Garten der Erinnerung – 200 Jahre Nienstedtener Friedhof

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Über die Herausgeber: Tilmann Präckel ist seit 2012 Pastor in Nienstedten. Er hat in Hamburg und Heidelberg Theologie studiert und in Scharbeutz seine erste Pfarrstelle innegehabt. Das Pastorat, in dem er mit seiner Familie lebt, ist das ehemalige Haus des Friedhofsinspektors. Hella Kemper ist Germanistin und Journalistin. Sie hat viele Jahre im Geschichtsmagazin der »ZEIT« gearbeitet, jetzt ist sie Redakteurin bei »ZEIT Wissen«. Sie hat mehrere HamburgBücher veröffentlicht.

GARTEN DER ERINNERUNG wurde herausgegeben im Auftrag der Kirchengemeinde Nienstedten.

Dieses Buch ist ein Garten der Erinnerung Es erzählt von den Familien und Menschen, die auf dem Friedhof Nienstedten bestattet wurden. Von einem Dorf in der Stadt und seinem besonderen Friedhof. Von Trauer und Hoffnung. Von Bäumen und Bauten. Von Stille und Versammlung. ISBN 978-3-00-040866-3

Tilmann Präckel u. Hella Kemper (Hg.)

GARTEN DER ERINNERUNG

Umschlag_Friedhof_MR 24.10.13 20:57 Seite 1

GARTEN DER

ERINNERUNG 200 Jahre Nienstedtener Friedhof 1814–2014 Herausgegeben von Tilmann Präckel und Hella Kemper

Der Nienstedtener Friedhof ist ungewöhnlich schön und eindrucksvoll. 2014 ist er 200 Jahre alt. Dieses Buch will auf den Friedhof führen, hin zu den alten Steinen, den großen Hamburger Namen, den schönen Blutbuchen und alten Stieleichen, zu den geheimnisvollen Mausoleen und zu historischer Grabmalkunst. Zugleich will das Buch die Seele des besonderen Ortes aufleuchten lassen – Schmerz und Abschied im Angesicht des Todes. Dankbarkeit für gemeinsam erlebtes und geteiltes Leben. Hoffnung auf Gemeinschaft über den Tod hinaus. Mit Beiträgen von Emanuel Eckardt, Astrid Fiehland van der Vegt, Hans-Martin Gutmann, Doralies Hüttner, Klaas Jarchow, Gert Kähler, Eberhard Kändler, Hella Kemper, Rainer Kolbe, Birgit Lahann, Vera Lindemann, Hans-Helmut Poppendieck, Tilmann Präckel, Dorothee Sölle (†) und Fulbert Steffensky. Fotografien von Andreas Fromm. Mehr als 300 Abbildungen.

Mit einem Plan des Friedhofs und seiner Gräber zum Herausnehmen.


GARTE N DE R E R I N N E RU NG

Abdelhamid • Abel • Abendroth • Abolins • Achilles • Ackermann • Adamitz • Adams • Ade • Adler • Adolf Adolphsen • Aesemann • Affeld • Affeldt • Agne • Agte • Ahlborn • Ahlburg • Ahlen • Ahlers • von Ahlften


Ahlgrimm • von Ahnen • Ahrenkiel • Ahrens • Ährens • Ahrons • Ahsbahs • Albers • Albers-Schönberg Alberts • Albrecht • Alexander • Algermissen • Alhlf • Allert • Allwörden • von Allwörden • Alpers


Tilmann Präckel und Hella Kemper (Hrsg.)

GARTEN DER ERINNERUNG 200 Jahre Nienstedtener Friedhof 1814–2014 Mit Beiträgen von: Emanuel Eckardt · Astrid Fiehland van der Vegt Hans-Martin Gutmann · Doralies Hüttner · Klaas Jarchow Gert Kähler · Eberhard Kändler · Hella Kemper Rainer Kolbe · Birgit Lahann · Vera Lindemann Hans-Helmut Poppendieck · Tilmann Präckel Dorothee Sölle (†) · Fulbert Steffensky Fotografien von Andreas Fromm

Alpert • Alsen • Alsing • Alsmy • Altetimann • Altrath • Alwardt • Aly • Amann • Amberg • Ammer Amsinck • Anbergen • Ancker • Anderer • Anders • Andersch • Andersen • Anderson • André • Andreae


Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Urheber unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. 1. Auflage, November 2013 Copyright © 2013 Klaas Jarchow Media Blankeneser Hauptstraße 151, 22587 Hamburg www.jarchow-media.de ISBN 978-3-00-040866-3 Konzeption, Redaktion, Lektorat, Bildredaktion: Hella Kemper und Klaas Jarchow Herstellung und Gestaltung: Eberhard Delius, Berlin Satz und Lithografie: Reihs Satzstudio, Lohmar Druck und Bindung: Freiburger Graphische Betriebe, Freiburg Printed in Germany

Anger • Angermann • Anschütz • Ansorge • Antonie-Feill • Apel • Appelhoff • von Appen • Appuhn Armbrust • von Arnaud de la Perrière • Arndt • Arnemann • Arning • Arnold • Arnold Ahrens


Arnsperger • Arntzen • Arps • Arraya • Artels • Arth • Asbahr • Aschenbrenner • Aschpurwis • Asmussen Asser • Athies • Atlas • Atté • Au • Augustat • Augustin • Augustin Baumeister • Augwich • Aul • Auras


Inhalt 8 Vorwort

von Tilmann Präckel und Hella Kemper

Unser Friedhof 12 Der Nienstedtener Friedhof im Lauf der Zeiten

von Tilmann Präckel 33 Neun Begegnungen

von Hella Kemper 43 Die Toten in unseren Herzen tragen – Der Friedhof als

Ort des Abschiednehmens und Erinnerns, des Trauerns und Hoffens von Astrid Fiehland van der Vegt 57 FRÜ H LI NG auf dem Friedhof – Fotografien von Andreas Fromm

Gehen und Erinnern 74 Der Garten der Kirche und der Toten

von Klaas Jarchow 82 Ganz tief runter in die Erde – Wer mit Kindern über den Nienstedtener

Friedhof spaziert, stellt sich wichtige Frage von Doralies Hüttner 89 Brief an meine Enkelkinder

von Fulbert Steffensky 93 Eine Rose für die Toten

Gänge über Friedhöfe in Nienstedten und anderswo von Birgit Lahann 105 SOM M E R auf dem Friedhof – Fotografien von Andreas Fromm

Zwischen Himmel und Erde 122 Im Geist der Zeit – eine melancholische Art von Garten

Die Anlage des Friedhofs Nienstedten und seine Bauten von Gert Kähler

6

Inhalt

Ausing • Autenrieth • Avé-Lallemant • Averhoff • Axen • Axt • Baar • Baarck • Baas • Baasch • Bach Bachmann • Bachof • Backeberg • Backendorf • Bäcker • Backhaus • Backhus • Badhaus • Bading • Baer


136 Ein Friedhof erzählt

Geschichten von Menschen, die in Nienstedten ihre letzte Ruhe fanden von Emanuel Eckardt 161 HERBST auf dem Friedhof – Fotografien von Andreas Fromm 177 Welche Vielfalt, welcher Reichtum – Ein Streifzug

durch die Pflanzenwelt des Nienstedtener Friedhofs von Hans-Helmut Poppendieck

Tod und Hoffnung 200 Der Garten der Fluss die Toten – Trauer fließen lassen

von Hans-Martin Gutmann 210 Mein Tod und meine Hoffnung, mein Begräbnis und mein Grab

Die Pastorinnen Astrid Fiehland van der Vegt und Vera Lindemann und Pastor Tilmann Präckel geben Auskunft – befragt von Hella Kemper 217 WI NTE R auf dem Friedhof – Fotografien von Andreas Fromm 233 Die Toten wärmen uns

von Dorothee Sölle

Zur Orientierung 236 Die Museumsbereiche und die »Historischen Gräber«

von Eberhard Kändler 247 Das A bis Z des Nienstedtener Friedhofs

von Hella Kemper und Rainer Kolbe 256 Ihre Gräber findet man auf dem Nienstedtener Friedhof

von Hella Kemper und Tilmann Präckel 264 Die Verwaltung des Friedhofs Nienstedten

Anhang 266 268 272 274

Dank Leseempfehlungen und Literaturhinweise Bild- und Texthinweise Register

Inhalt

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Baersch • Bagdahn • Bagel • Bahde • Bahlmann • Bahloff • Bähnk • Bahr • Bähre • Bahrke • Baller • Ballin Balz • Bambor • Bamdor • Baniecki • Bannes • Bantz • Barbe • Barbeck • Barg • Bargel • Bargfeld • Bargholz


Vorwort

I

n den Mantel meines Lebens ist hineingewoben all die Zuneigung und Zärtlichkeit der Menschen, die nicht mehr hier sind und an die ich mich erinnere.« So schrieb vor noch nicht allzu langer Zeit Dorothee Sölle. Das Grab der 2003 verstorbenen Theologin liegt im ältesten Teil des Nienstedtener Friedhofs, unweit des plätschernden Fischbrunnens und der von hohen Bäumen beschatteten Waldgräber. Eine hölzerne Bank steht ihrem Grabstein gegenüber, auf der anderen Seite des Weges unter einer Zeder. Hier sitzen häufig Menschen; sie suchen die Ruhe, finden Zeit zum Nachdenken – und erinnern sich. Denn ein Friedhof ist ein Ort der Erinnerung an Leben. Im Moment des Erinnerns werden die Geschichten der Toten wieder lebendig und weisen zugleich über uns Lebende hinaus. 200 Jahre alt ist der Friedhof Nienstedten im Jahr 2014, und dieses Buch erzählt von diesen 200 Jahren; in Texten und Bildern, die an Menschen und ihre Geschichten erinnern. Es will auf den Friedhof führen, hin zu den alten Steinen, den großen Hamburger Namen, den schönen Blutbuchen und den ausladenden Stieleichen, zu den geheimnisvollen Mausoleen, zu historischer Grabmalkunst, einem riesigen Rhododendron-Rondell und efeuumrankten, schmiedeeisernen Toren. Zugleich will dieses Buch das Gegenwärtige bedenken und die Weite und die Perspektiven dieses besonderen Ortes aufleuchten lassen: den Schmerz im Angesicht des Todes und Abschiedes. Die Dankbarkeit für gemeinsam erlebtes, geteiltes Leben. Den oft langen und schweren Weg der Trauer. Die Hoffnung auf Gemeinschaft auch nach diesem Leben. Man muss nicht in Nienstedten geboren sein, um sich diesen Friedhof als heimatlichen Ort anzueignen. Das geschieht wie von selbst, wenn man seine Pfade geht, die Namen auf den Steinen liest, eine Rose begießt oder den Duft der Kiefern atmet. Jeden Tag riecht es anders auf dem Friedhof, jeden Tag ist Neues zu

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Tilmann Präckel und Hella Kemper

Bargmann • Barmbrock • Barms • Barnbeck • Barnbrock • Barneko • Barnekow • Bartasek • Bartel Bartels • Barten • Bartfeld • Barth • Barthe • Barthels • Bartholdi • Bartling • Bartmann • Bärtner • Bartsch


entdecken. Der Friedhof verändert sich fortlaufend, nie ist er gleich: Die Gärtner jäten, Angehörige bringen Blumen, eine Gruft wird ausgehoben, Blumen und Kränze werden abgetragen. Walderdbeeren reifen heran, Sturm reißt Zweige herunter, der erste Schnee legt eine weiße Schicht – und schon ist der Friedhof wieder ein anderer geworden. Er ist alt und eindrucksvoll, der Nienstedtener Friedhof, er ist ein schöner Garten voller Erinnerungen, voller Geschichten, die die Zeitläufte spiegeln. Das macht diesen Friedhof zu einem einladenden und wertvollen Ort. Das Buch zu diesem Friedhof soll ein ebensolcher Garten sein, voller Geschichten und Bilder, Leben und Gedanken. Ein Buch zum Spazierengehen und Verweilen. Zum Kennenlernen. Und zum Erinnern. Tilmann Präckel und Hella Kemper Hamburg, im Oktober 2013

Vorwort

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Bärwind • Barz • Bärz • Baschek • Basilius • Basini • von Bassewitz • Bassler • Bath • Bätjer • Bau Bauemeister • Bauer • Bauermeister • Baum • Baumann • Baumeister • Baumgarten • Baur • Baustian


Zahlen und Jahreszahlen zum Nienstedtener Friedhof 3 Särge haben in dem Nienstedtener Standardgrab Platz • Es gibt 3 Mausoleen • letzten 100 Jahren •

6 Verwalter leiteten den Friedhof in den

7 Museumsbereiche präsentieren historisch interessante

Grabsteine • Der Friedhof ist 10,5 Hektar groß •

10 -mal wurde

der Friedhof erweitert: 1836, 1875, 1896, 1906/07, 1918, 1935, 1937, 1948, 1952, 1969/70 •

25 Jahre dauert die Ruhefrist eines Grabes, sie

kann um 5, 10 oder 25 Jahre verlängert werden • Bestattungen sind Erdbestattungen •

55 % der Nienstedtener

60 Grabstellen haben die jeweiligen

Plätze der Familien Bartels und Parish; sie sind damit die größten des Friedhofs • Etwa 200 Bestattungen finden jährlich statt •

1814 wird

der Friedhof auf der ehemaligen Pastoratskoppel angelegt

1839 wird Caspar Voght bestattet: Es ist die erste prominente Beisetzung auf dem Friedhof • Der Haupteingang des Friedhofs wird 1929 von der Elbchaussee an die Rupertistraße verlegt, nachdem die Kapelle eingeweiht wurde •

1969 wird zum letzten Mal ein Stück

Land angekauft, um den Friedhof zu erweitern •

2014 feiert

die Kirchengemeinde den 200. Geburtstag ihres Friedhofs •

5200 1-stellige bis 60-stellige

Grabstätten gibt es • Etwa 20.000 Bestattungen gab es seit Bestehen des Friedhofs

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Bech • Beck • Becker • Becker-Floris • Beckert • Beckmann • Beduhn • Beeck • Beedner • Beekmann Beer • Beermann • Beese • Beesten • Begeest • Begemann • Begier • Behm • Behn • Behncke • Behnke


Unser Friedhof

Behnke-Reyher • Behr • Behrendt • Behrens • Behrmann • Beier • Beiersdorf • Beilicke • Bein • Beisel Beisert • Beller • Bellgardt • Benckendorff • Bendel • Benecke • Beneke • Benesch • Benneckendorf


Der Nienstedtener Friedhof im Lauf der Zeiten Von Tilmann Präckel

Tilmann Präckel, geb. 1967 in Malmö, ist seit 2012 Pastor in Nienstedten. Er hat in Hamburg und Heidelberg studiert, in Wilhelmsburg sein Vikariat absolviert und in Scharbeutz seine erste Pfarrstelle innegehabt.

I

n frühen Zeiten war Nienstedten ein Katendorf am Elbufer, dessen Bewohner sich durch Handwerk und Landwirtschaft, Fischfang und Schifffahrt ernährten. Urkundlich erwähnt wird das »Kerspel« Nigenstede erstmals im Jahr 1297, in einer Verfügung des Grafen Adolph IV. von Holstein und Schauenburg. Es war ein ausgesprochen großes Kirchspiel, außer dem Kirchdorf gehörten zu ihm Klein und Groß Flottbek, Lurup, Schenefeld, Osdorf, Dockenhuden, Mühlenberg, Blankenese, Tinsdal, Sülldorf, Rissen und jenseits der Elbe sogar noch der nördliche Teil Finkenwerders (bis 1617) sowie Griesenwerder (»Gorieswerder«, bis 1768). Erst Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden die selbständigen Kirchengemeinden Blankenese (1902) und Groß Flottbek (1908) und weitere Tochtergemeinden.

Diese Karte stammt aus dem Jahr 1835; der neue Nienstedtener Friedhof existierte zu diesem Zeitpunkt bereits.

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Tilmann Präckel

Benöhr • Benthack • Bentien • Benzler • Beplat • Berckemann • Berdau • Berdrow • Berend • Berendsohn Berg • Berger • Bergerow • Berghaus • Bergmann • Bergmeier • Bergquist • Berhorst • Berkefeld • Berlage


Die Verkopplungskarte von 1788 zeigt eine Neuordnung der Ländereien im Kirchspiel Nienstedten: Die bis dahin üblichen Feldgemeinschaften waren aufgelöst und die Stücke zur privaten Nutzung zugeteilt worden – das betraf auch die Pastorenkoppel, auf der dann der neue Friedhof gegründet wurde.

Von den ersten Kirchbauten und Kirchhöfen ist nichts erhalten geblieben. Nur einige Reste alter Gräber wurden bei Bauarbeiten auf der Jacob’schen Lindenterrasse gefunden. Also standen hier frühere Kirchen, deutlich südlich vom heutigen Kirchbau gelegen und näher an der Elbe; starke Sturmfluten haben im Lauf der Jahrhunderte wohl immer wieder Uferstücke abgebrochen und Sand weggespült, der noch nicht durch die schweren, scharfkantigen Schlackensteine geschützt wurde, so dass mehrere Kirchen regelrecht mit ihrem Grund und Boden weggeschwemmt wurden. Also verlegten die Nienstedtener ihre Kirche und mit ihr den Kirchhof mehrfach landeinwärts, bis in den Jahren 1750/51 dann die heutige Kirche entstand und mit ihr ein neuer Kirchhof. Denn noch wurde in unmittelbarer Nähe zur Kirche bestattet, möglichst nah am Altar. Der älteste bis heute erhaltene Stein stammt von der Familie Hein Pröckwold. Er trägt das Jahr 1772, ragt als flacher Sandstein sicherlich einen Meter in die Höhe und ist nach oben hin im flachen Bogen abgerundet. Die Inschrift ist schon stark verwittert und nur schwer zu entziffern. Irgendwann wurde der Stein vom alten Kirchhof auf den neuen Begräbnisplatz umgesetzt – und erinnert uns im Museumsbereich II auf dem heutigen Friedhof an frühe Zeiten. Er ist der einzige noch erhaltene Stein des alten Kirchhofs, den wir uns heute kaum noch vorstellen können. Heute prägt die plane grüne Rasenfläche den ehemaligen Kirchhof, der im eigentlichen Sinn auch kein Hof mehr ist, weil er nur durch Rosengehölze

Der Nienstedtener Friedhof im Lauf der Zeiten

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Berlin • Berlitz • Berndt • Bernecker • Berner • Bernhardt • Bernklau • Bernsee • Bernstein • Berodt Bertasek • Bertram • Bertrand • Bertuch • Besendahl • Besmens • Best • Bestehorn • Bettels • Beuck


und niedrig stehende Blumen gefasst und ansonsten zu den Straßen hin kaum begrenzt wird. Im 18. Jahrhundert war der Hof dagegen durch eine niedrige Steinmauer und ein breites Tor gefasst, das sich nach Südwesten zur heutigen Elbchaussee hin öffnete, so dass um die Kirche herum ein umfriedeter Raum lag, auf dem damals wenige Bäume mit schmalen Kronen wuchsen. Durch seine ebene Anlage wirkte der Kirchhof weitläufiger, als er es tatsächlich war. Bestattet wurde auf dem Kirchhof dort, wo gerade Platz war. Weil der Hof aber nicht besonders groß war, wurde es schon bald eng. Und manche Gräber mussten nach kurzer Frist wieder geräumt und die Überreste ins Beinhaus gebracht werden, damit Platz für neue Tote war. Nur sehr wenige Menschen, so berichten es die Kirchenbücher, durften in der Kirche beigesetzt werden, was als außerordentliches Privileg galt, für Pastoren, Lehrer, »andere verdiente Personen« – und Kinder. 1681 wurde ein Neugeborenes gleich nach der Taufe in der Kirche begraben, 1683 ein zehnjähriges Kind. Das Kirchspiel wuchs. Eine gesicherte Zahl gibt es von 1820: 1145 Familien mit 4988 Menschen lebten damals hier. Nicht nur in manchem Haus oder auf manchem Hof wurde es zu Beginn des 19. Jahrhunderts eng, auch auf dem Kirchhof fehlte es an Platz. Wo sollten neu Verstorbene begraben werden? Die Toten bekamen zu kurze Ruhezeiten, die Sorge wuchs, dass das Grundwasser verunreinigt werden könnte. Und so schrieb der Nienstedtener Pastor Witt 1803 an den Verwalter der Pinneberger Kirchspielvogtei, Herrn von Levetzau: »Daß ein neuer Kirchhof angelegt werden muß, bedeutet nehmlich die Abwendung einer bedeutenden Gefahr. Allenthalben scheint man dafür zu arbeiten, daß Auf dem Bild »Ansicht von Nienstädten und Jacobsen’s Garten« von J. Glashoff aus dem Jahr 1820 ist gut zu erkennen, wie die Nienstedtener Kirche hoch oben auf dem Geesthang in den Himmel ragt.

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Tilmann Präckel

Beug • Beuth • Bex • Beyer • Beyertz • Bickel • Bieber • Biecker • Biegler • Biehl • Biel • Bielefeldt Bieler • Bielfeldt • Bielfelt • Bienert • Bierbaum • Biermann • Biermann-Ratjen • Bierotte • Biesterfeld


die Grabstätten mit ihren schädlichen Ausdünstungen soweit als möglich von den Wohnörtern der Lebendigen entfernt werden.« In Hamburg waren aus diesem Grund nach 1793 zwei Friedhöfe vor den Stadttoren gegründet worden: einer am Steintor, der andere am Dammtor. In Nienstedten wurde der »Neue Kirchhof« im April 1814 in Dienst genommen. Er hieß zunächst tatsächlich noch Kirchhof, obwohl er nicht mehr unmittelbar an der Kirche lag, sondern auf der Pastoratskoppel. Dies war ein Stück Land, über das Pastoren und Organisten damals verfügten, um durch Verpachtung oder Bewirtschaftung ihr Gehalt etwas aufbessern zu können. Die Pastoratskoppel befand sich etwas westlich der Kirche, am Weg nach Dockenhuden, an der heutigen Elbchaussee. Doch warum wurde der neue Kirchhof ohne jede förmliche Einweihung eröffnet? Offenbar brach eine Seuche aus, viele Menschen starben und mussten bestattet werden, die Kirchenchronik spricht von einer »großen Sterblichkeit«, alles musste schnell gehen, und so wurden die ersten Toten Mitte April 1814 auf dem neuen Kirchhof beerdigt – und damit gab es ihn: den neuen Kirchhof von Nienstedten, den heutigen Friedhof. Wie und in welcher Reihenfolge und wer an welchem Platz begraben werden sollte, das war schon unmittelbar vor dieser Eröffnung ein wichtiges Thema. In einem Publicandum vom 5. April 1814 heißt es: »Da es nun aber nothwendig ist bey Errichtung dieses neuen Kirchhofs die größte Ordnung zu beachten, so wird dem Kirchen-Juraten hierdurch befohlen, auf das Strengste darauf zu achten, daß die Gräber von 8 Fuß Länge, 4 Fuß Breite und 3 Fuß Tiefe zu graben sind, die Toten sollen ohne Unterschied des Standes oder der Dorfschaft begraben werden.« Der demokratischen Idee also folgend war eine schlichte Reihung der Begräbnisse vorzunehmen, organisatorisch einfach und durch den aufklärerischen Geist beeinflusst, demnach im Tode doch alle Menschen gleich seien. Dass es so geschwisterlich und gleich dann doch nicht zugehen durfte, nicht einmal auf einem kirchlichen Friedhof, das steht bereits im ersten Begräbnisz Register, das nur eine Woche später, am 12. April 1814, begonnen wurde: »Der ganze Kirchhof war anfangs dazu bestimmt, daß alle Leichen, wie sie vorfielen,

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Biesterfeldt • Bigalke • Billen • Bilmhage • Bimberg • Binder • von Binzer • Birke • Birkenbach • Birkner Birlin • Birr • Bischoff • Biskup • Bittel • Biumhage • Blanck • Blank • Blanke • Blasch • Blase • Bläsi

Diese Ansicht der Nienstedtener Kirche ist ein Detail aus dem Stich »Panorama von Blankenese« von Julius Gottheil, entstanden um 1840. Noch ist der Kirchhof durch Mauerwerk und Zäune gefasst; Grabsteine sind nicht mehr zu sehen, im Hintergrund das Pastorat.


Bereits 1803 fragten die Nienstedtener beim Landdrosten der Herrschaft Pinneberg an, ob sie ihren Kirchhof erweitern dürften.

ohne Unterschied neben einander begraben werden sollten, da aber die Eingeseßenen dringend Eigenthums Gräber begehrten, so wurden von den Oberen ihnen die Quartiere 2, 3 und 4 angewiesen.« Die »Eingeseßenen«, das waren 1814 eigentlich die alten Nienstedtener Familien: Ladiges, Langeloh, Cords, Biesterfeld. Doch es waren wohl vor allem die aus Hamburg hinzugezogenen Großbürger und Adligen, die repräsentative Grabplätze auf dem schönen neuen Friedhof wollten. Und so gab es von Beginn an zwei verschiedene Grabarten: die Allgemeinen Gräber, heute Reihengräber, und die Eigentumsgräber, heute Wahlgräber genannt. In den Allgemeinen Gräbern wurden die Bestattungen in fortlaufender Reihenfolge auf gleich großen Grabstellen vorgenommen, die Ruhezeit betrug 30 Jahre und konnte nicht verlängert werden. Als Grabschmuck waren nur hölzerne Kreuze erlaubt. Die Eigentumsgräber konnten dagegen von den Nutzern und ihren Erben nach Ablauf der Ruhefrist beliebig oft verlängert werden. In den beiden ältesten südlichen Bereichen des Friedhofs, zur heutigen Elbchaussee hin, konnten Grabstätten zunächst gegen eine erhöhte Gebühr sogar »auf unbeschränkte Zeit«, also auf Friedhofsdauer, erworben werden; später war das auch auf den neuen Friedhofsteilen, die zum Friedhof dazukamen, möglich. Vor allem aber bedeutete der Erwerb eines Eigentumsgrabes, dass eine Grabstätte ganz und gar nach dem eigenen Geschmack gestaltet werden konnte. In der ältesten erhaltenen Friedhofsordnung, dem Regulativ für den Begräbnisplatz

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Tilmann Präckel

Blass • Blatt • Blechschmidt • Blecken • Bleek • Blehje • Bleilick • Blenke • Bliesmer • Blilicke • Block Blöcker • Blöckner • Blohm • Blombach • Blomberg • Blüchert • Blum • Blume • Blume-Henke


»A Erstes Quartier Hier werden diejenigen begraben welche kein Eigenthümliches Grab erhalten. Jede Leiche wird mit 2 Thaler bezahlt«, so lauten die Anfangszeilen des ersten Begräbnisregisters des Nienstedtener Friedhofs vom 12. April 1814.

zu Nienstedten von 1886, heißt es dazu: »Jeder Erwerber eines Eigenthumsgrabes hat das Recht, dasselbe mit einem passenden Monument, wie mit einer angemessenen Einfassung zu versehen, auch entsprechende Inschriften und andere Verzierungen, als Anpflanzungen von Gesträuchen und Blumen, anzubringen.« Das war es, was viele Grabnutzer begehrten: Sie wollten eine Grabstätte individuell gestalten und repräsentativ anlegen für eine möglichst lange Zeit, so dass es einen beständigen Ort der Erinnerung gab. Neben den einfachen Sandgrabstätten wurden auch die ersten Grüfte angelegt, Bäume und Gehölze gepflanzt, Grabstätten mit Blumen geschmückt, so dass aus der einfachen Pastoratskoppel rasch ein sich wandelndes Gelände wurde, das mehr und mehr wie ein Park wirkte. Die vielen hochgewachsenen Kiefern, Buchen, Lebensbäume und Birken, die heute dem Friedhof seinen besonderen und waldigen Charakter verleihen, wurden zum Teil schon früh und im Verlauf der Jahrzehnte dann immer wieder gepflanzt – keine Selbstverständlichkeit auf einem Friedhof, wachsen doch Bäume schnell über die Grenzen einer Grabstätte hinaus und bedrängen und verschatten dann die benachbarte Grabstätte. Doch nicht nur die Bepflanzung, auch Inschrift oder Grabschmuck bedurften schon bald einer Regulierung. Bereits 1886 wies die Friedhofsordnung darauf hin, damit die Würde des Ortes bewahrt bleibe, »daß solche Denkmäler, Inschriften u.s.w. dem Anstande nicht zu nahe treten, selbige auch die benachbarten Gräber in keinerlei Weise beschränken und beeinträchtigen«.

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Blumenthal • Blumhagen • Blunk • Blydt-Hansen • Bock • Böck • Bockel • von Bockel • Böckel Bockelmann • Böcker-Lüttke • Bockwoldt • von Boddien • Bode • Bodemann • Boden • Bödiker • Bodis


Die Anlage blieb anfangs geprägt durch die vergangenen Kirchhof-Zeiten. Auf dem ersten Quartier, auf dem zunächst nur Allgemeine Gräber vorgesehen waren, wurde eng bestattet, sieben Stellen hintereinander und ohne Zwischenwege. So war es ursprünglich auch für die anderen Quartiere vorgesehen. Doch die bereits erwähnten und begehrten Eigentumsbegräbnisse benötigten mehr Platz, und es entstand ein nicht immer regelmäßig verlaufendes Wegenetz. Diejenigen, die Eigentumsgräber wünschten, wollten auch eine besonders schöne Lage für diese Grabstätten. Und das bedeutete für die meisten: möglichst nah an der (späteren) Elbchaussee, also genau dort, wo eigentlich das 1. Quartier für die Allgemeinen Gräber vorgesehen gewesen war. Deshalb »verlangten und erlangten einige angesehen Familien, gegen eine besondere Recognition (…) an die Kirche hier Eigenthums Gräber«. Tatsächlich wurde das gewünschte Quartier eingerichtet – gelegen an der Südseite des Friedhofs nahe dem idyllischen Elbhang –, währenddessen die Gebiete für die Allgemeinen Gräber nach Norden verschoben wurden. Im ältesten Teil des Friedhofs kann man heute noch in manchen Bereichen ahnen, wie eng die Grabstellen ursprünglich aneinanderlagen. Anfang des 20. Jahrhunderts gelang es dem damaligen Friedhofsverwalter Wilhelm Wohlers, die jeweils vierten Gräber jeder Reihe aufzuheben und in Wege umzuwandeln, so dass neue und mehr Wege entstanden und den Friedhof stärker gliederten. Das verlieh dem Friedhof sofort eine andere Großzügigkeit, er wirkte nun weitläufiger, mehr wie ein angelegter Park. Die anfänglich gedachte schlichte Reihung der Gräber sah auch nicht vor, dass die Bestatteten nach den Dorfschaften des Kirchspiels geordnet bestattet werden sollten. Doch dagegen stand das Interesse der eingesessenen Bewohner, in vertrauter Umgebung zu bleiben. Also wurden den Dorfschaften zugeordnete Bereiche eingerichtet – und noch heute kennen wir den Nienstedtener und den Blankeneser Teil und die Nienstedtener und die Blankeneser Pforte – gemeint sind die Pforten an der Elbchaussee, die Blankeneser ist die weiter westlich liegende. Die erste wirklich prominente Beisetzung auf dem Nienstedtener Friedhof war 1839 die von Caspar Voght. Baron Voght wünschte sich sein Grab in Nienstedten, auf dem neuen Friedhof, lag doch sein Anwesen in Klein Flottbek und gehörte damit zum Kirchspiel – auf eigenem Grund und Boden durfte schon damals nicht bestattet werden. Eine große, der Bekanntheit des Reichsfreiherrn gemäße Gruft plante der Architekt Alexis de Chateauneuf bereits 1829. Anfangs zierte sich Voght noch ein wenig: »Sie meynen es zu gut mit meyner Asche. Die Hülle ist zu schön für sie. Auf Nienstedtens Kirchhoff, mitten unter bescheidnen

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Tilmann Präckel

Bodo • Boeddecker • Boedrich • Boehden • Boehm • Boehm-Reith • Boehnert • Boeking • Boelich Boemke • Boerge • Boetel • Böge • Bögel • Bögh • Bögner • Boheme • Bohl • Böhle • Böhme • Böhmer


Dieser Belegungsplan macht deutlich, dass der Friedhof lange Zeit streng geometrisch unterteilt wurde: die Quartiere und Grabstellen folgen rechtwinkligen Längs- und Querachsen.

Grabsteinen, von einigen Kreutzen umgeben, paßt so etwas nicht«, schrieb er an seinen Freund und Patensohn Karl Sieveking. Doch die Gruft mit einer großen beschriebenen Steinplatte wurde schließlich errichtet. Bloß für die Anlieferung der Marmortafel vom Anleger Teufelsbrück hinauf bis zum Friedhof kalkulierte de Chateauneuf vier bis fünf Tage. Diese erste große Grabanlage hatte damals Signalwirkung für das Hamburger Bürgertum, das mehr und mehr den Elbhang besiedelte. Nun wurden große Grüfte und auch Mausoleen häufiger auf Nienstedtens Friedhof angelegt. Und damit wurde aus dem Dorffriedhof innerhalb weniger Jahrzehnte ein aufwändig gestalteter kleiner Parkfriedhof. Am 24. März 1839, einem Sonntag, fand das Begräbnis von Caspar Voght statt. Es war ein unwirtlicher Wintertag, der Himmel war grau, bei Minusgraden fegte kaltes Schneegestöber um die Häuser. Weil das Wetter so war, geschah es, dass Voghts Freund und Pächter Staudinger, der laut dem Testament des Verstorbenen einen Nachruf sprechen sollte, diesen in der Kirche verlas. Davon erfuhr der Hamburger Propst Dr. Dose später aus der Zeitung – und zeigte den Vorfall sogleich dem Rellinger Propst Adler an, der es wiederum dem Pinneberger Landdrosten von Döringen berichtete. »Auf dem Kirchhofe mögen die Profanen schwatzen«, so Dose, aber vor dem Altar sei nicht ihr Platz. In einer vom Drosten eingeforderten Erwiderung schilderte der Nienstedtener Pastor Clasen ausführlich die genauen Umstände. Er beschrieb, wie das Testament einerseits vorsah, dass die Beerdigung nach Nienstedtener Brauch gesche-

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Bohn • Bohn-Damman • Böhndel • Bohne • Bohnhoff • Bohnke • Boirgmann • Bok • Bolbrügge • Boll Boller • Bollmann • Bollow • Bolt • Bomhard • Bommer • Bönder • Bonk • Bonkowski • Bonne • Bonnet


hen sollte und ja auch viele Menschen, besonders aus Klein Flottbek, Anteil nahmen und den Zug begleiteten, andererseits eben auch Staudinger einen Nachruf sprechen sollte. Da »viele alte, schwache Personen aus Hamburg als Freunde des Verewigten ihm gern das Geleit zum Grabe geben wollten«, war es dringender Wunsch, dass Staudingers Vortrag bei dem schlechten Wetter nicht am Grab, sondern in der Kirche geschehen sollte. Pastor Clasen betonte, dass nach einem ersten Lied zuerst er selbst eine kurze Rede über biblische Worte hielt, Staudinger »im Steige« sprach, dem Ort, von dem sonntags »allerlei Bekanntmachungen von oft sehr profanem Inhalt« verlesen werden, und eben nicht vor dem Altar. Schließlich sei noch ein Vers gesungen worden und von ihm als Pastor am Grab der Segen gesprochen worden. Da sei, so Pastor Clasen, doch nichts »Gesetzwidriges vorgefallen«. Mit diesem Brief war die Angelegenheit erledigt, weder Staudinger noch Clasen wurden belangt. Wie damals eine normale Beerdigung vonstatten ging, spiegelt die Läuteordnung: Demnach wurde ein Todesfall im Kirchdorf durch das Läuten mit zwei Glocken, das sogenannte Strohläuten, bekannt gemacht. Am Beerdigungstag selbst wurde bei Verstorbenen aus dem Kirchdorf eine halbe Stunde vor dem Zug zur Kirche erstmals geläutet, als Zeichen für die Träger. Abermals läuteten die Glocken, sobald sich der Leichenzug der Kirche näherte und die Kirche umrundete. Schließlich wurde noch einmal nach dem Gottesdienst in der Kirche beim Gang zum Grab geläutet. Später, als die Kapelle gebaut worden war und dort die Trauergottesdienste stattfanden, erhielt der Küster in der Kirche durch das Winken mit einem weißen Handtuch von der Kapelle aus das Zeichen, wenn die Trauerfeier in der Kapelle zu Ende war und er damit die große Glocke während des Gangs zum Grab zu läuten hatte. Erst als die elektrische Leitung lag, entfiel diese Aufgabe. Heute ist das Läuten vor dem Gottesdienst nicht mehr üblich, und es wird nur beim Gang zum Grab geläutet. Keine vierzig Jahre nach Voghts Begräbnis, 1875, wurde der Friedhof, nach einer ersten kleinen Erweiterung 1836, zum ersten Mal wesentlich vergrößert. Die Kirche kaufte ein Stück Land im nördlichen Bereich hinzu, das bis zur Rupertistraße reichte, der früher Hummelsbüttel genannten Straße. Nienstedten war inzwischen Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein, durch die Neubewohner und eine größere Mobilität zugleich näher an Hamburg gerückt. Das machte sich auch auf dem Nienstedtener Friedhof bemerkbar, für dessen Grabstätten sich zunehmend Menschen interessierten, die nicht im Kirchspiel lebten oder dort nur einen Landsitz hatten. Die Attraktivität des schön gelegenen Friedhofs hatte ja schon kurz nach der Gründung besondere Regelungen erfordert, um zu bestimmen, wer in welchem

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Boock • Booth • Borbe • Borbet • Borchardt • Borchers • Borchert • Bördermann • Borges • Borgwardt Börker • Bormann • Börnchen • Bornemann • Börner • Bornhofen • Bornholdt • Borowsky • von Borstel


Die Karte von 1866 zeigt Friedhof und Kirche von Nienstedten. Im Norden ist bereits die erst 1867 eröffnete Eisenbahnstrecke von Altona nach Blankenese zu erkennen.

Quartier zur ewigen Ruhe finden durfte. In der Friedhofsordnung von 1886 ist zwar geregelt, dass Eigentumsgräber in der Regel nur an Gemeindeangehörige verkauft werden durften. Durch einen Beschluss des Kirchenvorstandes war es nun aber auch Fremden, also nicht im Kirchspiel wohnenden Menschen, gestattet, ein Grab zu erwerben – allerdings für den doppelten Preis. Wer also hatte Ende des 19. Jahrhunderts ein Recht darauf, auf dem Nienstedtener Friedhof bestattet zu werden? Zunächst einmal alle diejenigen, die im geografischen Bereich des Kirchspiels lebten: von Finkenwerder bis Schenefeld, von Rissen bis Klein Flottbek. Dann aber auch, nach entsprechendem Antrag und gegen erhöhte Gebühren, nicht im Kirchspiel lebende Menschen. Auf jeden Fall sollten sie Kirchenmitglieder sein. Das war im 19. Jahrhundert noch selbstverständlicher als heute. Für die insgesamt wenigen »Andersgläubigen« fanden sich in Altona würdige Begräbnisstätten wie der jüdische Friedhof oder der Mennonitenfriedhof. In der Stadt Hamburg wurde im Jahre 1877 mit dem Ohlsdorfer Friedhof ein erster kommunaler und damit weltanschaulich neutraler Friedhof eröffnet. Auf diese Weise wurde das Beerdigungswesen in Hamburg den Kirchen mehr und mehr aus der Hand genommen. Sollte das in Nienstedten ebenfalls geschehen?

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Borup • Borwert • Böse • Bossauer • Bosse • Bossow • Both • Botha • Bothe • Botsch • Böttcher • Böttger Böttler • Bottmann • Böttsch • Boÿ • Boyadjiew • Boysen • Bozenhardt • Braack • Braas • Braasch • Bracke


Für die Kirchengemeinde Nienstedten kam das nicht in Frage. Für sie war und ist die Pflege der christlichen Bestattungskultur ein wesentlicher Teil der kirchengemeindlichen Aufgaben – und so blieb der Friedhof kirchlich. Als 1902 und 1909 dann die beiden selbständig gewordenen Gemeindeteile Blankenese und Groß Flottbek ihre jeweils eigenen Friedhöfe eröffneten, wuchs in Nienstedten die Sorge, dass der Begräbnisplatz in Nienstedten zu groß sei. Doch trotz eines eigenen Friedhofs blieben manche Blankeneser und Flottbeker Familien dem Nienstedtener Friedhof treu. Zudem stieg die Zahl der Einwohner weiter und beständig an. Abermals und wiederholt musste der Friedhof in den nächsten Jahrzehnten erweitert werden. 1906 und 1907 erwarb die Kirchengemeinde östlich der bisherigen Anlage ein großes Stück Land von mehr als 17.000 Quadratmetern, hauptsächlich von Bäckermeister Krome. Damit rückte der Friedhof näher ans Dorf und auch wieder näher an die Kirche. Die größere Ausdehnung des Friedhofs erforderte eine Neugestaltung des nördlichen Eingangs. 1909 wurde zunächst am Eingang der Rupertistraße eine Fahrstraße angelegt. Zwei Jahre später entstand für 4000 Mark ein sogenanntes Unterkunftshaus, in dem auch kleine Trauerfeiern abgehalten werden konnten, wenn sie nicht in der Kirche stattfinden sollten – der heutige Warteraum, der unweit der Kapelle liegt und auch jetzt noch für kleine Trauerfeiern genutzt werden kann. Eine Kapelle gab es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht, aber über sie wurde bereits nachgedacht. Ein nicht datierter Plan des Nienstedtener Friedhofs: Er zeigt die Grabbelegungen an der nordwestlichen Seite, zu erkennen an der Straßenbezeichnung Hummelsbüttel (heute Rupertistraße). Dieser Teil des Friedhofs wurde von 1875 an belegt. Für Urnen war ein Extrafeld unterhalb der Hainbuchenhecke reserviert.

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Bracker • Brackmann • Brade • Bradter • Brakhoff • Bramfeld • Brammann • Brand • Brandau • Brandes Brandt • Brannemann • Brauchisch • Brauer • Braun • Braun-Neróng • Braunschweig • Brauweiler


Dieser Auszug aus dem Begräbnisregister des Friedhofs zeigt einen Eintrag zur großen Familie der Godeffroys.

Der Erste Weltkrieg verhinderte zunächst alle weiteren Bauvorhaben; er brachte unvorstellbar viele Tote mit sich, die nur zum Teil in Nienstedten ihre letzte Ruhe fanden. Die Nienstedtener Kirchengemeinde ließ nach Kriegsende im Gedenken an die Toten den Bildhauer Richard Luksch (1872–1936) ein monumentales Denkmal aus Sandstein entwerfen, mit einem expressionistischstrengen Christus und den Namen aller Gefallenen des Kirchspiels. Es ist kriegerisches, heldenverehrendes Gedenken. Weithin sichtbar ist bis heute der Stahlhelm, der oben dem Denkmal aufliegt. »Dem Vaterland brachten sie ihr Leben zum Opfer«, so heißt es im Geiste der damaligen Zeit. Bei der Einweihung am 5. Dezember 1920 sprach Pastor Thun: »Da steht es denn nun, unser Ehrendenkmal! Unseren Gefallenen zu Ehren, zu dankbarem, treuem Gedächtnis ist es gesetzt von Männern und Frauen unserer Gemeinde; ernster Künstlersinn hat es uns erdacht, heraus aus dem Miterleben der schweren Zeit, nervige Faust hat es (…) herausgemeißelt. Euch allen soll es gehören, ihr Väter und Mütter, ihr Frauen und Bräute, ihr Brüder und Schwestern, die ihr den Namen eures geliebten Sohnes, Mannes oder Bruders hier eingegraben findet. Euch soll es vor allem gehören.« Als 1970, also 50 Jahre nach der Errichtung des Denkmals, Nienstedtener Bürger die Kirchengemeinde darauf hinwiesen, dass die Schrift zunehmend unleserlich sei, beauftragte der damalige Friedhofsverwalter Paul Wullbieter einen Steinmetz, den Stein zu renovieren. Doch dieser musste den Auftrag ablehnen. Der Obernkirchener Sandstein, aus dem das Ehrenmal gefertigt ist, ist zwar äußerst witterungsbeständig, aber zugleich sehr schmutzaufnahmefähig, so dass es nicht möglich war, den Stein wieder aufzuhellen. So wirken die aus breiten,

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Brcke • Brecht • Breckwoldt • Brede • Bredehorn • Bredemann • Breis • Breitfuß • Breithaupt • Bremer Bremermann • Brenklau • Brennecke • Brenning • Bresky • Bretschneider • Brettschneider • Breuel


182 Menschen wurden 1918, im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs, in Nienstedten beerdigt, 27 von ihnen waren Kinder unter 15 Jahren – auch das halten die Friedhofsbücher fest. Als dieser Plan entstand, hieß der Friedhofsverwalter noch Inspektor, wie an der Beschriftung des kleinen Gebäudes an der Straße Hummelsbüttel (heute Rupertistraße) zu erkennen ist. Der Haupteingang war nach dem Bau der Kapelle bereits an die Nordseite verlegt worden.

flächigen Buchstaben gemeißelten Namen auch heute noch wie eine grafische Fläche. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Geste des Gedenkens bescheidener. Ein schlichter Stein steht in einer Nische an der Nordseite des Ehrenmals von Luksch – mit nichts als dem Paulus-Zitat: »Lasset euch versöhnen mit Gott.« Das war und ist keine Heldenverehrung mehr, sondern Mahnung zum Frieden. Das Mahnmal steht etwas versteckt, aber die Toten werden jedes Jahr am Volkstrauertag von der Kirchengemeinde und den örtlichen Vereinen und Verbänden im Friedensgebet bedacht. Der Bau der Kapelle wurde bereits vor dem Ersten Weltkrieg vorangetrieben. Einiges Geld war dafür schon da, ging aber durch die Inflation – und weil es Kriegsanleihen waren – verloren. Erst als wieder genug Geld zur Verfügung

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Breuer • Breuter • Breyer • Breymann • Brickenstein • Brill • von Bröckel • Bröcker • Brockmann Brockmüller • Brödermann • Brödermann Sloman • Brodersen • Brodmerkel • Brodowski • Broecker


stand, beschloss der Kirchenvorstand im Oktober 1928, die Kapelle am Nordeingang zu bauen. Im November 1928 wurde der Architekt Kurt Stoltenberg mit der Ausführung beauftragt, am 14. Mai 1929 legte Pastor Chalybaeus den Grundstein, und am 24. November 1929 wurde der schöne Bau eingeweiht. Mit der neuen Kapelle wurde der Nordeingang an der Rupertistraße zum Haupteingang des Friedhofs. Der Kirchenvorstand beschloss, zukünftig Trauerfeiern nur noch in der neuen Kapelle abzuhalten. Dieser Beschluss gilt in der Regel auch heute noch. In den Jahren 1935 und 1937 erwarb die Gemeinde von der Bäcker-Witwe Krome und von Hans Ladiges weitere Landstücke im Osten, und es entstand dort ein Unterkunftshaus für die Friedhofsmitarbeiter. Für den neuen Friedhofsverwalter John Lübbers wurde 1937/38 neben dem Haupteingang in der Rupertistraße 37 eine Dienstwohnung erbaut, die auch lange die Friedhofsverwaltung beherbergte. Heute ist es das Pastorat II. Die Friedhofsverwalter hießen anfangs volkstümlich und ganz richtig Kuhlengräber, schließlich war es ihre Hauptaufgabe, Kuhlen zu graben oder graben zu lassen. Mit dem immer größer werdenden Friedhof wurden sie zu Inspektoren beziehungsweise Verwaltern. Der älteste namentlich verzeichnete Verwalter ist Kuhlengräber Klüß, ihm folgten Wilhelm Wohlers und dann John Lübbers. Als Lübbers im Krieg vermisst blieb, führte seine Frau bis 1947 die Arbeit weiter. Expressionistischstrenger Christus: Das monumentale Denkmal aus Sandstein erinnert an alle Gefallenen des Kirchspiels im Ersten Weltkrieg, entworfen hat es der Bildhauer Richard Luksch.

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Broesicke • Bröhan • Bronkowski • Brozinski • Bruckhard • Brüggemann • Brügmann • Bruhn • Bruhns Bruilau • Brüllau • Brünger • Brüning • Brünning • Brunöhler • Brunotte • Bruns • Brütt • Bubert • Bublitz


Dieser schlichte Gedenkstein steht in einer Nische an der Nordseite des massiven Denkmals für den Ersten Weltkrieg.

Dann kam 1947 Paul Wullbieter und blieb bis 1979 tätig. Von 1979 bis 1996 kümmerte sich Jürgen Lüders um den Friedhof. Seit 1997 obliegen Michael von Drathen die Belange des Friedhofes Nienstedten. Gerade die drei Letztgenannten haben auf je unterschiedliche Weise den Nienstedtener Friedhof geprägt: Paul Wullbieter als Verantwortlicher für die letzten großen Erweiterungen und die Neuausrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg, Jürgen Lüders mit seinem besonderen Blick für historische und erhaltenswerte Grabsteine und die Denkmalpflege, Michael von Drathen mit sicherer Führung in einer Zeit, die ein sich wandelndes Bestattungsverhalten mit sich brachte. Als der Zweite Weltkrieg begann, beschloss der Kirchenvorstand, den Verkauf von Grabstätten nicht mehr im Voraus, sondern nur noch im Todesfall zu gewähren. Die Zahl der jährlichen Beerdigungen war inzwischen auf fast 200 angestiegen, es wurde wieder eng auf dem Friedhof. Im Verlauf des Kriegs wurde der Grabstättenverkauf sogar noch weiter eingeschränkt. Grabstätten wurden nur noch Einwohnern der Kirchengemeinde verkauft, und Erbbegräbnisse, also Gräber auf unbeschränkte Zeit, konnten gar nicht mehr erworben werden. Schon damals versuchte die Kirchengemeinde, vom westlichen Grundstücksnachbarn Brandt weiteres Land zu erwerben, was aber erst in der Nachkriegszeit gelang. 1948 und 1952 kaufte die Kirchengemeinde zwei jeweils 10.000 Quadratmeter große Stücke dem Nachbarn ab und gestaltete diesen neuen Teil nun nicht mehr in geometrischer Gradlinigkeit, sondern aufgelockert, eher im Stil eines Landschaftsgartens. Dort, ganz im Südwesten, entstand auch ein weiteres Gedenkfeld. In einem kleinen Ehrenhain sind mit Hilfe des Nienstedteners Günther Loß Holzkreuze aufgestellt worden. Der Malermeister rettete und res-

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Bücheler • Büchner • Büchtemann • Buck • Buckmann • Budde • Budich • Bues • Bufe • Bühmann Bühnemann • Buhr • de Buhr • Buhre • Bühring • Bührmann • Bula • von Bülow • Bund • Bünger


taurierte die Kreuze. Sie erinnern zusammen mit Grabplatten an die im Zweiten Weltkrieg Gefallenen und an die Bombenopfer. Und am nordwestlichen Rand, in den Friedhof eingebettet, entstand 1952/53 das Gebäude der Kindertagesstätte der Nienstedtener Kirchengemeinde. Auch in der Nachkriegszeit blieben die Bestattungszahlen hoch, jährlich fanden mehr als 250 Beisetzungen statt. »Muß der Nienstedtener Friedhof bald für Beisetzungen gesperrt werden?«, überschrieb der Heimatbote, das Organ des Bürger- und Heimatvereins Nienstedten, im Februar 1958 einen Artikel. Anlass war ein Kirchenvorstandsbeschluss, demnach Plätze auf dem Friedhof nur noch an Bewohner der Ortsteile Osdorf und Nienstedten vergeben werden sollten. Immerhin würden, so der Heimatbote weiter, alle »hier wohnenden Menschen, einerlei ob und welcher Konfession sie angehören, auf dem an sich kirchlichen Friedhof beigesetzt werden können«. Aber wie viele Jahre der Platz noch reiche, das sei doch sehr ungewiss. Pastor Drews antwortete auf diese Anfrage und berichtete über Bemühungen, ein weiteres Stück Land zu erwerben, das ehemals Kaiser’sche Grundstück an der Elbchaussee. Man hoffte so auf eine lange Perspektive des Friedhofs. Pastor Drews verwies aber auch auf den hohen finanziellen Aufwand, die Dinge müssten abgewogen werden. Die Erweiterung an der Elbchaussee gelang erst Jahre später, dennoch ließ die Platznot bald nach, denn die Gräber wurden kleiner. Die Zahl der Urnenbeisetzungen stieg deutlich an. Und Urnen konnten zu einem Sarg hinzugesetzt werden. Oft genügte einer Familie jetzt ein dreistelliges Grab. Bücher wie diese erzählen viel aus der Geschichte des Kirchspiels; die frühen Register sind kalligraphische Kunstwerke.

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Bünning • Bunze • Burchard • Burdach • Burger • Bürger • Burghardt • Bürkner • Burmeister • Burmester Burow • Busacker • Busch • Buschmann • Buse • Busemann • Büsing • Buss • Busse • Busseraum


Der Nienstedtener Malermeister Günther Loß hat diese Holzkreuze restauriert – sie erinnern an Nienstedtener Opfer im Zweiten Weltkrieg.

Fragen der Gesamtanlage bestimmten die Diskussionen der 1960er Jahre: Ist eine Umgestaltung sinnvoll, ein Zurück zu den ursprünglichen Plänen, alle Gräber gleich zu behandeln und Abgrenzungen und Einfriedungen abzubauen? So dass aus dem Friedhof ein »würdiges parkartiges Glied in der Kette zwischen Jenisch- und Baurspark« werden könnte, fragte der Heimatbote 1961. In ihren Antworten erinnerten Pastor Drews und die Friedhofsverwaltung an die von einem Park grundlegend unterschiedene Ausrichtung eines christlichen Friedhofs. Pastor Drews akklamierte »mehr innere Substanz!«, und die Verwaltung verwies auf die erhaltenswerte, gewachsene Anlage, besonders der Pflanzen und Bäume, und damit auf das reiche Erbe des Nienstedtener Gartens der Erinnerung. Zunächst aber entstanden 1968/69 neue Betriebsräume, das Kirchenbüro und zwei Mitarbeiterwohnungen am Eingang beim Nienstedtener Marktplatz sowie 1972 ein Anbau am Haus des Verwalters in der Rupertistraße 37, in den hinein die Friedhofsverwaltung zog. Dort blieb sie, bis sie im Jahr 2000 ebenfalls in den Gebäudekomplex am Nienstedtener Markplatz 19A umzog. Ebenfalls im Jahr 1969 gelang die letzte und letztmögliche Erweiterung. Die Kirchengemeinde kaufte von der Stadt das frühere Kaiser’sche Grundstück im äußersten Südosten: 8000 Quadratmeter Land direkt an der Elbchaussee gelegen. Damit erreichte der Friedhof seine jetzige Größe von 10,5 Hektar – mit etwa 5200 Grabstellen und etwa 20.000 Gräbern.

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Busstorff • Butendeich • Buthmann • Büttner • Cadmuss • Caesar • Calligaro • Cammann • de la Camp Campe • Carano • Carbik • Carl • Carnau • Carroux • Carstens • Carstensen • Casa • Castan • von Castel


Schwarzer Granit: Diese Grabmale aus der Gründerzeit (bis 1920er Jahre) werden wie viele andere historisch interessante Steine in den Museumsbereichen des Friedhofs bewahrt.

Auch noch 1969, im September, beschloss der Kirchenvorstand eine einschneidende Maßnahme. Am 1. Januar 1970 trat sie in Kraft: Die Grabplatzrechte auf Friedhofsdauer wurden aufgehoben. Diese Friedhofsdauer-Regelung war im 19. und anfänglichen 20. Jahrhundert verbreitet, nun aber nicht mehr rechtens und zudem schwer kalkulierbar, waren doch die Grabplatzrechte, einmal bezahlt, bis zum Ende des Friedhofs nicht neu belegbar. Die Grabnutzer sollten in Nienstedten nun noch einmal ihre Gräber für eine letzte Ruhefrist von weiteren 25 Jahren behalten dürfen, anschließend aber ihr Nutzungsrecht kostenpflichtig verlängern oder es verlieren. Diese Entscheidung sorgte für einige Unruhe in der Gemeinde, manche sprachen gar von Enteignung, letztlich beugten sich aber auch die Nienstedtener dieser bundesweiten Regelung. Außerdem beschloss der Kirchenvorstand, einige historisch bedeutende Gräber auf eigene Kosten zu erhalten. Durch den aufmerksamen Blick von Verwalter Jürgen Lüders und mit Hilfe der Denkmalpflege Hamburg wurden viele Steine vor dem Abräumen bewahrt und in inzwischen sieben Museumsbereichen aufgestellt und beschrieben. Auch der Bronzeabguss des segnenden Christus vom dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen wurde 1985 von einer abgelaufenen Grabstätte an den Haupteingang Rupertistraße umgesetzt und damit erhalten.

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Castrup • Chankey • Charbonnier • Charier • de la Chaux • Chelius • Chemlin • Chemnitz • Chlebowsky Chlovius • Chorbog • Choy • Christensen • Christiansen • Christmann • Christoffersen • Christoph


1995 und 2010 wurde die Friedhofskapelle erneuert. Nachdem bereits 1969/70 der vermoderte Dachstuhl komplett renoviert worden war, ging es nun um den Innenraum. Ein neues Lichtkonzept hebt seitdem die ursprüngliche Idee des Raumes wieder hervor: Von den unteren, dunkleren Fenstern wird es hinauf zu den Deckenfenstern immer heller und lichter, über der Mitte des Rundbaus leuchtet jetzt eine goldene Scheibe. Der gesamte Raum erhebt sich so aus dem Dunkel ins Licht, aus dem Dunkel des Todes und der Trauer in das Hoffnungslicht der Auferstehungsbotschaft. Eine verbesserte Akustik und neues Gestühl haben den Raum zusätzlich modernisiert. Die Kirchengemeinde hat dafür zu sorgen, dass der sich ökonomisch selbst tragende Friedhof, der keine Kirchensteuermittel in Anspruch nehmen darf, auch zukünftig bestehen bleiben kann. Das war zu allen Zeiten und ist auch heute noch eine anspruchsvolle Aufgabe. Die Zunahme von Urnenbeisetzungen, vor allem aber auch von anonymen Beisetzungen, Seebestattungen und Beisetzungen in Friedwäldern stellt die Existenz manch anderer Friedhöfe bereits in Frage und ist uns eine Warnung. Der Nienstedtener Friedhof ist auf seinen Etappen durch die zwei Jahrhunderte ein Ort der historischen Spurensuche und der geschichtlichen Reflexion geworden – und Hortus persönlicher Erinnerung. Primär bleibt er die Stätte, »auf der die Kirchengemeinde ihre verstorbenen Glieder zur letzten Ruhe bettet«, wie es in der Friedhofsordnung heißt. Die Kirchengemeinde achtet darauf, dass die Würde der Verstorbenen und ihres ewigen Ortes bewahrt bleibt. Gemeinsam mit der Friedhofsverwaltung möchte sie den Friedhof als einen Ort der Erinnerung erhalten. Einen Ort, wo die Toten ihren Platz haben, wo man sie hinbringt und sie Ruhe finden. Und zugleich einen Ort, wo wir, die Nachgebliebenen, hingehen können, uns erinnern und zu ihnen hindenken können. Der Friedhof, so noch einmal die Friedhofsordnung, »ist mit seinen Gräbern ein sichtbares Zeichen der Vergänglichkeit des Menschen. Er ist aber auch der Ort, an dem die Kirche die Botschaft verkündigt, dass Christus dem Tode die Macht genommen hat und denen, die an ihn glauben, das ewige Leben geben wird. Aus dieser Erkenntnis und in dieser Gewissheit erhalten Arbeit und Gestaltung auf dem Friedhof Richtung und Weisung.«

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Chychla • Claassen • Claaßen • Clasen • Clauder • Clausen • Clauß • Clauss • Claussen • Claviez Cloppenburg • Clostermann • Coenen • Cohen • Cohn • Cohrs • Colberg • Collin • Collischewski


Die Friedhofskapelle: 1929 eingeweiht, 1969/70 restauriert, 1995 und 2010 erneuert.

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Commentz • Compêre • Conzen • Corbach • Corbelin • Cordes • Cords • Cords-Baetzel • Cordua Cordua-von Specht • Cornehlsen • Cornils • Cosgun • Coulson • Cramer • von Cramm • Crasemann


Der Friedhof wandelt sich im Lauf der Jahres- und auch der Tageszeiten. Nie ist er gleich.

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Creutzburg • Crods • Crohn • Croonen • Cropp • Crote • Crüger • Cryns • Cub • Curel • Curth • Cutujian Czech • Czubek • Dabelsteen • Dabschmoser • Dahl • Dahlhaus • Dähling • Dahms • Dahms-Prahl


Neun Begegnungen

Von Hella Kemper

W

er einmal auf einem Friedhof gewesen ist und dort ein Gespräch gesucht hat, der weiß, dass das nicht leicht ist. Es gibt eine Scheu, jemanden anzusprechen, jemanden, den man nicht kennt, von dem man nichts weiß, noch nichts weiß. Vielleicht will er nicht gestört werden? Und empfindet es als aufdringlich, ausgefragt zu werden? Ich möchte Menschen auf dem Friedhof begegnen, aber die innere und äußere Ruhe respektieren. Ich habe meine Scheu und meine Bedenken überwunden und neun Menschen auf dem Nienstedtener Friedhof getroffen und mich mit ihnen unterhalten und mir aus ihrem Leben erzählen lassen. Mich haben diese neun Begegnungen reicher und ein wenig glücklicher gemacht. Jedes Zusammentreffen war anders und einzig. Keines möchte ich missen. Meine Absicht war es, die Grabgänger und damit auch den Friedhof besser kennenzulernen und zu verstehen. Und tatsächlich sah ich ihn nach jeder Begegnung anders. Fremde Erinnerungen hatten ihn lebendiger werden lassen. Beim Kennenlernen passierte viel: Die eine massierte mir die Füße, die andere lehrte mich deutsche Geschichte, eine dritte den Altruismus. Der eine ließ mich hoffen, der andere machte mich lachen. So ist das Leben, wenn man sich traut. Neun Menschen – neun Gespräche über das Leben, den Tod und die Toten: Die Gespräche waren voller Empathie, Witz und Wärme. Während dieser neun Begegnungen füllte sich der Ort der Toten mit Leben.

Neun Begegnungen

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Damerow • Damman • Dammann • Dan • von Daniels • Dannehl • Dannenfelser • Dänner • Dannert Darboven • Darup • Dase • Daßler • Dau • Daube • Dauck • Daum • David • Davies • Dec • Decker

Hella Kemper, geb. 1966 in Warburg, ist Germanistin und Journalistin. Sie hat viele Jahre im Geschichtsmagazin der »ZEIT« gearbeitet, jetzt ist sie Redakteurin bei »ZEIT Wissen«. Sie hat mehrere Hamburg-Bücher veröffentlicht.


Herbert Cords mag eigentlich Friedhöfe gar nicht so gern, seitdem er als Kind mit seinen Eltern immerzu zum Grab eines Onkels gehen musste. Mitgehen musste! Und was sollte ein Kind schon auf dem Friedhof? Langweilig war das. Der pensionierte Baubeamte stammt aus einer alten Nienstedtener Familie, deren Urahn Anfang des 19. Jahrhunderts in das Kirchdorf kam und in eine Landstelle am Nienstedtener Marktplatz einheiratete. Herbert Cords wohnt heute am Rande des historischen Ortskerns, zwei Häuser neben dem Geburtshaus seines Vaters, der 1908 in die Mark Brandenburg zog. Dort kam Herbert Cords zur Welt und interessierte sich schon als Schulkind für Heimatkunde – seine Heimat, das wurde für ihn vor allem Nienstedten, wo er schon als Bub häufig zu Besuch bei den Verwandten war. Als der Zweite Weltkrieg endlich zu Ende war, da kehrte Herbert Cords nicht in die Mark Brandenburg zurück, sondern ging nach Hamburg. Seitdem beschäftigt er sich mit Hingabe mit der Geschichte des Dorfes und des Kirchspiels, war im Nienstedtener Bürger- und Heimatverein aktiv und hat jahrzehntelang den Heimatboten betreut. Heute trifft man Herbert Cords häufig auf seinen Gängen durchs Dorf, die ihn auch über den Friedhof führen, zum Grab seiner Frau, die bei ihren Eltern und Großeltern liegt. Im Februar 2013 starb Irma Cords und wurde im östlichen Teil des Friedhofs bestattet. Herbert Cords hat mit Friedhöfen seinen Frieden gemacht.

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Hella Kemper

Dedekind • Degetau • Dehle • Dehmel • Deichert • Deimas • Deissmann • Del • Delattre • Delfs • Delius Demke • Demmler • Denker • Derda • Derlien • Desebrock • von Dessel • Detampel • Deter • Dethlefs


Hans-Jürgen Gäbler braucht nur durch ein paar Büsche zu gehen, um zum Grab seiner Frau zu gelangen. Der Garten seines Hauses grenzt an den Friedhof und damit an die Grabstelle, wo seine Frau bestattet wurde. Seine Frau litt lange an Parkinson, und Hans-Jürgen Gäbler hat sie 15 Jahre lang fast jeden Tag im Rollstuhl über den Friedhof geschoben. Sie nannte den Friedhof »unseren Privatpark«, immer wieder entdeckten sie neue schöne Plätze und Ecken. Bei einem der Spaziergänge fiel einem ihrer Enkel eine Grabstelle auf, von der aus er auf das Haus der Großeltern blicken konnte. Da war klar: Hier wollten Hans-Jürgen Gäbler und seine Frau später einmal »wohnen«. Jetzt geht Hans-Jürgen Gäbler allein spazieren und wählt dabei meistens die Route über den Friedhof anstatt durchs Dorf. Wenn er dann eine der Eingangspforten zur Elbchaussee erreicht, quietscht sie, und HansJürgen Gäbler freut sich darüber. Das Geräusch erinnert ihn an seine Frau, denn die Pforte hat schon gequietscht, als sie noch lebte. Damals wollte er sie immer mal ölen, hat es aber nie getan. Und darüber ist er jetzt froh.

Neun Begegnungen

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Detjen • Detmers • Dickmann • Die • Dieck • Diederichsen • Diedrich • Diehl • Diehn • Diekmann Diener • Dienst • Dienstbach • Dierck • Diercks • Dierking • Dierks • Dierks-Naumann • Dierner • Diers


Karin Koch kommt seit über vierzig Jahren immer wieder auf den Friedhof. Damals starb ihr Schwiegervater. Anfänglich war es für sie schwierig, seine Grabstelle zu finden, doch dann lernte sie bald, sich im Wegelabyrinth zu orientieren. Karin Koch ist gern auf dem Friedhof. Sie genießt den Frühling, die singenden Vögel, den Flieder, wenn er blüht. Weil sie mit ihrem Mann 35 Jahre lang in der Rupertistraße gewohnt hat, wählte sich das Paar eine Grabstelle nahe der Straße. Nun ist ihr Mann seit zwei Jahren tot, und Karin Koch besucht regelmäßig sein Grab. Die Laternen der Rupertistraße geben so viel Licht, dass sie auch im Winter oder nach Einbruch der Dunkelheit auf den Friedhof gehen kann. Für sein Grab hat sie eine Tonfigur aus Bronze nachgießen lassen, die sie einst zusammen auf Sylt entdeckt hatten. Sie zeigt zwei Kinder, die gemeinsam ein Buch lesen.

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Dierth • Dieske • Diesselhorst • Diestel • von Dietlein • Dietrich • Dietz • Diez • Dilger • Dill • Dingel Dinnau • Dirlam • Dirrks • Dita • Dittmer • Dittmeyer • Dittner • Dittrich • von Dittrich • Döbbelin


Hanna Bosse kann von ihrem Zimmer aus auf den Friedhof sehen. Sie lebt mit ihren Eltern ganz in der Nähe. Früher führte ihr Schulweg über den Friedhof. Das war kürzer, als durchs Dorf zu gehen. Im Sommer, wenn es sehr heiß war, kühlte sie sich dann die Hände am Fischbrunnen. Jetzt geht sie gern mit einer Freundin zum Kriegerehrenmal; dort stehen Bänke, auf denen sie sitzen und Eis essen und zählen, wie viele Ottos im Ersten Weltkrieg gestorben sind. Sie mag diesen Ort sehr, hohe Birken und Tannen geben Schatten, das Rasenstück macht den runden Platz zu einem Garten, die im Rondell gepflanzte Hecke umfasst den Bereich schützend. Für Hanna ist der Friedhof wie ein Park. Tote der eigenen Familie sind hier nicht bestattet, aber eine Freundin der Familie liegt hier begraben. Sie möchte später vielleicht, so wie ihr Großvater, verbrannt werden und in einem Friedwald zur Ruhe kommen.

Neun Begegnungen

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Dobberphul • Dobern • Döbler • Dockenhuden • Döding • Doebbelin • Doeckel • Döhling • Dohm Dohndorf • Dohr • Döhren • von Döhren • Dohrens • Döhrens • Dohse • Dollert • Dolling • Dollmann


Barbara Schilke geht im Sommerhalbjahr, nach der Arbeit, fast jeden Abend über den Friedhof. Wenn die Sonne untergeht und ihre Strahlen sich in den Baumwipfeln brechen, dann ist die Beleuchtung am schönsten, sagt sie. Barbara Schilke wohnt am Marktplatz in Nienstedten, betritt den Friedhof aber nie über den nächstliegenden Eingang beim Friedhofs- und Kirchenbüro. Stets wählt sie die Pforte an der Rupertistraße, weil die dortige Christusfigur so einladend grüßt. Dann kann Barbara Schilke so sein, wie sie sich fühlt: traurig, fröhlich, nachdenklich, still oder auch ausgelassen. Barbara Schilke arbeitet als Palliativschwester in Rissen. Für sie gibt es keinen besseren Ort, um zur Ruhe zu kommen – und besonders gern sitzt sie dann auf der Bank nahe Dorothee Sölles Grab. Auf dem Friedhof geht es ihr gut. Sie wartet ab, bis sich die besonderen Momente mitteilen: die Umhüllung durch eine Hecke, der Schatten, der über eine Bank gleitet. Der Friedhof helfe vielen Menschen, Trauer und Traurigkeit zu überwinden, sagt Barbara Schilke. Hier finden sie in der Stille zum Sprechen. Nicht nur mit den Toten. Darum ist der Friedhof auch ein Ort der Begegnung, meint sie und besucht hier viele Tote: einen guten Freund, der freiwillig aus dem Leben gegangen sei, die zwei Kinder ihrer Freundin und viele ehemalige Patienten. Und jeder Moment ist dann ein einzigartiger Moment.

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Hella Kemper

Döltz • Dombrowski • Domdey • Domke • Donath • Dönitz • Doose • Dopfer • Döpke • Dörffling • Dörich Döring • Dormann • Dörmer • Dörnbach • Dörner • Dorrinck • Dörschner • Dose • Doss • von Drateln


Hans-Werner Breckwoldt ist ein Gartenliebhaber, der die drei Gräber der Familie mit derselben Begeisterung pflegt wie die Beete und Pflanzen daheim. Die Grabanlage ästhetisch zu gestalten ist dem Zahnarzt wichtig, da kann er richtig penibel werden. Er genießt es, dass der Friedhof gepflegt wirkt – die Sichtachsen! Der Baumschnitt! Meistens nutzt Hans-Werner Breckwoldt seine Mittagspause, um auf den Friedhof zu gehen. Dann gießt und wässert er, zupft Unkraut und überlegt, welche Blumen keine Kaninchen und Schnecken fürchten müssen. Tagetes halten sich keinen Tag! Eisbegonien lieber auch nicht, nicht wegen der Schnecken, sondern weil die jeder hat. Dann besser Geranien oder Petunien. Wenn die blühen und das Grab mit viel Farbe schmücken, freut sich Hans-Werner Breckwoldt, der seit Jahrzehnten im Chor der Kirchengemeinde singt. Und manchmal fühlt er sich auf dem Friedhof wie in einem Park. Immer aber nimmt er den Eingang Rupertistraße, und immer wählt er auch dieselben Wege; nur manchmal weicht er vom gewohnten Pfad ab, um die Namen auf den Steinen zu lesen: Namen, die er oft kennt, mit denen er Geschichten oder Erinnerungen verbindet. So konnte er auch schon manchem Fremden helfen, im Friedhofslabyrinth zu einer versteckt liegenden Grabstelle zu finden.

Neun Begegnungen

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Drathschmidt • Drege • Dreier • Drescher • Dreschler • Dressler • Dressmann • Drewes • Drews • Drexl Drexler • Dreyer • Dreysse • de Dries • Droege • Dröge • Droste • Drude • Dubois • Ducat • Dücker


Maria und Hans-Ulrich Fette kommen meistens mit dem Fahrrad zum Friedhof, um die beiden Familiengräber zu pflegen, die sich unauffällig in die Reihen fügen. Aber im Frühsommer leuchtet es dann plötzlich sonnengelb oder orange zwischen den braven Bodendeckern: Vor ein paar Jahren haben sie nämlich einmal Mohnsamen gestreut, und seitdem kehren die hübschen Blüten immer wieder, manchmal auch bei den Nachbarn. Dann freuen sie sich. Für Maria und HansUlrich Fette ist der Friedhof kein trauriger Ort, er gehört zum Leben dazu. So wie es zu ihren Alltagsaufgaben gehört, Gräber zu pflegen. Denn hier, in der Nähe der Toten, ist es leicht, sich an die Menschen zu erinnern, sich zu besinnen. Hier hat die Trauer einen Platz. Und wenn Fettes dann auf dem Friedhof Bekannte aus dem Dorf treffen, sind die Gespräche weniger oberflächlich als im Laden oder auf dem Markt. Der Tod, die Sterbenden lassen einen wesentlich werden, finden Maria und Hans-Ulrich Fette. Darum geht das Ehepaar gern mal über den Friedhof und nicht durchs Dorf. Und fast immer entdecken sie dann bislang Ungekanntes oder Nichtgesehenes: neue Steine, leuchtende Blüten, eine brennende Kerze, ein frisches Grab. Der Friedhof verändere sich stetig, sagen sie, alte Gräber verschwinden, neue kommen hinzu – der Friedhof folgt dem Leben und führt es zu Ende.

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Hella Kemper

Duckner • Duhn • Dühring • Duncker • Dunker • Durchschlag • Durkop • Dürkop • Dürrbeck • Duus Dwinger • Ebel • Ebeling • Ebenhöch • Eberhardi • Eberlein • Ebert • Ebol • Echternach • Eck • Eckehard


Britta Nagel hatte während der Schulzeit und im Studium keinerlei Bezug zum Friedhof, obwohl sie quasi in seinem Schatten groß geworden ist. Doch dann besuchte sie in Düsseldorf einen Friedhof, und ihr wurde mit einem Schlag bewusst, dass sie niemals woanders als in Nienstedten begraben werden möchte. Als ihr Vater starb, litt die Mutter sehr unter dem Tod des Mannes, und die Einsamkeit der Mutter war für Britta Nagel nur schwer zu ertragen. Sie war das einzige Kind und fühlte eine große Verantwortung für die Mutter, die fast jeden Tag auf einer der weißen Bänke saß, die vor dem Wartehäuschen stehen, und um ihren Mann trauerte. Auf dem Friedhof dem Ehemann nah sein zu können, sei ein großer Trost für die Mutter gewesen, weiß Britta Nagel. Sie wohnte mit ihrer Familie noch in Düsseldorf, als ihre Mutter dann pflegebedürftig und dement wurde. Die Journalistin zog mit ihren beiden Kindern zurück nach Hamburg, in die alte Heimat, und kümmerte sich um die Mutter, bis diese 2011 starb und auf dem Nienstedtener Friedhof bestattet wurde. Nun spenden ihr die Gräber der Eltern und Großmutter Trost. Wenn sie manchmal gar zu traurig darüber ist, dass ihre Eltern tot sind, dann sagt sie sich, dass sie ja wenigstens noch das Grab habe, zu dem sie hingehen und dann mit ihnen sprechen könne. Und wann immer sie den Friedhof nach einem Grabbesuch wieder verlässt, fühlt sich Britta Nagel froher und leichter als zuvor.

Neun Begegnungen

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Eckhard • Eckhardt • Eckhoff • Eckl • Eckmann • Eckmeyer • Eckoff • von Eden • Efflandt • Egetmeyer Eggers • Eggerstedt • Eggert • Egloff • Ehl • Ehlbeck • Ehlers • Ehlert • Ehmer • Ehmsen • Ehnimb • Ehren


Irmgard Bartels war viele Jahre Pastorin in der ehemaligen DDR, auch ihr Mann war Pastor. Sie habe mindestens 600 Menschen beerdigt, sagt sie, das gehöre zum Pastorenberuf dazu. Jede Beerdigung sei ihr nah gegangen, vor allem wenn sie Kinder beerdigen musste oder wenn Kinder einen Elternteil verloren hatten. Die erste Tote, die sie betrauert habe, sei ihre eigene Schwester gewesen, die mit nur 25 Jahren nach der Geburt ihres zweiten Kindes starb. Irmgard Bartels kam vor fünf Jahren von Bad Salzuflen nach Nienstedten, kurz nach dem Tod ihres Mannes. Zwei ihrer Schwestern lebten damals auch schon in Hamburg, und damit Irmgard Bartels ihrem Mann nah sein konnte, kaufte eine der Schwestern einen zweistelligen Grabplatz, wo die Urne bestattet wurde. Weil Irmgard Bartels damals noch nicht in Nienstedten lebte, hätte ihr Mann sonst nicht auf dem Friedhof beigesetzt werden dürfen. Meistens kommt die ehemalige Pastorin sonntags nach dem Gottesdienst auf den Friedhof, guckt nach dem Rechten und fährt dann mit dem Bus wieder zum Rosenhof, wo sie wohnt. Sie möchte nach ihrem Tod verbrannt werden wie ihr Mann. Eine Urnenbeisetzung sei in der heutigen Zeit nichts Außergewöhnliches, sagt sie und zitiert ein ihr besonders wichtiges Bibelwort aus Psalm 90, Vers 12: »Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir ein weises Herz gewinnen.«

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Hella Kemper

von Ehren • Ehrenbrand • Ehrensberge • Ehrhardt • Ehrich • Ehrig • Ehrsam • Eichel • von Eichel Eichenhofer • Eichholz • Eichhorn • Eichinger • Eichmann • von Eicke u. Pollwitz • Eiffe • Eimicke


Die Toten in unseren Herzen tragen Der Friedhof als Ort des Abschiednehmens und Erinnerns, des Trauerns und Hoffens Von Astrid Fiehland van der Vegt

G

uckt mal, da haben sie gerade einen eingepflanzt«, sagt der vierjährige Paul, als er an einem Grabhügel mit noch frischen Blumen und Kränzen vorbeikommt. Paul kennt sich hier aus. Wenn er zusammen mit den anderen Jungen und Mädchen der Evangelischen Kindertagesstätte freitags zum Kindergottesdienst geht, nehmen sie immer den direkten Weg zur Kirche – und der führt über den Friedhof. Der Weg an den Gräbern entlang hat für die Drei-, Vier- und Fünfjährigen nichts Bedrückendes, im Gegenteil. Hier gibt es viel zu entdecken: Eichhörnchen, die von Baum zu Baum springen, Vögel, die an den Wasserstellen ihr Gefieder putzen, auf den Grabsteinen eingravierte Zahlen und Buchstaben, die die Kinder zu lesen versuchen. Über die Toten machen sie sich wenig Sorgen. Die wohnen ja jetzt bei Gott. Der Spaziergang über den Friedhof und der Gottesdienst in der Nienstedtener Kirche gehören im Erleben dieser Kinder zusammen. Sobald sie die Glocken vom Turm läuten hören, stimmen manche schon das Lied an, das sie so gerne singen: »Es läuten alle Glocken, sie läuten nah und fern. Sie rufen uns zur Kirche, wir Kinder kommen gern! Gott liebt die Kinder, er lädt uns alle ein. Gott liebt die Kinder, wir wollen bei ihm sein.« Ein Dorf und sein Friedhof – in einer Großstadt wie Hamburg würde man solche Idylle kaum erwarten. Die zentrale Lage im Herzen von Nienstedten verdankt unser Friedhof seinem würdigen Alter. Während später gegründete Friedhöfe, zum Beispiel die Anfang des 20. Jahrhunderts neu angelegten Friedhöfe der Nachbargemeinden Blankenese und Groß Flottbek, dem damaligen Denken entsprechend bewusst weitab vom Ortskern angelegt wurden, ist der Nienstedtener Friedhof bis heute eingebunden in das alltägliche Leben im »Dorf« − wie die Einheimischen bis heute sagen. Tod und Trauer bleiben auf diese Weise nicht verborgen. Oft sieht man um die Mittagszeit nach einer Beerdigung die schwarz

Die Toten in unseren Herzen tragen

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von Einem • Einfeldt • Einkopf • Eisele • Eisenbarth • Eisenberg • Eismann • Eisner • von Eitzen Ekelmann • Elbel-Rahloff • Elingius • Ellerbrock • Ellerbroek • Ellermann • Ellingen • Ellis • Elmers

Astrid Fiehland van der Vegt, geb. 1959 in Kaltenkirchen, ist seit 1997 Pastorin in Nienstedten. Zuvor war sie Pastorin in Kiel und Jerusalem. Sie hat zahlreiche Predigtstudien und Beiträge zum christlichjüdischen Gespräch veröffentlicht.


gekleideten Trauergäste auf dem Weg zum »Leichenschmaus« im Hotel Jacob, Restaurant Marktplatz oder im Park 26 gleich gegenüber dem Friedhofstor an der Rupertistraße, wo sich vor noch nicht langer Zeit die legendäre Traditionskneipe Schlag befand. Ist die Trauergemeinde besonders groß, findet der Gottesdienst in der Kirche statt. Dann kann man erleben, wie auf der immer stark befahrenen Elbchaussee für einige Minuten plötzlich der Verkehr stillsteht. Ein Moment der Ruhe währt, bis der lange Trauerzug hinter dem Sarg her aus der Kirche zum Friedhof hinübergezogen ist. Sonntags nach dem Kirchgang besuchen viele Gemeindeglieder das Grab ihrer Lieben, so wie ich es auch aus meiner Kindheit auf dem Land kenne. Doch auch in der Woche ist man auf dem Nienstedtener Friedhof selten alleine. Einige kommen täglich, um Zwiesprache mit einem Angehörigen zu halten, den sie verloren haben, vor allem in den ersten Monaten der Trauer. Frisch geharkte Gräber, Blumensträuße und brennende Grablichter zeugen davon, dass die Toten nicht vergessen sind. Gerade der dörfliche Charakter vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit, das auch Menschen schätzen, die durch die im Beruf geforderte Mobilität nirgends mehr zu Hause sind. So geschieht es gar nicht so selten, dass mich in meinem Pastorat Anrufe aus London, New York oder Buenos Aires erreichen, weil ein Angehöriger verstorben ist und weil es auf unserem Friedhof noch ein altes Familiengrab gibt, in dem die Familie den Verstorbenen beisetzen möchte. Häufig gibt es auch nur lose Anknüpfungspunkte, die Großeltern wurden in der Nienstedtener Kirche getraut, oder jemand hat selbst vor vielen Jahren dort seine Taufe oder Konfirmation gefeiert. Dass die Nienstedtener Kirche als Tauf- und Hochzeitskirche so beliebt ist und der nahe Friedhof zweifellos zu den schönsten der Hansestadt gehört, spielt bei der Wahl dieses Friedhofs sicherlich eine Rolle. Die Sehnsucht scheint groß zu sein, einen Ort zu haben, an dem die Familienerinnerungen sich bündeln. Als Nienstedtener Gemeinde versuchen wir, den »Entwurzelten« ein Stück kirchliche Heimat zu ersetzen. Wenn die Familie über den halben Globus verstreut lebt, fehlt besonders in Ausnahmesituationen, wie im Todesfall, ein Halt, wie ihn früher Nachbarschaft und Gemeinde gaben. Wo die Familie nicht mehr nahe beieinander wohnt, schwindet auch die Vertrautheit mit den Traditionen und Ritualen, die helfen, mit dem erlittenen Verlust umzugehen. Der evangelische Theologe Fulbert Steffensky, der in diesem Buch mit einem Brief an seine Enkel zu Wort kommt, hat einmal gesagt: »Heimat ist da, wo wir die Namen der Toten kennen.« Wie oft bin ich mit meinen Kindern am Sonntagnachmittag auf unserem Friedhof spazieren gegangen! Dabei kamen wir immer wieder ins Erzählen: »Weißt du noch? Hier liegt Frau Eckhoff, die Schnei-

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Elskamp • Elvert • Embcke • Emmel • Encke • von Enden • Enders • Endler • Engel • Engelbrecht Engelhardt • Engelken • Engelking • Engelking-Crodel • Engelmann • Engelmartin • Engels • Enger


Die Toten in unseren Herzen tragen

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Engert • Engesser • Englick • Enke • Enneper • Enoch • Enzio • Erb • Erbe • Erbstein • Erdmann • Eriskat Ermel • Ernst • Ertel • Esch • Eschenburg • Eschrich • Essberger • Essen • von Essen • Essmann • Euler


derin, die für dich das weiße Kleid genäht hat, das wir immer noch aufbewahren. Da warst du drei Jahre alt, und sie war schon beinahe neunzig! Und dort bei der großen Birke ist das Grab unserer Nachbarin Steffi, die kurz nach ihrer Hochzeit so jung gestorben ist. Und da liegt die Freundin Regine, deren Kinder noch oft zu uns kommen.« Immer wieder wollten meine Kinder dieselben Gräber aufsuchen. Auch die kleinen, bunt geschmückten Kindergräber – auf diesen Spaziergängen gab es für mich als Mutter und Pastorin immer sehr viele Fragen zu beantworten. Die Namen auf den Grabsteinen halten die Erinnerung an die Menschen wach, mit denen wir gelebt haben. Sie zeigen uns in tröstlicher Weise, dass die Beziehung der Menschen zueinander nicht mit dem Tod endet. Jeder Besuch auf dem Friedhof fordert uns zugleich heraus, uns mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen und uns ihr zu stellen: »Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.« (Psalm 103,15f.) Der Nienstedtener Friedhof ist ein kirchlicher Friedhof, der auch heute noch eigenverantwortlich von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Nienstedten verwaltet wird. Das ist nicht selbstverständlich, denn von Beginn des 19. Jahrhunderts an übernahmen vor allem in den Städten staatliche Stellen die Verantwortung für das Bestattungs- und Friedhofswesen, welches jahrhundertelang in den Händen der Kirche gelegen hatte. Viele innerstädtische Friedhöfe wurden stillgelegt, und am Stadtrand entstanden große Zentralfriedhöfe, die der modernen Zeit mit einer wachsenden Bevölkerung und neuen hygienischen Ansprüchen besser gerecht zu werden versprachen. Der räumliche Abstand zum Dorf und zur Stadt hatte auch zur Folge, dass das Bestattungswesen sich professionalisierte; Familie und Nachbarschaft wurden zunehmend aus ihrer Verantwortung für die praktischen Schritte entlassen: von der Waschung und Aufbahrung des Leichnams bis zur Beerdigung. Der Tote »gehörte« nicht mehr seiner Familie, seine hygienische »Entsorgung« wurde zur öffentlichen Aufgabe. Verstärkt wurde dieser Wandel in der Bestattungskultur dadurch, dass vermehrt Leichen verbrannt wurden, auch weil es durch die technischen Errungenschaften des Industriezeitalters leichter geworden war. Das erste Krematorium auf deutschem Boden nahm 1878 in Gotha seinen Betrieb auf, das Hamburger Krematorium wurde 1892 in Gebrauch genommen – noch vier Jahre früher als die erste Müllverbrennungsanlage der Stadt. Während die katholische Kirche ihren Gläubigen die Einäscherung – bis 1963 – strikt untersagte, tolerierte die Lutherische Kirche in Hamburg als eine der ersten in Deutschland, dass Geist-

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Evers • Evert • Evsdee • Ewald • Ewert • Eyferth • Eyring • Eyselee • Faass • Faber • Fabricius • Faden Faehrle • Fafsbender • Fahje • Fahlberg • Fahning • Fahrholz • Falck • Färber • Farenholtz • Farenholz


liche bei Feuerbestattungen mitwirkten. Die Freidenker propagierten die Einäscherung in bewusster Abgrenzung zum Christentum – wie später auch die Staatsführung der DDR. Die Nationalsozialisten setzten die rechtliche Gleichstellung von Erdbegräbnis und Kremation durch, so dass dadurch auch für Urnen die Bestattungspflicht auf dem Friedhof galt. Entscheidend für die wachsende Akzeptanz der Feuerbestattung waren letztlich wirtschaftliche Faktoren: Sie verursacht weniger Aufwand (Ausheben und Schließen der Gruft, Einsatz von Sargträgern), die benötigte Grabfläche ist kleiner und die Grabpflege dadurch kostengünstiger. Im Osten Deutschlands werden heute etwa 90 Prozent der Toten eingeäschert, in westdeutschen Städten liegt der Anteil zwischen 50 und 75 Prozent. Auf dem Nienstedtener Friedhof überwiegt bis heute der Anteil der Erdbegräbnisse. Aber traditionell familiengeführte Beerdigungsunternehmen müssen sich inzwischen der Konkurrenz von Discountern stellen, die die Einäscherung und Bestattung in Tschechien zum Sparpreis anbieten. Wenn man die kunstvollen Grabmäler vergangener Jahrhunderte in den Museumsbereichen des Nienstedtener Friedhofs sieht, wird deutlich, wie sich die Maßstäbe verschoben haben. Es stimmt nachdenklich, dass unsere Gesellschaft weniger als frühere Gesellschaften bereit ist, sich den würdevollen Umgang mit den Toten etwas kosten zu lassen. Als kirchlicher Friedhof ist unser Nienstedtener Friedhof den Bestimmungen unterworfen, die das Hamburger Gesetz über das Leichen-, Bestattungs- und Fried-

Die Toten in unseren Herzen tragen

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Farmhein • Fasold • Fassbender • Fastert • Feddern • Feddersen • Feder • Federwisch • Fehlandt • Fehling Fehlner • Fehrmann • Fehse • Feicke • Feige • Feindt • Feldmann • Feldt • Fellmeth • Felshardt • Felst


hofswesen vorgibt. Trotzdem bleibt der Kirchengemeinde als Friedhofseignerin ein gewisser Gestaltungsspielraum. So hat der Kirchengemeinderat entschieden, nur ein sehr begrenztes Areal für anonyme Urnenbeisetzungen vorzuhalten, das sich beim Mausoleum Menck nahe der Kapelle befindet. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war die Beobachtung, dass Familienmitglieder und Freunde es im Nachhinein oft bedauern, wenn sie keinen Gedenkort haben, den sie aufsuchen können. Der Bitte, nachträglich über den Ort der Beisetzung Auskunft zu erteilen, dürfen die Friedhofsverwaltungen aus rechtlichen Gründen nicht nachkommen. Weil der Wunsch nach einer anonymen Grabstätte meist damit begründet wird, dass man die Grabpflege niemandem zumuten möchte, bietet unser Friedhof kleine Grabstellen mit schlichter Bepflanzung und einem Pflegevertrag an, die kaum mehr Kosten verursachen als eine anonyme Beisetzung. Wer Menschen ihrer Würde berauben will, tilgt zuerst ihren Namen und macht sie zur Nummer. Ein persönlicher Gedenkstein ist ein Zeichen der Wertschätzung des einzelnen Menschen − und ein Protest gegen die Anonymität, die das gesellschaftliche Klima in der Großstadt durchzieht. Darum messen wir dem alten Brauch, Namen und Lebensdaten der Verstorbenen auf dem Grabstein festzuhalten, viel Bedeutung bei – auch wenn wir mit der biblischen Überlieferung überzeugt sind, dass unsere »Namen im Himmel geschrieben stehen« (Lukasevangelium 10,20) und darum bei Gott auch dann nicht vergessen sind, wenn sich unser niemand mehr erinnert.

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Fengefisch • Fenster • Ferdinandt • Ferichs • Fermann • Ferner • Ferno • Ferzer • Fett • Fette • Fetzer Feuerhacke • Fichte • Fiebig • Fiedler • Fiedler-Winter • Figoy • Filip • Filter • Finck • Finke • Finnern


Die Nienstedtener Friedhofskapelle ist wie unsere Kirche ein geweihtes Gotteshaus. Die Trauerfeiern leiten darum ausschließlich Pastorinnen und Pastoren. Es können auch katholische oder orthodoxe Geistliche, sowie Pastoren anderer evangelischer Kirchen dort Gottesdienste halten, wenn die Verstorbenen der jeweiligen Konfession angehört haben. Weltliche Redner sind dagegen nicht zugelassen. Wenn die Beisetzung auf dem Nienstedtener Friedhof stattfinden soll, weil dort schon eine Grabstätte vorhanden ist, aber eine weltliche Abschiedsfeier gewünscht wird, so muss sie normalerweise an einem anderen Ort stattfinden. Wünschen die Hinterbliebenen eine christliche Beerdigung, so hält eine Pastorin oder ein Pastor für sie den Trauergottesdienst in der Kapelle, sofern dies nicht dem ausdrücklichen Willen des Verstorbenen widerspricht. Diese Vorgaben sind strenger als die Regeln auf vielen anderen kirchlichen Friedhöfen, die aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus auch Redner zulassen. Der Kirchengemeinderat hält an diesen Vorgaben aber fest, weil unser Friedhof nur so als christlicher Friedhof erkennbar bleibt. Die Kapelle und der Friedhof sind für uns Orte der Verkündigung des Evangeliums. Aus demselben Grund erklingt in unserer Friedhofskapelle auch nur in Ausnahmefällen Musik »aus der Konserve«. Auch die Kirchenmusik steht nach evangelischem Verständnis im Dienst der Verkündigung. Anders als auf großen Zentralfriedhöfen sind die Zeiten, die für den Trauergottesdienst zur Verfügung stehen, großzügig bemessen, so dass viele Formen der liturgischen Ausgestaltung möglich sind. In den letzten Jahren kommt es auch in Nienstedten immer öfter vor, dass Verstorbene in aller Stille, ohne eine vorangehende Trauerfeier, beigesetzt werden. Darüber sollte man gründlich befinden. Denn dies bedeutet auch, dass Hinterbliebene mit ihrer Trauer alleine bleiben. Und Hinterbliebene sind nicht immer nur die nächsten Angehörigen: Eine 90-jährige Lehrerin, die seit dem Tod ihres Mannes allein in ihrer Wohnung in Klein Flottbek lebte, wurde über Jahre reihum von ihren ehemaligen Schülerinnen besucht. Auch die Nachbarn kümmerten sich rührend um die alte Dame. Zur einzigen Tochter hatte sie dagegen nur spärlichen Kontakt. Nach dem Tod der Mutter verzichtete die Tochter auf eine öffentliche Trauerfeier. Monate später rief mich eine der ehemaligen Schülerinnen an und schilderte mir, wie unglücklich alle darüber seien, dass sie sich nicht von ihrer geliebten Lehrerin hätten verabschieden können. Wir verabredeten, in der Kirche nachträglich eine Gedenkandacht für die Verstorbene zu halten, in der die wertschätzende Erinnerung an sie und die Trauer über ihren einsamen Tod einen Ort finden könnten. Nach der Andacht gingen wir gemeinsam zum Grab, um der Verstorbenen Blumen zu bringen, ein Licht anzuzünden und ein Vaterunser zu beten. Dieses Ritual hat den Teilnehmenden sehr geholfen,

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Firzlaff • Fischbeck • Fischbek • Fischer • Fischer-Zernin • Fittig • Fittschen • Fläschner • Flashoff • Flatau Flege • Fleischel • Fleischer • Flemming • Fleth • Fliegel • Flitner • Floeder • Flohr • Flor • Flöring • Floris


die Wunden heilen zu lassen, die der als lieblos empfundene »stille Abtrag« in ihren Seelen hinterlassen hatte. Die Bestattung der Toten galt im Christentum von Anfang an als Werk der Barmherzigkeit. Auch der mittellosen und ortsfremden Toten, die in der Antike vielerorts kein würdiges Begräbnis erwarten konnten, nahm die christliche Gemeinde sich an. »Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan«, sagt Christus im Gleichnis vom Weltgericht (Matthäusevangelium 25,40). Unter allen Bedürftigen sind die Toten die Wehrlosesten. Dass bis in die Gegenwart der Staat jedem seiner Bürger ein Begräbnis zubilligt und notfalls die Kosten übernimmt, darf man als späte Wirkung der christlichen Praxis ansehen. Im Unterschied zu der im Römischen Reich verbreiteten Sitte, die Leichen der Toten zu verbrennen, setzte sich in den christlichen Gemeinden die jüdische Tradition der Beisetzung in Felsengräbern oder Erdgräbern durch, die wir aus der biblischen Erzählung über die Grablegung Jesu kennen. Schon in der griechischen Kirche bildeten sich feste Traditionen für das Totengebet, die Eucharistiefeier und das Totengedenken heraus. Dass die Gräber sich oft in unmittelbarer Nähe zum Ort des Gottesdienstes befanden, untermauerte die christliche Vorstellung von der Gemeinschaft der Heiligen (communio sanctorum), die Lebende und Tote umfasst. Auch die Toten gehören weiter zum »Leib Christi«. Der alte hebräische Name für den Ort der Toten lautet Bet Hachajim, was man mit Haus des Lebens oder Ort der Lebenden übersetzen kann. Auch darin

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Flötert • Flothow • von Flotow • Flügge • Fock • Foerster • Föhe • Foot • Fosseck • Fötsch • Fraatz • Främcke Framhein • Franck • Francke • Frandsen • Frank • Franke • von Frankenberg und Prosch • Franz


kommt die tröstliche Hoffnung zum Ausdruck, dass die Menschen, die wir begraben mussten, zum Leben bestimmt sind. Der Apostel Paulus schließt sein großes Kapitel über den Sieg des Lebens mit dem fröhlichen Bekenntnis: »Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.« (Römerbrief 8,38f.) Die im Sakrament der Taufe besiegelte Gemeinschaft mit Christus, den Gott als Ersten aus dem Tod erweckt hat, kann der Tod nicht zerstören: »Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?« (1. Korintherbrief 15,55) Der Trauergottesdienst, der in der Regel der Beisetzung vorausgeht, will diese Hoffnung verkünden. Durch die Abfolge seiner liturgischen Teile nimmt er die Trauernden mit auf einen Weg, der sie durch die Trauer hindurchzuführen versucht. Zunächst ermutigt er sie, sich der Realität des Todes zu stellen und die Gefühle von Ohnmacht, Schmerz oder Zorn, die der erlittene Verlust in ihnen auslöst, zuzulassen. Als Eingangsgebet wird oft ein biblischer Psalm gesprochen. Mit seinen starken Bildern drückt er aus, was man selbst nicht in Worte fassen kann: »Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras, dass ich sogar vergesse, mein Brot zu essen. Mein Gebein klebt an meiner Haut vor Heulen und Seufzen. Ich bin wie die Eule in der Einöde, wie das Käuzchen in den Trümmern. Ich wache und klage wie ein einsamer Vogel auf dem Dache.« (Psalm 102,5 ff.) Es entlastet, wenn die Trauernden spüren, dass sie nicht allein sind. Schon viele Generationen vor uns haben Menschen denselben Schmerz erlitten und Zuflucht gesucht bei Gott. Die Trauerpredigt erinnert an das Leben des Verstorbenen und bedenkt, was der Mensch, von dem sie Abschied nehmen müssen, für die Hinterbliebenen bedeutet. Sie maßt sich dabei kein Urteil an und redet nichts schön. Sie stellt vielmehr das Leben, so wie es war, in das Licht der Verheißung Gottes. Sie gibt Zeugnis von der christlichen Hoffnung auf das neue Leben der Auferstehung und nimmt gedanklich vorweg, was nun die Aufgabe der Trauernden sein wird, nämlich den Toten freizugeben in dem Vertrauen, dass er bei Gott geborgen ist, um sich dann Schritt um Schritt wieder dem Leben zuzuwenden. Das abschließende Gebet dankt für alles, was das gemeinsame Leben reich gemacht hat, und ermutigt zu vergeben, was man einander schuldig geblieben ist. In der Fürbitte der Gemeinde für den Verstorbenen und für die Trauernden kommt noch einmal die Zusammengehörigkeit aller in der Gemeinschaft der Heiligen zum Ausdruck. Die Trauernden werden der Sorge der Gemeinschaft anbefohlen, in der sie ihren Platz und ihre Rolle neu finden müssen.

Die Toten in unseren Herzen tragen

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Franzenburg • Franzke • Frauenstein • Frech • Frede • Freese • Frehse • Freife • Freiherr • von Freiholdt Freimann • Freitag • de Freitas • Freiwaldt • Frerichs • Fressel • Freudenstein • Freudenthal • Freundenthal


Bevor die Trauergemeinde sich auf den Weg zum Grab macht, wendet sich die Pastorin dem Toten zu und spricht die Segensformel: »Der Herr behüte dich vor allem Übel. Er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.« (Psalm 121,7f.) Mit diesem Segen schickt sie gewissermaßen auch den Toten auf einen neuen Weg: Seine Zukunft ist das Leben bei Gott, der »himmlische Garten«, das »ewige Leben«. Oft werden auch die Worte des Sehers Johannes gelesen: »Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!« (Offenbarung des Johannes 21,1ff.) Auch der gemeinsame Weg von der Kapelle zum Grab, der symbolische Erdwurf und das gemeinsam gesprochene Vaterunser am offenen Grab haben ihren tiefen Sinn. Selbst das Ritual der Beileidsbekundungen, das manchmal als Last empfunden wird, kann ein hilfreicher Schritt sein auf dem Weg zurück in das Leben, das man nun ohne den Menschen, den man hergeben musste, weiterleben wird. Die christliche Begräbnisfeier lebt von bewährten Worten, Liedern und Gesten. Die therapeutische Funktion religiöser Rituale ist unbestritten. Wo der gestaltete Abschied fehlt, bricht sich die Trauer nicht selten in anderer Weise Bahn. Wer Nachbarn und Freunde an Trauergottesdienst und Begräbnis teilhaben lässt, bleibt mit seiner Trauer weniger allein. Wo die Familie fehlt, kann manchmal auch die Kirchengemeinde stellvertretend die Aufgabe übernehmen, die Trauernden zu begleiten. Neben der Tendenz zur anonymen »Entsorgung« der Toten gibt es in den letzten Jahren auch eine gegenläufige Bewegung – eine größere Sensibilität für das Thema Tod. Viele Menschen suchen wieder nach rituellen Formen im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer. Als Pastoren erleben wir häufiger, dass Angehörige den Wunsch äußern, ihren Toten zu Hause aufzubahren und am Totenbett eine Andacht zu halten. Manchmal möchten sie auch den Trauergottesdienst mitgestalten und ihm dadurch eine individuelle Note geben. Kinder werden bewusster einbezogen. Sie bemalen

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Freuy • Frey • von Freyend • Freyer • Freytag • Fricke • Fridhoff • Friedemann • Friedler-Winter • Friedrich Friedrichs • Friedrichsen • Frieling • Frielingsdorf • Fries • Friese • Friess • Friis • Fritsch • Fritz


die Schleifen für den Blumenkranz oder legen einen Abschiedsgruß in den Sarg. Ließ man sie früher oft zu Hause, weil man ihnen die Trauerfeier nicht zumuten wollte, so entscheiden sich heute viele Eltern bewusst anders. Kinder brauchen ebenso wie Erwachsene eine Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Sie sind dankbar, wenn man ihnen dafür Rituale gibt. Sehr bereitwillig übernehmen sie symbolische Handlungen. Wenn unsere Kita-Kinder einen toten Frosch finden, beerdigen sie ihn so, wie sie es auf dem Friedhof kennengelernt haben: Sie betten das Tier in eine Schachtel, suchen einen schönen Platz im Garten aus und vergraben die Schachtel in der Erde. Sie basteln ein kleines Kreuz, setzen einen Stein zum Andenken und beten ein Vaterunser – danach gehen sie wieder spielen. Das Ritual hilft auch in diesem Fall, das Erlebte zu verarbeiten. Mit der Beerdigung ist die Zeit der Trauer noch nicht vorbei. Früher war es klar, wie man das erste Trauerjahr zu begehen hat. Die schwarze Kleidung etwa war auch ein Schutz, der der Umgebung signalisierte: Hier ist ein verwundeter Mensch, der Rücksicht braucht. Heute erleben Trauernde nicht selten, dass von ihnen erwartet wird, dass sie schnell wieder funktionieren. Im Gottesdienst der Gemeinde dagegen hat die Fürbitte für die Trauernden ihren festen Platz. Jeden Sonntag werden die Namen der Gemeindeglieder, die in der vergangenen Woche getauft, getraut oder bestattet wurden, genannt. Das gemeinsam gesprochene Glaubensbekenntnis bekräftigt, an was wir glauben dürfen: die Auferstehung der Toten, die Vergebung der Sünden und das ewige Leben. Der Zyklus

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Fröbe • Fröhlich • Frohreich • Frömming • Frosch • Fuhlendorf • Fuhler • Führing • Funk • Funke Fürst • Fürstenberg • Furthmann • Gaack • Gabe • Gäbe • Gäbler • von Gabriel • Gädcke • Gäde • Gaedke


des Kirchenjahrs ermutigt, über Leben und Tod immer wieder nachzudenken. Auf die Passionszeit, in der wir uns an das Leiden und Sterben Jesu erinnern, folgt die österliche Freudenzeit. Darin bildet sich auch etwas ab von den Erfahrungen, die wir alle im Leben machen. Fast alle Familien kommen im ersten Trauerjahr zum Gottesdienst am Ewigkeitssonntag, zu dem die Gemeinde Nienstedten sie einlädt. An diesem Tag werden die Namen aller Verstorbenen der Gemeinde noch einmal öffentlich verlesen, und Konfirmanden entzünden für jeden Einzelnen ein Licht. Viele besuchen dann den Friedhof und schmücken die Gräber ihrer Angehörigen mit Tannengrün, Gestecken oder Grablichtern. Die Friedhofskapelle ist an diesem Sonntag geöffnet. Auch dort können Gedenkkerzen angezündet werden, am Nachmittag findet ein Gottesdienst statt. Ab und zu bitten Angehörige uns Pastoren, am ersten Jahrestag des Todes für ihre Verstorbenen eine Andacht zu halten. Diese alte kirchliche Tradition ist in der evangelischen Kirche verloren gegangen. Martin Luther lehnte die katholische »Seelenmesse« ab, weil sie dem Missverständnis Vorschub leistete, die Lebenden müssten und könnten für das Seelenheil der Toten etwas bewirken. Ganz offensichtlich entspricht es aber einem tiefen Bedürfnis, besondere Tage im Trauerjahr auch als solche zu begehen. In der jüdischen Tradition gibt es uralte Trauerriten für die ersten sieben Tage, die ganz der Trauer gewidmet sind (Schiwa), für den 30. Tag und für die »Jahrzeit« nach zwölf Monaten. Das ganze erste Trauerjahr hindurch brennt für den Verstorbenen eine Kerze, das »ewige

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von Gaertner • Gaeth • Gaethgens • Gahde • Galdiks • Galetschky • Gall • Gallasch • Gallwitz • Gamm Gamradt • Gangel • Ganssauge • Garbers • Garlisch • Garten • Gasa • Gast • Gätgens • Gatje • Gätje


Licht«, denn noch immer ist er ein sehr präsenter Teil des eigenen Lebens. In den folgenden Jahren wird das Licht nur noch am Datum des Sterbetages angezündet. Auch die römisch-katholische und die orthodoxen Kirchen pflegen die Tradition des Totengedenkens in besonderen Gottesdiensten und Riten. Mit ihrem historischen Friedhof, der denkmalgeschützten Kapelle und der schönen Fachwerkkirche sind der Nienstedtener Gemeinde große Schätze anvertraut. Diese gilt es zu bewahren, aber auch neu für diejenigen zu erschließen, die in unseren Tagen nach einer ihrem Lebensgefühl angemessenen Weise suchen, ihre Toten zu bestatten und für sie Orte und Zeiten der Erinnerung zu gestalten.

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Gätjens • von Gaudecker • Gayen • Gebauer • Gebel • Gebers • Gebert • Gebhard • Gebhardt • Geckler Geercken • Geerken • Geerz • Gees • Geese • Geffers • Gehlert • Gehlsen • Gehrckens • Geihsen


Geip • Geisler • Geißler • Geler • Gelhardt • Gellert • Gellingrodt • Gelzer • Gennerich • Genth Genz • Georg • George • Georgi • Gerberding • Gerbracht • Gercke • Gerckens • Gergs • Gerhard


















Gehen und Erinnern

Gerhardt • Gerigk • Gerike • Gerke • Gerlach • Gerling • von Gernet • Gerov • Gers • Gerstel • Gerstmeier Gerthsen • Geschwind • Geßner • Getschmann • Gewers • Gewiese • Gibramczik • Gienow • Gier


Der Garten der Kirche und der Toten Von Klaas Jarchow

Klaas Jarchow, geb. 1956 in Hamburg, ist Autor und Verleger. Er war Stadtteilschreiber von Altona und leitete in Hamburg die Verlage Rogner & Bernhard und Murmann.

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ettergrün beschlagene Eibenstämme, immergrüne Pflanzen überall, immer wieder wächst Efeu. Ich passiere Gräber nach Gräbern, Grabnischen, große Familiengräber, ein Mausoleum, eine Gruft. Es ist still auf dem Friedhof. Die Geräusche dringen von den Rändern herein. Das Geräusch der Autos auf der Elbchaussee ist permanent und hört nicht auf. Scheinbar wird es lauter, je weiter man auf den Friedhof vordringt. Doch eigentlich wird es leiser, es fällt nur mehr aus dem Rahmen der Stimmung im Zentrum des Friedhofs. Hier wird es ruhiger. Hier wirkt der Ort selbst. Die schmiedeeiserne Pforte an der Elbchaussee hat beim Betreten des Friedhofs gequietscht, wie immer. Andere Autos halten an. Grabgerätschaft wird entladen: Harken, Scheren und Eimer. Der schmiedeeiserne Jesus auf seinem Tor sieht zu. Vermoost, rund gelaufen, zuweilen von Grenzsteinen eingefasst. Hier und da vom Wasser holperig gespült. Meine Schritte führen über Sand- und Erdwege. Mit Steinen oder Kies versetzt. Natürlich fallen die Rhododendren auf, von ihnen gibt es jede Menge, und sie stehen an vielen Orten, fast schon überall. Von leuchtend hellgrün bis dunkelgrün und grünschwarz. Der Friedhof ist grün in vielen Tönen. Mancher Blickausschnitt wirkt wie eine grüne Wand, doch führen beim Näherkommen neue Wege und Stege hindurch. Blühende Blumen sind farbige Kontraste und Anziehungspunkte. Die Koniferen, Kiefern, Lebensbäume und Tannen sind schlank gewachsen. Mächtige, breite Bäume wie die unübersehbaren Buchen sind eher die Ausnahme. Eine Beerdigung hat stattgefunden. Die Trauernden haben Abschied genommen, zerstreuen sich oder gehen zum gemeinsamen Leichenschmaus. Das Grab liegt offen in der Sonne. Viele Abschiedsgrüße und Kränze wurden hinterlegt. So viele, dass sie sich auch über die angrenzenden Gräber ausbreiten. Die Seiten-

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Klaas Jarchow

von Gierke • Giesbier • Giese • Gieske • Gietmann • Gillhoff • Gillich • Gindorf • Girnth • Gladhorn Glanz • Glatter • Glauerdt • Gleich • Gleim • Gleisert • Gleiss • Glene • Gleve • Glindemann • Glissmann


Glißmann • Glöckler • Gloeckner • Glogauer • Glunz • Glüsen • Gnauck • Gnottke • Gobat • Göbels Gobrecht • Godeffroy • Godeffroy-Faerber • Godlenke • Godlinski • Goedecke • Goedeken • Goedelt


Goeldel • von Goerne • Goes • Gohla • Göhring • Going • Göing • Gold • Goldmann • Gollor • Gollup Goltz • Gonlafrenz • Gonne • Gonser • Goosmann • Gooss • Göpfert • Görgens • von Görne • Görris


wände der Gruft sind mit Grün eingeschlagen. Die Enden der zwei Seile, an denen der Sarg in die Gruft gelassen wurde, liegen links und rechts auf den Trittrosten. Der weiße Sarg ist vollkommen von Blumenschmuck bedeckt. Bienen suchen die Blüten unten in der Gruft. Es ist still. Kein Lebender außer mir ist in der Nähe. Da unten liegt der Tote oder die Tote. Hier findet der Leichnam ewige Ruhe. Es ist friedlich am offenen Grab. Der Himmel ist blau. Die Stille ist die der Toten und dieses Ortes. Das ist das Besondere, das unterscheidet diesen Ort von allen anderen. Die Versammlung von Stille. Ob wir nun laut sind oder auch still, ihre Stille ist immer da. Wir können sie hören. Der Friedhof ist ein mit dem Drumherum in Nienstedten vollkommen unvergleichlicher Ort. Die Seele des Friedhofs ist anders. Sie ist nicht geschäftig. Sie ist vollkommen ruhig. Je klarer man hört, desto tiefer ist die innere Ruhe dieses Ortes. Das Drumherum kann noch so sehr tönen. Denn diese Ruhe ist nicht eine Geräuschlosigkeit, sondern still gewordenes Leben, Verstummen, das hier versammelt ist. Wer über den Friedhof geht, liest Namen. Immer wieder. BODDE N. TE EGE N. SC H LÜTE R . Hortensien wachsen aus dem Schatten der großen Rhododendren heraus. Die Vielfalt der Steine ist erstaunlich. Schwarze, glatt polierte Grabsteine, grob gehauene Feldsteine, helle, beschlagene Sandsteine. Große Felder von Bodendeckern bedecken große Familiengräber. BI ESTE R FE LDT. KRÖGE R. BARTE LS. M EYE R. Eine Amsel hüpft durch das Gehölz. Ein eisernes Tor steht ohne Fassung, ist einfach ein Tor, das weder etwas versperrt noch jemanden einlässt. Es sieht wundersam aus, als hätte es einmal den Eingang zu etwas gebildet, das nun nicht mehr da ist. GAH DE. KRÖGE R. OLDE N DOR FF. ASC H PU RVIS. BI ESTE R FE LD , diesmal ohne T. (Die vielen Namen auf den Grabsteinen sind in diesem Buch unten auf den Seiten weiterzulesen.) Nach Westen hin öffnet sich der Himmel, die Bäume stehen nicht mehr so eng und sind auch noch nicht so groß und hoch gewachsen. Ein verwildertes Grab. Es sieht wunderschön aus. Das Springkraut darauf hat schon seine Samen von selbst springen lassen, niemand musste anticken. Der Grabstein ist von einem riesigen Brombeerstrauch überwuchert. Seine Beeren schmecken fruchtig und zuckersüß. Niemand erntet hier. Ein Kreuz aus Eisen. Das gibt es selten. Auf der kleinen Steinplatte steht ein Ausspruch Dietrich Bonhoeffers: GOTT IST M IT U NS AM ABE N D U N D AM MORGE N U N D GANZ GEWISS AN J E DE M N EU E N TAG. Die blaue Hortensie darüber verdeckt den Grabstein aus Marmor. Ganz am westlichen Rand des Friedhofs sind hölzerne Kreuze zum Gedenken an Kriegsopfer versammelt. Diese Zusammenstellung bedrückt und berührt.

Der Garten der Kirche und der Toten

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Gorsler • Göseke • Gösse • Gotthardt • Göttsch • Gottschalk • Gottschau • Göttsche • Gottsleben Götz-Dieter • Götze • Goy • Graab • Graaf • Grabitzky • Grabow • Grabs • Graef • Graeser • Graeve


Es sind Erinnerungen an die Toten des Kriegs. Krieg ist keine Erfindung, derer sich die Menschheit rühmen kann. Hier ist das Gedenken anders als sonst auf dem Friedhof. Romantisch, kindlich, freundlich. Auf dem Weg zurück ins Zentrum des Friedhofs komme ich bei KAJA vorbei. Sie kannte ich. Sie hat mir aus ihrem Rollstuhl zugegrinst (das darf ich schreiben, so war es), wenn wir uns trafen. Sie hat sich gefreut, mich zu sehen. Ich habe mich gefreut, sie zu sehen. Zuletzt war es, glaube ich, in Finkenwerder, auf dem Kai des Geländes, wo früher die Deutsche Werft stand. Kaja, ruhe in Frieden. Dein Grabschmuck ist besonders. Ein silberner Eiffelturm, ein silbernes Herz, ein Plastikpferd, ein rosa glänzender kleiner Hase. Alle diese Dinge werden für dich von großer Bedeutung gewesen sein. Ich sehe ein Foto von Dir, mit den Symbolen deines Computers, mit dessen Hilfe du dich verständigen konntest. Ich habe leider spät von deinem Tod erfahren, erst nach deiner Beerdigung. Es ist tröstlich, dein Grab und dich hier zu finden. Gerade jetzt beginnen die Glocken der Kirche zu rufen. Ihr Klang legt sich über den Friedhof. Der Friedhof ist der Garten der Kirche und der Garten der Toten. Ich gestatte mir eine Fantasie. Ich stelle mir vor, dass die Toten nicht ruhig bleiben, sondern dass sie sich erheben, von den Glocken rufen lassen. Dass sie die Wege zwischen den Gräbern beleben und bevölkern. Wachgerufen sind. Sie sind ja alle hier. Alle würden hier über die Wege gehen. Würden sie in Richtung Kirche gehen, dem Ruf der Glocken folgen? Was für ein Bild würde das sein? Alle Toten des Friedhofs würden sich erheben und ihren Garten, der sich über sie gelegt hat, durchstreifen. Würden sie sprechen? Würden wir sie sehen? Würden wir sie berühren können? Nur der Friedhof ist ein Ort, der solche Bilder wachrufen kann. Nur seine Stille kann das. Nur die Anwesenheit der Toten. Sie sind hier. Hier haben sie ihren Garten. Für uns. Hier ist der Ort, ihnen zu begegnen. Das Läuten der Glocken ist wirklich, sie läuten sehr lange, immer noch. Von der Kindertagesstätte klingen helle Stimmen herüber und von irgendwo auch das Blubbern des Motors des kleinen Transporters, mit dem die Gärtner unterwegs sind. Vielleicht ist es aber auch der kleine Bagger, mit dessen Hilfe das Grab des soeben Beerdigten geschlossen wird. Ich gehe weiter. Da ist der Engel, die Engelsfigur, die so viele schon betrachtet haben. U N D DI E E NGE L DES H E R R N WE R DE N EUC H AUS EU R E N GRÄBE R N HOLE N U N D ZUM PARADI ESE GE LE ITE N . Das Paradies ist zu besuchen, in diesem Garten, auf diesem Friedhof. F R E U DE DE M DE R KOM MT F R I E DE DE M DE R H I E R VE RWE I LT SEGE N DE M DE R WE ITE RZI E HT. Diese Grabstätte ist wie ein Haus gebaut,

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Grafenstein • Gräfe-Wannenmacher • de Grahl • Grambow • Gramlich • Gramm • Grandmann Grapengeter • Grass • Graßhoff • Grassy • Gratenau • Grätz • Grau • Grauert • Graul • Gravert • Grawe


von Grawert • Gregor • Greiffenhagen • Grein • Greitschus • Grell • Gremack • Greve • Griebe • Griem Griesbach • Grieseler • Grimme • Grimmer • Gripp • Grob • Grobein • Gröbel • Gröger • Gromoll


die Hecke hat einen Eingang und zwei Fenster. Drinnen fehlt das Dach, aber welches Dach trägt mehr als der blaue Himmel und die Sterne? Moose, Klee und Waldmeister wachsen hier. Bäume lehnen sich an Grabsteine. Auf manchem Grabstein liegen kleinere Steine. Menschen waren bei ihren Toten und gedenken ihrer. Auf anderen Gräbern stehen Zwerge, Schiffe, Laternen. Die Angehörigen sorgen für die Orte der Toten. Die Gräber sind jetzt ihre Wohnungen und ihre Häuser, an denen wir sie besuchen. Wir können froh sein, dass wir einen solchen Ort haben.

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Klaas Jarchow

Gronau • Gronwoldt • Gröseking • Gröseling • Grospilz • Grosser • Großmann • Grotewold • Groth Grothe • Grotmack • Grube • Grübel • Grube-Nagel • Grün • Gruner • Grünewald • Grünfeld • Grünharge


Grüning • Gruppe • Gruppe • Grützbach • Grützfeldt • Gubernatis • Guderjahn • Guhl • Guhlich Güldner • Gülke • Gülzoro • Gülzow • Gumdrich • Gumpricht • Gündisch • Gundlach • Günther • Günzel


Ganz tief runter in die Erde Wer mit Kindern über den Nienstedtener Friedhof spaziert, stellt sich wichtige Fragen

Von Doralies Hüttner

Doralies Hüttner, geb. 1923 in Schlesien, ist Journalistin und Autorin. Sie war Redakteurin bei »HörZu« und beim »Stern«. Ihre Kinderbücher hat sie vor allem im Rowohlt Verlag veröffentlicht.

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s ist noch sehr früh an diesem Morgen. Und es ist kalt. In den Spitzen der hohen Tannen des Friedhofs hängt Nebel. Ich stehe vor dem Eingang der Evangelischen Kindertagesstätte; sie grenzt unmittelbar an den Friedhof und gehört zur Kirchengemeinde Nienstedten. Weil es noch zu früh ist, um ins Haus zu gehen, laufe ich weiter, an Gräbern vorbei, die sich sichtbar nach der Frühlingsbepflanzung sehnen, vorbei an einer dicken, hohen Hecke, die schützend das Kinderreich verbirgt. Es ist still hinter dieser Hecke. Durch das dichte Blattwerk erspähe ich einen schlappen Lederfußball, der einsam auf seinen Einsatz wartet; eine Rutsche glänzt silbern im Frühlicht. Ein Kindergarten am Rande eines schönen Friedhofs – ob es wen stört, wenn’s mal lauter über die hohe Hecke schallt, überlege ich: das Lachen, Schreien, Singen, Streiten? Die Toten sicher nicht. Die Kinder? Wie leben sie Tag für Tag in der Nähe der Toten? Vielleicht erzählen die Kinder mir jetzt gleich, wie sie mit den Geheimnissen jenseits des realen Lebens umgehen. Denn ich bin mit einigen von ihnen verabredet. Im Haus herrscht große Wirbelei. Viele Türen stehen offen zu größeren und kleinen Räumen. Sie erwarten mich schon: Es sind Anne und Greta, Marla und Felix, Caspar und Onno. Später kommen noch Henri, Helene, Ruben, Carl und John dazu. Sie sind sechs, sieben, acht Jahre alt. Und sie sind neugierig und lustig, mit Zahnlücken und funkelnden Augen. Ich könnte ihre Oma sein oder sogar Uroma. Kaum habe ich an dem kleinen Tisch auf einem Kinderstuhl Platz genommen, will Anne erst einmal wissen, wie alt ich bin. Anne ist sechs. Ich bekenne zögernd mein Alter, ohne zu schummeln. Ich werde angestarrt. Beinahe hätte ich mich entschuldigt. Dann sagt Felix: »Oh. Dann bist du zehn Jahre älter als mein Opa. Und der ist schon tot.« Tot?

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Gupovius • Gurgel • Gurlitt • Güssmann • Guth • Gutjahr • Gutmann • Gutsche • Guttenhöfer • Gutzeit Haack • Haalck • Haas • Haase • Haase Mucket • Habben • Haberland • Haberlandt • Habermann


»Na ja«, meint Anne, »da kommen Sie in einen Sarg ganz tief runter in die Erde.« Mir fällt unwillkürlich meine beste Freundin Ursel ein, deren Oma gerade gestorben war. Es war ein heißer Sommertag, wir hockten zusammen und versuchten, mit dem Ereignis fertig zu werden. Wir waren neun. Und wir kamen nicht zurecht mit der Tatsache, dass ein Mensch, den man lieb hat, plötzlich in einer Holzkiste liegt, ohne sich zu wehren. Ursel versuchte sich mit der Vorstellung zu trösten, dass ihre Oma in ihrem Sarg sicher was Schönes träume und dass es ihr deshalb gut gehe. »Hast du keine Angst vorm Totsein?«, fragte ich Ursel. Ursel war unsicher: »Wenn ich was Schönes träume …« »Und dann wirst du mit deinem schönen Traum in eine Holzkiste gesperrt?«, zweifelte ich. »Aber das merke ich doch nicht mehr.« »Wer nichts mehr merkt, kann nichts mehr träumen«, erwiderte ich heftig. Und wir spürten beide, dass wir nicht weiterwussten und uns im Kreise drehten.

»Manche kommen in den Himmel«, holt mich Marla aus meinen Gedanken zurück, »sie kommen in den Himmel und gucken von oben runter.« Die Kinder reden über den Tod mit allem Drum und Dran so unbefangen wie wir früher, sehr viel früher, über die Qualität von Glasmurmeln, die wir durch gezielte Stöße in selbst gegrabene Mulden senkten. »Manche werden Gespenster und ärgern einen«, befindet ein kleiner weizenblonder Kerl. Es ist Caspar. Und gegen diese Ärgerei hat er offenbar was. Ganz entschieden.

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Habner • Hachmann • Hackbusch • Hacker • Hadenfeldt • Hader • Haeberlin • Haelbich • Haese Hafemann • Haferland • Haffke • Hafselmann • Hagemann • Hagen • von Hagen • Hagenau • Hagenbeck


Die zwei, drei Jahre älteren Kinder machen sich andere Gedanken. »Also, wenn einer tot ist, verrottet er im Grab.« »Manche glauben, dass die Seele in den Himmel steigt.« »Glaubst du das nicht?« »Ich weiß nicht so genau. Ich frage mich, wie die Seele aus dem Sarg kommt. Da müssten doch Löcher im Deckel sein, damit die Seele raus- und reinkann.« John, der bisher geschwiegen hat, sagt: »Manche Leute glauben, dass man, wenn man gestorben ist, als ein anderes Lebewesen auf der Erde weiterleben wird. Sagt meine Tante.« Und als was für ein Lebewesen wollt ihr wieder auf die Erde kommen? »Als Löwe!«, rufen gleich einige. »Bloß nicht als Mädchen«, sagt ein anderer und hat die schreiende Zustimmung aller anwesenden Jungen sicher. Henri würde sich gern als Skorpion nützlich machen in seinem zweiten Leben. Die Gefahr, dass er zertreten werden könnte, scheint er in Kauf zu nehmen. »Ich wäre lieber ein Elefant«, meint John versonnen. Die Frage, wie sich das Sein als anderes Lebewesen wohl anfühlen würde, beschäftigt die Jungen sehr. »Vielleicht schickt ja mal einer ’ne Postkarte von oben«, sagt Carl. Die Kinder biegen sich vor Lachen. »Hoffentlich gibt es da auch Toiletten«, sorgt sich Carl dann. Wir machen uns auf zu einem kleinen Spaziergang über den Friedhof, der ihnen ja so nah, so vertraut ist. Die Jungen würden viel lieber Fußball spielen. Ich erfahre, dass manchmal, im Eifer des Gefechtes, der Fußball über den Zaun und auf ein Grab fliegt oder gegen den Stamm einer Tanne prallt. Nach einer missglückten Flanke von Ruben vielleicht oder von Henri. Wenn das passiert, klettern sie behände über den Zaun, holen sich in Windeseile den Ball und keh-

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Hagenmeyer • Hager • Haggenah • Hahn • Hahne • Hahn-Godeffroy • Haider • von Haken Halledt-Holzapfel • Hallegger • Halsauer • Haltermann • Hamann • Hamdorf • Hamel • Hamester


ren auf demselben Wege zurück in der Hoffnung, dass es keiner gesehen hat. Denn sonst gibt’s Ärger. Nicht wegen der Toten, sondern weil sie nicht über den Zaun klettern dürfen. Zu gefährlich. Die Kleinen, allen voran Anne, Greta, Marla, Felix, Caspar und Onno, haben ihre Lieblingsgräber, an denen sie stehen bleiben. Schmucklose, trostlos wirkende Stätten mögen sie gar nicht. Kritisch begutachten sie olle Wintergestecke, liegengebliebenen Weihnachtsschmuck, und nehmen ganz behutsam goldene Kugeln in die Hände und legen sie vorsichtig zurück ins verwelkte Laub. Es raschelt. Vor einem Grab, es scheint ein Kindergrab zu sein, verweilen die Kinder länger. Auf der grün bemoosten Grabplatte stehen Figürchen aus Gips, ein Engel mit hängenden Flügeln, ein winziger Löwe. Ein kleiner Engel ist so bemoost wie die Grabplatte. Er scheint die Kinder besonders zu faszinieren. Sie betrachten die Figur fast andächtig. Ruben sagt, in Gedanken versunken: »Als meine Oma gestorben ist, habe ich für sie ein Bild gemalt. Mit einem Engel und einem Kreuz darauf.« Henri: »Alte sterben, weil sie schwach sind. Meine Oma ist auch schon alt. Ich mag sie sehr. Wenn sie stirbt, bin ich sehr traurig. Dann hat mein Vater keine Mutter mehr. Aber weinen hilft gegen Trauer. Oder beten.« Inzwischen ist Greta allein weitergegangen. Die große Grabstelle der Familie Berodt scheint es ihr angetan zu haben, vor allem der Plattenweg, den sie entlanghüpft, wie beim Himmel-und-Hölle-Spiel. Indessen glaubt Henri, das Grab seines Uropas entdeckt zu haben. Aber dann wird er doch unsicher. Er findet den Namen nicht, seinen Namen, denn er trägt den seines Urgroßvaters. Es liegen hier so viele Grabplatten, eine neben der anderen. Eng beisammen, dazwischen kurz geschnittener Rasen, ab und zu ein Maulwurfshügel. Manche Inschriften sind kaum noch zu entziffern. Ein paar der Jungen gehen von einer Grabplatte zur nächsten – und rechnen, wie alt der Mensch wurde, der dort liegt.

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Hammann • Hammer • Hammermann • Hampe • Handtmann • Hanebuth • von Hänisch • Hannak Hannemann • Hannk • Häns • Hansel • Hänsel • Hansen • Hans-Epries • Hanshermann • Hansmann


Sie rechnen erstaunlich schnell. »Guck mal, der hieß Dirk und ist nur 32 Jahre alt geworden!« – »Guck mal hier: 93!« – »Hier liegt Gertrud, sie wurde 99!« – »Guck mal, da ist eine Blume drauf!« – »Das ist eine Rose!« – »Das heißt, dass jemand sie gern mochte.« Dann hängen die Jungen über dem Rand des Brunnens mit den steinernen Fischen, und Henri würde am liebsten in den mit etwas Wasser gefüllten Brunnen steigen, weil er im vergammelten Herbstlaub ein Fünf-Cent-Stück entdeckt hat. Er sagt, dass sie hier am Fischbrunnen an Gott denken sollen, der auch die Fische erschaffen hat. Das Fünf-Cent-Stück lässt er derweil nicht aus den Augen. Auf dem Rückweg entdecken die Kinder das alte Grab der Familie Graf von Holck. Das Grabmal zeigt einen Ritter in Rüstung, mit gesenktem Kopf auf einem Pferd sitzend. »Der betet«, sagt einer der Jungen, »der ist traurig.« Ruben beugt sich über das Wappen am Grabmal. Das sei ein spanisches Wappen, sagt er kaum hörbar. Ich staune und frage ihn, ob er sicher sei. Ruben nickt. Er sei Fußballfan, und der FC Barcelona habe dieses Wappen auf allen Trikots. Und wenn er mal tot sei, möchte er auf seinem Grabstein einen Fußballspieler haben. Und in seinen Sarg müsse unbedingt ein Fußball mit hinein. Da mischt sich Heinrich ein: Er hätte gern alle seine Tiere mit im Sarg. »Tiere haben nicht so viele Lebensjahre. Wenn es keine Friedhöfe gäbe, müssten alle unterm Haus begraben werden.« Die kleineren Kinder sind derweil schon weitergezogen. Sie stapfen selbstbewusst über die matschigen Wege, lassen keine Pfütze aus, halten hier und da mal an, gucken, heben etwas auf und wandern weiter. Anne und Greta stimmen offenbar aus lauter Lust ein Halleluja an und lassen sich durch nichts beirren. »Halleluja«, klingt es hell über die Gräber hinweg, und erst als wir Schneeglöckchen entdecken, lassen Anne und Greta von ihrem Halleluja ab und beginnen

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Hapke • Harder • Harders • Hardt • Hardy • Harina • Haring • Harke • Harm • Harms • Harmsen Harmssen • von Harnack • Harnisch • Harrendorf • Harry • Härtel • Harten • Hartlieb • Hartmann


ein Frühlingslied. Und dann, während wir langsam weitergehen, sagen sie, einfach so, das Vaterunser auf. Manchmal bleiben sie stecken, prusten vor Vergnügen, weil sie nicht weiterwissen. Aber schnell haben sie den Faden wiedergefunden und trotten, vergnügt betend, neben uns her. An einem Haus bleiben wir stehen. Ein Haus auf dem Friedhof? »Wer wohnt denn hier?«, fragt jemand. »Eine Hexe?« Es ist ein Mausoleum, also ein monumentales Grabmal in Gebäudeform. Dieses Mausoleum ist das der Familie Schröder. Da liegen viele Tote drin. Unter einer großen, beweglichen Grabplatte. Aber nicht nur Kinder, auch Erwachsene wissen das oftmals nicht, rätseln und trauen sich nicht zu fragen. Marla bleibt stehen, sie verbirgt etwas in ihren Händen, etwas Kleines. Alle wollen es sehen. Zögernd öffnet Marla ihre Hände. Eine verwelkte Rosenblüte. »Lieber wegschmeißen«, rät Anne, »sonst stinkt die ganze Bude, wenn du sie mit nach Hause nimmst.« Marla bleibt unschlüssig mit der Rose in ihren Händen stehen, während wir anderen langsam weitergehen. Wird sie sich von der Rose trennen? Als ich mich nach ihr umdrehe, sehe ich, wie sie sich bückt und mit ihrem kleinen Zeigefinger zart über ein Weidenkätzchen streicht. Wir kommen an einem frisch ausgehobenen Loch vorbei, einem kleinen Eckgrab. Angehörige stehen dort zusammen mit Herrn von Drathen, dem Friedhofsverwalter. Carl: »Ist da jemand drin in dem Loch?« Herr von Drathen lächelt: »Da kommt eine Urne rein.« John: »Warum?« Herr von Drathen: »Der Sarg wurde verbrannt.« Die Kinder verstummen. Helene: »Werden die Menschen in einem Ofen verbrannt? Und wie kommt dann die Asche in den Pott?«

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Hartmann-Meyer • Hartung • Hartwich • Hartwig • Hartz • Harzeborg • Hasbach • Hasche • von Hase Haselbach • Haselböck • Hasemann • Hasenbeck • Hass • Hasse • Hassel • Hasselbach • Haßelbach


Ein anderer sagt leise: »Ich möchte nicht verbrannt werden. Dann kann ich ja nicht in den Himmel kommen und Leute treffen. Ich bin doch nicht mehr, wenn ich Asche bin.« »Die Schwester meiner Omi ist auch verbrannt worden«, höre ich jemanden sagen, »sie wurde ins Wasser gestreut.« Unser Spaziergang über den Friedhof geht zu Ende. Wir sind zurück am Kindergarten. Während die Kleinen in der warmen Geborgenheit des Hauses verschwinden, gucke ich noch eine kleine Weile den Jungen zu, die nun endlich wieder ihren ramponierten Fußball traktieren können. Insgeheim hoffe ich, dass der Ball über den Zaun saust. Doch das passiert leider nicht. Die Flanken von Ruben, Henri, John und Carl sind einwandfrei. Mein Blick geht hinüber zu den Tannen und den Gräbern. Hier zur letzten Ruhe zu kommen … Gar nicht so schlecht. Ich würde mich auch hin und wieder über trappelnde Schritte und fröhliche Hallelujas über mir freuen. Und der donnernde Aufschlag eines Fußballs würde mich in meiner ewigen Ruhe auch nicht stören.

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Hasselhorst • Hasselmann • Hastedt • Hatje • Haubenreisser • Hauer • Haug • Hauk • Haul • Haupt Hauptvogel • Haurke • Hausfeld • Häusler • Hausmann • Hausschild • Hauswaldt • Havenstein


Brief an meine Enkelkinder

Von Fulbert Steffensky Liebe Enkelkinder, vor zehn Jahren ist Eure Großmutter gestorben. Beerdigt wurde sie auf dem Nienstedtener Friedhof. Bei der Beerdigung war von Euch nur Charlotte. Ihr anderen wart entweder noch nicht geboren oder im fernen Bolivien. Charlotte hat damals ihren Lieblingsbären ins Grab geworfen. Sie hat der Großmutter ein Stück von sich mitgegeben, sie wollte sie trösten und nicht allein lassen. Die Toten zu trösten, gehört zur wunderbaren Humanität des Menschen. Trösten heißt zunächst, ihrer zu gedenken. In alten Zeiten – »als das Wünschen noch geholfen hat«, wie Eure Großmutter es mit den Märchen gesagt hätte – waren die Menschen enger mit den Toten verbunden. Sie haben täglich für sie gebetet, sie haben ihre Gräber mit frischen Blumen versorgt, sie haben Gedächtnistage gehabt, an denen sie den Toten besonders nahe waren, so nahe, dass sie an ihren Gräbern gegessen und getrunken haben; sie haben ihnen Speisen mitgebracht, dass sie in ihrer Einsamkeit nicht verhungern. Ihr Bolivianer kennt diese Bräuche noch heute aus Eurem Land. Essen denn die Toten?, fragt Ihr. Hat die Großmutter etwas von Charlottes Bärchen? Bist Du der Oma näher, wenn Du an ihrem Grab stehst?, fragt Ihr mich. Bist Du ihr näher, als wenn Du mit uns am Tisch sitzt und isst? Eure Großmutter hat solche Fragen »Kaufmannsfragen« genannt. Nein, der Besuch am Grab und Charlottes Bärchen »bringen« nichts. Aber sie sind wie großes Liebesspiel. Solche Spiele sind nicht notwendig, und sie sind unerlässlich. Es ist eine der schönsten Gaben des Menschen, etwas tun zu können, was keinen Nutzen bringt und keine Effekte erzielt. Solche Spiele sind etwa, dass man sich umarmt, ohne mehr zu wollen, als sich zu umarmen;

Brief an meine Enkelkinder

Fulbert Steffensky, geb. 1933 in Rehlingen, ist Theologe. Dreizehn Jahre lang lebte er als Benediktinermönch in Maria Laach, bevor er zum lutherischen Bekenntnis konvertierte. An der Universität Hamburg hat er Religionspädagogik gelehrt. Seine erste Frau, Dorothee Sölle, liegt auf dem Nienstedtener Friedhof begraben.

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Hebestreit • Hechler • Hecht • Hecker • Heckmann • Heckt • Hedemann • Hedrich • Heeckt • Heeder van Hees • Heesch • van Heese • Heffele • Hegemeister • Hegewisch • Hehl • Heidemann • Heidke


dass man sich küsst, ohne mehr zu wollen, als sich zu küssen; dass man jemandem Blumen schenkt, ohne mehr zu wollen, als ihm Blumen zu schenken. Etwas ohne Absichten zu tun gehört zu den menschlichen Schönheiten. So gehe ich zum Grab, ohne eine andere Absicht zu haben, als zum Grab zu gehen. Übrigens spielen auch fremde Besucher ein solches Spiel am Grab der Großmutter. Ihr habt gesehen, dass Menschen immer wieder Steine auf den Grabstein legen; es ist ein Brauch, den vor allem die Juden kennen. Auch sie spielen das große Spiel des Gedenkens. Ich bezwecke also nichts mit meinem Besuch auf dem Friedhof. Mein Gang hilft mir aber, die Großmutter nicht zu vergessen. Mein Bild von ihr wird dort lebendig. Meine Gedanken schweifen dort zurück zu Szenen, die ich mit ihr erlebt habe, zu Worten, die sie gesagt hat, zu dem Glück, das wir geteilt haben. Das Gedächtnis braucht Orte, Dinge und Zeiten, an denen es ankern kann. Ihr fragt: Ist das Herz nicht stark genug, die Erinnerung zu tragen? Zunächst stellen wir fest, dass die Erinnerung, dass der Glaube der Menschen, der religiöse und der nichtreligiöse, sich immer an Orte bindet und sich in Orte verwandelt. Ich denke an die biblischen Orte in Israel: Menschen heiligen Orte, indem sie ihre Erinnerung daran binden. So sagen sie: Hier auf dem Tempelberg war es, wo Abraham Isaak opfern sollte. Sie sagen: Hier hat Johannes getauft und an diesem Ort ist das Grab der Erzväter und Urmütter. Andere sagen: An dieser Stelle des Landwehrkanals wurde Rosa Luxemburg ermordet, und jährlich ziehen sie dorthin und legen einen Kranz nieder. Historisch muss das keineswegs stimmen, und meistens stimmt es auch nicht. Das aber ist ziemlich gleichgültig. Die Erinnerung und der Lebensglaube der Menschen werden zu einer Landschaft. Sie objektivieren sich – an Orten, in Steinen, an Flusswindungen, Bergspitzen und in Talgründen, und so kehrt der Glaube an das Leben und die Kenntnis des Lebens als Ort, als Grab, als Stein und als ein bestimmter Platz wieder. Man ist nicht mehr nur auf die Kraft des Herzens angewiesen. Die Landschaften der Hoffnung verhelfen zur Hoffnung. Die Landschaften des Glaubens verhelfen zum Glauben. Die Glaubens- und die Hoffnungsheimaten bestehen nicht nur aus Überzeugungen, die im Herzen wohnen und von ihm getragen werden. Sie bestehen aus Zeiten und Rhythmen, die eingehalten werden; aus Orten, die aufgesucht werden; aus Gesten und Symbolen, in die sich das Herz bergen kann. Das Gedächtnis liegt in meinen Füßen, die mich zum Grab tragen. Es liegt in der Birke, die in der Nähe des Grabes steht und die meine Augen sehen. Es liegt in der Segensgeste für die Tote, die meine Hand macht. Wir sind nicht nur Geist und Innerlichkeit. Das Gedächtnis wird Leib, wenn ich zu einem Friedhof gehe. Was nicht Leib wird, verblasst.

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Fulbert Steffensky

Heidorn • Heidtmann • Heil • Heiland • Heim • Heimann • Heinck • Heincke • Heine • Heinemann Heinicke • Heinigen • Heinrich • Heinrichs • Heins • Heinsius • Heinsohn • von Heintze • Heinz • Heise


Friedhöfe sind hilflose Versprechen der Lebenden an die Toten. Auf einem Grabstein in der Nähe des Grabes Eurer Großmutter lese ich ein solches Versprechen: »Auf ewig unvergessen!«; ähnlich auf einem anderen Stein: »Wir werden euch nie vergessen!« oder »Zum ewigen Gedenken!«. Hilflos sind diese Sätze, denn die Toten werden vergessen. Sicher, Ihr Enkelkinder kennt den Namen Eurer Großmutter. Ihr erinnert Euch an die Märchen und die Bibelgeschichten, die sie Euch erzählt hat. Ihr erinnert Euch an komische Situationen mit ihr. Aber schon Eure Kinder werden nur ein blasses Wissen davon haben, wer diese Frau war. Wir sind endliche Wesen, endlich auch in der Trauer um unsere Toten; endlich ist unser Gedächtnis, das sie bergen soll. Wir setzen Steine auf die Gräber. Steine sind hart und wie für die Ewigkeit gemacht. Aber auch sie verwittern. Wie unsere Erinnerung an sie. Unsere Zungen verlernen, ihre Namen auszusprechen. So ist es! Vielleicht gehört zur Kunst des Lebens weiterzuleben, nicht unter dem Bann der Toten zu stehen. Sie dürfen uns nicht durch die Erinnerung an sie beherrschen. Aber wo bleibt dann ihr Name? Ich frage dies besonders für alle, die nicht alt und lebenssatt gestorben sind. In der Nähe des östlichen Ausgangs des Nienstedtener Friedhofs steht das Denkmal für die im Krieg getöteten Menschen. Die meisten sind gestorben, ehe sie gelebt und geliebt haben; ehe sie Kinder und Enkel hatten, die ihnen Blumen auf ihr Grab legen. Sie sind »gefallen«, sagen wir und versuchen mit diesem beschönigenden Wort ihrem Tod Sinn zu geben. In wessen Gedächtnis sind sie eingegraben, wenigstens auf Zeit? Eure Großmutter und ich sind Christen. Wie weit Ihr es noch sein werdet, weiß ich nicht, und ich beklage, was wir an Euch versäumt haben; nämlich Euch die Schönheit dieser alten Sprache zu erklären. Eine der rotzfrechen Behauptungen dieses Christentums besagt: Die Toten sind im Gedächtnis Gottes geborgen. Sie sind eingegraben in dieses Herz der Welt. Im letzten Buch der Bibel ist es so ausgedrückt: »Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein.« (Apokalypse 21,4) Wir wissen nicht genau, was das bedeutet und wo das Versprechen Wahrheit wird. Charlotte hat mir nach dem Tod der Großmutter ein Bild gemalt: Ich sitze traurig auf einem Stuhl. Aus einer Wolke am Himmel schiebt sich eine Hand mit einer Sprechblase, in der »Hallo!« steht, es ist die Hand der Großmutter. Das war der Hoffnungspsalm, den das damals 7-jährige Kind geschrieben hat. Sie sagte damit: Die Großmutter ist da, und ihr Leben ist nicht ins große Verstummen gefallen. Eure Großmutter, die es immer mit dem Wasser hatte, hat es so ausgedrückt: »Wenn ich sterbe, werde ich ein Tropfen im Meer

Brief an meine Enkelkinder

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Heitmann • Heldman • Heller • Hellfeldt • Hellge • Helling • Hellkamp • Hellmich • Hellmig • Hellmoldt Hellwig • Helm • Helmke • Helms • von Helms • Helssen • Hemm • Hemmingson • Hempel • Hencke


der Liebe Gottes sein.« Andere drücken diese Hoffnung anders aus und finden andere Bilder dafür. Mit allen Bildern, die sie selber kaum verstehen, behaupten Menschen: Das Leben stürzt nicht in eisige Abgründe, nicht einmal mit dem Tod. Und wenn Ihr das nicht glaubt, dann könntet Ihr es wenigstens schön und menschenwürdig finden. Das ist schon genug. Ich umarme Euch und erinnere Euch an ein Gedicht von Marie Luise Kaschnitz, das ich liebe. Nicht mutig heißt es, und ich gebe zu: Ich bin ebenso wenig mutig. Euer den Gräbern nicht mehr ferner Großvater

Nicht mutig Die Mutigen wissen Dass sie nicht auferstehen Dass kein Fleisch um sie wächst Am jüngsten Morgen Dass sie nichts mehr erinnern Niemandem wiederbegegnen Dass nichts ihrer wartet Keine Seligkeit Keine Folter Ich Bin nicht mutig.

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Fulbert Steffensky

Hendel • Hendes • Henke • Henne • Henneberg • Henneke • Hennemann • Hennig • Henning • Hennings Henschet • Hense • Hensel • Hentschel • Hentzen • Hepmann • Hera • Herberger • Hering • Hermann


Eine Rose für die Toten Gänge über Friedhöfe in Nienstedten und anderswo

Von Birgit Lahann

M

eine Lust, über Friedhöfe zu gehen, begann, als mein Großvater beerdigt wurde. Er war der wunderbare Geschichtenerzähler meiner Kinderjahre, der mich vor Furien und Parzen erzittern ließ und mir Faust und Don Karlos in Märchenform servierte. Als die Trauergemeinde zum Leichenschmaus ging, blieb ich zurück und lief noch einmal zu seinem Grab. Alleine. Und da sah ich von weitem, wie aus seiner Grube in hohem Bogen Blumen herausflogen. Es regnete Rosen – nach oben. Und als ich ins Grab schaute, kniete der Totengräber fröhlich pfeifend auf dem Sarg meines Opas. Als wär’s ein Stück aus Hamlet. Was machen Sie da?, fragte ich. Erschrocken drehte er sich um und sagte: Ich möchte die Blumen meiner Frau mitbringen. Das hätte meinem Großvater gefallen. So fing es an mit meinen Spaziergängen. Denn Friedhöfe sind Fundgruben für Geschichten. Von nun an war ich auf der Suche nach Traum und Trug und Witz und Wahrheit, nach Literatur und Leben im Wunderland des Totenreichs. Es schneit fette Flocken auf den Nienstedtener Friedhof, als ich das Grab von Hans Henny Jahnn suche. Der Schriftsteller und Orgelbauer starb am 29. November 1959 im Blankeneser Krankenhaus Tabea nach einem Herzinfarkt. Mit 64 Jahren. Um sein Grab und seine Beerdigung ranken sich wilde Geschichten. Ich schlendere an Schicksalen vorbei, die gnädig bedeckt sind von wild rankendem Efeu, bewacht von Engeln, bedacht mit Sprüchen auf Steinen, und Jesus segnet trotz der Kälte im luftigen griechischen Gewand eine Familie mit zahlreichen Toten. Der Schnee, der in milchiger Sonne glitzert, hat die Szene in eine schöne Kulisse verwandelt. Doch als ich den Namen Jahnn auf einer mächtigen Platte ahne, holt mich sein Grab mit einem Donnerschlag in die Wirklichkeit zurück. Ich schaue auf Beton, nichts als Beton: flach, kalt, veredelt durch weiße

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Hermsdorf • Hermsen • Hermstedt • Herold • Herrlich • Herrmann • Hertel • Hertwig • Hertz • Herwig Herzberg • Herzog • Hesberg • Hess • Heß • Hesse • von Hessert • Hesse-von Borck • Heubach • Heubes

Birgit Lahann, geb. 1940 in Hamburg, ist Journalistin. Sie studierte Germanistik und Theaterwissenschaften, war Kulturreporterin beim Südwestfunk und 25 Jahre Autorin beim STERN. Sie wurde mit dem Theodor-Wolffund dem EgonErwin-Kisch-Preis ausgezeichnet.


Flocken. Ich habe gelesen, dass eigentlich noch eine Art Mausoleum darüber gebaut werden sollte. Aber dazu hatte dann das Geld gefehlt. Hans Henny Jahnn hat sich einbetonieren lassen. Damals, nach seinem Tod, wird er zwischen brennenden Kerzen in der kleinen Bibliothek seines mit Reet gedeckten Hauses im Hirschpark von Blankenese aufgebahrt. Der amerikanische Professor Thomas Freeman beschreibt die Szene in seiner großartigen JahnnBiografie: Leichengeruch hängt in der Luft, weil die Kerzen das Zimmer viel zu schnell erwärmen. Jahnns Sekretärin hält sich ein parfümiertes Taschentuch vor die Nase. Am Hals des Toten sieht sie flammend rote Flecken, das Gesicht sei ganz grün gewesen. Wie ein Frosch. Und das alte Samtkissen, auf dem der Kopf des Verstorbenen liegt, das hat die Frau des Dichters Hans Erich Nossack eigentlich dem Hund von Jahnn geschenkt, dem Neufundländer Tam. Dann wird der zentnerschwere Sarg mit der Zinkverschalung geliefert und passt kaum durch die Eingangstür. Er sieht aus wie eine Truhe und ist viel zu kurz. Das hat seinen Grund: Gottlieb Harms, der Geliebte des bisexuellen Toten, liegt bereits seit 1931 in jener unterirdischen Gruft, die Jahnn selbst entworfen hat. Und weil die Betonwände zu dick geraten waren, wurde Harms diagonal gebettet. Sechsundvierzig Jahre war es her, dass die beiden sich kennengelernt hatten. Hans schrieb damals wie ein Berserker an seinem ersten Drama Jesus Christus.

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Heuer • Heumann • d’Heureuse • Heusch • Heuser • Hevelke • Hey • Heydasch • Heydorn • Heye Heyer • Heymann • Heynen • Heyns • Hielscher • Hiermaier • Hiestermann • Higle • Hilbenz • Hildebrandt


Das wollte er dem Freund zum 20. Geburtstag schenken. Aber Hans Hennys Eltern waren gegen die merkwürdige Verbindung. Da holt der Sohn seine Ersparnisse von der Bank, packt heimlich seine Sachen zusammen, die Lieblingsbücher, den Jesus, die Schreibfedern – und flieht zum Freund nach Amrum. Wir haben unsere Hochzeit gefeiert – haben uns gestritten, wer Mann, wer Frau sein sollte, schrieb Jahnn ins Tagebuch. Er will alles sein für den Freund, den er Friedel nennt: Frau, Gattin, Mutter. Friedel, bitte, bitte, komm zu mir und schlaf bei mir und geh mit mir – Ich kann sonst keine Kindlein gebären! Die Kindlein waren wohl seine Dramen. Und nun wird der Dichter in den kurzen, hohen Sarg gebettet. Im Sitzen. Weil er sonst nicht neben seinen Freund in die Gruft passt. Und Zink und Beton müssen sein, weil Jahnn glaubte, der Geist sitze in den Knochen. Vor dem Gedanken, er könnte einmal zu Staub werden, hat ihm immer gegraust. Also müssen die Knochen geschützt und erhalten bleiben. Weil seine Gedanken erhalten bleiben sollen. Der Sargdeckel wird zum Schluss noch mit Wachs versiegelt. Inzwischen ist auch der Schriftsteller Hans Erich Nossack im Haus des Toten eingetroffen, Jahnns Freund, der die Trauerrede halten soll. Er kondoliert der Witwe, die, wie er ins Tagebuch schreibt, leicht alkoholisiert ist. Zwei Stunden zuvor war er – vom Hauptbahnhof kommend – allein durch die ganze Stadt gelaufen, auf der Mönckebergstraße memorierte ich die Grabrede. Und das Jahnn’sche Haus wird langsam immer voller, Freunde und Jünger drängen sich um den Sarg. Und weil alle vor der Beerdigung noch einen Happen zu sich nehmen sollen, essen die engsten Vertrauten aus Platzmangel auf dem Sarg. Aus Ost-Berlin sind der Dichter Peter Huchel und der Kritiker Herbert Ihering angereist. Der kantige Jahnn war ja beliebt in der DDR, war zu Staatsfeiern gefahren und hatte dem Ost-Berliner Rundfunk eine monumentale Orgel gebaut. Aber dann taucht noch ein Zonen-Sekretär auf. Der soll den zwei proletarischen Trauerkränzen eine offizielle schwarz-rot-goldene Schärpe mit den DDR-Werkzeugen umhängen, Hammer und Zirkel. Huchel und Ihering fürchten einen Eklat, Jahnns Tochter Signe sieht schon die erhoffte staatliche Witwenrente ihrer Mutter davonschwimmen. Schließlich hat der Hamburger Senat nicht nur einen Teil der Krankenhausrechnung, sondern auch das Begräbnis bezahlt. Und man ist schließlich mitten im Kalten Krieg. Am Ende gibt es einen Kompromiss: Erst wenn die Trauergemeinde zum Leichenschmaus ins Hotel Jacob rübergeht, dürfen die Schleifen aus dem Osten angesteckt werden. Von der Elbe her ist inzwischen ein eiskalter Nebel hochgekrochen. Und die Männer, die den Sarg durch die Haustür bugsiert haben, fahren ihn auf einem Karren durch den Hirschpark, über die Elbchaussee zur Kapelle des Friedhofs. Als dort dann Freunde des Toten versuchen, das Monstrum wieder anzuheben,

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Hilger • Hilmer • Hilscher • Hiltenkamp • Himmelmann • Himmelsberg • Hink • Hinneberg • Hinnerberg Hinrichs • Hinsch • Hintze • Hintzpeter • Hinz • Hinze • Hirsch • Hirschberger • Hirschfeld • Hirschfeldt


knallt ihnen der Jahnn in seinem Gehäuse dreimal hin. Die Griffe beginnen sich zu verbiegen und den Trägern die Finger einzuklemmen. Ruckzuck werden sie neu eingeschraubt. Dann geht es weiter zur Gruft, die auf Jahnns Wunsch hin nach Osten ausgerichtet ist, zur aufgehenden Sonne, dem Sinnbild des Göttlichen. Und so fährt denn der Dichter am Ende doch noch in seine ewige Ruhe hinab. Wenn ich über den Nienstedtener Friedhof gehe, stelle ich mir vor, wie wohl die letzten Augenblicke der Menschen gewesen sein mögen, die nun so stumm und friedvoll in der Erde unter hundertjährigen Amphoren, Kreuzen und Steinen mit Sprüchen von Liebe, Dank und Hoffnung auf ein Wiedersehen liegen. Der große Filmregisseur Louis Buñuel, der mit seinem Film Der diskrete Charme der Bourgeoisie weltberühmt wurde, hat ein Jahr vor seinem Tod darüber nachgedacht, ob er vor seinem letzten Seufzer noch die Kraft haben würde, einen Scherz zu machen. Ob er, der Atheist, sich im Angesicht des Todes trauen würde, seine ebenfalls atheistischen Freunde zu sich zu bitten, einen Priester kommen zu lassen, zum Entsetzen der Umstehenden zu beichten, um Vergebung und die Letzte Ölung zu bitten, sich dann zur Wand zu drehen – und zu sterben. Aber hier auf dem Nienstedtener Friedhof liegen Hamburger Bankiers und Gutsbesitzer, Lotsen, Reeder und Kapitäne, Verleger, Kaufleute, Bürgermeister, Schriftsteller, Senatoren, Pastoren und Privatgelehrte, die sich wohl eher mit dem diskreten Charme von Hanseaten aus der Welt verabschiedet haben.

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Hirschoff • Hirt • Hitchin • Hitzel • Hitzemann • Hitzler • van Hoboken • Hochbrügge • Hock • Höck Hoeltje • von Hofen • Hofer • Hoff • Hoffmann • Höfler • Hofmann • Hofmeister • Höge • Hohaus


In den 1950er Jahren bin ich zwei lange Schulferien in Paris gewesen. Damals gab es kaum Touristen in der Stadt, und auf meinem ersten Lieblingsfriedhof, dem Père Lachaise, war ich meistens alleine. Es ist eine Gräberstadt, wie ich sie zuvor noch nie gesehen hatte. Ich gehe durch Straßen und Gassen mit Bäumen und Büschen und steinernen Häusern, Säulen, Gittern, Kreuzen, Obelisken, Engeln, trauernden Musen und schlafenden Figuren auf Marmorkissen. Ich habe Proviant dabei, ich weiß, es wird Stunden dauern, bis ich meine literarischen Freunde gefunden habe – vorbei an Guillaume Apollinaire, Honoré de Balzac, Oscar Wilde und Colette, die als erste Frau in Frankreich ein Staatsbegräbnis bekam, bis zu Marcel Proust, der wochenlang bei geschlossenen Vorhängen zwischen Husten und Erstickungsanfällen dahinstarb und nur noch nach kaltem Bier aus dem Ritz verlangte. Bei den Bouquinisten an der Seine hatte ich mir einen Band A l’ombre des jeunes filles en fleurs gekauft – Im Schatten junger Mädchenblüte. Und den steckte ich nun so in den Mantel, dass jeder sehen konnte, was ich lese – oder richtiger: versuchte zu lesen. Dann stehe ich am pompösen steinernen Baldachin, unter dem Molière liegt. Ich liebe seine Stücke. In der Schule hatte ich den Geizhals gespielt. Später, als Studentin, werde ich seine kesse Toinette sein, die den eingebildet Kranken überredet, mit dem Tod zu spielen, um herauszufinden, wer ihn betrügt und wer um ihn weint. Strecken Sie alle Glieder von sich und stellen Sie sich tot. Es war Molières letzte Komödie, 1673 in Paris bejubelt. Am Abend der vierten Vorstellung stirbt er an einem Blutsturz. Aber Molière, der im Tartuffe den Klerus dem Gelächter preisgegeben hat, soll nicht in geweihter Erde begraben werden. Da fragt Ludwig XIV. den Bischof, wie tief geweihte Erde sei. Drei Fuß, Sire, antwortet der. Dann begrabt ihn eben vier Fuß tief, sagt der Sonnenkönig. Am Grab von Gertrude Stein musste ich noch etwas erledigen. Meine Schwester Ute und ich hatten Jahre zuvor mit stümperhaften Englischkenntnissen versucht, Teile ihres Romans The Making of Americans zu übersetzen. Meine Mutter wollte zu gern etwas von ihr lesen. Aber es gab so kurz nach dem Krieg noch keine Übersetzung. Zu Weihnachten bekam sie unseren Versuch in zwei Schulheften. Sie war gerührt. Konnte aber partout nicht erkennen, warum Gertrude Stein eine so hochgelobte Autorin sein sollte. Ich habe mich an ihrem Grab entschuldigt, und Gertrude Stein hat gelacht. Mein liebster Autor, der große Zweifler, Kämpfer, Sprachartist und elegante Romantiker mit der göttlichen Bosheit, liegt oben auf dem Friedhof von Montmartre: Heinrich Heine. Mit welch großer Lust hat er in seinem Gedicht Deutschland – Ein Wintermärchen den nackten Gedanken die Feigenblätter abgerissen.

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Hohensee • Hoheusel • Hohlfeld • Hohling • Höhling • Hohmann • Höhnholdt • Höhnle • Höhs • Hoinka Holck • von Holck • Hölck • von Holdt • Holle • Hollekamm-Sterly • Hollender • Hollensen • Holler


Und wie klar ist ihm gewesen, dass man in Hamburg die Nase über seine utopischen Träume von einer gerechteren Welt rümpfen würde. Ja, Zuckererbsen für jedermann, Sobald die Schoten platzen! Den Himmel überlassen wir Den Engeln und den Spatzen. Ihn habe ich oft besucht. Und immer bekam er eine Rose. Viele Jahre später wird der Alte Bonner Friedhof mein Lieblingsplatz. Nach meinen Gesprächen und Interviews mit Politikern, die gerne in Beton gegossene Sätze sprechen, ist ein Besuch am Grab von August Wilhelm Schlegel ein Vergnügen. Ja, er war eitel, der Herr Professor, auch ein bisschen geckenhaft in seiner Kleidung, trug sogar Glacéhandschuhe am Katheder und die modernsten Brillen, aber er brachte seinen Studenten der Bonner Universität – Heinrich Heine war auch darunter – deutsche Sprache bei und Poesie. Der efeuverwucherte Friedhof, der hundert Jahre älter ist als der von Nienstedten, liegt eingekesselt von Straßen mitten in der Stadt. Autos rasen um ihn herum. Aber das macht nichts. Die Toten halten es aus, und die Schnorrer und Obdachlosen auch. Im Sommer hocken oft ein paar vergnügt mit ihrem Kölsch an den Gräbern von Clara und Robert Schumann oder neben Ernst Moritz Arndt, dem national-patriotischen Schriftsteller. Manchmal lehnen sie auch am bombastischen Familiengrab der Wesendoncks aus rotem Granit, unter dem auch die einst so bezaubernde Mathilde Wesendonck ausruht. Was für ein Drama war das damals in der Schweiz, als Richard Wagner sich in die sechs Jahre jüngere Mathilde verliebte. Betrügt seine herzkranke Frau Minna und nistet sich fast täglich in die Villa Wesendonck mit Blick auf den Zürichsee ein. Dem millionenschweren Gatten von Mathilde reicht das irgendwann, und er finanziert dem Komponisten eine Reise nach Venedig. Bloß weg mit dem Schmarotzer! Und was tut Wagner? Steht nachts, als der Sturmwind durch die Serenissima braust, auf dem Balkon seiner Wohnung im Palazzo Giustiniani, stiert in die schwarzen Fluten des Canal Grande und will springen. Lässt es aber. Es hätte wohl auch niemand geguckt bei dem Wetter. Ein Doppelselbstmord, so schreibt er der Geliebten, ja, das wäre was gewesen. Da hätte die Welt den Atem angehalten. Aber alleine? Nein, da arbeitet er seine Qualen der Minne lieber ab und komponiert für sich, für sie, für die Welt Tristan und Isolde, selig und wollüstig. Nun liegt Mathilde-Isolde hier in Bonn neben ihrem Otto Wesendonck. Eng an der Friedhofsmauer ist Schillers Witwe Charlotte begraben. Sie hatte sich von einem berühmten Bonner Augenarzt operieren lassen, halluziniert nach

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von Höller • Hollmann • Hollst • Holm • Holm-Baller • Holst • Holterhoff • Holtermann • Holthausen Holthusen • Hölting • Holtz • Holz • Holzapfel • Holzerland • Holznagel • Honicke • Hope • Höpfner


dem missglückten Eingriff, glaubt, ihren Mann Friedrich zu sehen, und reißt sich die Verbände von den Augen. Nun liegt sie hier und wollte doch neben ihrem Schiller begraben werden, der 21 Jahre zuvor gestorben war. Todunglücklich war sie in jener Nacht in Weimar hinter seinem Sarg hergegangen, der von Freunden getragen wurde. Goethe fehlte natürlich. Er hat sich immer ferngehalten vom Tod. Es war eine wilde Nacht mit wüstem Wetter, die schwarzen Wolken rasten, und die Wetterfahnen ächzten. Nur einmal schoss ein heller Mondstrahl durchs Wolkenloch auf Schillers Sarg. Als ich an einer Schiller-Serie schreibe und den Dichter sterben lassen und beerdigen muss, komme ich spät in der Nacht aus der Hamburger Redaktion. Es ist Vollmond, und ich halte in der Elbchaussee-Bucht des Nienstedtener Friedhofs an. Er wird ja am Abend nicht abgeschlossen. Ein bisschen schaurig ist es schon, da weit nach Mitternacht alleine zwischen den Gräbern herumzulaufen. Aber ich wollte etwas von dem spüren, wie es gewesen sein mag in jener wilden Nacht, als Schillers Sarg vom Mondstrahl getroffen wurde. Von der gelassenen Ruhe in Eichendorffs berühmter Mondnacht: Es war, als hätt’ der Himmel / Die Erde still geküsst – ist bei mir nichts zu spüren. Für mich sehen die hohen Tannen im kalten Mondlicht wie Riesen in einem Märchen der Romantik aus. Und die Kreuze und Grabsteine werfen wie in einem Vampirfilm wilde Schatten durch die Gegend. Ich hätte Schillers Tod auch ohne dieses Erlebnis schreiben können. Aber hier habe ich mich ihm sehr nah gefühlt.

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Hoppe • Höppner • Horenkohl • Hörmann • Horn • Hornig • Hörnig • Horst • von der Horst • Horstmann Hosie • Hosse • Hosumbek • Hosung • Hötgen • von Hoverbeck gen. v. Schoinaich • von Hoverreck • Hoyer


Als meine älteste Schwester mit ihrer Familie nach Rom zieht, besuchen mein Mann und ich sie fast jedes Jahr. Und hier finde ich schließlich den allerschönsten, den Protestantischen Friedhof an der Cestius-Pyramide. In Rom durften nur Katholiken begraben werden. Protestanten, Juden, Schauspieler, Ketzer und Selbstmörder kamen extra muros unter die Erde, also außerhalb der Stadtmauern. Es ist der gemütlichste Friedhof, den ich kenne. Man läuft zwischen Zypressen, Palmen, Buchsbaum und Gänseblumen, sitzt im Gras und liest und döst in der warmen Sonne, und überall stromern Katzen herum, liegen zufrieden auf marmornen Grabsteinen und werden gut gefüttert von Tierfreunden. Hier wabert es nur so aus dem Leben von Goethe. Hier ist August Kestner begraben, der Sohn von Charlotte Kestner, geborene Buff. Der junge Goethe hatte sich leidenschaftlich in sie verliebt. Als er zurückgewiesen wird, ist er so verzweifelt, dass er sich das Leben nehmen will mit seinem zierlichen Dolch, den er unterm Bett versteckt hat. Doch dann schreibt Goethe sich den Kummer lieber von der Seele, schreibt Die Leiden des jungen Werthers, den ersten Bestseller seiner Zeit, der im Triumph durch Europa rauscht. Goethe liebte diesen Friedhof. Auf seiner Italienreise lebte er ein paar Monate in Rom. Rom war für ihn die Hauptstadt der Welt. Und den Protestantischen Friedhof nennt er sein Arkadien. Kurz vor seiner Abreise geht er noch einmal mit dem Skizzenblock hin und entwirft für sich selbst ein Totenhaus unter einer Zypresse und einer Steineiche, ganz nah an der Marmorpyramide. Es ist eine Nachtzeichnung, natürlich bei Vollmond, wie denn sonst. Und in den Römischen Elegien heißt es: Dulde mich Jupiter hier … Ja, er will später einmal an diesem Sehnsuchtsort begraben werden. O, hier tot zu liegen, das wäre ja schön, unendlich schöner, als in Deutschland zu leben. Doch nicht er, sondern sein Sohn August liegt hier begraben. Vierundvierzig Jahre nach des Olympiers glückseliger Reise in die Ewige Stadt trifft sein unglückseliger Sohn in Rom ein. Zusammen mit Goethes Sekretär Eckermann. Der schreibt an seinen Herrn und Meister nach Weimar, dass August früh aufsteht und beim Treppensteigen nicht mehr so schnauft und schwitzt wie früher, dass er strengste Diät hält und kaum noch Wein trinkt – August war ja ein richtiger Säufer, vielleicht, um sich den überirdischen Vater auf die Erde zu trinken –, also der Herr Geheimrat, schreibt Eckermann, werde seine helle Freude an ihm haben, wenn der zurückkomme. Aber August kommt nicht zurück. Zehn Tage ist er durch die Stadt gerast, immer mit dem Zeichenblock unterm Arm, wie der Papa, und stirbt dann Knall auf Fall. Er ist am Tag noch mit Freunden umhergefahren, ist in Tivoli gewesen, in der Villa Albani, und am Abend besucht er noch die Kirche Santa Maria Maggiore, das größte Marienheiligtum Roms. Überwältigt läuft er in der unter-

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Hoyler • Hubacher • Hübbers • Hube • Huber • Hubert • Hübner • Hübsch • Huch • Hückel • Hudler Hugo • Huldermann • Hülquist • Hülsen • Humbert • Hummel • Hundertmark • Hundewaldt • Hundt


gehenden Oktobersonne zurück in sein Hotel an der Spanischen Treppe – und da muss der arme August sich erkältet haben, bekommt Fieber, trinkt aber noch eine ganze Flasche Wein aus, noch einmal! Und stirbt in der Nacht zum 27. Oktober 1830 an einem Schlaganfall. Mit 40 Jahren. Und liegt nun unter einem schönen Stein begraben, in den sein Portraitmedaillon gemeißelt ist. Ich wusste immer, dass ich einen Sterblichen gezeugt, wird der Alte in Weimar sagen, als er vom Tod seines Sohnes erfährt. An einem Frühlingstag laufe ich wieder einmal über den Nienstedtener Friedhof und höre von der Elbe her den Orgelton einer Schiffssirene, als grüßte er die Reeder und Kapitäne, die hier liegen. Einige haben auf ihren Grabsteinen Boote mit geblähten Segeln. Und ganz versteckt auf einem alten Stein unter Sträuchern ist ein antikes Schiffchen eingraviert, das aussieht, als hätte es gerade Orpheus mit seiner Leier am Eingang zur Unterwelt abgesetzt. Der unglückliche Sänger hatte den grimmigen Kerberos, der den Hades bewacht, mit seiner Musik so verzaubert, dass dieser ihn zu den Schatten gehen lässt, um die tote Geliebte zurückzuholen. Orpheus darf sich nur nicht nach ihr umschauen, solange er noch in der Unterwelt ist. Als das Licht der Oberwelt schon durchscheint, dreht er sich dann doch aus Sehnsucht und aus Angst, sie könnte ihm nicht gefolgt sein, um, und da löst Eurydike sich in Nebel auf und verschwindet. Was für ein todtrauriges Ende. Und wie viele von denen, die hier unter der Erde liegen, würden wohl gerne zurückgeholt werden. Mein letzter Lieblingsfriedhof, auf dem ich meine Streifzüge mache, liegt im Osten Berlins, von wo aus ich seit der Wende viele Jahre in den neuen Ländern gearbeitet habe. Es ist der Französische und Dorotheenstädtische Friedhof an der Chausseestraße. Eine unglaubliche Geister-Versammlung ist hier begraben: Heinrich Mann und Arnold Zweig, Stephan Hermlin, Ludwig Marcuse, Anna Seghers, Christa Wolf … Wolf Biermann hat diesen Hugenottenfriedhof ganz wunderbar besungen. Schlendert Hand in Hand mit der Liebsten mal … zu Brecht seinem Grab … Und neben ihm liegt Helene Die große Weigel ruht aus Von all dem Theaterspielen Und Kochen und Waschen zu Haus …

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Hunzinger • Hüpeden • Hüppe • von Hurte • Hüsemann • Huster • Hüttemann • Hüttmann Hüttmann-Bruder • Hygrell • Idenbruch • Iglhaut • Ihle • Ihlenfeld • Illert • Illies • Ilse • Ilsebeck • Iltgen


Dann laufen sie weiter, gehn auch mal rüber zu Hegel, besuchen Hanns Eisler, Wolf Langhoff, John Heartfield und kommen vergnügt zu Johannes R. Becher, dem Dichter und einstigen Kulturminister der DDR: Von Becher kannst du da lesen Ein ganzes Gedicht schön in Stein Der hübsche Stein da aus Sandstein Ich glaub, der wird haltbarer sein. Ein paar Monate vor seinem Tod hat Heiner Müller mich in der Kantine des Theaters am Schiffbauerdamm gefragt, ob er schon mal meinen Nachruf lesen dürfe. Nachruf auf wen? Auf mich, sagt er. Um Himmels willen, ich habe doch keinen Nachruf auf Sie geschrieben. Schade, sagt er. Hätte ich gern mal gelesen. So ging er um mit dem Tod, der Dramatiker, Lyriker, Regisseur und Intendant des Berliner Ensembles. Spiel mit ihm, dann tut er dir nichts. Und dann sitzt er da nach seiner schweren Krebsoperation und trinkt schon wieder einen Whisky und raucht eine Havanna. Heiner Müller liebte makabre Geschichten über den Tod. Erzählte, wie der schwere Zinksarg für Brecht damals aus dem Walzwerk Hennigsdorf kam und Brechts Witwe Sorge hatte, dass die Leiche zu groß sei für das extra angefertigte Möbel, das jetzt so klein aussah. Doch die praktische Helene Weigel lässt einen Bühnenarbeiter von Brechts Statur Probe liegen. Heiner Müller nennt das damals: Brechts Maßnahme. Und erzählt auch noch, dass der alte Schauspieler Curt Bois »sterben« übte und Fotos davon machen ließ – mit verdrehten Augen und offenem Mund. Viel zu früh stirbt Müller Ende Dezember 1995 und wird im rohen Holzsarg von Freunden auf den Schultern zu Grabe getragen. Ein hoher, schmaler roter Tombstone ragt nun wie ein erotischer Fingerzeig der Kunst aus dem Totenreich herauf. Und Biermann schlendert mit seiner Liebsten vorbei an Spatzen, Gräbern und Platanen: Dann freun wir uns und gehen weiter Und denken noch beim Küssegeben: Wie nah sind uns manche Tote, doch Wie tot sind uns manche, die leben. Dieses Lied singt Wolf Biermann in der Nienstedtener Kirche für mich und meine große Liebe Gerd Krug, der nach 38 gemeinsamen Jahren gestorben ist. Am Abend seines Todes bin ich mit meiner Schwester und meiner Schwägerin

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Imbeck • Incwersen • de la Infiesta • Ingber • Ingwersen • Ingwertsen • Inka • Inselmann • Irmler Isberg • Iven • Iven-Broesicke • Ivens • Iversen • Jabel • Jachmann • Jacob • Jacobi • Jacobs • Jacobsen


auf den Friedhof gegangen, um einen Platz für uns zu suchen. Pfingstsonntag war das, im Juni 2011. Die Sonne hat den ganzen Tag geschienen. Der Gang über den Friedhof ist tröstlich und beruhigend. Und plötzlich, nach einer oder zwei Stunden, sehe ich, wie über einer freien Grabstätte von einer Birke ein schützender Zweig hängt, der wie ein Engelsflügel aussieht. Da weiß ich, das ist der richtige Ort. Ein paar Tage nach der Beerdigung schreibt Pamela Biermann mir: Heute hätte ich Deinem Gerd gerne diesen Witz erzählt: Sagt Schlomo zu Moishe: Kommst mit auf die Beerdigung von Izchak? Antwortet Moishe: Nee, wieso? Kommt er zu meiner? Nun laufe ich schon zwei Jahre an den efeuumschlungenen Säulen und Obelisken vorbei, an Hebe, der griechischen Göttin der Jugend, an der Trauernden von Hagenbeck, dem gepanzerten Ritter, der auf seinem Pferd ins Gebet versunken ist, an Fürchtegott Reemtsmas nacktem Pilger und Heidi Kabels Hinkelstein. Am Grab von Winfried Scharlau, der Kriegsreporter in Vietnam war und später den Weltspiegel moderierte, muss ich daran denken, wie wir uns das letzte Mal gesehen haben, kurz vor seinem Tod. Er weiß, dass er keine Zeit mehr hat und hätte doch so gern noch eine Biografie über Paul von Hindenburg geschrieben. Und wenn ich Urnengräber sehe, höre ich meine Mutter lachen, wie sie mir vorliest, was der Dramatiker George Bernard Shaw 1913 über die Feuerbestattung seiner Mutter schreibt. Als ihr Sarg mit dem violetten Tuch auf geheimnisvolle Weise durch eine sich öffnende Tür verschwindet, geht Shaw nach der Trauerfeier hinter die Kulissen, um zu sehen, was nun passiert. Und siehe da! Das Fußende ging plötzlich in flatternde granatrote Flammenbänder auf, wunderschön, ohne Rauch … und meine Mutter wurde zu einem schönen Feuer. Nach eineinhalb Stunden könne er wiederkommen, wenn er wolle. Er will. Und sieht, wie zwei Köche, er schreibt tatsächlich Köche, damit beschäftigt sind, mit kleinen Zangen Nägel und Sargreste aus einem Haufen zu picken. Dann fegen sie seine Mutter in ein Sieb und sieben sie durch. Am Ende bleiben ein Haufen Staub und ein Haufen Knochenreste zurück. Mamma selbst stand in diesem Augenblick neben mir und beugte sich darüber und schüttelte sich vor Lachen. Dann flüstert sie ihrem Sohn ins Ohr: Möchte wissen, welches von beiden Häufchen ich bin! (…) O Grab, wo ist dein Sieg? Seit dem Tod meines Mannes sind Spaziergänge über Friedhöfe nicht mehr so lustvoll wie früher. Aber das ist eigentlich schon so, seit unser Freund Hanns Joachim Friedrichs im Frühjahr 1995 gestorben ist und hier in Nienstedten begraben wurde, ganz nah am großen Mausoleum. Viel zu früh mit 68 Jahren. Ende Dezember 1994 hatte Hanns von seinem Tumor in Lunge und Leber erfahren. Sie haben Krebs, und das hat Folgen, haben ihm die Ärzte gesagt. Sie

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Jacobsen-Marks • Jacobsohn • Jaeger • Jahn • Jähnichen • Jahnke • Jahnn • Jährig • Jakusch • Jakuszewski Jander • Janentsky • Jankó • Jankowski • Janneck • Jannsen • Janolc • Jansen • Janssen • Janßen • Jantzen


würden versuchen, das Ende hinauszuzögern, ob ihnen das gelänge, wüssten sie nicht. Die Erkenntnis, dass er Krebs hat, habe ihn nicht erschlagen, sagt der so beliebte Anchorman des deutschen Fernsehens. Er sagt das kurz vorm Tod in seinem letzten großen Interview im Spiegel. Er sei eben ein pragmatischer Mensch. Etwas wirklich Wichtiges versäume er nicht mehr. Er trage kein ungeschriebenes Buch mehr mit sich herum, wolle auch keine Fernsehsendung mehr machen, habe lange genug vor ein paar Millionen Menschen sein Tagewerk verrichtet und keine ganz groben Fehler gemacht. Schwer würde ihm nur der Abschied von seiner Familie fallen und von ein paar Freunden. Auf die letzte Frage, was er denn gerne noch erreicht hätte, sagt er: Ein Golf-Handicap von 36. Wir haben so manches Mal mit ihm und Ilse, seiner Frau, gespielt. Er war ein fröhlicher Golfer, bei dem schon mal die Grassole weiter flog als der Ball. Und ich höre ihn noch zu meinem Gerd sagen: Wir sind zwar nicht die begnadetsten Spieler, aber wir haben die tollsten Frauen mit dem elegantesten Schwung. Er hatte diesen wunderbaren englischen Humor. Hanns kam ja von der BBC. War in London als Nachrichtenredakteur angestellt. Das hat ihn geprägt. Er hatte Witz und Charme und diese uneitle Intelligenz. Und stilistisch konnte ihm ohnehin keiner seiner Kollegen das Wasser reichen. Ein bisschen ehrgeizig ist er am Ende nur noch beim Golf. Als er auf dem Platz zum ersten Mal über das längste Wasserhindernis schlägt, ruft er bei uns an und erzählt knapp und selbstironisch den kürzesten Golfwitz: Jetzt kann ich’s. Nach seinem Tod spielten wir das achte Loch immer mit Wehmut und grüßten ihn – nach oben. Kurze Zeit nach der Beerdigung meines Mannes finde ich einen ungeöffneten Brief von ihm. Den hatte er mir vor einer Reise zu meinen Dokumenten gelegt. Er flog damals mit seiner alten Meistermannschaft vom HSV nach Australien. Falls ihm etwas passieren sollte, schrieb er, möchte er gerne auf dem Nienstedtener Friedhof beerdigt werden, möglichst in der Nähe von Hanns. Das habe ich nicht gewusst, und wir haben nach seiner Rückkehr nie darüber geredet. Doch er liegt tatsächlich nur wenige Schritte von ihm entfernt. Und wenn ich Gerd Rosen bringe, wird immer auch eine an den Stein von Hanns gesteckt.

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Japperer • Jaques • Jarchow • Jarmatz • Jarosch • Jaskolker • Jasper • Jaspersen • Jauch • Jayasekera Jebe • Jecke • Jelkmann • vonJena • Jenichen • von Jenisch • Jenkel • Jenrich • Jens • Jensen • Jentsch


















Zwischen Himmel und Erde

Jenz • Jepsen • Jerichow • Jerwitz • Jess • Jesse • Jessen • Jeworrek • Jilske • Jobst • Jochen • Jochheim Jöde • Joecks • Johannesson • Johannsen • Johannßen • Johanssen • Johler • John • Johns • Joneleit


Im Geist der Zeit – eine melancholische Art von Garten Die Anlage des Friedhofs Nienstedten und seine Bauten Von Gert Kähler Gert Kähler, geb. 1942 in Hamburg, ist Architekturhistoriker und Publizist. An der Universität Hannover und an anderen Universitäten hat er lange Jahre Architekturund Städtebaugeschichte gelehrt.

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riedhöfe, wie wir sie heute kennen, gibt es noch gar nicht so lange. Noch im Mittelalter gab es keine »Fried«höfe, schon gar nicht außerhalb der Stadtmauern, es gab stattdessen die »Kirch«höfe: Die Toten wurden in der Kirche oder in deren unmittelbaren Umgebung bestattet. Den gläubigen Menschen war es wichtig, möglichst nah an den in der Kirche bewahrten Reliquien, dem Heiligsten des Gotteshauses, zur ewigen Ruhe gebettet zu werden, denn die Ewigkeit dauerte – im damaligen Verständnis – nur bis zur versprochenen Auferstehung. Wer dicht bei den Heiligen lag (bzw. stand), konnte auf deren Fürsprache hoffen. Wer es sich leisten konnte, ließ sich noch näher dran beisetzen, nämlich in Grüften innerhalb der Kirchen. Denjenigen, die draußen bleiben mussten, wurde mehr oder minder zufällig ein Platz nahe der Kirche zugewiesen: übereinander, nebeneinander oder – nur in ein Leichentuch gehüllt – im Massengrab, so wie während der großen Pestepidemien. Die Möglichkeit, eine Grabstätte für 20 Jahre oder länger zu erwerben, gab es noch nicht. Außerhalb der Stadtmauern wurden diejenigen begraben, die ganz arm waren oder aus anderen Gründen nicht dazugehörten: also Bettler, Gaukler, Schauspieler, das fahrende Volk. Sie durften nicht in geweihter Erde zur ewigen Ruhe finden. Im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit wuchs die Bevölkerung in den Städten stark an; es wurde eng. Die Menschen hatten Angst vor Seuchen und auch davor, sich durch die vermeintlich giftigen, aus den Gräbern aufsteigenden Miasmen anzustecken. Es roch übel auf Kirchhöfen und in den Kirchen. Die Reformation beschleunigte zusätzlich den Prozess, die Toten nicht mehr auf den Kirchhöfen, sondern außerhalb der Stadtmauern beizusetzen. Es stellten sich neue Fragen: Wie sollte mit Andersgläubigen umgegangen werden? Durften sie auf die Kirchhöfe? Oder wo sollten sie begraben werden? Die Juden hatten schon immer einen eigenen Bestattungsbezirk. 1480 hatte man in München einen Antrag auf einen außerstädtischen Friedhof gestellt, 1518 wurden in Nürn-

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Joost • Jörgensen • Jørgensen • Jörn • de Jorquern • Jorre • Jörs • Jost • Jotten • Jud • Juhl • Juhnke Julius • Jung • Jungblut • Jungclaus • Junge • Jung-Eggers • Junginger • Jungmann • Junker • Jup • Jürgens


berg innerstädtische Bestattungen untersagt. 1770 wurde das erste Verbot einer Kirchenbestattung in Preußen ausgesprochen, zehn Jahre später wurden in Paris innerstädtische Kirchhöfe generell verboten, was zur Anlage der berühmten Friedhöfe Père Lachaise und Montmartre außerhalb der damaligen Stadt führte. Die Kirchen selbst hatten allerdings wenig Interesse daran, diese Entwicklung zu beschleunigen: Die Bestattung auf dem Kirchhof war eine ihrer Haupteinnahmequellen. Das Domkapitel in Hamburg, das keine eigene Gemeinde hatte, finanzierte sich fast ausschließlich durch den Verkauf von Grabstätten. 1786 erschien deshalb in Hamburg eine anonym verfasste Schrift mit dem Titel Gründe der Wahrheit, den Christen zu bewegen, die Gräber für Verstorbene von Kirch und Stadt zu entfernen. Begleitet mit Vorschlägen, wie die Verlegung, ohne die Einkünfte der Kirchen zu schmälern, vollzogen werden kann. Ziel war es also, die hygienischen Bestimmungen zu erfüllen, ohne auf finanzielle Einnahmen zu verzichten. Ökonomie und Hygiene mussten zusammengebracht werden. Hamburg verlegte seine Begräbnisstätten vor das Steintor und das Dammtor; dort – am heutigen Messegelände – ist an der Straßenbezeichnung »Bei den Kirchhöfen« zu erkennen, dass man den Begriff »Fried«hof noch nicht kannte, denn dort, vor den Toren der Stadt, gab es ja gar keine Kirchen, in Ermangelung des Begriffes aber nannte man den Bestattungsort trotzdem Kirchhof. Die Aufklärung, die Zeit der Französischen Revolution und der napoleonischen Kriege, veränderte das menschliche Bewusstsein radikal – und damit auch das Verständnis von Tod und dem Leben danach. Die Aufklärung war ein geistiger Prozess zwischen 1670 bis 1820, der von Kant als »Auszug des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit« bezeichnet wurde. Der Mensch wurde sich »seiner selbst bewusst«, und in einem revolutionären, alles umwälzenden Prozess wurde das bis dahin gültige Weltbild auf den Kopf gestellt. Der Tod war nicht mehr Mahnung an Hölle und Verdammnis, sondern konnte nun im antikischen Sinne auch als etwas Heiter-Kontemplatives betrachtet werden. In ganz Europa etablierte sich also um 1800 eine völlig neue Begräbniskultur. Bereits 1788 hat der französische Kunsthistoriker Quatremère de Quincy den Friedhof als »Verschmelzung von Kunst, Architektur und Natur« und »naturnahen, aber architektonisch eingefassten Ort« beschrieben. Dem entsprach in der gestalterischen Anlage der englische Landschaftsgarten, der nicht die Unterordnung der Natur unter einen herrschaftlichen Willen diktierte, wie es im Barockgarten der Fall war, sondern der »das Natürliche« zum Vorbild nahm – allerdings eine von Menschen bestimmte Natürlichkeit, also eine Verdichtung durch den gestaltenden Künstler. Das Natürliche war das Erstrebenswerte, der »edle Wilde«

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Jürgensen • Jürges • Jürgs • Jürs • Jury • Justus • Justus-Essenberger • Kaack • Kaack-Panse • Kaak Kabel • Kaboth • Kaddatz • Kade • Kadereit • Kaders • Kaesebier • Kaeselitz • Käferlein • Kagerah • Kahl


das Ideal, von Jean-Jacques Rousseau in Émile oder Über die Erziehung beschrieben. Das Grab Klopstocks vor der Ottenser Kirche in dörflicher, quasi natürlicher Lage zu besuchen und anschließend intellektuelle Gespräche in Rainvilles Garten bei gutem Essen und reichlich Alkohol zu führen – das gehörte Anfang des 19. Jahrhunderts zum guten Stil wohlhabender Bürger (wie auch Heinrich Heine feststellte, dessen Onkel Salomon neben dem Rainville wohnte). Der Erinnerung kam nun eine neue Bedeutung zu: Sich zu erinnern meinte jetzt, sich der Vergangenheit zu vergewissern. Deshalb wurden Grabmal, Denkmal und Museum zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu den neuen großen Bauaufgaben. Durch die baulich sichtbar gemachte Erinnerung, so die Hoffnung, würde die Vergangenheit unsterblich. Und wenn die Vergangenheit unsterblich wäre, dann wäre es auch die Gegenwart, die morgen schon Vergangenheit ist; das heißt: Wir haben eine Zukunft! Der Sieg der aufgeklärten Vernunft, gepaart mit dem Revolutionsschlachtruf »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit«, führte auf den Friedhöfen zum Grundmaß des Reihengrabs. Eine »demokratisch-ästhetische Auffassung von der Gleichheit aller Menschen im Tode«, wie sie Goethe in seinem Roman Die Wahlverwandtschaften beschwört, ließ für einen kurzen Moment die Vorstellung möglich werden, dass die schlichte Reihung ohne individuellen Grabschmuck in der Reihenfolge des Ablebens das neue und demokratische Ordnungsprinzip des Friedhofs sein könnte – und nicht die gesellschaftliche Stellung des Toten. Doch diese Idee erwies sich schon bald als zu idealistisch und stieß an die starren Grenzen der sich etablierenden Klassengesellschaft. Der Friedhof im kleinen Nienstedten war schon wenige Jahrzehnte nach seiner Gründung mehr als der Bestattungsort verstorbener Bauern und Fischer; denn er repräsentierte auch die Entwicklung eines neuen Stadt- und Naturge-

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Kahler • Kähler • Kahlke • Kahmann • Kahn • Kaiser • Kalähne • Kalb • Kalberlah • Kalden • Kalix • Kallert Kalo • Kamho • Kaminski • Kamischke • Kammler • Kampe • Kamps • Kampschulte • Kaphengst • Kapp


fühls. Vermögende Hamburger und Adlige hatten im frühen 17. Jahrhundert die besondere Lage auf dem Geesthang der Elbe erkannt und dort – ihrer großbürgerlichen Lebensform folgend – prächtige Villen und Landhäuser gebaut: »Ein Hamburger Patrizier großen Stils, ein Jenisch, Godeffroy, Rücker, Schröder, Amsinck muß ein Stadthaus an der Esplanade, am Jungfernstieg oder an den Großen Bleichen, ein Landhaus an der Elbe und ein Rittergut in Holstein haben«, schrieb später Fürst Bernhard von Bülow in seinen Erinnerungen. Er wurde in Klein Flottbek geboren und wusste, wovon er sprach; sein Grab befindet sich an besonders schöner Stelle auf dem Nienstedtener Friedhof, bei den sogenannten Waldgräbern. Die wohlhabenden Hamburger zog es aus der von den barocken Befestigungsanlagen noch eingeschnürten Stadt in großzügigere Gefilde, an die Alster oder gen Westen nahe der Elbe – eine Entwicklung, die sich hundert Jahre später, zur Zeit der Industrialisierung, weiter verstärken sollte. Die Fabriken machten Schmutz, Lärm und Gestank, das Gedränge in den stickigen Gassen war groß. Um 1850 hatte Hamburg noch 160.000 Einwohner, fünfzig Jahre später waren es bereits über 700.000. Als im Jahr 1814 der erste Teil des Friedhofs von Nienstedten angelegt wurde, war das benachbarte Hamburg Hauptstadt des französischen Département des Bouches de l’Elbe und musste ein napoleonisches Dekret befolgen: nicht auf Kirchhöfen innerhalb der Stadt zu bestatten. Dieses Verbot machte Hamburg auch nicht rückgängig, nachdem die Franzosen kurz darauf wieder vertrieben worden waren. Denn vor allem die zugezogenen wohlhabenden Bewohner wollten nicht nur ihren naturnahen Lebensstandard, sondern sich auch ein dörfliches Friedhofsidyll erhalten, wo sie sich nach dem Tod standesgemäß darstellen konnten. So kam es, dass die sich ihrer Bedeutung bewussten Kaufleute, Reeder und Bankiers das »demokratische« Reihengrab schnell wieder aufgaben. Das repräsentative »Grab als Denkmal« wäre auf einem dicht belegten, aus gleichen

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Kappelhoff-Wulff • Kappler • Karbe • Karkosch • Karl • Karras • Karsten • Karstens • Kasch • Käselow Kasischke • Kassin • Kassler • Kästel • Kasten • Kasting • Kastius • Kath • Katiofsky • Katterwe

Das Gemälde »Blick von Baurs Park nach Hamburg« malte Ludwig Philipp Strack 1811 im Auftrag der Kaufmannsfamilie Baur; deren Parkanlage, der heutige Baurs Park, galt als außerordentliche Sehenswürdigkeit am Elbufer. Der idealisierende Blick des Malers schweift über den Grundbesitz hinweg gen Osten – dort ist, gleich rechts neben der Windmühle, schemenhaft die Nienstedtener Kirche zu erkennen.


Auf den großen Friedhöfen außerhalb der Stadtmauern hatte jede Kirchengemeinde ihre jeweiligen Grabplätze. Die Straßenbezeichnung Beim neuen Kirchhofe täuscht, eine Kirche stand dort beim Friedhof am Dammtor nicht, aber man kannte das Wort Friedhof noch nicht.

Einheiten bestehenden Friedhof nicht möglich gewesen. Hinzu kam, dass viele Hamburger sich noch an das würdelose Verscharren im Massengrab der vor den Franzosen nach Ottensen geflohenen Hamburger im Winter 1813/14 erinnerten – so wollte man nicht enden. Als im Jahr 1814 der erste Teil des neuen Friedhofs des Kirchspiels Nienstedten knapp 200 Meter von der Kirche entfernt angelegt werden sollte, wurde ein geradlinig polygonales Feld von grob 200 Metern Länge und 100 Metern Breite abgemessen, in der Anlage den vorhandenen Grundstücksgrenzen folgend. Es war ein zunächst kleiner Dorffriedhof, angelegt ohne einen genaueren Plan, weder als englischer Landschaftspark noch als barocke, geometrische Anlage gedacht. Dass letztere durchaus noch üblich war, zeigt der Altonaer Friedhof an der Norderreihe aus dem Jahr 1831, der bei ebenfalls unregelmäßigem Grundstückszuschnitt das Feld durch zwei große Achsen und die Hervorhebung von Eingang und Mittelpunkt gliedert. Auch die Hamburger Friedhöfe vor dem Dammtor waren so strukturiert: einfache Rechtecke, die allenfalls mit einer breiteren Mittelstraße versehen wurden. In Nienstedten gibt es bis heute keine breite Mittelachse und auch keinen Weg, der in gerader Linie Rupertistraße und Elbchaussee verbindet. Das erste Gebäude wurde hundert Jahre nach Gründung 1911 gebaut, vermutlich als Unterkunftshaus. Das einzige Ordnungsprinzip bestand 1814 darin, dass die Toten nach ihrer Zugehörigkeit zu den Dörfern des Kirchspiels bestattet wurden, damit sie in vertrauter Gemeinschaft liegen konnten. Die Luruper kamen zu den Lurupern, die Blankeneser zu den Blankenesern und die Schenefelder ruhten ebenfalls bei ihresgleichen. Das Grundmaß eines Friedhofs folgt dem Maß, welches für ein Einzelgrab erforderlich ist. Wie viele man erwirbt, ist eine Frage der Familiengröße, des Anspruchs und der finanziellen Möglichkeiten, und es zeigte sich in Nienstedten

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von Katzler • Katzschke • von Kauder • Kauffmann • Kaune • Kausch • Kay • Kayser • Kaysler • Kebschull Keck • Kedenburg • Kegel • Kehl • Kehn • Keil • Keith • Keller • Kellermann • Keltsch • Kemper • Kempf


schnell, warum die »demokratische Reihe« aufgegeben wurde: Unterschieden wurde zwischen Allgemeinen Gräbern, die für 30 Jahre erworben werden konnten und in denen fortlaufend bestattet wurde, und den »Eigenthumsgräbern«, die auf Vorrat für mehrere Generationen gekauft werden konnten. Die Eigentumsgräber konnten nach 30 Jahren verlängert werden oder – gegen eine höhere Gebühr – auf Dauer des Friedhofs als »Erbbegräbnis« erworben werden. Dieses repräsentative Familiengrab wurde zum dominierenden Element in Nienstedten: Im Grabbuch von 1814 steht vermerkt, dass »die Eingesessenen dringend Eigentumsgräber begehrten«, also wurden Abschnitte des Friedhofs dafür ausgewiesen. In dem südlich gelegenen, an die Elbchaussee von Nienstedten nach Dockenhuden grenzenden Bereich, waren Allgemeine Gräber eingerichtet worden. Die hier gelegenen Grabstellen waren aber offensichtlich besonders begehrt. Kaufleute, Vermögende und Landbesitzer wie Caspar Voght, die Familien Vorwerk, Godeffroy und andere wollten – wie im Leben aus dem repräsentativen Wohnhaus – auch im Tode den Blick auf die Elbe haben. Diese meist größeren Familiengrabstätten wurden, vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, häufig mit einem gusseisernen Zaun eingefasst, einem neuen Material, das auch für Grabkreuze und Grabfiguren verwendet wurde. Mit einem solchen Zaun grenzte sich das Großbürgertum zusätzlich von anderen ab. Für allgemeine Gräber wurde ein an der Nordgrenze des Friedhofs gelegenes Gebiet ausgewiesen. War im Mittelalter die Kirche als Bezugspunkt entscheidend, nahe der man bestattet sein wollte, so zählte nach der Auslagerung des Friedhofs aus der Stadt die bevorzugte landschaftliche Lage. Vielleicht sollte den Angehörigen auch nicht der lange Weg entlang den Gräbern der misera plebs zugemutet werden. Denn der Eingang zum Nienstedtener Friedhof lag viele Jahre – bis zur Errichtung der Kapelle 1929 – im Süden des ersten Gräberfeldes an der Elbchaussee. Wie groß die sozialen Unterschiede waren, zeigt sich auch an der möglichen Zahl der Grabstellen. Das lange Zeit größte Grab hat 60 Plätze, es ist das der

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Kempka • Kempter • Kerff • Kerlin • Kern • Kersten • Kessel • Kessner • Ketels-Harken • Kettler • Kettner Keucken • Khosrowshahi • Kiack • Kicksee • Kiéck • Kielhorn • Kiep • Kilian • Kinau • Kindermann

Strenge geometrische und enge Belegung des Nienstedtener Friedhofs, nur die Elbchaussee mit ihren beiden Buchten lässt den südlichen Rand schwingen. Auf einer Karte von 1910 wirkt der noch sehr schmale Nienstedtener Friedhof im Verhältnis zum Dorf bereits sehr groß.


Familie Parish. Auf diese Weise wollte die Familie über den Tod hinaus zusammengehalten werden. Was Hamburger Großkaufleuten und Reedern möglich war, blieb für Handwerker oder Bauern aber unerschwinglich; sie hätte für ein 60-stelliges Grab mehrere Monatseinkommen aufbringen müssen. Inzwischen gibt es eine zweite 60-stellige Grabstätte, die der Familie Bartels. Nicht nur wegen der repräsentativen Ansprüche, sondern auch wegen der ständig wachsenden Zahl der Bewohner im Kirchspiel und der reizvollen Lage des Friedhofs musste die Kirche bald Erweiterungsmöglichkeiten schaffen. Trotz oder gerade wegen der zahlreichen Erweiterungen hat sich nie eine Gesamtordnung ergeben; im Gegenteil: Die Unregelmäßigkeit des Wegenetzes und der Flächen entsprach ja durchaus dem Ideal des englischen Landschaftsgartens, selbst wenn der nie als Ordnungsprinzip gedacht gewesen war. In den ersten Jahren dürfte der neue Friedhof ein eher karger Ort gewesen sein. Er wird von einer grünen Hecke umfasst gewesen sein (das Wort »Friedhof« leitet sich nicht von »Frieden« ab, sondern vom althochdeutschen »frithof«, das einen umgrenzten Bereich um die Kirche bezeichnet). Vermutlich – wir befinden uns auf einem Dorffriedhof – gab es schon Bäume, Büsche und Wildblumen; jede neue Grabstelle schmückte sich zudem mit eigenen Anpflanzungen. Anfänglich gab es keine Friedhofskapelle, offenbar aber ein Leichenhaus, in dem die Toten aufgebahrt wurden, um zu sehen, ob sie wirklich tot waren – lebendig begraben zu werden war eine weit verbreitete Angst im 19. Jahrhundert, der man dadurch begegnete, dass man die Verstorbenen einige Tage aufgebahrt ließ. In den meisten Fällen wurde der Leichnam aber zu Hause im Kreis der Familie aufgebahrt. Eine Friedhofskapelle schien nicht nötig, weil die 1751 erbaute Kirche ja nur wenige Schritte vom Friedhof entfernt lag. Sarg und Trauergemeinde zogen nach der feierlichen Umrundung der Kirche dorthin. Dann schieden sich die gesellschaftlichen Schichten. Die Toten der großen Hamburger Geschlechter wurden in einem Familiengrab beigesetzt, das zum Charakteristikum des Nienstedtener Friedhofs wurde. Als besonders repräsentativ galt die Bestattung in einer Gruft, also nicht im Erdreich, sondern im Sarg in einem unterirdischen Raum, der mit einer Grabplatte abgedeckt wurde. Dieser Raum war in der Regel gemauert und ragte aus dem Erdreich bis zu einem Meter hervor; er war so tief, dass auch zwei Särge übereinanderliegen konnten. Die Grüfte, wohl aus der mittelalterlichen Bestattung innerhalb der Kirchen hergeleitet, waren so etwas wie eine Spezialität der begüterten Familien in und um Hamburg. Man tat es, weil man es schon immer so gemacht hatte – auch wenn das in gewissem Widerspruch zu einem ursprünglichen Naturempfinden stand. Grüfte und Natur passten auf Dauer auch nicht wirklich zueinander, das sich ausbreitende Wurzelwerk

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Kindt • Kinne • Kinscher • Kipp • Kircheiss • Kirchfeld • Kirchhoff • Kirchmann • Kirchner • Kirschner Kittler • Klahn • Klapp • Klauck • Klaus • Kleeberg • Kleesch • Kleffel • Klein • Kleiner • Kleinert • Kleinfeldt


neu gepflanzter Bäume wurde später oftmals zur Bedrohung für die Stabilität der Grüfte. Auch Grabstelen oder große Grabdenkmäler waren im 19. Jahrhundert bekannt, aber nicht – wie heute – üblich. Man kann es an der Gruft von Caspar Voght, dem sozialreformerischen Hamburger Kaufmann, sehen, der über den Regen lässt die inzwischen schwer entzifferbare Inschrift auf der mächtigen Marmorplatte von Caspar Voghts Gruft glänzen.

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Kleinhempel • Kleinsorge • Kleinwort • Kleinworth • von Kleist • Klemann • Klemens • Klemm Klette • Klicha • Klies • Klindwordt • Klingbiel • Klingender • Klinger • Klinkewitz • Klinkisch • Klöckner


Das Mausoleum Vorschlag eines aufwändigen Sarkophags meinte, dass »auf Nienstedtens KirchSchröder, erbaut hoff, mitten unter bescheidnen Grabsteinen, von einigen Kreutzen umgeben«, 1916 nach Plänen des Architekten so etwas nicht passe. Erich Elingius. Letztlich fiel seine Grabstätte aber nicht besonders bescheiden aus: Voght

plante sie zusammen mit seinem Patensohn Karl Sieveking und dem Architekten Alexis de Chateauneuf, dem wir unter anderem die Alsterarkaden und die Alte Post verdanken. Auf die Gruft, 14 Fuß lang und 10 Fuß breit (rund 4 mal 3 Meter), die nur für ihn selbst gedacht war, da Voght unverheiratet war, wurde eine leicht geneigte mächtige Platte aus weißem Marmor gelegt. Sie ist mit einer Inschrift geschmückt, die die Verdienste Voghts in griechischem Versmaß aus Hexameter und Pentameter, sogenannten Distichen, preist. So ist sein Grab Denkmal und Grabmal zugleich geworden – bei aller Bescheidenheit Voghts. Ihr Kuriosum besteht darin, dass der die Inschrift meißelnde Steinmetz mit der Rechtschreibung nicht wirklich vertraut war; sie musste an mehreren Stellen nachgebessert werden, und die Trennung der Wörter ist nicht immer erkennbar; Sieveking, der sich nach dem Ableben Voghts um die Ausführung kümmerte, schrieb im Jahr 1839, leicht resigniert: »Enckel mit einem ck muß leider stehn bleiben.« Das ck steht auch heute noch. Grabmäler entziehen sich bis zu einem gewissen Grade kunsthistorischer Einordnung und architekturstilistischer Abfolge. Auf dem Friedhof von Nienstedten sieht man zahlreiche Formen und Materialien, vom (scheinbar) unbehandelten Findling bis zum archaisch-strengen Bau eines Mausoleums. Sie spiegeln Moden, sind aber kaum in eine stringente Reihe zu bringen; allein die Todesdaten bieten einen zeitlichen Anhaltspunkt. So ließ der Bankier Johann Rudolph Freiherr von Schröder im Jahr 1916 durch den Architekten Erich Elingius ein Mausoleum bauen, das so auch einhundert Jahre früher hätte entstanden sein können. Es ist ein schön proportionierter Bau

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Kloofs • Klook • Klooss • Klopp • Kloppenburg • Klostermann • Klostermeyer • Klöter • Kloz • Kluckert Klugmann • Klühs • Klünder • Klüss • Klüß • Klütz • Klüver • Klüwert • Knaack • Knabe • Knabe Behrmann


mit zwei dorischen Säulen am Eingang – zeitlos, ungekünstelt, würdevoll. Das Innere strahlt die gleiche Schlichtheit aus: Die Wände sind aus kaum ornamentiertem Marmor, ein kleiner Altar und eine Betbank befinden sich dort, und auf Tafeln an den Wänden stehen die Namen der Toten. Elingius gehörte einem Büro als Partner an, das in wechselnden Besetzungen das gesamte 20. Jahrhundert hindurch Hamburger Architektur geprägt hat. Er liegt ebenfalls in Nienstedten begraben: Auf einem einfachen, klassisch ornamentierten Sockel steht eine steinerne Urne. Das ist keine künstlich überhöhte »Architektur«, sondern das Statement eines Architekten, der ein klassisches Grabmal für angemessen hielt, für seine Bauten aber nur selten auf solche Formen zurückgriff. Steinerne Urnen sieht man in mehreren Variationen auf dem Friedhof. Sie sind Symbol für Tod und Vergänglichkeit, weisen aber nicht zwingend auf die Kremierung des Toten hin, die sich erst Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland durchzusetzen begann. Elingius’ Mausoleumsbau fällt wie die beiden anderen Mausoleen des Friedhofs auf und steht für eine Neuorientierung der Grabkultur am Beginn des 20. Jahrhunderts, für eine Rückkehr zum Einfachen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war – als Gegenbewegung zu den frühen Grabplatten auf den Grüften – eine ausladende Prachtentfaltung auch in Nienstedten Mode geworden: Symbolische Figuren und pompöser Schmuck erinnern heute noch an jene Zeit. Neue Materialien konnten nun von weit her günstig beschafft werden, neue Herstellungsmethoden ermöglichten die Massenproduktion. Das »Kunstwerk im Zeichen seiner technischen Reproduzierbarkeit«, wie es Walter Benjamin 1935 in seinem berühmten Aufsatz nannte, drückte die Preise, so dass aufwändiger Grabschmuck für viele erschwinglich wurde. Von den gusseisernen Grabkreuzen, identisch auf verschiedenen Gräbern zu sehen, bis hin zu den Plastiken in Galvanotechnik: Es gab am Ende des 19. Jahrhunderts keine Einschränkungen

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Knappertsbusch • Knauf • von Knebel-Doeberitz • Knecht • Knees • Kneese • Knepper • Knesebeck Knezevic • Kniep • Knittel • Knödler • Knöfel • Knoke • Knoll • Knoop • Knop • Knorr • Knudsen • Knupper

Das vergleichsweise kleine Mausoleum Stülcken/ Christiansen steht etwas versteckt unter hohen Bäumen südlich der sogenannten Waldgräber.


Der heutige Warteraum war 1911 das erste Gebäude des Friedhofs. Noch immer ist er mit seiner Loggia und den zwei weißen Bänken ein besonders schöner Ort der Ruhe. Rechts: der Innenraum der Friedhofskapelle, die 1929 eingeweiht wurde.

durch verbindliche Regeln; das angeberisch-neureiche wilhelminische Kaiserreich begünstigte ein Klima der schwelgerischen Selbstdarstellung über den Tod hinaus. Die Erfindung der Galvanotechnik ließ Skulpturen nun einfach und vor allem billig produzieren. Der durch ein Galvanobad erzeugte metallene Überzug einer Gipsform ist haltbar bei Wind und Wetter. Auf diese Weise entstanden große Engelsfiguren oder trauernde Jungfrauen (Grabmal Familie Kröger), alle aus der Zeit um 1900. Gegen diesen reichen, bisweilen übertrieben wirkenden Schmuck, der die wilhelminische Architektur insgesamt geprägt hat, wandte sich die Suche nach einem Neuanfang in der Kunst, die in der Architektur mit der Stilkunst und dem Stil 1900 begann und der Lebensreformbewegung entsprach, die den schädlichen Folgeerscheinungen von Industrialisierung und Zivilisation mit einer neuen Natürlichkeit begegnete: mit Freikörperkultur, Landkommunen, Reformpädagogik, Gartenstädten, Vegetarismus. Auch die Grabkultur veränderte sich, das Einfache kam wieder in Mode – das steinerne Kreuz, das Holz imitiert, oder der schlichte Grabstein. Die neue Einfachheit entdeckt man auch in der Architektur der Friedhofsbauten; sie hat zusammen mit Reformstil und neuem Heimatstil die Architektur auch in Hamburg und die Landhäuser der Elbvororte geprägt. Das erste Gebäude des Friedhofs (neben den Mausoleen, die ja nur den Toten dienen) war das sogenannte Unterkunftshaus, das im Jahre 1911 errichtet wurde: ein schlichter quadratischer Bau mit einer durch vier dorische Säulen begrenzten Loggia und breitem, achsial angelegtem Eingang. Mit seinem Walmdach und dem roten Backsteinmauerwerk wirkt er eher süddeutsch-gemütlich als norddeutsch-herb. Das Gebäude wurde auch als Torhaus bezeichnet, aber eine tatsächliche Funktion als Tor ist wenig wahrscheinlich. Auch wurde es nicht als Kapelle gebaut, da ja schon wenige Jahre später eine »richtige« Kapelle errichtet wurde. Der Innenraum des heute Warteraum genannten Baus wird manchmal als Kapelle für

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Knütel • Köbberling • Köbel • Köbler • Koch • Kock • Koëff • Koehn • Kögel • Kohfeld • Kohla • Köhlenbeck Köhler • Kohlhase • Kohlhausen • Kohlmorgen • Kohlsaat • Köhn • Köhncke • Kohnen • Kohrs • Kolb


kleinere Begräbnisse verwendet, seitdem der Eingang zum Friedhof zur Ruperti straße verlegt wurde. Leider ist der Bau im Inneren nicht sonderlich sorgsam erneuert worden; die heutige Deckenansicht dürfte nicht nur der ursprünglichen nicht entsprechen, sondern ist auch wenig detailsicher. 1929, als sich in der Architektur eine »gemäßigte Hamburger Moderne« gerade durchgesetzt hatte, folgte der Bau der Friedhofskapelle durch den Hamburger Architekten Kurt Stoltenberg, dem Nachfolger im Architekturbüro Raabe & Wöhlecke, das viele Wohnhäuser in den Elbvororten gebaut hat. Der Bau der Kapelle fiel zeitlich mit der Verlegung des Haupteingangs zusammen. Jetzt wurde der Friedhof von der Rupertistraße her erschlossen. Das hatte einen sehr einfachen Grund: Da die Erweiterungen des Friedhofs nach Norden hin erfolgt waren, wurde auch die Kapelle dort gebaut, wo noch Platz zur Verfügung stand. Die Lage der Kapelle aber definierte auch den Haupteingang. Der Bau der Kapelle ist eher traditionell. Als solcher passt er auf den Friedhof und greift mit seiner Klinkerfassade hamburgische Konventionen auf, wie sie in den 1920er Jahren beliebt waren. Der Grundriss besteht aus zwei konzentrischen Kreisen, einem äußeren Umgang mit Foyer und Nebenräumen und dem eigentlichen Versammlungsraum, der Kapelle. Der Fensterkranz unter der Kuppel scheint diese abzuheben und schweben zu lassen – ein schöner, in vielen Kirchenbauten bewährter Effekt. Er verleiht dem Raum eine feierliche Wirkung, obwohl die Grundform des Kreises einer Ausrichtung auf Kreuz und Pfarrer widerspricht. Die Kapelle wurde 1969/70 und 1995 restauriert und 2010 mit einem gelungenen neuen Lichtkonzept ausgestattet. Friedhöfe, auch der in Nienstedten, sind sowohl Ort der Toten und Ort des Gedenkens als auch Garten oder Park. Menschengemachtes und Natur stehen sich gegenüber und gehen zugleich ineinander auf. Diese Ambivalenz und der Übergang als eigentliches Thema werden in vielen Grabanlagen dargestellt. Viele

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Kölbel • Koletzky • Kolipost • Kolkmann • Koll • Kölle • Kölling • Köllisch • Köllisch-Matthiaß • Kölln Kols • Kommorowski • Komrowski • Könecke • Koneke • Köneke • König • Koop • Koopmann • Koops

Die Christusfigur mit empfangender Geste am Eingang Rupertistraße, dahinter die schneebedeckte Kapelle. Rechts: der Stein des Familiengrabs Darboven, dessen Inschrift einer Steinfuge folgt.


Üppiger Rhododendron wuchert am Stein der Familie von Ehren. Rechts: Schiffe sieht man viele auf Nienstedtener Gräbern – realistische Abbildungen sind eher selten, manchmal stehen sie für den Beruf eines Toten, meistens aber sind sie als Symbol für den Übergang zu verstehen.

Grabsteine sind (scheinbar) roh belassen oder nur stellenweise sichtbar bearbeitet. Das Familiengrab Darboven zum Beispiel besteht nur aus einem riesigen Stein, in den schräg, einer Steinfuge folgend, der Familienname eingemeißelt wurde. Ähnlich ist das Grab der Familie von Ehren angelegt, das – dem Beruf als Landschaftsgärtner und Eigentümer der traditionsreichen Baumschule angemessen – von Rhododendren umrankt ist. Steinerner Figurenschmuck scheint aus rohem Stein bei der Figur eines Jünglings im Mausoleum von Stülcken / Christiansen zu wachsen, das nach 1925 gebaut wurde. Das Thema des Übergangs ist das zentrale Thema des Todes in allen Kulturen, von Charon, der nach der griechischen Mythologie die Toten über den Styx führt, bis zur christlichen Vorstellung von der Auferstehung der Toten. Insofern wird es auch zum zentralen Element von Friedhofsarchitektur und Grabanlagen. Der Übergang von Natur zu Kultur, im rohen und modellierten Stein zu lesen, der Übergang vom Gewachsenen zum Versteinerten – das alles zeigt sich in vielerlei Grabgestaltung. So wird das steinerne Grabmal mit ebenfalls in Stein gemeißelten Ranken geschmückt. Bisweilen ist kaum zu unterscheiden, ob eine Anlage bewusst gestaltet wurde oder ob sich die Natur ihren eigenen Weg gebahnt hat, so wie beim Grabmal der Familie B. Degetau, wo eine Ranke den riesigen Stein überwuchert – gepflanzt oder zufällig gewachsen? Auch die zahlreichen Segelschiffe auf den Grabsteinen deuten auf Fahrt und Übergang, nicht unbedingt auf die Profession des Toten hin. In Nienstedten liegen immerhin viele Reeder und Kapitäne. Gemeint aber ist oft die religiöse Bedeutung des Schiffes als Symbol des Übergangs. Kapitän Carl Kircheiss, dessen Buch von der Weltumsegelung mit dem Fischkutter Hamburg zur Standardlektüre Hamburger Kinder in den 1950er Jahren gehörte, ließ immerhin die getreue Abbildung seines Schiffes als Bronzeplatte in den Grabstein einsetzen. Das Schiff als realisti-

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Köpcke • Kopiet • Köpke • Kopp • Koppe • Koppelmann • Koppermann • Kopperschmidt • Koppitz Kord • Koritz • Korn • Kornau • Körner • Korte • Kortüm • Koschorreck • Kösen • Köser • Köster • Kotzott


sche Abbildung eines Seglers ist aber die Ausnahme. Die Segelschiffe auf den meisten Gräbern sind als Metapher zu lesen so wie auch die Abbildung der Seute Deern auf dem Grab des Reeders John T. Essberger. »Die letzte Wohnung« hat der Architekt Egon Eiermann einmal Sarg und Grab genannt. Wer nicht plötzlich aus dem Leben gerissen wird, kann sich auf den Tod vorbereiten und seine »letzte Wohnung« nach eigenen Vorstellungen planen; so wie Caspar Voght. Im anderen Fall müssen die Angehörigen die Aufgabe übernehmen und nach vermuteten Wünschen des Toten das Grab gestalten. Auch heute noch sind viele Titel und Berufsbezeichnungen auf Grabsteinen zu lesen, die die Bedeutung des Toten zeigen sollen. In anderen Fällen ist es nur der Familienname, der groß dargestellt wird, die einzelnen Totennamen erscheinen eher beiläufig. So spiegelt sich in der Grabkultur unmittelbar die Gesellschaft der Lebenden.

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Koutzky • Kowalik • Köwling • Koyemann • Koylmann • Kraak • Kraatz • Kraehe • Kraemer • Krafft Kraft • Krage • Krahn • Krakau • Kramer • Krämer • Kramm • Krammbeck • Kramp • Krapf • Krapp

Links: Efeu am Grabstein Degetau. Mitte: Grabstein der Blankeneser Lotsen- und Kapitänsfamilie Schade. Rechts: Das Abbild des Fischkutters, mit dem Carl Kircheiss die Welt umsegelte.


Ein Friedhof erzählt Geschichten von Menschen, die in Nienstedten ihre letzte Ruhe fanden

Von Emanuel Eckardt

Emanuel Eckardt, geb. 1942 in Hamburg, war Reporter beim »Stern«, Mitglied der Chefredaktion von »Geo« und »Merian« und lebt heute als freier Autor in Blankenese.

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rankreich ist groß im Jahre 1814. Im Norden reicht es bis Hamburg, das nach Napoleons Siegeszug durch Mitteleuropa zur französischen Stadt ernannt wurde. Altona und das nördliche Ufer der Elbe werden vom dänischen König regiert, einem der letzten Verbündeten Napoleons. Der Kaiser ist unter Druck. Nach der verlorenen Völkerschlacht zu Leipzig flieht er mit seiner Garde und den Resten der Grande Armée nach Hause. Noch herrscht Krieg, aber ein Ende ist abzusehen. Acht Jahre lang hat die Freie und Hansestadt Hamburg unter der französischen Besatzung und unter der von Napoleon verfügten Kontinentalsperre gelitten; jeder Handel und Verkehr mit den Britischen Inseln war untersagt. Handelshäuser gingen bankrott, die Stadt fiel in Armut, musste aber eine Besatzungsarmee von 40.000 Mann ernähren. Unruhen unter den Hungernden wurden brutal niedergeschlagen. Wer nicht Essensvorräte für sechs Monate vorweisen konnte, wurde zu Weihnachten kurzerhand aus der Stadt getrieben. 30.000 Menschen mussten im Umland sehen, wie sie zurecht kamen. Viele erfroren, Kinder verhungerten, Familien gingen an Seuchen zugrunde. Über Hamburgs Hafen liegt tödliche Stille, die Elbe steht unter Aufsicht, das Schmuggeln ist gefährlicher denn je. Das Jahr 1814 beginnt an der Unterelbe, knapp 30 Meilen westlich von Hamburg, mit einer wüsten Kanonade. Die Befreiungsarmee setzt zum Sturm auf den Brückenkopf von Napoleons dänischen Verbündeten an. Am Neujahrsmorgen nehmen zehntausend Mann unter schwedischem Kommando und britische Kriegsschiffe die dänische Festung Glückstadt mit schwerem Geschütz unter Feuer. Nach fünf Tagen kapituliert die Stadt. Dänemark hat den aussichtslosen Kampf gegen die Übermacht verloren. In Hamburg geht endlich die Franzosenzeit zu Ende. Am 30. Mai 1814 ziehen die Besatzer endlich ab. Die Kriegsjahre, zugleich Hungerjahre, in denen der Tod reiche Ernte hielt, haben die Dörfer am hohen

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Kratzenstein • Kratzmann • Kraus • Krause • Krause-Brennecke • Krebs • Kreisch • Kreitz • Kremer Kremp • Krempel • Krernke • Kresin • Kreß • Kressin • Kretschmer • Kretzer • Kretzschmar • Kreutzig


Der Kirchturm von Nienstedten bildet auf vielen Blankeneser Elbufermotiven die östliche Begrenzung. Gut zu erkennen ist auch die schlossähnliche Burg der Godeffroys an der heutigen Straße Elbhöhe (Stich, um 1912).

Ufer der Elbe schwer mitgenommen. Auch das kleine Nienstedten war in den Strudel des großen europäischen Krieges geraten. Erst von dänischen Truppen besetzt (1801 und 1803), dann von Franzosen und Spaniern erobert (1808) und schließlich von Kosaken befreit (1813), kann es endlich aufatmen. Alles auf Anfang. Im fernen Wien erlebt Ludwig van Beethoven die Uraufführung seines Fidelio. »O welche Lust, in freier Luft den Atem leicht zu heben!« Der Gefangenenchor kann auf Freiheit hoffen. Wo viele Menschen sterben, entstehen Platzfragen. Im dänisch-holsteinischen Dorf Nienstedten an der Elbe wird 1814 nahe der Kirche ein neuer Friedhof angelegt. Nienstedten allein hätte den Platz vielleicht gar nicht gebraucht, aber das Kirchspiel reicht weit über den Ort hinaus, von Flottbek im Osten bis Wedel im Westen; im Norden bis Lurup und Schenefeld und im Süden bis zur Elbinsel Finkenwerder; Bauernland, in dem rund fünftausend Menschen leben, einschließlich des Fischerdorfs Blankenese, das im Jahr 1814 von einer Brandkatastrophe heimgesucht wird. Fünfzig Häuser gehen in Flammen auf. Reetdachhäuser brennen wie Zunder. Sonnenlicht spielt über den Gräbern. Im Süden begleitet das Grundrauschen der Elbchaussee das frühsommerliche Konzert der Vogelstimmen. In den schattigen Gassen des Friedhofs verkehren Wagen mit Paletten, aus denen Stiefmütterchen lugen. Ein Friedhofsgärtner schiebt einen Karren mit gefüllten Gießkannen zur Beregnung der Grabstätten. Ruhe liegt über der Parklandschaft mit den Gräbern, manch ein stolzer Besitz, der vom Reichtum kündet und von posthum verewigter Wichtigkeit. Doktoren- und Professorentitel werden aufgeführt. Aber – wir sind in Nienstedten an der Elbe – vergessen wird hier auch nicht die Ehre, ein Kapitän gewesen zu sein oder ein Kap Hornier, einer, der noch unter Segeln das Kap Hoorn umschiffte.

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Kreuzer • Krey • Krieg • Krieger • Kriegeris • Kriekhuhn • Kriese • Kriete • Kriuse • Kriweit • Krochmann Kröger • Krogmann • Krohn • Krol • Krome • Krone • Krooß • Kroosz • Kropf • Kröplien • Kröser


Breckwoldts und Booths findet man viele auf dem Nienstedtener Friedhof.

Es gibt schüchterne Gräber, die sich im Schatten zu verstecken scheinen, andere, die sich ins Grüne kuscheln wie ein schmales Waldgrundstück, Gräber mit klaren Grenzen zum Nachbarn und manchmal auch zum Weg, Gräber, die Distanz schaffen mit Ketten oder Eisengitter, bis hierhin und nicht weiter. Drei Mausoleen gibt es zu bewundern, Skulpturen, Engelein und Gartenkultur voll blühender Fantasie. Dieser Friedhof ist schön, vielleicht der schönste in Hamburg. Wer hier ruht, liegt in bester Lage. Gräber erzählen – die traurige Geschichte von Eltern, die ihre Kinder überleben, von unsterblicher Liebe oder vom Zusammenhalt großer Familien, wie den Breckwoldts aus Blankenese. Heute finden sich dort noch elf Breckwoldts im Telefonbuch. Als Blankenese noch ein Fischerdorf war, trug die Hälfte der Einwohner diesen Namen; es ging die Sage, dass sich der Stammbaum dieser Familie bis zu Adam und Eva zurückverfolgen lasse. Eva soll eine geborene Im Juni 1907 zieht der Trauerzug des Blankeneser Reeders Thies Breckwoldt vom Strandweg über den Blankeneser Kirchenweg zum Nienstedtener Friedhof.

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von Krosigk • von Kruedener • Krug • Krüger • Krugmann • Krull • Krumm • Krümmel • Krummtünger Kruse • Kruttke • Küas • Kuball • Kube • Kuchel • Kück • Kuder • von Kügelgen • Küger • Kuhl • Kühl


Der Grabstein von James Booth – eine klassizistische Sandsteinstele mit gekreuzten Palmenzweigen. Die Säule aus weißem Marmor gehört zum Grab seines Sohnes John Richmond Booth und dessen Frau Maria Elisabeth geb. de la Camp.

Breckwoldt gewesen sein. Wie auch immer. Es gibt heute mehr Breckwoldts auf dem Nienstedtener Friedhof als in Blankenese. Einer der Ersten, die auf dem neuen Friedhof bestattet werden, ist ein Schotte: James Booth (1772–1814), ein begnadeter Landschaftsgärtner, der mit seiner Familie hierher gezogen war. Und das kam so: Ende des 18. Jahrhunderts interessieren sich wohlhabende Asylsuchende für den billigen Grund und Boden, Familien aus Frankreich mit hugenottischen Wurzeln, verfolgte Mennoniten, Adlige auf der Flucht vor Revolution und napoleonischer Allmacht, jüdische Kaufleute, Engländer, die wegen ihrer Handelsbeziehungen an die Elbe ziehen, und schließlich auch Hamburger Merchantbanker und Reeder. Sie alle entdecken den landschaftlichen Reiz des hohen Elbufers, kaufen weite Flächen unbebauter Fluren, verwandeln Ackerland und Eichenwälder in französische Gärten und englische Parks. Zweihundert Jahre ist das her. Die Lithografie von Wilhelm Heuer zeigt einige der insgesamt 17 Gewächshäuser der Booth’schen Gärtnerei in Flottbek 1857. Das Gelände der Baumschule galt als große Attraktion.

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Kühler • Kuhlmann • Kuhlwein • Kühn • Kuhne • Kühne • Kuhnholz • Kühnke • Kühns • Kuhse • Küke Küker • Kukuck • Kulakiewicz • Külbel • Kulemann • Kulemkamp • Kulenkampff • Kullarp • Külper


Die massive Platte von Caspar Voghts Gruftgrab befindet sich nahe einem der ElbchausseeTore. Im Kopfteil ist das Wappen eingemeißelt, das Voght führte, nachdem Kaiser Franz II. ihn zum Reichsfreiherrn ernannt hatte. Das Voght-Porträt des Malers JeanLaurent Mosnier stammt aus dem Jahr 1819.

Zu den Pionieren des romantischen Elbufers zählen gebildete Schwarmgeister. In Altona scharen sie sich um den Dichter Friedrich Klopstock (1724–1803), empfindsame Poeten, die von einer Republik der Gelehrten und von der Liebe träumen und die es dennoch verstehen, ihren Reichtum an Gütern zu mehren. Eine herausragende Persönlichkeit dieses goldenen Zeitalters hat in Nienstedten ihre Ruhestätte gefunden, Caspar Voght (1752–1839). Der Weltbürger und »erste Gentleman Hamburgs« verkehrt am Hof von Louis XV. ebenso wie am spanischen Hof oder im Vatikan. Er ist bekannt mit Benjamin Franklin, Voltaire und Papst Pius VI. Die »Frauenwelt erschließt sich ihm im üppigen Flor«, bemerkt ein aufmerksamer Chronist. Der Landsitz des Barons von Voght bei Teufelsbrück hat etwa die Ausmaße des Fürstentums Monaco. 1794 lässt er sich von dem Hamburger Architekten Johann August Arens ein Landhaus bauen, das aussieht, als sei es aus den amerikanischen Südstaaten eingewandert. (Es ist heute noch erhalten und an der Baron-Voght-Straße 63 zu bewundern.) Hier verkehren Dichter wie Beaumarchais, Madame de Staël und Stendhal. Hier lebt Marschall Bernadotte, der später als Karl XIV. König von Schweden wird. Hier geht ein und aus, wer sich, ungeachtet seiner gesellschaftlichen Stellung, für Literatur interessiert, denn der Hausherr veranstaltet gern Leseabende.

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Külz • Kumpfert • Kuncke • Künker • Kunstmann • Küntze • Kunze • Künzel • Kupka • Kurfess • Kurrer Kürsch • Kurth • Kurtz • Kurtze • Kurz • Kuß • Kuße • Küssner • Küßner • Küster • Küstermann • Kuthe


Seinen Arbeitern und ihren Familien lässt er reetgedeckte Instenhäuser bauen (Baron-Voght-Straße 52–72). Der Literaturfreund gilt als einer der ersten Sozialreformer Europas, vor allem des Armen- und Gefängniswesens. In Hamburg sorgt er für eine Gliederung der Stadt in Pflegebezirke mit 200 ehrenamtlichen Armenpflegern und gründet Schulen für die Kinder der Armen. Weil er auch das Wohlfahrtswesen Österreichs organisiert, erhebt ihn Kaiser Franz II. als Reichsfreiherrn in den Adelsstand. Baron Voght hat eine glückliche Hand, als er Gärtner wie den Schotten James Booth überredet, mit seiner Familie an die Elbe zu kommen, ambitionierte Gartengestalter und Pflanzenzüchter, die zugleich Künstler und Philosophen sind. Sie entwerfen das Modell einer ornamented farm, inszenieren Lustgärten mit Seerosenteichen und schwingendem Wiesengrund, pflanzen indische Azaleen und Kamelienwälder, setzen modische Evergreens wie Juniperus, Tuya und Taxus, Ilex und Rhododendron ins Bild und dekorieren den Elbblick mit Trauerbuchen. Weinberge trotzen dem Schmuddelwetter, in Tropenhäusern grünen Ananas, Feige und Zitrone, aus dem Dunkel der Buchenhaine leuchten marmorne Wassernymphen, Venustempel und bald auch die klassizistischen Landhäuser des genialen dänischen Landbaumeisters Christian Frederik Hansen (1756–1845). Booth verwandelt Voghts Ländereien in ein Mustergut. Durch Drainagen, den Einsatz moderner englischer Drillmaschinen, intensive Düngung und planmäßigen Fruchtwechsel steigert er die Erträge der Landwirtschaft bis aufs Zehnfache. Sein Stilempfinden lässt sich heute noch bewundern in Baron Voghts parc du midi, einem Höhenzug mit fünfhundert Jahre alten Eichen, der sich in elegantem Schwung zum Tal der Flottbek senkt, dem Jenisch-Park, wie er später genannt werden sollte. Sein Sohn John Richmond Booth (1799–1847) baut die Pflanzenzucht zu einem Gartencenter mit europäischer Ausstrahlung aus. Im holsteinischen Halstenbek, in Pinneberg und in Uetersen gründet der schottische Clan ein einzigartiges System von Baumschulen. In seinen letzten Lebensjahren ist Baron Voght finanziell etwas klamm. Er verkauft sein schönes Landhaus und sein Gut in Klein Flottbek 1828 an den Präses der Hamburger Baudeputation. Senator Martin Johann Jenisch der Jüngere (1793–1857), Bankier und begeisterter Kunstsammler, gibt 1831 bei dem Architekten Franz Gustav Forsmann den Bau eines klassizistischen Palais in Auftrag. Der preußische Stararchitekt Karl Friedrich Schinkel steuert ein Gutachten bei, Forsmann nimmt ein paar Anregungen auf. Das Jenisch-Haus, heute eine Außenstelle des Altonaer Museums, ist ein großer Wurf und in seiner harmonischen Verbindung mit dem sanft zur Elbe hin geschwungenen Park ein Kleinod hanseatischer Baukultur.

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Kuzaj • Kwintniewski • Kwitschau • Kworth • Laage • Lackert • Ladiges • von Laffert • Lagemann Lagerfeld • Lahrmann • Lahrtz • Lakatsch • Lamaack • Lambrecht • Lampe • Lampert • Lamwers


Baron Voght stirbt im hohen Alter von 86 Jahren. Sein letzter Wille ist es, in der Mitte seiner Leute bestattet zu werden, zwischen den einfachen Gräbern auf dem Nienstedtener Friedhof, allerdings seinem Stande entsprechend in einer repräsentativen Gruft. Der Hamburger Architekt Alexis de Chateauneuf (1799– 1853) entwirft die Grabstätte. Drei Jahre später, nach dem großen Hamburger Brand, wird er mit den Alsterarkaden und der Neuen Post die Innenstadt Hamburgs neu erfinden. Die Schrift auf der Gruft von Caspar Voght ist heute stark verwittert. Die große, schräg liegende Platte zeigt Spuren von 175 Jahren Schietwetter. Und auch der hohe Ton der Grabinschrift, aus der Hand seines Weggefährten Karl Sieveking, atmet verblichenen Zeitgeist:

Siehe hierzu auch den Hinweis von Gert Kähler, S. 129/30 in diesem Buch

Statt Allmosenvergeudung die Kunst sinnigen Wohlthuns Lehrt er Hamburg zuerst, dann dem entfernteren Kreis. Weckt in Flotbecks Schatten des Nordlands träge Gewöhnung Dass zum Garten das Feld bilde der Saaten Gesetz. Wandernd, durch weises Gespräch Europens Besten verbunden, Blieb er der Heymath treu, Jugendgenossen ein Freund Freundes Enckel bekränzten des nimmer gealterten Greises Grab mit des Eichengzweigs Aehrendurchflochtenem Laub. Stets erneuerte Saat des vielfach ernstlichen Strebens Trägt nun, untergepflügt, hier der unsterbliche Keim. Diese getreuen Dichterworte lenken den Blick auf den Laudator Voghts, Senatssyndikus Karl Sieveking (1787–1847), Patenkind des Verstorbenen. Die Sievekings gehören zu den Spitzen der Gesellschaft und sind mit öffentlichen Ämtern vertraut. Sie stellen hohe Beamte, Gesandte, Exzellenzen, Oberlandesgerichtspräsidenten und Senatoren in den Dienst der Stadt. Die Sievekings hinterlassen ihre Spuren in Straßennamen wie Sievekingdamm, Sievekingallee und Sievekingplatz. Georg Heinrich Sieveking (1751–1799) ist Aufklärer, Literat und glühender Verehrer Klopstocks, zugleich ein tüchtiger Kaufmann und Geschäftspartner von Caspar Voght. Gemeinsam führen sie die Firma Caspar Voght & Co (seit 1788 Voght und Sieveking), eins der erfolgreichsten Handelshäuser der Stadt. Friedrich Sieveking (1798–1872) wird Erster Bürgermeister, Olga Sieveking (1881–1965) First Lady. Sie ist mit Rudolf Petersen verheiratet, dem Ersten Bürgermeister Hamburgs nach dem Zweiten Weltkrieg. Karl Sieveking (1863– 1932), Gesandter Hamburgs am preußischen Hof, wohnt bis zu seinem Tod mit Ehefrau Luise, geb. Black, im Weißen Haus an der Elbchaussee 547, das er von dem Kaufmann Friedrich Kirsten (1842–1924) übernommen hatte. Das Ehepaar ist auf dem Nienstedtener Friedhof begraben. Und auch im 20. Jahrhundert wird

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Landgraf • Landmann • Landsberger • Landsmann • Lang • Langbehn • Lange • Lange-Brock • Langeheine Langeloh • Langenheim • Langer • Langerhannsz • Langerhans • Langermann • Langnese • Längrich


Der Stein von Karl Sieveking liegt im Schatten von Farnen bei den sogenannten Waldgräbern. Das Familiengrab Louis Jacob befindet sich ein paar Reihen entfernt vom Grab des Restaurantgründers Daniel Louis Jacob.

ein Sieveking Bürgermeister: Der Diplomat Kurt Sieveking (1897–1986), Spitzenkandidat für den Hamburg-Block, wird 1953 für vier Jahre gewählt. Dann muss er die Stadt wieder der SPD überlassen. Anders als viele seiner Ahnen, die auf dem Nienstedtener Friedhof zusammenbleiben wollten, wird er auf dem Ohlsdorfer Friedhof beerdigt. Nicht weit entfernt von der Voght-Grabplatte hat in diesem ältesten Teil des Friedhofs auch der französische Landschaftsgärtner Daniel Louis Jacob (1763– 1830) seine letzte Ruhe gefunden. Vor den Wirren der Französischen Revolution geflohen, verliebt er sich in die Witwe des Zuckerbäckers Nicolaus Paridom Burmester, als dessen Gärtner er zuvor gearbeitet hat. Der hatte die Angewohnheit, von seinem Haus auf dem Hochufer der Elbe einlaufende Schiffe mit drei Böllerschüssen aus einer eigens für diesen Zweck gebauten Kanone zu begrüßen. Als die wortwörtlich nach hinten losging, kam der Mann ums Leben. Monsieur Jacques, so sein eigentlicher Name, heiratet die Witwe, kauft Haus und Grund für 3000 Goldmark und nennt sich fortan Louis Jacob. Am 1. Juli 1791 eröffnet er ein Restaurant mit Hotel und Weinstube, wobei ihn seine Freundschaft zur Champagnerwitwe Barbe-Nicole Cliquot-Ponsardin bei der Anlage des Weinkellers inspiriert haben dürfte. Der Betrieb läuft fantastisch, und er findet noch Zeit genug, die gärtnerische Gestaltung des Hanggrundstücks zu vollenden. Am 26. Oktober 1830 stirbt er im Alter von 67 Jahren und wird wie viele seiner Nachfahren auf dem Nienstedtener Friedhof bestattet. Das Hotel Jacob geht durch mehrere Hände. Heute zählt das Fünf-Sterne-Hotel mit dem Restaurant Louis C. Jacob an der Elbchaussee 401–403 zu den schönsten aller bewohnbaren Hamburgensien. Es wird noch einige Jahrzehnte dauern, bis der Sandweg, der die Dörfer Ottensen, Flottbek und Nienstedten verbindet und von dort weiter nach Dockenhuden und Blankenese führt, zur Elbchaussee wird, einer der schönsten Straßen

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Lappenberg • Larass • Larsen • Lassen • Latuszek • Latze • Lau • Laub • Laube • Laudi • Laudi-Heise Laudon • Laue • von Laue • Lauritzen • Lausen • Lautenschläger • Lauwigi • Lavalette • Lawitschka


1855 ließ sich der Hamburger Senator Gustav Godeffroy, ein Bruder des »Südseekönigs« Johann Cesar VI, in unmittelbarer Nachbarschaft zu dessen Hirschpark nieder. (Gemälde von Wilhelm Heuer, 1865)

Europas, was ihren Anliegern durchaus bewusst ist. Doch nun, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, beginnen Jahre des Aufbruchs. Die Industrialisierung setzt das Wirtschaftsleben unter Dampf, das Bürgertum ergreift die Initiative. Hamburgs Kaufmannsreeder segeln unter Vollzeug über die Untiefen drohender Zahlungsunfähigkeit, Lebenskünstler mit Mut zum Risiko und klaren Zielen bringen auf ihren Teeclippern die weite Welt in die Stadt, machen Sansibar, Schanghai oder Santiago de Chile zu Stapelplätzen für Hamburgs Wohlergehen. Der Blick auf den wachsenden Mastenwald macht sie stolz, sie fühlen sich als Königsklasse in der Stadt, eine selbstbewusste Herrschaftskaste, die es an standesgemäßer Prachtentfaltung nicht fehlen lässt und sehr genau darauf achtet, wer dazugehört und wer nicht. Eine der schillerndsten Figuren dieser seetüchtigen Kaufleute ist Johann Cesar VI Godeffroy (1813–1885). Einen »Abenteurer in Frack und Zylinder« nennt ihn die Historikerin Gabriele Hoffmann in ihrer Familienchronik Das Haus an der Elbchaussee. Die Godeffroys kamen im 18. Jahrhundert als Asylanten aus La Rochelle in Frankreich über Berlin nach Hamburg, eine hugenottische Familie mit protestantischer Arbeitsmoral. Großvater Johan Cesar IV Godeffroy gründet 1766 das Handelshaus, das von 1806 an unter dem Namen Joh. Ces. Godeffroy & Sohn firmiert. Sein Enkel Johann Cesar VI blickt weit über den hanseatischen Tellerrand hinaus, unterhält im westlichen Pazifik rund fünfzig Niederlassungen, zeigt Präsenz auf den Karolinen-, Marschall-, Fidschi- und

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Lawrenz • Le Claire • Leander • Lebender • Lebrecht • Lebuhn • Ledien • von der Leeden • Legahn Lehmann • Lehmann-Matthias • Lehmitz • Lehnemann • Leibrandt • Leimich • Leip • Leisau • Leiste


Von Godeffroys Elbhang geht der Blick über Baurs Park hinweg nach Westen. Die aus Frankreich kommende Familie baute Mitte des 18. Jahrhunderts ein weitverzweigtes Firmenimperium in Hamburg auf. (Zeichnung von J. Glashoff, 1820)

Freundschaftsinseln. Der »König der Südsee« betreibt Überseehandel mit Kolonialwaren von eigenem Grund und Boden, und es rechnet sich offenbar, dass seine Leute ahnungslose Inselbewohner zusammentreiben und als Arbeitssklaven jahrelang auf seinen Plantagen schuften lassen. Die Godeffroys spinnen ihr Netz in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, sind über dynastisch eingefädelte Heiraten bald mit allen wichtigen Hamburger Familien verschwippt und verschwägert. Cesars recht kleiner Bruder Gustav (1817–1893) wird als Abgeordneter zur Nationalversammlung in die Frankfurter Paulskirche entsandt, und weil er überall herumschwirrt, wird er »Reichskolibri« genannt. Achtzehn Jahre lang sitzt er im Hamburger Senat; Bruder Adolph (1814–1893) nimmt Einfluss als Präses der Commerzdeputation und Mitglied der Bürgerschaft. Mitte des 19. Jahrhunderts ist Hamburg der größte Hafen auf dem Kontinent, die größte Handelsstadt in Deutschland und Johann Cesar VI Godeffroy ihr größter Reeder. Er baut sein Imperium aus, betreibt Hamburgs größte Schiffswerft, beteiligt sich an der Gründung des Elb-Kupferwerks, Keimzelle der Norddeutschen Affinerie (heute Aurubis), an Banken und Versicherungen. Er investiert Millionen in Kohlenzechen, Eisenhütten und Stahlwerke. Und viel auch in seinen Garten. Der Familie gehören 825 Hektar Grund und Boden. Großvater Cesar IV hatte sich von dem dänischen Architekten Christian F. Hansen einen klassizistischen Palast in den weitläufigen Park über der Elbe setzen lassen, nach-

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Leistner • Lemberg • Lemckau • Lemcke • Lemke • Lemmermann • Lempfert • Lenck • Lencov • Lender Lenius • Lensch • Lentzen • Lenz • Leonhardt • Lepke • Leptien • Leseberg • Leser • Leskow • Leube


Der neoklassizistische Grabstein der Familie J. C. Godeffroy wurde 1894 nach dem Tod von Emilie Godeffroy, geb. Hanbury und Ehefrau von Johann Cesar VI (Mitte), auf der Großgrabstätte aufgestellt. Das Familiengrab von Carl und seinem Sohn Wilhelm M. Godeffroy ist eins der »Historischen Gräber« des Friedhofs.

dem sich sein Bruder Pierre Godeffroy (1749–1822) von Hansen ein nicht minder prächtiges Palais in einen Privatpark bauen ließ, das Weiße Haus an der Elbchaussee 547, das viele Jahre später dann wiederum von der Sieveking-Familie bewohnt werden wird. Cesar VI lässt Rhododendronwälder pflanzen, prächtige Hirsche schreiten durch ein fürstliches Gehege. Godeffroys Hirschpark ist der größte Park an der Elbe, wer will, darf hinein und ihn bewundern und sieht vielleicht auch den König der Südsee in seiner weißen Kutsche mit vier Schimmeln zur Arbeit fahren. Doch am Ende scheitert Cesar VI an der Größe seines Imperiums. Der Kapitalbedarf übersteigt die Liquidität. Am 1. Dezember 1879 stellt das Haus Joh. Ces. Godeffroy & Sohn seine Zahlungen ein. Der Firmensitz wird mit dem Wandrahmviertel am Hafen abgeräumt, wo innerhalb von drei Jahren der größte Lagerkomplex der Welt entsteht, Hamburgs Speicherstadt. Cesar VI stirbt am 9. Februar 1885 in Dockenhuden und wird in der Godeffroy’schen Familiengruft auf dem Friedhof der Reformierten Gemeinde am Dammtor beigesetzt. Die Firma wird aus dem Handelsregister gelöscht. 1894 stirbt seine Frau Emilie, geb. Hanbury. Und so kommt es, dass Cesar VI noch einmal umzieht: Er erhält einen eher bescheidenen Ruheplatz auf der Familiengrabstätte in Nienstedten, die sein Bruder Adolph dort 1891 einrichten ließ. Bis zum heutigen Tag sind dort über dreißig Mitglieder der Familie beigesetzt worden. Der Familienzweig Pierre Godeffroys hat seit 1899 in Nienstedten eine eigene Ruhestätte. Erworben hat sie Wilhelm von Godeffroy (1834–1904), einer der reichsten Männer Deutschlands, scheu und überaus sparsam, aber im Stillen ein großzügiger Spender und Wohltäter. Er schenkt einen großen Teil seines Landsitzes Ole Hoop der Gemeinde Blankenese, damit die dort endlich eine eigene Kirche und zwei Pastorenhäuser bauen kann. Bis 1896 mussten die Blankeneser jeden Sonntag den weiten Fußweg zur Kirche nach Nienstedten auf sich neh-

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Leverenz • Leverkus • von Levern • Levernz • Lich • Lichtenfeld • Liebahl • Liebenschütz • Liebernickel Liebers • Lieberuth • Liebrecht • Liebsch • Lied • Liedtke • Liemen • Lienau • Liermann • Liesenfeld


Links: der bei Harburg geborene Bauernsohn und Gründer der Kaffee-Großrösterei Johann Joachim Darboven. Mitte: die lebensgroße Skulptur der Familiengrabstätte von Zirkusdirektor Wilhelm Hagenbeck (rechts).

men, wobei die Familie Godeffroy ihnen großzügig eine Abkürzung am südlichen Rande des Hirschparks einräumte und sogar einen Tunnel einrichtete, damit sich ihre Wege nicht unnötig kreuzten. Die Gründerjahre gehen zu Ende. Die Patriarchen treten ab. 1909 wird in Nienstedten Johann Joachim Darboven zu Grabe getragen, 1841 als Sohn eines Bauern und Milchhändlers in Lauenbruch an der Elbe geboren. Mit fünfundzwanzig hat er in Hamburg die Kaffeerösterei J. J. Darboven gegründet, die heute in dritter Generation geführt wird. Als besonders fortschrittlicher Gründer geht der Menageriebesitzer und Zirkusdirektor Wilhelm Hagenbeck (1850–1910) in die Geschichte ein. Der jüngere Bruder von Carl Hagenbeck (1844–1913), der 1907 in Stellingen Hagenbecks Tierpark eröffnet, spezialisiert sich auf die angstfreie Dressur großer Tiere ohne Peitschenhiebe und Stockschläge. Dabei gelingen ihm Glanznummern wie der Löwe zu Pferde und Rad fahrende Elefanten. Höhepunkt seiner Familienaufstellung ist eine Gruppe aus zwei Löwen, zwei Shetlandponys, zwei Tigerdoggen und einem Steinbock. Sein übermannshoher, bemooster Grabstein liegt im Schatten, von der lebensgroßen Skulptur einer grübelnden Schönen in nachgedunkeltem Stein bewacht. Sein Sohn Carl Hagenbeck (1880–1949) und dessen Frau Friederike Hagenbeck (1886–1962) liegen ihm zu Füßen, eine Anordnung, die häufiger in patriarchalisch organisierten Grabstellen zu beobachten ist. In den ersten hundert Jahren seiner Geschichte wird der Nienstedtener Friedhof mehrfach erweitert, um Platz zu schaffen für die Toten der Dörfer an der Elbe und der wachsenden Städte Altona und Hamburg. 1814 gegründet, am Ende eines großen europäischen Kriegs, rennen die Menschen nun mit vaterländischem Jubel in den Abgrund, der sich vor ihnen auftut. Die drohende Kriegsgefahr ruft bei Simon Stehr (1856–1932), Blankeneser Kapitän im Seebäderdienst, keine Begeisterung hervor, sondern praktisches Denken. Als In-

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Lilie • Lilienthal • Lill • van der Linde • von der Linde • Lindeiner-Wildau • Lindemann • Lindener Lindenhorst • Linder • Lindesay • Lindgens • Lindner • Linicke • Link • Lintzer • Lipinski • Lipp • Lippke


Grabstein des Blankeneser Kapitäns Simon Stehr. Mitte und rechts: Bernhard von Bülow seine Frau Marie.

spektor der Hapag evakuiert er die Bevölkerung Helgolands ins sichere Schleswig-Holstein. Gerade rechtzeitig. Am 28. August 1914 kommt es zum ersten Seegefecht zwischen englischen und deutschen Kriegsschiffen vor Helgoland. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf, der Erste Weltkrieg, die erste technisch-industriell durchgeführte Massenvernichtung von fast neun Millionen Soldaten, darunter über zwei Millionen aus Deutschland. Simon Stehr findet, wie viele seiner Kollegen, auf dem Nienstedtener Friedhof zur letzten Ruhe. Aber da ist der große Krieg schon lange vorbei. Es ist müßig zu fragen, ob der in Klein Flottbek geborene Staatsmann Bernhard von Bülow (1849–1929) auf die politischen Entwicklungen, die letztlich zum Ersten Weltkrieg führten, hätte Einfluss nehmen können. Er hat es getan. Der Diplomat, seit 1897 Staatssekretär des Äußeren, was im Kaiserreich dem Außenminister entspricht, waltet eines Amtes, das auch schon sein Vater Bernhard Ernst von Bülow (1815–1879) unter Bismarck ausgeübt hatte. Der Sohn studiert Jura, dient als Husar, wird Offizier und Diplomat in St. Petersburg, Wien, Rom, Athen und Paris. In Rom heiratet er 1886 die bildschöne Maria Beccadelli di Bologna, Principessa di Camporeale. Selbstbewusst vertritt der Staatssekretär deutsche Kolonialinteressen in China und anderswo. »Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.« Vor dem Parlament kündigt er an, »ohne unnötige Schärfe, aber auch ohne Schwäche unsere Rechte und unsere Interessen zu wahren«. Bismarcks Politik des Ausgleichs gehört der Vergangenheit an. »Er soll mein Bismarck werden«, verkündet Kaiser Wilhelm II., als er Bülow am 17. Oktober 1900 zum Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten ernennt. Der setzt auf eine »Außenpolitik der freien Hand«, unterstützt den forcierten Bau von Kriegsschiffen und lässt keine Gelegenheit aus, Großbritannien, das an Gesprächen über ein Bündnis interessiert ist, vor den Kopf zu stoßen. Durch seine vom Kaiser unterstützte Politik ist das Deutsche Reich bald zuneh-

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Lippold • Lisse • Lissey • List • Loch • Lodders • Löden • Lodewigs • Löding • Loeck • Loerzer • Loesener Loeser • von Loeßen • Loewen • Loewener • Löffelholz • Löffler • Logischen • Lohalm • Lohfe • Lohmann


Die Gruftplatte von Bernhard Fürst von Bülow, die seiner Frau liegt daneben. Rechts: Grabstätte der Familie Alfred Zeise.

mend isoliert. Bülow spricht von »Einkreisung«, bringt die »Nibelungentreue« zu Österreich-Ungarn ins Spiel. Der Gesellschaftslöwe, der fließend vier Sprachen spricht, nutzt seine rhetorischen Fähigkeiten als Waffe. Sein diplomatisches Credo gipfelt in dem Bonmot: »Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.« Als ein provozierend überhebliches Interview, das der Kaiser in England gegeben hatte, im Deutschen Reich zur Staatskrise führt, lässt Bülow den Kaiser im Regen stehen; dabei wäre es seine Aufgabe gewesen, den Text vorher gegenlesen zu lassen. Er fällt in Ungnade. 1909 reicht er seinen Rücktritt ein. Nach einigen missglückten diplomatischen Einsätzen beschließt der Fürst seine Tage in der Villa Malta in Rom mit einer Rente, die ihm der Ullstein-Verlag bezahlt, als Vorschuss für seine Erinnerungen, die Denkwürdigkeiten, die aber erst nach seinem Ableben erscheinen dürfen. Am 28. Oktober 1929 stirbt er in Rom. Er hat seine Frau nur um neun Monate überlebt. Gemeinsam mit Fürstin Maria wird er auf dem Friedhof Nienstedten, gleich neben den Sievekings, fürstlich begraben. Die Trauergäste tragen Pickelhauben, Helmbusch und Zylinder. Es regnet. Die Zeit zwischen den Kriegen bringt den Abschied von Männern, die Großes bewegten. 1922 wird ein bedeutender Konstrukteur und Unternehmer in Nienstedten zu Grabe getragen: Alfred Zeise (1861–1922), Spross einer weitverzweigten Dynastie. Die Geschichte der Buddenbrooks von Altona liest sich wie ein Familienroman, der zwei Jahrhunderte umspannt. Pastor Heinrich Zeise

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Lohse • van Loon • Lopez • Lorenscheidt • Lorenscheit • Lorentzen • Lorenz • Lorenzen • Lorenz-Meyer Lorger • Lösch • Loschj • Lose • von Lösecke • Loseries • Lothar-Arno • Lottchen • Lotz • Louis • Loursen


(1718–1794), Ahnvater der aus Nordschleswig eingewanderten Familie, macht sich einen Namen als wortgewaltiger Prediger in Platt. Sein Enkel Heinrich II Zeise (1793–1863), Apotheker, Gründer einer Chemiefabrik und Konstrukteur der ersten medizinischen Badeanstalt in Altona, gilt als Erfinder eines mobilen Kochherdes für die Armenspeisung, der alsbald unter dem Namen Gulaschkanone in Krieg und Frieden unentbehrlich werden sollte. Sein Sohn, Heinrich III Zeise (1822–1914), übernimmt die chemische Fabrik des Vaters, widmet sich aber vor allem der Dichtkunst und schmiedet eine Fülle gut gemeinter Verse. Bruder Theodor Zeise (1826–1890) gründet 1868 in der 2. Bornestraße (heute Bergiusstraße) in Ottensen eine Maschinenfabrik und Eisengießerei, die sein Sohn Alfred Zeise übernimmt. Er spezialisiert sich auf die Herstellung mächtiger Schrauben für große Schiffe, die weltweit zum Verkaufsschlager werden. Später entwirft er Luftpropeller, konstruiert Gleitflugzeuge. 1979 geht die Firma in Konkurs. Doch die Fabrikhallen stehen unter Denkmalschutz und sind heute als Medienfabrik ein lebendiges Zentrum der Altonaer Kulturszene. Auch nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg fiebert unheilvoller Patriotismus als Grunderkrankung der Gesellschaft, macht sie anfällig für die Massenepidemie, die bald das deutsche Volk infizieren sollte. Handwerker und Arbeiter, Gelehrte, Künstler und Pastoren, Juristen und Wirtschaftsführer werden vom Virus des Nationalsozialismus erfasst. Zu ihnen zählen auch die Häupter der Familie Reemtsma. Die Familie stammt aus Ostfriesland. Johann Bernhard Grabmal der Familie Hermann Fürchtegott Reemtsma mit in Bronze gegossenem Engelskopf.

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Louwien • Lovernz • Loyal • Lübbe • Lübcke • Lubich von einem Wohlenberg • Lubiens • Lubitz Lübkert • Lubrich • Luchterhand • Lucius • Lück • Lücking • Lüdecke • Lüdemann • Lüder • Lüders


Die Brüder Hermann Fürchtegott (links) und Philipp Fürchtegott Reemtsma; die hinter Hecken versteckt liegende und durch eine schmiedeeiserne Pforte zugängliche Grabanlage der Familie des ein Jahr jüngeren Philipp F. Reemtsma.

Reemtsma (1857–1925) hat zwei Jahre vor seinem Tod den Sitz der Reemtsma Cigarettenfabriken von Erfurt nach Hamburg verlegt. Seine Söhne Hermann Fürchtegott Reemtsma (1892–1961), Philipp Fürchtegott Reemtsma (1893–1959) und Alwin Fürchtegott Reemtsma (1895–1970) übernehmen die Führung des Unternehmens. Die Aktiengesellschaft wird der bedeutendste Zigarettenhersteller Deutschlands und produziert drei Viertel der mehr als 40 Milliarden Zigaretten, die in der Vorkriegszeit verkauft werden. Philipp F. Reemtsma, in der Firmenleitung zuständig für Marketing und Verkauf, sucht früh die Nähe zu den Nazis. Er sagt Hitler schon vor der Machtergreifung seine Unterstützung durch Anzeigen in Parteiorganen und Serien von Millionen Sammelbildern zu. Alwin F. Reemtsma bringt es zum Standartenführer der Waffen-SS. Die NSDAP kann sich auf einen steten Spendenfluss aus dem Hause Reemtsma verlassen. Im Krieg steigt der Absatz von Zigaretten, weil jeder Soldat Sonderrationen erhält. Nach Kriegsende werden Philipp und Alwin Reemtsma angeklagt und zu hohen Geldstrafen verurteilt, Philipp zu zehn Millionen Mark. Hermann F. Reemtsma, im Unternehmen mehr fürs Technische zuständig, hatte sich im Hintergrund gehalten und früh den von den Nazis verfemten Künstler Ernst Barlach (1870–1938) unterstützt. Nach dem Krieg vermacht er seine beachtliche Sammlung mit Werken des Künstlers der Öffentlichkeit und verschafft ihr mit dem Bau des Barlach-Hauses im Jenisch-Park ein würdiges Domizil. Heute ist keines der Familienmitglieder mehr an dem Unternehmen beteiligt. Auf dem Nienstedtener Friedhof liegen die Reemtsmas etwas versteckt, aber in zwei aufwändig gestalteten Familiengrabstätten unweit voneinander entfernt. Die eine Anlage ist durch ein Heckenhalbrund gefasst, die man durch eine kunstvoll geschmiedete Pforte betritt; das Relief im Mittelteil der Grabwand zeigt einen Pilger. Das andere Grabmal wird von einem in Bronze gegossenen Engelskopf geschmückt.

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Ludwig • Lueder • Luerssen • Luhr • Lühr • Lührs • Lukas • Lüke • Lundt • Lungwitz • Lunkenheimer Lürh • Lürig • Lust • Lütgen • Lütgens • Luth • Luther • Lüthje • Lüthke • Lütjen • Lütjens • Lüttge


Gedenktafel und Bild des Nienstedtener Dorfarztes Georg Bonne. Rechts: Familiengrabstätte des Blankeneser Kapitäns Dittmer Behrmann.

Dass auch der Nienstedtener Dorfarzt Georg Bonne (1859–1945) im hohen Alter von der »welterlösenden Idee des Nationalsozialismus« überzeugt ist, wirft einen tiefdunklen Schatten auf sein Leben und sein beachtliches Lebenswerk. Sein großes Thema: Alkohol als soziales Gift. Er tritt den Guttemplern bei, kämpft in Schriften und Vorträgen gegen Alkoholismus und seine Folgen. Der streitbare Sozialreformer gründet in Nienstedten den Bauverein der Elbgemeinden (heute mit 13.450 Wohnungen eine der größten Wohnungsbaugenossenschaften der Stadt), engagiert sich für Wohnraum mit Gärten für Arbeiterfamilien und kämpft als Pionier einer noch nicht existierenden Umweltbewegung für die Reinhaltung der Flüsse. Bonne behandelt viele Patienten ohne Bezahlung und stirbt schließlich überschuldet und verarmt. Er wird in allen Ehren auf seinem Heimatfriedhof begraben. Eine Straße in Nienstedten trägt seinen Namen. Ein Friedhof, der so nah am Wasser gebaut ist, wird naturgemäß zum letzten Hafen für Seeleute, Kapitäne und Lotsen. Unter den Fahrensleuten, die nur ein Schiff besitzen, Kapitän und Reeder zugleich sind, kommt der Blankeneser Dittmer Behrmann (1830–1906) mit einer schönen Geschichte nach Hause. Als seine Brigg Elite vor Port Alfred (Südafrika) in schwerem Sturm auf Grund läuft, gehen Kapitän und Mannschaft von Bord und machen sich auf den Weg ins rund 700 Kilometer entfernte Kimberley, weil es dort Diamanten geben soll. Der Landgang lohnt sich. Jeder von ihnen, allen voran Käpt’n Behrmann, kommt mit einem Beutel Diamanten nach Hause. Reich wird er damit nicht, aber die Rohdiamanten haben ihn lange über Wasser gehalten. Ein Abenteurer und Geschichtenerzähler ist auch Carl Kircheiss (1887–1953), wohnhaft Elbchaussee 291. Gern und oft berichtet er davon, wie er auf dem Hilfskreuzer SMS Seeadler unter dem Kommando von Felix Graf Luckner Schiffbruch erlitt; wie sie mit sechs Mann im offenen Boot von sechs Meter Länge 2300 Seemeilen über den Pazifik segelten; wie sie interniert wurden, fliehen und

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Lüttke • Luttropp • Lutz • Luwe • Lyss • Maack • Maas • Maasen • Maass • Maaß • Maaßen • Mächtig Mack • Macke • Mackeprang • Mackert • Mackprang • Madauss • Mader • Madian • Madzeit • Maetschke


Kapitän Carl Kircheiss (links) segelte um die Welt, Kapitän Gustav Schröder rettete 1939 Hunderten von Menschen das Leben.

einen Schoner entern konnten, wie sie wieder gefangen wurden. Der Krieg als Abenteuer. Kircheiss, einer von drei Ghostwritern von Graf Luckners Bestseller Seeteufel, reist als Vortragsredner durch Deutschland. Er kauft einen Spitzgattfischkutter, den er Hamburg tauft, segelt damit um die Welt. Tausende stehen an der Elbe, als er nach Hause kommt. Der Mann, der allen Stürmen und Gefahren der Weltmeere getrotzt hatte, findet seinen Tod im Verkehrsstrom hinter seinem Haus. Auf der Elbchaussee wird er von einem Auto überfahren. Das »Dritte Reich« wirft seinen Schatten über Europa. Die Weltmeere sind frei. Aber wie lange noch? 1939 bringt Gustav Schröder (1885–1959) als Kapitän der St. Louis, einem Hapag-Vergnügungsdampfer, 906 deutsche Juden auf der Flucht vor dem Naziterror von Hamburg nach Havanna. 20 gehen von Bord, den anderen wird die Einreise verweigert. Das Schiff nimmt Kurs auf Florida, doch auch in den USA dürfen die Passagiere nicht an Land. Schröder erhält den Befehl, die Rückfahrt anzutreten. Die Passagiere geraten in Panik, drohen, sich ins Meer zu werfen. Schröder erreicht nach unendlich vielen Funksprüchen und der Drohung, das Schiff vor England auf Grund zu setzen, dass die Flüchtlingsfamilien endlich, am 17. Juni 1939, in Antwerpen von Bord gehen dürfen. Etwa ein Viertel reist weiter nach England, die anderen werden in Belgien, Frankreich und den Niederlanden aufgenommen. Dass diese Länder bald unter deutscher Besatzung stehen werden, ahnen sie nicht. Sie werden gefangen, deportiert und ermordet. Kapitän Schröder erhält 1957 das Bundesverdienstkreuz am Bande, zwei Jahre später stirbt er im Alter von 73 Jahren. Seine letzte Ruhe findet er auf dem Friedhof Nienstedten. Der Staat Israel nimmt ihn posthum in den Kreis der »Gerechten unter den Völkern« auf. In dem von Stuart Rosenberg 1976 gedrehten Film Die Reise der Verdammten spielt Max von Sydow die Rolle des Kapitäns. An den Arzt und Psychoanalytiker John Karl Friedrich Rittmeister (1898– 1943) erinnert ein schlichtes Kreuz im ältesten Teil des Nienstedtener Friedhofs.

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Maetzig • Mæyer • Mager • Mähl • Mahler • Mahlmann • Mählmann • Mahlo • Mahn • Mahnke Mahnke • Mährlein • Maier • Maier-Witt • Maike • Mailänder • Maillandt-Jürgensen • Maisel • Malbrang


Ein bescheidenes Holzkreuz erinnert an den Arzt, Psychotherapeuten und NS-Widerstandskämpfer John F. Rittmeister. Rechts: John T. Essberger.

Wohlbehütet wächst Rittmeister in einer Hamburger Kaufmannsfamilie heran. Als Assistenzarzt in der Psychiatrischen Klinik Burghölzli in Zürich begegnet er C.G. Jung. Er engagiert sich in marxistischen Zirkeln und hilft politischen Emigranten aus Deutschland. Wegen »kommunistischer Umtriebe« wird seine Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz nicht verlängert. Er kehrt nach Deutschland zurück, arbeitet als Oberarzt in der Nervenklinik Waldhaus in Berlin und in der Poliklinik des Göring-Instituts von Matthias Heinrich Göring, einem Vetter des Reichsmarschalls Hermann Göring. Unauffällig setzt er sich für verfolgte Juden und ausländische Arbeiter ein und gründet einen Kreis junger Oppositioneller. Gemeinsam mit Harro Schulze-Boysen, Offizier im Reichsluftfahrtministerium, verfasst er kritische Schriften zur militärischen und politischen Lage im Nazireich. Er wird von der Gestapo verhaftet und als Mitglied der Widerstandsgruppe Rote Kapelle wegen »Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung« zum Tode verurteilt. Er stirbt in Plötzensee durch das Fallbeil. Das schlichte Mahnmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs auf dem Nienstedtener Friedhof zitiert Paulus’ zweiten Brief an die Korinther: »Lasset Euch versöhnen mit Gott« und zeigt die Jahreszahlen 1939 und 1945. Dazwischen liegt, unausgesprochen, unvergessen, der Schrecken tausendjähriger Finsternis. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Hamburg zur Hälfte zerstört, der Hafen funktionsunfähig, 2900 Wracks liegen in den Hafenbecken und in der Elbe. Auch John Theodor Leonard Essberger, kurz John T. Essberger (1886–1959), hat seine Flotte verloren. Der gebürtige Brite ist ein begeisterter Deutscher. Schon vor dem Ersten Weltkrieg hatte er sich einbürgern lassen und Torpedoboote der kaiserlichen Marine kommandiert. Anfang der 1920er Jahre gründet er in Hamburg eine Reederei unter seinem Namen, wird Vorsitzender des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) und im »Dritten Reich« Führer der deutschen Seeschiffahrt. Der braucht ein standesgemäßes Domizil. Er kauft den Landsitz Thierrys Park und

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Malchow • von Maltzahn • Malzer • Mandischer • Manitius • Mann • Mannhardt • Manthey • Mantke Mantzel • Manzke • Marano • von Marchtaler • Marcus • Margull • Märkert • Markowits • Marnitz


Hans Harder Biermann-Ratjen machte sich für die Kultur in Hamburg stark und dafür, dass nach 1945 gegen NS-Richter vorgegangen wurde. Der Osdorfer Gastronom Otto F. Behnke gründete die Schiffsbegrüßungsanlage am Schulauer Fährhaus.

das Weiße Haus an der Elbchaussee, das Pierre Godeffroy dort einst erbauen ließ. Nach dem Krieg gelingt dem Tankfahrtpionier trotz seiner Verstrickungen mit dem NS-System der Aufstieg zum größten deutschen Privatreeder. Seine Tochter Liselotte von Rantzau-Essberger (1918–1993) führt die Geschäfte nach seinem Tod weiter, heute leiten ihre Söhne Heinrich und Eberhart von Rantzau die Tankschiff- und Linienreederei. Auf der Familiengrabstelle steht eine große neoklassizistische Wand mit dem Relief eines Segelschiffs: Es ist das vereinfachte Abbild der Bark Seute Deern, die John T. Essberger kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Dienst genommen hatte. Das Wirtschaftswunder treibt kuriose Blüten. Dem Osdorfer Gastronomen Otto Friedrich Behnke (1899–1964) verdankt das Elbufer eine weltberühmte Attraktion: die Schiffsbegrüßungsanlage am Schulauer Fährhaus, wo jedes vorbeifahrende Schiff ab 1000 Tonnen mit Richard Wagners »Steuermann, lass die Wacht!« aus dem Fliegenden Holländer, kurzem Willkommens- oder Abschiedsgruß in Landessprache und passender Nationalhymne beschallt wird, dazu gibt es noch Informationen über das Schiff und seinen Kurs, vorgetragen von leibhaftigen Kapitänen im Schichtdienst. Die Hamburger Politik der Nachkriegsjahre ist auf dem Nienstedtener Friedhof durch mehrere Persönlichkeiten vertreten. Der Notar und Schriftsteller Hans Harder Biermann-Ratjen (1901–1969), als Vorsitzender des Hamburger Kunstvereins 1936 von den Nazis abgesetzt, tritt 1947 in die FDP ein und bleibt als Bürgerschaftsabgeordneter und Kultursenator von 1953 bis 1966 in Erinnerung. Zu seinem Aufgabengebiet zählt auch die Justiz. Gegen den Widerstand der

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Marquardt • Martens • Märtens • Martensen • Marterer • Martin • Martinka • Martinsen • Marx Marxen • Marxsen • Masch • Maschke • Mascow • Massmann • Masuch • Masuhr • Mathies • Mattern


Im nordöstlichen Teil des Friedhofs liegt das Grab des Ersten Bürgermeisters Paul Nevermann. Die Grabstätte von Claere und Ernst Jung befindet sich zwischen hohen Rhododendren im westlichen Bereich.

Staatsanwaltschaft leitet er disziplinarische Untersuchungen gegen NS-Richter ein und lässt alle Todesurteile von Sondergerichten in Altona und Hamburg überprüfen. Als engagierter Kulturpolitiker holt er Persönlichkeiten wie Gustaf Gründgens, Josef Keilberth, Rolf Liebermann oder Günther Rennert nach Hamburg. Unter ihm wird die Landeskunstschule am Lerchenfeld zur Hochschule Bildender Künste; er sichert die Grundversorgung der Stadt mit öffentlichen Bücherhallen. Unter den Liberalen der Hansestadt bleibt er eine einsame Größe. Seit 1978 werden Personen, die sich um die Kultur der Stadt verdient gemacht haben, mit der Biermann-Ratjen-Medaille geehrt. Auch Paul Nevermann (1902–1979), Arbeitersohn aus Klein Flottbek, gelernter Schlosser und Maschinenbauer, steht als aktiver Sozialdemokrat in der Weimarer Republik dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber. Als Anwalt für politisch Verfolgte gerät er bald selbst unter Druck, wird mit Berufsverbot belegt und nach dem missglückten Attentat auf Hitler verdachtsweise für zwei Wochen in ein Konzentrationslager gesperrt. Nach dem Krieg dient Nevermann Hamburg als Sozialsenator unter Rudolf Petersen (CDU) und als Bausenator unter Max Brauer (SPD), in der Zeit des Wiederaufbaus eine Herkulesaufgabe. Von 1961 bis 1965 ist er Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg. In seine Amtszeit fallen die Flutkatastrophe 1962, die Spiegel-Affäre und die Staatsbesuche von Charles de Gaulle und Queen Elizabeth II., wobei letzterer Besuch in Hamburg eine »Staatskrise« (FAZ) auslöst. Die Gründe dafür sind

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Matthae • Matthaei • Matthies • Matthiesen • Mau • Maus • Mausolt • Mäver • Max • Mayer Mayer-Krehl • Mayr • Mechelke • Meckelburg • Meerz • Meffert • Mehlberg • Mehr • Mehrens


Die Schriftsteller Hans Henny Jahnn und Hubert Fichte (rechts). Der Grabstein von Fichte ist klein und unauffällig, Jahnns monströse Gruftplatte groß und massig.

heute schwer nachzuvollziehen. Die Ehe des Bürgermeisters kriselt. Seine Frau Grete weigert sich, an seiner Seite die Queen zu empfangen, wie es das Protokoll vorschreibt. Nevermann sieht sich heftigen Angriffen der Springer-Presse gegenüber, gerät auch in der eigenen Partei unter Druck und tritt am 9. Juni 1965 zurück. Er wird, in einer Kampfabstimmung gegen Helmut Schmidt, Landesvorsitzender der SPD. Von 1967 bis zu seinem Tod 1979 ist er Präsident des Deutschen Mieterbundes. Der Friedhof erzählt viele Geschichten. Von Wohltätern wie dem Reeder und Unternehmer Ernst Jung (1896–1976), Gründer einer Stiftung, die Altenheime unterhält, und der Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung, die jährlich den Ernst-Jung-Preis als höchstdotierten deutschen Medizinpreis vergibt. Von Künstlern, die das kulturelle Leben über die Grenzen Hamburgs hinaus geprägt haben, wie Hans Henny Jahnn (1894–1959), Sohn eines Schiffbauers, bisexuell, radikaler Pazifist, Orgelsachverständiger, Komponist, Dramatiker, Romancier, von den Nazis schikaniert, Landwirt auf Bornholm, Mitbegründer und erster Präsident der Freien Akademie der Künste. Einem, der Tabus zum Einsturz brachte, der den Menschen als einzigen Teil der Natur beschreibt, der seinesgleichen und anderen Geschöpfen planvoll Schmerz zufügt und Leben vernichtet. Hubert Fichte (1935– 1986) und er kennen sich gut. Fichte,

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Mehrkens • Mehsner-Sabow • Meier • Meier-Cillien • Meierdierks • Meine • Meinecke • Meinhold Meinhold-Haßelbach • Meins • Meis • Meiselbach • Meiss • Meissler • Meißler • Meissler du Vinage


Von der Bank, die Dorothee Sölles Grab gegenüber steht, kann man beobachten, wie die kleine Steinsammlung sich auf ihrem Stein immer wieder verändert. Das Grab der Theologin bekommt viel Besuch.

Kinderschauspieler, Schafhirte, Landwirt und Schriftsteller, ewig Suchender in Bahia, Chile und Haiti, Tansania, Äthiopien und St. Pauli. Sein letztes großes Werk, Die Geschichte der Empfindlichkeit in 19 Bänden, bleibt unvollendet. Und dann ist da Dorothee Sölle (1929–2003), Theologin, Mystikerin, Pazifistin, Feministin, Schriftstellerin und Rednerin, zeitlebens streitbar und respektiert. Mutig kämpft sie für die Friedensbewegung, für die Frauenbewegung, für die Umweltbewegung, widerspricht als Theologin der Lehre von der Allmacht Gottes. Nein, sagt sie, Gottes Wirken ist von unserem Handeln bestimmt, »Gott hat keine anderen Hände als unsere«. Damit steht sie quer im Raum, wird vom Establishment aus dem Universitätsbetrieb ferngehalten. Sie erhält eine Professur für Systematische Theologie am Union Theological Seminar in New York. Sie reist nach Nordvietnam und als Wahlbeobachterin nach Nicaragua, spricht in Vancouver zum Thema »Nach Auschwitz leben« und beschreibt sich als »eine Frau, die aus einem der reichsten Länder der Welt kommt; einem Land mit einer blutigen, nach Gas stinkenden Geschichte. Reich ist die Welt, in der ich lebe, vor allem an Tod und besseren Möglichkeiten zu töten.« 1994 verleiht ihr die Universität Hamburg die Ehrenprofessur. Zu ihrem Abschiedsgottesdienst in St. Katharinen kommen nicht nur viele Theologen; ihre Beerdigung auf dem Nienstedtener Friedhof findet in kleinem Kreis statt. Seit 2011 vergibt das ökumenische Netzwerk »Initiative Kirche von unten« den Dorothee-Sölle-Preis für aufrechten Gang, der alle drei Jahre verliehen werden soll. Wenn es ein beliebtes Pilgerziel auf dem Nienstedtener Friedhof gibt, dann ist es das Grab der Volksschauspielerin Heidi Kabel (1914–2010), Hamburger Deern, geboren im Haus Große Bleichen Nr. 30, heute Adresse des Hanse-Viertels, direkt gegenüber dem späteren Ohnsorg-Theater, in dem sie ein Bühnenleben lang als Volksschauspielerin der siechen plattdeutschen Sprache durch Mund-

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Meissner • Meister • Mejer • von Mejer • Melchin • Melchior • Melde • Mellinghof • Melzer • Menck Menger • Mengling • Menke • Mennicke • Menssen • Mentzel • Menze • Menzel • Merck • Merkel


Die OhnsorgSchauspielerin Heidi Kabel lebte lange Jahre in ihrem gelben Haus direkt an der S-Bahn in Nienstedten. Nun ist sie mit ihrem Mann Hans Mahler (unten) auch hier begraben.

zu-Mund-Beatmung das Leben gerettet hat. Sechsundsechzig Jahre steht sie auf der Bühne des OhnsorgTheaters, spielt in mehr als 250 plattdeutschen Stücken, auch als ständiger Dauergast im Abendprogramm des Fernsehens. Die Trauerfeier im Michel wird vom NDR übertragen. Tausende sind gekommen, um Abschied zu nehmen. Am Tag danach wird sie neben ihrem Mann Hans Mahler bestattet, im engsten Familienkreis, frühmorgens, da schlafen sie noch, die Journalisten und Fotografen. Ihr Grabstein trägt die Inschrift »To’t Leben hört de Dood« – Zum Leben gehört der Tod. Vorhang. Applaus. Das Leben geht weiter.

Ein Friedhof erzählt

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Merleker • Merner • Mertens • Mertzke • Merzyn • Messerschmidt • Mestwerdt • Metschies • Metz Metzel • Mewis • Meyer • Meyer-Gimm • Meyerink • Meyer-Lüerßen • Meyer-Peters • Meyerstrack


Meyran • Michaelis • Michahelles • Michalsky • Michel • Michels • Michelson • Miehlmann • Mielke Mierow • Miersen • Mildner • Militzer • Militzer-Bröhnke • Mirre • Mistelsky • Mitchell • Mittermüller


















Welche Vielfalt, welcher Reichtum Ein Streifzug durch die Pflanzenwelt des Nienstedtener Friedhofs Von Hans-Helmut Poppendieck

H

ochsommer 2013, ich durchstreife den Nienstedtener Friedhof. Obwohl 30 Grad im Schatten gemessen werden, ist es hier – im Wechselspiel von Licht und Dunkel – angenehm kühl. Ich komme an beeindruckenden Baumkulissen vorbei, vor deren Schwarzgrün die anderen Pflanzen wirkungsvoll zur Geltung kommen: Gebündelte Sonnenstrahlen bringen Rosenblüten vor grünschwarzen Eibenhecken zum Leuchten. Es herrscht eine ruhige, fast feiertägliche Stimmung –, aber warum? Was macht das Besondere dieses Friedhofs aus, was bestimmt seinen Genius Loci? Ich habe mir alle Hamburger Friedhöfe im Luftbild mit Google Earth angesehen. Man könnte dies als vegetationskundliche Fernerkundung bezeichnen. Erstaunlich ist, wie unterschiedlich die Friedhöfe aus der Himmelsperspektive wirken. Es ist vor allem ihr jeweiliger Baumbestand – also Alter, Quantität und Vielfalt der Bäume –, der den Charakter eines Friedhofs auszumachen scheint. Stehen zwischen den Gräberreihen nur einzelne Bäume wie in Kirchwerder und an der Bernadottestraße, so werden die Friedhöfe im Erfassungsschema der städtischen Biotope als Zierfriedhöfe klassifiziert. Beim Jüdischen Friedhof an der

Hans-Helmut Poppendieck, geb. 1948 in Hamburg, ist Biologe und Botaniker. Lange Jahre hat er das Herbarium der Universität Hamburg geleitet, zuletzt in Klein Flottbek. Er ist 1. Vorsitzender des Botanischen Vereins zu Hamburg.

Waldartige Partien auf dem Nienstedtener Friedhof

Welche Vielfalt, welcher Reichtum

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Mobba • Möbius • Modest • Moenig • Mohr • Möhr • Mohrbeck • Möhrle • Mohrmann • Moldenhauer Möldner • Möler • Molge • Molkenbuhr • Moll • Moller • Möller • von Möller • Möllmann • Molter


Königstraße ist dagegen der Baumbestand so dicht, dass man von einem Waldfriedhof sprechen kann. Ohlsdorf, der Altonaer Zentralfriedhof am Volkspark, der Niendorfer und auch der Nienstedtener Friedhof zeichnen sich durch hohen, aber lockeren Baumwuchs und einzelne waldartige Partien aus. Es handelt sich um sogenannte Parkfriedhöfe. Aber unser Friedhof ist anders als die anderen Parkfriedhöfe. Im Luftbild unterscheidet ihn vor allem sein dunkles Grün von Ohlsdorf oder Niendorf, und es hebt ihn auch von der umgebenden Parklandschaft der Elbvororte ab. Es sind die vielen großen und unterschiedlichen Nadelbäume, die den Nienstedtener Friedhof prägen. Meine erste botanische Annäherung an den Nienstedtener Friedhof galt dem städtischen Ökosystem und war ausgesprochen prosaisch. Im Sommer 1998 hatte ich hier eine Kartierung durchzuführen. Ausgerüstet mit Karte, Diktiergerät, Kamera und Bestimmungsbuch ging es kreuz und quer durch das gesamte Gelände. Jede wild wachsende Pflanzenart wurde notiert: Günsel und Gänseblümchen im Rasen, Hirtentäschelkraut auf den Sandwegen oder Wurmfarn im Zwickel zwischen zwei Grabstätten. Für Stadtökologen sind Friedhöfe interessant, weil sie hier viele verwildernde Zierpflanzen entdecken können. Das macht einen Friedhof spannend. Den Friedhof als Ökosystem zu betrachten, das ist eine Sichtweise. Zugleich ist ein Friedhof aber immer auch ein historischer Park, ein Gartendenkmal besonderer Art. In der Charta von Florenz, auch Charta der historischen Gärten genannt, dem wichtigsten Dokument zur Gartendenkmalpflege aus dem Jahre 1981, heißt es: »Der historische Garten ist ein Bauwerk, das vornehmlich aus Pflanzen besteht, folglich vergänglich und erneuerbar ist.« So hat sich auch die Pflanzenwelt des Nienstedtener Friedhofs im Lauf der vergangenen zweihundert Jahre wieder und wieder verändert und erneuert. Sein Baumbestand dürfte größtenteils kaum älter als 70 Jahre sein. Der Grundriss aber – und einzelne prominente Gräber – legen Zeugnis ab von der Kultur des frühen 19. Jahrhunderts, einer Zeit, in der man eben erst begonnen hatte, die Friedhöfe weg von den Kirchen und aus den Städten hinaus in die Feldmark zu verlegen. Die strenge geometrische Anordnung der Gräber galt damals als Norm, geschwungene Wege wie auf dem Ohlsdorfer Friedhof waren noch den privaten und öffentlichen Lustgärten vorbehalten, wie auf der ornamented farm von Caspar Voght in Flottbek, die Gutshof und Park zugleich gewesen ist. Bei unserem Streifzug durch die Pflanzenwelt des Nienstedtener Friedhofs wollen wir beide Sichtweisen, die ökologische und die gartenhistorische, zur Geltung bringen.

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Momsen • Mönning • Montroy • von Moos • Morawski • Morchel • Morgan • Morgenburg • Morgenstern Moritz • Mörken • Mortzfeldt • Moser • Moslener • Mothess • Muck • Mücke • Mucklenbeck • Mügge


Ein erstes Handbuch zur Planung, Bepflanzung und Bewirtschaftung von Friedhöfen stammt aus dem Jahre 1840. Der einflussreiche britische Gartenschriftsteller John Claudius Loudon (1783–1843) empfahl darin die Verwendung von immergrünen Bäumen mit schmalen Kronen, weil diese die Frischluftzufuhr nicht behindern. Und weiter empfahl er, Friedhöfe als botanische Gärten anzulegen, um so die moralische Gesinnung breiter Klassen der Bevölkerung zu fördern. Diesem Ideal kommt der Nienstedtener Friedhof mit seinem großen Reichtum an Nadelgehölzen, an Bäumen, Sträuchern und Blumen aller Art, an Kultur- und Wildpflanzen erstaunlich nahe.

Die Nadelbäume Immergrüne Nadelbäume an Begräbnisplätzen haben eine Tradition, die bis ins Altertum zurückreicht – klassischer Trauerbaum war die Zypresse. Auf Arnold Böcklins berühmten Gemälde Die Toteninsel (zwischen 1880 und 1886 in fünf Versionen erschienen) sind Zypressen die Hauptdarsteller und verleihen dem Bild seine düstere Dramatik. Leider ist die Zypresse ein Mittelmeergewächs und nördlich der Alpen nicht winterfest. Als man im 18. Jahrhundert in Mitteleuropa begann, die Friedhöfe aus den Städten hinauszuverlegen, waren zunächst noch keine Baumpflanzungen vorgesehen. Aber bereits 1785 machte der Kieler Professor Christian Cay Lorenz Hirschfeld Vorschläge für die Gestaltung von »Gärten bey Begräbnisörtern«, und hier spielen nun die Nadelgehölze gleichsam als Zypressenersatz eine herausragende Rolle. Etwa der Taxus, dessen »freudenlose Unbeweglichkeit und finsteres Braun zwischen den weißen Grabsteinen und Trauermälern eine so ernste Feierlichkeit verbreitet«. Überhaupt, so Hirschfeld, müssten die Nadelbäume durch ihr dunkles und braunes Laub die Trauer der Szene ankündigen und im Ganzen ein großes, ernstes und feierliches Gemälde Atlaszedern

Welche Vielfalt, welcher Reichtum

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Mühlbauer • Muhle • Mühlenberg • Mühlhausen • Mühlner • Muhs • Müller • Müller-Darcham Müller-Jahn • Müller-Osten • Müller-Rentzsch • Müller-Ruhnau • Müller-Scholtz • Müller-Schwefel


Europäische darstellen, das »nichts Schauerhaftes, nichts Schreckliches hat, aber doch die EinLärche, Kiefer bildungskraft erschüttert und zugleich das Herz in eine Bewegung von mitleidiund Japanische Schirmtanne gen, zärtlichen und sanft melancholischen Gefühlen versetzt«.

Zu Hirschfelds Zeit war das Repertoire an Nadelbäumen sehr viel kleiner und übersichtlicher als heute. Seitdem sind aus dem Balkan, dem Kaukasus, aus China und Japan und vor allem aus dem westlichen Nordamerika viele neue Gehölze nach Europa gekommen. Sie wurden in unseren Baumschulen vermehrt, geprüft und selektiert, nicht zuletzt von Firmen wie Booth und Ansorge in Flottbek oder von Ehren in Nienstedten. Und sie wurden von Park- und Gartenbesitzern leidenschaftlich gesammelt, allen voran in den herrschaftlichen Parks entlang der Elbchaussee. Diese Entwicklung, der Zuwachs an neuen Baumarten und deren Selektierung, spiegelt sich auch im Gehölzbestand des Nienstedtener Friedhofs wider. Und welche Vielfalt ist hier zu bestaunen! Auffällig sind vor allem die verschiedenen Wuchsformen, erst recht, wenn man bedenkt, dass der äußerst einfache Grundbauplan aller Nadelgehölze nur eine senkrechte Hauptachse und waagrechte Seitenzweige vorsieht. In Nienstedten aber kann man sehen, wie Gehölze allenthalben in alle möglichen Richtungen wachsen. Nicht weniger vielfältig sind ihre Blätter und Triebe. Standard sind dunkelgrüne Nadeln wie bei der Fichte und der Tanne, aber hier gibt es auch blau- und gelbnadelige Formen. Bei den Kiefern stehen die Nadeln zu zweit, zu dritt oder zu fünft zusammen. Beim Wacholder und seinen Verwandten, den Zypressengewächsen, sind die immergrünen Blätter meist als Schuppen ausgebildet. Dann gibt es Bäume mit glatter Rinde oder mit dickem Borkenkleid. Es gibt aufrechte Zapfen wie bei den Tannen, hängende wie bei den Fichten, stark holzige wie bei den Kiefern und sogar beerenartige Früchte wie beim Wacholder und der Eibe. Welcher Reichtum! Hier eine Auswahl bemerkenswerter Nadelgehölze auf dem Friedhof:

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Müller-Thode • Mumm • Münch • Mund • Mundt • Mundy • Münster • Münte • Münzel Munzel-Laurkner • Murach • Murilo • Musfeldt • Mußmann • Mylius • Myzer • Nachtigall • Nadge


Edel-Tanne (Abies procera): westliches Nordamerika, in der Heimat prächtige bis über 80 Meter hohe Bäume, wegen der haltbaren Nadeln als Weihnachtsbaum geschätzt Weihrauchzeder (Calocedrus decurrens): westliches Nordamerika, mit duftendem Holz und zypressenförmigem Wuchs Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica ›Globosa Nana‹): kleinwüchsige Zierform von gedrungenem, kugeligem Wuchs, die Ursprungsform ist ein wichtiger Forstbaum

Mähnenkiefer (Picea breweriana): aus Kalifornien und Oregon, pyramidenförmiger Wuchs mit schleppenartig herabhängenden Seitenzweigen Schlangenhaut-Kiefer (Pinus heldreichii): aus dem Balkan, mit eigenartig gefederter Rinde Strauch-Waldkiefer (Pinus sylvestris ›Watereri‹): wertvolle Kultursorte der heimischen Waldkiefer, kleine Bäume mit aparter, lockerer Krone Japanische Schirmtanne (Sciadopitys japonica): wird in ihrer Heimat gern bei Tempeln gepflanzt; zwei Nadeln sind zu einer Doppelnadel verwachsen

Lebensbaum, Abendländischer Lebensbaum (Thuja occidentalis): Heimat östliches Nordamerika, bereits um 1643 nach Europa eingeführt. Extrem robuster Baum, der nahezu jede Art von Misshandlung verträgt – Frost, Wind, nasse Böden, Stadtklima, Immissionen, Rückschnitt. In unserem Klima ist er Ersatz für die Zypresse, aber mit strengem Geruch und schlechtem Image als typische Friedhofspflanze. Schöne, große Exemplare stehen südwestlich vom Mausoleum Schröder

Die großen Trauerbäume Es gibt noch einen zweiten Typ Friedhofsbaum, die sogenannten Trauerbäume. Ihre schlaff herabhängenden Zweige wecken offenbar durch ihre Körpersprache Assoziationen an einen Menschen, der traurig-matt Kopf und Gliedmaßen hängen lässt. Sie haben auf Friedhöfen eine ungebrochene Tradition, auch wenn sie wegen ihrer Größe eher problematisch sind; denn sie werfen tiefe Schatten, beanspruchen viel Raum und haben ein ausgedehntes Wurzelwerk. Der Urtyp aller Trauerbäume war die Trauerweide Salix babylonica. Der wissenschaftliche Name stammt vom schwedischen Naturforscher Carl von Linné und bezieht sich auf die babylonische Gefangenschaft der Juden. Denn in Psalm 137 heißt es: »Wir hängten unsere Harfen an die Weiden in jenem Land.« Aber hier irrte Linné. Es kann sich dabei nicht um Salix babylonica gehandelt Trauerbuche und Trauerbirke (gepfropft)

Welche Vielfalt, welcher Reichtum

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Naeve • Nagel • Nagel-Heyer • Nanninga • Naoum • Napp • Naujack • Naujoks • Neckels • Neddermann Nedelmann • Nehlsen • Neitzel • Neitzert • Nelle • Nerger • Nesbeda • Nespithal • Nettelbeck


Trauerbuche, Pfropfstelle

haben. Die Urform der Trauerweide stammt aus China, war im 6. Jahrhundert v. Chr. in Babylon unbekannt und kam erst im 18. Jahrhundert nach Vorderasien und Europa. Da sie in Deutschland nicht winterhart ist, hat man sie mit der heimischen Silberweide zur Goldenen Trauerweide gekreuzt. Diese ist heute sehr häufig. Sie steht in vielen Exemplaren an der Außenalster und vermittelt, wenn man sie unbefangen betrachtet, mit ihrem frischen Grün und den lebhaft gelben Zweigen eher einen fröhlichen Ausdruck. Auf dem Nienstedtener Friedhof hat man aus guten Gründen auf diesen schnellwüchsigen, raumgreifenden Baum mit der Neigung zum Zweigabwurf verzichtet. Stattdessen wurden an mehreren Stellen Trauerbuchen und Trauereschen gepflanzt oder auch Blutbuchen, die zwar keine hängenden Zweige haben, aber doch dank ihres kupferbraunen Laubes einen würdigen und ernsten Eindruck erwecken. Hier eine Auswahl von Trauerbäumen auf dem Friedhof: Trauerbuche, Hängebuche (Fagus sylvatica ›Pendula‹): Zierform der heimischen Rotbuche, bildet dichte dunkelgrüne Lauben, kann im Alter mehrere hundert Quadratmeter bedecken. Wurde in Norddeutschland erstmals von der Baumschule Booth in Klein Flottbek angeboten

Blutbuche (Fagus sylvatica ›Atropunicea‹): Zierform der heimischen Rotbuche; Modebaum der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts, häufig in den umliegenden Parks an der Elbchaussee, auf dem Friedhof in mehreren Exemplaren

Traueresche (Fraxinus excelsior ›Pendula‹): Zierform der heimischen Esche, seit etwa 1840 kultiviert; raschwüchsiger Baum, der oft abgestützt werden muss und im Alter – und vor allem nach Rückschnitt – oft etwas unharmonisch wirkt

Die Kletterpflanzen Ihre Verwendung wird auf dem Nienstedtener Friedhof nach Möglichkeit vermieden. An einer Stelle wurde aber eine Kletterpflanze eindrucksvoll bei der Gestaltung der Grabstelle eingesetzt, und zwar der sonst vor allem als Bodendecker verwendete heimische Efeu. Der Grabstein der Familie Degetau wurde in diesem

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Nettelmann • Netzler • Neubauer • Neuber • Neubert • Neue • Neuendorf • Neuerburg • Neuhaus Neuhüttler • Neumann • von Neumann • Neusch • Neve • Nevermann • Newman • Newrzella • Nibbes


Traueresche und Efeu

Buch bereits genannt: Der Stein selbst ist ein Hinkelstein, ein aufrecht gestellter, unbehauener Findling, ein Menhir. Seine monumentale Wirkung wird durch den alten Efeu gesteigert, der sich an diesem Monolithen emporrankt, sich mit den Haftwurzeln an der Steinoberfläche anschmiegt, den Stein übergipfelt und beschattet. Finden wir im unteren Bereich noch vereinzelt die gebuchteten Blätter der Jugendform des Efeus, so wird die Krone ausschließlich aus einfachen Blättern der Altersform gebildet. An den armdicken, vielfach miteinander verwundenen Stämmen lässt sich das Alter des Efeus abschätzen und zugleich erahnen, wie lange die Errichtung der Grabstelle zurückliegt. Es ist eine eindrucksvolle Inszenierung, ein Spiel mit der Zeit und dem Kontrast von lebloser Starre und organischem Wachstum.

Andere Laubbäume und Sträucher Es ist kaum möglich, ihnen gerecht zu werden, all den Fächerahornen, Zierkirschen, Rhododendren oder Schneebällen, denn hier ist die Vielfalt womöglich Zweierlei Efeu

Welche Vielfalt, welcher Reichtum

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Nickel • Nicolaisen • Nicolaysen • Niederbracht • Niegel • Niekerken • Nielsen • Niemeyer • Nienstedt Nierhaus • Nieschalk • Niesel • Niesytto • Nietz • Niggemann • Nissen • Nissle • Nitschke • Nocht


Ilex-Stämme und Rhododendron

noch größer als bei den Nadelgehölzen. Halten wir fest, dass auf dem Friedhof die immergrünen Laubgehölze die Hauptrolle spielen. Da sie oft nicht besonders winterhart sind, ist es interessant zu beobachten, welche als empfindlich geltenden Arten hier im milden Klima des Nienstedtener Friedhofs gut gedeihen. Dazu gehören beispielsweise der Mittelmeer-Schneeball, die Camellien, auch die Großblütige Magnolie oder die Glanzmispel. Camellien (Camellia japonica): durch die Perfektion ihrer Blüten faszinierend und immergrün, nicht sicher winterhart, aber in verschiedenen Sorten an mehreren Stellen anzutreffen, wo sie sich bisher gut gehalten haben Stechpalme (Ilex aquifolium): heimisch, zuweilen mit gelb- oder weißrandigem Laub. Vögel verzehren im Winter die roten Beeren und scheiden die Samen wieder aus, daher sind an vielen Stellen im Friedhof junge Stechpalmensämlinge zu finden Berglorbeer (Kalmia latifolia): Verwandter des Rhododendron aus dem östlichen Nordamerika, dessen filigrane Blüten an Spitzenröckchen erinnern

Großblütige Magnolie (Magnolia grandiflora ›Galissonière‹): cremeweiße Blüten, dunkel glänzende Blätter, äußerst attraktiv, aber bei uns leider nur bedingt winterhart. Die Sorte ›Galissonière‹ gilt als relativ frosthart Rotlaubige Glanzmispel (Photinia x fraseri ›Red Robin‹): im Frühjahr aparter Kontrast zwischen jungem rostrotem Laub und den glänzend dunkelgrünen Blättern des Vorjahres Rhododendron: überwiegend immergrüne Sträucher, mit attraktiven glockenförmigen Blüten. Über 1000 Arten (die meisten aus dem Himalaya) und mehr als 28.000 gärtnerische Sorten. Die Kultur galt lange als schwierig. Um 1840 hatte man den Kniff raus, ihnen den geeigneten

sauren und humusreichen Boden zu verschaffen. Dann setzte, angefeuert durch die ersten britischen Himalaya-Expeditionen, die bis heute ungebrochene Rhododendron-Mode ein. Um 1870 hieß es, dass das Geld, das in den 20 Jahren davor für Rhododendren ausgegeben worden war, reichen würde, um die britischen Staatsschulden zu bezahlen. Skimmie (Skimmia japonica): kniehoher kompakter Strauch mit schönem Kontrast zwischen roten Beeren und grünem Laub Mittelmeer-Schneeball (Viburnum tinus): immergrün, reichblühend, mit schönem Laub; bei uns meist Kübelpflanzen und im Freien nur in geschützten Lagen überwinternd

Die Eiche als Auferstehungsmotiv Eichen spielen auf Friedhöfen als reale Bäume keine wichtige Rolle. Sie sind zu groß, bringen brüchiges Holz und schwer zersetzbares Laub. Aber auf jedem älteren Friedhof in Norddeutschland tauchen auf Grabsteinen des ausgehenden

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Noldorff • Nölke • Nolte • Nomens • Nomens-Heller • Noodt • Noorduin • Nopod • von Nordenflycht Nordwald • Noritz • Norrbom • Nostitz • Nothnagel • Novelly • Nowack • Nowak • Nückel


Zweierlei Rhododendron

19. Jahrhunderts symbolische Eichen auf – als Auferstehungsbild: ein abgeschlagener Baum, aus dessen Stumpf ein junger Eichenzweig mit frischen Blättern treibt. So auch in Nienstedten an mehreren Stellen. Das Motiv bildet das Wappen des 529 n. Chr. vom heiligen Benedikt gegründeten Klosters vom Monte Cassino nach, zusammen mit dem Spruch »succisa virescit«, der soviel bedeutet wie: (obwohl) abgeschlagen, ergrünt sie (aufs Neue). Auf den Menschen bezogen meint das: Obwohl er gestorben ist, wird er wiederauferstehen. Interessant ist die Frage: Warum symbolisiert ausgerechnet die Eiche dies und nicht ein beliebiger anderer Baum? Die Eiche hat stets als Symbol der Lebenskraft und Stärke gegolten. Ihre Laubblätter sind unverwechselbar, wie man an den neuen deutschen Centmünzen und am alten Fünfzigpfennigstück sehen kann. Aber im Zusammenhang mit »succisa virescit« kommt eine weitere wichtige Eigenschaft der Eiche hinzu, die heute in Vergessenheit geraten ist, aber vom Altertum bis in die frühe Neuzeit Grundlage der Waldwirtschaft war: Die Eiche treibt, wenn sie »auf den Stock gesetzt«, also abgeschlagen wird, leicht wieder aus. Sie hat ein sehr gutes »Stockausschlagvermögen«, ein besseres als viele andere Bäume. Dies hat man bei der Bewirtschaftung der Eichenkratts und anDie Eiche als Symbol der Lebenskraft und Stärke

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Nupnau-Lührs • Nuppnau • Nusser • Nüsslin • Nyereseh • Obermeyer • Oberthür • Obradovich Ockelmann • Odebrett • Oebel • Oeftmann • Oehrens • Oelbermann • Oelfke • Oelrichs • Oelze • Oertel


Eichengrabsteinmotiv Succisa virescit

derer Nieder- und Mittelwälder genutzt. Bis um 1800 waren die meisten Nutzwälder in Mitteleuropa von Eichen dominierte Stockausschlagwälder, die regelmäßig abgehauen wurden und wieder austrieben – »succisa virescit«. Erst mit dem Aufkommen der modernen Forstwirtschaft sind diese alten Nutzungsformen verschwunden und haben allenfalls in den Knicks überlebt.

Die Hecken Brusthohe immergrüne Hecken trennen die Reihen der Gräber voneinander und geben den einzelnen Grabstellen ihren Hintergrund. Vorherrschend bei den hohen Hecken sind der robuste Abendländische Lebensbaum und die Eibe. Die Gräber selbst sind, wo es nicht zu schattig ist, meist mit niedrigen Hecken aus Buchsbaum eingefasst. Buchsbaum (Buxus sempervirens): stammt aus dem Mittelmeergebiet, wo die Wildform kleine Bäume bildet, aus deren Holz man Klarinetten macht. In unseren Gärten wird der niedrige Einfassungsbuchs seit Jahrhunderten verwendet, vermutlich weil er schön, dauerhaft, robust, leicht zu vermehren und ebenso leicht in Form zu schneiden ist

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Eibe (Taxus baccata): heimisches Nadelgehölz, ideal für Hecken auch in schattiger Lage. Sie trotzt der Wurzelkonkurrenz anderer Bäume, treibt selbst nach starkem Rückschnitt wieder aus, lässt sich ideal in Form halten und bildet einen wunderbaren Hintergrund für Blüten aller Art. Im Mai reizvoller Kontrast zwischen dem alten dunkelgrünen und dem jungen hellgrünen Laub. Eibenholz war der ideale Werkstoff für Kriegsund Jagdbögen und im Mittelalter so ausgebeutet, dass das Wildvorkommen der Eibe nahezu vollkom-

men ausgerottet war. Der die Samen umgebende fleischige rote Becher, der einzige ungiftige Teil der Pflanze, wird von Vögeln gefressen, und die unversehrt ausgeschiedenen Samen werden auf diese Weise in der Umgebung ausgebracht Lebensbaum (Thuja occidentalis): bildet robuste und im Gegensatz zur Eibe raschwüchsige immergrüne Hecken. Siehe unter Nadelbäume

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Oertling • von Oertzen • Oeser • Oestmann • Oetker • Oetzmann • Oharna • Ohland • Ohlen • Ohlendorf Ohlerich • Ohlmeier • Ohmann • Ohme • Ohmsen • Ohrendorf • Ohrtmann • Olbrisch • Oldenburg


Überall kräftige Hecken, vor allem mit Eiben

Die Rosen Von den vielen Rosen soll nur eine beschrieben werden, und zwar die prominenteste. Sie blüht im Hochsommer an der Grabstätte der Familie Booth und trägt den Namen ›Königin von Dänemark‹. Sie ist eine der schönsten alten Rosen überhaupt, wie es zu Recht in manchem Katalog heißt. Sie gehört zur Klasse der Alba-Rosen, ist robust und winterhart, die Blüten sind dicht gefüllt mit tiefrosa Blütenblättern und lieblichem Duft. James Booth in Flottbek hatte sie 1816 gezüchtet und – die Elbvororte waren damals noch dänisch – nach seiner Landesherrin benannt: eine von vielen Sorten, die die berühmten Flottbeker Baumschulen in den Handel gebracht haben.

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Oldendorf • Oldendorff • Olin • Olrog • Onderwaater • Opitz • Oppel • Oppers • Orlopp • Orth Ortmann • Ossa • Ossa • Ossenberg • Ost • Ostermann • Ostermeyer • Ostwald • Oswald • O’Swald


Grabstätte Booth mit der Rose ›Königin von Dänemark‹: Vor einem halben Jahrhundert blühte sie noch üppig.

Ausgerechnet diese schöne Rose war Anlass für den berühmten Hamburger Rosenstreit. Der Direktor des Botanischen Gartens in Hamburg, Johann Georg Christian Lehmann, hatte nämlich behauptet, dass diese Rose nicht neu sei, sondern dass es sich vielmehr um eine schon 1806 in Frankreich bekannte Sorte namens ›Belle Courtisane‹ handele. Lehmann bezichtigte damit James Booth des Pflanzen-Plagiats, und er brachte gleichzeitig die dänische Königin in peinliche Nähe zu einer schönen Kurtisane. Das war zu viel! Anfang 1833 schlug John Richmond Booth im Namen der Flottbeker Baumschulen in einer Tageszeitung gegen Lehmann zurück und bezichtigte ihn der Verleumdung. Lehmann erwiderte und beharrte auf seinem Vorwurf. Eine Streitschrift folgte auf die andere, keiner der Parteien gelang es, eindeutige Nachweise für die jeweiligen Behauptungen zu geben. Der Arzt Dr. Siemers wollte vermitteln und verdarb es sich mit beiden Seiten. Ein Bonmot machte in Hamburg die Runde: »Wer erhält die Rose? Gebrüder Booth. Wer die Dornen? Professor Lehman. Wer die Blätter? Das Publikum. Wer den Stock? Doktor Siemers.« Lehmann soll, so die Chronistin der Familie Booth, seinen Irrtum schließlich zugegeben haben, blieb aber offenbar die zugesagte Entschuldigung schuldig. An den Grabsteinen von James Booth und seiner Frau Mary Elizabeth bildete die ›Königin von Dänemark‹ früher ein dichtes Gebüsch, wie die obige Fotografie aus den 1950er Jahren zeigt. Heute, im Jahre 2013, ist sie deutlich zurückgegangen, wahrscheinlich weil sie jetzt stärker im Schatten anderer Gehölze steht.

Die Bodendecker Die Grabstellen sind klein, das Grundschema ist einfach: ein Grabstein, bodendeckende Pflanzen, ausgewählte Kleinsträucher oder Solitärstauden und die im Laufe der Jahreszeiten wechselnde Bepflanzung mit farbenfreudigen Blumen.

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Oswaldowski • Ott • Otte • Otterstedt-Redeker • Ottmüller • Otto • Otzen • Ouistorf • Paap • Paarmann Pabstmoser • Packheiser • Paegel • Paehlke • Paepcke • Pagels • Pagendarm • Pahl • Pajuelo • Palandt


Rosenmotive als Grabsteinschmuck

Und doch gleicht kein Grab dem anderen! Jedes ist ein Individuum, jedes spiegelt die Persönlichkeit des Bestatteten und seiner Hinterbliebenen. Seine Bepflanzung kann schlicht, ernst, verspielt oder sentimental sein oder sich zur monumentalen Inszenierung steigern. Zunächst ein paar Fakten: Bodendecker sind niedrige Pflanzen, mit denen man offene Flächen so bepflanzt, dass sie rasch völlig zuwachsen. Dann bildet sich ein dichter Vegetationsteppich, der für lange Zeit und ganzjährig gut aussieht und vor allem pflegeleicht ist, weil er wenig Unkraut hochkommen lässt. Für die Friedhofsgärtnerei sind die Bodendecker darum eine sehr wichtige Pflanzengruppe; immerhin sind, rund gerechnet, die Flächen der Gräber zu zwei Dritteln mit Bodendeckern bestanden. Es sind überwiegend immergrüne Pflanzen, die es auch vertragen müssen, im Winter mit Fichtengrün abgedeckt zu werden. Weil sie nur wenig spektakuläre Blüten haben, werden Bodendecker meist nur als grüne Staffage wahrgenommen. Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen, denn sie sind botanisch durchaus interessant. Teppich-Zwergmispel (Cotoneaster dammeri) und Fächer-Zwergmispel (C. horizontalis): immergrüne Kleinsträucher aus kühlen Gebirgswäldern in China, wo sie offene Felsen überwuchern Echtes Fiederpolster (Cotula oder Leptinella squalida): aus Neuseeland. Auch eine Nienstedtener Spezialität. Die attraktive Art mit federigem Laub bevorzugt kühle und feuchte Lebensräume. Sie ist auf keinem anderen Hamburger Friedhof so häufig wie hier. Offenbar fühlt sie sich im milden Lokalklima (Elbnähe!) besonders wohl

Kletter-Spindelstrauch (Euonymus fortunei): Ostasien, nach 1930 eingeführt, viele buntlaubige Sorten. Wie der Efeu in der Jugend Bodendecker und im Alter Kletterpflanze. Hat im westlichen Teil des Friedhofs eine Konifere erobert und »durchwachsen« Efeu (Hedera helix): siehe unter Kletterpflanzen Lippenmäulchen (Mazus pumilio): Australien, eine Verwandte des Löwenmäulchens mit attraktiven blauen Blüten und gelbgrünem Laub, auf einer Grabstelle angetroffen

Pachysandra (Pachysandra terminalis): Japan, nach Europa um 1860 eingeführt Bubiköpfchen (Soleirolia soleirolii): beliebte Zimmerpflanze aus Sardinien und Korsika, auf einer einzelnen, ein wenig ungepflegt wirkenden Grabstätte verwildert. Ob diese beliebte Zimmerpflanze bewusst dort angesiedelt wurde oder ob sie sich aus einer Pflanzschale verwildert hat, ist schwer zu sagen. Die Blätter sterben bei Frost ab, aber die Pflanze kann wieder austreiben. Auch eine Art, die vom milden Klima des Friedhofs profitiert

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von Paleske • Pallas • Palm • Palmblad • Panse • Pantermühl • Panzer • Pape • Papernek • Papke Pappert • Paridom-Möller • Parish • Parthum • Paschke • Pätzoldt • Pauls • Paulsen • Paulun • Pawassar


Kleines Immergrün (Vinca minor): mit dunkelgrünem Laub und attraktiven blauen Blüten, stammt aus dem Mittelmeerraum und wurde schon im Mittelalter bei uns kultiviert Golderdbeere (Waldsteinia ternata): Südeuropa, auf dem Friedhof sehr häufig. Derbe dichte Teppiche, im Frühjahr mit kleinen gelben Blüten. Gold-, Schein- und Walderdbeeren sind nah miteinander verwandt und gehören zu den Rosengewächsen

Scheinerdbeere (Potentilla indica, früher Duchesnea indica): Ostasien. Die attraktiven roten Früchte sind enttäuschend, das Fruchtfleisch schmeckt schwammig und fade Wald-Erdbeere (Fragaria vesca): heimisch, aber die hier vorkommende Form ist besonders großfruchtig und wohlschmeckend. Eine Spezialität des Friedhofs! Offenbar nicht die Wildform, sondern verwilderte

Kulturpflanzen, sogenannte Monatserdbeeren An sonnigen und trockenen Stellen werden gern Heidepflanzen aus den Gattungen Calluna und Erica teils als Bodendecker oder Kleinsträucher verwendet, wenn auch nicht mehr so häufig wie in den 1970er Jahren, als Heidegärten noch große Mode waren

Die Frühblüher Bilder oben: Beginnen wir mit dem Stern von Bethlehem, denn wir sind ja auf einem christSpindelstrauch, lichen Friedhof. Das ist ein Zwiebelgewächs mit dem wissenschaftlichen Namen Scheinerdbeere und Walderbeere Ornithogalum umbellatum, im Deutschen meist Dolden-Milchstern genannt.

Er bildet im April dichte grüne Blattbüschel auf schattigen Grabstellen nahe der Elbchaussee und im Mai hier in Nienstedten leider nur spärliche weiße Blüten. Bei sonnigem Stand ist er mit seinem strahlenden Weiß durchaus eine attraktive Pflanze. Die ebenfalls spärlichen Früchte enthalten kaum reife Samen. Schwer zu sagen, ob diese Pflanze hier wild vorkommt oder angepflanzt wurde. Vieles spricht für ein altes Wildvorkommen, denn im Handel ist der Milchstern nicht erhältlich, aber er war früher um Hamburg als Ackerunkraut bekannt. Die zahlreichen kleinen weißlichen Zwiebeln wurden beim Pflügen verteilt und so verbreitet. Sie blieben im Boden, als die Äcker in Wohngebiete umgewandelt wurden, und konnten sich in den neu angelegten Rasenflächen zwischen den Häusern behaupten.

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Paysen • Pech • Peemöller • Peers • Peetz • Pehla • Pein • Peine • Peining • Pelka • Pemöller Pemöller-Gühlcke • Pempel • Penndorf • Penning • Pentzlin • Peper • Peppel • Pereira • Perl • Perlbach


Auch das Gelände des Nienstedtener Friedhofs war ja früher ein Acker; Friedhöfe wurden bevorzugt auf armen, sandigen Ackerböden angelegt, nicht auf den ertragreichen, guten Lehmböden und wegen der schlechten Zersetzung erst recht nicht auf Moor- und Aueböden. Ist der Stern von Bethlehem ein Relikt aus der Zeit vor 1814? Dafür spricht, dass es noch andere Zwiebelgewächse gibt, die ähnlich wie der Milchstern auf alten Friedhöfen als Überbleibsel vergangener Zeiten vorkommen, etwa der Wiesen-Goldstern Gagea pratensis oder die Wildtulpe Tulipa sylvestris. Großblumige Tulpen und Narzissen sind robust und farbenfroh und deswegen ein beliebter Grabschmuck. Die Liebe des Verfassers gilt aber eher den bescheideneren Zwiebel- und Knollengewächsen, die sich ihren Wildpflanzencharakter bewahrt haben und sich auf den Gräbern und um sie herum spontan ausbreiten, den Krokussen (Crocus), Blausternen (Scilla), Puschkinien, Schneestolz-Arten (Chionodoxa), den Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) und den Märzenbechern (Leucojum vernum). All diese Arten haben Samen mit einem nährstoffreichen Anhängsel, das man als »Ameisenbrot« bezeichnen könnte. Ameisen sammeln diese Samen, füttern ihre Brut damit und entsorgen die Reste dann in der näheren Umgebung – und tragen dazu bei, diese Frühblüher zu verbreiten. Daher spricht man von Ameisenverbreitung oder Myrmekochorie. Wer Geduld hat und mit der Mahd oder der Pflege ein wenig wartet, kann zusehen, wie sich in wenigen Jahren aus einer Blaustern-Pflanze ein Blaustern-Rasen entwickelt. Auch der Hohle Lerchensporn, der am Friedhofseingang Elbchaussee wächst, und das an vielen Stellen unter den Buchsbaumhecken vorkommende März- oder Duft-Veilchen (Viola odorata) werden von Ameisen ausgebreitet. Solche verwildernden Zierpflanzen sind ein ganz typisches Element alter Friedhöfe und gelten als Zeigerpflanzen alter Gartenkultur. In der Fachliteratur hat sich für diese Gruppe der aus dem Friesischen stammende Ausdruck Stinzenpflanzen eingebürgert. Stinz bedeutet Steinhaus oder Herrenhaus, Stinzenpflanzen sind also Pflanzen, die bei (historischen) Herrenhäusern verwildern.

Der Blumenschmuck Das heutige System der Grabpflege mit Wechselbepflanzung beschäftigt den Gärtner den ganzen Jahresablauf hindurch: zuerst von März bis Mitte Mai die Frühjahrsbepflanzung mit winterharten Kissenprimeln und Gartenstiefmütterchen, also mit Zierformen von im gemäßigten Mitteleuropa heimischen Arten, die ein wenig Frost vertragen können. Im Herbst von September bis Oktober die ebenfalls an Kälte angepassten silberblättrigen Cinerarien, Herbstastern,

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Perling • Peters • Petersen • Peters-Parow • Petrak • Petrauschke • Petre • Petri • Petrowa • Petze • Pfafferott Pfahl • Pfankuchen • Pfegfeidel • Pfeifer • Pfeiffer • Pfeil • Pflaumbaum • Pflüger • Pfohlmann • Pfützner


Winterabdeckung

Topfheiden, auch Alpenveilchen. Im Winter schließlich, wenn von Anfang November bis Mitte März völlige Vegetationsruhe herrscht, die Grababdeckung mit Tannengrün und dauerhaftem Winterschmuck wie Grabgestecken, Schalen, Dauerkränzen und anderen Wintergebinden. Vor zweihundert Jahren, in der Anfangszeit des Nienstedtener Friedhofs, dürften Blumen keine so große Rolle gespielt haben wie heute. Abgesehen von den eben genannten Stinzenpflanzen wird sich der Blumenschmuck auf einen Feldblumenstrauß oder eine Handvoll mitgebrachter Gartenblumen beschränkt haben: vergängliche Grüße, die auf den Gräbern niedergelegt wurden. Das änderte sich mit der Professionalisierung und der fortschreitenden Industrialisierung des Gartenbaus im 19. Jahrhundert, bei dem gerade die westlichen Vororte Hamburgs eine bedeutende Rolle spielten. Hier gab es neben den Booth’schen oder von Ehren’schen Baumschulen in den herrschaftlichen Parks an der Elbchaussee »Treibhäuser wie Fabriken«, wie der Berliner Garteninspektor Carl David Bouché bei einem Besuch in Hamburg anmerkte, und in ihnen wurden die über Hamburg nach Deutschland importierten exotischen Gewächse kultiviert und vermehrt. Das reiche Repertoire einjähriger Blüten- und Blattpflanzen verwendete man im 19. Jahrhundert zur Gestaltung der farbenfrohen und damals sehr beliebten Teppichbeete. Diese Mode erreichte auch die Friedhöfe, ja, sie hat hier sogar bis heute besser überleben können als im öffentlichen Grün, wo diese aufwändige Gestaltung aus Kostengründen schon lange aufgegeben wurde. Und das, obwohl Teppichbeete um 1900 im Zuge der aufkommenden Lebens- und Gartenreformbewegung als unkünstlerisch und unnatürlich abgelehnt wurden. Alfred Lichtwark, Direktor der Hamburger Kunsthalle, beklagte beispielsweise um 1890 die damals modischen Pflanzenschemata: »ein roter Fleck Begonien, ein grausamer blauer Fleck Lobelien, eine unruhige stockige Zusammenstellung hochstämmiger Rosen.« Aber müssen wir uns diesen Standpunkt zu eigen machen? Sollten

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Philippi • Pickenpack • Piel • Pieler • Piepenbrink • Pieper • Pietsch • Pietzcker • Pigaroff • Pigge • Pike Pinckert • Pingel • Piontek • Piotrowski • Piraks • Pirchl • Pisani • Pischel • Plambeck • Planer • Plappert


Blaue Lobelie und Zonalpelargonie

wir uns nicht erlauben, die vielen Sommerblumenpflanzen des Nienstedtener Friedhofs mit unbefangenen Augen zu betrachten? Und einen Sinn zu entwickeln für besondere Motive und für gelungene Inszenierungen? Blaue Lobelie, Männertreu (Lobelia erinus): aus dem südafrikanischen Kapland, ›Kaiser Wilhelm‹ mit durchdringenden blauen Blüten ist die beliebteste Sorte Pelargonien (Pelargonium): die »Geranie« der Gärtner (aber nicht der Botaniker!). Gattung südafrikanischer Pflanzen mit rund 280 Arten und Tausenden Zuchtsorten. Als farbenfrohe Dauerblüher beliebte Sommerblume und Balkonpflanze. Zonalpelargonien wachsen aufrecht und haben fast kreisrunde Blätter, Efeupelargonien wachsen meist hängend (Balkonpflanzen!) und haben glatte, efeuähnliche Blätter

Eisbegonien (Begonia SemperflorensGruppe): kamen um 1830 aus Brasilien zu uns. Populäre, unermüdliche, aber kompakt bleibende Dauerblüher in Rot und Weiß für Beete und Massenpflanzungen. Der Name bezieht sich auf die Blätter, die brüchig wie Eis sein sollen. Zahlreiche Züchtungen ab 1894 vor allem durch die Firma Benary in Erfurt. Vermehrung über Aussaat Knollenbegonien (Begonia Tuberhybrida-Gruppe): entstanden durch die Kreuzung aus mehreren Arten, die seit 1867 aus den Anden (Peru und Bolivien) kamen. Farbenfrohe Pflanzen in Dunkel-, Lachs- und

Scharlachrot, in Rosa, Weiß und Gelb. Außerdem gibt es gefüllte Sorten, die biologisch deswegen interessant sind, weil nur die männlichen Blüten durch Umwandlung der Staubblätter eine Vielzahl von Blütenblättern bilden, die weiblichen dagegen einfach blühen. Die Knollen können im Herbst ausgegraben und wie Dahlien gelagert werden Fleißige Lieschen (Impatiens walleriana): aus Bergregionen des tropischen Ostafrika, wurden um 1880 eingeführt. Auch hier entstanden in der Zucht viele buntfarbig blühende Sorten

Eisbegonie und Knollenbegonie

Welche Vielfalt, welcher Reichtum

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Plath • von Plauen • Plessentin • Pleßing • Pletz • Pleus • Plewig • Plewnia • Ploch • Plock • Pluder Pluncinski • Pocnow • Poelchau • Pogensee • Poggenberg • Pohl • Pohle • von Pokriwnitzki • Polaski


Hexenkraut und Schöllkraut

Die wilde Flora des Friedhofs Die Wilden – das sind die Pflanzen, die dem Gärtner trotzen oder die er weise gewähren lässt. Dem Charakter des Friedhofs als lichter Nadelwald entsprechend dominieren die Arten der heimischen Wälder. Vor allem solche, die sich an schattigen Waldrändern wohlfühlen und von den Nährstoffen der humusreichen Böden profitieren: Giersch (Aegopodium podagraria): mit langen Ausläufern, schwer auszurotten Stink-Storchschnabel (Geranium robertianum): rosa Blüten, dreizählige Blätter, unangenehmer Geruch

Brennnessel (Urtica dioica): stickstoffliebend, eine der häufigsten Pflanzen in Hamburg, stammt ursprünglich aus Feuchtwäldern Gemeine Nelkenwurz (Geum urbanum): mit klettenartigen Früchten, die sich an Fell oder an Hosenbeine anheften

Wegweisergras, Hain-Rispengras (Poa nemoralis): Waldgras im tiefen Schatten Hexenkraut (Circaea lutetiana): mit filigranen weißen Blüten und Klettfrüchten

Hinzu kommt eine Reihe von alten Zier- und Nutzpflanzen, die in Norddeutschland ursprünglich nicht vorkamen, sich aber jetzt auf dem Friedhof spontan ausbreiten und längst Heimatrecht erworben haben. Schöllkraut (Chelidonium majus): große gelbe Blüten, orangefarbener Milchsaft; alte Heilpflanze, die noch heute volksmedizinisch gegen Warzen verwendet wird Walisischer Scheinmohn (Meconopsis cambrica): wie das Schöllkraut ein Mohngewächs, aber mit deutlich größeren und helleren attraktiven Blüten. Heimat sind die Britischen Inseln

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Fingerhut (Digitalis purpurea): in mitteldeutschen Wäldern wächst er an Kahlschlag-Plätzen, in Gärten als Gift- und Heilpflanze und als schönblühende und leicht verwildernde Zierpflanze Wald -Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica): heimische Waldpflanze, schafft im Garten im Frühjahr große blaue Flächen, verwildert leicht

Akelei (Aquilegia vulgaris): aus Kalkgebieten Mitteldeutschlands, wärmeliebende Art Blut-Storchenschnabel (Geranium sanguineum): kommt in Mitteldeutschland an warmen, besonnten Waldsäumen vor, in Norddeutschland seit langem beliebte Bauerngarten- und Friedhofspflanze

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von Polier • Pollmann • Pongs • Ponik • Popkes • Poppehusen • Poppenhusen • Porach • Porath • Port Posdziech • Pose • Potenberg • Pothast • Pott • Pouplier • Prahl • Pramann • Pramberger • Prange • Pratzat


Wurmfarn und Frauenfarn

Typische Waldbewohner sind auch die schattenliebenden Farne. Ihre markante Wuchsform kann gerade dort eindrucksvolle Vegetationsbilder schaffen, wo andere Pflanzen wegen Lichtmangels kümmern. Bei den Farnen des Friedhofs sind die Grenzen zwischen heimisch, angepflanzt und verwildert besonders schwer zu ziehen, denn ihre feinen Sporen werden durch den Wind verbreitet und können überall dort auskeimen, wo es feucht und schattig ist. Wurmfarn (Drypoteris filix-mas): robuste Pflanze, der in Hamburg am häufigsten vorkommende Farn Frauenfarn (Athyrium filix-femina): zierlicher, nicht ganz so häufig. Die lateinischen Namen sollen andeuten, dass es sich hier um einen

männlichen und einen weiblichen Farn handelt, aber das ist Unsinn. Farnpflanzen sind sozusagen Neutra, denn ihre Sporen werden ungeschlechtlich gebildet. Die Namen wurden im 18. Jahrhundert von Linné geprägt, zu dessen Zeit man die Fortpflanzung der Farne und

Moose noch nicht begriffen hatte. Aufgeklärt wurde sie erst 1847 Straußenfarn (Matteucia struthiopteris): ein Miniatur-Baumfarn, der bis zu 15 cm hohe Stämmchen bilden kann und dessen Sporenstände bis in den Winter stehen bleiben

Glaubt man den üblichen Gartenratgebern, dann stellen Moose im Garten und vor allem im Rasen ein großes Problem dar. Auf einem Friedhof kann man das etwas gelassener sehen. Moose sind Sporenpflanzen und wie die Farne ausgeWurmfarn und Lebermoos

Welche Vielfalt, welcher Reichtum

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Prause • Prediger • Pregley • Prehn • Prein • Premke • Press • von Pressentin • Pretzel • Preugschat Preuß • Preussner • Pridöhl • Pries • Prinz • Prior • Probst • Pröckwold • Profé-Krüger • Proföhr • Propp


Sieben verschiedene Moose und eine Flechte. Rechts: WaldFrauenhaarmoos

sprochen genügsame Gewächse. Durchsetzen können sie sich nur dort, wo sich andere Pflanzen aufgrund ungünstiger Bedingungen nicht halten können, also auf saurem Boden, bei fehlenden Nährstoffen und starkem Schatten. All diese Bedingungen sind offenbar auf einer Grabstelle im Zentrum zusammengekommen, denn hier gibt es ein eindrucksvolles reines Moosbeet, einen zehn Quadratmeter großen Reinbestand des zu Recht sogenannten Schönen Frauenhaarmooses. Das Stecketikett »Pflege« zeigt an, dass die Moosherrlichkeit wohl bald ein Ende haben wird. Insgesamt gilt der Nienstedtener Friedhof in Bezug auf die Moose als relativ artenreich, auch dies eine Folge seines feuchten und milden Kleinklimas. Wenn ich im Folgenden den Begriff »Unkraut« verwende, dann geschieht dies ohne herabsetzende Absicht, sondern einfach deswegen, weil er eindeutiger ist als »Wildkraut«. Ordinäre Gartenunkräuter sind auf dem gepflegten Friedhofsgelände relativ selten. Es gibt aber eine Stelle, wo man sich rasch einen Überblick über das Unkrautpotenzial des Friedhofs verschaffen kann, und das ist der Kompostplatz an der Elbchaussee. Die Unkräuter wurden gejätet, sind auf den Kompost gelangt, auf dem Komposthaufen wieder ausgekeimt, sie blühen und fruchten hier, und ihre Samen können mit dem reifen Kompost wiederum auf die Gräber gelangen, worauf das Spiel aufs Neue beginnt. Hier sind sie alle anzutreffen: Behaartes Schaumkraut (Cardamine hirsuta): kleine Rosetten, kleine weiße Blüten und Früchte, die im Reifestadium bei der kleinsten Berührung explodieren und ihre Samen bis über einen Meter wegschleudern. Häufig in Baumschulen und Staudengärtnereien, wird durch Baumoder Topfballen mit Pflanzgut verschleppt

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Franzosenkraut (Galinsoga parviflora): Heimat Mexiko, in Kolumbien Gemüsepflanze, bei uns Wegrandunkraut. Kleine, weiße, knopfartige Blüten Gemeines Greiskraut (Senecio vulgaris): ist dem Hackrhythmus der Gärtner angepasst, bildet rasch kleine, gelbe, knöpfchenförmige Blüten aus und kann in weniger als sechs Wochen Früchte bilden

Raue Gänsedistel (Sonchus asper): gelbe Blüten, bedornte Blattränder, ein Unkraut unter Hackfrüchten und in Gärten Schuttkresse (Lepidium ruderale): bis 15 cm hohe kleine »Bäumchen«, unscheinbare Blüten, aber durchdringender, widerlicher Geruch Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum): kleinwüchsig, kleine, weiße, kartoffelähnliche Blüten, schwarze giftige Beeren

Hans-Helmut Poppendieck

Provör • Prowe • Prüssing • Przybylski • Puls • Pünder • Purfürst • Putz • Pütz • Putzier • Puus • Quack Quaritsch • Quast • Querfurth • Quistorf • Quistorff • Raab • Raabe • Rabben • Rabbow • Raben


Die besonderen Bäume des Friedhofs in Nienstedten 1 2

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Atlaszeder Birkenallee, alt Blutbuche Blutbuche, groß China-Eberesche Chinesischer Gemüsebaum Edeltanne Efeu in Birke, 20 m hoch Gingko biloba Hängebuche mit eindrucksvollen Wurzeln

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Hängebuche mit Propfstelle Hängebuchen Japanische Hemlock Japanische Kopfeibe Japanische Sicheltanne (Zierform) Lawson-Scheinzypresse, schönes Exemplar Lebensbaum, groß Magnolia grandiflora ›Galissonière‹ Mähnenkiefer Rotlaubige Glanzmispel

Schirmtanne Schirmtanne mit Zapfen, groß Korkbaum Stieleiche mit ausladender Krone, zwei Exemplare Strauch-Waldkiefer Traueresche Traueresche neben Taxus Weihrauchzeder Zirbelkiefer

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R U P E R T I S T R A S S E

Pastorat I I

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Kindertagesstätte

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Warteraum WC

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Welche Vielfalt, welcher Reichtum

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von Rabenau • Rabenstein • Rabsahl • Radbruch • Raddatz • Radestock • Radowski • Radtke • Raeder Rahardt • Rahloff • Rahlwens • Rahmelow • Rahmelow-Blass • Rahneburg • Rainals • Raithel • Ralfs


Der Kompostplatz ist so recht der Ort, das Thema Vergänglichkeit und Erneuerung aufzugreifen. Abgeräumter Grabschmuck, geschreddertes Fichtengrün, gejätetes Unkraut und Heckenrückschnitt werden kompostiert und wieder zu Erde werden, die irgendwann wieder im Gelände ausgebracht wird. Ich erinnere mich, dass Bodenkundler für die Böden der Gräberfelder auf Friedhöfen einen eigenen Bodentyp beschrieben haben, den sogenannten Nekrosol, der »bis in eine Tiefe von über 1,5 m intensiv gelockert und außerdem in der Folgezeit durch die Grabpflege und die Zersetzung der Särge und Leichen ständig mit Humus angereichert« ist. Aber es widerstrebt mir, den Nienstedtener Friedhof mit solch prosaischen, ökosystemaren Gedanken zu verlassen. Lieber greife ich erneut zur Charta von Florenz, wo es in Artikel 5 heißt: »Als Ausdruck der engen Beziehung zwischen Kultur und Natur, als eine Stätte der Erquickung, zur Meditation oder zum Träumen geeignet, fällt dem Garten der allumfassende Sinngehalt eines Idealbildes der Welt zu: Er ist ein »Paradies« im ursprünglichen Sinne des Wortes, das aber Zeugnis von einer bestimmten Kultur, einem Stil, einer Epoche, eventuell auch von der Originalität eines einzelnen schöpferischen Menschen ablegt.«

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Hans-Helmut Poppendieck

Ramcke • Ramhorst • Ramke • Ramm • Ranau • Randt • Ranft • Rank • Ranke • von Rantzau • Rapp Rappolt • Rasch • Rasemußen • Rassau • Rastede • Rath • Räther-Beck • Rathje • Rathjen • Rathmann


Tod und Hoffnung

Ratjen • Raubaum • Raudies • Raue • Rauert • Raukopf • Raulf • Räuper • Rausch • Rauscher • Rauschert von Rauter-Kanoten • Rave • Raven • Ravenborg • Rawe • Ray • Rebien • Reck • Reckel • Reckmeier


Der Garten der Fluss die Toten Trauer fließen lassen Von Hans-Martin Gutmann

Hans-Martin Gutmann, geb. 1953 in Goslar, ist Theologe und Musiker. Er lehrt an der Universität Hamburg Praktische Theologie und ist dort auch Universitätsprediger.

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er Friedhof von Nienstedten spannt sich wie eine Brücke zwischen Dorf und Elbe, liegt da als verbindendes Element, das eine große Fläche einnimmt und weit hineinragt in das Geflecht der Straßen. Er ist Bindeglied und ist Übergang von den Lebensräumen der Lebenden zum zeitlos-endlosen Strömen des Flusses. Nur die Elbchaussee und die Strandpromenade liegen dazwischen. Den Hof des Friedens kann man durchqueren, durchlaufen, um zum Strömen und Fließen des Wassers zu gelangen. Man kann die stillen Wege des Friedhofs gehen, um die trubelige Nienstedtener Straße zu meiden. Und so gelangt man durch Vogelgezwitscher ans Ufer und vertraut sich den Gezeiten der Natur und des lebendigen Stromes an. Der Friedhof ist ein Weg von Leben zu Leben. Selbst heute noch – wenngleich das Flussufer ein anderes geworden ist: keine Sommerfrischler, keine schwimmenden und schwatzenden Erwachsenen, die das Strandbad unterhalb vom Hotel Jacob besuchen; keine Badekarren, die ins Wasser rollen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Saum verändert, musste das Ufer befestigt, stabilisiert werden. Denn vor allem anderen war die Elbe stets eines: nämlich die Wirtschaftsader der Stadt, wenn auch längst nicht so radikal wie heute. Nicht Spiel, Körperkult und Freizeitvergnügen, sondern Wirtschaft und Handel prägen seit Jahrhunderten Hamburg und seinen Fluss, bestimmen das Schicksal der Stadt und seiner Menschen. Trotzdem bleibt der Hafen das Tor zur Welt – und die Elbe fließende Sehnsucht nach Weite. Der Garten, der Fluss, die Toten – in den Zwischenräumen entstehen Bilder, also Metaphern für die Bewegungen des Trauerns und für die Hinwendung zu neuem Leben – für die Lebenden und für die Verschiedenen.

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Hans-Martin Gutmann

Reckwell • Redlich • Reemtsma • Reese • Regehr • Regenbogen • Reger • Rehbein • Rehder • Rehm Rehn • Reich • Reichardt • Reiche • Reichel • Reichert • Reichow • Reidel • Reif • Reimann • Reimer


Der Garten Der Friedhof ist gestaltet wie ein großer, vielfältiger, sorgfältig angelegter Garten: Er ist Ziergarten, aber nicht Hof, nicht Acker und auch nicht Nutzgarten. Er ist schön – seine Pflanzen zieren ihn. Der Friedhof als Garten ist »Lebens«-Ort der Verschiedenen, Ort des Abschiednehmens, der Trauer, des Erinnerns. Aber auch Ort der Hinwendung zu neuem Leben, in der christlichen Religion in der Auferstehung der Toten als Hoffnung verstanden. Eine Hoffnung, die sich im Werden und Vergehen der Blumen und ihrer Blüten auf schmückende Art im Rhythmus der Jahreszeiten unablässlich wiederholt. Der Friedhof war aber nicht immer Garten. Als er noch Kirchhof war, lag er um die Kirche herum und damit auch zugleich in der Mitte des Wohnortes der Lebenden. Erst seit der Aufklärung hat sich der Ort der Toten entfernt von den Lebenden: weg vom Zentrum und hin zur Peripherie der Lebenswelten. Vom Lebensmittelpunkt an den Rand. Die alltägliche Möglichkeit, einander zu begegnen, schwindet, stattdessen entsteht eine »Verhältnislosigkeit« zwischen Lebenden und Toten. Auch das Bein-Haus und der Toten-Acker sind verschwunden. Die Gebeine, die Toten werden nicht mehr benannt, stattdessen nennt man den Ort der Toten nun Fried-Hof, der mehr Ziergarten ist als Acker. Je mehr die FriedDie gesüdete Karte von 1773 verzeichnet eine kleine, hübsche Nienstedtener Kirche mit Wetterfahne, aber ohne Grabsteine im Kirchhof – der Ort der Toten musste noch nicht außerordentlich gekennzeichnet werden, er gehörte selbstverständlich zum Ort der Lebenden dazu. Erst als der Kirchhof zum Friedhof wurde, erhielt er auf Karten auch sein eigenes Symbol.

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Reimers • Reimitz • Reinberg • Reincke • Reindl • Reinecke • Reiners • Reinhardt • Reinhold • Reinke Reinpold • Reis • Reith • Reitmeier • Rekau • Rekowski • Remy • Renn • Renner • Rentz • Rentzon


Als es für die Gebeine noch ein Haus gab: Auf einer alten, nicht datierten Nienstedtener Friedhofskarte findet man diese Bezeichnung.

höfe aus dem Mittelpunkt eines Ortes an seinen Rand verlegt wurden, desto offensichtlicher wurden sie auch als Garten gestaltet. Und so ist auch der Nienstedtener Friedhof ein großer Garten geworden, ein schöner Park, der aus vielen kleinen, individuell geschmückten und oft liebevoll gepflegten Gärten besteht. Das aber ist eine »Erfindung« des modernen, aufgeklärten Menschen. Heiligengräber, die in einer mittelalterlichen Kirche in der Nähe des Altars angelegt wurden, fanden ihren Ort noch im Kirchraum. Alle anderen Begräbnisstätten waren bis in die frühe Neuzeit hinein Höfe oder Äcker, oft durch eine Mauer umfriedet, in der Regel nahe der Kirche, im Dorf oder in der Stadt. Motive des Totentanzes bilden ab und machen vorstellbar, was auf einem solchen Hof sein kann und darf: Da begegnen die Toten den Lebenden in ihren alltäglichen sozialen Rollen und Beschäftigungen – Edelmann und Knecht, Bäcker und Söldner, reiche Dame und armer Schlucker: Alle werden gleichermaßen einbezogen. Die Botschaft der Totentänze ist: Im Tode sind alle gleich. In der Kette der tanzenden Toten sind alle Unterschiede verschlungen. Es ist eine Bebilderung, die auch auf einem Friedhof wie in Nienstedten heilsam sein kann. Hier finden sich reich und künstlerisch gestaltete Grabmäler und Mausoleen traditionsreicher und bedeutender Familien. Hier sind Menschen bestattet, die in der Geschichte Hamburgs in sozialer und politischer Perspektive wichtig wurden (wie der Begründer der liberalen Armenfürsorge vor der Zeit der Inneren Mission, Caspar Voght), bedeutende Gestalten aus dem kulturellen Leben (wie Hans Henny Jahnn), Wirtschaftsleute (wie die Zigarettenfabrikanten Reemtsma) oder die streitbare Theologin Dorothee Sölle. Die Botschaft an die Lebenden wie an die Verschiedenen beinhaltet: Vergesst nicht, im Tode werden alle politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutsamkeiten unerheblich. Ihr könnt nichts mitnehmen. Euren sozialen Status nicht, euren Reichtum nicht, eure Wichtigkeitsrituale nicht.

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Renzenbrink • Reppel • Resch • Resenhorst • Reukauff • Reuper • Reuss • Reuß • Reuter • Reuter Reuther • Revello • Reysen • Rhein • Rhenius • Rhinow • Ribke • Richter • Richters • Rick • Rickenhof


Aber: Die Toten tanzen nicht nur. In Gesellschaften, die mit einer Kommunikationsmöglichkeit zwischen Lebenden und Toten rechnen, ist dieser Austausch genauso wie das Lebensgefühl der Menschen von einer tiefen Ambivalenz bestimmt. Denn es gilt die Logik der Reziprozität, des verpflichtenden Austausches. Gaben müssen angenommen und erwidert werden. Die Toten – die Ahnen – geben: Gedeihen, Lebenskraft, Erfolg, was auch immer; und die Lebenden sind verpflichtet, diesen Gaben zu »antworten«. Die Lebenden sind verpflichtet, den Toten zurückzuzahlen: Dank und Achtung, aber auch die Übernahme von Regeln, Aufgaben, wiederum Gaben an die Toten – wer sich hier verschuldet, fühlt sich schnell zerstörerisch überfordert. In den evangelischen Kirchen bleiben solche Fragen tabuisiert; anders als in vielen Gesellschaften weltweit. In den protestantisch geprägten Lebenswelten unserer Kultur ist die Einstellung, dass Begegnungen mit den Toten ausgeschlossen sind, unbestreitbare Lebensgewissheit geworden. Dieses Selbstverständnis ist aber ein kulturgeschichtlich verhältnismäßig neues Phänomen. Es beinhaltet auch, dass Begegnung und Konfliktklärung schwierig und dass damit Verleugnung und Verdrängung vorherrschend werden können. Für Hinterbliebene kann es sehr belastend werden, wenn die Ambivalenz der Gefühle gegenüber den Verstorbenen von der Vorstellung besetzt bleibt, etwas schuldig geblieben zu sein und auch weiterhin zu schulden. Auch dann, wenn die Beziehung zu den Verstorbenen vollständig weggemacht, »entsorgt« wird oder zumindest werden soll (vielleicht genau aus diesem Grund). Für die Beziehung der Lebenden zu ihren Toten kann dann die evangelische Verheißung zu einer befreienden Zusage werden. Gottes Geschenk des Lebens in all seinem Reichtum ist umsonst und muss nicht »wiedergutgemacht werden«. Gottes Liebe bleibt – sie ist »treue« Beziehung und überdauert jeden Abbruch durch die Menschen. Sie muss und kann nicht durch religiöse Leistungen verdient und beantwortet werden. In Kreuz und Auferstehung Jesu Christi sind auch zerstörerische, im Tiefsten überfordernde Vorstellungen zwischen Lebenden und Toten aufgehoben: Lebende müssen nicht die Gaben, die ihnen von den Verschiedenen gegeben wurden, zurückzahlen, sie wiedergutmachen. Nein, es ist genug getan. Alle Schuld ist beglichen. Wir sind frei. Unter diesen Bedingungen findet die Entwicklung vom Fried-»Hof« zum Garten eine symbolische Kraft. Die »Wohn«-Orte der Toten sind zwar nicht mehr in die Räume alltäglicher Arbeit und alltäglichen Austausches eingebunden. Als Gartenanlagen sind sie in ein Spiel-Feld von kreativer, vielleicht sogar spielerischer Inszenierung und Gestaltung von Natur entlassen. Das spiegelt auch die Entlastung der Beziehung zwischen den Lebenden und den Toten: Die Toten

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Rickers • Ridderbusch • Rieck • Riedel • Rieger • Riekhoff • Riem • Riemann • Rieper • Ries • Rieß Rigó • Rimpau • Rimpau-Brandt • Ripke • Ristow • Ritt • Ritter • von Ritter zu Groenesteyn • Rittmeister


werden in Ruhe gelassen, sie müssen für die Lebenden nichts mehr geben und nichts mehr tun. Und die Lebenden können und müssen an ihnen nichts wiedergutmachen. Der Garten der Toten kann so zu einem Ort der Ruhe und des Verweilens werden, zu einem Feld spielerisch-zweckloser Gestaltung jenseits des Zwanges zu Selbstinszenierung und Repräsentation. Zu einem Ort, der dem nicht austauschbaren individuellen Gesicht der Beziehung zu diesem einzigartigen Menschen angemessen ist – in Trauer und Sehnsucht, Zärtlichkeit und Dankbarkeit, Lebensgewissheit und Liebe. Wie in diesem Garten Blumen, Sträucher und Bäume wachsen, kann auch nach der Zeit des traurigen Abschiednehmens eine neue Beziehung zwischen den Lebenden und den Verschiedenen wachsen. Die Beziehung zu den Toten endet ja nicht mit deren Tod, sondern beginnt erst. Der Garten lädt zum Verweilen ein. Sich Zeit nehmen. Hegen. Sich erinnern. Belastende Gefühle dürfen kommen, aber auch losgelassen werden. Bilder gelingender Begegnung und des Glücks gelebten Lebens dürfen entstehen und wachsen. In diesem Sinn ist der Nienstedtener Garten ein besonderer Garten. Er liegt am Rand und im Zentrum des Ortes der Lebenden. Im Zentrum, weil sich der Lebens-Ort um ihn schmiegt. Am Rand, weil jenseits von ihm nur noch eines kommt: der große Fluss.

Der Fluss In den Mythen vieler Kulturen bilden Flüsse die Grenze zum Reich der Toten. Sie müssen, oft unter Gefahren und Qualen, überschritten werden. In der griechischen Mythologie müssen die Verschiedenen, um in den Hades zu gelangen, sich für Geld (und wehe, sie haben nichts dabei – unter der Zunge) vom Fährmann Charon über den Fluss Styx hinübersetzen lassen. Solche Mythen sind – über literarische Werke oder massenwirksame Filme – in Restbeständen für die

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Ritze • Ritzel • Ritzer • Ritzke • Ritzki • Rix • Robanske • Robeoltmanns • Robin • Roch • Rode • Röder Rodewald • Rodewohlt • Rödinger • Roehr • Roelke • Roemer • Roesing • Rofcher • Rogall • Rogalla


Menschen heute oft noch lebendig. Sie wortwörtlich zu verstehen, wäre (vor allem in Nienstedten) unsinnig: Jenseits des Flusses liegt nicht das Totenreich, sondern die Flugzeugfabrik. Das Fließen und Strömen des Flusses kann jenseits des Mythos als intensives Bild, als Metapher für Trauerprozesse in anderer Weise hilfreich werden. Das fließende Wasser verschlingt Leben, und es bringt Leben hervor. In dieser Bedeutung wird Wasser auch zum sakramentalen Zeichen für das, was Menschen in der Taufe geschieht. Die Macht des Todes und des Bösen wird verschlungen. Neues Leben in heilsamer, neuer Gemeinschaft wird geschenkt. Dafür steht die Metapher des »Leibes Christi«. Wie deutlich die Elbe die symbolische Kraft für dieses Geschehen mitteilt, konnten Eltern, Paten und Freunde erfahren, die sich am großen Tauffest in diesem Fluss zu Pfingsten 2011 beteiligten. Metaphorische Bilder und Symbole öffnen eine Wirklichkeit, die ohne sie nicht zugänglich wäre. Dies ist gerade in Trauerprozessen hilfreich und nötig. Aber nicht nur die Trauer: Alle existenziellen religiösen Lebensvollzüge leben aus einer Flussbewegung. Zerstörerische Erfahrungen und Begegnungen, Beziehungen und Besetzungen sollen ihre Macht über den Menschen verlieren, sollen Leib und Seele eines Menschen verlassen. Metaphorisch gesprochen: aus ihm / ihr herausfließen. Heilsame Lebensmacht soll in Leib und Seele hineinfließen: durch Trost und Zusage, durch heilsame und verbindliche – treue – Beziehung, durch heilsame Erzählungen und Bilder, durch die Stärkung der eigenen Ressourcen und durch die Fähigkeit, sich selbst zu lieben. Im Kern ist dies die heilsame Lebensmacht Gottes, aus der aller Segen, alle Lebenskraft und aller Lebensmut fließen. Trauer ist nicht nur ein Prozess »im Innern« eines Menschen. Trauer kann zu einem Gefühl werden, das Menschen im Griff, sie »besetzt« hält wie eine von außen auf sie einwirkende zerstörerische Macht: ähnlich unheilvoll wie Krankheit und Tod, die den Verstorbenen be-

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Roger • Rogge • Roggenkamp • Rohde • Röhe • Röhl • Rohlf • Rohlfs • Röhling • Rohr • Rohreit • Röhrs Rohwedder • Roick • Rokoß • Rollin • Roltsch • Römer • Rominger • Rommeney • von Rönn • Rönnspies

Wilhelm Heuers Ansicht von Nienstedten aus dem Jahr 1854 zählt zu den schönsten. Obwohl die Kirche im Hintergrund steht, bildet sie das Zentrum des Gemäldes. Gut zu erkennen ist auch Jacobs Lindenterrasse.


reits hingerafft haben. Deshalb soll die Begleitung von Trauernden zum Ziel haben, dass diese zerstörerische Macht »abfließen« kann. In Martin Luthers Sermon von der Bereitung zum Sterben von 1519 findet sich eine ähnliche Vorstellung: eine doppelte Bewegung des Herausfließens von zerstörerischen und des Hineinfließens von heilsamen inneren Bildern. Luther will mit seinen Überlegungen sterbende Menschen auf die Überschreitung der Todesgrenze vorbereiten. Wenn sich ein Sterbender aufs Sterben (als »neue Geburt« verstanden) vorbereitet, soll er die Bilder der Todesfurcht verlassen, soll sich aus den Grübeleien über verfehltes Leben befreien und allen Ängsten den Rücken kehren, die ihre Macht über die Todesgrenze hinaus ausdehnen. In der zweiten Bewegung des heilsamen Flusses sollen sich Sterbende und Trauernde lebens- und liebevollen inneren Bildern öffnen: So verliert die Todesfurcht ihre Macht, und der Tod selbst wird »im Leben erwürgt und überwunden«. Der heillose Zwang, über eigenes Versagen nachzusinnen, wird durch Hineinfühlen in ein heilsames Gegen-Bild entmächtigt. Und an die Stelle zerstörender Phantasien über ein Schicksal jenseits der Todesgrenze tritt neue Lebensgewissheit – auch im Angesicht von Sterbenmüssen und Trauer: »Darum sieh das himmlische Bild Christum an (…). Sieh, in dem Bild ist überwunden deine Hölle und deine ungewisse Vorsehung gewiss gemacht.« Um Bilder zu finden für das, was in der Trauer geschieht und was Trauernden als »Trauerarbeit« abverlangt wird, ist die Metapher des Flusses besonders hilfreich, und es ist – religiös verstanden – kein »Zufall«, dass der Friedhof von Nienstedten sich an die Elbe, an den großen Fluss legt. Sein Strömen kann zerstörerische Trauer- Gefühle mitnehmen und – hinter dem Horizont – in eine offene, freie Welt führen. Fließende Sehnsucht nach neuer Heimat, die anders ist als das Vertraute, anders als alles das, was in Abschied und Trauer jetzt verlassen werden muss.

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Rönz • Roosen • Röper • von Rosen • Rosenbaum-Lorders • von Rosenberg • Rosenberger • Rosenbrock Rosenfeld • Rosenstiel • Rosenthal • Rösler • Rossberg • Rössel • Rossen • Rössger • Rosskopf • Rößler


Ein neuer, ein heilsamer Raum, in dem Gottes Segen als Zärtlichkeit des Lebens spürbar wird, wo alle Tränen abgewischt werden, ein neuer Anfang, neues Leben.

Die Toten Es gibt in unserer pluralen Kultur zahlreiche religiöse und auch weltliche Vorstellungen von der heilsamen Beziehung zwischen Lebenden und Toten. In diesem Chor singt die christliche Stimme eine unverwechselbare Melodie vom Glauben an die Auferstehung von den Toten. Der Apostel Paulus hat im 1. Korintherbrief darauf bestanden, dass dieses Geschehen alle konkreten menschlichen Vorstellungsmöglichkeiten übersteigt. Paulus deutet Auferstehung in Aufhebungen dessen, was uns als Menschen vertraut ist. Er besteht zugleich auf der »Leiblichkeit« dieses Geschehens: Es lässt sich nicht so begreifen, dass Körperlichkeit und Geistigkeit des Menschen getrennt würden und die Auferstehung nur für den geistig-seelischen Bereich im Menschen erwartet würde, während der Körper mit dem Tode verwest, also am Auferstehungsgeschehen keinen Anteil hätte. Auferstehung geschieht dem ganzen Menschen, als Leib und Geist, aber in einer mit menschlich- alltäglichen Möglichkeiten nicht vorstellbaren, sondern alles Vorstellbare und Denkbare aufhebenden Weise (1. Korinther 15,42–44): »Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.« Es geht also um Verwandlung, um vollständige Aufhebung aller bekannten und vorstellbaren Formen menschlicher Körperlichkeit (»natür-

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von Rosty Foryách • Roterberg • Roth • Röth • Rother • Rothfuchs • Rottmann • Rottmeier • Rotzoll Rowaczyk • Rowoldt • de la Roy • Rubach • Rubberts • Rückel • Rückner • Rückner von Klitzing

Friedhofstor an der Elbchaussee: Das Kruzifix erinnert an Tod und Auferstehung


licher Leib«). Der biologische Körper des Menschen wird mit dem Tod dem Prozess der Verwesung übergeben. Seine soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Existenz wird – nach einer Phase des Erinnerns im kulturellen Gedächtnis der vertrauten Menschen – im Regelfall an Deutlichkeit verlieren und im Laufe der Zeit verblassen. Auferstehung ist keine Aufhebung im Sinne des Verschwindenlassens der Leiblichkeit des Menschen. Die Verwandlung geschieht dem ganzen Menschen in seiner Einheit von Leib, Seele und Geist. Um das Neue und Verwandelte zu bezeichnen, spricht Paulus jetzt vom »geistlichen Leib« des Menschen. Damit ist gemeint: der Geist Gottes – die dem menschlichen Leben zugewandte, ihm begegnende Seinsweise Gottes; nicht mehr die Selbstreflexion des menschlichen Individuums ist Lebensmittelpunkt des durch Auferstehung verwandelten »geistlichen Leibes«. Christen, die sich taufen lassen, Abendmahl feiern und ihr Leben vom Glauben an den Gekreuzigten und Auferstandenen bestimmen lassen, gewinnen selbst Anteil am Auferstandenen. Eine vollendete Intimität, ja Ein-Körperung der Christen in die Beziehung mit Christus: Paulus hat deshalb von der Gemeinschaft der Christen als »Leib Christi« gesprochen »… wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt« (1. Kor 12,13). Durch diese Zugehörigkeit werden alle Ordnungen und Grenzen entmachtet, die das soziale Alltagsleben der Christen bestimmen, die aber durch die Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinde als dem Leib Christi nicht einfach aufgehoben sind: Solange sie leben, bleiben Christen in ihrem Geschlecht, ihrem sozialen Status, in ihrer Nationalität in die jeweils existierenden sozialen Ordnungen eingebunden. Aber: Der Glaube an den Auferstandenen bringt Menschen in Kontakt, ja zu einer Vereinigung mit der heilsamen Macht Gottes, durch die

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Rucktäschl • Rudnick • Rudnik • Rudolf • Rudolph • Rudow • Rueb • Ruhm • Rühmann • Rühmkorf Ruhnau • Ruhstrat • Rühter • Rumberg • Rumpel • Rungas • Runge • Runge-Seestädt • Rüpcke • Ruperti


alles Leben geworden ist und die im Reich Gottes alles Leben in sich aufnehmen wird. Alle Machtbeziehungen und Differenzierungen innerhalb der geschichtlich-sozialen Wirklichkeit, aber auch alle Differenzierungen in der biologischen Verfasstheit des Lebens werden durch die Zugehörigkeit zu dieser Macht in ihrer eigenen, lebensbestimmenden Macht entmächtigt – auch die biologische Grenze zwischen Leben und Tod. Im Raum dieser Beziehung verliert der biologische Tod seine Macht. Eine neue Beziehung zwischen Lebenden und Toten wird möglich, die beide zum Leib Christi hinzugehören. Niemand ist vergessen. Die Toten verschwinden nicht. Wenn wir uns an sie erinnern, wenn wir die Beziehung zu ihnen gestalten – auf dem Friedhof, im Gottesdienst, auch in virtuellen Begegnungen über das Internet –, sind sie für uns da. Der Friedhof wird durch die Menschen, die hier ihre Verschiedenen besuchen, die deren Gräber pflegen, die gelebtes Leben erinnern, zu einem Ort der Begegnung. Die Toten sind tot. Sie können unser Leben nicht mehr bestimmen. Vor allem müssen wir uns ihnen gegenüber nicht mehr schuldig fühlen. Aber wir können ihnen begegnen: weil mit dem Tod die Beziehung zu den Toten erst beginnt. Friedhöfe sind leiblich spürbare, kreativ gestaltbare, besuchbare Räume der Begegnung mit den Verschiedenen. In unserer Kultur werden sie durch virtuelle Begegnungsmöglichkeiten ergänzt, aber nicht ersetzt. Es macht unser Leben reicher, wenn wir uns diese Chance zur Beziehungs-Pflege schenken lassen. Auch auf dem Friedhof von Nienstedten, diesem großen Garten der Verschiedenen am großen Fluss: Chance zur Begegnung mit unseren Verstorbenen.

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Rupp • Ruppel • Ruppersberg • Ruprecht • Rüsch • Rusche • Russ • Rüss • Rust • Rüter • Ruth • Rüther Rybak • Sabersky • Sachau • Sachers • Sachse • Sack • Sadoni • Sager • Sahling • Salb • Salchow • Salewski

Licht fällt in den Garten der Erinnerung am großen Fluss.


Mein Tod und meine Hoffnung, mein Begräbnis und mein Grab Die Pastorinnen Astrid Fiehland van der Vegt und Vera Lindemann und Pastor Tilmann Präckel geben Auskunft Befragt von Hella Kemper

Wie möchten Sie sterben? Tilmann Präckel: Ich nehme das Leben als Geschenk wahr. Ich habe ja keinen Einfluss darauf, wann es vorbei ist. Ich habe einmal einen Menschen begleitet, der sagte: Ich bin ganz gespannt, wann es hier auf der Erde mit meinem Urlaub vorbei sein wird. Das Bild finde ich stark. Meine Hoffnung ist, dass es eine Beheimatung ist, wenn das Leben vorbei ist. Dann ist nicht nichts, nichts Fremdes, dann ist nicht alles vorbei, dann ist Heimat. Ich wünsche mir, dass ich lebenssatt sterben kann, dass ich nicht aus dem Leben herausgerissen werde. Ich möchte mich gern auf den neuen Abschnitt, der folgt und von dem wir alle nichts wissen, vorbereiten können. Es gibt einen Psalm, in dem davon die Rede ist, dass man sein Haus bestellt. Das heißt, ich wünsche mir, dass ich nicht mit einem Schlag tot umfalle, sondern dass ich mich verabschieden und mich vorbereiten kann. Aber ich weiß natürlich, dass ich mir das nur wünschen kann, mehr nicht. Ich möchte darüber nachdenken, wie der Bogen des Lebens wohl zu Ende gehen wird: Mit wem möchte ich noch einmal sprechen? Ich möchte fragen: Was ist mein Leben gewesen? Manche Menschen können nicht gehen, weil sie noch an etwas knabbern; etwas hält sie noch fest, sie sind unruhig, sie ringen, sie können es noch nicht aussprechen. Etwas ist noch nicht fertig. Aber manchmal kann dann auch Frieden sein. Es ist schön, wenn ich dann loslassen könnte. Mein Glaube ist, dass mein Leben kein zufälliges biologisches Geschehen ist. Mein Leben wurde mir von Gott geschenkt. Ich glaube fest daran, dass mein

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Astrid Fiehland van der Vegt, Vera Lindemann und Tilmann Präckel

Saller • Salomon • Salow • Sammann • Samuel • Sander • Sandfuß • Sandkamp • Sandweg • Saretzki Sartorius • Sasse • Sattler • Sauerbach • Sauerlandt • Saul • Saurbier • Sauter • Sautter • Sauuer • Sauver


Leben, wenn es auf der Erde zu Ende ist, bei Gott vollendet wird. Ich bin von Gott begleitet, er hat mir das Leben geschenkt. Ich habe bei Gott eine Heimat. Das Leben bricht nicht ab, sondern vollendet sich. Astrid Fiehland van der Vegt: Wenn ich es mir denn wünschen dürfte, möchte ich am liebsten »alt und lebenssatt« sterben, so wie es die Bibel von Abraham sagt. Ich wünsche mir keinen plötzlichen Tod. Ich möchte meine Angelegenheiten mit Muße ordnen können, Dinge verschenken und mich von den Menschen, die ich liebe, verabschieden. Ich wäre glücklich, wenn ich diese Welt mit dem Gefühl verlassen könnte, die mir geschenkte Zeit gut und sinnvoll gebraucht zu haben. Ich hoffe, dass ich mit allen versöhnt sein werde und mir meine eigenen Fehler und Versäumnisse verzeihen kann. Mein Beruf zwingt mich, immer wieder über das Sterben und den Tod nachzudenken. Ich empfinde das nicht als Last, sondern eher als Privileg. Ich lerne selbst sehr viel über das Leben, wenn ich Sterbende und ihre Angehörigen begleiten darf. Auch durch persönliche Erfahrungen mit Krankheit und Verlusten ist mir das Thema im Laufe der Jahre näher gerückt. Mein Glaube macht mich zuversichtlich, dass ich nicht verloren gehen werde, wenn ich sterbe. Dieses Vertrauen wünsche ich mir auch in der Stunde meines Todes. Vera Lindemann: Ich möchte mich verabschieden können. Ich möchte nicht aus der Welt gerissen werden. Das heißt, dass ich merke, ich werde weniger, das Leben reduziert sich langsam. Ich möchte meinen Angehörigen noch einmal Wesentliches sagen, vielleicht noch etwas geradestellen. Die Wärme, die in diesen letzten Begegnungen entstehen kann, kann sehr schön sein. Dann kann man den anderen gut gehen lassen. Die Welt danach kennen wir nicht. In der Bibel ist die Rede von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Ich weiß, es gibt da eine andere Welt. Vielleicht ist es wie bei Kindern, wenn sie spielen: Sie sind dann in einer anderen Welt, sind entrückt. Der Tod ist die Grenze: Angst macht mir das nicht. Aber man braucht Mut. Sterben ist ein mutiger Weg. Wenn man Sterbende begleitet, kann man die Angst vorm Sterben verlieren. Wenn beispielsweise jemand sehr krank ist, dann kann der Tod auch Erlösung sein. Dann gibt es keine Alternative mehr im Leben. Dann gibt es nur noch den Tod. Dann muss man und kann man loslassen. Und es ist doch eine prima Aussicht, dass es noch ein anderes Leben gibt, von dem wir noch nichts wissen. Und über das ich auch nichts wissen möchte. Ich bin ja nicht todessehnsüchtig, sondern lebensfroh. Hoffentlich bis zum Ende des Lebens im Tod.

Mein Tod und meine Hoffnung, mein Begräbnis und mein Grab

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Savage • Say • Schaada • Schaadz • Schabow • Schacht • Schack • Schad • Schade • Schadendorf Schädla • Schaefer • Schaeffer • Schäfer • Schaffhausen • Schaffhauser • Schallehn • Schallert • Scharfe


Der Pastor und die Pastorinnen der Kirchengemeinde Nienstedten: Tilmann Präckel, Vera Lindemann und Astrid Fiehland van der Vegt. Vera Lindemann, geb. 1965 in Hamburg, teilt sich mit ihrem Ehemann Tilmann Präckel seit 2012 eine Pastorenstelle in Nienstedten. Ihr Vikariat absolvierte sie in Groß Flottbek, ihre erste Pfarrstelle hatte sie in Scharbeutz.

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Mein Tod und meine Hoffnung, mein Begräbnis und mein Grab

Scharfenberg • Scharff • Scharlach • Scharlau • Scharnberg • Scharnhorst • Scharstein • Schattiger Schättiger • Schatz • Schaumann • Schecker • Scheder-Bieschin • Schedlinski • Scheel • Scheele


Wo möchten Sie bestattet werden? Tilmann Präckel: Das weiß ich nicht. Das sind Gedanken, die meine Eltern sich gerade machen. Ich selbst mache sie mir noch nicht. Meine Eltern wollen niemandem zur Last werden, wenn sie tot sind. Aber wir Angehörigen wünschen uns einen Ort, an dem wir zu ihnen hindenken können. Meine Eltern waren reisende Menschen, so dass es für sie schon schwer war zu entscheiden, wo sie im Ruhestand sein wollen. Ich habe mit meiner Familie noch nicht darüber gesprochen, wo ich beerdigt werden möchte. Jetzt ist erst einmal meine Elterngeneration dran. Vera Lindemann: Ja, das ist auch für mich noch völlig offen. Entscheidend ist: Wo sind unsere Kinder? Wo leben wir in der Phase, bevor wir sterben? Der Friedhof muss für die Hinterbliebenen erreichbar sein. Für den Partner, der zurückgeblieben ist. Astrid Fiehland van der Vegt: Ich wünsche mir auf jeden Fall einen definierten Ort, also ein Grab mit einem Grabstein darauf. Die Vorstellung, als Asche über dem Meer oder auf einer Bergwiese ausgestreut zu werden, gefällt mir nicht so gut. Auf welchem Friedhof meine Grabstätte liegen soll, weiß ich noch nicht. Nach so langen Jahren als Pastorin in Nienstedten ist der hiesige Friedhof mir sehr vertraut. Ich gehe dort oft spazieren und erinnere mich an Menschen aus der Gemeinde, die ich persönlich gekannt habe. Ich weiß aber ja nicht, wo im Alter einmal mein Zuhause sein wird und wo meine Kinder leben werden.

Wie möchten Sie bestattet werden? Astrid Fiehland van der Vegt: Ich bin in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Bei uns kannten wir keine Feuerbestattungen, als ich Kind war. Das hat mich sicher geprägt. Ich wünsche mir ein Erdbegräbnis. Das entspricht auch der älteren christlichen Tradition. Natürlich stelle ich mir auch einen Dankgottesdienst vor mit Musik und vielen Liedern. Es wäre schön, wenn sich die Menschen, die mir am Herzen liegen, dort versammelten und wenn sie gerne an die Zeit zurückdächten, die wir zusammen verbracht haben. Einige Male habe ich erlebt, dass am offenen Grab alle das Osterlied Christ ist erstanden anstimmten. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich möchte meinen Hinterbliebenen aber keine Vorschriften machen. Sie dürfen selbst entscheiden, welche Form des Abschieds für sie stimmig ist.

Mein Tod und meine Hoffnung, mein Begräbnis und mein Grab

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Scheelhase • Scheibe • Scheidt • Scheller • Schellmann • Schelz • Schemmann • Schenzer • Scherer Scherke • Schetschine • Scheuerl • Scheuermann • Schey de Komromla • Schiemann • Schildknecht


Tilmann Präckel: Ich möchte ein Erdbegräbnis. Ich möchte so, wie ich gestorben bin, auch begraben werden. Der Grabstein soll keine Verdienste oder Titel oder Leistungen bezeichnen, nur mein Name soll draufstehen und ein Wort, das deutlich macht, in welcher Hoffnung ich gegangen bin. Ein Wort, das dokumentiert, dass ich den Tod als Übergang sehe in eine Heimat. Vera Lindemann: Ich wünsche mir eine Dreiergrabstelle. Da kann noch jemand zu mir und meinem Mann dazukommen. Die Grabstelle sollte sandigen Boden haben. Mir ist wichtig, dass es einen Ort der Trauer gibt. Die Hinterbliebenen sollen einen Platz für ihre Trauer haben. Darum möchte ich keine Seebestattung und auch keine Feuerbestattung. Das macht für mich keinen Sinn. Warum verbrennen? Ich bin ja schon tot. Das reicht als Tod.

Wie soll Ihr Grab aussehen? Vera Lindemann: Der Grabstein soll nicht so blank sein, nicht schwarz, sondern gern Granit, naturbelassen. Draufstehen sollen mein Name und wann ich geboren und gestorben bin. Ich wünsche mir, dass meine Angehörigen zu meinem Grab gehen, dass sie mit mir in Verbindung treten. Das können sehr bewusste Momente sein, in denen man auch rückwärts guckt und lebt. Ich habe das so gelernt: In unserer Familie guckt man nach den Gräbern. Die Grabpflege ist ein Sich-Kümmern. Man beschäftigt sich mit dem Ort, wenn man den Stein abschrubbt oder Wildkraut jätet oder neue Blumen pflanzt. Dann beschäftigt man sich in dem Moment auch mit dem Toten. Und ein Grabbesuch bekommt auf diese Weise etwas ganz Alltägliches, so wie Tischdenken oder Nach-den-Kindern-im-Kinderzimmer-Sehen. Tilmann Präckel: Ich habe keinen grünen Daumen, so dass ich mir keine bestimmten Blumen wünsche. Ja, der Grabstein soll naturbelassen sein, kein polierter Glanzstein, kein Glitzerstein. Eher ein Gedenkstein. Der Friedhof in Scharbeutz – wo meine Frau und ich vor Nienstedten waren – ist ein Friedhof in Rasenlage, das bedeutet, dass die Gräber nur 20 Zentimeter Fläche haben, auf der individuell gestaltet wird. Der Rest ist Rasen. Dadurch hat man eine weitläufige Rasenfläche, die man auch begehen kann. Da wird ein Friedhof auch ein Garten des Lebens, ein großer gemeinsamer Garten. Ein Grab als Teil eines gemeinsamen Gartens – das gefällt mir. Mein Grab soll nicht artifiziell sein, sondern blühend und wachsend. Es soll nicht Distanz erzeugen, man soll auch mal eine Hand auf den Stein legen dürfen.

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Astrid Fiehland van der Vegt, Vera Lindemann und Tilmann Präckel

Schildt • Schilinski • Schiller • Schilling • Schimming • Schimpf • Schinckel • Schindler • Schindowsky Schineis • Schinkel • Schirdewan • Schirmacher • Schirmer • Schlag • Schlage • Schlamp • Schleif


Wir leben hier auf dem Friedhof in Nienstedten, das Pastorat an der Rupertistraße ist ja Teil des Friedhofes, das ist sehr stimmig für mich. Denn der Friedhof ist nicht nur ein Ort, an dem man sich verhüllt und wo man ganz still ist und leise über Wege trippelt. Sondern er ist ein Ort, an dem man auch fröhlich sein darf: Auf einem Friedhof kann Leben sein, Lebendigkeit. Ich wünsche mir natürlich, dass ich erinnert werde, wenn ich gestorben bin. Ich wünsche mir, dass Menschen etwas weitertragen, was sie mit mir verbinden. Ich wäre enttäuscht, wenn keiner mehr an mich denken würde. Astrid Fiehland van der Vegt: Ich stelle mir ein kleines Gärtlein vor an einem friedlichen und ruhigen Ort. Es soll eher schlicht gestaltet sein: Kornblumen sind meine Lieblingsblumen! Ich hoffe, dass ab und zu jemand vorbeikommt, der im Sommer die Blumen gießt und im Herbst das Laub zusammenharkt. Verwahrloste Gräber finde ich immer etwas traurig. Der Grabstein sollte aus der Umgebung sein, vielleicht ein Feldstein. Darauf kann mein Name stehen und gerne auch ein Bibelwort. Es gibt so viele wunderbare Sätze in der Bibel! Wenn ich selbst über einen Friedhof gehe, freue ich mich immer, auf den Grabsteinen eine Botschaft zu entdecken. Eine Freundin, die früh verstorben ist, hat auf ihren Grabstein schreiben lassen: Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein (1. Mose 12,2). Es war ihr großer Wunsch, dass ihre noch kleinen Kinder sich von ihrer Mutter gesegnet fühlten. Und auf dem Grabstein meiner Schwiegermutter steht: Hier wartet auf die Auferstehung der Toten … Ich finde es schön, wenn die Grabsteine auf einem kirchlichen Friedhof davon Zeugnis geben, dass wir als Christen eine Hoffnung haben, die über Grab und Tod hinausreicht.

Mein Tod und meine Hoffnung, mein Begräbnis und mein Grab

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Schlemminger • Schlenk • Schliebitz • Schliecker • Schlienkamp • Schliestedt • Schliewe • Schlimper Schlöbohm • Schlodtmann • Schlolaut • Schlorke • Schlösser • Schlumbohm • Schlüschen • Schluter


Schlüter • Schmahl • Schmalfeld • Schmalfeldt • Schmalmack • Schmalz • Schmarje • Schmeiss Schmeisser • Schmelia • von Schmeling • Schmencke • Schmid • Schmidekam • Schmidenkam • Schmidt


















Die Toten wärmen uns

Von Dorothee Sölle

M

ir sind diese Novembertage, die noch in unseren Kalendern stehen und Namen wie Volkstrauer, Buße, Gebet, Totensonntag haben, wichtig. Sie machen mich erinnern. Sie schicken mich, wenigstens innerlich, auf den Friedhof. Sie machen mir bewusst: Ich habe mir das Leben nicht selbst gegeben. In den Mantel meines Lebens ist hineingewoben all die Zuneigung und Zärtlichkeit der Menschen, die nicht mehr hier sind und an die ich mich erinnere. Ich muss nicht anfangen mit dem Leben und alles als Erste tun, ich muss auch nicht alles fertigbringen, was ich gern mit meinem Leben getan hätte. Ich kann fragmentarisch leben, wie das Leben meiner Toten Fragment gewesen ist. Sie lehren mich etwas, was ich nicht vergessen will, sie sagen mir, dass ich sterben werde. Jeder Mensch, der mir nahe ist und der vor mir stirbt, zieht einen Pflock heraus aus dem Zelt meines eigenen Lebens. Er löst Freundinnen und Freunde. Meine Eltern und Geschwister, die gestorben sind, sagen mir: Was ich getan habe, wirst du auch tun müssen – sterben. Auf einem alten Grabstein fand ich den Spruch: Eram quod es. Ich war, was du bist – lebendig. Eris, quod sum. Du wirst sein, was ich bin – tot. Die Toten sagen mir noch etwas anderes: Was ich gekonnt habe, das wirst du auch können – sterben. Es ist eine schwere Arbeit, das Leben loszulassen, aber keine unmögliche. Sie vermindern meine Angst, die Toten. Und manchmal denke ich, die Toten wärmen uns. Vielleicht nimmt die Kälte in unserem Land auch deswegen zu, weil die Toten keine Stelle mehr haben und wir sie aus Angst vor dem eigenen Sterben aus dem Gedächtnis verbannen. Zur Humanität gehört die Erinnerung, genauso wie der Blick auf die, die nach uns kommen. Man kann den Menschen geradezu definieren als das Wesen, das die Namen seiner Großeltern weiß und für die Enkelkinder vorsorgt. Es gibt eine skrupellose Heutigkeit, die mit dem Vergessen der Toten zusammenhängt und ihre gnadenlosen

Die Toten wärmen uns

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Schmidt-Acker • Schmidt-Boerckel • Schmidt-Dohna • Schmidt-Kayser • Schmidtke • Schmidtkunz Schmidtmann • Schmidt-Schröder • Schmiedel • Schmieden • Schmiegel • Schmielau • Schminke

Dorothee Sölle, geb. 1929 in Köln, gest. 2003 in Göppingen, war Theologin und eine weltweit bekannte Schriftstellerin und Rednerin. Sie hat sich für einen ›anderen Protestantismus‹ starkgemacht. Diesen Text hat sie kurz vor ihrem Tod geschrieben. Ihr Grab befindet sich im ältesten Teil des Nienstedtener Friedhofs.


Folgen für alle später Geborenen bereithält. Ohne Erinnerung sein heißt keine Zukunft zu brauchen. Sterben lernt man, indem man zugibt, dass der Tote, der auf dem Grabstein spricht »Du wirst sein, was ich bin«, recht hat. Diese Lektion sollte nicht am Ende des Lebens zur Kenntnis kommen, sondern mitten im Leben. Das haben die Religionen aller Völker gewusst und eingeübt, dass wir begrenzt und sterblich sind. Erinnere dich, vergiss nicht, ist eine der großen Aufforderungen im Judentum wie im Islam, Gott zu vergessen heißt, die Realität Tod, klein, alt, schwach zu verleugnen. Wir werden nicht immer gebraucht, darin liegt die eigentliche Schwierigkeit des Altwerdens. Aber dieses Nicht-gebraucht-Werden muss nicht in Bitterkeit und Verzweiflung umschlagen. Es kann auch zu einer Art von Freiheit führen, in der ich freier, angstloser und humorvoller werde: Ich muss nicht das Ganze tragen, die Welt geht nicht unter, wenn ich untergehe, und ich lerne, Macht und Einfluss abzugeben. Wenn der Tod wirklich mehr ist als eine vermeidbare Panne, wenn er, wie Franziskus von Assisi meinte, unsere Schwester ist, mit uns geboren und uns begleitend wie unser Schatten, dann entsteht aus seiner Annahme eine andere Art von Gewaltlosigkeit im Umgang mit anderen und der Schöpfung. Nicht wir garantieren das Leben, dieses wunderbare, sich erneuernde, unbeherrschbare, uns geliehene Leben. Das ist nicht nur eine philosophische Erkenntnis. Es hängt mit dem Glauben an einen anderen Garanten des Lebens zusammen.

Dorothee Sölles Grabstein auf dem Nienstedtener Friedhof.

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Dorothee Sölle

Schmitz • Schmuck • Schnabel • Schnackenbeck • Schnadel • Schnapp • Schnegg • Schneider Schneider-Rieser • Schnepel • Schnieders • Schnitter • Schnoor • Schnur • Schöbel • Schoch • Schoderer


Zur Orientierung

Schoemann • von Schoenaich • Schokoll • Scholaut • Schöling • Scholler • Scholtz • Scholz • Schomann Schon • Schönaich • Schönbach • Schönborn • Schöneberg • Schönfeldt • Schönheit • Schönherr


Die Museumsbereiche und die »Historischen Gräber« Von Eberhard Kändler

Eberhard Kändler, geb. in Hamburg, ist Kunsthistoriker und Architekt. Er hat sich intensiv mit der Kunstgeschichte der Friedhofs- und Grabmalgeschichte beschäftigt. Heute ist er Teilhaber eines Architekturbüros in Hamburg.

A

uf dem Friedhof Nienstedten findet sich eine ungewöhnlich hohe Anzahl kunst- und kulturhistorisch bedeutender Grabmale aus zwei Jahrhunderten. Dazu zählen – unter vielen anderen Grabsteintypen – einfache Sandsteinstelen aus dem frühen 19. Jahrhundert ebenso wie größere Grüfte oder aufwändige Grabbauten der wilhelminischen Zeit. Wenn Grabstätten von Angehörigen aufgegeben werden, räumt – wie allgemein üblich – die Friedhofsverwaltung die Grabmale ab, und die Grabstelle kann neu belegt werden. Dadurch war in Nienstedten seit den 1960er Jahren der historische Bestand an Grabsteinen zunehmend gefährdet. Also begann der frühere Verwalter des Friedhofs, Jürgen Lüders, in den 1970er Jahren, historische Grabsteine von aufgegebenen Grabstätten zu retten. Er ließ diese Steine in kreisförmiger Anordnung auf einer freien Fläche nahe dem südöstlichen Friedhofstor an der Elbchaussee aufstellen und begründete damit den heutigen Museumsbereich I. Dadurch konnte beispielsweise die klassizistische Stele der Familie Arnemann gerettet werden, die vor 1840 von dem dänischen Bildhauer Ernst

Der Museumsbereich I ist leicht zu finden, wenn man den Friedhof durch den östlichen Eingang an der Elbchaussee betritt. Die alten Grabsteine bilden einen Kreis um ein Gehölz-Rondell, in dem man einige spannende Entdeckungen machen kann.

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Eberhard Kändler

Schönherr-Büttgenbach • Schönig • Schönrok • Schoppenhauer • Schorkopf • Schott • Schött • Schoubye Schrader • Schramm • Schrappe • Schratmeyer • Schreiber • Schreier • Schreiter • Schreuers • Schriefer


Freund (1786–1840), einem Schüler des bekannten dänischen Klassizisten Bertel Thorvaldsen (1770–1844), geschaffen worden war. Die übrigen in diesem Museumsbereich gezeigten Grabmale illustrieren die Vielfalt der historischen Grabmalkunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die, wie andere Kunstgattungen jener Zeit, auf Stile und Formen verschiedener Epochen der Kunstgeschichte zurückgriff. So geht die um 1910 entstandene Grabsäule der Familie Hardy auf antike Vorbilder zurück, während die Grabsteine Wilhelm Heinrich Martin Biemanns und der Familie Hans Bremer die gotische Formensprache des Mittelalters mit Spitzbögen, kleinen Fialtürmchen und Blendmaßwerk verwenden. Zusätzlich zu diesem ersten Museumsbereich beschloss der Kirchenvorstand Nienstedten, Grabstätten bedeutender Personen als »Historische Gräber« zu erhalten. Die Auswahl dieser Grabstätten muss notgedrungen beschränkt bleiben, da jedes »Historische Grab« Platz beansprucht, der wiederum für Bestattungen fehlt. Als »Historische Gräber« wurden ausgewiesen: – Bernhard Fürst und Maria Fürstin von Bülow (1849–1929) – James Booth (1772–1814) – John Richmond Booth (1799–1847) – Ludwig Fabricius (1885–1966) – Carl Godeffroy (1787–1848) und Wilhelm Martin von Godeffroy (1834–1904) – Hans Henny Jahnn (1894–1959) – Albert Oetker (1865–1930) – Karl Sieveking (1863–1932) – Caspar Voght (1752–1839)

»Historische Gräber« des Nienstedtener Friedhofs: Carl Godeffroy und Wilhelm Martin von Godeffroy, Ludwig Fabricius und Albert Oetker.

Die Museumsbereiche und die »Historischen Gräber«

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Schröder • von Schröder • Schröder-Vontin • Schroeder • von Schroeder • Schroeter • Schröter Schuback • Schubert • Schubring • Schuchmann • Schuckmann • Schueler • Schuer • Schües


Museumsbereich I

Museumsbereich II

Mathilde Arnemann Marmorstele, um 1828

Familie Schilinski Grottenstein, um 1894

Familie Hein Pröckwold vom alten Kirchhof, um 1772

Familie Jürgen Schuldt klassizistische Stele, um 1861

Kapitän Biemann gotisierende Stele, um 1881

Familie Bremer mit Spitzbogenabschluss, um 1876

Familie Becker mit geflügeltem Stundenglas im Giebelfeld, um 1861

Detlef J. Marxsen Obelisk, um 1830

Familie Hardy urnenbekrönte Grabsäule, um 1910

Familie Joachim Schade Sandsteinstele, um 1910

Adolph Tesdorpf antikisierendes Grabmal, um 1887/88

Henry O’Swald mit zwei Wimpergen und Kreuzblumen, vor 1889

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Eberhard Kändler

Schuhmann • Schulbohm • Schuldt • Schüler • Schulmeyer • Schulte • Schülter • Schultz • Schultze Schultze-Bonatz • Schulz • Schulz-Brach • Schulz-Brummer • Schulze • Schulz-Falke • Schumacher


Der Museumsbereich II liegt nahe dem Mausoleum Schröder unter einer imposanten Buchenkathedrale. Man betritt den Bereich durch ein kleines schmiedeeisernes Tor.

Um eine größere Anzahl erhaltenswerter Grabmale zu retten, wurden weitere Museumsbereiche angelegt. Daran beteiligte sich seit Anfang der 1980er Jahre das Denkmalschutzamt Hamburg, wenngleich es – im Gegensatz zu Museen – erhaltenswerte Kunstwerke eigentlich nur an ihrem ursprünglichen Standort erhält und damit schützt. Die Museumsbereiche stellten somit einen gewissen Kompromiss dar. 1983 wurden nach dem Konzept von Helga Schmal vom Denkmalschutzamt zwei weitere Museumsbereiche angelegt. Im Museumsbereich II sind ähnlich wie im Museumsbereich I Grabsteine aus dem 19. Jahrhundert zu finden: neben klassizistischen Grabmalen wie Schuldt und Becker auch charakteristische Beispiele für die damalige Grabmalkunst und ihre Rezeption historischer Stile, Formen und Typen. Eindrucksvoll ist das am hinteren Rand stehende, mit zwei Inschriftnischen versehene Grabmal der Familie von William Henry O’Swald (1832–1923), Hamburger Senator und Bürgermeister. Es wurde von dem Bildhauer Fritz Neubert (1837–1889) geschaffen, der an der Ausgestaltung der beiden Hamburger Kirchen St. Nicolai und St. Petri und des Hamburger Rathauses beteiligt war. Der Bildhauer bediente sich für das Grabmal gotischer Formen des Mittelalters. Das Grabmal eines weiteren Hamburger Senators, Adolph Tesdorpf (1811–1877), hingegen ist mit flachem Dreieckgiebel und seitlichen Akroterien einem antiken Grabmaltypus nachempfunden.

Die Museumsbereiche und die »Historischen Gräber«

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Schumann • Schümann • Schumpelick • Schunk • Schürmann • Schuseil • Schuster • Schüth • Schütt Schütte • Schütz • Schütze • Schwab • Schwalbach • Schwanck • Schwanhäuser • Schwantner • Schwape


Museumsbereich III

Familie Gustav Kalähne Grabmauer mit Kreuz, um 1931

Museumsbereich IV

Familie Claus Bartmann klassizistischer Stufengiebel aus fünf Steinen, um 1840

Anne M. M. Cords historistische Stele, um 1888

Familie Willie Dammann Grottenstein mit lateinischem Kreuz, um 1905

Helene Lindemann Grottenstein, um 1914

Familie Hans Meyer eklektischer Historismus, um 1878

Familie Mewes aus aufgeschichteten Felsblöcken wächst ein Baum empor, um 1879

Familie Hilscher Bronzerelief eines Schnitters, 1930er Jahre

Felix Nückel weibliche Trauerfigur, um 1939

Familie Hermann Renner Grabmauer mit Marmorskulptur, um 1906

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Eberhard Kändler

Schwarck • Schwardt • Schwark • Schwartau • Schwarting • Schwartz • Schwartzkopff • Schwarz Schwarzbach • Schwarze • Schwebs • Schwegler • Schweimer • von Schweinitz und Krain • Schweizer


Der Museumsbereich III liegt unmittelbar neben dem Museumsbereich II: Eine Jesusfigur mit einer Mädchengestalt beansprucht hier alle Aufmerksamkeit für sich.

Das älteste Grabmal des Friedhofs ist der kleine Grabstein der Familie Hein Pröckwold, der von 1772 stammt. Er ist vermutlich vom ehemaligen Kirchhof neben der Nienstedtener Kirche auf den Friedhof umgesetzt worden. Für den Museumsbereich III, der Grabmale aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt, die nicht mehr der historisierenden Vielfalt des 19. Jahrhunderts entsprechen, stellte der Friedhof die Grabstätte des Hamburger Kaufmanns und Kommerzienrats Hermann Renner (1863–1921) zur Verfügung, einem seinerzeit bekannten Mäzen. Das monumentale Grabmal sowie die Umzäunung blieben unverändert erhalten. Das Zentrum dieses Museumsbereichs bildet eine Jesusfigur mit einem Mädchen, die Bezug auf den frühen Tod der 13-jährigen Tochter des Kommerzienrats nehmen dürfte. Geschaffen wurde diese Plastik vermutlich um 1906 von dem Hamburger Bildhauer Walter Zehle (1865– 1940); er hatte Anteil an der bildhauerischen Ausschmückung mehrerer Hamburger Bauten, darunter der Hauptbahnhof, das Museum für Völkerkunde und das Hotel Atlantic. Neu aufgestellt wurden hier unter anderem der schlichte Grabstein von Bernhard Nocht (1857–

Die Museumsbereiche und die »Historischen Gräber«

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Schwenck • Schwendner • Schwenk • Schwere • Schwewe • Schwich • Schwichtenberg • Schwimmer Sdrenka • Sedlmayr • Seebeck • Seegelken • Seeger • Seehase • Seehusen • Seemann • Segbers • Segelke


1945), Tropenarzt und Gründer des nach ihm benannten Instituts für Tropenmedizin in Hamburg, und das aufwändige Grabmal der Familie Karl Friedrich Hilscher, dessen Bronzerelief einen Schnitter mit Ährengarbe und Sichel darstellt. Dieses Motiv ist eine prägnante Allegorie des Todes und eine Arbeit des in Hamburg vielbeschäftigten Bildhauers Arthur Bock (1875–1957), der mit heroisierenden Darstellungen die nationalsozialistische Kunst- und Kulturästhetik bediente. An der Konzeption weiterer Museumsbereiche war ich in den 1990er Jahren im Auftrag des Hamburger Denkmalschutzamtes und in Zusammenarbeit mit dem Verwalter Jürgen Lüders beteiligt. Wir haben erhaltenswerte Grabmale von abgelaufenen Grabstätten auf zukünftigen Museumsbereichen zusammengetragen und im Abstand von mehreren Jahren mit den jeweils angesammelten Steinen neue Bereiche angelegt. Dabei ließen wir uns von drei Kriterien leiten: allgemeine historische oder stadt- und dorfgeschichtliche Bedeutung, kunsthistorische Bedeutung und die Bedeutung als typischer Vertreter einer der historischen Epochen der Grabmalkultur. Für die Aufstellung der Steine bot sich eine regelmäßige geometrische Anordnung an, die sich der Anlagenstruktur des Friedhofsgeländes anpasst und nicht als störendes Element empfunden wird. Um aber gleichzeitig die museale Aufstellung der Steine von denen der umgebenden Grabstätten abzuheben, sind die Grabmale relativ eng nebeneinander angeordnet worden. Dies ergab zudem eine bessere Nutzung des nur begrenzt vorhandenen Platzes. Das grundsätzliche Problem bei der Anlage der Museumsbereiche bestand darin, dass nicht vorab sämtliche Steine gesammelt werden konnten, um sie dann nach Themen, Epochen oder Stilen systematisch geordnet wieder aufzustellen. Für die Lagerung fehlte der nötige Platz. Deshalb musste in Kauf genommen werden, dass sich die Themen der einzelnen Bereiche teilweise überschnitten. Vielleicht liegt aber gerade darin ein besonderer Reiz: Die auf dem Friedhofsgelände verstreut liegenden Bereiche ermöglichen Besuchern einen Einblick in die historische Grabmalkultur, auch wenn sie nicht sämtliche Bereiche anschauen. Für den Museumsbereich IV stellte der Friedhof zwei nebeneinander gelegene Grabstätten zur Verfügung. Auf der südlichen davon erhielten wir das dortige monumentale Grabmal des erfolgreichen Fabrikanten Friedrich Ludwig Lampert an seinem ursprünglichen Standort. Die übrigen hier aufgestellten Grabmale sind zeittypische Beispiele der Grabmalkunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die um neue Ausdrucksformen bemüht war, aber doch an historisch vorgegebenen Grabmalformen orientiert blieb. So zeigt das Grabmal der Familie

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Eberhard Kändler

Seidel • Seidensticker • Seidler • Seifarth • Seifert • Seiffel • Seiffert • Seiller • Seitz • Seitzer • Selchow von Selchow • Seligman • Selk • Sellmann • Sello • Sels • Sengle • Sentner • von Seth • Settekorn


Der Museumsbereich IV ist zweigeteilt und liegt in einer historisch sehr interessanten Abteilung des Friedhofs: In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die großen Grabstätten der Familien Vorwerk, Hesse, Newman und Godeffroy. Der südliche Teil des Museumsbereichs IV: im Zentrum das monumentale Grabmal Lampert – ein urnenbekrönter Altar aus hellem Marmor.

Werner Röber aus Buntsandstein Formen, die an Barock- und Jugendstilarchitektur erinnern. Das Grabmal der Familie H. Ladiges steht in der Tradition der Ädikula-Grabmale. Die Ädikula ist ein antikes Architekturmotiv: Zwei seitliche Stützen mit einem bekrönenden Giebel bilden einen Rahmen für eine Nische. Von den Vorbildern setzt sich dieses Grabmal durch schlichtere, geglättete Formen ab. Der nördliche Teil des Museumsbereichs zeigt hauptsächlich – ähnlich wie die Museumsbereiche I und II – Beispiele für die Vielfalt der historischen Grab-

Die Museumsbereiche und die »Historischen Gräber«

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Seumenicht • Sevecke • Sevfart • Sewenig • Seyfahrt • Seyfart • Sibbertsen • Sieber • Siebeth • Siebke Siebold • Sieck • Sieger • Sieh • Siekmann • Siemann • Siemann-Albers • Siemens • Siemers • Siemonsen


malkunst des 19. Jahrhunderts. Auffällig ist hier ein um 1840 entstandener Stein mit einem kunstvoll gearbeiteten klassizistischen Stufengiebel. Der Giebel ist aus fünf Steinen zusammengesetzt, deren mittlerer ein christliches Kreuz darstellt. Später wurde auch die Rückseite des Grabmals beschriftet und in etwas grober Manier ein kleines Marmorkreuz in den Giebel eingelassen; offensichtlich von einem Steinmetz, der die bereits vorhandene Kreuzform im Giebel übersehen hatte. Der Museumsbereich V ist dem schwarzen und blank polierten Granit gewidmet. Dieser so bearbeitete Granit war vor allem während der Gründerzeit und bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein sehr beliebtes Grabsteinmaterial. Das auf einer langen Grabmauer stehende monumentale Kreuz wurde an seinem Standort erhalten. Die Besonderheit dieses Grabmals sind die in die Grabmauer eingelassenen und durch Inschrifttafeln verschlossenen Kammern für Urnen. Für den Museumsbereich VI – am westlichsten Tor an der Elbchaussee gelegen – stellte Jürgen Lüders zwei ehemalige nebeneinanderliegende Grabstätten zur Verfügung, die zusammen, im Gegensatz zu den anderen Museumsbereichen, keine einfache Rechteck- oder Quadratform bildeten. Hier konnte ich die Idee verwirklichen, die Grabsteine in Form eines Kirchenschiffes mit Haupt- und zwei Seitenschiffen sowie einer Apsis anzuordnen, wobei in der Apsis – wie in einer Kirche – das große Grabkreuz der Familie Stammer platziert wurde. Im Bereich V stehen ausschließlich Steine aus schwarzem und blank poliertem Granit.

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Eberhard Kändler

Siems • Siemshen • Siemson • Sieoemund • Sierk • Sieveking • Sievers • Sievert • Siewert • Siglinder • Sihler Silber • Silcher • Sill • da’Silva • Simmelbauer • Simon • Simonsen • Simonsohn • van Sinteren • Sischer


Der Museumsbereich VI ist vielleicht der schönste. Er liegt direkt bei der Blankeneser Pforte an der Elbchaussee und ist recht eng und in Form eines Kirchenschiffs aufgestellt. Das vermittelt sich erst beim zweiten Hinschauen, wirkt dafür aber umso eindrücklicher.

Auch die hier aufgestellten Grabsteine zeigen neben neuen Formen der Grabmalkunst des frühen 20. Jahrhunderts vor allem die Vielfalt der historischen Grabmalkunst des 19. Jahrhunderts. Als besonderes Grabmal hervorzuheben ist die klassizistische Stele der Familie von Appen, die aus einer weißen Marmortafel gefertigt wurde. In diesem Museumsbereich gibt es noch Platz für weitere Grabmale. Der Museumsbereich VII zeigt moderne Beispiele der Grabmalkunst, die sich von der Formensprache des 19. Jahrhunderts weitgehend gelöst haben. Der Bereich steht für beispielhafte Grabmale zur Verfügung, die uns heute vielleicht noch nicht als museumswürdig erscheinen, die aber in späteren Zeiten als zeittypische und erhaltenswerte Steine erkannt werden könnten. Auch dieser Bereich bietet noch Platz für weitere Grabmale. In einem weiteren ebenfalls zweiteiligen Bereich, der aber nicht als eigentlicher Museumsbereich ausgewiesen ist, haben wir 1996 die Grabsteine der Familie Booth zusammengelegt. Dieser Bereich ist ein »Historisches Grab« mit den unverändert am ursprünglichen Standort erhaltenen Grabsteinen von James Booth (1772–1814) und seiner Ehefrau. Daneben befindet sich der Grabstein

Die Museumsbereiche und die »Historischen Gräber«

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Skalka • Skorczewski • Slaveiko • Slehr • Sloman • Soder • Söderberg • Söffker • Söffner • Sogalla • Sohl Söhler • Soless • Sölle • Sollors • zu Solms Wildenfels • Soltau • Soltwedel • Sommer • Sommerhoff


Der Museumsbereich VII wirkt offen und noch etwas unfertig. Er liegt direkt am Asphaltweg des Friedhofs. Die modernen Steine erscheinen aus heutiger Perspektive noch nicht historisch interessant – ihnen fehlt gewissermaßen noch die Patina.

von John Richmond Booth. Gegenüber liegen weitere Grabsteine der großen Familie. Die sieben Museumsbereiche mit ihren rund 90 historischen Grabmalen sowie die geschützten »Historischen Gräber« zeichnen den Friedhof Nienstedten aus. Eine solche museale Aufbereitung gibt es in Hamburg kein zweites Mal.

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Eberhard Kändler

Sommerkamp • Sondermann • Sönksen • Sonnen • Sönnichsen • Sörensen • Sorge • Sothmann Sowa • Spaeder • Spahn • Spanehl • Sparke • Sparr • Specht-Fey Thieme • Specht • Speck • Spehlmann


Das A bis Z des Nienstedtener Friedhofs Von Hella Kemper und Rainer Kolbe

A

Bagger: notwendig, um die Grabkuhlen auszugraben. Seitdem es auf dem Friedhof einen Bagger gibt, müssen die Kuhlen nicht mehr per Hand gegraben werden. 3Fuhrpark

Abtrag: Erdbeisetzung ohne Feier oder mit einer Feier, die andernorts stattfindet; in Nienstedten verhältnismäßig selten. Angehörige bitte melden: steht auf kleinen Schildern geschrieben, mit denen die Friedhofsverwaltung direkt an der Grabstelle darauf hinweist, dass die Angehörigen sich mit der Friedhofsverwaltung in Verbindung setzen mögen.

rung voraus. Mit durchschnittlich nur ein bis drei anonymen Bestattungen pro Jahr ist sie in Nienstedten die Ausnahme.

Bepflanzung: Anfang März wird die Winterabdeckung abgeräumt, bis Ostern werden Stiefmütterchen gepflanzt. Nach den Eisheiligen kommt die Sommerbepflanzung: Eisbegonie, Knollenbegonie, Fleißiges Lieschen. Mitte September folgt die Herbstbepflanzung mit Erika und Calluna (Besenheide). Zu Totensonntag werden die Gräber für den Winter mit Tannen- oder Fichtenzweigen abgedeckt.

B

Anonyme Beisetzung: ist als Grabstelle ohne Namen auf einem Feld möglich, bleibt aber Nienstedtener Gemeindegliedern vorbehalten und setzt eine Feier in der Kapelle und eine Einäsche-

Bäume: sind nicht erlaubt als Grabbepflanzung. Dafür sind die Grabstellen zu klein. Trotzdem verfügt der Friedhof über einen sehr schönen alten Baumbestand; besonders häufig kommen vor: Scheinzypresse, 3Lebensbaum, Trauerbuche, Birke und 3Ilex. Das A bis Z des Nienstedtener Friedhofs

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Sperber • Sperling • Spielberg • Spielmann • Spierling • Spiesen • Spieß • Spiller • Spinder • Spindler Splicke • Splitter • Spoerl • Spoerri • Sponholz • Spörk • Spörnörder • Spranger • Sprenger • Sprenkel


schen Bildhauer Bertel Thorvaldsen; er ist eine Kopie der Christusdarstellung aus der Frauenkirche Kopenhagen. Auch an zwei Eingängen an der Elbchaussee schmücken Christusdarstellungen die Tore.

Bestatter: Zu ihren Aufgaben gehört es, Verstorbene zu versorgen, einzukleiden, zu überführen und in den Sarg zu betten. Außerdem unterstützen sie die Angehörigen bei der Organisation der Bestattung. Angehörige dürfen einen Verstorbenen nicht selbst zum Friedhof oder Krematorium transportieren. 3Bestattungspflicht Bestattungspflicht/Friedhofszwang: Im Hamburger Bestattungsgesetz von 1988 ist festgelegt, dass ein Toter bestattet werden muss. Auch eine Urne darf nicht an die Angehörigen herausgegeben werden. Beisetzungen außerhalb staatlicher oder kirchlicher Friedhöfe sind nicht zulässig. Bodenbeschaffenheit: lehmig. 3Erde

Diebstahl: kommt immer wieder vor. Besonders häufig werden Blumen samt Wurzelwerk gestohlen, wenn die Grabbepflanzung erneuert wurde. Es wurden schon Diebe auf frischer Tat ertappt.

D

E

Dauergräber: gibt es nicht mehr. In Deutschland wurde 1970 die Regelung, ein Grab für die Dauer eines Friedhofs erwerben zu können, abgeschafft. Der Nienstedtener Friedhof gewährte allen Dauergrabinhabern noch eine weitere Fristverlängerung von 25 Jahren, so dass es seit 1995 in Nienstedten keine Dauergräber mehr gibt. 3Nutzungszeit

Einäscherung (Kremation): Auf dem Nienstedtener Friedhof gibt es kein Krematorium. Die nächstgelegenen öffentlichen Krematorien befinden sich auf den Friedhöfen Ohlsdorf und Öjendorf. Es gibt aber auch Bestattungsunternehmen, die über eigene Krematorien verfügen.

Denkmal: Kulturhistorisch wertvolle Grabsteine stehen in den 3Museumsbereichen I bis VII.

Büsche: sind zur Grabgestaltung erlaubt. Besonders beliebt sind Rhododendren in allen Farbschattierungen. 3Hecken

C Christusfigur: steht mit segnendem Gestus am Eingang Rupertistraße vor der Kapelle. Der Bronzeabguss stammt von dem däni-

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Erde: Je nach Niederschlagsmenge senkt sich die Erde nach der Bestattung über dem Sarg, die Grabstelle verflacht. Nach rund zehn Jahren senkt sich die Erde erneut ab und muss aufgefüllt werden. Erwerb einer Grabstätte bzw. des Nutzungsrechts: Grundvoraussetzung ist die Zugehörigkeit zur ev.-luth. Kirche und zur Kirchengemeinde Nienstedten bzw. ein Wohnsitz im Einzugsgebiet, das allerdings weit über Nienstedten hinausgeht: von Othmarschen bis Blankenese, von Lurup und Schenefeld bis Nienstedten.

Hella Kemper und Rainer Kolbe

Staap • Staben • Stach • Stachelroth • Stahl • Stähle • Stahlkopf • Staiger • Stallmann • Stamer • Stamme Stammer • Standt • Stanek • Stanelle • Stange • Stapelfeldt • Starck • Starnberg • Staudinger • Staudt


Auch Gläubige einer anderen anerkannten christlichen Religionsgemeinschaft können ein Grabnutzungsrecht erwerben. In Ausnahmefällen werden Menschen mit jüdischem Glauben oder Muslime in Nienstedten beigesetzt. Letztlich liegt die Entscheidung, wer eine Grabstelle erwerben darf, beim Kirchengemeinderat der Nienstedtener Gemeinde. Bisher wurde ein einziger Muslim, ein Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung, auf dem Friedhof beigesetzt.

F Fahrräder: sind auf dem Gelände des Friedhofs offiziell nicht erlaubt. Familiengräber: Auf den größeren ist es möglich, sechs, zwölf oder bis zu 60 Erdbegräbnisse durchzuführen.

Exhumierung: Das Hamburger Bestattungsgesetz erlaubt die Ausgrabung von Leichen vor Ablauf der Ruhezeit nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde und (mit Ausnahme der Ausgrabung nach § 87 der Strafprozessordnung) nur in den Monaten November bis März. Auf dem Nienstedtener Friedhof gab es bislang keine Exhumierung.

Fuhrpark: 3 Radlader, 8 Dieselkipper, 1 3Bagger, 1 Rasenmäher als Aufsitzer, 3 Handrasenmäher, 1 Schneeräumgerät, 1 Gießwagen, 4 Elektrofahrzeuge (2 Arbeitswagen, 1 Beerdigungswagen, 1 Besucherwagen).

Feuerbestattung: rung

3Einäsche-

Friedhofszwang: 3Bestattungspflicht Führungen: finden in unregelmäßigen Abständen statt. Das Themenspektrum ist groß: Gehölze, 3Vögel, 3Bäume, Grabstätten, 3Museumsbereiche, Denkmale u.a.

Fundament: Für den 3Grabstein muss die 3Erde 1,60 m ausgehoben werden, so tief wie für die Gruft. Der Stein muss in gewachsenem Boden stehen. Er wird einmal im Jahr auf seine Stabilität geprüft. Die Kosten für eine eventuelle Erneuerung des Fundaments trägt der Grabbesitzer. Besonders problematisch für die Stabilität des Steins ist die Verbindungsstelle zwischen Stein und Fundament.

Das A bis Z des Nienstedtener Friedhofs

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Stauff • Staupf • Stavenhagen • Stech • Steckelberg • von Steeg • Steenbock • Steffen • Steffens • Steffien Stegemann • Stehen • Stehr • Stein • von Stein • Steinbeck • Steinbrecher • Steinbügel • Steines


gelagert, zu Beginn des Frühjahrs stehen jeweils zwei Kannen an allen Wasserstellen und Brunnen. Sie sind aus Plastik, meistens hellgrün, manchmal gelb. Die Tüllen fehlen fast immer.

Die Inschrift soll dem christlichen Glauben Ausdruck verleihen; sie darf keinesfalls christlichem Empfinden widersprechen. Wenn es Beschwerden über ein anstößiges Motiv gibt oder einen Streit, versucht der Verwalter zu vermitteln. Über die Abbildung eines Hakenkreuzes auf einem Grab gab es bislang eine einzige Beschwerde. Das Grab wurde 1942 erworben, das Hakenkreuz soll einen Teil des Familienwappens darstellen. Ist die 3Nutzungszeit eines Grabes abgelaufen und wird sie nicht verlängert, muss der Stein entsorgt werden; entweder durch den Friedhof oder durch einen 3Steinmetz.

G Gedenkstätten: In der Nähe des östlichen Eingangs befindet sich die Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs nach einem Entwurf des Bildhauers Richard Luksch; es ist ein Oktogon aus Sandstein mit Namenstafeln der Gefallenen, einem expressionistisch dargestellten Christus, einem Stahlhelm und der Zeile »Dem Vaterland brachten sie ihr Leben zum Opfer«. Direkt daneben, an der nördlichen Seite, befindet sich etwas eingewachsen der Gedenkstein für die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Auf dem aufrecht stehenden Wandrelief befindet sich die Inschrift »Lasset euch versöhnen mit Gott 1939– 1945«. Gießkannen: werden vom Friedhof in großer Menge zur Verfügung gestellt. Im Winter werden sie in der Maschinenhalle

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Grabstein: Der Friedhofsverwalter prüft und genehmigt jeden Stein. Ein Stein für ein 1er Grab ist mindestens 40 cm breit und 70 cm hoch, maximal 50 cm breit und 100 cm hoch. Stelen sind erlaubt mit einer Seitenbreite von 40 cm. Sie sollten nicht höher als 130 cm sein. Es gibt liegende Steine und aufrecht stehende Steine. Die Steine tragen in den meisten Fällen Namen und Geburts- wie Sterbedaten. Manchmal auch Berufsbezeichnungen und Bibelzitate oder andere Sinnsprüche. Die Abbildung christlicher Symbole ist erlaubt, beispielsweise Engel.

Gruft: bezeichnet das Erdloch für Sarg oder Urne. Für einen Sarg wird es mit dem 3Bagger ausgehoben, bei Hintergräbern muss per Hand gegraben werden, bei Urnen ebenfalls.

Hella Kemper und Rainer Kolbe

Steineshoff • Steinfadt • Steinfurt • Steinhagen • Steinhardt • Steinhäuser • Steinhoff • Steinkrauss Steinmetz • Steinmüller • Stein-Richardt • Stelter • Stenbock-Fermor • Stender • Steoh • Stephan


H Hecken: sind erlaubt, um Grabreihen voneinander abzugrenzen, werden aber ausschließlich von Friedhofsmitarbeitern gepflanzt.

zehren im Winter die roten Beeren und scheiden die Samen wieder aus, so dass sich dieser Baum stark vermehrt hat.

westlichen Bereich, mit einem Eichhörnchen aus Buchsbaum im Zentrum.

J Jahreszeiten: Mit den im jahreszeitlichen Wechsel neu bepflanzten Grabstellen verändert sich auch die Stimmung auf dem Friedhof. So verwandelt sich der Friedhof im Lauf eines Jahres immer wieder. 3Bepflanzung

K Kapelle: 1929 eingeweiht, 1969/70, 1995 und 2010 renoviert. 3Trauerfeier Hunde: sind auf dem Friedhof nicht erlaubt. Falls sie ausnahmsweise doch einmal mitkommen, sind sie anzuleinen. Von allen Bestimmungen ausgenommen ist Laika, die Friedhofshündin des Verwalters, 16 Jahre alt, eine Mischung aus Spitz und Schäferhund.

Kissenstein: liegt im 3Reihengrab ebenerdig und hat die Maße 40 mal 50 cm. Kühlraum: befindet sich in der Kapelle, dort ist Platz für sechs Särge. Die Temperatur liegt bei 6 °C.

L Lebensbaum: extrem robuster Baum, verträgt auch Frost und Wind, wird auch in Nienstedten gern als Ersatz für die empfindlichere Zypresse gepflanzt, riecht stark.

M

I

KE: ist eine Abkürzung und steht für Kircheneigentum. Mit weißen Buchstaben auf rotem Grund als kleines Schild auf freien Grabstellen.

Ilex aquifolium: Stechpalme, häufig auf dem Friedhof zu finden, zuweilen mit gelb- oder weißrandigem Laub. 3Vögel ver-

Kindergräber: Die einstelligen Wahlkindergräber liegen nahe dem Kindergarten. Die Kinderreihengräber befinden sich im süd-

Mausoleum: Es befinden sich drei Mausoleen auf dem Friedhof. Das größte ist das der Familie Schröder im Zentrum des Friedhofs, das Mausoleum Stülcken /Christiansen liegt nahe den »Waldgräbern«, das Mausoleum Menck befindet sich bei der Wartehalle, wo auch das Urnenfeld für anonyme Beisetzungen ist. Es dürfen neue Mausoleen gebaut werden, sie sind aber vom Kirchengemeinderat zu genehmigen. Außerdem muss ein Archi-

Das A bis Z des Nienstedtener Friedhofs

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von Stephani • Stern • Sterzinger • Steuer • Sthamer • Stichling • Stiefvater • Stiegert • Stieler • Stielert Stinnes • Stobbe • Stöckel • Stockfleeth • Stockhusen • Stockinger • Stocks • Stödel • Stoffers • Stoffregen


Musik: Bei einer 3Trauerfeier spielt in der Regel eine Organistin/ein Organist Musik auf der Orgel der 3Kapelle und begleitet die gemeinsam gesungenen Lieder. Manchmal sind auch Instrumentalisten beteiligt, selten wird am Grab musiziert.

N Nienstedtener Standardgrab: bietet Platz für drei Särge.

fen, werden die Angehörigen benachrichtigt. Melden sie sich dann nicht, weisen kleine Schilder an der Grabstelle mit der Aufschrift »Nutzungsrecht abgelaufen« darauf hin.

O Öffnungszeiten: Der Nienstedtener Friedhof ist immer zugänglich, sollte aber als »Ort der Ruhe« nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr betreten werden.

P tekt für die Planung und den Bau beauftragt werden. In einem Mausoleum werden die sterblichen Reste in einem Zinksarg luftdicht abgeschlossen, um den Zinksarg kommt noch ein Holzsarg. Die Särge liegen dann unter einer beweglichen Steinplatte innerhalb des Mausoleums. Museumsbereiche: Es gibt insgesamt sieben Bereiche auf dem Friedhof, die historische und denkmalwürdige Grabsteine versammeln; auf grünen Tafeln wird erklärt, warum diese Steine erhaltenswert sind. 3Denkmal

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Nutzungszeit/Nutzungsrecht: An Grabstätten wird kein Eigentum, sondern ein Nutzungsrecht erworben, in der Regel für 25 Jahre, der sogenannten 3Ruhefrist. Findet nach der Beisetzung auf einer zweiten Stelle der Grabstätte eine Beisetzung statt (gleichgültig, ob Sarg oder Urne), beginnt die Ruhefrist von 25 Jahren neu. Es sind dann Gebühren in der Höhe zu entrichten, die die Ruhefrist von 25 Jahren wieder komplettieren. Damit eine Grabstätte für eine Familie erhalten bleibt, kann auch ohne weitere Beisetzung das Nutzungsrecht verlängert werden, und zwar für eine Zeit von 5 bis 25 Jahren. Verlängerungen sind nur für 3Wahlgräber möglich, nicht für 3Reihengräber. Ist die 3Ruhefrist abgelau-

Pflege der Gräber durch Friedhofsgärtner: umfasst vielerlei Aufgaben – das Grab sauber halten, Unkraut jäten, Erde auffüllen, Gehölze und 3Hecken schneiden, evtl. bepflanzen. Für die Pflanzer wird auf kleinen Metallschildern notiert, welche Blumensorte in welcher Farbe gepflanzt werden soll. Die Pflege beinhaltet nicht das Gießen.

Pflegeset der Gärtner: Spaten, Besen, Laubkratzer, Hacke, Metallharke, Puhlmesser.

Hella Kemper und Rainer Kolbe

zu Stolberg-Wernigerode • Stoll • Stolp • Stölper • Stoltenberg • Stölting • Stoltmann • Stoltzenberg Stolzenburg • Stöppler • Storch • Stordel • Stösel • Stoss • Stoye • Strachhan • Strack • Strahl • Strasdas


Q

Steinmetz: und Steinbildhauer stellen 3Grabsteine her, gestalten und versetzen sie. Der Steinmetzberuf ist einer der ältesten Berufe überhaupt. In Nienstedten und Umgebung sind mehrere Steinmetze tätig.

S

Quecke: Feind des Gärtners und aller grabpflegenden Angehörigen.

R Rasengräber: sind 3Reihengräber für Särge oder Urnen, die für eine 3Ruhezeit von 25 Jahren erworben werden können. Sie haben einen sogenannten 3Kissenstein mit den Maßen 40 × 50 cm, der ebenerdig unterhalb der Rasenkante liegen muss, damit der Rasen großflächig gemäht werden kann. Blumenschmuck ist hier nicht möglich. Reihengrab: ist ein Einzelgrab, das im Sterbefall für eine einzige Beisetzung vergeben wird – dies gilt für Särge wie für Urnen. Das 3Nutzungsrecht kann nicht über 25 Jahre hinaus verlängert werden. Die Lage wird vom Friedhof vorgegeben. Im Vergleich zu 3Wahlgräbern sind die Gebühren für Reihengrabstätten niedriger. Alle Reihengräber sind Grabstätten ohne Abstand zum Nachbargrab. Ruhefrist: beträgt 25 Jahre. 3Wahlgräber können nach Ablauf dieser 25 Jahre um 5, 10 oder 25 Jahre verlängert werden. 3Wiederbelegung, 3Nutzungszeit

Sargschmuck: bleibt vier bis sechs Wochen nach der Bestattung auf dem Grab. Danach wird er kompostiert.

T

Schubkarren: und andere Geräte sind erlaubt und dürfen zur Grabpflege benutzt werden. Springbrunnen: 2001 wurde der undichte Klinkerbrunnen abgerissen und durch einen Springbrunnen aus Sandstein mit drei wasserspeienden, ineinander verschlungenen Fischen ersetzt.

Tore: An der Elbchaussee gibt es drei Toreingänge. Das im Osten gelegene Tor wurde in den 1990er Jahren bei der Restaurierung gestohlen, später aber in Finkenwerder auf einem Schrottplatz wiedergefunden. An seiner Stelle steht heute eine Replik. Das Tor an der Rupertistraße trägt den Schriftzug »Dein Reich komme, dein Wille geschehe«.

Träger des Friedhofs: ist die Kirchengemeinde Nienstedten.

Das A bis Z des Nienstedtener Friedhofs

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Strauf • Strauss • Strauß • Strehlow • Streich • Streithorst • Strenge • Strey • Strobel • Ströh • Stroth Struck • Strüfing • Struve • Stryi • Stübe • Stüben • Stucken • Stücker • Stuckmann • Stückrath


ner Friedhof auch den Krummen Weg (nahe der Elbchaussee, etwa in Verlängerung des mittleren Tores), der um einige Gräber herumführt, deren Begrabene für eine Begradigung des Weges hätten umgebettet werden müssen. In Nienstedten gab es in der Geschichte des Friedhofs nur wenige Umbettungen.

Trauerfeiern: finden in der 3Kapelle statt. Bei sehr vielen Teilnehmern (mehr als 150) ist die Trauerfeier in der Kirche möglich, bedarf aber der Absprache und der Genehmigung durch den Kirchengemeinderat. Trauerredner: sind in der Nienstedtener Friedhofskapelle nicht zugelassen.

Urnenwahlgräber: gibt es immer mehr. Es können zwei bis vier Urnen beigesetzt werden. Erstanlage und 3Pflege erfolgen ausschließlich durch Gärtner der Friedhofsverwaltung. Wechselnde Blumenbepflanzung ist nur in einer Schale möglich, nach Absprache mit der 3Verwaltung auch flächendeckend. Als Grabmale sind 3Kissensteine erlaubt.

V Verfügbare Plätze: gibt es in Nienstedten in allen Kategorien.

U Umbettung: bezeichnet die Verlagerung der Überreste von bestatteten Toten an einen anderen Bestattungsort. Anlässe für Umbettungen sind zum Beispiel die gewünschte Zusammenführung von an verschiedenen Orten bestatteten Familienangehörigen, in jedem Fall muss aber ein triftiger Grund vorliegen. Es darf nicht zu allen Jahreszeiten umgebettet werden. Oberstes Gebot ist die Totenruhe, sie ist unantastbar, darum gibt es auf dem Nienstedte-

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Verwaltung: regelt alle Belange des Friedhofs. Der jetzige Verwalter ist Michael von Drathen, der seit 1983 in der Friedhofsverwaltung arbeitet und ihr seit 1997 vorsteht. Frank Rathkamp ist seit 2004 sein Stellvertreter. Frauke Stoldt arbeitet seit 1999 im Friedhofsbüro.

Vögel: Neben den auch in den umliegenden Gärten und Parks vorkommenden Arten wie Amseln, Blau- und Kohlmeisen, Rotkehlchen, Kleibern und Zaunkönigen können auch Mönchsgrasmücken, Kuckucke, Käuze und manchmal der seltene Sperber beobachtet werden. Vorauskauf von Grabstätten: Bereits zu Lebzeiten kann das 3Nutzungsrecht eines Grabes erworben werden.

W Wahlgräber: Im Gegensatz zum 3Reihengrab können Angehörige hier den Ort der Grabstätte frei auswählen. Ein normales 1-stelliges Wahlgrab wird nur in Verbindung mit einem Pflegevertrag über die gesamte 3Nutzungszeit abgegeben, um einer Verwahrlosung der Grabstelle vorzubeugen. Es gibt 1er-, 2er-, 3er-, 4er-, 5er-, 6er-, 8er-, 10er-, 12er-, 16er-, 24er-, 48er- und 60er-Grabstellen. 3Nienstedtener Standardgrab ist eine 3er-Grabstelle. Waldgräber: sind in Nienstedten keine echten Waldgräber, sondern werden so genannt, weil sie sich in einem Teil des Friedhofs mit besonders vielen und alten Bäumen befinden, der östlich des

Hella Kemper und Rainer Kolbe

Stüdemann • Studemund • von Studtnitz • Stuhlmann-Laeisz • Stühmer • Stülcken • Stulz • Stürken Sturm • Stürmer • Stürwoldt • Stute • Stutz • Suche • Suckale • Suckerstorf • Suerdieck • Süfsmilch


Hauptweges liegt; einige der Gräber sind vom Kirchengemeinderat für historisch erklärt worden (u. a. von Bülow, Sieveking). Warteraum: zum Warten vor der 3Trauerfeier in der 3Kapelle. 1911 entstanden, wurde gelegentlich auch für kleine Trauerfeiern genutzt, bis die Kapelle gebaut wurde. Wiederbelegung: Nach 25 Jahren, also nach Ablauf der 3Ruhefrist, kann eine Grabstelle wiederbelegt werden.

Wildwuchs: Wenn ein Grab ungepflegt wirkt, wird der Grabbesitzer schriftlich erinnert. Meldet er sich daraufhin nicht, wird an der Grabstelle ein kleines Mahnschild sichtbar aufgestellt. Passiert dann immer noch nichts, wird das Grab durch die 3Verwaltung bearbeitet und dies dem Grabbesitzer in Rechnung gestellt. 3Angehörige bitte melden

X

Winterarbeiten: Baumschnitt, 3Bäume fällen, Aufräumen.

Ysander: auch Dickmännchen genannt, immergrüner Bodendecker Pachysandra, der auf dem Nienstedtener Friedhof häufig verwendet wird.

Xanthocyparis nootkatensis ›Pendula‹: Mähnenzypresse, Hänge-Nootka-Scheinzypresse, kegelförmiger Nadelbaum mit malerisch herabhängenden Zweigen, schmückt vereinzelt den Friedhof.

Y

Z Zaun: Ein großer Teil des Zauns an der Elbchaussee wurde 2013 erneuert. Er ist dem historischen Zaun nachempfunden.

Das A bis Z des Nienstedtener Friedhofs

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Suhl • Suhr • Supper • Suravi-Hoffmann • Susat • Svensson • Syamken • Symat • Szalla • Szameitat Szczypior • Szewczuk • Szölper • Taeger • Tägert • Tait • Taleb • Tamcke • Tamke • Tams • Tank • Tannert


Ihre Gräber findet man auf dem Nienstedtener Friedhof

Von Hella Kemper und Tilmann Präckel Behrmann, Dittmer (1830–1906) Kapitän und Elblotse aus Blankenese, schürfte in Afrika nach Diamanten, Miteigner zweier Segelschiffe; sein Wohnhaus am Strandweg 92 ist bis heute erhalten. Biermann-Ratjen, Hans Harder (1901–1969) Jurist, Kultursenator in Hamburg, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion der Hamburgischen Bürgerschaft. Ordnete 1959 an, dass alle in der NS-Zeit in Hamburg und Altona von Sondergerichten erlassenen Todesurteile überprüft wurden. Holte Schauspieler und Künstler wie Gustaf Gründgens und Rolf Liebermann nach Hamburg.

häusern des Umlandes statt in Mietskasernen, für saubere Flüsse und dafür, dass Abwässer nicht ungeklärt in die Elbe eingeleitet wurden.

rerer Einkaufscenter in Hamburg, besaß über 1000 Wohnungen und galt kurz vor seinem frühen Tod als größter Bauinvestor Hamburgs.

Bruhn, Hermann Friedrich (1931–1972) Bauunternehmer, gründete mit 19 Jahren seine Firma, kaufte Anfang der 1950er Jahre im kriegszerstörten Hamburg seine ersten Grundstücke, war Initiator meh-

Darboven, Johann Joachim (1841–1909) Kaffeeröster und Kaffeegroßhändler, gründete 1866 in Hamburg die Kaffeerösterei J. J. Darboven. Sein erster Laden befand sich in Brandsende 14. Er gehörte zu den Ersten, die geröstete Kaffeebohnen auf den Markt brachten; baute sich an der Elbchaussee eine große Villa.

Bonne, Georg (1859–1945) Arzt, unterhielt fast sechzig Jahre eine Praxis an der Grenze von Klein Flottbek und Nienstedten; engagierte sich gegen Alkoholund Nikotinkonsum, kämpfte für die Schaffung von Wohnraum für Arbeiterfamilien in Siedlungs-

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Drews, Johannes (1909–1987) Pastor in Nienstedten von 1946 bis 1976; während seiner Amtszeit wurde der Friedhof erweitert, die Kindertagesstätte gebaut (1952/53), die Kirche renoviert (1958). Vor allem aber half er nach dem Zweiten Weltkrieg, als fast alle Wohnungen völlig überbelegt waren, besonders in Lurup und Osdorf (gehörte damals noch zu Nienstedten).

Hella Kemper und Tilmann Präckel

Tapfer • Taube • Tauporn • Techau • Techow • Teckenburg • Tede • Teegen • Teetz • Teichert • Teichler Teichmann • von Teichmann • von Teichmann u. Logischen • Teiwes • Telöken • Teltau • Temme


Ehren, Johannes von (1832–1906) Landschaftsgärtner, Baumschulbesitzer, lernte den Gärtnerberuf in der berühmten Firma James Booth Söhne in Klein Flottbek, einem europaweit bekannten Baumschulbetrieb, der durch Caspar Voght initiiert worden war. 1865 zog er auf einem kleinen Gelände nahe des Nienstedtener Marktplatzes die ersten Obst- und Ziersträucher, später befand sich seine erfolgreiche Baumschule in der Kanzleistraße. Essberger, John T. (1886–1959) Reeder, besaß mit 24 Tankern und sechs Binnentankschiffen die größte deutsche Tankreederei, die aber im Zweiten Weltkrieg verloren ging. Unterstützte nach dem Krieg den Wiederaufbau der deutschen Afrika-Linien. Denkmalpflegerisches Engagement, restaurierte und erhielt so u. a. das Weiße Haus an der Elbchaussee 547. Fichte, Hubert (1935–1986) Schriftsteller, wuchs im großelterlichen Haus in Lokstedt auf, trat als Kinderdarsteller am Deutschen Schauspielhaus und am Thalia Theater auf. Freundschaft mit Hans Henny Jahnn, Landwirtschaftslehre und landwirtschaftliche Universitätsausbildung, leitete die Landwirtschaft eines Kinderheims in Schweden. Reisen mit der Fotografin Leonore Mau, schrieb »Ethnopoesie« und Romane über Hamburg, die auf 19 Bände angelegte Geschichte der Empfindlichkeit blieb unvollendet.

Friedrichs, Hanns Joachim (1927–1995) Journalist und Moderator, nach dem Zweiten Weltkrieg Nachrichtenredakteur bei der BBC in London, dann beim NWDR/WDR in Köln, beim ZDF und von 1985 an bei der ARD, für die er sechs Jahre lang die Tagesthemen moderierte. Seit 1995 wird der nach ihm benannte Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für journalistische Arbeit verliehen.

Hagenbeck, Wilhelm (1850–1910) Menageriebesitzer, jüngerer Bruder des Tierparkgründers Carl Hagenbeck. Führte in der Tierdressur die sogenannte zahme Dressur ein, die ohne Angst und Gewalt arbeitet. Er erfand den Zentralkäfig, der in der Zirkusmanege den Tieren viel Raum lässt. Fasste Löwen, Ponys und Steinböcke zu einer Dressurnummer zusammen, unternahm weltweite Tourneen. Herrlich, Lotte (1883–1956) Fotografin, galt über ein halbes Jahrhundert lang als die angesehenste Porträtfotografin in Hamburgs Westen. Ihre Spezialität waren Schwarz-Weiß-Fotos von Kindern, die sie mit Pastellfarben bearbeitete.

Godeffroy, Johann Cesar VI (1813–1885) Kaufmann, Reeder, übernahm das väterliche Handelshaus, baute Handelsbeziehungen nach Nord-, Mittel- und Südamerika auf, vergrößerte die Reederei und eine Werft, fuhr Auswanderer nach Australien und Kalifornien, betrieb Südseehandel, trug eine völkerkundliche Sammlung zusammen und richtete das Museum Godeffroy auf der Wandrahminsel ein. Wohnte im Herrenhaus Elbchaussee 499. 1879 Zusammenbruch seines Imperiums.

Hesse, George Heinrich (1815–1907) Kaufmann, übernahm die väterliche Firma für Im- und Export, ein Bankhaus und eine kleine Reederei, assoziierte 1842 mit seinem Schwager Henry Louis Newman;

Ihre Gräber findet man auf dem Nienstedtener Friedhof

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Temmel • Tepke • Terfloth • Terkowsky • Termer • Teschen • Teschner • Tesdorpf • Tesmer • Testorp Tetzen • Tetzlaff • Tewes • Thamer • Thamer • Thedens • Theel • Theeßen • Theodor • Theopold


verfügte über einen großen Landsitz in Blankenese – der heutige Hessepark ist ein letzter Restteil davon.

Jacob, Daniel Louis (1763–1830) Kunstgärtner, Gastwirt, hieß ursprünglich Jacques, arbeitete als Landschaftsgärtner in Parks von Dockenhuden und Nienstedten, heiratete die Witwe des Zuckerbäckers Burmester, der der Vorbesitzer des heutigen Hotel Jacob war, machte das Restaurant mit französischer Küche und guten Weinen bekannt, eröffnete einen Beherbergungsbetrieb, schuf den mit Linden bepflanzten Terrassengarten. Jenisch, Martin Johann Rücker Freiherr von (1861–1924) Jurist, Gutsbesitzer, war zunächst im Auswärtigen Amt, dann als Diplomat tätig und gehörte zum engeren Kreis um Kaiser Wilhelm II.; verwaltete als Großneffe des Bankiers und Senators Martin Johann Jenisch d. J., nach dem Jenisch-Haus und Jenischpark benannt sind, die ererbten Güter.

Holck, Erich Graf von (1886–1916) Springreiter, Pilot, wurde in Mexiko geboren, wo sein Vater ein großes Handelshaus leitete, aufgewachsen in Othmarschen; er wurde Turnierreiter und galt als charismatische Persönlichkeit mit viel Einfühlungsvermögen für Pferde. Im Ersten Weltkrieg wurde er Heeresflieger und wurde abgeschossen.

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Jung, Ernst (1896–1976) und Claere (1896–1973) Mineralölkaufmann und Stifter; Ernst Jung wurde in Preußen geboren, kam als Kleinkind nach Hamburg, gründete 1920 die Mineralölwerke, zu denen eine Raffinerie in Wilhelmsburg und ein

Tanklager in Stadersand gehörten; später kam noch eine Tankschiffreederei hinzu. Claere Jung nahm aktiv an der Firma Anteil, gemeinsam gründeten sie vier Stiftungen. Kabel, Heidi (1914–2010) Schauspielerin, wurde im Haus Große Bleichen Nr. 30 geboren, gegenüber dem späteren Ohnsorg-Theater; erhielt von Richard Ohnsorg ihr erstes Engagement, stand 66 Jahre auf der Bühne. 1937 heiratete sie ihren Kollegen Hans Mahler. Kircheiss, Carl (1887–1953) Kapitän, Weltumsegler, Walfänger, fuhr unter Felix Graf von Luckner im Ersten Weltkrieg zur See, Kriegsgefangenschaft, segelte mit dem ehemaligen Finkenwerder Fischkutter Hamburg um die Welt, war Kapitän eines Walfangschiffes und schrieb mehrere Bücher über seine Abenteuer; wurde auf der Elbchaussee von einem Auto überfahren. Langer, Emil (1864–1928) und Martha (1884–1973) Hotelbesitzer; Emil Langer war Schiffskoch, hatte sich auf den Hapag-Passagierdampfern zum Küchendirektor hochgearbeitet; 1910 gründete das Ehepaar das Hotel Reichshof gegenüber dem neuen Hauptbahnhof; sie galten als Reformer des Hotelwesens: Die Gäste zahlten in der 300-Betten-Herberge der Spitzenklasse einen Einheitspreis von 3,50 Mark; später kamen im Ostseeraum 27 Saisonbetriebe zum Hambur-

Hella Kemper und Tilmann Präckel

Therkoen • Therkow • Thiede • Thiel • Thiele • Thielhorn • Thiem • Thiemann • Thieme • Thiepold Thies • Thiesen • Thiessen • Thimm • Thode • Tholen • Thomas • Thomsen • Thon • Thöne • Thönisser


Nevermann, Paul (1902–1979) Jurist, Sozialdemokrat, Bürgermeister, während der NS-Zeit vertrat er politisch Verfolgte und wurde verhaftet, nach dem Krieg war er 28 Jahre lang in der Hamburgischen Bürgerschaft, trieb als Bausenator an der Seite von Max Brauer den Wiederaufbau Hamburgs voran und kümmerte sich um den Bau neuer Wohnungen.

ger Hotel hinzu. Nach dem Tod ihres Mannes führte Martha Langer das Hotel noch 40 Jahre lang allein. Loesener, Friedrich Leopold (1834–1903) Kaufmann, entwickelte aus einem 100 Hektar großen Rübenacker das teure Villenviertel Hochkamp, für das er eine Villenklausel eintragen ließ, die Grundstücksgrößen, Grenzabstände und Art der Bebauung festlegte; heiratete die Tochter des Reeders Robert Miles Sloman. Mahler, Hans (1900–1970) Theater- und Filmschauspieler, Regisseur und Intendant des Hamburger Ohnsorg-Theaters, heiratete 1937 die OhnsorgSchauspielerin Heidi Kabel.

Newman, Henry Louis (1813–1897) Kaufmann, Sohn eines englischen Konsuls, kam 1835 als vermögender Mann von Frankreich nach Hamburg, stieg als Partner in die Firma des Altonaers Heinrich Levin Hesse ein und heiratete dessen Tochter Mary Julie. Das Handels- und Bankhaus firmierte unter dem Namen Hesse, Newman & Co.; er erwarb den bedeutenden Landsitz mit dem wahrscheinlich ältesten Haus an der Elbchaussee 398/400, der aber nach seinem Tod verkauft werden musste.

Familie Parish Kaufleute, Gutsbesitzer; die 60stellige Grabanlage der seinerzeit reichsten Familie Hamburgs ist eine der größten des Friedhofs, sie besteht aus zwei parallel zueinander angeordneten Gruftbauten, deren Deckplatten allerdings keinerlei Auskunft geben, wer dort beigesetzt wurde. Das Wappen der Familie lässt erkennen, dass es ein Parish-Grab ist. In den alten Grabbüchern des Friedhofs finden sich von den ersten Beisetzungen keine Eintragungen. John Parish sen. (1742–1829), ein englischer Kapitän, stieg mit seiner Firma in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einem der größten und angesehensten Handelshäuser Europas auf. Sicher ist: Sein zweitältester Sohn hieß Richard (1776–1860) und ruht mit seiner Frau Susette in der rechten Gruft; Richards ältester Sohn John Parish jun. (1805–1868) liegt mit seiner Frau Johanna in der linken Gruft.

Ihre Gräber findet man auf dem Nienstedtener Friedhof

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Thormählen • Thormeyer • Thorn • Thorwesten • Thrun • Thrun-Piepenbrink • Thun • Thur • Thura Tieck • Tiede • Tiedeken • Tiedemann • Tiedgen • Tiefner • Tiemann • van Tienhoven • Tietgen • Tietjen


Reemtsma, Hermann F. (1892–1961) Fabrikant, Sohn des Kaufmanns und Zigarrenherstellers Bernhard Reemtsma; er ist der um ein Jahr ältere zweier Brüder, die sich die Aufgaben des von Erfurt nach Bahrenfeld verlegten Stammwerkes teilten: Er kümmerte sich um die interne Organisation, den technischen Ausbau der Betriebe und um das Personal. Sammelte Werke von Ernst Barlach, für die er im Jenischpark das Ernst-Barlach- Haus bauen ließ, dessen Eröffnung er aber nicht mehr erlebte. Reemtsma, Philipp F. (1893–1959) Fabrikant, führte gemeinsam mit seinem Bruder Hermann F. die väterliche Firma in Erfurt und war für Finanzen und Werbung zuständig. In Hamburg machten die beiden Brüder sie zum bedeutendsten deutschen Zigarettenhersteller, der in der Vorkriegszeit drei Viertel der 40 Milliarden Zigaretten produzierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er in Berlin-Wilmersdorf die modernste Zigarettenfabrik Europas auf; vorbildliche soziale Fürsorge für seine Mitarbeiter, Mäzen. Rittmeister, John F. (1898–1943) Arzt und Psychotherapeut, entstammte einer Hamburger Kaufmannsfamilie. Nach Ausbildung und Tätigkeit in Deutschland und in der Schweiz kehrte er, gegen den Rat seiner Freunde, 1937 nach Deutschland zurück. Er wandte

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sich früh und deutlich gegen die Nazi-Ideologie, half jüdischen Mitbürgern und schloss sich der Widerstandsgruppe Schulze-Boysen/Harnack an (Rote Kapelle). 1942 wurde er verhaftet, 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Seine Aufzeichnungen aus dem Gefängnis sind ein eindrückliches Zeugnis.

Roosen, Eduard (1825–1915) Erfolgreicher Kaufmann aus einer alteingesessenen Mennoniten-Familie, bezog seine Einkünfte vor allem aus Finanzierungsgeschäften, ließ sich von dem Architekten Martin Haller an der Elbchaussee ein geräumiges Landhaus bauen, in dem er mit seiner Familie die Sommer verbrachte. Bekannt war er gleichermaßen für seine Sparsamkeit im Privaten wie für seine Großzügigkeit in der Unterstützung gemeinnütziger Vorhaben.

Schröder, Gustav (1885–1959) Sorgte als Kapitän des HapagDampfers St. Louis 1939 für 906 deutsche Juden, die mit dem Schiff die Flucht nach Kuba geplant hatten. Als ihnen die Einreise in Kuba und in den USA verweigert wurde, war es seiner Hartnäckigkeit bei den Verhandlungen und seiner beruhigenden Art zu verdanken, dass die Flüchtlingsfamilien in Belgien von Bord gehen konnten. Der Staat Israel ehrte ihn posthum als »Gerechten unter den Völkern«. Sölle, Dorothee (1929–2003) Eine der wichtigsten theologischen Denkerinnen und Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Nach dem Studium der Philosophie, Theologie und Literaturwissenschaften Promotion und Habilitation in Köln. In Deutschland blieb ihr ein akademischer Lehrstuhl ein Leben lang verwehrt, von 1975 bis 1987 war sie Professorin am Union Theological Seminary in New York. Ihre Theologie trennte den Glauben weder vom politischen Engagement noch vom Wissen oder von der Poesie. Staudinger, Lucas Andreas (1770–1842) Aus ärmlichen Verhältnissen stammender Literat und späterer Landwirt, der eine zentrale Stütze für Caspar Voghts Mustergut in Klein Flottbek wurde. Zudem führte er eine Landwirtschaftsschule, die in ihrer Kombination aus theoretischer Wissensvermittlung und praktischer Übung die erste ihrer Art in Deutschland

Hella Kemper und Tilmann Präckel

Tietjens • Tietz • Timm • Timmann • Timmerbeil • Timmermann • Tinnhausen • Tintelnot • Tippe von Tippelskirch • Tippenhauer • Titius • Tittelbach • Tobaben • Tobinnus • Tode • Todsen • Toepfer


rechtzeitig die Bevölkerung Helgolands nach Schleswig-Holstein zu evakuieren. Thun, Carl (1841–1938) Von 1888 an über 30 Jahre lang Pastor in Nienstedten. Er war sehr beliebt und galt als streng. Begann 1908 mit der Nienstedtener Pfarrchronik. Ihm zu Ehren wurde 1949 die frühere Matthissonstraße in Thunstraße umbenannt. ner zweiten Frau Christiane de Voss hatte er 13 Kinder. Der von ihm gegründete Landsitz liegt oberhalb von Teufelsbrück. Zahlreiche Stiftungen. war. Staudinger hielt bei Voghts Beerdigung den Nachruf. Stehr, Simon (1856–1932) Kapitän, entstammte einer der ältesten Blankeneser Familien. Seine Ausbildung absolvierte er auf den großen Seglern, Kapitän wurde er schließlich auf den neuen Dampfern, zunächst im OstasienDienst, später bei der HamburgAmerika-Linie. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, gelang es ihm als Inspektor der Hapag, gerade noch

Vorwerk, Adolph (1839–1919) Kaufmann, der zweite Sohn von Friedrich Vorwerk; führte zusammen mit seinen Brüdern die vom Vater geerbte Firma. Er hing besonders an dem vom Vater errichteten Klein Flottbeker Landsitz, baute ihn für seine sechs Kinder aus.

Wesselhoeft, Carl Johannes (1816–1903) Versicherungsmakler, noch jung suchte er sich nahe des Nienstedtener Elbufers einen Sommersitz, schuf zwischen Mühlendamm und Quellental eine romantisch gestaltete Parkwildnis mit zwei großen Teichen.

Vorwerk, Friedrich (1793–1867) Kaufmann, Stammvater des Hamburger Zweigs der Familie Vorwerk, kam 1807 nach Hamburg, sein Handelshaus nahm Mitte des 19. Jahrhunderts eine führende Stellung im Südamerikahandel ein. Er exportierte Textilwaren, importierte Kupfer, Kaffee, Kakao und Salpeter. Mit sei-

Ihre Gräber findet man auf dem Nienstedtener Friedhof

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Toetzke • Tölken • Tønnersen • Töpfer • Topp • Toppel • Tostmann • Tovarowski • Trautwein • Trede Treichel • von Treskow • Tretner • Treu • Treue • Triebe • Triebel • da la Trobe • Trömner • Tropper


»Historische Grabstätten« Booth, James (1772–1814) Gebürtiger Schotte, Landschaftsgärtner, Baumschulbesitzer, wurde 1794 von Caspar Voght angeworben, bei der Gestaltung des neuen Flottbeker Landgutes zu helfen, gestaltete maßgeblich den heutigen Jenischpark; sein Sohn, John Richmond Booth (1799– 1847), brachte die Gärtnerei zu europäischem Ruhm. Die Baumschule und elf große Treibhäuser lagen an der Elbchaussee zwischen heutiger Holztwiete und Parkstraße. Bülow, Bernhard Fürst von (1849–1929) und Maria Fürstin von (1848–1929) Politiker, Reichskanzler des Deutschen Reichs von 1900 bis 1909; italienische Prinzessin, Berliner Salonière, 1886 Heirat in Wien. Bernhard von Bülow wurde in dem Voss’schen Landhaus an der Elbchaussee geboren, es galt als eines der schönsten Landhäuser an der Elbe. Er verlebte eine glückliche Kinderzeit in Flottbek und Nienstedten, schwamm auch gern in der Elbe und schrieb in seinen Memoiren darüber. Später kehrte er mit seiner Frau in den Sommermonaten immer wieder nach Flottbek zurück, wo sie in der sogenannten Elbparkvilla zahlreiche Gesellschaften veranstalteten. Es war beider ausdrücklicher Wunsch, in Nienstedten beigesetzt zu werden.

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Fabricius, Ludwig (1885–1966) Oberst, verhinderte durch eine mutige Entscheidung die Zerstörung des französischen Dorfes Sombernon im Jahr 1944. Godeffroy, Carl (1787–1848) Diplomat, Privatgelehrter, gehörte zur dritten Generation der seit Mitte des 18. Jahrhunderts in Hamburg ansässigen Familie. Sein Vater baute das Weiße Haus an der Elbchaussee 547. Trat in die väterliche Firma ein, studierte in Schottland, ging nach Paris, wechselte in den Staatsdienst, kehrte nach Hamburg zurück, wurde Diplomat der drei Hansestädte Hamburg, Bremen, Lübeck, wissenschaftliche Forschungen, verheiratet mit Marianne Jenisch, der Tochter des Hamburger Kaufmanns und Senators Martin Johann Jenisch der Ältere. Sie hinterließen dem gemeinsamen Sohn Wilhelm ein ungewöhnlich hohes Vermögen. Godeffroy, Wilhelm von (1834–1904) Jurist, Gutsbesitzer, Privatier, Sohn von Carl Godeffroy, war um 1900 einer der reichsten Männer Deutschlands. Verwaltete die Vermögen und Häuser der väterlichen und mütterlichen Familien. Galt als sehr introvertiert und eigenbrötlerisch, heiratete spät mit Mitte fünfzig, wurde in den preußischen Adelsstand erhoben. Hinterließ viel Geld für wohltätige Zwecke, noch zu Lebzeiten vermachte er der Blankeneser Gemeinde das Grundstück für den Bau der Kirche und des Pastorats.

Jahnn, Hans Henny (1894–1959) Avantgardistischer Schriftsteller, Orgelreformer, in Stellingen geboren, lebte 1933–1945 im Exil in der Schweiz und auf Bornholm, kehrte 1950 nach Hamburg zurück und wohnte bis zu seinem Tod im Kavaliershaus im Hirschpark. Oetker, Albert (1865–1930) Marzipanvertreter, Marzipanfabrikant, sein Bruder August Oetker war der »Erfinder« der kleinen Backpulver-Tütchen. Machte eine Lehre bei seinem Vater und arbeitete bei seinem Onkel Louis Carl Oetker, der eine florierende Marzipanfabrik in Altona besaß. Als reisender Vertreter dieser Firma war er so erfolgreich, dass er mit 24 Jahren ihr kaufmännischer Leiter wurde. Er ließ 1896 in Bahrenfeld ein größeres Fabrikgebäude mit modernen Maschinen bauen, die täglich 25 Tonnen Marzipan herstellen konnten. Verfeinerte die Herstellung von Marzipan, beschäftigte sich auch mit Marmeladen und der Konservierung von Obst. Sieveking, Karl (1863–1932) Jurist, Verwaltungsbeamter, in preußischen Diensten im Elsass tätig, letzter außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der drei Hansestädte Hamburg, Bremen, Lübeck in Berlin. Lebte mit seiner Frau Louise Back im Weißen Haus an der Elbchaussee 547.

Hella Kemper und Tilmann Präckel

Tröster • Trotha • Trötzer • Trubel • Trümper • Tschirner • Tücksen • Tügel • Tumforde • Tunze • Tüpker Turowski • Turski • Tüxen • Twiesselmann • Tychsen • Tylla • Uebel • Uecker • Uhlig • Ukas • Ulbricht


Voght, Caspar (1752–1839) Kaufmann, Aufklärer, Sozialreformer, Gutsbesitzer, führte mit Georg Heinrich Sieveking in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eins der größten Handelshäuser Europas. Reformierte das Hamburger Armen- und Gefäng-

niswesen (Hilfe zur Selbsthilfe, Arbeit statt Almosen) und gründete in Flottbek ein landwirtschaftliches Mustergut nach dem Vorbild der ornamented farm, das Park und nachhaltige Landwirtschaft vereinte; er verpflichtete die Kunst- und Landschaftsgärtner

James Booth und Joseph Ramée, verbesserte die Fruchtbarkeit des Bodens, führte die Kartoffel als Feldfrucht ein, baute für seine Angestellten Wohnungen (die Instenhäuser an der Baron-VoghtStraße) und zahlte ihnen Krankengeld.

Zahlreiche Informationen haben wir dem Standardwerk Wer sie waren … wo sie ruhen. Ein Wegweiser zu bemerkenswerten Grabstätten auf dem Friedhof Nienstedten von Werner Johannsen entnommen. Die Grabstellen sind auf dem diesem Buch beiliegenden Plan verzeichnet.

Ihre Gräber findet man auf dem Nienstedtener Friedhof

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Ullmann • Ullrich • Ulrich • Umbach • Umlandt • Umnus • Unfere • Ungemach • Ungern-Sternberg Urbuschat • Ury • Usmusfen • von Usslar • Vahl • Valdorf • Valet • Vallenthin • von Valtier • Vancano


Die Verwaltung

Die Verwalter des Friedhofs Nienstedten in den letzten hundert Jahren 1900–1913 1913–1937 1937–1947 1947–1979 1979–1996 seit 1997

Kuhlengräber Klüß Wilhelm Wohlers John Lübbers, vermisst im Krieg, seine Frau führte bis 1947 die Arbeit weiter Paul Wullbieter Jürgen Lüders Michael von Drathen

Die Friedhofsverwaltung heute: Kontakt:

Michael von Drathen, Laika, Frauke Stoldt und Frank Rathkamp (von links)

Friedhofsverwaltung Nienstedtener Marktplatz 19 A 22609 Hamburg Telefon: (040) 82 88 60 E-Mail: friedhof@kirche-nienstedten.de Verwalter: Michael von Drathen Stellvertretender Verwalter: Frank Rathkamp Büro: Frauke Stoldt, Beate Audehm

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Die Verwaltung

von Vancano • Vandersee • Vehlis • Velentrup • von Velsen • Veltwirsch • Vennewald • Venzke Vermehren • Versmann • Vidal • Viemann • Viereck • Vierecker • Viermann • von Vigelius • Vink


Anhang

Vissing • Vivi • Voerner • Voge • Vogel • Vogeler • Vogelsang • Voght • Vogler • Vogt • Voigt • Voit Volckens • Völker • Volkmann • Volksmann • Volland • Vollert • Vollmer • Voorduin • Vorpagel


Dank

Zum Gelingen dieses Buches haben viele beigetragen, sehr viele. Der Verlag und die Herausgeber danken: Der Kirchengemeinde Nienstedten, dem Kirchengemeinderat und Susanne Baumann Der Friedhofsverwaltung der Kirche Nienstedten: Frauke Stoldt, Michael von Drathen, Frank Rathkamp und Beate Audehm Der Agnes Gräfe Stiftung, namentlich Herrn Joachim H. Wetzel Der Idee-Geberin Astrid Fiehland van der Vegt Den Autorinnen und Autoren: Doralies Hüttner, Fulbert Steffensky (auch für den Hinweis auf den Text von Dorothee Sölle), Birgit Lahann, Gert Kähler, Emanuel Eckardt, Hans-Helmut Poppendieck, Hans-Martin Gutmann, Vera Lindemann, Eberhard Kändler, dem Letztgenannten und Peter Reincke auch für die Zeichnungen zu den Museumsbereichen Dem Fotografen Andreas Fromm Den Menschen, die sich porträtieren ließen: Herbert Cords, Hans-Jürgen Gäbler, Karin Koch, Hanna Bosse, Barbara Schilke, Hans-Werner Breckwoldt, Maria Fette, Hans-Ulrich Fette, Britta Nagel, Irmgard Bartels Den Kindern, ihren Eltern und den Erzieherinnen der Ev. Kindertagesstätte: Anne, Greta, Marla, Felix, Caspar, Onno, Henri, Ruben, Carl, John, Mick, Renate Winter, Birgit Erler sowie Helene Kemper Der Korrekturleserin und den Korrekturlesern: Ursula Gesche, Hans-Jürgen Gäbler und Florian Kohl Den Archiven und Museen für die Bildbeschaffung: Landesarchiv SchleswigHolstein, Hamburg Museum, Hamburger Staatsarchiv, Altonaer Museum, Stamp Media Kiel, Norddeutscher Rundfunk, Wachholtz Verlag. Namentlich

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Dank

von Weiß • Weiss • Weißenfeldt • Weisser • Weissgärber • Weisskamp • Welzmiller • Wemerftrey Wenck • Wende • Wendt • Wennecke • Wentzin • Werda • Werner • Werneyer • Wernicke • Werth


Bettina Doum, Elke Schneider, Thorsten Stamp sowie der Fotografin Marion Schröder, der Autorin Katrin Schmersahl, dem Künstler Werner Zganiacz Den Namenaufschreiber/-innen auf dem Friedhof: Lucy Stefanowitsch, Sonja Friese, Almut Schulte, Julius Jarchow, Max Jarchow, Milena Gralfs, Merit Knauer, Sophija Asowskaja, Inga Renz Dem Rechercheur und Registerersteller Rainer Kolbe Dem Hersteller und Gestalter Eberhard Delius Dem Setzer und Bildbearbeiter Matthias Reihs Der Planmacherin Julika Altmann Den Verlagen, die Rechte beisteuerten: Verlag Herder, Insel Verlag Den Fotozulieferern aus ihren privaten Archiven: Nils Seemann, Karin und Jürgen Schröder Den Hinweisgebern, Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern: Gabriele Pfau, Peter Schulz, Bruno Wernicke, Reinhard Schwarze, Herbert Cords und Rien van der Vegt Florian Schulz für seinen detaillierten Blick auf die Moose des Friedhofs; Marlis Nahme und Andreas Zeugner für weitere botanische Expertisen Den weiteren zufällig oder auch nicht zufällig Abgelichteten, Jörn Lissow (abgebildet mit Bowler auf S. 253), den Grabträgern, den Gärtnerinnen und Gärtnern, Grabbesucherinnen und Grabbesuchern

Dank

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Werther • Weselmann • Weseloh • Wesemeyer • Wesselhoeft • von Westarp • Westendorf • Westermann Westhof • Westphal • Westphalen • Wettern • Wetzel • Wex • von Wiarda • von Wichert • Wichmann


Leseempfehlungen und Literaturhinweise

Altonaer Schulmuseum (Hg.): Vor den Toren der Großstadt. Heimat- und Wanderbücher 2: Am hohen Elbufer. Altona 1928 Becker, Matthäus (Hg.): Die Stadt Altona. Berlin 1928 Beier, Brigitte /Fischer, Norbert u. a.: Die Elbvororte. Flottbek, Othmarschen, Nienstedten. Hamburg 1993 Bobert, Sabine: Die neuen Entwicklungen der Bestattungskultur aus theologischer Sicht. In: Klaus Grünwaldt / Udo Hahn (Hg.): Vom christlichen Umgang mit dem Tod. Hannover 2004, S. 55–86 Bunge, Hans / Kähler, Gert (Hg.): Villen und Landhäuser. Bürgerliche Baukultur in den Hamburger Elbvororten von 1900 bis 1935. Hamburg 2012 Cords, Herbert / Jerichow, Paul / Loß, Heinrich (Hg): Ein Heimatbuch aus Anlass der 100-Jahrfeier des Bürger- und Heimatvereins Nienstedten e.V. Bilder aus Vergangenheit und Gegenwart. Hamburg 1976 Cords, Herbert / Luckhardt, Marianne: Friedhof Nienstedten. In: Kontakte. Mitteilungen des Kirchenkreises Blankenese, 4/79, 6. Jahrgang, S. 7–11 Denkmalpflege Hamburg extra: Die Museumsbereiche auf dem Friedhof Nienstedten, o. J. Eckardt, Emanuel: Wo die Kreuze ankern. Der Ohlsdorfer Friedhof. In: Mare, Sonderheft Hamburg. Hamburg 2012, S. 62–67 Eckardt, Emanuel: Hamburg. Eine Liebeserklärung. Hamburg 2010 Ehrenberg, Richard: Aus der Vorzeit von Blankenese und den benachbarten Wedel, Dockenhuden, Nienstedten und Flottbek. Hamburg 1897 Elias, Norbert: Über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen. Frankfurt/M. 1982 Erhardt, Walter (Hg.): Der große Zander: Enzyklopädie der Pflanzennamen. 2 Bände. Stuttgart 2008 Fiehland van der Vegt, Astrid / Kayales, Christina (Hg.): Was jeder vom Judentum wissen muss. Gütersloh 2005 Fischer, Norbert: Vom Gottesacker zum Krematorium. Köln, Weimar, Wien 1996 Freeman, Thomas: Hans Henny Jahnn. Eine Biographie. Hamburg 1986 Friedhofsarchiv / Kirchenarchiv der Kirchengemeinde Nienstedten. Daraus vor allem: »Begräbnisz Register über den Neuen Kirchhof zu Nienstedten angefangen am12. April 1814« und »Regulativ für den Begräbnisplatz zu Nienstedten« aus dem Jahr 1886

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Leseempfehlungen und Literaturhinweise

Vorwerk • de Voss • Voss • Voß • de Voss • Voss-Bosch • Voswinkel • de Vries • de Waal • Wachholz Wachmann • Wachsmuth • Wächter • Wacke • Wacker • Wagemann • Wagener • Wagenhuber • Wagner


Gesche, Ursula: Das Kirchspiel Nienstedten und die Nienstedtener Kirche. Texte zur Ausstellung in der Nienstedtener Kirche zu ihrem 250-jährigen Jubiläum am 16. Mai 2001 Gilbert, Oliver L.: Städtische Ökosysteme. Radebeul 1994 Gretsch, Nikolai: Briefe über Hamburg (1835 – 1837 – 1841). Aus den Berichten eines russischen Reisenden. Herausgegeben und übersetzt von Clemens Heithus. Gesellschaft der Bücherfreunde zu Hamburg. Hamburg 1992, S. 52f. Grotloh, Paul: Rund um Hamburg. Aus der Heimatkunde der näheren Umgebung. Hamburg 1927, S. 10–13 Gutmann, Hans-Martin: Mit den Toten leben – eine evangelische Perspektive. Gütersloh 2002 Halbrock, Rosmarie: Nienstedten. Hamburg 1994 Happe, Barbara: Die Entwicklung der deutschen Friedhöfe von der Reformation bis 1870. Tübingen 1991 Hedinger, Bärbel /Berger, Julia (Hg.): Joseph Ramée. Gartenkunst, Architektur und Dekoration. Ein internationaler Baukünstler des Klassizismus. München, Berlin 2003 Hedinger, Bärbel: Die Elbe malerisch gesehen. Hamburg 1992 Der Heimatbote (herausgegeben von dem Bürger- und Heimatverein Nienstedten e. V.). 700 Jahre Nienstedten 1297–1997. Hamburg 1997 und diverse Jahrgänge. Herlin, Hans: Die Tragödie der »St. Louis«: 13. Mai –17. Juni 1939. München 2001 Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. 5 Bände. Leipzig, 1779–1785 Hoffmann, Gabriele: Das Haus an der Elbchaussee. Die Geschichte einer Reederfamilie. München 2000 Hoffmann, Gabriele: Die Eisfestung. München 2012 Hoffmann, Paul Th.: Die Elbchaussee. Ihre Landsitze, Menschen und Schicksale. Hamburg 1977 Johannsen, Werner: Der Friedhof Nienstedten und seine »historischen« Gräber. In: Hamburgische Geschichts- und Heimatblätter, Band 7 (1990), S. 161–170 Johannsen, Werner: Der Nienstedtener Friedhof – hundert Jahre wie ein Tag. In: 700 Jahre Nienstedten. Die Zeit-Schrift. Nienstedtener Perspektiven. Herausgegeben von Maike Bruhns und Rosmarie Halbrock. Hamburg 1997. S. 49–52 Johannsen, Werner: Wer sie waren … wo sie ruhen. Ein Wegweiser zu bemerkenswerten Grabstätten auf dem Friedhof Nienstedten. Hamburg, 3., überarbeitete Auflage 2004 Jordahn, Ottfried: Die Bestattung. Geschichte und Theologie. In: Handbuch der Liturgik, herausgegeben von Hans-Christoph Schmidt-Lauber u. a. Göttingen, 3. Auflage 2003, S. 531–538 Jüngel, Eberhard: Tod. Themen der Theologie, Band 8. Stuttgart, Berlin 1971 Jungclaussen, John F.: Risse in weißen Fassaden. Der Verfall des hanseatischen Bürgeradels. München 2006 Kändler, Eberhard: Begräbnishain und Gruft. Die Grabmale der Oberschicht auf den alten Hamburger Friedhöfen (Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Hamburg, Band 17). Hamburg 1997 Kändler, Eberhard: Der Friedhof Nienstedten und seine Museumsbereiche. Herausgegeben von der Verwaltung des Friedhofs der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Hamburg-Nienstedten. Hamburg 1987 Kändler, Eberhard: Der Friedhof Nienstedten. Museumsbereich IV. Herausgegeben von der Verwaltung des Friedhofs der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Hamburg-Nienstedten. Hamburg 1993

Leseempfehlungen und Literaturhinweise

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Wahlen • Wahlers • Waibel-von Wege • Waldau • Walde • Wallenius • Wallraff • Walsöe-Gros • Walte Walter • Walterspiel • Walther • Waltsgott • Wandel • Wanderer • Wandrowski • Wandschneider • Wangel


Kändler, Eberhard: Die Museumsbereiche auf dem Friedhof Nienstedten. In: Ohlsdorf. Zeitschrift für Trauerkultur, Nr. 70 (2000), S. 17–20 Kändler, Eberhard: O ihr Gräber der Todten! Warum liegt ihr nicht in blühenden Thalen beysammen? Grabstätten der Hamburger Oberschicht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Inge Stephan / Hans-Gerd Winter (Hg.): Heil über Dir, Hammonia. Hamburg im 19. Jahrhundert. Kultur, Geschichte, Politik. Hamburg 1992, S. 191–232 Keller, Ulrich: Krise im Kontext von Trauer. In: Funktionelle Entspannung. Beiträge zur Theorie und Praxis. Heft 33, Mai 2006, S. 6–27 Kemper, Hella: Elbschwimmer. Die Rückkehr einer Badekultur. Hamburg 2006 Kirchengemeinde Nienstedten: Gemeindebrief der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Nienstedten. Diverse Jahrgänge Kirchengemeinden Nienstedten und Bugenhagen-Groß Flottbek: Kanon. Gemeindebrief der Ev.-Luth. Kirchengemeinden Nienstedten und Bugenhagen-Groß Flottbek. Diverse Jahrgänge Kirsten, Gustav: Alt-Blankenese in 200 Bildern. Hamburg 1912 Kleinschulte, Stefan: Die Kirche in Nienstedten. Herausgegeben von der Kirchengemeinde Nienstedten. Hamburg 2001 Krise und Krone: Der Fall Nevermann. In: Der Spiegel 23/1965, S. 26–28 Krug-Brayshaw, Gabriele /Cords, Herbert: Nienstedten in alten Ansichten. Zaltbommel 1984 Lammer, Kerstin: Den Tod begreifen. Neue Wege der Trauerbegleitung. Neukirchen, 2. Auflage 2004 Leisner, Barbara / Fischer, Norbert: Der Friedhofsführer. Spaziergänge zu bekannten und unbekannten Gräbern in Hamburg und Umgebung. Hamburg 1994 Loudon, John Claudius: On the Laying Out, Planting and Managing of Cemeteries, and on the Improvements of Churchyards. London, 1843 (zitiert nach Gilbert 1994) Luther, Martin: Ein Sermon von der Bereitung zum Sterben. 1519. In: Luthers Werke für das christliche Haus, herausgegeben von W. Kawerau u. a., sechster Band: Erbauliche Schriften. Braunschweig 1891, S. 61ff. Möller, Detlef: Zur Geschichte der Kirche und des Kirchspiels Nienstedten. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Band 45/1959, S. 65 Möring, Gertrud Maria: Die hamburgische Familie Booth und ihre Bedeutung. 2 Bände. Phil. Diss. Hamburg 1950 Müller, Klaus E.: Das Magische Universum der Identität. Elementarformen sozialen Verhaltens. Ein ethnologischer Grundriß. Frankfurt/M., New York 1987 Otto-Rieke, Gerd: Gräber in Hamburg. Menschen, die uns bewegen. München 2000 Poppendieck, Hans-Helmut u. a. (Hg.): Der Hamburger Pflanzenatlas: von A bis Z. München 2010 Prange, Carsten: Auf zur Reise durch Hamburgs Geschichte. Hamburg 1990 Reiter, Michael: Kirchenführer Hamburg. Kiel 1995, S. 111–113 Rittmeister, John: »Hier brennt doch die Welt«. Aufzeichnungen aus dem Gefängnis und andere Schriften. Herausgegeben von Christine Teller. Gütersloh 1991 Rohlfs, Gustav: Die Friedhofsgärtnerei. Stuttgart 1963 Rösing, Ina: Die Verbannung der Trauer. Nächtliche Heilungsrituale in den Hochanden Boliviens. Nördlingen 1987 Sachweh, Ulrich: Zierpflanzenbau mit Staudengärtnerei, Friedhofsgärtnerei. Stuttgart 1988

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Leseempfehlungen und Literaturhinweise

Wangerin • Wapler • Warlich • Warlimont • Warmbold • Warncke • Warnke • Warnsholt • Warnsloh Warschau • Wartemann • Wasmuth • Wassmann • Wätzmann • Weber • von Weber • Wecker • Weferling


Schmersahl, Katrin: Hamburger Elbblicke. Die Geschichte der Parks, Landhäuser und Familien entlang der Elbchaussee. Hamburg 2012 Schoenfeld, Helmut: Vom Verschwinden eines Grabmals. In: Ohlsdorf. Zeitschrift für Trauerkultur, Nr. 85 (2004), S. 32 Schröter, Jan (Texte) /Marut-Schröter, Katharina (Fotos): Die Elbvororte im Wandel II. Nienstedten, Flottbek, Othmarschen und Övelgönne in alten und neuen Bildern. Hamburg 1993 Schulze, Peter: Museumsbereiche in Nienstedten. In: Ohlsdorf. Zeitschrift für Trauerkultur, Nr. 104 (2009), S. 19 f. Schwarze, Reinhard: Klopstock und Voght im Leben des Lucas Andreas Staudinger. Tellower Thünen-Schriften, Band 3. Tellow /Meck. 2002 Sölle, Dorothee: Mystik des Todes. Freiburg, 2. Auflage 2013 Sörries, Reiner: Ruhe sanft. Kulturgeschichte des Friedhofs. Kevelaer, 2. Auflage 2011 Spiegel, Yorick: Der Prozess des Trauerns. Analyse und Beratung. München, 7. Auflage 1989 Strang, John: Hamburg 1831. Herausgegeben und übersetzt von Gesine Espig und Rüdiger Wagner. Hamburg 1981 Sukopp, Herbert, Wittig, Rüdiger (Hg.): Stadtökologie. 2. Auflage Stuttgart 1998 Thun, Carl: Zur Geschichte des Kirchspiels Nienstedten. Pfarrchronik, zusammengestellt 1908 mit Nachträgen Warda, Hans-Dieter: Das große Buch der Garten- und Landschaftsgehölze. 2. Auflage. Bad Zwischenahn 2002 Weidner, Herbert: Geschichte der Entomologie in Hamburg. Abhandlungen und Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg. N.F. 9., Suppl. 1964 Wietek, Gerhard: Maler sehen Blankenese und die Elbe. Hamburg 1971 Will, Carl: Hamburg. Eine Heimatkunde. Dritter Teil. Elbaufwärts – Elbabwärts. Hamburg 1957 Wimmer, Clemens Alexander: Die Geschichte der Trauerweide. Zandera 8 (1993), S. 65–79 Wolter, Eduard: 150 Jahre Friedhof Hamburg-Nienstedten. In: Deutsche Friedhofskultur. Zeitschrift für das gesamte Friedhofswesen. Folge 11, November 1964, 54. Jahrgang, Aachen, S. 146–156 Zentralinstitut und Museum für Sepulchralkultur (Hg.): Tanz der Toten – Todestanz. Der monumentale Totentanz im deutschsprachigen Raum. Kassel 1998, S. 9–51 Ziesemer, John (Hg.): Der bürgerliche Tod. Regensburg 2007

Leseempfehlungen und Literaturhinweise

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von Wege • Wegener • Wegner • Wegwerth • Wehinger • Wehl • Wehr • Wehrhahn • Weide • Weidemann Weiffenfeldt • Weil • Weiner • Weinhobel • Weintapper • Weintraud • Weise • Weisener • Weiß


Bild- und Texthinweise

Von folgenden Personen und Institutionen, aus folgenden Archiven stammen die verwendeten Abbildungen und Texte. Wir danken für die Genehmigungen zum Abdruck in diesem Buch: Andreas Fromm, Hamburg: Cover und Umschlag, Vorsatzpapiere, S. 2, 4, 26, 28, 29, 30, 32, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 45, 47, 48, 50, 53, 54, 75, 76, 79, 81, 94, 96, 99, 130, 131, 132, 133, 134, 135, 138 oben, 139 oben, 140 oben, 143, 146 oben links und rechts, 147 Mitte, 148 links oben, 149, 150, 151, 152 oben links und rechts, 153 Mitte, 154 Mitte, 155, 156, 157, 158 rechts, 159, 177, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188 links, 189, 190, 193, 194, 195, 196, 198, 206/7, 208, 212, 234, 236, 237, 239, 241, 243, 244, 245, 246, 247, 248, 249, 250, 251, 252, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260 und 264 sowie Bildteile S. 57–72, 105–120, 161–176 und 217–232. Julika Altmann, Hamburg: S. 197 sowie beiliegende Karte. Doralies Hüttner, Pinneberg: S. 83, 85 links, 87 links und 87 rechts. Hans-Helmut Poppendieck, Hamburg: S. 188 Mitte und rechts. Hella Kemper, Hamburg: S. 137. Gert Kähler: S. 126 links, 126 rechts, 127 links. Eberhard Kändler und Peter Reincke: S. 238 und 240. Karin und Jürgen Schröder: S. 138 unten. Marion Schröder, Hamburg: S. 159 rechts. Niels Seemann, Hamburg: S. 248 oben links. Christian Terstegge, Hamburg: S. 127 rechts. Stamp Media, Kiel: S. 146, 147 rechts, 147 links, 148 Mitte, 148 rechts, 151 links, 151 rechts, 152 Mitte, 153 links, 153 rechts, 154 links, 157 rechts, 159 links unten. Bildarchiv Denkmalschutzamt, Hamburg: 154 rechts.

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Bild- und Texthinweise

Wicht • Wicke • von Wickede • Widow • Wiebcke • Wieber • Wiechert • Wieck • Wieczorek Wiedenbruck • Wiedenbrück • Wiegand • Wiegel • Wiele • Wiemer • Wien • Wienecke • Wienke


Altonaer Museum, Hamburg: S. 15 (Gottheil), 124/5 (Strack), 140 (Mosnier), 145 (Glashoff) und 204/5 (Heuer). Evangelischer Pressedienst, Frankfurt /M.: S. 158 links. Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg: S. 139 (Heuer). Staatsarchiv Hamburg, Hamburg: S. 13 und 14 (Glashoff), 157 links. Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Hamburg: S. 12, 21 und 201. Landesarchiv Schleswig-Holstein, Schleswig: S. 16. Friedhofsverwaltung Nienstedten, Hamburg: S. 17, 19, 22, 23, 24, 27, 127 Mitte, 202. Wachholtz Verlag, Hamburg: S. 144 (Heuer). Verlag Herder, Freiburg i. Br.: aus Dorothee Sölle, Mystik des Todes. Ein Fragment. Vorwort von Fulbert Steffensky, Freiburg i. Br. 2013 Insel Verlag, Berlin: S. 92, aus Marie Luise Kaschnitz, Kein Zauberspruch. Gedichte, Frankfurt/M. 1972.

Bild- und Texthinweise

273

Wienskowski • Wientapper • Wiese • Wieseler • Wietfeldt • Wiethüchter • Wigger • Wiggers Wilamowitz-Moellendorf • Wilck • Wilckens • Wilde • Wildeisen • Wildhagen • Wilken • Wilkening


Register

Adler, Georg Josius Stephan

19

Adolph IV., Graf von Holstein und Schauenburg

12

Abb. Bildteil Frühling Bild 6 Albers-Schönberg, Ernst und Margarethe Abb. Bildteil Herbst Bild 4 125

Apollinaire, Guillaume Appen, von (Familie)

97 140

98

Arnemann, Mathilde

236 –

Abb. 238 Aschpurvis

Beccadelli di Bologna, Maria siehe Maria von Bülow Becher, Johannes R. Becker (Familie)

102

239 – Abb. 238

Behnke, Friedrich

137

Abb. 155

Behnke, Otto Friedrich Behrmann, Dittmer

155 – Abb. 155

152, 256 –

Abb. 152 Benedikt von Nursia (Heiliger Benedikt) 185

77

Benjamin, Walter

Audehm, Beate

264

Baedecker (Familie)

Abb. 244

Bahr, Emil und Erika

Abb. Bildteil

Frühling Bild 9 Balzac, Honoré de Barlach, Ernst

131

Bernadotte, Jean

140

Berodt (Familie)

85 – Abb. 87

Biemann, Wilhelm Heinrich Martin 237 – Abb. 238 Biermann, Pamela

97

151, 260

Bartels (Familie)

10, 77, 128

Bartels, Irmgard

42 – Abb. 42

Bartels, Wilhelm

Abb. 249

Bartmann, Claus (Familie) Abb. 240, Bildteil Winter Bild 5 und 6 (rechts)

274

Beaumarchais, Pierre Augustin Caron de

Beethoven, Ludwig van

245

Arens, Johann August Arndt, Ernst Moritz

Abb. 124f.

140

Ahsbahs, Heinrich Christian Friedrich

Amsinck (Familie)

Baur (Familie)

103

Biermann, Wolf 101f. Biermann-Ratjen, Hanna

Abb. 155

Biermann-Ratjen, Hans Harder 155f. – Abb. 155, 256 Biermann-Ratjen, Roland Biesterfeld (Familie) Biesterfeldt

Abb. 155

16, 77

77

Register

Wilkens • Wilkers • Will • Willay • Willenbuch • Willer • Willhöft • Willsch • Wilmans • Wilms Windel • Windelbandt • Windels • Winderski • Winkel • Winkelmann • Winkens • Winkenwerder


Bismarck, Otto von

148

Bruhn, Hermann Friedrich

Blohm, Catharina und Peter Abb. Bildteil Herbst Bild 3 Bock, Arthur Bodden

242

148

125, 148f., 237,

255, 262 – Abb. 148, 149, Bildteil 152, 256 – Abb. 152

Booth, Arthur und Clara Adolphine Abb. Bildteil Frühling Bild 3 Booth, James Edward Booth, James

und 6 (etwas im Hintergrund) Bülow, Bernhard von

102

Bonne, Georg

Abb. 256, Bildteil Winter Bild 5 Bülow, Bernhard Ernst von

77

Bois, Curt

256 –

Abb. 138

139, 141, 187f., 237, 245,

262, 263 – Abb. 139, 188 Booth, John Richmond

Herbst Bild 5 Bülow, Maria von

148, 149, 237, 262 –

Abb. 148, Bildteil Herbst Bild 5 Buñuel, Luis

96

Burmester, Nicolaus Paridom

143, 258

Burmester (Witwe des Nicolaus)

141, 180, 188,

143,

258

237, 246, 262 – Abb. 139, Bildteil Sommer Bild 7

Chalybaeus, Christian

Booth, Maria Elisabeth

245 – Abb. 139,

Bildteil Sommer Bild 7 Booth, Mary Elizabeth

Chateauneuf, Alexis de

188

Colette

Boué, Sigmor

Abb. 249, 259

Cords (Familie) 16

Boué, Werner

Abb. 249, 259

Cords, Anne M.M.

Brauer, Max Brecht, Bertolt

26

143

97

Cords, Herbert

157

19f.

Cliquot-Ponsardin, Barbe-Nicole

37 – Abb. 37

Brauer, Grete

18f., 129, 142

Clasen, Hinrich Christoph

Bosse, Hanna

Brandt (Nachbar)

25

Cords, Irma

Abb. 240

34 – Abb. 34

34

156f., 259 101, 102

Breckwoldt (Familie)

Dammann, Willie (Familie)

138f. – Abb. 138

Breckwoldt D. (Familie) Bildteil Sommer Bild 6, Bildteil Herbst Bild 2

Breckwoldt, Hans Emil Abb. Bildteil Frühling Bild 2

133 – Abb. 133

Darboven, Johann Joachim

147, 256 –

Abb. 147 Degetau, B. (Familie)

134, 182f. –

Abb. 135, 183

Breckwoldt, Hans-Werner Breckwoldt, Helene

Darboven (Familie)

Abb. 240

39 – Abb. 39

Abb. 39

Breckwoldt, Joachim Diedrich Alfred Abb. 39

Döringen, Ernst August von Dose (Propst)

19

19

Drathen, Michael von 26, 87, 254, 264 – Abb. 252, 253, 254, 264

Breckwoldt, Maria Elisabeth

Drews, Johannes

27f., 256

Abb. Bildteil Frühling Bild 2 Breckwoldt, Thies

Abb. 138

Bremer, Hans (Familie) Abb. 238

237 –

Eckermann, Johann Peter

100

Ehren, von (Familie)

133f. – Abb. 134

Ehren, Johannes von

257

Register

275

Winkler • Winter • Winterberg • Wirth • Wischmann • Witing • Witt • Witte • Wittekind • Wittenburg Wittern • Wittkowsky • Wittleder • Wittmack • Wittorf • Wittrock • Witzig • Witzke • Wixwat • Wöbcke


Eichendorff, Joseph von Eichholz, Elisabeth

99

Godeffroy (Familie)

Abb. 75

144–147 – Abb. 23, 137, 145, 146

Eichholz, Rudolf

Abb. 75

Godeffroy, Adolph

Eiermann, Egon

134

Godeffroy, Carl

Eisler, Hanns

102

Elingius, Erich

125, 127,

130f. – Abb. 130, 131

Elizabeth II., Königin von England

145

237 – Abb. 146, 237

Godeffroy, Emilie

146 – Abb 146

Godeffroy, Gustav

145 – Abb. 144

Godeffroy, Johan Cesar IV

156f.

Godeffroy, Johann Cesar VI 144f., 146 –

Essberger, John Theodor Leonard

135,

154f., 257 – Abb. 154

Abb. 144, 146 Godeffroy, Pierre

Ewert, Elise und Heinrich

Abb. Bildteil

Sommer Bild 8

146

Godeffroy, Wilhelm Martin von

Fabricius, Anna-Sophie

Abb. 237

Fabricius, Johann-Henrich Fabricius, Ludwig

Abb. 237

237, 262 –

Abb. 237 Abb. 75 Abb. 75

Fette, Hans Hinrich

Abb. 75

Fette, Maria

40 – Abb. 40

40 – Abb. 40

Fichte, Hubert

157f., 257 – Abb. 157

Forsmann, Franz Gustav Franklin, Benjamin

141

140

141 – Abb. 140 Freeman, Thomas

Friedrichs, Hanns Joachim

103f., 257 –

Abb. 257

Gründgens, Gustav

Abb. 41 156, 256

Hagenbeck, Carl (1844–1913)

147, 257

Hagenbeck, Carl (1880–1949)

147

Hagenbeck, Friederike Hagenbeck, Wilhelm Haller, Martin

147 103, 147, 257 –

260

Harms, Gottlieb

94

Harnack, Arvid

260

Hartmann, Marlies Heartfield, John

104 35 – Abb. 35 156

Abb. 88 185

Heine, Heinrich

97f., 124

Heine, Salomon

124

Helms, Günter von Abb. 14, 145

141, 145f.

102

Heiliger Benedikt

77

Gaulle, Charles de

276

Abb. 41

Harke, Else Abb. Bildteil Herbst Bild 7

236f.

Gäbler, Hans-Jürgen

154

Hardy (Familie) 237 – Abb. 75, 187, 238

Abb. Bildteil Frühling Bild 7

Friedrichs, Ilse

154

Göring, Matthias Heinrich

Hansen, Christian Frederik 94

Frehse, August und Bertha Freund, Ernst

99, 100, 124

Abb. 147

Franz II., Kaiser von Österreich-Ungarn

Glashoff, J.

Göring, Hermann

Grimmer, Hermann

Fette, Auguste Lotte Fette, Hans-Ulrich

100f.

Goethe, Johann Wolfgang

Grimmer, Eva

Fette, Anna Maria

146,

262 – Abb. 146, 237 Goethe, August von

Gahde

144, 145

Helms, Lotti von Hermlin, Stephan

Abb. 250

Abb. 250 101

Register

Woberschal • Wogart • Wohlenberg • Wöhler • Wohlers • Wohlert • Wohltorf • Woldmann • Wolf Wolff • Wolffheim • Wolfram • Wolfson • Wolk • Wölle • Wöllke • Wollmann • Wollschläger • Wolsdorf


Herrlich, Lotte

257 – Abb. 257

Jung, Claere

Hesse, George Heinrich 257f. – Abb. 258

Hesse, Heinrich Levin Hesse, Mary Julie

259

Kabel, Heidi

Hilscher, Karl Friedrich (Familie)

242 –

Abb. 240, Bildteil Winter Bild 2 Hindenburg, Paul von

103, 158f., 258, 259 –

Abb. 159 Kalähne, Gustav (Familie)

Abb. 240

Karl XIV., König von Schweden

103

Kaschnitz, Marie Luise

Hinneberg, Walter Jürgen Abb. Bildteil Herbst Bild 6

140

92

Kayser (Familie) Abb. Bildteil Frühling Bild 1

151, 156

Hoffmann, Gabriele

Keilberth, Josef

144

156

Kestner, August

100

Kestner, Charlotte

Holck, Erich Graf von 86, 258 –

Kircheiss, Carl

Abb. 258, Bildteil Herbst Bild 2

Huchel, Peter

157, 258 – Abb. 156

259

Heuer, Wilhelm Abb. 139, 144, 204f.

Hitler, Adolf

Jung, Ernst

258 – Abb. 156

95

100

134, 152f., 258 –

Abb. 135, 153

Hurter, Anneliese

Abb. 192

Hurter, Hans Wolfgang von

Kirsten, Friedrich Abb. 192

142

Klopstock, Friedrich-Gottlieb

124, 140,

142 Idenbruch, Hanna Ihering, Herbert Jacob (Familie)

Abb. 75

Klüß (Kuhlengräber)

95 Abb. 143

Jacob, Daniel Louis

36 – Abb. 36

Koch, Klaus

36 – Abb. 36 Abb. 76

Köser, Johann Heinz Otto Abb. Bildteil

Jacques, Daniel Louis siehe Daniel

Winter Bild 1

Louis Jacob

Krause, Käthe Sophie

Jahnn, Ellinor

95

Jahnn, Hans Henny

Kröger (Familie) 93–96, 157, 202,

237, 257, 262 – Abb. 94, 157 Jahnn, Signe

Koch, Karin

König, Joachim

143, 258

25, 264

Krug, Gerd

Abb. 75

Jenisch, Marianne 262

100, 102f.

Sommer Bild 9 125, Ladiges (Familie)

Jenisch, Martin Johann der Jüngere 141, 258

Ladiges, Hans

16 – Abb. 243

25

Lampert, Friedrich Ludwig

Jenisch, Martin Johann Rücker Freiherr von Julius, Gottheil

22, 25

Kube, Alice und Bruno Abb. Bildteil

262

Jenisch, Martin Johann der Ältere

132

77 – Abb. 76

Krome, Gustav

95

Jaspersen, Ulla

Kröger, Helga

Abb. 253

258 – Abb. 258

Langeloh (Familie)

Abb. 15

Langer, Emil

Jung, Carl Gustav

154

242 –

Abb. 243 16

258f. – Abb. 184, 259

Langer, Herbert-Emil

Abb. 259

Register

277

Wolter • Wood • Wörmer • Worms • Worona • Wortmann • Worzewski • van der Woude • Woydt Wrage • Wrede • Wule • Wulf • Wulf-Blöhs • Wulff • Wulkop • Wullbieter • Wullenweber • Wunderlich


Langer, Martha

259

Nagel, Britta

Langhoff, Wolf

102

Neubert, Fritz

Lehmann, Johann Georg Christian

41 – Abb. 41 239

Nevermann, Paul

188

156f., 259 – Abb. 156

Newman, Henry Louis

Levetzau, Albrecht Philipp von Liebermann, Rolf

Newman, Mary Julie

156, 256

Lindemann, Helene Lindemann, Vera

14

Nocht, Bernhard

Abb. 240

259 – Abb. 259

241f. – Abb. 241,

Bildteil Winter Bild 2

211, 213, 214 –

Nossack, Gabriele

Abb. 212

94

Nossack, Hans Erich

Loesener, Friedrich Leopold

259 – Abb. 259

259 –

Nückel, Felix

94, 95

Abb. 240

Abb. 76 Loß, Günther

26 – Abb. 28

Luckner, Felix Graf von

Oetker, Albert

152f., 258

237, 262 – Abb. 237

Oetker, August

Ludwig XIV., König von Frankreich

97

Ludwig XV., König von Frankreich

140

Lübbers, John

25, 264

Lüders, Jürgen

26, 29, 236, 242, 244 –

262

Oetker, Louis Carl

262

Oldendorff, Klaus Egon

77 – Abb. 76

O’Swald, William Henry 239 – Abb. 238

Abb. 264 Luksch, Richard Luther, Martin

23, 24, 25 – Abb. 250 54, 206

Parish (Familie)

10, 128, 259 –

Abb. 249, 259 Parish, Johanna

Mahler, Hans

159, 258, 259 –

Abb. 159 Mann, Heinrich

101

Marcuse, Ludwig

101

Marie Sophie Friederike, Königin von Dänemark

187

Marxsen, Detlev J. Maus (Familie)

Abb. Bildteil Frühling

Bild 1 48, 251

Mewes (Familie)

Abb. 240

77 Abb. 240

97

Molkenbuhr, Claus

259

Parish, Richard

259

Parish, Susette

259

Petersen, Rudolf

142, 156

Bild 4 Pius VI., Papst

140

Porath, Wolfgang

Abb. 75

Präckel, Tilmann

210f., 213, 214f. –

Abb. 212

102

13, 241 –

Abb. 238 97

Abb. 185

Abb. 185

Mosnier, Jean-Laurent

278

Parish, John (1805–1868)

Proust, Marcel

Molkenbuhr, Anna Elise

Müller, Heiner

259

Pröckwold, Hein (Familie)

Meyer, Hans (Familie) Molière

Parish, John (1742–1829)

Pieper, Hans Abb. Bildteil Frühling Abb. 238

Menck (Familie) Meyer

259

Abb. 140

Quast, Helga Abb. Bildteil Winter Bild 7

Quatremère de Quincy, Antoine Chrysostôme

123

Register

Wunnerlich • Wünsche • Wuppermann • Würfel • Wurm • Wurr • Wüte • Wuttke • Xaver • Yancoff Zabel • Zachmann • Zachradnik • Zander • Zarbod • Zarndt • Zarnitz • Zars • Zassenhaus • Zecher


Rantzau, Eberhart von

155

Rantzau, Heinrich von

155

Schröder (Familie)

251 – Abb. 130, 131

Rantzau-Essberger, Liselotte von Reemtsma (Familie)

87, 125, 130, 181,

155

103, 150f., 202 –

Abb. 150, 151

Schröder, Gustav

153, 260 – Abb. 153

Schröder, Johann Rudolph Freiherr von 130 – Abb. Bildteil Sommer Bild 3,

Reemtsma, Alwin Fürchtegott

151

Reemtsma, Hermann Fürchtegott

Bildteil Winter Bild 2 (im Hinter151,

260 – Abb. 151

grund) Schroeder, Elisabeth Marie und Heinrich

Reemtsma, Johann Bernhard

150 f.,

260 – Abb. 150

Ernst Abb. Bildteil Herbst Bild 4 Schuldt, Jürgen (Familie) 239 – Abb. 238

Reemtsma, Philipp Fürchtegott

151,

Schulze-Boysen, Harro Schumann, Clara

260 – Abb. 151 Renner, Hermann (Familie)

241 –

154, 260

98

Schumann, Robert

98

Abb. 240, Bildteil Herbst Bild 1,

Seghers, Anna

Bildteil Winter Bild 2

Shaw, George Bernhard

Rennert, Günther

156

Rittmeister, John Karl Friedrich

153f.,

101

Sieveking (Familie)

142, 146, 149

Sieveking, Friedrich

142

Sieveking, Georg Heinrich

260 – Abb. 154 Röber, Werner (Famillie)

243

Roosen, Eduard 260 – Abb. 260 Rosenberg, Stuart Rücker (Familie)

124

130, 142

Abb. Bildteil Frühling

Bild 3 Schade, Joachim (Familie) Abb. 135,

143

Sieveking, Luise

142, 262

Sieveking, Olga

142

Sloman, Crisca

259

Sloman, Robert Miles

238

Schaeffer (Familie)

Abb. 75

Scharlau, Winfried

103

Schilinski (Familie)

Abb. 238

Sölle, Dorothee

259

8, 38, 89–92, 158, 202,

260 – Abb. 158, 234 Staël, Madame de

140

Schilke, Barbara 38 – Abb. 38

Stammer (Familie)

Schiller, Charlotte von

Staudinger, Lucas Andreas

98f.

99

77

Schmal, Helga

98

Steffensky, Fulbert Stehr, Marie

239 157

19, 20,

147f., 261 – Abb. 148

Stein, Gertrude Stendhal

44

Abb. 148

Stehr, Simon

Schmidt, Helmut

244

260f. – Abb. 261 141

Schlegel, August Wilhelm Schlüter

142, 237,

255, 262 – Abb. 143, Bildteil Herbst Sieveking, Kurt

Schinkel, Karl Friedrich

19, 129,

Bild 5 (im Hintergrund)

125

Schiller, Friedrich

142, 263

Sieveking, Karl (1787–1847) Sieveking, Karl (1863–1932)

153

Rousseau, Jean-Jacques

Sachau, Carina

103

97

140

Register

279

Zeise • Zeisler • Zeitz • Zeller • Zemlin • Zeplin • Zernikow • von Zerssen • Zessin • Zeuner • Zeyssig Ziegeler • Ziegenfuß • Ziegenhals • Ziegenspeck • Ziegert • Ziegler • Ziehm • Zielke • Ziesenitz • Zillgenz


Stoldt, Frauke

254, 264 – Abb. 264

Stoltenberg, Kurt

25, 133

Wagner, Minna

98

Wagner, Richard

98, 155

Strack, Ludwig Philipp

Abb. 124f.

Weigel, Helene

101, 102

Stülcken/Christiansen

134, 251 –

Werner, Franz

Abb. 187

Abb. 131

Werner, Lucienne

Sydow, Max von

153

Abb. 187

Wesendonck, Mathilde Wesendonck, Otto

Teegen

77

Wesselhoeft, Carl Johannes

Tesdorpf, Adolph

239 – Abb. 238

Thorvaldsen, Bertel Thun, Carl

29, 237, 248

23, 261 – Abb. 261

Thun, Ernst Thun, Ida

98

98

Westhof, Josef

Abb. 79 Abb. 79

Wieck, Heinrich Adolph Abb. Bildteil

Abb. 261

Thun, Martha

Abb. 261 Westhof, Melitta

Abb. 261

Sommer Bild 4

Abb. 261

Wilde, Oscar

97

Wilhelm II., Kaiser Thun, Wilhelm

Abb. 261

Vegt, Astrid Fiehland van der

148, 258

Witt, Johann Gottfried 211, 213,

215 – Abb. 212 Voght, Caspar

261 –

Wohlers, Wilhelm Wolf, Christa

10, 18–20, 127, 129f.,

14 f.

18, 25, 264

101

Wullbieter, Paul

23, 26, 264

135, 140–142, 178, 202, 237, 257, 260, 261, 262, 263 – Abb. 129, 140,

Zehle, Walter

Bildteil Sommer Bild 2, Bildteil Herbst

Zeise, Alfred

Bild 8

Zeise, Heinrich (1718–1794)

150

Zeise, Heinrich (1793–1863)

150

Zeise, Heinrich (1822–1914)

150

Vorwerk (Familie) Vorwerk, Adolph

127, 261 261

Vorwerk, Christiane

261

241 149, 150 – Abb. 149

Zeise, Theodor

Vorwerk, Friedrich

261 – Abb. 261

Voss, Christiane de

261

Zweig, Arnold

150 10

Die unten im Buch durchlaufenden Namen wurden im Spätsommer 2013 von den Grabsteinen des Friedhofs in Nienstedten notiert. Nicht immer waren die Schriften leicht zu entziffern, manchmal konnten sie sogar nur ertastet werden.

Zilliger • Zilm • Zimmer • Zimmermann • Zindler • Zippel • Zoder • Zoellner • Zöhfeld • Zorn • Zubke Züchtig • Zuckarolli • Zühlke • Zurus • Zuschke • Zweiling • Zwiener


Über die Herausgeber: Tilmann Präckel ist seit 2012 Pastor in Nienstedten. Er hat in Hamburg und Heidelberg Theologie studiert und in Scharbeutz seine erste Pfarrstelle innegehabt. Das Pastorat, in dem er mit seiner Familie lebt, ist das ehemalige Haus des Friedhofsinspektors. Hella Kemper ist Germanistin und Journalistin. Sie hat viele Jahre im Geschichtsmagazin der »ZEIT« gearbeitet, jetzt ist sie Redakteurin bei »ZEIT Wissen«. Sie hat mehrere HamburgBücher veröffentlicht.

GARTEN DER ERINNERUNG wurde herausgegeben im Auftrag der Kirchengemeinde Nienstedten.

Dieses Buch ist ein Garten der Erinnerung Es erzählt von den Familien und Menschen, die auf dem Friedhof Nienstedten bestattet wurden. Von einem Dorf in der Stadt und seinem besonderen Friedhof. Von Trauer und Hoffnung. Von Bäumen und Bauten. Von Stille und Versammlung. ISBN 978-3-00-040866-3

Tilmann Präckel u. Hella Kemper (Hg.)

GARTEN DER ERINNERUNG

Umschlag_Friedhof_MR 24.10.13 20:57 Seite 1

GARTEN DER

ERINNERUNG 200 Jahre Nienstedtener Friedhof 1814–2014 Herausgegeben von Tilmann Präckel und Hella Kemper

Der Nienstedtener Friedhof ist ungewöhnlich schön und eindrucksvoll. 2014 ist er 200 Jahre alt. Dieses Buch will auf den Friedhof führen, hin zu den alten Steinen, den großen Hamburger Namen, den schönen Blutbuchen und alten Stieleichen, zu den geheimnisvollen Mausoleen und zu historischer Grabmalkunst. Zugleich will das Buch die Seele des besonderen Ortes aufleuchten lassen – Schmerz und Abschied im Angesicht des Todes. Dankbarkeit für gemeinsam erlebtes und geteiltes Leben. Hoffnung auf Gemeinschaft über den Tod hinaus. Mit Beiträgen von Emanuel Eckardt, Astrid Fiehland van der Vegt, Hans-Martin Gutmann, Doralies Hüttner, Klaas Jarchow, Gert Kähler, Eberhard Kändler, Hella Kemper, Rainer Kolbe, Birgit Lahann, Vera Lindemann, Hans-Helmut Poppendieck, Tilmann Präckel, Dorothee Sölle (†) und Fulbert Steffensky. Fotografien von Andreas Fromm. Mehr als 300 Abbildungen.

Mit einem Plan des Friedhofs und seiner Gräber zum Herausnehmen.