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UNTERNEHMERISCH ERFOLGREICHE

ZUWANDER/INNEN UND IHRE ERFOLGSTIPPS


50 UNTERNEHMERISCH ERFOLGREICHE ZUWANDER/INNEN UND IHRE ERFOLGSTIPPS EINE PUBLIKATION DER INITIATIVE ZUSAMMEN:ÖSTERREICH

© Österreichischer Integrationsfonds, 2014.


INHALT

6 VORWORTE

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MARICA DIENES GANZ SCHÖN ERFOLGREICH

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OGUZHAN KÖSE VON STILLEM UND PRICKELNDEM MINERALWASSER

96 OLGA RUBANOVA VON DER BERUFUNG ZUM BERUF

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DOMAGOJ DOLINSEK WARUM KOMPLIZIERT, WENN’S AUCH EINFACH GEHT

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PAVOL KRAL DER WEINKÖNIG AUS DEM BURGENLAND

98 DAVOR SERTIC´ MUT ZUM NEUANFANG

11 EINLEITUNG 13

ÜBER DIE INTERVIEWS

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BARBARA ALLI MIT INDIVIDUALITÄT PUNKTEN

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DIEGO ELIA DER NEAPOLITANER UND SEIN SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG

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MATTEO LUISI DER NAME IST PROGRAMM

100 AVTAR SHASHIA LEARNING BY DOING

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MARINKO BAGARIC´ ENDLICH ANGEKOMMEN

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ADIAM EMNAY DAS BESTE AUS ZWEI KONTINENTEN

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GURSHARAN SINGH MANGAT DER ERFOLG KOMMT ÜBER DIE OKRASCHOTE

104 AHMED SOLIMAN SICH TRÄUME ERFÜLLEN

20 HOSAIN BAKHSH EIN NEUES LEBEN IN SICHERHEIT

48

ALEXIS EREMIA ES GEHT NICHT NUR UM PROFIT, SONDERN UM IMPACT

76

DŽEVAD MEHIDIC´ VOM GUTEN HANDWERKER ZUM GUTEN CHEF

106 ADEM SONKAYA FLEXIBEL UND ANTRIEBSSTARK

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LADISLAVA BAXANT-CEJNAR DIE KUNST DES SPAGATS

50 RICHARD OSSIRI GNAORE DER GERMANIST AUS DER ELFENBEINKÜSTE

78

HAYA MOLCHO QUEREINSTEIGERIN MIT LEIDENSCHAFT

108 ZORAN STOJKOVIC´ MIT BEHARRLICHKEIT ZUM ERFOLGREICHEN ENTREPRENEUR

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DOROTHEA BROZ˙ EK DIE WELT EIN KLEINES STÜCKCHEN BESSER MACHEN

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VLAD GOZMAN EIN QUERDENKER MIT RENOMMEE

82

AYO ELIZABETH OLAOGUN ZWEI KONTINENTE, DURCH MODE VERBUNDEN

110 MÁRTA SZEMRÉDI RICHTIG MITEINANDER KOMMUNIZIEREN

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VESNA BUDIC´-SPASIC´ ALTERNATIVE MEDIZIN IM TREND

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ARGTIM HANI ES AUS EIGENER KRAFT SCHAFFEN

84

VLADIMIR PETKOVIC´ WENN DER DJ KOCHT UND KONZERTE AM WC STATTFINDEN

112 MARIA TARAMONA EINE VON WENIGEN SEIN

28

BAHATTIN CEKI FACHLICH UND MENSCHLICH ÜBERZEUGEN

56

PETER HELEŠIC DER BRÜCKENBAUER ZWISCHEN OST UND WEST

86

WANDA PIOTROWSKI DAS KANN ICH DOCH AUCH SELBST!

114 VLADLENA TARASKINA EINE WIN-WIN-SITUATION

30

ANEL C´ERIMAGIC´ HINFALLEN UND WIEDER AUFSTEHEN

60 ISLAM ISLAMI VERTRAUEN GEWINNT

88

SELMA PRODANOVIC´ NEUE IDEEN BRAUCHT DAS LAND

116 DRAGAN TUR ERFOLG KOMMT NICHT VON ALLEINE

32

AYSEGÜL CETINKAYA TÜRKEI TRIFFT VORARLBERG

62

JOCHEN JOACHIMS NEUES LAND, NEUES LEBEN

90 VENDULA PROSCH WISSEN, WIE EIN LAND FUNKTIONIERT

34

ANSHEN CHEN DIE RICHTIGE WAHL GETROFFEN

64

DAVID JOVANOVIC´ DEM LEBEN EINE SPONTANE WENDE GEBEN

92

ŽELJKO RADIC´ EIN ADRIATISCHER GRUSS AUS DER KÜCHE

120 KAZIM YILMAZ MIT RECHTSBERATUNG INTEGRATION FÖRDERN

38

RUBÉN CONTRERAS SALAZAR DER ÖSTERREICHISCHE TORTILLABÄCKER

66

IVAN KARTCHEV INTEGRATION BEGINNT MIT INFORMATION

94

ALI RAHIMI KONTAKTE MÜSSEN GEKNÜPFT WERDEN

122 ANA ZNIDAR ES LOHNT SICH, AN TRÄUMEN FESTZUHALTEN

118 HELEN WU ZEIT FÜR TEE

126 QUELLEN & IMPRESSUM

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VORWORT

«WIRTSCHAFTLICHE ERFOLGSGESCHICHTEN VON ZUWANDERINNEN UND ZUWANDERERN SIND AUCH ERFOLGSGESCHICHTEN FÜR INTEGRATION. SIE HANDELN VON MENSCHEN, DIE IN IHRER NEUEN HEIMAT EIN AKTIVER TEIL DER GESELLSCHAFT SIND.»

KNAPP JEDER ZEHNTE SELBSTSTÄNDIGE IN ÖSTERREICH HAT EINEN MIGRATIONSHINTERGRUND – eine Zahl, die zeigt, wie divers und interkulturell die österreichische Unternehmerlandschaft mittlerweile geprägt ist. Zuwanderinnen und Zuwanderer leisten so einen wesentlichen Beitrag in vielen verschiedenen Branchen in Österreich, bereichern das Angebot an Dienstleistungen und Gütern und erhöhen auch unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit. Als Botschafter eines modernen, weltoffenen Österreichs bringen migrantische Unternehmen darüber hinaus einzigartige Potentiale mit: interkulturelle Kompetenzen, Mehrsprachigkeit, länderübergreifende Kontakte sowie wertvolle Kenntnisse über zahlreiche Märkte, die für die heimische Wirtschaft von Interesse sind. Viele Gründerinnen und Gründer mit Wurzeln im Ausland nutzen diese Vorteile, um innovative Geschäftsideen zu entwickeln und neben den wirtschaftlichen Beziehungen auch das gesellschaftliche Miteinander von Menschen verschiedener Herkunft zu fördern. Wirtschaftliche Erfolgsgeschichten von Zuwanderinnen und Zuwanderern sind daher auch Erfolgsgeschichten für Integration. Sie handeln von Menschen, die in ihrer neuen Heimat ein aktiver Teil der Gesellschaft sind. Um «Integration durch Leistung» zu ermöglichen und qualifizierte Zuwanderung zu stärken, arbeiten wir daran, entsprechende Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit zu schaffen: eine gelebte

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Willkommenskultur zu etablieren, den Zugang zu notwendigen Informationen zu erleichtern, den Erwerb der deutschen Sprache mit maßgeschneiderten Angeboten zu unterstützen und durch die schnellere Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen eine bildungs- und berufsadäquate Gründung von Unternehmen mit Migrationshintergrund zu fördern. Menschen willkommen zu heißen, bedeutet für uns, diese nicht nach Herkunft, Religion oder Kultur zu beurteilen, sondern danach, wie sie sich in Österreich einbringen wollen. Positive Beispiele hierfür sind jene 50 Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich in diesem Buch – stellvertretend für so viele andere Selbständige in unserem Land – präsentieren: mit ihren unterschiedlichen Karrierewegen, aber auch sehr persönlichen Lebensgeschichten und Erfahrungen. In diesem Sinne sollen die folgenden Unternehmerportraits Jede und Jeden darin bestärken, eigene Talente und Potenziale zu nutzen und dadurch den ganz individuellen Weg zum Erfolg in Österreich zu finden.

SEBASTIAN KURZ Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres

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VORWORT

ÖSTERREICH LIEGT NICHT NUR IM HERZEN DER EU. Das Land mit seiner Bundeshauptstadt Wien ist vielmehr auch ein Zuhause für Menschen aus ganz Europa und vielen weiteren Ländern. Gerade Wien hat sich in den letzten Jahren zu einer noch weltoffeneren und vielfältigeren Stadt gewandelt. In vielen Bereichen nehmen die Unternehmerinnen und Unternehmer eine Vorreiterrolle ein. Sei es mit speziellen Angeboten oder Produkten für Zugezogene, sei es aber auch, was die Unternehmer/innen selbst betrifft: Denn ein immer größerer Teil der heimischen Unternehmen wird von Migrant/innen gegründet und geführt. Wir können stolz sein, dass unsere Wirtschaft mittlerweile 150 Sprachen spricht. Dieser Trend zur Internationalisierung wird natürlich auch von der Wirtschaftskammer Wien unterstützt. So haben wir als erste österreichische Wirtschaftskammer bereits im März 2009 ein eigenes Diversity-Referat eingerichtet, um unter anderem Unternehmer/innen mit Wurzeln im Ausland beraten und unterstützen zu können. Unter dem Motto «Wiener Wirtschaft lebt Vielfalt» werden zielgruppenspezifische Netzwerk- und Serviceleistungen für ­Mitglieder erbracht. Wir sehen uns mit dem Diversity-Referat als Erstanlaufstelle für Unternehmer/innen, die Vielfalt als Teil ihrer

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VORWORT

Unternehmensstrategie verstehen, die Informationsaustausch und Vernetzung suchen und von Expert/innen ­beraten werden möchten. Denn Beratung gibt es von uns von der Unternehmensgründung an und für jeden Aspekt des unternehmerischen Handelns. Wir haben es uns aber auch zum Ziel gesetzt, Unternehmer/ innen und ihre Firmen vor den Vorhang zu holen, um die Vielfalt in Wiens Wirtschaft aufzuzeigen. Dazu veranstalten wir Wettbewerbe, starten Öffentlichkeitskampagnen oder beteiligen uns an Projekten wie diesem Buch. Sie werden auf den folgenden Seiten verschiedene Unternehmen und ihre Geschäftsführer/innen kennenlernen, die in unterschiedlichen Branchen arbeiten, aus verschiedenen Erdteilen stammen, oft andere Muttersprachen als Deutsch haben, aber denen doch eines gemeinsam ist: Sie alle sind Teil der Wirtschaft und sie alle machen Österreichs Hauptstadt zu der erfolgreichen Metropole, die sie heute ist.

WALTER RUCK Präsident der Wirtschaftskammer Wien

WER KENNT SIE NICHT, DIE VIELEN KLEINEN UND GRÖSSE­REN GESCHÄFTE UND BETRIEBE, IN DENEN SPEISEN AUS ALLER WELT, LEBENSMITTEL AUS FERNOST ODER ETWA ORIENTALISCHER TEE ANGEBOTEN WERDEN. Doch migrantische Unternehmen beschränken sich heute keinesfalls mehr ausschließlich auf den Lebensmitteleinzelhandel, die unternehmerische Tätigkeit von Migrant/innen ist wie ihre Herkunft vielfältig geworden. In Werbeagenturen, Unternehmens- und Rechtsberatungen, im medizinischen Bereich und auch in der Industrie ist längst evident, dass migrantische Unternehmen für die Wirtschaft von enormer Bedeutung sind.

gesellschafts- und demografiepolitisches Anliegen, Erfolgsgeschichten der österreichischen Migrations- und Integrationspolitik mit diesem Buch zu zeigen und zu unterstützen. Mögen dieses Buch und seine individuellen Berichte zukünftige migrantische Unternehmer/innen ermutigen, verstärkt auch im technischen und wissenschaftlichen Produktions- und Dienstleistungsbereich tätig zu werden und damit weiterhin zum Wohlstand Österreichs beizutragen.

Die Industriellenvereinigung hat immer betont, dass Zuwanderung große Chancen für den Wirtschaftsstandort und die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs bringt. Unternehmer/innen mit Migrationshintergrund stehen für neue Möglichkeiten in einer dynamischen und offenen Gesellschaft. Durch ihre unterschiedlichen Zugänge, Netzwerke und kulturellen Hintergründe beeinflussen und bereichern sie die Innovationsfähigkeit unseres Landes. Zusätzlich führt die persönliche Selbstverwirklichung zur Motivation anderer und ist entscheidend für eine gelungene Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt hier lebender Menschen. Der Industriellenvereinigung ist es nicht nur ein wirtschaftspolitisches, sondern auch ein

CHRISTOPH NEUMAYER Generalsekretär der Industriellenvereinigung

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VORWORT

EINE ERFOLGREICHE INTEGRATION VON ZUWANDER/ INNEN IN DEN ÖSTERREICHISCHEN ARBEITSMARKT KOMMT NICHT NUR DIESEN SELBST ZUGUTE, SONDERN ALLEN IN ÖSTERREICH LEBENDEN MENSCHEN. Die Produktivität und ­Vielfalt der heimischen Wirtschaft wird dadurch gleicher­ maßen gefördert wie der gesellschaftliche Austausch ­zwischen M ­ enschen unterschiedlicher Herkunft. Auf den folgenden Seiten präsentieren sich Menschen, die noch einen Schritt weiter gegangen sind: Indem sie eigene Unternehmen gegründet und ihren Lebensmittelpunkt in Österreich damit noch stärker gefestigt haben. Ihre Herkunftsländer, Biografien, Geschäftsideen und Gründungsmotive sind vielfältig – allen Unternehmer/innen gemeinsam ist jedoch ihr starker Wille, sich in Österreich eine eigene berufliche Existenz aufzubauen. Neben der gezielten Förderung von Deutschkenntnissen unterstützt der Österreichische Integrationsfonds Menschen ausländischer Herkunft mit verschiedenen Maßnahmen auch bei ihrer beruflichen Integration und setzt dabei stark auf die Motivation durch Vorbilder und Positivbeispiele – wie etwa im Rahmen der Initiative ­ZUSAMMEN:ÖSTERREICH. Ein weiterer Bereich, den wir aktiv forcieren, betrifft die rasche und unkomplizierte Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen, damit wertvolle Humanressourcen genutzt werden und

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EINLEITUNG

Zuwander/innen in Österreich gemäß ihrer Qualifikationen Arbeit finden können. Dieses Buch zeigt Ihnen, wie vielfältig die Unternehmer/ innen in unserem Land sind – und ihre Wege zum Erfolg. Menschen, die planen, in Österreich ein Unternehmen zu gründen, können in diesem Buch Einblick in sehr unterschiedliche Erfolgsgeschichten nehmen und dadurch Anregungen und Denkanstöße für ihren eigenen Karriereweg ableiten.

EIN JURIST MIT TÜRKISCHEN WURZELN IST DER LEITER­ EINER ANWALTSKANZLEI IN WIEN. Er berät österreichische Unternehmen, die in der Türkei Fuß fassen wollen. Eine gut ausgebildete Stylistin aus Serbien wagt nach ihrer Ankunft in Österreich den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie eröffnet einen kleinen Friseursalon, den sie anfangs alleine betreibt. Mittlerweile hat sie einen All-inclusive-Schönheitssalon aufgebaut und beschäftigt 15 Mitarbeiter/innen. Ein junger Mann flüchtet 1991 vor dem Balkankrieg nach Österreich. Er beginnt als Lagerarbeiter, bevor er beschließt, sein eigenes Haustechnik-Unternehmen zu gründen. Heute ist er Arbeitgeber von Mitarbeiter/innen unterschiedlichster Herkunft und fördert Menschen, die – wie er – mehr aus ihrem Leben machen möchten.

der Gruppe der Zuwander/innen aus EU- und EWR-Staaten sowie der Schweiz liegt die Selbstständigenquote mit 13,6 % deutlich über dem Durchschnitt.

Dies sind drei Beispiele, die belegen: Österreich profitiert als Zuwanderungsland von Menschen, die in ihrer neuen Heimat Unternehmen aufbauen, aktiv am österreichischen Wirtschaftsleben teilnehmen und dafür vielfältige interkulturelle Kompetenzen mitbringen. Die Innovationskraft von Unternehmensgründer/innen mit ausländischen Wurzeln und ihre grenzüberschreitenden Geschäftsideen bereichern uns und bergen viel Potenzial für die Zukunft.

Ein anderes Verhältnis ergibt sich bei Betrachtung der Einzelunternehmen, bei denen der Inhaber eine einzige natürliche Person ist, die das Unternehmen auf eigenen Namen und eigene Rechnung betreibt. Von 469.868 aktiven Mitgliedern der Wirtschaftskammer Österreich waren am 1. Jänner 2014 der Rechtsform nach 344.832 Einzelunternehmen. Von diesen haben 96.406 – das entspricht 28 % – einen Migrationshintergrund, das bedeutet, sie wurden von Personen gegründet, die nicht die österreichische Staatsangehörigkeit besitzen und/oder in einem anderen Land als Österreich geboren sind. In der Bundeshauptstadt Wien ist der Anteil der Unternehmen mit Migrationshintergrund noch höher und beträgt 37 %.

SELBSTSTÄNDIGKEIT BEI ZUWANDER/INNEN Mit Stichtag 1. Jänner 2014 lebten 1,42 Millionen im Ausland geborene Personen in Österreich, das entspricht 16,6 % der Gesamtbevölkerung. 39 % der erwerbsfähigen Migrant/innen stammten 2013 aus EU- und EWR-Staaten oder der Schweiz, 61 % waren Drittstaatsangehörige. Insgesamt ist Österreich neue Wahlheimat für Menschen aus mehr als 180 Nationen.

FRANZ WOLF Geschäftsführer Österreichischer Integrationsfonds

2013 gingen 14,2 % der Österreicher/innen einer selbstständigen Tätigkeit nach, im Vergleich dazu lag der Anteil der Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund bei 9,3 %. In

Die Gründe für den Schritt in die Selbstständigkeit sind unterschiedlich: Neben der beruflichen Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit mit dem eigenen Betrieb erscheint die Selbstständigkeit vielen Migrant/innen als beste Alternative, wenn die Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen schwierig ist oder sich bei der Jobsuche keine Erfolge einstellen. JEDER DRITTE EINZELUNTERNEHMER MIT WURZELN IM AUSLAND

BELIEBTESTE SPARTEN Beim Anteil der Einzelunternehmen mit Migrationshintergrund zeigen sich in den einzelnen Sparten große Unterschiede: Deutlich voran liegt die Sparte Gewerbe und Handwerk mit 38 %, gefolgt von Transport und Verkehr mit 31 % und Tourismus und Freizeitwirtschaft mit 18 %. Fast gleichauf liegen die Sparten Handel mit 14 % und

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Information und Consulting mit 13 %. Die wenigsten Unternehmen mit Migrationshintergrund sind in der Industrie zu finden, auf diese Sparte entfallen nur 9 %. UNTERSCHIEDLICHE BILDUNGSNIVEAUS Das Bildungsprofil der in Österreich lebenden Personen mit Migrationshintergrund unterscheidet sich deutlich von jenem der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Während Österreicher/innen überdurchschnittlich häufig über einen Abschluss der mittleren Bildungsebene verfügen, sind Migrant/innen sowohl in den höchsten, als auch niedrigsten Bildungsschichten überproportional vertreten. 2012 hatten rund 30 % der 25- bis 64-Jährigen ohne Migrationshintergrund die Matura oder einen akademischen Abschluss – bei Personen mit Migrationshintergrund war dieser Anteil um fünf Prozentpunkte höher. Während nur sehr wenige Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien (ohne Slowenien) und der Türkei über einen Hochschulabschluss verfügten, wiesen Personen aus anderen EU- bzw. EWR-Staaten (26 %) sowie Zugewanderte aus sonstigen Drittstaaten (35 %) besonders hohe Akademikeranteile auf. Es ist festzustellen, dass sich das Bildungsniveau von Migrant/innen der zweiten Generation – Personen, deren eigener Geburtsort in Österreich liegt und der beider Elternteile im Ausland – an das der inländischen Bevölkerung annähert. Insgesamt lässt sich im Zeitverlauf ein Anstieg des Bildungsniveaus bei Zuwander/innen beobachten. BEDEUTUNG FÜR WIEN Für die Bundeshauptstadt Wien sind ethnische Ökonomien von elementarer Bedeutung. Im Gegensatz zu den Zahlen für Gesamtösterreich sind in Wien mehr Erwerbstätige mit Migrationshintergrund selbstständig (11 %) als Erwerbstätige ohne Migrationshintergrund (7 %). Rund

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ein Viertel der migrantischen Unternehmen in Wien sind Arbeitgeber/innenbetriebe und schafft damit zusätzliche Arbeitsplätze. Selbstständige mit Migrationshintergrund bieten eine große Bandbreite an wirtschaftlichen Leistungen in Wien an. Die wichtigsten Branchen migrantischer Unternehmen sind der Handel mit 18 % und freiberufliche/technische Dienstleistungen mit rund 15 %. Jeweils rund 8 % der Unternehmen sind in den Wirtschaftsabschnitten Bau, Verkehr, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, Beherbergung und Gastronomie zu finden.

ÜBER DIE INTERVIEWS

INTEGRATION FÖRDERN Selbstständige Unternehmer/innen mit Wurzeln im Ausland tragen nicht nur zu einer größeren Angebotsvielfalt und höheren Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Österreich bei, sie spielen auch eine wichtige Rolle in der zunehmend internationalen Wirtschaftslandschaft. Viele sprechen mit ihren Unternehmen gezielt die in Österreich lebenden Communities ihres Herkunftslandes an, schaffen in diesen Arbeitsplätze und werden so auch zu einem wichtigen Multiplikator für Integration.

SÄMTLICHE INTERVIEWS MIT DEN UNTERNEHMER/INNEN, DIE ALS BASIS FÜR DIESES BUCH DIENTEN, wurden zwischen Juli und September 2014 von Jana Vladusic und Hakan Can vom Österreichischen Integrationsfonds geführt und fanden vorwiegend in den Geschäftsräumlichkeiten der Befragten statt. Die unterschiedlichen Herkunftsländer der Interviewten, ihre vielfältigen Erfolgsgeschichten und unternehmerischen Ansätze zeigen die gesellschaftliche und kultu­ relle Vielfalt in Österreich. Wir bedanken uns bei den Interview­ partner/innen für Ihre Bereitschaft, uns einen Einblick in ihr Leben zu gewähren und mit ihren zahlreichen Erfolgstipps jungen Unternehmens­ gründer/­ innen fachliche Ratschläge sowie motivie­ rende Worte mit auf den Weg zu geben!

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UNTERNEHMERISCH ERFOLGREICHE ZUWANDER/INNEN IM PORTRAIT

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BARBARA ALLI (32)

MIT INDIVIDUALITÄT PUNKTEN 1

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Englisch) Ich hole gerne Meinungen anderer ein, um mich stetig zu verbessern. I like asking others for their opinion, as this allows me to improve continuously.

PERSÖNLICHES ENERGIEVOLLE GESANGSPERFORMANCES SIND BARBARA ALLIS MARKENZEICHEN. Ihr Talent wird schon als junges Mädchen entdeckt: «Ich habe immer gesungen, von früh bis spät», so Alli, die in Ghana geboren und in ­Nigeria aufgewachsen ist. 2004 kommt sie nach Österreich, um als Au-Pair zu arbeiten – hier bekommt sie auch ihren Sohn Kalvin. Zur Musik zieht es sie rasch zurück und so fängt sie an, Kulturevents zu organisieren. Seit 2011 stellt sie ihre Karriere als Sängerin und Tänzerin mit ihrer Gruppe Afrococo auf professionelle Beine. Seit 2012 arbeitet sie parallel dazu an ihrer Solokarriere und ihrem individuellen Gesangsstil: «Ich komponiere meine Lieder selbst, viele in meiner Muttersprache Yoruba.»

IM BILD MIT EINEM STOFF AUS NIGERIA Barbara Allis Styling macht sie einzigartig – und führte bereits zu Modelaufträgen: etwa für Ayo Van Elmar (siehe Seite 82), einem österreichischen Modelabel mit ebenfalls nigerianischen Wurzeln.

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Seit 2013 hat sich Alli mit Mode ein weiteres berufliches Standbein aufgebaut. «Begonnen hat es damit, dass ich Kostüme für meine Gruppe A ­ frococo selbst hergestellt habe. Das positive Feedback darauf hat mich ermutigt, den nächsten Schritt zu machen», erklärt sie. Für ihre Designs importiert sie Stoffe aus West-, Zentral- und Ostafrika und verarbeitet sie in Handarbeit zu individuellen Originalen, die in Geschäften in der Wiener Innenstadt erhältlich sind. Sie achtet auf höchste Qualität, produziert im kleinen Rahmen und wählt die Boutiquen sorgfältig aus, in denen ihre Unikate weiterverkauft werden. «Durch die Selbstständigkeit kann ich meine Kunst präsentieren und mir eine ­berufliche Zukunft aufbauen.»

Lebt in Österreich seit 2004 Wurzeln Nigeria Entfernung vom Herkunftsland 5.900 km

An Österreich mag ich besonders Ich habe in Österreich zu mir gefunden. Hier zu leben, hat auch die Verbundenheit zu meiner Heimat Nigeria verstärkt. Denn was man nicht hat, wird viel mehr geschätzt.

ZUM UNTERNEHMEN

Name des Unternehmens Hand Made Story by Barbara Alli

Unternehmensgründung 2013

Branche/Sparte Kunst, Modedesign

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MARINKO BAGARIC´ (34)

ENDLICH ANGEKOMMEN

IM BILD MIT EINEM FLIESENMUSTER Mit seinem Unternehmen bringt Marinko Bagaric´ Stabilität in sein Leben. Heute sieht sich der Unternehmer als Europäer, der in Österreich zu Hause ist. Seinen Kindern zeigt er ganz bewusst die Armut in seinem alten Heimatdorf: «Sie sollen erfassen, was es heißt, nicht alles zu haben.»

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ERFOLGSTIPP (Deutsch/Kroatisch) Ein Unternehmergeist muss vorhanden sein, den kann man nicht erlernen. Essenzielle Eigenschaften sind Verkaufsinstinkt, Ehrlichkeit und ein guter Umgang mit Menschen. Poduzetnicˇki duh mora postojati, to se ne može naucˇiti. Kljucˇne osobine su instinkt za prodaju, iskrenost i dobro ophod-enje s ljudima.

PERSÖNLICHES MARINKO BAGARIC´ IST GEMEINSAM MIT SEINEN ELTERN VOR DEM BALKAN­ KRIEG NACH BERLIN GEFLOHEN, BIS ER DEN STATUS KRIEGSFLÜCHTLING IM JAHR 2000 VERLIERT UND WIEDER NACH BOSNIEN ZURÜCKKEHREN MUSS. «In Bosnien war alles zerstört», erinnert er sich an die Perspektivenlosigkeit, die er damals verspürt. In Kroatien absolviert er eine Ausbildung zum Fliesenleger und arbeitet anschließend in den unterschiedlichsten Ländern am Bau.

Wurzeln Kroate aus Bosnien Entfernung vom Herkunftsland 500 km

«Als ich 2005 meinen Onkel in Kapfenberg in der Steiermark besucht habe, bin ich hängengeblieben. Es ist mein neues Zuhause geworden», erzählt Bagarić über seine Ankunft in Österreich. Er beginnt erneut als Fliesenleger zu arbeiten, bevor er 2007 beschließt, einen eigenen Betrieb zu gründen. Fliesen Bagarić ist in den vergangenen sieben Jahren stetig gewachsen und nun Arbeitgeber für mittlerweile 18 Mitarbeiter. Bagarić hat sich heute gemeinsam mit seiner Familie eine neue Existenz in Österreich aufgebaut. «Ausländische Wurzeln spielen keine Rolle, wenn man eine gute Arbeit leistet», antwortet er auf die Frage, ob sein Migrationshintergrund für seine Selbstständigkeit ein Vor- oder Nachteil war. Nach einer langen Suche hat er seinen Lebensmittelpunkt gefunden – sein Lebensmotto hat sich Zeit seines Lebens aber nicht geändert: «Ich gebe nie auf, so ein Mensch bin ich nicht.»

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Lebt in Österreich seit 2004

An mir ist besonders österreichisch Ich halte Termine sehr genau ein und arbeite mit hoher Qualität.

ZUM UNTERNEHMEN

Name des Unternehmens Fliesen Bagaric´

Unternehmensgründung 2007

Branche/Sparte Hafner, Platten-/Fliesenleger und Keramiker

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HOSAIN BAKHSH (59)

EIN NEUES LEBEN IN SICHERHEIT

IM BILD MIT EINEM TEPPICH Der Handel mit Teppichen hat die Familie von Hosain Bakhsh auf dem Weg in ein sicheres Leben begleitet. Die Verbundenheit mit seiner alten Heimat lebt er auf besondere Weise: Mit dem Verkaufserlös des ehemaligen Familienwohnsitzes in Kabul baut er eine Klinik in der afghanischen Provinz Parwan auf, die bereits einen Teilbetrieb aufgenommen hat. 3

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Persisch) Alles Menschengemachte kann man ändern, wenn man von seinen Zielen überzeugt ist.

، ‫تغي� پذير است‬ ‫ھرچه‬ ٔ ‫ساخته دست انسان است ي‬ .‫اگر انسان واقع اً به اھدافش معتقد باشد‬

PERSÖNLICHES DER EINMARSCH DER SOWJETUNION IN AFGHANISTAN 1978 VERÄNDERT DAS LEBEN DER FAMILIE BAKHSH VON EINEM TAG AUF DEN ANDEREN: «Die Be­satzung hat uns sehr eingeschränkt. Wir fühlten uns wie­in einem­ goldenen Käfig. Es gab nur zwei Möglichkeiten: sich mit dem kommunistischen Regime abfinden oder weggehen», erzählt Hosain Bakhsh. Mit seiner Familie führt er in Kabul einen Betrieb, der mit Teppichen und Textilien handelt – und auch internationale Aufträge ausführt. Für Bakhsh ist es dadurch möglich, eine Ausreisegenehmigung zu erhalten. «Ich wollte ein Land suchen, in dem wir eine Zukunft haben.» Der damals 26-Jährige unternimmt die erste von mehreren Reisen, um für seine Familie und sich eine neue Heimat auszukundschaften. «Meist war ich mit einem Interrail-Ticket unterwegs und schlief im Zug, um Geld für ein Hotel zu sparen.» Mehrere Aspekte lassen seine Wahl letztlich auf Österreich fallen. «Es ist ein schönes und sicheres Land. Durch ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem österreichischen Partner haben wir eine Gewerbekonzession bekommen und konnten sofort zu arbeiten beginnen», erklärt er. Wie schon in Kabul, baut sich die Familie auch in Wien einen Teppichhandel auf. Die Kunden sind Großhändler, bei denen Bakhsh sich persönlich vorstellt, um Geschäftsbeziehungen anzubahnen. Bis heute ist das Familienunternehmen im Teppichhandel erfolgreich, hinzu kommt ein Immobiliengeschäft. Bakhshs hoher persönlicher Einsatz ist von Erfolg gekrönt: Bis 1995 hat er alle seine Familienmitglieder nach Wien in Sicherheit gebracht.

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Lebt in Österreich seit 1981 Wurzeln Afghanistan Entfernung vom Herkunftsland 4.600 km

An Österreich mag ich besonders Österreich ist ein sicheres Land mit einer hohen Lebensqualität, das meiner Familie eine gute Zukunft bietet.

ZUM UNTERNEHMEN

Name des Unternehmens Bashiri Teppichhandel, Bakhsh Immobilien

Unternehmensgründung 1983

Branche/Sparte Einrichtungsfachhandel, Immobilien

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LADISLAVA BAXANT-CEJNAR (45)

DIE KUNST DES SPAGATS

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ERFOLGSTIPP (Deutsch/Tschechisch) Es ist wichtig, ständig an sich zu arbeiten. Je du˚ležité na sobeˇ stále pracovat.

PERSÖNLICHES LADISLAVA BAXANT-CEJNAR HAT SICH ZU EINER BEKENNENDEN WIENERIN ENTWICKELT. Die Übersetzerin hat einen besonderen Bezug zur Bundeshauptstadt, in der sie seit dreißig Jahren lebt: «Da ich sehr viel für die Stadt Wien dolmetsche, kenne ich Wien buchstäblich von ‚innen und außen’, von der Müllverbrennungsanlage bis zur Feuerwehr. Ich habe mich beruflich mit den höchsten Punkten Wiens, aber auch dem Kanalnetz beschäftigt», erzählt sie lachend. Mit 15 Jahren kommt sie mit ihrer Familie nach Österreich, auf der Flucht vor der kommunistischen Doktrin in der damaligen Tschechoslowakei. Ihre Ankunft setzt sie mit einer Mondlandung gleich: «Es ging nicht nur um die neue Sprache, es war ein völlig anderes Wertesystem. Ich wusste nicht, was ‚in‘ und ‚out‘ ist, richtig und falsch. Da in der Tschechoslowakei viele Filme und Bücher verboten waren, kannte ich Dinge nicht, die für andere selbstverständlich waren».

IM BILD MIT EINEM DONAUKIESEL Für Ladislava Baxant-Cejnar ist er ein Symbol für den Wert von Beharrlichkeit: «Er fällt mit Ecken und Kanten ins Wasser, arbeitet kontinuierlich an sich und kommt 20 Kilometer weiter als wunderschöner Donaukiesel in Wien an.»

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Als sie maturiert, hat Baxant-Cejnar sprachlich den Anschluss gefunden und entscheidet sich, Dolmetschen und Übersetzen zu studieren. Direkt nach dem Studium macht sie sich selbstständig. Als Dolmetscherin für die Sprachen Tschechisch, Russisch, Slowakisch und Englisch sieht sie sich als Brücke zwischen unterschiedlichen Kulturen und findet sich manchmal auch direkt in Kontroversen wieder: «In Tschechien verteidige ich zum Beispiel die österreichische Anti-Atompolitik, in Österreich verteidige ich die tschechischen Ansichten dazu. Ich bin mit einem Bein immer im jeweils anderen Land. Diesen Spagat muss man in diesem Beruf schaffen.»

Lebt in Österreich seit 1984 Wurzeln Tschechien Entfernung vom Herkunftsland 300 km

An Österreich mag ich besonders Wien! Je länger ich hier lebe, umso mehr liebe ich die Stadt.

ZUM UNTERNEHMEN

Name des Unternehmens Amulett Dolmetscherinnen und Übersetzerinnen

Unternehmensgründung 1995

Branche/Sparte Information & Consulting

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DOROTHEA BROZ˙ EK (48)

DIE WELT EIN KLEINES STÜCKCHEN BESSER MACHEN

IM BILD MIT EINEM PFEIL-SYMBOL Der Pfeil ist Teil ihres neuen Unternehmens­logos: Er ist ein Symbol für die ständige Weiterentwicklung, die Dorothea Broz˙ek in ihrem Leben sehr wichtig ist. «Entscheidend ist auch, sich nicht zu viel auf einmal vorzunehmen, sondern seine Energie zu bündeln – auf ein Ziel zu fokussieren.»

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ERFOLGSTIPP (Deutsch/Polnisch) Gibt’s nicht, gibt es nicht! Nie ma: Nie da sie¸!

PERSÖNLICHES SEIT VIELEN JAHREN ENGAGIERT SICH DOROTHEA BROZ˙EK FÜR DIE RECHTE VON MENSCHEN MIT BEHINDERUNG. Sie selbst lebt mit einer Muskelschwäche und kennt die damit verbundenen Mühen des Alltags von klein auf. «Mitte der 1970er-Jahre gab es etwa noch keine barrierefreien Verkehrsmittel», erinnert sie sich. Bereits während ihrer Studienzeit macht sie sich für Veränderungen stark, ist beteiligt am Aufbau des ersten Behindertenreferats der Österreichischen Hochschülerschaft. Später treibt sie als Geschäftsführerin einer Non-Profit-Organisation das Konzept einer genossenschaftlich organisierten Persönlichen Assistenz voran, um Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. «Wir hatten den Markt und Menschen, die in diesem Bereich arbeiten wollten. Aber wir hatten kein Geld», erinnert sie sich. Diese Gelder mussten öffentlich aufgestellt werden, ein Umdenken war notwendig. Dabei scheut sie sich auch nicht, öffentlich auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen, denn: «Althergebrachtes hilft meist nicht viel, wenn man neue Probleme lösen muss.» Diesem Grundgedanken folgt sie auch mit ihrem 2011 gegründeten Unternehmen Brożek Power Consulting. Dabei coacht sie Unternehmen und Organisationen im besseren Umgang mit Diversität und vermittelt Dos & Don’ts rund um das Thema Behinderung.

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Lebt in Österreich seit 1973 Wurzeln Polen Entfernung vom Herkunftsland 600 km

An Österreich mag ich besonders Die wunderbare Natur, die öster­ reichischen Demeter-Landwirte, die Wiener Ringstraße und meine neue Familie, die ich mit meinem wunderbaren Lebenspartner gewonnen habe.

ZUM UNTERNEHMEN

Name des Unternehmens Broz˙ek Power Consulting

Unternehmensgründung 2011

Branche/Sparte Unternehmensberatung einschließlich Unternehmensorganisation

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VESNA BUDIC´-SPASIC´ (49)

ALTERNATIVE MEDIZIN IM TREND

IM BILD MIT FOTOS IHRER BEIDEN KINDER Auf sie ist Vesna Budic´-Spasic´ besonders stolz: «Sie sind das Beste in meinem Leben.» Ihr Sohn studiert zurzeit ebenfalls Medizin und will in die ­beruflichen Fußstapfen seiner Mutter treten.

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ERFOLGSTIPP (Deutsch/Serbisch) Zum Erfolg gehören Disziplin, viel Arbeit und Toleranz, um Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind. U uspeh spada disciplina, mnogo rada i tolerancija, kako bismo stvari prihvatili onakve kakve jesu.

PERSÖNLICHES VESNA BUDIC´-SPASIC´ IST STUDIERTE MEDIZINERIN UND MASTER IM FACHBEREICH ORTHOMOLEKULARE MEDIZIN, ALS SIE 1995 NACH ÖSTERREICH KOMMT, UM BERUFLICH NEUE MÖGLICHKEITEN FÜR SICH ZU ERSCHLIESSEN. An die Berufsanerkennung geht sie mit einem konkreten Ziel heran: «Ich wollte die Anerkennung meiner Qualifikationen unbedingt vor der Geburt meines ersten Kindes schaffen», lacht sie. «Innerhalb von sechs Monaten habe ich sieben Prüfungen und gleichzeitig einen Deutschkurs gemacht – knapp, aber doch, ist sich alles ausgegangen.» Nach ihrer Karenz spezialisiert sie sich auf Labormedizin und absolviert in Deutschland eine alternativmedizinische Ausbildung. «Mein Schwerpunkt ist die natürliche Infusionstherapie», erklärt Budić-Spasić. Durch die Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft im Jahr 2010 darf sie dieses Know-how in ihrer eigenen Praxis für Allgemeinmedizin einsetzen. Sie zieht ihre Ordination zuerst noch im kleinen Rahmen parallel zur Anstellung in einem Labor auf, nach zwei Jahren ist sie in der Lage, sich ganz auf die Selbstständigkeit zu konzentrieren. Aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit kommen viele Patienten/innen mit Wurzeln in der Balkanregion – die Spezialisierung auf alternativmedizinische Methoden macht sie aber auch für Österreicher/innen zur gefragten Ärztin. «Diese sind gut informiert und wollen immer öfter auf natürlicher Basis behandelt werden.» Eine Entwicklung, die sie in eine positive Zukunft blicken lässt.

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Lebt in Österreich seit 1995 Wurzeln Serbien Entfernung vom Herkunftsland 500 km

An Österreich mag ich besonders Dass ich mich hier meinen beruflichen Wünschen entsprechend entwickeln konnte.

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Name des Unternehmens Dr. Vesna Budic´-Spasic´

Unternehmensgründung 2010

Branche/Sparte Praktische Ärzte

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BAHATTIN CEKI (45)

FACHLICH UND MENSCHLICH ÜBERZEUGEN 7

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Türkisch) Man muss sich dem Leben in Österreich öffnen. Gepaart mit Disziplin und Genauigkeit kann jeder erfolgreich sein. Avusturya‘daki yas¸ama kendini açmak gerekir. Disiplin ve özen biraraya geldig˘inde, herkes bas¸arılı olabilir.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1973 Wurzeln Türkei Entfernung vom Herkunftsland 1.600 km

An Österreich mag ich besonders Ich schätze an Österreich, dass ich hier ganz bewusst agieren kann. Um etwa ein Projekt bewilligt zu bekommen, weiß ich ganz genau, was ich tun muss.

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Name des Unternehmens Ceki – Atelier Moderne Architektur

Unternehmensgründung 2004

Branche/Sparte Bau, Architektur

«MAN MUSS IN SCHWIERIGEN SITUATIONEN AUF MENSCHEN ZUGEHEN, MIT IHNEN KOMMUNIZIEREN», IST BAHATTIN CEKI ÜBERZEUGT. Der Unternehmer mit türkischen Wurzeln lebt seit seinem vierten Lebensjahr in Österreich. Die deutsche Sprache lernt er bereits im Kindergarten, seine Ausbildung absolviert er an einer HTL für Hochbau. 2002 erlangt er die Baumeister-Befähigung, 2004 gründet er sein Architekturunternehmen. Schnell erkennt er, dass es für erfolgreich abgeschlossene Aufträge mehr braucht als fachliches Know-how: «Bauprojekte bedeuten für Anrainer/innen fast immer eine Veränderung ihrer gewohnten Umgebung. Mir ist es daher wichtig, direkt auf Menschen zuzugehen, um aufkeimende Bedenken zu klären.» Dass Menschen mit seiner Arbeit zufrieden sind, ist für ihn ­essenziell und hat ihm in der Baubranche auch geholfen, ein stabiles Unternehmen aufzubauen. «Ich habe keine Werbung gemacht, sondern wurde immer weiterempfohlen.» Ehrliche Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen sind Ceki jedoch nicht nur auf beruflicher Ebene wichtig. Er sieht darin auch den Schlüssel zu einem gelungenen Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen in Österreich: «Integration funktioniert aber nur, wenn beide Seiten etwas dazu beitragen.»

IM BILD MIT EINEM ZIRKEL Heute ein lieb gewonnenes Erinnerungsstück, war der 1985 erworbene Zirkel während des Architekturstudiums ein unentbehrliches Arbeitsmittel für Bahattin Ceki: «Damals wurden noch alle Pläne mit der Hand gezeichnet.»

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ANEL C´ERIMAGIC´ (37)

HINFALLEN UND WIEDER AUFSTEHEN 8

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Bosnisch) Soziale Kompetenz, ein starkes Netzwerk und ein Gefühl für das gesellschaftliche Umfeld spielen eine große Rolle. Socijalna kompetencija, jaka mreža i osjec´aj za poslovno okruženje igraju veliku ulogu.

PERSÖNLICHES WIE MAN UNTERNEHMERISCH HANDELT, LERNT ANEL C´ERIMAGIC´ BEREITS IM STUDIUM DER HANDELSWISSENSCHAFTEN, DAS ER SICH MIT DER ORGANISATION VON STUDENT/INNENPARTIES FINANZIERT. Gemeinsam mit zwei Studienkollegen erkennt er damals auch eine unternehmerische Nische: Die Produktion von Lebensmitteln aus Bosnien, seiner alten Heimat. Diese gab es in Österreich nicht zu kaufen, der Bedarf war in der ex-jugoslawischen Community aber vorhanden. Noch im zweiten Abschnitt des Studiums gründet das Trio das Unternehmen «Brajlovic».

IM BILD MIT EINEM STEIN «Diesen habe ich aus dem Garten unseres Hauses mitgenommen, als wir Bosnien 1993 verlassen haben», erzählt Anel C´erimagic´. Die starke Verbindung zu seinem Heimatland hat der Unternehmer zu seinem beruflichen Vorteil genutzt.

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Sie mieten eine Produktionsstätte im 12. Wiener Gemeindebezirk, holen sich das nötige Know-how aus Bosnien und arbeiten an Rezepturen für ihre ersten Produkte. Anfangs wird der Elan der Jungunternehmer auf eine harte Probe gestellt: «Wir haben in eine große Menge an Rohstoffen investiert. Dann ist ein Fehler in der Produktion passiert, die Produkte konnten wir nicht verkaufen», schildert Ćerimagić. Auch das Vertriebskonzept müssen sie überdenken: «Ursprünglich wollten wir uns nur als Produzent und nicht als Händler positionieren. Gute Vertriebspartner waren aber rar.» Die Studienkollegen reagieren auf diese Herausforderung, indem sie eine eigene Distributionsfirma aufbauen. Über diese vertreiben sie nicht nur Produkte aus eigener Erzeugung, sondern auch andere beliebte Lebensmittel aus Bosnien. Aus dem anfänglichen Studentenprojekt entwickelt sich die Adriatic Group, eine international agierende Holding. Das Management ist mit der Zeit gewachsen, noch heute sind aber jene drei Studenten an Bord, die an ihrer Vision festgehalten haben.

Lebt in Österreich seit 1993 Wurzeln Bosnien Entfernung vom Herkunftsland 500 km

An Österreich mag ich besonders Wien ist eine multikulturelle Stadt, das gefällt mir persönlich sehr gut. Die Stadt bietet viele Möglichkeiten.

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Name des Unternehmens Adriatic Group

Unternehmensgründung 2003

Branche/Sparte Lebensmittelhandel

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AYSEGÜL CETINKAYA (36)

TÜRKEI TRIFFT VORARLBERG 9

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Türkisch) Neben Mut, Selbstvertrauen und fachlichen Qualifikation sind die richtigen Mitarbeiter/innen essenziell. Cesaret, kendine güven ve mesleki vasfın yanısıra dog˘ru çalıs¸anlar da çok önemlidir.

PERSÖNLICHES DIE IN VORARLBERG GEBORENE AYSEGÜL CETINKAYA HAT IMMER SCHON IHREN EIGENEN KOPF, IST DIE REBELLIN IN DER FAMILIE. Dass sie als Frau eine HAK absolviert, ist damals in ihrer Community nicht selbstverständlich gewesen: «Als Mädchen mit konservativen türkischen Wurzeln musste ich mich durchsetzen.» Nachdem sie einige Jahre in ihrem Beruf gearbeitet und weitere Ausbildungen, unter anderem am WIFI, absolviert hat, geht sie 2004 selbständige Wege als gewerbliche Buchhalterin. Aus diesem Unternehmen hat sich 2011 das «Zahlenstudio» in seiner heutigen Form entwickelt.

IM BILD MIT EINEM KLEINEN GLOBUS «Wenn es sehr stressig ist, erinnert mich dieser Globus daran, dass es auch noch eine Welt außerhalb des Jobs gibt», erzählt Aysegül Cetinkaya.

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Mit diesem bietet Cetinkaya neben den Tätigkeiten im Rahmen der beruflichen Befugnisse der Bilanzbuchhalterin einen speziellen Service: «Ich fungiere als Bindeglied zwischen Unternehmen mit ausländischen Wurzeln und den Steuerberater/innen.» Diese Marktlücke erkennt sie, als sie ihrem Vater bei der Gründung seines Unternehmens hilft: «Abgesehen von der richtigen Übersetzung der Fachbegriffe geht es mir hauptsächlich darum, meinen Kund/innen ihr Rechnungswesen verständlich zu machen. Ich kann mich in deren Bedürfnisse hineinversetzen und ihnen das unternehmerische Denken und Handeln sowie das Steuersystem näher bringen.» Ihre Kunden sind fast ausschließlich Vorarlberger Unternehmen mit türkischem Hintergrund. Die zwei Kulturen, die sie beruflich verbindet, machen sie auch persönlich aus: «Ich bin eine türkische Vorarlbergerin!»

In Österreich geboren 1978 Wurzeln Türkei

An mir ist besonders österreichisch Dass ich zur Frühaufsteherin geworden bin! Das wird mir in der Türkei mittlerweile zum Verhängnis, denn wenn ich zum Frühstück ausgehen möchte, stehe ich manchmal noch vor verschlossenen Lokaltüren.

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Name des Unternehmens Zahlenstudio

Unternehmensgründung 2004

Branche/Sparte Unternehmensberatung und Informationstechnologie

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ANSHEN CHEN (53)

DIE RICHTIGE WAHL GETROFFEN 10

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Chinesisch) Man kann nicht immer nur gewinnen, sondern muss auch Verluste ­akzeptieren können. 人不可能总是胜人一筹,而是必须也能够接受失利。

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1983 Wurzeln China Entfernung vom Herkunftsland 7.500 km

An Österreich mag ich besonders In Österreich ist es sehr angenehm zu leben, es ist ruhig und die Luft ist sauber. Es ist der Ort, wo ich mich zuhause fühle, denn hier habe ich meine Familie und meine Unternehmen gegründet.

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Name des Unternehmens DI Dr. Anshen CHEN e.U. Restaurationsbetriebe

Unternehmensgründung 1991

Branche/Sparte Gastronomie

GEBOREN IN DER CHINESISCHEN PROVINZ SHANXI, WIRD ANSHEN CHEN 1982 IM RAHMEN SEINES FORSTWIRTSCHAFTSSTUDIUMS NACH ÖSTERREICH ENTSANDT, UM HIER ZUM THEMA BODENEROSIONSSCHUTZ ZU FORSCHEN. In Wien setzt er sein Studium fort und erhält 1987 den Doktortitel. Kurz darauf entscheidet er sich jedoch, eine gänzlich andere Berufslaufbahn einzuschlagen. «Ich habe beim Landwirtschaftsministerium um eine Arbeitsstelle angesucht, musste aber länger auf eine Entscheidung warten. Währenddessen habe ich für in Wien ansässige Chinesen Übersetzungen gemacht – bei vielen dieser Aufträge ging es um Chinarestaurants in Deutschland oder Holland. Ich habe sehr schnell sehr viel über diese Branche gelernt», blickt Chen zurück. Sein Interesse ist geweckt und so fragt er in der Shopping City Süd, dem größten Einkaufszentrum Österreichs, um ein Geschäftslokal für ein Restaurant an. «Für den Ministeriumsjob und das Lokal habe ich praktisch gleichzeitig die Zusage bekommen», lacht Chen. Gewählt hat er die Karriere in der Gastronomie. «Es ist sehr abwechslungsreich», so Chen. Der Spaß an seiner Arbeit hat ihm die Kraft gegeben, über Jahre hinweg 16-Stunden-Tage zu absolvieren. Heute gehören zu seinem Unternehmen 14 Restaurants und ein Handelsunternehmen mit 250 Mitarbeiter/innen.

IM BILD MIT EINEM JADE-STEIN Der Stein aus Anshen Chens Heimat Peking hat ihm bei seinem Unternehmensaufbau Glück gebracht. Fleiß und Zufriedenheit müsse man mitbringen, so Chen, dann stelle sich das Glück automatisch ein.

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ZAHLEN & FAKTEN

MIT STICHTAG 1. JÄNNER 2014 LEBTEN 1,42 MILLIONEN IM AUSLAND GEBORENE PERSONEN IN ÖSTERREICH. DAS ENTSPRICHT 16,6 % DER GESAMTBEVÖLKERUNG.

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RUBÉN CONTRERAS SALAZAR (34)

DER ÖSTERREICHISCHE TORTILLABÄCKER

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IM BILD MIT EINEM TEIL SEINER AMERICAN FOOTBALL-AUSRÜSTUNG «Alles was ich gelernt habe, kommt aus diesem Sport: Ausdauer, Disziplin, Hingabe und Kampfgeist.» 2015 will Rubén Contreras Salazar in Wien ein Trainingszentrum nach amerikanischem Konzept eröffnen.

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Spanisch) Mache das, was du am meisten liebst. Haz aquello que más te guste.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 2008 Wurzeln Mexiko Entfernung vom Herkunftsland 10.200 km

An Österreich mag ich besonders Die Lebensqualität

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Name des Unternehmens Moctezuma Foods

Unternehmensgründung 2009

Branche/Sparte Lebensmittelgewerbe

RUBÉN CONTRERAS SALAZAR SCHLÄGT SICH 2008 NACH SEINEM STUDIUM DER BETRIEBSWIRTSCHAFT, DAS ER IN MEXIKO UND SPANIEN ABSOLVIERT, MANGELS DEUTSCHKENNTNISSEN IN ÖSTERREICH ALS KOCH, KELLNER UND SOGAR TELLERWÄSCHER DURCH. Er kommt der Liebe wegen, und mit einem Traum im Gepäck: dem eines eigenen Unternehmens. Nur knapp zwei Jahre nach seiner Ankunft in Österreich setzt der begeisterte American Football-Spieler mit mexikanischen Wurzeln den Schritt in Richtung Selbstständigkeit. «Ich wurde der erste Produzent Europas für originale Tortillas aus mexikanischem Maismehl, das ich aus meiner alten Heimat importiere.» Um deren Herstellung zu lernen, arbeitet er vier Wochen in Mexiko in einer Tortilleria und nimmt das dort gewonnene Know-how sowie auch Produktionsmaschinen nach Wien mit. Um seinen Vertrieb in Gang zu bringen, setzt Contreras Salazar auf einen einfachen, aber effektiven Marketingplan: Seine ersten Tortillas verschenkt er an die mexikanische Botschaft, lädt die Mitarbeiter/innen zur Eröffnungsfeier seiner Wiener Tortilleria ein. «250 Gäste feierten mit mir, unter ihnen auch die Botschafter aus Mexiko, Guatemala und Argentinien». Sein Konzept geht auf, bald werden Kunden in ganz Europa auf ihn aufmerksam. Heute produziert der Unternehmer mit einem sechsköpfigen Team 6.000 Tortillas pro Stunde. Seine Geschäftsidee hat ihn nach nur fünf Jahren zum Erfolg geführt: «Ich bin da, wo ich immer sein wollte.»

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MARICA DIENES (52)

GANZ SCHÖN ERFOLGREICH 12

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Serbisch) Man muss fleißig sein und darf nicht nur an kurzfristigen Profit und schnellen Erfolg denken. Cˇovek mora biti marljiv i ne sme misliti samo na kratkorocˇni profit i brzi uspeh.

PERSÖNLICHES BEREITS IN IHRER HEIMAT SERBIEN IST MARICA DIENES ALS BEAUTY-­ EXPERTIN TÄTIG UND ARBEITET BEI EINEM REGIONALEN TV-SENDER. In Wien eröffnet sie 1996 einen kleinen Friseursalon. Dafür sind keine allzu großen Investitionen notwendig und sie ist bescheiden: «Ich wollte nur meinen Lohn verdienen.» Sie arbeitet viel, ist schnell und gut in ihrem Beruf – aus diesem Grund wird sie rasch weiterempfohlen. Über die Jahre baut sie den Salon zu einer All-inclusive-Beauty- und Wellness-Oase im 16. Wiener Gemeindebezirk aus. Ihren Erfolg verdankt sie nicht nur ihrer Professionalität, sondern auch ihrem Gespür, jede Kundin und jeden Kunden individuell zu betreuen. «Am Anfang kamen vor allem Kund/innen aus der serbischen Community, die meine gute Arbeit schätzten. Heute sind über drei Viertel meiner Kundschaft Österreicher/ innen», erzählt sie. «Sie sind auch die treueren Kunden». IM BILD MIT EINEM KORB VOLLER HAARBÜRSTEN Als Unternehmerin, die ihr Leben der Schönheit widmet, erachtet sie neben Fleiß den gepflegten Auftritt im Geschäftsleben als essenziell: «Gepflegt, sauber und schick – ein gutes Aussehen ist im Business sehr wichtig.»

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Nicht nur ihre Kund/innen sind stammen aus verschiedenen Herkunftsländern, auch ihre mittlerweile 15 Mitarbeiter/innen sind eine «bunte Mischung aus den unterschiedlichsten Kulturen.» Darauf achtet Marica Dienes nicht: «Es ist mir vor allem wichtig, dass es gute Menschen sind.» Seit 22 Jahren ist Dienes nun in Österreich und liebt ihre neue Heimat. «Die Chance, die mir dieses Land gegeben hat, habe ich genutzt».

Lebt in Österreich seit 1992 Wurzeln Serbien Entfernung vom Herkunftsland 500 km

An Österreich mag ich besonders Ich liebe Wien, ganz besonders den 16. Bezirk, denn hier spüre ich das Leben.

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Name des Unternehmens Marica Style & Beauty Corner

Unternehmensgründung 1996

Branche/Sparte Friseure

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DOMAGOJ DOLINSEK (31)

WARUM KOMPLIZIERT, WENN’S AUCH EINFACH GEHT 13

IM BILD MIT EINER SKIZZE DER DEFECTRADAR-APP Unternehmertum hat Domagoj Dolinsek schon immer interessiert. In der Selbstständigkeit sieht er den Vorteil, dass er seine Ideen ohne Einschränkung umsetzen kann.

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Kroatisch) Es braucht einen gewissen Instinkt zum Unternehmertum, gute Sprachkenntnisse und die Fähigkeit, Nischen für sich zu entdecken. Za poduzetništvo je potreban odred-eni instinkt, dobro znanje jezika i sposobnost otkrivanja tržišnih niša za sebe.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1991 Wurzeln Kroatien Entfernung vom Herkunftsland 300 km

An Österreich mag ich besonders Die abwechslungsreiche Umgebung: Ich liebe es, die vielen Seen oder die Berglandschaft in den Alpen zu entdecken.

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Name des Unternehmens DefectRadar

Unternehmensgründung 2013

Branche/Sparte Unternehmensberatung und Informationstechnologie

«FRÜHER GAB ES KEINE ANDERE MÖGLICHKEIT, ALS MIT P­ LÄNEN UNTER DEM ARM ÜBER DIE BAUSTELLE ZU GEHEN, SICH HÄNDISCH NOTIZEN ZU MACHEN UND DIE BAUFEHLER ZU FOTOGRAFIEREN», beschreibt Domagoj Dolinsek den Aufwand der Mängel-Erfassung auf Baustellen. «Die aufgezeichneten Informationen wurden dann in eine Excel-Liste eingegeben und an die Firmen geschickt, die die Mängel beheben sollten. Ich war mir sicher, dass man diesen Prozess viel ressourcenschonender gestalten kann». So entwickelt der Elektroingenieur mit kroatischen Wurzeln die Idee zu einer Webapplikation sowie Mobile App für eine papierlose, kosten- und zeiteffiziente Bewältigung des Mängelmanagements. Mit dieser Innovation gewinnt Dolinsek 2012 bei einer Start-up Initiative eines Telekommunikationsanbieters und erhält Trainings in Marketing, Vertrieb und Rechtsfragen. Gemeinsam mit Partnern gründet er ein Jahr später das Unternehmen DefectRadar, benannt nach der Baustellen-App. Diese wird nicht nur von Architekten oder Bauleitern aus Österreich genutzt, auch in England oder Australien hat das Unternehmen bereits Kunden. «Man muss offen sein und ständig seinen Horizont erweitern», erklärt der Unternehmer seinen Zugang zu Innovation. «Voraussetzung dafür ist, dass man gut zuhören und Bedürfnisse erkennen kann.»

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DIEGO ELIA (38)

DER NEAPOLITANER UND SEIN SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG 14

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Italienisch) Halbe-halbe machen geht nicht. Um erfolgreich zu sein, muss man sich entscheiden, 100 Prozent zu geben. Fare le cose a metà non porta da nessuna parte. Per avere successo ­occorre impeganrsi al 100%.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1994 Wurzeln Italien Entfernung vom Herkunftsland 800 km

An Österreich mag ich besonders Ich empfinde das Leben in Süditalien viel stressiger als hier in Österreich. Ich genieße die Ruhe in Wien.

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Name des Unternehmens Ristorante La Delizia

Unternehmensgründung 2004

Branche/Sparte Gastronomie

DIEGO ELIA STAMMT AUS EINER ITALIENISCHEN GASTRONOMENFAMILIE. Mit 18 Jahren kommt er der Liebe wegen nach Österreich und arbeitet zunächst in der Barbranche. Obwohl er mit der Zeit von der Schankhilfe zum Barchef aufsteigt und ein gutes Einkommen hat, lässt ihn die Idee vom eigenen Restaurant nicht los. Mit einem Freund aus seiner Geburtsstadt Neapel gründet Elia 2004 das «La Delizia», in dem sie italienische Spezialitäten, ganz nach familiärer Tradition, anbieten. Die Anfangsphase gestaltet sich schwieriger als erwartet. «Der Vorbesitzer des Restaurants hat nicht viel Wert auf Qualität gelegt, unseren guten Ruf mussten wir uns erst mühsam erarbeiten», erinnert er sich. «Ich habe mich sogar auf den Gehsteig vor dem Restaurant gestellt und die Leute eingeladen, sich von unserer guten Küche zu überzeugen», so Elia. Schritt für Schritt und mit großem Einsatz gelingt es, die Klientel zurückzugewinnen. Noch heute steht der passionierte Koch oft selbst in der Küche und verwöhnt seine Gäste, auch wenn er jetzt mehrere Mitarbeiter/innen beschäftigt. «Wenn du immer gute Arbeit machst, geht es irgendwann bergauf – wenn auch nicht von einem Tag auf den anderen», erklärt der Gastronom. «Du musst dir Ziele setzen und daran glauben. Eine Spur Glück ist auch immer dabei.»

IM BILD MIT SEINER FAMILIE UND EINEM SCHLÜSSEL Diego Elia ist überzeugt, dass jeder Mensch seinen eigenen Schlüssel zum Erfolg finden, seine eigene Unternehmensphilosophie entwickeln muss. Zu seiner größten Motivation gehören seine Frau und seine Tochter. «Früher habe ich an sieben Tagen die Woche gearbeitet – mittlerweile gehört der Sonntag ganz der Familie».

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ADIAM EMNAY (32)

DAS BESTE AUS ZWEI KONTINENTEN

IM BILD MIT EINER TASCHE AUS EHEMALIGEN ZEMENTSÄCKEN Dubaruba, ein Dorf in Eritrea, war Namenspate für die Online-Plattform, mit der Adiam Emnay Designer/innen in Afrika unterstützt. Diese starten einfach mit Ausgangsmaterialien, die ihnen zur Verfügung stehen: So werden aus Papier originelle Schmuckstücke gefertigt, aus alten Zementsäcken entstehen Taschen.

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ERFOLGSTIPP (Deutsch/Amharisch) Es ist gut, einen Plan zu haben. Aber man muss auch den Mut haben zu starten, mit kleinen Strukturen zu beginnen und das Produkt direkt am Kunden zu testen. የቢዝነስ ፕላን ሲኖር ጥሩ ነው። ሆኖም ይህን ፕላን በተግባር ለመተርጎም ተነሳሽነትን የሚጠይቅ እንደመሆኑ ደረጃ በደረጃ በገበያ ትውውቅ ሥራ አዋጭነቱ መፈተሽ ይኖርበታል።

PERSÖNLICHES IN ERITREA GEBOREN, VERBRINGT ADIAM EMNAY IHRE ERSTEN LEBENSJAHRE IN ÄTHIOPIEN. Ende 1994, mit zwölf Jahren, folgt sie ihrer Mutter nach Österreich. Ihre romantischen Vorstellungen vom Leben in Europa findet sie damals bestätigt: Es ist Dezember, Wien weihnachtlich geschmückt, alles glitzert – und das junge Mädchen ist beeindruckt. Obwohl sie anfangs kein Wort Deutsch versteht, hat sie positive Erinnerungen an ihre Schulzeit: Ihr Wille, rasch Sprachkenntnisse aufzubauen, trifft auf Schulkolleg/innen und Lehrer/innen, die sie darin aktiv unterstützen. Für die Diplomarbeit ihres Sozioökonomiestudiums kehrt sie ein halbes Jahr zu ihren Wurzeln nach Äthiopien zurück. Anfängliche Pläne, sich dort selbstständig zu machen, setzt sie jedoch nicht um: «Die zentraleuropäische Denkweise hatte mich schon zu sehr geprägt, ich fühlte mich mehr als Österreicherin», erinnert sich Emnay an diesen Wendepunkt. Die emotionale Verbindung zu Äthiopien ist jedoch ungebrochen – genau diese nutzt sie heute für ihre Plattform Dubaruba.com, auf der sie unkonventionelle Designerprodukte aus Äthiopien, Kenia, Südafrika und dem Swasiland vertreibt. Sie kombiniert dadurch ihren Ehrgeiz, selbst etwas auf die Beine zu stellen, mit ihrem größten Wunsch: Die blühende Kultur ihrer alten Heimat zu fördern und in ihre neue Heimat zu bringen.

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Lebt in Österreich seit 1994 Wurzeln Eritrea und Äthiopien Entfernung vom Herkunftsland 4.800 km

An Österreich mag ich besonders Die Lebensqualität: Ich kann hier ein sehr gutes Leben führen.

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Name des Unternehmens Dubaruba.com

Unternehmensgründung 2013

Branche/Sparte Versand-, Internet- und allgemeiner Handel

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ALEXIS EREMIA (33)

ES GEHT NICHT NUR UM PROFIT, SONDERN UM IMPACT 16

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Rumänisch) Es ist wichtig, seine Ideen mit anderen zu teilen, anstatt sie für sich zu behalten. Gebt sie der Welt preis und findet Partner, die eure Visionen mittragen. Este important sa˘ va˘ împa˘rt‚it‚i ideile cu ceilalt‚i, în loc sa˘ le t‚inet‚i numai pentru dumneavoastra˘. Împa˘rta˘s‚it‚i-le lumii s‚i ga˘sit‚i-va˘ parteneri care va˘ împa˘rta˘s‚esc viziunile.

PERSÖNLICHES

IM BILD MIT EINEM MINIATUR-TISCH AUS PORZELLAN Gefunden hat sie diesen, als sie an einem Umwelt-Projekt in Rumänien teilnimmt und Müll sammelt, den andere achtlos in der Natur entsorgt haben. In einem Bachbett entdeckt sie den Porzellan-­T isch. Dieser symbolisiert für sie den Wert selbst kleiner Taten: Diese ändern zwar nicht die ganze Welt, einen Unterschied bewirken sie dennoch.

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ALEXIS EREMIA KOMMT DURCH IHR ENGAGEMENT FÜR DIE INTERNATIONALE STUDENTENORGANISATION AIESEC NACH WIEN. Gemeinsam mit Arbeitskollegen entwickelt sie die Vision, Menschen eine Plattform zu bieten, die zu einer nachhaltig agierenden Gesellschaft beitragen möchten. Seit 2010 baut die gebürtige Rumänin nun die Wiener Dependance des internationalen Netzwerks Impact Hub auf. Es fungiert als Drehscheibe und Diskussionsraum für Menschen und Unternehmen, die soziale und nachhaltige Ideen umsetzen möchten und bietet diesen Vernetzungsmöglichkeiten mit weltweit über 7.000 Mitgliedern. Unternehmer/innen finden Unterstützung durch Trainings und Netzwerkveranstaltungen. Durch die internationale Reichweite können Projekte wachsen – sogar einen weltweiten «Impact» erreichen.

Zur Eröffnung des Wiener Impact Hub Standorts lädt sie ihr großes Vorbild ein: Mohammad Yunus, Friedensnobelpreisträger und Gründer des Mikrofinanz-Kreditinstituts Grameen Bank. Sie besucht ihn dafür sogar in Bangladesh, um die Einladung persönlich zu überbringen. Ihr Traum geht in Erfüllung, als Mohammad Yunus die Einladung tatsächlich annimmt. Sie ist sicher: «Wenn du etwas gibst, bekommst du auch etwas zurück.»

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Lebt in Österreich seit 2004 Wurzeln Rumänien Entfernung vom Herkunftsland 900 km

An Österreich mag ich besonders Ich identifiziere mich mit Wien, ich mag die Stadt. Sie liegt nicht weit entfernt von meiner Heimatstadt Bukarest und genau an der Grenze zwischen West- und Osteuropa.

Name des Unternehmens Impact Hub

Unternehmensgründung 2010

Branche/Sparte Gewerbliche Dienstleister

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RICHARD OSSIRI GNAORE (53)

DER GERMANIST AUS DER ELFENBEINKÜSTE 17

IM BILD MIT «OSSIRIS STORY» Bei der Eröffnung seines Akademie-­ Standortes in der Wiener Mariahilferstraße bekommt er diese Tafel von seiner Sekretärin geschenkt. Sie zeigt seinen unternehmerischen Weg vom ersten Nachhilfeschüler im Jahr 2000 bis zum erfolgreichen Leiter einer Lernakademie mit Fokus auf Integration von Migrant/innen.

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Französisch) Ändere nie den Weg, den du für richtig hältst, nur um anderen zu gefallen. Und wenn du hinfällst, steh wieder auf. Si tu penses être sur la bonne voie, n’en change jamais juste pour plaire aux autres. Et si tu tombes, relève-toi.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1986 Wurzeln Elfenbeinküste Entfernung vom Herkunftsland 5.000 km

An mir ist besonders österreichisch Mein Fleiß

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Name des Unternehmens Ossiri’s Lernakademie

Unternehmensgründung 2000

Branche/Sparte Aus- und Weiterbildung

DAS DEUTSCHSTUDIUM, DAS RICHARD OSSIRI GNAORE IN SEINER HEIMAT ELFENBEINKÜSTE ABSOLVIERT, FÜHRT IHN MIT MITTE ZWANZIG NACH ÖSTERREICH. Nach einem Studium an der Wiener Diplomatischen Akademie wird er ins Akademiker Trainee Programm der damaligen Creditanstalt aufgenommen, seine Zukunft scheint gesichert. Von einem Tag auf den anderen muss er die Ausbildung jedoch abbrechen, als er den Job bei der Bank verliert. Es folgen berufliche Stationen, die alle nur von kurzer Dauer sind. «Untätig zu sein, war für mich aber undenkbar. Daher habe ich beschlossen, Taxi zu fahren». Fünf Jahre fährt er Menschen von A nach B. Auf die Idee, sich selbstständig zu machen, bringt ihn eine Kundin: «Sie fragte, warum ich nicht etwas mit Sprachen mache, wenn ich doch so viele spreche.» Neben seiner Muttersprache Französisch beherrscht Ossiri fließend Deutsch, Englisch und Spanisch sowie Chinesisch auf Konversationsniveau. Mit lediglich 400 Euro Startkapital beginnt seine Karriere als Unternehmer. «Ich hab es einfach getan», lacht er. «Ossiri’s Lernakademie» startet im Jahr 2000 mit Nachhilfe. Vier Jahre später erfolgt der Umstieg auf Deutschkurse, die eine Durchmischung von Migrant/innen verschiedenster Herkunft vorsehen: «Für viele Migrant/innen sind die Kurse die einzige Chance, um Deutsch zu praktizieren und mit Menschen außerhalb ihrer Community in Kontakt zu treten.» Ossiri baut seine Akademie zu einem führenden Unternehmen für Deutsch-Integrationskurse aus. Mit seiner Frau entwickelt er vor drei Jahren einen neuen Zweig für pädagogische Ausbildungen.

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VLAD GOZMAN (30)

EIN QUERDENKER MIT RENOMMEE

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ERFOLGSTIPP (Deutsch/Rumänisch) Ideen finden einen Markt, wenn sie ein Problem lösen. Ideile ga˘sesc o piat‚a˘ atunci când rezolva˘ o problema˘.

PERSÖNLICHES ES IST DAS JAHR 2010, IN DEM VLAD GOZMAN BESCHLIESST, SEINE ZELTE IN SEINER HEIMAT RUMÄNIEN ABZUBRECHEN UND WOANDERS AUFZUSCHLAGEN. Er entscheidet sich für Wien – auch weil er als Nachfahre der Siebenbürger Sachsen eine deutsche Schule besucht hat und die Sprache keine Hürde darstellt. Dennoch ist es anfangs schwer für den Wirtschaftsakademiker, sich für eine Arbeitsbewilligung zu qualifizieren.

Wurzeln Rumänien Entfernung vom Herkunftsland 900 km

IM BILD MIT EINER GLÜHBIRNE Alles dreht sich für Vlad Gozman um Ideen. Die Glühbirne ist für ihn ein Symbol für TEDx Vienna, das er ins Leben gerufen hat. TED steht für Technology, Entertainment and Design, jeder Vortrag einer TEDx-Konferenz ist genau 18 Minuten lang und spürt aktuellen Trends in Politik, Wirtschaft, Forschung oder Kultur nach. «Die TEDx-Talks zu organisieren, hat mein Denken sehr verändert», so Vlad Gozman.

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Eine große Chance tut sich auf, als er die Wiener Lizenz der globalen Konferenz-Reihe TEDx erhält, deren Fan er schon seit langem ist. An die Organisation seines ersten TEDx Talks kann er sich noch gut erinnern: «Über eine eher einfache Webseite und vor allem Facebook habe ich die Veranstaltung beworben und Mitarbeiter/innen gesucht.» TEDx Vienna ist heute ein erfolgreiches lokales Format der weltweiten Reihe. Seit 2010 hat Gozman 15 Konferenzen organisiert, 50 Mitarbeiter/innen arbeiten aktuell in seinem Team. Mit dem Namen, den sich Gozman durch TEDx Vienna in Wirtschaftskreisen macht, ist es ihm möglich, als Schlüsselkraft eine Arbeitsbewilligung zu bekommen. Seitdem hat er seine Karriere stetig vorangetrieben: Heute ist er Partner bei der Wiener Startup-Plattform i5invest und gründete darüber hinaus mit Geschäftskollegen das Unternehmen Adspired Technologies, das Technologie-Produkte im Bereich Marketing und e-commerce entwickelt und vermarktet.

Lebt in Österreich seit 2010

An Österreich mag ich besonders Die Kaffeekultur: dass sich Menschen Zeit nehmen, in Lokalen miteinander Gespräche zu führen. Das gefällt mir sehr, denn es bringt Menschen zusammen.

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Name des Unternehmens Adspired Technologies

Unternehmensgründung 2012

Branche/Sparte Werbung und Marktkommunikation, Unternehmensberatung und Informationstechnologie

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ARGTIM HANI (40)

ES AUS EIGENER KRAFT SCHAFFEN 19

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Mazedonisch) Erfolg hat mit der richtigen Einstellung zur Arbeit zu tun, nicht mit der Herkunft – und dass man fokussiert und konzentriert vorgeht. Успехот има врска со вистинскиот став кон работата, а не со потеклото – и со тоа дека се постапува фокусирано и концентрирано.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1999 Wurzeln Mazedonien Entfernung vom Herkunftsland 800 km

An Österreich mag ich besonders Man findet hier viele Möglichkeiten vor, um als Unternehmer erfolgreich zu sein. Der österreichische Staat hat mir die Chance gegeben, mir etwas aufzubauen.

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Name des Unternehmens A. Hani Bau

Unternehmensgründung 1999

Branche/Sparte Bau, Immobilien

DIE LIEBE ZU SEINER JETZIGEN EHEFRAU FÜHRT ARGTIM HANI IM JAHR 1999 NACH ÖSTERREICH. In seiner alten Heimat Mazedonien war er als Profi­ sportler aktiv gewesen, parallel dazu hatte er in der Baufirma seines Vaters mitgeholfen. Diese Erfahrungen nutzt er für den Aufbau einer beruflichen Existenz in Österreich. Er gründet eine Baufirma, in der er anfangs auch selbst mit seinen Mitarbeitern auf den Baustellen im Einsatz ist. Bereits nach einem Jahr der Selbstständigkeit erwirbt er sein erstes Objekt, renoviert es und verkauft es anschließend mit Gewinn weiter. Bis heute ist das sein Geschäftsmodell: kaufen, renovieren und verkaufen. «Ich habe gelernt, gut zu investieren», so Hani. Nach seinen Erfolgen im mazedonischen Karate-Nationalteam wird der Unternehmer auch ins österreichische Team aufgenommen. Aus seiner Leiden­ schaft zum Kampfsport stammen zentrale Werte, die ihn in der Führung seines Betriebs unterstützen. Sein Erfolgsrezept basiert darauf, sich zu 100 Prozent auf seine Ziele zu fokussieren und diszipliniert zu arbeiten: Jeder Tag beginnt bei Hani um 6.30 Uhr, vor Mitternacht geht er selten schlafen. Statt sich auf Glück zu verlassen, setzt der Unternehmer lieber auf die eigene Schaffenskraft und hat es damit im Beruf wie auch im Kampfsport an die Spitze geschafft.

IM BILD MIT BOXHANDSCHUHEN Der Kampfsport war immer ein wichtiger Teil in Argtim Hanis Leben. Einen Glücksbringer hat er nicht: Glück bedeutet vielmehr für ihn, seine Arbeit zu respektieren. Nicht nur zu träumen, sondern seine Sache jeden Tag gut zu machen.

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PETER HELEŠIC (48)

DER BRÜCKENBAUER ZWISCHEN OST UND WEST 20

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Tschechisch)

IM BILD MIT EINEM TENNISUND EINEM JONGLIERBALL Im Jonglieren findet Peter Helešic einen guten Ausgleich zu seinem Berufsalltag. Bewegungsgeschick der schnelleren Gangart beweist er auch während seines Betriebswirtschaftsstudiums, das er sich mit einer Karriere als Eishockey-Profi finanziert. Neben Eishockey ist ihm als Teamsport auch Tennis wichtig: So leitet er den Hobbytennisverein Slavia Wien, in dem tennisbegeisterte Tschech/innen und Slowak/innen zusammenkommen.

Zu Beginn braucht es Ziele und ein stabiles Fundament – dann einen starken Willen, Konsequenz und die Bereitschaft, hart zu arbeiten. Na zacˇátku potrˇebujete cíle a stabilní základ – potom silnou vu˚li, ­d˚uslednost a prˇipravenost tvrdeˇ pracovat.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1989 Wurzeln Tschechien Entfernung vom Herkunftsland 200 km

An Österreich mag ich besonders Wien – weil es eine sehr inter­ nationale Metropole ist, die mir auch die Möglichkeit bietet, meine Mehrsprachigkeit (Deutsch, Tschechisch, Slowakisch, Russisch und Englisch) zu meinem beruflichen Vorteil zu nutzen.

ZUM UNTERNEHMEN

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Name des Unternehmens helecom

Unternehmensgründung 2010

Branche/Sparte Unternehmensberatung und Informationstechnologie

SEIT DEN 1980ER-JAHREN PROFITIERT WIEN VON SEINER LAGE ALS DREHSCHEIBE ZWISCHEN WEST- UND OSTEUROPA – MEIST WAR DAMIT EINE ­UNTERNEHMERISCHE STOSSRICHTUNG GEMEINT: «WEST GOES EAST». «Das ändert sich momentan. Wien hat die Chance, sich noch mehr als bisher als Metropole für osteuropäische Unternehmen zu positionieren», ist Peter Helešic überzeugt. Er erkennt den Trend in Richtung «East goes West» und macht sich nach einem Executive MBA Studium mit einem Unternehmen für strategische Wirtschaftsberatung selbstständig. Geboren ist Helešic in der ehemaligen Tschechoslowakei. Mit 22 Jahren kommt er nach Österreich, weil er im starren kommunistischen System seiner Heimat keine Entfaltungsmöglichkeiten für sich sieht. Hier ist er über 15 Jahre lang für Industriebetriebe und Großkonzerne tätig, betreut für sie das osteuropäische Geschäft. «Mit meinem Unternehmen unterstütze ich heute vor allem ‚hidden champions‘ – also Unternehmen, die mit ihren Produkten in Osteuropa marktführend sind und sich über Wien auf den westeuropäischen Märkten behaupten möchten», führt Helešic aus. Zu Beginn seiner Selbstständigkeit investiert er viel Zeit in Networking – mit dem mit ersten Kunden kommen weitere, die ihn stetig voranschreiten lassen. Heute betreut er Unternehmen aus Polen, Ungarn, Tschechien oder der Slowakei und sieht noch viel Potenzial in seiner Geschäftsidee: «Das Spiel am Heimmarkt gut zu beherrschen, heißt nicht, dass man auch am ausländischen Markt gut spielt.»

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ZAHLEN & FAKTEN

ÖSTERREICH IST AKTUELL WAHLHEIMAT FÜR MENSCHEN AUS MEHR ALS 180 NATIONEN.

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ISLAM ISLAMI (38)

VERTRAUEN GEWINNT

IM BILD MIT EINEM GEMÄLDE «Das war das erste Geschenk, als ich meine Werkstatt eröffnet habe», erinnert sich Islam Islami. Der Unternehmer ist auch leidenschaftlicher Schifahrer und liebt die Freizeitmöglichkeiten, die ihm Salzburg bietet. «Durch meine sportlichen Hobbies habe ich viele Freunde gewonnen. Es hat mir geholfen, mich in der neuen Heimat einzuleben.» 21

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Albanisch) Wichtig ist der Aufbau von Vertrauen und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Me rëndësi është formimi i besimit të ndërsjellë dhe relacionit të mirë çmim shërbim.

PERSÖNLICHES ENDLICH MIT SEINER FAMILIE ZUSAMMEN ZU LEBEN, IST DER GRUND FÜR ISLAM ISLAMI IM JAHR 2004 NACH MITTERSILL IN SALZBURG ZU ZIEHEN. Davor führt er in seiner Heimat Kosovo eine KFZ-Werkstatt. «Als mein erstes Kind eingeschult wurde, haben meine Frau und ich beschlossen, dass es Zeit für mich wird, auch nach Österreich zu kommen», erzählt er. Der Plan des gelernten Werkstättenmeisters steht kurzzeitig an der Kippe: «Nach den damaligen Bestimmungen war es vorgesehen, dass ich ein Jahr lang im Gastgewerbe arbeite, bevor ich in meinen gelernten Beruf zurückkehren kann. Ich weiß nicht, ob das funktioniert hätte», erzählt Islami. Er entscheidet sich, das Gespräch zu suchen und schafft es, dem Leiter des Linzer Arbeitsmarktservice seine Situation zu schildern. Sein Anliegen hat Erfolg: Nach wenigen Tagen erhält er die Erlaubnis, in der KFZ-Branche tätig zu sein. Nach sieben Jahren als angestellter Mechaniker wagt er auch in Österreich den Sprung in die Selbstständigkeit. Zusätzlich zu seinem Unternehmen in der Nähe von Prŝtina, das er immer noch führt, baute er in Zell am See eine weitere KFZ-Werkstätte auf. Islami und sein Team arbeiten sehr genau und sind gute Diagnostiker für KFZ-Probleme aller Art. Seine Kunden vertrauen ihm und wissen die hohe Qualität der Arbeit zu schätzen. Darauf ist Islami besonders stolz: «Der gute Ruf ist die beste Werbung für mein Unternehmen.»

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Lebt in Österreich seit 2004 Wurzeln Kosovo/Albanien Entfernung vom Herkunftsland 700 km

An Österreich mag ich besonders Die Lebensqualität ist in Österreich sehr hoch. Ich möchte, dass meine Kinder hier ihre Kindheit verbringen.

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Name des Unternehmens KFZ Islami

Unternehmensgründung 2011

Branche/Sparte Kraftfahrzeugtechniker

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JOCHEN JOACHIMS (46)

NEUES LAND, NEUES LEBEN 22

ERFOLGSTIPP

IM BILD MIT SEINER NESPRESSO-MASCHINE Diese hat Jochen Joachims noch aus Deutschland mitgenommen. «Ich brauche meinen Kaffee, um zu funktionieren – auch wenn es mal spät wird», sagt er. «Wenn man etwas erreichen will, darf Zeit keine Rolle spielen. Man muss bereit sein, viel zu arbeiten.»

Von Misserfolgen darf man sich nicht beeindrucken lassen. Es ist viel wichtiger, die richtigen Schlüsse zu ziehen, sich auf das Heute und Morgen zu konzentrieren.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 2008 Wurzeln Deutschland Entfernung vom Herkunftsland 500 km

An Österreich mag ich besonders Das Leben ist ruhiger und ent­ schleunigter als in Deutschland.

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Name des Unternehmens Braun Lockenhaus

Geschäftsführer seit 2008

Branche/Sparte Möbelproduktion & -handel

IN DAS UNTERNEHMEN BRAUN LOCKENHAUS, DAS IM BURGENLAND UNWEIT DER UNGARISCHEN GRENZE AUSGEFEILTE DESIGNER-MÖBEL PRODUZIERT, IST JOCHEN JOACHIMS EHER «HINEINGERUTSCHT», ERZÄHLT DER GEBÜRTIGE SCHWABE. Der Betriebswirt arbeitet bei einem deutschen Möbelkonzern, der Braun Lockenhaus im Jahr 2005 übernimmt. 2008 wird Joachims die Geschäftsführung angeboten: «Ich bin hergekommen, um das Synergiepotenzial mit der Muttergesellschaft zu erheben, damit wir gemeinsam effizienter werden. In der ersten Woche herrschte Misstrauen gegenüber dem Gesandten aus dem Konzern in Deutschland, man war entsprechend wortkarg», erinnert er sich. Aus der anfänglich beiderseitigen Skepsis entwickelt sich eine starke Beziehung – auch zu seinen Mitarbeiter/innen, für die seine Tür immer offen steht: «Wir brauchten einfach Zeit, uns aufeinander einzustellen.» Im Kundenverhalten merkt Joachims kaum Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland – anders sei das in der Politik. «Vor ein paar Jahren habe ich wegen eines Anliegens bei der Landesregierung in Eisenstadt angerufen und um ein Gespräch mit dem Landesrat gebeten. Große Hoffnungen, dass das klappt, hab ich mir nicht gemacht. Zu meiner Überraschung hat mich der Landesrat zehn Minuten später tatsächlich zurückgerufen. Das wäre in Deutschland unmöglich», lacht Joachims. Seine neue Heimat ist ihm längst ans Herz gewachsen: «Ich bin ein Burgenländer geworden.»

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DAVID JOVANOVIC´ (24)

DEM LEBEN EINE SPONTANE WENDE GEBEN 23

IM BILD MIT EINEM HAMMER Seinen Namen erhielt das Lokal, da es in der ehemaligen Werkstatt von «Huber Werkzeug» untergebracht ist. «Es wurde nicht gegründet, um reich zu werden. Es sollte vielmehr Freude machen», erklärt David Jovanovic´. Trotzdem ist ihm wichtig, dass alles funktioniert – dazu gehören für ihn exakte Planung und professionelle Organisation.

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Serbisch) Selbstständig sein heißt, sich 24 Stunden am Tag zu verpflichten. Biti samostalan znacˇi obavezati se 24 ˇcasa dnevno.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1990 Wurzeln Serbien Entfernung vom Herkunftsland 500 km

An mir ist besonders österreichisch Meine Emotionalität und das ­Temperament sind definitiv serbisch, aber ich habe auch eine perfektionistische, österreichische Seite an mir.

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Name des Unternehmens werkzeugH

Unternehmensgründung 2006

Branche/Sparte Gastronomie

DAVID JOVANOVIC´ LIEBT DIE SPONTANEITÄT, LANGEWEILE KOMMT IN SEINEM LEBEN NICHT AUF. So verwundert es nicht, dass die berufliche Laufbahn des Gastronoms mit serbischen Wurzeln eher zufällig ihren Lauf nimmt. Sein Vater, der kurz vor Ausbruch des Balkankriegs mit seiner Familie nach Österreich kommt, baut gemeinsam mit einem Freund das Trend-Lokal werkzeugH auf, das Kulinarisches mit Events und einem unkonventionellen Raumkonzept verbindet. Jovanović absolviert eine Lehre als Informatiker, Gastronomie ist für ihn kein Thema – bis zu seinem 18 Lebensjahr: «Da ging mein Vater für drei Monate nach Indien und ich musste ihn vertreten. Es war ein Sprung ins kalte Wasser, denn ich hatte keine Ahnung, wie man ein Lokal führt», erzählt er. Der Ausflug in die Gastronomie lässt ihn seine Zukunftspläne neu überdenken: «Es hat mir gut gefallen, weil es sehr abwechslungsreich ist. Seitdem mache ich das.» Sein Vater zieht sich langsam aus dem Unternehmen zurück und überlässt seinem Sohn die Führung. Dieser macht aus dem Lokal einen ganz speziellen Platz: «Wo man herkommt, welche Hautfarbe man hat oder wen man liebt ist bei uns völlig nebensächlich. Hier kann jeder so sein, wie er ist.»

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IVAN KARTCHEV (38)

INTEGRATION BEGINNT MIT INFORMATION 24

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Bulgarisch) In Österreich wird man als Unternehmensgründer gut unterstützt. Aber man muss selbst aktiv werden, nach den richtigen Informationen fragen. В Австрия започващите собствен бизнес получават добра подкрепа. Но всеки трябва сам да бъде активен и да пита, за да получи правилната информация.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1998 Wurzeln Bulgarien Entfernung vom Herkunftsland 800 km

An Österreich mag ich besonders Ich bin sehr kulturinteressiert und Wien investiert sehr viel in Kultur.

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Name des Unternehmens Best Friends

Unternehmensgründung 2014

Branche/Sparte Werbung und Marktkommunikation

VON VERMESSUNGSTECHNIK AUF KOMMUNIKATIONSWISSENSCHAFTEN UMZUSTEIGEN, IST NICHT UNBEDINGT EIN NAHELIEGENDER AUSBILDUNGSWEG – IVAN KARTCHEV, DER FÜR SEIN STUDIUM 1998 NACH ÖSTERREICH KOMMT, HAT GENAU DIESEN HINTER SICH. «Mein erstes Studium war eine Fehlentscheidung, aber sowas passiert im Leben», so Kartchev. Instinktiv zieht es ihn zum Kommunikationsstudium, wo er im Wahlfach für TV-Journalismus landet. «Ich erkannte, dass ich gut mit der Kamera arbeiten konnte.» Ein Professor schlägt ihm vor, beim TV-Sender OKTO ein Format für die bulgarische Community zu entwickeln. Er entwirft seinen ersten Sendungsplan und lernt, wie er die Anliegen von bulgarischen Migrant/innen ins Fernsehen bringen kann. «Unsere Themen haben dadurch ein breiteres Publikum bekommen», erklärt er. Seitdem ist er selbstständiger Produzent und setzt vielfältige Medienprojekte um. Menschen mit bulgarischen Wurzeln zu unterstützen, ist ihm nach wie vor ein Anliegen. «Sie brauchen Orientierungshilfe. Für eine erfolgreiche Integration, sind Informationen essenziell», weiß Kartchev. So publiziert er etwa eine Zeitschrift, die in Österreich lebenden Bulgar/innen in ihrer Muttersprache erklärt, wie man Familienbeihilfe bekommen oder eine Firma gründen kann. Darüber hinaus betreibt er eine bulgarischsprachige Website, die Informationen über das berufliche und gesellschaftliche Leben in Österreich bietet – und damit auf unterschiedliche Art und Weise bei der Bewältigung des ­Alltags hilft.

IM BILD MIT SEINEM GLÜCKSBRINGER «Die Bulgaren kamen ja ursprünglich aus dem asiatischen Raum. Dort ist ‚die Schildkröte, die über den Himmel läuft‘ ein sehr bekanntes Symbol für Weisheit und Gesundheit. Diese Kette trage ich immer bei mir», so Ivan Kartchev.

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OGUZHAN KÖSE (33)

VON STILLEM UND PRICKELNDEM MINERALWASSER

IM BILD MIT EINEM NAZAR-AMULETT Oguzhan Köse schenkt seinen Kund/innen bei Vertragsabschluss ein sogenanntes Nazar-Amulett: «nazar» bedeutet übersetzt «böser Blick.» Es soll vor Schaden bewahren und vor Neid schützen.

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ERFOLGSTIPP (Deutsch/Türkisch) Man muss einen Businessplan haben und sehr bewusste Entscheidungen treffen. Es ist kein nine-to-five-Job. Bir is¸ planınız olmalı ve çok bilinçli kararlar almalısınız. Bu bir 9-5 is¸i deg˘ildir.

PERSÖNLICHES «IN FAMILIEN MIT TÜRKISCHEN WURZELN IST DER LEBENSMITTELEINKAUF EIN GROSSEVENT. DIE GESAMTE FAMILIE IST DABEI, ES WIRD IN MASSEN EINGEKAUFT UND VIEL GELD AUSGEGEBEN», weiß Oguzhan Köse. «Für Unternehmen sollten daher die türkische sowie auch die BKS-Community wichtige Zielgruppen sein.» Der in Wien geborene Betriebswirt mit türkischen Wurzeln arbeitet im Marketing eines großen Konzerns, als er auf die Idee kommt, sich genau mit diesem Wissen selbstständig zu machen. Er erkennt, dass es nur eine Handvoll Berater für Ethnomarketing gibt und lässt sich zum Unternehmens­ berater ausbilden. Noch als Angestellter bereitet er sich auf den Schritt in die Selbstständigkeit vor: «Ich habe viel recherchiert, den Markt genau geprüft, angefangen an meiner Corporate Identity zu arbeiten und mein Netzwerk aktiviert». Seit 2009 unterstützt Köse Unternehmen dabei, mittels Ethnomarketing kulturelle Bedürfnisse von Zielgruppen zu erkennen und neue Vertriebskanäle zu erschließen. Darüber hinaus ist er Mediator mit Schwerpunkt auf dem interkulturellen Bereich. «Oft geht es auch darum, Fehler zu vermeiden», weiß Köse aus Erfahrung. «Ein großer Getränkehersteller plante seine Produkt­ palette für die türkischstämmigen Konsument/innen in Österreich auf den Markt zu bringen, auch stilles Mineralwasser. Der türkische Konsument kauft aber nur prickelndes Mineralwasser, stilles hält er für einfaches Leitungswasser», liefert er ein passendes Beispiel. Mit seiner Dienstleistung sieht sich der Unternehmer am Puls der Zeit: «Ich spreche zwei Sprachen, ich kenne mehrere Kulturen. Es wird die Zeit kommen, in der man den Wert von Interkulturalität erkennen wird.»

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In Österreich geboren 1981 Wurzeln Türkei

An mir ist besonders österreichisch Ich arbeite sehr klar und strukturiert. Das ist eine typisch österreichische Disziplin.

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Name des Unternehmens OK CONSULT

Unternehmensgründung 2009

Branche/Sparte Unternehmensberatung und Informationstechnologie

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PAVOL KRAL (55)

DER WEINKÖNIG AUS DEM BURGENLAND 26

IM BILD AUF SEIN HARLEY DAVIDSON TATTOO ZEIGEND Neben seiner Liebe zum Wein pflegt Pavol Kral noch eine weitere Leidenschaft: Mit seiner Harley Davidson fährt er gerne durch die Weingärten und genießt die idyllische Landschaft des Burgenlands.

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Slowakisch) Immer fair spielen: Sich an das System anpassen und es nicht ausnutzen. Vždy hrat’ fér: Prispôsobit’ sa systému a nezneužívat’ ho.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 2002 Wurzeln Slowakei Entfernung vom Herkunftsland 100 km

An Österreich mag ich besonders Ich liebe Rust, meine zweite Heimat.

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Name des Unternehmens Kral Steffanus

Unternehmensgründung 2002

Branche/Sparte Weinbau und -vertrieb

PAVOL KRAL STUDIERT URSPRÜNGLICH MASCHINENBAU UND GRÜNDET IN DER SLOWAKEI 1992 EIN UNTERNEHMEN, DAS ANLAGEN UND MASCHINEN FÜR DIE HOLZVERARBEITUNG VERTREIBT. Die Liebe zum österreichischen Wein soll sein Leben verändern: Auf einer Geschäftsreise lernt er den burgenländischen Winzer Stefan Zehetbauer kennen. «Ich habe zuerst eine Flasche Wein bei ihm gekauft, dann einen Karton, dann noch mehr. Wir haben uns angefreundet und 2002 hat er mir eine Partnerschaft und ein Stück Land angeboten», erzählt Kral. Gemeinsam gründen sie das Vertriebsunternehmen Kral Steffanus: Kral bedeutet übersetzt König – der Unternehmensname ist nicht nur eine Verbindung ihrer beiden Namen, sondern angelehnt an König Stephan, der im 11. Jahrhundert über das heutige Gebiet der Slowakei und des Burgenlands herrscht. Die Weine von Stefan Zehetbauer vermarket das Duo grenz­ überschreitend. Mittlerweile werden diese sogar bis nach Japan vertrieben. Um seine Weingärten unweit des Neusiedler Sees selbst bestellen zu können, besucht Kral die Weinakademie in Rust. 2010 baut er Reben der Sorte Merlot an, 2012 kann er erstmals seine eigenen Trauben lesen. Neben dem Weinvertrieb möchte er nun auch die Produktion kommerziell betreiben. Beruflich wie auch privat hat Kral seine Liebe zum Wein geprägt, in seiner Freizeit fühlt er sich in seinen Weingärten am wohlsten: «Hier ist mein neues Zuhause.»

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MATTEO LUISI (36)

DER NAME IST PROGRAMM 27

IM BILD MIT EINEM GRAMMOPHON Im «CapaTosta» verknüpft Matteo Luisi seine italienischen Wurzeln mit der Liebe zur Musik. Dafür hat er sich kompetente Unterstützung durch die Soul-Größe Big John Whitfield geholt, der für die Musik verantwortlich zeichnet.

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Italienisch) Wer Sicherheit und Regelmäßigkeit braucht, mit Druck nicht umgehen kann und keine Risikobereitschaft in sich trägt, ist im Unternehmertum falsch. Chi ha bisogno di sicurezza e regolarità, non riesce a gestire la pressione e non è pronto ad assumersi rischi, non è fatto per lavorare in proprio.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 2002 Wurzeln Italien Entfernung vom Herkunftsland 800 km

An Österreich mag ich besonders Den Lebensstil in Wien: Wien vereint die Vorteile, aber nicht die Nachteile einer Großstadt.

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Name des Unternehmens CapaTosta – Soul & Pizza

Unternehmensgründung 2010

Branche/Sparte Gastronomie

MATTEO LUISI HATTE SCHON IMMER KLARE VORSTELLUNGEN VON SEINEN ZIELEN UND SETZT DIESE KONSEQUENT UM. Das Lokal des Unternehmers mit italienischen Wurzeln heißt nicht ohne Grund CapaTosta, was übersetzt Sturschädel bedeutet. Diese Bezeichnung erhält er einst von Arbeitskollegen, als er noch als selbstständiger Logistik-Broker arbeitet. Im Jahr 2010 gründet er parallel zu dieser Tätigkeit sein Restaurant: «Es war schon immer mein Traum, italienische Gastronomie neu zu interpretieren: mit gutem Essen, Live-Musik und einer freundschaftlichen Atmosphäre», erklärt er. Als er anfängt, hat er so gut wie keine Erfahrung im Aufbau und Führen eines Restaurants, nutzt aber sein Wissen aus dem Wirtschaftsstudium und strategischen Marketing, um sein angespartes Startkapital gut einzusetzen. Das Lokal hat Luisi ganz nach seinen Vorstellungen kreiert – seiner musikalischen Leidenschaft verleiht er im Namen CapaTosta – Soul & Pizza sowie mit regelmäßigen Live-Performances Ausdruck. Auch beim Essen macht er keine Kompromisse: «Auf die Speisekarte kommen nur von mir persönlich ausgewählte Speisen.» Besonders freut ihn, dass die Gäste das Ambiente in seinem Restaurant schätzen, es ein Ort des Wohlfühlens geworden ist. «Wir haben sogar ein Paar, das sich vor drei Jahren hier kennengelernt hat und nun auch seine Hochzeitsfeier im CapaTosta feiern möchte», freut er sich.

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GURSHARAN SINGH MANGAT (47)

DER ERFOLG KOMMT ÜBER DIE OKRASCHOTE

IM BILD MIT SEINEM ERFOLGSPRODUKT: GEMÜSE Die Okraschote ist ein beliebtes Gemüse sowohl in Afrika und Asien als auch in Südamerika. Anfang der 1990er-Jahre gibt es die Schoten nur auf dem Wiener Naschmarkt zu kaufen, für damals 200 Schilling pro Kilo – ein unvorstellbar hoher Preis, findet Gursharan Singh Mangat, der daraufhin seinen eigenen Gemüsehandel aufbaut. 28

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Punjabi) Besonders wichtig ist das Erlernen der Sprache. Man ist selbstbewusster, niemand kann einem etwas vormachen. ਖਾਸ ਤੌਰ ਤੇ ਭਾਸ਼ਾ ਸਿਖਣਾ ਬਹੁਤ ਮਹੱਤਵਪੂਰਨ ਹੈ. ਇਸ ਨਾਲ ਆਪਣੇ ਤੇ ਆਤਮ­ਵਿਸ਼ਵਾਸ ਹੁੰਦਾ ਹੈ, ਕੋਈ ਵੀ ਇੱਕ ਨੂੰ ਮੂਰਖ ਨਹੀਂ ਬਣਾ ਸਕਦਾ ਹੈ.

PERSÖNLICHES GURSHARAN SINGH MANGAT WIRD IN TANSANIA GEBOREN UND LEBT BIS ZU SEINEM FÜNFTEN LEBENSJAHR IN UGANDA. Die ethnisch motivierten Konflikte 1972 zwingen alle indisch-stämmigen Bewohner des Landes zur Flucht – über Zwischenstationen kommt er mit seiner Familie nach Österreich, zunächst ins Flüchtlingslager Traiskirchen. Als sein Vater in Wien eine Arbeitsstelle findet, zieht die Familie erneut um – Mangat kommt in die Schule, wo er anfängt Deutsch zu lernen. «Ich erinnere mich noch an meine Lehrerin Frau Jelinek, die mich sehr unterstützt hat.» Nach der Matura zeigt sich Mangats berufliche Vielseitigkeit: Er arbeitet mehrere Jahre im Textilhandel sowie auch in der Finanzbranche. 1992 ändert sich sein Karriereweg ein weiteres Mal: «Mir fiel auf, dass exotische Früchte und Gemüse in Wien sehr teuer waren. Für Okraschoten etwa zahlte man horrende Summen auf den Märkten. Also habe ich mir überlegt, selbst einen Handel aufzubauen», erinnert er sich. Seinen ersten Verkaufsstand platziert Mangat direkt bei der Wiener Uno City – ein cleverer Schachzug, denn die raren Gemüsesorten sind begehrt. Seine Importe im kleinen Stil können den Bedarf kaum decken: «Es hat sich verbreitet wie ein Lauffeuer», denkt Mangat an seine unternehmerischen Anfänge zurück. Das Investment in die Nische, die er erkannt hat, lohnt sich: Heute ist er Großhändler für afro-asiatische Spezialitäten.

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Lebt in Österreich seit 1972 Wurzeln Indien/Uganda Entfernung vom Herkunftsland 5.600 km

An Österreich mag ich besonders Die atemberaubenden alpinen Gebirgslandschaften

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Name des Unternehmens Mangat & Co OG

Unternehmensgründung 1996

Branche/Sparte Lebensmittelgewerbe

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DŽEVAD MEHIDIC´ (38)

VOM GUTEN HANDWERKER ZUM GUTEN CHEF 29

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Bosnisch) Du musst Willen, Ausdauer und Kontakte in die Branche mitbringen, um erfolgreich zu sein – und die Bereitschaft, viel zu arbeiten. Moraš uložiti volju, izdržljivost i kontakte u branšu, da bi bio ­uspješan – isto tako, biti spreman mnogo raditi.

PERSÖNLICHES SEIT SEINER LEHRE ZUM MALER UND ANSTREICHER IST DŽEVAD MEHIDIC´ DIESER BRANCHE TREU GEBLIEBEN. Er arbeitet bei mehreren Unternehmen im Raum Klagenfurt und absolviert 2012 die Meisterprüfung. Nach dem Erhalt des Meisterbriefs wird ihm klar, dass er eine neue berufliche Perspektive braucht. 2013, mit fast zwei Jahrzehnten Berufserfahrung, wagt er den Sprung die Selbstständigkeit. «Du solltest zuerst ein guter Handwerker sein, bevor du ein guter Chef wirst», ist er überzeugt.

IM BILD MIT EINEM MALERPINSEL Mit knapp 18 Jahren startet Dževad Mehidic´ in Österreich seine Malerlehre. Der Lehrherr knüpft seine Zusage damals an die Teilnahme an einem Sprachkurs, in dem Mehidic´ sich Deutschkenntnisse für seine weitere berufliche Zukunft aneignet.

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Sein eigenes Unternehmen zu führen, bedeutet für ihn eine große Veränderung. War er in seiner Zeit als Angestellter selbst auf den Baustellen aktiv, muss er sich als Unternehmer im Büro um Organisation, Administration und Personalfragen kümmern. Ein Jahr nach Gründung seines Unternehmens blickt Mehidić, der 1992 vor dem Balkankrieg nach Österreich geflüchtet ist und mit Nichts angefangen hat, auf eine positive Entwicklung seines Betriebs zurück und ist zufrieden. Sein Unternehmen wächst, zur Zeit führt er ein Team mit sechs Mitarbeitern verschiedener Herkunft. Für die Zukunft schmiedet er bereits Pläne und träumt davon, nach Bosnien zu expandieren. Seine alte und neue Heimat kann er so vielleicht bald beruflich verbinden.

Lebt in Österreich seit 1992 Wurzeln Bosnien Entfernung vom Herkunftsland 500 km

An Österreich mag ich besonders Ich verbinde mit Österreich sehr schöne Zeiten. Hier habe ich meine ­Ehefrau kennengelernt und eine Familie gegründet.

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Name des Unternehmens Malermeister Dževad Mehidic´

Unternehmensgründung 2013

Branche/Sparte Maler und Beschichtungstechniker

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HAYA MOLCHO (59)

QUEREINSTEIGERIN MIT LEIDENSCHAFT

IM BILD MIT EINER TASCHE, IN DER SIE BEI NENI FRISCHES PITA-BROT SERVIERT «Wir machen uns über jedes Produkt und jedes Gericht sehr viele Gedanken, erneuern ständig unsere Speisekarte», betont sie. Innovativ und leidenschaftlich zu sein, sei das Erfolgsrezept ihrer Familie.

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ERFOLGSTIPP (Deutsch/Hebräisch) Du musst das machen, was du liebst. .‫את חייבת לעשות את מה שאת אוהבת‬

PERSÖNLICHES HAYA MOLCHO HATTE SCHON IMMER EINEN BESONDEREN BEZUG ZUM ESSEN. IHRE MUTTER WAR EINE GUTE KÖCHIN, DAS HAUS STETS OFFEN FÜR GÄSTE. Die ersten zehn Jahre ihres Lebens verbringt sie in Tel Aviv, wo die Familie direkt neben Shuk Ha‘Carmel, dem berühmten Marktplatz im südlichen Teil der Stadt, wohnt. Ihren späteren Ehemann, den Pantomimekünstler Samy Molcho, begleitet sie sieben Jahre lang auf seinen Welttourneen. «In jedem Land, das ich besuchte, hat es mich auf die Märkte gezogen.» Als sich Haya Molcho 1978 mit ihrem Mann in Wien niederlässt, steht für sie die Familie an erster Stelle. Als ihre vier Söhne erwachsen sind, sucht die lebensfrohe Frau nach neuen Perspektiven. «Dann hat mich eine Nachbarin gebeten, das Catering für ihr nächstes Fest zu übernehmen – aber nur, wenn ich dafür Bezahlung akzeptieren würde. Für mich war das schrecklich, denn da wo ich herkomme, nimmt man kein Geld von Freunden.» Ihr Mann überredet sie, den Wert ihres Talents zu erkennen und so willigt sie ein. In der Küche ihres Hauses bereitet sie alleine das Catering für 100 Personen zu. Die Gäste sind begeistert, noch am selben Tag kommt es zu Folgeaufträgen für weitere Veranstaltungen – ihre Karriere wird zum Selbstläufer. Mit drei ihrer Söhne betreibt Haya Molcho heute das Restaurant NENI am Wiener Naschmarkt, viele ihrer Kreationen sind im Handel erhältlich. Auf eines ist sie besonders stolz: «Wir haben es ganz alleine geschafft.»

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Lebt in Österreich seit 1978 Wurzeln Israel Entfernung vom Herkunftsland 2.400 km

An Österreich mag ich besonders Ich liebe Wien, die Kultur, die Kunst, die tolle Architektur. Wien ist klein, aber trotzdem eine Weltstadt.

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Name des Unternehmens NENI

Unternehmensgründung 2008

Branche/Sparte Gastronomie

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ZAHLEN & FAKTEN

IM JAHR 2013 HATTEN 9,3  % DER ­­SELBST­ STÄNDIGEN IN ­ÖSTERREICH ­EINEN MIGRATIONS­ HINTERGRUND.

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AYO ELIZABETH OLAOGUN (31)

ZWEI KONTINENTE, DURCH MODE VERBUNDEN 31

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Englisch) Wenn du in deiner Arbeit gut bist, wirst du auch viel zurückbekommen. If you do your job well, you will receive a lot in return.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 2002 Wurzeln Nigeria Entfernung vom Herkunftsland 4.800 km

An mir ist besonders österreichisch Meine Partner/innen in Nigeria genießen meine Professionalität, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.

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Name des Unternehmens Ayo van Elmar

Unternehmensgründung 2011

Branche/Sparte Modedesign

AYO ELIZABETH OLOAGUN IST KNAPP 18 JAHRE ALT, ALS SIE IHRE HEIMAT NIGERIA VERLÄSST UND IHREN ELTERN NACH ÖSTERREICH FOLGT. Aus Liebe zur Mode bewirbt sie sich an der Universität für Angewandte Kunst. Das Masterprogramm ist ein internationaler Hot-Spot für kreative Designer, seit 2010 ist sie Teil dieser renommierten Ausbildung. «Es ist eine Quelle des Wissens, das schätze ich sehr. Der Austausch mit Kolleg/innen und Professor/innen hilft mir, neue Perspektiven zu entwickeln.» Die Versuchung, parallel ein eigenes Unternehmen zu gründen, war groß. Mit ihrem Label «Ayo van Elmar», das sie gemeinsam mit ihrem Ehemann seit 2011 führt, ist sie mit kraftvollen und energiegeladenen Designs am Markt und unterhält neben ihrem Wiener Studio auch eine Niederlassung in Lagos, der Hauptstadt Nigerias. Die beiden Standorte zu vereinen, birgt Tücken, wie die junge Unternehmerin aus Erfahrung weiß. Jeden Tag muss sie aufs Neue Brücken schlagen zwischen den beiden so unterschiedlichen Zugängen zu Arbeit und Zeitmanagement. «In Österreich geht alles viel schneller. Sich umzustellen, ist oft anstrengend.» Eine Anstrengung, die sich aber lohnt, denn Nigeria ist auch ihre Inspiration und macht in Verbindung mit den zentraleuropäischen Einflüssen der Unternehmerin das Besondere ihrer Kollektionen aus. Durch ihre Arbeit verbindet sie zwei Kontinente, zwei Weltmetropolen – durch ihre Mode­designs kann jede/r ein Teil davon sein.

IM BILD MIT EINEM MODELL AUS IHRER AKTUELLEN KOLLEKTION Dass sie ihre Träume in Österreich verwirklichen kann, ist für Ayo Elizabeth Olaogun ein Luxus. Dennoch liege es aber an einem selbst, Eigeninitiative zu ergreifen und sich ständig weiterzuentwickeln.

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VLADIMIR PETKOVIC´ (35)

WENN DER DJ KOCHT UND KONZERTE AM WC STATTFINDEN 32

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Serbisch) Setze deine Träume um und mache das, was dir Spaß macht – aber nicht um jeden Preis. Niemand darf darunter leiden. Ostvaruj svoje snove i radi ono šta te veseli – ali ne po svaku cenu. Niko ne sme da pati zbog toga.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 2000 Wurzeln Serbien Entfernung vom Herkunftsland 500 km

An mir ist besonders österreichisch Meine Liebe zu Ordnung und zu Details.

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Name des Unternehmens Zweitbester

Unternehmensgründung 2011

Branche/Sparte Gastronomie

VLADIMIR PETKOVIC´ VERKNÜPFT MIT SEINEM RESTAURANT ­«ZWEITBESTER» KUNST UND KULTUR MIT KREATIVER KULINARIK. «Es ist langweilig, Bester zu sein. Das ist eine subjektive Einschätzung, und man muss sich für Fehler immer entschuldigen», geht der Unternehmer mit serbischen Wurzeln auf die ungewöhnliche Namensgebung für das 2011 gegründete Lokal ein. Die Verbindung zur Kunst überrascht nicht, denn sie war seit seiner Ankunft in Österreich im Alter von 19 Jahren sein steter Begleiter. «Als Künstler konnte ich ohne Arbeitserlaubnis zu arbeiten beginnen», erklärt Petković sein Engagement als Schauspieler, Regieassistent und Videokünstler an Theatern im In- und Ausland. Nach neun Jahren verließ er die Szene: «Ich wollte nicht als armer Künstler weiterleben.» Er beginnt im Hotel der Familie seines heutigen Geschäftspartners F ­ lorian Egger zu arbeiten, und gemeinsam beschließen sie, sich selbstständig zu machen. Sie suchen nach einem passenden Lokal und sanieren es großteils selbst – mit viel Fantasie und Detailverliebtheit. Heute ist das «Zweitbester» Petkovićs Bühne, die er bespielt: Kunstausstellungen, «Austria’s next Topknödel»-Wochen oder Konzerte auf der Toilette geben dem Restaurant einen eigenwilligen Charme. Manchmal kochen Gastköche oder auch M ­ usiker und DJs. Seine kreativen Ideen halten ihn fit: «Es ist mir wichtig, gedanklich immer in Bewegung zu bleiben.»

IM BILD MIT SEINER TOCHTER Die Geburt seiner Tochter hat ihn verändert, Vladimir Petkovic´ setzt sich seitdem vermehrt mit sich und seinem Leben auseinander. Sie regt ihn dazu an, mehr auf sich zu achten: «Es geht jetzt nicht mehr nur um mich.»

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WANDA PIOTROWSKI (55)

DAS KANN ICH DOCH AUCH SELBST! 33

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Polnisch) Es braucht sehr viel Mut, um seine Träume zu realisieren – und natürlich harte Arbeit. Realizacja własnych marzen´ wymaga bardzo duz˙o odwagi i duz˙o cie¸˙zkiej pracy.

PERSÖNLICHES «MEINE FREUNDE HIELTEN MICH FÜR VERRÜCKT ALS ICH 1996 MEINEM GRÖSSTEN ABNEHMER GEKÜNDIGT HABE, UM MEINE EIGENE MARKE AUFZU­ BAUEN», ERINNERT SICH WANDA PIOTROWSKI LACHEND. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie Inhaberin einer Backstube gewesen und hatte 20 Filialen einer großen Bäckereikette beliefert. «Das waren sehr harte Jahre, vor allem von der Nachtarbeit wollte ich weg», erzählt die Unternehmerin mit polnischen Wurzeln. Sie entscheidet sich für eine Wende in ihrem Leben und eröffnet ihre Brötchenstube im 1. Wiener Gemeindebezirk. Mit dieser spezialisiert sie sich auf ausgefallene Sandwich-Kreationen für den Gassenverkauf, parallel dazu baut sie einen Cateringservice auf. Ihr Konzept überzeugt: Allein durch Mundpropaganda kann sie Schritt für Schritt ein stabiles Unternehmen auf die Beine stellen.

IM BILD MIT EINEM NUDELHOLZ Praktisch aus dem Nichts hat Wanda Piotrowksi ihre Brötchenstube aufgebaut. In den Anfängen war die Küche nur sehr spartanisch und mit einfachen Mitteln eingerichtet – ein Nudelholz war jedoch immer dabei.

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Piotrowski kombiniert die polnische und Wiener Küche zu ausgefallenen Kreationen, legt viel Wert auf Innovation: «Ich habe viel von meiner Großmutter gelernt. Sie war eine sehr gute Köchin und probierte immer neue Rezepte aus.» Seit kurzem bietet sie etwa hausgemachte Pierogi an: ein polnisches Gericht aus gefüllten Teigtaschen, das sie pikant und süß verarbeitet. Ihre Spezialitäten finden über einen Lieferservice viele Abnehmer, «darunter auch namhafte wie das Bundeskanzleramt», ist sie stolz. Ihren Traum, sich beruflich einen Namen zu machen, hat sie sich erfüllt – aus eigener Kraft, wie sie betont. «Wo ein Wille, da ein Weg.»

Lebt in Österreich seit 1981 Wurzeln Polen Entfernung vom Herkunftsland 600 km

An Österreich mag ich besonders Wien ist eine offene und multi­ kulturelle Stadt, in der man viel umsetzen kann.

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Name des Unternehmens Piotrowski Brötchenstube

Unternehmensgründung 1990

Branche/Sparte Gastronomie

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SELMA PRODANOVIC´ (47)

NEUE IDEEN BRAUCHT DAS LAND 34

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Bosnisch) Man sollte die Kraft haben, auch Misserfolge anzunehmen und damit konstruktiv umgehen zu können. Cˇovjek bi trebao imati snage da prihvati i neuspjehe i biti u stanju ­konstruktivno se nositi s njima.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1991 Wurzeln Bosnien und Herzegowina Entfernung vom Herkunftsland 500 km

An Österreich mag ich besonders Wien – weil es eine wunderbare Stadt mit einer dynamischen Startup-Szene ist.

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Name des Unternehmens Brainswork Consulting

Unternehmensgründung 2005

Branche/Sparte Unternehmensberatung und Informationstechnologie

SELMA PRODANOVIC´ HAT SCHON ALS KIND DIE WELT GESEHEN. Ihr Vater war Handelsdelegierter und für verschiedene Firmen im i­nter­­­nationalen Business tätig, mit ihm führt sie ein Nomadenleben von Bosnien-­ ­ Herzegowina bis nach Tunesien und Spanien. Nach Wien kommt sie mit ihrem Ehemann: «Die Stadt sollte nach meinem Wirtschaftsstudium eigentlich nur ein Zwischenstopp sein, daraus sind nun 23 Jahre geworden», lacht Prodanović, die mit Deutsch ihre fünfte Sprache erlernt. Auch beruflich ist sie vielseitig, arbeitet in den unterschiedlichsten Branchen. Ob Werbung, Filmproduktion, Finanz und Tourismus, einen gemeinsamen Nenner haben all ihre Tätigkeiten, wie sie eines Tages erkennt: «Es ging immer um New Business Development, darum, aus Ideen und Visionen etwas Erfolgsreiches zu machen.» Als sie ihr Beratungsunternehmen Brainswork gründet, ist sie mit einer besonderen Herausforderungen konfrontiert: «Ich wusste, wo es hingehen sollte – aber nicht, wie ich es bezeichnen kann. Denn was ich mache, gab es noch nicht als Beruf. Die Vermarktung meiner Dienstleistung war anfangs schwer», erklärt Prodanović. Auch ein Netzwerk muss sie sich erst aufbauen, geht auf viele Events, sucht das Gespräch mit potenziellen Kunden und hält Vorträge. Heute ist sie für Unternehmen tätig, vor allem innovative Start-ups. Ihre Rolle sieht sie darin, herauszufinden, welche Chancen ein Projekt am Markt hat und wie diese Potenziale bestmöglich genutzt werden können: «Ich vertraue dabei auf mein Gefühl und 25 Jahre Berufserfahrung.»

IM BILD MIT ZEITUNGSARTIKELN Selma Prodanovic´ ist stolz auf die Berichterstattung über ihr Unternehmen. Bei der Gründung im Jahr 1995 verhilft ihr ein Zufall zu einer besonders hohen Medienpräsenz: Als 100.000ste Unternehmerin in Wien gewinnt sie ein Dinner und eine gemeinsame Präsentation mit der damaligen Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer Wien, Brigitte Jank.

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VENDULA PROSCH (42)

WISSEN, WIE EIN LAND FUNKTIONIERT

IM BILD MIT EINEM FADENSPIEL Mit dem international bekannten Fadenspiel assoziiert Vendula Prosch Vernetzung und Kreativität – zwei Säulen ihres Erfolges. «Meine Stärke ist meine Fähigkeit, kreativ zu denken und einen guten Pool an Firmen und Kontakten zu haben, auf die ich zurückgreifen kann.»

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ERFOLGSTIPP (Deutsch/Tschechisch) Verkaufe deinen Migrationshintergrund als Stärke: Denn deine Sprachkenntnisse und dein interkulturelles Verständnis machen dich zu etwas Besonderem. Prodej své migracˇní pozadí jako silnou stránku: nebot’ jsi výjimecˇný díky svým jazykovým znalostem a mezikulturnímu porozumeˇní.

PERSÖNLICHES «MEINE TSCHECHISCHEN WURZELN SIND LEDIGLICH BEIM BUCHSTABIEREN MEINES NACHNAMENS AM TELEFON VON NACHTEIL», AMÜSIERT SICH DIE INNENARCHITEKTIN VENDULA PROSCH. Ihre Mehrsprachigkeit war vielmehr der Grund dafür, dass sie nach ihrem Architekturstudium die Chance erhält, bei einem großen Baukonzern internationale Hotelgroßprojekte umzusetzen. Nach zehn Jahren als Angestellte macht sie sich 2007 selbstständig. Mit ihrem Unternehmen für Interior Design und Architektur betreut sie eine internationale Klientel. Ihr Businesskonzept ist einfach erklärt: «Ich setze die Träume meiner Kund/innen um.» Das Eingehen auf die unterschiedlichen Wünsche und kulturellen Hintergründe ihrer Auftraggeber/innen ist ist ein essenzieller Teil ihrer Arbeit, über Unterschiede zwischen Mentalitäten diskutiert sie aber nicht: «Ich beurteile nicht nach Herkunft oder Akzent, sondern sehe einfach den Menschen, den ich vor mir habe». Jungen Unternehmer/innen rät sie, ein Land vor der Selbständigkeit genau kennenzulernen: «Ich würde mich nicht sofort nach der Universität oder der Emigration selbständig machen. Neben der fachlichen Basis ist das Wissen, wie der Markt funktioniert und wie man Kunden anspricht, ein wichtiger Erfolgsfaktor.» Die Basis für dieses Know-how ist für sie kontinuierliches Netzwerken: «Wenn man der Welt offen entgegentritt, dann funktioniert auch das Vernetzen.»

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Lebt in Österreich seit 1993 Wurzeln Tschechien Entfernung vom Herkunftsland 300 km

An Österreich mag ich besonders Der Vorteil von Österreich ist seine zentrale Lage. Es ist ein Schmelztiegel für viele Kulturen, die Menschen sind dadurch für die Kontaktaufnahme empfänglicher und offener.

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Name des Unternehmens ProschDesign

Unternehmensgründung 2007

Branche/Sparte Ingenieurbüros

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ŽELJKO RADIC´ (63)

EIN ADRIATISCHER GRUSS AUS DER KÜCHE 36

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Kroatisch) Ein Unternehmen braucht Kontinuität, Qualität und viel Liebe. Za poduzec´e je potreban kontinuitet, kvaliteta i mnogo ljubavi.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1986 Wurzeln Kroatien Entfernung vom Herkunftsland 300 km

An Österreich mag ich besonders Ich gehe gerne zum Heurigen. Ich liebe die österreichische Küche und heimische Weine. Meine Lieblings­ region ist die Wachau.

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Name des Unternehmens Kornat

Unternehmensgründung 1988

Branche/Sparte Gastronomie

SEIT 25 JAHREN SERVIERT ŽELJKO RADIC´ SEINEN GÄSTEN IM KORNAT ­ADRIATISCHE SPEZIALITÄTEN. Aufgebaut hat er das Restaurant mit seiner Frau, anfangs können sie sich nur einen Kellner leisten. Um seine Kundschaft zu vergrößern, spricht Radić Geschäftsleute aus der kroatischen Community an und veranstaltet Musikabende, an denen der Hobby-Sänger auch selbst ein paar Lieder zum Besten gibt. Als eine lobende Restaurantkritik über das Kornat in einer großen Tageszeitung erscheint, steigt die Zahl der Gäste – auch immer mehr Österreicher/innen kommen. Einen dramatischen Rückschlag muss Radić 2011 einstecken, als in seinem Restaurant durch einen Kurzschluss ein Brand ausbricht und fast die gesamte Einrichtung zerstört. Er überlegt, ob er weitermachen oder aufgeben soll. Letztlich siegt seine Leidenschaft für das Kornat, das er in den nächsten sechs Monaten renoviert. «Ich war mir aber unsicher, ob die Gäste wiederkommen – in der Zwischenzeit hatten auch zwei andere Fischrestaurants in der Nähe eröffnet», erzählt er. Der Qualität seiner Küche ist es zu verdanken, dass ihm die Kunden auch nach einem halben Jahr Pause die Treue halten. Heute zählt das Kornat zu den ersten Wiener Adressen für Fisch-Gerichte aus Kroatien und ist Treffpunkt für viele Botschafter und Diplomaten aus Wien. «Auch Präsidenten haben bei uns schon gespeist», ist Radić stolz.

IM BILD MIT EINEM FISCH Željko Radic´, der selbst in einer Fischer­ familie aufwächst, gibt seinem Restaurant den Namen Kornat: nach einer kroatischen Inselgruppe, die für ihre besonderen Fischbestände bekannt ist.

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ALI RAHIMI (50)

KONTAKTE MÜSSEN GEKNÜPFT WERDEN

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IM BILD MIT EINER TASSE TEE «Mit Tee hat alles angefangen», so Ali Rahimi. Im Iran ist der gemeinsame Genuss von frisch gebrühtem Schwarztee mit Zucker und Aromen wie etwa Zimt ein Zeichen der Gastfreundschaft und Zuneigung. Passend dazu serviert Rahimi ein iranisches Sprichwort: «Du sollst gut denken, gut reden und gut handeln.»

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Persisch) Was du träumen kannst, kannst du auch umsetzen.

.‫ ميتوان ھم مورد اج را ق رار داد‬، ‫آنچه را در خيال ميتوان ديد‬

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1964 Wurzeln Iran Entfernung vom Herkunftsland 3.200 km

An Österreich mag ich besonders Vor allem durch meine Reisen habe ich gelernt, das gute Sozial- und Gesundheitswesen in Österreich, die hohe Lebensqualität oder auch saubere Luft zu schätzen. All diese Dinge sollten wir sehr würdigen.

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Name des Unternehmens Rahimi & Rahimi

Unternehmensgründung 1995

Branche/Sparte Einrichtungsfachhandel

DAS FAMILIENUNTERNEHMEN RAHIMI IST EIN ORT DER BEGEGNUNG FÜR MENSCHEN AUS UNTERSCHIEDLICHEN KULTUREN. Ali Rahimi hat das Unternehmen von seinem Vater übernommen und zu einer der größten Teppichmanufakturen Europas entwickelt. Fairtrade-Partner auf der ganzen Welt stellen die Teppichunikate her: vom Seidenteppich mit klassisch-persischem Muster bis hin zu modernen Designerstücken. Der in Teheran geborene Unternehmer legt großen Wert auf den persönlichen Kontakt zu seinen Kund/innen und die damit verbundene Vertrauensbasis. Die Pflege und ständige Erweiterung seines Netzwerks sind für ihn essenzielle Erfolgsfaktoren, die er auch als «soziale Intelligenz» beschreibt. Von jeder Urlaubsreise kehrt er mit neuen Kontakten zurück – Menschen verschiedener Herkunft und Branche lädt er zu Wirtschafts- und Kulturabenden in seine Geschäftsräumlichkeiten. «Durch mein soziales Engagement für den Life Ball habe ich Bill Clinton kennengelernt und ihm persönlich einen Teppich überreicht. Durch Bill Clinton lernte ich Sean Penn kennen, und über diesen Tim Robbins», erinnert er sich. «Wenn man es richtig macht, ergibt eines das andere. Wenn man an etwas glaubt, schafft man es auch», ist er überzeugt.

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OLGA RUBANOVA (46)

VON DER BERUFUNG ZUM BERUF 38

IM BILD MIT EINER «KLEOPATRA-UHR» Die schöne ägyptische Königin Kleopatra war Namensgeberin für Olga Rubanovas Salon. Die Bedürfnisse ihrer Kundinnen kennt sie genau: «Kosmetik ist etwa für russische Frauen ein selbstverständlicher Teil der Körperpflege. Der Schönheitssalon fungiert für sie auch als eine Art Frauengruppe, die in allen Belangen des Lebens für sie da ist. Bei österreichischen Frauen ist dieses ganzheitliche Konzept nicht verankert, dafür beurteilen diese Kundinnen genauer.»

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Russisch) Die Liebe zum Beruf ist das Wichtigste. Любовь к профессии - важнее всего.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1998 Wurzeln Ukraine Entfernung vom Herkunftsland 1.100 km

An Österreich mag ich besonders Wien: eine sehr schöne Stadt, die zu meiner Heimat geworden ist.

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Name des Unternehmens Kosmetiksalon Kleopatra

Unternehmensgründung 2006

Branche/Sparte Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure

«ICH BIN NACH ÖSTERREICH GEKOMMEN, WEIL MEIN MANN HIER LEBT. ZUERST WOLLTE ICH NUR EIN JAHR BLEIBEN, DANN EIN WEITERES – JETZT IST DIESES LAND MEINE NEUE HEIMAT», erzählt Olga Rubanova. Ihre ersten Jahre in Wien widmet sich die in der Ukraine geborene Diplomingenieurin für Weinbau ganz ihrer Familie. An den österreichischen Sprachgebrauch muss sie sich erst gewöhnen: «Als mein Sohn in die Schule kam, konnte ich nur wenig Deutsch. Seine Lehrerin hat mir daher Notizzettel geschrieben. Auf einem stand ‚Jause‘ – nirgendwo habe ich dafür eine Übersetzung gefunden», lacht sie. Kosmetik ist schon immer Rubanovas Hobby und Leidenschaft gewesen. Als sie ihre Arbeitserlaubnis in Österreich erhält, weiß sie genau, was sie machen möchte. Durch die mehrjährige Arbeit in einem Schönheitssalon eignet sie sich das fachliche Know-how an, macht internationale Fortbildungen in Frankreich, England und Italien. 2006 fühlt sie sich bereit, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. Beim Start ihres Unternehmens spielt erneut ihr Sohn eine wichtige Rolle: «Er war damals 15 Jahre alt und grafisch sehr begabt. Er hat meine Website gemacht, Flyer entworfen und mich sehr unterstützt», erzählt Rubanova. Heute beschäftigt sie drei Mitarbeiterinnen mit ukrainischen Wurzeln, auch ihre Klientel bringt internationales Flair in den Schönheitssalon im ersten Wiener Gemeindebezirk: «Viele unserer Kundinnen arbeiten in der UNO City oder in der OSCE, sie kommen aus den unterschiedlichsten Ländern.»

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DAVOR SERTIC´ (48)

MUT ZUM NEUANFANG

IM BILD MIT EINER DARSTELLUNG DES «ATLAS» Atlas trägt das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern – und damit eine große Verantwortung. Davor Sertic´ verbindet das mit dem Schritt in die Selbstständigkeit. «Natürlich ist es schön, sein eigener Chef zu sein. Aber man muss sich auch im Klaren darüber sein, welche Risiken man eingeht und welche Haftungen man als Geschäftsführer übernimmt.» 39

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Kroatisch) Es geht darum, nicht alles machen zu wollen – sondern zu versuchen, in einem Geschäftsbereich hervorzustechen. Važno je da ˇcovjek ne želi ucˇiniti sve, nego da se pokuša istaknuti u jednom podrucˇju poslovanja.

PERSÖNLICHES DAVOR SERTIC´ VERBRINGT SEINE GESAMTE BERUFLICHE LAUFBAHN IN DER LOGISTIK-BRANCHE, SEIT SEINEM 30. LEBENSJAHR IST ER IN EIGENEN UNTERNEHMEN AKTIV. Gemeinsam mit Partnern spezialisiert er sich 1996 auf den Transport Richtung Südosteuropa, Türkei und Naher Osten. Sein Migrationshintergrund und auch seine Mehrsprachigkeit helfen ihm, sich leichter auf dem internationalen Parkett zu bewegen.

Wurzeln Kroatien Entfernung vom Herkunftsland 300 km

Da er die Expansionspläne seiner Partner nicht mittragen will, muss er 2004 eine schwere Entscheidung treffen. «Meine Partner planten einen großen Kredit aufzunehmen und in Lagerlogistik zu investieren. Mir war es aber wichtig, mich auf mein Kerngeschäft Transport zu konzentrieren. So habe ich beschlossen, alleine meinen Weg zu gehen und wieder von Null anzufangen. Im Keller meines Hauses habe ich mich hingesetzt – mit einem Telefon und einem Computer – und damit begonnen, Kunden anzurufen und meine neue Firma vorzustellen», erinnert er sich. Sertić gelingt es, sein Unternehmen in direkter Konkurrenz zu seinen ehemaligen Partnern aufzubauen. Seine früheren Kunden vertrauten ihm, kannten sein Know-how und blieben ihm verbunden. «Neu anzufangen war eine schwierige, aber richtige Entscheidung», ist er sich heute sicher.

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Lebt in Österreich seit 1967

An Österreich mag ich besonders Meinen Lebensmittelpunkt Wien: Die Stadt ist für mich einfach perfekt, vor allem was Sicherheit und Sauberkeit betrifft.

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Name des Unternehmens UnitCargo

Unternehmensgründung 2005

Branche/Sparte Spediteure

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AVTAR SHASHIA (42)

LEARNING BY DOING 40

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Hindi) Gute Qualität ist für einen Gastronom oberstes Gebot. Dann wird man immer Gäste haben.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1991 Wurzeln Indien Entfernung vom Herkunftsland 5.600 km

An Österreich mag ich besonders Indien ist ein sehr lautes Land, ich genieße die Ruhe in Österreich.

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Name des Unternehmens Bombay Palace

Unternehmensgründung 2000

Branche/Sparte Gastronomie

IM INDISCHEN RESTAURANT BOMBAY PALACE KOMMEN TAG FÜR TAG MENSCHEN UNTERSCHIEDLICHER KULTUREN ZUSAMMEN. «Wir haben durch die oberösterreichischen Industriebetriebe sehr viele internationale Gäste», erzählt Gründer Avtar Shashia, der sein Lokal vor 14 Jahren im Herzen von Linz eröffnet. Nach Österreich kommt der Inder als 18-jähriger Mann, der «schauen wollte, was es in der Welt sonst noch gibt.» Er besucht seinen Onkel, der schon seit 40 Jahren in der oberösterreichischen Landeshauptstadt lebt – und bleibt. Den Weg in die Gastronomie findet Shashia über einen Mentor, für dessen Lokal er fast zehn Jahre arbeitet. Durch ihn lernt er, was guten Service ausmacht, worauf es in der Küche ankommt und wie ein Barbetrieb funktioniert. «Es hat mir Spaß gemacht und ich konnte mir eine Zukunft in der Gastronomie vorstellen.» Spezifisches Know-how im Führen eines indischen Restaurants eignet er sich in Frankfurt bei einem Gastronomen an, der ihn zwei Monate lang hinter die Kulissen schauen lässt. Die Werte, die er damals von seinen Mentoren kommuniziert bekommt, haben sich für ihn bis heute nicht geändert: «Essen kann man überall hingehen, aber Freundlichkeit, gutes Service und die hohe Qualität der Küche machen mein Lokal zu etwas Besonderem.»

IM BILD MIT GEWÜRZSCHALEN Gewürze geben den Gerichten im Bombay Palace nicht nur die besondere geschmackliche Note, Avtar Shashia ist auch von ihren heilenden Kräften überzeugt. Sein Lieblingsgewürz ist Kurkuma: «Die beste Medizin, die es gibt.»

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ZAHLEN & FAKTEN

344.832 DER ­AKTIVEN MITGLIEDER DER ­WIRTSCHAFTSKAMMER ÖSTERREICH WAREN AM 1. JÄNNER 2014 EINZELUNTERNEHMEN. MIT 28 % HAT DAVON FAST JEDER DRITTE EINZEL­UNTERNEHMER EINEN MIGRATIONS­ HINTERGRUND. 102

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AHMED SOLIMAN (54)

SICH TRÄUME ERFÜLLEN 41

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Arabisch) Um als Zuwanderer in Österreich erfolgreich zu sein, musst du die Gesetze, die Menschen und das Land akzeptieren.

‫ين‬ .‫وقوان� البالد‬ ‫ عليك أن تقبل الناس‬، ‫لتكون مهاج راً ناجح اً ف ي� النمسا‬

PERSÖNLICHES

IM BILD MIT EINER PIZZASCHAUFEL Ahmed Soliman suchte nach einem Handwerk, das ihn zum Erfolg führen würde – in der Gastronomie hat er dieses gefunden. Zu Stoßzeiten hilft er manchmal noch selbst in seinen Restaurants beim Pizzamachen aus.

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AHMED SOLIMAN WÄCHST IN EINEM KLEINEN ÄGYPTISCHEN DORF IN ÄRMLICHEN VERHÄLTNISSEN AUF. Um seine Familie finanziell zu unterstützen, arbeitet er seit dem 19. Lebensjahr im Ausland. Von Jordanien, Syrien, Beirut und Deutschland führen ihn seine beruflichen Engagements mit 27 Jahren nach Österreich. Der Einstieg in die Gastronomie erfolgt in einem Mödlinger Restaurant, das dem Zuwanderer eine Chance als Koch gibt. Parallel dazu beginnt er, sich beruflich auf eigene Beine zu stellen. Was damals mit einer kleinen Pizzeria am Praterstern anfängt, ist heute eine Restaurantkette für italienische Spezialitäten mit zwölf Standorten in Wien und Niederösterreich und 120 Mitarbeiter/innen.

Seinen Plan, sich und seiner Familie ein Leben abseits von Armut zu ermöglichen, hat er umgesetzt. Doch ein Ziel gab es noch: «Ich wollte schon immer Betriebswirtschaft studieren», erzählt Soliman. So schreibt er sich im Alter von 48 Jahren in Ägypten an einer Universität ein, um in seiner Muttersprache zu studieren. Als er vier Jahre später das Diplom in seinen Händen hält, geht ein Traum in Erfüllung. Sich selbst ist Soliman stets treu geblieben und sagt heute mit Stolz: «Ich habe nie aufgegeben.»

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Lebt in Österreich seit 1987 Wurzeln Ägypten Entfernung vom Herkunftsland 2.400 km

An Österreich mag ich besonders An Österreich schätze ich die Offenheit, es ist für mich ein guter Platz zum Leben.

Name des Unternehmens Pizza-Service Hollywood

Unternehmensgründung 1997

Branche/Sparte Gastronomie

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ADEM SONKAYA (34)

FLEXIBEL UND ANTRIEBSSTARK 42

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Türkisch) Man braucht unternehmerischen Instinkt, Organisationstalent, ein gutes Gefühl für Zahlen und sollte in der Umsetzung Wert auf Qualität legen. Giris¸imci içgüdüsüne, organizasyon yeteneg˘ine, rakamlardan anlamaya ihtiyaç vardır ve hayata geçirirken kaliteye önem verilmesi gerekir.

PERSÖNLICHES

In Österreich geboren 1980 Wurzeln Türkei

An Österreich mag ich besonders Österreicher/innen achten auf die Leistung. Wenn diese passt, ist die Herkunft nicht mehr wichtig.

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Name des Unternehmens Cab Screen

Unternehmensgründung 2010

Branche/Sparte Unternehmungen zur Wartung von KFZ (Servicestationen)

«ALS SELBSTSTÄNDIGER IST ES NICHT AUSSCHLAGGEBEND, IN WELCHER BRANCHE MAN ARBEITET. DAS PRINZIP IST FAST IMMER DAS GLEICHE. ABER MAN MUSS DAS UNTERNEHMERISCHE IM BLUT HABEN», meint Adem Sonkaya. Seine Eltern kommen aus der Türkei, er selbst ist in Tirol geboren und aufgewachsen, wo er auch den Beruf des Maurers erlernt. Zwei Jahre später ist er zum Polier aufgestiegen, als ihn eine schwere Verletzung ausbremst: «Ich hatte einen Bandscheibenvorfall. Eine körperlich anstrengende Arbeit kam nicht mehr in Frage.» Sonkaya muss sich beruflich neu orientieren und steigt ins Familienunternehmen ein, das in der Telekommunikationsbranche tätig ist. In kurzer Zeit baut er eine Kette für günstige Auslandstelefonie mit 13 Filialen in ganz Tirol auf – aus diesem Business hat er sich aber auf Grund der Marktentwicklung wieder zurückgezogen. Heute betreibt er ein Taxiunternehmen, eine professionelle Autoreinigung und vermittelt digitale Werbung auf sogenannten Cabscreens in Taxis. «Auf die Idee dazu bin ich gekommen, als ich Werbung mit folierten Taxis machen wollte. Sobald die Folie aber drauf ist, ist das Auto nur noch die Hälfte wert. Warum nicht also die Werbung auf Monitoren direkt im Taxi abspielen?» Gemeinsam mit Softwareentwicklern hat er dafür eine neuartige Lösung kreiert, die er nun vermarktet. Seine unternehmerische Philosophie hat ihm geholfen, das Leben nach der schweren Verletzung wieder in den Griff zu bekommen. Sein Motto: «Einfach ins kalte Wasser springen und machen.»

IM BILD MIT EINER TAXILEUCHTE SEINES UNTERNEHMENS Rund um das Auto hat Adem Sonkaya unterschiedliche Geschäftsideen verwirklicht. «Als Geschäftsmann kann man nie alles im Voraus planen oder wissen, wie sich der Markt entwickelt. 100-prozentige Sicherheit gibt es nie. Den nötigen Mut muss man mitbringen.»

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ZORAN STOJKOVIC´ (46)

MIT BEHARRLICHKEIT ZUM ERFOLGREICHEN ENTREPRENEUR 43

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Bosnisch) Wenn man etwas im Leben ehrlich schaffen will, muss man sehr viel Fleiß investieren und auf viele Dinge auch verzichten. Ako ˇcovjek želi na pošten nacˇin stvoriti nešto u životu, mora uložiti mnogo truda, a i odrec´i se mnogih stvari.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1990 Wurzeln Bosnien Entfernung vom Herkunftsland 500 km

An mir ist besonders österreichisch Eine typisch österreichische Eigenschaft an mir ist meine Disziplin.

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Name des Unternehmens StoleX

Unternehmensgründung 2002

Branche/Sparte Baumeister, GWH-Installations­ technik, Elektrotechnik, Schlosserei und Metalltechnik, Reinigungstechnik

MIT SEINER EHEFRAU LJUBICA GRÜNDET ZORAN STOJKOVIC´ IM JAHR 2002 DIE AUF HAUSTECHNIK SPEZIALISIERTE STOLEX KG. Vom Lagerarbeiter hat sich der ausgebildete Elektrotechniker zum erfahrenen Störungs- und Hauselektriker entwickelt. Der Zusammenhalt der Familie und sein diszipliniertes Verfolgen der beruflichen Ziele begleiten ihn auf dem herausfordernden Weg zum erfolgreichen Unternehmer. Ein Erlebnis im Jahr 1994 ist Stojković bis heute als Wendepunkt seiner beruflichen Laufbahn in Erinnerung. Sein damaliger Arbeitgeber gibt ihm den Auftrag, in einem Haus eine Gegensprechanlage mit Videokamera zu installieren: Er drückt ihm den Karton mit der Anlage sowie das nötige Werkzeug in die Hand und gibt ihm zwei Wochen Zeit für die Ausführung. Derartige Anlagen gab es in Stojković Heimat Bosnien jedoch noch nicht, er hatte so etwas noch nie gesehen. Zudem versteht er die komplizierte und nur auf Deutsch verfügbare Bauanleitung kaum. Aufgeben kommt jedoch nicht in Frage und so nimmt er am nächsten Tag ein Wörterbuch mit in die Arbeit, um die Bauanleitung Stück für Stück zu entschlüsseln. Als die Anlage schlussendlich funktioniert, ist es für Stojković in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Moment: «Seitdem weiß ich, dass ich alles schaffen kann.»

IM BILD MIT EINEM MASSBAND Auf Genauigkeit und Professionalität legt Zoran Stojkovic´ größten Wert: «Man muss immer sein Bestes geben». Diesen Anspruch sucht und fördert er auch bei seinen Mitarbeitern. «Ich mag Menschen, die etwas aus ihrem Leben machen wollen.»

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MÁRTA SZEMRÉDI (46)

RICHTIG MITEINANDER KOMMUNIZIEREN

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IM BILD MIT EINEM BOXHANDSCHUH Er ist für Márta Szemrédi ein Symbol für ihren Kampfgeist, einen steten Begleiter auf dem Weg nach oben: «Ich musste mich durch die Ausbildung kämpfen und auch bei der Unternehmensgründung einen starken Willen beweisen.» Für ihre Beratungsleistung sieht sie noch viel Potenzial für die Zukunft: «Die interkulturelle Verständigung wird noch sehr unterschätzt.»

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Ungarisch) Lerne Deutsch und damit auch die Kultur kennen! Tanulj meg németül és ismerd meg a kultúrát is!

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1992 Wurzeln Ungarn Entfernung vom Herkunftsland 200 km

An mir ist besonders österreichisch In Österreich bin ich in Bezug auf Lebensmittel sehr kritisch geworden. Wenn ich in Ungarn bin, frage ich zum Beispiel, woher das Ei kommt, das ich esse. Das kann man wohl auch als hohe Lebensqualität betrachten.

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Name des Unternehmens Márta Szemrédi Unternehmensberatung

Unternehmensgründung 2011

Branche/Sparte Unternehmensberatung und Informationstechnologie

«WENN GESCHÄFTSLEUTE ZUSAMMENKOMMEN, MUSS ES NICHT HEISSEN, DASS DIE VERSTÄNDIGUNG KLAPPT, NUR WEIL BEIDE DIE GLEICHE SPRACHE SPRECHEN. WAS DER EINE MEINT, MUSS DER ANDERE NOCH LANGE NICHT SO VERSTEHEN», weiß Márta Szemrédi. Mit ihrer Unternehmensberatung, die sie seit 2011 betreibt, hat sie sich auf kommunikative Herausforderungen dieser Art spezialisiert. Aufgewachsen ist Szemrédi in Budapest, Ungarn. Der Liebe wegen kommt sie nach Wien, wo sie heute mit ihrem Mann und ihren drei Kindern lebt. Nach einem Englischkurs sowie Schulungen für Büroorganisation und Projektmanagement steigt sie bei KulturKontakt Austria wieder ins Berufsleben ein. Dort betreut sie Bildungsprojekte in Südosteuropa und merkt, wie viel Spaß ihr länderübergreifendes Arbeiten macht. Sie entschließt sich daher im Alter von 40 Jahren für ein Masterstudium für Organisationsentwicklung und Coaching als fachliche Basis für ihre Selbstständigkeit. «Auch meine Mehrsprachigkeit hilft mir sehr beim Unternehmensaufbau», erklärt Szemrédi. Ihre Zielgruppe sind grenzüberschreitend agierende Unternehmen, vorwiegend aus Ungarn oder Österreich, die interkulturelle Moderation benötigen – etwa wenn ein Tochterunternehmen im Ausland Trainer/ innen für die Schulung von Verkaufspersonal benötigt. «Menschen auf eine Ebene zu bringen, ist sehr wichtig. Denn die Unterschiede in der Kommunikation fangen schon beim Humor an», lacht sie.

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MARIA TARAMONA (39)

EINE VON WENIGEN SEIN

IM BILD MIT EINER FOTOGRAFIE IHRES VERSTORBENEN VATERS «Er war ein starker und entschlossener Mensch», so Maria Taramona. «Noch heute ist er meine Motivation und mein innerer Reiseführer.»

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ERFOLGSTIPP (Deutsch/Spanisch) Sich auf das Wesentliche konzentrieren und kleine Ziele setzen. Concentrarse en lo importante y ponerse metas pequeñas.

PERSÖNLICHES

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IHR AUFENTHALT IN ÖSTERREICH 2005 SOLL LEDIGLICH EIN KURZER URLAUB BEI IHRER MUTTER SEIN, DIE IN WIEN LEBT. Maria Taramona verliebt sich jedoch in die Stadt, sucht und findet hier ihren neuen Lebensmittelpunkt. Seit 2010 betreibt sie die einzige spanische Werbeagentur in Wien. Über die sprachliche Nähe und ihr anfänglich kleines lateinamerikanisches Netzwerk erhält sie die ersten Aufträge, nach und nach kommen auch österreichische Kund/innen hinzu. Es ist der in Lateinamerika geprägte, unterschiedliche Zugang zu Kreativität, der sie von ihrer Konkurrenz abhebt. Durch ihre Herkunft kann sie eine unternehmerische Nische entwickeln: «In Venezuela bin ich eine kompetente Grafikdesignerin. In Österreich habe ich aber zusätzlich den Vorteil, dass ich anders bin, andere Ideen einbringe.»

Die Unternehmerin genießt es, in ihrer neuen Heimat zu arbeiten: «Es ist einfacher mit österreichischen Kund/innen zu arbeiten. Sie haben einen Plan, sind strukturiert und wissen was sie wollen. Das mag ich.» Neben ihrer Werbeagentur betreibt Taramona auch das Online-Magazin culturalatina.at, mit dem sie Informationen und Eindrücke über die lateinamerikanische Kultur nach Österreich bringt. Sie möchte damit über Menschen aus ihrem Heimatkontinent informieren – und einen kleinen Beitrag zur Integration der lateinamerikanischen Community leisten.

ZUM UNTERNEHMEN

Lebt in Österreich seit 2005 Wurzeln Venezuela Entfernung vom Herkunftsland 8.600 km

An Österreich mag ich besonders Ich mag die Schönheit Wiens und die österreichische Kultur. Und ich liebe den Winter, in meiner Heimat ist es mir zu heiß.

Name des Unternehmens Taramona Werbeagentur

Unternehmensgründung 2010

Branche/Sparte Werbung und Marktkommunikation

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VLADLENA TARASKINA (26)

EINE WIN-WIN-SITUATION 46

IM BILD MIT VERANSTALTUNGS-ZUTRITTSKARTEN Vladlena Taraskina nimmt an zahlreichen Networking-Veranstaltungen im In- und Ausland teil. Ein Bund an Schlüsselbändern und Zutrittskarten kommt da schnell zusammen. «Immer neue Kontakte zu knüpfen, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für mein Geschäft», erklärt sie.

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Russisch) Lernt viele Sprachen, glaubt an euch selbst und an die Sache – auch bei Problemen. Изучайте иностранные языки, верьте в себя, стремитесь к своей цели несмотря на встречающиеся на пути препятствия.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 2008 Wurzeln Russland Entfernung vom Herkunftsland 1.700 km

An mir ist besonders österreichisch Ich mag Ordnung, übernehme Verantwortung und bin zuverlässig: Alles was ich zusage, wird von mir auch umgesetzt.

ZUM UNTERNEHMEN

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Name des Unternehmens KEY TO OFFICE

Unternehmensgründung 2013

Branche/Sparte Gewerbliche Dienstleister

WER MIT VLADLENA TARASKINA REDET, WIRD KAUM GLAUBEN, DASS SIE ERST SEIT 2009 IN ÖSTERREICH LEBT. Ihr Deutsch ist flüssig und sicher – und nur eine von vier Sprachen, die sie fließend spricht. Aktuell lernt sie noch Polnisch, die Sprache ihres Ehemannes. Mit ihrem Sprachentalent sowie einem abgeschlossenen Wirtschaftsstudium im Gepäck sucht sie den Einstieg ins Berufsleben. «Es war schwierig einen Job zu finden, der meinen Qualifikationen entsprach. Letzten Endes habe ich mich entschieden, mit meinem Mann ein Unternehmen zu gründen, weil ich dachte, dass ich damit schneller erfolgreich sein kann». Seit 2012 baut das Paar die Online-Plattform Key To Office auf. «Wir haben selbst viel von Zuhause in einem kleinen Büro gearbeitet und ein tageweise buchbarer Meetingraum wäre oft praktisch gewesen. Dann dachten wir uns, dass es so viel Leerstand gibt und gleichzeitig Unternehmer oder Konzerne, die Bedarf an flexiblen Räumlichkeiten haben. Wir vernetzen diese beiden Gruppen», erklärt sie das Konzept ihres Unternehmens. Dieses haben sie langsam aufgebaut, zuerst mit einem Raum als Pilotprojekt. «Dabei haben wir gelernt, was wir alles berücksichtigen müssen, etwa ein sicheres Zutrittssystem oder dass die Räume auch regelmäßig gereinigt werden müssen». Mittlerweile sind auf der Plattform über 100 Räume in Großstädten in Österreich, Deutschland und Ungarn verfügbar. Langfristig will Taraskina nach ganz Europa expandieren.

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DRAGAN TUR (50)

ERFOLG KOMMT NICHT VON ALLEINE

IM BILD MIT EINER JAPANISCHEN HOLZSÄGE Fünf solcher Sägen hat der leiden­ schaftliche Hobby-Tischler. «Es ist schön, dass ich mir diesen Ausgleich leisten, mich regelmäßig in meine kleine Welt zurückziehen kann.»

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ERFOLGSTIPP (Deutsch/Bosnisch) Um Erfolg zu haben, muss man die Chancen ergreifen, die sich einem bieten. Da bi ˇcovjek bio uspješan, mora iskoristiti šanse koje mu se nude.

PERSÖNLICHES

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DER BALKANKRIEG VERANLASST DEN DAMALS 28-JÄHRIGEN MEDIZIN-­ STUDENTEN ZUR FLUCHT AUS SEINER HEIMAT BOSNIEN. Mit gerade einmal 1.000,- Euro in der Tasche kommt er mit seiner Familie 1992 nach Österreich. Hier kann Dragan Tur sein Studium fortsetzen: Der erste Abschnitt, den er in Bosnien absolviert hatte, wird ihm angerechnet. Seine Frau, die ihr Studium bereits abgeschlossen hatte, muss im Zuge der Nostrifikation elf Prüfungen nachholen. Um sie bei der Beendigung ihres Studiums zu unterstützen, beschließt Tur, sich Arbeit zu suchen und bekommt eine Stelle als Heilmasseur. «Danach wollte ich mein eigenes Studium fertig machen», erklärt er. «Um Deutsch zu lernen, hab ich viel gelesen: ‚Deutsch für Anfänger‘ oder auch ­Magazine. Was ich nicht verstanden habe, habe ich im Wörterbuch nachgeschlagen.»

Mit 39 Jahren kann Tur endlich seine Ausbildung zum Zahnarzt beenden und eröffnet seine erste Ordination. «Der Beginn war schwierig. Ein Kredit hat mich damals sehr belastet und die Ordination war noch im Aufbau. Um meine Rechnungen zahlen zu können, habe ich zwei Jahre lang zusätzlich andere Ärzte vertreten», erinnert er sich. Die Wende kam 2004: «Da habe ich als erster Arzt meines Studienjahrgangs einen Kassenvertrag bekommen», ist er stolz. Heute ist er in zwei Zahnarztpraxen tätig und hat seine Chance genutzt, sich eine neue berufliche Existenz aufzubauen. «Ich fühle mich privilegiert und bin froh über das, was ich erreichen konnte.»

ZUM UNTERNEHMEN

Lebt in Österreich seit 1992 Wurzeln Bosnien Entfernung vom Herkunftsland 500 km

An Österreich mag ich besonders Jeder hat andere Wünsche und Vorstellungen, aber wenn man sich wirklich engagiert, kann man in Österreich unabhängig von der Herkunft etwas erreichen.

Name des Unternehmens Dr.med.dent. Dragan Tur

Unternehmensgründung 2004

Branche/Sparte Zahnärzte

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HELEN WU (36)

ZEIT FÜR TEE

IM BILD MIT EINER TASSE TEE Helen Wu trinkt selbst zwei bis drei Tassen Tee pro Tag. Die Eigenkreationen ihres Teesalons nehmen auch Bezug auf ihre jetzige Heimatstadt Linz, der sie in ­Anlehnung an die Tradition als Indus­trie­ stadt den besonders eisenhaltigen «Linzer Stahltee» widmet.

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ERFOLGSTIPP (Deutsch/Chinesisch) «Der Kunde ist nicht nur König, sondern Kaiser». Dieses Credo muss im Unternehmen täglich konsequent umgesetzt werden, von jedem/jeder Mitarbeiter/in. 客户不是国王,而是皇帝。对于这一信条,企业的每位员工每 天都必须坚定不移地贯彻执行。

PERSÖNLICHES DER TEEGENUSS HAT IN ÖSTERREICH NOCH GROSSES POTENZIAL, IST ­ ELEN WU ÜBERZEUGT: «ES IST MEIN WUNSCH, DIE TEEKULTUR NOCH WEITER H ZU VERBREITEN.» Ihre Leidenschaft für das edle Aufgussgetränk ist zu ihrem Beruf geworden, der liebevoll aufgebaute Teesalon Madame Wu seit 2009 Teil der Linzer Altstadt. Hier lässt sich die in Deutschland geborene und in Hongkong aufgewachsene Unternehmerin nieder, als ihr Mann an die Johannes Kepler Universität in Linz berufen wird. Schon während ihres Wirtschaftsstudiums hat sie den Wunsch, ihre Liebe zum Tee als Basis einer späteren Selbstständigkeit zu nutzen. «Freunde haben mich gefragt, ob das Erfolgschancen hat, weil sie Österreich nur mit Kaffee- und Weinkultur verbinden. Auch trinken viele Menschen nur dann Tee, wenn sie krank sind, aber nicht zum Genuss», erläutert Wu. Sie hält jedoch an ihrem Plan fest und nutzt ihre Erfahrung in strategischem Marketing für den Aufbau ihres Teesalons. Um sich eine fundierte Wissensbasis anzueignen, begibt sie sich auf Reisen nach China und Taiwan – eben dieses Know-how macht ihren Teesalon zu einem authentischen Vermittler der Teekultur. Das Einbringen von Herzblut ist ein weiterer wichtiger Bestandteil ihres Erfolgsrezepts. So bildet etwa eine traditionelle chinesische Teezeremonie den wöchentlichen Höhepunkt ihres Salons. «Ein Unternehmer, der ohne Seele handelt, ist ersetzbar», ist sie überzeugt.

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Lebt in Österreich seit 2007 Wurzeln China Entfernung vom Herkunftsland 7.500 km

An mir ist besonders österreichisch Der Aufbau eines persönlichen Netzwerks ist etwas, was die österreichische und die chinesische Kultur gemeinsam haben.

ZUM UNTERNEHMEN

Name des Unternehmens Madame Wu Teesalon

Unternehmensgründung 2009

Branche/Sparte Gastronomie/Einzelhandel

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KAZIM YILMAZ (33)

MIT RECHTSBERATUNG INTEGRATION FÖRDERN 49

IM BILD MIT SEINEM ORGANIZER «Ich bin ein sehr strukturierter Mensch», so Kazim Yilmaz. Sein Organizer hilft ihm bei der Organisation seines Berufslebens, aber auch seiner Freizeit. Diese verbringt Kazim Yilmaz am liebsten mit seiner Frau und seiner zweijährigen Tochter.

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Türkisch) Erfolg besteht für mich zu 80 % aus harter Arbeit, zu 10 % aus Talent und zu 10 % aus Glück. Bana göre bas¸arının % 80‘i sıkı çalıs¸ma, % 10‘u yetenek ve % 10‘u da ¸sanstan ibarettir.

PERSÖNLICHES

In Österreich geboren 1981 Wurzeln Türkei

An Österreich mag ich besonders Ich wollte immer schon international arbeiten. Diesen Wunsch konnte ich in Wien realisieren.

ZUM UNTERNEHMEN

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Name des Unternehmens Anwaltskanzlei MMag. Dr. Kazim Yilmaz

Unternehmensgründung 2014

Branche/Sparte Rechtsanwälte

DIE EXPANSION EINES UNTERNEHMENS IN EIN ANDERES LAND BEDEUTET IMMER AUCH, SICH IN EINE NEUE GESELLSCHAFTLICHE KULTUR ZU INTEGRIEREN. Der Rechtsanwalt Kazim Yilmaz nutzt seine türkischen Wurzeln und unterstützt Firmen beim Markteintritt in die Türkei. Er fungiert als Brücke zwischen den beiden unterschiedlichen Kulturen, die er in sich vereint. Knowhow, das am Markt gefragt ist: «Große Konzerne haben mittlerweile die Vorteile von Vielfältig­keit erkannt.» Er selbst hat durch seinen Migrationshintergrund gemischte Erfahrungen gesammelt. «Ich bin in Vorarlberg geboren und konnte fließend Deutsch. Ich war von Beginn an gut integriert und hatte auch durch meine Leidenschaft für Fußball einen multikulturellen Freundeskreis. Es gab aber auch einige Situationen, in denen ich aufgrund meines Aussehens oder ausländischen Namens benachteiligt wurde», resümiert er. Für das Studium der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften entscheidet er sich ganz bewusst: «Mit Wissen kann man Menschen mit Vorurteilen entgegentreten.» Heute berät er Unternehmen und Privatpersonen in Rechtsfragen unterschiedlicher Art – oft geht es auch um Hilfestellung zu Integration, Niederlassung oder Aufenthalt. «Diese Themen sind mir ein persönliches Anliegen. Ich möchte beitragen, Integrationsprozesse positiv zu beeinflussen», so Yilmaz.

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ANA ZNIDAR (36)

ES LOHNT SICH, AN TRÄUMEN FESTZUHALTEN 50

IM BILD MIT IHREM NOTIZBUCH Spontane Ideen und Gedanken hält Ana Znidar darin fest, um sie später wieder aufzugreifen. Mit ihrem Unternehmen hat sie sich ihren Berufswunsch erfüllt und hilft anderen Menschen, ihrer Kreativität beim Schreiben freien Lauf zu lassen. Autoren begleitet sie bis zum Erscheinen ihrer Werke.

ERFOLGSTIPP (Deutsch/Slowenisch) Über die Leidenschaft verbindet man sich mit anderen Menschen, die diese Begeisterung mit dir teilen. Dann ist die Herkunft nicht mehr wichtig. Strast je tista, ki te poveže z drugimi ljudmi, ki s teboj delijo to ­navdušenje. Potem poreklo ni vecˇ pomembno.

PERSÖNLICHES

Lebt in Österreich seit 1989 Wurzeln Slowenien Entfernung vom Herkunftsland 300 km

An Österreich mag ich besonders Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Für Wien als Lebensmittelpunkt habe ich mich ganz bewusst entschieden, weil meine Workshops hier gut funktionieren.

ZUM UNTERNEHMEN

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Name des Unternehmens Creative Writing Ana Znidar

Unternehmensgründung 2010

Branche/Sparte Gewerbliche Dienstleister

SEIT 2010 UNTERSTÜTZT ANA ZNIDAR ALS COACH FÜR CREATIVE WRITING MENSCHEN DABEI, IHRE KREATIVITÄT IN TEXTEN ZUM AUSDRUCK ZU BRINGEN. Der Unternehmerin stehen dafür die Ausdruckswelten dreier Sprachen zur Verfügung: Slowenisch, Englisch und Deutsch. Ihre Mehrsprachigkeit gepaart mit internationalem Know-how im Textbereich machen das Rezept ihres unternehmerischen Erfolgs aus. Die Liebe zum Schreiben hat Znidar bereits in der Schule erkannt. Während der Suche nach dem passenden Studium, dass es ihr ermöglichen soll ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen, steht ihr Traum jedoch an der Kippe. So gibt es Anfang der 1990er Jahre in Österreich keine Studienzweige, die kreatives Schreiben vermitteln. Auch ihre Studienberaterin winkt ab mit den Worten: «Schreiben lernt man nicht: Das kann man, oder eben nicht.» An ihren Plänen hat Znidar dennoch festgehalten und sich für das Studium der Publizistik und Anglistik entschieden – das nötige Know-how im kreativen Texten holt sie sich bei Auslandssemestern in den USA, am renommierten Wellesley College sowie in Harvard. Noch heute rät sie jungen Menschen, ihre Stärken zu erkennen und mit Mut ihren eigenen Weg zu finden.

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ZAHLEN & FAKTEN

IN DER BUNDESHAUPTSTADT WIEN SIND MEHR ERWERBS­TÄTIGE MIT MIGRATIONS­ HINTERGRUND SELBSTSTÄNDIG (11 %) ALS ERWERBS­TÄTIGE OHNE MIGRATIONS­ HINTERGRUND (7 %).

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QUELLEN

Auswertungen zum Migrationshintergrund der Wirtschaftskammermitglieder: Stabsabteilung Statistik der Wirtschaftskammer Österreich, 2014. Ethnische Ökonomien in Wien: Wolfgang Alteneder, Michael Wagner-Pinter, 2013. migration & integration – Schwerpunkt: Arbeit & Beruf. Österreichischer Integrationsfonds – Fonds zur Integration von Flüchtlingen und Migrant/innen (ÖIF), 2013/2014. migration & integration – zahlen.daten.indikatoren 2014: STATISTIK AUSTRIA, 2014. Stadtpunkte – Migrantische Ökonomien in Wien: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, 2014. STATISTIK Austria, 2014.

IMPRESSUM

MEDIENINHABER, HERAUSGEBER, REDAKTION UND HERSTELLER: Österreichischer Integrationsfonds – Fonds zur Integration von Flüchtlingen und Migrantinnen (ÖIF), Schlachthausgasse 30, 1030 Wien, Tel.: +43(0)1/710 12 03-0, mail@integrationsfonds.at KONZEPT: Österreichischer Integrationsfonds, Wirtschaftskammer Wien, Industriellenvereinigung VERLAGS- UND HERSTELLUNGSORT: Schlachthausgasse 30, 1030 Wien; AUSWAHL DER INTERVIEWPARTNER/INNEN: Arber Marku/Wirtschaftskammer Wien und ÖIF; INTERVIEWS: Jana Vladusic, Hakan Can/ÖIF; PROJEKTLEITUNG: Kristin Längle/ÖIF; TEXT: Anja Herberth; LEKTORAT: Alexander Sprung; FOTOGRAFIE: Cedric Mayer; LAYOUT: trafikant – Handel mit Gestaltung; PRODUKTION: Lindenau Productions HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Die Inhalte dieses Mediums wurden mit größtmöglicher Sorgfalt recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte wird keine Haftung übernommen. Weder der Österreichische Integrationsfonds noch andere, an der Erstellung dieses Mediums Beteiligte, haften für Schaden jedweder Art, die durch die Nutzung, Anwendung und Weitergabe der dargebotenen Inhalte entstehen. Sofern dieses Medium Verweise auf andere Medien Dritter enthält, auf die der Österreichische Integrationsfonds keinen Einfluss ausübt, ist eine Haftung für die Inhalte dieser Medien ausgeschlossen. Für die Richtigkeit der Informationen in Medien Dritter, ist der jeweilige Medieninhaber verantwortlich. Die Beiträge dieser Publikation geben die Meinungen und Ansichten von Unternehmer/innen mit ausländischen Wurzeln wieder und stehen nicht für inhaltliche insbesondere politische Positionen des Österreichischen Integrationsfonds, der Wirtschaftskammer Wien oder der Industriellenvereinigung. URHEBERRECHT: Alle in diesem Medium veröffentlichten Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Urhebers ist jede technisch mögliche oder erst in Hinkunft möglich werdende Art der Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Verwertung untersagt, sei es entgeltlich oder unentgeltlich.

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ZUSAMMEN:ÖSTERREICH MOTIVATION SCHAFFEN, VORURTEILE ABBAUEN. Die Initiative ZUSAMMEN:ÖSTERREICH wurde im Jahr 2011 vom damaligen Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz und dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) ins Leben gerufen, um Erfolgs­beispiele für Integration vor den Vorhang zu holen. Bereits mehr als 300 gut integrierte Migrant/innen – bekannte Persönlich­keiten aus Sport, Wirtschaft und Kultur, aber auch «Heldinnen und Helden von nebenan» – besuchen als Integrations­botschafter/innen Schulen ganz Österreich, um ihre Erfolgsgeschichten zu erzählen und mit den Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe zu diskutieren. Über 20.000 Schüler/innen profitierten bisher davon. Im Jahr 2012 wurde ZUSAMMEN:ÖSTERREICH unter dem Motto «Vereine machen auf, Migrant/innen machen mit» auf Vereinsebene und große Freiwilligen-Organisationen wie das Rote Kreuz oder Caritas Österreich ausgeweitet – seit 2013 stehen auch Berufsschulen auf dem Programm der Integrationsbotschafter/innen. Um gelungene Integration in Bildung, Beruf und Gesellschaft auf breiterer Basis zu fördern, wird 2014 unter dem Motto «#stolzdrauf» Österreichbewusstsein zum Thema gemacht. Lesen Sie mehr über ZUSAMMEN:ÖSTERREICH auf: www.zusammen-oesterreich.at www.facebook.com/zusammenoesterreich

50 UNTERNEHMERISCH ERFOLGREICHE ZUWANDER/INNEN UND IHRE ERFOLGSTIPPS  
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