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Ghetto Fabulous

3,-

SCHWEIZ: CHF5,20 ÖSTERREICH: €3,20

BONUS:

CD

Ausgabe 14 · Mai/Juni 2003

„Je ne suis pas la pour faire semblant, ça vient du cœur.“

Mit Tracks & Exclusives von: - CHARNELL - PYROMAN FEAT. CREUTZFELD & JAKOB - GRAND AGENT - SPONTAN FEAT. SD - CRONITE - U.V.A. Plus Videos: - „SOWIESO“ von SPONTAN - „NO REST/RIGHT WAY ST.“ von GRAND AGENT

CHARNELL

Azad · Moqui Marbles · Roey Marquis II. · Grand Agent · Illmatic · Pal One

AUSGABE 14 · MAI/JUNI 2003


EDITORIAL

IMPRESSUM

Hallo liebe Leser! Der Frühling klopft langsam aber sicher an unsere Tür, die Vögel zwitschern, die Blumen blühen... kann es denn etwas schöneres geben. JA! Denn Ihr haltet die neueste Ghetto Fabulous in den Händen. Bei den Fabstern hat sich einiges getan. Nikoma hat uns leider verlassen, damit er sich voll und ganz auf die Aufnahme seines Albums konzentrieren kann. Voraussichtlich wird „One Love“ im Herbst erscheinen, also freut Euch schon mal! Aber keine Panik: Er wird weiterhin für uns schreiben und Euch mit seinen Berichten und Interviews beglücken. Nun werde ich hier die Aufgabe als Chefredakteurin übernehme. Nachdem ich in der Vergangenheit für ein anderes Magazin tätig war, zeigte mir das Schicksal einen anderen Weg und bewirkte, dass ich meine Lieblingsstadt Hamburg verlasse und nun hier weitermache, was ich dort beginnen konnte. In den letzten zwei Ausgaben konntet Ihr bereits Berichte von mir lesen, die Euch hoffentlich gefallen haben. Nun sitze ich hier und schreibe meinen ersten Editorial. Auch in Zukunft werde ich mein Bestes geben, damit Ihr weiterhin mit eurem Lieblingsmagazin zufrieden seid. Natürlich habe ich für Fragen, Verbesserungsvorschläge, Kritik und auch Lob (!!!) immer ein offenes Ohr. Denn Euer Feedback ist wichtig. In diesem Heft werden wir Euch Interviews und Berichte mit Roey Marquis II, Grand Agent, Team Eimsbush, Spontan und vielen mehr präsentieren. Auch Azad wollten wir natürlich nicht übergehen, denn sein Album wird wohl wieder neue Grenzen setzen und für ausreichend Gesprächsstoff sorgen. Also besuchten wir ihn bei 3p und wenn wir schon einmal da sind, wird natürlich auch Illmatic nicht vergessen. Die wirklich netten Interviews könnte man schon als legendär bezeichnen, denn es waren die letzten Interviews, die in der 3p Villa stattfanden- eine Area geht zuendedoch ein neues Imperium steht am Anfang. Wie in den letzten News schon angekündigt, wird Charnell in Kürze sein Album herausbringen, da mussten wir natürlich genauer nachfragen – lest selbst, ob er sich bei Eimsbush schon eingelebt hat. Aber glaubt mir, das war noch lange nicht alles...

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Redaktionsanschrift: J. L. King Verlag Europe Ghetto Fabulous Postfach 3202 55397 Bingen Fon: +49.(0)6721.4919820 Fax: +49.(0)6721.498489 eMail: info@ghettofab.de Web: www.ghettofab.de Abo-Hotline: +49.(0)6721.155838 Redaktionsleiter: Jeffrey L. King eMail: jeffrey@jlking-verlag.com Chefredakteurin & Anzeigenleiterin: Sherin Kürten eMail: sherin@jlking-verlag.com Senior Sales Manager: Alexa Bartel eMail: alexa@jlking-verlag.com Junior Sales Manager: Stephan Szillus eMail: stephan@jlking-verlag.com Projektmanager: Julien Renzaho eMail: julien@jlking-verlag.com Art Direction & Gestaltung: Alexander J. Beck & Markus N. Ernst für Starting Lineup Mediendesign Fon: +49.(0)69.46096380 Fax: +49.(0)69.46096383 ISDN: +49.(0)69.46096388 (Mac/Leonardo) eMail: mediendesign@starting-lineup.com

Nur noch eins: Auf dem Sampler der letzten Ausgabe ist uns ein kleines Missgeschick unterlaufen. Dadurch, dass das Video von Hamburger Hill am Anfang zu finden war, schlich sich ein kleiner Fehler in der Nummerierung des Tracklistings ein. Einfach weiterskippen auf die 2 und schon seid Ihr beim Aufnahmezustand. Auch diesmal stehen die Videos am Anfang, bitte beachtet das.

Graffitibilder: Courtesy of Marlon Mathis http://www.worldatelier.com

Und nun hoffe ich, Ihr seid bereit für Eure 14te Ghetto Fabulous! Klemmt euch das GhettoFab unter den Arm, geht an die Elbe, den Rhein, Main oder irgendein Flüsschen und genießt das schöne Wetter.

Korrektur: Alexa Bartel

Fashionfotografie: Dirk Uebele Fotodesign www.uebele.net Fon +49.(0)611.2677884 Fax +49.(0)611.2677885

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Alexa Bartel Alexander Beck (fudongshi) Christian Berg Roman Claußnitzer (romanatti) Tobias Dörfler (tobicontinued...) Markus N. Ernst (mne) Jocha Gregor DJ Kamikaze DJ Kitsune Jeffrey L. King Sherin Kürten Boris Mayer (borism) Ralf Nehe Julien Renzaho


INHALT

MAI/JUNI

12 - PAL ONE Der charismatische Rapper aus Mannheim droppt im Mai seine neue EP „Was wollt ihr?“ wir haben ihn getroffen, um etwas mehr über seinen Werdegang, die aktuellen Projekte und die Zukunft zu erfahren. 14 - RHEINKULTUR Auch dieses Jahr wird wieder die Rheinkultur stattfinden. Wir trafen uns mit den Veranstaltern dieses Events und wollten mehr über die Geschichte und den Hintergrund erfahren. 16 - ROEY MARQUIS II. Im Leben von Roey Marquis II. hat sich einiges geändert. Auch er ist momentan mit Curse, Italo Reno, Germany und Olli Banjo auf Tour. Nach „Herzessenz“ wurde es ja ein wenig ruhig um ihn, doch mit einem weiteren Projekt wird sich das ändern. Lest selbst... 18 - FRENCH CONNECTION Wie lange durfte man auf diese Compilation warten. Doch nun ist es soweit. Französische und deutsche Künstler trafen aufeinander und ließen ein hervorragendes Album entstehen. Ein Interview mit Strachi vom 0711 Büro erläuterte uns dann auch einige Hintergründe. 20 - THE REAL DJ REAL Von diesem Mann hörte man immer wieder etwas, doch eher selten konnte man von ihm lesen- auch dies wollten wir hiermit ändern. Was der Oldenburger zu sagen hat, könnt Ihr hier nachlesen. 22 - DIGGER DANCE Die beiden smarten Hanseaten kommen mit neuer Single und neuem Album bei Eimsbush um die Ecke gebogen. Keine Frage, dass Tobby Digg und B-Low uns Rede und Antwort stehen mussten. 24 - MOQUI MARBLES Am Ende haben es die Moqui Marbles doch endlich noch geschafft, ihr Album in Eigenregie zu veröffentlichen. Alles über das Konzept des neuen Werks sowie ihre Zukunftspläne erfahrt ihr natürlich bei uns. 26 - MC SPONTAN Gelsenkirchen sein Revier. Mit der Stammtisch-Crew zog er durch unsere Lande und sorgte für außerordentlichen Wirbel - egal wo sie auftauchten. Aber das war auch Sinn der Sache. Genaueres lest Ihr aber auf diesen Seiten. 28 - GRAND AGENT Jared Taylor, wie Grand Agent mit bürgerlichem Namen heißt, schaute auf einen Besuch bei uns in der Ghetto FabulousRedaktion vorbei. Ergebnis dieses angenehmen und entspannten Nachmittags war ein Gespräch über Hip-Hop in Amerika und Europa, die Unterschiede wie auch die Gemeinsamkeiten. 30 - AZAD Dass der Frankfurter mit seinem Album für Schlagzeilen sorgen wird, war schon vor der Veröffentlichung des Werkes klar. Nach seinem Debüt „Leben“ waren wir sehr gespannt, ob „Faust des Norwestens“ auch an dieses Werk anknüpfen kann. Und sie kann... 34 - CRONITE „The Croatian Nightmare“ kurz: Cronite stand uns Rede und Antwort um über seine neue LP mit gleichem Namen zu reden. Was es sonst noch so bei ihm gibt, lest ihr hier. 36 - CHARNELL Das kontroverseste Interview dieser Ghetto Fabulous- Ausgabe führten wir mit Charnell, dem ehemaligen Da Fource-MC aus Berlin. Mittlerweile hat er als Solokünstler eine neue Heimat bei Eimsbush gefunden und veröffentlicht dort seine Scheibe „Charnell Nr. 1“. Lest selbst, warum Charnell nicht mehr mit T.M.O. am Start ist, wie er in Hamburg aufgenommen wurde und worum es ihm bei seinem Soloalbum geht. 40 - TEAM EIMSBUSH Auf dieses Album sind sicher auch einige sehr neugierig. Das sie ein starkes Team sind und auch in diesen Zeiten nicht aufgeben war klar. In den nächsten Wochen präsentieren sie mit Ihrem Werk das neue Gesicht von Eimsbush, auf dem natürlich alle verteten sein werden. 42 - ILLMAT!C Das letzte Interview mit einem Künstler in der legendären 3p-Villa und gleichzeitig ein extrem spaßiges Gespräch mit Flownassis, dem Flow-König griechischer Herkunft, der seit einiger Zeit im Dunstkreis der Optik Crew für Furore sorgt. Illmat!c bezieht deutlich Stellung zu seinem Frühwerk und zeigt mit seinem neuen Album, wie jiggy deutscher Rap sein kann. 44 - MOVEMENTS „Rock-Roots-Reggae“, so nennt die seit über zehn Jahren bestehende Band ihren Musikstil. Wir trafen uns mit dem Leadsänger Uwe „Banton“ Schäfer, um mal herauszufinden, wie das so ist, als deutsche Reggae-Band... 48 - GRAFFITI: BASIC Um auch mal über Writer zu schreiben, die nicht in Deutschland ansässig sind, ist uns kein Weg zu weit. Basic kommt aus Groningen in den Niederlanden und war von einem Interview sehr angetan. 52 - AT THE MOVIES: THE TRANSPORTER Luc Besson ist zurück... Diesmal als Produzent des neuesten Action-Schlagers aus Französisch-Amerikanischer Co-produktion. Dieses Spektakel wird euch für 90 Mintuen an den Sitz fesseln! Mehr lest ihr auf dieser Seite... STANDARDS 04 - EDITORIAL 08 - VERLOSUNG 10 - NEWSWIRE 54 - GAMEZONE 56 - SOUNDCHECK 64 - SHOWTIME 66 - AUFS WORT

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Hallo liebe Leser. Diesmal haben wir wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt und richtig viel für Euch zusammen sammeln können: Der 01.08.03 rückt immer näher und dann heißt es wieder „SPLASH!“ Wer das Ereignis des Jahres nicht verpassen will, sollte sich schleunigst unter Karten bestellen oder es mal bei unserer Verlosung probieren, denn bei uns gibt‘s diesen Monat: 5x Tickets zum Splash! Festival in Chemnitz. Weiterhin könnte man in dieser Ausgabe schon fast von einem 8Mile/ Eminem Super-Special sprechen, denn Universal Pictures schickten uns jede Menge Stuff für Euch. Unter anderem werden wir einem von Euch die Möglichkeit geben, doch noch auf das restlos ausverkaufte Eminem Konzert in Essen zu kommen. Hier der Hammer... Ihr könnt sogar noch jemanden mitnehmen!!! 1x 2 Tickets für das Eminem Konzert am 13. Juni, Georg-MelchesStadion, Essen. Wem Essen zu weit ist oder schon Tickets hat kann noch folgende Dinge gewinnen: 2x Soundtrack 8 Mile, 1x 8Mile Aufsteller & 3x 8Mile Filmplakate (DIN-A1) Wir haben wieder welche: Die legendären Eminem-Figuren, die mittlerweile vom Markt genommen worden, weil Mister Mathers kein „Sell out“ sein möchte. Die Lieben von www.closeup.de sponsoren Euch: 1x Actionfigur „Slim Shady“ mit Motorsäge & Accessoires, 1x Actionfigur „Eminem“ mit Daunenparka und Mic Auch die Phlatliner sind wieder dabei und versorgen Euch mit Mixtapes. Es erwartet Euch wie immer feinster Phlat-line Sound... 5x „Dancehall Vibez“ Mixtapes Natürlich verließen wir auch 3p nicht mit leeren Händen, auch hier könnt Ihr was abstauben. Azad gab uns seine heiße Single “A“ mit, auf der ihr auch den Track „Das erste Kapitel“ (feat. Warheit) findet. A Capellas und Instrumentals wurden natrülich nicht vergessen: 3x Azad „A“ Maxi Vinyl, 3x Azad „A“ Maxi CD Wie ihr im Interview lesen könnt, hat Illmat!c einen Track zu dem Mercedes- Benz X- Box Spiel “World racing“ beigesteuert 3x X-Box Spiel „World racing” Und auch Optik Records hat einige neue Veröffentlichungen am Start. Da mussten wir natürlich auch direkt anfragen und bekamen für euch: 3x Kool Savas Maxi-Vinyl „Der beste Tag meines Lebens“, 3x SD Maxi-Vinyl „Wie es geht“ & 3x DJ Nicon Mixtape „Optische Elemente“. Al dente Recordz geben uns ebenfalls zwei ihrer Compilations für euch, das besondere an den guten Stücken ist, dass Euch nicht nur 18 Tracks, sondern auch 18 DVDs erwarten, legendäre Videos von Afrob und D-Flame, Microphone Mafia, Creutzfeld und Jakob und vielen mehr: 2x Screenshotz Compilation Natürlich ließen wir auch Spontan nicht weg ohne uns ein Album da zu lassen. 1x Album-CD „Greatest Hits 2000-2003“ Besonders großzügig zeigten sich die Eimsbush-Jungs, denn „sie sind immer noch da...“ - 2x T-Shirt “Team Eimsbush“ Größe M & L, 1x Girlie-Shirt „Team Eimsbush“ Size (S/M), 2x DJ Mixwell & Illo 77 Vinyl „Rapshit“, 2x Team Eimsbush Vinyl „Deep Throat”/“Immer noch da“, 2x Digger Dance Vinyl “Ich lieb Rapmusik wie das Risiko“/“Gesetzlos” So, Ihr wisst ja, wie es geht... Einfach eine Postkarte mit Eurem Gewinnwunsch an folgende Adresse schicken: J.L. King Verlag, Postfach 3202, 55397 Bingen Seite 08


Greis, Beatfabrik & Fumanschu, und die Headquarter Allstars (Family Bizz, Rasputin, Daunawelle). Für die Reggaefraktion gibt es auch einige Highlights zu verkünden, denn Barrington Levy, LMS & Abijah und Lee „Scratch“ Perry werden am Start sein. Überzeugt?

ODB frei? Wie der ist schon wieder frei, werden sich jetzt einige fragen. Dem ist nicht so, denn nachdem Ol´Dirty Bastard bereits Anfang April aus einem New Yorker Gefängnis entlassen wurde, kann man trotzdem nicht unbedingt von Freiheit sprechen. Mit der Begründung, er sei noch eine Gefahr für die Öffentlichkeit, wurde er in eine Nervenklinik eingewiesen. Im Juli diesen Jahres soll ihm die Freiheit wiedergegeben werden.

Olli Banjo Im Hause Headrush steht im Juni eine sehr vielversprechende Veröffentlichung an. Die Zeit ist gekommen, dass Dr. Olli Banjo erste Hilfe leistet und ein Album auf den Markt wirft, das einige vielleicht zum ausrasten bringen, aber wahrscheinlich die meisten sehr amüsieren wird. Achtung- auf diesem Album ist Ironie und Spaß garantiert. Einen Vorgeschmack gibt es auf unserem Sampler und auf der 12 Inch “Dein Arsch“, die am 12.05.2003 mit Video und einigen Specials erscheint. Momentan ist Olli mit Curse, Roey Marquis und Italo Reno & Germany auf Tour und liefert spektakuläre Auftritte, die einen Besuch wert sind.

Splash, zum ersten... Auch diesmal die aktuellen Splash News! Es gibt wieder neue bestätigte Acts, die ein paar Zweifler mehr überzeugen werden, sich das Festival auf jeden Fall zu geben. Ladies and gents, Splash Entertainment präsentiert: GANG STARR (!), Slum Village, De la Soul, Team Eimsbush, Zora & Seite 10

No war Auch wenn der Krieg angeblich vorbei sein soll, darf das Thema aus unseren Köpfen nicht verschwinden. Denn es ist nicht damit getan, dass Saddam tot, auf der Flucht oder was auch immer ist. Viele Künstler machten sich während des Krieges darüber Gedanken. Manche wollten diese der Öffentlichkeit mitteilen, andere verarbeiteten die Bilder des Krieges lieber für sich. Wir wurden schon fast überschütten mit Anti- Kriegs- Tracks. Einige versuchten Profit damit zu machen, andere sahen es als Chance bekannt zu werden. Aber es gibt auch Künstler, die die Tracks einfach nur ins Netz gestellt haben. Redaktionstip: Nesti - „Und wieder mal...“ Weitere Tracks: Blumentopf - „Danke Bush“ mnemonic - „Momentaufnahme 23.03.03“ Pyranja - „Glauben“ Toni L. - „Zerbombte Zukunft“ Beastie Boys - „In A World Gone Mad“ Links: - www.lacosamia.de/nesti - www.blumentopf.com - news.allesreal.de - www.pyranja.net - www.toni-l.de - www.beastieboys.com

Eimsbush- News Charnell bringt mit der Digga Crew aus Berlin ein Mixtape an den Start. Dieses wird „The Mixtape Vol. 1“ heißen und im Juli veröffentlicht. Also werden noch weitere folgen. Ab Mitte Mai wird es auf www.eimsbush.de eine Member Section geben, auf die man nur mit einem Code

kommt. Also lasst euch überraschen, denn dort wird es exklusive Tracks, Gewinnspiele und vieles mehr geben. Charnell´s Video wurde mittlerweile abgedreht und die nächsten Wochen erscheinen. Und auch Styles von Phantom Black wird mit einem Deichkind Remix von „I have nobody“ feat. Alex Prince und einem Video geben. Auch der Kurzfilm von Digger Dance ist mittlerweile im Kasten. Mit dem Hammer- Namen „Drei Engel für Ali“ wird das Ding bald im Netz stehen.

HipHopOpen Das Line Up des Hip Hop Opens in Stuttgart steht endlich fest. Am 26.07.03 wird das alljährliche Ereignis im Reitstadion /Cannstatt wieder seine Pforten öffnen. Auch die Gäste können sich sehen lassen: ASD, Absolute Beginner, Gentleman & The Far East Band, Massive Töne, Curse, Deichkind und D-Flame mit der K.P.Crew werden mit Euch rocken. Aber auch internationale Gäste wird es geben: RZA bringt noch „Special Guests“ mit und auch die Saian Supa Crew wird man auf der Bühne begrüßen können. Doch das Line up ist noch nicht ganz komplett. Dann sind wir doch mal gespannt, was uns noch erwartet.

Eminem Tour Dass der Kauf der Tickets für ein Eminem Konzert schon fast die Geldbörsen und deren Besitzer zum Weinen bringen kann, wissen wir. Manche da draußen werden schon ausgelacht, weil sie so viel ausgeben und Eminem wird als typischer geldgeiler Ami abgestempelt. - Jetzt kann man nur sagen: Wer zuletzt lacht, lacht am besten!! Denn der Kauf scheint sich gelohnt zu haben, wenn man sich die bekannt gegebene Liste der Künstler ansieht, die Em begleiten werden. Obie Trice, D12, Xzibit und natürlich 50 Cent werden nach Germany kommen! Als ob das noch nicht reichen würde, gibt es noch Cypress Hill dazu und man kann nur hoffen, dass die Jungs nicht nach 5 Minuten wieder von der Bühne verschwinden und man nach dem Konzert sagen kann - es hat sich


gelohnt!! Warten wir es ab...

www.reload-network.de Genau das ist doch etwas, was man braucht. Seit kurzer Zeit ist eine sehr wirkungsvolle Page im Netz zu finden. Unter www.reload-network.de trifft man auf eine Auktionsseite, die aber mehr zu bieten hat. Der erste Schein trügt. Denn hier läuft es anders als bei anderen Online- Auktionshäusern. Alle Auktionen sind absolut kostenfrei und es geht nur um eins: Hip Hop! Ob 12 Inches, Tapes, CDs, Mags, Videos, Kleidung, DVD´s, Poster oder Graffiti- Zubehör oder Studioequipment, alles ist auf dieser Seite zu ersteigern. Man kann Platten finden, die man schon lange sucht und auch der Underground kann daraus seinen Nutzen ziehen. Also es liegt nur an euch diese Seite wachsen zu lassen.

Afro-Hesse unter Bedrängnis Der Untergrundrapper Afro-Hesse aus Darmstadt hat derzeit heftige Probleme mit den deutschen Behörden, die ihm das Leben unnötig schwer machen. Er hat den Status eines „Geduldeten“, der alle drei Monate seine „Duldung“ erneuern muss, obwohl er schon seit 13 Jahren in Deutschland lebt. Wird diese Abgelehnt, kann er sofort ausgewiesen werden. Auf der Homepage HipHopWiesbaden.de.vu wurde von befreundeten Aktivisten ein Onlinepetition eingerichtet, die den zuständigen Behörden übergeben werden sollen. Aus diesem Grund rufen wir alle unsere Leser auf, aktiv zu werden, sich in die Petition einzutragen, damit Afro-Hesse auch weiterhin ein Teil der deutschen Szene bleibt. Afro-Hesse hat wegen diesem Anlass einen Song mit dem Namen „Danke Deutschland“ aufgenommen, den es auf www.afro-hesse.de zum Download gibt. Hier beschreibt er nochmal seine aktuelle Situation und die drohende Abschiebung aus Deutschland. Stay Strong!!!

Neues von Curse Während Curse die Städte unseres Landes mit seiner Tour überwältigt, werden wir in Kürze die zweite Single aus dem Album „Innere Sicherheit“ zu hören kommen. Besser konnte man sich nicht entscheiden, denn als zweiter Song wurde „Widerstand“ feat. Gentleman ausgekoppelt und uns ab dem 19.05. erfreuen. Das Video wurde vor kurzem mit tatkräftiger Unterstützung von Tatwaffe, Dr. Ring Ding, Olli Banjo, DCS und natürlich von den Weser Allstars und Busy abgedreht. „Curse ist zurück... Curse ist zurück...!“

Optik...tik tik tik- BOOOM!!! Eko der Don ist nun soweit, um bald seine EP „König von Deutschland“ zu releasen. Aber vorher erscheint noch ein Best of Eko Fresh- Tape, das den Untertitel „Exclusives & Collabos“ trägt. Am 16.06.03 ist es dann soweit und die EP„König von Deutschland“ wird in den Läden sein. Vorab erscheint natürlich das Video mit einigen Überraschungsgästen. Auch DJ Nicon, der uns bisher immer mit hervorragenden Tapes versorgte, ruht sich nicht aus und beschert uns im Juni die Optischen Elemente Pt. II.: Also auch hier wieder: Augen und vor allem Ohren offen halten.

Creutzfeld & Jakob als Support von Herbert Grönemeyer Was fuer eine Einladung! Creutzfeld & Jakob werden Herbert Grönemeyer (!) auf dessen Deutschland-Tour begleiten und die Stadien der Republik aufwärmen. Wer dieses Gipfeltreffen live erleben moechte, kann mit etwas Glück & viel Geschwindig-

keit noch eine Grönemeyer-Eintrittskarte ergattern! Grönemeyer Tour 2003 08.05.03 Ahlen/Westf., Sportpark/Nord 10.05.03 Bochum, Ruhrstadion 11.05.03 Bremen, Weserstadion 12.05.03 Bremen, Weserstadion 16.05.03 Karlsruhe, Wildparkstadion 17.05.03 Nürnberg, Frankenstadion 18.05.03 Leipzig, Festwiese 23.05.03 Linz, Gugl Stadion 24.05.03 Wien, Ernst Happel Stadion

CODX vs. RM2 Auf der Homepage von CODX (www.codx.info) kann man sich derzeit einen Disstrack gegen Roey Marquis anhören. CODX hat viele Jahre mit Marquis zusammengearbeitet und war auch bei mehreren Labels Marquis‘ unter Vertrag. Er habe schon längere Differenzen mit Marquis gehabt, so CODX in einer Erklärung, er habe aber versucht, diese intern zu klären. Da dies nicht möglich erschien, veröffentliche er nun seine „Schmerzessenz“. Eine Antwort von Roey Marquis ist aber unwahrscheinlich; wie auch immer die hätte aussehen sollen, schließlich kann er als Beatbauer schlecht musikalisch auf den Angriff eines Rappers antworten.

Jonesmann in 50 Cents Fußstapfen Die Nordweststadt steht nicht still. Während Azad mit seinem Album grössere Erfolge feiert, lässt sich auch Jonesmann nicht lumpen und bringt mit Hilfe von Starting Lineup Records und DJ Kitsune noch vor dem Sommer in bester 50 Cent/ Diplomats-Manier eine „Best Of“ Mix-CD mit all seinen Strassenhits und MixtapeFavorites raus. Darauf finden sich dann neben den bereits bekannten „Willenlos“ (feat. Bintia), „Kern der Wunden“ auch die neuen Banger „Hateshit“, „Cashflow“ und „Schönen Guten Tag“. Seite 11


PAL ONE Representin‘ Mannheim to the fullest

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text: sherin kürten · foto: albino al One, das Ex-Orbitantikum. Was? Okay, ganz von vorne: Dies war der Titel seiner letzten Single. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bezeichnet etwas Außerordentliches. Aber was ist an diesem 23-jährigen, von Grund auf bodenständig wirkenden Typen, so ungewöhnlich? Nun ja, beispielsweise bestreitet der Mannheimer auf dem kürzlich erschienen Album „Samsara“ von Roey Marquis II. mal eben ganze drei der insgesamt 13 Featuretracks, im Alleingang. Die DJ-Ikone aus der hessischen Bankenmetropole ist seit über einem Jahr der Haus- und Hofproduzent des Rappers und versorgt ihn mit seinen bekanntlich erstklassigen Beats. Nach einer eigenen Single sowie etlichen Features, Samplerund Tapeveröffentlichungen brach im Jahre 2002 endgültig die Zeit von Pal One an. Mit zwei Tracks auf „Herzessenz“ und einer 12“ katapultierte er sich als positivste „Underground“-Überraschung des Jahres mitten ins bundesweite Rapgeschehen hinein. Am 19. Mai erscheint seine 10-Track-EP „Was wollt Ihr?“ – Einer von vielen guten Gründen, mal ein paar Worte mit dem sympathischen Herrn zu wechseln. Seit „Herzessenz“ arbeitest Du eng mit Roey Marquis II. zusammen und er hat fast alle Tracks auf Deiner neuen EP produziert. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Angefangen hat die Zusammenarbeit dadurch, dass er eines von meinen über M-Pire Records erschienenen Snippets gehört hat. Diese enthielten von Bambergern produzierte Tracks aus dem Jahr 2000. Daraufhin gab er mir - wie auch vielen anderen - auf „Battle of the Words“ die Chance, auf seine alten Beats Strophen zu schreiben und sich zu beweisen. Das nächste, was wir zusammen aufgenommen haben, war „Verstopfung“ für die „Herzessenz“-LP. An der Zusammenarbeit mit Roey Marquis schätze ich besonders die Professionalität. Die Art und Weise, wie so ein Aufnahmetag abläuft. Ich weiß, dass ich am Ende vom Tag mit einem Track rausgehen werde, der endgültig fertig ist und mit dem ich komplett zufrieden sein kann. Im Februar wurde bekannt, dass Dein bisheriger Vertrieb NTT der Vergangenheit angehört, und nun erscheint Deine EP auf dem Frankfurter Label Starting Lineup Records. Wie kam dies zustande und wie wird es in Zukunft weitergehen? NTT haben zugemacht und konnten meine EP nicht mehr rausbringen, weil sie keine Gelder mehr bekamen. Dann habe ich das Ding eben selbst in die Hand genommen: Ich habe telefoniert und mich mit Roey Marquis kurzgeschlossen, was wir für Möglichkeiten haben. Starting Lineup hatte ich neben

anderen Labels die ganze Zeit im Hinterkopf. Anfänglich sollte die EP nur auf CD herauskommen, aber jetzt wird sie auch auf Vinyl erscheinen. Dafür bin ich sehr dankbar. Wie es danach weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Man wird sehen, was die Zeit bringt. Auf der EP hast Du zwei Features. Jonesmann ist bei „The Rawness“ mit dabei und Tatwaffe hat eine Strophe zu „Joy and Pain“ beigesteuert. Wie kam es speziell zum Feature mit Tatwaffe und wie ist der Track entstanden? Tatwaffe ist für mich einer der wenigen MCs, die einen immensen Input in ihre Texten stecken. Der Typ ist Wahnsinn. Roey Marquis kennt ihn schon länger, und ich habe mit ihm über ein Feature gesprochen. Tatwaffe fand meine Sachen gut und daher hatte er gleich Lust auf eine Zusammenarbeit. Der Beat „Joy and Pain“ - stellvertretend für Gut und Böse im HipHop - stand bereits und wir haben uns im Vorfeld per eMail und Telefon kurzgeschlossen und Textinhalte abgesprochen. Das Recording hat super geklappt, der Track war schnell im Kasten. Ich bin ihm sehr dankbar für das Feature, weil er ein Künstler ist, den ich schon früher bestaunt habe. Im „Samsara“-Track „Mein Leben, meine Hoffnung, meine Träume“ gibst Du sehr private Dinge preis. Aus welchem Antrieb heraus erzählst Du soviel von Dir? Ich schreibe gerne Dinge aus meinem Leben, über meine Entwicklung, aus meiner Vergangenheit. Ich greife gerne wieder Dinge von mir auf, weil meine Texte mein kleines Tagebuch sind. Wenn ich mir Tracks aus der Zeit, in der ich 20 Jahre alt war, anhöre, bemerke ich, dass ich dort ganz andere Dinge verarbeite und andere Dinge sage als heute, wo ich drei Jahre gereift bin. Ich denke, dass ich den Leuten einfach zeigen will, wie es mir gegangen ist, welches Leben ich hatte und welche Fehler ich begangen habe. Auch was ich gut gemacht habe, was ich gelernt habe und welche Konsequenzen ich gezogen habe. Das ist genau der Input, den ich den Leuten geben will. Ich bin immer noch sehr gesellschaftskritisch, aber verbinde die Kritik ein Stück weit mehr mit meiner persönlichen Vergangenheit, mit dem, was mir widerfahren ist. Ich habe keine Probleme damit, so etwas zu erzählen. Ebenfalls auf „Samsara“ befindet sich der Titel „Faustregel“, auf dem Du sagst: „Wenn mir wirklich etwas wichtig ist, dann dass der Kram auch Seele hat“. Was macht denn für Dich einen Track aus, der Seele hat? Ein Track mit Seele ist ein Track voller Emotionen. Ein Track mit Seele ist ein Track, der hart sein kann, aber voll mit

persönlichem Inhalt und Emotionen ist, und keinesfalls mit einem Battletrack zu vergleichen ist. Im Titeltrack Deiner EP „Was wollt Ihr?“ fällt der Satz „Ihr wollt den besten und schönsten, na dann haut doch ab“. Findest Du, dass sich die deutsche Rapszene zu sehr auf Images aufbaut und dadurch zu oberflächlich ist? Nicht auf Images, sondern auf Medienpräsenz und Schickschnack. Bist Du nicht im Fernsehen, bist Du nicht berühmt und dann ist Deine Musik auch nicht gut. Aber lieber habe ich zehn Leute neben mir, die mir wirklich zuhören und verstehen, was ich sage, als zehntausend, die mich nur wollen, weil ich in irgendeiner Klamottenwerbung abgebildet bin. Denn die wollen nur das Produkt und nicht den Menschen. Lieber habe ich jemanden, der auch den Menschen in einem MC sieht. Du sprichst in „Leute“ davon, sich ein Fundament zu bauen. Was ist denn Dein Fundament? Mein Fundament ist Mannheim. Die MCs in Mannheim, die sich mit mir unterhalten und mir das Gefühl geben, dass es ihnen gut tut, mit mir zusammen zu arbeiten oder sich mit mir zu unterhalten. Mein Fundament sind die Leute um mich rum, meine Freunde, denen ich alles erzählen kann. Was würdest Du denn gerne noch in Angriff nehmen, wohin würdest Du Dich gerne noch entwickeln? Auf jeden Fall würde ich liebend gerne eine LP herausbringen. Mir mal richtig Gedanken dazu machen und einfach mal zehn, zwölf geile Tracks aufnehmen und die dann professionell auf einer LP raushauen - da will ich hin. Wenn ich meine erste LP raus habe und mal wirklich sehe, wie das alles abläuft, wird sich auch zeigen, was das Fundament, das ich aufgebaut habe, wirklich aushält. Wo ich noch hin will? Ich weiß es nicht, und ich habe auch gemerkt, dass man sich über solche Sachen überhaupt keine Gedanken machen soll und besser einfach alles auf sich zukommen lässt. Noch ein paar Worte von Dir zum Schluss? Ich will etwas dazu sagen, dass man HipHop als tot oder ausgestorben ansieht: Ich bin stolz darauf, dass HipHop in den Medien nicht mehr so präsent ist wie noch vor zwölf Monaten. Und ich möchte den Leuten als Schlusswort mitgeben, dass man sich mit Deutschland identifizieren sollte und dass Deutschrap doch wirklich ein eigenes Karma und genug eigene Ärsche mit sich bringt, um etwas aufzubauen. Man sollte sich wirklich mehr um deutschen HipHop kümmern und den ganzen Ami-Blabla nicht soviel Wert beimessen.

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RHEINKULTUR Da sag‘ mal einer, am Rhein ginge nichts...

A

ls Hip-Hop noch in den Kinderschuhen steckte, fanden die Aktivitäten draußen auf der Straße statt. Man brauchte keine finanziellen Mittel, um daran teilzunehmen, und genau diese Tatsache half Hip-Hop zu seinem weltweiten Siegeszug. Vor allem in Bezug auf Konzerte und Parties hat sich dies bis heute allerdings in negativer Weise geändert. Die „Rheinkultur“ bildet hierbei die Ausnahme. Dieses große Festival findet am 28.6. zum einundzwanzigsten mal statt und ist komplett kostenlos. Unter dem Motto „UMSONST & DRAUSSEN“ wird es auf drei verschiedenen Bühnen neben Rock, Pop, Jazz, Techno und Drum&Bass auch wieder eine große Hip-Hop Bühne namens „RhEINHIPHOP“ geben. Für die Organisation dieser Hip-Hop Bühne ist Diaspo Entertaiment zuständig, bestehend aus Sniper, Dako und dessen Frau Joanna da Costa. Sniper und Dako bilden außerdem die Rap-Crew Diaspora, die vor kurzem in Eigenregie der EP „Voila la Diaspora“ veröffentlichte und in jüngster Vergangenheit auf verschiedenen Samplern zu hören war. Bis zum letzten Jahr arbeiteten die drei unter der Leitung des Verein Bonner Rockmusiker e.V., der Anfang diesen Jahres leider Insolvenz anmelden musste. So wird sich in diesem Jahr bezogen auf die Struktur und Organisation des Festivals und der HipHop Bühne einiges

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ändern. „Die Rheinkultur hat sich vor einigen Monaten in eine GmbH umgewandelt. Zu Beginn unserer Planungen war daher zunächst noch vieles unklar, doch inzwischen sind wir mit unserer Arbeit für die Hip-Hop Bühne sehr weit fortgeschritten“, berichtet Sniper. So arbeitet das Diaspo-Team weitestgehend autonom. Die Homepage Rheinhiphop.com wird genau wie das Line-Up von den Diaspo-Jungs selbst gestaltet. Die anderen Bühnen werden von der Rheinkultur GmbH organisiert. Alle Beteiligten planen unter der Leitung der BNPD, wobei Sniper, Dako und Joanna bereits seit letztem Oktober ihre Organisationsarbeit aufgenommen haben. Die wirtschaftlich derzeit mehr als angespannte Situation erschwert sowohl die Arbeit der Rheinkultur GmbH als auch die der Bonner Hip-Hopper. „2002 ein Festival ohne die Einnahmen durch Eintrittsgelder auf die Beine zu stellen, war wirklich schon extrem schwer und hat uns sehr viel Arbeit gekostet. Dieses Jahr ist es jedoch doppelt so hart. Jeder muss sparen, wir haben viel weniger Geld zur Verfügung. Dabei sind gerade die Vorschüsse für ein Projekt dieser Art sehr wichtig. Wir müssen jetzt selbst wirtschaften. Es ist dieses Jahr wirklich sehr knapp.“ Trotz der geringen finanziellen Mittel hat das Diaspo Team es jedoch geschafft, auch dieses mal ein eindrucksvolles Line-Up auf die Beine zu

stellen. „Dieses Jahr wird die sich HipHop Bühne größer und internationaler präsentieren. Es werden Künstler aus vielen verschiedenen Ländern auftreten. Vor allem aus Frankreich werden dieses Jahr namhafte Leute am Start sein. Neben Busta Flex werden wir ein Allstar-Team vom Label „45 Scientific“ da haben, dem größte Independent-Label Frankreichs. Group Home werden aus den USA anreisen, und auch die Narcissists aus Schweden werden auf der RhEINHIPHOP Bühne ihre Skills zum Besten geben. Natürlich sind auch viele deutsche Künstler dabei: Team Eimsbush, Olli Banjo, die Underdog Crew aus Rostock, Meli und viele andere mehr“, erklärt Snipe. Eine gesunde Mischung aus festen Größen der ansässigen Szene und Nachwuchskünstlern ist den Organisatoren des Festivals sehr wichtig. So werden viele junge Künstler aus dem Bonner Umland als auch aus dem Rest Deutschlands sich auf der Bühne präsentieren können. „Wir möchten den jungen, aus dem Underground kommenden Talenten eine Chance geben, sich vor einem größeren Publikum präsentieren zu können. Viele der jungen Künstler bekommen sonst ja kaum eine Möglichkeit, auf einer großen Bühne zu stehen.“ Eine weitere Neuheit in diesem Jahr ist die Zusammenarbeit mit dem Hip-Hop Portal „Webbeatz“ (www.webbeatz.de). Auf deren Website wird zu einem Wettbewerb aufgerufen,


text: julien wolff · fotos: www.rheinkultur.com

dessen Gewinner auf der RhEINHIPHOP Bühne auftreten wird. Wenn man sich die Probleme bei der gesamten Organisation einmal vor Augen hält, stellt man sich schnell die Frage, wie man es trotz des geringen Etats schafft, 22 Künstler für das Hip-Hop Festival zu verpflichten. „Wir nutzen viele unterschiedliche Möglichkeiten, ein cooles Line-Up auf die Beine zu stellen“, antwortet Sniper. “Teilweise kommen Leute auf uns zu, die von der Sache gehört haben und gerne auftreten möchte. Viele Leute verweisen auf Freunde, die rappen und die wir mal auschecken sollten. Wenn diese Leute unseren qualitativen Ansprüchen standhalten, nehmen wir sie in unser Programm auf. Außerdem haben wir ja auch noch unseren eigenen Geschmack und kontaktieren MC´s, die wir respektieren, deren Musik wir sehr schätzen. Des weiteren bringt VIVA einige Künstler an den Start.“ Rap ist jedoch nur ein Element der Hip-Hop Kultur. Alle vier Elemente zu repräsentieren liegt dem Diaspo Team sehr am Herzen. „Ich bin mit Breakdance aufgewachsen, war viele Jahre ein BBoy. Ich wusste als Jugendlicher lange Zeit gar nicht, dass Breakdance ein Teil von Hip-Hop ist. Im Prinzip war ich also Teil von Hip-Hop, bevor ich mir dessen überhaupt bewusst wurde. Insofern ist es uns natürlich sehr wichtig, alle vier Elemente dabei zu haben“, erklärt Dako. In diesem Jahr wird die Musik mit dem Sport verbunden. Es wird direkt neben

der Hip-Hop Bühne ein Streetball-Turnier sowie Skateboard- und Mountainboard Aktionen geben. Des weiteren werden fünfzehn Writer den ganzen Tag über auf diversen Leinwänden Pieces malen, die am Abend dann dem Publikum präsentiert werden. Sniper, Dako und Joanna möchten den Leuten ein richtiges Hip-Hop Wochenende bieten. „Bereits am Freitag Abend wird es eine Pre-Party geben, am Samstag nach dem Showteil eine After-Party mit vielen B-Boys. Wir versuchen, den Leuten soviel zu bieten wie möglich. Schließlich organisieren wir eines der größten Festivals in Deutschland.“ Parallel zu der Organisation der HipHop Bühne sind die beiden MC´s auch musikalisch sehr aktiv. In absehbarer Zukunft werden sie ein neues Werk veröffentlichen, wobei es noch nicht ganz klar ist, ob es sich um eine EP oder LP handeln wird. Außerdem werden sie bald auf verschiedenen Mixtapes zu hören sein. Sniper hat hierbei genau wie Dako hohe Ansprüche an sich selbst: „Unser Ziel ist es, unser hohes musikalisches Niveau zu halten und noch ein Stück höher zu setzten. Viele Menschen benutzen Rap als Spielzeug, rappen, obwohl sie nichts zu sagen haben. Uns ist Hip-Hop aber zu wichtig, um damit zu spielen. Unsere Musik soll independent und aussagekräftig bleiben. Wenn Rap inhaltslos wird, keine Botschaft mehr vermittelt, dann wird diese Musik irgendwann aussterben.“

Diaspora selbst wird auch einen Auftritt auf der Hip-Hop Bühne haben, die auch dieses Jahr wieder von Mixery Raw Deluxe, Rap.de, Eastpak und vielen mehr gesponsert wird. Sniper, Dako und Joanna nehmen zur Zeit dennoch viele Strapazen in Kauf. Der finanzielle Aspekt spielt bei ihrer Arbeit dennoch eine untergeordnete Rolle. „Wir investieren sehr viel Zeit, Arbeit und Schweiß in diese Sache, und es ist wirklich nicht leicht. Wir haben für unser Programm mit 22 Künstler lediglich zwölf Stunden Bühnenzeit. Aber wir sind Menschen, die nie aufgeben und wir werden immer weiter arbeiten. Wir in Deutschland können froh sein, dass Hip-Hop hier nicht so sehr mit Gewalt verbunden ist wie beispielsweise in Frankreich. Es geht schließlich darum, HipHop ein Stück weiter zu bringen.“ Bleibt zu hoffen, das auch 2003 wieder viele Leute die RhEINHIPHOP Bühne besuchen werden und somit die harte Arbeit des Diaspo Teams würdigen. Die Organisatoren verkörpern den HipHop Gedanken schließlich in vollem Masse und ihre Arbeit steht vor allem im Zeichen der Community. Hip-Hop hat immer schon von Menschen gelebt, die aus Liebe zur Sache viel opfern. Sie sind es, die dafür sorgen, dass sich unsere Kultur in die richtige Richtung weiterentwickelt. Für weitere Infos checkt: www.rheinkultur.com

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Der Kreis schliesst sich

ROEY MARQUIS II. W

enn man ein Interview mit Roey Marquis II führt, weiß man schon im Vorfeld, es wird ein entspanntes und ehrliches Interview. Die Ruhe und Ausgeglichenheit dieses Mannes springt innerhalb von wenigen Minuten auf jemanden über. Wenn man an einem sonnigen Tag in einem wunderschönem, chinesischen Park sitzt, die Enten seelenruhig auf dem kleinen See schwimmen, man die Vögel zwitschern hört und ältere Männer sich gegenüber sitzen und Schach spielen, ist genau der richtige Zeitpunkt gekommen um ein Interview zu führen und den Weisheiten von Roey Marquis II zu lauschen. Das neueste Werk dieses guten Mannes heißt „Samsara“. Wieder ein außergewöhnlicher Name, so wie wir es gewohnt sind, wenn man an „Ming“ und „Herzessenz“ zurück denkt. „Samsara bedeutet der Kreislauf des Lebens, aber da gibt es noch Unterteilungen. Im Buddhistischen heißt es „Sambuke“, im Deutschen hat das was mit Reinkarnation zu tun, also mit Geburt, Tod, Wiedergeburt,

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text: sherin kürten · foto: buback verbunden mit all den Leiden und Schmerzen im Leben. Nirwana wäre ja die Auflösung von Samsara, deshalb spiegelt es auch ein wenig wieder, dass ich mich noch nicht aufgelöst habe.“ Und das kann man laut sagen, denn mit Samsara wird uns wieder ein hervorragendes Werk beschert. Doch eine Sache ist anders: Das Album wird nicht auf dem bisherigen Label BMG veröffentlicht. Im Zuge der ganzen Umstrukturierung von BMG Deutschland hat die Filiale Köln die Auflage bekommen, dass sie keinen Hip-Hop mehr veröffentlichen sollen. Für Roey Marquis II ist das allerdings kein Grund, seine künstlerischen Fähigkeiten in Frage zu stellen oder in ein Loch zu fallen. Er hat uns schon oft bewiesen, dass er es kann und zeigt es auch diesmal. Er sieht sich an einem Punkt, an dem er bisher noch nicht war, denn die Erfahrungen, die er bisher sammeln konnte, sind für sein Tun unersetzbar geworden. Auch ohne Label lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen, warum auch?! „Oberflächlich gesehen kann man vielleicht sagen, dass es ohne Major sehr schwer ist, seine Sachen zu veröffentlichen. Aber das ist kompletter Schwachsinn, denn es geht auch ohne. Der einzige Unterschied ist, dass es keinen Vorschuss gibt.“ Trotzdem werden sicherlich Leute auf die Idee kommen zu behaupten, dass Roey Marquis wieder einen Schritt zurückgeht, wenn er zum Eigenvertrieb zurückkehrt. Doch den Leuten kann getrost gesagt werden: Es kann kein Schritt zurück sein. Die, die das sagen, verstehen seine Musik und sein Leben nicht. „Ich habe damit angefangen, aus dem Auto heraus zu verkaufen und für mich bedeutet das so etwas wie ein Testlauf. Jetzt gehe ich dahin wieder zurück, weil alles andere in dem Sinne für mich nicht mehr funktioniert. Mit der neuen Struktur und den Erfahrungen die ich gemacht habe, möchte ich schauen, ob sich die Musik trotzdem durchsetzt. Das hat alles was mit Veränderung und Bewegung zu tun. Ich bewege mich.. das schöne an der ganzen Sache ist, dass ich keinen Druck habe. Wir fangen erst einmal mit einer kleinen Auflage an und werden sehen, wie es läuft. Es muss nicht in die Charts kommen oder sonstiges. „Samsara“ sollte als Gesamtprojekt präsentiert werden, das war mir wichtig.“ MZEE wird über ihren Mailorder den Direktvertrieb übernehmen. Dort könnt Ihr vielleicht noch eine Scheibe ergattern, wenn Ihr schnell seid. Des weiteren werden nur ausgewählte Mailorder das gute Stück in ihren Verkauf bekommen. Aber es gibt noch einen anderen Weg an das Album zu kommen, denn auf der zur Zeit laufenden Tour von Curse

wird es einen Merchandise-Stand geben. Kein geringerer als Roey Marquis selbst wird dort seine Platte verkaufen, denn selbst ist der Mann... Natürlich wird er auch dort im Vorprogramm seine Platten drehen und Italo Reno und Germany mit seinem Können unterstützen. „Ich werde mich meiner Aufgabe widmen präsent zu sein und meine Sachen zu verkaufen. Ich habe auch noch andere Sachen dabei, aber da sollen sich die Leute mal überraschen lassen.“ Der Weg, den er geht, ist vielleicht ein finanziell schwieriger Weg, aber die Frage ist doch, wird die Musik dadurch schlechter oder besser, wenn er mehr Geld hat? „Ich habe mir diese Frage auch gestellt und es ist heraus gekommen, das dem nicht so ist. Wer von den Hip-Hop Konsumenten hört denn bitte, ob es in New York gemixt ist oder in England oder hier? Wenn die Leute das hören würden, dann hätten sie sicher gehört, dass „Pickel“ in New York gemixt worden ist oder „Tschukka“ etc. Es ist eher eine Sache des Künstlers, wie hoch man seine Ansprüche setzt. „Momentaufnahmen 1“ wurde mit Super Low Budget produziert. Ich hatte nichts an Equipment und habe genau so viel verkauft, wie von der „Momentaufnahme 2“, die ich mit wesentlich mehr Aufwand produziert habe. Das einzige was Du treffen musst, ist das Gefühl. Wu Tang ist auch ein Beispiel, das erste Album klingt wie Grotte, aber wenn Du den Nerv der Leute triffst, ist es unrelevant wo und in welchem Umfang du produzierst. New York hat mir sehr viel an Erfahrung gebracht, aber sonst nichts. Es ist hier nicht wie in Frankreich oder in den USA, wo Tontechnik so wichtig ist, und das musste ich auch erst einmal in meinen Kopf kriegen.“ Welchem Künstler bringt es auch etwas, wenn er 3000 € für eine teure Produktion in New York oder sonst wo ausgibt, aber der Markt in Deutschland nicht soviel wieder hergibt. Manche angeblichen Heads halten es für unausweichlich, sich die Alben lieber zu brennen oder runterzuladen. Dass die Kosten der Herstellung damit aber nicht gedeckt werden können, bedenken nur wenige. Aber zurück zum eigentlichen Thema. Wenn man sich Album für Album durchhört, kann man leicht erahnen in welchem Gemütszustand er sich während der Entstehungsphase befand. Während Ming eher von Trauer und Trübheit besäht war, fand man in „Herzessenz“ alles an Gefühlen, die man Tag für Tag erlebt, Trauer, Hass und Freude. Bei „Samsara“ überwiegt deutlich der innere Frieden. „Bei „Ming“ ging es um meine Positionierung von außen, da war es eher- was mache ich da eigentlich? Bei „Herzessenz“ ging es ums Herz und bei

„Samsara“ um die Seele. Das sind ja auch die drei Faktoren, die ein Leben ausmachen. „Samsara“ ist Seelenfriedennicht mehr, nicht weniger- wie man das jetzt interpretiert, überlasse ich dem Hörer. Ich denke, dass ich sehr viel von mir preisgebe. Ich mache kein Video, keine Single, keine Poster, ich gebe nicht so viele Interviews, sondern ich will die Musik sprechen und das durch meine Person reflektieren lassen. Sicherlich gibt ein paar Tracks mit Singlecharakter, aber dann wäre ich wieder in diesem Mechanismus drin, was ich ja vermeiden wollte. Und das wäre eher ein Schritt zurück.“ „Samsara“ wirkt wie ein Abschluss, eine Verabschiedung des Roey Marquis, wie wir ihn bei diesen Alben kennen gelernt haben. Und so scheint es auch wirklich gemeint zu sein. Man kann alle drei Alben als eine Trilogie bezeichnen. Mit „Samsara“ schließt sich der Kreis, und das beendet das Projekt Roey Marquis mit Künstlern, die gefeatured werden. Um der Panik vorzubeugen: Man kann auf neue Projekte des Produzenten hoffen. Die Produktion ist, wie bei allen bisherigen Sachen, natürlich von Roey Marquis II durchgeführt worden. Beim Abmischen bekam er Unterstützung von Toolhouse, mit dem er schon seit zwölf Jahren zusammenarbeitet. Neben hochrangigen Namen wie Curse, Tatwaffe und DCS wird aber auch wieder anderen Künstlern eine Plattform gegeben und man findet interessante Kollaborationen. Jonesmann ist einmal mit Sezai und ein anderes Mal mit Vidigal vertreten, und auch Jeyz & Instinkt und Profan78 & Lunafrow überzeugen mit ihren außergewöhnlichen Stylez. Natürlich durfte auch Pal One nicht fehlen, der insgesamt dreimal vertreten ist. Ein weiterer Künstler, von dem man in Zukunft bestimmt auch noch häufiger hören wird, ist Abstrakkt, der mit dem Track “Formen“ zu hören sein wird. „Samsara“ entstand nach der „freudigen Botschaft“ vom Label nur aus einem Grund: „Ich wusste, dass ich es machen musste. Ich wusste zwar nicht warum, das hat sich erst mit der Zeit heraus kristallisiert und da kam erst der Name dazu. Das war bei allen bisherigen Sachen so. Ich wusste, mit dem Album stirbst Du, symbolisch gesehen. Es war im Vorfeld nicht geplant zusammenhängende Alben zu machen. Die Auswahl der Künstler war wieder absolut spontan. Dass alles am Ende passt, war nicht klar, doch lässt es mich natürlich schmunzeln, dass es so gekommen ist. Ein Album in dieser Form wird es nicht mehr geben. Aber Musik kommt sicherlich. Dann habe ich ja auch noch einige Künstler, wie Pal One, Jonesmann und Profan. Pal One wird zum Beispiel seine EP über Starting Lineup veröffentlichen, und es gibt noch viele Sachen, auf die die Zukunft wartet.“ Seite 17


text: sherin kürten · fotos: lidija delovska

FRENCH CONNECTION Ein einmaliges Projekt in der Geschichte des Hip-Hop

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s ist schon ein Weilchen her, dass der „French Connection“ Sampler angekündigt wurde. Im Juni steht das gute Stück endlich in den Verkaufsregalen, und wir trafen Strachi von Kopfnicker Records bzw. 0711 Entertainment in Stuttgart, um mit ihm über den Sampler, französisch-deutsche Freundschaft, über die Jugend und die Kultur beider Länder zu sprechen. Die neuesten Entwicklungen lest ihr hier. Lange haben wir auf die ersten größeren Schritte warten müssen, bis sich RapFrankreich und Rap-Deutschland mehr aufeinander zu bewegen. Kopfnicker Records bringt nun ein spannendes Konzept, das sich mit der Hip-Hop„Vereinigung“ von Frankreich und Deutschland befasst. Das Album „French Connection“ ist eine Zusammenstellung von bekannten und weniger bekannten französischen sowie deutschen Rap-Künstlern, u.a. vertreten sind Acts wie Shurik´n, Faf Larage, Double Pact, Freeman, K.Rhyme Le Roi, Tefla & Jaleel, Massive Töne, Afrob, Gentleman, D-Flame, Spax, Main Concept, etc. Für die Produktion wurden seitens Kopfnicker Records weder Kosten noch Mühen gescheut. „Freundschaften sollten entstehen, längerfristige Kollaborationen sollten möglich werden. Nur gemischtsprachige Stücke wollten wir produzieren. Immer eine französische Band mit einer deutschen. Sensibilisierung für die andere Sprache. Ein eigener „Vibe“ sollte bei jedem Song im Studio entstehen. Deswegen war es wichtig, dass das Projekt kein reines Hinund Hergeschicke von DAT-Bändern würde, sondern dass die jeweiligen

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Künstler immer zusammentrafen. Aus diesem Grund war das ganze Projekt sehr umfangreich. Aber der Aufwand hat sich gelohnt und es sind auch einige französisch-deutsche Freundschaften entstanden und der Vibe stimmt einfach“, erklärt Strachi die Produktion, Organisation und Realisation des French Connection Projekts. Deutschland und Frankreich haben mittlerweile nicht nur eine gemeinsame Währung. Beide Länder sprechen auch eine gemeinsame Sprache. Die Sprache der Jugend, die Sprache des Hip-Hop. „Wir möchten ein langfristigeres Projekt mit dem FrenchConnection-Album einläuten. Auch die Thematik ist uns sehr wichtig, dass sich junge Menschen aus Frankreich und Deutschland zusammenfinden, um so ein Projekt auf die Beine zu stellen. Das ist auch die Stärke des Albums“, erläutert Strachi. Neben dem Album wird es eine begleitende DVD und ein Buch von Sascha Verlan geben. „Unser Ziel ist es, das gesammelte Material in einer Dokumentation zusammen zu fassen: Ausführliche Interviews, die Geschichte über die Entwicklung der Szene in beiden Ländern, jede Menge dokumentierendes Bildmaterial und Videoaufzeichnungen der geführten Interviews mit allen beteiligten Künstlern sowie weiteres Aufzeichnungsmaterial, das über die Entwicklung der einzelnen Acts berichtet. All das bietet eine ausgezeichnete Grundlage für ein solches Medium. Das gesammelte Material auf eine DVD oder CD-Rom gepackt, ist nicht nur für Fans und Musikliebhaber von großen ideellen

Wert. Presse und Medien können sich dessen bedienen. Das ganze soll in etwa gleichzeitig mit dem Album Anfang Juni erhältlich sein“, erklärt Strachi. Ein interessantes Projekt, mit dem man sich auf jeden Fall einmal beschäftigen sollte. Da von einer engen Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland auf kultureller Ebene bisher nicht die Rede sein kann, sind es gerade solche Projekte, die die beiden Länder näher zusammenbringen können. Das komplette Projekt ist nicht einfach nur eine CD bzw. ein Album, das hauptsächlich dazu dienen soll, hohe Verkaufszahlen einzufahren. Nein, es geht den Verantwortlichen und auch den Künstlern wirklich primär darum, die französisch-deutschen Beziehungen zu verbessern, einen Austausch auf kultureller Ebene stattfinden zu lassen und dem jeweiligen anderen Land Verständnis für die jeweils andere Sprache nahe zu bringen. Man merkt, dass die Sache mit ganzem Hip-HopHerz gemacht wurde. Dafür spricht auch die Tatsache, dass das Projekt von der Planung über die Organisation und Produktion bis hin zur letztendlichen Veröffentlichung recht viel Zeit in Anspruch nahm und auch kleinere Schwierigkeiten und Terminprobleme einzelner Künstler mit sich brachte. Abschließend bleibt zu sagen, dass die Compilation „French Connection“ ein gut gelungenes Werk ist und wir gemeinsam mit Frankreich stolz darauf sein können solche Projekte umsetzen zu können. Für die Zukunft wünschen wir uns alle mehr solcher landesübegreifenden Projekte.


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Spätestens jetzt ist Oldenburg ist auf der Hip-Hop-Landkarte

Wie würdest Du Dich in wenigen Sätzen beschreiben? Durch & durch musikbesessen. Gib mir zwei Turntables & einen Mixer und ich beschreib mich ausführlicher. Was macht einen guten DJ aus? Ich denke ein guter DJ sollte in erster Linie gnadenlos eigen sein: Das Repertoire an Scratch- Mixing oder Jugglingtechniken ist ab einem gewissen Level, bei den meisten DJ´s, doch eigentlich ähnlich. Für mich kommt es darauf an, seinen eigenen Style in die Technik mit einzubringen: Was nützt der schnellste Dreiklick- Flare, wenn da nichts an Seele & Groove drinsteckt? Zudem sollte sich ein guter DJ in verschiedensten Bereichen des DJing zuhause fühlen. Die meisten Typen, die sich „Turntablist“ nennen, können nicht die Bohne einen MC auf der Bühne supporten, geschweige denn auf einer Party die Crowd mit freshen Mixes oder einer guten Selection rocken. Wie auch? Viele von denen haben eh nur Scratchplatten im Schrank stehen. Ein guter DJ ist ein Allround- Talent. Abgesehen davon bin ich an DJs, die sich auf die rein technische Seite der Sache konzentrieren, nicht für ´ne Mark interessiert. Du nennst Dich DJ Real, was ist real für Dich? Real zu sein heißt für mich, mein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen und Ansichten zu gestalten, ohne darauf zu achten, was Außenstehende davon halten. Meinen Wurzeln, sprich meiner Familie, meinen Freunden und meinen Überzeugungen treu zu bleiben. Musik zu machen, die nicht auf den Vorstellungen oder Geschmäckern anderer basiert, sondern einzig und allein meinen künstlerischen Anspruch erfüllt. Wieso wird im Hip-Hop Egoismus so groß geschrieben? Egoismus wird sicher nicht nur im Hip-Hop groß geschrieben. Ich denke, er begegnet einem vielmehr auch ständig im täglichen Leben, darum ist er auch ein Teil unserer Kultur. Abgesehen davon ist ein gesunder Egoismus an der richtigen Stelle ganz normal glaube ich. Ich denke, das hat sicher auch etwas damit zu tun, das im Hip-Hop Pseudonyme geschaffen werden. Namen, die mit dem eigentlichen Menschen meist wenig zu tun haben. Posen und sich selbst in den Vordergrund stellen hat doch fast schon Tradition im Hip-Hop Biz. Seit die MC´s vor den DJ´s auf den Flyern stehen

THE REAL DJ REAL

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he real DJ Real ist einer, dieser DJs, die sich im Underground durch seine harte Arbeit, bereits einen großen Namen machen konnte. Er kommt aus Oldenburg und versorgt die Menschheit mit Mixes. Trotzdem konnte man bisher eher wenig über den Herrn lesen. Das ändert sich hiermit. Auch auf unserem Sampler ist er mit dem Track „Bushfeuer“ vertreten, in dem er seine Meinung zu dem Gesehenen wiedergibt. Doch zunächst erst einmal das Interview...


text: ralf nehe · foto: the real dj real sowieso. Wieso macht fast keiner mehr Rap mit Aussage, gegen unsere Politik, gegen Faschos...??? Ich glaube, es gibt schon noch Artists, die das tun. Mittlerweile sind es sicher sehr wenige, gerade in Deutschland, vielleicht hat aber auch das etwas mit dem Egoismusding zu tun. Kennst Du auch nur einen Künstler, der es mit ernsthaften, kritischen Themen zum MultiplatinumArtist gebracht hat? Genau da wollen aber viele Künstler hin... Die meisten MC´s heutzutage sind wie ein durchschnittlicher Kinofilm: Ein bisschen seichte Unterhaltung ohne großartig den Kopf anstrengen zu müssen. Darum sind sie auch so erfolgreich. Ein Großteil der Menschen will doch überhaupt nicht hören bzw. sehen wie es wirklich ist. Man sagt, dass Graffiti bzw. Bboying die wahren Elemente sind, da diese sich in gesundheitliche Gefahr bringen, was sagst Du dazu? Dazu kann ich nur sagen, das ich vor Writern & Bboys großen Respekt habe, da sie Risiken in Kauf nehmen, die wir als „Musiker“ nicht in Kauf nehmen müssen. Außerdem verdienen gerade die Writer meinen uneingeschränkten Respekt, da einige von ihnen seit Jahren im Untergrund aktiv sind. Sie steigern stetig ihr Niveau, ohne dafür auch nur einen kleinen Teil der Aufmerksamkeit zu bekommen, wie beispielsweise manch ein MC oder DJ, der durch seine Platten oder Videos in der Öffentlichkeit steht und Props einkassiert, die er so vielleicht gar nicht verdient hat. An dieser Stelle Peace & Respekt an JYM129, BBOY DELLES& BBOY RISK ONE!!! Würdest Du Deine Plattensammlung verkaufen, wenn Du damit einem Freund das Leben retten könntest? Ich sag mal so: Keiner von meinen Freunden würde so was jemals von mir verlangen, weil sie genau wissen, wie viel mir meine Platten bedeuten. Sie gehören zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben! Wenn es hart auf hart kommt, würde ich aber selbst das für einen Freund oder eine Freundin tun. Meine Jungs und Mädels sind für mich durch nichts zu ersetzen. Gibt es ein Oldenburgsyndrom? Was für Oldenburg sicher typisch ist. Dass alle Jungs, mit denen ich hier zu tun habe, irgendwie auf den alten Bboy Vibe abfahren. Keiner von „uns“ steht auf diesen ganzen Bling Bling Quatsch und das ganze Posergehabe. Es gibt eine Menge Jungs in Oldenburg die in mehreren Bereichen der Kultur aktiv sind. Einige von meinen „City Slickas“ sind MC´s und malen oder scratchen nebenbei, andere sind DJ´s und rappen noch dazu, wie ich selbst auch, wieder andere haben über das Bboying ihren Weg zum Malen gefunden. Was mich und meinen Homie Senzke betrifft, haben wir live immer großen Wert darauf gelegt, dass die Leute eine Menge Freestyle zu

hören bekommen. Gleich bei uns allen ist, dass wir HipHop als Kultur aus vier Elementen verstehen und nicht etwa nur aus einem namens Rap! Auf dem Grabstein der Erde könnte stehen: Jeder wollte nur das Beste für sich? Es wird keinen Grabstein geben. Arschlöcher wie George W. Bush arbeiten ja zielstrebig darauf hin, das nicht viel übrigbleiben wird, wenn es denn mal soweit ist... „The last days is here, that´s for sure“ (Zion I) Welche Herangehensweise hast Du bei Beats? Manchmal finde ich eine freshe Drumloop, dann schneide ich erst die Drums, ein anderes Mal ist es ein Sample, ein Soundpiece oder auch ein Vocalpart, den ich zuerst finde und dann bearbeite. Wenn ich mal keinen Bock auf Samples hab, mach ich mir ein Drumset in der MPC fertig, und spiel dann selbst live ein, wozu ich gerade Lust hab. Manche Tracks sind komplett samplebasiert, manche komplett live eingespielt, wieder andere sind ein Mix aus beidem. Sich auf irgendeine Arbeitsweise festzulegen hieße, in meiner Entwicklung stehen zu bleiben. Bester Rapper ever??? Gegenfrage: Bester Rapper oder bester MC? Ich denke die für mich besten MC´s sind die Jungs aus meinem Umfeld: „ Senzke“, „Westa“, „G-Shok“. Wie kann ich hier irgendjemandem den ich noch nie im Leben getroffen habe Props geben? Hinter den Jungs die ich genannt habe, kann ich auch menschlich 100%ig stehen. Das ist mir das allerwichtigste. Welche Platten samplest Du grundsätzlich? Ich sample eigentlich fast alles, was ich an guter Musik in die Finger bekomme. Auch dabei möchte ich mich nicht festlegen. Viele Produzenten denken scheinbar, das man nur aus 70er Jahre Funk und Soulhits als Basis gute Rapmusik machen kann. Ich denke das ist Bullshit! Wenn man sich ein bisschen mit den Samples aktueller oder älterer Rapscheiben auseinandersetzt, stellt man schnell fest das auch eine Menge andere gute Musik ihren Weg in die Rapmucke gefunden hat. Hauptsache, ich kann die Musik fühlen. Ist DJ Real realer als the real DJ Real??? Das sollen andere entscheiden. Ich denke aber die Antwort steckt in meinem Namen. Der ist im Übrigen nicht auf meinem, sondern auf dem Mist von meinem Homeboy Mirko Machine gewachsen. Ich habe auf diese Diskussion sowieso schon lange keinen Bock mehr, ich finde das ist Kindergeburtstag! Ich habe DJ Real alias Marcus Winter 2000, als ich mit Mirko & Spax in Regensburg auf Tour war, ein Battle um den Namen vorgeschlagen, er hat das abgelehnt. Damit ist die Sache für mich klar!

Wenn Du einen Auftritt hast, willst Du das die Leute herumspringen, oder willst Du ihnen anspruchsvolle Sachen zeigen, oder ist das gar ein Wiederspruch??? Es ist echt schwer die Leute mit anspruchsvollen Sachen zu rocken. Egal wo man hinkommt, das meist junge Publikum will halt gerade die Sachen hören die man von VIVA oder MTV kennt. Die Künstler, deren Videos auf heavy Rotation laufen, sind auch bei uns DJ´s am gefragtesten. Schade ist das! Das liegt aber auch daran, wie Mirko in einem seiner letzten Interviews ganz treffend gesagt hat, dass die Kids zuviel in die Glotze gucken! Einen eigenen Geschmack entwickeln ist bei den Meisten scheinbar nicht angesagt?! Ich lege trotzdem weiterhin auch die Scheiben auf, die wahrscheinlich nur ein kleiner Teil des Publikums kennt. Was nicht heißt, das ich nicht auch die klassischen „Raphits“ im Gepäck habe. Was willst Du in Zukunft mit Deinem Deejaying erreichen? Ich möchte in erster Linie glücklich und zufrieden mit mir selbst und mit dem was ich tue sein. Ich habe einen hohen Anspruch an mich und meine Musik, wenn ich den erfüllen kann, habe ich schon eine Menge erreicht! In Zukunft möchte ich soviel wie möglich auflegen und noch mehr Energie in mein Label „Infrarohd Prod.“ stecken, um in Zukunft auch größere Auflagen als 1000 oder 2000 Platten bzw. Tapes produzieren zu können. Natürlich will ich auch weiterhin von meiner Musik leben können, was nicht heißt, dass ich damit reich werden will, aber: „Everybody need a little Food in the Kitchen“ (Masta Ace). Mein oberstes Ziel ist es aber noch immer, kontinuierlich besser zu werden in dem was ich tue. Ich möchte mit jedem neuen Song den ich produziere, und mit jedem neuen Scratch den ich lerne einen Schritt weiterkommen. Perfektion gilt es, meiner Meinung nach, dabei nicht zu erreichen, aber nah dran zu kommen ist schon ein Auftrag! Was steht bei Dir sonst so an?? Ich bin gerade mit einigen Tracks für meinen Homeboy Westa& seinem DJ Tik Tracy (N-Tight) fertig geworden, dann arbeite ich noch an den Beats& Scratches für die LP der „Zombie Squad“ aus Groningen. MC- technisch stehen 2003 sowieso noch einige andere interessante Features an. Abgesehen davon, produziere ich nebenbei noch eine Menge Soulmusik und hole mir durch diese Soultracks ein bisschen Abwechslung in meinen, von Rapmusik geprägten, Alltag. Wenn dann noch Zeit bleibt, nutze ich sie, indem ich mit meinen Jungs an meinen Freestyleskillz arbeite oder schreibe Lyrics auf meine Beats. Übrigens: Für Booking und Info checkt: www.source-entertainment.com oder schreibt mir direkt eine Mail an: therealdjreal@web.de... PEACE!!! Seite 21


text: sherin kürten · foto: flo maucher

DIGGER DANCE Wat is? Tanz, Digger, Tanz!!!

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s gibt gerade in Deutschland das Phänomen, jeden und alles mit anderen Dingen vergleichen zu müssen – doch eins ist wohl klar: BLow´s Rapstyles oder Tobby Digg´s Art Beats zu basteln oder zu produzieren, kann man mit nichts auf dieser Welt vergleichen. Gerade bei diesen Jungs gehen die Meinungen immer wieder weit auseinander und bringen viele Leute da draußen dazu, zu diskutieren ob die Jungs nun „real“ sind oder nicht. Mal abgesehen davon, dass dies ein Thema ist, das die Welt nicht braucht und sämtlichen Künstlern und uns sowieso am Allerwertesten vorbei geht, widmen wir uns nun dem einzig wesentlichen Thema – der Musik. Angefangen haben Digger Dance, damals noch „Direct Action“, 1991 mit englischen Hardcoreraps und dementsprechenden Beats. Hätte man ihnen damals erzählt, dass sie bereits sechs Jahre später mit deutschsprachigen Raps arbeiten würden, wären sie wahrscheinlich lachend in Tränen ausgebrochen. „Die Hardcorebewegung war damals in Deutschland eine große Bewegung. Es kam zwar recht langsam, aber irgendwann war der Gedanke und das Gefühl auf diese Art zu rappen einfach nicht mehr da. Schließlich erreichte ich den Zeitpunkt, an dem ich zu dem Entschluss kam, auf deutsch zu rappen.“ (B-Low) Es dauerte nicht lange, da wurde das Debüt in Form einer 12Inch gegeben. Mit „Digg it / O´Block Tempel“ machten

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Tobby aka DJ Onslord und B-Low das erste Mal auf sich aufmerksam. Mit einer weiteren Scheibe präsentierten sie weitere vier Tracks von sich. Seit „Digger is a dancer“, die 2001 erschien, verging einige Zeit. Trotzdem gaben die Beiden mit Beiträgen auf Sleepy´s „Vorsprechtermin“, dem „Hamburg City Heftig“- Sampler oder auch auf dem Hamburger Hill Album „Alles aus“, immer wieder kleine Lebenszeichen von sich. Nun ist es so weit und man wird in Kürze das Album bei gewissen Plattendealern finden können. Schon der Albumtitel „The diggest“ verspricht einiges. Die Jungs sehen eine deutliche Weiterentwicklung zu früheren Tagen. „Da hat sich schon einiges getan. Wir sind auf jeden Fall professioneller geworden, die Beats sind fetter, die Raps ausgefeilter. Wir harmonieren einfach besser miteinander als früher. Das Album ist sehr vielfältig, man wird verschiedene Styles finden und von „supersmooth“ bis derbe schnell ist alles vertreten. Authentizität, korrekte Flows und Beats, die zu mir passen, waren mir persönlich sehr wichtig. Worauf ich auch derbe achte, ist, dass die Texte gut verständlich sind, auch wenn der Flow vielleicht mal ein bisschen drunter leidet, aber die Message kommt rüber.“ (B-Low) „In den Beats werden viele verschiedenartige Sachen zu finden sein. Manche Tracks sind sehr melodiös, andere mit Uptime- Tempo, orientalisch oder funkig. Außerdem sind wir, was uns beide betrifft, neue Wege gegangen und

probierten einfach verschiedene Sachen mal aus. Zum Beispiel arbeiteten wir mit zwei Sängerinnen zusammen, zum einen Ayo die in „Zu schön um wahr zu sein Pt. II“ den Refrain singt, und zum anderen mit Nika, die man in „B-lowsophie“ hören wird. Weitere Features werden Falk und Paolo 77 sein.“ (Tobby) Der Hamburger Slang lässt sich zu 100% bei diesem Album nicht verleugnen. Aber das wollten die zwei auch gar nicht, mit Tracks wie „Sach ma digger“, Digg & herrlich“ oder “Altonativo“ wird selbst dem Letzten klar, woher die Jungs stammen. ...Hamburg Altona, digger... Vorab wurde die 2 Track- Vinyl “Ich lieb Rapmusik wie das Risiko / Gesetzlos“ in minimaler Auflage veröffentlicht. „Die originale Single ist ein orientalisches Stück, auf das ihr gespannt sein solltet und wird auch in naher Zukunft mit dem dazu gehörigen Video erscheinen.“ (B-Low) „Wir werden auch noch einen Film rausbringen, der zeitgleich zu den anderen Sachen an die Öffentlichkeit kommt. Deshalb dauert das alles so lange, weil es drei Projekte sind, die man alle unter einen Hut bekommen muss.“ (Tobby) Mit Kritik gehen Digger Dance gelassen um, denn auch das würde sie niemals abhalten ihre Musik weiter zu machen. „Kritik ist immer gut, wenn sie konstruktiv und angebracht ist. Die Meinung von Hatern interessiert uns nicht.“ (B-Low) Dann warten wir doch einfach mal ab, was die Jungs uns zu bieten haben. Digger Dance, denn der Name ist Programm.


MOQUI MARBLES Die Jungs haben ihre Murmeln zusammen...

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oqui Marbles hatten es wahrlich nicht leicht in der letzten Zeit. Vor einiger Zeit kreuzten sich die Wege mit dem Label Eimsbush und man fand einen gemeinsamen Nenner. Ergebnis dieser Begegnung waren Stücke auf der Styleliga- Compilation, erfolgreiche Auftritte auf dem Splash, Flash, der Ferris MC Tour und letztendlich die Veröffentlichung der EP „Steinzeit Revival“. Aber es kam die Zeit, wo man in beidseitigem Einvernehmen entschloss, sich in Frieden zu trennen und seine eigenen Wege zu gehen. Trotzdem gab es ein Problem. Denn das Album von Petzke, Sternkopf und Zaworka war

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bereits fertig, wurde schon mehrmals angekündigt und sollte gerade veröffentlicht werden. Sie konnten und wollten sich nicht auf die faule Haut legen und einfach mal abwarten, was nun passiert, denn das Album schrie nur danach endlich herauszukommen. „Die Auftritte in der letzten Zeit waren super, trotzdem kann man es als Wechselbad der Gefühle bezeichnen. Wenn Du mit den neuen Songs auftrittst und sehen kannst, wie die Menge darauf reagiert, denkst Du dir auch: Es ist alles so geil, warum liegt das Album immer noch in der Schublade? Es ist seit Monaten fertig, das kann doch nicht sein. Dann schaust

Du auf die Internetseite und liest, dass die Leute wirklich drauf warten, und das kann dich wirklich runterziehen.“ (Petzke) „Wenn du nicht weißt was passiert, viele Dich hinhalten, fällst Du in ein Loch, das immer tiefer wird, wenn die Nachrichten nicht besser werden und man läuft Gefahr die Motivation zu verlieren.“ (Zaworka) Oft genug wurde den Jungs vorgeworfen, dass sie es nicht auf die Reihe kriegen oder es verplanen, ihr Album endlich zu veröffentlichen. Immer wieder diese Erfahrungen machen zu müssen, das war der Punkt, an dem die Moquis sich sagten, es muss JETZT was passieren. Man verließ sich nicht


text: sherin kürten · fotos: moqui marbles mehr darauf, dass manche Labels sich endlich melden, die Angebote besser werden oder ein Wunder geschieht. Nach „Steinzeit Revival“ waren viele sehr gespannt auf ihr Debütalbum. Doch das Warten nahm kein Ende, genau wie die Reise der Jungs. Deshalb lag der Titel des Werkes „Teredeum – eine Reise, die kein Ende nimmt“ sehr nahe. Das Zauberwort hieß Eigeninitiative. Kurzerhand wurde Wigwam Records gegründet. „Wir hatten schon länger die Idee ein eigenes Label zu gründen, das schwirrte bei uns im Hinterkopf schon einige Zeit herum. Nach dem Break wurde dieser Gedanke dann immer aktueller. Dadurch, dass Eimsbush uns immer noch Support gab und wir seit unserer EP auch viele Connections außerhalb von Eimsbush aufbauen konnten, bekamen wir einige Unterstützung von außen.“ (Sternkopf ) Das Werk wurde abgemischt und man sprach mit Groove Attack, die den Vertrieb übernahmen. Um das Cover kümmerte sich Marcnesium von den 5 Sterne Deluxe, der seine Arbeit sehr gut machte und endlich konnte man verlauten lassen, dass nun ein helles Licht am Ende des Tunnels zu sehen war. Um die Öffentlichkeit nicht noch länger warten zu lassen, entschloss man sich, den Track „Kurzschluss“ feat. Dendemann schon einmal ins Internet zu stellen und dem Ghetto FabulousTeam einen weiteren Track für ihren Sampler zur Verfügung zu stellen. „Einfach weg“ konntet Ihr auf der CD der letzten Ausgabe finden. Mittlerweile ist das Album der Moqui Marbles seit dem 22.04.03 erhältlich. Die Produktion des gesamten Albums übernahmen Petzke, Sternkopf und Zaworka selbst. „Wir dachten, dass es nur eine runde Sache werden kann, wenn wir wenn wir uns zu 100% auf das Album konzentrieren und es komplett durchziehen. Beim Abmischen haben wir uns Hilfe von Tropf, Andi und Mario v. Hacht geholt. Beim musikalischem Aspekt bekamen wir Unterstützung von einer Freundin, die in „Kinderaugen“ Geige spielt, oder in „Jenseits von gut und böse“ spielt ein Nachbar von mir Gitarre.“ (Sternkopf ) Auch nicht unwesentliche Gäste werden zu finden sein. Mit Pyranja wurde der Track “Zwiegespräche“ aufgenommen, der beschreibt, in was für einer Misere man sich manchmal wiederfinden kann. Es gibt eine gute und eine schlechte Stimme in der Seele des Menschen, aber auf welche hört man denn in bestimmten Situationen? Pyranja verkörpert den Engel und das Gute, während die Jungs als das böse Innere versuchen ihr zu wiedersprechen. „Bei einem weiteren Feature gibt uns zum Beispiel die kleine Marie die Ehre. Wir hörten sie bei einem Benefizkonzert in der Markthalle in Hamburg das erste

mal singen, und das war für uns ein einschlägiges Erlebnis. Wir waren so begeistert von ihr, dass uns eine Gänsehaut über den Rücken lief, während sie sang. Uns wurde klar, dass man den Kindern unserer Welt einen Track widmen sollte und so kam es dann auch.“ (Zaworka) Auch Falk a.k.a Falkadelic (ExDoppelkopf ) lässt wieder was von sich hören: Als Außerirdischer kommt er in „...selbst das nicht“ zum Vorschein. Er stürzt mit seinem Ufo auf unserem Provinzplaneten ab und weiß, dass es nur drei Dinge gibt, die sich hier lohnen: Amsterdam, Moqui Marbles und Kylie Minogue. „Die Features haben sich aus der Produktion heraus ergeben. Natürlich kennen wir alle persönlich, aber die Beats fingen plötzlich an zu sprechen und sagten: „Falk, Falk!! Dendemann, Dendemann!! Da konnten wir dann nicht wiedersprechen und sind mit dem jeweiligen Beat zu der entsprechenden Person gegangen und beide Jungs sagten sofort zu. Der Track mit Dende ist die komplette Durchdrehnummer und auch Falk versteht es, seine Geschichte zu erzählen.“ (Petzke) Wenn man die drei auf Lieblingstracks anspricht, werden sich die Moquis einfach nicht einig. Dadurch, dass sich das Album so lange nur in den Händen der Jungs befand, hatte man jede Woche eine neue Idee und neue Visionen, welches Lied man nun zur Single macht oder zu welchem man ein Video dreht. Man entschied sich schließlich für „Kleine Melodie“, denn irgendwann muss man sich entscheiden. Diese wurde bereits am 31.03. veröffentlicht. Das Video dazu kann man bereits auf den üblichen Musiksendern sehen. Auf könnt Ihr euch das gute Stück und den Track mit Dende runterladen. Auf der Single selbst gibt es den Zusatztrack „Jenseits von gut und böse“ zu hören. Der erste Remix dazu wurde von Teaz produziert, der seit geraumer Zeit mit den Jungs zusammen arbeitet und sie auch schon auf der letzten Tour begleitet hat. Was den Jungs beim Album wichtig war, wird schnell klar, wenn man „Teredeum - eine Reise, die nie zu Ende geht“ durchhört. Es handelt sich um ein sehr vielfältiges Album mit einer Vielzahl von musikalischen Einflüssen. Auf der einen Seite findet man Tracks, die einen sehr nachdenklich stimmen und auf der anderen Seite welche zum Bouncen mit Live-Qualität. Es gibt rockartige Songs, in einem anderen hört man einen Chor singen und immer wieder stößt man auf harmonische Melodien. Faszinierend an der ganzen Sache ist, dass den stylischen drei Königen ein einzigartiges, rundes Werk gelungen ist. „Es war uns sehr wichtig bildliche Raps zu schreiben und die Atmosphäre der Beats zu treffen. Wir wollten etwas

besonderes produzieren und kein typisches Rap-Album auf den Markt bringen. Es sollte unterhaltsam sein, aber gleichzeitig die Menschen zum Nachdenken bringen. Es wirkt wie ein kleiner Film und zeigt unsere Reife und Weiterentwicklung. Jeder Track stellt eine Station dar, wo wir in die verschiedenen Häfen der Musik einlaufen.“ (Sternkopf ) „Genau so sind wir auch an die Sache herangegangen, dass wir gesagt haben, jeder Track muss für sich stehen und trotzdem zu den anderen passen.“ (Petzke) Auch wenn sie nach dieser schweißtreibenden Arbeit eine Pause verdient hätten, wird es direkt weitergehen. Es sind schon weitere Tracks in Planung, und eine zweite Single können wir auch noch erwarten. Welche das sein wird, steht allerdings noch in den Sternen. Genau so ist noch nicht klar, was weiterhin aus WigWam Records wird. Fakt ist, dass sie einiges vor haben. „WigWam soll auf jeden Fall wachsen. Wir werden versuchen, das alles weiter auszubauen und haben vieles in Planung. Ein kleines DJ-Booking zum Beispiel, oder eine Tour. Allerdings spielen da einige Faktoren eine Rolle, um das auch umsetzen zu können. Das wichtigste erst einmal ist, dass die Leute da draußen das Album gut annehmen und uns ihre Unterstützung geben, denn die brauchen wir wie nie zuvor.“ (Sternkopf ) „Ich möchte auch mal das Thema „Brennen“ ansprechen. Ich verstehe, dass man bei den heutigen CD- Preisen schnell Gefahr läuft, sich CDs zu brennen. Nur zählt gerade für die Newcomer jedes verdammte Album, dass sie verkaufen. Und genau solche Leute wie uns trifft es, wenn unsere Alben aus dem Netz gezogen werden. Ich verlange ja nicht, dass das Brennen oder Runterladen verboten wird, sondern, dass man es einfach auf ein Minimum einschränkt und ein wenig nachdenkt.“ (Zaworka) „Wenn das weiter so geht, werden einfach kleine Musikrichtungen wie HipHop verdrängt, denn der Musikindustrie wird nicht klar, wie hoch die Nachfrage ist. Dann gibt es nur noch solche Popstarsoder Deutschland sucht den SuperstarsGruppen, und seid mal ehrlich, das will doch niemand. Wir hoffen auf den Support der Leute, denn wir haben das alles nicht nur für uns gemacht.“ (Sternkopf ) Diese Unterstützung haben sie nach nervenaufreibenden Monaten auch wirklich verdient. Das Album war und ist ihnen sehr wichtig. Seit Beginn der Produktion steckten sie ihr ganzes Herzblut und alle Energie in ihr „Baby“. Vielleicht halfen ihnen letztendlich ihre Energiesteinchen, nach denen sie sich benannt haben, um andere Steine aus dem Weg zu räumen und auch den Rest zu überwinden. Der Moquis Mythos lebt... jetzt erst recht!!! Seite 25


Der Stammtisch-MC ist bereit für die nächste Runde

MC SPONTAN

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ine der langweiligsten Antworten, die man in einem Interview meistens zu hören bekommt, ist wohl die, wenn man liest, wie der jeweilige Künstler mit Hip-Hop in Berührung gekommen ist. Denn alle haben den Film „Wild Style“ gesehen oder schon im Bauch der Mutter die legendären Public Enemy Tapes gehört. Bei Spontan war das anders. Hier hieß der Film „Beatstreet“ und eine Maxi von MC Rene machte ihn auf das Phänomen Hip-Hop aufmerksam. Das erste Mal, als die meisten den Namen Spontan, SPO, Sponti oder James Spont zu hören bekamen, war dann auf unzähligen Jams, immer wieder in Verbindung mit einem Namen: „Stammtisch“. Mit Stammtisch fing 1996 alles an. Die Grundidee dazu hatten Spontan und SD in einem Hannoveraner Keller, nämlich in dem von DJ Amir. Laas Minute, Rano, SD, Spontan und Amir kannten sich bereits von diesen unzähligen Freestyle- Jams und beschlossen gemeinsame Wege zu gehen Es entstand die Stammtisch- Clique, die bis vor ca. 1 1⁄2 Jahren einiges Aufsehen erregt hat. Der Freestyle-Gedanke trieb sie dazu, und das war damals der einzige Grund, warum alles überhaupt passierte. „Ans Aufnehmen, die Charts oder sonst etwas hat keiner von uns gedacht, was auch sehr gut war. Das Motto war: Okay, hier kommt die Freestyle-Combo, wir ziehen durch ganz Deutschland und treten bei den Jams auf.“ So war es dann auch, die Jungs zogen das Ganze zwei Jahre durch und lösten sich offiziell vor kurzem auf, damit jeder seine Solo-Träume verwirklichen kann. Die Zeit wird wohl keiner der Fünf jemals vergessen. Auch wenn es sie in dieser Kombination nicht mehr geben wird, kann man immer wieder mit Zusammenarbeit rechnen. Bestes Beispiel dafür, sind die neuesten Veröffentlichungen von SD oder Spontan, bei denen jeder den anderen featured, was das Zeug hält. „Intern hat das leider einfach nicht mehr funktioniert. Die Zeit mit den Jungs bedeutet mir alles! Ich habe sehr viel Erfahrungen sammeln können. Es war unglaublich, wenn wir 4 MCs und DJ Amir mit den Wochenendtickets durch Deutschland gereist sind und die Jams unsicher gemacht haben.“ Ein legendäres Ereignis war sicher der Vestax Extravaganza DJ Battle in Köln. Deichkind traten als Act auf, als plötzlich der Stammtisch die Bühne in Beschlag nahm und Freestyle vom Feinsten bot. Es dauerte genau einen Vierzeiler, da verließen die Deichkinder die Bühne. Ob das gerecht war, weil die Deichkinder ja nicht unbedingt durch Freestyle-Qualitäten bekannt geworden sind, sei dahin gestellt. Trotzdem kann man von einem impulsiven Erlebnis sprechen.


text: sherin kürten · fotos: headrush „Zu dieser Zeit gab es eigentlich schon keinen Stammtisch mehr, trotzdem sind wir alle auf die Bühne gegangen. Ich habe Rano gesagt, er solle cool bleiben, aber er ist nun mal ein sehr ehrlicher Typ und wir waren der Ansicht, dass es sein musste.“ 2000 ging Spontan das erste Mal in die Kabine und nahm für keinen geringeren als den Plattenpapzt den Track „Kaiserschnitt“ auf, der auf dem Album „Full House“ und als Single veröffentlicht wurde. „Der Papzt machte früher immer Parties in Düsseldorf, unter anderem eine, auf der Too Strong, Freunde von mir aus dem Ruhrpott, eingeladen waren. Nach dem Konzert der Jungs bin ich auf die Bühne gegangen und habe gefreestyled und der Papzt hat mich daraufhin ins Studio eingeladen. Dass der erste Track schon so viel Support und gute Resonanz bekam, war der absolute Hammer.“ Auch seine Veröffentlichung „Willkommen im Club“, ebenfalls bei einem Plattenpapzt Feature, schlug einige Wellen und somit lag sein Solo- Release auch nicht in weiter Ferne. Noch im selben Jahr konnte man seine 12 Inch „Rückfall / Spontana“ in einigen Plattenläden finden. Um die Beats kümmerte sich abgesehen von Plattenpapzt, Pyranja, Walkin Large und DCS auch Roe Beardie, der noch heute mit SPO zusammenarbeitet. Außer dem Track „Zum Mitschreiben“, der von Flaps produziert wurde, geht das ganze Album, das am 05.05.03 erscheint, komplett auf Roe Beardie´s Kappe. Hört man sich das Werk an, denkt man aufgrund der Vielseitigkeit nicht mal am Traum daran, dass das sein könnte. „Jeder einzelne Track, der auf dem Album vorhanden ist, ist ein Unikat und spricht für sich. Es ist einfach unnormal, dass ein Typ so viele verschiedene Styles macht und das ist auch das, was mich an diesem Typen gehalten hat. Ich hatte nie den Wunsch in dieser Zeit, mit einen anderen Produzenten zu arbeiten. Der Mann ist ein absolutes Genie.“

In einem anderen Magazin wurde Spontan mal ganz spontan unter die fünf besten Freestyler gewählt. Doch: „Platz 1 würde mir natürlich besser gefallen, denn ich hätte ihn auf jeden Fall verdient. Eigentlich ist mir so was auch ziemlich egal. Platz 5 haut mich nicht unbedingt vom Stuhl, aber im Endeffekt war ich nicht nominiert, deshalb kam es schon überraschend. Ich bin nun mal sehr spontan, denke schnell und kann das sofort in einen Freestyle umwandeln. Viele sagen, dass es schon auf einem amerikanischen Niveau wäre. Manchmal denke ich auch, dass ich nicht mehr freestylen will und nur noch durchdachte Texte schreiben werde, aber ich merke dann schnell wieder, dass ich das einfach nicht kann. Es geht nicht ohne, weil es ein Teil von mir geworden ist. Und weil ich Rap und Freestylen liebe.“ Und das wird auch der Leser merken. „Greatest Hits 2000-2003“ beinhaltet sämtliche Songs, die SPO in dieser Zeit gemacht hat. Das hat einen Vorteil: Die Auswahl der Tracks, die letztendlich auf das Debüt sollen, fällt weg. Man haut einfach alles drauf, was man bisher mal aufgenommen hat, ohne Kompromisse machen zu müssen. Den Hörer erwarten 15 Tracks und 3 Skits, in denen man die Weiterentwicklung von Spontan live miterleben kann. Die alten und neueren Tracks halten sich die Waage, und man erlebt einen Spontan, den man so nie wieder erleben wird. Denn die Gefühle und Gedanken spiegeln seine Vergangenheit und den bisher bewältigten Weg wieder. „Man wird mich nie wieder so hören wie auf dem Album. Eigentlich sollte das Album schon früher rauskommen, denn es ist schon letztes Jahr fertig gewesen. Aber das war leider nicht möglich. Ich habe kurz vor dem Abgabetermin noch den Titel geändert, weil diese Tracks Vergangenheit sind. Das ist nicht der neue Spontan, sondern der bis vor ca. einem Jahr. Eigentlich sollte das Album

„Licht aus Spo(n)tan“ heißen und sagen: „Hier komme ich. Vorsicht!“ Trotzdem ist auch mit dem geänderten Namen „Attention, please“ angesagt, denn mit einer so glanzvollen Scheibe werden einige nicht gerechnet haben. Mit den Features hielt Spontan sich zurück. Rasputin, DJ Cheddar werden als Gäste im Tracklisting zu finden sein. Natürlich ist auch der Name SD zu lesen und das nicht nur einmal. In dem Allstar-Track „Rap shit“ wird man ein weiteres Produkt von Laas Minute, SD, SPO, und Amir hören. Eigentlich fehlt da doch ein Name, um Stammtisch noch einmal komplett zu präsentieren!? „Es sollte eigentlich ein Track mit der gesamten Combo werden. Rano war auch im Studio und hatte was aufgenommen. Leider gefiel ihm sein Part danach nicht mehr so richtig. Deshalb nahmen wir ihn dann auch raus. Klar ist es schade, aber so etwas kann ich absolut verstehen.“ Am deutlichsten wird dem Zuhörer in dem Song „ Rap & die Bewegung“ bewusst, was Spontan diese ganze Sache bedeutet. Auch Spontan bezeichnet ihn als seinen „Love-Song“. „In der Zeit war Rap meine Freundin, ich war viel unterwegs und das half mir mich nicht leer zu fühlen, wie heute auch noch. Der Track ist als aller erstes Rap und der Zeit damals gewidmet.“ Er kommt aus dem Underground und konnte viel lernen, bis er sich soweit entwickelte, um nun einen weiteren Schritt zu machen. „Ich werde niemals vergessen, dass ich von unten komme. Allerdings möchte ich auch nicht wieder dahin zurück. Das heißt nicht, dass ich meinen Arsch für Scheine verkaufe. Es geht nur darum, gute Tracks zu machen.“ Und die finden wir haufenweise auf Spontan´s Album. „Greatest Hits“ steht seit dem 05.05.2003 in Euren Läden und in Zukunft werden wir also den neuen SPO erleben! Wir sind gespannt...


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text: stephan szillus · foto: groove attack

GRAND AGENT Wie ein Fisch aus dem Wasser...

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ische fühlen sich an Land bekanntlich nicht besonders wohl. Werden sie an Land gespült, sterben sie relativ schnell, weil sie keine Luft bekommen. Wie ein Fisch an Land fühlt sich Grand Agent manchmal in der Musikindustrie, die vom Kommerzdenken und fehlendem Traditionsbewusstsein beherrscht wird. Doch ist das Bild des „Fish Outta Water“ nicht nur negativ besetzt: In der Geschichte der Evolution verließen die Fische irgendwann das Wasser, gingen an Land und entwickelten sich weiter. Wenn also genug Fische an Land gehen, dann besteht die Chance, dass sich daraus eine vollkommen neue Spezies bildet. Die Metapher steht auch dafür, dass ein Lebewesen seine natürliche Umgebung nicht wechseln kann, ohne sich selbst zu verändern. „The ghetto ain’t a place, it’s a state of mind”, rappt Grand Agent auf seinem neuen Album „Fish Outta Water”, und diese slogan-taugliche Zeile bezieht sich auch darauf, dass er sich in seiner Wahlheimat Köln manchmal extrem fremd fühlt. Trotzdem hat ihm der Schritt nach Europa auch geholfen. Denn Jared Lee Taylor wirkt eigentlich überhaupt nicht wie ein zappelnder Fisch, als er an einem Aprilnachmittag in der Ghetto Fabulous- Redaktion sitzt. Vielmehr scheint er sich schon in der nächsten Evolutionsphase zu befinden. „Es dauert einfach ein Leben lang, um aus dieser Einstellung herauszukommen. Europa ist wie College für mich. Endlich hatte ich die Zeit und den Raum, um Amerika aus der Distanz zu sehen.“ Ganz plötzlich erhellt sich das Gesicht des ruhigen Agenten: „Hey, das ist in Philly! Das ist zwei Blocks von dem Haus meiner Mutter entfernt!“ Auf dem Fernseher läuft im Hintergrund gerade das Video zu „Satisfaction“ von Eve. Die erste Single aus dem Album, die auch auf dem Sampler dieser Ausgabe zu finden ist, bezieht eindeutig Standpunkt: Über einen relaxt dahin groovenden Beat von Droopy kickt der Agent seine anspruchsvollen Metaphern. „No Rest“ ist kein Radiotrack mit kurzer Halbwertzeit, sondern Stoff, der für eine längere Zeit interessant sein soll. Haut einen das erste Durchhören auch vielleicht nicht so vom Hocker wie der neueste Neptunes-Clubbouncer, so schafft Grand Agent es, den echten Connaisseur mit jedem Hören ein Stück mehr zu begeistern. Diese Herangehensweise durchzieht das gesamte Album: Stücke wie „Skillz Philly“ oder „Release Party“ sind kleine Juwelen, die nur demjenigen eine Freude bereiten, der sich ganz auf Musik und Worte einlässt. Man ist versucht, das Ganze vielleicht erwachsene Rap-Musik zu nennen, oder auch True School Hip-Hop. Aber mit keinem dieser Begriffe wird man

dem Album wirklich gerecht. Grand Agent geht es darum, Traditionen zu bewahren, auch die Tradition, vielseitig zu sein. Die Musik von Grand Agent deshalb in die Sparte des Conscious Rap einzuordnen, wäre eine allzu einfache Kategorisierung. Er selbst bevorzugt den Begriff „Traditional Rap“, denn seine Lyrics stecken voller Reminiszenzen an große Momente der Rap-Geschichte. „Traditional Rap bedeutet für mich einfach nur Beats & Rhymes. Ich versuche, kreativ zu bleiben und Grenzen zu erweitern. Im Radio und im Fernsehen sieht man oft Leute, die nicht den nötigen Respekt vor der Kultur haben. Es ist ein Gefühl, für das es eigentlich keine Worte gibt.“ Im Gegensatz zu diesen Sellout-Rappern schickt der Agent den Hörer dagegen mit Zitaten auf eine Zeitreise: „I want a girl with extensions in her hair“, „You might see me at the park or even at the train station“, “U-N-I verse at war”, “I need a beat”, und immer tiefer hinein in den Kosmos des B-Boyismus. Doch Grand Agent bewegt sich ebenso abseits vom Rucksack-Underground wie vom JiggyMainstream. „Ich mag diese Begriffe nicht, weil solche Unterschiede nur vom Marketing abhängen. Entweder ist dein Shit gut, oder er ist wack. Es ist genug Raum für alle da, ob nun Underground oder Mainstream, Conscious oder Jiggy, nur nicht für die wacken Leute. Manche Leute finden Musik auf einmal schlecht, nur weil sie im Radio läuft und erfolgreich ist. Andere sagen, „Hey, das ist Backpacker-Kram. Das ist nicht thugged out genug.“ Das sind aber keine Kriterien, nach denen man Musik bewerten sollte.“ Grand Agent fügt dem Game vor allem durch seinen internationalen Ansatz eine neue Perspektive hinzu. War sein erstes Album „By Design“ noch hauptsächlich von Amerikanern produziert worden, hat er für „Fish Outta Water“ in erster Linie mit Deutschen zusammengearbeitet. Neben den Beats von Clueso, Chestnut, Droopy, Playmo und Hawkeye stammen aber auch Tracks von DJ Revolution, von Chops (Mountain Brothers) oder Context von der dänischen Crew Boulevard Connection. Zusammen mit Leuten wie The RZA gehört Grand Agent zur Speerspitze einer Bewegung, die sich gerade erst abzeichnet und sich für die Überwindung der Barrieren zwischen der amerikanischen und der europäischen Rap-Szene einsetzt. „Ich denke, in der Zukunft werden noch mehr amerikanische Künstler herüberkommen. Von Zeit zu Zeit braucht die Musik so etwas. Nimm nur die Phase Ende der Achtziger, als der meiste Rap aus New York kam und sich alles darauf eingerichtet hatte. Es passierte nichts mehr, da kamen N.W.A. aus Los Angeles und mischten die Szene auf. Ende der

Neunziger das Gleiche mit den Acts aus New Orleans. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Köln oder Kopenhagen an der Reihe sind. Ich denke, die Beziehung zwischen den USA und Europa ist wie eine Beziehung zwischen Schüler und Lehrer. Oft übertrifft der Schüler seinen Lehrer später. Hier sind es die Traditionen, die mehr respektiert werden, und ich denke, wir brauchen Europa als Reflektion.“ Trotz der Anzahl verschiedener Beatschmiede wirkt „Fish Outta Water“ wegen seines warmen, souligen Retro-Sounds wie aus einem Guss. „I do foes like Poyser on keys“ lautet die Zeile, die das Album im ersten Track „The Jig Is Up“ eröffnet und sich auf den Soulquarians-Keyboarder James Poyser bezieht. Interessant dürfte die Platte vor allem für jene Heads sein, denen die letzten Alben von Common und den Roots doch etwas zu sehr in die psychedelische 70er-Kerbe schlugen. „Ich mag zwar diese ganze Philly-Sound-Sache nicht, weil sie nur eine weitere Kategorie ist, die uns limitiert. Aber klar: Ich bin aus Philly, ich bin stolz darauf, ich liebe Philly. Und mein Geschmack ist sicher davon beeinflusst.“ So klingen bei Grand Agents Musik trotz aller Eigenständigkeit Einflüsse von Slum Village oder den Roots, teilweise aber auch vom Bay Area-Underground aus der Stones Throw-Ecke durch. Dass die großen Plattenfirmen bei Musik mit solchen Referenzpunkten nicht gerade Schlange stehen, dürfte wohl niemanden verwundern. Dass sein erstes Album nicht adäquat aufgenommen wurde, lag nach Grand Agents Ansicht auch an der Labelpolitik und dem Marketing. Deshalb hat er sich entschieden, sein zweites Werk auf seinem eigenen Independent-Label „Interworld Agency Media“ zu veröffentlichen. „Für mich ist IAM kein reines Plattenlabel. Ich möchte auch Bücher und Filme herausbringen. Alles, was auch immer mir ermöglicht, Geschichten zu erzählen. Im Moment geht es aber nur um mein Album. Über weitere Künstler auf meinem Label kann ich erst später nachdenken, auch wenn ich schon mit einigen Leuten darüber spreche.“ Wenn man Grand Agent fragt, warum er nach Europa gekommen ist, dann antwortet er, dass er überallhin gegangen wäre, wohin ihn seine Kunst getrieben hätte. Wenn man ihn dann wiederum fragt, ob er sich vorstellen kann, eines Tages wieder zurück in die Staaten zu gehen, dann werden seine Aussagen noch unbestimmter: „Wir müssen sehen, was kommt. Ich werde das den Händen Gottes überlassen. Wenn ich glaube, dass es Zeit ist, Europa zu verlassen, dann werde ich das tun. Ich kann nur eines mit Sicherheit sagen, und zwar dass ich nicht weiß, wo ich in fünf Jahren sein werde.“

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AZAD

Die Faust des Nordwestens hat das Mic fest im Griff Seite 30


text: stephan szillus · foto: 3p

A

us dem Nordwesten Frankfurts marschiert er los, um die Egos aufgeblasener Rap-Clowns zu zertrümmern. Wenn seine lyrischen Fäuste einschlagen, dann zählen nur noch Ehre und Stärke. Und er ist nicht allein: Die Ein-Mann-Armee ist zu einem unaufhaltbaren Bataillon angewachsen, das gekommen ist, um Warheit zu verbreiten. Als ich Azad im Kellergewölbe des Hauses 3p treffe, herrscht allerdings noch die Ruhe vor dem Sturm... Man sagt, dass das zweite Album der schwerste Schritt in einer Karriere ist. Selten schafft es ein Künstler, die Erwartungen des Publikums zu erfüllen. Entweder produziert er einen Abklatsch des ersten Erfolgs, oder er entwickelt sich in eine andere Richtung weiter als seine Hörer. Wie Azads Fans sein zweites Werk aufnehmen, wird sich erst noch zeigen. „Faust des Nordwestens“ ist keine radiofreundliche SelloutScheibe, aber auch keine krampfhafte Kopie von „Leben“ geworden. Klar, da sind immer noch die düsteren StringSounds, der aggressive Reimstil, die hämmernden Beats. Aber das Album ist vielseitiger und ausgereifter als sein Vorgänger, sowohl bei der Produktion als auch bei den Flows. Und die erste Single „A“ stellt mit ihrem erstklassigen Video einen sauberen Spagat zwischen Underground-Glaubwürdigkeit und Musikkanal-Tauglichkeit dar. Vielleicht wirkt Azad deshalb so relaxt, weil er mit sich selbst im Reinen ist. „Ich hänge immer noch jeden Tag mit meinen Jungs in der Nordweststadt ab, wo ich aufgewachsen bin. Ich habe eine enge Bindung zu den Menschen dort. Es ist wie ein Zentrum, wo wir einer nach dem anderen wie die Ratten aus den Löchern zusammenkommen und den Tag planen. In meinem Leben hat sich also, abgesehen von ein paar finanziellen Dingen, wenig geändert.“ Azad lehnt sich zurück. Er ist schon länger im Geschäft als viele, die im Zuge des allgemein bekannten DeutschrapHypes nach oben gekommen waren und mittlerweile wieder von der Bildfläche verschwunden sind. Anfang der Neunziger veröffentlichte er seine erste EP, damals noch mit Partner DFlame als die Asiatic Warriors unterwegs. So verwundert es kaum, wenn er die Situation im aktuellen Musikgeschäft eher entspannt sieht: „Eigentlich ist alles cool im Moment. Die Leute draußen entwickeln immer mehr Wissen, der musikalische Horizont erweitert sich. Vielleicht gibt es ein kleines finanzielles Loch in der Industrie, aber Musik wird nie aussterben, und Hip-Hop ist auch keine Modewelle. Leute,

die Musik aus Liebe machen, werden sie immer verkaufen können.“ Azad selbst musste lange auf erste Plattenverkäufe warten. Erst das Signing bei 3p brachte die verdiente Aufmerksamkeit außerhalb des Untergrunds. 2001 kam das Debütalbum „Leben“ und räumte im deutschen Rap-Game gehörig auf. Während sich zu dieser Zeit viele Berliner am Sound von Los Angeles und viele Hamburger an New York oder London orientierten, erinnerte „Leben“ an die spirituelle Musik aus den Gassen von Marseille, an Shurik’n oder Akhenaton. Ein Teil von Azads Verwandten lebt in Frankreich, und dieser Einfluss ist in seiner Musik deutlich spürbar. „Ich höre viel französischen Rap, und was einem gefällt, das taucht bestimmt auch irgendwo als Einfluss wieder auf. Ich hatte aber auch schon vorher diese Flashs und habe Geigen-Beats gemacht. Als ich Shurik’n gehört habe, war das eher so wie: Wow, da ist noch einer! Das hat genau meinen Nerv getroffen.“ Philippe Béneytout, seines Zeichens Mixer von I Am, hat nun seine Wunderhände an die „Faust des Nordwestens“ gelegt, und bei einem Track ist Sako von den Chiens De Paille zu Gast am Mikrofon. Atmosphärische Streicher bereiten auch auf diesem Album den Boden für Azads scharf und schnell attackierende Vocals. Die Grundstimmung ist finster, und in den Texten geht es um starke Gefühle wie Wut, Schmerz, Liebe und Hass. Stücke wie „F***t euch“ sprechen eine deutliche Sprache. „Der Inhalt steht immer über allem. Was ein Rapper sagt, ist das Wichtigste. Die Technik, wie man es sagt, steht erst an zweiter Stelle. Ich mache kein Album, um etwas zu verändern. Ich versuche einfach, Musik zu machen und meine Gefühle auszudrücken. Wichtig ist, dass ein Künstler authentisch ist und Sachen sagt, die von seinem Herzen kommen.“ Mangelnde Authentizität ist auch der Punkt, den Azad an vielen Kollegen kritisiert. Früher wollte er Boxer werden, aber heute regelt er seinen Stress lieber im Sinne der Kunst. In vielen Tracks betreibt er Schattenboxen, doch ab und zu treffen seine Metaphern auch einen konkreten Gegner. Nach Samy Deluxe richtet sich sein Zorn nun gegen „MC U Reen“, wie Azad den zur Zeit meist gedissten deutschen Rapper nennt. „Eigentlich ist der Typ es gar nicht wert, dass ich einen Song über ihn mache. Er hat mich ja oft herausgefordert und ich habe nicht geantwortet. Aber der Typ hat mich so lange genervt, dass ich jetzt einfach eine verbale Schelle auspacken musste. Er war einfach zu penetrant.

Ich habe ihm ein paar Mal gesagt, dass Freestyle nicht mein Ding ist, aber er kapiert es nicht. Stattdessen verbreitet er immer mehr Müll über mich, erst mit seinem Track ´Gegen den Gnom´, dann bei Olli Pocher und auf seiner Website. Wie gesagt, eigentlich sollte man ihm gar keine Aufmerksamkeit schenken, aber ich wollte ihn einfach wegwischen wie so eine lästige Fliege. Deshalb habe ich den Track gemacht.“ Obwohl sein Name wie kein anderer für Battle-Kultur steht, repräsentiert Azad nicht den Untergrund der Rucksackträger und Ewig-Gestrigen. Er offenbart differenzierte Ansichten. Mit dem fürs Radio produzierten, seichten Kommerz-Rap der großen USPlattenfirmen kann er nichts anfangen, aber mit dem dazugehörigen Bling Bling hat er kein Problem. „Wenn man sein Leben lang nicht viel gehabt hat, dann ist es natürlich ein großer Reiz, sich diese Dinge leisten zu können. Es ist natürlich schon primitiv, aber irgendwo kann ich es verstehen.“ Auch er selbst trägt eine sehr schöne und vermutlich sehr teure Kette um den Hals. Die Vielseitigkeit der „Faust des Nordwestens“ ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass Azad erstmals seine Kollegen von FdA-Productions an die Boards gelassen hat. Das perfekte Zusammenspiel wird auf „A“ deutlich, wo das Swizz Beatz-artige SynthieSample von den FdA-Jungs stammt, Azad jedoch den Beat produziert hat. Die Clique um Azad ist auch musikalisch eng verwoben: FdA besteht aus Sezai und Bülow, und Sezai ist neben Azad, seinem Back-Up-MC Jeyz, sowie Lunafrow und Chaker auch Teil des Frankfurter Allstar-Teams „Warheit“. Mit dieser Crew-Besetzung ist auch in naher Zukunft ein Album geplant. „Ich habe bewiesen, dass ich ein Album vollkommen alleine auf die Beine stellen kann. Diesen Drang habe ich erfüllt, und danach kommt eine neue Herausforderung.“ Die Platte mit seinem Kreuzberger Freund Savas wird wohl noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, bis sich die Labels über die geschäftliche Seite geeinigt haben. Einen künstlerischen Vorgeschmack boten die Stücke „Gib auf“ sowie „#1“ von ihren Solo-Alben. Wer aber bis dahin nicht genug von Azads Style bekommen kann, der sollte auch in die anderen aktuellen Releases der großen 3p-Offensive reinhören, denn auf dem Album von Cassandra Steen spittet der Pitbull der deutschen Rap-Szene ein paar seiner Verse. Doch nun ist erst mal Zeit für die „Faust des Nordwestens“. Bang.

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Ab sofort gibt‘s Ghetto Fabulous auch bei Deinem Zeitschriftenhändler! Für nur 3 EUR bekommt ihr ab sofort das Magazin und gratis dazu den neuen Ghetto Fabulous Sampler mit Tracks von: Video: Spontan - „Sowieso“ Wahrscheinlich hat noch keiner so hervorragend Gelsenkirchen präsentiert, wie Spontan es macht. Deshalb gibt es den Clip nur bei uns und auf den üblichen Musiksendern zu sehen. Ein brandheißes Video für Euch und ein Dankeschön an Headrush. Video: Grand Agent - „No Rest“ / „Right Way Street” Mit seinem Album wird Grand Agent sicher einige Leute da draußen überraschen. Auch auf Tour wird er sich begeben, über die uns leider noch keine genauen Daten vorliegen. Ihr solltet die Augen und Ohren offen halten. Uns gab er sein Video zum Album, das auch bisher auf einigen Musiksendern läuft. Pyroman feat. Creutzfeld und Jakob - „Lecon en phatt” Album: „French Connection“ (Kopfnicker Records) Das French Connection Projekt war ja schon ein bisschen länger im Gespräch, aber das Warten hat sich gelohnt. Da man von den Jungs schon eine halbe Ewigkeit nichts mehr gehört hat, entschieden wir uns mit Kopfnicker Records dazu, Euch ein interessantes Aufeinandertreffen von Creutzfeld & Jakob und Pyroman zu präsentieren. Charnell - „Das ist echt” Album: „Charnell Nr. 1“ (Eimsbush Records) Wie in den letzten News schon angekündigt, wird Charnell´s Album in Kürze erscheinen. Bei uns ist er auf dem heiligen Cover und neben einem ausführlichen Bericht fehlte eigentlich nur noch ein Track auf dem Sampler. „Das ist echt“ wird die erste Single des neuen Eimsbush-Schützlings heißen, die von DJ Rocky produziert wurde und nur als Vinyl erhältlich sein wird. An die B-Seite machte sich Eißfeldt 65 himself und produzierte den Track „Junge“ feat. Mic Wrecka und Illo 77. Spontan feat. SD - „Ihr müsst wissen“ Album: „Greatest Hits 2000-2003“ (HeadRush Records) Spontan ist wohl einer der begnadetsten Freestyler, die wir haben. Nach Features auf Plattenpapzt- Veröffentlichungen und fast schon legendären Jam-Auftritten wird nun am 05.05.2003 sein Album veröffentlicht. Nachdem Stammtisch sich offiziell aufgelöst hat, werden auf uns in naher Zukunft einige Solosachen zukommen. Man darf gespannt sein... Kopfhörer - „Amerika“ Maxi: „Unter Druck“ (Pirate/Al Dente Records) Der Krieg hat wohl einigen Leute da draußen schwer zu schaffen gemacht und nur wenige kalt gelassen. Leider kann man immer noch nicht sagen, dass er zu Ende ist. Das Leiden geht weiter und der Wiederaufbau wird noch einige Zeit ein Thema in den Nachrichten sein, bis es wieder in Vergessenheit gerät. Der Track „Amerika“ von Kopfhörer ist auch auf deren Maxi wiederzufinden und ein kommendes Album im Mai lässt einiges erhoffen. Nemesis - „Don‘t Make Me Laugh” (ProperGamble Records) heißt das neueste Signing von ProperGamble Records und steht für zeitgenössischen New York Underground Hip Hop. Nemesis wird am 21.04.03 mit seiner Debut Single „Hands of Time“ an den Start gehen, welche von Darnell produziert wurde. Danach folgt eine 6 Track EP, diese wird voraussichtlich im Sommer 2003 released und ohne Frage einen neuen strahlenden Stern am Hip Hop Himmel hervorbringen. Seid gespannt.... Realson - „Bushfeuer“ - ABSOLUT EXCLUSIV!!! Für uns stellte sich „The real DJ Real“ hinter seine Turntables, schnappte sich sein Mic, ließ seinen Gedanken freien Lauf und verarbeitet somit seine Wut gegenüber eines Verantwortlichen des Krieges im Irak. „Shame on you, Mister Bush- shame on you…” Loco - “Mon son cést de la balle“ Album: „Entra en la casa“ (CasaPhonk Music/Onorata Societa) Loco Rodriguez ist ein Künstler, der sich im französischen Underground bereits einen bedeutenden Namen gemacht hat. Die Qualität der Produktion des Albums sprechen für sich und auch die Rapstylez sprechen für sich. Auch uns ist das nicht entgangen und deshalb gibt es „Mon son cést de la balle“. Olli Banjo - „Scheiße & Pervers” Album: „Erste Hilfe“ (HeadRush Records) Olli Banjo ist endlich fertig mit seinem Album und wird im Juni „Erste Hilfe“ auf den Markt bringen. Unglaubliche 22 Tracks (inkl. 2 Skits) werden präsentiert. Schon mit dem Intro wird der Hörer seinen Spaß haben. Als kleinen Vorgeschmack für Euch stellte uns Headrush diesen Track bereit. In der nächsten Ausgabe werden wir Euch von der Tour und dem Album von Olli Banjo berichten. Ein Werbeslogan könnte in etwa so lauten: Es ist ein Erlebnis wert!!! Einfach „Neu & fresh“... Cronite - „Underdog“ Album: „ Cronite“ (Universal Records) Viele werden noch nicht gerade viel über diesen Mann wissen. Das wird sich mit dieser Ausgabe ändern. Cronite brachte schon 1994 seine erste 12“-Maxi „Bang Bang“ raus. Es folgten noch zwei weitere bis heute. Sein Album, das bescheiden „Cronite“ heißen wird, geht neue Wege in Sachen englischsprachigem Rap und überzeugt sofort, dass sich einige Erfahrungen bezahlt gemacht haben. Nikoma - “Dagegen” Album: “One Love” (Plattform Records) Als hätte er es gewusst… Bereits 2001 entstand “Dagegen“, also vor dem Irak Konflikt, trotzdem ist der Track noch immer topaktuell! Eigentlich traurig... Natürlich hat Euch Nikoma nicht vergessen und ist immer noch fleißig am Aufnehmen seines neuen Albums, das jetzt mittlerweile im Herbst erscheinen wird. Grand Agent „No Rest“ Album: “Fish outta water” (GrooveAttack Records) Auch wenn es schon ein Video zu diesem Track auf dem Sampler gibt, gibt es hier noch den Track in voller Länge. Auf seinem Album wird Grand Agent dem Hörer näher bringen, was er zu sagen hat. Nähere Informationen findet Ihr im Interview.

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CRONITE

Aus Liebe zur Familie

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text: nikoma t. beermann · foto: brixx

E

s war ein langer, ein harter Weg. Am 5. Mai diesen Jahres zahlt sich die jahrelange Arbeit und vor allem die Geduld des Nürnberger MCs Cronite endlich aus: Nach einigen zum Teil in Eigenproduktion herausgebrachten Maxis und Features erscheint über Universal sein Debütalbum „Cronite“. Seit 14 Jahren rappt der Deutsch-Kroate jetzt schon. 1983 wurde er vom HipHop gefangen genommen und versuchte sich zunächst als B-Boy. Geprägt durch die Einflüsse der befreundeten GIs bekam Cronite stets die neueste Rapmusik aus den Staaten zu hören und entschloss sich schließlich 1987 zum Weg ans Mikro. „Nürnberg war damals ein kleines Amerika. Wir hatten fünf Barracks in unserer unmittelbaren Nähe und so bekamen wir aus allen Ecken der Staaten stets die neuesten Mixtapes und Platten zu hören, was nicht heißen soll, dass uns alles zufiel. Ich musste mir jeden Millimeter HipHop erarbeiten, habe einzelne Platten zum Teil monatelang analysiert. Es war sehr, sehr viel Arbeit. Aber ich liebte es schon damals wie heute. Wahrscheinlich sind diese so verschiedenen Einflüsse der Grund, warum ich bis heute nicht engstirnig denke und offen für sehr viele Sachen bin.“ Das Album des 27jährigen erscheint zu einer Zeit, in der sich die wirtschaftliche Lage schwieriger denn je darstellt. Zu Zeiten des großen Hip-Hop-Booms hätte sich der Release eines auf englisch rappenden, deutschen MCs sicher einfacher dargestellt. Cronite selbst ist sich der Situation bewusst: “Ich weiß, dass ich mir den harten Weg ausgesucht habe. In den 14 Jahren, die ich jetzt rappe, habe ich sehr viele Erfahrungen gemacht und viele Menschen kennen gelernt. Insgesamt bin ich als Künstler wie auch als Mensch extrem gereift. Man sollte sich Zeit lassen. Es hat schon seinen Grund, das auch Leute wie DMX erst mit 27/28 rausgekommen sind. Ich wusste immer, dass auch meine Zeit kommen wird. Wenn du deine Sache gut machst, wirst du die Früchte früher oder später auch ernten dürfen. Ich bereue keine einzige Sekunde in meinem Leben.“ Der „Croatian Nightmare“ war schon immer sehr selbstkritisch und misst sich und andere stets an einem hohen Standard. Er macht jeden Tag seine Hausaufgaben, schreibt täglich Texte und checkt die weltweiten Releases. Jetzt schließlich sieht er sich bereit, das erste Album zu veröffentlichen. „Ich war immer von meinem Herz geleitet. Liebe ist das Wichtigste am ganzen Hip-Hop Ding, und bei der Arbeit an meinem Album ist immer alles im Sinne des Hip-Hop gelaufen.“ Cronite kann sich auf englisch, der Muttersprache der Hip-Hop Kultur, am besten ausdrücken. Englischsprachiger Rap ist die Wurzel des Ganzen, an der sich Cronite festhält. Sie ermöglicht es dem MC, die vielen Fragen, die er hat, in seine Lyrics einzubinden und seinen innovativen Flow zu kreieren. Was die Erwartungen an das eigene Werk angeht, gibt sich Cronite relativ bescheiden.

„Dass mein Album nach diesem harten Weg, nach der ganzen Arbeit überhaupt noch auf einem Major erscheint, ist für mich das achte Weltwunder. Ich bin wahnsinnig stolz und glücklich. Total wichtig ist für mich das Feedback meiner Freunde, meines Umfeldes, welches bisher überwältigend ist. Freunde aus den Staaten schicken mir Videos von Familienfeiern, auf denen sie zu meiner Musik total abfeiern. So etwas berührt mich sehr und zeigt mir, dass ich es richtig gemacht habe, weil ich mir immer treu geblieben bin. Für diese Leute mache ich meine Musik.“ Der Großteil der Albumtracks wirkt sehr tiefgründig, zum Teil sogar etwas melancholisch, was hauptsächlich in dem nachdenklichen Charakter der Person Cronite begründet ist. Cronite sieht den Kern jedes einzelnen Tracks trotzdem als positiv an. „Selbst wenn die Leute nur über einzelne Sätze, einzelne Aussagen intensiver nachdenken, habe ich viel erreicht. Ich verarbeite auf meinem Album meine Gefühle. Ich rede von meinem Leben, der Realität. Meine Lyrics sind ehrlich. Die Tracks sind hart, aber positiv. Hip-Hop zeichnet sich bis heute durch die Authentizität aus. Nur wenn du authentisch bist, machst du Hip-Hop.“ Der Großteil des Album wurde von Baby Dooks produziert, einem kroatischen Beatbastler, der auch für das ASD-Album einen Track beisteuerte. Des weiteren hatten Dash aus Kroatien, DJ Stylewarz, Raptile und DJ Polique, Playmo, DJ Kaoz und C.L.A.S. aus Hamburg ihre Finger im Spiel. DJ Stylewarz und DJ Kaoz kennt Cronite bereits seit 1996. Bis vor einem Jahr war er regelmäßig in Bremerhaven und hat mit den beiden viel produziert und aufgenommen. Cronite verzichtet auf seinem fünfzehn Tracks starken Album auf jegliche Features. Niemand soll behaupten, er habe sich große Namen für seine Platte gekauft und nur so auf sich aufmerksam machen können. Er will es alleine schaffen, denn er war immer alleine. Er ist auf keinen Zug aufgesprungen, nie auf einem Fliessband mitgelaufen. Cronite möchte sich nicht in eine Schublade stecken lassen: “Egal wer du bist, wo du herkommst, egal wie gut du bist - jeder will dich gerne in eine Schublade packen, weil das vieles einfacher macht. Viele Leute empfinden es aber als schwer, mir ein bestimmtes Label zu verpassen. Das finde ich sehr gut. Ich bin Kroate, und ich weiß dass. Ich mache nicht auf Ami, markiere nicht den Gangsta oder Thug. Ich weiß, wer ich bin, wo mein Platz ist, ich muss weder mir noch irgendjemand anderem mehr etwas beweisen. Ich bin einfach ich, einfach Cronite.“ Ohne die Regeln des Business zu verkennen, steht der Unity- und Familiengedanke der Hip-Hop Bewegung für Cronite weiterhin an erster Stelle. Die Freundschaft zu Produzenten und DJs war immer wichtiger als der finanzielle Aspekt. „Keinem der Leute, die an meinem Album mitgearbeitet haben, kannst du ein bestimmtes

Label aufdrücken. Der Respekt zu den Leuten, mit denen ich arbeite, ist mir sehr, sehr wichtig. Die Zusammenarbeit mit ihnen ist für mich ein Segen, ich bin sehr dankbar und stolz.“ Sicher habe es immer viele Kritiker und Neider gegeben, doch Cronite hält bis heute an seiner Liebe zum Hip-Hop fest. Der Vertrag mit einem Major-Label wird von vielen oft als ein Pakt mit dem Teufel angesehen, der den Künstler in seiner kreativen Arbeit sehr einschränkt, gleichzeitig aber auch mit einem beinahe unbegrenzten Budget verbunden. “Ich war, bin und werde immer ein zu 1000 Prozent musikalisch freier Mensch sein. Dieses Album ist mein Lebenswerk, ich habe Hip-Hop nie für den Fame oder für das Geld gelebt. Das Geld für meine Miete muss ich mir weiterhin hart verdienen, ich fahre auch keinen dicken Wagen. Ganz im Gegenteil, mein alter Citroen ist so alt und klapprig, da fährst du lieber mit der U-Bahn.“ Auch wenn sein Traum mit dem Release von „Cronite“ in Erfüllung gegangen ist, wird Cronite jetzt nicht aufhören hart zu arbeiten. Eine Tour ist genau wie die Zusammenarbeit mit verschiedenen Produzenten und MCs in Planung. Er selbst weiß, dass man erst bei Live-Auftritten merkt, wer es wirklich ernst meint. In der heutigen Welt ist es jedoch nicht einfach zu sagen, was der nächste Tag bringen wird. Es sind Kriege wie derzeit im Irak, die uns zeigen, dass vieles schief läuft. Als Kroate weiß Cronite um die Grausamkeit eines Krieges: „Ich habe mit eigenen Augen gesehen, was der Krieg in meiner Heimat zerstört hat. Mir tut vor allem die Zivilbevölkerung im Irak leid, die sehr viel Schmerz erträgt.“ Trotz der langfristigen Auswirkungen des Krieges gibt es in Kroatien eine lebendige Hip-Hop Szene, zu der Cronite gute Kontakte pflegt: „Bei den kroatischen Heads gibt es keinen Neid, keinen Hass. Es ist eine große Familie, eine sehr harmonische Unity. Wenn ich nach einer langen Autofahrt aus Deutschland dort ankomme, bin ich im Hip-Hop Himmel.“ Der Individualist Cronite sieht sich auch in dieser Hinsicht, wie immer in seinem Leben, als ein Mitglied der Hip-Hop- und Weltfamilie. Völkerverständigung ist für ihn ein ganz wichtiger Aspekt, bei dem der Hip-Hop Spirit sehr viel bewegen kann. Cronite ist nun mal ein Mensch, der sich bewusst nicht in Schubladen einordnen lässt. Er gibt dem Hip-Hop sehr viel Liebe und versucht ihn auf den nächsten Level zu bringen. Zum Abschluss äußert sich Cronite dementsprechend zu seiner eigenen Zukunft als auch über die der Hip-Hop Bewegung insgesamt: “Vom artistischen Aspekt ist noch längst nicht alles ausgeschöpft. Hip-Hop wird weiter aufblühen, das Kernmovement wird die Kultur immer weiter nach vorne bringen. Hip-Hop wird bis zu meinen letzten Tage ein Teil meines Lebens sein.“ Seite 35


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text: sherin k眉rten 路 fotos: eimsbush

CHARNELL Ein neues Kapitel im Leben des Mr. Taylor

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harnell wird vielen wahrscheinlich von den Formationen „4 4 Da Mass“ oder „Da Fource“ bekannt sein. Mit ihrem Album, das vor anderthalb Jahren erschien, sorgten T.M.O und Charnell für einigen Wirbel. Von den Medien gab es entweder Support oder komplette Ignoranz. In der Ghetto Fabulous konntet ihr bereits in der sechsten Ausgabe ein Interview mit den Jungs lesen und weil der Redaktion die Scheibe damals so gut gefiel, packten sie die beiden auch direkt aufs Cover. Das war im November 2001. Doch die Zeiten haben sich geändert... Diesmal schmückt Charnell alleine unser Cover. Denn Da Fource gibt es nicht mehr, die beiden trennten sich und gehen unterschiedliche Wege. Während T.M.O im letzten Jahr bereits sein Album veröffentlichte, ist nun Charnell an der Reihe. Sein Album „Charnell Nr. 1“ erscheint im Juni. Dass er rappen kann, wissen wir – wie er es nun aber solo macht, das wird der Öffentlichkeit in naher Zukunft offenbart . „Vielleicht erwarten einige von mir etwas anderes, nach dem Da Fource-Album. Ich wollte ein Album machen, in dem auch musikalisch mal mehr drin ist und ein bisschen mehr Energie geben. Das hat sich mit T.M.O’s Weg nicht gekreuzt. Er hatte sich in diesen Straßenrap eingelebt und wollte das nach der ersten Da Fource-Platte weiterführen.“ Da war auch die erste Zeit okay, es waren ja auch Geschichten aus ihrem Leben, aber Charnell fehlte das Musikalische und Melodiöse an der Sache. „Ich wurde in einem gewissen Maße immer von mir selbst unbewusst unterdrückt. Ich wollte auch mal ein Liebeslied machen, ohne dass einer sagt, „Oh Gott, was soll das denn?“. Bei Da Fource ging es immer nur darum, dass der eine den anderen übertrumpft. Und jeder von uns hatte auch immer den Ansporn besser zu sein als der andere. Das war kein Zusammenspiel.“ Also beschlossen die beiden, dass jeder sein eigenes Album machen sollte. Sie lebten sich einfach auseinander und ihr Musikverständnis stimmte nicht mehr überein. Vielleicht hatten sie auch nie richtig zueinander gefunden – wie auch immer. Wenn man sich beide Alben nacheinander anhört, wird das sehr deutlich. Charnell nahm also sein Album auf, und dann war da die Frage nach einem Label, die sein Debüt veröffentlichen wollen. Es war ihm wichtig, dass es Menschen sind, die auch richtig Bock darauf haben und ihn und seine Arbeit respektieren. Eines Tages fand ein Telefonat von Berlin nach Hamburg statt und der Berliner erzählte einem Hamburger Label, dass er ein Album aufgenommen habe. Daraufhin luden die Jungs ihn in die Hansestadt ein. Kurze Zeit später verkündete Eimsbush, dass sie einen neuen Künstler im Boot hätten. „In Berlin sind die Leute irgendwie anders, es gibt viel Gelaber hinter dem Rücken und viele kamen mit meiner Ehrlichkeit nicht zurecht. Wenn ich sauer bin, dann sage ich es auch offen und ehrlich. Und wenn jemandem irgendetwas an mir nicht passt, dann erwarte ich das auch von meinem Gegenüber. Mit den Leuten, mit denen ich da zusammen arbeitete, fand ich leider keinen gemeinsamen Nenner.“ Da das Album zu dem Zeitpunkt des Telefonats bis auf

ein paar Kleinigkeiten bereits fertig war, war es an der Zeit, Charnell im Team Eimsbush auch direkt mit einzubinden. Auf dem Sampler zum fünfjährigen Bestehen ist er daher mehrere Male zu hören. Unter anderem gibt er in „Ihr blamiert Rap“ mit seinem Freund und Kollegen Mic Wrecka eine klare Ansage. Mit dem Track „Jetzt!“ wird er mit Doubleface, Twisted und Daytona für Gesprächstoff sorgen. „Ich habe die Freiheiten, die ich als Künstler brauche. Deshalb bin ich bei Eimsbush auch perfekt aufgehoben, denn hier wird kein Blatt vor den Mund genommen. Ich bin echt froh, dass ich hier bin. Alle haben mich mit offenen Armen empfangen und direkt in die Familie aufgenommen. Das weiß ich sehr zu schätzen. Es macht Spaß, mit professionellen Leuten zu arbeiten. Ich weiß, dass viele labern und sich fragen, was das soll, dass ich jetzt bei Eimsbush bin – aber das interessiert uns alle recht wenig.“ Es wird viel spekuliert, in welche Richtung das Label jetzt gehen wird. Dass die Jungs in Hamburg ihren Sitz haben, ist wohl dem letzten bereits bekannt. Dass es aber einen Grund geben soll, warum keine Berliner dort ihren Weg finden können, ist Kindergartengerede. Aber die Zukunft wird das schon klarstellen. In der Vergangenheit war oft von einem HamburgSound die Rede, was immer das sein mag. Aber bevor man etwas in eine Schublade steckt, sollte man sich auch Gedanken darüber machen. Denn wo liegt eine Gemeinsamkeit zwischen den Beginnern, Digger Dance, Hamburger Hill, Ferris MC oder Paolo 77 – außer die Herkunft? Charnell passt zu Eimsbush, wie bei anderen die Faust aufs Auge. Wieder ist das Label um einen


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neuen Styler reicher. Charnell ist der Meinung, dass er nicht in das deutsche Hip Hop-Bild mancher Menschen passt. Dass ihm das ziemlich egal ist, wird schnell in den Texten, aber auch an der Zusammenstellung und der Produktion des Albums klar. Es gibt Tracks, in denen er seinen Ansichten und Gefühlen freien Lauf lässt und dann wiederum welche, die in eine ganz andere Richtung gehen. Die Einflüsse der 90er Jahre sind nicht zu verleugnen und man hört viele altbekannte Samples von Oldschool-Gangsta Rap- Tracks über Clubstyles bis hin zu R&B. Als Produzenten machten sich Mic Wrecka und DJ Rocky an die Arbeit und lieferten somit die passende Vielfältigkeit, die Charnell bisher gefehlt hat. „Bei diesem Album wird man viel mehr über mich erfahren. Ich möchte nicht immer nur erzählen, wie scheiße und hart alles ist, sondern den Leuten Mut machen, dass egal in welcher Situation man sich befindet, es auch einen Weg wieder daraus gibt – wenn man will. Allerdings soll es auch glaubwürdig rüberkommen. Es gibt Leute, die haben eine Ärztin als Mutter und sie bezahlt die Vierzimmer-Wohnung für einen. Sie selbst fahren nen BMW und machen nebenbei noch einen auf Gangster. Da frag ich mich doch, wie man denen die Story noch abkaufen kann. Da ist nichts echtes dran.“ „Das ist echt“ wird eine Vorab-Single werden, die es nur auf Vinyl geben wird. Der Titel bietet ja eigentlich schon sehr viel Aussage darüber, was man in dem Track zu erwarten hat. Charnell ist nicht stolz darauf, dass er eine Randgruppe repräsentiert. Er liefert Fragen und Antworten, und es wird klar, dass es ihm ernst ist. Da es da draußen ja immer noch Leute gibt, die keinen Plattenspieler haben, findet ihr den Track auch auf unseren Sampler. Die Jungs und Mädels, die einen Plattendreher besitzen, sollten sich die Scheibe trotzdem zulegen, denn die B- Seite nahm Eißfeldt unter seine Fittiche und produzierte „Junge“, in dem Charnell von Illo 77 und Mic Wrecka gefeatured wird. Mit Berlin im Rücken und seinem Blick nach vorne, ist Charnell erwachsener geworden. Außerdem hat er eine dreijährige Tochter, um die er sich kümmern muss und der er ein guter Vater sein will. Den Track „Vaterliebe“ hat er nur ihr gewidmet. Für die Abwechslung sorgen bewusst ausgewählte Features und die unterschiedlichen Produzenten. Charnell war es wichtig, in erster Linie sich selbst zu präsentieren. Als musikalische Gäste sind unter anderem Boogie Knight von den Harleckinz, mit dem Charnell zu rappen anfing, und Nathalie, eine junge Sängerin aus Berlin, zu finden. Folgendes kann die Redakteurin an dieser Stelle nur bestätigen, denn an manchen Zeitpunkten beim Durchhören des Albums kann man sogar

von Gänsehautattacken sprechen. „Nathalie ist eine kleine Prinzessin und absolut der Hammer. Das was Ashanti für Murder Inc oder Valezka für die Optik Crew ist, ist sie für uns. Sie singt mehrmals die Refrains auf meinem Album und sie hat eine unglaubliche Stimme. Außerdem gibt es da noch Anil, die ihre wunderschöne Stimme auch zur Verfügung stellte.“ Und auch englische Lines sind in ein paar Songs zu finden. Warum das zustande gekommen ist, kann Charnell eigentlich gar nicht so genau erklären. „Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Englisch ist meine Muttersprache, und eigentlich gab es keinen Grund dafür. Da steckt kein großes Konzept dahinter. Ich glaube, dass ich einfach nur mal zeigen wollte, dass ich das auch kann.“ Immer wieder spricht er die Probleme in der Gesellschaft an. In unserer fehlt die Kommunikation untereinander, wie überall auf der Welt. Ein Ereignis in jüngster Vergangenheit bestätigt das. Auch Charnell sieht die Probleme und möchte seinem Hörer die Möglichkeit geben, ein weiteres Mal darüber nachzudenken. Ein Beispiel ist der Track „Menschen dieser Welt“, zu dem mittlerweile ein Video in Berlin abgedreht wurde. Das wird dann auch die offizielle CD-Single werden. „Ich begreife nicht, warum Leute in Deutschland immer meckern müssen. Das nervt mich. Jeder sollte erst einmal bei sich selbst anfangen, wenn er was ändern will. Ein weiteres Problem ist, dass es schon bei der Erziehung anfängt. Die Eltern sind sehr wichtig in der Entwicklung eines Kindes. Wenn die sich aber nicht genügend Mühe geben oder sich nicht die Zeit nehmen ihr Kind zu erziehen, kann man es nicht am Schluss auf die Kinder schieben. Wesentliche Bestandteile wie Freundschaft, Ehrlichkeit und Akzeptanz werden immer unwichtiger im Umgang der Menschen untereinander.“ Wahre Worte. Die Entwicklung unserer Musiklandschaft sieht Charnell eher gelassen, auch hier ist der Grundsatz Eigeninitiative angesagt. Es bringt nichts, immer in die Vergangenheit zu gucken oder auf Hilfe von anderen zu warten. „Es ist gut, dass es in Deutschland Leute wie Curse, Samy oder auch Savas gibt – das macht die Sache erst einmal vielfältiger und interessanter. Es wäre doch langweilig, wenn jeder dasselbe machen würde oder die gleichen Styles hätte. Deutschland hat sich schon sehr gut entwickelt, was die Qualität der Musik angeht. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen. Wenn die Verkaufszahlen runtergehen, hat das nicht nur mit dem Runterladen etwas zu tun, sondern einfach, dass dieser Hype, der da war, wieder zurückgegangen ist.“ Hip Hop war eine Zeit in Mode und nur, weil sich jemand die Hose runterzieht und auf cool macht, heißt das nicht, dass

er die Musik versteht. Momentan sieht man bei den Heads und auch bei den Künstlern, wem es ernst ist und das sollte man nicht unterbewerten. „Also ich denke, dass man nicht meckern sollte. Ich sehe ASD auf Platz 5 oder Curse auf Platz 12 der deutschen Albumcharts und auch die Medien haben sich weiterentwickelt. Es geht auch immer darum, aus welchem Grund man diese Sache in Angriff nimmtegal ob Heads, Künstler oder Redakteure. Wenn man es aus Liebe macht, ist das immer der richtige Weg. Es liegt nur an uns, das weiter zu führen, damit es zum Beispiel noch mehr GhettoFab’s in diesem Land gibt. Und mehr Ausgaben, vielleicht monatlich oder zwei im Monat.“ Na, für das Kompliment bedanken wir uns doch herzlich und wir arbeiten dran. Auch ansonsten verbringt C-H-A-RN-E-Doppel- seine Zeit sehr produktiv. Natürlich wird er auf der Team Eimsbush Tour mit dabei sein und auf den üblichen Sommerevents am Start sein. Man wird sicher noch des öfteren von ihm hören. „Ich habe mal in einem Interview gelesen, dass Da Fource ein zweites Album machen würden, also ich weiß nichts davon, nur um das klar zu stellen. Ich werde mich um meine Sachen kümmern. Es kommt bald das Mixtape „The Mixtape No.1“ raus, dass ich mit der Digga Crew gemacht habe und ich bin schon dran, neue Tracks aufzunehmen.“ Ein weiteres Projekt ist ein Track, den Charnell mit Dean von den Spezializtz aufgenommen hat. Die beiden werden das Stück als Titelmusik für einen Boxkampf von Rene Weller zur Verfügung stellen. „Ich will nicht, dass mich jeder als superharten Rapper aus Berlin sieht. Der Hörer soll sich das Album durchhören und die Musik für sich sprechen lassen. Ich möchte als Künstler akzeptiert werden, das ist mir erst einmal wichtig. Ich werde noch mit vielen Leuten zusammen arbeiten, wo sich jeder nicht vorstellen kann, wie das zusammen passen kann. Aber ihr werdet es erleben.“ Es wird sicher Leute geben, die beim Hören von „ Charnell Nr. 1“ verwundert sein werden. Manche werden enttäuscht, andere wiederum positiv überrascht sein. Es ist schön, mal ein Album in den Händen zu halten, auf dem es Tracks gibt, die Gefühle sprechen lassen und Geschichten erzählen, die man selbst schon erlebt hat. Charnell interpretiert sein Album als Teil seines Lebens. Berlin und seine Jugend haben Spuren an ihm hinterlassen, die er in seinen Texten wiedergibt. Nicht desto trotz ist er einen weiteren Schritt gegangen und gibt eine andere Richtung vor als die, die man erwartet hätte. Aber jetzt konnte man sich ein Bild machen und bei seinen Styles merkt man deutlich, dass er für weitere Schritte noch bereit wäre. Wohin das noch führen wird, werden wir sehen.


text: sherin kürten · kollage: eimsbush

TEAM EIMSBUSH Die Hamburger Hip-Hop Hochburg stemmt sich gegen den Trend

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nvasion Eimsbush 2003… oder: Dieses Jahr wird ein Eimsbush Jahr!!... So oder so ähnlich könnte man diesen Bericht beginnen. Kaum ein Label wird 2003 so viele Veröffentlichungen herausbringen wie die Eimsbush Family. Letztes Jahr feierten sie ihr 5jähriges Bestehen. Aus diesem Grund wird in naher Zukunft ein Sampler erscheinen, auf dem sämtliche Artists vertreten sein werden. Ich traf mich mit Ole aka Ben Kenobi, der mir über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einiges erzählen konnte. In the beginning there was rap… „Es begann im November 1997 im legendären Eimsbush Basement. Damals war es noch ein recht kleines Team, bestehend aus Eißfeldt, Jonas, Tropf, Tim und Kool Keats. Eißfeldt beschloss zunächst ein Tape-Label zu gründen, um seinen Homies eine unkomplizierte Grundlage zu schaffen, ihre Tapes aufzunehmen und zu vertreiben. Mit dem Dynamite Deluxe Demotape fing alles an. Fast jedes Major hatte dieses Tape auf dem Tisch und jeder schickte uns aber auch wieder weg. Im Nachhinein haben sie sich natürlich geärgert.“ Kaum zu glauben, aber damals schien Deutschland einfach noch nicht so weit zu sein. Zumindest die Musikindustrie nicht. Tatsächlich mussten die Jungs sich Kommentare anhören, dass es zu sehr Rap wäre und für die einzelnen Majors nicht in Frage kommen würde. (Auch heute wieder aktuell, aber das steht auf einem anderen Blatt geschrieben- zurück zur Legende:) Man entschied sich also, dass Tape in Eigenregie auf den Markt zu bringen. Mit selbst geschnittenen Covern fing man erst mal ganz klein an: Erst 50, dann 100 und so weiter. Im Gegensatz zu den Labels feierten die Headz das Demo und bis zum heutigen Tag wurden - sage und schreibe - 10.000 Stück verkauft. „Nach dem Demo folgte die erste Vinyl-Scheibe „Pures Gift“, die insgesamt nur 500mal gepresst wurde. Wenn man sich die Platte heute bei E-Bay ersteigern will, bezahlt man bis zu 200 Euro dafür. Unglaublich, aber wahr.“ So ging alles seine Wege. Die ersten TShirts wurden gedruckt, die zweite Vinyl

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„MCees / Samy Deluxe“ erschien und immer mehr Leute wurden in die Familie aufgenommen. Als erster Act kam Digger Dance dazu, dicht gefolgt von Illo 77. „Wir wollten einfach, dass sich alle wohl fühlen und alle gemeinsam chillen können. Dass sie die ganze Sache fühlen und wir eine richtige Familie aufbauen, die auch eine ist und nicht nur nach außen so wirkt.“ Das war damals so und ist heute nicht anders. Ein Bericht über die deutsche Hip-Hop Kultur von Spiegel Online, der 2001 erschien, sollte man an dieser Stelle keinem vorenthalten: „…Das also sind sie, die exzeptionellen Typen der „Mongo-Klikke“, wie sie sich selbst nennen. Sie hängen aneinander. Wenn Bo hustet, so heißt es, kriegen alle Schnupfen. Im Eimsbush Basement, einem Souterrain im Stadtteil Eimsbüttel, da „chillen“ und rappen sie- zum Spaß. Der Pizza-Service sichert ihr Überleben, die „Kligge“ ist auch in den Imbissen der Umgebung wohlbekannt…“ Ob sich bis heute daran was geändert hat? Eins hat sich geändert, zwei Jahre waren seit Eißfeldts Ursprungsidee verstrichen und man konnte einen großen Schritt nach vorne gehen. Vom Keller heraus ging es in das eigene Büround da ist man heute noch. Immer mehr Künstler, wie Twisted, D- Flame, Paolo77, DJ Mixwell, Phantom Black, Denyo, Sam Ragga Band und die Moqui Marbles gesellten sich dazu. Den Rest kennt ihr. Das letzte Jahr verlief bis auf die Veröffentlichungen von Phantom Black und La Boom eher ruhig. Grund genug, jetzt wieder richtig loszulegen. Den Start macht eine Vinyl, auf der man auf der A-Seite den Track “Deep throat“ mit Phantom Black und Tropf finden wird. Die B-Seite ist mit dem Song „Immer noch da“ bestückt, in dem Twisted, Tropf, Illo und Samy einen zum besten geben. Natürlich wird es auch eine Maxi geben, zu der auch ein Video im legendären Schauspielhaus in Hamburg abgedreht wurde. Seit dem 05.05.03 steht die Single „2,4,6,8 MC´s“ in den Läden und zeigt das neue und alte Gesicht Eimsbush’s im Zusammenspiel. Der dazugehörige Team Eimsbush Sampler wird am 19.05.03 veröffentlicht. Natürlich werden alle

bisher genannten Künstler, aber auch einige Überraschungen auf diesem Album vertreten sein. Eimsbush war es wichtig, gerade die neuen Künstler in den Vordergrund zu stellen und zu zeigen, wen sie sich da alles ins Boot geholt haben. Die neuesten Gesignten sind Charnell (Ex- Da Fource) und Doubleface (Harleckinz). Wenn man Hip Hop News liest, weiß man so etwas natürlich schon. Vielleicht könnte man ja schon ein paar Überraschungen des Samplers verraten? „Es ist zum Beispiel ein neuer „So Rotton“- Remix mit Dynamite, Samy Deluxe und Blak Twang auf dem Album zu hören. Außerdem gibt es einen Solo- Track von Falk aka Falkadelic (Ex- Doppelkopf), bei demTobby von Digger Dance die Produktion übernahm.“ 2/3 des Albums wurde von Tropf produziert, aber auch andere wohlbekannte Producer machten sich ans Werk. Simon Vegas setzte sich mit Paolo 77 ins Studio, Milan mit Illo und auch Beiträge aus Berlin wird man genießen können. Doch was bringt die Zukunft? „Wir haben viele Alben auf dieses Jahr verschieben müssen, was uns auch leid tut. Im Nachhinein denke ich, dass das auch gar nicht so schlecht war. Nachdem die letzten Jahre alles gesignt wurde, was in Richtung deutschsprachigen Rap ging, wären unsere Sachen in dieser Flut nur untergegangen, wie es bei vielen guten Sachen der Fall war. Charnell und Digger Dance werden auf jeden Fall loslegen und kurz darauf kommt Illo´s Album. Die Absoluten Beginner sind auch schon am abmischen, da kann man auch bald mit rechnen. Die Style Liga meldet sich zurück, auf der Blumentopf- allerdings unter einem Pseudonym- vertreten sein werden.“ Natürlich wird man sich auch nicht entgehen lassen, auf Tour zu gehen. Allerdings müssen die genauen Daten noch festgelegt werden. Wie war das? Dieses Jahr wird ein Eimsbush-Jahr? Tja, liebe Leute, und hier ist gerade mal von der ersten Hälfte des Jahres die Rede. Für Eimsbush Fans wird es ein glückseliges Jahr werden. Also genießt es, erzählt es weiter und vor allem kauft, bis Euer Geldbeutel um Hilfe schreit...


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text: stefan szillus · foto: 3p

ILLMAT!C Ruft nach eurem Jungen!!! C osta Rica a.k.a. Costadamus a.k.a. Illmat!c ist zurück und beglückt uns endlich mit dem Album, das Eingeweihte schon seit längerem von ihm erwartet hatten. Nachdem das ewige Talent in letzter Zeit vor allem durch Features bei der Berliner Optik Crew angenehm aufgefallen war, kommt nun im Juni sein dritter Longplayer „Brillant“. Und der ewig unterschätzte MC, der als deutsches BustaRhymes-Double gestartet war und von der Szene keine Liebe bekam, hat endlich seinen Sound gefunden: „Brillant“ definiert den Ansatz einer deutschen Version von Jigginess. In der heutigen deutschen RapLandschaft ist endlich Platz für jemanden wie Illmat!c, der keine künstlich aufgesetzte Sprache verwendet und auch keine Angst hat, im Angesicht der kritischen, neidbelasteten Szene seine Realness zu verlieren. „Ich rappe seit fünfzehn Jahren. Ich habe angefangen, weil ich anfangen musste. In der Anfangszeit kannte ich gar keine anderen Rapper – erst nach drei Jahren lernte ich ein paar GIs kennen, mit denen ich dann eine Crew gebildet habe.“ War Illmat!c auf seinem damals noch englischsprachigen Debütalbum „Illastration“ Opfer widriger Umstände gewesen, so zeigten sich seine Skills besonders auf den fünf deutschsprachigen Tracks des 1999er Nachfolgers „Still Ill“. Auf dem Weg zu seinem dritten Album musste Illmat!c allerdings noch einige Hürden nehmen. Wer dem wortgewandten Spitter seine Beziehung zu Hip-Hop absprechen will, weiß einfach nichts über seine persönliche Geschichte. Wie tief Illmat!c im Rap verwurzelt ist, drückt das Stück „Herzschlag“ aus, das bereits auf dem FFMCs-Tape veröffentlicht wurde und ihn nach längerer Durststrecke zurück ins Game katapultierte. Aus diesem Track stammt auch die legendäre Zeile: „Verliere ich meine Stimme, dann rappe ich in Gebärdensprache.“ Zwischenzeitlich hatte Illmat!c den Spaß am Rappen verloren. „Eine Zeitlang war es so, dass ich komplett ignoriert wurde, obwohl ich schon zwei Alben gemacht hatte. Die Leute taten einfach so, als ob ich Rock machen würde und keinen HipHop.“ Doch als „Herzschlag“ und etwas später das Feature auf dem Remix zu JLuv’s „Dreckig und tight“ erschien, war auf einmal jeder gut Freund mit „Flownassis“, wie er sich aufgrund seiner griechischen Herkunft auch nennt. Und nun hat er mit der Hilfe von 3p-Produzenten wie DJ Release und den Nachtwandlern sowie einigen Frankfurter UndergroundBeatmakern ein Werk geschaffen, das

von Anfang bis Ende der Kunstform Rap huldigt. In seinen Lyrics gibt es typischen Hood-Lingo und straighten Battle-Stoff wie von der Optik Crew bekannt. Zwar gewährt Costa dem Hörer auch ein paar persönliche Einblicke in seine Seele, jedoch stehen diese nachdenklichen Stücke deutlich in der Unterzahl zu bouncenden Club-Rockern. Trotz selbstreflektierender Songs wie „Es ist vorbei“ oder eben „Herzschlag“ will Illmat!c vor allem eines: Den Hörer mit seinen Raps unterhalten. Denn mit den harten Zeiten, die hinter ihm liegen, hat sich seine Musik immer positiver entwickelt. „Mein jüngerer Bruder hat eine Zyste im Kopf. Ich habe viel gelernt, als ich ihn im Krankenhaus besucht und ihm meine neuen Tracks vorgespielt habe. Als der erste Track kam, auf dem ich extrem viel Bullshit erzähle, da hat er richtig herzlich gelacht. Bei vielen Alben, die ich mir heute anhöre, könnte ich mir echt die Pulsschlagadern aufschneiden. Ich will die Leute aber gut drauf bringen.“ Wenn er mit seinen neuen Freunden von der Optik Crew zusammentrifft, dann geht es um den reinen Spaß am Spitten. „Neulich war Savas hier bei mir in Frankfurt und wir haben um elf Uhr abends angefangen aufzunehmen und bis fünf Uhr nachts drei Tracks fertiggemacht. Das Geheimnis dabei ist, dass wir untereinander keine Competition haben. Es geht nicht darum, den anderen auszustechen.“ Wenn die Chemie stimmt, dann sprudeln einfach die krassen Punchlines, die vielen Wortspiele und abgedrehten Metaphern. Zusammen mit Eko und Savas hat er auch jenen etwas seltsamen Rap-Style entwickelt und kultiviert, der mittlerweile als der „ignorante Reim“ bekannt ist. Das geht so: Fällt dir kein Reim auf eine Zeile ein, dann sag sie einfach zweimal nacheinander. Es gibt eine intelligente Version des ignoranten Raps, wenn nämlich zwar die gleichen Worte am Ende der Zeilen stehen, sie jedoch im jeweiligen Kontext unterschiedlich zu verstehen sind. Verwirrt? Ein Beispiel aus „Die 10 Gebote“: „Und ich trinke auf Parties Söhnlein Brillant / sogar mein Vati findet sein Söhnlein Brillant.“ Die einfallslosere Variante stammt von dem Urvater dieses Styles, nämlich Swizz Beatz. Costa erklärt: „Wir haben irgendwann die Platte von dem Typen gehört, und da sagt er gleich am Anfang einfach viermal dieselbe Zeile. Und ein befreundeter Amerikaner erklärte uns: He’s just tryin’ to get his point across. Diese Ignoranz fanden wir so unglaublich krass, dass wir das gleich übernommen haben.“ Überhaupt merkt man den Tracks auf „Brillant“ an, dass Illmat!c und seine Jungs echte Rap-Fans geblieben sind. Sie können sich über eine neue Punchzeile immer noch

so freuen wie vor fünfzehn Jahren über ein Funky-Drummer-Break. Der Spaß steht auch bei den Skits im Vordergrund – so hat Illmat!c etwa die hessischen Comedians von Badesalz oder auch Matze Knop dazu bewegen können, auf der Platte jeweils einen Skit zum Besten zu geben. Ein Großteil der Stücke auf „Brillant“ sind Clubtracks. Man könnte sogar so weit gehen und behaupten, dass „Brillant“ endlich eine deutsche Platte ist, die im Club spielbar ist. Auch wenn deutsche DJs nur äußerst ungern deutsche Stücke in den Clubs auflegen – Uptempo-Tracks wie „Costa Rica“, „Bouncin“ oder „Freaky“ müssten theoretisch jede Tanzfläche in Brand stecken. Überhaupt steht Illmat!c, der selbst ein bekennender Clubber ist, für eine Bewegung der deutschen Rap-Szene weg vom Rucksack-Untergrund hin zur Jigginess. War vor drei Jahren noch jeder auf Rawkus und Bay Area Underground unterwegs, will heute jeder jiggy sein wie Jay-Z. Vielleicht wird der Style von Illmat!c deshalb erst jetzt geahnt, weil er seiner Zeit ein Stück weit voraus war. Sein Handgelenk ziert während des Interviews ein glitzerndes Armband – iced out, wie Jadakiss sagen würde. Und da er natürlich auch auf dicke und schnelle Autos steht, hat er gleich noch einen Track für das XBox-Spiel „World Racing“ aufgenommen, das Microsoft in Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz produziert hat. Fraglich bleibt, ob Deutschland bereit für deutschen Jiggy-Stuff ist, oder ob die Leute im Club weiterhin lieber US-Tracks hören wollen. „Brillant“ wartet mit einer Armada an Features auf, die sich gewaschen hat. Viele Stücke haben R&B-lastige Hooks von Adiam, Valezka, Sofi oder Franziska verpasst bekommen, und auf der ersten Single „Alles was du willst“, die am 26.05. erscheint, sorgt Glashaus-Stimme Cassandra Steen für die Radiotauglichkeit. Für das Epos „Die 10 Gebote“ holte Costa neben seinen optischen Homies auch Kollegen wie Germany, Katch, Real Jay, Ercandize (ABS), Iz, Paula und sogar 3p-Boss Moses Pelham persönlich ins Studio. Mit ihm nahm er zusätzlich das Duett „Ill & Mo“ auf, und das, obwohl Moses nicht gerade für seine Vorliebe für Features bekannt ist. Costa glaubt: „Ich bin sein Lieblingsrapper, ich kann nichts dafür. Ich bin sein Ohr zur Straße. Wir treffen uns einmal die Woche und chillen bei ihm. Moses ist mein Lebensretter. Ich darf drei Alben machen, obwohl ich nicht so wahnsinnig viel verkauft habe. Das Leben, das ich durch ihn führen kann, ist wunderschön. Vielleicht schaffen wir es ja auch tatsächlich, irgendwann noch mal ein Album zusammen aufzunehmen.“

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Roots Reggae aus deutschen Landen

MOVEMENTS

ie Movements sind eine international besetzte Reggaeband, und mit „His Majesty´s Work“ erschien im April bereits Ihr drittes Album. Wir trafen uns mit Uwe „Banton“ Schäfer, dem Leadsänger um mehr über die Band zu erfahren:

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Wann habt ihr angefangen Musik zu machen und woher kommen deine Bandkollegen? Unsere Band gibt es schon seit ´93, die ersten Liveauftritte mit den Movements hatten wir ab 1994. Von den ursprünglichen Gründungsmitgliedern bin ich, in diesen 10 Jahren, als einziger übrig geblieben. Im Laufe der Jahre hat es immer Umbesetzungen gegeben. Wir waren und sind immer noch ein buntgemischter Haufen, zusammengestreut aus allen vier Himmelsrichtungen. Der Schlagzeuger, unsere Live-Bläser, und ich sind in Deutschland geboren. Der Trompeter auf dem Album, mein Sängerkollege Jah Meek, der auch zwei Tracks auf dem neuen Album gefeaturet hat, und unser Bassist sind Jamaikaner. Einer der Keyboarder kommt aus St. Lucia, der andere aus Surinam. Über die Jahre spielten auch einige Afrikaner und ein Keyboarder von den Philippinen in der Band. Was uns alle verbunden hat und immer noch verbindet, ist die Liebe zum Reggae. Nun gibt es im Reggae unzählige Stile und Einflüsse. Wo verortest Du selbst eure Musik? Wir spielen einen Reggae, der sich eindeutig an den Roots orientiert, musikalisch und inhaltlich. Wir konzentrieren uns nicht so sehr auf die Dancehall Ebene. Unsere Musik ist durch und durch handgemacht und die Riddims, die wir spielen, stammen eigentlich alle aus der eigenen Feder. Die Messages der Songs sind vornehmlich an Themen angelehnt, die auch im Roots Reggae zu finden sind. Ich meine da Rastafari, die Consciousness-Bewegung und eigentlich alles, was mit dem Leben zu tun hat. Wenn du genau hinhörst, wirst du schnell merken, dass die Inhalte der Foundation Tunes aus der Anfangszeit des Reggae auch noch heute in den jüngeren Produktionen zu finden sind. Sie sind bis heute nahezu die gleichen geblieben. Die Themen und Probleme, von denen hier die Rede ist, sind universell und zeitlos. Die Roots sind wie die kräftigen Wurzeln eines großen, alten Baumes. Wie bist Du selbst zum Reggae gekommen? Durch meinen Vater, der immer schon sehr musikinteressiert war, kannte ich damals einige Sachen von Inner Circle, aber viel mehr auch nicht. 1980 hat mir dann ein Schulfreund zum ersten Mal eine Platte von Bob Marley vorgespielt, und die hat mich irgendwie fasziniert. Klar, die Musik stand zunächst im Vordergrund, aber dann fragte ich mich, was das wohl für Leute sind und woher die kommen. Im selben Jahr war Marley dann ja auch in Deutschland zu sehen und europaweit ungeheuer populär. Es gab viele Infos im Radio

über Jamaica und die Rastas, und ich klebte immer gespannt davor. Kurze Zeit später ergab es sich dann, dass ich Verwandte, die kürzlich nach Jamaica ausgewandert waren, dort besuchen konnte. Ich war zu diesem Zeitpunkt 16 und dieser Urlaub hat mich sehr geprägt. Ich sah Yellowman live bei einem Festival in Montego Bay und war einfach begeistert von dem Vibe dort, seinem Toasting und dem Jamaican Patois. Ich dachte mir, das probierst du einfach mal selbst. Seit 1984 hab ich dann auch häufiger mal in den regionalen Reggae Clubs das Mikro in die Hand genommen und hatte schnell meinen Namen weg: Uwe Banton.[ `Banton` bezeichnet im jamaikanischen Patois einen Deejay, der voller Texte ist.] 1985/86 hab ich dann auch mit einigen Freunden ein Soundsystem betrieben, aber das war damals alles noch längst nicht so groß wie heute. Ein Deutscher, der auf Patois getoastet hat, das war wirklich noch selten. Anfang der Neunziger kam dann die Idee, Musik live zu spielen und Leute zu suchen, mit denen man eine Band gründen könnte. Ja, so kam es dann 1993 zu den Movements. Seit letztem Monat ist „His Majesty´s Work“ ja auch im Handel erhältlich. Wie gestaltete sich die Produktion der neuen CD? Die ersten Tracks hatten wir schon Ende ´99 aufgenommen, aber es kam im Laufe des nächsten Jahres zu Meinungsverschie denheiten zwischen unserem Produzenten und der Band. Also trennten wir uns und entschieden, das neue Album in Eigenregie zu produzieren. Ab Ende 2000 / Anfang 2001 begleiteten Jah Meek und ich aber die Söhne Mannheims auf ihrer Tour und hatten in dieser Zeit wenig Freiraum, uns um die neuen Stücke zu kümmern. Ende des Jahres waren dann alle Tracks fertig und wurden zum Großteil von Edo Zanki, den ich über die Söhne Mannheims kennen gelernt habe, abgemischt. Die anderen Stücke haben wir bei unserem Drummer Martin in seinem Ancient Mountain Studio produziert. ...und dann kam die schwierige Suche nach einem Label ?! Allerdings. Der Plattenindustrie geht es nicht besonders gut, die müssen auch rechnen und überlegen sich natürlich genau, welche Projekte am Besten kommerziell zu vermarkten sind. Wir haben uns dann dazu entschieden, das Album selbst rauszubringen, hatten Kontakt zu Eimsbush Entertainment und die haben uns den Musikverlag Sempex empfohlen. So sind wir quasi selbst Label, haben aber den Vertrieb über die EFA Medien GmbH. Alles in allem waren das, mit Unterbrechungen, dann doch fast drei Jahre, bis alles endgültig fertig war. Du bezeichnest eure Musik selbst als Roots bzw. Rasta Reggae. Welche inhaltlichen Botschaften tragen die Songs aus „His Majesty´s Work“? Die Essenz des Conscious Reggae ist nun


text: waynah · bild: uwe schäfer mal Rastafari, und bei Rastafari dreht sich alles um Haile Selassie. Wir Rastas sehen Haile Selassie I als GOTT. Vor seiner Krönung 1930 hieß er mit bürgerlichem Namen Ras Tafari Makonnen, daher auch der Name seiner Anhänger. Haile Selassie bedeutet übersetzt die Kraft der Dreieinigkeit. Er trägt die Titel: König der Könige, Herr der Herren, siegreicher Löwe aus dem Stamme Juda, Auserwählter Gottes. Er ist der Nachkomme König Davids. Für mich ist er unumstritten die wichtigste Persönlichkeit des letzten Jahrhunderts, aber versuch dich mal über ihn zu informieren. In den meisten Bibliotheken suchst du vergebens. Als Rasta sehe ich es deshalb als meine Aufgabe an, die Leute mit der Musik anzusprechen und ihnen die Botschaft Selassies näher zu bringen. ... die unter anderem wäre? Haile Selassie stand zum Beispiel immer für das Miteinander der verschiedenen Religionen, weil es innerhalb der unterschiedlichsten Glaubensrichtungen auch extrem viele Gemeinsamkeiten in der Gottesbotschaft gibt. Diese sind Liebe, Frieden und Gerechtigkeit. Die Welt muss gerechter werden und die Wahrheit regieren. Das ist es, was den Menschen bewusst werden soll. Wir sind zwar keine Band, die auf Jamaika ihre Base hat, aber ich glaube, dass das auch gar nicht so eine große Rolle spielt. Natürlich prägt Dich dein kultureller und sozialer Background, er beeinflusst auch deine Musik, Alles in allem denke ich, verbindet die Menschen - egal woher sie kommen - das gleiche Ziel. Momentan scheint Reggae Music hier in Deutschland regelrecht zu boomen. Artists wie Gentleman, Patrice oder die Berliner Band Seeed spielen in ausverkauften Hallen und sind in den Medien sehr präsent. Wie beurteilst du die jüngsten Entwicklungen? Klar hat sich in den letzten Jahren hierzulande einiges getan. Immer mehr junge Leute fahren auf die Reggae Vibes ab. Die Soundsystem Szene wächst stetig und es gibt etliche Konzerte und Festivals wo Reggae Bands live zu sehen sind. Dass Leute wie Patrice und Gentleman zum Beispiel vor so vielen Leute spielen und dabei ungeheuer erfolgreich sind, kann ich nur begrüßen. So einen Vibe wünsche ich mir schon seit 20 Jahren.

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The World‘s most wanted Bachelor, Ginuwine, is back. Read more about him in next month‘s issue of...

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BASIC

Graffiti am laufenden Band... und das seit über 15 Jahren.

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roningen in den Niederlanden ist ein wahrer Anzugspunkt für Jugendliche. Es gibt dort mehr als 400.000 Studenten, folglich auch viele Writer. Ich habe noch nie eine Stadt dieser Größe gesehen, die im Verhältnis so viele Writer vorzuweisen hat. Unzählige GraffitiKünstler sind dort schon seit den frühen 80ern aktiv, nicht umsonst machten Writer wie Dondy oder Quik dort halt, letzterer lebte gar mehrere Jahre dort. Einer der alten Hasen, die schon über 15 Jahre Graffiti praktizieren, ist Basic, mit dem wir das folgende Interview, gepfeffert mit ein wenig Wortwitz, für euch führen konnten. Wann hast du mit Graffiti angefangen? Mit dem Malen fing ich 1986 an, all das ist nun 17 Jahre her. In den 80ern machte ich nur Tags und wenige Pieces mit geklauten Dosen und Wandfarbe. Erst 1991 fing es dann mit richtigen Bildern an. Bist du in einer Crew? Nein, momentan nicht, aber so wie es scheint, werde ich mit engen Freunden ein neues Ding aufziehen, denn meiner Meinung nach sollte eine Crew nur so aufgebaut sein. Heutzutage sieht eine Crew oft wie eine kommerzielle Transaktion aus. Zu viele Crews wählen ihre Mitglieder nur nach Skills, oder anderen profitbringenden Dingen aus. Frei nach dem Motto: Er macht verrückte Sachen, kennt aber das Yard gut, oder: Er lebt in Rotterdam, so kann unsere Crew auch dort groß werden. Sachen wie diese sind sehr traurig. Was sind Basics für andere Writer? Die Senior Semester kennen sie sehr gut, die ungeschriebenen Gesetze des Graffitis. Jedoch hat jeder Writer andere Prioritäten. Es ist eine Mixtur aus wenigen Dingen, eines ist die Motivation am Ball zu bleiben, anderen Malern zu zeigen, dass man raus geht und sich weiterentwickelt. Bomben wie die Hölle, phatte Burner, Stahl mit deinem Namen, oder alle drei Sachen auf einmal, sind der Grund, aus dem wir rausgehen. Hast du einen Gottvater im Graffiti? Keinen spezifischen, ich habe sehr viel Inspiration von der alten Schule New Yorks bekommen, wie z.B. Dondi, Skeme, Shame, seen, Arab, dez, Case 2, t-kid..... Die europäische alte Schule hat mich ebenfalls beeindruckt. Da wären Bando und die Prime Time Kings, auch Amsterdamer Crews wie die United Street Artists, Gvb und CBS. Was sollen Leute in deinen Bildern sehen?

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Ich will ihnen das zeigen, was Graffiti meiner Meinung nach sein sollte. Jeder Maler hat freie Wahl sein Werk zu gestalten. Es fängt an bei der Wahl der Caps und endet mit dem Wollen, in jeder grossen Stadt ein Bild zu haben. Mein Style steht für meinen Namen. Alles „Basic“ zu halten, hoffentlich werden sich die Menschen beim Anblick meiner Sachen daran erinnern. Bereitest du dich vor, wenn du rausgehst? Nicht sehr viel, für legalen Stuff mache ich manchmal einen Style, oder stelle vorher die richtigen Kannen zusammen. Bei illegalen Aktionen kontrolliere ich alles zweimal, denn bei Aktionen dieser Art ist keine Zeit für Fehler! Ist es für einen Maler wichtig, dass seine Werke Politik beinhalten? Nein! Ich denke nicht, dass Graffiti eine gute Form des politischen Ausdrucks ist, man könnte für so etwas besser eine TVStation besetzen, aber ein Bombing am Weißen Haus wäre cool..... Du bist Grafik-Designer, spiegelt sich dein Hobby in der Arbeit wieder? Es mag Parallelen geben, aber Graffiti ist ein ganz anderes Konzept und steht auch in einem ganz anderen Bezug. Ich versuche z.B. nicht Boogie-Down-Bronx Designs in meinen Graphik Sachen zu machen, nur weil ich Writer bin. Viele Bewohner unseres Landes sehen den deutschen Style als den Besten überhaupt an. Wie denkt ein Holländer darüber? Ist das eine Fangfrage? Wird es trotzdem für mich möglich sein, Deutschland zu besuchen, wenn ich mich negativ äußere? Es ist schon lange her, dass ich in unserem Nachbarland war, zudem lese ich fast keine Magazine. Sollte er aber dort der beste Style sein, kann er trotzdem noch verbessert werden. Natürlich habt ihr eine große Graffiti-Geschichte, es kommen auch sehr viele Leute dort her, die ich mag. Stylemaster wie Odem, Gejoe, Poet, Jay, Phos4, Amok und Skot, um nur wenige zu nennen. Natürlich auch Hardcore der Alten Schule, besonders aus Dortmund: Rio, Rambo, Chintz (nicht aus Dortmund) und Crews wie z.B. DNK, WUT, YCKB. Ist es für dich wichtig, Deine Sachen anderen Personen zugänglich zu machen? Ja. Am wichtigsten sind dabei die Menschen, die ich am meisten respektiere und meine besten Freunde. Wenn sie und ich meiner Arbeit zustimmen, weiß ich, dass ich das richtige gemacht habe.

Kann man Deiner Meinung nach einen guten Style definieren? Ich kann es nicht. Das einzige, was ich sagen kann, ist, dass es zu rocken hat, egal was es ist, ob Burner, Tags, Throw Ups, Wildstyles, oder einfache Styles. Was denkst Du, wenn Du einen Zug siehst? Ich zähle nicht zu den Train Writern, dies ist Vergangenheit und zählte nie zu meinen Spezialitäten, trotzdem fühle ich die Kraft, die ein Zug gibt. Was fühlst Du, wenn Du ein Graffiti praktizierst? Warum mache ich das, wenn es nicht so läuft wie es soll. Wenn man bei der Fertigstellung das Ergebnis sieht, dann ist es immer wieder ein magischer Moment. Machst Du viele Sketches? Wenn ich die Schnauze voll von meinen Styles habe, begebe ich mich in eine Sketch Mania. Ich versuche dann alles mit neuem Flavor zu gestalten. Normalerweise mache ich alles aus freier Hand um spontan variieren zu können, das gibt mir mehr. Zählst Du Deine Sachen? Nein, ich habe keine Idee, wie hoch die Zahl meiner Graffitis sein mag. Es macht mir auch nichts aus. Ist es wichtig mit Freunden zu malen? Ja, es ist sehr wichtig, dies habe ich vor einigen Jahren herausgefunden. Vor 1999 habe ich normalerweise mit meinen guten Freunden Inca und Search und dem Rest der X-Files (Skek, Candy, Smash und Scage) gemalt. Nach der Beendigung meines einjährigen Aufenthalt in den USA hatte sich viel geändert. Die X-Files gab es nicht mehr und viele meiner Freunde waren in den Westen der Niederlande gezogen, deshalb machte ich nicht mehr als 10 Dinger in 2000 und 2001 zusammen. Meine Motivation war fast erloschen. Sehr schön, dass ich dann 2002 Caer (Ok, TSN), der gerade sein Comeback hatte, traf. Nun ist alles wieder im Lot, wir machen freshe Sachen und haben eine gute Zeit, nur weil wir es eben so machen. Was bedeutet es für Dich Graffiti an Wänden etc. zu praktizieren? Nach so einer langen Zeit hat Graffiti für mich kein bisschen an Bedeutung verloren. Ich schaue immer in den Strassen etc. welche Writer grad am Start sind. Andererseits ist es nicht sehr einfach all das in einem sich wechselnden Lifestyle einzubinden. Ich hoffe, ich werde für eine lange Zeit Rocken, und zwar genau so wie Rudi Carrell im deutschen Fernsehen!


text: ralf nehe 路 bilder: basic

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text: fudongshi · foto: tobis/studio canal

THE TRANSPORTER Breche niemals deine eigenen Regeln...

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Mit „The Transporter“ kommt im Mai Luc Bessons neues Werk in die Kinos. Besson, den wir von Klassikern wie „Leon - Der Profi“ als Regisseur kennen, hat bei diesem Film jedoch nur als Produzent (auf Deutsch: Geldgeber) gewirkt, die Aufgabe, auf die er sich nach dem Riesenflop „Johanna von Orleans“ mehr konzentrieren wollte. Wie einige andere Actionfilme von Luc Besson handelt „The Transporter“ von einem glatten, professionell arbeitenden Kriminellen, dessen Routine von einem Hagelsturm von Geschossen und einer schönen Frau unterbrochen wird. Soweit nichts neues. Was dem ganzen jedoch Pep verleiht, ist die frische Art, diese Story umzusetzen. So ist es, als würde der Film einem die ganze Zeit zublinzeln, nach dem Motto: „Ich weiß, das ist jetzt total unrealistisch... Wir wissen das! Hab‘ einfach nur Spass dabei!“ Unser „Profi“ ist Frank Martin, (gespielt von einem tollen Jason Statham, bekannt aus „Bube, Dame, König, GrAS“ oder „Snatch“) ein britischer Militäragent a.D., der sich an der Côte d‘Azur zu „Ruhe“ gesetzt hat, wo er seinen Lebensunterhalt damit verdient, „Pakete“ von einem Ort zum anderen zu bringen und zwar für jeden, der seine gesalzenen Preise dafür bezahlt. Er, ein Mann mit wenig Skrupel und drei wichtigen Regeln - inklusive der Regel, niemals in

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ein „Paket“ zu schauen - befindet sich bald auf dem besten Weg ins Grab, da er auf einer Transportfahrt in ein quietschendes Gepäckstück hineinschaut. In der Tasche befindet sich eine Geisel (die Taiwanesische Schauspielerin Shu Qi), auf der Aussenseite braut sich bereits der Ärger zusammen. Mit seinem hartkantigen Kopf und blessiertem Gesicht ist Jason Statham nicht wirklich ein typischer Actionheld, wie man ihn sonst kennt: glatt, schön und einem Erscheinungsbild à la James Bond. Ganz im Gegenteil... Mit seinem schwarzen Anzug und weissem Hemd sieht er am Steuer seines BMWs aus wie einer dieser „Türsteher“, an denen fast jeder schon Mal auf dem Weg in den Club gescheitert ist. Ihr wisst schon: die, die ihre Muskeln und ihre Glatze für zu ernst nehmen. Das zumindest, bis zu dem Moment, an dem er den ersten Gang einlegt, um durch die engen Südfranzösischen Gässchen zu brausen, durch die knappsten Serpentinen zu hacken und von einer Brücke auf einen Autotransporter zu springen!!! (Ja, ich weiss... Ganz schön unrealistisch! Aber da habe ich ja schon vorhin was dazu gesagt.) So geht‘s dann auch die nächsten achtzig Minuten durch, denn der Film ist unheimlich rasant und bietet Actionunterhaltung vom Feinsten. Wie mit vielen Filmen dieses Typs ist die Geschichte nicht so qualitativ hoch-

angesiedelt wie die Action oder die filmische Umsetzung. Was zählt in „The Transporter“ ist nicht die waffel-dünne Story über Menschenschmuggel, die wöchentlich in diversen Fernseh serien verbraten wird,; es ist die Art, wie z.B. Frank Martin eine Tür eintritt, Äxten ausweicht, oder sein einfaches Unterhemd als Waffe einsetzt, um die bösen Jungs zu erledigen. Die Fakt, dass wenig Dialog vorhanden ist, macht es schwierig herauszufinden, ob Statham jemals ein Shakespeare-Schauspieler wird, aber er könnte sich definitiv zu einer Mittelgewichtsalternative zu Vin Diesel entwicklen, dessen Film „XXX“ doch einiges zu wünschen übrig liess. Das trifft besonders zu, wenn er mit dem Regisseur Cory Yuen weiterarbeiten kann, der die Kämpfe in „The Transporter“ wieder wundervoll in Szene gesetzt hat. (Cory Yuen hat schon die Kampfszenen in über 30 Filmen choreographiert, unter denen sich Filme wie „X-Men“, „The One“, „Lethal Weapon 4“ und den kommenden „Cradle 2 The Grave“ befinden) Mein Fazit zu „The Transporter“: Der Film ist auf jeden Fall sehenswert, da hier ein Actionspektakel erster Güte abgefeuert wird und es einfach Spass macht, Jason Statham beim rumheizen und druffkloppen zuzuschauen... Also Popcorn-Kino vom feinsten!!!


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WAR OF THE MONSTERS System: PS2 Publisher: Sony (www.warofthemonsters.com)

in Tag wie jeder andere. Du stehst morgens auf, zerschlägst die Wand deines Zimmers und springst durch das entstandene Loch auf die Strasse. Unten angekommen schlägst du ein paar Häuser zu Schutt & Asche und trampelst anschließend mit deinen 8m langen Füssen über eine wunderschöne Kleingartenanlage. Wenig später triffst du deine Jungs am Block. Deine Homies, Riesenaffe Kongar, Gottesanbeterin Preytor, Lavawesen Magmo, Gigantenroboter V-Ultra und der Rest der Bande, sind alle etwa 30m groß. Zur Begrüßung wirfst Du ihnen ein paar riesige Stahlträger und einige LKW und Straßenbahnen entgegen. Sie erwidern die Begrüßung mit einem Hagel aus Felsbrocken und Laserfeuer. Wie gesagt, ein Tag wie jeder andere. ......So oder so ähnlich würde wohl ein Tagebucheintrag von einem der 10 Helden von „War Of The Monsters“ aussehen. Die Story des Games ist schnell erklärt. Die Erde wird von einer handvoll Außerirdischer bedroht. Die Menschen schaffen es, die UFOs mit Hilfe einer Geheimwaffe am Himmel abzuschießen. Beim Aufprall der Bruchpiloten zerschellen die UFOs auf der Erde und aus den aufgeplatzten UFOTanks läuft eine verstrahlte Flüssigkeit heraus, die aus kleinen Insekten riesige aggressive Kampfgiganten macht. Und damit beginnt auch schon das heitere Haudrauf-Vergnügen. Zu Beginn des Spiels hält sich die Begeisterung zwar in Grenzen, aber schnell steigt das Begeisterungs–Barometer rasant in die Höhe und man sprüht nur noch so vor wilder Zerstörungswut. Auf insgesamt fünf sehr schön designten Levels geht es dann mächtig zur Sache. Für jeden Triumph kassiert ihr Kampfmarken, mit denen Ihr vier Extra Level, zwei Extra Monster und Spezialkostüme für eure Fighter freikaufen könnt. Ihr bestreitet das Abenteuer jeweils mit einem der zehn Mutanten und trefft auf eurem Streifzug auf jede Menge verrückter Monster und auf insgesamt drei Endbosse, die es zu erledigen gilt. Wenn ihr das Gemetzel beendet habt, werdet ihr mit einer gut animierten Endsequenz (ähnlich wie bei Tekken) belohnt, die eurem Helden noch mal den besonderen Tribut zollt. Das Handling der Monster ist relativ einfach, was aber nicht heißt, dass man sofort Herr der Lage in Sachen Gameplay ist. Es bedarf auch für Profis schon einer kleinen Weile, bis man die Moves und Angriffstaktiken 100%ig im Griff hat. Fazit: „War Of The Monsters“ ist ein Beat‘em Up erster Güte, bei dem zwar die Story nur hintergründig stattfindet, aber das Spiel trotzdem mit sehr gutem Sound, toller Grafik und Animation auf jeden Fall überzeugt. Mein Tipp: Besucht mal die offizielle Homepage, es lohnt sich! - romanatti

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otfall auf Funkotron! Anti-Funk, der Vertreter der dunklen Site des Funk, hat die 12 heiligen Funkplatten gestohlen und ist mit ihnen auf die Erde verschwunden. Ein Auftrag für ToeJam & Earl und ihre neue, bezaubernde Mitstreiterin Letisha. Die drei werden zur Erde geschickt, um wieder in den Besitz der heiligen Alben zu kommen. Natürlich ist es jetzt die Aufgabe des Spielers, einen der Charaktere zu übernehmen und auf der Erde im typischen Jump’n’Run-Stil nach den Platten zu suchen. Jeder Charakter hat unterschiedliche Merkmale. So ist BigEarl beispielsweise etwas lahm zu Fuß, hat aber die größte Reichweite, wenn es um das Funkifizieren seiner Gegner geht. Der „FunkFu“ ist die Hauptwaffe der Außerirdischen und im Laufe des Spieles kann man diesen, fast schon wie in einem Rollenspiel, hochpowern. Gegen größere und besser geschützte Gegner muss man dann jedoch die vorher zu sammelnden „Funkifizierungs-Noten“ auspacken. In allen Levels gibt es als Belohnung für gutes Erschrecken an Haustüren oder Erfüllung einer Aufgabe massig „Geschenke“ abzustauben. „Geschenke“ haben in dem Spiel die Funktion von PowerUps und helfen dem Spieler in manch brenzliger Situation. Leider hat man manchmal das Gefühl, dass es sich im gesamten Spiel nur um das Einsammeln von Noten, Schlüsseln und Geschenken dreht. Auf Dauer gesehen kann diese Sammelorgie etwas nervig werden. Grafisch macht das Spiel schon einiges her. Die Landschaft sieht, dank detaillierter Texturen, gut aus und es gibt in den thematisch verschiedenen Welten einiges zu entdecken. Einen großen Teil des Spaßfaktors am Spiel macht jedoch der abgedrehte Humor aus. Flapsige Sprüche, die Gott sei Dank nicht einer „uncoolen“ deutschen Übersetzung zum Opfer gefallen sind, witzige Charaktere wie der „Weise Mann im Möhrenkostüm“ sorgen für einige Lacher. Etwas mehr hätte ich mir jedoch von dem Soundtrack versprochen. Ein Game, das Funk als zentrales Thema hat, sollte etwas mehr zu bieten haben als langweiliges und teilweise „unfunkiges“ Gedudel. Besonders viel Spaß macht „ToeJam & Earl III“ jedoch im nahezu perfekten Zwei-Spieler-Modus. „XBox Live“User können sich zusätzliche Charaktere und Level aus dem Internet saugen und so die Langzeitmotivation noch steigern. Leider hat sich seit dem ersten Teil, den ich 1991 auf dem Sega MegaDrive begeistert gezockt habe, am Gameplay nicht viel geändert. Deshalb hat es „ToeJam & Earl III“ etwas schwer, gegen die starke Genrekonkurrenz der Xbox anzukommen. Das Spiel macht aber trotzdem Spaß und ist ein guter Genretitel. Nicht mehr und nicht weniger. - fast phive

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TOE JAM & EARL 3 System: XBox Publisher: Sega/Microsoft (www.sega.de)


getestet von: dj kamikaze & sherin kürten

DJ NICON „Optische Elemente” OptikRecords.de DJ Nicon, DJ von Deutschlands aktivsten und (meiner Meinung besten Rappers) Kool Savas kommt diese Tage mit einem weiteren Release auf Optik Records. „Optische Elemente“ nennt sich das Tape und hat neben bereits erwähnten MC noch weitere Gastfeatures von Eko, Seperate und Gris zu bieten. Doch zum eigentlichen. Nicon orientiert sich sehr an dem aktuellen Mixtape Prinzip der Staaten und hat neben Tracks von Slim Shady & Dre, Jay-Z, Swizz Beatz, Knocturnal und Gang Starr, viele exklusive Tracks von der eigenen Crew oder aus dem Optik Umfeld am Start. Dazu kommen Freestyles und Bonus Tracks, sowie Live-Mitschnitte von der Savas Tour. Sprich, wer coolen Sound, nette Cuts und ein solides Mixing mag, ist bei diesem Tape nicht falsch. Für alle, die auf „Optik“ stehen, ist diese Tape ein muss!

TIM FX & DJ O-LEE 47 „Hip Hop für ErwaXXXene!” O-lee47.de · Norzprod.com Tim FX und DJ O-Lee 47 von City Nord haben sich zusammen ein nettes Konzept überlegt, wie man die Leute dazu bewegt ein Tape zu kaufen, das eigentlich schon öfters da gewesen ist. Man mixt die „Golden Years“ des Hip Hop und verkauft es als Best of „Old Shit“ o.ä. Nicht so bei diesen Jungs. Die Trackauswahl ist zumindest bei O-Lee 47 sehr fresh und die Songs hört man nicht alle halbe Stunde im Club. Ausserdem gibt‘s 100 Punkte fürs Cover! Auf der A-Seite werden Tracks im Zeitraum 8891 live gemixt. Insgesamt 30 Songs plus Intro verbrät O-Lee 47, die sehr sauber gemixt sind. Doch nun zur B-Seite: Diese knüpft nahtlos an und beinhaltet 92-95. Insgesamt 19 Songs von Tim FX, der mir über bereits erschienene Tapes mit seiner Trackauswahl große Freude gemacht hat. Bei diesem Tape hat er leider meiner Meinung nach etwas zu oft gespielte Songs auf sein Tape gepackt. Er überzeugt jedoch durch ein gutes Mixing und gute Blends. Ein gutes Tape, dass man sich bei Interesse an den letzten 15 Jahren Hip Hop zulegen sollte.

PHLATLINE SOUND „Dancehall Vibes” Phlatline.de Zu diesem Tape gibt es eigentlich nicht sehr viel zu sagen, außer das es brennt! Deutschlands bekanntestes Soundsystem ist mit einem weiteren Release am Start. Nach zahlreichen Veröffentlichungen präsentiert euch Phlatline Tapes die 4. Jahres Party des Soundsystems am 8. März in Chemnitz. Zu hören sind neben der Phlatline Jungs auch Gratulanten wie Nosliw und Goldrush International aus der Schweiz. Eine Tracklist kann ich bei diesem Tape leider nicht bieten, da keine gibt! Einfach nur 90 Minuten Partysound live gemixt. Auch für alle die nicht dabei waren, ein Spaß und einfach wieder ein fettes Tape aus dem Hause Phlatline. Wie ich es auch nicht anders gewohnt bin. Abchecken.

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MC MIRROR „Schocktherapie“ Beatkingz-Records.de Als dieses Tape unsere Redaktion erreichte und ich „Schocktherapie“ las, dachte ich zuerst: Oh Nein! Muss ich wirklich? Nun habe ich es durchgehört und kann erfreut mitteilen, ich lebe noch. Nein, dieses Tape hat nicht mein gesamtes Weltbild zerstört und ich bin nicht, wie oft, schockiert. Man könnte schon fast behaupten, dass ich begeistert und positiv überrascht bin, dass Beatkings-Records so ein Tape zustande bekommen hat. Mit einer Mischung aus deepen und hervorragenden Beats und anspruchsvollen Lyrics ist es MC Mirror, bekannt auch von den Creaturen der Nacht, gelungen ein Tape der Extraklasse zu produzieren. Man muß aber auch sagen, dass die Gäste auch einen Großteil dazu beigesteuert haben. Saga, Dann, Rhymez, Deckah, Pillah-K, Jas, Prok, Bulgara und Mikrofon machen den Track „Schocktherapie“ mit Ihren unterschiedlichen Raptechniken sehr interessant und liessen mich nachdenken, warum ich von vielen noch nichts gehört habe. Anspieltipps: „Blutrot“, „Leben am Abgrund“, „Abschied“ und „Parts der Abrechnung“.

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CRISAN „Brandgefahr 02” T-N-T-Music.de Takt&Ton ein kleines HipHop-Indie aus Berlin schickt uns dieses Tape von Crisan. Wir finden sechs komplette Tracks vor, verpackt mit In- und Outros und vier Interludes. Diesem Tape wird in diesem Jahr noch ein Album, mit dem Namen „Stückvisite“ folgen. Zum Tape selber, kann man sagen, dass Crisans Flow sicher nicht zu verachten ist. In Tracks wie „Mrs. Bitch“ oder „Frontal“ trifft man auf gute Rapstyles, die aber noch ausbaubar sind. Aber wir sprechen hier von seinem Debüt und wenn man das im Hinterkopf hat, kann man mit gutem Gewissen sagen, dass ihm das gelungen ist. Als Produzenten und Beatbastler machten sich DJ Nice, der einigen wahrscheinlich von Pflegerlounge, Krisenstab oder Dejavue bekannt ist und DJ Frantic ans Werk. Bis auf kleine Ausnahmen ziehen sich die Beats wie ein roter Faden durch das Tape. Die meisten sind eher ruhig und harmonisch und wirken manchmal ein wenig lau. Crisan zeigt aber trotzdem, dass er in jedem Fall das Zeug dazu hat, ein gutes Album auf den Markt zu werfen. Wir werden es erleben.

Wenn ihr auch in dieser Kolumne vertreten sein wollt, schickt uns Eure Mixtapes mit einer kurzen Beschreibung und einem Anschreiben an: J.L. King Verlag GhettoFabulous Magazin Postfach 3202 55397 Bingen Vielleicht findest Du dann bald Dein Tape hier wieder!


BRACE 4 IMPAK SANCEZZ CLUBMIX VOL.2 - OUT NOW!!! Featuring: Freeway · B2K · Mario · Lil’Kim · Next · Joe feat. Jadakiss · Snoop Dogg feat. Pharell Williams · 50 Cent · Ginuwine Beyoncé Knowles · Fat Joe feat. Tony Sunshine & Remy Martin · Eve · Jay-Z · R. Kelly feat. Fat Joe · Method Man & Redman Justin Timberlake · Da Brat · Beenie Man · T.O.K. · Erick Sermon · Keith Murray feat. Redman · Method Man · CNN feat. M.O.P. Lil’ Mo feat. Fabolous · Foxy Brown · Usher · Busta Rhymes feat. Mariah Carey & Flipmode Squad · TLC · and more...

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OLLI BANJO „Dein Arsch” Headrush/Capitol/EMI Olli zieht wieder derbe vom Leder. Auf den beiden ersten Tracks „Dein Arsch“ und „Pornostar“ stellt Banjo wieder einmal unter Beweis, wie lustig es sein kann, wenn sich sein dreckiges Vokabular mit seinem Flow, den nicht nur ich als einen freshsten Slangs im jetzigen Business bezeichne. Allerdings entschärft der Aschaffenburger seine Ausdrucksweise auf „Sexist“, dem dritten der insgesamt vier Songs der 12“, auf dem Olli erklärt, wo seine Musik bzw. seine Texte vom Hörer eingeordnet werden müssen: „Nur Musik“... so auch der Titel des szenenkritischen vierten Stücks. Der Roe-Beardie-Sound auf dieser Maxi überzeugt mich diesmal nur teilweise, aber „Dein Arsch“ hätte durchaus Hitpotential, wäre da nicht die allgemeine Verklemmtheit... und die Zensur natürlich.

KOPFHÖRER „Unter Druck” Pirate/Al Dente Al Dente Records aus Köln präsentieren uns „Kopfhörer“, den Zusammenschluss dreier Künstler aus Limburg an der Lahn: Junker, Pete und DJ D-Sign. Mit „UnterDruck“, „America“ und „Noch Fragen“ bietet sich dem Hörer eine DreiTrack-Single, bei der sich solide Reimstrukturen mit Battletaktiken, Politkritik und annehmbaren Punchlines paaren. Während die Beats nicht sonderlich hervorstechen, ist auffällig, dass die Vocals in sehr schlechter Soundqualität aufgenommen wurden. Sollte ich eventuell eine ungemasterte Version bekommen haben? Jedenfalls denke ich, dass für das im Mai erscheinende Album „Ultraschall“ noch einige Pfunde Finesse draufgepackt werden müssen, will man gegen andere IndependentReleases der kommenden Monate auch überregional bestehen.

KOOL SAVAS „Der beste Tag meines Lebens” Optik/SubWord/BMG Dies, das, mies, mass. Die neue Maxi vom „Überking Of Rap“ ziert die Regale der Plattenläden wahrscheinlich nicht lange. Nicht nur die MTV-VIVA-Rotation sollte gewährleiten, dass sich Savas’ 12inch gut verkauft. Denn ausser des Titeltracks, der zu den besten Stücken des gleichnamigen Albums gehört, sind drei exklusive Songs auf der Platte, die nicht nur Fans des Optik-Teams zum Kauf bewegen. „Optik Boom“, „Sinn der Sache“ und „Bitte spitte“ heißen die Exclusives, wobei mich besonders erstgenannter durch einen erfrischend neuen Style von Mel angenehm überzeugen konnte. Respekt! Zwei Songs sehr gut, zwei Songs OK! Wäre da nur nicht immer diese notorische Selbstüberschätzung seines Rappartners Eko...

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SD „Traumreise / Mutterstadt 2“ Optik/SubWord/BMG Der zweite Release aus dem Hause Optik kommt von SD, seines Zeichens Mitglied der damaligen StammtischCrew. „Wie Es Geht“ ist ein gewohnt „derber“ Battletrack, gespickt mit Doppelreimen des Kölners. Der Beat von Benny Blanco, der auch die B-Seite „Oh“ feat. Spontan & G-Style aus dem Hut gezaubert hat, überzeugt schlicht und ergreifend durch freshe Soundeinflüsse und dicken (Percussion-)Drums. Allerdings übertreibt es S-Dirty wie üblich das ein oder andere Mal mit seinen Schilderungen von Gewalt und Drogenkonsum, was meinen Eindruck aber nicht erheblich trübt. Die Scheibe bounced beidseitig, und mit Savas und Spontan im Rücken wird da noch einiges nachkommen. „Was für‘ne sicke Persönlichkeit ist der Kerl!“ – Damn right, Scopemann.


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ROEY MARQUIS II. „Samsara“ Ming Dynasty Was soll ich sagen? Noch souveräner und tiefer als auf „herzessenz“ präsentiert sich Roey Marquis II. auf „samsara“. Wie kann man so viele deepe, aber dennoch abwechslungreiche Alben hintereinander produzieren ohne auch nur einmal zu floppen? Wie ist es möglich, dass ein Künstler mit diesem spezifischen Sound nicht gnadenlos erfolgreich ist, wo doch der allgemeine Tenor nach gutem, erwachsenem Underground-Hip-Hop schreit? Fragen über Fragen, die auch ich mit meinen Leuten oft diskutiert habe. Leider findet man dafür keine sinnvolle Erklärungen. Ok, die erste Frage kann ich beantworten. Durch gutes peripherisches Sehen und Hören über den Hip-HopTellerrand hinaus, hat es Roey Marquis wieder und wieder geschafft, thematisch neue Klangbilder zu erschaffen, die aber immer seine Handschrift trugen, obwohl man oft erst nach genauestem Hinhören wiedererkannte, wer da seine Finger über das Mischpult und den Mac gleiten lies. „samsara“, die Wiedergeburt, steht hier für diese Entwicklung: „...und darum werde ich mich auflösen, nicht dass ich zunichte gehe, sondern dasss ich neu werde...“ – dieser auf der Innenseite des Covers vermerkte Satz beschreibt die phoenixartige Auferstehung des innovativen Stils eines Mannes, der sich völlig der Musik verschrieben hat. Anders als bei den meisten Produzenten und Gruppen schafft es Roey Marquis, eine Beziehung zwischen Mensch und Musik herzustellen, die oft schon nach dem ersten Eindruck sehr stark ist, aber bei weiterer Auseinandersetzung mit den Klängen der eingesetzten Instrumente, den Samples aus Film und Musik, der Idee hinter dem Album und den Texten der fast durchweg exzellenten Emcees um ein weiteres gefestigt wird. Das Team von Künstlern, das sich inzwischen um den Frankfurter Produzenten formiert hat, ist definitiv erstklassig: Curse, Stress & Trauma, Jonesmann, Sezai, Vidigal, Profan78, Lunafrow, Absztrakkt, Jeyz, Instinkt und DCS stehen einfach für Qualität. Besondere Highlights des Albums sind für mich „Insane World“ und „Faustregel“, bei denen Roey mit Mannheim’s Finest Pal One gearbeitet hat. Ein verdammt tighter Song ist ausserdem Calo’s Kollabo mit Italo Reno & Germany aus dem AllesSeite 58

Real-Camp, die mit „Hoffnung“ erneut beweisen, dass sie sich nicht auf den Status von Backup-Emcees limitieren lassen. Derber Rap, Kosengos! Den Vogel schießt allerdings der Mann ab, der sich trotz mancher Ausrutscher immer zu meinen lyrical Favorites zählte. Tatwaffe & Roey Marquis II. präsentieren „Seelenlos?“. Da ist alles vorbei. Schluss, aus, fertig. Kauft euch unbedingt einen weiteren Eckpfeiler des deutschen Rap, und macht das schnell, denn „samsara“ ist streng limitiert. Mehr Infos findet ihr unter www.mingdynastyshop.de - Der OnlineShop ist die offizielle Anlaufstelle.

TEAM EIMSBUSH „Team Eimsbush Compilation Vol.1“ Eimsbush/WEA Nach diversen Styleliga-Releases und der passenden Styleliga-Compilation haben sich die Mitglieder des Teams Eimsbush dazu entschlossen, nun ein ganzes Album mit allen Artists des Labels zu produzieren. Zum Team Eimsbush gehören: Ben Kenobi, Big Sel, Charnell, D-Flame, Digger Dance, Doubleface, Dynamite Deluxe, Eißfeldt65, Falkadelic, Illo, Joni Rewind, Mixwell, Paolo77, Phantom Black, Samy Deluxe, Seanie T., Tony Rotten, Twisted und Tropf. Neben Tropf zeigen sich hauptsächlich Joni Rewind und Simon Vegas für die Produktionen auf dem Sampler verantwortlich. Entsprechend abwechslungsreich sollte also ein gemeinsames Album dieser unterschiedlichen Charaktere sein. Doch meine Erwartung wird von „Team Eimsbush Compilation Vol. 1“ nur bedingt erfüllt. Die meisten Beats wirken recht bouncig, aber wirkliches Kopfnicken lösen dabei nur wenige Stücke aus. Das mag daran liegen, dass bei vielen Tracks des Albums entweder der Beat oder die Raps positiv auffallen, selten aber beides. Ausnahmen bestätigen jedoch auch hier die Regel, womit wir bereits beim Opening-Track „Immer noch da“ feat. Samy Deluxe, Twisted und Illo wären, der in den Plattenläden eures Vertrauens als 12inch vorhanden sein müsste. Auf einem Tropf-Beat, der mich persönlich ein wenig an Synthi-Sounds à la Captain Future mit einer dominierenden Baseline erinnert, weiss dieser Representer-Track zu überzeugen. Eine weitere Ausnahme ist die erste Single-Auskopplung dieses Albums - „Deep Throat“ feat. Phantom Black auf einem weiteren Beat von Tropf. Phantom Black, dessen 2002er Album mich bereits sehr beeindruckt

hatte, stellt sich mal wieder als absoluter Glücksgriff für das junge Hamburger Label heraus. Raps „on point“ und eine Hookline zum mitgrölen zeichnen „Deep Throat“ aus. Bei diesem Song bilden Beats und Raps eine gelungene Synthese, da der Beat angenehm im Hintergrund bleibt und dem MC genügend Spielraum zur Entfaltung einräumt. Track Nummer 13 auf dem 15 Track starken Album ist ein genauso straker Song: Der „So Rotten“-Remix von Blak Twang mit zusätzlichen Raps von Samy Deluxe ist sowohl bezüglich Samy’s und Tony’s Raps, als auch hinsichtlich der gesungenen Hookline von Jahmali, einer der Leckerbissen des „Team Eimsbush“-Albums. Insgesamt muss ich allerdings sagen, dass mich die „Team Eimsbush Compilation Vol. 1“ etwas enttäuscht hat, da die Anzahl der Tracks, die wirklich zu überzeugen wissen, zu niedrig für Eimsbush-Standards ist. Eimsbush, denen man immer zumindest solide Tracks nachsagt, schafft es auf diesem Album selten, den typischen Flair der Hansestadt in gewohntem Maße an den Hörer zu bringen. Ob es an den „vielen Köchen“ liegt, die am „Brei“ mitkochen, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Allerdings hat sich bei mir die gewohnte EimsbushZufriedenheit nicht eingestellt.

CURSE „Innere Sicherheit“ Premium Blend/Jive Curse ist mit seinem nunmehr dritten Album zurück. Da „Feuerwasser“ und besonders „Von Innen nach Aussen“ zu meinen absoluten Lieblingsalben des deutschen Raps gehören, waren meine Erwartungen an „Innere Sicherheit“ natürlich dementsprechend hoch. Ich muss gestehen, dass sich bei mir während der ersten Hörprobe Ernüchterung einstellte. Das, was ich da hörte, war das komplette Gegenteil von dem, was ich mir von diesem Album versprochen hatte. Zugegebenermaßen erschuf ja bereits der Vorgänger mit einem Großteil von gefühlvollen Tracks, die sich intensiv mit der Materie Frauen und der Gefühlswelt des Rappers auseinandersetzten, den Stil, der den Mindener in der Medienwelt definierte und limitierte. Aber trotzdem ist irgendetwas anders. Schon beim ersten Track „Alles wird besser“ traue ich meinen Ohren nicht! Ist das tatsächlich Curse der da singt?!? Ja, richtig gehört und das soll auch nicht die letzte Überraschung auf diesem Album sein. Curse überrascht zudem mit dem Crossover-Song „Schock-


PAL ONE KOMMT. WANN? 19.05.2002 ALSO...WAS WOLLT ?

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getestet von: rapido & tobicontinued... (www.hiphopculture.de) therapie“, auf dem Braz von 4LYN gefeatured wird, oder mit „Was ist jetzt“, dem Track, der wie eine Pianoballade anfängt und mit einem Punk-Abriss à la Gitarrenriff endet. Ungewohnt ist es schon, was mir da zu Ohren kommt. Nach dem dritten und vierten Durchgang gelingt es mir endlich, meine beschränkten Erwartungen beiseite zu legen, und mir wird schlagartig bewusst, dass dieses dritte Album das nächste Level in Curse´s künstlerischem Schaffen darstellt. So reif, musikalisch und abwechslungsreich, mutig und innovativ klang Curse bisher noch nie. Und diese Erkenntnis ist nicht nur auf die musikalische Seite beschränkt. Auch textlich äußert sich diese Feststellung. Persönlich, poetisch und vor allem politisch - ein Themengebiet, mit dem sich Curse eigenen Aussagen zufolge in seinen Songs nie näher beschäftigen wollte - sind die Lyrics auf „Innere Sicherheit“. „Dreht ab“ ist ein gutes Beispiel für den „neuen“ (gesellschafts-)politischen Curse. Mit Versen wie „.../ die Justiz in diesen Tagen kommt kaum zum Verbrecher jagen, zu beschäftigt bei Albanern nach den Pässen zu fragen, zu beschäftigt mit Führerschein, Papieren, checken des Wagens /...“ übt Curse offen Kritik an diversen Zuständen in Deutschland - egal ob Steuerpolitik, Fremdenhass oder Arbeitslosigkeit. Der Track „Rap“ tröstet alle, denen bis zu diesem Zeitpunkt das Album zu weichgespült erschien. „Rap“ ist ein Battletrack erster Güte, auf dem Curse das volle Rap-ertoire seines Könnens beweist. Egal ob Doppelreime, Frankfurter Flex oder Styles auf Englisch (!), hier wir jedem etwas geboten und klargestellt, dass Curse nach wie vor einer der besten MC´s Deutschlands ist! „Apfel“ mit Germany & Italo Reno ist als Hommage an die Familien von Curse, Germany und Italo Reno zu verstehen. Mit diesem Song geben die drei eine Antwort darauf, was ihre Eltern von deren „Arbeit“ als Rapper im Musikbusiness halten, und mit welchen Problemen die drei diesbezüglich bis zum heutigen Tage zu kämpfen haben. Auch eine Fortsetzung der Rapgesetze gibt es auf „Innere Sicherheit“. „Rap Gesetze 11-20“ heißt der Track und kommt mit ziemlich kranken Computersounds daher, die sich jedoch bezüglich dem musikalischen und textlichen Rahmen merklich an den „ersten zehn Geboten“ anlehnen. „18: ich lass mir von niemand die Liebe abnehmen, ich hab´s Mic nicht wegen euch genommen und werd´s für euch nicht abgeben, versteht ihr?“ - Wahre Worte en masse auch in diesem Text! Abschließend sollte noch angemerkt werden, dass Curse die Käufer von schwarzem Gold mit zwei Bonustracks („Rap spielt verrückt“ und „Gegen uns“ feat. Italo Reno & Germany) belohnt. Viele Leute werden sicherlich sagen, dass „Innere Sicherheit“ ihnen zu kommerziell erscheint und ganz Seite 60

klar auf einen geplanten Charterfolg ausgelegt ist. Meine Meinung dazu: Wenn so die Charts aussehen, sicher ich mir morgen Karten für „The Dome“!

VARIOUS ARTISTS „Screenshotz“ Pirate Recordz/Al Dente Revolutionär neu kann man die Idee eines Albums oder Samplers mit zugehöriger DVD nicht unbedingt nennen. Hat uns doch der führende und inspirierende Musik- und Marketingmarkt USA mit Alben der Roots, Jurassic 5, Eminem und 50 Cent, um hier nur ein paar Beispiele aus jüngster Verganagenheit zu nennen, vorgemacht, wie sehr eine DVD-beinhaltende Special Edition eines Albums den Verkauf ankurbeln kann. Und wenn man ehrlich ist, liegt diese Idee bei solch boomenden Markt für die „digital vielseitige Disk“ auch unheimlich nahe. Die Idee von Al Dente Recordz war aber hierbei noch eine ganz andere: Wie oft hat man sich als Anhänger des Deutschrap schon darüber aufgeregt, dass trotz steigender Medienpräsenz für unsere Musik immer wieder die gleichen vier bis fünf Videos im Programm der hiesigen Musiksender wiederholen. Gerade die extra dafür angelegten Spartensendungen weichen nach und nach davon ab, Videos zu spielen, die nicht die allgemein bekannten Klischees bedienen. Manhcmal habe ich sogar das Gefühl, dass das Videobudget eine nicht unerhebliche Rolle bei der Auswahl der Clips spielt. Das steht allerdings auf einem anderen Blatt. Dennoch galt diese Einstellung der Kölner Macher als Credo des Vorhabens im Vordergrund. 18 Songs von Rapkünstlern aus ganz Deutschland auf einer Compilation. Garniert wird das ganze dann mit den passenden 18 Clips auf der dazugehörigen DVD. Dass die Achse Frankfurt-Köln/Ruhrpott mit der Microphone Mafia, Lyroholika, DJ Lifeforce & Scope, Creutzfeld & Jakob, Noisy Stylus, Moses Pelham, Ventura Bros., Die Firma, den FFMC’s und dem Frankfurter Projekt Kombi-Nation besonders stark vertreten ist, ist natürlich nicht verwunderlich, wenn man ein wenig über die Connections der Beteiligten untereinander bescheid weiß. Hinzu packte man Afrob’s „Öffne die Augen“-Joint-Venture mit D-Flame, Curse mit seinem stylischen Asia-Video zu „Warum nicht?“, Videos der Heidelberger Torch und Toni L. („Funkjoker“, „In deinen Armen“ und „Exodus (Kapitel 8)“), Kool Savas mit dem Titeltrack seiner damals sehr erfolgreichen

„Haus und Boot“-EP, Blumentopf mit „Liebe & Hass“ und die Spezializtz im Schnee („Kennst ja“). Einer guten folgt jedoch leider eine mäßige Umsetzung, da mir die Auswahl der Songs (ungeachtet ihrer einzelnen Klasse) nicht zusagt. Hier fehlt mir der zeitliche und teilweise auch stylistische Zusammenhang der einzelnen Acts. Auch nicht komplett fertiggedacht präsentiert sich die Gestaltung der DVD. Eigentlich wollte ich „DVD-Menü“ schreiben, aber das gibt es nicht. Dementsprechend lustlos stellt sich auch die Aneinanderreihung der Clips dar. Schwerpunkt lag ganz klar auf den Videos selbst. Deshalb freut es mich auch, dass jemand die Idee, Musikvideos auf DVD zu releasen, aufgegriffen und umgesetzt hat. Ich hoffe, dass Ähnliches aus gleichem Hause oder anderen Quellen folgen wird. Oder bin ich etwa der Einzige, der gerne sämtliche Videos in guter Qualität und ohne Überblendungen am Start hätte, um diese unabhängig von Launen und Meinungen bestimmter Fernsehmacher zu genießen, wann immer ich will?!? Was dringend noch erwähnt werden muss, ist der richtig günstige Preis dieser Compilation. Endlich wirkt jemand dem Trend entgegen, ein Produkt trotz sinkender Verkaufszahlen bei Tonträgern, für wenig Geld in die Regale zu stellen. Somit offenbart sich dem Konsumenten mit „Screenshotz“ als CD-DVD-Produkt zum Preis einer gewöhnlichen CD ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

CRONITE „Cronite“ Motor/Universal Records Der gebürtige Nürnberger Cronite, „the Croatian Nightmare”, ist in der deutschen Hip-Hop-Szene weder unbekannt noch ein sonderlich bekannter MC. Trotz einiger Independent-Releases seit dem Jahr 1994 konnte sich seine Musik nur in den Playlists der wenigsten deutschen Rap-DJs und Radio-Shows etablieren. Und trotz der Tatsache, dass Cronite als Support auf den Gigs von Afu-Ra, Blahzay Blahzay und Ferris, sowie als Co-Headliner bei den Lords Of The Underground und Mr. Schnabel agierte, ist er nur noch den wenigsten bekannt. Aber woran liegt das? Ist es die Sprache? Cronite rappt in fast perfektem US-Englisch, was es im Roster der Rapper in Deutschland nur selten gibt. Ehrlich gesagt, fallen mir da ausser Cronite nur Rasul (ex-Square One) oder


getestet von: rapido & tobicontinued... (www.hiphopculture.de) die Jungs von KMC aus Berlin ein. Danach wird es schon mächtig dunkel, was den akzentfreien, englischsprachigen Rap aus Deutschland betrifft. Alle, die ich jetzt vergessen habe, dürfen sich gerne provoziert fühlen, mich eines besseren zu belehren. Cronite sieht sich eben, was die Lyrik in englischer Sprache angeht, als Individualist, der seinerseits nicht dem Trend folgte, die Texte fortan ausschließlich in deutscher Sprache zu schreiben und vorzutragen: .../ just like catchin’ me rappin’ in German / just to get a guaranteed records deal / naa, son, it just ain’t me /... („It Ain’t In Vain“) . Das könnte aber wiederum genau der Grund sein, warum der gehoffte Erfolg ausblieb. Ungeachtet der Qualität seiner Raps ist festzustellen, dass Deutschland eben keine auffällig große, englischsprachige Rapkultur hat, die sich in den Medien behauptet. Aber abgesehen von der Sprache, die den Nerv des Konsumenten vielleicht nicht optimal trifft, sind die Beats auf „Cronite“ nicht vollkommen überzeugend. Sollten die Produzenten Stylewarz, Playmo, Dash, Baby Dooks und Koolade vertreten sein, die ihn über die Jahre mit Beats versorgten, haben sie diesmal nicht ihre besten Stücke herausgerückt. Überflüssig zu sagen, dass die Produktionsqualität dagegen hochklassig ist. Oft auftretende, poppige Sounds, wie der Beat des ansonsten deepen Songs „The Blues“, haben mir persönlich aber nicht die richtige Freude an diesem Album beschert. Aber auch dieses Album hat seine Höhepunkte, zu denen „Nobody“, ein Track mit DJ-Premier-Grundstruktur und einem japanischen Sample und die ausgekoppelte Single „U Can’t Keep A Good Man Down“, die etwas von Royce 5’9’s „Boom“ hat. Ich hasse es eigentlich, einen Track zu beschreiben, indem ich ihn mit einem anderen vergleiche oder deren Parallelen aufzeige, aber das war nunmal der erste Gedanke, der mir beim Hören vieler Songs durch den Kopf schoss. Was man dem Album nicht vorwerfen kann ist Einseitigkeit. Die Reichweite der Sounds geht vom „Westcoast Cruisin’“Gefühl über Baladen bishin zu dicken Bässen und minimalen Samples. Unseren und euren Support hat Indivualist Cronite verdient, was bedeutet, dass ihr das Album abchecken müsst, wenn ihr wissen wollt, was er zu sagen hat... und das ist einiges!

ILLMAT!C „Brillant“ 3p/Island/Universal “Brillant” nennt der Frankfurter Rapper IllSeite 62

matic sein drittes Album nach „Illastration“ und dem 1999 erschienenen Longplayer „Still Ill“, der damals die ersten offiziellen Geh- bzw. Reimversuche des MCs in deutscher Sprache offenbarte, nachdem er 1997 von Moses Pelham nicht allein wegen seiner agressiven, rauen Stimme gesigned wurde. Diese transportierte nämlich zunächst englische Rhymes, mit denen man in Deutschland schon immer dünnes Eis betrat. Doch „der Iller“ konnte sich durch viele Gastauftritte auf Alben seiner 3p-Familie weiterentwickeln. Seine Präsenz in diversen Videos anderer Acts brannte sein Gesicht das ein oder andere Mal bundesweit in die Bildröhren der Fernseher. „Brillant“ ist neben dem Arbeitstitel auch die Herangehensweise an die musikalische Seite der dritten LP. Neben den ortsansässigen Produzenten DJ Release und dem Nachtwandler-Team geben sich auch Kool Savas und Melbeats die Ehre und steuern Tracks bei. Aber auch lokale Newcomer wie DJ Katch, welcher auch raptechnisch etwas zum besten gibt, Honolulu oder Jamil & Jamal zeichnen sich durch tighte Beats aus, die den Sounds der „Alten“ teilweise sogar den Rang ablaufen. Dass für Illmatic (bürgerlich: Costa Meronianakis) die Clubszene ein wichtiger Bestandteil seines Lebens ist, dürfte regional bekannt sein. Um das aber dem Rest der Nation klarzumachen, packt Costa Songs vom Kaliber „Alles was du willst“ (feat. Cassandra Steen von Glashaus), „Freaky“ (feat. Sofi) oder auch „Bouncin’“ (feat. Adiam) auf seine Platte. Diese sind durch reges Tempo, Gitarren- oder Conga-Sounds und Damenstimmen, die Hooklines zum Mitsingen präsentieren, gelungenes Futter für Partyhungrige. Es wurde ebenfalls sichergestellt, dass keine Flow-Monotonie aufkommt. Hierzu holte der Emcee sich zusätzlich JLuv, Ercandize von ABS, Real Jay, Germany, Eko, Iz von Konkret Finn, Paula, Franziska, Valezka und 3p-CEO Moses Pelham, der mit seinem Reim auf „Ill & Mo“ nach viel Background-Arbeit beim eigenen Label wieder ein Brett raushaut. Mein Vorschlag für den Titel wäre ja „Dr. Jek-ill und Moses Hyde“ gewesen, weil sogar Costa zahm erscheint, wenn sich Mo’s Charisma über den Track legt. Einziger Kritikpunkt sind germanisierte US-Rap-Phrasen und komplett übernommene Textzeilen amerikanischer Songs: „Ruf nach deinem Jungen“ („Holla at your boy“), das Motto des Albums, ist da das beste Beispiel. Mit seinen vielen, selbst entworfenen Namen (Costa Rica, Flownassis, Costadamus, Pharell Illiams, ...) beweist der Frankfurter mit griechischen Vorfahren doch eigene Kreativität, die in den Texten und bei Ad-libs und Shouts von mir leider oft schmerzlich vermisst werden, was dem Album am Ende leider einige Abzüge in der Kür bringt. Alles in allem aber trotzdem aber ein sehr cooles Album... Holla!

PAL ONE „Was wollt ihr? EP“ Starting Lineup/NEO/Sony Was wollt ihr? Pal One, Mannheim, Roey Marquis, ernsthaften deutschen Rap, Aussage statt Attitüde? Wenn die für euch zutreffende Antwort aus der Kombination all dieser Vorschläge besteht, dann seid ihr hier richtig. Zwischen trockenen Raps und rohen Beats findet sich die Schaffensessenz der letzten zwei Jahre des Mannheimer Rap-Urgesteins nach einigen Querelen nun endlich doch noch auf CD. Dabei wirkt die EP als Zusammenschluss der zwei aktuellen Vinyl-Maxis „Ex-Orbitantikum“ und „Was wollt ihr?“ (letztere wird parallel zur CD-Version veröffentlicht), beide Titel-Songs sind dementsprechend feste Eckpfeiler des Tonträgers. Darüber hinaus rappt sich Pal mit all seinen Stärken ohne grössere Zwischenstops durch sechs weitere Songs, die qualitativ alle ein und das selbe Level innehaben: Grandios. „Joy und Pain“ (feat. Tatwaffe), überraschender Weise keine(!) Neuauflage der Frankie Beverly-Ultra-Hymne, kommt dabei noch vergleichsweise zurückhaltend und entspannt. Die restlichen neuen Titel versprühen interessanterweise eine typisch deutsche Traditionseigenschaft: Das Stampfen. Das liegt weniger an den Raps als an den Beats von Roey Marquis, die hier ganz demonstrativ an der Zielgruppe Club vorbeischiessen. Und das ist gut so. Pal macht genau das, worauf er Lust hat und das hört man bei ganz wenigen so deutlich wie bei ihm. Umso überzeugender wird die „Was wollt ihr?“ EP dadurch zum Nachweis für die Feststellung, das Pal One in diesem Jahr DER Hauptanwärter auf den Titel des eindrucksvollsten neuen Rapper des Landes ist. Deshalb hier die Antwort: Was wollt ihr? Das gottverdammte Album!

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Nürnberg, Rock im Park Nürburg/Eifel, Rock am Ring Scheessel, Hurricane-Festival Neuhausen, Southside-Festival F-Garance, Reggae Festival

04.07.03 Köln, SummerJam 05.07.03 Göttingen, MTV CampusInvasion 11.07.03 A-Clam, Castle Rock Festival 12.07.03 A-Wiesen, Groove Quake 18.07.03 CH-Bern, Gurtenfestival 19.07.03 München, Oben Ohne-Festival 03.08.03 Chemnitz, Splash- Festival THE ROOTS 18.06.03 Trier, Sommerbühne 19.06.03 Offenbach, Capitol 20.06.03 Chemnitz, Südbahnhof 21.06.03 Scheeßel, Hurricane Festival 22.06.03 Neuhausen, Southside Festival TONI L. 21.05.03 23.05.03 24.05.03 25.05.03 28.05.03

Kassel/Arm, Hotel Reiss Gera, Forellenkeller Dresden, Krasscore Jam Siegen, Kulturcafe Kassablanca München, Feierwerk

AIRTIME: Montags (22.00h-24.00h) „DopeBeats“ auf hrXXL mit B.A., Chubby & DJ Kitsune Infos & Freq.: www.dopebeats.de Mittwochs (21.00h-23.00h) „Hip-Hop Culture“ auf RadioRheinwelle mit Rapido, Fab, Cahu, Boris, Reel, DJ Biz & ToBiContinued... Infos & Freq.: www.hiphopculture.de Donnerstags (18.00h-20.00h) „Sprech:Stunde“auf DasDing Infos & Freq.: www.dasding.de Donnerstags (21.00h-23.00h) „Kopfnicker Radio“ auf BigFM mit DJ Emilio, DJ Hilmatic, DJ 5ter Ton, Schowi oder Ju Infos & Freq.: www.bigfm.de

THE NARCISSISTS 24.05.03 DK-Aalborg, Karneval i Aalborg Festival 28.06.03 Bonn, Rheinaue Rheinkultur Festival 01.07.03 Hamburg, Stadtgarten (Support von NAS) 16.08.03 Aschaffenburg, Afrika Festival 23.08.03 Kaltenkirchen, Freiba

Freitag morgens (01.00h-02.00h) „Raputation“ auf NDRinfo mit Marius No.1 Infos & Freq.: www.ndrinfo.de

FERRIS MC & DJ STYLEWARZ 29.06.03 Geithain, tba 04.07.03 Eichstädt, Residenzplatz Open Air 12.07.03 Friedberg, Soundgarden Festival 26.07.03 Ilmenau, Beachparty

Samstags (20.00h-21.00h) „DarkTales Radioshow“ auf St(H)örfunk Infos & Freq.: www.sthoerfunk.de

BROTHERS KEEPERS 05.07.03 Burg Lichtenberg-Kusel SAM RAGGA BAND 07.06.03 Ulm, Ulmer Zelt 08.06.03 Passau, Pfingstfest 09.06.03 Essen, Pfingstfest 04.07.03 A-Imst/Tirol, Forestglade West 05.07.03 Köln, Summer Jam 11.07.03 A-Clam, Castle Rock Festival 11.07.03 A-Wiesen, Spring Vibration 25.07.03 Erlangen, Summerbreak 26.07.03 Ilmenau, Beachparty 02.08.03 Chemnitz, Splash Festival 23.08.03 Chiemsee/Übersee, Chiemsee Reggae

Samstags (14.00h-16.00h) „Jam‘s RAP-ublik“ auf JamFM mit Nico Bielefeld Infos & Freq.: www.jamfm.de

REDAKTIONSTIPP DER AUSGABE:


text: nikoma t. beermann · illustration: fudongshi

B

ist Du On? Nicht? Dann schau sie Dir an, die glücklichen Gesichter der „On-Gesellschaft“. Man findet sie zunehmend an Bushaltestellen und Plakatwänden überall im Land. Der Slogan, mit dem „E-On“ auf die Masse stürzt, heißt: „Neue Energie“. Tatsache ist aber, dass diese „Neue Energie“ schon so alt ist, dass sich unsere Mütter und Väter schon dafür an AKWs haben ketten lassen. Atomkraftwerke in näherer Umgebung. Da mag sich doch jetzt manch einer darüber mokieren, dass Atomkraft jetzt nicht die aktuellste der schlechten Schlechtigkeiten in der Welt ist - alle kleinen gelben Aufkleber wurden durch die Sticker der Spaßgesellschaft ersetzt, und alle Atomkraftwerke arbeiten laut Gegner der Atomkraftgegner auf dem neuesten Stand. Man könnte fast meinen, dass die Zigarette des Arbeiters, der solch ein AKW überwacht, schädlicher ist als der Rest, der mit dem Wort Atomstrom in Verbindung zu bringen wäre... Aber eine kleine Gruppe findiger Menschenrechtler und Bewacher der Welt stieß nach umfangenden Recherchen auf ganz andere Probleme. 13 Kernkraftwerke des Typs RBMK Reaktor sind auch 17 Jahre nach Tschernobyl immer noch aktiv. Als ob niemand aus einem Super GAU gelernt hat, kauft E-On weiterhin Konkurrenzunternehmen, wirbt mit Wasserkraft und stellt Schauspieler wie Veronica Ferres, Arnold Schwarzenegger und Götz George als Galionsfiguren an die Spitze ihrer verseuchten Kampagne „Sind sie on?“. Aber laut dem E-OnGeschäftsbericht 2002 sind es nur 7 %

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Wasserkraft und 4 % durch Öl und Gas. Bleibt nur die Sache mit den restlichen 89 Prozent. So haben wir bei E-On, das durch eine Fusion aus PreußenElektra und dem Bayernwerk im Jahre 2000 entstand und damit der drittgrößte private Stromversorger in Europa wurde, weitere zugegebene 30 % Atomenergie (hauptsächlich in Deutschland produziert), 4 % Braunkohle und 14 % Steinkohle. Laut Adam Riese fehlt dem Verbraucher der Nachweis über die fehlenden 41 % und dessen Herkunft. Greenpeace, die diese Kampagne ins Leben gerufen und eine grafische Kopie der originalen Internetseite ins Netz gestellt haben, fordern für den geöffneten Strommarkt eine Kennzeichnung. Den Kunden gaukelt man vor, mit Wasserkraft neue Energie in die Steckdose zu bringen, obwohl man Atomstrom aus Ländern importiert, die nicht mal annähernd auf dem westeuropäischen Sicherheitsniveau sind. Man sollte auch auf der Stromrechnung die Erzeugungsart des Strommixes auflisten und die damit zusammenhängenden Umweltauswirkungen, welche nicht nur die jeweiligen Ländern betreffen, da Verseuchung und Radioaktivität nicht an Grenzen halt machen. Dazu kommt, dass rund ein Drittel der noch aktiven deutschen Atomkraftwerke sich in den Händen von E.On befinden. Zum Glück haben wir Greenpeace und andere Menschen, denen es nicht scheißegal ist, was mit ihrem Planeten passiert und was findige Menschen auf der Suche nach noch mehr Geld für Pläne, Täuschungsmanöver und Lügen

aushecken, um sich auf Kosten unserer Gesundheit und der unserer Kinder weiter zu bereichern. Und während Greenpeace dies forderte, gesellten sich nicht nur eine ellenlange Liste deutscher Hip-Hop Künstler hinter die „Beschützer der Gesundheit allen Lebens“, sondern auch internationale Artists. Und wir reihen uns mit ein in diese Liste der Menschen die lieber „OFF aber gesund“ als „ON aber radioaktiv“ sind und stehen hinter den Forderungen von Greenpeace: - Keine Geschäfte mit Tschernobyl-Reaktoren! Diese tickenden Zeitbomben müssen sofort stillgelegt werden! - Keine Stromimporte aus Atomkraftwerken oder aus fossilen Kraftwerken mit hohem Schadstoffausstoß. Für importierten Strom muss ebenfalls die Einhaltung von westeuropäischen Sicherheits- und Umweltstandards gelten. - Investitionen in eine umweltfreundliche Stromversorgung! - Kennzeichnungspflicht für Strom! Und auch du kannst Dich dahinter stellen, wenn du nicht möchtest, dass dir schon bald ein Kraftwerk der besonderen Energie um die Ohren fliegt. Es betrifft dich, sowie dich und auch dich. Also check deine Stromrechnung und check deine Energie. Weitere Informationen, eine Liste der „verseuchten“ Tochteranbieter und viele weitere aufklärende Informationen gibt es unter: www.XXX.com.


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