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Über dieses Buch Lenormand ist viel mehr als nur ein Orakel, mit dem die Seherin Mme Lenormand am Kaiserhof von Paris für großes Staunen aber auch Skepsis sorgte. Weissagen kann man mit diesen Karten heute immer noch. Allerdings ist die symbolreiche Welt des Lenormand aus zeitgemäßer Sicht noch viel faszinierender, weil universeller: Mit seiner tiefgründigen und doch leicht zugänglichen Bildersprache ist es dazu gedacht, ernsthafte Lebenshilfe zu leisten. Um die vielseitige Deutung der Lenormandkarten auf einfache und praktisch anwendbare Weise zu erlernen, gibt es für Anfänger und Fortgeschrittene dieses Lehrbuch.

Über die Autorin Kathleen Bergmann, 1976 in Nürnberg geboren und in München aufgewachsen, arbeitet als LebensCoach, Autorin und Fotokünstlerin. Die Faszination für das Universum, alles Unerklärliche und Mystische gab ihr schon von klein auf die innere Gewissheit, eines Tages das Zusammenspiel der Welten erforschen zu wollen. Dennoch absolvierte sie in jungen Jahren ganz konventionell eine Banklehre und studierte Betriebswirtschaft. Wie das Leben so spielt, fand sie ihre Berufung über Umwege. Erst wandte sie sich der Astrologie zu, verfasste darüber Fachartikel und gab Radiointerviews für den gesamten deutschsprachigen Raum. Die Passion für Symbolsprache führte sie schließlich zum Lenormand und Tarot. Als Expertin auf dem Gebiet der Kartomantie veröffentlichte sie seit 2009 vier Lehrwerke, die zum Bestseller wurden. Ihr letztes Buch „Die fabelhafte Welt des Lenormand“ erschien Ende 2014 im Königsfurt-Urania Verlag. Kathleen Bergmann bietet auch Seminare und Workshops an, in denen sie ihr Wissen über die Karten und die kosmischen Zusammenhänge weitergibt. Zudem rief sie einen Lenormand-Blog ins Leben, der den Lesern jede Menge weitere Informationen rund um die Karten anbietet. Aus Freude an Text und Bild widmet sie sich seit mehreren Jahren der kreativen Gestaltung von Kalendern, Webseiten und Printpublikationen. 2


Der Lenormandkarten-Lehrgang Basiskurs I und II

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EINFÜHRUNG IN DIE WELT DES LENORMAND........................7 Bildersprache und Bedeutung der Karten....................................................9 Wie aus Bedeutungen Deutungen entstehen.............................................11 Das richtige Kartendeck...............................................................................14 Neutralisieren der Karten.............................................................................15 Die Karten richtig mischen..........................................................................16 Die passende Fragestellung..........................................................................17 Die spannende Geschichte der Mme Lenormand....................................20 Herkunft der Lenormandkarten..................................................................22

BASISKURS I................................................................................................24 Beschreibung und Schlüsselworte aller 36 Karten............................25 BASISKURS II............................................................................................113 Botenkarten..................................................................................................97 Themenkarten..............................................................................................99 Personenkarten..........................................................................................102 Bäumchen-wechsel-dich-Karten..........................................................108 Positive Karten...........................................................................................110 Negative Karten........................................................................................111 Neutrale Karten.........................................................................................112 Zwei-Gesichter-Karten............................................................................113

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Zwillingskarten..........................................................................................116 Zeitkarten....................................................................................................119 Zeitlose Karten..........................................................................................122 Kombinationstraining mit zwei Karten..............................................124 Die Universallegung................................................................................133 Wie die Universallegung aussieht..............................................................134 Wie die Universallegung funktioniert.......................................................135 Wie gehe ich mit den Botschaften richtig um.........................................138 Beispiellegungen mit Deutung............................................................140 Kombinationstraining mit drei Karten...............................................148 Kurzlegungen.............................................................................................155 Fragestellung f端r Kurzlegungen................................................................155 Minilegung....................................................................................................156 Tages- und Wochenlegung.........................................................................158 Pro- und Kontralegung...............................................................................160 Jahreslegung...............................................................................................161

ZUM ABSCHLUSS....................................................................................163

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LENORMAND

Einführung in die Welt des Lenormand

Ziel des Lenormandkarten-Lehrgangs ist es, Sie in das große Geheimnis des Kartenlegens einzuweihen. Dieses Praxisbuch zeigt Ihnen, wie Sie die Karten professionell deuten, ganz gleich, ob es um Alltagsfragen oder Selbsterfahrung geht. Sie werden sich auf eine bedeutsame Reise in die mystische Welt des Lenormandorakels begeben. Genaue Landkarten und deutliche Wegweiser werden Ihnen in diesem Buch leicht verständlich die Richtung durch die geheimnisvolle Symbolwelt des Lenormand weisen. Der Einstieg gelingt am besten, indem Sie sich Schritt für Schritt durch die verschiedenen Bedeutungsebenen der Lenormandlandschaft führen lassen. Mit jedem neuen Meilenstein, den Sie erreichen, entwickeln Sie mehr Gespür für die Karten und mehr Wissen für eine sichere und seriöse Deutung. Bereits die Basiskurse I und II des Lenormandkarten-Lehrgangs werden Sie mit einem wertvollen und einzigartigen Schatz an Kenntnissen über das Handwerk der Kartenlegekunst bereichern. So werden Sie mit etwas Übung und Geduld bald selbst Türen öffnen, die Sie im Reich des Lenormandorakels verborgene Botschaften entdecken und entschlüsseln lassen. Vom Erstkontakt mit den Karten bis hin zum umfassenden Deutungsverständnis der Legungen bekommen Sie viele nützliche Tipps sowie Hintergrundinformationen, die ich als langjährige Lebensberaterin in eigener Praxis gesammelt habe. Dabei werden Sie so manche Deutungsweise kennenlernen, die es sonst nirgendwo zu finden gibt. Mit Hilfe leicht einprägsamer und schrittweiser Erklärungen ebnet sich für Sie der Weg zum treffsicheren Lesen der Karten. Da der Praxisbezug von Anfang an sehr wichtig ist, werden Sie in diesem Band anhand von Übungen und Beispielen direkt an die lebensnahe 7


Deutung von Kombinationen und Legearten herangeführt. Damit lernen Sie das Kartenlegen so kennen, wie es professionell angewendet wird. Gewiss fragen Sie sich auch, ob jeder Mensch so ohne Weiteres die Fähigkeit besitzt, Orakelkarten zu deuten. Braucht es dafür nicht etwa ähnliche Begabungen wie im Bereich der Kunst oder der Wissenschaft? Natürlich ist es segensreich, mit einem Naturtalent ausgestattet zu sein. Allerdings wird es kaum jemandem in die Wiege gelegt, gänzlich ohne Anleitung die Sprache der Karten zu verstehen. Wenn Sie Neueinsteiger auf dem Gebiet der Kartomantie sind, ist es völlig normal, zu Beginn erst mal nur „böhmische Dörfer“ zu sehen. Wie jede Fertigkeit, die man in einer guten Ausbildung erlernt, geht auch das Kartendeuten nicht von heute auf morgen. Es bedarf Zeit und Hingabe wie auf anderen Lerngebieten. Die „Logik“ der Karten erschliesst sich erst nach und nach. Selbst derjenige, der den Sinn fürs Übersinnliche geerbt hat, muss etwas über die Merkmale und Eigenheiten der Karten lernen, fleißig üben und seine Fertigkeiten wie einen Rohdiamanten schleifen. Wer sich zum Kartendeuten zwar berufen fühlt, aber nicht auf Anhieb den Draht zu den Karten findet, kann sich entweder einen kompetenten Lehrer oder ein geeignetes Lehrbuch suchen, um die Symbolsprache der Karten verstehen und übersetzen zu lernen. Häufig wird behauptet, nur wer besonders intuitiv sei, könne mit einem Orakel arbeiten. Trotzdem gibt es genügend intuitiv begabte Menschen, die mit den Orakelkarten nicht zurechtkommen. Was können wir daraus schliessen? Das Kartendeuten setzt ein ausgeprägtes Maß an Intuition nicht voraus, aber es schult sie! Wie beim Erlernen einer fremden Sprache müssen wir uns zunächst intensiv mit dem Grundwortschatz und den Grammatikregeln beschäftigen, um überhaupt ein Verständnis für die neue, noch nicht greifbare Materie zu entwickeln. Mit der Zeit steigert sich die gefühlte Wahrnehmung von ganz alleine. Sie werden immer weniger überlegen müssen, was die Karten sagen könnten, sondern viel mehr erspüren, was sie Ihnen mitteilen möchten. Solange Sie an sich und die Aussagekraft der Karten glauben, werden Sie jeden Tag neue Fortschritte machen. Mit jeder neuen Legung bekommen Sie einen schärferen Blick für die verborgenen Botschaften der Lenormandsymbole. Mit zunehmender Erfahrung werden Ihre Interpretationen immer sicherer und präziser. Und wenn es mal nicht klappt, ist das 8


auch kein Drama. Hauptsache, Sie geben nicht auf! Sie brauchen nicht perfekt zu werden, sondern nur authentisch zu bleiben. Lassen Sie zu, dass Sie im Begriff sind zu lernen und - wie im Leben auch - an jedem positiven Erlebnis und Feedback, aber auch an den gemachten Fehlern, wachsen. Und am allermeisten zählt die Freude am Kartendeuten!

Bildersprache und Bedeutung der Karten Basiskurs I beinhaltet das wesentliche Fundament des Kartenlegens die Beschreibung und Bedeutung der insgesamt 36 Karten. Dieser erste Teil des Lenormandkarten-Lehrgangs fokussiert sich mit den Einzelportraits auf die Theorie der Kartenschule als unentbehrliche Grundlage. Die Schlüsselbegriffe der einzelnen Karten beinhalten alle Bedeutungen, welche die Symbolik im Wesentlichen prägen. Beim Einstieg in die Welt des Lenormand kommt es mehr darauf an, die Kernaussagen der 36 Karten verstanden zu haben, statt sich mit übermäßig vielen nebensächlichen Bedeutungen eines Symbols zu überfrachten und zu überfordern. Je ausgiebiger Sie sich mit dem auf Anfänger perfekt zugeschnittenen Basiswissen beschäftigen, desto leichter werden Sie später den Zugang zur praktischen Anwendung finden. Es lohnt sich also, sich mit der grundlegenden Symbolik gut vertraut zu machen. Wie in der Natur auch müssen zunächst die Wurzeln ausschlagen, ehe die ersten Triebe wachsen und die Pflanze Früchte trägt. Hiermit erhalten Sie das reichhaltige Wissen zur Aussaat, aus der Sie später einen ganzen Rosengarten an Deutungsblüten ziehen können! Die Bildersprache des Lenormand ist bei manchen Karten einfach und vordergründig. Bei anderen Karten ist sie trotz des schlichten Motivs nicht auf Anhieb greifbar. Beim Anblick des Herzens ahnt jeder sofort, dass es das Thema Liebe verbildlicht. Doch bei den Fischen würde man kaum vermuten, dass sie für Finanzen stehen, und auch die Eulen lassen sich vom Bild her nicht direkt mit Chaos und Umbruch in Verbindung bringen. Die geschichtliche Herkunft vieler Symbole erklärt, wie es zu diesen Zuordnungen kam. Dafür werde ich Sie auf eine kleine Zeitreise ins 18. und 19. Jahrhundert mitnehmen, als die Lenormandkarten entstanden. Damals gehörten beispielsweise Reiter als Boten und Sensen als 9


Werkzeuge zum Alltagsleben. Ausgehend von einem eher konservativen und christlich geprägten Zeitgeist finden sich zudem immer wieder biblische Erkennungszeichen wie Anker und Kreuz im Lenormand. Über den historischen Streifzug entwickelt sich ein viel besseres Verständnis für den tiefer gehenden Sinngehalt der Symbolik. Zu jeder Karte gehören neben einer Ableitung ihrer herkömmlichen Bedeutungen vor allem auch die modernen Deutungsaspekte. Der Turm dient dazu als gutes Beispiel. Nach traditionellen Gesichtspunkten steht er für Isolation, Obrigkeit und Einschränkung. Aus zeitgemäßer Sicht kann er aber auch für die Abschirmung schlechter Einflüsse und die Notwendigkeit eines inneren Rückzugs stehen. Damit der alte Symbolgehalt des Lenormand besser in die heute relevanten Themenfelder (Partnerschaft, berufliche und persönliche Entwicklung, Alltagsfragen) einbezogen wird, habe ich die Kartenbedeutung basierend auf meinen Erfahrungswerten mit neuen Aspekten ergänzt. Das Spektrum an Deutungsmöglichkeiten wird dadurch ein großes Stück weiter aufgefächert, bleibt aber dennoch überschaubar! So wird es für manch einen überraschend sein, dass die Schlange mit Vernunft und Verstand assoziiert wird. Doch genau diese überaus wichtigen Begriffe würden nach gängiger Symboldeutung vollkommen fehlen. Die Schlange galt schon seit der römischen Zeit als Vertreterin der Wissenschaft und Weisheit. Eben darum bezeichnet sie nicht nur die Ebene des Intellekts, sondern steht auch für Kopflastigkeit. Damit bildet sie den perfekten Gegenspieler zum Mond, der natürlich die Gefühls- und Seelenwelt anspricht. Mit diesen neu gewonnenen Einblicken in den Bedeutungsraum der Karten lassen sich aus jeder Kombination und Legung noch konkretere und vielschichtigere Informationen schöpfen.

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Wie aus Bedeutungen Deutungen entstehen Basiskurs II führt Sie in die Praxis des Kartenlegens ein. Ab dort beginnen Sie, mit den Karten zu arbeiten. Sie erfahren unter anderem, welche Zeit- und Personenkarten es gibt und welche erstaunlichen Besonderheiten etliche Karten bereithalten. Die übersichtliche Struktur hilft Ihnen, sich schnell zurechtzufinden und die Eigenarten sowie verschiedene Betrachtungsweisen der Karten gut einzuprägen. Mit dem Kombinationstraining gelangen Sie direkt zum Übungsteil des Kurses. In diesem Abschnitt lernen Sie, kleine Legungen selbst zu analysieren. Zudem wird Ihnen anhand leicht nachvollziehbarer Erklärungen und nützlicher Hilfestellungen gezeigt, wie Sie das Kartenlegen spielerisch in Ihren Alltag einbeziehen können. Auf diese Weise können Sie Ihre ersten eigenen Erfahrungen und Erfolge sammeln. Eine aussagekräftige Deutung basiert auf der Fähigkeit, die symbolische Bedeutung zweier oder mehrerer Karten miteinander in Einklang zu bringen. Ganz gleich, ob die Legung mit nur drei Karten ganz klein oder später mit der großen Tafel recht groß ausfällt, die Hauptarbeit besteht immer darin, die Aussage einer Karte mit derjenigen der Nachbarkarten sinnvoll zu verbinden. In den meisten Fällen gibt es nicht nur eine passende Deutung für die jeweilige Kombination, sondern es kommen mehrere in Frage. Die Kunst der Interpretation besteht darin, aus den möglichen Deutungsvarianten die eine herauszufiltern, welche mit der vorliegenden Situation und der Fragestellung am besten korrespondiert. Nur unter Berücksichtigung dieser beiden entscheidenden Faktoren ergibt sich eine zutreffende Aussage! Eingebettet in die Geschichte und Deutung der jeweiligen Karten finden Sie deren zugehörige Schlüsselworte im Text hervorgehoben und am Kapitelende übersichtlich zusammengefasst. Die Schlüsselworte bilden das Grundvokabular eines jeden Symbols. Darum sollten Sie sich diese Begriffe gut einprägen. Im Laufe der Zeit werden Sie noch zusätzliche Bedeutungsbereiche der Karten kennenlernen, z. B. alle psychologischen und spirituellen Aspekte1. Für den Anfang ist es jedoch ratsam, sich auf die wesentlichen Bedeutungsinhalte zu konzentrieren. 1

Bergmann Kathleen, Die fabelhafte Welt des Lenormand, Königsfurt-Urania Verlag

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Folgendes Beispiel zeigt anhand der Kombination von Haus und Störche die unterschiedlichen Deutungsvarianten der Schlüsselworte: ▪ ein Umzug ( ) oder eine Renovierung ▪ Familiengründung ( ) ▪ eine Planänderung ( ) ▪ Freizeit mit der Familie verbringen ( ) ▪ Im Alltag ist Flexibilität gefordert ( ) ▪ oder ganz allgemein gesagt eine Veränderung im häuslichen/familiären Umfeld

Dabei sehen Sie am Anfang eine sehr konkrete Aussage und am Ende eine eher allgemein gehaltene Deutung. Es kommt immer auf den Einzelfall und vor allem auf die beiden maßgeblichen Faktoren Situation und Fragestellung an, welche Deutungsoption angemessen ist. Je präziser die Frage auf eine bestimmte Lebenssituation abzielt, desto genauer kann die Aussage getroffen werden. Dieses Beispiel hat Ihnen sicherlich gezeigt wie variationsreich und individuell abgestimmt die Karten sind, je nachdem in welchem Kontext sie zu liegen kommen. Weitere Deutungsmöglichkeiten könnten natürlich auch dieser Kostprobe hinzugefügt werden. Am Anfang ist es eine gute Lernhilfe und Gedächtnisstütze, die Schlüsselworte auf kleinen Aufklebern zu notieren und diese über dem Symbol auf der Karte anzubringen! Sie haben bereits erfahren, dass die Karten eine unglaublich große Schöpfung bereithalten, welche sich aus der jeweiligen Symbolik entfaltet. Lassen Sie sich inspirieren durch die Sprache der Bilder! Betrachten Sie z. B. den Reiter nicht nur als netten Boten, sondern auch mal als tapferen Krieger und den Berg nicht nur als Indikator für ein lästiges Problem, sondern für eine spannende Herausforderung. Beziehen Sie dafür vor allen Dingen Ihre eigene Wahrnehmung mit ein. Am besten und treffsichersten können Sie später mit den Karten arbeiten, wenn Sie erlerntes Wissen mit intuitiver Auffassung verbinden.

Basiskurs II ist nach einem sehr praxisorientierten Konzept aufgebaut und vermittelt dadurch direkt und schnell anwendbares Wissen. Schon mit der gründlichen Bearbeitung der zahlreichen Kombinationsübungen, 12


die auf dem Basiswissen des ersten Teils beruhen, schaffen Sie sich eine optimale Grundlage, um anschließend selbstständig weiterzuarbeiten. Da beinahe jede Karte kleinere und größere Besonderheiten aufweist, werden Ihnen diese im Basiskurs II übersichtlich und sehr detailliert aufgeschlüsselt. Sie finden hier spezielle Unterscheidungen und Rafinessen, die ich zu einem großen Teil aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz preisgebe. Darauf aufbauend können Sie wiederum neue Varianten in Ihrer eigenen Erfahrungsschatzkiste sammeln. Der zweite Teil stellt unter anderem ein einzigartiges Legesystem vor, mit welchem Sie auf fast alle Lebensfragen eine konkrete Antwort finden können. Das Besondere an dieser Universallegung: Dieses vielseitig einsetzbare Legesystem lässt sich durch ergänzende Karten weiter auffächern oder mit anderen Legemethoden kombinieren, um somit noch weiterführendere Aussagen zu erhalten. In diesem Kurs wurde bewusst auf die Große Tafel unter Verwendung aller Karten verzichtet, weil gerade für Anfänger der Einstieg über kleine Legungen zu empfehlen ist, um ein sicheres Gespür für die oft recht komplexen Deutungen zu entwickeln. Die Große Tafel wird ausgiebig in einem weiteren Band besprochen. Mit der Unterstützung des folgenden Praxisteils setzen Sie die ersten großen Meilensteine auf Ihrem Weg. Wenn Sie ihn nach Abschluss des ersten Lenormandkarten-Lehrgangs alleine weiter gehen, sind Sie selbst Ihr bester Lehrer und das Leben Ihr größter Meister. Wünschen Sie sich für Ihr Vorankommen hilfreiche Begleitlektüre, ist (2. Band des Lenormandkarten-Lehrgangs) zu der empfehlen, der als Übungsbuch zur Intensivierung des Erlernten dient und viele interessante Ergänzungen zu den kleinen Legungen bereithält. Als weiteres Lehrbuch gibt es den (3. Band des Lenormandkarten-Lehrgangs) mit der umfangreichen und präzise angeleiteten Deutung der Großen Tafel. Doch nun zum „Startpaket“ für Ihren Lenormandkarten-Lehrgang.

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Das richtige Kartendeck Bevor Sie beginnen, brauchen Sie natürlich das für Sie passende Kartendeck. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Ausführungen, die zwar alle dieselbe Symbolik tragen, jedoch im künstlerischen und zeitgenössischen Ausdruck stark variieren. Mal ist ein Deck sehr schlicht gehalten, wobei nur das Symbol ohne Szenerie dargestellt wird, z. B. die in diesem Buch abgebildete Blaue Eule. Bei anderen verspielt gestalteten Decks wie dem Gilded Reverie muss man sogar etwas genauer hinsehen, um das Symbol in der detailreichen Umgebung zu entdecken. Das von Ihnen gewählte Deck sollte sich stimmig anfühlen, da Sie beim Lernen eine intuitive Resonanz auf die Bilder entwickeln sollen. Dennoch würde ich für den Anfang immer eines wie die Blaue Eule2 empfehlen, welches das Hauptmotiv „ohne Schnickschnack“ klar in den Vordergrund stellt. Damit kann man sich besser auf das Wesentliche der Symbolik konzentrieren. Im Laufe der Zeit beginnt man ohnehin neue Decks auszuprobieren und arbeitet nach Lust und Laune mal mit dem einen oder dem anderen. Anfänglich sollte man jedoch bei einem bleiben, weil die Umstimmung auf ein anderes oft nicht so leicht fällt. Farben, Stil und vor allem die Blickrichtungen mancher Symbole variieren so stark, so dass man bei einem anderen, noch ungewohnten Deck, meist eine Weile braucht, um sich damit anzufreunden und genauso gut alles im Blick zu haben wie mit seinen gewohnten Lieblingskarten.3 Legen Sie schon etwas länger, sollten Sie immer ein zweites oder drittes Deck Ihrer Wahl bereit halten. Gegebenenfalls können damit einzelne Themen oder Fragen noch mal gesondert abgeklärt werden, ohne dass die erste Legung dabei geschlossen wird. Mit dieser parallelen Arbeitsweise können Sie Einzellegungen miteinander abgleichen und sich über das Gesamtbild Ihrer Auslage einen guten Überblick verschaffen. Die Blaue Eule ist auch als Rote Eule oder Weiße Eule beim Königsfurt-Urania Verlag erhältlich. Ebenso das 2014 erschienene Gilded Reverie vom amerikanischen Künstler Ciro Marchetti. 3 Die kleinen Abbildungen der Skatkarten, die auf manchen Decks wie der Blauen Eule zu sehen sind, haben keinen besonderen Einfluss auf die Bedeutung und Deutung des Lenormand. Vermutlich wurden sie aus werbewirksamen Gründen auf die frühen Decks des 19. Jhd. gedruckt, da das Skat als Gesellschaftsspiel damals äußerst beliebt war. Jedoch ist die Zuordnung der Skatkarten zu den jeweiligen Lenormandkarten der Bedeutung nach in weiten Teilen nicht übereinstimmend. Es bleibt jedem frei, sie trotzdem in die Deutung einzubeziehen. 2

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Neutralisieren der Karten Bei Bedarf können Sie Ihre eigenen Karten von Zeit zu Zeit energetisch reinigen bzw. neutralisieren. Wenn Sie feststellen, dass die Karten sich immer zäher mischen lassen, Sie für schwierige Situationen oder für anstrengende Personen gelegt haben oder Sie eine Weile viel mit einem bestimmten Deck gearbeitet haben, empfiehlt sich ein kleines Reinigungsritual. Dieses kann ganz unterschiedlich ausfallen, je nachdem, wie es Ihnen am besten gefällt. Menschen, die Energie- oder Engelarbeit machen, können mit dieser Unterstützung Ihre Karten reinigen. Wer an die Kraft des Mondes glaubt, kann den Vollmond nutzen, um die Karten zu neutralisieren. Beim Räuchern die Reinigung der Karten einzubeziehen, ist persönlicher Tipp von mir. Auch andere positive spirituelle Kräfte können einer Reinigung der Karten dienlich sein. Ein einfaches und rasches Ritual kann folgendermaßen ablaufen: Die Karten werden der Reihe nach auf sechs Blöcke aufgeteilt. Die erste Karte kommt an die Position 1, die zweite an Position 2 usw. bis Position 6. Dann fangen Sie wieder an, die 7. Karte auf die Position 1 zu legen und setzen das solange fort, bis Sie sechs volle Stapel vor sich liegen haben. Nun nehmen Sie die Stapel von Platz 6 angefangen bis zu Platz 1 wieder nacheinander auf. Diese Art der Reinigung lässt sich bequem in die Arbeit mit den Karten integrieren, um regelmäßig festgesetzte Energien zu entbinden und die Karten damit zu neutralisieren. Wussten Sie, dass dort, wo starke Energiefelder sind, Tiere sich besonders gerne aufhalten? Bei Katzen ist dieses Verhalten stark zu beobachten. Sie kommen gerne in die Nähe einer Kartenauslage und setzen sich sogar darauf. Daran erkennt man, wie viel Schwingung von uns Menschen in den Karten steckt, indem wir eine Flut von bewussten und unbewussten Kräften aussenden. Arbeiten Sie nicht mit den Karten einer anderen Person und geben Sie die Ihren zum Legen nicht aus der Hand! Die persönlichen Energien sind so mit dem eigenen Deck verschmolzen, dass es beinahe zum Störfeld werden kann, wenn eine andere selbst noch so vertraute Person damit hantiert. Umgekehrt lässt es sich mit einem Deck, das nicht das Eigene ist, nicht sauber arbeiten. Es kann das Kartenbild sogar verfremden, weil jeder zu den Karten eine andere energetische Verbindung aufbaut. Verzichten Sie deshalb besser auf den Kauf von gebrauchten Decks, außer zu Sammlerzwecken. 15


Die Karten richtig mischen Zu den absoluten Grundlagen des Kartenlegens zählt die richtige Mischtechnik. Die Karten werden niemals wie in Kindertagen auf der Oberfläche wild durcheinander gewirbelt, sondern immer nur im Stapel mit Hilfe von beiden Händen gemischt. Sie behalten außerdem am besten beide Füße während des Mischens auf dem Boden und überkreuzen sie nicht. Gleiches sollten Sie vor dem Kartenmischen auch jedem Ratsuchenden empfehlen. Eine offene, mit dem Boden verankerte Haltung ist wichtig, um den offenen Energieaustausch zwischen Ihnen und dem Fragenden zu gewährleisten. Auch sollten Karten nicht im Liegen gemischt und gelegt werden. Mischen sie stets ausgiebig, um die Spuren der vorherigen Legung zu verwischen. Einzelne Karten, die während des Mischvorgangs herausfallen, sollten immer beachtet werden. Sie haben Signalwirkung, weil sie uns durch das Herausspringen eine wichtige Mitteilung machen wollen. Mischen Sie einfach so lange, bis Ihr Gegenüber den Zeitpunkt bestimmt, wann es gut ist aufzuhören, und lassen Sie sich von ihm aus dem Bauch heraus ein deutliches „Stop“ geben. Sind Sie ein sehr feinfühliger Mensch, können Sie auch selbst spüren, wann es richtig ist, die Karten anzuhalten. Sie merken einen inneren Impuls, der Sie automatisch mit dem Mischen aufhören lässt. Meist gerät der Kartenstapel an diesem Punkt richtiggehend ins Stocken. Genauso funktioniert es auch, wenn Sie für sich selbst legen. Vom gründlichen und vor allem neutralen Mischen der Karten geht alles aus. Währenddessen können sich nämlich leicht unsere Ängste, Hoffnungen und Gedanken in die Karten buchstäblich „einmischen“! Um dies zu vermeiden, sollte dabei ausdrücklich nicht an eine konkrete Situation oder einen bestimmten Gefühlszustand gedacht werden. An eine Person, nach der speziell gefragt wird, darf natürlich gedacht werden, aber immer neutral. Das heißt, der Fragende stellt sich diese Person einfach bildlich vor, ohne sie in irgendein Szenario (z. B. den letzten Streit, den letzten Kuss) einzubinden. Auch wenn Sie für sich selbst fragen, sollten Sie keine bestimmte Vorstellung oder Erinnerungen aus Ihrem Leben hervorrufen. Dies kann eine suggestive Wirkung auf die Legung erzeugen, indem sich Ihre Emotionen und Gedanken, die Sie beim Mischen mit den Bildern verbinden, unbewusst auf das Kartenbild 16


übertragen. Somit ist das gelegte Bild keine Spiegelung Ihres unbewussten Wissens mehr, sondern lediglich ein Abbild Ihrer bewussten Wünsche oder Befürchtungen! Um während des Mischvorgangs „neutral“ zu bleiben, ist z. B. die Vorstellung eines großen Baums oder eines ruhigen Gewässers hilfreich. Auf jeden Fall ein inneres Bild, das für Sie angenehm und erbaulich ist - keine Orte, die Sie mit aufwühlenden Erinnerungen oder aufregenden Ereignissen verbinden. So gehen Sie ganz sicher, dass sich keine konkreten Gedankenbilder mit den Karten vermischen. Gleichzeitig finden Sie auch besser zur Ruhe. Um Ihre Konzentration zu stärken, ist ein energetisierter Gegenstand hilfreich, z. B. ein Rosenquarz, ein Anhänger oder ein Engelchen, welchen Sie in die Mitte der Stelle legen, wo anschließend Ihre Karten aufgelegt werden. So haben Sie beim Mischen etwas im Fokus, was Sie stark mit Ihrer seelischen Kraft verbinden und neutralisieren dadurch aufkommende Gedanken rund ums Anliegen (übrigens auch die eines Ratsuchenden).

Die passende Fragestellung Formulieren Sie während des Kartenmischens Ihre Frage deutlich. Sie einmal klar auszusprechen oder konzentriert zu denken, genügt vollkommen. Ein mantraartiges Wiederholen ist nicht notwendig. Die Frage sollte nicht so gestellt sein, dass sie mit Ja oder Nein beantwortet werden kann. Denn wir wollen ja in den Karten eine Entwicklung sehen oder eine Qualität beschrieben haben. Dies funktioniert nur mit einer offenen Frage, die mit „was“, „wie“, „warum“ etc. beginnt. Wenn Sie allgemein etwas erfahren wollen, fragen Sie am besten „Wie geht es wirklich und wahrhaftig in meinem Leben in der Zeit von…bis… weiter?“. Fragen Sie nach einem Mann, könnte die Frage so aussehen: „Wie entwickelt sich die Beziehung zwischen mir und X?“. Bei sehr kurzen Legungen, z. B. mit nur drei Karten, sollte immer so konkret wie möglich nach einer bestimmten Situation gefragt werden „Welcher Schritt ist in der Situation X der beste für mich?“ oder „Wie verläuft das Gespräch mit X?“ oder „Was empfindet X gerade für mich?“. Hätten wir die letzte Frage geschlossen formuliert, würde sie lauten: „Empfindet X etwas für mich?“. Sie merken den qualitativen Unterschied? Zielt die Fragestellung nur auf „Ja“ oder „Nein“ ab, schränken Sie die Möglichkeiten der Antworten zu stark ein. Denn meistens gibt es nicht nur ein kategorisches Schwarz oder Weiß, sondern auch viele verschiedene Farben und 17


LENORMAND

Basiskurs 1

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1 Reiter

1REITER Wenn der Mensch je eine große Eroberung gemacht hat, so ist es die, dass er sich das Pferd zum Freunde gewonnen hat. Comte de Buffon, französischer Naturforscher

Als erste Karte des Lenormand will der Reiter etwas in Bewegung bringen. Nichts reizt den jungen Mann mit seiner frischen Energie mehr, als Aktivität ins Leben zu rufen und nach neuen Erfahrungen Ausschau zu halten. Wird der Reiter vom Berg oder Turm aufgehalten, bedeutet dies allerdings, dass unser Vorhaben nicht wie gewünscht durchführbar ist. Wir werden buchstäblich ausgebremst. Im Vergleich dazu würde unser Unternehmen beschleunigt, wenn sich beispielsweise Klee oder Störche als nachfolgende Karten (in Bewegungsrichtung des Reiters) zeigen. Somit erkennen wir am Reiter, ob ein Prozess in Gang kommt, wie sich eine Idee realisieren lässt oder was unser Energieeinsatz bringt. Wir erfahren durch ihn, ob es Zeit ist, nach vorne zu drängen oder besser noch die Zügel anzuziehen. Hoch zu Ross kündet der mitteilsame Reiter von Neuigkeiten. Etwas führt er immer in seinem Gepäck, das uns interessieren wird. Deshalb hat er eine Botenfunktion, s. S. 97. Diese Karte allein betrachtet, verrät uns noch nicht, ob die Nachrichten etwas Gutes oder Schlechtes mit sich bringen. Deren Inhalt lässt sich ebenso erst durch weitere Karten bestimmen. Mit den Ruten lässt er uns wissen, dass es eher zu einem konfliktreichen Gespräch kommt oder Verhandlungen angesagt sind. Mit den Blumen zusammen würde der Reiter eine Einladung aussprechen oder ein Date ankündigen. Kontakte knüpfen fällt dem Reiter ohnehin sehr leicht, denn er ist überall zu Hause. Er führt ein Leben wie die Cowboys im Wilden Westen. Manchmal steckt er mit seinem Lebensmut und seiner Motivation förmlich an, was bei seiner Vitalität kein 25


Wunder ist. Er strotzt nur so vor unverbrauchten Kräften, die das Leben spüren wollen. Nichts und niemand kann ihn lange aufhalten und immer gibt es eine Mission zu erfüllen. Neue Gelegenheiten und Chancen gilt es schliesslich zu ergreifen, denn sonst ziehen sie ungenutzt an einem vorbei. Sie sehen schon, dort, wo der Reiter aufkreuzt, ist immer etwas los! Dank seiner Willenskraft fackelt er nicht lange und packt an, wo es gefordert ist. Allerdings gehen schon mal die Pferde mit ihm durch. Dann neigt er dazu, die Dinge zu überstürzen, zu forsch zu handeln oder egoistisch zu reagieren. Läuft er direkt auf die Spitze der Sense zu, wird vor einer unbedachten Tat gewarnt. Es steckt eben nicht nur ein gut gelaunter Abenteurer in ihm, sondern auch ein kühner Krieger. Wenn es darauf ankommt, ist er bereit, für seine Sache zu kämpfen. Gerade weil er so agil ist, kann der Reiter die Art und Weise einer Handlung oder ein bestimmtes Verhalten signalisieren. Mit dem Bären wird ein mutiger und entschlossener Einsatz noch verstärkt. Wir erhalten Rückendeckung und noch mehr Stärke. Ziehen die Wolken über den Reiter hinweg, wird sich eher Feigheit bemerkbar machen. Jeglicher Mut zum Risiko geht verloren. Samt dem Pferd nimmt er Reißaus. Auch ein großer, tapferer Held darf mal Schwäche zeigen.

SCHLÜSSELWORTE Aktivität, Handeln, Verhalten, Gelegenheit, Chance, Motivation, Lebensmut, neue Erfahrung, Energie, Vitalität, Willenskraft, Kontakt, Nachrichten, Aufbruch, (innerer oder äußerer) Prozess, Bewegung, Sport, Idee, Jugendlichkeit, Ausflug, Trip, Egoismus EIGENSCHAFTEN aktiv, sportlich, flexibel, schnell, dynamisch, forsch, mutig, mobil, unbesonnen, egoistisch, begeisterungsfähig, kämpferisch, abenteuerlustig, viel unterwegs BESONDERHEITEN Neutrale Karte, Botenkarte, Zeitkarte, Personenkarte

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3 Schiff

3SCHIFF Über den Wind können wir nicht bestimmen, aber wir können die Segel richtig setzen! Weisheit der Wikinger

Woran denkt man wohl als Erstes, wenn man ein großes Schiff auf dem weiten Meer sieht? An Urlaub! Deshalb steht diese Karte auch für alles, was mit Reisen und Ausland zu tun hat. Da mit einem ankommenden Schiff auch immer allerhand Dinge an Land gebracht werden, zählt diese Karte neben dem Reiter zu den Botenkarten. Mit dem Schiff, das wir anfänglich nur als kleinen Punkt am Horizont wahrnehmen, könnte etwas Großes auf uns zu kommen. Manchmal bringt es sogar etwas zurück, das wir uns schon lange gewünscht haben. Etwas anderes, das nicht mehr zu uns gehören soll, nimmt es fort. Wie der fegende Wind weht Abschied durch die Segel eines Schiffes. Er ist ein ständiger Begleiter. Doch das Schiff ist auch ein Hoffnungsträger. Es verspricht den Aufbruch in eine neue Zukunft, in eine neue Zeit. Läuft das Schiff auf den Anker zu, zeigt diese Karte häufig, dass etwas zurückkehrt oder endlich sein Ziel erreicht. Doch sicherlich dauert die Ankunft des Schiffes länger als die des Reiters, weshalb dieser Karte auch eine längere Dauer zugeschrieben wird. Entfernt sich das Schiff vom Haus, ist dies ein Signal, Gewohntes und Vertrautes zu verlassen, sich in die Welt und das Unbekannte hinauszuwagen. Dafür müssen wir keineswegs direkt auf Reisen gehen. Es genügt, wenn wir uns in das Abenteuer des Lebens stürzen, Inspiration und neue Wege suchen. Wie einfach ist es heute, sich von einer Welle der Sehnsucht und des Suchens hinwegtragen zu lassen. Wir können hingehen, wo immer wir wollen. Wir dürfen von unserem Recht auf Selbstverwirklichung Gebrauch machen, in welcher Form und an welchem Ort auch immer. Zu Zeiten Mme Lenormands konnten die Menschen davon nur träumen. Nur sehr 29


wenigen war es vorbehalten, eigene Wege zu gehen und nach dem persönlichen Glück Ausschau zu halten. Nur Seeleute, Forscher, Krieger und Missionare betraten Schiffe. Eher seltener auch Auswanderer, die oft aus vom Schicksal erzwungenen Gründen ihre Heimat verlassen mussten. Darunter war damals auch Joséphine Bonaparte, die spätere Kaiserin Frankreichs, die sich von Mme Lenormand regelmäßig beraten liess. Ihr erster Ehemann holte sie von der Insel Martinique nach Frankreich. Ein Schiff legt weite Strecken zurück, wird durch stürmische Gezeiten getragen. Dem Bild des starken Seegangs und der großen Wellenbewegung des Wassers entspringt eine neue Bedeutung der Karte. Die Launen der Natur als Sinnbild für das Auf und Ab einer bestimmten Angelegenheit, z. B. die Höhen und Tiefen der Liebe; etwas schwankt, bleibt unbeständig. Die Wellen schlagen sogar noch höher, wenn sich die unruhigen Eulen zum Schiff gesellen. Ferner kann das Schiff in geschäftlichen Bereichen für Handel und Auslandstätigkeiten stehen. Es symbolisiert auch eine größere Unternehmung oder ein Projekt. Mit dieser Karte kommt es oft zu einer Entwicklung, zu einem Fortschritt in unseren Angelegenheiten. Segelt es allerdings auf den Berg zu, müssen wir aufpassen, nicht Schiffbruch zu erleiden. Zusammen mit den Sternen, folgen wir unseren Träumen und Visionen, die uns mitunter soweit forttragen wie ein Schiff auf seiner Reise durch die sieben Weltmeere. SCHLÜSSELWORTE Reise und Ausland, Hoffnung, längere Dauer, Entwicklung, Handel, Unternehmungungen und Projekte, Wiederkehr oder Abschied, Leidenschaft, Schwankung, Abenteuer, Freiheit, Aufbruch, Inspiration, Zukunft, Fortschritt, Fahrt, öffentlicher Verkehr EIGENSCHAFTEN unternehmungslustig, freiheitsliebend, unbeständig, erlebnishungrig, bewegt, aufgeschlossen, weltoffen, weit, tolerant, energiegeladen, idealistisch, unbeständig BESONDERHEITEN Neutrale Karte, Botenkarte, Themenkarte, Zeitkarte

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AUS 44 HHaus Drei Dinge sind an einem Gebäude zu beachten: dass es am rechten Fleck stehe, dass es wohl gegründet, dass es vollkommen ausgeführt sei. Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter

Nachdem wir mit dem Schiff eine weite Reise beendet haben, kommen wir endlich wieder zu Hause an und fühlen Heimat. Dies ist der Ort, der uns die meiste Sicherheit und Geborgenheit bieten soll. In unserem Zuhause fühlen wir uns sanft umfangen und getragen wie in einem Kokon. Wir können tun und lassen, was wir wollen. Was für ein Luxus! Dabei spielt es keine Rolle, ob wir eine mondäne Stadtvilla, eine kleine Wohnung oder ein altes Bauernhaus bewohnen. Es ist und bleibt unser privater Bereich, in dem Fremdes, Feindliches und Unfreundliches nichts zu suchen hat. Einer uneinnehmbaren Festung gleich beschützen uns die eigenen vier Wände, wenn wir nur für uns sein wollen. Nichts kann uns so schnell erschüttern, denn im eigenen Refugium finden wir Halt und Sicherheit. Zweifelsohne wissen wir alle, was ein Haus als Gegenleistung verlangt. Im Alltag müssen wir viel Pflege und Organisation aufbringen, damit alles schön bleibt. Natürlich ist das Haus auch der Hort der Familie. Nicht zuletzt fühlen wir uns in unserem Nest am wohlsten, da wir hier mit unseren Liebsten viel gemeinsame Zeit verbringen können. Das Haus steht daher auch für die innere Balance und das Wohlbefinden. Zusammen mit dem Baum sollten wir uns von der Außenwelt zurückziehen und an einem ruhigen Ort Kraft tanken. Mit den Störchen in Aktion steht ein Umzug an. Die Sense am Haus offenbart, dass der Haussegen schief hängt. Bezogen auf berufliche oder partnerschaftliche Themen dürfen wir das Haus stets mit Stabilität in Verbindung bringen, aber auch mit Aufbau. 31


Stein um Stein, Zug um Zug. Wir können uns darauf verlassen, dass die festen Mauern solide und tragfähig sind, wenn der Plan stimmt. Doch Vorsicht: Halten die Eulen Einzug, werden Pläne durchkreuzt. Mit dem Sarg zusammen sollten wir besser schon mal Plan B bereithalten, und der um das Haus herumschleichende Fuchs lässt uns wissen, dass etwas an unserer Planung nicht stimmt. Überdenken und vielleicht auch Verwerfen ist gefordert. Auf Anhieb würde uns beim Anblick des Hauses keine negative Sichtweise einfallen. Dennoch besitzt das Haus, wie alle anderen Karten im Lenormand, eine Kehrseite. Denn verbringen wir zu viel Zeit in geschlossenen Räumen, fällt uns irgendwann die Decke auf den Kopf. Das tägliche Einerlei kann zu Routine und Langeweile führen. Auch eine gewisse Unbeweglichkeit im Denken und Sein kann sich mit der Zeit einschleichen. Darum ist es so wichtig, nicht nur über den Tellerrand, sondern auch über den Gartenzaun zu schauen, um geistig nicht einzurosten. Der Turm kann die Mauern des Hauses verdichten und damit anzeigen, dass wir in einer Lebensanschauung zu starr sind und den Blick nach draußen wieder öffnen sollten.

SCHLÜSSELWORTE Familie, Zuhause, Immobilie, Gebäude, Organisation, Plan, Pflege, Halt, Schutz, Vertrauen, Geborgenheit, Aufbau, Routine, Langeweile, Stabilität, Sicherheit, der Morgen, kleines Familienunternehmen oder Laden, Privatsphäre, Unbeweglichkeit EIGENSCHAFTEN verlässlich, stabil, geborgen, ordentlich, ehrlich, familiär, sicher, strukturiert, festgefahren, langweilig, vertrauensvoll, privat, starr, abgegrenzt, real BESONDERHEITEN Positive Karte, Themenkarte, Zwillingskarte

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10 Sense

10SENSE Kaum ein paar kurze Wochen sind die Felder glühend zu sehen; gleich muss die Sense dann pochen, und Stoppeln bleiben kalt stehen. Max Dauthendey, deutscher Dichter

Die Sense wirkt in ihrer Darstellung zunächst beängstigend, ja sogar ziemlich rabiat. Mit ihrem messerscharfen Schliff zeigt sie an, dass eine gewisse Gefahr von ihr ausgeht. Dabei war sie einst für die Bauern ein wichtiges Werkzeug, um im Spätsommer die Wiesen zu mähen und auch heute noch wird in hohen Bergregionen mit ihrer Hilfe das für die Nutztiere nahrungsreiche Heu abgetragen. Angelehnt an dieses Bild versinnbildlicht sie, dass wir nach Phasen der Belastung die Ernte unseres Schaffens einfahren können. Allerdings sind anstrengende Perioden in unserer Zeit fast immer von Stress begleitet. So zeigt die auf eine Person gerichtete Sense im Lenormand häufig an, dass sie gestresst ist und dringend eine Verschnaufpause braucht. Indessen verbreitet die Sense aus der Sicht eines naturentfremdeten Großstädters auf den ersten Blick zunächst einmal Schrecken. Selten wird er mit einem landwirtschaftlichen Werkzeug wie der Sense zu tun haben. Genauso wenig ist er den Anblick der Felder und Wiesen gewohnt, die scheinbar „über Nacht“ komplett ihr Aussehen verändern. Im Frühherbst von der Sense radikal kurzgeschoren, sind sie ein wiederkehrendes Zeichen dafür, dass der Sommer und mit ihm die schönen, von Wärme und Wohlsein überzogenen Zeiten vorbei sind. Die Sense ist folglich im Lenormand ein Indiz dafür, dass im wahrsten Sinne des Wortes schlagartig etwas ins Geschehen eingreift, wir also mit unerwarteten Ereignissen zu rechnen haben. Leben ist eben das, was passiert, wenn man nicht damit rechnet. Bezeichnen wir die Sense doch etwas liebevoller als „Überraschungsei“. Nichtsdestotrotz hält die Sense auf 43


ihrem Beipackzettel auch eine Warnung bereit, besonders wenn sie mit ihrer Spitze auf ein buchstäblich hervorstechendes Thema im Kartenblatt deutet. Die Sense steht auch für Bereiche, in denen es Schäden und Verletzungen gibt. So weist sie beispielsweise auf eine verwundete Körperstelle, ein beschädigtes Gut, angriffsvolle Worte oder verletzte Gefühle hin. Das Einschneidende der Sense drückt sich in manchen Kombinationen sehr anschaulich aus. So kann die Sense mit den Sternen für einen plötzlichen Glücksfall stehen oder mit dem Brief eine völlig unerwartete Nachricht bringen. Schlägt sie in den Sarg ist „Sense“ mit einer Angelegenheit. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Schlägt sie hingegen in die Sonne, will jemand einem den „Schneid“ abkaufen; man könnte den Mut und Optimismus verlieren. Die auf den Klee gerichtete Sense deutet uns an, dass etwas sehr rasch geht oder wir bei einer Angelegenheit keine Zeit verlieren dürfen. Die Sense kann folglich auch dafür sorgen, dass etwas durchbrochen wird. Dieser Zustand der Teilung hat noch keine Endgültigkeit. Viel mehr will die Sense die „Androhung“ einer bevorstehenden Trennung aussprechen. Stellen Sie sich eine angebrochene Kaffeetasse vor. Mit ein bisschen Glück hält sie trotz der Bruchstelle noch Jahre. Behandelt man sie nicht mit Vorsicht, geht sie bald ganz kaputt.

SCHLÜSSELWORTE Gefahr, Überraschung, Vorfall, Schreck, Schock, Belastung, Stress, Aggression, Verletzung, Schaden, Bruch, Warnung, Ernte ð Folge aus vorherigen Taten. Vorsicht: Die Ernte kann gut oder schlecht ausfallen! EIGENSCHAFTEN überraschend, plötzlich, gefahrvoll, schmerzhaft, verletzend, erschreckend, anstrengend, stressig, brüchig, aggressiv, „aus dem Nichts“ oder „aus heiterem Himmel“, „geflasht“, genervt BESONDERHEITEN Negative Karte, Zwei-Gesichter-Karte

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12 Eulen

12EULEN Weise alte Eule auf der Eiche, sahst gar viel von deinem Reiche; sprichst du kaum, vernimmst du umso mehr: Gäbe was drum, wenn ich solch weiser Vogel wär´. unbekannt

Eulen sind äußerst wachsame Waldbewohner, die als erstes aufschrecken, wenn etwas in der Umgebung nicht in Ordnung ist. „Was in der Luft liegt“ wird von ihnen umgehend den anderen Waldbewohnern gemeldet. Eulen sind sozusagen das Frühwarnsystem der Tierwelt. Ihre Fähigkeit, Veränderungen „vorauszuahnen“, hat ihnen wohl auch in der griechischen Mythologie den Ruf eingebracht, besonders weise Tiere zu sein. So wurde die Eule zur ständigen Begleiterin Griechenlands mächtiger Göttin Athene. Während man hierzulande im Mittelalter glaubte, dass Eulen Tod und Unglück brächten und sie mit Hexen und Dämonen verglich, wurde die Eule in den indianischen, indischen und japanischen Kulturen als Erschafferin der Welt verehrt. Die moderne Deutung der Eulen kann aus dieser positiv besetzten Symbolik viel ableiten: Im Lenormand sind die Eulen verantwortlich für die Neugestaltung in unserem Leben. Umbrüche und große Veränderungen werden mit dieser Karte angekündigt. Während die Störche lediglich kleinere Wechsel und Veränderungen im Rahmen einer bestehenden Ordnung anzeigen, sprechen die Eulen für eine viel weitreichendere und bedeutendere Erneuerung, die in einem bestimmten Lebensbereich geschieht. Zum Beispiel weisen die Störche am Anker (Beruf) eher auf eine Veränderung unseres Aufgabengebietes oder eine betriebliche Umstrukturierung hin, wohingegen die Eulen gleich auf einen Stellenwechsel oder auf eine ganz neue berufliche Tätigkeit schließen lassen. Ob die Veränderungen positiv oder (zunächst) negativ sind, entscheiden wie immer andere Karten. 47


Als Vorbote von Veränderungen macht sich meist Unruhe breit, die im äußersten Fall in Chaos und Eskalation münden kann. Viele auf einem Haufen flatternde Vögel geben dazu ein passendes Bild. Die Eulen verkörpern wie alle Vögel das Prinzip der Freiheit und Unabhängigkeit. Grenzen sind ihnen unbekannt, neue Gefilde dafür immerzu verlockend. Die unendliche Weite der Lüfte trägt sie, wohin auch immer ihr Ruf sie folgen lässt. Die Eulen fordern dazu auf, schwierige oder verworrene Angelegenheiten aus der Distanz zu betrachten, eine Vogelperspektive einzunehmen, um sich wieder einen Überblick und damit eine adäquate Lösung zu verschaffen. Von weit her betrachtet, erscheint vieles gar nicht mehr so wichtig oder unlösbar. In Liebesdingen und Gefühlsfragen sind die Eulen ein klarer Indikator für Unverbindlichkeit und Flatterhaftes. An dieser Stelle wird aus einem Verhältnis (noch) nichts Beständiges oder der Bindungswunsch ist zu schwach. Zusammen mit dem Mond sorgen die Eulen für Gefühlschaos. Auf den Reiter treffend, hat das Leben gerade ein echtes Abenteuer zu bieten. Der Hund empfindet die Eulen als Störenfriede. Unzuverlässigkeit und Unberechenbarkeit resultieren aus diesem Zusammentreffen.

SCHLÜSSELWORTE Große Veränderungen, Umbruch, Überblick, Aufregung, Chaos, Unruhe, Unabhängigkeit, Unverbindlichkeit, Instabilität, Individualismus, Zukunft, Freiheit, Rebellion EIGENSCHAFTEN unverbindlich, befreit, ungezwungen, chaotisch, aufgeregt, flatterhaft, umwälzend, unbeständig, rebellisch, unkonventionell, freiheitsliebend, kreuz und quer BESONDERHEITEN Neutrale Karte, Zwillingskarte

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17 Störche

17STÖRCHE Hurra! Der Storch machte wieder seine Runde, und brachte das Kind mit schmunzelndem Munde. Er flog vorbei in voller Pracht und hat die Eltern glücklich gemacht. Spruch zur Geburt

Die Störche gelten als die Wandergesellen unter den Vögeln, nicht nur, weil sie Zugvögel sind, sondern weil sie vor allem ungeheuer weite Strecken bis nach Afrika zurücklegen, um dort zu überwintern. Wo die Störche zu sehen sind, weht immer ein frischer Wind. Als traditionelles Symbol der Geburt ist die Karte bezeichnend für Situationen, die sich verändern oder neu entstehen. Geht es dem vorauseilenden Storchenmännchen nach seiner Ankunft in heimischen Gefilden nicht schnell genug mit dem Nestbau, sucht er sich kurzum ein williges Storchenmädchen zur neuen „Vermählung“. Wenn seine vormals Angetraute nach langer Reise endlich eintrudelt, hängt der Haussegen im Storchenquartier natürlich erst einmal schief. Meist gelingt es ihr, den angestammten Platz wieder erfolgreich zurückzuerobern und für Nachkommen mit ihrem Gatten zu sorgen. So wird es bei Familie Storch nie langweilig. Denn das Einzige, das im Leben konstant bleibt, ist der Wandel. Das wissen auch wir Menschenkinder. Die Störche signalisieren trotz alledem nicht die großen Umwälzungen des Lebens. Großposaunig werden diese viel mehr von den Eulen angekündigt. Etwas dezenter geht es bei den Störchen vonstatten. Sie zeugen eher von Umstellung als von Umbruch. Die Auswirkung ist also längst nicht so massiv wie bei den Eulen. Diese Unterscheidung ist im Kartenbild sehr wichtig. Nur in der Liebe sorgen die Störche für größere Veränderungen. Nicht selten passiert es, dass hier die Störche etwas stärker ins Geschehen eingreifen als üblich. Es könnte sein, dass ein Zusammenzug stattfindet, sich eine Liebe spürbar verändert oder man als Single einen neuen Partner kennenlernt. In Verbindung mit dem Ring 57


kann es nämlich vorkommen, dass sogar ein Partnerwechsel stattfindet. Besonders, wenn auch noch Bär oder Schlange als Stellvertreter/in für die neue Liebe auffallend in die Aktion im Kartenblatt eingebunden sind. Da die Störche genauso wie Reiter und Schiff eine Botenkarte sind, ist an ihrer Lage erkennbar, was sich bald tut, bzw. ob überhaupt etwas in Bewegung kommt. Folgen auf den Berg die Störche, hieße dies, dass die erwünschten Veränderungen derzeit nicht gelingen. Störche und Kreuz würde die Veränderung unbedingt notwendig machen. Wie sich unschwer erkennen lässt, haben die Störche einen sehr wandelbaren Charakter und ihre Bedeutung ist stark von ihren Nachbarn abhängig. Nicht verwunderlich, dass bei dieser Karte unter anderem auch von Anpassung und der Abwandlung bestehender Dinge und Strukturen die Rede sein kann (z.B. ein Vertrag wird modifiziert, ein Haus renoviert, mit einer Gewohnheit wird gebrochen usw.). Zudem stehen die Störche auch für das persönliche Umfeld und die Nachbarschaft, denn sie haben sich seit jeher in der Umgebung von Menschen angesiedelt. Ferner können sie mit Freizeitbeschäftigung in Verbindung gebracht werden.

SCHLÜSSELWORTE Kleinere Veränderungen innerhalb eines bestimmten Lebensbereiches, Anpassung, Flexibilität, innerer und äußerer Wandel, Wechsel, Gelegenheit, Bewegung, Unternehmungslust, Fürsorge, Umfeld, Nachbarschaft, Freizeit, Unterhaltung, Gruppen EIGENSCHAFTEN flexibel, teamfähig, anpassungsfähig, variabel, veränderungsfreudig, agil, unterhaltsam, umtriebig, fürsorglich, quirlig, unternehmungslustig BESONDERHEITEN Neutrale Karte, Botenkarte, Zeitkarte, Zwillingskarte

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19 Turm

19TURM

Der Turm ist ein Täuscher, so unendlich die Weite wenn man oben ist, so dunkel und eng ist es im Innern. Unbekannt

Türme galten einst als die ehernen Schutzwächter der Burgen und Städte. Von hoch oben erspähten die Wachleute Angriffsversuche von Räubern und Feinden, die sich der Befestigung oder Stadtmauer zu nähern versuchten. Der große steinerne Riese verkörperte staatliche Autorität. An diese Funktion angelehnt steht der Turm im Lenormand für die Obrigkeit, Behörden und öffentliche Dienste. Darum liegen Themen wie Einsparungen, Einschnitte und Einschränkungen nicht fern. Da man zu Türmen lieber Abstand hält, weil sie nicht besonders einladend wirken, verbindet man mit ihnen auch Themen wie Isolation und Einsamkeit. In einem „Elfenbeinturm“ sitzend, fühlt sich kaum jemand wohl. Außer der Rückzug ist freiwillig gewählt, um wie ein Mönch innere Einkehr und Stille zu suchen. Bei manch einem Anblick dieser mauernen Pfeiler kommen sofort Gefühle von Verurteilung, Einengung oder Unterdrückung in den Sinn, so zum Beispiel beim Gedanken an die Wachtürme der ehemaligen DDR. Nichtsdestotrotz kann ein Turm auch positive Bilder wecken. Kirchtürme bilden bis heute den Mittelpunkt von Städten und Dörfern. Stoisch in die Höhe ragend und alles überblickend, bildet der Gigant sogar ein Wahrzeichen wie der Berliner Fernsehturm oder gerne etwas schräger - der schiefe Turm von Pisa. Nur schwer lässt sich von einem abgeschirmten oder bewachten Ort aus Kontakt zur Außenwelt herstellen, geschweige denn ein freies Leben führen. Der Turm versinnbildlicht im übertragenen Sinne Probleme mit Distanz, Abweisung und Unnahbarkeit, zum Beispiel in Beziehungen. Befindet sich diese Karte unmittelbar vor einer Person, deutet es 61


darauf hin, dass sie auf Abstand geht oder mehr Zeit für sich braucht. Im Extremfall meldet der Turm im Lenormand sogar eine Trennung. Dabei ist der Turm wesentlich „radikaler“ als der Sarg. Dieser nämlich zeigt eher ein subtiles, ausschleichendes Ende, das man „mitbekommt“. Der Turm hingegen läutet ein Ende nicht ein. Bei ihm schließen die Tore Knall auf Fall. Der Turm kann aber auch einen Fluchtpunkt vor den Umklammerungen der dienstlichen Pflichten des Alltags darstellen. Manche suchen deswegen in der Abgeschiedenheit, z. B. hinter Klostermauern, eine Auszeit, um dem ganz normalen Wahnsinn eine Weile zu entgehen. Die Karte des Turmes kann folglich dazu ermahnen, Grenzen zu setzen oder dazu raten in sich zu gehen, sich weniger einnehmen zu lassen. Eben dafür kann ein schützendes Refugium auch gut sein. Turm mit Sonne warnt uns davor, unsere Kräfte bis zum bitteren Ende aufzubrauchen. An vielen Stellen dient der Turm als wohlmeinender Indikator für Unverhältnismäßigkeit und Unzulänglichkeit. Er prüft mit Tiefenwirkung, und er legt unsere Wunden und Schwächen offen, die der Heilung bedürfen.

SCHLÜSSELWORTE Behörde, Justiz, Obrigkeit, Gefängnis, Institution, Einschränkung, Unterdrückung, Distanz, Abweisung, Verurteilung, Mißlingen, Unnahbarkeit, Einsparung, Trennung, Auszeit, Rückzug, Isolation, innere Einkehr, Grenzen, Krise, Kontrolle, Überprüfung, Aufstieg (in einem sehr positiven Gesamtkontext)

EIGENSCHAFTEN zurückgezogen, isoliert, gestört, einsam, allein, einflussreich, mächtig, stolz, erhaben, dominant, abweisend, egoistisch, selbstständig, unerfüllt, introvertiert, distanziert, beherrscht, unzulänglich, prüfend BESONDERHEITEN Negative Karte, Themenkarte, Zwillingskarte 62


32MOND 32 Mond Jeder ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt. Mark Twain, US-amerikanischer Schriftsteller

Der Mond ist unser stiller nächtlicher Begleiter, der uns ewig ein Licht in der Dunkelheit gewährt. Als einziger natürlicher Erdtrabant ist er der Herr der Gezeiten und sorgt im wahrsten Sinne des Wortes für das Gleichgewicht auf unserer Erde - ein für unseren Planet unverzichtbarer Nachbar. Seit jeher ist er auch ein guter Ratgeber für ein Leben im Einklang mit den natürlichen Kräften. Doch da gibt es auch noch die geheimnisvolle, dunkle Seite des Mondes. Er fasziniert uns Menschen, jedoch klagen viele während Vollmond nicht nur über schlechten Schlaf. Auch süchtig machen kann er, eine seiner unangenehmen Nebenwirkungen. Da der Mond archaisch gesehen das weibliche Selbst darstellt, verkörpert er auch im Lenormandorakel die femininen Eigenschaften, allen voran die emotionale, sensitive Seite. Aus der inneren Mitte spricht immer die Intuition, das Bauchgefühl. Interessanterweise handeln wir zu 90% aus dem Bauch und dem Unterbewusstsein heraus, auch wenn wir glauben, mit dem Verstand zu agieren. Der Mond gibt uns Einblick in seelisches Befinden. Er spiegelt unsere Gefühlswelt wider, oft sogar die verborgenen Tiefen der Seele, die uns aufgrund ihrer Unerklärbarkeit auch Angst bereiten können. Wechselnde Gestalt und Zyklen des Mondes haben großen Einfluss auf die Natur, aber auch auf die Gemütslage der Menschen. So kommt es, dass diese Karte viel mehr auf vorübergehende Gefühlszustände eingeht als auf tiefgreifende psychische Vorgänge - wie es bei den Fischen der Fall ist. 85


Gefühle wie Freude und Wut können sich genau wie die Bewegung des Mondes stets wandeln, hingegen sind seelische Zustände überwiegend fest verankert oder lang andauernde Prozesse. Angelehnt an die Bedeutung des Mondes in der Astrologie kann er auch im Lenormand Wünsche und Bedürfnisse versinnbildlichen und dahingehend erklären, was unser Wohlbefinden stärkt oder schwächt. In Verbindung mit dem Turm steht er für die Unterdrückung von Gefühlen und Bedürfnissen. Gemeinsam mit den Sternen wohnt eine hohe spirituelle Kraft ins uns. Mit dem Anker geht es entweder um das Vertrauen in die innere Stimme oder auch um die Verarbeitung von Emotionen. Sogar die Erwiderung von Gefühlen kann uns diese Kombination verraten. Werden die Wege vom Mond beschienen, bedeutet dies entweder innere Gleichgültigkeit oder noch unbestimmte, entwicklungsbedürftige Gefühle. Im Arbeitsleben kann der Mond Anerkennung und Ehre ausdrücken, zusammen mit der Sonne sogar einen Aufstieg verkünden. Aber auch Feedback kann durch den Mond wiedergegeben werden. Wie es ausfällt, bestimmen wie immer die anderen Karten.

SCHLÜSSELWORTE Gefühle, Gemütslage, Intuition, Wünsche und Bedürfnisse, Laune, die Nacht, Empfänglichkeit, Mütterlichkeit, Bemutterung, Beförderung, Anerkennung, Feedback, Innenleben, Unterbewusstsein, die dunklen Tiefen in uns (Schattenseiten = Ängste, Sehnsüchte, Verdrängungen, Schwächen)

EIGENSCHAFTEN sensibel, gefühlvoll, vertraut, launisch, wechselhaft, empfänglich, intuitiv, mütterlich, innig, dunkel, innerlich, unterbewusst, emotional BESONDERHEITEN Positive Karte, Bäumchen-wechsel-dich-Karte, Zwillingskarte

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LENORMAND

Basiskurs 2

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BOTENKARTEN

Botenkarten

Die Botenkarten Reiter, Schiff und Störche stehen für „…bringt…“. Sie kündigen wie eine Art „Lieferschein“ etwas an, nämlich ein Ereignis oder eine Entwicklung. Die Boten sind im Lenormand äußerst zukunftsorientierte Spezialisten. Sie sind es, die den Weg kennen und daher wissen, worauf man in der befragten Angelegenheit zusteuert. Alle drei Karten können erfreuliche wie unerfreuliche Geschehnisse vermelden. Wie beim Öffnen des Briefkastens müssen wir mit beidem gleichermaßen rechnen. In Bewegungsrichtung der Karten zeigt sich das, was geschieht, also in Wegrichtung des Reiters, in Fahrtrichtung des Schiffes (Achtung: das Schiff fährt nach rechts, zu erkennen am Bugspriet) oder in Flugrichtung der Störche. Das Schiff könnte z. B. eine endgültige Entscheidung anzeigen, wenn es auf Wege und Kreuz zufährt. Wieviel Zeit die Drei jeweilig benötigen, lesen Sie im Kapitel Zeitkarten. Benutzen Sie ein anderes Lenormanddeck als die Blaue Eule, orientieren Sie sich am besten an der entsprechend vorgegebenen Bewegungsrichtung der Botenkarten. Sollte diese nicht so deutlich erkennbar sein wie auf den Karten der Blauen Eule, übernehmen Sie einfach deren Bewegungsrichtung. Wichtig ist nur, eine einmal programmierte Vorgabe für das jeweilige Deck nicht mehr zu wechseln. In kleinen Legungen folgen auf die Botenkarte maximal zwei weitere Karten, die als Kombination gelesen werden. Somit bezieht sich die Botenkarte stets auf die beiden folgenden Karten (beim Reiter nach links, beim Schiff und Störche nach rechts)! Neben ihrer Funktion als Überbringer behalten die Botenkarten weiterhin ihre ursprünglichen Bedeutungen, vor allem in Bezug auf die Karten, die auf ihrer anderen Seite zu liegen kommen. Außerdem gilt es zu beachten, wie sich die Boten zusammen mit einer Zwei-Gesichter-Karten verhalten, s. S. 113. 97


BÄUMCHEN-WECHSEL-DICH

Bäumchen-wechsel-dich-Karten In dieser Kategorie tauschen die folgenden Karten je nach Themengebiet ihre Bedeutung. Im Bereich von Liebe und Beziehung haben diese Symbole eine andere Bedeutung als im beruflichen Feld. In aller Regel ist es sehr nützlich, die Bedeutung der Karten für diese beiden Bereiche aufzutrennen, auch wenn es in manchen Fällen zu Überschneidungen kommt. Die Fische können in einer Beziehung ausnahmsweise auch mal das Thema Geld ansprechen oder der Mond im Job die Gefühlsebene. Prägen Sie sich die Unterscheidungen gut ein. Im Kombinationstraining werden Sie ausreichend Anwendungsbeispiele finden.

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Liebe und Partnerschaft

Beruf

Auf und Ab, Sehnsucht, Leidenschaft, evtl. Fernbeziehung, Urlaubsliebe

Dienstreise, internationale Tätigkeiten, Projekte, 2. Standbein, Handel

Gemeinsamer Alltag, Familienleben, Zusammenleben, Zusammenziehen, Vertrauensbasis

Familienbetrieb, Eigener Laden, Arbeitsalltag

Date, „Werbephase“ Sympathie, schöne Ereignisse, Gemeinsame Interessen

Angebot, Anerkennung, Kreativität, Verbesserung, Expansion, Zuwachs


POSITIVE KARTEN

Positive Karten

Diese Karten besitzen einen überwiegend guten Kern. Sie können anzeigen, dass eine Entwicklung begünstigt wird und das Positive eines Charakters oder einer Angelegenheit hervorheben. Doch Vorsicht: Es gibt nicht nur eine Schokoladenseite! Die Kehrseite der Blumen ist z. B. Maßlosigkeit und Arroganz. Die des Hauses Langeweile und Starrheit.

Gewiss fragen Sie sich, wann die Kehrseite der Positiven Karten zum Vorschein kommt. Die klare Antwort lautet: Immer dann, wenn die Fragestellung einen gezielt negativen Aspekt anspricht, z. B.: „Welche Nachteile bringt die Entscheidung für xy mit sich?“. „Was ist einer der schlechten Charakterzüge von Person xy?“. In diesen Fragestellungen wollen wir uns ganz bewusst nicht die schönen Seiten anzeigen lassen. Logisch, dass wir in diesem Fall die positive Bedeutung der Karten ausblenden müssen. Umgekehrt gilt dasselbe für das Erscheinen negativer Karten, wenn gezielt nach positiven Aspekten gefragt wird. 110


ZWEI-GESICHTER

Zwei-Gesichter-Karten Die Zwei-Gesichter-Karten (frühere Auflagen: Karten mit zwei Gesichtern) zeichnen sich durch eine große Besonderheit aus, nämlich zwei unterschiedliche Seiten. Zu ihnen zählen Wolken, Sense, Fuchs, Berg und Mäuse. Karten, die an ihrer rechten Seite liegen, haben eine andere Aussage als Karten, die an ihrer linken Seite zu liegen kommen. Achten Sie stets darauf, wie sich das Symbol mit den zwei Gesichtern ausrichtet. Schauen Sie sich die Sense an. Sie hat eine Seite, auf der die Klinge messerscharf schneidet bzw. die Spitze sticht. Auf der anderen Seite befindet sich nur der Stiel der Sense, der harmlos erscheint. Genau nach diesen beiden gegensätzlichen Hälften wird die Deutung der Karten unterschieden. Auf manchen Decks ist die Position des Symbols anders herum als bei der Blauen Eule. Die Spitze der Sense zeigt stattdessen nach links oder der Fuchs blickt nach rechts. Orientieren Sie sich immer an der Ausrichtung der Karten, mit denen Sie gerade arbeiten! Ein Ausnahmefall sind die Mäuse. Hier ist selbst auf der Blauen Eule nicht klar zu erkennen, ob sich der Haufen Mäuse tendenziell mehr nach rechts oder links wendet. In solchen Fällen ist es ratsam, die Karten selbst zu programmieren. Das heißt, Sie impfen ihnen ein, welche Richtung welche Bedeutung haben soll und behalten diese Zuweisung zukünftig bei. Wichtig: Die Zwei-Gesichter-Karten (ZG) können natürlich nur von zwei Seiten betrachtet werden, wenn es eine entsprechende Umgebung gibt. Sie benötigen also Nachbarkarten, auf die sie sich beziehen können, um ihre Funktion als ZG auszuüben. Als Einzelkarte gezogen, z. B. als 1. Signifikator in der Universallegung, kommt die Funktion der zwei Gesichter nicht zur Anwendung. In diesem Fall kommen alle üblichen Bedeutungen der Karte zum Tragen. Bsp.: Die Mäuse können als Einzelkarte nicht zeigen, was mehr oder weniger wird. Folglich stehen sie ganz klassisch für einen Verlust oder eine Sorge. Liegen gleich zwei ZG nebeneinander, ist in aller Regel die erste Karte die Tonangebende. Die zweite Karte verliert ihre Zwei-Gesichter-Funktion, z. B. Sense und Berg: Die Sense warnt als ZG vor Überlastung, Feindseligkeit, Hürden und Hindernissen (Berg mit normaler Bedeutung). Eine Ausnahme bilden die . Sie spielen immer die erste Geige, 113


ZWILLINGSKARTEN

Zwillingskarten

Zwillingskarten (frühere Auflagen: Karten mit ähnlichen Bedeutungsebenen) sind sich zum Verwechseln ähnlich. In manchen Punkten weisen sie so starke Parallelen auf, dass man sie glatt durcheinanderbringen kann. Gerade deswegen ist es notwendig, diese Pärchen auseinanderzuhalten, indem man sich ihre feinen Unterschiede gut einprägt. Denn für eine korrekte Aussage ist es wichtig zu wissen, mit „wem“ von beiden man es zu tun hat. Wie Sie bereits erfahren haben, lässt sich z. B. bei Turm und Sarg abgrenzen, auf welche Weise eine Beendigung herbeigeführt wird. Ähnlich ist es bei Eulen und Störche. Beide zeigen Veränderung, aber jeweils in einem anderen Ausmaß.

Zwillingskarte 1 Mond

Gemütszustand, Gefühle Emotionale Zustände kommen und gehen wie eine Laune, und auch Gefühle können sich schnell verfärben und verfliegen (z. B. Wut, Freude etc.). Der Mond berührt noch nicht die ganz tiefen Ebenen des seelischen Bereichs.

Sarg

Schleichendes Ende Der Sarg läutet das Ende ein, indem er darauf vorbereitet und bewusst macht, dass etwas auf eine Trennung oder Beendigung zusteuert. Man kann der Beendigung entgegenblicken. 116

Zwillingskarte 2 Fische

Seele, Psyche Seelische Zustände, innere Prägungen sowie die gesamte psychische Verfassung sind tiefgründig und andauernd. Veränderung geschieht nur langsam. Deshalb kann die Psyche auch erkranken wie bei einer Sucht.

Turm

Abruptes Ende Der Turm setzt das Ende ohne Ankündigung. Er ist damit viel härter und schmerzvoller als der Sarg. Man wird quasi vor vollendete Tatsachen gestellt.


KOMBITRAINING

Kombitraining mit zwei Karten Nun sind Sie ausreichend vorbereitet, um sich mit der Praxisarbeit des Kartendeutens zu befassen: Das Kombinieren. Zunächst beginnen wir mit 2-er Kombinationen, später steigern wir auf drei Karten. Mehr als vier Karten werden nicht am Stück gedeutet, da sonst keine konkrete und schlüssige Aussage mehr zustandekommt. Aus der Gehirnforschung ist bekannt, dass der Mensch nur aus einer sehr geringen Anzahl von Dingen einen Zusammenhang bilden kann. Alles andere übersteigt seine durchschnittlichen Fähigkeiten und erhöht die Wahrscheinlichkeit des Irrtums. Wir wollen ja auch keine intellektuellen Höchstleistungen vollbringen, sondern verlässliche Antworten erhalten. Dazu eignen sich Kombinationen aus zwei bis drei Karten am allerbesten. Versuchen Sie, die Aufgaben selbstständig zu lösen. Ihre Antworten müssen nicht wortgemäß, sondern nur sinngemäß mit meinen übereinstimmen. Zählen Sie alle Kombinationen auf, die Ihnen zu der Verbindung aus den jeweiligen zwei Karten in den Sinn kommen. Dabei dürfen Sie ruhig kreativ werden, denn es gibt viel Spielraum für neue Möglichkeiten. Es ist es völlig in Ordnung, wenn Sie weniger oder mehr Lösungsvorschläge haben als hier angeboten sind. Sowohl positive wie negative Aussagen sind innerhalb einer Kombination möglich. Denken Sie besonders an die unterschiedliche Zuordnung bestimmter Karten abhängig vom Themengebiet. Achten Sie besonders auf die Reihenfolge der Symbole, da das Verschieben einer Karte in manchen Fällen bereits eine völlig andere Aussage bewirkt, ganz besonders, wenn Zwei-GesichterKarten im Spiel sind. Die Reihenfolge der Karten ist fast immer zu berücksichtigen, da eine Veränderung der Serie die Aussagen massiv verändern kann. Ist die Reihenfolge unerheblich, finden Sie dieses Symbol neben der Kombination: ↔ Decken Sie am besten die Lösungsmöglichkeiten mit einem Blatt ab und versuchen Sie, ohne Schummeln selbst auf die Antworten zu kommen. Lassen Sie sich ausreichend Zeit! Und wenn es mal nicht klappt, einfach weitermachen. Sie können es! Viel Spaß beim Üben! 124


↔ A. Antwortmöglichkeiten: und stärken sich gegenseitig (beinhalten ähnliche Themen wie Vertrauen, Bodenständigkeit) → feste Arbeitszeiten oder regelmäßige Arbeit; einem Arbeitgeber treu bleiben, dh. keine berufliche Veränderung (der ist ein Gewohnheitstier!); Arbeit mit Tieren; zuverlässige, ehrliche(r) Freund/in; feste Freundschaft, stabiler Freundeskreis; absolute Treue und Ehrlichkeit; Verantwortungsbewusstsein; große Sicherheit, Ernsthaftigkeit, seinen Prinzipien treu bleiben; „nicht aus dem Trott kommen“; unflexibel sein; krampfhaft festhalten

B. Antwortmöglichkeiten: schaut ins → etwas ist falsch. Unterlagen sind fehlerhaft, müssen überprüft werden; Ausbildung oder Studiengang passt nicht zu einem; es gibt eine Lüge oder einen Betrug, von dem man nichts weiß; etwas wird einem absichtlich vorenthalten; etwas falsch lernen oder falsch verstehen; „jemandem ein X für ein U vormachen“ In punkto Ehrlichkeit und Treue ist diese Kombi genau das Gegenteil von Kombi A.

Platz für eigene Gedanken / Merkzettel

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KOMBITRAINING

Kombitraining mit drei Karten Nun wird der Schwierigkeitsgrad leicht erhöht, indem Sie die 3-er Kombinationen zu deuten lernen. Achten Sie vor allem wieder auf die Besonderheiten bestimmter Karten, da sie den Aussagegehalt entscheidend beeinflussen! Ziel dieser Übungen ist zum einen die Schulung Ihres intuitiven Verständnisses sowie die Anwendung Ihres erworbenen Wissens. Sie werden merken, wie Ihre Deutung immer mehr ins Fließen kommt! Zum anderen werden Sie langsam an die Interpretation der Großen Tafel mit ihren 36 Karten herangeführt. Diese ist Schwerpunkt des dritten Bandes Der Lenormandkarten-Lehrgang „Aufbaukurs“. Gleich, ob sie absoluter Anfänger sind oder bereits über mehr Knowhow verfügen, zu jeder Zeit wird sich das Üben der Kombinationen für Sie als äußerst förderlich und lohnend erweisen. Denn die Verknüpfung der einzelnen Bedeutungen der Karten zu einem festen Gewebe aus sinnreichen und treffsicheren Aussagen bildet die Basis aller Deutungskunst. Nur wer sich darin sicher fühlt, wird dem Kartenbild die wahre Botschaft entnehmen können. Und genau diese Grundlagen sind erlernbar! Die Kombination mit drei Karten bietet gegenüber denen mit zwei eindeutige Vorteile. Die Botschaften werden noch viel konkreter! Insgesamt gibt es ein geringeres Spektrum an Bedeutungsmöglichkeiten, aber dafür umso präzisere Aussagen. Im Prinzip sind drei Karten die optimale Anzahl, um bestechend klare Antworten hervorzubringen. Natürlich kommen - wie auch bei den 2-er Kombinationen - in der realen Kartenlegung nie all die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten auf einmal in Frage, die in den Übungsbeispielen aufgeführt werden. Stets muss abhängig von der Fragestellung und der individuellen Situation des Ratsuchenden die Anzahl an Aussageoptionen gefiltert werden. Im Regelfall bleiben am Ende nicht mehr als zwei passende Antworten übrig. Bei den 3-er Kombinationen ist die Reihenfolge der Karten meistens entscheidend. Nur in wenigen Fällen ergeben sich die gleichen Antworten, wenn die Karten ihren Rang ändern. 148


A. Antwortmöglichkeiten: Die Kombi A. auf S. 125 wurde um den erweitert. Nun verändern sich die getroffenen Aussagen ins Gegenteil → Untreue, unloyales, unfaires Verhalten; Freundschaft, die keine Ehrlichkeit und Verlässlichkeit bietet; ein/e unehrlicher Arbeitskollege/kollegin; an den Job gestellte Erwartungen sind nicht angebracht/unrealistisch; sich selbst nicht treu sein, gegen eigene Prinzipien verstoßen; ein Job mit starren Arbeitszeiten passt nicht zu einem

B. Antwortmöglichkeiten: Unverbindlichkeit / Freiheitsanspruch in einer Beziehung ist ein Konfliktthema; in einer Beziehung/Zusammenarbeit gibt es massive Störfelder / Unstimmigkeiten ( und stacheln sich gegenseitig an); Paarberatung ( + ) erneuert die Beziehung; über Veränderungen des Beziehungslebens nachden) sorgen für Unruhe und Unbeständigkeit ken; ständige ( ) Streitigkeiten ( ( ); Gespräch ( ) über die Änderung / Erneuerung ( ) eines Vertrags ( ); vertragliche Freiräume aushandeln Platz für eigene Gedanken / Merkzettel

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KURZLEGUNGEN

Kurzlegungen

In der Kürze liegt die Würze. Kurzlegungen sind dazu gedacht, kurze aber stichhaltige Auskünfte zu geben. Generell beziehen sich alle Kurzlegungen immer auf eine ganz spezielle Situation, z. B. einen Konflikt oder eine Entscheidung und auf einen kleinen Zeitraum. Kurze Legungen bieten große Vorteile. Sie lassen sich parallel zu anderen, umfangreicheren Legungen anwenden, können also als zusätzlicher Ratgeber herangezogen werden. Für Anfänger sind Kurzlegungen ideal, da die geringe Anzahl an Karten bei der Deutung nicht überfordert und meistens ohne große „Kunstgriffe“ umgehend eindeutige Antworten hervorbringt. Kurzlegungen liefern sogar die konkretesten Antworten, die überhaupt nur möglich sind! Noch dazu können Sie Kurzlegungen viel häufiger anwenden als jede andere Legemethode. Es gibt eine Vielzahl von Variationen, sodass diese Art der Legungen nahezu allen Anliegen gerecht werden kann. Es gibt nur eine Sache, die man wirklich gründlich berücksichtigen muss: Jede Kurzlegung erfordert eine ganz präzise Frage, die gut überlegt sein will.

Fragestellung für Kurzlegungen Eben weil die Antwort der Karten möglichst exakt den Nagel auf den Kopf treffen soll, ist die richtige Formulierung der Frage allesentscheidend. Weitläufiger gestellte Fragen wie bei der Universallegung (z. B. „Wie entwickelt sich meine berufliche Situation innerhalb der kommenden drei Monate?“) eignen sich für Kurzlegungen nicht, weil diese immer nur einen bestimmten Punkt in Ihrem Leben und keinen längeren Entwicklungsweg abdecken können. Stellen Sie nie Fragen, die sich nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten lassen. Die Karten können darauf nur selten eine richtige Antwort geben (siehe Erklärung S. 17).

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LENORMAND

Zum Abschluss Einleitend lasen Sie den Spruch: „Auch ein Weg mit tausend Meilen beginnt immer mit dem ersten Schritt.“ An dieser Stelle angekommen, haben Sie bereits sehr viele Schritte auf Ihrem Weg zur professionellen Kartendeutung zurückgelegt. Die Grundlagen zur Kartendeutung haben Sie mit Basiskurs I und II erworben. Ihr neu gewonnenes Wissen konnten Sie anhand zahlreicher, praxisorientierter Übungsbeispiele festigen. Der Schlüssel zu den verborgenen Botschaften des Lenormandorakels gehört nun auch Ihnen. Damit können Sie wirklich stolz auf sich sein. Ab jetzt sammeln Sie auf Ihrer weiteren Reise durch die Welten des Lenormandorakels viele kostbare Schätze: Unschätzbare Erfahrung, persönliche Erfolgserlebnisse, ergreifende und einmalige Geschichten. Als gute Kartendeuterin sind Sie eine verantwortungsvolle Schatzmeisterin, die mit dieser Fülle an geistigen Juwelen gewissenhaft und diskret umzugehen weiß. Denn ab sofort hüten Sie viel Wissen. Um sich kontinuierlich zu verbessern, ist es notwendig, dass Sie regelmäßig mit den Karten üben. Zur Unterstützung gibt es den zweiten Band meiner Lehrbuchreihe: Der Deutungstrainer. Dieses ergänzende Übungsbuch widmet sich voll und ganz der Praxisarbeit mit den Lenormandkarten. Darin werden Sie noch einmal intensiv die Kombinationen trainieren und echte Fallbeispiele umfassend deuten. Neben Schritt-für-Schritt-Anleitungen und neuen Legesystemen erhalten Sie viele praktische Tipps rund ums Deuten. Mit Band 3 meiner Lehrbuchreihe, Der Aufbaukurs - die große Tafel, vollziehen Sie den Schritt in die hohe Lenormandschule. Auf knapp 200 Seiten werden Sie durch die vollständige Deutung der großen Tafel geführt. Dazu gibt es ausführliche Erklärungen und hilfreiche Grafiken. Mein umfangreiches Werk Die fabelhafte Welt des Lenormand führt Sie in einen verborgenen Symbolkosmos des Lenormand, der von einer geheimen Matrix durchdrungen ist. Erfahren Sie, wie eng Zahlenmystik, Märchen, Mythologie, Tarot und mit vieles mehr mit dem Lenormand verbunden sind. Der Bezug zu den alten Lehren baut die Brücke zur modernen Deutung, bei der Sie alle psychologischen und spirituellen Begriffe der Karten kennenlernen. 163


Bücher, Webseiten und Kurse der Autorin BÜCHER ▪ Der Lenormandkarten-Lehrgang Deutungstrainer

Kartendeutung mit Lenormand professionell lernen Band 2 Shaker-media Verlag

▪ Der Lenormandkarten-Lehrgang

Aufbaukurs - Die große Tafel Kartendeutung mit Lenormand professionell lernen Band 3 Shaker-media Verlag

▪ Die fabelhafte Welt des Lenormand Königsfurt-Urania Verlag

WEBSEITEN, LENORMAND-BLOG und KURSE ▪ www.reichdersterne.de Informationen zu Lebensberatung, Coaching, Kursen, Workshops und Büchern

▪ www.reichdersterne.de/lenormandblog Reichlich kostenloses Übungsmaterial, Anleitungen und Erklärungen zur Deutung der Lenormandkarten

▪ www.herzerfueller.de Kostenlos Tageskarten aus dem neuen, einzigartigen Herzerfüller-Orakel ziehen

▪ www.reichdernatur.de Fotografie, Illustrationen (Blume des Lebens) und Kalender

▪ www.gezeitenblau.de Texte und Gestaltung für Webseiten und Buchprojekte 164

Der Lenormandkarten-Lehrgang, Basiskurs I und II von Kathleen Bergmann - Neuauflage: Leseprobe  
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