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Österreich: 4,60 Euro; Schweiz sfr. 8,-; BeNeLux: 4,70 Euro; Italien/Spanien/Portugal (cont.)/Slowenien: 5,40 Euro;

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Auf Touren…

… vom Veitsberg bis zum Kilimanjaro

Mountainbike Die Seele von Alta Badia Unter der Lupe p Leichte Rucksäcke für Aufsteiger Unterwegs g Bayern für Quergeher

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Lust auf Berge…

Foto: Karsten Voigt; Ort: Brauneck, Bayerische Alpen

…ist die Devise unseres gesamten Teams – das ganze Jahr über. Und deshalb haben wir uns auch zu unserer Passion bekannt – der Berglust. Berglust lässt Sie, liebe Leserinnen und Leser, in Zukunft Berge in all ihren Facetten erleben. Sei es in heimischen Gefilden beim Bergsteigen, Wandern, Klettern oder Mountainbiken – auf Skitour, beim Eisklettern oder auf einsamen Touren durch die verschneite Landschaft. Wir eröffnen Ihnen aber auch neue Blicke auf die Berge der Welt. Aufgeteilt in vier Rubriken, Reise, Bergsport, Ausrüstung und Wissen, finden Sie in der Berglust sämtliche Belange des alpinen Lebens wieder. Thomas Lämmle eröffnete vergangenes Jahr eine neue Route auf den Kilimanjaro, dem höchsten Berg Afrikas. Lesen Sie ab Seite 8, warum er sich trotz seiner „jungen Jahre“ an das Projekt Mt. Kibo gemacht hat. Joachim Chwaszcza ist heimatverbunden – die Geschichte eines Quergehers in den bayerischen Alpen und sein Blick auf die schöne Steiermark machen einfach Lust auf Berge. Für alle, die es mediterraner lieben, präsentieren wir Savona, eine vielseitige Region in Ligurien und das Dolce Vita in Alta Badia. Karsten Voigt war dort mit seinem Sohn und dem Mountainbike in den Dolomiten unterwegs. Nicola Förg hingegen hat sich für Sie in Talnähe auf kulturelle Spurensuche begeben. Extrem und trotzdem bodenständig – Basti Haag war am Broad Peak. Seine Erfahrungen mit den Extremen eines hohen Berges finden Sie ab Seite 76. Dass Bergsteiger auch trainieren müssen, weiß Maria Englhart – sie verrät Ihnen Tipps, damit Ausreden für Indoor-Training keine Chance mehr haben. Berglust gibt Tipps, wie Sie selbst ihr Mountainbike für die kommende Saison fit machen. Und, wir hatten in den vergangenen Monaten neun Rucksäcke im alpinen Einsatz – das Ergebnis lesen Sie ab Seite 94. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Freude mit der Berglust. Nehmen Sie sich Zeit, gehen Sie in die Berge und kommen Sie wieder gesund nach Hause. Ihre Petra Thaller

FRITZ MILLER

leidenschaftlicher Alpinist und Kletterer

KLARHEIT

Guide Lite 32 » 1150 Gramm Alpin Serie www.deuter.com Tel. + 49 / 821 / 4987-327 Offizieller Ausrüster des Verbands der Deutschen Berg- und Skiführer

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>> ausrüstung • Neuheiten von der ispo 2010 • Hinter den Kulissen bei Lowa • Rucksäcke 28 l – 35 l: Aufsteiger des Jahres • Tipp vom Profi: Saisonstart mit dem Mountainbike • Wandern & Klettersteig: Neuheiten für 2010

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>> wissen • Verband Österreichischer Berg- und Skiführer: Risiko: Spaltensturz bei Skihochtouren • Bergwacht: Eine eingeschworene Gemeinschaft

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• Eisklettern: Neue Route in der Eisarena im Gasteiner Anlauftal • Panorama: Bücher, Veranstaltungen, Termine • MTB/Italien/Alta Badia: Die Seele von Alta Badia • Eisklettern/Oberbayern: Jochberg Nordwand – im Winter ein Fall für Eis • Expedition/Portrait: Sebastian Haag – Grenzen verschieben, Grenzen verlieren • Trailrunning/Training, Technik, Ausrüstung: „Oh, how beautyful“ • Indoor-Training: Ab in die warme Stube – Ausreden gibt es nicht

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Titelbild: Klaus Kranebitter/Karwendel; Fotos: Martin Häußermann; Klaus Kranebitter; Joachim Chwaszcza; Petra Thaller

>> bergsport

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• Italien/Alta Badia: La Villa – Ladinische Klarheit • Italien/Savona: Zwischen Fels und Meer • Italien/Hochpustertal: Ein delikates Tier

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Steiermark Spezial

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• Panorama • Afrika/Kenia/Tansania: Faszination Kilimanjaro • Schweiz/Berner Oberland: Der Schmale Grat • Österreich/Nationalpark Hohe Tauern: Mit Tourenski und Schneeschuhen unterwegs • Österreich/Mangfallgebirge/Veitsberg …wenn ein Kind und ein Kindskopf am Gipfel übernachten • Österreich/Tuxer Alpen/ Weidener Hütte Wo alte Geister und moderner Geist vereint sind • Deutschland/Oberbayern: Parkhotel – zwischen Straußenfilet und Schweinebraten • Deutschland/Oberbayern: Heimattrekking – Bayerns Berge für Quergeher

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reise Abenteuerland

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lettern, Mountainbiken, Downhill, Canyoning – in Tirol gibt es alles davon und in top Qualität. Diese Trendsportarten sind aber nicht nur was für Waghalsige, sondern auch für Familien und Genießer. Am Eingang des Ötztales, genau auf dem 47 Breitengrad, eröffnet am Pfingstwochenende 2010 eine neuartige Erlebniswelt, quasi ein Spielplatz für alle Abenteuerfans. Die „Adrenalin-Tankstelle“ ist an der Innmündung der Ötztaler Ache in eine herrliche Naturlandschaft eingebettet. In dem nach allen Regeln der Eventgastronomie designten Partylokal „River-Haus“ etwa. Oder im „AREA Dome“, einer Veranstaltungshalle für 8000 Besucher. Direkt über dem Dach dieser „Event AREA“ liegt auch der Einstieg zu einer 620 Meter langen Seilrutsche. Am Flying Fox fliegen Unerschrockene mit sattem Karacho über die 7.000 qm große „Water AREA“. Snowboarder, Freeskier und Mountainbiker donnern hier über eine riesige Schanze ins Wasser. Gleichzeitig fallen von einer 12 Meter hohen Deep-Water-Soloing-Kletterwand die Boulderer in den See, Slackliner balancieren übers Wasser. Hochbetrieb herrscht auch im Treffpunkt aller adrenalinsüchtigen Wasserraten, dem Riesenrutschenpark mit seinen sechs Rutschen, darunter die steilste Europas. Auch ein Sprungturm von Ehrfurcht gebietenden 27 Metern Höhe wurde am Ufer aufgepflanzt. Kurz, im ganzen Land werden schon seit Jahren Outdoor Aktivitäten von professionellen Anbietern angeboten und Tirol bietet so einem breiten Publikum eine Spielwiese mit Funsportarten. trendsport.tirol.at

Oberstdorf

Wandern in fünf Hochtälern Wanderspaß auf drei Höhenlagen in den Allgäuer Alpen

Palmen, Almen und Apfelblüte Zur Schnuppertour nach Schenna: Der Ort am Südhang über Meran ist der Logenplatz für Südtirols Apfelblütenmeer im April. Die duftenden Gärten reichen dicht heran bis an die Terrassen und HotelBalkone. Die ideale Entspannung von Wanderungen durch fast alle Klimazonen, denn Schenna liegt genial vertikal zwischen Palmen und Almen. Tipp: Tagsüber ins Wandergebiet der Hausberge Hirzer und Ifinger, den Sonnenuntergang erleben zwischen tropischen Gewächsen, Reisterrassen und Kakteen in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff. Und dann einschlafen mit Apfelduft.

schenna.com

Oberstdorf ist eine der schönsten Wanderdestinationen in den Allgäuer Alpen. Die einmalige Lage im breiten Tal der Iller, umgeben von den Allgäuer Bergen, macht Oberstdorf das ganze Jahr über zum Anziehungspunkt für Naturliebhaber, Wanderfreunde und Wintersportfans. Der Heilklima- und Kneippkurort liegt bereits auf 815 m, die Trettachspitze am Ende des gleichnamigen Tals ragt auf knapp 2600 m auf. Dazwischen erstrecken sich drei Höhenlagen, die einmalig in den Allgäuer Alpen sind: Vom leichten Spaziergang im Tal über Wanderungen auf Mittelgebirgsniveau bis hin zu Berg- und Klettertouren ist der Wanderrucksack vollgepackt mit Naturerlebnissen. Etwa drei Viertel des Oberstdorfer Gemeindegebiets stehen sind geschützt, der Ort liegt im Mittelpunkt von fünf Hochtälern mit einmaligen Naturräumen. Acht Nordic-WalkingStrecken, 200 Kilometer Wanderwege, zwölf Mountainbiketouren, die Breitachklamm, Klettersteige und grenzüberschreitende Bergrouten durchziehen die Landschaft in allen Höhenzonen. Oberstdorf bietet ideale Voraussetzungen für einen gelungenen Familienurlaub. Den größten „Spielraum“ schafft die Allgäuer Bergwelt selbst. Auf den Bergbahnen Fellhorn, Nebelhorn und Söllereck fahren Kinder bis 18 Jahre gratis. Außerdem bieten viele Oberstdorfer Vermieter das Übernachtungspackage „Grenzenlos Wandern“ mit dem Bergbahnpass für die Zweiländer-Wanderregion Oberstdorf–Kleinwalsertal. Damit sind die Bergbahnfahrten für Kinder in Begleitung der Eltern auf den Bergbahnen in Oberstdorf und dem Kleinwalsertal kostenlos. Oberstdorf ist mit und ohne Auto einfach erreichbar. Es gibt tägliche Bahn-Direktverbindungen aus Hamburg, Hannover, Würzburg und Dortmund. Von München fährt der „ALEX“ nach Oberstdorf täglich im Zweistundentakt. Tägliche Direkt-Flugverbindungen nach Memmingen und Friedrichshafen.

Infos: Oberstdorf Tourismus, Tel. +49 8322 700-0, oberstdorf.de

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Fotos: Klaus Kranebitter (1); Oberstdorf Toursimus (1)

Tirol

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alpinsommer.de

Nach oben keine Grenze – Climbers Paradise Wer an Sportklettern denkt, denkt an Felsen, denkt an Tirol. Hier findet man traumhafte Klettergebiete und eine überaus rege Szene. Climbers Paradise, das sind 15 Tiroler Regionen, die sich dem Klettersport verschrieben haben: St. Anton am Arlberg, Ötztal, Mieminger Plateau, Pillerseetal, Osttirol, Imst-Gurgltal, Tiroler Oberland, Achensee, Tiroler Zugspitz-Arena, Naturparkregion Reutte, Tirol Mitte, Tannheimer Tal, Paznaun-Ischgl, Tirol West und Wilder Kaiser. Auf der dazugehörigen Website climbers-paradise. com findet der Kletterfan alle wichtigen Infos zu den Klettermöglichkeiten in den einzelnen Regionen. Die Auskünfte betreffen alle Kletterdisziplinen, die wichtig sind: Sportklettern, das Klettern von Mehrseillängen, Klettersteige, Bouldern, Kletteranlagen und Eisklettern. Außerdem gibt es auf der Seite noch Wissenswertes wie z. B. Kletterregeln, Adressen von Bergsteigerschulen, Infos zu den öffentlichen Verkehrsmitteln und Infos zu Unterkünften in den Regionen. Weiters ist ein großer Teil für die Community reserviert: wer sich registriert, kann Erfahrungen posten, Klettergebiete bewerten, Fotos hochladen etc. Natürlich findet man hier auch Veranstaltungen und allerlei Neuigkeiten rund um den Klettersport.

Für Einsteiger, Umsteiger, Aufsteiger

Foto: Strauß

Herzklopfen und Pulsschlag im Kastanienhotel

Der »alpinsommer« erscheint am 8.4.2010

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as 4-Sterne Hotel Taubers Unterwirt überrascht mit Wellness fürs Herz und Fun mit dem „Bergmönch“. Der Pulschlag wird auf gesunde Weise bei geführten Nordic-Walking-Wanderungen, Biketouren, Kletterkursen oder „Bergmönch-Wanderungen“ erhöht. Das Herzklopfen kommt spätestens beim Eintritt in die traumhafte Himmels-Suite des Hotels. Das außergewöhnliche 4-Sterne-Kastanienhotel hat sich als Hot Spot der Hotellerie etabliert. Das Thema „Castanea – Kastanie“ steht im Mittelpunkt mit Wohlfühl-Suiten aus wohlriechendem Kastanienholz, Küchenzaubereien aus geheimen Kastanien-Rezepturen bis hin zur Castanea Beauty- und Wellnesslandschaft in der die besondere Wirkung der Kastanie spürbar, fühlbar und riechbar. Nach einem Aufguss in der „Köschtn“Biosauna und anschließendem Gang durch den Kräuter-Artemisia Kneippweg erlebt der Gast die geballte Kraft der Dolomiten. Im Beautybereich verwöhnen professionelle Kosmetikerinnen mit Massagen, Bäder und Kosmetikbehandlungen mit der hauseigenen Kastanien-Kosmetik. Diese weltweit einzigartige Linie wird von Fachmagazinen und Spezialisten besonders wegen der „Anti-Aging-Wirkung“ geschätzt und ist exklusiv im Taubers Unterwirt erhältlich. Eine Besonderheit für Paare oder Freunde ist die Partneranwendung „Castanea – Wohlgefühl für zwei“. „Testen Sie die Weltneuheit Bike & Hike mit dem Bergmönch. Bergauf wird mit einem speziell entwickelten Rucksack-Bike gewandert. Talwärts mutiert der Bergmönch zum Downhill-Roller mit „Fun-Faktor“, verspricht Hotelier Helmut Tauber. Und wieder im Tal angelangt erhöht so manchen seinen Pulsschlag bei einer Shopping-Tour durch die italienischen Boutiquen im nahen Brixen. Infos: Aktiv- & Vitalhotel Taubers Unterwirt, Familie Tauber, Josef-Telser-Str. 2, I-39040 Feldthurns, Tel. +39 0472 855 225, unterwirt.com

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Wir sind Ihre kompetenten Partner für Einstieg und Weiterbildung in allen Alpinsportarten mit über 1500 Kursen & Touren: ■ Wandern, Bergsteigen, Klettern ■ Mountainbike ■ Kajak ■ Fitness ■ Tages- & Wochentouren ■ Familienveranstaltungen ■ Kinder & Jugend 6 –16 Jahre ■ Junge Erwachsene 17 – 27 Jahre Fordern Sie den kostenlosen, aktuellen Katalog an!

alpinsommer.de Tel. 089/29 07 09-560 oder 089/55 17 00-0 Mehr Infos: alpenverein-muenchen-oberland.de

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reise Kenia/Tansania

Faszination Kilimanjaro Als „j „junger“ Bergsteiger ist Afrika sicherlich nicht der erste Kontinent den man ansteuert. Die großen Ziele aller bergsteigerischen Träume liegen doch vielmehr in Asien, im Himalaya und Karakorum.

£ — Thomas Lämmle

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ies waren zumindest meine Gedanken, als ich 2004 das Angebot bekam die lokalen Bergführer am Kilimanjaro aus- und in weiterer Folge fortzubilden. Zunächst reizte mich dieses Angebot vom bergsteigerischen Gesichtspunkt recht wenig, wollte ich mir doch den einfachsten der „Seven Summits“ für das gehobenere Alter aufheben. Im Mai 2004 flog ich dann, mit etwas gemischten Gefühlen, zum ersten Mal nach Tansania ins Herz Afrikas, um vierzehn einheimische Guides für ihre Arbeit am Kilimanjaro auszubilden. Meine Einstellung zum Kilimanjaro sollte sich auf dieser Reise grundlegend ändern.

KILIMANJARO – DAS DACH AFRIKAS Die riesige, allein stehende Erhebung des Kilimanjaro beherrscht die Topographie des nord-östlichen Afrikas. Nicht umsonst nennt man dieses Gebirgsmassiv das Nahe dem Äquator (ca. 3° südlicher Breite) aus den Savannen Afrikas auftaucht, auch „das Dach Afrikas“. Politisch gehört der Berg zu Tansania, wenngleich er an der Grenze zu Kenia steht und einige Bergteile in den Nachbarstaat hineinreichen. Das Bergmassiv des Kilimanjaro besteht im wesentlichen aus den drei erloschenen Vulkanen Shira, Mawenzi und Kibo, die auch in der genannten Reihenfolge ihre Aktivität einstellten. Der Kibo ist mit 5895 Metern der höchste Vulkan im Kilimanjaromassiv, gefolgt vom Vulkanstumpf des Mawenzi mit 5149 Metern und der eingestürzten Shira mit 3962 Metern. Der Kilimanjaro ist ein typischer Schichtvulkan und entstand vor ca. vier Millionen Jahren im Zusammenhang mit der Bildung des Ostafrikanischen Grabenbruchs, als Ursache des Auseinanderdriftens der beiden afrikanischen Platten. Der jüngste Ausbruch des Massivs, der Kibo bildete sich zwischen

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Der Blick vom Bergregenwald des Mt. Meru auf den Kilimanjaro und den Mawenzi.

Die Erstbesteiger der Thomas Glacier Route kurz vor Erreichen des Gletschers

Kilimanjaro Guide Training 2008 â&#x20AC;&#x201C; am Gipfelschild des Uhuru Peak

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reise Shira und Mawenzi. Dieser Ausbruch muss gewaltig gewesen sein. Wissenschaftler schätzen die maximale Gipfelhöhe des Kibo, vor dem späteren selbstzerstörenden Ausund Einbruch, auf gewaltige 11.000 m Höhe. Damit war zu Urzeiten der Kibo der mit Abstand höchste Berg der Erde. Der größte AusUnterwegs auf dem Nördlichen bruch des Kibo war von einer solchen Wucht, Eisfeld bei der Erstbegehung der dass das Absprengen der Kuppe, so vermuten Thomas Glacier Route. Wissenschaftler, die Erde für mehrere Jahre verdunkelt hat. Diese Verdunklung und die daraus folgende Abkühlung der Erde könnte auch für das plötzliche Verschwinden der Dinosaurier verantwortlich gewesen sein. Lavagestein des Kilimanjaro findet sich heute noch tausende von Kilometern entfernt auf dem afrikanischen Kontinent. Riesig auch der Krater des Kilimanjaro, mit einem Durchmesser von 2,5 Kilometern. Innerhalb des Hauptkraters hat sich in jüngerer Zeit ein Sekundärkrater gebildet, der Reusch Krater (Durchmesser 800 m) sowie mehrere Kratereisfelder. Diese Eisfelder sind es, die dem Kilimanjaro sein einmaliges Aussehen verleihen. Entstanden ist das Eis am Kilimanjaro vor etwa 10.000 Jahren. Wenn das Abschmelzen der Gletscher mit der gleichen Geschwindigkeit fortschreitet wie bisher, so wird prognostiziert, dass der Kilimanjaro bis Mitte dieses Jahrhunderts wieder eisfrei ist. Als erster erblickte der deutsche Geograph Hans Meyer die Kartereisfelder des Kibo. Gemeinsam mit dem österreichischen Bergführer Ludwig Purtscheller und einem dazu verurteilten, einheimischen Wilderer Yohani Kinyala Lauwo gelang ihnen am (2) Die „Whisky-Route“, ausgehend vom Barafu Camp über 6. Oktober 1889 die Erstbesteigung, des damals höchsten Berges den Stella Point zum Gipfel. Deutschlands, der „Kaiser-Wilhelm-Spitze“. Zur Feier der Unab(3) Die „Western Breach Route“, ausgehend vom Arrow Glahängigkeit Tanzanias im Jahr 1961 wurde der Hauptgipfel des cier Camp über den Kraterboden, nordseitig auf den Gipfel. AufKilimanjaro Massivs in Uhuru Peak (Freiheits-Gipfel) umbenannt. grund eines schweren Unfalls, ausgelöst durch Steinschlag, darf Noch heute findet man die eiserne Freiheitsfackel am Gipfeldiese Route seit 2008 nur noch mit einer Sondergenehmigung schild stecken. und hier vorzugsweise nur in kalten Nächten begangen werden. Die beste Zeit für eine Besteigung des Kilimanjaro ist wähWissenschaftler stellten fest, dass die Dauerfrostgrenze am Kilirend der europäischen Winter- und Sommermonate, da dieser manjaro nach oben wandert und es wird vermutet, dass bisher Zeitraum außerhalb der Regenzeiten am Kilimanjaro liegen. Was gefrorene Gesteinsschichten dadurch in Bewegung geraten. europäische Bergsteiger am Kilimanjaro so fasziniert, ist die Eine Kilimanjaro Besteigung auf den beiden angegebenen Möglichkeit sämtliche Klimazonen der Erde in einer Woche zu Wanderrouten ist unschwierig und von jedem durchschnittlidurchwandern – angefangen vom tropischen Bergregenwald bis chen Bergwanderer zu meistern. Vorsicht verlangt allerdings der zum ewigen Eis der Gipfelregion. schnelle Aufstieg in große Höhen. Hier gilt grundsätzlich, je länDer Kilimanjaro kann über insgesamt acht Zustiegsrouten ger der Aufenthalt im Park ist, d. h. je mehr Zeit (Tage) zur Verfübestiegen werden (siehe Abb.), wobei lediglich die Marangu gung steht um sich an die Höhe anzupassen, desto größer ist die Route über feste Hütten verfügt. Auf allen übrigen Routen werGipfelchance und desto geringer ist das Risiko höhenbedingt zu den Zelte eingesetzt. Alle acht Routen treffen sich auf einer erkranken. Von Programmen, die Besteigung des Uhuru Peaks Ringroute (Northern und Southern Cirunter sechs Tagen (Gate-Gipfel-Gate) anpreisen, sollten man die cuit), die auf ca. 4000 Meter um den ganFinger lassen. Idealerweise versucht man den recht schnellen zen Berg herum führt. Ausgehend vom Aufstieg am Kilimanjaro durch ein Vorakklimatisation zu entKilimanjaro-Circuit führten 2009 lediglich zwei Hauptrouten und eine eingeschränkte Route zum Gipfel des Kibo, „Höhe x Bergsteigen“ – Die taktischen Grundregeln des dem Uhuru Peak: Höhenbergsteigens von Thomas Lämmle (ISBN 3-00-028885-6) Höhe x Bergsteigen (1) Die „Coca-Cola-Route“ (NormalBestellmöglichkeit: literatur@dav-summit-club.de; (VK: 15 Euro) weg), ausgehend von der Kibo Hut über den Gilman`s Point und den Stella Point zum Gipfel. Thomas Glacier Route

Thomas Lämmle

Die taktischen Grundregeln des Höhenbergsteigens

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Theorieausbildung in Arusha: Kartekunde und GPS

Kilimanjaro Guide Training – Ausbildung am Überdrucksack (PAC-BAG)

Routen am Kilimanjaro – entnommen aus „Kilimanjaro Trekking-Reiseführer“ von Tom Kunkler (ISBN 3-00-018738-3)

schärfen. Diese kann in der Woche vor Abflug durch Wanderungen in den Alpen (Stützpunkt > 2500 m) oder einen mehrmaligen Aufenthalt in einer Höhenkammer geschehen. Am Besten aber besteigt man vor dem Kibo den 4566 Meter hohen Mt. Meru, ein Nachbarvulkan des Kilimanjaro und passt sich so an die Höhe an. Die Kombination aus Mt. Meru und Kilimanjaro-Besteigung zeigt auch die höchsten Erfolgsquoten. Der Kilimanjaro darf nur in Begleitung eines von der Nationalparksbehörde (KINAPA) zertifizierten Guides bestiegen werden. Selbst als Einzelbergsteiger wird man mindestens drei Personen buchen müssen: einen Guide, eine Koch und einen Träger. Zu deren Kosten kommen die Nationalparksgebühren von 60 US$/Tag. Damit wird verständlich, weshalb eine Kilimanjarobesteigung vergleichsweise teuer ist und warum Touristen die Aufstiegszeit möglichst kurz halten wollen; damit verbunden allerdings ein erhöhtes Risiko für Höhenkrankheiten eingehen.

KILIMANJARO GUIDE TRAINING Seit vielen Jahren schon verfolgt der DAV Summit Club bei technisch einfacheren Trekkingreisen die Philosophie der „Local Guides“. Für Trekkingtouren und einfachere Hochtouren werden in Nepal, Ecuador und Tansania einheimische Bergführer von Ausbildern des DAV Summit Clubs fortgebildet, sodass diese eigenständig Gruppen führen können. Dieses System der „Local Guides“ vereint mehrere Vorteile: gut bezahlte Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung, intensiveres Kennenlernen der anderen Kultur, vermittelt durch den einheimischen Guide, sehr gute OrtsZUSTIEGSROUTEN ZUM „KILIMANJARO-CIRCUIT“ Route

Ausgangspunkt

Höhe

1. Marangu Route

Marangu Gate

1840m

2. Machame Route

Machame Gate

1800m

3. Umbwe Route

Umbwe Gate

1700m

4. Lemosho Route

Londorossi Gate

2250m

5. Shira Route

Shira Gate

2350m

6. North Route

Nalemoru Gate

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7. Rongai Route

Nalemoru Gate

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8. Kikeleva Route

Nalemoru Gate

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und Gefahrenkenntnisse der lokalen Führer und günstigere Reisepreise für die Kunden, durch das Einsparen eines europäischen Bergführers. Bis 2002 wurden die tansanischen Guides im zweijährigen Rhythmus von Sigi Hupfauer ausgebildet. Als ich 2004 die Ausbildung übernahm war es mir wichtig zunächst den Berg mit seinen verschiedenen Routen kennenzulernen. Nach einer dreitägigen intensiven Theorieschulung in Arusha, ging es für acht Tage in den Kilimanjaro Nationalpark. Meine erste Besteigung des Kilimanjaro sollte über die Machameroute und die Western Breach Wall erfolgen. Startpunkt dazu ist das Machame Gate nördlich von Moshi. Am Ende der Ausbildungswoche waren wir drei Mal über verschiedene Routen auf dem Gipfel und verbrachten u. a. auch eine Nacht im Krater. Ich war überwältigt von der Schönheit und Vielfältigkeit der Landschaft und fasziniert von den Gletschern und Kratereisfeldern auf dem „Dach Afrikas“. Die Routen am Berg sind allesamt hervorragend ausgebaut. Eine Möglichkeit abseits bestehender Routen aufzusteigen oder außerhalb eingerichteter Lagerplätze zu campieren besteht nicht bzw. ist sogar. Mit dem Kilimanjaro Guide Training sollen die einheimischen Bergführer befähigen werden europäische Kunden unter Beachtung der Grundregeln der Akklimatisation ( ohne Einsatz von Medikamenten), sicher auf den Hauptgipfel des Kibo zu führen. Dabei ist es wesentlich, dass die Guides nicht nur führen, sondern auch Zusatzinformationen zum richtigen Verhalten in der Höhe, zur Aufstiegstaktik, zur Routenführung, zu Pflanzen, Tieren und Gestein sowie zur Kultur zu geben. Die höhenphysiologische Ausbildung wird auf der Grundlage des inzwischen beim DAV Summit Club erschienenen Buches „ Höhe x Bergsteigen – Die taktischen Grundregeln des Höhenbergsteigens“ vermittelt. Dabei geht es nicht nur darum Theorie zu büffeln. Vielmehr ist das praktische Erfahren von physiologischen Veränderungen beim Aufstieg in die Höhe ein wichtiges Ziel jeder Ausbildung. Tägliche Ruhe- und Belastungsmessungen von Herzfrequenz, Atemminutenvolumen und Sauerstoffsättigung sollen die Grundregeln verständlich machen. Ein weiterer Ausbildungsschwerpunkt bildet die Höhenmedizin und damit verbunden die behelfsmäßige

Eisausbildung auf dem Nördlichen Eisfeld

REINE ABSTIEGSROUTE x. Mweka Route

Mweka Gate

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reise

Kilimanjaro Guide Training – Lagerung und Abtransport einen Bergsteigers mit Höhenlungenödem (m.). Kilimanjaro Guide Training 2004 – zum dritten Mal innerhalb einer Woche mit 14 Guides am Gipfel des Kibo (r.).

Bergrettung. Die Guides werden intensiv geschult Anzeichen höhenbedingter Erkrankungen bereits im Vorfeld zu erkennen und dann situationsbezogen richtig darauf zu reagieren, um einen ernsthafte Erkrankung zu verhindern. Zur Schulung gehört auch der richtige Einsatz der Druckluftkammer (Certec-Bag), die auf jeder Tour mitgeführt wird, ebenso wie der Einsatz von Notsauerstoffsystemen und Notfallmedikamenten. Bergrettungsübungen in unterschiedlich steilem Gelände, teilweise mit behelfsmäßiger Ausrüstung, runden das Programm ab. Die Abschlussprüfung sieht u. a. eine komplexe Rettungsübung eines höhenkranken oder verletzten Bergsteigers am Kilimanjaro vor. Grundlage dieser Prüfung bildet ein professioneller Notfallplan der mit der Agentur vor Ort erarbeitet wurde und bei dem unter Einsatz von Satellitentelefonen und Notfallhandys die Rettung zwischen lokalen Guides, der organisierten Bergrettung und dem Krankenhaus in Moshi koordiniert wird. So musste beispielsweise während der Abschlussprüfung 2004 ein höhenkranker und abgestürzter Bergsteiger aus ca. 5000 Metern Höhe in der Western Breach Wall geborgen, behandelt und abtransportiert werden. Seit 2004 findet die Fortbildung alle zwei Jahre statt, mit wechselnden Ausbildungsschwerpunkten. Im Rahmen der Ausbildungen konnten inzwischen auch schwierige Passagen am Kilimanjaro und Mt. Meru mit Haken abgesichert werden, um bei schlechten Witterungsverhältnissen mit Fixseile arbeiten zu können und im Falle einer Bergrettung Möglichkeiten zum gesicherten Ablassen von Verletzten zu haben.

ERSTBEGEHUNG DER „THOMAS GLACIER ROUTE“ AM KIBO Der Kilimanjaro ist mit jährlich 37.000 Trekkingtouristen und etwa 150.000 einheimischen Guides und Trägern (Stand 2008) der am höchsten frequentierte Berg der Erde. Dieser Vielzahl von Gipfelaspiranten stehen die genannten acht Zustiegsrouten bis zum Kilimanjaro-Circuit zur Auswahl, wobei sich etwa 80 Prozent der Besteigungen auf die Machame- und Marangu-Route konzentrieren. Vom KiStella Point limanjaro-Circuit führten wie erwähnt Gilman`s Point 2009 lediglich zwei Routen zum Gipfel: Die Route von der Barafu-Hütte über den Stella Point und die Route von der Kibo-Hütte über den Gilman`s Point. Keine der Gipfelrouten berührt die Gletscher. Die beiden Krater und die verschiedenen Eisfelder können auf den genannten Routen nur aus der Ferne betrachtet werden. Eine bergsteigerisch anspruchsvolle Gletscherroute gab es Eastern Icefields

Reusch Krater

Nord-West Gletscher am Kilimanjaro mit Thomas Glacier Route Thomas Lämmle 2010

am Kilimanjaro genauso wenig, wie eine wenig begangene Route vom Gate bis zum Gipfel. Nach zahlreichen Vorgesprächen mit der Kilimanjaro-Nationalparks-Verwaltung (KINAPA) erhielt ich gemeinsam mit einer Kleingruppe des DAV Summit Club im Herbst 2009 eine der sehr seltenen Sondergenehmigungen zur Erstbegehung einer neuen Gipfelroute auf den Kilimanjaro. Die letzte derartige Genehmigung wurde Reinhold Messner und Konrad Renzler für die Begehung der Breach Wall Direktroute im Jahr 1978 erteilt. Die Möglichkeit für eine neue Route hatte ich auf der Basis von Luft- und Satellitenaufnahmen sowie einer Erkundung im Jahr 2008 entdeckt. Schlüsselstelle der Route sollte eine Felsbarriere (Moonlight Wall) sein, die den Zustieg zu einem Grat/Rücken bildet der hoch zu den Gletschern des Nördlichen Eisfeldes leitet. Nun waren die Gletscher des nördlichen Eisfeldes natürlich schon früher begangen worden. Allerdings immer vom Shira Plateau beziehungsweise der Moir Hut aus und immer mit einem zusätzlichen (heute illegalen) freien Camp vor dem Gletscheraufstieg. Vorgabe der KINAPA war, von einem bestehenden Camp aus zu starten, da aus ökologischen Gründen keine neuen Camps eingerichtet werden und „wildes Campieren“ im Nationalpark absolut verboten ist. Mein Ziel war, einen objektiv sicheren Gletscheranstieg auf den Uhuru-Peak zu finden, der über die Gletscher des nördlichen Eisfeldes führt und den Hauptkrater, den Reusch Krater und den Furtwängler Gletscher berührt u. a. als Alternative zur steinschlaggefährdeten Western Breach Route und als Herausforderung für ambitionierte Bergsteiger, die den Kilimanjaro auf einsamer Route erleben wollen. Nach einer viertägigen Vorakklimatisation am 4650 Meter hohen Mt Meru, konnte wir, eine zehnköpfige Gruppe des DAV Summit Club, Ende Oktober 2009 über die konditionell anspruchsvolle, jedoch einsame Umbwe-Route (etwa 2% aller Begehungen) bis zum Barranco Camp, dem Basislager unserer Expedition, aufsteigen. Begleitet wurde die Gruppe dabei von vier einheimischen Summit Club Führern und dem Ökologen des Kilimanjaro Nationalparks, Efraim Mwangomo. Vom Basislager aus machte ich bereits am nächsten Tag, gemeinsam mit einem unserer Guides, eiUhuru Peak ne erste Erkundung der neuen Route bis zum Fuß der Gletscherzunge. Im Rahmen dieses Aufstiegs wurde das erste Teilstück der Route mit GPS vermessen und mit Steinmännern markiert. Außerdem wurde die Felsbarriere mit Haken zur späteren Seilfixierung ausgestattet. Am 28. Oktober stieg die Gruppe zum 4650 Meter hohen Lava Tower Camp auf, dem Ausgangslager der Gipfelbesteigung. Nach einer Ruhepause wurde beFurtwangler Glacier

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Northern Icefields

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Drygalski Glacier

Penk Glacier

Credner Glacier

Lava Tower Camp

Camp above Moir Hut

Routen am Kilimanjaro – entnommen aus „Kilimanjaro Trekking-Reiseführer“ von Tom Kunkler (ISBN 3-00-018738-3)

Erstbegehung der Thomas Glacier Route am Beginn der Durchquerung des Hauptkraters.

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Thomas-Glacier-Route


reits um 23.30 Uhr, in einer perfekten Vollmondnacht, der Aufstieg zum Nördlichen Eisfeld gestartet. Die Felsbarriere konnte mit 25 Meter Fixseil versichert werden, sodass die Schlüsselstelle des Aufstiegs ohne Probleme überwunden wurde. Nach sieben Stunden erreichte die Gruppe die lange Gletscherzunge des Nördlichen Eisfeldes, den Credner Gletscher. In Viererseilschaften wurde entlang des Credner Gletschers Richtung Kratereisfeld aufgestiegen. Der Gletscheraufstieg erwies sich als äußerst anstrengend. Da wir am Ende der Trockenzeit unterwegs waren, hatte sich der gesamte Gletscher in ein stufenförmiges Gebilde mit großen Büßerschneeeinlagerungen umgewandelt. Über Umwege und immer wieder steile Stufen konnte nur langsam an Höhe gewonnen werden. Auf etwa 5650 Meter wurde der Credner Gletscher verlassen und wir querten hinüber zur mittleren Eiszunge des Nördlichen Eisfeldes dem Drygalski Gletscher. Nach weiteren zwei Stunden Aufstieg war die Messstation auf dem Nördlichen Eisfeld erreicht und es konnte steil in den Krater abgeseilt werden. Die Durchquerung des Kraters im schwarzen, weichen Lavasand, vorbei am Reusch Krater und dem im Kraterboden befindlichen Furtwängler Gletscher, war ein besonders beeindruckendes Erlebnis. Als letztes Hindernis vor dem UhuruPeak, der sich am höchsten Punkt des Kraterrandes befindet, musste noch eine steile Schneerinne erstiegen werden. Um 16.00 Uhr, nach 16,5 Stunden Aufstieg, erreichte die gesamte Gruppe des DAV Summit Clubs den Hauptgipfel des Kilimanjaro. Alleine am Gipfel des Kibo und alleine unterwegs auf einer neuen Route, ist gerade am Kilimanjaro, ein ganz besonderes Erlebnis. Im Licht der untergehenden Sonne wurde anschließend über das Barafu Camp, zum Millenium Camp abgestiegen – nach 22 Stunden war die Überschreitung des Kilimanjaro auf einer neuen Route geschafft. Am nächsten Tag am Marangu-Gate wurde die Route von der KINAPA offiziell als vierte Besteigungsroute, neben Western Breach Route, Barafu Route und Kibo Hut Route, eingeweiht und auf den Namen „Thomas Glacier Route“ getauft. 2010 bietet der DAV Summit Club exklusiv diese neue Gipfelroute am Kibo an. Im August 2010 besteht die Möglichkeit geThomas-Glacier-Route meinsam mit einigen Erstbegehern die zweite BesteiMoonlight-Wall gung der Thomas Glacier Route zu machen. s

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Photo: Lodewijk Duijvesteijn

Infiziert vom „Afrika- Virus“ hat es mich seit 2004 sechs mal nach Tansania verschlagen, wobei ich inzwischen neun Mal auf dem Gipfel stand, den ich ursprünglich erst im gesetzteren Alter besteigen wollte. Immer wieder fasziniert von den Klimazonen am Kilimanjaro und von der afrikanischen Savanne mit ihrer beeindruckenden Tierwelt, werde ich sicherlich auch in der Zukunft immer wieder zu den Gletschern im Herzen Afrikas zurückkehren. << er

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Über den Mittellegi auf den Eiger

Der schmale Grat

£ Stefan Hagenbusch — Ralf Gantzhorn

„Sieht steiler aus als es ist“, sagt Ralf Gantzhorn, nimmt einen kräftigen Schluck aus der Teetasse und stößt mir gutgelaunt seinen Ellbogen in die Seite. Wir stehen auf der Terrasse der Mittellegihütte und betrachten die gewaltige Schneide des gleichnamigen Grates, der ins letzte Licht der Abendsonne getaucht ist.

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Anspruchsvoll: der Aufstieg über den Mittellegi-Grat verlangt Ausdauer und routiniertes alpines Klettern

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er Mittellegigrat zieht von Nordosten auf den Eiger; er scheint in meinen Augen ein schier unbezwingbares Konglomerat von Fels, mit fast senkrechten Wänden, gekrönt von unzähligen Gendarmen und Felsspitzen. Irgendwo dort hindurch soll die Route zum Gipfel führen, der angeblich „schönste Weg auf den Eiger“. 1921 erstbegangen durch den Japaner Maki Yuko, begleitet von zwei Bergführern und mit der Hilfe von Maurerhaken, Pickeln sowie einer drei Meter langen Holzstange. Daran muss ich jetzt denken. Und ich erinnere mich an die letzte Gantzhornschen Bemerkung, der Weg sei besser als er aussehe. An einem Sommertag 2006 war das gewesen und wenige Minuten später hatten wir uns mitten in der Bruchzone des Glaciers de Saleina im Montblanc-Massiv wiedergefunden. Ralf, Bergfotograf und Profi-Kletterer, war begeistert von einem Spaltenrand zum nächsten gehüpft, ich hatte den Angstschweiß auf der Stirn stehen gehabt. Ganz so weit ist es heute Abend noch nicht, doch ein wenig nervös sitze schon im gemütlichen Aufenthaltsraum der Mittellegigrathütte. Auch ihre Geschichte ist untrennbar mit Maki

Yuko verbunden, der mit einer 10.000 Franken-Spende den Bau des kleinen Schutzhauses ermöglichte. Bis bis zu mehreren hundert Bergsteigern übernachten hier jährlich, um den Mittellegigrat in Angriff nehmen. Dieser wurde während der letzten Jahre hervorragend mit Bohrhaken, Ringen, teils sogar mit Fixseilen abgesichert. Dennoch bekommt man den Mittellegigrat keineswegs geschenkt. Im Gegenteil sind eine sehr gute Kondition sowie Erfahrung im alpinen Klettern Voraussetzung für eine erfolgreiche Begehung. Zudem beschreiben manche Führer die Route als „ausgesetzteste Grattour der Alpen.“ Überprüfen kann ich dies zunächst nicht, als wir uns anderntags gegen vier Uhr morgens zum Einstieg aufmachen. Einerseits, weil es noch stockfinstere Nacht ist, andererseits umwabert uns dichter Nebel. Nach etwa 200 Metern im Gehgelände steilt der Grat auf und nun heißt es: kräftig zupacken. „Von wegen nicht so steil, wie’s aussieht“ denke ich und kämpfe mit einem leicht überhängenden Felsblock. Doch mit jedem Schritt, Zug um Zug fühle ich mich wohler: Das Gestein ist fest, die Griffe und Tritte auch im Schein der Stirnlampe leicht zu finden und so gewinnen wir rasch an Höhe. Bergkamerad Gantzhorn deutlich schneller

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als ich – schon bald ist er aus meinem Blickfeld verschwunden. Dafür reißen nun immer öfter die Nebelschwaden auf, so dass ich über mir die Sterne und unter mir – fast 2500 Meter tiefer – die Lichter von Grindelwald blitzen sehe. Drei Stunden lang klettern wir, verklemmen unsere Füße und Hände in feuchten Rissen, mogeln uns über geneigte Platten, queren auf schmalen Felsbändern. „Großer Turm“ heißt die Schlüsselpassage am Mittellegigrat. Das klingt wie der Name einer Festung aus einem historischen Roman und tatsächlich verlangt uns der hohe Pfeiler auf etwa halbem Weg zum Eigergipfel einiges an Kraft und Technik ab. Die Route führt hier durch eine lange, fast senkrech-

Von nah bis fern – von leicht bis schwierig.

By fair Means: Verbunden mit einer Tour über die Ostegg-Hütte (links) und die Eigerhörner, lässt sich eine Begehung des Mittellegigrates zur großen EigerÜberschreitung ausbauen.

te Verschneidung nach oben, zwar erweist sich das dicke Fixseil als hilfreich, dennoch muss man in den Bergstiefeln präzise antreten und technisch sauber klettern, schon, weil ansonsten die Arme rasch zulaufen und ermüden würden. Von der Spitze des großen Turms muss abgeseilt werden und ich fühle ein leichtes Kribbeln in der Magengegend, als ich entlang der dünnen Stränge unseres Kletterseils über 30 Meter in eine kleine Scharte rut-

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reise Reiseinformationen Info >> Der Mittellegi-Grat führt von Nordosten auf den Eiger, gehört zu den begehrtesten Kletterzielen der Alpen und ist entsprechend häufig begangen. Geschenkt bekommt ihn deshalb jedoch nicht! Eine sehr gute Ausdauer ist für diese Tour ebenso Grundvoraussetzung wie Erfahrung in alpiner Kletterei. Schwierigkeiten >> S (bis zum III. UIAA Schwierigkeitsgrad), stellenweise Absicherung mit Fixseilen. Ausgangspunkt >> Mittellegigrathütte (3355 m); 2 Stunden ab Jungfraujochbahn-Station „Eigergletscher“ über den Kallifirn. Dauer >> 4-5 Stunden ab Mittellegigrat-Hütte Abstieg >> Am besten über den Südgrat, die Eigerjöcher zur Mönchsjochhütte (4-6 Std.) Material >> Hochtourenausrüstung, Helm, Einfachseil, Schlingen, Friends mittlerer Größe, 4-5 Karabiner, Abseilgerät Anreise >> Mit der Bahn über Basel und Interlaken oder per Auto (via Bern, Interlaken) Talort >> Grindelwald. Das berühmte Bergsteigerdorf im Berner Oberland wartet mit landschaftlicher Schönheit und einem malerischen Ortskern auf. Allerdings auch mit recht hohen Übernachtungspreisen. Günstige Alternative: Die Mountain-Lodge direkt im Ortszentrum.

Gewaltig: Die Eismassen des Aletschgletschers (o.). Beeindruckend: Die gewaltige Schneide des Mittellegi-Grates (u.)

sche. Die Kulisse ist großartig: Immer öfter zeigen sich im Westen die Gipfel von Mönch und Jungfrau, Richtung Norden blickt man auf die Wiesen der Kleinen Scheidegg und weiter bis zum Thuner See hinunter, südlich erheben sich das mächtige Finsteraar- sowie das Aletschhorn. Dazwischen wir, auf dem teils nur wenige Hand breiten Grat! Fotografisch reizvoll befindet denn auch Ralf Gantzhorn und immer öfter höre ich ein energisches: „So bleiben! Jetzt nicht bewegen!“ Am liebsten natürlich an schwierigen, besonders anstrengenden oder ausgesetzten Stellen. Nicht nur deshalb freue ich mich. als endlich die Schwierigkeiten im Fels enden und wir auf einem kleinen Vorsprung sitzend die Morgensonne genießen. Ralf hantiert schon wieder mit seiner Kamera, ich mit der Thermoskanne

Führer/Karten >> SAC Führer Bd 4, Berner Alpen; SLK Blätter 264 „Jungfrau“ 1:25.000

und meiner Wegzehrung. Nach einem kurzen Frühstück stapfen wir einen Schneekegel hinauf und binden uns zu einer Seilschaft zusammen. Der Ausblick hier oben ist atemberauben: Messerscharf zieht ein Firngrat zum Gipfel hinüber, unter dem jäh die Eiger-Nordwand ins Bodenlose abbricht. Vorsichtig setze ich meinen Fuß auf den Schnee. Als ich mit Pickel und Steigeisen die Qualität der Unterlage prüfe, spüre ich einen Zug am Klettergurt. „Komm schon“ ruft mir Ralf Gantzhorn auf einer Wächte vor mir stehend zu und ruckt am Seil „Sieht schmaler aus als ist!“

Luftig: Der Mittellegi-Grat gilt als eine der ausgetztesten Touren der Alpen.

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Fotos: Archiv Nationalpark Hohe Tauern

Es sind die verschwiegenen Seitentäler, die um diese Jahreszeit am meisten bezaubern – das Eis taut, der Schnee firnt auf, die Sonne wärmt

Information Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern GmbH, Nationalparkzentrum, Gerlosstraße 18, A-5730 Mittersill, Tel. +43.6562.40939, nationalpark.at, hohetauern.at

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Nicola Förg

Kein schöner Land … Schneeschuh und Tourenski in der Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern … in dieser Zeit. Jetzt im ausgehenden Winter! Gut, es gibt natürlich erklärte Dezember-Powder-Fans und jene Gemüter, die die die Riesen am liebsten im Sommer erobern. Aber niemals sind die Hohen Tauern schöner als jetzt.

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chroffe Kameraden sind das, wie eine gewaltige Mauer stehen sie. Wetterumstürze kommen schnell, alle Schattierungen von grau. Mit dem Schneekappen sind sie milder, die Frühlingssonne zaubert Licht in die winterkalten Flanken. Kein schöner Land … das ist eine Gegend, die Mut und Demut erfordert. Schon 1918 – da wusste einer demütig um die Schönheit der Gegend und fasste ein mutige Entscheidung. Damals konnte man noch Berge kaufen. 1918 erwarb Alberth Wirth, ein Holzindustrieller aus Villach, den Großglockner samt Pasterze und schenkte diese dem Österreichischen Alpenverein zur Bewahrung dieser einzigartigen Naturlandschaft. Damit versetzte er tatsächlich Berge, denn nun zogen Naturschutzbund, Alpenverein und die Naturfreunde an einem Strang und forcierten die Errichtung eines Nationalparks in den Hohen Tauern. Bis der Park 1991 eröffnen konnte mussten mit unzähligen privaten Grundbesitzern verhandelt werden – nicht immer einfach. Heute hat der Nationalpark Hohe Tauern 1836 Quadratkilometer – 100 lange Kilometer entlang des Alpenhauptkammes in den Ostalpen Österreichs, Osttirol, Kärnten und das Salzburger Land haben Anteil an der Idee des Nationalpark-Gedankens. „Du kannst nur schützen, was du kennst und verstehst“, sagt der Rieder Ferdinand, seines Zeichens Berg- und Skiführer und Nationalparkranger und entführt hinaus in weiße Welt und dahin, wo auch noch andere leben. „Der Winter ist ein Sonderfall für Tiere. Hier geht es um die Energie fürs Leben. Wandern ist eine der beiden Strategien fürs Überleben. Die

Strategie zwei sieht vor sich zu tarnen. Besonders perfektioniert haben das die Rauhfußhühner, Schnee- und Birkhuhn und genau damit beginnt ihr Dilemma. Während Birkhühner, die wie das Rotwild ihre Tallebensräume verloren haben, im Waldbereich an der Oberfläche leben, graben sich Schneehühner ein. Das kostet Energie. Schneehühner arbeiten sich dann auf vom Wind frei gewehte Kammlagen vor, um dort Futter zu suchen. Und dann kimmsch du mit deine Tourenski. Das Huhn flüchtet, sucht seine Höhle und verbraucht die Energie zum Leben“, erklärt der Ferdinand und die bessere Routenwahl gleich dazu. Es geht im Nationalpark nicht darum Menschen rauszuhalten, sondern Menschen zu sensibilisieren. Wenn die geführten Touren – jeden Tag eine andere – Ende März dann enden, ist noch genug zu tun. Zum Beispiel kann man ins Krimmler Achental zum Krimmler Tauernhaus hineinmarschieren. Das allein würde ja schon reichen, auch weil Hüttenwirt Friedl Geisler schon so viel zu erzählen hat. 1386 gab es die Herberge schon, für Fußreisende über die Tauern. Solche Tauernhäuser waren verpflichtet, mittelose Wanderer zu verköstigen oder nach Verirrten zu suchen. Am nächsten Morgen geht es ganz früh weiter: Leichte Skitouren, die man auch mit Schneeschuhen begehen könnte, führen zum Beispiel auf die Warnsdorfer Hütte und weiter aufs Gamsspitzl. Und so ein Spitzl ist das gar nicht, eher schon eine ausgewachsene Spitze mit 2888 Metern. Oder aufs Rainbacheck, kurz und knackig. Im Firn retour zu Friedl. 1556 fiel übrigens zum ersten Mal der Name Geyßler. Nationalpark bedeutet auch eine lange Geschichte von Mensch und Natur. <<

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reise Gipfel-Biwak für Indianer

… wenn ein Kind und ein KINDSKOPF am Gipfel übernachten Mit meinem bergbegeisterten Sohn Linus (7 Jahre) habe ich schon so manch kleines Bergabenteuer erlebt. Bisheriger Höhepunkt: unser gemeinsames Gipfelbiwak. Wir haben es zusammen gemacht und zusammen geplant – klar, dass wir jetzt auch gemeinsam diesen Bericht schreiben.

£— Linus Maria und Bernhard Ziegler

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ernhard: Motivation ist alles – fast alles, zumindest bei Kindern. Denn die meisten Kids haben einen natürlichen Drang sich zu bewegen und durch ihr körperintensives Spielen und Rennen eine gute Grundkondition. Dennoch gehen nicht alle Kinder gerne – und schon gar nicht unbedingt freiwillig – in die Berge. Meine Tochter Selina ist beispielsweise nur bedingt zu begeistern fürs Bergsteigen, Linus brauche ich dagegen nicht erst zu überreden. Er liebt es durch die Berge zu streifen, ein wenig herum zu klettern, im Bach zu plantschen, sich in den Latschen zu verstecken und auf Indianerart durch die Wälder zu wandern. Als 6-jähriger hat

er mit mir die Schinderüberschreitung gemacht, und statt Erschöpfung war am Ende der Tour pures Glück in seinen Augen zu sehen. „Papa, ich fühle mich einfach so wohl in der Natur“, sprudelte es plötzlich aus ihm heraus. Dennoch versuche ich auch bei ihm Begeisterung und Motivation zu erhalten und durch kleine, fantasievolle Abenteuer immer wieder neu zu wecken. So ist die Idee entstanden einmal auf einem Gipfel zu übernachten – ein Plan, von dem Linus sofort Feuer und Flamme war: „Ein Gipfelbiwak au ja – versprochen?“ – „Versprochen!“ Damit die Sache nicht in die Hose geht, heißt es das kleine Abenteuer gut zu planen. Denn läuft’s schief, geht der Schuss

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Zwei Berg-Indianer am Veitsberg. Der Gipfel bietet einen traumhaften Blick auf das Kaisergebirge (im Hintergrund).

bezüglich Motivation nach hinten los. Und zuallererst brauchen wir mal einen geeigneten Gipfel. Linus: Ich wollte gleich wieder auf den Schinder gehen, da kann man nämlich auch ein bisschen klettern. Aber der Papa hat geschwächelt und gesagt, dass er nicht die ganze Ausrüstung und den Proviant durch das Kar hochtragen will und dazu noch ein Seil um mich anzuhängen. Aber zumindest Latschen sollte es an diesem Berg schon geben, da setzen wir uns dann rein und machen Brotzeit. Und ein Lagerfeuer müssen wir auch machen. Bernhard: Es war gar nicht so einfach einen geeigneten Berg zu finden. Der Anstieg durfte nicht zu beschwerlich sein, der Gipfel sollte einen ebenen Platz für unser Biwak bieten und trotzdem so exponiert sein, dass ein richtiges Gipfelgefühl aufkommt. Außerdem sollte keine Weidefläche in der Nähe sein, denn wir wollten mit unserem Biwak keine neugierigen Rindviecher anlocken. Nach langem Hin und Her ist mir der Veitsberg ganz im Süden der Bayerischen Voralpen eingefallen. Er erfüllt die Voraussetzungen und bietet zudem eine grandiose Aussicht. Die gewünschten Latschen und eine Feuerstelle gibt es auch da oben. Linus: Ich konnte es kaum erwarte bis es endlich losgeht. Wir mussten alles immer wieder verschieben, weil das Wetter nicht so

gut war. Der Papa hat ständig einen Wettermann vom Alpenverein angerufen und dann war es wieder nix. Dabei habe ich mir extra zu meinem 7. Geburtstag einen Schlafsack und eine Stirnlampe gewünscht. Aber am 5. August war es dann so weit – endlich! Bernhard: Ich war bepackt wie eine Esel. Isomatten, ein kleines Zelt, Stirnlampen, warme Kleidung, zwei Schlafsäcke, Erste-Hilfe-Set, Proviant für Aufstieg, Abendessen, Frühstück und Abstieg sowie vor allem genug zu trinken – 4 Liter Wasser und eine halbe Bier fand ich nicht zu knapp für eine 20-stündige Unternehmung. Dazu die Fotoausrüstung mit Stativ, denn wir wollten unser kleines Abenteuer schließlich dokumentieren. Das Kuscheltier zum Einschlafen konnte ich meinem Sohn wieder ausreden. Alles zusammen waren’s ungefähr 20 Kilogramm am Buckel. Linus: Halt, mein Indianermesser und meinen Schlafsack habe ich selbst getragen. Das war auch ganz schön schwer und ich war trotzdem viel schneller wie der Papa. Aber ich habe dann immer wieder auf ihn gewartet. Bernhard: Stimmt, das war schon mal ein Vorgeschmack auf das was irgendwann unweigerlich kommen wird (und zwar auch ohne Gepäck). Linus bewegt sich flink wie ein Wiesel am

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Berg und der Alte trabt mit seinen Wanderstöcken gemächlich hinterher. Wir haben genug Zeit eingeplant, um mit schwerem Rucksack gemütlich hochzugehen und anschließend noch unseren Schlafplatz vorzubereiten. So gegen 3 Uhr Nachmittag sind wir zu unserer Tour aufgebrochen. Linus: Ich war Yakari* (*Indianerjunge aus einer Zeichentrickserie) und Papa Großer Bär – passt ja auch Bär und Bern-hard. Ich habe mich in den Latschen versteckt und Papa musste mich finden. Am Gipfel haben wir dann unser Indianerzelt aufgeschlagen. Bernhard: Biwak mit Zelt oder doch nur im Schlafsack auf der Isomatte? Auch hier habe ich lange überlegt. Obwohl es erst Anfang August war, wurde es zumindest an diesem Abend herbstlich klamm und alles war patsch nass. Wir waren also ganz froh zum Schlafen in unser kleines Tipi kriechen zu können. Linus: Aber zuerst haben wir richtig Brotzeit gemacht und uns dabei angeschaut wie die Sonne untergeht. Das war ends-cool wie alles so dunkelrot wurde um uns herum, wie wenn der Himmel brennen würde. Und dann die Lichter im Tal und die Sterne am Himmel, das hat gefunkelt wie am Christbaum. Es war sehr schön, aber ich war auch ein bisschen aufgeregt, wie das jetzt so weitergeht. Ich hatte keine Angst – der Papa war ja dabei – aber

ich war schon sehr gespannt auf die Nacht im Freien. Auf das Lagerfeuer habe ich mich besonders gefreut. Es hat zwar nicht gescheit gebrannt – also nur ganz kurz – aber schön war‘s doch. Bernhard: Gut, dass ich auch noch ein paar Grillanzünder in den Rucksack gepackt habe, sonst hätte ich das Lagerfeuer mit dem feuchten Holz gar nicht in Gang gebracht. Nur ganz kurz hat es richtig aufgebrannt, doch lange genug um die müden Kinderaugen von Linus noch einmal zum Funkeln zu bringen. Dann ging es in den kuscheligen Kinderschlafsack und ehe ich eine rückenfreundliche Position gefunden habe, vernahm ich schon ein leises Kinderschnarchen. Den Sonnenaufgang haben wir leider verschlafen. Doch für mich als Papa war es auch so eines der größten Erlebnisse in meinem Bergsteigerleben. Und auch Linus schwärmt immer noch von seiner Übernachtung am Gipfel. Linus: Das nächste Mal nehmen wir aber auch die Mama und die Selina mit. Bernhard: Doch die Damen unserer Familie können sich trotz der schönen Fotos nicht erwärmen für ein Gipfelbiwak. Selina (9 Jahre): Da gehen wir lieber mal in ein Wellnesshotel, gell Mama.

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Wälder, Wiesen und Berge soweit das Auge reicht – der Veitsberg bietet schon beim Aufstieg zum Gipfelbiwak ein herrliches Naturerlebnis.

Tipps & Infos Gipfel >> Der Veitsberg liegt südlich von Sonnwendjoch und Ackernalm in den südlichsten Bayerischen Voralpen bereits auf Tiroler Seite. Ausgangspunkt >> Parkplatz Fürschlacht bei Riedenberg Talort >> Landl bei Thiersee in Tirol Ausrüstung >> Isomatten, warme Schlafsäcke (von Deuter gibt es einen guten Kinderschlafsack, der sich hier bewährt hat), leichtes, stabiles 2-Mann-Zelt, Stirnlampen, Papiertaschen- und/oder Feuchttücher, Erste-Hilfe-Set, Handy, Taschenmesser, ausreichend Brotzeit (Kinder müssen auch schon beim Aufstieg etwas essen), 3 bis 4 Liter Getränke, unbedingt richtig warme Bekleidung für Abend und Nacht (auch im Hochsommer). Bei schwerem Rucksack sind Wanderstöcke dringend zu empfehlen. Ansonsten normale Bergwanderausrüstung. Wetter >> Unbedingt stabile Verhältnisse abwarten, nie bei Gewitterneigung. Die Wetterdienststelle Innsbruck berät unter der Telefonnummer +43 512 291600. Fotos >> Wer das Erlebnis im Bild festhalten möchte, sollte auch ein Stativ für den lichtschwachen Abend in Erwägung ziehen.

Titelbild: Per Andre Hoffmann

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Wo alte Geister und moderner Geist vereint sind Eiskalt ist es draußen, doch hier in der holzgetäfelten Tiroler Bauernstube ist es gemütlich und warm. Im Kaminofen prasselt das Feuer, Liserl, eine Bäuerin aus Innerst sitzt auf der Ofenbank und erzählt eine alte Geschichte – die Kamera läuft.

£ Bernhard Ziegler

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ir drehen für einen Privatsender eine Geschichte über die fantastischen Skitourenmöglichkeiten um die Weidener Hütte und sind dabei auf die Liserl gestoßen, denn der Hüttenberg, der Hohe Kogel, ist eine ihrer Lieblingsskitourenziele. Ganz in ihre Geschichte versunken, sitzt sie da und erzählt von den niederträchtigen Fräulein, die den Nafingern ein Stück Land abgeluchst haben, und nun zur Strafe geistern müssen. Sie kannte den Melker noch persönlich, der ge-

gen Mitternacht auf der Nafing Alm das Sägen und Werkeln der spukenden Fräulein gehört hat, und der vor lauter Angst fluchtartig bei stockfinsterer Nacht davongelaufen ist. Die drei großen Steinmandl am Hohen Kogel sollen übrigens die verwunschenen Damen sein. Und in der Tat auch ich habe damals auf Nafing im Lager der Weidener Hütte ein lautes, furchteinflößendes Sägen gehört – es war das Schnarchen meines Skitouren-Spezls. Das alles ist lange her, doch die Geschichte geistert noch in meinem Kopf herum, als ich erneut meine Spur über die Rodelbahn hinauf zur Weidener Hütte ziehe. Diese Schlittenstrecke ist mit 7,5 km eine der längsten Tirols, und weil sie nicht besonders steil ist auch recht beliebt bei Familien. Nach etwa zwei Stunden erreichen Winterwanderer, Rodler und Skibergsteiger die Hütte knapp oberhalb der Waldgrenze auf (1799 m). Von der herrlichen Sonnenterrasse aus blickt man ins Nafingtal und auf die Skitourenziele links und rechts davon: Hobarjoch, Wildofen, Nafingköpfl, Hoher Kopf (auch Hoher Kogel genannt), Halsspitze, Geiseljoch und Rastkogel sind lohnende und vom Charakter her typische Tuxer Skiberge, mit breiten, freien, kupierten Hängen. Während der Sommermonate machen hier viele Mountainbiker Station, als Bergwandertouren sind die im Winter so beliebten Skigipfel fast noch ein Geheimtipp. Die fantastischen Skitourenmöglichkeiten haben sich nicht verändert seit unseren Dreharbeiten auf Nafing, doch bei der Hütte ist die Zeit nicht stehengeblieben. Sie wurde 2008 komplett renoviert und bietet nun für eine Hütte fast luxuriöse Schlaf- und Sanitärräume. Dabei ist es dem Architekten gelungen, Alt und Neu zu verbinden; ein großes Familienzimmer mit vier Betten geht gar von der original belassenen, dunklen Holz-

Fotos: Archiv Weidener Hütte & Bernhard Ziegler

Weidener Hütte

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Ein fantastischer Skitourenstützpunkt – die Weidener Hütte vor der südlichen Karwendelkette

Weerberg – Tuxer Alpen Kondition >> Landschaft >> Schwierigkeit >>

vertäfelung in den helleren Anbau über, ohne dass man dies als Bruch empfinden würde. Die Gasträume wurden wiederum komplett entkernt und neue gebaut, während der wintergarten-ähnliche Anbau an die alten Zeiten der Hütte erinnert. Ein ganz frischer Wind weht auch in der Küche: Der neue Wirt, Thomas Hussl, ist gelernter Koch und war vorher Restaurantleiter. Sein Anspruch ist es, den Bergsteiger und Skitourengeher auch auf einer Alpenvereinshütte kulinarisch zu verwöhnen. Und weil er selbst Jäger ist, kann man die Wildspezialitäten nur wärmstens empfehlen – ebenso hinterher einen Kaiserschmarrn, wenn man ihn dann noch schafft. Aus der Weidener Hütte auf Nafing ist ein komfortabler Stützpunkt geworden, der nichts an Gemütlichkeit eingebüßt hat. Auch wenn es die Steinmandl am Hohen Kogel immer noch gibt, die spukenden Fräulein haben wir auch diesmal wieder nicht getroffen.

✩ ✩ bis ✩ ✩ ✩ ✩✩✩ ✩✩

Hütte >> Weidener Hütte (auch Nafinghütte – 1799 m) der DAV Sektion Weiden. 58 Übernachtungsplätze, kein Winterraum, geöffnet von 26. Dezember bis Mitte April und von Juni bis Mitte Oktober Ausgangspunkt >> Im Winter: Innerst (1283 m) bei Weerberg, gebührenpflichtiger Parkplatz Kontaktdaten >> Hütten-Telefon: +43 676 739 5997. Privat: +43 676 6866636, dav-weiden.de Tourismusauskunft >> Tourismusverband Silberregion Karwendel, A-6130 Schwaz, Münchnerstraße 11, Tel. +43 5242 63240, silberregion-karwendel.at

Hütten, Ferienhäuser & Ferienwohnungen

Urlaub in den Bergen! Gratiskatalog, Informationen und Buchung: MTS GmbH “Almliesl” y Saalfeldnerstr. 14 y 5751 Maishofen T: 0043 (0)6542 80480 y M: office@almliesl.com

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reise

Oberbayern – Bad Bayersoien

Parkhotel – Zwischen Straußenfilet und Schweinebraten Heute würde man „Flyer“ dazu sagen, im 18. Jahrhundert war es „ein Anschreiben“ und das ging an die ehrenwerten Schüler der Ritterakademie in Kloster Ettal. Söhne aus adligen Häusern gingen 1711-1744 in der Kaderschmiede zur Schule, und weil es meist zu aufwändig war in den Ferien heimzufahren, schlug das Anschreiben Bayersoien als Urlaubsziel vor.

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— Archiv Parkhotel

Nicola Förg

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amals zogen die jungen Adligen mit Leiterwagen und einem Fass Bier aus den engen Bergen hinaus ins heitere Vorland. Heute sind die Verkehrsmittel etwas schneller – was bleibt ist die Anmut des Ortes, seine Lagegunst am kleinen See, die Berge gerade so weit weg, dass sie eine perfekte Kulisse durch alle Jahreszeiten bilden, dem Gast aber nicht allzu sehr auf den Pelz rücken. Ein bisschen Fechten, Angeln und Jagen und „Baden im moorsauren Wasser“ wurde angeboten. Damals in Soien, Bad wurde der Ort erst 1996. Ein offizielles Moorheilbad wurde es, das Wissen aber um die Macht des Moors ist viel älter. Bis zu 10.000 Jahren alt ist das Bergkiefer Hochmoor, Moor ist ein Naturprodukt, das Mineralien und biologisch aktive Substanzen beinhaltet. Diese Kombination von Wärmewirkung und Inhaltsstoffen wirkt bei mancherlei Zipperlein an Bewegungsapparat und ist gut für gestresste Zivilisationshektiker. Lange bevor aus Soien ein Bad wurde, „landeten“ hier Wolfgang Friedel und Franziska Fehle-Friedel, er der Jurist, sie die Ärztin. Und wussten, dass sie gerne ein Hotel hätten, in dem man

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Urlaub machen könnte, so wie sich das Ehepaar das gewünscht hätte: Leger aber doch mit allen Annehmlichkeiten. Kur ohne Kurpatina. Das Essen simpel und doch sexy. 1990 eröffnete das Parkhotel, skeptisch beäugt von den einheimischen Hoteliers im Ammertal. „Zwoa Zuagroaste“, sie aus dem Augsburger Raum, er sogar aus Aschaffenburg und das im Gebirg´… Die leise Irritation blieb bis heute bestehen, immer dann wenn andere in Agonie versanken und lamentierten über den Verlust der klassischen Kur, über sinkende Übernachtungszahlen hat das Parkhotel reagiert. Als sie Afrika ins Ammertal holten, waren sich die Soier sicher: „Jetzt isch er numgeschnappt“. Aber Weitsicht wird oft mit Spinnerei verwechselt. Auch und gerade im Schweinsbraten Land mag man mal was anderes essen: Die Fehle-Friedels sind passionierte Afrikakenner und -reisende, noch viel passioniertere Weinkenner und so ist das eben nicht von außen drübergestülpt, sondern kommt von innen aus der Familiengeschichte, das der Familienseele. Das dreigängige Kapmenü ist ein Gedicht, der Sauvignon dazu und der Pinotage erst recht. Beim Sonntags-Bruch gibt’s Kapweine und siehe: Die munden auch dem g’standenen einheimischen Landwirt. Gut, so ein Hotel ist auch learning by doing: Noch vor der EU war da mal ein slowenischer Abend geplant, mit Botschafter und so… Den Wein wollten die Hoteliers selber aus Slowenien holen, allein die Grenzformalitäten waren endlos. Im Stundentakt rief Wolfgang Friedel an: Am Ende waren die völlig Entnervten um halb sieben mit dem Wein da, um sieben begann der Empfang. Nun ja: Eiswürfel kühlten den gebeutelten Wein… Kürzlich gab es einen Award für das beste bayerische Wellness Hotel. Der Laudator führte ins Feld, dass das Gute eben darin läge, dass die Hoteliers ursprünglich keine solchen gewesen seien. Frischer Wind, ungewöhnliche Ideen wie die Marula Öl Massage oder die African Stone Therapie im Amani Spa sind so eine frische Ergänzung zum klassischen Moorbad. Amani ist überdies ein Suaheli Begriff für Ruhe und Frieden. Ruhe und Frieden – der kehrt nach dem aktuellen Umbau wieder ein: Der gastronomische Bereich wurde erweitert – dankenswerter Weise nicht alpenbarock, sondern in einer feine Zeitlosigkeit, die modern ist aber nicht kalt. Das neue Außenbad wird im Sommer fertig, die Gäste werden es danken. Ach ja, noch eins ist gar nicht so neu: Schon vor 150 Jahren sind Damen der bessern (adligen) Gesellschaft in Moorbäder gepilgert, weil ihr Kinderwunsch unerfüllt blieb. Manche meinen zwar, Erfolge seien wohl eher der Aktivität des Kurschattens zuzuschreiben, aber tatsächlich belegen wissenschaftliche Untersuchungen, dass Moor zu einer normalen Schwangerschaft verhelfen kann. Dr. med. Michael Beer, Chefarzt der Modellabteilung für Naturheilkunde des Klinikums Blankenstein in Nordrhein-Westfalen hat auf diesem Gebiet geforscht und kann bestätigen: Das Bayersoiener Moor enthält Substanzen, die die Hormone in Körper beeinflussen. Inzwischen sind eine ganze Reihe von „Moorbabys“ quicklebendig und halten ihre Mamas auf Trab. <<

Auskunft >> Parkhotel Bayersoien am See ****Superior, Familie Dr. Fehle-Friedel, Am Kurpark 1, 82435 Bad Bayersoien, Telefon 08845/120, parkhotel-bayersoien.de Lage >> Ein See, ein Moos, die Berge als Kulisse: das Hearndl (Hörnle), der markante Pürschling… Das Hotel liegt am Nordufer des Sees mit Sonne satt, jeder Menge Aussicht und Wanderwegen/Bikerrouten die wirklich quasi vor dem Schlafzimmer starten. Wohlfühlen >> Wohltuende Wellness- und Beauty-Anwendungen im Schönheitsquell, in der afrikanischen Saunawelt Amani Spa. Im Panorama-Schwimmbad, von Kur über Medical Wellness bis reines Verwöhnen. Ärzteteam im Haus Aktivitäten Sommer >> Bad Bayersoien hat herrliche Wanderwege, auch für jene, die nicht unbedingt hochalpine Gipfel erstürmen wollen: z.B. Haselbachweg, entlang eines wildromantischen verwunschene Bächleins; durch das farbige Geizenmoos nach Bad Kohlgrub; über den aussichtsreichen Aubichl durch eine einsame Almlandschaft nach Acheleschwaig. Hörnle, Laber, Pürschling, Blaik – das ganze Spektrum der Ammergauer Alpen Radlparadies für Mountainbike und Rennrad; Bike-Klassiker: um den Trauchberg Winter >> Ski alpin in Oberammergau und Garmisch, sehr gute Loipen die vor dem Haus starten; super Rodelbahn in Bad Kohlgrub, Ganzjährig: Nordic Walking Trails Awards >> 1. Platz „Wahl der beliebtesten Hotels“ in Oberbayern in der 4-Sterne-Kategorie mehrmals in Folge, zuletzt im Januar 2008; Auszeichnung im Feinschmecker: „Beste Hotels 2008“; Teilnehmer am DTV Innovationspreis 2008 und im Innovationsbericht 2008 des DTV empfohlen; Offizielles Partnerhotel der FIS Alpinen Ski Weltmeisterschaften 2011 in Garmisch-Partenkirchen; Gütesiegel für geprüfte Partnerbetriebe der Passionsspiele 2010 in Oberammergau; Auszeichnung mit der Wellness Aphrodite 2008 in der Kategorie Medical Wellness als bestes Medical Wellness Hotel im deutschsprachigen Raum; Wahl zum besten Wellness-Hotel Oberbayerns 2009 (Auszeichnung mit dem Gastronomiepreis Oberbayern); Nominiert für den großen Preis des Mittelstandes 2010 der Oskar-Patzelt-Stiftung Preise >> Ab 100 Euro mit Verwöhnpension, viele interessante Angebote/Pauschalen Links >> bad-bayersoien.de, ammergauer-alpen.de, pfaffen-winkel.com

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Ist es „dahoam“ doch am schönsten? Vielleicht. Berglust-Autor Joachim Chwaszcza hat ein vierwöchiges Heimattrekking ausgearbeitet. Genuss statt Stress und Abenteuer mit Komfort. Er lässt das Flugzeug links liegen und schwärmt von den Vorzügen eines heimischen Trekkings vor der Haustür. Seine optischen Impressionen hat er beigefügt.

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Heimattrekking

Bayerns Berge für

Quergeher £ — Joachim Chwaszcza

Karwendelblicke vom Feinsten und zwei Tage später schon unterwegs im Wetterstein. Morgenstimmung oberhalb des Schachen auf dem Weg zur Meilerhütte

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reise

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nter eingefleischten Fernwanderern gilt: Heimat ist nichts für Abenteurer und hat mit Trekking nichts am Hut. Trekking ist tagelanges Wandern und Hiken in der Ferne und in irgendeinem Sinne extrem. Extrem hoch, extrem kalt, und extrem weit. Da wird gefroren und gezittert, geschwitzt und gedampft. Die Füße werfen Blasen, die Kost ist karg und die Nächte unbequem. Trekking, das ist irgendwo im Himalaya oder in den Anden, am Kilimandscharo (lesen Sie auf Seite 8) oder in der Wüste Gobi. Irgendwo weit weg, wo man später mit tollen Bildern auftrumpfen und sein Wissen mit anderen Insidern zelebrieren kann. Stopp, Einspruch. Das ist nur eine Spielart. Ein kleines Teilstück vom Kuchen, nicht mehr. Die Heimat der Nomaden ist die Bewegung und nicht Breiten- oder Längengrad. Das gilt auch für „dahoam“. Und es gilt: Trekking ist auch immer die Verbindung von Natur und Kultur. Kein reiner Berg- oder Extremsport, sondern das langsame Erschließen einer Landschaft. In der Ferne sind wir gefesselt von fremdartiger Kultur, von Häuserschmuck und Tempeldekor? Buddha statt Jesus und Kamasutraschnitzereien statt Lüftlmalerei. OK. Aber warum sollte dies nicht auch zu Hause funktionieren. Nehmen wir mal das Werdenfelser Land? Also bitteschön: „Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich, meinte einstmals Goethe, dem es übrigens im lauschigen Mittenwald zwischen all den Geigen und Rauschbärten, ganz gut gefallen haben soll. „Mittenwald sei ein lebendiges Bilderbuch“, vermerkte er und gibt uns eine Kostprobe seines feinsinnigen Humors. Seine Beobachtungen zu den Werdenfelser Augenbrauen und dem Erscheinungsbild der männlichen Bevölkerung sind köstlich zu lesen, denn „diesen geben die grünen Hüte zwischen den grauen Felsen ein fröhlich Ansehen…“ Es muss ja nicht sofort Goethe in den Bergen sein – aber ist es nicht möglich, einmal die Heimat so zu erkunden,

Steilgrashänge am Laufbacher Eckweg und die gestaffelte Schönheit der Allgäuer Alpen. Gemütlcih die Rast am Brunnenkopfhaus - eine noch echt urige Berghütte. Kunstvoll: Kloster Mang in Füssen.

als wenn man weit weg wäre? So nah und doch so fern. Die Heimat als den genetischen Strichcode einer Landschaft verstehen, den es zu entschlüsseln gilt? Sich Zeit nehmen für das anscheinend Bekannte und Vertraute, von dem man auf den zweiten Blick vielleicht sogar zugeben muss, das es einem gar nicht so vertraut ist. Warum also nicht einmal statt Nepal oder Tibet, Kambodscha, Tansania oder Peru ganz bewusst vor der Haustür treten? Es ist ein ansprechender Gedanke, soviel Aufmerksamkeit für das Vertraute zu verwenden. Ich behaupte einfach, es funktioniert und gehe sogar noch weiter. Es kann auch sehr extrem sein: Extrem schön und extrem erholsam. Vor allem, wenn man mit dem Faktor Zeit spielen kann. Also mache ich mich auf den Weg. Ich mag keine Abenteuer, die am Parkplatz beginnen und dort auch enden. Das WochenendAdventure kombiniert mit Stauerfahrung auf der A3, der idyllische Bergparkplatz direkt beim Einstieg – sie sind mir ehrlich gesagt, ein Grauen. Und unter uns, man braucht sie auch nicht unbedingt. Die Fahrt mit dem Zug nach Lenggries und mit dem Bergsteigerbus in die Eng, sie haben für sich schon etwas Entspannendes. Man kann trotz manch fehlender Bequemlichkeit die Anreise genießen, denn alles klappt dann doch wie am Schnürchen. Ganz bewusst suche ich nach der Verbindung zwischen Heimat und Kultur, Bergerlebnissen und stiller Beschaulichkeit. Und im Bus hab ich noch etwas Zeit mich diesen Dingen zu widmen, mich an Ludwig Ganghofer und Ludwig Thoma zu ergöt-

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Die Königsetappe zur Zugspitze – da ist jemand kurz vom Weg abgekommen. Des Königs stolze Hütte – der Schachen. Königlicher Blick und erdgeschichtliche Nahtstelle: am Hohen Ifen/Gottesacker.

zen, die beide hier zuhause waren. „…Eine stille, kalte Dezembernacht lag über dem Bergdorfe Lenggries. Die beschneiten Berge schnitten scharf in das Nachtblau des Himmels, aus dem die Sterne mit ruhigem Glanz herunterblickten in das lange, schmale Tal. Dick lag der Schnee auf Flur und Weg, auf den starrenden Ästen der Bäume und auf den breiten Dächern der Häuser, hinter deren kleinen Fenstern das letzte Licht schon vor Stunden erloschen war. Nur die Wellen der Isar, deren raschen Lauf auch die eisige Winternacht nicht zum Stocken brachte, sprachen mit ihrem eintönigen Rauschen ein Wort in die allesumfangende Stille…“ Schön, etwas kitschig vielleicht, aber doch gut. Man kann es sich richtig vorstellen. Heimat ist eine breite Vielfalt, die sich mit jedem Namen öffnet und erweitert. Spürt man einmal nach, kann man fast nicht mehr aufhören. Ganghofer, Thoma, Günther Eich, Goethe, Hermann von Barth, Stradivari – sie werden mich die nächsten Tage

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reise Es gibt ihn doch, den Ganghoferschen „Jäger von Fall“. Traumtag und ein Postkartenblick vom Schloss Neuschwanstein. Bayern und Allgäu pur – die Abendstimmung am Nebelhorn.

Info >> Bewusst kunstvoll und abwechslungsreich auf ausgesuchten Wegen durch die bayerische Heimat. Vom wildromantischen Isartal durch die felsige Szenerie des Karwendels und Wettersteins, von der Zugspitze bis zu den grasbewachsenen Felsgipfeln der Ammergauer Alpen, von den Königsschlössern zu den markanten und beeindruckenden Gipfeln des Allgäus. Auf den Spuren der bayerischen Könige, der bayerischen Traditionen und mit einer bewusst heimatverbundenen, aber alles andere als verzopften Sicht der Dinge erleben Sie die ferne Nähe der Heimat. Zur Begleitung >> „Heimattrekking – Bayerns Berge für Quergeher“ von Joachim Chwaszcza und Gaby Funk beschreibt sechs Wochen Heimattrekking und erscheint Mitte April in neuer Auflage in der Edition Summit. Untergliedert in Tagesetappen mit zahlreichen spannenden und informativen Features ist es der ideale Begleiter aus erster Hand für die langen oder kurzen Trekkingwege in Bayerns Heimatbergen, 19,70 Euro. Vormerkung und Direktbestellung unter heimattrekking.de. Zur Einstimmung >> Ferne Nähe Heimat Stefan Frühbeis, bekannt vom Rucksackradio und der Volksmusik im Bayerischen Rundfunk, liest Texte zum Heimattrekking. Ein Hörbuch mit Impressionen zwischen Kampenwand und Himalaya, Iffeldorf und Taiwan, Urschalling und Tibet. „Ferne Nähe Heimat“ Edition Summit Audio, 15,70 Euro. Direktbestellung unter heimattrekking.de. Geführte Touren >> Unter der Webadresse heimattrekking.de bieten die Autoren Joachim Chwaszcza, Georg Mühlbauer und Gaby Funk geführte Wandertermine zum Heimattrekking und auf der Via Alta Bavarica in Zusammenarbeit mit dem DAV-Summit-Club.

begleiten, kombiniert mit Falkenhütte, Ahornboden, Karwendelspitze, Dreitorspitze und Zugspitze… Ich ziehe los und ab dem Sylvensteinspeicher wird es wild. Der Rißbach, die Eng, der Ahornboden, die bleichen Felswände des Karwendels. Fast ist es ein bisserl Kanada und Bruno, der Bär, hätte seine wahre Freude an dieser Wildnis. Also gönne ich mir diese Freiheiten und steige entgegen meinem Plan zuerst einmal zur Lamsenjochhütte auf. Die Begegnung unterwegs mit einem Jäger, auch wenn er nicht von Fall ist, birgt plötzlich etwas Wldromantisches in sich. Heute gönne ich mir erst einmal die Lamsen, morgen dann starte ich mein Heimattrekking. In vier Wochenetappen geht es von Lenggries nach Oberstaufen. Karwendel, Damkar, Mittenwald. Weiter zum Schachen, zur Knorrhütte und Zugspitze. Ammergauer, Füssen, die Königsschlösser und dann das Allgäu – vom Nebelhorn bis zum Nagelfluh – immer vom Feinsten. Bayerns Berge im Quergang – begleitet von Kultur und unheimlich starken Impressionen. Auf geht´s. <<

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Wandern in der Steiermark Einmal quer durchâ&#x20AC;Ś Kulinarisches Loser, Lafer und die wilden Wirte

Steiermark Spezial

Klettern Andi Steininger im Interview Mountainbike Ein runde Sache am Dachstein

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steiermark spezial

…eine runde Sache Liebe Leserinnen, liebe Leser, unterwegs in der Steiermark, von Nord nach Süd, einmal quer durch. Zu Almen und Hütten, versteckten Seen – mit Muße. Oder actionreich im Fels und auf dem Mountainbike. Der Genuss ist immer mit dabei – begleiten Sie uns in die Steiermark. Wer unterwegs ist zum Almwandern, der möchte keine Rekorde aufstellen oder sich im sportlichen Ehrgeiz überbieten. Es geht um das Eintauchen, das Genießen und das Atmen einer Landschaft. Hermann Rastl zeigt Ihnen, wie man beides am besten verbindet. Wer zum Klettern kommt, sucht Adrenalin und griffigen Fels, nicht überlaufene Routen. Beides findet er, wie unser Spezialist Andi Steininger dokumentiert in der Steiermark im Überfluss und vom Feinsten. Für die Biker bietet die Steiermark ebenfalls eine breite Palette. Genussradeln und harte Mountainbike-Kost im Wechselspiel. Rund um den Dachstein auf unterschiedlichstem Leistungslevel oder einfach nur zum Motivationskick zur Mountainbike-Weltcup nach Schladming.

Loser, Lafer…

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Wahrscheinlich sind es genau die Erlebnisse, die wir suchen. Und vielleicht in der Steiermark finden. Die Steiermark, in Berglust ganz spezial, mit Impressionen und Momentaufnahmen, Bergerlebnissen, Genuss und Kultur. Es ist wirklich eine runde Sache. Begleiten Sie unseren Autor Joachim Chwaszcza einfach auf unserer Berglust-Steiermark-Runde. Viel Spaß. Ihr Berglust-Team

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… und die Wilden Wirte

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MTB am Dachstein

Klettern in der Steiermark

Einmal quer durch…

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steiermark spezial

ÂŁÂ&#x2014; Joachim Chwaszcza

Wandern in der Steiermark

Der Altausseer See: Ein steirisches Kleinod

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Ein Klassiker der Almwanderung: Der Fünf-Hütten-Weg unterhalb der Dachstein-Südwand

Die Südsteiermark: Hügelland und Weinbaugebiet

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steiermark spezial ausgewaschenen Kalkfelsen. Soweit das Auge reicht, gibt es hier nur einen Weg. Dort hinten verliert sich der Pfad in der Wildnis. Unbegehbar, zu wild. Noch einmal dreh ich mich rum. Der Toni ist wie vom Erdboden verschluckt. Verschwunden. Eine Viertelstunde später höre ich seine Geige. Es ist Mozart.

Mit dem Rastl Hermann durchs Ausseer Land Hier zwischen Bad Aussee und dem Dachstein kennt ihn jeder, umgekehrt ist es wohl ebenso. Bekannt ist er wie ein bunter Hund, ein „Jager“ und Bergsteiger, Wanderer und Musikfreund. Bis nach Japan hat es ihn so verschlagen. Damals, mit dem Eibl Sepp und einem Fernsehteam des Bayrischen Rundfunks. Und zu erzählen hat er auch immer etwas. Wenn man dann auch noch das Glück hat mit ihm, dem Rastl Auf geht‘s: Mit dem Rastl Hermann auf dem Weg zum Appelhaus Hermann, in die Berge zu gehen, dann kann man sicher sein, dass er nicht nur jeden Steig und jeden Tritt kennt, sondern eigentlich auch jeden, der einem begegnet. Almklänge Für unsere zweitägige Schmankerlwanderung hat der Hermann Es ist Abend auf der Henar-Alm und leise dringen die Klänge eisich etwas Besonderes ausgesucht. Im steirischen Salzkammerner Geige durch den Lärchenwald. Der Burger Toni übt. Ein Algut zwischen Dachstein und Priel. Vom Grundelsee hinauf aufs merer mit der Geige? Kuhglocken und der heiter-melancholische Appelhaus, 1638 m, denn dort ist am heutigen Abend MusikanKlang von Mozart? Dies alles hier inmitten der so schroff-bizarren tentreffen. Und weil die reine Gehzeit etwa fünf bis sechs StunBergwelt des Toten Gebirges und noch dazu weit weg von jedem den beträgt, jeder der Musikanten sein Instrument selber trägt Konzertsaal. Was auf den ersten Ton so ungewöhnlich anmutet, und das Appelhaus weder für Mountainbikes noch für andere ist hier auf der Henar-Alm schon längst Gewohnheit. Mehr als Gefährte erreichbar ist, kann man davon ausgehen, dass dieser zehn Jahre schon kommt der Profigeiger Toni Burger im Sommer Abend etwas Besonderes wird. auf die Alm. Zum Kühehüten, Melken und zum Geigen. Es ist dieWir steigen im Nebel auf und im Graben unterhalb des Base wilde Urlandschaft und diese unerhört beruhigende Stille, die ckensteins hallt plötzlich ein Jodler durch die Nebelwand. „Des is ihm die Kraft und die Energie für den Rest des Jahres gibt. Und da Meraner Jodler und des san der Hermann und die Inge. Ich diese Kraft, die braucht er dringend, wenn er auf Tournee ist mit kenn denen ihr Stimm´.“ So ist es eben mit dem Hermann und seiner Geige, mit dem Orchester oder seiner Band. natürlich hat er Recht. Fünf Minuten später treffen wir auf die Toni Burger führt mich zu einem seiner Lieblingsplätze. Ein Inge und den Hermann. Uns so ganz zufällig gesellt sich noch ein kleines Amphitheater aus Felsbrocken und Lärchen, bestens gedirekter Nachfolger des Erzherzogs eignet für ein stimmungsvolles Gedazu. Noch einmal wird angespräch. „Vor ein paar Jahren“ erzählt Kunstsinniger Almerer: Der Burger Toni stimmt, ein vierstimmiger Jodler er, „war ich für ein Musikprojekt mit hallt durch die Nebelwand. Abends, einer Indianerin hier oben. Es war im Appelhaus wird aufgespielt. Inge eine in ihrem eigenen Stamm hoch und Hermann haben ihre Geigen angesehene Schamanin. Und sie dabei, ein Arzt aus Straubing die Zihat mir die Augen geöffnet, dass ther, ein Mädel spielt Gitarre, kurz dieser Ort hier mehr ist als nur Berschaut auch noch der Toni Burger ge, Gipfel und Wälder. Es ist ein Ort vorbei, der Wirt schmeißt eine Runurmystischer Kraft.“ de… Alles passt. Stimmt, denke ich mir, und bliAm nächsten Morgen steigen cke im letzten Abendlicht im wir wieder ab. Vorbei an den Almen 360-Grad-Kreis um mich herum. der Augstwiese hinunter zum AltBucklige Lärchen zaubern geisterausseer See. Unterwegs treffen wir hafte Gestalten ins Abendlicht und seinen Jagerfreund und kommen der laue Bergwind rauscht über die

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an das Marterl, wo vor Jahren zwei jungen Burschen im Herbst bei plötzlichem Schneeeinbruch erfroren sind. Und dann stehen wir plötzlich am Ufer des Altausseer Sees vor dem alten Jagdhaus. Es ist die vielleicht schönste Wirtschaft, die ich jemals gesehen habe. Wir setzen uns an einen freien Tisch mit karierten Tischdecken, essen eine ordentliche Bretteljause mit höllenscharfen frischen Kren, trinken Bier und schaun auf den See. Wir reden vom Himalaya und den Anden, wie faszinierend es dort ist und wie traumhaft schön es doch hier ist… Vor ein paar Tagen war eine Mail vom Hermann in meinem Posteingang. Aus Brasilien, und wann ich denn wieder ins Ausseer Land komme. Geduld Hermann, spätestens im Frühsommer, wenn wir zusammen wieder gen Appelhaus wandern. > Gehzeit: Grundelsee – Henar-Alm ca. 5-6 Stunden > Infos zum Steirischen Salzkammergut unter: ausseerland.at Schmankerl- und Almwanderungen im Juli 2010 zusammen mit Berglust-Autor Joachim Chwaszcza und Hermann Rastl unter heimattrekking.de

> Gehzeit: Steinerhaus – Stoderzinken – Friedenkircherl ca. 3 Stunden > Infos zu Gröbming und dem Dachsteingebiet unter dachstein-schladming.at

Ramsau – Klassiker der Hüttenwege Ein Klassiker, eine der schönsten Almwanderungen und TopAlmwanderung 2009: Urige Almütten, sanft geschwungene Hügel, sonnenverwöhnte Wege und alles eingebettet in die Kulisse vor der markanten Dachstein-Südwand. Für Spaziergänger und Wanderer bietet der Klassiker der Ramsau, die „Fünf-HüttenWanderung“, alpine Höhepunkte für Genusswanderer. Von Ram-

Bärenstark: Am Gröbminger Kircherl Das steirische Kemetgebirge an der Grenze zum Salzburger Land steht meist zu sehr im Schatten der großen Nachbarn, des Hohen Dachstein, 2995 m, des steirischen Klassikers Grimming, 2351 m, „da Grimma“, und des Sarstein, 1975 m. Aber Juwelen liegen oft am Wegesrand und ganz unter uns: der Stoderzinken, 2048 m, ist ein kleines Schmankerl. Es ist ein Aussichtspunkt par excellence. Schon alleine die Auffahrt über die Felsenstraße ist ein kleines Abenteuer. Mindestens so wie der Blick auf das Dachsteinmassiv, auf das Tote Gebirge, auf die Tauern, aufs Ennstal und den jähen Abbruch ins Salzatal. Bis zurück in die Steinzeit reichen hier Siedlungsspuren. Altes Bergbaugebiet ist es und vom ersten Karrenweg bis zu der heute vor allem auch bei den harten Radlern beliebten Alpenstraße war es ein langer Weg. Wer oben auf dem felsigen Plateau wandert, findet seinen Weg zum Friedenskircherl. Wie das berühmte Kloster in Bhutan, das Tigernest, klebt das kleine Holzkircherl in der senkrechten Felswand. Nicht umsonst, denn das Kemetgebirge ist eine steinerne Wildnis, fast könnte man glauben, man wäre in Kanadas bärenstarker, waldiger Bergwildnis. Es ist eben eine Landschaft für Abenteurer. Das Kemetgebirge ist ein verkarsteter Hochgebirgsstock und kaum erschlossen. Nur am Stoderzinken sind zwei Hütten zu finden, das Steierhaus, 1845 m, und die Brünnerhütte, 1747 m. Eben wildes Land und wer von hier zur Dachsteinüberschreitung gen Gutenberghaus aufbricht hat wirklich Großes vor.

Zuflucht des Erzherzogs: Der Schwarzensee

Blick auf das Tote Gebirge und das Dachstein-Massiv

sau zum Knollhof und vorbei an der Holzeralm zum Dachsteinhaus. An der Brandalm sieht man zum ersten Mal die Austriahütte. Forstweg oder Steig: Ab der Austriahütte sind es 30 Minuten bis zur Türlwand. Ein malerischer Weg führt durch das Steinfeld zur Südwandhütte, zur Marlalm und durch schönes, ebenes Gelände in Richtung Neustattalm. Der Rundweg zurück nach Ramsau geht wieder über das Dachsteinhaus zurück… > Infos unter ramsau.com

Durch die Sölktäler nach Oberwölz Der Weg ins Herz der Steiermark gen Süden führt durch die Sölktäler. Naturpark und einsame Berglandschaft. Den kurvenreichen Weg über den Sölkpass sollte man schon wählen, zumindest im Sommer. Denn dann lockt auch der Abstecher ins Seitental nach Kleinsölk. Von der Breitlahnalm geht es zum Schwarzensee und weiter zur Putztalalm: „Die Ruhe in der großen Natur hat den höchsten Reiz und ich gestehe es, hier möchte ich jeden Sommer in Einsamkeit vierzehn Tage verleben, um den moralischen Unflat abzulegen, den man in der großen Welt leider erhält...“ Es war

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steiermark spezial kein Geringerer als der „steirische Prinz“ Erzherzog Johann, der dies über den Schwarzensee 1810 in sein Tagebuch schrieb.

Die historische Sölkpasswanderung Schon vor vielen Jahrhunderten war der Weg über den Sölkpass, eine wichtige Handelsverbindung. Aus dem Norden lieferte man Salz („Salzstraße“) in die italienischen Handelszentren, auf dem Rückweg brachte man Wein, Gewürze, Südfrüchte und Getreide mit. Auf die Spuren der Römer begeben sich wie jedes Jahr am 6. Juli die Pferdefreunde und Wanderer aus dem Murtal und dem Ennstal. Ein großer Pferdetross wandert von beiden Seiten über den alten Saumpfad auf den Sölkpass. Um 12.00 Uhr treffen sich die Murtaler mit ihren Nachbarn aus dem Ennstal auf der Passhöhe. Nach dem Austausch der historischen Handelsgüter Salz und Wein erfolgt die Pferdesegnung. > Infos unter events.steiermark.com, tour-de-mur.at Hat man den Sölkpass überquert, wird es bald noch geschichtsträchtiger. Oberwölz ist ein historisches Kleinod und irgendwie etwas ganz besonderes. 1298 durften die Oberwölzer eine Ringmauer um ihre Stadt bauen, 1305 erhielten sie die Stadtrechte. Fast 800 Jahre gehörte das Sölktal zum Bistum Freising bei München. Die kleinste Stadt der Steiermark ist mit etwa 1100 Einwohnern eine Reise in eine längst vergangene Zeit. Nicht nur wegen der schmucken Stadtmauer und dem mittelalterlichen Ambiente. In den Tälern der Wölzer Tauern finden sich noch zahlreiche urige Hütten. Unbewirtschaftet und bestens geeignet für den erholsamen und naturnahen Familienurlaub oder bewirtschaftet als perfekte Jausenstation, so wie auf der Funklhütte. > Gehzeit: Breitlahnalm – Putztalalm ca. 2 Stunden > Gehzeit: Parkplatz Funklhütte 30 Minuten > Infos zu Oberwölz unter woelzertal.at, zum Naturpark Sölktälern unter soelktaeler.at und zu den Steirischen Naturpark unter steiermark.com/aturparke

Noch ist es flach und hügelig – auf der Pretul

Steirer Kost auf der Funklhütte

Die alpannonische Idee – Waldheimat und Joglland/Oststeiermark Der Andreas ist ein echter Bergler und immer unterwegs. Immer wieder auf den großen Touren in den Westalpen, am Mont Blanc und anderen großen Eis- und Felsklötzen. Heute lockt ihn im Winter die weiße Pracht in der Waldheimat, im Sommer der pannonische Weg. Alpannonia – von der ungarischen Tiefebene über das oststeirische Joglland hinauf bis zum Hochschwab – an diese Idee glaubt er. Quer durch alle Vegetationszonen, ein Weitwanderweg, beginnend im hügeligen ungarischen Weinland hin zum pannonischen Enzian und über das Joglland bis ins alpine Herz der Steiermark. Es ist ein klassisches Trekking zu den östlichsten Ausläufern der Alpen und dann mitten hinein ins Felsengewirr des Hochschwab. Von der Waldheimat Peter Roseggers „Als ich noch der Waldbauernbub war“ hinein ins steirische Gamsgebirge, das nicht umsonst eine der Lieblingsregionen des Erzherzogs war. Das ist Steiermark vom Feinsten. „Komm runter, ich zeig dir, was alpannonia ist...“, hatte Andreas mich wissen lassen. Also waren wir gemeinsam vor Ort unterwegs. Die Rabl-Kreuz-Hütte, 1394 m, erste Bergbastion mit Blicken weit hinein ins Ungarische. Dort lagerten einst die Türken mit ihrem Heer...“, Andreas kommt ins Erzählen. Durch offene Wälder geht es gen Westen, zum ersten „Berg“, dem Hochwechsel, 1742 m. Es folgen auf lichtem Grat das Stuhleck, 1783 m, die Pretul, 1645 m und das Rosegger Schutzhaus, 1586 m in den Fischbacher Alpen. Am nächsten Tag sind wir mitten drinnen in der steirischen Bergwelt, vor uns liegt der Hochschwab, 2277 m. Urige Hütten, nostalgische Almen, eine Traumwanderung. Ob auf Bergwegen oder alten Pilgerpfaden: Der Hochschwab ist ein stolzer Felsenkranz, höchster Punkt unserer Tour und ein echter Aussichtspunkt. Weit reicht der Blick ins Mariazeller Land und hinaus Richtung Graz und Oststeiermark. In Seewiesen, am Fuße des Hochschwab sitzen wir am Ende zusammen. In einem Haubenrestaurant mit Wildspezialitäten und steirischen Roten. Im Sommer wird Andreas genau auf diesem Weg eine Gruppe des DAV Summit Club führen. „Und?“, fragt der Andreas. „Passt!“ antworte ich ihm und bedanke mich für diese Traumtage. Perfekte Touren brauchen keine großen Worte. > Gehzeit: alpannonia gesamt von Köszeg über den Hochwechsel bis nach Fischbach/Joglland (Originalweg): 5 Tage, bis zum Hochschwab (alpine Variante): 7 Tage > Infos zu Joglland und Waldheimat joglland.at und zum alpannonischen Weg unter alpannonia.at Die Wanderwoche mit Andreas finden Sie unter dem Kürzel HWSTEI bei dav-summit-club.de

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Veranstaltungen 2010 Wander Opening Schladming 12. - 19.06. – Eingebettet zwischen dem Dachstein und den Schladminger Tauern wartet eine alpine Entdeckungsreise der Sonderklasse. Auf

Graz und der Süden

dem Programm stehen geführte Wanderungen und Bergtour-

Nach all den Bergen wird es Zeit für andere Exkursionen. Barock statt Bergwiesen, Bürgerhäuser statt Bauernhöfen. Schlossberg statt Steig. Graz war 2003 Kulturhauptstadt Europas – eigentlich eine Klasse zu niedrig, für das, was dieses Schmuckstück zu bieten hat. Es ist diese ganz spezielle Mischung aus mediterraner Leichtigkeit und steirischer Tradition, kaiserlicher Reminiszenz und jugendlichem Charme, zwischen Beständigkeit und Lässigkeit, die den Besucher so einnimmt. Wir schlendern auf der kulinarischen Stadtführung – eine geniale Idee – durch die Altstadt entlang der Mur. Zum Frühstück in Arnold Schwarzeneggers Lieblingshotel, zur Schilcherverkostung auf die moderne Stahlkonstruktion der Mur-Insel und zum steirischen Kernölstand am Bauernmarkt. Im barocken Palais, heute Restaurant, das Mittagessen und zum kulinarischen Chill-out in die Lounge auf den Schlossberg. Abwechslungs- und genussreicher, versetzt mit Geschichte und Geschichterln, kann man eine Stadt wohl kaum erleben. Steiermark von Nord nach Süd – wir sind jetzt ganz unten an der steirischen Weinstraße. Südlicher geht es nicht mehr und umgeben von sanften Hügeln und Weinbergen glaubt man fast, in der Toskana zu sein. Nur sind es hier Buschenschänken statt Fattorien und noch richtige Weinbauern statt Weinfabriken. Man sitzt unter den Lauben und lässt den Blick streifen. Der steirische Wein hat einen phänomenalen Aufschwung erlebt. Hier weiß man warum. Ein Straßenschild stellt fest: Die nächsten zwei Kilometer Landesgrenze Mittelstreifen. Links stehen die Schneestangen in den Landesfarben Sloweniens, rechts in den Landesfarben Österreichs – wer räumt dann eigentlich im Winter? Aber vielleicht ist so ein Bild auch ein bisserl typisch für die Steiermark. Eben weltoffen und traditionsbewusst oder anders ausgedrückt: einfach schön. > Infos zu Graz unter graztourismus.at und zu den Steirischen Weinstraßen unter weinland-steiermark.at

en in allen Höhen- und Schwierigkeitslagen unter der Anleitung geprüfter Berg- und Wanderführer. Dazu gibt es ein attraktives Musik- und Unterhaltungsprogramm. Klettersteigfestival Via Ferrata 08. - 11.07. – Boulder-Battle, Nachtklettersteig – die Via Ferrata Dachstein in Ramsau ist eine völlig einzigartige und neue Veranstaltung rund um das Thema „Klettersteig“. Im Eldorado der Kletterer unterhalb der Dachstein Südwand wird über die neuesten Produkte und Trends informiert. Weltneuheit im Programm ist ein Klettersteiglauf der Besten. Kondition und Technik als Symbiose am Berg. Außergewöhnlich ist auch der beleuchtete Klettersteig „Siega“, der nur für diese Veranstaltung auch nachts bestiegen werden kann. Historische Sölkpasswanderung Sonntag, 11. Juli – Ein Pferdetross wandert von zwei Seiten auf den Sölkpass, Handelsgüter Salz und Wein werden ausgetauscht. Die alte Handelsstraße wird für einen Tag zu neuem Leben erweckt. Ein historischer Zug – nicht nur für Freunde der Geschichte. Fest der Gärten 05. - 06.06. – In 19 verschiedenen Gartenanlagen in der Oststeiermark gibt es besondere Spezialitäten wie Gartenführungen, Ausstellungen, Pflanzenraritäten, Kulinarisches und vieles mehr. Machen Sie eine Reise durch die Welt der Gärten. Almabtrieb am Hochwechsel 05. September – Da das Weidevieh mit echten Alpenblumen geschmückt wird, beginnen die Arbeiten schon einige Tage vorher. Die Bäuerinnen von Mönichwald sammeln nur echte Alpenblumen, Kronen, um die Ansteckmascherl zu binden. Begleitet von flotter Musik und vielen Besuchern wird das Weidevieh bis zur Mönichwalder Schwaig hinunter getrieben. Almabtrieb der Lipizzaner Junghengste 11. September – Mit dem traditionsreichen Almabtrieb beginnt für die Lipizzaner-

Graz bei Nacht

hengste wieder der „Ernst des Lebens“. Von Mai bis September genießen die Pferde ihre Freiheit auf der Stubalm. Am 11. September, kehren die Hengste von ihrer Sommerfrische auf 1470 Meter Seehöhe zurück. Doch bevor sie in das Gestüt zurückkehren, erfahren sie im Kirchhof des steirischen Wallfahrtsort Maria-Lankowitz die traditionelle Segnung.

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steiermark spezial

Schweinebraten: So muss es sein, eine alte Raine, ein guter Ofen, resche Kruste...

Loser, Lafer und die Wilden Wirte

Köstlichkeiten derb und fein Es sind zwei gegensätzliche Berühmtheiten: Der eine, der Loser, 1838 Meter, ist ein typischer Steirer. Eigenwillig, eigenständig, durchaus etwas zurückgezogen und doch mit viel Harmonie, eine einnehmende Bergpersönlichkeit eben mit felsiger Krone. Der andere, der Lafer, ist ebenfalls ein Steirer wie er im Buche steht, ebenfalls gekrönt, nur eben Koch und Spitzengastronom.

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ahrscheinlich ist Johann Lafer sogar der zur Zeit berühmteste aller Steirer, kann man ihn mindestens zweimal die Woche im Fernsehen sehen. Freundlich in die Kamera strahlend schneidet und schnipselt er, rollt und rührt, brät und dünstet. Und sein Blick will uns irgendwie sagen: „Kommt´s doch einmal in die Steiermark. Da ist die Welt noch in Ordnung, da sind die Produkte frisch.“ Auch wenn es den meisten von uns wohl nicht gelingen wird, die Laferschen steirischen

Aushängeschild und Spitzenkoch: Johann Lafer

Köstlichkeiten so mir nichts dir nichts nachzuzaubern, hält uns nichts davon ab, diesem einladenden Blick vor Ort nachzugehen. Die Steiermark ist bekannt für gute und bodenständige, fein zubereitete und manchmal etwas ausgefallene Kost. Und wie die Steirer es mit dem Auftischen halten, verkünden sie selbst in ihrem durchaus eigenwilligen Dialekt: „…Ob Dahoam oder beim Bäuscheltandler, die Steirer koch‘n für ihnere Gäst und Gästinnen oft no nach den Rezepten von ihnere Ahnleut: Und so wird scho amol a gscheit‘s Bauernbrot ang‘scherzt, a guata Beißbrat‘n anbrimschelt, a saftig‘s Kraut angsespendelt und dazua a echta Heckenklescher eing‘schenkt. Ohne den Steirern des Goderl kratz‘n zu woll‘n, die hiesige Küch‘ ödelt niemals…“. Alles klar? Mit den steirischen Genussregionen ist ein Qualitätsstandard erreicht, der für sich spricht. Die Regionen (inzwischen sind es 15 Regionen mit typischen Regionalprodukten vom Almochsen bis zum

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Wilde Wirte Die inzwischen 25 „Wilde Wirte“ lassen in der Region Hochschwab Genießerherzen höher schlagen und machen damit den Hochschwab nicht nur zum Geheimtipp für Gipfelstürmer und Wanderer. die-wilden-wirte.at

Passt immer: Kaiserschmarrn

Fotos: ST/www.bigshot.at (3), ST/Symbol (1)

Leicht und typisch:

Kernöl, vom Saibling bis zum Steirerkäs, den Sommer zu verbringen. Beste Vorausvom Wein bis zur Pöllauer Hirschbirne) ha- setzungen also für hochwertige Küche. Das Gamsgebirge ist steirisches Kernben sich auf ihre Spezialitäten konzentriert, Qualitätsmerkmale definiert und land und keinem Geringerer als dem Erzsich auf das Heimische, statt auf das Exoti- herzog Johann selbst wird die Erstbesteische konzentriert. Selbst auf den einfa- gung des Hochschwab zugeschrieben: „… chen Almen und Berghütten schmeckt´s Zu Anfang des XIX. Jahrhunderts waren heute besser und echter. Und wer wissen unsere Gebirge vollkommen unbekannt; will, kann ruhig mal in den Sölktälern ei- es gab keinen Touristen; ich war der Erste, nen über dem offenen Herdfeuer gemach- welcher von dem österreichischen Schneeten Kaiserschmarrn oder einen Sterz auf berge aus die steiermärkischen Alpen sehend mich dahin wandte…“ der Putzentalalm probieren. Was läge also näher, rund um den Gastronomen und Köche haben sich inzwischen auf die heimische Linie einge- Hochschwab Traditionelles mit Köstlistellt und eine der erfreulichsten Richtun- chem zu verbinden und sich der steirischen Kost zu widmen. gen sind die Wilden Wirte Nach dem Wander- oder im steirische Gamsland Samstag, 03. Juli , Kletterbesuch auf der wildzwischen Mariazell und 10.00 – 23.00 Uhr romantischen Fölzalm, mit Bruck an der Mur. Rund um Statt zum ordentlich reschen Schweiden Hochschwab leben Weinfest zum nebraten aus dem Rohr, Gämsen Sommer wie WinMurauer Bierfest Knödel und Kraut, lohnt etter am Berg und ernähren Zum 100-jährigen wa der Abstecher zum Seesich von besten und würBestehen der Brauereigenossenschaft ist die berghof in Seewiesen. Hier zigsten Alpenkräutern. Desgesamte Innenstadt fühlt man sich gleich zuhalb bedarf das Wildbret von Murau für das hause und wird, auch wenn auch keiner starken GewürBierfest am 3. Juli man zum ersten Male hier ze. Das dunkle Wildfleisch gesperrt. Bei fünf ankommt, wie ein guter unterscheidet sich von anAkkreditierungsstellen Stammgast behandelt. Und deren Fleischarten durch kann man einen was läge dann näher, als seinen charakteristischen, Jubiläumskrug kaufen und dann gibt’s den den Abend mit Seelenaromatischen Geschmack ganzen Abend über das streichlern wie Hirschcarund zeichnet sich vor allem Jubiläumsbier gratis. paccio, Heidelbeeressig und durch den geringen FettgeZur Unterhaltung gibt Kürbiskern-Acocado in Behalt aus. Auch die Hirsche es in der ganzen Stadt gleitung eines guten steirizieht es am Ende des Winvier Bühnen mit schen Roten abzuschlieters hinauf auf die Almen speziellem Programm. ßen? JOACHIM CHWASZCZA << und Bergmatten, um dort 25 Musikkapellen spielen auf – wenn das kein Angebot ist. murau-kreischberg.at

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Steirischer Backhendelsalat mit gerösteten Kürbiskernen Zutaten: – 1 ganze Hühnerbrust – 100 g geschrotete Kürbiskerne – 1 Ei – Mehl, Salz, Pfeffer – 1 EL Kürbiskerne zum Rösten – 250 g gemischte Blattsalate – 1/16 Liter Essig-Kernöl-Marinade Zubereitung: Hühnerbrust in Streifen schneiden, würzen und mit Mehl, Ei und den geschroteten Kürbiskernen panieren. In heißem Fett herausbacken und auf den gefällig angerichteten Blattsalaten anrichten. Zum Schluss die Kürbiskerne in etwas Sonnenblumenöl anrösten und über den Salat verteilen…

Ein stolzer Steirer: Der 1838 Meter hohe Lofer

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steiermark spezial Du bist so alles geklettert, was die steirischen Berge hergeben. Wo sind deine ganz persönlichen Schmankerlrouten? Wenn ich nur ein paar Stunden Zeit habe, geht´s auf die Steirische Raxseite in die Raxenmäuer. Da ist der Martinsturm wirklich top, einsam, südseitig, bestens abgesichert, aber nicht ganz leicht (VI bis VII+). Oder schnell einmal in´s Grazer Bergland mit meiner Lieblingssolotour, dem Ratengrat (III bis IV) hoch über dem Murtal. Für Tagestouren bietet sich der Hochschwab an. Bei der Voisthalerhütte die Karlmauer oder natürlich die Klassiker in der Hochschwab Südwand mit meinem Favoriten, dem Lufthammer (VI-) oder der leichteren Himmelsleiter (V-). Meine Schmankerlrouten im Gesäuse oder im Dachsteingebiet aufzählen zu wollen, würde das ganze Heft füllen – aber wer einmal wirklich alpin und nicht allzu schwer klettern will, der sollte im Gesäuse die Totenköpfl-Reichenstein Überschreitung angehen (III+), für mich eine der landschaftlich schönsten Gratklettereien im gesamten Alpenraum. Und am Dachstein – für alpine Sportkletterfreunde ein Eldorado, vor allem der Koppenkarstein (südseitig, perfekter Fels). Für mich als Alpinkletterer zählt aber noch immer der klassische Durchstieg durch die Dachstein Südwand (V-, lang!), allerdings mit dem Salzburger Band als ausgesetzte Alternative, zu den Höhepunkten im Leben eines Kletterers. Zum Schluss noch ein echter Geheimtipp – in den Niederen Tauern gibt es ein paar grandiose und nicht allzu schwierige Überschreitungen wie z.B. den Gamskögelgrat (III+).

se z.B. am Festlbeilstein und die Rote Wand im Grazer Bergland sind schon vom Allerfeinsten, was die Felsqualität betrifft – und zwar alpenweit. Die wildeste Route – also eine Kletterei in den Ringen an der Hochschwab Nordseite oder im Bereich Hochgolling Nordwand/Niedere Tauern – das ist wirklich nur etwas für wahre Nordwandgesichter. Und auch im Gesäuse kann man z.B. den Buhl Gedächtnisweg in der Dachl Nordwand angehen – und in Kletterkreisen danach Respekt ernten (ich hab die Route ein Mal probiert, aber wieder umgedreht – weg war der Respekt). Jede Region hat so ihre eigenen Schwerpunkte – was macht beim Klettern die Steiermark attraktiv? Steirer und natürlich auch Steirerinnen sind gastfreundliche und gemütliche,

ten so wie mit dem Steirischen Wein – TopQualität, aber die Steirer trinken ihn am liebsten selbst. Klettersteige – was sind da deine Tipps? Also zunächst auf jeden Fall Eisenerz – dort gibt es mit dem Steig auf das Kaiserschild (D) und durch die Seemauer (C/D mit Variante Rosslochhöhle E) zwei absolute Highlights. Kurioserweise befindet sich im Bereich des Zirbitzkogels/Naturpark Grebenzen mit dem Lukas Max Steig ein wirklich lohnender, wenn auch eher untypischer Steig (D/E). Im Ausseer Land, welches ja schon zu Kaisers Zeiten gerne erwandert wurde, finde ich persönlich den Sissi Steig auf den Loser absolut reizvoll (C/D). Im Gesäuse gibt es zwar eine Reihe von, so glaube ich, recht schönen Kletter-

Klettern

Der beste Fels, die wildeste Route, was hat die Steiermark da besonderes zu bieten? Der beste Fels – schwierige Frage, es gibt überall Routen von eisenhart bis superbrüchig, aber speziell die alpinen Sportkletterrouten im Bereich der Dachstein Südwandbahn, in der Hochschwab Südwand oder rund um die Fölzalm, im Gesäu-

manchmal aber auch in ihrer Art deftig – herzliche Zeitgenossen/innen mit einem eindeutigen Hang zu Genuss und Lebensfreude. So könnte man auch das Klettern in meiner Heimat charakterisieren. Gibt´s so etwas wie eine spezielle Szene oder seid ihr eher noch die traditionellen Alpinisten? Sowohl als auch – es gibt z.B. im Gesäuse eine Gruppe rund um Jürgen Reinmüller, die verantwortlich ist für einen der besten Kletterführer, den ich kenne. Oft sind auch die Bergrettungsstellen Keimzellen für die Kletterszene vor Ort, da ja die Bergretter/innen meist auch privat begeisterte Kletterer sind. Manchmal ist es aber mit den Steirischen Kletterern und ihren Klettergebie-

steigen, aber in´s Gesäuse komme ich eigentlich nur zum Klettern. Tja und der Dachstein, der hat sich ja in den letzten Jahren zum wahren Klettersteigland entwickelt, wobei ich den Klassiker „Johann“ mit Verlängerung über den Schulteranstieg bis zum Dachsteingipfel (Johann D/E, Schulteranstieg ab Warte B/C) immer wieder gerne gehe. Ein Kletterwochenende in der Steiermark – wo muss ich unbedingt hin? Entweder in´s Internet oder in den Buchfachhandel – denn wenn ich jetzt jemanden zum Klettern auf den Hochschwab schicke und sie/er lernt das Gesäuse, den Dachstein oder bei Klettersteigen die Eisenerzer Alpen nicht kennen – dann wäre dies ein unverzeihlicher Fehler.

Fotos: Joachim Chwaszcza (1), Andreas Steininger (2), TV Ramsau am Dachstein (1)

„Beim Klettern komme ich immer ins Schwärmen… …vor allem wenn es um meine Heimat geht.“

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Felsenakrobatik in der Dachstein Südwand, Saisonauftakt am Klettersteig Eisenerz und eine Wintertour an der Raxen.

Interview mit Andi Steininger, Steirer und staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, Bergrettungsausbilder und noch immer ohne Antwort auf die Frage, warum Bergsteigen süchtig macht…

Bergführer Steiermark Ein Verzeichnis der Steirischen Berg- und Skiführer sowie die kompletten Tarife für geführte Touren findet man aufgelistet und mit allen notwendigen Informationen unter:

Ramsau am Dachstein – Mekka der Kletterer Ob Südwanddurchstieg oder Klettersteig – Ramsau ist im Sommer nicht nur Treffpunkt von Wanderern und Bikern, sondern vor allem ist es auch ein „Mekka der Kletterer“. Ob der Durchstieg durch die Dachstein Südwand auf historischer Route oder einer der neun! Klettersteige an der Südseite – jeder, der hart am Fels sein will, kommt auf seine Kosten. Ob mit eigenem Anstieg ( z.B. Johann) oder bequem nahe von der Bergstation, 2700 m, ( z.B. Gjaldstein) – es ist felsig, knackig und wunderschön. Zwei Klettersteige gibt es auch im Tal in der Silbertalklamm: der „Hias“ und der „Siega“. steiermark.com/ klettersteige

Steirischer Bergführerverband bergfuehrer.at/steiermark, hans.sitzmann@aon.at Tel. und Fax +43 3584 2502 Mobil : +43 664 5197399

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steiermark spezial

Mountainbike

Eine Runde Sache

am Dachstein

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ie Dachstein-Runde ist eine absolut variantenreiche Drei-Tages-Tour für Genussradler oder echte Mountainbike-Profis. Von Bad Goisern aus geht es über Bad Aussee, Gröbming, Ramsau, Filzmoos und Annaberg zurück zum Ausgangspunkt nach Bad Goisern. Eine besondere Stärke dieser Tour: Es ist die absolute Panoramafahrt. Zum anderen punktet sie, weil drei unterschiedliche Profile zur Verfügung stehen. Und da zeigt sich auch bereits die breite Flexibilität der Route. Für die unterschiedlichen Leistungsniveaus der Fahrer werden drei unterschiedliche Kurse analog zu den Pistenzeichen komplett ausgeschildert. Blau ist die leichte Runde, die bereits eine gehörige Portion Grundkondition fordert. Rot ist die nächste Stufe und schwarz eben sehr anspruchsvoll. Alle drei Varianten folgen dem Hauptweg, nur der schwarze fügt das ein oder andere „Sahnehäubchen“ – ganz nach dem Motto „quäle dich…“ hinzu. Abstecher

und Extrarunden führen hier in schwieriges bis sehr schweres Gelände, während bei der blauen Tour derartige Ausreißer eher selten sind. Ein einfacher Trick und schon wird aus Blau Rot. Die rote Strecke ist identisch mit der blauen, nur: sie läuft in die anderen Richtung. So hat man es geschafft, mit einer Strecke mehr ansteigende Höhenmeter anzubieten. Wie lange jeder nun tatsächlich für die Distanz der 178,4 Kilometer veranschlagt, liegt nur an seiner Kondition. Eine Tagesrunde ist wohl eher was für die Olympioniken, wer höheres Tempo gewohnt ist, wird nach zwei Etappen schon am Ziel sein. Für alle, die nicht nur biken, sondern auch genießen wollen, sind drei Tage sicher optimal. Und wenn man dann noch das Angebot wahrnimmt, sich das Gepäck transportieren zu lassen, gehen Sport und Genuss Hand in Hand. Es ist ja nicht zwingend, sich abends noch ins verschwitzte Dress zu schwingen…

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Genuss vom Gipfel bis ins Tal! Die „Urlaubsregion Murtal“ bietet ideale Voraussetzungen nicht nur für MTB-Fans, sondern vor allem auch für Genussradler. Natürlich inklusive heimischer Schmankerln. In die Pedale treten kann man auf hunderten Kilometern an Radwegen in der Urlaubsregion Murtal – Radfahrer, Mountainbiker kommen voll auf ihre Kosten. Der Murradweg sowie die Alpentour Steiermark haben eine ihrer schönsten Etappen im Murtal. Als längster steirischer Flussradwege führt der Murradweg vom Murursprung im Lungau bis nach Bad Radkersburg, dem südlichsten Punkt der Steiermark. Sanfte Berge, Almen, Seen und Flusslandschaften stehen Spalier, die kulinarische Erlebnisvielfalt bewegt sich zwischen typischer Hausmannskost und dem Feinsten aus Wald, Wiese und Fluss.

Damit sind alle Varianten offen. Ob man nun individuell kommt, die Etappenziele selbst bestimmt und die Unterkünfte selbst bucht oder sich den Luxus gönnt, zusammen mit professionellen Guides durch die atemraubende Landschaft zu biken, ist Geschmackssache. Jede Variante hat ihre Vorteile. Gepäcktransport ist eine feine Sache und inzwischen Standard. Die Wahl der Quartiere reicht von der einfachen Pension Die 20. Jubiläums-Tour de Mur findet von 03. bis bis zum Vier-Sterne-Hotel. Moun06. Juni 2010 statt. tainbiking ist im Dachsteingebiet von Ende Mai bis Ende Oktober möglich. Dann haben auch die Hütten offen und zwingen einen doch, das ein oder andere mal noch einmal anzuhalten. Damit packt die Tour alles, was sich ein Biker wünscht, in eine Runde: Superblicke auf die Gletscher des Dachstein, die bleichen Gipfel des Toten Gebirges, die schwarzen Berge der Niederen Tauern und des Tennengebirges. Variantenreiche Pfade und Schotterwege, gemütliche Stopps, regionale Köstlichkeiten. Und am Abend eine entspannende Dusche und ein weiches Bett. Die Dachstein-Runde kann an jedem Punkt begonnen werden und die ganze Strecke ist komplett für alle drei Varianten beschildert. Gutes Kartenmaterial ist im Internet und vor Ort bereit, overlays und GPS-Daten kann man sich auf der SteiermarkHomepage unter alpentour.at einfach runterladen. Passt also. JOACHIM CHWASZCZA <<

Schladming – Dachstein

Mountainbiker erobern die Planai

Fotos: MTB Festival Schladming/Regina Stanger (2); ST/Leo Strasser

„All Around Bicycle“ heißt es heuer wieder in Schladming Dachstein beim 2. MTB Festival im Rahmen der 12 Int. Alpentour Trophy, bei der 8800 Höhenmeter und 245 Kilometer zu absolvieren sind. Nicht nur im Winter ist Schladming Anziehungspunkt für alle möglichen Sportarten. Von 3. bis 6. Juni 2010 messen sich im bekannten steirischen Schigebiet Planai wieder mehr als 500 Mountainbikeprofis und Hobbyradler. Vier Teilstücke müssen die Athleten beim höchst kategorisierten UCI Etappenrennen der Welt bezwingen. Der 4,5 km lange Downhill von der Mittelstation der Planai zählt zu den schwierigsten und anspruchsvollsten Strecken im gesamten Weltcupzirkus. Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h und Sprungweiten von 20 Metern sind normal im Downhill. Der Four Cross wird zum Nachtspektakel. Vier FahrerIinnen kämpfen gleichzeitig um den Aufstieg in die nächste Runde. Körperkontakt und Rad an Rad. Duelle stehen an der Tagesordnung, Durchsetzungsvermögen ist gefragt. Dabei werden die vier Schigebiete Planai-Hochwurzen, Ramsau, Reiteralm und Hauser Kaibling repräsentiert. Neu in diesem Jahr ist der Start- und Zielraum am Schladminger Hauptplatz. „Dadurch bringen wir die Spannung mitten ins Zentrum und somit die Radfahrer zum Publikum“, sagt der Veranstalter Gerhard Schönbacher, der mit den Sideevents wie Bike Expo und Sommernachtslalom nicht zuviel verspricht. Viel zu schauen wird es beim Vintage & Unique Cycle Classic am 5. Juni geben, an welchem historische, einzigartige und kuriose Fahrräder teilnehmen werden. Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie der Anmeldung erhalten Sie auf alpen-tour.at oder mtbfestival.at

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Die Dachsteinrunde in Zahlen Dachsteinrunde blau/leicht: Ausgangspunkt Bad Goisern 1. Etappe – ca. 64 km und 1900 hm: Bad Goisern – Bad Aussee – Bad Mitterndorf über den Salzastausee und Viehberg nach Gröbming, Übernachtung 2. Etappe – ca. 68 km und 1800 hm: Gröbming – durch das Ennstal nach Ramsau – Filzmoos bis Annaberg, Übernachtung 3. Etappe – ca. 50 km und 1000 hm: Annaberg – Rußbach über die alte Pass Gschütt Straße nach Gosau – Bad Goisern Dachsteinrunde rot/mittel: Alles wie bei blau – nur mit mehr Höhenmetern im Anstieg Dachsteinrunde schwarz/schwer: Hier geht es technisch und konditionell zur Sache. Wem es dann doch zu hart wird, der kann ja einfach mal für einen Tag auf blau ausweichen. 1. Etappe – 95 km, 3000 hm 2. Etappe – 90 km, 2500 hm 3. Etappe – 85 km, 2400 hm

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reise

Berggemeinden/Italien

LADINISCHE KLARHEIT – £

Nicola Förg

La Villa

Fotos: Nicola Förg, Tourismusverband Alta Badia

Der Sternekoch läuft dort lang. Die Skielite rast dort hinunter. Kurz, Sport regiert das Leben – auch das der Gourmets, die hier gleich drei Sternerestaurants finden.

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reise

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i cun me tl museum.“ Häh? Oder gediegener formuliert: Wie bitte? So klingt ladinisch und auf gut Hochdeutsch heißt das: „Komm mit mir ins Museum!“ Die Aufforderung stammt von einem älteren Flyer, die einen Mann mit Rückenkraxe ziert und der sagt einem, wo´s lang geht. Ins Museum Ladin in Ciastel de Tor in St. Martin im Thurn dort, wo Alta Badia beginnt. Museum? Wer jetzt als erklärter Kulturbanause gequält aufstöhnt, tut dies vergebens: Diese Museum ist großartig, die Information sind wohldosiert, mit viel Esprit und didaktischem Geschick ersonnen, ein animiertes und animierendes „Mitmachmuseum“. Allein die bauliche Situation ist ungewöhnlich: Das Schloss, als Wohnturm 1230 schon erwähnt, ließ zunächst den Bozener Architekten und den Wiener Gesamtkoordinator Dr. Bogner erst mal aufstöhnten. Was machen wir bloß mit einem Turm? Aber gerade in der dreistöckigen Ausstellung liegt heute der Reiz: so intim, so eingebunden in ein beredtes altes Gemäuer. Wer etwas über die Menschen mitten in den Dolomiten begreifen will, dieses Wechselspiel von Isolation und Öffnung,

als Spielball der Mächtigen, wer diese etwas über diese Identität spendende Sprache erfahren will, muss „tl museum.“ Und weiter wandern durch die Viles, die sich vor allem rund um La Val erhalten konnten. Statt der alleinstehenden Berghöfe in den Nordalpen gruppieren sich hier einige Häuser um eine Kapelle – drei, vier Familien halfen zusammen im Sinne von Nachbarschaftshilfe und Sozialgefühl. Und im Sinne von sensiblem Umgang mit der Natur. Der Wald wurde dort, wo Gefahr von Lawinen oder Erdrutschen bestand nicht abgeholzt. Keiner käme auf die Idee ein Haus dort zu bauen, wo es reißenden Bächen und Stürmen ausgesetzt wäre. Die Häuser stehen so, dass sie die maximale winterliche Sonneneinstrahlung aufsaugen können, vermieden Öffnungen gegen Norden und die Erbauer wussten um eine Bürde: Schnee! Drum waren die Dachflächen um ca. 25° geneigt… Gerade heute, wo Nachhaltigkeit und ein umweltverträgliches Leben wichtiger werden ist die Umgebung von La Ila ein Brückenschlag von der Vergangenheit ins Hier und Heute. Jetzt geht es schon wieder los mit der Dreisprachigkeit: La Ila, La Villa oder auch Stern auf 1483 Metern ist der Hauptort der

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Es gibt keine schöneren Berge als die Dolomiten. Den Namen haben sie vom französischen Geologen Deodat de Dolomieu (1750–1801), vorher hießen sie „Monti pallidi“, die bleichen Berge. Und so heißen sie auch noch in den ladinisdchen Sagen und Legenden rund um La Villa, wo Zwergenvölker hausen und der „orco“ sein Unwesen treibt

Gemeinde Abtei und liegt inmitten des Gadertales am Fuße des Gardenazza und dem Piz La Ila. Der natürlich bekannt ist wegen des Weltcup Riesenslaloms auf der „Gran Risa”, alljährlich im Dezember. Und auch wenn es da ein großes VIP-Zelt gibt und jede Menge Promis, stehen schon auch die Einheimischen im Zielraum, all die Pizzinins zum Beispiel – so heißt man hier gerne. Und die reden untereinander ladinisch. Hat ja auch Vorteile, so ein Geheimkodex, kann man lästern über den Mann mit den Fellstiefeln und der Brille in der Größe von Klodeckel… Ansonsten redet man eher italienisch, das Deutsche bereitet oft Mühe, die harte, schwere Sprache. Findet auch Enrico Nagler, der sich für sein schlechtes Deutsch entschuldigt und dafür, dass das Shetland Pony des Hofes selbigen geflutet hat. Der gewitzte Bursche kann Riegel öffnen und Wasserhähne aufdrehen. Enrico Nagler lebt auf Maso Runch, einem typischen Viles Anwesen. Er ist gerade dabei das Festtags-Pferdegeschirr zu fetten. Feinstes Leder, feinste Arbeit der Silberschmiede an den Beschlägen – Enrico ist die Bewunderung peinlich, genau wie die Bewunderung für seinen Hof. Maso Runch hat eine der schönsten und authentischsten Stuben im Gadertal und jeden Abend servieren die Naglers ladinische Kalorienbomben für ihre Gäste. Gäste, die sich in der Stube wie eine Großfamilie fühlen. Essen ist die wichtigsten Nebensache in Alta Badia, mal Schmalzgebäck, Schlutzkrapfen und Schweinsstelzen al la Runch, mal Gourmetküche – aber auch die bedient sich der heimischen Produkte. Weil das Einfache, Klare trotz so manchem Promiauftrieb die Seele in Alta Badia ausmacht.

ZWISCHEN STERNEN UND SKATING „Eins versteh ich ja gar nicht: Wie kann man beim Laufen einen Walk Man aufhaben?“ Nein, das versteht ein Mann nicht, der auf einem Hof hoch über dem Tal lebt, ohne TV aber dem täglichen Fern-Sehen in die Berge. Norbert Niederkofler hebt sich wohltuend ab von den hektischen alerten Fernsehköchen. Die ihre Kreativität schon per Selbstdarstellung vor sich her tragen. Norbert hätte durchaus im italienischen Fernsehen gekocht – mit Kindern – aber das versprach dem Sender nicht die nötigen Einschaltquoten. „Bewusstes Leben und Denken lässt sich nicht verkaufen. 29 von 30 Kochsendungen kannst du einstampfen“, sagt er und dass „es Kochbücher gibt mit Rezepten, die gehen einfach nicht “Also kocht Norbert da, wo er seit 15 Jahren verwurzelt ist: Im Hubertus in St. Kassian, da ist er der Sternekoch, der Exaltiertes hasst. Der neugierig ist und manchmal fast drunter leidet, dass seine Gäste Lieblingsgerichte haben, die über die Jahre auf der Karte bleiben müssen. Lieber würde er experimentieren. „Wenn du auf die Vorgaben der Natur hörst, brauchst du wenige Rezepte.“ Bei Norbert schmecken Bohnen wie Bohnen, klar und sauber. „Wenn du die Augen zumachst, musst du wissen was du isst“, sagt Norbert. Also Augen zu, als Test reicht er und etwas: Schmecken, überlegen! Das ist Brot, klar, aber Brot, wie es früher mal geschmeckt hat. Brot, wie es heute keins mehr gibt. Norbert bäckt selbst, aus einem Sauerteig, aus einem speziellen Mehl. Er hat in die Norbert Niederkofler (li.) und Alex Ploner (re.)

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Profi-Küche einen alten Holzofen einbauen lassen – für die Polenta. Den alten Weg zum Everest, den die Tibeter mit den Yaks gehen, ist er gegangen, im Herbst wird er in Indien kochen und Catering fürs Formel Eins macht er auch. Norbert vereint das scheinbar Unversöhnliche und macht, was ihm und anderen gut tut. 18 Kilo hat er abgenommen, einer der vorher wahrhaft nicht dick war. „Ich hab eine neues Lebensgefühl“, natürlich auch dank seiner Mitläuferin, einer ehemaligen Spitzenathletin, die ihn „richtig schindet.“ Gut, ein bisschen kokettiert er da schon: Bis er 17 war fuhr er Skirennen. Er radelt zum Frühstück der Falzarego-Pass hoch. Es gibt dieses legendäre Bild, wo er mit einem Tisch frei schwebend über dem Abgrund hängt, wo es richtig runter ging. Sportlich war der Mann schon immer. Tel. +39 0471 849500, rosaalpina.it

ZWISCHEN LUFT UND LUFTSPRÜNGEN Am wenigsten sieht ihn Bologna. Dort studiert er Bauingenieurwesen, zumindest zeitweise oder selten… „Ich bin nicht so der für Büro“, lacht Alex Ploner, der zwei Sportseelen in seiner Brust hat: die eines Adlers und die eines Raubeins. Der Adler in ihm ist mehrmals Drachenflugweltmeister geworden und zwar in der flexiblen Klasse und bei den Starrflüglern. Das Raubein fährt internationale Motorschlittenrennen mit tollkühnen Luftsprüngen. Gleich bleibt sich, dass man kühn sein muss und überlegt zugleich. Mutig aber nicht übermütig. Und ein Exot, irgendwie. „Dieser ganze Fußball-Hype ist der Tod für die kleineren Sportarten. Entweder man liest über Fuß-

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reise Infos La Villa

Einst sagte der französische Maler Le Corbusier über die Dolomiten, sie seien „Das schönste architektonische Kunstwerk der Welt“. Am schönsten im Sonnenuntergang, das typische Alpenglühen heißt „enrosadira“ – rote Gipfel genannt: bei Abenddämmerung färben sich die schroffen Gipfel rötlich und es entsteht eine Berglandschaft wie aus dem Bilderbuch

ballspiele oder in der spielfreien Zeit, über die Affären. Wenn aber die kleinen Sportarten aussterben, ist das wahnsinnig schlecht für die Kids. Eine Vielfalt an Sport wäre so wichtig.“ Und das Drachenfliegen selbst? Ist das nicht auch am Aussterben? Alex wiegt den Kopf hin und her. „Nein, aussterben werden wir nie, aber die Schulung von Anfängern ist das Problem. Paragliden lernt man schneller.“ Und dann wiegt Alex Gerät halt auch rund 50 Kilo, das er zum Startplatz hoch schleppt. „Mit der Großgondel ging das noch gut, heute mit den Kleingondeln pass ich nicht mehr rein.“ Rund 200 Stunden fliegt er im Jahr und am liebsten zuhause. „Über Fanes zu fliegen ist doch so, dass einem das Herz aufgeht.“ Alex ist Bergflieger, „das ist schwieriger wegen der komplizierten Luftsysteme“. Denn die Luft ist nicht überall gleich. Die nächste Weltmeisterschaft ist übrigens in Schwangau im Allgäu. Im Mai wird der Luftdominator wieder abheben. 12 Tage lang, die Wegpunkte gibt das GPS vor. Das ist ähnlich wie bei Segelregatten, „bloß hat die Luft halt keine Bojen.“ Passiert ist ihm noch nie was, nur einmal musste er den Rettungsschirm ziehen. Seine Mama ist auch abgehärtet, der ältere Bruder hatte da schon Vorarbeit geleistet. Auch Norbert Niederkofler ist früher geflogen, bis zu jenem Tag, als er die Landung verpatzte und mit dem Allerwertesten über bockhart gefrorene Maulwurfshügel geschliffen wurde. Information unter: Tel. +39 0471 849424, gran-paradiso.it, Wohnen bei den Eltern von Alex. <<

AUSKUNFT >> Tourismus Verband Alta Badia, Tel. +39 0471 836176, altabadia. org und dolomitisuperski.com REGIONAL SCHLEMMEN >> Runch, Runch 11, Tel. +39 0471 839796 Lüch de Survij, La Val, Tel. +30 0471 843149 Es gibt noch eine Reihe weiterer Bauernhöfe, die ladinische Degustationsmenüs haben. Pizzeria S. Leonardo in Pedraces, soll mal einer sagen Pizza sei langweilig. Auch nette Zimmer, albergo-sanleonardo.it, Tel. +39 0471 839742 San Croce Hospiz, die Kreuzkofel Gruppe im Rücken – die Dolomiten Szenerie ist wirklich atemberaubend auf 2045 Metern. Tel. +39 0471 839632 Tags Abhängen >> Durni’s Pub & Billards, La La Villa; Jandos Music Bar und La Bercia Pizzeria, La Villa; Franz “da la Vedla”, St. Kassian UND DANN HÜTTEN ÜBER HÜTTEN La Brancia: Terrassen in drei Himmelsrichtungen, ein Blick zum Malen schön Bamby Hütte: Otto Pitscheider stammt aus einer alten ladinischen Familie, die immer schon große Skifahrer waren. Der Beweis: Herrliche alte Fotos, sogar von der Tante, die mit Rock Skigefahren ist Trausines: Willi Agreiter hat in einer Werbebroschüre des Tals Folgendes stehen: „Wenn sie Pommes mögen, kommen sie nicht. Die haben wir nämlich nicht.“ Auf Trausines, was ein alter Flurname ist, gibt es dafür herrliche Grillteller und perfekte Polenta. Und dazu einen sensationellen Blick bis zur Marmolada. La Para Hütte: eine ganz Schnuckelige. Barhocker, Tische und Liegenstühle,

zum Hängenbleiben schön. Zum Essen gibt es üppig belegte Panini oder den La Para Teller: Polenta, Bratwurst, Pilze, Käse. Las Vegas: Hoch oben am Piz Sorega, wo die Sonne lange verweilt, die besten Liegestühle. La Fraina: alles was eine Hütte braucht, warmes Holz, feine Küche. L´Ciampai: wirklich tolle Küche und auch ganz besonders leckere Pizza und zudem der Blick auf drei Lifte zum Leute-Schauen. Saraghes: ein bisschen weg vom Schuss an der „Hintenrum Abfahrt“ nach San Kassian und Armentarola, wunderbares Essen, herrlich am Nachmittag; immer noch ein ein bisschen Geheimtipp-Status Trappers Home: Wo man sich die Story von der Bärenhöhle erzählt und auf Fellen sitzt, dazu edle Weine, perfekt. La Marmotta: Neu und wirklich geschmackvoll, Ladinisches aus Eigenproduktion, die Schnäpse haben Gehalt. Cherz Hütte am Cherz: romantisches Diner Club Moritzino am Piz La Ila: Beautiful People bei Prosecco und Fischgerichten Utia Piza Trieste am Piz Trieste: einheimische Küche. NACHTS SCHWÄRMEN >> Hugs Bar in St. Kassian; Cocktail Lounge Bar “Toccami” c/o Hotel Marmolada, Corvara; Weinbar im La Siriola (Reservierung unter +39 0471 849445) SICH BETTEN >> Rosa Alpina und Gran Paradiso oben im Text. Hotel Gran Ander, liebenwertes familiäres Haus in Pedraces, granander.it Hotel Sanvi in Campill, Tel. +39 474 590104, unprätentiöser Gasthof abseits des Trubels GELD AUSGEBEN >> Bauernhof Pcëi in San Cassiano, Str. Pecëi 17, Te. +39 0471 849286, hausgemachter Käse und Milchprodukte sowie Fleisch Bauernhof Chi Prà in Badia, Str. Parüs 7, Tel. +39 0471 839575, Direktverkauf von hausgemachten Käsesorten KULTUR SCHNUPPERN >> Das Ladinische (oder Rätoromanische) ist seit ca. 1500 Jahren auf dem Rückzug. Heutzutage bestehen noch vier ladinische Sprachinseln: Graubünden (Schweiz), Dolomitenladinien, Comelico und das Friaul. Das Ladinische Institut „Micurà de Rü“ befasst

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dav-mountainbikeschule.de

ter über Break Out Sport, La Villa, Tel. +39 0471 847763 AKTIV SEIN WINTER >> Ski: 130 km Pisten, ein eher sanftmütiges Gebiet auf dem Höhenzug zwischen Corvara und S. Kassian; zackig: Weltcuppiste Gran Risa Achtung Kult: Alta Badia ist auch Einstieg in die Sella Ronda: Immer an der Wand lang, rund um den Sellastock ist ein Dauerbrenner. Und das, obwohl das skifahrerisch wegen vieler Querungen teils ganz schön fad ist. In den 70ern war es schon Rekord, einmal rum zu kommen, wohlig-schaurige Geschichten im Gepäck von zu Berge kriechenden Einer-Sesselliften, die dank Stromausfall in eisigen Winden auch mal stundenlang schaukelten. In den 80ern war es Rekord, zusätzlich zur Sella Ronda Abstecher auf die großen Pistenklassiker einzustreuen: Die Porto Verscovo in Arabba, die Saslonch in Gröden, die Gran Risa in Alta Badia. Und heute, kann man diese runde Sache zweimal schaffen, weil pfeilschnelle neue Anlagen die Transportzeiten fast auf die Hälfte verringert haben. Die Sucht bleibt. Achtungnochmals Kult!: Mit einem Taxi ist der Falzarego Pass erreichbar, hier startet die Gondel zum Lagazuoi. Und dann eine schwindelerregende Gondelfahrt und danach 12 km Abfahrt durch Felsen und Eis, die wahrscheinlich schönste Alpenpiste; ab dem Campingplatz noch ein Schmankerl für Pferdefreunde: Ziehdienst mit Haflingern Achtung Kult zum dritten: Mittagstal und Edelweißtal bei ausreichend Schneelage, Infos über altabadiaguides.it Langlaufzentum in Armentarola und Rodelbahn von den Störes Wiesen nach Armentarola. Insider-Tipps Geführte Wanderungen auf den Spuren von Legenden: jeden Tag eine andere Wanderung, buchbar bis zum Vortag bei allen Tourismusbüros. Hochseilgarten Colfosco mit 5 unterschiedlich schweren Parcours, Infos über altabadiaguides.it Sitting Bull Ranch, Reiten mit Raimund Mühlmann, dem umsichtigen Trekkingwanderführer, ein echtes Erlebnis, sittingbullranch.com.

Foto: Andreas Strauß

sich mit der Erhaltung und mit der Förderung der ladinischen Sprache und Kultur, micura.it, Tel. +39 0474 523110 Museum Ladin, museumladin.it, das Muss. AKTIV SEIN SOMMER >> Helfer: Bergführer Verein Alta Badia, Tel. +39 0471 836898, altabadiaguides.it Zweimal Naturpark: Der Naturpark Fanes-Senes-Prags liegt in den Pragser Dolomiten. Der 1980 eingerichtete Naturpark umfasst ca. 25.680 Hektar. In der Hohen Gaisl wird eine Höhe von über 3100 Meter erreicht. Touristischer Anziehungspunkt ist der Pragser Wildsee. Durch den Naturpark verlaufen Teile der Dolomiten-Höhenwege Nr. 1 und 3. Der Naturpark Puez-Geisler erstreckt sich über ein Gebiet von 10.703 ha und ist gekennzeichnet durch die Verschiedenartigkeit seiner geologischen Strukturen. Die durchschnittliche Höhenlage des Naturparks beträgt 2500 Meter. Die wichtigsten Gipfel: Furchetta, der Sass Rigais, der Sass de Putia, der Pzes de Puez, der Sassongher und die Cirspitzen. KLETTERSTEIG >> Tru Dolomieu, San Cassiano/Armentarola, vor der großen Brücke links bis zur Hütte „Capanna Alpina; vom Ausgangspunkt führt der Weg zunächst steil, dann wieder flach zum Tageda Joch auf 2157 Metern, (2 Std. ca.). Von hier aus geht nach links (Westen) der Steig, der durch das Vallon di Lavares in Richtung Spitzen der Cunturines und Lavarella ansteigt. Auf Schotterfeldern aufsteigend, führt der Steig am kleinen Cunturines-See vorbei und zum Piz delle Due Forcelle (2929 m). Weitere Klettersteige auf dolomiti.org Sella Ronda per Bike: (Lesen Sie ab Seite 66) In Begleitung eines Mountainbike Führers und mit Zuhilfenahme der Bergbahnen für den Aufstieg auf die vier Dolomitenpässe Grödnerjoch, Campolongopass, Pordoijoch und Sellajoch lässt sich die Umrundung des Sellamassivs mit dem Mountainbike in einem Tag bewältigen. im Uhrzeigersinn 58 km, ca. 3400 Höhenmeter; gegen den Uhrzeigersinn werden 53 km und 3000 Höhenme-

Für Strampler, Bergradler, Abfahrer

Mountainbike 2010 Kurse & Touren Wir sind Ihre kompetenten Partner für Einstieg und Weiterbildung in allen Alpinsportarten. Unser Programm für 2010 bietet über 1500 Kurse & Touren, z. B. ■ MTB-Fahrtechnikkurse ■ Freeridekurse ■ Tages- & Wochentouren alpenweit ■ Transalp/Alpencross

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reise

Klettern an der Riviera delle Palme

Savona

Ferien zwischen Sanft fallen die Alpen ins Meer – in Savona, einer Provinz Liguriens haben die Besucher die

M

ildes Klima und die Schönheit der Natur tun ihr übriges um sportlichen Gästen die Ferien zum reinen Genuss werden zu lassen. An der 1500 Kilometer langen Küste zwischen Varazze und Andora konkurrieren das Blau des Meeres mit dem Grün der Olivenbäume und Pinien. Die Küste bietet Strände und verwunschene Städtchen, in denen das Leben pulsiert. Vespas knattern durch die Straßen. Touristen und Einheimische treffen sich in den Cafés und Restaurants, auf den Strandpromenaden oder Küstenwegen. Man hat Zeit in Savona und genießt das Süße Leben – La Dolce Vita eben. Im Kontrast zur Küste mit ihrem milden Klima steht die raue und alpine Bergwelt des Parco Naturale Regionale del Beigua, der östlich von der Stadt Savona liegt. Er ist mit fast 20.000 Hektar der größte Naturpark in Ligurien. Mediterrane Macchia, Zypressen, Agaven, Korkeichen, Buchen, Bergahorn prägen die Landschaft und eine Duftmischung aus Thymian, Oregano und Basi-

Häuserfront in Millesimo

likum liegt in der Luft. Vom Gipfel des 1287 Meter hohen Monte Beigua wandert der Blick von Korsika bis zum Monte Rosa, von der Côte d’Azur bis zu den Apuanischen Alpen. Für Mountainbiker, Wanderer und Kletterer ist der Park ein Gedicht – 400 Kilometer windet sich der ligurische Höhenweg, die Alta Via, durch die Landschaft. Längs des Wegs trifft man auf Ruinen, mittelalterliche Dörfer, Wallfahrtsstätten, Votivkapellen und bizarre Felsmassive. Wer Glück hat, kann so seltene Vogelarten, wie Wespenbussard, Fischadler, schwarzen Milan, Gabelweihe, Schlangenadler, Sperber, Mäusebussarde, Turmfalken und Zwergadler beobachten, parcobeigua.it. Das Gebiet um Finale Ligure, im Süden der Stadt Savona, ist das Mekka der Biker. Anspruchsvolle Single-Trails für Mountainbiker und Freerider locken ebenso, wie leichte Touren für Genussradler. Für Wanderer gibt es Touren zu kleinen mittelalterlichen Dörfern, römischen Brücken, Menhiren und prähistorische Gräbern.

Auf den Trails von Finale Ligure

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Die kleine Gemeinde Balestrino

Mountainbiken in Finale Ligure

Fels und Meer

£ Gabi Dräger

Möglichkeit, Berge und Meer an einem einzigen Tag entspannt miteinander zu verbinden

Albenga, an der Mündung des Wasserlaufs Centa, gilt als das bedeutendste historische Zentrum der Riviera di Ponente. Besonders sehenswert sind die noch heute erkennbaren Spuren der römischen Straßen, die mittelalterlichen Stadtmauern sowie die Kathedrale und Taufkapelle, zwei ehrwürdige frühchristliche Bauten, die von Kaiser Konstantin erbaut wurden. Eine besonders Note erhält die Altstadt durch den spitz zulaufenden Majolika-Glockenturm und die beiden Türme der Loggia des Palazzo Vecchio. Sandstrände und Steilküsten über glasklarem Meer sind das Markenzeichen der ligurischen Palmenriviera. Kleine Buchten, lang gestreckte Sandstreifen und Kiesstrände mit weißem, rosa oder golden schimmernden Sand sind ideal zum Entspannen. In Alassio, Loano oder Finale ist der Sandstrand bis zu 50 Meter breit und das Meer sehr seicht und somit für Kinder bestens geeignet. Die Felsenufer, die einen Großteil des Küstenstreifens kennzeichnen, setzen sich unter Wasser oft bis zu einer Tiefe in

Zuccarello mit der Ponte Romano

schwindelerregenden Steilwänden fort. Am Capo Mele, der Insel Gallinara, Capo Noli und Capo Vado findet man eine steile Unterwasserwelt von ungeahnter Schönheit. Die nur elf Hektar große Gallinara ist eine kleine Quarzit-Insel, die nur anderthalb Kilometer vor der Küste von Albenga liegt. Ihr Name soll von Wildhühnern stammen, die einst in großer Zahl auf dieser Insel gelebt haben sollen. Schon in spätrömischer Zeit wurde die Insel von Einsiedlern bewohnt. So lebte Martin von Tours, der Heilige Martin, im 4. Jahrhundert in einer Felsnische über dem Meer. Später errichteten die Benediktiner hier ein Kloster. Aufgrund der Abgeschiedenheit der Insel hat sich eine reiche mediterrane Pflanzenwelt erhalten. Fahrradprofis wie Fausto Coppi, Felice Gimondi, Vittorio Adorni machten sich an der ligurischen Palmenriviera für die nächste Saison fit. Auf den Spuren der Profisportler können auch die weniger geübten Radler in dieser Gegend ideale Bedingungen für ihre Touren vorfinden. Für Radfahrer, die die Straße be-

Blick auf den Sandstrand von Finale Ligure

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reise

vorzugen, gibt es kaum etwas Besseres, als umgeben von den Farben des Meeres und den Düften der Natur, der Via Aurelia zu folgen. Noch interessanter sind die Strecken im Binnenland, auf denen Mountainbiker eine leichte Tour durch Buchen- und Pinienhaine machen können, bis sie den ersten Anstieg erreichen, der den Experten vorbehalten bleibt. In der Gegend von Finale gibt es sogar Räder mit einem besonderen Lenker für enge Passagen durch die steil ins Meer abfallenden Felsen. Nicht zufällig ist die ligurische Palmenriviera mit ihrem herrlichen landschaftlichen Szenario ein beliebter Treffpunkt der Freeclimber. An den ins Meer abfallenden Steilwänden aus weißem porösem Kalkstein trifft sich die internationale Klettergemeinde. Über 2000 Routen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade warten darauf bezwungen zu werden. Eines der meistbesuchten Gebiete ist sicherlich das Binnenland bei Finale, wo sich 20 Klettergärten mit mehr als 1500 Routen aller Art befinden. Dort kann man sich übrigens täglich zum Kletterunterricht anmelden.

Die landschaftlichen Schönheiten der ligurischen Palmenriviera erschließt sich am Besten beim Wandern. Die Wanderwege sind zu jeder Jahreszeit spannend. Sie ermöglichen Ausflüge auch mitten im Winter. Im Frühling und Sommer ist es angenehm in der duftenden mediterranen Macchia und im Schatten der ausgedehnten Pinien- und Buchenhaine zu wandern. In den Tourismusvereinen gibt es Führer mit dem umfangreichen Wanderwegenetz. Die Straße des Weins und des Olivenöls führen quer durch die Palmenriviera. Weißweine wie Pigato oder Vermentino, Rotweine wie den Rossese-DOC „ Riviera Ligure die Ponente“ und den IGT „Colli Savonesi“ stehen für die gute Qualität. Das Olivenöl DOP „Riviera del Ponente Savonese“ ist die ideale Beigabe für die Mittelmeerküche. Artischocken von Albenga, Basilikum für Pesto, Kastanien, Pilze und Trüffel sind die typischen Produkte Savonas. Die Spezialitäten durch die Nähe des Meeres natürlich sind Fischgerichte, vom Netz frisch auf den Tisch. Torta pasqualina, eine Gemüsetorte, Kürbistorte, Kichererbsentorte, weiße Polenta, Ravioli mit Kräuterfüllung, Kaninchen ergänzen den Speiseplan. Die Amaretti aus Sassello schmecken gut zu einem Espresso oder einem Amaretto. Savona verspricht sportliche, erholsame und genussreiche Ferien für Italienliebhaber. <<

Reiseinformationen AUSKUNFT >> Provincia di Savona, Servizio Promozione

restlichen Italien und dem benachbarten Frankreich. Flughäfen:

Turistica, Via Sormano 12, I-17100 Savona, Tel. +39 019 8313326,

Genua, Villanova d’Albenga und Nizza. Ein gut ausgebautes

tourismo.provincia.savona.it

Autobusnetz verbindet die Küste mit dem Hinterland.

LAGE >> Savona ist eine Provinz in Ligurien in der Küstenregion

BESTE REISEZEIT >> Ganzjährig, es gibt keinen Winter an der

Nordwestitaliens.

Riviera. Frost ist ein Fremdwort.

ANREISE >> Die Palmenriviera ist ganz leicht zu erreichen. Die

LITERATUR >> Rother Wanderführer, Italienische Riviera,

Eisenbahnverbindungen Mailand-Genua-Ventimiglia und

Ligurien West – Genua bis San Remo, Martin Locher, 12,90 Euro,

Turin-Savona, die Autobahn A10 Genua-Ventimiglia und die

erscheint im April 2010, rother.de

Autobahn A6 Turin-Savona verbinden die Riviera mit dem

INTERNET >> parcobeigua.it, riviera-bike.it, rivieradiving.it

Fotos: Archivio APT; Alessandro Beltrame; Archivio Provincia Savona; Agenzia Regionale „in Liguria“ (4); Silvio Massolo

Downhill-Biken in Varigotti bei Finale Ligure

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reise Familienservice

Ein „delikates Tier“ – oder: Ohne Moos nix los Weihnachten ist vorbei und die Schoko-Weihnachtsmänner sind längst Osterhasen geworden. Aber einer ist immer noch da: Rudi the red noosed Reindeer. Hat er sich verflogen? Das Hochpustertal gibt kurz entschlossenen Osterurlaubern tierische Antworten.

N

ur kurz kam Rudl Egarters Rentierbegeisterung ins Wanken, nämlich dann, als Rudolf ihm sieben Rippen gebrochen hatte, er sich eine Leberblutung zuzog und ziemlich zerschunden im Gesicht war. Rudolf war in der Brunst und Rudl dachte „der kennt mich doch“. Das war dem Rentierhirsch im Hormonrausch aber egal, kurzum, er attackierte den vermeintlichen Rivalen. „Das war halt ein Lernprozess, das Tier konnte nix dafür“, sagt Rudl, seines Zeichens Betriebsleiter der Rotwand Bahnen im Südtiroler Hochpustertal. Konnte er auch nicht, sonst ist Rudolf nämlich ein Schmuser, und zieht den Schlitten ganz bravourös. Über den Schlitten kam das Skigebiet auch zu den Rentieren. Man hatte schon länger als Attraktion für Kinder Motorschlittenfahrten angeboten, die Kids fanden das lustig, die Erwachsenen hingegen laut und stinkend. Ein anderes Zugtier musste her. Haflinger, Esel? „Ich hatte schon mal flüchtig an Rentiere gedacht, aber das dann wieder verworfen“, erinnert sich Rudl. Aber doch: Der Gedanke setzte sich fest. Er fuhr nach Finnland, informierte sich, lebte bei Rentierbauern und importierte dann vier junge Rentiere. Den dazugehörigen Bauern nahm er gleich mit, der blieb zwei Wochen in Sexten, um die Tiere einzugewöhnen, die Futterumstellung zu kontrollieren und mit Rudolf schon mal zu trainieren. „Du darfst ihnen nicht in die Augen schauen“, wusste der Finne und noch viele weitere kleine Details, die das Zusammenleben mit den Rentieren verbessern. Dennoch: „Das ist ein wahnsinnig delikates Tier“, sagt der Südtiroler, „mit sehr sensibler Verdauung“. Rentiere bekommen leicht Durchfall; meist handelt es sich um eine leichte Verwurmung. Wenn man nicht täglich den Kot kontrolliert, kann die Situation schnell entgleisen. „Die sterben binnen zwei Tagen,

Nicola Förg

wenn man nichts macht“, weiß Rudl und schaut Rudolf verliebt an. Der schaut huldvoll zurück und zieht mit seiner – inzwischen auf 11 Rentiere angewachsenen Herde – auf die Skipiste. Da liegen dann völlig entspannte Rentiere mal so rum, in Südtirol mit etwas weniger Pelz als im hohen Norden, weil nichts so kalt wird. Und im Sommer? „Wir hier auf 2000 Meter erreichen die Höchstwerte des finnischen Sommers nicht. In Finnland hat es auch mal 30 Grad. Die Temperatur ist kein Problem, wenn die Tiere einen kühlen Unterstand haben. Hier ist der Vorteil, dass sie zwei Drittel weniger lästige blutsaugende Insekten wie zuhause haben.“ So ein Südtirol Rudi hat´s also gut und Familien mit Kindern auch, denn Rudi hat Starqualitäten und während ihn die Kids „belästigen“, kann der schnelle Papa oder die zackige Mama mal abdüsen: Perfekt geneigte Hänge im Rotwand Skigebiet, dreieinhalb Kilometer für Carving-Schräglagen, einfach mal so richtig Gas geben in den Waldschneisen, die zudem auch noch wunderbar pulvrigen Schnee konservieren. Auch drüben am Helm gibt’s die viereinhalb Kilometer Talabfahrt und spätestens beim Taxidienst zwischen den Gebieten ist die ganze Familie wieder dabei: da geht’s nämlich schon wieder tierisch ab. Lange flache Schlitten warten im Tal, von Norikern gezogen, einer Kaltblutpferderasse, die man gerade im Pustertal wieder mit viel Engagement und Herzblut züchtet. Wer mag, darf sich auch hinter an ein langes Seil anhängen manche Kids könnten den ganzen Tag so hin und her fahren. Wie Luzia: „Ich bleib mal bei den Pferden, weil Rudi mal eine Pause machen muss.“ Sie überlegt kurz: „Pferde sind schon praktischer. Die fressen alles. Rudi frisst Moose und Flechten und die gibt hier gar nicht. Der kriegt ein Spezialfutter von Rudl, sonst pupst er dauernd!“ Also Rudi, nicht Rudl! Reisen bildet und das ist halt nicht der Nordpol. <<

Fotos: TVB Hochpustertal

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Information Tourismusverband Hochpustertal, I-39034 Toblach, Tel. +39 0474 913156, hochpustertal.info und rotwand.it, Homepage des Skigebiets von Rudolf und Rudl Insidertipp >> Von der Rotwand gibt es etwa, das sicher für bekennende Skiweghasser ein Horror ist: Der Skiweg hinüber zum Kreuzbergpass. Landschaftlich sind das aber hinreißende drei Kilometer. Und der Gasthof am Kreuzbergpass, hier wo sich Südtirol und Venetien auf luftiger Höhe treffen, gehört nun mal zu den absoluten Traum Logenplätzen in den Dolomiten: Die Rotwandspitze genauso vor der Nase wie einen frischen Weißwein – La Dolce Vita ist ein Kreuzbergpass Erfindung. kreuzbergpass.com Gut und urig Essen >> Putschall: in Sexten, ein 300 Jahre altes Bauernhaus wurde in Putschall am Großglockner abgetragen und in Sexten am Fuße der Rotwand liebevoll zum Gasthäusl & Bar umgestaltet. putschall.it Apres & Hütten >> Helm Restaurant, Lärchenhütte, Hahnspielhütte – alle Helm; Rotwandwiesenhütte – Rotwand; Kreuzbergpass Familientipp >> Das Ski-Special for Kids 2010 im Dolomiti Superskigebiet gilt vom 20./21.03.-11.04. Kids unter 8 (geb. nach dem 28.11.2001) zahlen nichts für Unterkunft und Skipass. Für alle Kinder bis 12 (geb. nach dem 28.11.1997) sind Hotel und Skipass zum halben Preis, beim Skikurs und Verleih der Skiausrüstung wird eine 20%ige Ermäßigung gewährt. Oster-Events 3. Helmissimo (20.03.) >> Der längste Riesenslalom des Hochpustertales vom Helm nach Vierschach Helm-Osterskiing (05.-11.04.) >> Das ist der Auftakt zu besonderen Genusszeiten am Helm. Helm-Abtrieb (11.04.) >> Großer HelmAbtrieb mit musikalischem Rambazamba

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Leichtfried Purner

Albert und Benedikt gelingt neue Eislinie in der Eisarena im Gasteiner Anlauftal ÂŁ

Â&#x2014; Hansi Heckmair

Benedikt Purner

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Eisklettern

1. SATZ: AUFSCHLAG PURNER Vom ersten Band geht´s gleich richtig zur Sache. Die von unten schier unkletterbar anmutende Platte erwies sich zum Glück nur als sauschwer, mangels Sicherungsmöglichkeiten möchte man am liebsten jeden eingefrorenen Grashalm einhängen. Mit etwas Kreativität kann man aber hier einen Hook hineindreschen oder findet auch Platz für Friends.

Nachdem wir am Mittwoch die beiden Klassiker „Supervisor“ WI 6 und „Seidenraupe Direkt“ WI 5 geklettert waren, blieben unsere Blicke immer wieder an der hauchdünnen Glasur hängen, die sich zwischen den Hans Zlöbl-Testpieces „Rodeo“ und „Land under“ durch die Arena zieht. unser Match für den nächsten Tag stand fest.

2. SATZ: AUFSCHLAG LEICHTFRIED Hier fällt die Vorentscheidung – möglich oder nicht? Über hauchdünne Glasuren geht der Weg steil nach oben, die sind allerdings nicht angefroren und ergeben sich gerne der Schwerkraft – mühsames Hin und Her ermöglicht das Anbringen von wenigen und nur schlechten Sicherungspunkten in Fels und Eis. Die folgenden leicht überhängen Meter weisen bereits nach dem ersten Pickelschlag kaum noch Eis auf, ein Weiterkommen scheint unmöglich. Ein Sturz in die miese Schraube unterhalb, kann nicht gut ausgehen. Doch Albert Leichtfried hat ein Ass im Ärmel bzw. am Gurt. 15 Minuten später ist dank Rocpec ein Bolt platziert und weiter geht der Nervenkitzel. Das vermeintliche Ende der Crux zeigte sich widerspenstig – wenn die 6 cm Eisschraube nur zur Hälfte reingeht darf man das Eis durchaus als dünn bezeichnen. Wenige Züge später steigt Albert über den Zapfen aus und kann die erste gute Schraube dieser Seillänge drehen – wenig später erfolgt der Satzgewinn, 1:30 hat er gedauert.

3. SATZ: AUFSCHLAG PURNER Nach pilzigem Beginn folgen noch einmal richtig steile Meter, hier hat sich ein spröder Röhrenvorhang über das Dach gebildet. Im Anschluss wartet wieder die berühmte dünne Glasur. Es leiden die Nerven und vor allem die Hauen der Eisgeräte – immer wieder erschrecken sie über den Fels unter der Glasur und springen verängstigt wieder heraus. Mit ein paar Schrauben und mit Hilfe der Freunde ist der Satzgewinn aber bald geschafft.

4. SATZ: AUFSCHLAG LEICHTFRIED Es bleibt dünn und spröde, aber es wird etwas flacher. Ende in Sicht, aber noch nicht ganz.

5. SATZ: AUFSCHLAG PURNER Die Entscheidung ist schnell herbeigeführt – nach dem Ende des Eises wird der Centercourt verlassen – 2 Sieger gehen vom Platz. Geblieben ist eine unglaubliche Linie mit unmenschlichen Schwierigkeiten – try it!

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bergsport a‚{ŠŠ{ˆ|~ˆ{ˆ

Kletterführer Steinplatte Mode macht auch vor Bergen nicht halt – Klettergebiete kommen, Klettergebiete gehen. Das war schon immer Jk\`egcXkk\ so. Die lange Zeit hinter dem mwzˆ„}{ˆiŠ{„†‚wŠŠ{ b…|{ˆ{ˆW‚ƒ b…|{ˆ{ˆiŠ{„x{ˆ} Wilden Kaiser gut versteckb{…}w„}{ˆiŠ{„x{ˆ} ^…~‚{}{„ <a‚{ŠŠ{ˆ} ˆŠ{„ ten Steinberge sind jedenfalls definitiv auf dem Vormarsch. Die Felsqualität an der Steinplatte ist sensationell, die 38 Seillängen der „Ende Nie“ am gegenüberliegenden Breithorn der populärste Long-climb weit und breit und die Routen von Alex Huber und Guido Unterwurzacher am Urlkopf markieren den aktuellen „state of the art“ des freien alpinen Sportkletterns. WziŠ…y{ˆ

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372 Seiten Buch und 96 Topokarten in Kunststoffschutzhülle, Panico Alpinverlag 2010, panico.de. Preis: 34,80 Euro

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Skitourenführer Silvretta Bei den Skitourengehern im Südwesten Deutschlands liegt die Silvretta schon immer hoch im Kurs. In J`cmi\kkX Partenen mit der Gondel hoch, dann die Taxihatz durch den engen Tunnel und schon steht man mitten in einem der besten Skitourenreviere der Alpen. Der neue Führer von Jan Piepenstock beschreibt alle lohnenden Routen auf der österreichischen Seite des Gebiets. Das Büchlein ist sowohl als Ganzes, wie auch bei den einzelnen Unternehmungen, wohltuend klar gegliedert, das Layout übersichtlich. Ein ausführlicher Ausflug ins Thema „naturverträgliches Skibergstiegen“ rundet den Führer ab. Wie von den Panico Skiführern gewohnt, sind alle Anstiege in Fotos eingezeichnet, was die Orientierung – zumindest bei gutem Wetter – deutlich erleichtert. Und bei schlechter Sicht muss ohnehin die 1:25.000er Karte her – nicht nur in der Silvretta. iŠ…‹ˆ{„<ix{ˆ}‰Š{}{„

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180 Seiten, Panico Alpinverlag 2010, panico.de. Preis: 19,80 Euro

Berglust war Medienpartner beim großen Outdoor- und Ski Branchentreffen der ispo 2010

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uf 1000 Quadratmeter bot der snow ice & rock summit körperliche Höchstleistungen beim German Bouldercup, ein packendes Programm mit Outdoor Fashion Shows und Slackline Akrobatik sowie Vorträge und Diskussionsforen zu spezifischen Outdoorund Ski-Branchenthemen. Berglust unterstützte die Veranstaltung mit kompetenter Moderation und Interviews.

Highlights präsentiert von Berglust Chefredakteurin Petra Thaller moderierte beim Branchentreff die Diskussionsrunde „Backcountry – Faszination und Risiken“. Auf der Summit Bühne diskutierten Experten aus den Bereichen Tourismus, Industrie, Hersteller, Lawinenschulung und Fachhandel die Entwicklungen im Bereich Backcountry. Für Klaus Kranebitter, Mitbegründer von SAAC (Snow Avalange Awareness Camps) liegt die Faszination von Wintersportarten in der Nutzung der beeindruckenden winterlichen Landschaft. Dies birgt jedoch Gefahren, die sich nicht offensichtlich darstellen. Die Lawinenkunde sieht er eher als gelebte Naturkunde und nicht als ein notwendiges Übel. Eigenverantwortung ist für ihn eine der wichtigsten Maßnahmen zur Risikominimierung beim Freeriden. Gleicher Meinung waren da Harry Wolf von der Skischule St. Anton und Roman Rohrmoser, Freerider von Marmot Mountain Europe. Als weiters Highlight Gäste begrüßte Petra Thaller die Piolet d’Or Gewinner Ueli Steck und Simon Anthamatten mit Ihrem Vortrag über die Erstbegehung der Tengkampoche Nordwand im alpinen Stil. Am 24. April 2008 gelangt den beiden Schweizern nach vier Tagen Aufstieg die spektakuläre Erstbegehung. In einem beeindruckenden Vortrag, mit atemberaubenden Bildern berichteten Ueli und Simon sehr ehrlich über den Verlauf und ihre Gefühle bei der Expedition. << -kh-

Fotos: Karsten Voigt (1); Max Bosse (1)

Adi Stocker legt jetzt einen neuen Führer vor, der dem Gebiet gerecht wird und ebenfalls neue Maßstäbe setzt – qualitativ und quantitativ gleichermaßen. Eine beeindruckend dicke Schwarte voll mit Topos, die den Begriff „kleine Kunstwerke“ verdienen, und mit Texten, bei denen schnell klar wird, dass da einer mit Herzblut bei der Sache war. Ein Führer, bei dem das schiere Haben und drin Schmökern schon so gut ist wie das Klettern selbst.

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Kurz vor der finalen Abfahrt nach Verbier passieren die Teams den Col de la Chaux: Zum Zuschauen und mitfiebern ein einmaliges Erlebnis. Am 24. April startet auch ein Team von Dynafit.

Patrouille des Glaciers – das weltweit längste Skitourenrennen Termin: 21. - 25. April 2010 – 53 Kilometer Distanz, knappe 4000 Höhenmeter im Aufstieg.

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in Blick auf die Landkarte zeigt, dass zwischen dem Start in Zermatt im Osten und Verbier, dem Ziel, im Westen 53 Kilometer liegen, verteilt auf 3994 Höhenmeter im Aufstieg und 4090 bei der Abfahrt, die erst einmal mit den eigenen zwei Beinen in der großen Höhenlage und in schwierigem Terrain bewältigt werden müssen. Um aber auch weniger gut trainierten Menschen die Möglichkeit zu geben, den Mythos der Patrouille des Glaciers zu erleben, zu spüren, zu fühlen wird neben der traditionellen langen Strecke auch eine kurze Strecke angeboten, bei der die Wettkämpfer erst in Arolla, also bei Halbzeit der langen Strecke, in den frühen Morgenstunden ins Rennen geschickt werden. Die Patrouille des Glaciers ist ein magisches Rennen, das eine einzigartige Anziehungskraft ausstrahlt. Kein anderer TourenskiWettkampf der Welt zieht so viele Leute an, die daran teilnehmen wollen und das, obwohl die Patrouille des Glaciers das längste Rennen ist, das in einer einzigen Etappe ausgetragen wird. Die klassische Strecke führt von Zermatt (1616 m) über Schönbiel (2660 m) auf die Tete Blanche (3650 m) und weiter über Col de Bertol (3279 m) und Plans de Bertol (2664 m) nach Arolla (1980 m). Von dort führt die Route auf den Col de Riedmatten (2919 m) und über

Pas du Chat (2581 m) gelangt man nach La Barma (2458 m). Der dritte Aufstieg führt auf die Rosablanche (3160 m). Dort beginnt der letzte Abschnitt über den Col de la Chaux (2940 m) und Les Ruinettes (2195 m) nach Verbier (1520 m). Diese Route wird unter Skibergsteigern auch als Haute Route-Nordvariante bezeichnet. Während bei fast allen Wettkämpfen, die im Pistenskigebiet ausgetragen werden, nur ein kleiner Leichtrucksack für Reservefelle, eine dünne Windjacke und eine Rettungsdecke notwendig ist, haben die Teilnehmer an der Patrouille des Glaciers vergleichsweise schwere Rucksäcke zu schleppen, in denen die Hochgebirgsausrüstung, samt Seil und Funkgerät, verstaut sein muss. Die Patrouille des Glaciers wird von der Schweizer Armee veranstaltet. Ohne die Hilfe der Armee wäre keine Patrouille des Glaciers möglich, denn nur diese kann die gigantischen Mittel aufbieten, die dieser außergewöhnliche Wettkampf erfordert. 30 Tonnen Material müssen ins Hochgebirge geflogen werden. Stundenlang dauert das Ballet der Hubschrauber. Der Wert des gesamten verwendeten Materials beträgt mehr als fünf Millionen Euro. Insbesondere um die Sicherheit der Teilnehmer während des Wettkampfes zu garantieren, muss der Ablauf bis ins kleinste Detail vorbereitet werden. Jede Patrouille erhält ein auf Empfang geschaltetes Funkgerät für den Notfall. Immerhin ist der gefährlichste Abschnitt des Wettkampfes in der Finsternis zu bewältigen, in fast 4000 Meter Höhe. pdg.ch <<

Hinaus in die Natur ! Die traumhaften Gipfel der Dolomiten laden ein zum Biken, Wandern, Klettern und Bergsteigen.

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Hotel Pider -B7BMt"MUB#BEJB

San Senese 22, I-39030 La Val (BZ) - Alta Badia - Südtirol - Tel. +39 0471 843 129 - Fax +39 0471 843 281 - reception@pider.info - www.pider.info

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Alta Badia

Die Seele von

Alta Badia

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Wer bei Sonnenschein in Alta Badia ankommt kann es sehen, das Glühen, das Strahlen des Sella Stocks, das einen nie wieder loslässt. Egal ob im Winter oder im Sommer, dieser gewaltige Gesteinsriese hinterlässt Spuren in der Seele des Besuchers und flüstert schon bei der Heimreise: „Komm bald wieder“.

£— Karsten Voigt

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bergsport

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eine Heimreise liegt etwa zwei Monate zurück, damals umrundete ich das Sella Massiv mit dem Rennrad anlässlich des Maratona dles Dolomites – 4190 Höhenmeter auf einer Distanz von 138 Kilometern. Für mich ist es das eindrucksvollste Rennen im gesamten Alpenraum. Auf dem Weg zu den Passhöhen findet das Auge Ruhe und das Herz schöpft Kraft und stärkt den Körper für weitere Anstiege. Seit 2009 lockt eine weitere Herausforderung ins schöne Alta Badia, die Sella Ronda mit dem Mountainbike. Unsere Reise steht unter dem Motto: Wenn der Vater mit dem Sohne… Der Vater bin ich, der Sohn mein Junior Patrick. Männerurlaub in Alta Badia – klingt gut. Da sind den Höhenmetern nur wenige Grenzen gesetzt. Um die Mittagszeit erreichen wir La Val (1348 m), eine der drei Gemeinden in Alta Badia. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein – im positiven Sinne. Ruhe, Natur und Tradition bestimmen den Rhythmus. Wir haben uns im Hotel Pider eingebucht, einem Bikehotel mit allem, was das Sportlerherz begeht. Markus Rubatscher, der Juniorchef ist selbst begeisterter Mountainbiker und Bikeguide und steht den Gästen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Uns juckt es in den Beinen, zu schön sind die umliegenden Herausforderungen, also starten wir nach einer kleinen Führung durch das gemütliche Familienhotel Richtung Heilig Kreuz Kirche. Start und Zielpunkt ist La Val. Die Heiligkreuz-Runde gehört zu den schönsten Mountainbike-Touren in Alta Badia. Der Anstieg hinauf zur gleichnamigen Kirche ist nicht sonderlich schwierig, die anschließende Abfahrt hingegen fordert doch schon einiges an Geschick und Erfahrung mit dem Bike. An der Heilig Kreuz Kirche beginnt ein technisch etwas anspruchsvollerer Singletrail Richtung St. Kassian. Von dort aus kehrt man auf ruhigen Nebenstraßen nach La Val zurück. Die Bilanz des ersten Tages: 30 Kilometer, 1300 Höhenmeter, genau das richtige Pensum für unseren Warmfahrtag. Die letzten 250 Höhenmeter einer jeden Tour ergeben sich übrigens aus der Auffahrt nach La Val – für Höhenmeterjunkies ein großzügiges Geschenk.

Die Pässe in Alta Badia sind gnädig, die Anstiege gemäßigt, die Abfahrten berauschend. Klanghafte Namen wie Passo Campolongo, Passo Pordoi, Passo Sella, Passo Gardena oder Passo Falzarego lassen die Herzen der Rennradfahrer weltweit höher schlagen. Das Gebirge hingegen ist rau und die Mountainbike-Touren in Alta Badia sind es ebenso. Durch Markus Rubatschers Adern fließt Mountainbiker-Blut, er liebt diesen Sport und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er versucht drei Mal in der Woche selbst eine Gruppe in die Berge zu führen. Beinahe möchte man glauben, dass er jeden Stein auf den Trails mit Namen kennt.

„Die Sella Ronda mit dem Mountainbike ist Spaß pur.“ Patrick

Am zweiten Tag zeigt uns Markus seine Berge – unser Ziel ist die Schlüterhütte. Kaum Asphalt, dafür viele Schotterwege und Singletrails. Für Patrick, der noch nicht so viele Höhenmeter in den Beinen hat, wird diese Tour schon zu einer größeren Herausforderung. Klettern gehört eben beim Mountainbiken in den Dolomiten zum täglichen Geschäft. Satte 2124 Höhenmeter und 45 Kilometer, mit einigen leichten Schiebepassagen, gilt es zu bewältigen. Die Aufgaben der Natur sind gerecht verteilt: Die milde Luft kühlt sanft unsere schweißnassen Arme während der Aufstiege, die wärmende Sonne des Südens trocknet den Rest bei der Abfahrt. Was wollen wir mehr? Unsere Blicke verharren auf den gigantischen Meisterwerken der Natur. Nicht umsonst wurden die Dolomiten im Jahr 2009 zum Weltnaturerbe ernannt. Die Begründung der UNESCO ist einfach.

Es ist die „einzigartige monumentale Schönheit“ der Dolomiten. Und genau das empfinden wir. Es müssen natürlich nicht immer gleich 2000 Höhenmeter sein. Für all diejenigen, die es lieber ruhig angehen lassen möchten, bietet die Region auch eine Vielfalt von Bikemöglichkeiten in Talnähe. Beispielsweise die Tour zu den ladinischen Bauernhöfen. 13,6 Kilometer und lediglich 360 Höhenmeter sind selbst für Familien leicht zu bewältigen. Alternativ dazu führt eine andere Route zu den Pisciadù Wasserfällen, hier überwindet man auf einer Länge von 8,2 Kilometern nur 320 Höhenmeter. Doch nun zurück zu uns. Eigentlich sind wir hier, weil wir nach Ski und Rennrad die Sella Runde dieses Mal mit dem Mountainbike erleben möchten. Wir treffen uns am nächsten Morgen pünktlich um 9.00 Uhr mit André Mersa, einem einheimischen Mountainbike-Guide, in La Villa vor dem Break Out (breakoutsport. it), dem dortigen Bike-Geschäft. Mit von der Partie sind Silvia und Jörg, ein Schweizer Pärchen. In La Villa ist auch unser Startpunkt der Tour. Die Sella Ronda Mountainbike ist eine geführte Tour, die von erfahrenen Mountainbike-Guides in den vier Talschaften um den Sella Stock angeboten wird. Bis dato stellte das wuchtige Massiv für den Mountainbiker eine uneinnehmbare Festung dar. Doch mit Zuhilfenahme der Bergbahnen für den Aufstieg zu Grödnerjoch, Passo Campolongo, Pordoi- und Sellajoch ist eine Umrundung mit dem Mountainbike an einem Tag in jedem Falle machbar. Das Zeitfenster reicht Ende Juni bis Ende September und die Kosten von 40 Euro pro Person beinhalten sämtliche Auffahrten sowie die Begleitung durch einen Mountainbike-Guide. Für Downhill-Freaks ist diese Variante der Sella-Umrundung sicher der absolute Höhepunkt in Alta Badia. Wir starten also in La Villa und umrunden das Massiv im Uhrzeigersinn. Vor uns liegen insgesamt 3400 Höhenmeter (netto 500 Meter) und 58 Kilometer. Es ist schon erstaunlich, selbst der Konflikt zwischen Wanderern und Mountainbikern scheint hier in Alta Badia nicht existent. Die Stimmung ist bestens, das Panorama ist es auch. Ganz Alta Badia eben. Vom Col Alt auf 1980 Meter folgen wir Forstwegen und

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Links: Zu Beginn der Heiligkreuz-Runde führt der Weg an Kirche zur Heiligen Barbara vorbei. Rechts: Auf der Suche nach neuen Trails.

leichten Singletrails, vorbei an einladenden Hütten, hinunter nach Arabba (1606 m). Dann ist wieder Gondelfahren angesagt, dieses Mal schaukeln wir hinauf zur Porta Vescovo (2478 m). In einem kurzen Anstieg und leichten Trails in der Abfahrt erreichen wir das Pordoijoch – unseren einzigen Berührungspunkt mit den Rennradlern. Kurz darauf verlassen wir wieder die Passstraße und stürzen wir uns über Downhill-Skipisten und Singletrails wieder hinab ins Tal. Übrigens, wem die etwas schwierigen Singletrails mit dem Mountainbike nicht

geheuer sind, der kann natürlich auch den Spuren der Rennradfahrer ins Tal folgen. In Canazei ist es Zeit endlich die Kohlehydratspeicher wieder aufzufüllen und mit einem abschließenden Espresso in die zweite Umrundungshälfte zu starten. Vor uns liegen noch Col Rodella (2440 m), Sellajoch (2180 m) und Grödner Joch (2121 m).

Um 18.00 Uhr erreichen wir müde und glücklich unser Quartier in La Val. Den letzten Tag unserer Reise fahren wir noch einmal hinauf zur Heilig Kreuz Kirche und geben uns das Versprechen bald wieder zu kommen. Alta Badia hinterlässt eben Spuren des Glücks in der Seele, bei Vater und Sohn. <<

Immer wieder eröffnen sich dem Biker neue Ausblicke auf die einmalig schöne Landschaft.

Reiseinformationen Weitere Mountain Bike Holidays Regionen finden sie unter bike-holidays.com Mountainbike-Hotels >> Hotel Pider, Fam. Rubatscher, I-39030 La Val – Alta Badia, Tel: +39 0471 843129, pider.info Hotel Melodia del Bosco, Fam. Irsara, I-39036 Alta Badia, Tel: +39 0471 839620, melodiadelbosco.it Regions-Informationen: >> Tourismusverband Alta Badia, I-39033 Corvara, Tel:+39 0471 836176, altabadia.org

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£ Petra Thaller —Klaus Kranebitter Nordwand, das suggeriert eindrucksvolle Größe, klirrende Kälte, schnelle Wetterumschwünge und, im Falle vom Jochberg (1567 m) in den oberbayerischen Walchenseebergen, Eisfälle. Auf zwölf Routen fließt das Eis ins Tal – verschiedene Ausstiegsvarianten eingeschlossen.

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Jochberg Nordwand oberbayern

– im Winter ein Fall für Eis

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Eiskletterführer „Bregenz-Garmisch“ (Panico Alpinverlag). Route 11 ist das „Rechte Gully“ an der Jochberg Nordwand.

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Was hältst du vom Rechten Gully am Jochberg“, höre ich Franz’ Stimme durchs Telefon. „Rechtes Gully ist fein, du bist der Chef.“ Wir verabreden uns um halb neun Uhr in der Früh am Parkplatz der drittletzten Kehre vom Kesselberg. Rechtes Gully, Jochberg? Ich schnappe mir den Eiskletterführer Bregenz bis Garmisch vom Panico Alpinverlag und werde erleichtert fündig. Das rechte Gully ist leicht, Wi3/4, etwa 400 Meter hoch und … „bietet bei guten Verhältnissen die schönste Route am Jochberg.“ (Panico Alpinverlag, Eiskletterführer Bregenz bis Garmisch). Wie rücksichtsvoll die beiden Jungs doch wieder sind, eine leichte, schöne Route. Die Rede ist von Klaus Kranebitter (Fotograf und Bergführer) und Franz Perchtold (Bergführer und Eigentümer der Bergschule Hydroalpin). Besseres kann mir am Berg überhaupt nicht passieren. Wir sprechen eine Sprache, Missverständnisse: Fehlanzeige, gute Stimmung: garantiert. Viel Lachen, selten ein wenig Fluchen. In erster Linie wollen wir drei nur Spaß haben und schöne Tage in den Bergen genie-

ßen. Und, wir möchten unsere Freude mit anderen teilen. Mit den Lesern der Berglust und unseren Freunden. Wir möchten sie alle zu einer Runde Eis im Winter einladen. Lasst es euch schmecken – mal gletscheereisklar, mal milchweiß mit einem Intermezzo aus weißen Schneekristallen, garniert mit einer kühlen Brise, so, wie es nordseitig eben ist. Wir marschieren rechts des Bachbettes hinauf zum Rechten Gully. Im Hochwinter sollte man auch hier auf die Lawinengefahr achten. Der Einstieg ist wirklich leicht zu finden. Kurz bevor wir starten, erreicht Andi Dick vom Deutschen Alpenverein ebenfalls den Einstieg. Er ist alleine und in diesem noch kurzen Winter schon viel im Eis gewesen, erzählt er uns. Schnell verschwindet er hinter dem ersten kleinen Eisaufschwung. Klaus und Franz steigen vor. Ich bleibe alleine in dem kalten Loch. Eisklettern ist eben eisig. Aber egal. Mich freut sogar das Frieren. Kurze Stufen und ein paar Meter steiles Eis wechseln sich mit Schneestapferei ab. Das Eis hält gut, meist

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Dankeschön an Klaus Kranebitter (klauskranebitter.com) und Franz Perchtold (hydroalpin.de) für die wunderbare Tour und an die Firmen Haglöfs, Edelrid, Hestra, Meindl und Aki.

liegt eine hauchdünne Schicht über dem eigentlichen Eis. Manchmal hänge ich die Haue des Eisgerätes nur in ein kleines Loch ein. Ich fühle mich sicher – schließlich bin ich mit Franz in einer Seilschaft. Wir brauchen ein bisserl länger als Andi, wahrscheinlich ein bisserl viel länger als Andi, weil Klaus gleich zu Beginn ein Malheur mit einem seiner beiden Eisgeräte passiert. Die Spitze der Haue bricht und somit hat er nur noch eins. Also klettert er alleine vor – mit Franz’s zweitem Eisgerät und lässt dieses dann wieder zu uns runter. Es wäre ja auch langweilig, wenn alles wie am Schnürchen funktionieren würde. Obwohl, hat es ja. Das Wetter beschert uns Sonne, wenn auch nicht nordseitig fühlbar, blauen Himmel mit ein paar Schleierwolken und das Gefühl an dem Tag beinahe alleine im Eis unterwegs zu sein… Im Gully ist es kalt – am Stand packe ich dann immer wieder ich meine Daunenjacke aus und ein – frieren ist nun wirklich nicht meine Sache. Die Tour zieht sich in die Länge – es ist halt schon etwas anderes, auch noch ansprechende Bilder hinzubekommen. Klaus beherrscht das in Perfektion. Dynamisch sollen sie sein und die Lust aufs Eis anheizen. Klaus’ Bilder sehen richtig gut aus – beinahe spektakulär für diesen Eisfall. So ist das, wenn einer sein Geschäft versteht. Franz und ich sind die Protagonisten der Geschichte: Wir schlenzen das Seil, Klaus fotografiert, Franz erzählt am Stand Bergführergeschichten – Klaus fotografiert, schlagen die Haue ins Eis – Klaus verändert Perspektiven. Die Macht des Bildes ist bei solch einer Arbeit immer präsent – die Macht des Wortes tut ihr übriges, schießt es mir dabei durch den Kopf. Kataraktähnlich fällt das Gully vom Jochberg ab. Der Ausstieg ist noch ein wenig mühsam und zum Ende hin ziemlich steil. Dafür begrüßt uns oben die milde Nachmittagssonne, wir blicken auf den Kochelsee und freuen uns gewaltig, dass wir wieder einmal gemeinsam unterwegs waren. <<

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bergsport

£ — Basti Haag

Grenzen verschieben, Grenzen verlieren Rinne der Erstbesteiger (Buhl, Diemberger, Wintersteller, Schmuck) auf 5100 Meter (oben). Beni und Basti am Konkordiaplatz, im Hintergrund rechts der Broad Peak

Sehr früh hab ich meine Liebe dafür entdeckt, mich mit Skiern im Schnee zu bewegen. Ich hatte eigentlich auch keine Wahl. Das Leben meiner Familie hat sich im Winter immer in den Bergen abgespielt.

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eine Eltern (beide staatlich geprüfte Skilehrer und mein Vater Skilehrer-Ausbilder) waren mit meinem Bruder Toby und mir auf sämtlichen Hütten in den Alpen unterwegs. Von dort aus eroberten wir die Berge mit den Skiern. Oft war unser Schultag schon nach den ersten beiden Stunden vorbei, um dann mit unserer Mom noch schnell nach Lenggries zu donnern und am Brauneck Skifahren zu gehen. Hausaufgaben wurden dann im Auto gemacht oder manchmal auch gerne vernachlässigt. Wir waren als Kinder vielleicht sogar manchmal an unserer Grenze und wollten teilweise gar nicht mehr Skifahren. Retrospektiv bin ich meinen Eltern unendlich dankbar. Ich habe durch sie das Privileg genossen eine Sportart zu lernen und heute zu betreiben, in deren Genuss nur wenige kom-

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men. Zum einen lernt man Skifahren auf etwas höherem Niveau nur wenn man schon als kleiner Knirps anfängt. Zum anderen ist es unendlich wertvoll von Kind an ein Bewusstsein für die Natur mit zu bekommen. Wir haben keine Videos und Computerspiele gebraucht, wir waren draußen unterwegs. Manchmal waren die Nasen rot und die Hände kalt, aber wir kamen immer fröhlich nach Hause. Später hatte ich durch den Sport draußen und am Berg meine regelmäßige Packung Energie und Glücksgefühle. In Zeiten als unsere Freunde anfingen Drogen zu nehmen und abzudrehen, hatten wir unseren Sport und waren gesund. Im Studium hatten wir nicht genug Geld um immer Skifahren zu gehen und so war das Touren gehen eine günstige Alternative. In dieser Zeit fing Beni (Benedikt Böhm) bei Dynafit/Salewa an zu arbeiten. Er besorgte uns neues und leichtes Material und es begann eine sehr intensive Zeit. Wir beide waren ständig auf Skitour und merkten, dass wir uns gut ergänzten. Beni war als Kind schon sehr aktiv in einem Langlauf-Verein betrieb diesen Sport leistungsmäßig. Er war schon immer schnell und motivierte mich immer wieder zu neuen Leistungen und höherem Tempo. So konnte ich von seiner Geschwindigkeit profitieren und Beni von meinem skifahrerischen und bergsteigerischen Können. Wir brachten uns gegenseitig im Laufe der Zeit auf ein immer höheres Niveau in diesem Sport, welchen wir selber gerne „Skibergsteigen“ nennen. Wir wählten immer längere Aufstiege und immer steilere und extremer Abfahrten. Wir wollten nicht schneller oder besser sein. Ich denke es war unser Verlangen, unsere eigenen Grenzen immer weiter nach oben zu schieben und immer wieder neu aus zu testen. Bald wollten wir wissen ob wir auch in der Höhe gut funktionieren und schnell sein können, bergauf und bergab. Wir fingen an in Südamerika auf die Sechstausender zu gehen und mit Skiern ab zu fahren. Wir machten viele Fehler und fanden auch oft unsere Grenzen, sowohl konditionell, wie auch technisch. Die Kombination schnell zu sein und mit Skiern abzufahren war bald unsere Standart-Methode die Berge anzugehen. Der Begriff „Speedbegehung“ rückte immer mehr ins Zentrum. Diese Methode funktionierte schließlich auch in der Höhe. In China am Mustagh Ata (2005) wollten wir wissen ob es uns möglich ist innerhalb von einem Tag den 7545 m hohen Berg besteigen können und mit Skiern wieder abfahren können. Wir waren nach 12 Stunden am gleichen Tag wieder im Basislager. Wir waren mental und körperlich extrem stark und wussten, dass wir in der Höhe sehr gut funktionieren. So wollten wir nach all dem Training schließlich auf die ganz großen Berge, die Achttausender. Wir planten auf den Gasherbrum II (2006) in Pakistan eine Speedbegehung zu machen. Und wieder sollte es eine Speed-Begehung werden. Vom Basislager auf 4850 m auf den Gipfel auf 8051 m und wieder ins Basislager zu kommen innerhalb von 24 Stunden war das Ziel. Über 3300 Höhenmeter bis in die Todeszone in dieser kurzen Zeit zu überwinden und dann mit Skiern die 50° Flanken wieder runter zu fahren klingt für die meisten Menschen extrem und ist für viele nicht nachvollziehbar. Aber auch für mich sind viele andere Aktionen von anderen Sportlern nicht nachvollziehbar. Für viele Leute ist Skifahren an sich schon ein Mysterium. Unsere Speedbegehungen und andere Aktionen haben wir auch nicht von Anfang an geplant und darauf trainiert. Wir sind von Kind an auf den Skiern gestan-

Gipfelgrat des Broad Peak auf knapp 8.000 Meter

den und sind in diesen Sport reingewachsen. Wir haben uns Jahr für Jahr kontinuierlich weiterentwickelt und unsere Grenzen immer weiter nach oben verschoben. Ich träumte davon und sehnte mich dort hin, aber ich wusste diese Gipfel sind unerreichbar. Jetzt gehen wir da sogar an einem Tag hoch und fahren mit Skiern diese wilden, riesigen Berge auch wieder hinunter. Es ist eine sehr aufwändige und komplexe Sportart und ich denke es ist auch eine gewisse Art zu leben. Zusätzlich aber ist auch unser Glück in dieser Welt geboren und aufzuwachsen zu sein und die Möglichkeiten zu haben uns soweit zu entwickeln. Viele Leute halten uns für verrückt und sind der Meinung, dass unserem Tun der Sinn und der Nutzen fehlen. Ich kann nur sagen, dass es für mich nichts Sinnvolleres gibt. Eine Reise in ein fernes Land zu den Bergriesen Pakistans. Eine Reise, nicht nur um einen Berg zu besteigen, sondern natürlich auch um diese andere Welt kennen zu lernen. Ein anderes Land mit einer anderen Religion und völlig anderen Menschen. Aber vielmehr noch, eine Reise zu sich selbst. Mit dabei war diesmal auch Thomas Steiner ein guter Freund von Beni und mir und unser Kameramann Hubert Rieger, der uns bereits am Manaslu begleitet hat. Der Broad Peak bietet sich förmlich an für eine Speed-Begehung, da er durchgehend steil ist, und so keine langen Flachpassagen hat. Die Route mit den bis zu 50° steilen Hängen sollte für uns noch mit Skiern befahrbar sein. Abhängig von den Schneeverhältnissen ist es möglich von der Scharte auf 7800 m, die über einen scharfen Grat zum Gipfel führt mit Skiern bis an den Fuß des Berges zu fahren. Im Juli ging es los. Es lief zunächst alles Reibungslos. Zehn Tage nach dem Abflug in München waren wir bereits im Basislager auf 4850 m. Bereits drei Tage später konnten wir schon bis zum Lager I auf 5800 m vordringen. Wir waren alle sehr gut drauf und gingen nicht die Normalroute, sondern kletterten durch eine wunderschöne Rinne, die damals schon Hermann Buhl gewählt hatte, bis wir auf 5300 m wieder auf die Normalroute stießen. Wenige Tage später stiegen wir wieder auf, um uns weiter zu akklimatisieren. Ich fühlte mich zu diesem Zeitpunkt so mies und schwach, geplagt von Übelkeit und Bauchschmerzen, dass ich eine Stunde nach dem Basislager umdrehte und mich mühsam wieder in mein Zelt schleppte. Das ständige Leiden gehört nun mal einfach dazu beim Höhenbergsteigen. Ich konnte mich aber ziemlich schnell erholen und war so einen Tag später schon wieder mit frischen Kräften.

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bergsport Wir bauten Camp II in die steilen Flanken auf 6500 m. Alles lief nach Plan. Schließlich stiegen wir bei der letzte Phase der Akklimatisierung bis auf ca. 7100 auf bis ins Lager III. Hubert fühlte sich an diesem Tag nicht gut und kehrte kurz oberhalb von Lager II um und stieg bis ins Basislager ab. Beni, Tommi und ich erreichten guter Dinge Lager III. Nach einer weiteren Nacht auf Lager II war unsere Akklimatisierung damit abgeschlossen. Beni und Ich bauten unser Zelt in Lager II und Lager I ab und nahmen alles mit runter ins Basislager. Wir waren bereit für die Speedbegehung und brauchten nur noch ein paar Tage zum Ausruhen und dann gutes Wetter um durchzustarten.

Doch dann kam das schlechte Wetter. Es fing an zu schneien. In den ersten Tagen lies sich niemand aus der Ruhe bringen, da es immer wieder mal zu ein bis zwei Tagen schlechten Wetters kommen kann und auch die Niederschlagsmengen als gering vorhergesagt wurden. Doch die Schneefälle und der Wind wurden immer stärker. Die Tage bis zum gebuchten Flug nach München und zum Ende des Urlaubs waren gezählt. Der Plan war, die anderen Bergsteiger der Summit-Club-Expedition also Tommi und Hubert sowie den Expeditionsleiter und weitere Kunden auf ca. 7800 m, die in der gleichen Nacht ca. 0.00 Uhr vom Lager III weggehen würden einzuholen, um deren Spur zu nutzen, denn oberhalb von 7000 m waren am Broad Peak über einen Meter Neuschnee gefallen. Wir wussten, wir hätten keine Chance den Gipfel zu erreichen, ohne eine Spur zu haben. So war es mit den anderen abgesprochen, das wir versuchen würden die ganze Nacht aufzusteigen und gegen 10.00 Uhr bis in die Scharte auf 7800 m zu kommen, um mit etwas Glück die anderen Bergsteiger dort ein zu holen. Tommi und Hubert fühlten sich leider nicht gut in der Höhe und kehrten vor Lager III um und brachen so ihren Gipfelversuch ab.

Der Verstand sagt: „Das habe ich getan...“ Der Stolz sagt: „Das kann ich nicht getan haben...“ Schließlich gibt der Verstand nach…

17. Juli, 22.15 Uhr: Endlich geht es los. Endlich geht es los. Nach der ganzen Anspannung macht sich Erleichterung im Körper breit. Wir laufen ca. 15 min in der Dunkelheit die Gletschermuräne entlang, vorbei an den anderen Basecamps der Spanier, Italiener, Franzosen und Polen. Dann geht es rein in einen Gletscherbruch den wir überwinden müssen, um an den Fuß des Broad Peak zu kommen. Es läuft gut und wir sind bereits nach ca. 40 min um ca. 23.00 Uhr am Anfang der eigentlichen Aufstiegroute zu Broad Peak auf 5000 m.… Alle 40 min. essen wir ein Powergel und versuchen viel zu trinken, damit der Körper versorgt bleibt und die geforderte Leistung bringen kann. Kurz vor Lager I auf 5800m bleiben wir wieder kurz stehen um etwas zu trinken. Ich habe das Gefühl der Schlauch meines Camelbags hat sich verklemmt und ziehe etwas stärker um ihn bequemer an meinen Mund zu führen. Leider merke ich erst beim

nächsten Mal trinken kurz nach Lager I um ca. 01.00 Uhr, dass ich den Schlauch von meiner Trinkblase abgezogen habe und die wertvollen drei Liter Wasser die mein einziger Trinkvorrat waren in meinen Rucksack gelaufen sind. Ich bin verzweifelt und reiße meinen Rucksack runter, um zu prüfen ob die Trinkblase tatsächlich leer ist. Leider sind nur noch ca. 200 ml übrig, der Rest hat sich im Rucksack in meiner Daunenjacke und meinen Daunenfäustlingen verteilt. Es ist ein Schock. Ich sehe in diesen Sekunden meine Gipfelchancen dahinschwinden. Es hilft alles nichts. Beni ist guter Dinge und will weiter gehen. Stehen bleiben macht ja auch kein Sinn, es wird sofort kalt. Die Spur ist gut und geht es immer weiter nach oben. Ich mache mir keine Sorgen mehr um das Wasser… Es ist kurz nach 5.00 Uhr, als wir zu den Zelten von Lager III kommen. Ich sage Beni, dass ich nicht weitergehen kann, mir kalt ist und ich Wasser kochen muss. Beni fühlt sich gut und beschließt ohne mich weiter zu gehen, wie wir es ausgemacht hatten. Ich krieche ihn das Zelt des Expeditionsleiters Stefan Schanderl und seiner Freundin. Schnell ist der Gaskocher an und meine Glieder können sich in Stefans Schlafsack aufwärmen. Ich bin verzweifelt, soll ich aufgeben? Jetzt hier abbrechen, obwohl das Wetter gut ist, die Spur gut ist und der Schnee zum Abfahren später perfekt ist? Ich koche mir drei Liter Wasser und trinke gleich gierig einen ganzen Liter. Wenig später spüre ich die warme Flüssigkeit durch meine Adern und meinen ganzen Körper fließen. Meine Lebensgeister kehren zurück und ich bekomme wieder Mut. Meine Motivation ist wieder da und mein Entschluss steht fest. Ich steige weiter auf. Ich merke wie mein ganzer Körper bebt und nach oben will. Ich finde wieder meinen Rhythmus und steige weiter auf. Ich beschleunige mein Tempo und bin guter Dinge. Ich fühle mich gut und steige immer schneller. Damit begehe ich einen sehr großen Fehler. Die Motivation hoch zu gehen und das Ziel zu erreichen wird größer als alles andere. Es kommt zu einer Selbstüberschätzung. Man bildet sich ein, dass man genug Kraft hat. Man hat sie auch, aber nur um hochzukommen, und nicht mehr für den Abstieg. In diesem Moment denke ich nur an das Hochkommen. Ich will hoch und vergesse ganz, dass ich immer mehr das Risiko eingehe meine Kraftreserven für den Rückweg aufzubrauchen. Alles wird dort oben schwächer und geht langsam aus. Das gilt natürlich für die physische Energie, aber vor allem auch für die mentale Kraft. Die Motivation wird immer schwächer und verschwindet irgendwann. Die Schmerzen verschwinden, man hat keine Angst mehr und die Alarmsignale werden immer leiser. Ich mache mir keine Sorgen als ich entscheide weiter aufzusteigen… Ich freue mich Beni und die anderen zu sehen. Endlich bin ich nicht mehr alleine. Ich bin völlig zufrieden und habe immer noch das Gefühl genug Kraft zu haben. Es ist bereits 15.00 Uhr und objektiv einfach zu spät zum Gipfel zu gehen. Alle entschließen sich um zu drehen und ich bin erleichtert. Beim Absteigen wird klar wie müde ich bin. Ich merke wie meine Beine unter mir nachgeben und ich auf die Knie sinke … Ich bin er gewillt abzulehnen, aber als Beni noch mal drauf besteht, bin ich froh über das Seil mit Cedric verbunden zu sein. Ich steige mit Cédric den engen Korridor von der Scharte runter. Er muss hinten schufften, da er sich auf das Seil, auf mich und auf sich

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selbst konzentrieren muss. Wir kommen gut unter der Scharte raus und sind alle von den scharfen ausgesetzten Gipfelgrad runter. Aber an ein Skifahren ist bei mir nicht mehr zu denken. Meine Beine sind zu wackelig. Ich muss absteigen. Auf ca. 7300 m sehen wir eine SchleifCamp I auf 5.800 Meter (oben). spur im Schnee die zwei Meter breit mit Thomas Steiner, Hubert Rieger, rostroter Farbe besprenkelt war. Es ist so Benedikt Böhm, Sebastian Haag abstrus und irreal und wir sind alle drei so (unten; v.l.n.r.) erschöpft, dass keiner ein Wort verliert. Ein paar Meter weiter unterhalb eines Seracs treffen wir auf Stefan Schaderl. Er teilt uns mit dass Cristina Castania tödlich verunglückt ist und unterhalb des Seracs liegt. Sie ist vom Gipfelgrad 500m abgestürzt. Es ist tragisch und trotzdem sind wir alle so müde, dass es uns in diesem Moment nicht berührt. Wir erreichen etwas flacheres Gelände und ich fühle mich stark genug, um wieder auf die Skier zu steigen. Wie ein Anfänger fahre ich unsicher die Hänge bis ins Lager III runter. Es dämmert bereits. Beni bleibt bei mir und wir beschließen ein Zelt zu suchen. Die Polen sind leider doch schon heute aufgestiegen und so ist keines mehr frei. Paolo, der Bergpartner von Cristina nimmt uns aber bei sich auf. Ich bin völlig erschöpft und lege mich in Cristinas Schlafsack. Beni nimmt sich den Schlafsack eines Polen, der ihn im Zelt von Paolo für seinen Aufstieg deponiert hat. Paolo ist völlig apathisch und abwesend. Die Nacht ist schrecklich. Beni und ich machen kein Auge zu. Am nächsten Tag fühle ich mich erstaunlicher Weise etwas besser und stark genug für den Abstieg. Gegen 8.00 Uhr stehen wir endlich mit angezogenen Schuhen vor dem Zelt. Ich fühle mich wieder deutlich besser und wir können den Rest mit Skiern abfahren und kommen unversehrt am Fuß des Brod Peak an. Wir waren 40 Stunden unterwegs, also mehr als doppelt so lange wie geplant. Es geht uns gut, wir haben keine Erfrierungen oder sonstige Schäden. Ich habe etwas Zeit nach dieser Expedition gebraucht um mir einzugestehen, dass ich am Tag der Speed-Begehung einen Fehler gemacht habe. Diesen Fehler habe ich gemacht und habe mein Leben und schließlich auch das von Beni und Cédric dadurch gefährdet. Noch schlimmer ist aber vielleicht, dass ich mir diesen Fehler am Anfang nicht eingestehen konnte und es nicht wahr haben wollte, dass ich nicht stark genug an diesem Tag war. Ich war nicht stark genug umzukehren, sondern musste weiter aufsteigen. Ich hatte an diesem Tag keine Kraft mehr und bin Beni und Cédric sehr dankbar dass sie auf mich aufgepasst haben und mich vor Schlimmeren bewahrt haben. Es hätte mir genauso gehen können wie Cristina. Ich hatte nur Glück. Es ist sehr interessant wie sich die Menschen am Berg in extremen Situationen verhalten und wie sehr sich die subjektive Wahrnehmung verändert. Ich habe gemerkt, dass mein Stolz meine Wahrnehmung getrübt hat und mir dadurch das, was passiert ist anders in Erinnerung geblieben ist, als es vielleicht tatsächlich war. <<

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bergsport „Oh – how beautiful“ sprach Miho – und machte klick. Miho, eine japanische Extremläuferin, und der Autor traten beim GORE-TEX Transalpine-Run im letzten September an. 240 Distanzkilometer und 15.000 Höhenmeter – in acht Tagen von Deutschland nach Österreich und die Schweiz bis nach Italien. Über die Alpen.

Trailrunning – das sollten Einsteiger wissen

„Oh – how beautiful“ £ Frankk Simoneit 80

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Trailrunning beginnt bereits im nahen Stadtpark, abseits asphaltierter Wege.

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urch Schneefelder, vorbei an Gletschern, an Klettersteigen hoch – da schreiben die Veranstalter die Sicherheit aber ganz groß. Deswegen wird nur im Zweierteam gelaufen, deswegen müssen die Laufpartner immer zusammen unangekündigte Kontrollstellen passieren – und deswegen war der Autor froh, dass Miho ihrer zweiten Leidenschaft nach dem Trailrunning – dem Fotografieren – während des Laufs so ausgiebig frönte. In den Foto-Pausen konnte er immer wieder zu der starken Asiatin aufschließen. Doch damit kein falscher Eindruck entsteht: Trailrunning bedeutet nicht, sich möglichst schnell auf die 3000er dieser Welt zu begeben. So extrem muss es nicht sein. Schon wer sich im nahen Stadtwald abseits der asphaltierten Wege bewegt, über schmale Pfade trabt, dem Bachlauf folgt – darf sich Trailrunner nennen. Und das kann jeder Läufer.

Das intensive Naturerlebnis macht dabei den besonderen Reiz des Trailrunning aus – denn oft ist man mit der Landschaft und sich allein.

Sicherheit wird großgeschrieben Wird die Landschaft ausgesetzter, erhöht das natürlich den Reiz. Spezielle Bergläufe erfreuen sich in der Szene wachsender Beliebtheit. Häufig sind dabei extreme Ausdauerleistungen gefragt. Wie beim Transalpine Run. Oder beim Lauf um den Montblanc. Knapp 170 Kilometer und fast 10 000 Höhenmeter sind dort in höchstens 46 Stunden zu absolvieren. Start ist in Chamonix, und wenn alles gut geht, kommt der Trailrunner da auch wieder an. Oder der Zugspitzlauf – über 16 Kilometer und 2100 Höhenmeter auf den höchsten Gipfel Deutschlands. Traurige Bekanntheit erlangte er 2008: zwei Bergläufer starben an Unterkühlung und Erschöpfung, nachdem das Wetter umgeschlagen war.

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bergsport Stöcke stützen vor allem beim Bergablaufen, hier der Traveller Carbon von Leki, Preis: 129,95 Euro.

Deswegen muss hier über die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen und die sinnvolle Ausrüstung beim Trailrunning gesprochen werden. Wer Bergläufe macht, begibt sich in Gefahr. Er ist meistens länger draußen unterwegs, ein Wetterumsturz ist immer möglich. Und wenn es hoch hinaus geht, sind Minustemperaturen nur natürlich. Am besten packt der Trailrunner im Tal einen kleinen 20-Liter-Rucksack mit langer Hose und warmer Laufjacke, Handschuhen und Mütze. Um sich im Notfall wärmen zu können. Beim Transalpine Run ist diese Ausrüstung sogar zwingend vorgeschrieben. Auch Miho, unsere japanische Bergspezialistin, wurde jeden Morgen vor dem Start daraufhin kontrolliert. Sonst wird man nicht in die Startbox eingelassen. Etwas zu trinken und zu essen sollte man in dem Rucksack besser ebenfalls verstauen – Bergläufe kosten Kraft.

Spezielle Trailrunning-Schuhe Nächstes Ausrüstungsutensil: die Schuhe. Sie sind ganz wichtig und ganz speziell. Sohle und Schaft sind dabei die wertvollen Produktkriterien. Die Sohle muss natürlich sehr griffig und profiliert sein – soll sie doch auf jedem möglichen Untergrund Halt geben. Im Matsch, im Schnee, auf Steinen, im Nassen. Straßenlaufschuhe ähneln dagegen eher profillosen Slicks wie bei Autorennen – mit ihnen würde man rutschen ohne Ende. Das Obermaterial der Schuhe ist robuster als bei Straßenlaufschuhen, um die Füße besser zu schützen. Deswegen erhöht sich ihr Gewicht. Kein Nachteil, bedeutet das doch auch einen Zuwachs an Stabilität. Dazu muss der Schaft passgenau geformt sein, um im Gelände den optimalen Halt zu geben. Eine Dämpfung – wie man sie von Straßenlaufschuhen kennt – ist im Gelände eher vernachlässigbar, da eh meist auf einem eher weichen Boden gelaufen wird. Die Hersteller forschen in ihren Laboren, um das Zusammenspiel von Dämpfung, Stabilität und schnellen Laufeigenschaften noch besser hinzukriegen. Salomon ist ein ausgewiesener Spezialist auf diesem Gebiet. Sie legen den Schwerpunkt des Läufers niedriger, indem sie die Zwischensohle minimieren. So verringert sich die Gefahr des Umknickens auf unebenem Geläuf. Ebenso wichtig bei den Schuhen: sie sollen wasserabweisend und trotzdem atmungsaktiv iv sein – deswegen verwenden viele Trailrunningschuh-Produhuh-Produzenten die Gore-Tex-Technologie. e. Auf der ispo in München dieses Jahrr hat man gesehen, dass immer mehr Hersteller spezielle Trailschuhe im Sortiment haben. Für 120 bis 150 Euro uro bekommt der Läufer sehr gute Exemplare.

Training mit Stöcken So gerüstet, kann es losgehen. Doch wie bei jedem Training gilt: nicht übertreiben und klein anfangen. Bevor es an die mehrstündige Alpenetappe geht, sollte man sich an die Belastung gewöhnen. Sehnen und Bänder sind durch das hügelige Gelände und den stolperigen Boden besonders gefordert. Leicht knickt man um oder holt sich eine Achillessehnenentzündung. Auch das Bergablaufen wird der untrainierte Läufer am nächsten Tag merken. Die Muskeln brennen. Manche Trailrunner benutzen in ausgesetzter Natur Stöcke. Sie bieten zusätzliche Hilfe, um das Gleichgewicht zu halten und sich abzustützen. Allerdings sollte man auch das üben, bevor man sie im Wettkampf einsetzt. Wer es als Straßenläufer gewohnt ist, ohne diese Balance-Hilfen auszukommen, wird sich sonst im Rennen bestimmt irgendwann einmal verheddern und den Stock quer zwischen sich und den nächsten Stein bringen. Und schon knallt man hin. Wie zum Beispiel Miho. Am Ende der letzten Transalpine Run-Etappe, am achten Tag, nur noch wenige Kilometer vor dem Ziel, stürzte sie auf einem kleinen Verbindungspfad kopfüber hin. Das ging so schnell, sie konnte sich nicht einmal mehr abstützen. Spuren in ihrem Gesicht waren noch am Abend bei der Pastaparty zu sehen. Oh, das war aber gar nicht „beautiful“. Bergläufe erfordern eben bis ins Ziel Kondition und Konzentration.

Berglauf-Cup Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, möchte vielleicht bei einem Berglauf mitmachen. Im ganzen Land gibt es dafür Angebote. Im Erzgebirge beim sogenannten Fichtelberglauf geht es über neun Kilometer, der Kernberglauf in Jena offeriert gleich 27 Kilometer Streckenlänge. Beim Tegelberglauf ebenso wie bei den Trailruns auf Hochfelln und Hochgrat werden Distanzen zwischen acht und neun Kilometern zurückgelegt – ganz wie es beliebt. Wer es länger mag, kann auch bei diversen Bergmarathons über die 42,195 Kilometer antreten. Dann kommen aber immer noch bis zu 2500 Höhenmeter hinzu. Apropos Königsdisziplin: Solche Trailrun-Marathons sind nichts Neues. Große Tradition weisen zum Beispiel der Jungfrau-Marathon – in Interlaken in der Schweiz hoch auf die Kleine Scheidegg – oder der Swiss Alpine Marathon in Davos auf. Tex-Laufcup sind insgesamt 13 VerBeim Salomon-Gore Tex-Laufc zusammengefasst, mehr Inforanstaltungen zu einer Serie zusam salomonrunning.com. mationen unter salomonrunning Da findet man übrigens auch die Infos zum Gore Trans201 Diesmal wird allerdings alpine Run im September 2010. eine andere Route als im vergangenen Jahr gelauKnapp 290 Disfen. Nichts für Weicheier. W tanzkilometer mit 18.700 Höhentanzkilo metern sind aufgerufen. << met

Spezielle Trailrunning-Schuhe wurden für das Laufen auf Pfaden und im weglosen Gelände konzipiert. Hier der Salomon XT Whisper, Preis: 119,95 Euro.

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er Ergänzung sucht zum Training an der frischen Luft, bei Schmuddel-Wetter einen trockenen Trainingsraum vorzieht oder aus einer Stunde Zeit möglichst viel rausholen will, ist dort aber goldrichtig. Die Zeiten, in denen das Fitness-Studio nur zum Bodybuilding eingeladen hat sind vorbei – heutzutage kann man dort gezielt und gesundheitsorientiert trainieren. Vielleicht können wir dem einen oder anderen Sportler ja in die Turnschuhe helfen …

EIN BUNTER STRAUSS AN MÖGLICHKEITEN Der erste Gedanke fällt meistens auf eines von unzähligen Fitness-Studios. Dabei ist das Angebot von Sportvereinen und Sporthallen in Deutschland recht umfangreich. Freizeitsportler, die jeden Tag Sport treiben wollen, sollten in jedem Fall abwechseln. Zum Sport in der Halle zählen auch Sportarten wie Schwimmen, Turnen, verschiedene Ballsportarten und nicht zuletzt Klettern und Bouldern. Einseitige Belastungen sollen vermieden werden und durch die Ausübung verschiedener Sportaktivitäten erlangt der Sportler eine wünschenswerte Vielseitigkeit.

DIE ERGÄNZUNG ZUM SPORT AN DER FRISCHEN LUFT

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— André Tappe

Maria Englhart

Belastungen sollen sich also abwechseln und wer viel Sport treibt, der kann ein gezieltes Krafttraining beziehungsweise ein Training an Geräten auch als Ergänzung zum Frischlufttraining nutzen. Denn schlau ist es, Kraft- und Ausdauertraining zu kombinieren. Mit Gewichten, an Geräten oder in Gymnastik-Stunden lässt sich Muskelkraft trainieren. Beim Spinning oder auf dem Laufband steht gezieltes Ausdauertraining im Vordergrund. Und wer sich den Strapazen des altbewährten Zirkeltrainings aussetzt, profitiert von einer Verbesserung der Kraftausdauer und – mit ein wenig Glück – einer unterhaltsamen, geselligen Form des Fitness-Trainings.

Training „Indoor-Sport“

Die warme Stube Der Frühling ist im Anmarsch und unser Plan, über Indoor-Sport zu erzählen, trifft bei einem eingefleischten Outdoor-Sportler vermutlich auf völliges Unverständnis. Egal ob Fitness-Studio oder Sporthalle – der Outdoor-Sportler erkennt die Vorteile, die ein „Indoor“-Training bietet, nicht auf den ersten Blick. 84

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BODYBUILDING? Auf einem Streifzug durch ein Fitnessstudio – das Klischee der Muckibude versucht man am besten vor der Tür zu lassen – kann man die Vorzüge des Trainings im Studio entdecken. Krafttraining ist nach wie vor der beliebteste Indoor-Sport. Dennoch bieten Studios oder Sportvereine in ihren Trainingsräumen vielfältige Möglichkeiten. Wer gezieltes Krafttraining mag, ist längst kein Bodybuilder. Und dass sich Bauch-Beine-Po-Training nur für übergewichtige, unsportliche Hausfrauen eignet, ist ebenfalls ein Gerücht. Das Kursangebot vieler Studios und Sportvereine beinhaltet fast immer Muskelkräftigung, Ausdauertraining, Rückenstunden und koordinatives Training in Form von Choreografien und Schrittfolgen. Sozusagen ein Rund-um-Paket auf einem Fleck.

DER TRAININGSPARTNER SPORTGERÄT Vor allem wer seinen Trainingsplan um ein gezieltes Training bestimmter Muskelgruppen erweitern möchte oder muskuläre Schwächen ausgleichen muss, findet in einem Trainingsraum mit Geräten eine wunderbare Gelegenheit dazu. An vielen Geräten und Maschinen sind die Bewegungsabläufe vorgegeben und das schützt den Einsteiger vor Fehlhaltungen und falschen Belastungen. Vorgegebene Bewegungsmuster sind zwar auf Dauer monoton, erfordern aber weniger koordinative Fähigkeiten und Vorkenntnisse. Ein freies Training mit Hanteln kann effektiv sein, erfordert aber Erfahrung. Wer einen Vertrag abschließt, um zu trainieren, dem ist auf jeden Fall ein Probetraining zu raten.

DAS TRAINING IN DER WARMEN STUBE Wieder verschoben. Der innere Schweinehund hat gewonnen. Schließlich sind die äußeren Bedingungen schlecht. Trübes Regenwetter, kalte Temperaturen oder Dunkelheit sind dankbare Gründe dafür, dass regelmäßiges Training zum Gelegenheitssport wird. Wer bei trostloser Witterung auf ein Training in geschlossenen Räumen ausweicht, ist vor derartigen Ausreden gefeit. Bei Wind und Wetter trainiert man jedes Mal wieder bei reproduzierbaren Trainingsbedingungen. Für eine sinnvolle, gesundheitsorientierte Trainingsgestaltung sind Freizeitsportler in vielen Studios deshalb gut aufgehoben. Warme Räume und lange Öffnungszeiten bringen Komfort in den Trainingsalltag.

SPORT IN DER GESELLSCHAFT Ob ich Hilfe brauche? Na ja, der ein oder andere Tipp, wie viele Wiederholungen sinnvoll wären oder welche Muskelgruppe ganz genau trainiert wird, würde nicht schaden. Ja, gerne. Der Trainer der Muckibude

kann eine Übungsreihenfolge vorschlagen, die korrekte Ausführung erklären und auf einen passenden Trainingsumfang achten. Er empfiehlt, je nach Trainingsziel, eine Reihe von Geräten und hilft dabei, den im Kopf entworfenen Trainingsplan nochmals zu überprüfen. Im Sportverein steht oftmals ein Übungsleiter mit Ratschlägen zur Seite. Wer sich jetzt noch schwer motivieren kann, nutzt die Option von Sport in der Gesellschaft und vereinbart Termine. In Vereinen gibt es ein buntes Teamsport-Angebot und ein wöchentliches Ballsport-Training schafft wiederum Abwechslung im Trainingsalltag.

Freizeitsportler, die jeden Tag Sport treiben wollen, sollten auf Abwechslung achten. Studios oder Vereine bieten ein Rund-um-Paket an einem Fleck.

RUCKZUCK TRAINIERT Auf der Liste der Ausreden ganz vorne: Zeitmangel. Wer mit möglichst wenig Zeitaufwand möglichst effektiv trainieren will, ist im Fitnessstudio oder im Sportverein genau richtig. Am effektivsten lässt sich die Einheit nämlich organisieren, wenn man die Rahmenbedingungen und den Ablauf kennt. Eine Stunde sollte man aber für jedes Training einplanen.

TRAININGSPLATZ KLETTERHALLE Als klassisches Beispiel für das gezielte Training in der Halle steht sicherlich auch der Klettersport. Wer im Sommer draußen am Fels einen hohen Schwierigkeitsgrad halten oder gar steigern will, kommt um das Training in der Halle kaum herum. Die künstlichen Wände bieten ein vielseitiges Spektrum an Trainingsmöglichkeiten zu fast jeder Tageszeit und bei jedem Wetter. Ziele lassen sich bei gleichbleibenden Bedingungen leichter abstecken und realisieren. Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Trainingseffekt später am Fels bemerkbar macht.

AKTIV ENTSPANNEN Viele Studios und Sporthallen haben Saunen und Ruheräume – wer also nach dem Training nicht auf dem Zahnfleisch kriecht – nutzt diese Angebote, um sich aktiv zu entspannen. Auch Yoga oder autogenes Training sind Maßnahmen, um sich aktiv zu regenerieren – und das Ganze passiert natürlich „Indoor“. Zugegeben, die wahren sportlichen Erlebnisse warten draußen. Aber um den Sport an der frischen Luft richtig genießen zu können, kann man sich drinnen gut darauf vorbereiten. Moderner Indoor-Sport kann ein schlaues Training sein – keine Spur von Muckibude.

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Ortovox: LVS-Gerät

DA S P LUS F Ü R D I E EI GEN E S I C H ERH EI T

Dynafit: Freeride-Ski

get stoked Der Stoke kombiniert eine flexible Semi-Rocker Schaufel mit einer starken Seitenwangenwangen Konstruktion und gewährleistet damit im Tiefschnee wie auch im schwierigen Gelände maximalen Fahrspaß. Sein Kern ist durch eine Bambus-Buchenholz-Verbindung aufgebaut. Sie bildet die Grundlage für sein beeindruckend geringes Gewicht und die bemerkenswerte Harmonie bei jedem Schwung. „Get stoked“, rufen die FreerideFreaks in Nordamerika, wenn sie in ihren berühmten, trockenen, tiefen Puder eintauchen. Ein Begriff, den man auch auf dem alten Kontinent bald öfter hören wird. Dank eines Skis, der ein neues Kapitel in der Alpingeschichte beschreibt: Freeride Touring. q dynafit.de

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The North Face: Pullover

Für kühle Tage

Der Zephyrus Pullover besteht aus einer Außenlage aus Ripstop-Nylon und einer 40 g Primaloft-Isolationsschicht. Beide zusammen bilden ein perfektes, mehrlagiges Kleidungsstück mit gerade mal 268 g (Herren Größe M) das höchsten Tragekomfort bietet und sich klein zusammenpacken lässt. Die stromlinienförmige Alpin-Passform, Elastiksaum und Elastikbündchen, der lange Reißverschlussausschnitt und die Brusttasche tragen zur Vielseitigkeit des Zephyrus bei. q thenorthface.com

Buff: Kopfband

WA RM E O H REN Original Buff, S.A. der Erfinder und weltweite Marktführer im Bereich der multifunktionellen Kopfbekleidungen erweitert auch in der kommenden Herbst-Winter-Saison 2010/2011 seine Kollektion um das Headband Reversible Polar. Die doppellagige Kopfbekleidung besteht aus zwei verschiedenen Stoffoberflächen, die die Ohren je nach Bedarf auf verschiedene Weise schützen. Eine Seite des Headbands ist aus dem hauchdünnen Material Microfaser gefertigt, das die Feuchtigkeit speichert. Somit ist diese Lage besonders gut für Ausdauersportarten geeignet. Die zweite Seite besteht aus warmen Polartec Thermal Fleece, das die Ohren bei kalten Temperaturen schützt.Die neu entwickelten Headbands gibt es in vielen frischen, außergewöhnlichen Designs, die man sowohl für den Sport als auch als tägliches Accessoires verwenden kann. Das funktionelle Buff Headband ist für alle Outdoor-Aktivitäten ein optimaler Begleiter. Es bietet Komfort, schützt vor Kälte und lässt sich bei kalten Temperaturen auch unter dem Helm tragen. q buff.de

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Deuter: Biwaksack

U NT E RSCH LU P F F Ü R MI N IM ALISTEN seinen schützenden Unterschlupf immer dabei. Deuters EinMann-Biwaksack geht nicht nur dank seiner kräftigen Signalfarbe mit leuchtendem Beispiel voran, er ist auch ganz schön variantenreich: In den Wind- und Wetterschutz schlüpft man bei Notfällen komplett und mitsamt Gepäck hinein wie in einen Regenponcho. Oder man benutzt ihn bei Übernachtungen im Freien als Außenhülle für den Schlafsack. q deuter.com

VauDe: Rucksack

Die neuen Multifunktions-Biwaksäcke von Deuter nutzt man als Regenponcho, setzt sie als Schlafsack-Regenhülle und als Plane ein – oder funktioniert das größere Modell gleich zum Zelt um. Mit den leichten Shelter I und II-Modellen hat man im Notfall

F Ü R TAG ESTOU R E N I M W I N T E R

ausrüstung

Der Winterrucksack Daytour 24 ist ein funktioneller und gleichermaßen stylischer Ski- und Freeride-Rucksack, der perfekt für Tagestouren geeignet ist. Weitere Details: Schnell zugängliches Verstaufach für Schaufel und Sonde, Frontlader für übersichtlichen Zugriff, aufgesetzte Fronttasche, Eisgerät und Pickelhalterung, Frontal- und Seitenbefesti-

O P S I

gung für Ski und Board, Helmhalterung, seitliche Kompressionsgurte, leichter abnehmbarer Hüftgurt, Ausgang für Trinksystem. q vaude.de

Salomon: Tourenschuh

einfach abgefahren Q Quest 12

Das Konzept des basiert auf der „Ride & Hike“-Technologie: Durch eine einen veränderten Aufbau im Bereich der Ferse verbindet der Skisc Skischuh Stabilität bei der Abfahrt und bequemes Gehen. Der uu-förmig aufgeschnittene Fersenbereich bietet beim Aufstieg u und auf ebenem Untergrund viel Bewegungsspielraum. Ist der Schuh geschlossen, verriegelt eine Magnesiumschiene die Aussparung und gibt sicheren Halt. Der Flex von 120 ermöglicht eine optimale Abfahrtsperformance. q salomon.com

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auf der

suche nach dem

limit Skylotec: Tourenski

Skylotec ist ständig auf der Suche nach dem eigenen Limit und geht keine Kompromisse ein. Der

Push

meistert jede Situation

souverän. Aufgrund des perfekten Verhältnisses von Breite zu Gewicht ist er für jeden abfahrtsorientierten Tourengeher die Erfüllung eines Traumes – frei nach dem Motto der Black Seeds in ihrem Song „Keep On Pushing“. q skylotec-sports.com

Haglöfs: Funktionsjacke

Immer schön warm bleiben

W

asser- und winddicht sind dabei nur zwei Attribute des neuen Pirtuk Jacket von Haglöfs. Eine einhändig verstellbare, 3-dimensionale Kapuze und Ärmelbündchen mit Klettverschluss sowie ein integrierter Schneefang schützen zuverlässig vor Wind und Feuchtigkeit. Zudem ist sie mit Ventilationsreißverschlüssen unter den Armen ausgestattet. Liftpass, Schlüssel, Handy: Persönliche Utensilien finden in den beiden gefütterten Fronttaschen, der NapoleonEingrifftasche und am Arm Platz. Die technisch ausgefeilten Lösungen und Funktionen spiegeln sich stark im ausgewogenen Verhältnis zwischen Volumen, Wärmeleistung und Gewicht wider.

hanwag:trekkingstiefel han trekkingstiefel

VI E L SE I T I G K E I T F Ü R

EISIGE W I N T ERTAG E

Der neue Dakota Winter GTX des bayerischen Schuhspezialisten lässt sich so leicht in keine Schublade stecken: Stabil wie ein echter Trekkingstiefel und dabei leicht und komfortorientiert wie ein Wanderschuh. Diese Eigenschaften machen den Schuh zum Wanderer zwischen den Welten. Dass der Träger dabei auch im Winter nicht ins Schleudern gerät, garantiert die bewährte Anti-Rutsch-Sohle Hanwag Ice Grip. Das wasserdichte, warme Gore-Tex Cosima Innenfutter sorgt auch bei eisigen Temperaturen für mollig warme Füße. q hanwag.de

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ausrüstung O P S I Meindl: Trekkingstiefel

E I N SCH U H F Ü R

365 TAGE Was für viele lange ein Wunschdenken war wird nun Realität. Ausgestattet mit einem austauschbaren Fußbett aus Leder und einem aus kuscheligem Lammfell sowie der innovativen Vibramin Zukunft ganzjährig Sohle Ice Trek steht der im Regal. Ganz entscheidend ist hierbei die Gummimischung; sie kommt ohne scharfe oder harte Komponenten aus, die zwar für besten Grip auf Eis sorgen, aber nicht ohne weiteres auf Holz-, Linoleum oder anderen Flächen getragen werden können. Wie wichtig dieses neue Ganzjahreskonzept ist, zeigt sich spätestens am Weg in die Arbeit. Während draußen noch schmuddeliges Matschwetter oder frostige Temperaturen herrschen, ist es im Büro oder Laden meist sehr warm. Ein flotter Fußbetttausch ersetzt hier die Wechselschuhe und sorgt für allzeit prima Klima. q arcteryx.com

Stowe GTX

Mammut: Freeride-Outfit

Top im Tiefschnee W

arme Nieren, trockene Lenden und dabei noch richtig cooll ält dank aussehen. Die Gore-Tex Softshell Kombination Alyeska hält uch Reißverschlussverbindung von Jacke und Hose komplett dicht. Auch bei einem Sturz in traumhaft tiefen Powder dringt kein bisschen Schnee d der nach innen. Der Materialmix, eine verbesserte Kragenlösung und en. abzippbare Nierenschutz bieten individuelle Einstellmöglichkeiten. dungsDie hermetische Jacken-Hosen-Verbindung vereint beide Bekleidungshindert teile zu einem Ganzen. Das schafft einen einheitlichen Look, verhindert rme. unerwünschten Schnee am Körper und spendet angenehme Wärme. q mammutsportsgroup.ch

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AU S GEK LÜ GELT E S C H N I T T F Ü H RU NG FÜ R M EH R GEF Ü H L Das Grundproblem der Handschuhkonstruktion ist, die Formung der Finger im Schnitt nachzuempfinden, ohne viele Nähte rund um den Finger zu benötigen. Arc’teryx hat nun das patentierte Tri-DEXTM Schnittsystem entwickelt,

leki:wintertourenstock leki: wintertourenstock

das völlig auf Nähte an der Fingerspitze verzichtet und trotz seiner auf nur drei Nähte reduzierten Fingerform eine

Der

Aergon II ist ein höchst

stabiler zweiteiliger Wintertourenstock aus hochfestem Aluminium. Verstellbar von 90-150 cm durch das innovative

unvergleichlich anatomische Passform schafft. Jeder Finger der Hand hat beim Alpha SV Glove sein eigenes Schnittteil, das auf die individuelle Bewegungsdynamik dieses Fingers

Außenverstell-System Speed-Lock.

zugeschnitten ist. So bleibt die Taktilität weitgehend erhal-

Damit lässt sich die Stocklänge selbst

ten und gewährleistet das nötige Fingerspitzengefühl, das

mit dicken Handschuhen bei Nässe, Eis und Schnee mit einem Handgriff

Bergsteiger benötigen. q arcteryx.com

extrem schnell und absolut sicher einstellen. Die vom TÜV geforderten 55 kg werden deutlich überboten. Der

Black Diamond: Tourenski

Aergon-Griff besticht in seiner Leichtigkeit. Die ergonomisch, größere Stützfläche mit integrierter Grip Zone bietet variabelste Greifmöglichkeiten und einen sicheren Halt in der Stützfunk-

FÜ R SCH N E E S CH U HWA N D ERER tion. Das unter dem Griffkopf eingesetzte und bestens bewährte Thermomaterial sorgt für höchsten Komfort. Der Twister-Teller garantiert die perfekte Anpassung an verschiedenste Schneearten und Geländebedingungen. q leki.de

Ein Fall für unterschiedliche

Ve r h ä l t n i s s e Der

Aspect ist ein leichter Tourenski mit 90 mm

unter der Bindung für viel Auftrieb in weichem Schnee und einem aggressiven Sidecut für schnelle, geschnittene Turns bei harten Verhältnissen. Mit seinem massiven, doch leichten Holzkern aus Blauglockenbaumholz, eingebettet in eine Torsion Box-Konstruktion, ist er ein sportlicher Ski für kleine Ausflüge ins Gelände und lange Backcountry-Projekte. Die Dual Torsion Bow-Technologie mit Verstärkungen aus Carbonfasern bietet die für Black Diamond typische maximale Torsionssteifigkeit. q blackdiamondausrüstung.com

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ausrüstung

Hinter den Kulissen bei Lowa

So wird ein Schuh draus £ Nicola Förg

J

etzendorf war 1923 mit rund 570 Einwohnern ein kleiner Ort beim Freyberg’schen Schloss. Im Dorf betrieb Johann Wagner eine kleine Landwirtschaft mit Schuhmacherei. Tagsüber wurde gearbeitet, abends musiziert. Johann Wagners Söhne Lorenz, Hans und Adolf zogen zu den Bauern und flickten deren Schuhe – nix Wegwerfgesellschaft. Die Wagner Buam erlernten das „Zwienähen“, eine Fertigungsart aus dem Gebirge und auch „Goiserer“ zu machen, ein „zwiegnahter“ Haferlschuh, der seinen Namen Goisern im Salzkammergut verdankt. 1930/31 entstand das erste Fabrikationsgebäude und die Lehrlinge damals zahlten Lehrgeld, nichts andersrum. Die Schuhmacherei war nämlich hochmodern, Maschinen kam aus der Konkursmasse anderer gescheiterter Schuhmachereien, aber ohne die Musik wäre nichts gegangen – der Zuverdienst machte so manche Anschaffung möglich. Im Krieg fertigte man Bergschuhe für die Gebirgs-

jäger und Lorenz Wagner – Lowa – machte nach dem Krieg weiter. Doch dann wurde Leder zum Spekulationsobjekt. Lowa kaufte, denn man musste ja Material im Haus zu haben. Die Preise verfielen, Insolvenz, die Bank sperrte den Kredit, Lorenz Wagner zerbrach daran und starb mit 60 Jahren am Ostersonntag 1953. Sepp Lederer, der ehemalige Lehrling und Wagners Tochter Berti redeten mit Engelszungen auf die Banken ein – und hatten Erfolg und neue Ideen: Sie hatten ein wachsames Auge auf die vielen Expeditionen, entwickelten mit den Bergsteigern Schuhmodelle und das tun sie noch heute. Wenn Gerlinde Kaltenbrunner einen Schuh testet, bringt sie ihn wieder und regt eine zusätzliche Isolationsschicht an, das Frauenproblem mit den kalten Füßen. Lowa ist dicht dran am Berg und den Athleten. Kammerlander, Glowacz, Dujmovits, Papert, Jasper und natürlich Flory Kern bringen heute ihre Anregungen ein – für den Bergschuh von morgen.

220 Mitarbeiter hat Lowa, acht sitzen in Jetzendorf in der Designabteilung. Im Trend liegt es Details nach außen zu verlegen und über das Design ein Lebensgefühl zu vermitteln. Der Business Typ ist einer, der leichte Outdoor Schuhe eben auch ins Büro anzieht. 160 Leute sind in der Schuhherstellung tätig und das meint, aus circa180 Einzelteilen etwas zu schaffen. Keine Fließbandarbeit, sondern Handarbeit, Lärm, Dreck, Staub. Erst mal das Leder stanzen, nähen und kleben und dann kommt die Sache mit den Leisten. „Schuster bleib bei deinen Leisten“ oder mit Goethe „Wer den Leisten nicht kennt, wird ein Pfuscher bleiben.“ Als Leisten bezeichnet man das fußähnlich geformte Holz- oder Plastikteil, über das ein Schuh hergestellt wird. Für jeden Schuhtyp gibt es Leisten, die nach besonderen Anforderungen und Erfahrungswerten modelliert werden und für die Damen gibt’s natürlich spezielle Leistenformen. Weiter geht’s mit Zwicken – nicht die

Fotos: Archiv Lowa

Jetzendorf ist ein beschaulicher Ort im sanftwelligen Hügelland nördlich von München. Die Kleinkunstfans kennen die Jetzendorfer Hinterhof Musikanten und die Bergsportfans Lowa. Und irgendwie hat das alles miteinander zu tun.

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Mitarbeiter, sondern das schwierige Anformen des Schuhschafts. Es folgen die Randstreifen und die Gummisohlen, die meist mit einer dämpfenden Zwischensohle aus PUR-Schaum versehen sind. Der formgebende Leisten wird nochmals über den fertigen Schuh gezogen. Es folgt das Finish mit einer schützenden Appretur. Danach werden die Bergkameraden mit Schnürsenkeln, Einlagen und Produktanhängern versehen, verpackt und versandt. Würde eine Person an einem Schuh dran bleiben, würde man mit einer Arbeitszeit von drei Tagen pro Schuh rechnen müssen. 350.000 Bergschuhe entstehen im Jahr, Lowa fertigt zu 95 Prozent in Europa – in Jetzendorf, Italien, Kroatien und der Slowakei. Das Leder kommt von Leder Heinen, eine Firma, die das Label Terra Care ins Leben gerufen hat. Dabei geht es um Umweltschutz (Energie, Wasser, Rohware, Transport, Chemikalien) und um Realismus. „Es gibt kein Bio-, Öko-, organic- oder allergiefreies Leder“, sagt Thomas Heinen,

der Lederfabrik Heinen im Rheinischen Wegberg. Aber: Es gibt ein ökologisch optimal produziertes Leder. Und das geht an Lowa, wobei die Firma sich das nicht allzu groß aufs Banner schreibt. „Wir wollen da nicht ein Marketingpferd wild nach vorne galoppieren lassen, bloß aus Selbstzweck. Wir stehen da zu 100% dahinter, denn gerade wir profitieren von einer intakten Umwelt und davon, dass die Leute auch noch lange in die Berge gehen“, sagt Rolf Eberhard, der Marketingleiter. Der auch weiß, wovon er redet, selber schon drei Achttausender gemacht hat und Expeditionen begleitet. << lowa.de, terra-care.de

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ausrüstung

£ Petra Thaller Alpine Rucksäcke 28-35 Liter

Aufsteiger des

Ihr Fassungsvermögen liegt zwischen 28 und 35 Liter, sie bieten ausreichend Packvolumen für eine Zwei-Tagestour oder für die Gentleman-Dienste an einem einzigen Tag, damit wir Frauen das Tempo der Herren leichter mithalten können. 94

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ausrüstung Der richtige Rucksack

Berglust-Tipp: Damit man mit dem Wunschmodell auch über lange Zeit zufrieden ist, muss man den Rucksack im Sportfachhandel einfach anprobieren und selbst testen, ob er angenehm zu tragen ist. Am besten lässt man sich das Objekt der Begierde im Laden vollpacken und gleich vor Ort schon einmal richtig einstellen. Und so geht’s:

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Rucksack idealerweise im beladenen Zustand probieren.

Sämtliche Gurte lockern, dann als erstes den Beckengurt anziehen, damit er auf dem tastbaren Knochen der Hüfte sitzt; so lässt sich die Last von der Schulter ins Becken transferieren.

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Danach die Schulterträger anziehen, bei Rucksäcken mit verstellbarer Rückenlänge muss der Ansatzpunkt so verstellt werden, dass der gepolsterte Schultergurt die Schulter bogenförmig umschließt. Die Trägermitte soll etwa oben auf der Schulter sitzen. Die Schnalle darf dabei nicht zu weit in die Achsel hineinlaufen, da sie sonst scheuert.

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Als nächstes schließt man den höhenverstellbaren Brustgurt, er muss oberhalb der Brust sitzen. Generell ist der Brustgurt Geschmacksache – mit Ausnahme bei schnellem Absteigen oder beim Skifahren.

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Im Anschluss werden die Gurte komprimiert, mit denen man den Packsack an die gepolsterte Fläche der Schulterträger ziehen kann.

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Wenn man jetzt die Träger noch einmal leicht löst, spürt man, wie die Last von der Schulter aufs Becken übertragen wird.

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Zum Schluss noch die seitlichen Kompressionsriemen und den Deckel fixieren.

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Am besten packt man sämtliche Dinge in den Rucksack. Dies erfordert diszipliniertes Packen, erspart aber unnötiges Gewicht und der Rucksack wird zur kompakten Sache.

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eit einigen Jahren ist Leichtigkeit das Schlagwort in der Outdoorbranche, seit geraumer Zeit allerdings setzen die Hersteller von Bergsportartikeln auf Leichtigkeit in Kombination mit ausgewogener Robustheit – für ein Optimum an Qualität eben. Grammzähler werden bei den Leichtgewichten, die wir Ihnen vorstellen sicher nicht fündig. Ausrüstungskenner jedoch schon, denn ein Rucksack, der, wie der Deuter Pace 28 l lediglich 850 g auf die Waage bringt ist ein Leichtgewicht, kein Fliegengewicht. Selbst ambitionierte Bergsportler sind zwar schnell am Berg unterwegs, jedoch gehören die meisten von ihnen nicht zur illustren Speed-Gemeinde. Wer häufig in den Bergen unterwegs ist, stellt schnell fest, dass es Skitourengeher gibt, die mit einem reinen Bike-Rucksack unterwegs sind. Umgekehrt, und das ist noch viel häufiger der Fall, gibt es Heerscharen von Mountainbikern, die ihren Alpinrucksack auf den Rücken schnallen. Das ist zwar nicht im Sinne der Hersteller, jedoch die „grausame“ Realität für selbige. Wir haben uns deshalb für die erste Berglust unter dem Dach des Münchener atlas Verlages eine besondere Rucksack-Kategorie vorgenommen, die, der leichten alpinen Rucksäcke mit ausreichend Stauraum für jeden nur erdenklichen alpinen Tageseinsatz. Selbst der Manaslu 32 vom Skitourenspezialisten Dynafit, so Sepp Willibald, der Eigentümer des Dynafit-Pro-Shops doschauher. de, eignet sich für alle nur erdenklichen alpinen Spielarten. Interessant, nicht nur wegen ihrer Farben, sind der Trion light 28 von Mammut sowie der Falketind 35 von Norrøna. Details wie der isolierte Kanal für den Trinkschlauch beim Altitude 30 von Bergans machen dieses Modell für Trinkblasenliebhaber vor allem für den Wintereinsatz interessant. Wobei, und darauf kommt es uns bei dieser Modellübersicht an, das Bergans-Modell ein kompletter Alpinrucksack ist und damit das ganze Jahr über sämtlich alpinen Spielarten mitmacht. Der Roc 35 von Haglöfs ist das Urmodell der gesamten Rockserien, diese umfasst zwischenzeitlich den Roc Speed, den Roc Ice sowie den Rock Hard. Der Roc 35 ist ein typsicher sportlicher Allrounder mit Sommerund Winterqualitäten. Ein weiteres Leichtgewicht unserer Kategorie der alpinen Aufsteiger ist der Spire 32 von The North Face, er ist mit dem Pace 28 von Deuter einer der leichtgewichtigeren Kandidaten. Der britische Bergsportspezialist Berghaus ging mit dem Roam 30 an den Start und punktet in Sachen Schlichtheit und Preis mit einer speziellen Damen- oder Herrenvariante. Auch Vaude setzt mit der Crystal Rock-Serie auf Damen- und Herrenmodelle. Besonderes Highlight bei diesen Produkten ist die schnell verstellbare Länge der gepolsterten Schulterträger. Klar werden Sie jetzt sagen – wer die Wahl hat, hat die Qual. Stimmt. Wir haben sämtliche Modelle über längere Zeit im alpinen Einsatz gehabt und festgestellt, dass jedes der genannten seine Stärken und Vorzüge hat. Sämtliche Rucksäcke erfüllen die von uns gestellten Anforderungen an einen alpinen Lastenträger: Sie sind hochwertig verarbeitet, von Bergsport-Spezialisten hergestellt, fassen zwischen 28 und 35 Liter und sind für den Ganzjahreseinsatz konstruiert. Wer unseren Tipp zum Rucksack-Kauf beachtet wird, neben Optik und Funktion, garantiert sein optimal passendes Lieblingsmodell finden und lange Zeit damit Freude haben. <<

Fotos: Foto: Archiv Deuter; PhotoHeimhuber

Grundsätzlich gilt: Die passende Rückenlänge ist beim Kauf eines neuen Modells entscheidend. Bei großen Personen darf die Rückenlänge nicht zu kurz und umgekehrt, bei kleinen Menschen nicht zu lang sein.

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Bergans

bergans.de

Modell: Altitude 30 Preis: 99 Euro Volumen: 30 l Gewicht: 990 g Material: PU-beschichtetes Ripstop Polyester und PU-beschichtetes Polyester Tragesystem: gepolsterter Rücken, kein Tragesystem Kompressionsriemen: 2 Hüftgurt: leicht gepoltert mit RV-Taschen Trinksystemvorbereitung: ja, mit isoliertem Kanal im rechten Tragegurt Farben: black/red, black/blue, black/light grey Weitere Details: Laschen für Eisgeräte, Befestigungssystem für Ski/Snowboard oder Schneeschuhe, Innentaschen für Notfallausrüstung (Schaufel, Sonde) >>> Fazit: Das Tragen des Altitude 30 verspricht Freude. Er besticht durch seine Schlichtheit und lässt trotzdem keine Wünsche offen – im Sommer und Winter ein Highlight schon alleine wegen seines isolierten Trinkkanals. Nordisch schön und funktionell.

Berghaus

berghaus.com

Modell: Roam 30 Preis: 74,95 Euro Volumen: 30 l Gewicht: 980 g Material: Ardura 210 D Shadow RS und Esdura 600 D Tragesystem: gepolsterter Rücken aus atmungsaktivem Schaum Kompressionsriemen: 2 Hüftgurt: leichte Mesh-Polster-Mischung mit RV-Meshtaschen Trinksystemvorbereitung: ja Farben: Herren: schwarz, rot, blau, Damen: schwarz, lila, rot Weitere Details: spezieller Damenschnitt, 2 Stretchaußentaschen, anpassbare Eispickelhalterung (auch für Trekkingstöcke verwendbar), Front-RV-Tasche für Trinkblase >>> Fazit: Viel Rucksack für wenig Geld – im Preis-Leistungsverhältnis ist der Roam 30 nicht zu toppen. Er ist leicht, trägt sich auch beladen sehr gut. Der Roam 30 ist ein schlichter Vertreter seiner Gattung. Vielseitig, technisch und puristisch.

Deuter

deuter.com

Modell: Pace 28 SL Preis: 79,95 Euro Volumen: 28 l Gewicht: 850 g Material: Hexlite 210 / Ripstop 210 Tragesystem: flexibler, gespannter Delrin U-Rahmen garantiert Stabilität bei minimalem Gewichtsaufwand Kompressionsriemen: 6 Hüftgurt: anatomisch geformte Hüftflossen Trinksystemvorbereitung: ja Farben: black apple Weitere Details: SOS-Label, 3M-Reflektoren hinten und vorne, Seitentaschen aus Stretchmaterial, Trinkschlauch-Fixierung am Schulterträger, spezielle Kompressionsriemen dienen der Befestigung von Ski und um den Rucksack so eng wie möglich komprimieren zu können, lassen sich diese auch mittig über dem Packsack schließen, geräumiger Frontflap für Handschuhe, Felle oder Helm, Deckeltasche, Wertsacheninnenfach, verstärkter Boden, Nasswäschefach, RV-Netztasche und Materialschlaufe an den Hüftflossen, Pickelhalterungen >>> Fazit: Wie der Name schon sagt, der Pace ist für schnelle Aufstiege konzipiert. Dieses Modell hat alles, was ein leichter Rucksack braucht, ohne bei so praktischen Details, wie z. B. seitliche Außentaschen, zu sparen. Für Leute, die gerne schnell unterwegs sind.

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ausrüstung

Dynafit

dynafit.de

Modell: Manaslu 32 Preis: 139,90 Euro Volumen: 32 l Gewicht: 1400 g Material: 420 D Nylon, PU coated Tragesystem: gepolsterter Rücken Kompressionsriemen: 4 Hüftgurt: abnehmbare Polsterung Trinksystemvorbereitung: ja Farben: anthrazit Weitere Details: schnelle diagonale sowie seitliche Skibefestigung, seitlich zugängliches Steigeisenfach, zwei Pickelfixierungen, Hauptfachzugang über einen rückwärtigen, umlaufenden RV sowie über das Deckelfach, separate von außen zugängliche Fächer für die Schaufel und die Sonde, gepolstertes Brillenfach im Deckel, seitliche Netztasche für Felle, abnehmbarer Flaschenhalter am Schultergurt inkl. Thermoflasche >>> Fazit: Die Träger des Manaslu 32 geben sich 365 Tage im Jahr als Skibergsteiger zu erkennen – im Sommer wird dann das praktische Steigeisenfach kurzum zum Reparaturfach für etwaige Bike-Utensilien oder für den schnellen Zugriff auf Regenschutzbekleidung zweckentfremdet. Setzt Zeichen.

Haglöfs

haglofs.se

Modell: Roc 35 Preis: 135 Euro Volumen: 35 l Gewicht: 1500 g Material: 840 D Ballistic Polyamide und 630 HD Oxford Polyamide Tragesystem: Interact-Tragesystem mit doppelter, herausnehmbarer Rückenplatte aus HDPE mit einfacher Aluminiumschiene 6061 und stabilem, doppeltem Glasfasergestänge; Rücken teilweise aus 3 D-Mesh Kompressionsriemen: 4 Hüftgurt: verstaubar Trinksystemvorbereitung: ja Farben: black, deep red Weitere Details: verstärktes Fach an der Frontseite für die Befestigung von Steigeisen, höhenverstellbares Deckelfach an der Vorderkante, drei Fächer und Schlüsselhalter, Befestigung fürs Kletterseil unter dem Deckelfach, Schneefang in einer Bewegung zu öffnen, Innentasche für Trinksystem, Brustgurt mit Trillerpfeife, Reflektionsaufdruck >>> Fazit: In unserer Produktübersicht ist der Roc 35 der größte Teilnehmer – deshalb darf er ruhig auch ein paar Gramm mehr auf die Waage bringen. Für längere alpine Routen oder Mehrtagestouren ist man mit dem Allrounder der Roc-Familie bestens beraten. Bergklassiker für Alpinisten.

Mammut

mammut.ch

Modell: Trion Light Preis: 170 Euro Volumen: 28 l Gewicht: 1100 g Material: 100 D Nylon Double Ripstop; Boden: 840 D Nylon Ballistic Tragesystem: Butterfly-Rahmen Alu 8 mm Kompressionsriemen: 4 Hüftgurt: abnehmbar und gepolstert Trinksystemvorbereitung: ja Farben: fern-papel Weitere Details: 2-Lagen High Density EVA-Rückenpolster, Hüft- und Schultergurt mit laminiertem Stretch-Stoff-Bezug, wasserdichter, herauszippbarer Innensack, Rolltop-Verschluss, 2 abnehmbare Pickelhalterungen >>> Fazit: Deckeltasche oder lieber der schnellverschließbare Rolltopp-Verschluss – diese Frage stellt sich beim Trion Light nicht, da er auch ohne Deckeltasche ein vollständiger Vertreter seiner Gattung ist. Zippt man den Innensack heraus ist er zwar nur noch wasserabweisend, jedoch noch um einige Gramm leichter. Bringt Farbe in die Berge.

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Norrøna

norrona.no

T h e N o r t h Fa c e

Va u d e

vaude.com

thenorthface.com Modell: Falketind 35 Preis: 179 Euro Volumen: 35 l Gewicht: 1300 g Material: 330 High Tenacity Nylon RS und 500 D Cordura Tragesystem: gepolsterter Rücken Kompressionsriemen: 4 Hüftgurt: gepolstert und abnehmbar Trinksystemvorbereitung: ja Farben: raspberry rose, ebony, orange Weitere Details: seitliche Befestigungsschlaufen für Ski und Pickel, Deckelfach höhenverstellbar, sämtliche Reißverschlüsse sind stark wasserabweisend >>> Fazit: Verführung in Pink – für Liebhaberinnen dieser Farbe ist der Falketind ein absolutes Muss. Darüber hinaus besticht er durch Features wie den Zugriff zum Packsack mittels Front-Reißverschluss. Selbst Unordentliche werden so schnell fündig. Ein klares Commitment – für Bergladies.

Modell: Spire 32 Preis: 100 Euro Volumen: 32 l Gewicht: 920 g Material: 315 D Cordura Nylon und 210 D Nylon Ripstop Tragesystem: Rückenteil gepolstert mit Luftzirkulationskanäle und herausnehmbarem Stützgerippe aus Aluminium 6061 Kompressionsriemen: 4 Hüftgurt: einstellbarer und abnehmbarer Hüftgurt Trinksystemvorbereitung: ja Farben: black, kiwi green Weitere Details: Verstärkungen gegen Abrieb an besonders beanspruchten Stellen, anpassbare Eispickelhalterungen, mehrere Materialösen, einstellbarer Schultergurt, Brustgurt mit integrierter Trillerpfeife, seitliche Kompressionsgurte >>> Fazit: Nicht nur für Nordwand-Gesichter – der kiwigrüne Lastenträger erfreut das Bergsteigerherz das ganze Jahr über. Ein klassischer Rucksack für alle alpinen Spielformen. Farbenfroher Begleiter.

Modell: Crystal Rock 25 Preis: 90 Euro Volumen: 25+5 l Gewicht: 1300 g Material: 210 D Dobby Polyamid PU coated, 600 D Polyester PU coated, 500 D Cordura Polyamid PU coated Tragesystem: geschweißter, gepolsterter Rücken Kompressionsriemen: 4 Hüftgurt: abnehmbare Mesh-Polster-Kombination Trinksystemvorbereitung: ja Farben: red/winered, polar/brown Weitere Details: Speziell für Frauen gestalteter Kletterrucksack mit Topo-Frontprint, Infopanel zu alpinen Notsituationen unter den abnehmbaren Deckel, RV-Fach im Deckel, zusätzliche RV-Deckeltasche innen, Seilhalterung unter dem Deckel, Kartentasche, Geräteschlaufen, e-link-System: Rucksack kann an Edelrid-Klettergurten befestigt werden, weich gepolsterte, anatomisch angepasste Schulterträger >>> Fazit: Zugeben, der Crystal Rock ist zwar schwerer als andere Modelle, jedoch punktet er in Sachen längenverstellbarer Tragegurte. Ein leichter Zug an den dafür vorgesehe Schlaufen und die Schulterträger lassen sich ohne großen Aufwand verlängern und verkürzen. Für größere und kleinere Bergsteiger.

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bergsport Der Frühling kündigt sich mit den ersten warmen Sonnenstrahlen an und lockt viele Radler wieder auf

Waschen Sie das Bike mit Wasserschlauch und Schwamm, um es vom Schmutz der vergangenen Saison zu befreien. Verzichten Sie dabei auf einen Hochdruckreiniger, da dieser Dichtungen und Lager beschädigen kann. Anschließend sollten Sie sich die Zeit nehmen und den Rahmen auf Beschädigungen prüfen. Leichte Dellen in Alurahmen stellen im Normalfall keine technische Beeinträchtigung dar, anders verhält es sich bei Beschädigungen an Carbonrahmen. Hier ist absolute Vorsicht angesagt. Im Zweifelsfall aber bitte immer den Händler konsultieren.

die Straße bzw. auf die Trails. Also marschiert man in den Keller und findet häufig sein Rad so vor, wie man es im Herbst der vergangenen Saison nach einer letzten vielleicht doch eher feuchten und schlammigen Tour abgestellt hat

Reinigen Sie Schaltwerk und Umwerfer mit dem Putzlappen und ölen die beweglichen Teile mit einem Mehrzwecköl wieder leicht ein. Bei dieser Gelegenheit freuen sich auch die Lager an einem vollgefederten Bike und die Klickpedale über einen Tropfen Öl. Die Sattelstütze sollte ebenfalls eingefettet werden.

Reinigen Sie die Kette und ölen diese mit Kettenöl wieder ein. Je nach Einsatzzweck und Beanspruchung sollte man auch überlegen, die Kette gegen eine neue auszutauschen. Hierzu benötigen Sie aber in der Regel einen Kettennieter um die Kette abzulängen bzw. zu verschließen.

Tipp vom Profi: Das Mountainbike

Fit für die neue Saison £ Karsten Voigt

V

erkrusteter Schlamm, quietschende Bremsen, schwergängige Schaltung oder eine rostige Kette laden nicht wirklich ein, die erste Schleife mit Einkehrschwung am Eiscafe zu drehen. Spätestens jetzt wird eigentlich jedem klar, dass ein kleiner „Frühjahrscheck“ am Bike fällig ist. Ein „kleiner“ Check sollte übrigens vor

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jeder längeren Ausfahrt selbstverständlich sein, schon aus Gründen der eigenen Sicherheit. Heutzutage gibt es ohnehin keinen Grund mehr, sein Rad im Winter nicht zu benutzen. Denn Rahmen aus Alu oder Carbon können der Witterung bedenkenlos ausgesetzt werden. Bedingung hierfür ist natürlich die regelmäßiger Pflege und Wartung. Denn so hat man an seinem Bike über viele Jahre hinweg sehr viel Freude.

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Ölen Sie auch die Schalt- und Bremszüge mit Mehrzwecköl. Sollte die Schaltung anschließend immer noch schwergängig gehen, tauschen Sie den Schaltzug gegen einen neuen aus.

Die Laufflächen und Dichtungen der Federgabel und des Dämpfers reinigen Sie vorsichtig mit einem Mehrzwecköl. Niemals angetrockneten Schmutz einfach mit dem Lappen wegwischen, es könnten Kratzer entstehen.

Zum Schluss prüfen Sie noch den Luftdruck in Reifen. Für Federgabel und Dämpfer sollten Sie noch einmal das Setup überprüfen ggf. auf ihr jetziges Gewicht korrigieren. Mit Federgabelpumpe und Herstellervorgabe ist das kein Hexenwerk und für jeden Biker machbar.

Prüfen Sie die Bremsbeläge und wechseln Sie diese ggf. gegen neue aus. Prüfen Sie auch vorsichtig die Gängigkeit der Bremskolben, diese setzen sich über die Wintermonate immer mal wieder fest. Für diese Arbeit sollten Sie aber vorher in die Bedienungsanleitung für Ihre Bremsanlage schauen.

Aber Hand aufs Herz, häufig ist durch die Pflege des Bikes das eigentliche Problem und wird übel vernachlässigt. Für das Auto sind regelmäßige Wartung und Inspektion selbstverständlich, für andere „bewegliche Dinge“ des täglichen Lebens gelten da häufig ganz andere Regeln. Ein kleiner Tipp am Rande – der Fahrradhändler um die Ecke hat im Winter viel mehr Zeit für Ihr Bike als im Frühjahr – dann wollen alle was von ihm und der Laden ist mit Rädern überfüllt. Da geht es dann zu wie beim Reifenhändler nach dem ersten Schneefall. Wenn man also keine Lust oder unter Umständen auch keine Zeit hat, das Bike selbst einer Wartung zu unterziehen, dann nutzt man am besten einen der Wintermonate, um es beim Händler des Vertrauens abzugeben. Im Frühjahr muss man dann nur noch den Reifendruck überprüfen und kann losstarten. Alle anderen machen den „Frühjahrscheck“ an ihrem Bike in Eigenregie. Das ist auch für „Nichttechniker“ kein Problem und ab-

Prüfen Sie ob alle Schrauben, insbesondere an Vorbau, Lenker und Sattel vorhanden und angezogen sind, ansonsten ziehen Sie diese ggf. mit einem passenden Innensechskantschlüssel mit Gefühl nach. Besondere Vorsicht ist bei Leichtbauteilen aus Alu oder Carbon angesagt – hierfür sollten Sie sich unbedingt einen geeigneten Drehmomentschlüssel zulegen, damit Sie diese Schrauben mit dem vom Hersteller vorgeschriebenen Drehmoment anziehen können, alles andere bedeutet akute Bruchgefahr.

Überprüfen Sie auch die Reifen und Felgen. Ist der Reifen abgefahren – tauschen Sie diesen gegen einen neuen aus – das ist ein Pannengrund weniger. Ansonsten reicht eine normale Sichtprüfung auf evtl. Beschädigungen aus. Hat die Felge einen Höhen- oder Seitenschlag, sollten Sie diese zentrieren lassen. Das kann man als versierter Schrauber selbst machen oder man gibt die Felge zum Händler, der diese Arbeit schnell für Sie erledigt.

solut machbar. Vorteil hier – man lernt sein Bike besser kennen und kann so vielleicht auch im Notfall einige Dinge selbst wieder richten, damit die Weiterfahrt nach Hause nicht zum scheitern verurteilt ist oder man gar auf fremde Hilfe angewiesen ist. Trotzdem sollte man die vom Hersteller angegebenen Serviceintervalle nicht übersehen, damit keine Garantieansprüche verloren gehen. Mit dieser „Checkliste“, die nur als grober Anhaltspunkt dienen soll, möchten wir Ihnen einmal die wichtigsten Punkte aufzeigen. Suchen Sie sich einen Platz, an dem Sie Ihre Arbeit ungestört durchführen können und legen Sie sich Putzlappen, Kettenund Mehrzwecköl, Innensechskantschlüssel, Reifen- und Federgabelpumpe und vielleicht auch einige Verschleißteile bereit, bevor Sie anfangen. Nach diesen Arbeiten steht einem Start in die neue Bikesaison nichts mehr im Wege. Das Team von Berglust wünscht Ihnen dabei viel Spaß. <<

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ausrüstung Der Morgen duftet nach Frühjahr, während der sonnigen Mittagsstunden kann man jetzt schon hemdsärmlig im Straßencafé sitzen und der Moment, an dem das Tageslicht der Nacht weichen muss, verschiebt sich immer weiter nach hinten. Für uns Gründe genug Ihnen einige Produkte für die wärmere Jahreszeit in den Bergen vorzustellen – zum Wandern oder für alpine Klettersteige.

Alpina

Durchblick Die Praffix 4.0 ist für alle nur erdenklichen alpinen Spielformen geeignet: Bergsteigen, Klettern oder Mountainbiken – dieses Modell schützt nicht nur das Auge optimal, es sieht auch dynamisch aus. Je nach Rahmenfarbe sind die Brillengläser in 2 unterschiedlichen Qualitäten erhältlich (Rahmen/Farbe: tin/blue mirror; white/black mirror; black/black) – sämtliche Gläser sind bruchfest, schützen das Auge bis 400 nm und sind hartbeschichtet. Die verspiegelten Gläser absorbieren zudem Infrarotstrahlen. Details: Gezielte Luftstromführung gegen Beschlagen, weiche Stirnauflage und weiches Nasenpad für optimalen Tragekomfort, stark gewölbte Scheiben zum Schutz der Augen vor Zugluft und Kälte, verstellbares Bügelgelenk, kalt verformbare(r) Nasensteg und Bügelenden für optimale Passform. alpina-eyewear.de Preis: 69,95 Euro

Für die Harten und die Zarten

£ Petra Tha Thaller

Wandern Klettersteig Vaude

Allzeit bereit… Ciclo Sport

Multifunkti Multifunktionsuhr mit Herzfrequenzmessung Herzfrequenz Die Alpin-Multifunktionsgeräte stehen für präzise und schnelle Informationen am Berg. Berg g . Die Alpin 5 ist genau das richtige Modell fü für anspruchsvolle Bergenthusiasten, uchsvolle Bergenth Sportler und Weltenbummler, sie brillierte mit hervorragenden Messergebnissen und hoher Bedienerfreundlichkeit. Details: PC-Auswertung mittels USB-Interface, Wetterstation, Höhenmesser, Herzfrequenzmessung, Kalorienverbrauch, Uhr, Stoppuhr, Displaybeleuchtung, Temperaturmessung und Alarmfunktion ciclosport.de

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Haglöfs

Deuter

Lässiger Schnitt

Stauraum für Aufsteiger

Die neuen, frischen Schnitte der ClimaticTM Hosen, Low Cut für Damen und der sportlich lässige Loose Cut für Herren. Beispielsweise das Modell Mid Q Trail – designed für aktive Sportlerinnen, die neben dem robusten Material mit hervorragender Feuchtigkeitsregulierung sowie optimaler Bewegungsfreiheit, auch auf feminines, zeitgemäßes Design Wert legen. Ebenfalls neu bei Haglöfs: erweiterte Größen bei den ClimaticTM Hosen. Mit der neuen Kollektion 2010 werden Damenmodelle von Konfektionsgröße 34 bis 46 angeboten, Herrenhosen von XS bis XXXL. haglofs.de Preis: 100 Euro

Für alle Berg-Profis hat sich die klare, leichte Quintessenz der Deuter Guide-Tourklassiker seit langer Zeit bewährt. Mit dem Guide Lite 32 (1150 g, 32 l) kann man locker zur Hochtour auflaufen, weil kein Gramm zuviel an den Kräften zehrt. Details: Delrin-Rahmen, herausnehmbare Sitzmatte, lange Passform für Personen mit etwa 170 cm bis 195 cm Körpergröße, sehr kompakte und anatomisch geformte Hüftflossen mit Kompressionsriemen und Pull-Forward, Deckelfach mit zentralem RV, Wertsacheninnenfach und SOS Label, Nasswäschefach, Windfang, anatomisch geformte Schulterträger mit Lageverstellriemen, Kompressionsriemen, verstärkte Skihalterung seitlich, Pickelhalterungen, Karabinerösen vorn, Deckelbefestigung. deuter. com

Directalpine

Durchdachtes Design

Das Guide Jacket des tschechischen Bergsport-Spezialisten ist eine funktionelle, leichte Überjacke, die in Zusammenarbeit mit französischen Bergführern aus Chamonix entwickelt wurde. Sie besticht durch ihre Kombination aus hochwertigen Materialien mit großer Festigkeit, bei minimalem Gewicht. Das Rückenteil ist verlängert, am unteren Saum der Jacke sind zur Verbindung von Vorder- und Rückenteil elastische Gummibänder angebracht die ein Hochschieben in Bewegung oder bei starkem Wind verhindern. Die Kompaktkapuze ist ein Bestandteil des markant nach oben gezogenen Kragens, der auch als Gesichtsschutz dient. Die anatomisch geformten Ärmel gewährleisten uneingeschränkte Bewegungsfreiheit. Der Ärmelabschluss ist zum Handrücken verlängert und durch Klettverschlüsse regulierbar. Schulterbereich und Gesichtsschutz sind mit abriebfestem, elastischem 3-Lagen-Laminat ausgestattet. Der Rest der Jacke besteht aus 2/1-Lagen-Laminat. directalpine.com Preis: 249 Euro

Petzl

Sicherheit im Klettersteig Hanwag

Einer für Alles Mit dem Banks GTX geht wirklich das Meiste. Ob Wandern, Stadtbummel oder Weltreise: Der leichte und absolut wasserdichte Gore-Tex Schuh wird nach der handwerklich aufwändigsten, aber auch langlebigsten Machart gefertigt, dem „Zwicken“. Dies garantiert nicht nur eine lange Lebensdauer, sondern verleiht dem Schuh auch seine typische und dauerhaft sehr gute Passform. Details: problemlose Wiederbesohlung, Obermaterial: Kombination aus Nubuk, Sportvelours und Cordura, fester Sitz durch eine speziell geformte Fersenkappe, Trittsicherheit dank der Vibram Ultra Grip-Sohle. hanwag.de Preis: 159,95 Euro

Das Klettersteigset Scorpio Vertigo WL bietet alles, was man braucht, um einen angenehmen Tag in den Felsen zu verbringen. Arme mit Gummizug stören beim Klettern nicht. Die Reißverschluss-Hülle schützt den Fangstoßdämpfer und gestattet eine schnelle und einfache Überprüfung seines Zustands. Der dritte Arm ist praktisch für Quergänge oder zum Ausruhen, indem man sich direkt am Gestänge einhängt. Die zwei Vertigo WL-Verbindungselemente mit automatischer Verriegelung sind schnell und einfach einzuhängen und zeichnen sich darüber hinaus durch eine erhöhte Lebensdauer und minimale Wartung aus. petzl.de Preis: 89,95 Euro

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ausrüstung Löffler Löf

Urban Rock

Bergsport-Spezialist

L Leicht und e elastisch

Der Vertical 35 (1200 g) ist für alle geeignet, die ihre Ausrüstung übersichtlich verstauen möchten. In den beiden seitlichen Balgtaschen bieten zusätzlichen Stauraum, für Dinge, auf die man schnell zugreifen möchte. Im Sommer auf Bergsteigen oder im Winter auf Skitour , der Vertical bietet alles was ein Bergsteiger das ganze Jahr über braucht: Deckeltaschen, Karabinerschlaufe, Regenhülle, Sitzmatte, Trinksystemvorrichtung, Ski-, Stock- und Pickelbefestigungsmöglichkeit, seitliche Rückenverstärkung, Airmesh-Rücken, abnehmbarer Hüftgurt. urbanrock.at

Die neuen D

TranstexT Shirts für S Damen Dame und Herren eignen eigne sich für alle sportlichen Freizeitaks portl tivitäten t ivität im Sommer und in der u n sind s klassischen Löffler kla kl a ss Transtex-Technologie T gefertigt. Löffler Transtex steht für Leichtigkeit, Elastizität und hoher Tragekomfort. Die innere Schicht aus der Klimafaser Polypropylen sorgt für einen raschen Abtransport von Schweiß und trockenes Hautgefühl. Neu: An der Oberseiten ist eine leichte Schicht aus Bio-Baumwolle, die für eine rasche Verdunstung und angenehmen Tragekomfort sorgt. Dadurch wird Schweißgeruch weitestgehend reduziert, ohne die Haut durch chemische Bakterienstopps zu reizen. loeffler.at Preis: N.N. (Transtex-Poloshirt)

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Leki

Leicht und stabil Der Carbonlite – das leichteste Trekkingstock-Modell, überzeugt nicht nur durch das minimale Packmaß von 61 cm, sondern auch durch die exzellente Biegesteifigkeit und das perfekte Schwungverhalten. In dem zukunftsweisenden und in seiner Leichtigkeit bestechende „Aergon“-Griff hat Leki die Korrektionszone bereits integriert. Das Resultat ist ein minimales Packmaß – ein wichtiges Argument für den Transport der Stöcke und vor allem für das Verstauen am Rucksack. So können gefährliche Situationen im Klettersteig, zum Beispiel ein „Hängenbleiben“ am Fels, weitgehend vermieden werden. Die Schlaufe ist durch die „Lock Security“-Funktion individuell einstellbar. Bei Zugbelastung nach oben, klappt der Griffmechanismus auf. Bei Zugbelastung nach unten bietet die Schlaufe eine Stützfunktion. leki.de Preis: 134,95 Euro

Ortlieb

Wasser los

Black Diamond

Kopfschutz Der Half Dome hat ein MicroSchnellverstellsystem: Ein kurzer Dreh am Knopf, schon passt der Helm wie maßgeschneidert. Trotzdem wiegt er weniger als je zuvor: Mit 325 g gehört er zu den leichtesten seiner Art! Dazu noch die gute Passform, die hohe Sicherheit, eine effektive Belüftung – schon eignet er sich bestens für sämtliche Spielarten des Bergsteigens, egal ob im Fels oder im Eis. blackdiamondequipment.com

Die Wasserkatze ist ein Wasserbeutel mit besonderen Befestigungsmöglichkeiten: Sie kann wie die Geldkatze am Körper um die Hüfte getragen oder z.B. außen an Rucksäcken befestigt werden. Mit einem Volumen von 2 Litern ist sie als mobiles Trinksystem eine Alternative zu Plastik- oder Aluminiumflaschen. Im leeren Zustand hat die Wasserkatze ein minimales Packmaß und ist dadurch gut verstaubar. Ideales Zubehör als Ergänzung: Der Ortlieb Trinkschlauch. Mit seinem universellen Schraubadapter passt er auf den Verschluss der Wasserkatze (wie auch des Wasserbeutels) – womit sich beide als vollständiges Trinksystem kombinieren lassen. ortlieb.de Preis: 19,95 Euro

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wissen

Verband Österreichischer Berg- und Skiführer

£ Manfred Lorenz — Hansi Heckmair Am 5. April 2001 stürzte ein Bergführeranwärter während einer Skitour auf dem Vadret da Morteratsch 25 Meter tief in eine Gletscherspalte und verstarb an der Unfallstelle. Manfred Lorenz war damals am Unfallort und beschreibt im Folgenden den Hergang dieses besonders tragischen Unfalls.

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Die Vorgeschichte Ein Bergführerbüro arbeitet seit Jahren mit einem niederländischen Skiverein zusammen, der Skitouren in den Alpen veranstaltet. Im Frühjahr 2001 wollten die Alpinisten eine Tourenwoche im Berninagebiet durchführen. Ein Teil der Gruppe hatte mit einem Führer des Büros bereits Erfahrung im Ortlergebiet und auf der Haute Route gesammelt und wollte auch dieses Jahr wieder mit ihm unterwegs sein. Wegen der Größe der Gruppe wurde von der Bergführerstelle ein zweiter Führer organisiert, der kurz vor dem Abschluss seiner Bergführerausbildung stand. Nachdem sich die Skitourengeher am 31. März 2001 in Pontressina mit ihren Bergführern getroffen hatten, führten sie im Berninagebiet in den folgenden Tagen Touren zum Piz Muovigia, zur Marinelli Hütte und zum Piz Palü durch. Vom Piz Palü fuhren sie schließlich über die Fuorcla Bellavista – Trasse Buuch – zur Boval Hütte ab. Dabei verschafften sich die beiden Bergführer einen Überblick über die in diesem Gebiet herrschender Verhältnisse.

Der 5. April 2001 Die Skitourengeher verließen um 6.00 Uhr die Boval Hütte, um über das Buuch die Bellavista oder den Piz Bernina zu besteigen. In der Nacht hatte es rund 20 bis 30 cm Neuschnee gegeben. Der Schneedeckenaufbau war kompakt und durch die letzten Schneefälle vom 30. März und 4. April 2001, verbunden mit Wind, erschien die Oberfläche des Morteratsch Gletschers sehr glatt. Es war äußerst schwierig, sich ein Bild über den Verlauf der vorhandenen Gletscherspalten zu machen, da nur sehr große Spalten mit einer Breite von drei und mehr Metern, über denen sich die Schneebrücken leicht eingebuchtet hatten, sichtbar waren. Der Aufstieg führte die Gruppe über den frisch verschneiten Gletscher in Richtung Fuora und Buuch. Sämtliche Tourenteilnehmer trugen Anseilgurte und LVS-Geräte. Die beiden Führer hatten zusätzlich Seile bei sich. Im anstrengenden Aufstieg wechselten sich die Führer in der Spurarbeit ab. Der Abstand zwischen den einzelnen Personen betrug rund zehn Meter. Auf einer Höhe von 3120 Meter legte der Bergführeranwärter, der zu diesem Zeitpunkt die Gruppe anführte, die Spur leicht ansteigend nach Westen in Richtung Buuch. Die Schneeoberfläche war gleichmäßig glatt und links und rechts der gewählten Routenführung waren keine Konturen von Gletscherspalten erkennbar. Wetter und Sichtverhältnisse waren gut.

Der Unfall Ohne Vorzeichen brach beim spurenden Bergführeranwärter plötzlich auf einer Länge von ca. 15 Metern eine 2,50 Meter breite Schneebrücke über einer Spalte ein. Der Ungesicherte stürzte mit den Schnee- und Eismassen in die Gletscherspalte und wurde in ca. 25 Metern Tiefe verschüttet. Sein Führerkollege richtete sofort eine Verankerung ein und seilte sich in die Spalte ab. Mit dem Verschütteten-Suchgerät gelang ihm zwar eine rasche Ortung,

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wissen

Safety first Um kritische Situationen zu vermeiden, bzw. um möglichst schnell und flexibel auf geänderte Bedingungen reagieren zu können, sollten folgende Maßnahmen immer eingehalten werden:

ne starre Regel, dass immer und überall ein Seil verwendet werden muss, umgekehrt darf aber auch keinesfalls generell auf die Seilverwendung verzichtet werden. Durch die Untersuchung ist erstellt, dass der Morteratsch Gletscher und das gesamte Bernina Gebiet Eine Analyse ••• Starke Argumente anzuseilen sind: zum fraglichen Zeitpunkt überDie Untersuchungen ergaben, dass die SkitouBei schlechter Sicht. In Gletscherbrüdurchschnittlich tief verschneit und rengruppe auf der üblichen Normalroute aufgechen, insbesondere bei rasch fließenden die Schneedecke (teilweise bis 20 m stiegen war, und dass in der Bernina zum UnGletschern. Nach Neuschnee unter hoch), abgesehen von dem erst kurz fallzeitpunkt außergewöhnliche SchneeverWindeinwirkung. Bei starker Durchzuvor gefallenen Neuschnee, komhältnisse herrschten. Die Schneebrücke über der feuchtung der Schneedecke. Bei pakt und gut gesetzt war. Die zwei Spalte war an den Seiten 4 Meter hoch. Der aktuellem Schneemangel (z.B. im Bergführer waren die Aufstiegsroute Schnee hatte die Spalte gegen die Mitte hin Frühwinter oder bei starker Erosion der bereits zwei Tage zuvor mit ihren dachförmig überdeckt und wies am schwächsSchneedecke durch Wind). Gästen abgefahren, wobei sie sich ten Punkte immer noch eine Höhe von 80 cm einen unmittelbaren Eindruck von auf. Den Aufnahmen von der Unfallstelle konnden Verhältnissen vor Ort verschaffen konnten. Der Bergführer te entnommen werden, dass sich an der Unfallstelle und im näkannte das Gebiet auch von früheren Begehungen. Als sich das Unheren Bereich derselben zum Unfallzeitpunkt keine Anzeichen glück ereignete, führte der Bergführeranwärter die Gruppe an. Es für Spalten feststellen lassen. kann davon ausgegangen werden, dass ein Bergführeranwärter unter den Augen eines Ausbilders besonders darum bemüht ist die Sachverhaltsdarstellung der Staatsanwaltschaft Graubünden: Aufstiegsspur möglichst günstig anzulegen und sein Gäste ohne „Im vorliegenden Fall kam den beiden Bergführern im Verhältnis Gefährdung zu führen, mit anderen Worten, ein Führer leitet unter zu den Tourengängern aus den Niederlanden aus dem zwischen diesen Umständen höchstwahrscheinlich vorsichtiger und mit weihnen bestehenden Auftragsverhältnis zweifelsfrei Garantenstelniger Risikobereitschaft als sonst. Aus diesen Gründen, insbesondelung zu. Weniger klar ist dies im Verhältnis zwischen den beiden re aber wegen der fehlenden Gefahrenhinweise und weil er seinen Bergführern. Unter ihnen bestand kein Vertrag. Die Beiden wurden Kollegen als vorsichtigen Führer kennen gelernt hatte, hatte der als gleichberechtigte Führer angesehen, die Entscheide wurden jeBergführer keine Veranlassung dem Bergführeranwärter nahe zu weils von beiden gefällt und die Teilnehmer von beiden abwechlegen, das Anseilen anzuordnen. selnd geführt. Dennoch muss dem Bergführer aufgrund seiner, im Anzufügen ist, dass selbst wenn der spurende Bergführer am Seil Gegensatz zum verstorbenen Bergführeranwärter, abgeschlossegegangen wäre, keine Garantie dafür bestanden hätte, dass er den nen Bergführerausbildung und, da er diesem gegenüber zumindest Spaltensturz überlebt hätte. Vielmehr ist davon auszugehen, dass bis zu einem gewissen Grad weisungsbefugt war, eine Garantener durch die nachstürzenden großen Eis- und Schneemassen erstellung zugeordnet werden. Diese war aufgrund der Umstände schlagen worden wäre. Ausgehend dieser Erwägungen wurden aber nicht so umfassend wie jene, welche die beiden Führer ihren dem Bergführer daher kein sorgfaltswidriges Verhalten und mitGästen gegenüber hatten, da auch der Bergführeranwärter über hin keine Fahrlässigkeit angelastet und die Strafuntersuchung im eine überdurchschnittliche Qualifikation im alpinistischen Bereich Sinne der Erwägung eingestellt.“ (Staatsanwaltschaft Graubünverfügte. Im Gegensatz zu geführten Sommertouren, bei welchen den) die allgemein anerkannte Lehrmeinung vertreten wird, dass auf Gletschern mit Schnee und Firnauflage anzuseilen ist, gibt es für Skitouren im Winter lediglich vage, wenig konkrete und teilweise Zehn Jahre danach widersprüchliche Lehrmeinungen, die noch dazu in der Praxis weitIm Gegensatz zu geführten Sommertouren, bei welchen die allgehend ignoriert werden. Diese können daher nicht als allgemein gemein anerkannte Lehrmeinung gut verbreitet ist, dass auf anerkannte Verhaltensregeln bezeichnet werden. Es gibt weder eiGletschern mit Schnee- und Firnauflage anzuseilen ist, werden eine Bergung war jedoch aufgrund der schwierigen äußeren Bedingungen nicht möglich. Darauf alarmierte er über Mobiltelefon die Einsatzleitung der REGA. Nach 2 1/2 Stunden konnte der Verunglückte schließlich aus den Schnee- und Eismassen befreit werden.

••• Anseilgurte bei Betreten des Gletschers anlegen. Sicherheitsabstände einhalten (im Aufstieg 5 m, bei der Abfahrt 30 m, bei Sammelpunkten 5 m). Defensive Fahrweise (z.B. Abfahrt im Bereich der Aufstiegsspur). In kritischen Passagen: Spurfahren.

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bei Skitourengeher im Winter heute immer noch Standards weitgehend ignoriert und folgende Hauptirrtümer nicht beachtet.

Fotos: hansiheckmair.com

••• In schneereichen Wintern – kann auf ein Seil verzichtet werden. Grundsätzlich leuchtet es ein, dass bei guter Schneelage die Spalten ausreichend bedeckt sind und Spaltenstürze daher weitgehend ausgeschlossen werden können. Der Irrtum besteht aber darin, dass in schneereichen Wintern zwar die kleinen und mittleren Spalten stark verfüllt werden, die großen Spalten jedoch nur mit wenig tragfähigen Brücken überdeckt sind, die zusätzlich unsichtbar bleiben. Spaltenstürze in schneereichen Wintern sind deshalb zwar weniger häufig, dafür sind aber die Folgen umso schwerwiegender, verschärfend wirken die nachstürzenden Schnee- und Eismassen. ••• Auf vom Sommer her bekannten, weitgehend spaltenfreien Gletschern kann auf ein Seil verzichtet werden. Die Zahl und die räumliche Verteilung von Gletscherspalten im Sommer auf den Winter umzulegen, halte ich für ziemlich schwierig, eigentlich sogar für unmöglich. Zusätzlich sind unsere Gletscher und ihre Spalten permanenten Veränderungen unterworfen. Auf Gletschern mit mächtiger, tief verfirnter, gefrorener Schneedecke (z.B. in den frühen Morgenstunden) – kann auf ein Seil verzichtet werden. Dieser Empfehlung an sich, kann wohl nichts entgegengehalten werden. Das Problem hierbei besteht wohl in erster Linie in der Interpretation und Umsetzung durch uns. Was gilt als mächtige, tief verfirnte, gefrorene Schneedecke? Wie tief müssen die Temperaturen sein, damit es sicher ist? <<

Manfred Lorenz ••• staatl. gepr. Berg- und Skiführer ••• Produkt Management + Logistik – DAV Summit Club GmbH ••• Vizepräsident IVBV/UIAGM/IFMGA Manfred Lorenz stammt aus einer alten, bekannten Berg- und Skiführerfamilie aus Galtür im Tiroler Paznauntal. Er wurde am 23. Oktober 1961 in Zams in Tirol als Sohn des Ehepaares Franz und Hildegard Lorenz geboren. Seine Eltern bewirtschafteten über 40 Jahre lang, bereits in der dritten Generation, die Jamtalhütte. Seine Mutter kam beim Lawinenunglück in Galtür am 23. Februar 1999 ums Leben. Manfred Lorenz ist mit Laura Lorenz, geborene Walter verheiratet und Vater von vier Kindern: Benjamin, Andrae, Marcella und Vanessa. Seit 20 Jahren arbeitet Manfred Lorenz hauptberuflich als Berg- und Skiführer im Winter im Bereich der Skiausbildungen- und Skitourenführungen sowie bei Ausbildungskursen im Sommer, Vorbereitungskursen für Trekkings und Expeditionen, Kletterkursen, kulturthematischen Wanderungen sowie Kletterführungen. Trekkings und Expeditionen leitete er in Nord- und Südamerika, Alaska sowie im Himalaja und in Tibet. Dabei bestieg er die höchsten Berge der Welt: den Hidden Peak (8067 m) und den Cho Oyu (8211 m) im Himalaja, den Mt. McKinley (6194 m) in Alaska sowie den oft als schwierigsten Berg der Welt bezeichneten Cerro Torre (3133 m) in Patagonien. Manfred Lorenz ist Mitglied des österreichischen und internationalen Bergführerverbandes, des österreichischen Skilehrerverbandes, der österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin sowie in den Rettungsorganisationen Österreichischer Bergrettungsdienst, ÖAMTC Flugrettungsverein, Triangulaire Zermatt und in der FlugrettungsDreiländervereinigung Tirol, Südtirol und Graubünden. 1997 wurde Manfred Lorenz zum allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen für die Fachgebiete Alpinistik, Sommerbergsteigen, Winterbergsteigen und Sicherheit am Berg akkreditiert. Seine zwanzigjährige hauptberufliche Bergführertätigkeit war und ist gekennzeichnet durch viele persönliche Begegnungen und Erlebnissen, in einer einzigartigen und unbekannten Weise vom Leben zwischen den Bergen. Von 2000 bis 2009 war Manfred Lorenz Präsident des Österreichischen Berg– und Skiführerverbandes. Seit Januar 2006 ist Manfred Lorenz in der DAV Summit Club GmbH in München und für das Produkt Management/ Logistik verantwortlich. Im November 2009 wurde Manfred Lorenz zum Vizepräsidenten des IVBV (Internationale Vereinigung der Bergführerverbände) gewählt.

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wissen

£ Joachim Chwaszcza Über 4400 aktive Einsatzmitglieder und mehr als 12.000 Rettungseinsätze jährlich. Die Bergwacht Bayern ist weit mehr als ein Verein kerniger Burschen und Maderln. Aus dem alpinen Alltag sind diese hoch motivierten und technisch perfekt ausgerüsteten Einsätze schon lange nicht mehr wegzudenken

Bergwacht

Eine eingeschworene Gemeinschaft

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sorgung. Der Griff zum Handy, die Rettungsnummer… Verdammter Mist, nicht gespeichert, dann 110 für die Polizei. Eine klassische Notrufsituation. Wahrscheinlich ist die Situation nicht einmal lebensbedrohend, aber dann doch definitiv ein alltäglicher Fall für die Bergwacht. Die Polizei verständigt die örtliche Einsatzleitung, der Hubschrauber wird angefordert, jetzt zählt einfach jede Minute. Für ungeübte Handgriffe und nachlässiges Chaos sind jetzt kein Platz und keine Zeit. Alles muss wie am Schnürchen laufen. Schön und gut, denke ich mir, wenn ich in den Bergen unterwegs bin, unten im Tal sind die Jungs von der Bergwacht. Dafür sind sie ja da. Lore commy nostie mod eliquam, quation ulput veliquam vulla feugue dunt adit, velestrud tionsed diam, Und dass sie fit sind und beszente gesetzt. Ein Jahr nach der Eröffnung plastisch vor Augen zu führen. Irgendwo in tens ausgebildet ist mir auch klar. Irgendwar Berglust-Autor Joachim Chwaszcza den bayrischen Bergen, vom Weg abge- wie sind sie wohl festes Inventar in meiner wieder vor Ort. Eine Annäherung an ein kommen, gestrauchelt, den Knöchel gebro- naiven Mitnahmementalität und ganz chen, eine Rippe geprellt, vielleicht noch selbstverständlich gehe ich davon aus, dass alpines Phänomen. Meine Augen sind fest verschlossen, eine Platzwunde am Kopf. Weit und breit es Ihnen Freude macht, ihr Wochenende in Lichtblitze flackern innen über die Lider. kein Fahrweg, die Mitwanderer stehen un- Einsatzbereitschaft zu verbringen. … Nix ist Der Boden ist kalt, ich spüre aber keine ter Schock, sind überfordert mit der Erstver- selbstverständlich in unserer egoistischen ugeordnet dem Bayrischen Roten Kreuz und ausgestattet mit einem Gesamtaufwand von etwa 5,2 Millionen Euro ist die Bergwacht das starke Rückgrat in der alpinen Rettung. Mit der Hubschraubersimulation in dem „firmeneigenen“ Simulations- und Ausbildungszentrum hat die Bergwacht Bayern im Bereich Training und Ausbildung weltweit Ak-

Schmerzen. Jetzt dröhnt der Lärm des Helikopters, der Wind der Rotorblätter erreicht mich. Ich höre eine Stimme, öffne die Augen. Über mir hängt in der Luft ein blauroter Bergwachtler am Stahlseil der Hubschrauberwinde und lässt sich ab. Ich wäre gerettet. Es bedarf nicht allzu großer Fantasie, sich einen derartigen, sicherlich eher noch glimpflich verlaufenden Rettungseinsatz

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Das 5,2 Millionen Euro teure Simulations- und Ausbildungszentrum in Bad Tölz

Zeit und natürlich ist mir klar, dass es eben nicht so selbstverständlich ist und deswegen suche ich auch das Gespräch. Nur, um einmal die einfachsten Dinge zu erfahren von dieser fast eingeschworenen Welt der Bergwacht. Also bin ich unterwegs nach Bad Tölz, mitten hinein ins Allerheiligste und in die Zentrale der 127 eigenständigen Mitgliedsverbände, ins BW-ZSA, ins Bergwachtzentrum für Simulation und Ausbildung. Kern des komplexen Rettungsapparates der Bergwacht ist neben der praktischen eigenverantwortlichen Ausbildung der einzelnen Verbände im Gebirge das zentrale Ausbildungszentrum in Bad Tölz. An 365 Tagen im Jahr – auch in der Nacht und bei schlechtem Wetter – einen originalgetreuen Hubschrauber zur Verfügung zu haben, war die Grundidee, die zur Realisation der Simulationsanlage für Berg- und Luftrettung geführt hat. Hubschraubereinsätze in der Trainingshalle – umweltfreundlich, zuverlässig, effizient und äußerst realistisch kann so rund um die Uhr trainiert werden. Mit zwei originalgetreuen Hubschrauberzellen, aufgehängt an komplexen Stahlkonstruktionen, wird das Gefühl eines echten Einsatzes vermittelt. Von der Bergrettung Südtirol bis zur Berufsfeuerwehr München gab es verschie-

dene Inputs für die Entbringen. Die meisten Nachwicklung des Stand- und wuchskräfte finden wir in Flugsimulators in der speunserer Bergwacht immer zialisierten Trainingshalle. noch durch persönlichen Eine umgebaute HubKontakt. Man kennt die schrauberzelle des Typs BK jungen Kerle vom Bergstei117 hängt an 16 Stahlseilen, gen, Klettern, aus dem Aldie mit einer Krananlage penverein, sieht sie beim Einsatzleiter Sepp Graßl an der Hallendecke verSkifahren- oder Tourengebunden ist und „fliegt“ auf hen. Irgendwie trifft man diese Art durch die 1.500 m2 große Trai- sich immer wieder, kommt ins Gespräch ningshalle. So können alle Trainingsszena- und wenn man ein gutes Gefühl hat, fragen rien in der Bergrettung umfassend trainiert wir, ob er/sie nicht Lust haben, sich die Bergwacht mal anzuschauen. Über diesen werden. Aber das ist nur die „technische“ Seite. Weg haben wir sehr gute Erfahrungen geMehr noch interessiert mich die „menschli- macht. Wir haben auch einige Vater-Sohnche“, das warum und wie man überhaupt Mitgliedschaften. Weniger häufig ist bei zur Bergwacht kommt. Der Graßl Sepp aus uns der Fall, dass jemand von selbst zu uns Berchtesgaden ist langjähriger Einsatzlei- kommt. ter und Bergwacht-Urgestein, und seine Nicht alle fliegen Helikopter – der ganz fein abgewägten Antworten zeigen, dass alltägliche Alltag? die Bergwachtler alles andere sind als gro- Der Einsatzplan variiert von Bergwacht zu be, alpine Haudegen. Bergwacht. Im Sommer haben wir das ganze Wochenende den Meldeempfänger daSepp, gibt es so etwas wie ein Bergwachtbei. Wir können zwar zu Hause bleiben, Gen oder einfacher: wie kommt man müssen aber eben rufbereit sein. Anderes herum, so kann ich selbst z. B. keine Bergüberhaupt auf den Gedanken, zur BW zu tour planen. Bei andere Bergwachten wergehen? Nein, ein bestimmtes Gen gibt es meiner den die Dienste direkt in der RettungswaMeinung nach nicht. Eher wohl, dass die che oder einem Stützpunkt verbracht. Die Menschen gleiche Voraussetzungen mit- große Zahl der Verletzungen sind dann

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wissen doch meistens weniger dramatisch. Ein verstauchter Fuß, Erschöpfungszustände, Hitzeschlag, Kreislaufzusammenbruch oder auch mal ein Betrunkener mit leichten Verletzungen. Befinden sich diese Menschen auf einem befahrbaren Weg, ist auch die Anfahrt halb so dramatisch. Mit unseren geländegängigen Fahrzeugen können wir zum Teil direkt zum Patienten fahren. Trotz allem, auch in diesen Fällen ist ein Einsatz von zwei bis drei Stunden keine Seltenheit. Wie sieht es bei längeren Einsätzen aus? Anders sieht es bei Suchaktionen aus. Diese werden meist abends gestartet, nachdem eine Vermisstenmeldung (direkt oder über die Polizei) eingegangen ist. Wir gehen dann in der Dunkelheit die vermeintlich in Frage kommenden Wege ab. Unsere Suchhunde helfen dabei, können aber auch nur Personen wittern, die verhältnismäßig nah am Weg sind. Eine effektive Suche im Hochgebirge macht oberhalb der Baumgrenze den Hubschrauber unersetzlich. Dieser startet allerdings nur bei Tageslicht und sonst für ihn möglichen Flugsituationen. Hier machen wir immer wieder auch die Erfahrung, dass den Menschen dann Gott sei Dank gar nichts passiert ist. Sie hatten dann z.B. nur vergessen, sich zu Hause zu melden, sind mit einem Freund mitgefahren oder waren auch zu betrunken um zu fahren. Die haben wir dann auf der Straße nach Hause oder auch schon einmal auf einer Veranstaltung oder in einer Kneipe „aufgegabelt“. Und im Winter? Der Winterdienst ist vor allem vom Pistendienst geprägt. Hier verbringen wir in der Regel. einen Tag am Skigebiet. Das ist bei schönem Wetter recht gut, da können wir selbst Skifahren gehen. Bei schlechtem sieht die Sache anders aus. Da kann es schon mal ganz schön langweilige werden, wenn man in der Hütte oder am Stützpunkt sitzt und wartet, dass die Bahn zu sperrt. Das betrifft vor allem die kleineren Gebiete, in denen man alleine Dienst hat. Schlappen, Pumps und kurze Hosen. Die meisten Einsätze sind eher…? Meiner Meinung nach ist das ein Klischee, das so nicht wirklich stimmt. Die Leute gehen nicht bewusst völlig falsch bekleidet in die Berge. Sie machen sich vielleicht zu wenig Gedanken und sind dann überrascht.

Sie bleiben aber dann oft im Bereich der Ausflugs- oder Bergstation. Meine Erfahrung ist aber oftmals eher das Gegenteil, nämlich, dass die Leute zu gut ausgerüstet sind und so der Meinung sind, die Ausrüstung alleine schütz vor allem anderem. Das passt auch gut zu „Kurioses“: BergwachtKameraden waren privat in einer langen Kletterwand unterwegs. Sie überholten dabei eine sehr langsam vorankommende Seilschaft. Es stellte sich heraus, dass diese Kletterer völlig erschöpft waren. Die Einsatzkräfte beschlossen daraufhin, mit den Kletterern in einer Biwakschachtel zu übernachten, obwohl sie darauf nicht vorbereitet waren. Das war aber nicht so schlimm, denn die beiden Erschöpften hatten genug Verpflegung für alle vier dabei. Allzeit bereit? Wie hoch ist der Einsatz, den es mitzubringen gilt? Die Bergwacht ist kein Funclub oder eine Funsportart, bei der es immer einen „Kick“ geben muss. Leute, die das suchen, sind hier falsch. Wir sehen es so oder so ähnlich: Wenn ich mich entscheide, bei der Bergwacht mit zu arbeiten, dann mache ich es ganz oder gar nicht. Da gehören dann auch alle Aufgaben dazu. Und schließlich ist auch nicht jeder Einsatz ärgerlich. Oft sind

Evakuierung der Brauneckbahn >> Anfangs wurde mit 60 betroffenen Fahrgästen in bis zu 29 Gondeln gerechnet. Die Hubschrauber setzten an den besetzen Gondeln erfahrene Bergretter ab, die dann die Passagiere sicherten und an schwierigen Stellen mit der Rettungswinde in den Hubschrauber zogen, bzw. im leichten Gelände zum Boden abseilten. Insgesamt wurden 43 Personen aus 19 Gondeln befreit. Nach etwa drei Stunden konnte die Evakuierung erfolgreich abgeschlossen werden. Keiner der Betroffenen wurde verletzt, bzw. hat über Unwohlsein geklagt – niemand befand sich in einer akuten Gefahrensituation.

es auch kuriose oder nette Situationen, in denen man Menschen helfen kann. So war einmal ein Mann im Frühjahr mit Halbschuhen im Schnee unterwegs. Der Schnee war tiefer als er dachte und so verlor er beide Schuhe, die er einfach nicht mehr finden konnte. Ihm wurde dann ein Ersatz-Paar gebracht. Ehrenamtlich – wo liegt der Lohn bei so hohem persönlichen Einsatz? Zunächst sind da die Kameradschaft und der Zusammenhalt untereinander. Darüber hinaus ist es schon ein gutes Gefühl, ein Leben zu retten oder einem Menschen, in einer schwierigen Situation helfen zu können. In meinen Augen ist der Einsatz für die Bergwacht wie jedes andere Ehrenamt auch – man muss es gerne machen. Auch die menschliche Dankbarkeit und Freude, die man während und nach einem Einsatz erfährt ist Teil eines „Lohns“. Es kommt schon auch vor, dass Gerettete eine Brotzeit für die Einsatzkräfte ausgeben, einfach nur

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Fotos: Joachim Chwaszcza; Bergwacht Bayern

Helikoptertraining in der Halle

Danke sagen, einen Brief oder mittlerweile mir angerufen und von einem Vermisstenauch eine Dankesmail schreiben. Das Inter- fall gesprochen, wovon ich noch gar nichts net ist hier offensichtlich hilfreich, uns im wusste. Ich sagte auch, dass die Bergwacht nicht eingeschaltet ist und dass ich deshalb Nachhinein zu erreichen. nichts sagen kann. Kurze Zeit später erhielt Auch dem geduldigsten Bergwachtler ich per Funk den Einsatzaufruf. Es verging platzt irgendwann der Kragen? Ich hatte noch keine schlechten Erfahrun- keine Minute, da hatte ich die gleiche Pergen mit Menschen, die um meine Hilfe son wieder am Telefon, wie denn jetzt der gebeten hatten. Wohl aber mit der Sensa- Stand der Dinge sei. Ist es eine reine Männertionspresse. Das ist für Infos >> Hier sollte jeder welten oder was machen mich manchmal unver„Bergler“ einmal reingeständlich. In einem Fall Bergwachtfrauen ? schaut haben – gleichgültig wollte ein TV-Team ein InDie Zeiten der reinen Mänob Sommer oder Winterfan. terview mit den Gerettenerwelt ist auch in den Die Homepage der Bergten. Diese wollten das Köpfen vorbei. In unserer wacht-Bayern ist ein vielnicht. Dann sagte das TVBergwacht (Berchtesgaseitiges und informatives Team zu mir, dass sie eben den) sind derzeit zwei ausMedium, sich über Aktiviberichten, dass sich die gebildete Frauen und zwei täten, Ausbildung und EinGeretteten nicht bei der Anwärterinnen. Bei diesen sätze zu informieren. bergBergwacht bedanken gilt das Gleiche, wie ich anwacht-bayern.de wollten. Daraufhin hatte fangs über unsere jungen Und wer gerade einmal in ich sie erst recht weggeKräfte gesagt habe. Wir der Nähe ist oder einen schickt. Allerdings hatten kannten alle schon im VorBlick in die Trainingshalle die Geretteten das dann feld vom Berggehen… Und werfen will – hier ist der mitbekommen und nur sie sind anerkannt und geKontakt: aus diesem Grund doch hören dazu. Sie machen Bergwacht Bayern etwas gesagt. auch im Großen und GanAm Sportpark 6 In einem anderen Fall zen die gleiche Arbeit wie 83646 Bad Tölz hatte die Presse schon bei wir Männer. Das klappt Tel. +49 8041 79438-0 bergwacht-bayern.de

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gut. Die Kameradschaft ist nicht anders. Ich denke, man muss es als Frau halt mögen, mit so vielen Männern zusammen zu sein. Fürs Auto braucht man einen Führerschein – in die Berge darf jeder. Wie lässt sich dieser ausufernde Bergwahn einbremsen? Die Frage ist, was so ein Führerschein ändern würde. Jemand, der die Berge mag und dort Erholung sucht sei Willkommen. Vielleicht kann man einen gesunden Respekt vor der Natur erwarten. Die Tage danach – aus vergessen und Schwamm drüber? Manchmal denkt man mehr, manchmal weniger darüber nach. Wirklich belastend sind meist die Einsätze, bei denen man die Opfer kennt oder wenn Kinder beteiligt sind. Wir setzten uns oft nach einem Einsatz in der Wache zusammen und sprechen darüber. Allerdings ist auch das heute nicht mehr so leicht möglich. Schon gar nicht unter der Woche, da jeder zurück zu seinem Arbeitsplatz zurück muss. Aber wir sprechen über schwierige Einsätze und unterstützen uns gegenseitig. Dass nicht alles immer spektakulär sein muss, zeigt ein ganz normaler Tourenbericht: Nachteinsatz der Bergwacht Kochel… … Ein Mann aus London wollte trotz schlechter Ausrüstung und sehr starker Schneefälle von Walchensee aus auf den Fahrenberg marschieren, um von dort aus wieder nach Kochel a. See abzusteigen. Immerhin ist er mit seiner Unternehmung bis etwa 200 Meter unterhalb der Bergstation der Herzogstandbahn gelangt, doch scheint er sich dann aufgrund der Dunkelheit komplett verstiegen zu haben. Fernab vom Wanderweg, in unwegsamen Felsgelände kam er weder vor noch zurück und wusste sich nicht anders zu helfen, als um 22:30 Uhr mit seinem Handy die Rettungsleitstelle zu verständigen. 10 Mann der alarmierten Bergwacht Kochel a. See bahnten sich mit einem Seilgeländer durch den teilweise hüfthohen Neuschnee den Weg zu dem Mann. Für diesen kam die Rettung gerade rechtzeitig, da er aufgrund der niedrigen Temperaturen und der starken Schneefälle inzwischen stark unterkühlt war. Nach einem drei Stunden dauernden Einsatz mit einer sehr aufwändigen Bergung wurde der Engländer dem BRK-Rettungsdienst zur weiteren Beobachtung übergeben. <<

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impressum Impressum Anschrift der Redaktion Berglust, Lindenweg 28, 83677 Greiling, Telefon 08041/ 7927730, petra.thaller@berglust.info Chefredaktion (V.i.S.d.P.) Petra Thaller, Telefon 08041/7927730, Telefax 08041/7928936 petra.thaller@berglust.info Art Director: Achim Matschiner c/o Intermag Publishing GmbH, Brienner Straße 41, 80333 München Redaktion info@berglust.info – Gabi Dräger, (Reise & Vermischtes) – gabi.draeger@berglust.info – Karsten Voigt, (Sport & Ausrüstung) karsten.voigt@berglust.info Freie Mitarbeiter dieser Leseprobe: Joachim Chwaszcza, Maria Englhart, Nicola Förg, Stefan Hagenbusch, Martin Häußermann, Hansi Heckmair, Klaus Kranebitter, Thomas Lämmle, Manfred Lorenz, Benedikt Purner, Frank Simoneit, Bernhard und Linus Maria Ziegler Verlag: atlas Spezial GmbH Brienner Straße 41, 80333 München Postfach 20 02 61, 80002 München, Telefon 089/55 241 0 Anzeigenverwaltung: atlas Verlag GmbH Anzeigenabteilung Berglust Brienner Straße 41, 80333 München Postfach 20 02 61, 80002 München Geschäftsführer Thomas Obermaier, Telefon 089/ 55 241 273 Anzeigenleitung Silvia Schreck ,Telefon 089/ 55 241 252, Fax 089/55 241 271, silvia.schreck@atlas-verlag.de Anzeigenverkauf – Sandra Wilderer, Telefon 089/ 55 241 289 od. 0711/248 78 92, Fax 089/ 55 241 271 od. 0711/ 248 78 91, sandra.wilderer@atlas-verlag.de od. mail@wilderermarketing.de – Jennifer Hohn, Telefon 089/ 55 241 269, Fax 089/55 241 271, jennifer.hohn@atlas-verlag.de Disposition: Christine Hartl, Telefon 089/ 55 241 245, Fax 089/55 241 271, christine.hartl@atlas-verlag.de Service: Roswitha Denneler, Telefon 089/ 55 241 223, Fax 089/ 55 241 271, roswitha.denneler@atlas-verlag.de Verantwortlich für den Anzeigenteil Silvia Schreck, Telefon 089/ 55 241 252, Fax 089/55 241 271, silvia.schreck@atlas-verlag.de Vertrieb: MZV, Moderner Zeitschriften Vertrieb, 85386 Eching, Tel. 089/31906-0, Fax 089/31906-113, mzv.de, info@mzv.de Leitung Marketing & Vertrieb: Stefan Thiel Leserservice/Abo-Service: atlas Spezial GmbH, Sylvia Langer, Postfach 20 02 61, 80002 München, 089/55241111, sylvia.langer@atlas-verlag.de Zurzeit ist die Anzeigenpreisliste 1 vom 1. Januar 2010 gültig. Erfüllungsort und Gerichtstand: München

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Foto: Klaus Kranebitter

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