Page 11

Reise n & Lebe n sa r t

Schlüsselerlebnis an der Weser Hamburger blicken gern etwas von oben herab auf Bremen, ganz so wie auf arme und weniger erfolgreiche Verwandte. Doch Bremen holt mächtig auf und ist mit einer spannenden Mischung aus Sehenswürdigkeiten von gestern und Visionen für morgen ein spannendes Ausflugsziel.

A

uf den Hamburger Anspruch, das Tor zur Welt zu sein, reagieren Bremer schon mal mit dem Trotz der zu kurz gekommenen Schwester: „Aber wir haben den Schlüssel dazu“, heißt es dann mit Hinweis auf das eigene Stadtwappen. In der Tat ist Bremen die ältere der beiden und war lange auch die größere und bedeutendere. Über Jahrhunderte zählte die Stadt in der Wesermündung gut doppelt so viele Einwohner wie Hamburg. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Bremen mit den älteren und bedeutenderen Sehens-

würdigkeiten aufwarten kann. Mit einer guten halben Million Einwohner ist Bremen aus der Sicht eines Hamburgers durchaus übersichtlich. Für den Besuch bei der hanseatischen Verwandtschaft empfehlen sich ICE oder Metronom, denn der Nahverkehr ist mustergültig und die Autobahn A1 derzeit selbst für hartgesottene Autofans kein Vergnügen. Wer das alte Bremen entdecken will, der folgt am besten der Spur aus fast tausend Messingnägeln, die den Besucher zu den wichtigsten Attraktionen der Altstadt führen. Der Rundgang beginnt vor der Skulptur der Bremer Stadtmusikanten, die der Bildhauer Gerhard Marcks 1953 geschaffen hat. Esel, Hund, Katze und Hahn sind heute die wohl bekanntesten Bremer. Angeblich soll ein

Wusch in Erfüllung gehen, wenn man die Vorderbeine des Esels berührt. Wünsche gibt es offenbar ohne Zahl, jedenfalls glänzen die Beine vom vielen Anfassen. D as ungel ö ste R ätsel des B leikellers

Sehenswert ist der St. Petri Dom, dessen Anfänge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen und der nach dem Vorbild des Kölner Doms entworfen wurde. Seine Kellerräume umgibt ein Geheimnis: Im so genannten Blei-

keller neben dem Dom liegen sechs Tote, die nicht verwest, sondern als Mumien für die Ewigkeit erhalten sind. Das Phänomen, für das es bis heute keine schlüssige wissenschaftliche Erklärung gibt, faszinierte schon Goethe. Er bat um einen Mumienfinger, um ihn zu untersuchen. Und wer gut zu Fuß ist, sollte ruhig auf den Südturm des Doms steigen; die Aussicht von dort ist bei schönem Wetter wunderbar. Vom Reichtum und Stolz der Bremer Kaufmannschaft zeugen nebenan das Rathaus und der fünfeinhalb Meter hohe Roland davor. Beide zusammen gehören seit 2004 zum UNESCO Weltkulturerbe. Das Rathaus ist in seinem Kern gotisch. Weil es den Stadtoberen zu schlicht war, erhielt es 1600 eine prächtige Fassa-

de im Stil der Weser-Renaissance. Ein Muss ist die Obere Halle. In dem 41 Meter langen, 15 Meter breiten und 8 Meter hohen prachtvollen Saal findet jedes Jahr am zweiten Freitag im Februar die Schaffermahlzeit statt, mit der sich Bremische Kaufleute und Schiffer seit 1545 alljährlich ihre Verbundenheit versichern. Es ist das älteste fortbestehende Brudermahl der Welt. Manche Namen der Bremer Sehenswürdigkeiten wirken für Außenstehende ziemlich fremd. „Der Schütting“ zum Beispiel ist das Ge-

bäude der bremischen Kaufmannschaft neben dem Rathaus, „die Schlachte“ ist die historische Uferpromenade an der Weser und „der Schnoor“ ist das älteste Viertel der Hansestadt. In seinen schmalen Gassen drängen sich Bürgerhäuser aus vergangenen Jahrhunderten.

 Bremer TouristikZentrale Findorffstraße 105 28215 Bremen Service-Telefon: (0 18 05) 10 10 30

Roland und Rathaus, Weser und Schnoor oder die Mumien im Bleikeller von St. Petri – in Bremen gibt es Schönes und Skurriles.

R o mantis c h werwinkelte G assen

Heute finden sich in ihnen Galerien, Cafés und Restaurants, Antiquitätengeschäfte und sogar eine kleine Glasbläserei. Als letztes Quartier der Bremer Altstadt mit größtenteils erhaltener und zusammenhängender Bausubstanz hat sich der Schnoor zu einem Besuchermagnet entwickelt. Vom Schnoor zurück zum Rathaus urbanes 1|2011

11

Urbanes 1.2011  

Ausgabe 1.2011

Urbanes 1.2011  

Ausgabe 1.2011

Advertisement