigte Firma, die sich auf Design, Logistik, Kundenservice und Vertrieb im Bereich modisch anspruchsvoll gestalteter Kopfhörer spezialisiert hat. Sein Ziel ist unbescheiden: ‹Wir wollen mit modischen Headphokinki

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Bonbons für die Schädel­ decke? Skullcandy lockt nebst Brettsportlern auch Musikergrössen in sein Team. Und das ganz ohne Süssigkeiten!

Vom passenden Accessoire zum Kassenschlager: WeSC hat mit eigenwil­ ligen Retro-Designs die Ohren aller Schweden im Geiste erobert. Die unverkennbaren Headphones der Marke Nixon gibt’s bald schon nicht mehr nur im Skate- und Snowboardshop, sondern auch im Apple-Store zu haben! 

nes das werden, was die Luxottica Gruppe im Lizenzgeschäft für Brillen und Sonnenbrillen bereits ist – Marktführer.› Ob Private Label, Lizenzprodukt oder Hausmarke: Die Schweden können in ihren Fabriken in China quasi alles herstellen, wissen, wie man Lifestyleprodukte ästhetisch fotografiert, hübsch verpackt und richtig vermarktet. Die Eigenmarke Urbanears ging im Dezember 2009 an den Start. 100 000 Stück sind seither verkauft worden, allein im deutschsprachigen Raum nahmen 250 Händler die Marke ins Sortiment auf. Lizenzen mit Hello Kitty, Star Wars oder dem Musikspezialisten Marshall lassen die Kasse klingeln und das ist nur die Spitze des Eisbergs. ‹Wir sind ja erst am Anfang›, erklärt Eric Conyers, Manager des Bereichs Private Labeling. ‹Die Verträge mit namhaften Jeansern liegen derzeit beim Anwalt. H&M und die spanische Kette Bershka zählt zu unseren Kunden. Wir haben erfolgreiche Gespräche mit bekannten Luxushäusern in Paris geführt, im Sommer launcht unsere eigene, exklusive Damenlinie Molami fürs High Fashion Segment.› Vom simplen 15 Euro-Kopfhörer für den Billigmarkt, über schicke, limitierte Modelle für den Szenefachhandel bis hin zu hochwertigen Designkopfhörern für noble Flagshipstores – Zound Industries hat die passenden Konzepte in der Schublade oder bereits in der Herstellung. Drei Produktdesigner ertüfteln ständig neue Silhouetten: So gibt es Modelle mit runden, quadratischen, eckigen und ovalen Ohrmuscheln, ein patentiertes Clipsystem verhindert das Verrutschen kleiner In-Ear-Stöpsel. Für Pärchen gibt es 88

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Styles mit integrierter zweiter Steckbuchse, zusätzlich verfügen alle Kopfhörer über eingebaute Mikrophone zum Telefonieren. Warum das Gespür für den Zeitgeist bei Audio-Spezialisten wie Panasonic, Pioneer, Philips und Co. im Vergleich zu den neuen Emporkömmlingen eher kümmerlich ist, bleibt rätselhaft. Conyers erzählt: ‹Es ist mir ein Rätsel, warum sich die grossen Marken die Butter vom Brot nehmen lassen. Neulich auf einer Messe kam ein Manager von Sony zu uns an den Stand und blieb eine halbe Stunde. Er meinte: «Jungs, Respekt, das ist verdammt cool, was ihr da macht. Meine Kollegen würden diese ganze Lifestyle-Sache allerdings nicht verstehen».›

Hören und sehen Der geneigte Konsument hingegen versteht diese Lifestyle-Sache. Die Mühe, Qualität aus immer mehr Schrott und Substanz aus all dem Hype filtern zu müssen, bekommt er allerdings gleich mitgeliefert. Aber hey, es geht ja um nicht weniger, als den ganz persönlichen, superindividuellen, andersartigen Lebensstil zu untermalen: jetzt dann auch bei Kopfhörern! aiaiai.dk ch.nixonnow.com skullcandy.com wesc.com


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Page 91 Dress Alexandre Vauthier Couture Rings Vivienne Westwood Page 92 Body and Shoes Alexandre Vauthier Couture Jewellery Vivienne Westwood Page 93 Total look Yiorgos Eleftheriades Head Band Mouton Collet Rings Vivienne Westwood

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Body Felipe Oliveira Baptista Jewellery Vivienne Westwood

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Page 96 Body Bruno Pieters Skirt Bernhard Willhelm Spartiates Zucca Jewellery Vivienne Westwood Head Band Andi-i Page 97 Total Look Paule Ka Ring Vivienne Westwood

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‹vertreter› Über die wichtigsten Schuhe von damals bis heute. Name: Adilette Geburtsjahr: 1963 Typ: Badesandale Besonderheit: gestreifte Schlappe

Vom Pilzschutz in die Pilskultur: die dreigestreifte Badeschlappe schlurft seit über 40 Jahren durch Nasszellen und Bierschwemmen.

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m Jahre 1963 richteten einige Sportler an den Schuhhersteller Adi Dassler die Bitte, eine Fussbekleidung zu entwerfen, die beim Duschen getragen werden konnte. Das Resultat wurde zu einem der bestverkauften Modelle aus dem Adidas-Sortiment: Die Adilette besticht mit einer schlichten gummierten Sohle in der Grundfarbe Blau und einem breiten Riemen mit drei weissen Streifen über dem Vorderfuss. Nicht mehr und nicht weniger. Mit dieser Schuhentwicklung mussten Füsse nicht mehr nach Luft ringen und Schweissgeruch sowie die Gefahr von Pilzbildung konnten gebannt werden. Was einst als praktische Zwischenbeschuhung nach Sport, Baden oder Ähnlichem erdacht war, wurde allerdings schnell für andere Nutzen entdeckt und später auch für Ausflüge in die von gesellschaftlichen Normen beeinflusste, wie auch fussverhüllende Welt genutzt. Die wahren Errungenschaften der Adilette wurden jedoch von einem Grossteil der Bevölkerung nicht gebührend gewürdigt.

Der Anblick des adilettentragenden Gegenübers löst auch heute noch bei so manchem Kopfschütteln aus, was möglicherweise auf die eigene Eingeschnürtheit im Fussbereich zurückzuführen ist. Zudem wurde der mit der Adilette errungene Fortschritt in den Bereichen Fusshygiene und Fussgesundheit bis dato grösstenteils nur von Männern geschätzt.

Eine Verbeugung vor der Schlappe Bei allen, der Gesundheit und der Bequemlichkeit dienenden Vor­züge bleibt der ästhetische Genuss beim Anblick leider verschwindend gering. Dennoch verleiht die Adilette in Verbindung mit weissen Tennissocken eine gewisse Sportlichkeit, da der Eindruck entsteht, man käme gerade von einem Fitnessprogramm – selbst, wenn der Träger tatsächlich bereits am Nachmittag dem Bierdurst er­ legen ist. Frauen, die bei der Partnersuche Wert auf gesunde Füsse legen, kann man also bei ihrer Auswahl nur raten, sich gegen den Businessmann in Gucci-Schuhen zu entscheiden, da dieser seinen Füssen deutlich weniger Raum zur gesunden Instandhaltung bietet, als der Adiletten-Fan. Und so bietet die Schlappe mit einem derzeitigen Marktpreis von CHF 35.– im Verhältnis Preis / Lebensdauer eine unschlagbare Investition, mit der man quasi gar nicht daneben liegen kann. Auch international geschätzte gesellschaftliche Persönlichkeiten, wie der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, schwören auf die Schlappe: in seinem Fall auf das präferierte Modell ‹Santiossage›, mit Massagenoppen und Klettriegel. Wird die Adilette von Unwissenden gelegentlich als ‹Assischlappe› tituliert, basiert dies meist auf unqualifiziertem Schubladendenken. Denn die Adilette ist eine bodenständige Alternative zum Flip-Flop und versucht erst gar nicht so hip zu sein wie die Konkurrenz, die sich gerne als chic präsentiert und sogar mit eigener Homepage zu glänzen versucht. Dies alles braucht die Adilette nicht. Sie ist ein Original und wird immer wieder unseren Weg luftiger gestalten – oder zumindest kreuzen. Text: Stefan Brenner Illustration: Adrian Riemann


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‹schauplatz› Die besten Adressen für junge Kunst. Galerie oder Szenetreffpunkt? Manchmal sollte man die Dinge nicht so genau nehmen. Wie im Fall des Art Space Nice / Nice im kreativen Stadtteil Linden in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover.

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alerien gibt es in Han­nover einige. Die erste, die sich jedoch ausschliesslich der Urban Art verschrieben hat ist die Nice / Nice Galerie in der Deisterstrasse 55, die – von kleinen Design-Shops umgeben – im kreativen Viertel Linden ihr Zuhause gefunden hat. Hinter Nice / Nice stehen die beiden Galeristen Torben Paradiek und Sebastian Otto, die ihre Galerie mit viel Herzblut und Freude an der jungen Kunst betreiben. Das besondere der Galerie ist, nebst der spezifischen Ausrichtung auf die Urban Art, die enge Zusammenarbeit mit Künstlern. So reisen die jeweils ausstellenden Künstler für mehrere Tage nach Hannover, um so ihre Ausstellung in der Galerie vorzubereiten, und sind auch am Eröffnungsabend anwesend. Bei kalten Getränken, kleinen Leckereien, DJ-Sessions und Live-Paintings tauschen sich die Besucher mit den Künstlern aus und machen so die Galerie zu einem interaktiven

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Art Space. Viel Wert legen die beiden Galeristen – da sie Nice / Nice immerhin über Bildverkäufe finanzieren – zudem auf die Erschwinglichkeit der Kunstwerke. Viele Originale werden deshalb in einer guten Preisrange angeboten, um auch den jüngeren Galeriebesucher die Möglichkeit zu bieten, das ein oder andere Kunstwerk mit nach Hause zu nehmen. Ausgestellt wird bei Nice / Nice Urban Art: Junge, internationale Künstler, die regelmässig neue, facettenreiche Arbeiten aus den Bereichen Illustration, Malerei, Installation und Mixed Media anbieten.

Fluch der Begrifflichkeit Obwohl die beiden Galeristen der Begrifflichkeit der ‹Urban Art› nicht immer ganz grün sind. Ihrer Meinung nach, dient der Begriff lediglich dazu, das Art Space von den zahlreichen klassischen Galerien

abzuheben. Dass junge Künstler gezeigt werden, bedeutet allerdings nicht zwangsläufig eine Einschränkung der präsentierten Stilrichtungen. So zeigte Nice / Nice zuletzt den jungen spanischen Künstler Axel Void, der mit gerade mal 23 Jahren und keiner künstlerischen Ausbildung mit unglaublichen klassischen Techniken arbeitet. Präsentiert wurden atemberaubende Ölbilder sowie einzigartige Zeichnungen aus dem Repertoire des in den Strassen Spaniens gross gewordenem Künstler. Da seine Bilder sowohl technisch als auch thematisch als ‹ernstere› und auch ‹konventionellere› Kunst einzustufen sind, wäre es falsch diese Vielseitigkeit und Stil mit ‹Urban Art› zu umschreiben, jedoch hilft es bei der Kategorisierung. Nach der Ausstellung von Alex Void freuen sich die beiden Galeristen auf die zwei aufeinanderfolgenden französischen Künstler Easy Hey und Amose, die im Mai und Juni sicherlich für ein volles Haus bei Nice / Nice sorgen werden.

grosses Bild: Dylan Braday (USA) rechts oben: Mizzo (CH) Text: Anja Mikula Fotos: Torben Paradiek Nice / Nice Exhibition Space Deisterstr. 55 30449 Hannover Mittwoch bis Freitag, 15–19 Uhr Samstag, 11–16 Uhr ilovenicenice.com iloveartbastard.com


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Nº 31

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‹impressum› MAI / JUNI 2010 Cover: Stefan Milev redAktIoNSANSCHrIFt kinki magazine Mööslistrasse 3, 8038 Zürich t +41 44 271 09 00 F +41 44 271 09 02 kINkI MAGAZINe BÜro ZÜrICH Mööslistrasse 3 8038 Zürich BÜro StUttGArt Falbenhennenstr. 5 70180 Stuttgart BÜro BerLIN Wissmannstrasse 2 12049 Berlin GeSCHäFtSFÜHrUNG mark.mirutz@kinkimag.ch ProJektLeItUNG melania.fernandez@kinkimag.ch MArketING cathrin.michael@kinkimag.ch MArketING ASSISteNZ orlando.pitaro@kinkimag.ch ABoServICe kinkimag.com/abo | abo@kinkimag.com oNLINe orange8 interactive ag, orange8.com AUFLAGe 60000 drUCk werk zwei Print + Medien GmbH GeStALtUNGSkoNZePt raffinerie AG für Gestaltung, raffinerie.com eINZeLverkAUF/ABoNNeMeNt CHF 6/ 4 (pro Ausgabe)/CHF 58/ 50 (11 Ausgaben) vertrIeB SCHWeIZ vALorA AG, valora.com vertrIeB INterNAtIoNAL stella distribution GmbH Frankenstrasse 7 20097 Hamburg

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foto des monats Anja erklärte den besonders ereignislosen 22. April kurzerhand zum ‹Wear-a-sillyhat-day› und krönte sich in diktatorischer Manier gleich selbst zum Gewinner dieser Nonsens-Aktion. es geht doch nichts über einen kleinen Putsch an einem harten Arbeitstag. Foto: Melanias Photobooth

Ausschneiden und ab damit an: kinki magazine Mööslistrasse 3 8038 Zürich kinki 111


‹kopfkino› Vom Umschlag bis zum Abspann. Den April haben wir unbeschadet überstanden. Doch noch zieht die labilste Wetterlage des Jahres nicht ab und spielt mit manch einem Gemüt Russisches Roulette. So muss es aber nicht sein: mit unseren Mediatipps seid ihr gegen Hochs und Tiefs gefeit, bei Regen gibt’s die spannendsten Indie-Filme und bei Sonnenschein werden die besten Bücher unter freiem Himmel gelesen oder als Schattenspender benutzt.

Buch maskiert

gefeiert wie im antiken Rom die Gladiatorenkämpfe – es ist Theater, Unterhaltung und Kunst zugleich: ein Kult mit Ikonen und grossem Nachahmungspotential. Für das Buch ‹Lucha Loco› standen zahlreiche mexikanische Wrestler vor der Linse des Fotografen Malcolm Venville – selbstverständlich in ihr Kostüm geworfen und mit der charakteristischen Maske, die das Alter Ego des Kämpfers darstellt und die wahre Identität verbirgt. Erschienen bei Rizzoli, ca. CHF 38.–

Malcolm Venville: Lucha Loco – The free Wrestlers of Mexico Es muss in den letzten Jahren passiert sein, denn plötzlich waren sie überall, an Hipsterpartys, in Comicbüchern, im Kinderzimmer oder auf trendigen Designaccessoires – maskiert, wie immer. Ganz wie ihre Verwandten, die Figuren des ‹Día de los muertos› schlichen sie bei Nacht und Nebel über unsere Landesgrenze, wo wir sie – die mexikanischen Helden des Lucha Libre – mit offenen Armen empfingen. Obwohl wir uns für Hulk Hogan weder im Ring noch auf MTV interessieren, mochten wir seine südlichen Pendants, die professionellen Westler mit den farbenfrohen Maskierung, auf Anhieb. Die Schweizerische Empathie und Euphorie reicht vielleicht nicht aus, um dem Sitznachbarn im Affekt einen Stuhl über den Kopf zu ziehen, jedoch bekunden wir unser Interesse, indem wir die Luchadores dekorativ in unsere Interieurs einbringen. In Mexico wird Lucha Libre natürlich 112 kinki

illustriert

derbaren inspiriert. Normalerweise stehe ich solchen Gemeinschaftsbüchern eher kritisch gegenüber, weil ich oft nur mit einzelnen Künstlern etwas anfangen kann. Zwar werden auch hier reihenweise unterschiedliche Künstler ins Feld geführt, die dunklen Künste scheinen es mir aber angetan zu haben, sodass das meiste meinen Geschmack sehr gut trifft. Mit dabei sind unter anderen Alex Pardee, Greg Craola Simkins, Jeff Soto und Travis Louie. Natürlich kein Buch, um seinem Göttikind zum zweiten Geburtstag zu schenken. Wer sich aber gerne auf der dunklen Seite des Mondes vergnügt, wird seine Freude an diesem Buch haben. Erschienen bei Gingko Press, ca. CHF 45.–

etabliert Juxtapoz Dark Arts ‹Hello darkness, my old friend›, scheint uns die neueste Buchedition von Juxtapoz zuzuflüstern. Nachdem das amerikanische Magazin für zeitgenössische Kunst bereits Sammelbücher über Tattoos, Illustration, Posterkunst und Fotografie herausgegeben hat, widmet es sich mit seinem jüngsten Streich den düsteren Künsten. In ‹Juxtapoz Dark Arts› wird einer Kunstform Tribut gezollt, die ihre Wurzeln im 20. Jahrhundert hat und sich thematisch vom Düsteren, Negativen, Verschrobenen und Son-

Marianne Breslauer: Fotografien Das fotografische Schaffen der Deutschen Marianne Breslauer scheint im Nachhinein betrachtet ungemein repräsentativ wie auch zukunftsweisend. Das gesamte Werk Breslauers stammt aus der relativ kurzen Zeit von 1927-1938, in der die gelernte Fotografin tätig war, be-

vor sie sich gänzlich dem Kunsthandel widmete. Ihre Fotografien lassen sich in unterschiedliche Zeitund Themengebiete aufteilen: In Paris entdeckte sie das ‹neue Sehen› aus der Perspektive des unauffälligen Beobachters und fotografierte die Clochards an der Seine, aber auch Freunde, Passanten sowie die französische Elite, welche den Pferderennen beiwohnte. Ähnliche, kulturspezifische Impressionen brachte sie später von zahlreichen Reisen aus Spanien, Amsterdam und aus Palästina zurück. Der zweite Pfeiler ihrer Arbeit war von Beginn an die Porträtfotografie: Neben Auftragsarbeiten porträtierte sie zahlreiche ihrer Freunde aus der Kunstwelt. Schliesslich gelang es ihr, ‹die Grenzen zwischen klassischem Porträt, Modeaufnahmen für Werbezwecke und filmischer Inszenierung zu verwischen›. Durch Aufnahmen von Ruth von Morgen, Maud Thyssen oder Jeanne Remarque, die noch heute erfrischend und modern anmuten, prägte sie das Bild der ‹neuen Frau› der 20er-Jahre, das sie als mode- und selbstbewusste Fotografin gleich selber repräsentierte. Weil Marianne Breslauer die zweite Hälfte ihres Lebens in der Schweiz verbrachte, zeigt die Fotostiftung Schweiz bis zum 30. Mai 2010 die erste Retrospektive von Breslauers Oeuvre. Das Buch zur Ausstellung gibt ebenfalls einen umfänglichen Eindruck und verknüpft in Texten ihre Lebensgeschichte mit ihrem Werk. Erschienen beim Nimbus Verlag, CHF 88.–


bombardiert

Kino erfahrbar

Kurt Vonnegut: Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug ‹Slaughterhouse 5›, zu Deutsch ‹Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug› ist Kurt Vonneguts bekanntester Roman. Vonneguts teils autobiografisches Werk erzählt Episoden aus dem Leben des Optikers Billy Pilgrim. Die einzelnen Episoden werden jedoch nicht chronologisch abgehandelt, sondern präsentieren sich in scheinbar zufälliger Reihenfolge. Im Haupterzählstrang gerät der desillusionierte und apathische Soldat Pilgrim in deutsche Kriegsgefangenschaft, wobei er im Keller des Schlachthof 5 zwischen ausgeweideten Tierkadavern den Luftangriff auf Dresden miterlebt. In einem anderen Erzählstrang wird Anti-Held Pilgrim von Ausserirdischen entführt und auf deren Planet, wie in einem Zoo gehalten. Die Ausserirdischen haben ein anderes Zeitverständnis, anhand welchem sich auch die Erzählstruktur des Buches erklären lässt. Die Episode über die extraterrestrische Entführung bescherte dem Buch den zweifelhaften Ruf, ein Science-Fiction-Roman zu sein. Für andere ist Schlachthof 5 schlicht einer der wichtigsten AntiKriegsromane überhaupt. Leider hat es der Rowohlt Verlag auch in der Neuausgabe 2010 versäumt, die stellenweise holprige und viel kritisierte Übersetzung zu überarbeiten. So heisst es zum Schluss: Lesen unbedingt, aber wenn möglich im englischen Original.

Honeymoons – Medeni Mesec Zwei junge Paare verlassen ihre Heimatländer – Serbien und Albanien – inklusive herrische Familiensippen und Vergangenheit auf der Suche nach einem besseren Leben in der Europäischen Union. Melinda und Nik reisen auf einem Schiff von Albanien nach Italien, wo sie hoffen, ihre verbotene Liebe leben zu können. Vera und Marko sind im Zug von Serbien nach Österreich unterwegs, weil Marko als vielversprechendes Cello-Talent Gelegenheit erhält, im Orchester der Wiener Philharmoniker zu spielen. Doch einmal angekommen, erweist sich der ersehnte Westen nicht als das gelobte Land, sondern konfrontiert die jungen Verliebten mit der Vergangenheit ihrer Heimatländer. In dieser ersten serbischalbanischen Coproduktion hat der Regisseur Goran Paskaljevic in bestechend langen Einstellungen mit einer fast atemlosen Kamera ein realistisches Spektakel geschaffen, das mit keinem Wort das Verhältnis der beiden Länder thematisiert, sondern stattdessen die Verbundenheit der Mentalitäten und persönlichen Schicksale in den Mittelpunkt rückt. Ab 10. Juni im Kino.

spürbar

Erschienen bei Nai Publishers, ca. CHF 53.– Hätte Marianne Breslauer die beiden Rezensenten 1930 in Paris fotografiert, so hätte William S. Blake vermutlich gerade mit Henry Miller und aufgesetztem Fedora auf einer Caféterrasse gesessen und Whisky getrunken, während Florence Ritter mit Anaïs Nin im Rüschenkleid auf dem Pferdekarussell ihre Runden gedreht und über sexuelle Stellungen diskutiert hätte.

Le Refuge ‹Enough, leave me the fuck alone›, schreit die hochschwangere Mousse eine wildfremde Frau am Strand an, die ihr ungewollt mütterliche Ratschläge gibt. Jung und schön leben sie ein zügelloses Leben, Mousse und ihr Geliebter Louis, doch dann stirbt er an einer Überdosis Heroin.

Das Kind soll abgetrieben werden, wenn es nach Louis reicher Mutter gehen soll. Mousse flieht in ein abgelegenes Landhaus an der Côte d’ Azur, wird dabei von Louis schwulem Bruder begleitet, dem sie bald ihr Kind anvertrauen will. Für François Ozon war der Film ein Novum, hat er zum ersten Mal mit einer wirklich schwangeren Darstellerin gedreht. Diese Echtheit zieht sich durch den Film und zeichnet inmitten Meer, Wind und Melancholie der französischen Landschaft ein eindrückliches Portrait. Ab 3. Juni im Kino.

nahbar

Le chat qui pense Der Dokumentarfilm über den Geschichtenerzähler Daniel Schmid zeigt Spuren eines bewegten Künstlerlebens. In den 40er-Jahren geboren, verbrachte Schmid seine Kindheit in einem Hotel der Belle Epoque in den Bündner Bergen. Fasziniert vom internationalen Glamour der weit gereisten Gäste, zieht es ihn als Student ins pulsierende Berlin, wo er bald auf Rainer Werner Fassbinder trifft, der ihn überredet, die Filmakademie abzubrechen. Von da an war Schmid als Bohemien überall zu Hause: Paris bot ihm eine Heimat für seine Filmexperimente in den wilden 60er-Jahren, Tokyo widmete ihm als erstem ausländischen Filmemacher überhaupt eine eigene Retrospektive, während Flims für ihn immer sein Rückzugsort blieb. Unter Schmids Regie entstanden 15 Filme und sieben Opern; als Schauspieler sah man ihn unter anderem in Wim Wenders ‹Ein Amerikanischer Freund›. Eine der ersten Filmvorführungen Schmids an den Solothurner Filmtagen stiess auf Unverständnis beim Schweizer Publikum – wie so oft wurde das Werk eines Schweizer Künstlers zuerst ausserhalb der Landesgrenzen anerkannt. Hofmann und Jaberg ist in ihrem Dokumentarfilm ein Portrait gelungen, das berührt und gleichzeitig die Frage aufwirft, wieso dieser ausser­ gewöhnliche Filmemacher uns nicht bekannter ist. Vom 3. Juni bis 15. Juli zeigt das Zürcher Xenix eine vollständige Retrospektive.

DVD

schamhaar

Ich – ein Groupie Die Temperaturen steigen und mit ihnen auch die Lust, füdliblutt durch Wald- und Wiesenhaine zu springen. Dachte sich derzeit wohl auch Erwin C. Dietrich, der die straffbusige Ingrid Steeger im 70er-Jahre Kultfilm ‹Ich – ein Groupie› hauptsächlich unbekleidet inszeniert. Die Geschichte ist schnell erzählt: Vicky, Ingrid Steeger als blutjunge Engländerin, verliebt sich in London in den Sänger der Band Birth Control, der nach einer gemeinsamen Nacht einfach sang- und klanglos auf Tour entschwindet. Vicky – zu Beginn noch ein recht naives Persönchen – reist der Band mit der weitaus weniger unschuldigen, zu ekstatischen Tänzen fähigen Vivian hinterher und gerät dabei immer tiefer in den faszinierenden Rausch aus Drogen und schnellem Sex. Erwin C. Dietrichs im Grunde harmloser Sexploitation-Film führt die zwei Protagonistinnen so durch Zürich, München und Berlin und lässt uns im Glauben zurück, dass früher alles besser, weil wilder war, und dass man auch mit Schambehaarung tollen Sex haben kann. Bereits auf DVD erschienen.

Wenn Cathrin Michael und Anja Mikula sich nicht gerade ihre Fingernägel synchron in den Farben 505 oder Blutrot lackieren, geben sie sich gerne beeindruckend tiefgründigen Independent-Filmen auf ungepolsterten Kinosesseln hin. Wer schön und klug sein will, muss eben leiden.

Seit 8. April im Kino.

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‹henry und paul› Die mit dem Sex im Lift. Und der Beichte. Und der hübschen Lucie. der Endzeitstimmung. Manchmal kommt ein wildfremder Mensch daher, dem man mehr anvertraut als einem Freund. Freunde sind überbewertet, Sir. Mit der Zeit verkommen sie zu sozialen Kontrollorganen. Oho! Aber falsch, kleine Lucie. Freunde sind Leitplanken. Aber zurück zur Endzeit. Manchmal will man sich vor einem Unbekannten seelisch ausziehen. Kennst du das, Lucie? Ja, Sir. Ich stelle mir das auch im steckengebliebenen Lift vor, bei dem man weiss, dass man darin sterben wird. Was würde ich mit einer Frau tun, mit der ich in den Tod gehen muss? Alles über mein Leben erzählen? Oder sie töten? Oder mit ihr schlafen? Wie bitte, Sir? Ich meine nur, Lucie. Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Über die letzte Handlung, die man noch auf dieser Welt tun will. Nach dem Sex folgt die Enttäuschung. Reden wird mit der Zeit mühsam. Nach dem Töten ist man allein. Also? Harte Kost, Sir. Ich habe mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Stell dir vor, du würdest mit mir steckenbleiben, Lucie. Sir... Reden, wahrscheinlich. Komm schon, Lucie, stell dir vor, ich hätte eine Wochenpackung Viagra dabei. Sir! Ich bin in der Küche, wenn Sie mich suchen. Text: Roman Neumann Foto: Philippe

Sir? Sprich, Henry. Moment … wer zum Teufel bist du? Sir, ich bin Lucie, die Ferienvertretung von Henry. Aha. Lass dich ansehen, Lucie. Oho. Oho. Ooooooho. Pardon... Sir? Ein hübsches Ding bist du, Lucie. Sir, bei allem Respekt, ich bin eine Frau. Kein Ding. 114 kinki

Und Pfeffer hat sie auch! Ach, Lucie, entschuldige, aber Henry redet mir zu sehr um den Bart herum. Und er ist bei weitem nicht so ansehnlich wie du. Danke, Sir. Hm, Lucie. Prüfen will ich dich, auf Herz und Nieren. Darum frage ich dich: Kennst du dieses Gefühl, einem wildfremden Menschen alles anvertrauen zu wollen?

Sie meinen die Beichte, Sir? Quatsch! Zum Teufel mit diesem heuchlerischen Toilettenhäuschen in der Kirche! Man liefert seine unverdauten Exkremente des Lebens ab und der Pfarrer reicht einem noch brav ein sauberes Wischtuch. Nein, nein, nein. Etwas hart ausgedrückt, Sir. Keineswegs. Aber ich rede nicht vom Beichtstuhl, sondern von


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kinki magazin - #25  

Die 25. Ausgabe des kinki magazines ist seit dem 19. Mai 2010 für CHF 6.- am Kiosk zu haben. Ergänzende Inhalte zur 25. Ausgabe sowie massig...

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