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20 Jahre Pfarre St. Canisius Im Westen Innsbrucks gelegen und begrenzt von der Höttinger Au, der Mittenwaldbahn, der Universitätsbrücke und dem Inn im Süden, hat sich in jüngster Vergangenheit ein Pfarrgebiet unserer Stadt entwickelt, das im Herbst dieses Jahres sein 20jähriges Bestehen gefeiert hat: Petrus Canisius. Wenn es auch hauptsächlich die letzten Jahrzehnte waren, in denen dieser Teil des Innsbrucker (bis 1938 Höttinger) Gemeindegebietes in seiner Infrastruktur am meisten und raschesten gewachsen ist, so führen

Von Josefine Justic doch auch Spuren in die ältere Geschichte zurück: Der Straßenname Fürstenweg erinnert an den nach 1550 angelegten Fahrweg hinaus zum landesfürstlichen Tiergarten auf der „Langen Wiesen" mit seinem Lustschloß, dem heutigen Pulverturm. 1595 verlegte man die höherführende mittelalterliche Landstraße auf den Talboden; die damals angelegte neue Trasse ist heute im Verlauf der „Höttinger Au" bzw. weiter westlich der „Kranebitter Allee" zu erblicken. Was die intensive bauliche Entwicklung dieses Gebietes betrifft, so setzte diese, wie schon erwähnt, erst im 20. Jahrhundert ein. Ein wichtiger erster Schritt wurde wohl 1931 / 32 mit dem Bau der Universitätsbrücke getan, die ein näheres Überqueren des Inn ermöglichte und die di-

Die Pfarrkirche zum hl. Petrus Canisius in der Höttinger Au, aufgenommen im Juni 1972, also kurz, vor der Konsekration (2. Juli). Original im Stadtarchiv, Foto: R. Frischauf

rekte Verbindung zum Innrain und zum Universitätsviertel herstellte. Zur gleichen Zeit wurde die Hauptschule Hotting am Fürstenweg errichtet. Infolge dieser baulichen Maßnahmen stieg nun auch die Besiedelung des Gebietes stetig an, sodaß man sich ab 1958 kirchlicherseits mit dem Gedanken befaßte, hier ein pfarrliches Zentrum miteinzuplanen. 1960 erwarb die Diözese das Eigentumsrecht an dem dafür notwendigen Grund; 1966 schrieb man einen Wettbewerb aus, den der Innsbrucker Architekt Horst Herbert Parson für sich entscheiden konnte. Sein Entwurf sah die Errichtung eines Studentenheimes, eines Pfarrhauses und einer Kirche mit Untergeschoß für einen Pfarrsaal und ein Jugendheim vor. Am 7. Oktober 1968 begann der Kirchen- und Widumsbau. Ersterer wurde 1972 mit der feierlichen Konsekration abgeschlossen, letzterer 1975 eingeweiht. Das Jubiläumsdatum allerdings ist der 1. Oktober 1970, mit dem das Pfarrvikariat Petrus Canisius errichtet wurde. Daß damals der erste Pfarrgottesdienst im inzwischen fertiggestellten Saal des Studentenheimes gefeiert werden mußte, tat der Festesstimmung keinen Abbruch. Der Patron des Vikariats erinnert an den hl. Petrus Canisius. Er wurde 1521 in Nijmegen/Holland geboren und ging als „erster deutscher Jesuit" in die Kirchengeschichte ein. Seine besondere

Beziehung zu Innsbruck, die auf seine pastorale Tätigkeit hier in den Jahren 1571 bis 1577 und vor allem auf die Gründung des hiesigen Jesuitenkollegs und Gymnasiums (1562) — es ist dies das heutige „Akademische Gymnasium" — zurückgeht, waren ausschlaggebend, diesen Heiligen zum Patron eines Innsbrucker Pfarrgebietes zu machen, nachdem er schon 1964 zum zweiten Diözesanpatron erhoben worden war. Wie sehr das schulische Wirken von Petrus Canisius im Räume Innsbruck populär war und in Erinnerung geblieben ist, beweist

1890

u.a. ein barockes Fresko von ca. 1750 an einem Bauernhaus in Arzl (Canisiusweg 7), welches den Heiligen in diesem einstigen Dorf umgeben von Schulkindern zeigt. Die weiteren bedeutendsten Daten der Pfarre sind der 1. Jänner 1980, an dem sie Sitz des Dekanates Innsbruck-West wurde, und endlich der 25. Jänner 1987. Mit Dekret von diesem Tage erhob Bischof Dr. Reinhold Stecher das Vikariat zur selbständigen Pfarre. Mit den modernen kirchlichen Baulichkeiten an der Santifallerund Fischnalerstraße ist es gelungen, dem mit Innsbruck sehr verbundenen Hl. Petrus Canisius ein würdiges Gedenkzentrum zu schaffen.

VOR HUNDERT JA

15. Dezember: „Der Thomasmarkt, dieser größte unserer städtischen Märkte, erfreute sich unter der Gunst der Witterung eines sehr guten Besuches. Schweine wurden sehr viele zu Markte gebracht" ... genauso Mais, Weizen, Roggen und Fisolen. „Der Viehmarkt war circa mit 40 Pferden befahren, Rindvieh wurde nicht besonders viel aufgetrieben. Die Preise waren gut", berichtet der Bote für Tirol. 24. Dezember: Für 12. Jänner ist in den neuerbauten Redoutensälen (= heute Stadtsäle) ein Studentenball angekündigt. „Einladungen an einzelstehende Herren sind nur an den engeren Bekanntenkreis ergangen und erlaubt

sich daher das (Ball-)Comite für jene P. T. Herren, die sich an dem Studentenball betheiligen wollen, zu bemerken, daß die Ausgabe der Einzelnkarten im Comitelokale erfolgen wird." 27. Dezember: „Kundmachung. Auf Grund des Sitzungsbeschlusses vom 19. d. Mts. werden die Weiderechte der Gemeinde Hotting, nämlich die Innbrückler und sogenannte Ochsenalpe auf ein Jahr resp. drei Jahre beim Stamserwirth in Hotting am 29. d. Mts. um 6 Uhr Abends einer freiwilligen Versteigerung unterzogen." 9. Jänner: Eine sensationelle Erfindung preist das Anzeigeblatt des „Boten" an: „Flüssige Goldtinctur mit der Jedermann in die Lage gesetzt ist, sich sofort alle möglichen Haushaltungsgegenstände und Decorationsobjecte vergolden oder versilbern zu können. Diese Tinctur eignet sich zum Anstrich von Gypsfiguren, Bilderrahmen" ... und auch „zur Kirchenverschönerung für Heiligenbilder, Altäre, Kirchenleuchter, Wandmalereien." 15. Jänner: Im Musikvereinssaal des Theresianums (= heute Volkskunstmuseum) gedachten die Schüler und Lehrer des hiesigen Gymnasiums des 100. Geburtstages von Franz Grillparzer. Nach einem 1 Vi stündigen Referat über Leben und Werk des Dichters, wurden von Schülern Gedichte rezitiert.

Innsbrucker Stadtnachrichten  

Ausgabe Dezember 1990

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