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Ratschläge bei Verdacht sexuellen Missbrauchs sich noch, wenn ein kleines Kind betroffen ist, dessen Aussagetüchtigkeit entwicklungsbedingt noch gering ist. Bei solch schwieriger Beweislage stellt sich die Frage, ob es außer der Aussage des möglichen Opfers andere zuverlässige Indikatoren zur Verdachtsabklärung gibt. Medizinische Befunde Anders als gemeinhin vermutet, kommt es bei Missbrauchshandlungen, die an Kindern vorgenommen werden, nur selten zu Verletzungen. Zumeist gehen Täter gewaltlos vor. Sie erschleichen sich das Vertrauen eines Kindes und nehmen unter irgendwelchen Vorwänden sexuelle Handlungen an oder mit dem Kind vor. Aber auch wenn medizinische Befunde vorliegen (z. B. in Form von Rötungen, Rissen, Einkerbungen, Narben oder Anomalien im Genital- oder Analbereich), ist zu beachten, dass es nur selten möglich ist, andere Ursachen als sexuellen Missbrauch mit Sicherheit auszuschließen. Auch Entzündungen, Durchfall, Wundsein, kindliche Spielereien oder kindliches Masturbieren etc. können als Ursache infrage kommen.

Leider bleibt in ärztlichen Attesten die geringe Spezifität (Eindeutigkeit) körperlicher Befunde häufig unberücksichtigt, obwohl diese bei unvoreingenommener Interpretation oftmals viele andere Ursachen haben können, die sogar näherliegend und daher auch wahrscheinlicher sind als sexueller Missbrauch. Liegt ausnahmsweise ein Befund vor, der eindeutig auf einen stattgefundenen Missbrauch hinweist, so ist der Befund nur äußerst selten so beschaffen, dass er auch noch eine Identifizierung des Täters erlaubt. Verhaltensauffälligkeiten Was für die körperlichen Befunde gilt, gilt gleichermaßen auch für Verhaltensauffälligkeiten. Unter Fachleuten herrscht international Einigkeit darüber, dass es keine einzige Verhaltensauffälligkeit gibt, die nur oder fast nur als Folge sexuellen Missbrauchs aufträte. Es ist deshalb irreführend, wenn Verhaltensstörungen wie Schlafstörungen, Albträume, Essstörungen, Einnässen etc. als „Signale“ für sexuellen Missbrauch bezeichnet werden. Solche Verhaltensweisen erlauben lediglich den Schluss,

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BDK - Sichere Kindheit, verantwortungsvolle Gesellschaft  

Mit der Broschüre „Sichere Kindheit" möchte die Redaktion von „Kripo-Tipps" eine Information und Handreichung für Eltern, andere Erziehungsv...