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Unternehmen | Das Porträt: J|C Music, Göttingen

Fotos: J|C Music (2), Niester (3)

Bücher bilden: Jacek Krawczyk hat in seinem Kreativ-Office in Göttingen Dutzende Fotobände vor allem aus den Bereichen Gastronomie- und Nightlife-Design.

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Für die Discotheken ist es wie ein Ritterschlag, wenn Jacek Krawczyk als technischer Berater und Ausstatter den Betrieb auf Vordermann gebracht hat. Der sympathische Chef von J|C Music aus Göttingen gilt als einer der angesagten Experten, vor allem wenn es um LED- und Videotechnik geht. discomagazin hat ihn in seinem Kreativbüro besucht.

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on der Stange gibt es bei ihm eigentlich nichts. Stäbe schon, als Sonderanfertigung mit LED-Bestückung, versteht sich. Jacek Krawczyk lässt Deutschlands Discotheken in neuem Licht erstrahlen. Der 34-jährige Göttinger mit polnischen Wurzeln sieht sich als technischer Designer – innovativ, effizient und immer anders. J|C Music heißt das Unternehmen, das im Nachtleben Akzente setzt. Im Singener „TOP10“ hat er gerade einen neuen grandiosen Eyecatcher über der Tanzfläche in der Main-Area installiert. Die einzigartige 3D-Decke mit einem Wellenraster, dessen Stege mit einzeln ansteuerbaren LEDs besetzt sind, und 256 eigens angefertigte dünne LED-Stäbe, die herabhängen, wird über 27.000 DMX-Kanäle zu einer Spielwiese der Kreativität für den Lightjockey. Das Equipment wurde speziell für Krawczyk angefertigt und ist keine Katalogware. Darauf legt er Wert. Im Bereich LED- und Videotechnik ist Krawczyk ganz weit vorn. Alles andere kann er aber auch. Er ist ein typischer Dienstleister für Veranstaltungstechnik, stattet große und kleine Events aus und vermietet Veranstaltungstechnik an Discotheken inklusive Wartungsvertrag. In Minden hat er dafür eine rund 300 qm große Lagerhalle, in der das Equipment auf den nächsten Einsatz wartet. 18 Jahre alt war der gebürtige Stettiner, als er zu Schulzeiten mit einem Freund zusammen in Minden eine mobile Discothek gründete. J|C Music – Jacek und Carsten. Der Freund stieg nach dem Abitur aus, Jacek zog nach Göttingen um, studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und schloss beides mit einem Diplom ab. Die mobile Disco stellte er damals ganz ein, hier und da versorgte er Veranstaltungen mit der nötigen Technik, „bis ich im Savoy als so eine Art technischer Hausmeister angefangen habe“, sagt er. Dort konnte er erstmals auch seine kreative Ader zeigen und bei technischen Umbauten glänzen. „Wenn man nur die Lampen ändert, fällt das keinem auf“, erzählt er, „die Idee war, mit Videotechnik etwas komplett Neues zu schaffen, was jeder bemerkt.“ 2005 installierte er in der Innenstadt-Discothek eine aufsehenerregende Multiscreen-Projektion, bei der mehrere Videobeamer Wide-Screen-Bilder entstehen ließen. Klar – Ähnliches gab es bereits, etwa im nahegelegenen „Funpark“ in Hannover oder bei TV-Shows. „Aber wir waren so mit die ersten, die es bezahlbar gemacht haben“, versichert er. Drei Jahre lang konnte er in dem Club in der ehemaligen Bank zaubern. „Es gab immer viele Ideen, die ich im Savoy und später auch im Hildesheimer Pasha ausprobieren konnte“, erinnert er sich, „in der Regel kam etwas Sinnvolles heraus.“ So etwa 2006, als er die bis dahin starren Videobeamer auf eine Moving-head-Basis schraubte und für dynamische Projektionen sorgte. 20 Geräte baute er, richtig in Serie ging das Produkt nie. Trotzdem sorgte genau diese Entwicklung für die Initialzündung. Die russischen Veranstalter des Disco-Events „Glamotion“ hatten über die Innovation in einer Fachzeitschrift gelesen und wandten sich an den noch unbekannten Technikprofi, damit dieser ihren nächsten Event in Rheda-Wiedenbrück ausstattet. Die Zusammenarbeit fruchtete, Krawczyk arbeitet bis heute als Dienstleister für die Mega-Party, die inzwischen in der Dortmunder Westfalenhalle stattfindet und über 15.000 Menschen magnetisiert. Als das Veranstalter-Duo eine ganz besondere Großdiscothek, den „Sfera Club“ in Melle, in Angriff nahm, war wiederum J|C Music mit von der Partie. Zu dieser Zeit erhielt die LED-Technologie eine immer größere Bedeutung. Jacek Krawczyk erkannte die große Chance, reiste nach China und fand dort passende professionelle Hersteller für konventionelle Scheinwerfer und LED-Module. „Wir arbeiten ausschließlich mit den größten etablierten Produzenten zusammen“, verrät er, „wer in China nur nach

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Unternehmen | Das Porträt: J|C Music, Göttingen

Initialzündung: Mit der Kreation der Main-Hall im sehenswerten „Sfera Club“ in Melle feierte Jacek Krawczyk Ende 2009 den Durchbuch.

Basis aller Discoerfahrungen: Jahrelang konnte sich Jacek Krawczyk technologisch im Göttinger „Savoy“ austoben.

Absolut videofähig: Im Braunschweiger „Privileg Club“ installierte J|C Music vor einem Jahr 37 qm LED-Walls.

dem Preis geht, verliert.“ Die Produkte versieht Krawczyk mit dem Labelnamen Clubtechnik. In der „Sfera“ verbaute er Dutzende Moving-heads und schuf mit einer erstaunlichen Batterie an LED-Elementen ein bis dahin einzigartiges Lichtdesign aus Raum- und Effektlicht. „Da konnte ich mich verwirklichen und habe von den Betreibern der D & V GmbH viel dazugelernt“, so Krawczyk. Vor allem aber konnte er endlich beweisen, dass er in der Lage war, alles aus einer Hand anzubieten. „Ich war jung“, lacht er, „niemand hatte mir vorher hohe Geldbeträge gegeben und gesagt: Bau mal was! Solche Aufträge gehen immer an bekannte Firmen.“ Mit zahlreichen Freelancern stellte J|C Music den Design-

tempel pünktlich fertig. Disco-Deutschland hatte einen neuen Vorzeige-Palast erhalten. Die Branche strömte nach Melle – und Jacek Krawczyk erhielt zahlreiche Folgeaufträge. Seinem Anspruch blieb er dabei treu. Einfach kopiert hat er keine seiner Installationen. Und noch eines wird man bei ihm vergeblich suchen: grelle flächige LED-Paneele.

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J|C Music versteht sich dabei als kompletter Technikdienstleister. Nur bei der Lichttechnik greift Krawczyk auf das qualitativ gute Equipment aus China zurück. „Es gibt bestimmte Artikel, die man nicht austauschen kann“, erklärt er, „Boxen


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oder Lichtsteuerungen von MA-Lighting gehören dazu.“ Beim Sound setzt er auf Kling & Freitag oder die weltweit in Topclubs angesagte Marke Funktion One. Gerade beim Sound, empfiehlt er allen Discobetreibern, sei Qualität unverzichtbar. „Beim Design wissen die Betreiber, dass etwas neu gemacht werden muss“, erklärt er, „aber beim Sound verstehen das viele nicht – auch weil du schnell mal 70.000 Euro los bist. Fliegt mal nach Ibiza: Da ist der Klang in den Clubs genial.“ Jacek Krawczyk ist Dauerflieger. Für drei, vier Monate im Jahr geht er auf Reisen. Dabei Ruhig, bescheiden, kreativ: Jacek Krawczyk gilt als Experte nicht nur für LED- und Videotechnik. beschränkt er sich nicht etwa auf die Partyinsel im Mittelmeer. Seine Reiseroute reichte im letzten Jahr von Frankreich über USA und Südamerika bis Hongkong und Australien. „Ich sehe mir an, was andere machen“, sagt er, „die Designtrends sind schon anders als bei uns.“ Früher hatte es ihn auch stets in den osteuropäischen Raum gezogen, nach Russland und in die baltischen Staaten. „Irgendwann wurde es aber zu kitschig“, konstatiert er. Das hätte auf dem deutschen Markt keine Chance. Wie ein Schwamm saugt der 34-Jährige Bilder und Szenarien auf, um daraus anders kombiniert und weiterentwickelt Innovatives zu schaffen. Äußerst hilfreich ist ihm dabei auch seine bemerkenswerte Bibliothek an Fachbüchern. Große Fotobände und Designstudien, Impressionen aus allen fünf Kontinenten stehen in seinem Büro griffbereit in den Bücherregalen. Die meisten stammen aus der Ära vor der LED-Revolution. Die architektonischen und stilistischen Ansätze von gestern und vorgestern denkt Krawczyk weiter und versieht sie mit den Möglichkeiten heutiger Technik, insbesondere im LED-Sektor. „Ich investiere viel in Bücher, um mich fortzubilden“, nickt er, „ich sehe mich auch als Berater.“ Disco und Event müssen in ihrer Gesamtwirkung als Ganzes gesehen werden. Technik allein schafft keine Atmosphäre. In gut eineinhalb Jahrzehnten hat Jacek Krawczyk wohl weit über hundert Discotheken besucht. Ein reicher Erfahrungsschatz, aus dem er nun schöpfen kann. Seit zwei Jahren arbeitet er im Discothekenbau auch vermehrt mit einem der bekanntesten deutschen Discodesigner zusammen, mit Karl-Heinz Stapper aus Köln. Die Synergie-Effekte bringen beide noch weiter nach vorn. Im Rückblick sieht er auch die Veränderungen, die die Branche durchlaufen hat. „Discotheken entwickeln sich mehr und mehr in Richtung Entertainment“, hat er festgestellt, „du musst dir bewusst sein, welches Konzept du haben willst, bevor du baust.“ Als Beispiel nennt er die breiten Mauern und Umrandungen der DJKanzel, auf denen nachts Dutzende Tänzerinnen flanieren. Wären sie zu schmal konzipiert worden, wäre die Showeinlage nicht möglich. Eines aber dürften die Kunden besonders an Jacek Krawczyk schätzen. „Ich schaue nach den Kosten, ich habe das studiert“, wirft der Diplom-Volkswirt ein. Bezahlbar muss jeder Umbau sein. Denn viel Zeit zur Amortisation der Investition gibt es nicht. Zwei bis vier Jahre gibt Krawczyk den meisten Läden, „dann musst du den Gästen etwas Neues bieten“. Mehr unter „www.clubtechnik.de“. Klaus Niester

…mit den Profi-PA-Lautsprecherboxen der MEGA-Serie • Höchste Klangqualität bei hoher Belastbarkeit • Aus erstklassigem Material in Top-Verarbeitung • Umschaltbar zwischen Passiv- und Bi-Amping-Betrieb • Erhältlich als 15/2-, 12/2- und 10/2-Fullrange System und 46-cm (18”) High-PowerSubwoofersystem • Für den Aktivbetrieb empfehlen wir das digitale Lautsprechermanagement-System DSM-260 mit den Presets zur MEGA-Serie

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J|C MUSIC Veranstaltungstechnik  

Bericht über J|C MUSIC Veranstaltungstechnik, Disco Magazin September 2012; Club Design, Eventtechnik, LED Screens