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Z. Jahrgang

August

Gotik in Tirol Zur

Kuustausstelluug

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Voil Dr. Lnise Fick (illde I n n i wnrde ili Inlisbrllck das aus Bomben trüinmerii nioderner und größer erstandene Mnseum ^erdinandenlli niit einer Ausstellung »mittelalterlicher Äialerei lind Plastik „Gotik in T i r o l " eröffnet, die in ihrer Reichhaltigkeit nnd t>>,istgeschichtlichen Bedeutsamkeit ein wirklich eiiimaliges Ereignis darstellt. Diese Tatsache wnrde bereits bei der Eröffnnngsfeier dnrch die Teilnahme zahlreicher illnstrer Persönlich keilen unterstrichen. Daß es in dieser Zeit der Zer spaltuug unserer Welt dnrch Grenzen nnd Doktrinen wirklich gelang die papierenen Wälle bürokratischer Bestimmnngcn, die Zoll nnd Verstcherungsproblelne, die finanziellen Engpässe nnd die vielerlei anderen politischen nnd persönlichen Hemmnisse zn nberwin den nnd tatsächlich nahezn alle wichtigen Stücke des damaligen Tiroler Kunstschaffens, die hente über ganz Mitteleuropa verstreut sind,wenigstens fürwenigcMonate wieder in ihrer Heimat zusammenzubringen nnd in ihrem ursprünglichen ^nsammenhang zu zeigen, grenz! fast an ein Wnnder. Diese Ausstellung wnrde Wirklichkeit, weil alle Museeu, loie alle kirchlichen nnd privateli Sammlungen des ^ n n,id Auslandes die erbetenen >tnnstwerke bereitwilligst mr Verfügung stellten nnd die staatlichen Stellen das Unternehmen großzügig förderten, beispielhaft war das Znsam menhelfen in Deutschland, wo Dr. Th. Müller, der Direktor des bayrischen Nationalmnseums in M i m chen, die Leihgaben aller deutschen Mnseen in M i m cheu sammelte, von wo die kostbare Fracht von Poli zeianlos, die den gesamten Straßenverkehr stoppten, begleitet, im Plombierten Möbelwagen über die (^ren ze gebracht nnd don den österreichische!! ^icherheits behördeu iibevgeben lonlde. ^chon al>-' dei Gustos des Innsbrncker ^>(use>!m>,', Prof. D r . Vin;en^ ^7 b e r I> a ni ni e v l'c, dei ^ev ner,^'ilnstausslellnng !!>!'.! min erstenmal im tleincn .^treis der ^all»lenle seiiien glänzenden i^edanle,, a!,s sprach, die spanne zwischen der Wiederherstellung des Äinseilmgebäudes nnd der ^enanfstellnng der ver

lagert gewesenen ständigen Sammlnngen zii einer großen repräsentativen Ausstellung mittelalterlicher Tiroler Kunst zii nntzen, waren alle begeistert. Nie wieder würden dafür so viele moderne, helle Ansstel' llingsränme zii Verfügnng stcheli, nie wieder würde das Kilnstglit so beweglich seilt wie ili diesen Jahren der Rückführung aus den Bergungsorten. Und endlich würde durch die vielen Tanseude von fremden, die iii dieseili Solnnier — zum erstenmal seit über zehn I a h reu — wieder Innsbrnck nnd diese Schau besuchen, die große Bedeutung der gotischen Knnst Tirols anch einer breiteren Öffentlichkeit deutlich sichtbar werden. Selbst in der Fachwelt hat man ja — gehemmt dnrch die traditionell italianisierende bzw. binnen dentschtümelnde Blickrichtnng — erst iii den letzten Jahrzehnten zii erkennen begonnen, daß T i r o l i n der spätgotischen Kunst nicht nnr eine bedeutende, fonderli sogar eine führende Rolle für die deutsche Kunstcntwicklnng gespielt hat. Das Kuustwollen der damaligen Zeit zielte ja ans dasselbe klare Erfassen nnd reale, plastische Wiedergeben der menschlichen Charaktere, ihrer Umwelt nnd ihrer Handlnngen, das seit je kenu'.eichuend für die tirolifche Ttammesbegabnng ist. So vermochten gerade die Tiroler Künstler ihm blei benden, gültigen Ausdruck zii gebeu. Dreierlei macht die Bedeutung nnd das Besondere, Einmalige dieser Ausstellung ans! l, l^5 ist keine Mousterschau, die den Betrachter mit emer Übersülle von Kunstwerken erdrückt nnd um berühmten Namen ',n imponieren sucht, sondern die beispielhafte Knnsteulwicklnng eines kleinen dentschen Stammes w i r d mit wissenschaftlicher ^Vstemalil in allen entscheidenden Schritten duvcb drei ^alirlmndei'le verfolg!, '.', Dank der überrafchend großen Bereitwilligkeit privater Sammler und besonders kirchlicher Ä e l len laün eine große Zahl von Künstwerken ge;eig! werden, die sonst der Öffentlichkeit uur schwer oder gar nicht zngänglich sind. So gibt es einige Über


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Amtsblatt der LandeoiVnipistadt Innsbruck

raschnngen, nicht nur sur den >tnnslfre»nd sondevn auch für den Kunstwissenschaftler. .^. Erstinals wieder sieht nian Teile von. Altarwerten, die oft schon, seit Jahrhunderten in den ^aminlnn gcn Mitteleuropas verstreut waren, in ihrer nr sprünqlichen Anordnung zusaiunienl-zefitqt und in dcu Zusainiuenhauq der äkunstentlvicklung gestellt, aus dem sie erwachsen siüd. lZu 1.) Einige ausgeslicht schöne Beispiele romanischer Plastik geben den Auftakt für die frühgotischen Werke, in denen noch die höfische Kunstrichtung der Zeit überwiegt. Schönstes Beispiel der goldschmiodhaft kostbare Altar uon Schloß Tirol, der erste Klügelaltar des Abendlandes, Schon im frühen 15. Jahrhundert gewinnen dann Klöster und aufstrebendes Bürgertum Bedeutung als Kunstförderer sdie Stifter Slams, Wüten, später Sonnenburg und Reustift, die Innsbrucker Bürgermeisterfamilie Dorn, die Heuperger von Hallj. Schon hier wird innerhalb der Prägung durch den europäischen sog. „weichen" Zeitstil das Tirolische spürbar in der plastischen Verfestigung, in der Charakterisierung, dem Raumsinn. Wenn man durch die Säle geht, die dem Marienkrönungsaltar des Hans Judenburg, den Altären des Meisters uon St. Sigmund, den Tafelbildern des Lienhart v. Briren (die man früher alle einem Jakob Snnter Zuschrieb) gewidmet sind, so wird gerade im Gegensatz Zu der ebenfalls dort aufgestellten Erbärmdegruppe aus dem Storzinger Altar des Schwaben Hans Multscher — die Welt deutlich, aus der Michael fiacher stammte. Man hat in den letzten Jahrzehnten die Größe dieses genialen Meisters erkannt, der ebenbürtig neben Veit Stosi und Tilman Riemenschnoider steht, aber man sah ihn Zu sehr als einsam ragenden Gipfel. Gewiß ist er zu Recht der Mittelpunkt der Missteilung und ihr geistiges Zentrum. Er ist der Begnadete, der die ßülle der Stammesbegabung in einer Person Zusammenfaßt, als Schnitzer gleich groß wie als Maler und als Schreinkünstler, in seiner Kunst zugleich dem Korden wie dem Süden verpflichtet, Zugleich der Gotik wie Her Renaissance Zugehörig, verschmilzt er — wie die „coinciäcntiÄ nppO^itoruin" seines großen Landosbischofs und ßreundes, des Kardinals Nikolaus uon Lues, — alle gegensätzlichen Kunstströmungon seiner Zeit aus der Kraft des Genius Zu höherer Einheit und gültiger Gestalt. Diese Ausstellung Zeigt nicht nur seine persönliche Entwicklung von der plastischen Deutlichkeit lind witzischen Durchsichtigkeit der Krühwerke über die entwickelte, beZiehungsreiche Raumkomposition des Kirchenväteraltares — die nie Selbstwort ist, sondern immer dem geistigen Aildgehalt dient, — bis Zur Reife und Größe der Fragmente vom SalZburger Dochaltar. Sie Zeigt auch, daß er wohl als Größter aber nicht als Einziger in feiner Umgebung stand. Sein Werk war vorbereitet und gleichzeitig mit ihm arbeiten bedeutende durchaus selbständige Künstler wie sein Bruder F r i e d r i c h p a ch e r, der echt tirolisch plastisch malt, uon dessen peter-paulsaltar die Linie ausgeht, die Zu Grünemaid und Zu Dürers Vier Aposteln führt. Person und Werk des M e i s t e r s u o n A l t e n he i m geben noch viele Rätsel auf, weil neben plastisch-klaren, würdevoll ruhigen Gestalten Tafeln ausgesprochener malerischer Art, ja rembrandtischer ßarbigkeit stehen, wie die Stefanuslcgende aus Moulins und die Neustifter AugustinussZenen. Vielleicht war hier schon sein und pachcrs großer Schüler M a r r R e i ch I i ch am Werk, „der größte Kolorist um 1500", der Altendorfer und Eranach entscheidend beeinflußte. Wildbemegte lind mit innerer Spannung geladene passionsszenen stehen neben ruhigen Erzählungen im Rah> men von Tiroler Straßenbildorn und Landschaften. Vei ihm ist die Landschaft Zum erstenmal ausgesprochener Stimmungsträger, ein bedeutsamer Schritt, durch den Reichlich Zum Vater der sog. „Donauschule" wird. Die Werke aller

dieser - bisher Zu Anrecht kaum bekannter Meister sind mm Zum erstenmal fast vollständig Zusammengetragen mid geben ein überaus eindrucksliolles Bild ihrer Person lichkeit. Werke der Marimilianszeit bilden den Ausklang - u. a. Altarbilder des bisher nur als Bildnismaler bekannten Hans Maler von SchwaZ und die köstlichen Reliefs vom Goldenen Dach!. Inmitten ihrer ausgesprochen bürgerlichen Haltung noch einmal die höfisch kostbare Kunst des M e i s t e r s de r H a b s u u r g e r, der sich mit allen bedeutenden Künstlern seiner Zeit schöpferisch auseinandersetzt. Aus den Porträts des M e i s t e r s d e s Angererbildn i s s e s schaut uns dann bereits im vollen Selbstbewußtsein des neuen, ganz der Erde Zugewandten Zeitalters der Moderne Mensch an. I n der nachpachsrischen Plastik eines Hans Klocker und anderer verebbt die monumentale Gesinnung lind Größe der Gestaltung, die sich noch Z. B. in der Serfauser Anbetungsgruppe Zeigt, rasch ins Zierliche, Spielerische, Vielfiglirige lz. N- Traminer Altars und mündet damit wieder in eine hochentwickelte Volkskunst ein, wie sie etwa die Krippenschniherei darstellt. Sie kehrt damit Zu ihren Ursprüngen Zurück, denn es ist die Hochentwickelle Handwerkskunst von Generationen von Bauernschnitzern und -Malern, — alis der Ausstellung Z. B. vertreten durch den kiinstuollon Ehorstuhl uon Annenberg und die ßastentüchcr von Rieh und Obervintl — der ein Michael pacher das Rüstzeug Zu seinen Meisterwerken verdankte. Da überrascht plötzlich noch einmal ein ganz großer Wurf: die lebensgroße Slberggruppe aus M i l s lenita!!, die einst mit Veit Stoß und Dürer in Verbindung gebracht, seit 100 Jahren aber im Dunkel einer Altarnische völlig vergessen, zum Ergreifendsten und Schönsten gehört, was die spätgotische Plastik in Europa geschaffen hat. I n der Monumentalität der Gesinnung lind der vertieften persönlichen Charakteristik ist sie nur mit den besten ßigliren des Ma« rimiliangrabes in Innsbruck vergleichbar. Aber auch andere, beZaubernde Entdeckungen gibt es. Wer kannte das kostbare Distichon mit der Leidensgeschichte Christi aus der Churburg, wer die Verkündigungsgruppe aus Schloß Auffenstein, wer die innigen Andachtstäfelchen aus Kloster Slams, wer sah je die Tafeln des Attenhoimers aus Moulins im Original, wer das eigenartige Defensorium Mariae aus Slams oder die großen Apostel und Marienaltarflüge! aus Stift Wilten, die ebenso wie der nonaufgefundene pachersche Sebastian erst durch die Restaurierung ihre urprüngliche Schönheit wieder erhielten. Die kuustgeschichtliche Forschung der letzten Jahrzehnte — angeregt besonders von Wilhelm pinder — hat in diesem Zu Anrecht vernachlässigten Gebiet der Tiroler Gotik viele Lücken gefüllt — fie hatte Z. B. u. a. allein für das kleine Südlirol über 200 Altarwerke nachgewiesen — aber nur wenig uon diesen Kunstwerken war im Lawde geblieben. Das meiste war in Zeiten künstlerischen Unverständnisses oder der bitteren Rot abgewandert, verschachert worden. Das LinZigartige dieser Ausstellung ist es nun, daß sie die in den verschiedensten europäischen Sammlungen verstreuten Teilstücke solcher Werke wieder zur ursprünglichen Einheit zusammenfügt und so dem Betrachter erft ihren wirklichen Sinn und Wert offenbart. Jedes gute Bild, jede gute Plastik vormag natürlich auch für sich allein zu wirken- aber erst in dem Zusammenhang des Gesamtwerkes, für den es geschaffen wurde, iu der Vielfall der Bezüge von Komposition, Linienführung, Harbe lind Sinngehalt, die das eigentliche Wesen eines Kunstwerkes ausmachen, können uns die Bildwerke ganz ergreifen, wird sein künstlerischer Rang richtig verstanden und bewertet werden. Der Gedanke, daß diese beglückende Einheit nach Schluß der Ausstellung wieder Zerstört werden wird, hat geradezu etwas Bedrückendes.


der ^andcohauptstadt >^u !^.> Wie überzeugend eindrucksvoll fügen sich die Wie» »er lind die Münchener ßliigellafeln des ^aurenliusaltaros iiiil der aus Kiidtiro! in letzter Minute noch glücklich ei» getroffenen Millelfigur der Maria alis St. Grenzen im plisterla! zum Vild eines pacherschen §rühwerks! l)aben sich doch hier z. V. endlicli aus fünf verschiedenen Museen die bisher verkannten Kiguren des versclioüenon eh. Vozner Noclialtares des 5)ans lion Iudenburg ^ das Vorbild für pacl^ers Marienkrönling in Gries — zufammengefunden. )l> den Münchener Hlügeltafeln des ?Ieustif<er Marienallars des M o r i ' Reichlich fanden siclj ini Innsbrucker Musei!!» die daziigeliörigen ?^e!iefs der Innenleiten, einwandfrei durch Vefchriftling lind Nusfparungen iin Goldgrlind gekennzcich» net! 6 0 zeigten sich schon während der Aufstellung erste Ergebnisse für die kunstgeschichtliche ßorschling, die ans dieser einmaligen Zlisammenschau, dieser Möglichkeit des Vergleichens und genauen Rachprüfens auch der technischen (Einzelheiten lz. ^- Holzmaserung, ßassung usw.! jetzt in ilircr Tragweite noch gar nicht abzuschätzende Impulse er>ia!lon wird. kius der Zusammenschau des räumlich getrennt gewesenen, dem Überblick über die Zeitliche Entwicklung des Kunstschaffens, ans der Einsicht in die 3iofonfchichtung der künstlerischen Kraft von der Volkskunst bis Zum Meisterwerk ersteht vor dem Betrachter in wirklicher Droidiinensionalität die T i r o l e r G o t i k als lebendige Gestalt. 6 0 uielfältig ihre kiusfträgung in der ßülle der Werke aus drei Jahrhunderten auch erscheint, ist doch die innere Verwandtschaft und Zusammengehörigkeit, die Familienähnlichkeit unverkennbar. Mie Tiroler Künstler bemühen sich, ihren Gegenstand in kraftvoller Tatsächlichkeit und Lebendigkeit zu geben. Diesem 5>e> dienen alle Stilmittel, seien sie nun von Böhmen oder Vurgund, von ßlandern oder von Italien übernommen. Immer werden sie im tirolischen Kinn umge-

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schmolzen. Zwischen den Lrlremen der gotischen Kunst: dem mijstisch ätherischen Verschmeben lind dem derben Realismus um seiner selbst willen führt der Weg der Tiroler Künstler zur Verwirklichung des geistigen Gehalts ihrer Thcinen in Gestalten, die so klar umrissen und körperhaft sind wie di? Verge ihrer Neimatlandschaft, ,» die sie sie hineinstellt. Ja, es mil! uns scheinen, als ob diese geschnitzten und gemalten Gestalten oft von einer wahreren und stärkeren wirklichkeil erfüllt wären als viele Menschen, die uns im Mllcig begegnen. Mit welcher Inbrunst ist der Gehalt der dargestellten biblischen oder ^egendenszenen ersaht! Nicht als ferne Lrzählung sondern als leibhaft miterlebte Gegenwart. Da stellt gegen die sanfte Schönheit der heiligen in den ßoltorknechten die ganze abgründige Schlechtigkeit und Vosheit der Welt auf — um nichts weniger grausam und brutal als viele von uns sie in den vergangenen Jahren erloben mußten. And doch hält ein heiliger Wolfgang oder ein heiliger Stefanus nicht nur im äusieren Aufbau oft einer ganzen Gruppe von Widersachern stand. Die Äberlegenheit und Gelassenheit des Vollgeführten selbst im Code erweisen stumm die Stärke der guten Kräfte. Die mittelalterliche Welt — ertremer als unsere in Gut lind Nöse — ist noch rund und ganz, lind im Gleichgewicht. Der Lristenzialiemns von heute sieht nur noch das Dunkel' für die Lichtwelt des Geistigen sind allzuviele von lins blind geworden. Könnte sie auch für uns wieder so wirklich und leibhaft werden wie für unsere gläubigen Vorfahren, die fie als Menfchen von fleisch und Ulut in diesen wildern vor uns hingestellt haben. L s ist s e l t s a m , w i e stark dem, der offenen Herzens kommt, Kraft, M u t lind Crost aus dieser Aildorwelt entgegenflutet. And dies scheint neben aller kunstgeschichtlichen Wichtigkeit die eigentlich menschliche Vedeutung dieser Ausstellung für unsere Zeit zu sein.

Dankesworte der neuen Ehrenringträger 1. Stadtrat M a x .MapPhol; richk'tc nach dcr (tntqc ql,'nnahmc dos (thrcnrinqc'v drr Ttadt (sichc „ A m t s blatt" J u l i 1!i5)0) fola/'ndc,' Ansprache an dic Fcstvcr sainmsnnq: M e n u Manien nnd > > r ^ n ! I c h sage I h n e n , im'im' Damen nnd Herren dcö Innsbrnckcr Gcmcindcrates, besten Dank für die (thrnnq, die nur nicht allein prende nnd (henugtnnna, bereitet, sondern ans die ich mich swl^ bin. Der Herr BnrcMmeister Hal meine angeblichen Verdienste hervorgehoben Verdienste, die ich nicht als solche bewertet wissen mochte. Mich hat ein Groß teil der Wähler in den Rat der l^cmeinde berufen nnd ich babe nnr eine selbstverständliche Pflicht crfnllt, in dem ich mich dieser ehrenden Bernfung würdig ;» er weisen bemüht habe angeblich mit Erfolg. Vor mehr als 2 l Jahren habe ich das erstemal die würdigen Hallen des (Hcmeinderatssihnngssaales als srei gewählter Milberater betreten; vom ersten Tage an habc ich meine Aufgaben darin erblickt, für das Wohl der (Gemeinde nnd ihrer Ve völlenmg sachlich nnd unparteiisch zn wirten. ,^ch habe mich bemüht, nnr den (hemeindeinteressen nnd den Interessen der in dieser Ttadt Wohnenden ;n dienen. Wenn ich den Worten des Herrn Vürger meisters glanbeu darf, dann habe ich, so loie viele an

dere meiner Kollegen, in diesem Hause, diese selbstverständliche Pflicht erfüllt. Daß dies von berufener Stelle anerkannt w i r d , bedeutet für mich persönlich eine Ehre — umsomehr, als diese Anerkennung von einer Ttelle kommt, die mir weltanschaulich serne steht. I c h bin als Tozialist in den «Hemeinderat gewählt worden, habe Wohl niemals meine Politische Anschauung, niemals meine Partei, deren Idealen ich seit fünf Jahrzehnten ans innerster Merzcngnng diene, verleugnet, aber ich war mir vom ersteil Tage meiner Tätigkeit i n diesen Hanse der Tatsache bewnßt, daß hier nicht P a r t e i , sondern ans schließlich Kommunalpolitik betrieben werden darf. I c h stelle mit Stolz fest, daß das P a r leiprogramm, anf l^ruud desfeu ich kandidiert wnrde, für mich und meine >ilnbgenossen niemals ein Hindernis für eine richtige soziale nnd demokra tische l^emeiudepolitik gewesen ist. I c h war nnd bin der Anficht, daß das s o z i a l e ivi i t e in P f i u d e n, der 2 i n , , f ü r <^ e r echl i g t'e i l, der u ü e r schütlevliche W i l l e dem V 0 l k 5 g a u ; e u ', u d i e u e n, für alle das Leitmotiv für die Täligteil im Folien Hanse des Gemeinderates sein nnd bleiben mußi nud weuu ich ätritil geübt habe — nud ich habe das sehr oft uud nicht ungern getan fo hat mich hie;u einzig nnd allein das Bestreben, der Allgeilieiülieil '>ü dienen, geleitet. ^ i e m a l s !v a r e n


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f ü r ni i ch P e r s ö n l i cl, e oder p o I i t i s cl, e E r w ä g l l i l g e l l , sollderu genläß des PrograiilUles der Partei, die mich hierher entsendet hat, immer nur das Interesse des Volkstänzen maßgebend; nnd wenn mich nndemokratische Systeme zeitloeilig an der Ails Übung nieincr Pflicht als Genleinderat gehindert ha ben, so Averte ich den Umstand als den besten, Beweis dafür, daß ich anf dem richtigen Wege war. Der ans mehreren, politischen Parteien zusammen gesetzte Gemeinderat hat mir hente eine der höchsten Ehrnngcn zuteil werden lassen; ich darf Wohl auueh men, daß diese Ehruug zu gleichen Maßen anch mei nen .^llnbgenossen, deren ilnterstntznng nnd deren Vertrauen ich mich immer erfreuen durfte, gilt. I n diesem Sinne quittiere ich weinen heutigen Festtag. Meine Damen nnd Herren! M a n hat den Humor mit dem ich über die heikelste Situation hinwegzukommen versuche, hervorgehobeil. Humor ist eine Gnade, er ist Optimismus nnd wenn mich der Humor in den Zeiten des Faschismus verlassen hätte, dann — gestatten Sie nur diese persönliche Bemerkung — wäre es mir nnd meiner F r a n , der ich heute, au die sein selteneil Tage, für ihre Treue, ihreu M u t uud ihre grenzenlose Opferbcreitschaft, für Eigenschaften, die — i n : schönsten nnd edelsten Sinne des Wortes sei es gesagt — mir einem Weibe eigen sind, danken möchte, noch schlechter gegangen, als es ohnedies schon gegangen ist. Und nnn bin ich hente ill großer Verlegenheil, denn wie soll ich mich ausdrücken, nm I h n e n meine Damen nnd Herren zu sagen, daß ich die Ehre, die mir durch die Verleihung des EhrenringcS der Stadt Innsbruck zuteil wurde, zn würdigen weiß, daß ich aber auch weiß, was ich diesem Ehrenringe schuldig bin. I c h kann I h n e n eben nur sagen, daß ich meiner zweiten so schönen Heimat so wie zuvor, auch in Hinkunft die nen w i l l , daß ich meine bescheidenen Kräfte stets in den Dienst der Stadt zn stellen gewillt bill. Freilich, mit l>l> Jahren derartige Versprechnngen zn machen ist kein Kunststück, da man ja nicht mehr lange Gele genheit habeil w i r d , ein gegebenes Wort auch einzu lösen. I c h bill aber so unbescheiden oder vielleicht so leichtfertig zn glaubeu, daß mit der Verleihung des Ehreuriuges nicht znglcich ein Deuter verbunden ist, uuumehr einem anderen Platz zu macheil. I c h tröste mich damit, daß nicht Nur Mandatare zu entscheiden haben, ob w i r gehen oder bleiben, sondern daß darüber im demokratischen Sinne Instanzen zn entschei den haben, in denen ausschließlich Wähler das Urteil sprechen. Aber sei dem wie ihm wolle: im und außerhalb des Gemeinderatcs werde ich niemals vergessen, was ich nnserer Stadt schnldig bill; niemals werde ich vergessen, daß ich in dieser Stadt so viele frohe und schölle Jahre verleben dnrfte, daß die bittersten Eilt tänschttngcn, die mir nicht erspart geblieben sind, mir so recht zum Bewußtsein gebracht haben, wie herrlich unsere Stadt ist. Erst wenn man — so wie ich — ge zwnngenermaßen fern dieser Stadt das Lebeil fristen mnß, weiß man, was Sehnsucht nach der Heimat be dentet. I c h w i l l aber anch im und außerhalb des l>)e meindcratcs niemals vergessen, daß es eines Bürgers der freieu, sozialen nnd demokratischen Republik bö

ste Aufgabe ist, dem Wohle der l^esamlheil nnd dami! der Republik, die das östcrr. Volk mil Blulopfev ev kämpft hat, geioissenhaft, verailtlvortungsvoll nnd mil ganzem >>er',en ;n dieneil. I h n e n , sehr geehrter Herr Bürgermeister, sage ich besonderen Dank für I h r e freundlichen Worte; Sie, >>err Bürgermeister, uud ich, w i r beide stehen wohl nicht im Gerüche, uns Politisch nahe zu stehen, aber ich glaube sagen zn dürfen, daß uns demokratische- An schannngM und soziale Einsicht niemals auseinander gebracht haben. M i t meinen politischen Frennden, de sonders aber mit meinem persönlicheil Frennd, Vi;e bürgermeister Flöckinger, der das Wagnis der 'Antrag stcllnng anf sein Haupt geladen hat, werde ich mich ja noch anscmandersetzen müssen, ob die Fraktion wohl getan hat, als fie mich für diese Ehrung in Vor schlag gebracht hat; und I h n e n meine geehrten Damen lind Herren der anderen Richtnng Null ich in aller Aufrichtigkeit noch einmal sagen, daß ich nichts nnterlassen werde, diese Ehrnng anch zn rechtfertigen. Freilich, Anhänger grundverschiedener Auschauuugen bleiben nur trotzdem und wenn es die Notwendigkeil erfordert, lind nur — soweit dies überhanpt möglich ist — nils ill dell Haaren liegeil sollten, dann soll das keine persönliche sondern weltanschauliche Angelegenheit sein, die eben sehr oft ohne Glace Handschnhe ausgetragen werden mnß. I c h null aber hoffen nnd an nehmen, daß anch solche Auseinandersetznngen nichts anderes zum Ziele habeil, als das Wohlergehen der Bevölkernng, deren Interessen nur zu vertreten haben. I c h stehe nun in der Reihe der Träger des Ehren riilges der LandeIhanptstadt Innsbrnck an 1b!. Stelle. Diese Tatsache erfüllt mich mit Stolz, der umso grö ßer ist, als ich der erste sozialistische Mandatar bin, der dieser hohen Anszeichnnng teilhaftig wurde. I n meiner persönlichen Ehrung e r b l i c k e ich d i e E h r u il g d e r a r b e i t e u d e il B e v o l t e r il n g,

deren Klasse ich entstamme nnd zu der ich mich immer stolz bekannt habe. Daß ein Angehöriger des werkta tigen Volkes diese seltene Auszeichnung erhalten durfte, ist Beweis dafür, daß im Innsbrncker (^e meiuderat die Demokratie Einzng gehalteil nnd daß die Tätigkeit anf dem Gebiete der sozialen Gerechtigkeit Anerkennung gefuuden hat; das ist für mich, der seil meiner Iugeud dem sozialen nnd wirtschaftlichen Vorwärtsslveben gedienl habe, die besondere l^eilng tllililg.

Wenn der Herr Bürgermeister anch einige Worte über meine gewerkschaftliche, also über meine Tälig keit anf dem l^ebiete der Sozialpolitik gesprochen hat, dann möchte ich die anerkennenden Worte mit der Feftstellnng quittieren, daß es eines Gehalt oder Lohnempfängers schönste Angabe ist, seine Pflicht in der ^iewerkschaft zn erfüllen. Das Bewußtsein, diese Pflicht einigermaßen erfüllt zu habeu, macht das ^e beil kbenswert. Über meiil Leben zii sprechen, kann ich mir Wohl ersparen. Es war das ein ^eben eines Sohnes linder reicher Eltern, das Leben eines Spenglerlehrlings, der nach einjähriger Herrlichkeit das Gebell eines kauf männischen Lehrlings schöner sand uud der schließlich seil vier vuiln",ebn!en der sozialen Sicherheit dienl.


der Landeshauptstadt Innsbruck

Nummer

Ansonsten habe ich mich lamichi, der gnlen Velive ineiner Äintter zn folgen und minder m lieben, das Alter 5» schalen und ;n achten. I m ^alife der Zeil habe ich mir dann selbst noch eine ^ehre gegebeil die da lanleü liebe, schäle nnd achte die Kranen, Wie loeil ich die kehren meiner ^intter befolgt habe, tann

ich nicht so ohneweiteres sagen, sicher ist nur, daß ich meine eigene Lehre restlos befolgt habe nnd mich be ulühe, anch weiterhin nach dieser Lehre ;n leben und zwar nicht allein, loeil die Kranen ioeben nnd flechten, sondern nnd vor allein weil sie nns das Leben schen ten. D a '5 (^ < ü ck d e r >i i n d e r, d i e W ii r d e d e r ?v r a n n n d da 5 s i e c h t de'5 A l t e r s geheil mir über alles, anch wenn es Binder, Kranen nnd Eltern von Menschen sind, die mir nnr schlechtes getail habeil, dieser Gesinnnng bleibe ich anch die kommeuden ,z>wei oder drei Jahrzehnte, die mir noch ',nm Leben bleiben, tren. Und nnn, danke ich nochmals nnd möchte nicht schliefen, ohne dem herzlichsten nnd aufrichtigen Wnilsche Allsdrnck zil geben, daß der Stadt Innsbruck nnd seiner Bevölkerung schöne nnd verheißungsvollere Zeiten beschieden sein mögen.

II. Präsident D r . Ernst D u r i g erwiderte mit folgenden Ausführungen auf die ihm zu seinem N(). Geburtstag zuteil geioordenen Hochverehrter Herr Bnndesminister! Damen nnd Herren!

Sehr

geehrte

Sie sehen mich zutiefst 'bewegt durch die Ehrungen, die mir aus Anlaß der Vollendung des R). Lebens^ jahres zntcil geworden sind. Der Herr Bnndesvräfi dent hatte die besondere (Hüte, ein i n wärmsten Worten gehaltenes Schreiben an mich zu richten. Der Herr Bundeskanzler nnd der Herr Vizekanzler haben mich mit (Wlckwnnschschreiben geehrt, vom Ver fasfnngsgerichtshof nnd vom Verwaltnngsgerichtshof sind »tir Adressen zugekommen, die meiner Zngehö rigkeit zu diesen Gerichtshöfen ehrend gedenken; dazn nngezähltc Schreiben ans fern uud nah. Nnd heute bereiten mir die Justizverwaltuug, die Stadt I n n s bruck und das ^erdinandeum eine Ehrnng, die schon dadnrch, daß der Herr Bnndesminisler für Ilistiz D r . T scha d e k, der Herr Erste Präsident des Obersten Ge richtshofes D r . Ströbele nnd der Herr Vizepräsident des Verfassungsgerichtshofes D r . Zigeuner Persönlich von Wien zn ihr erschienen sind, sowie dadnrch, daß sie in diesem schönen ^aale stattfindet, eine Beden lung erhält, die weit über mein bescheidenes Wirken hinausgeht. I c h tann alleil, die sich nm die Veran slaltnng dieser ^-eier bemüht haben nnd sie durch ihre Teilnahme verschönen, nnr von Herzen dankeil. Mein Wnnsch wäre es gewesen, den hentigen ^ag volllom men unbewerkt, abseits von allem l^elriebe zn bege hen. I c h war freilich fchon feil einiger Zeit nicht mehr gan; sicher, daß der Wnnsch sich erfüllen lassen werde. Die Worte, die der Herr OberlaudesgerichtsPräsi dent Dr. Widmann, der Herr Iufli;minisler, der Herr Vizepräsident Dr. ^igenner, der Herr Vibliotheksrat D r . Hochenegg namens des Heimatschntzvereines nnd Herr D r . Oswald Graf Trapp namens des Ferdi

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^ au mict, ;u richieu so g>uig »oaren, zeichne ten von mir cin V i l d , in den» ich mich selbst kamn wiedererkenne, l^'s deckt sich durchaus uichl mit dem, ivas ich selbst von mir Halle. >3o drängen sic!) mir n>> willkürlich die Worte des Hans Sachs ans den Mei slersingern anf, „ M i r macht I h r ' s schiver, I h r gebt mir Armen mviel Ehr". Der Herr V n n d e s in i n i st e r f ii r >" n st i ; l>ai meiner Tätigkeit bei der I n s t i ; , die eine ^eil spanne von über ll> Jahren, darunter mehr als ^<l Jahre im Instizministerinm, umfaßt, rühmend gedacht. Nicht ans innerer Vernfnng, wenigstens nicht aus einer, die mir bewußt geworden wäre, bin ich zum Nicbteramt gekommen. Vei meinem Eintritt in die Gerichtsprar.is beim ^andesgericht in Innsbruck dachte ich zunächst nur daran, eiu B i l d vou der praktischen Anwendung des auf der Hochschule Erlernten zu gewinnen. Doch schon in den erstell Mollateli ist mir bewnßt geworden, daß ich im Nichteramt meinen Lebensbernf finden werde. Wer sich dein Nichterbernfe mit Überzcngnng znwendct, bleibt ihm zeitlebens verhaftet. Es ist nicht vergriffen, voll einem ci^rai^ter in6e1ed»i1Ì5 ,n fpre chell, der dem Richter unveräußerlich anhaftet: Nnhige Abioägllng des ^ ü r und Wider, nnverbrüchliche Ausrichtung auf das dem Gesetz, dem Gebote der Gerechtigkeit, dem Rechtsempfinden Gemäße w i r d stets sein Leitstern sein. Anch wenn es sich fügt, daß ein Richter im Bereich der Justizverwaltung, besonders bei der Vorbereitnng von Gesetzeil Verwendnng findet, wird er seine Richtcrnatur uicht verleugnen. Er wird namentlich, wozn ich wiederholt Anlaß hatte, einer Auffassung entgegentreten, die das Bedenken, eine Vorgeschlagelle Gesetzcsnorm verlange Unmögliches, mit dem Hinweis zerstreuen möchte, sie werde doch nicht befolgt werden; nichts ist mehr geeignet, die staatliche Antorität zn zerstören, als Gesetze, die mit ihrer regelmäßigen Ilbertretnng von vorneherein als mit etwas Unvermeidlichem rechnen, oder Gesetze, die mit dem allgemeinen, Rechtsempfinden ill offensichtlichen Widerspruch geraten sind. Die Unterschrift auf dem Zengnisse über meine, Richtcramtsvriifung war noch nicht trocken, als ich — nach heniigen Begriffeil ein Hilfsrichter — mit der ^ührnng der Übertretungsabteilnng des Bezirksgerichtes Innsbruck betraut wurde. Beim Bezirksgericht in Lienz lernte ich den gefamten (Geschäftsbetrieb eines ländlichen Bezirksgerichtes kennen, was mir später sehr zustatten kam. A m l . A p r i l lttlM, angerechnet am >. April ^ überraschte mich meine Einberufung ins Instizniini sterium, die mich dann über 2<> Jahre festhielt. Es war keine leichte, aber eine unvergleichliche Schule, die dort meiner harrte. Meinem ersteil (5hef, dem dama ligen Minislerialrat, später Oberlandesgerichlsprä sidenten in Innsbruck, Baron E a l l , verdanke ich die erste Einführung in den Geschäftsbetrieb des Justiz minislerinms. I c h verehre iu ihm eine Persöulichteit von höchster l^eistigkeil nnd vornehmster Gesinnung,' mir wurde er ein warmfühleuder Gönner, der mir bis ;n seinem allznfrühen Hinscheiden frenndschaftlich zngetan war. I m Jahre l'.Mi? wnrde ich dem allgewaltigen ^ektionschef ^ranz Klein, dem genialen I u -


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riften und anerkannten Meister der ^x t'nnst unmittelbar unterstellt. I c h kam sonnt, noch nicht 82jährig, de facto in die Stellung eines legisla tivcn Referenten für süchtigste Materien. Es war leine kleine Anfgabe, denn es galt, selbständig mit allen anf tauchender Fragen fertig zu werden; ein vorheriges Anfragen nm Weisungen kam nicht in ^-rage. Die Tätigkeit uuter deui auf Klein folgenden Sek' tionschcf nnd spätern Äiinister D r . Schauer spielte sich in viel einfacheren f o r m e n ab. Sie war ebenso Schulung nnd Anregung als fruchtbare Zusammen arbeit. Die hohe Zeit meiner Tätigkeit im 3ustiZministerium fällt in das Jahrzehnt zwischen 1914 und 1935. Sie liegt heute weit Zurück' der jüngeren Zuristengeneration ist davon kaum mehr uom Hörensagen etwas bekannt. Wenn ich den Schrein meiner Erinnerungen an jene Zeit öffne, quillt daraus ein Gewirr oon Schatten und Gestalten heruor, die, durcheinander wirbelnd, an die Szene im zweiten Höllenkreis uon Dantes Divina Commedia erinnern. Der Herr Minister hat bereits jene Zeit ermähnt. Ich möchte nur eine Episode als charakteristisch anführen, die erste Stundungsuerordnung, die am späten klbend des 31. Juli 1914, am Tage der Kriegserklärung Rußlands, auf Verlangen der Ungarischen Regierung in kaum Zwei Stunden entworfen werden und non Seiner Majestät genehmigt sein musilo. Ausbau und Nbbau der Stundungsoorschriften haben sich dann bekanntlich durch die ganzen fünf Kriegsjahre fortgeschleppt. Von weiteren Arbeiten aus jener Zeit Zu sprechen — Zum Teil hat der Herr Minister ihrer Erwähnung getan — würde nie! Zu weit führen.

V a s J a h r 1!)25 brachte mir die Ernennung zum Oberlaudesgerichtsvräsideuteu in Iuusbruck uud da^ mit die Erfüllung eines lang gehegten Herzenswunsches. Nach meiner Ministcrialzeit — znlctzt waren mir als Sektionschcf die gesamten Agenden des I n stizuunisterinms mit Ansnahme der anf strafrechtlichem (Gebiete liegenden anvertraut — bedeutete mein ueuer Wirkungskreis in Innsbrnck eine grüne Insel. I c h hatte die. besondere Gcnngtnnng, das; die knrz zuvor "verfügte Eingliedernng des Landes Salzburg in den Innsbrncker Oberlandcsgerichtssprengel wie eine Morgengabe erschien. Tie Maßnahme hat sich für beide Teile vorteilhaft ausgewirkt; für den I n n s brncker Oberlandesgerichtsratssprengel, weil sie ihm nach der schmerzlichen Einbuße durch die Abtrennung der Gebiete südlich des Brenners einen gewissen Ausgleich bot; aber auch Salzburg hat gewonnen, weil es im Gefügc des Wiener nicht viel mehr als ein Anhängsel darstellte, während es von Innsbrnck ans mit der gleichen Sorgfalt be trent wurde wie T i r o l und Vorarlberg. Anch die Nichter in Salzburg haben dies dankbar auertanu!. I c h mochte uur wünschen nnd hoffen, daß fchon bald die Hindernisse übcrwnnden sein mochten, die die Un terstellnng Salzburgs nnter Linz herbeiführten und sie anch gegenwärtig noch aufrecht erhalte». Tie Tätigkeit beim Oberlandesgerichte bereitete nur hohe Genngtnung. Es fronte mich, mit der Nechtssprechnng wieder in unmittelbare Berührung zu kommen. M i t den 'Verwaltnngsgeschäften war ich Dom Instizministerinm her genaneslens vertraut, weil sie mich dort seit einem Vierteljalirhnndert beschäftig! hatten. Es war mir dank meiner Beziehungen zu den Wiener Zentralstellen anch beschieden, manche Ver

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bessernngen zn erreichen, die seil wahren fällig waren. Tie Teilnahme von zahlreichen Nichtern nnd nicht richterlichen Beamten des Oberlandesgerichtssprengels an der hentigen ^eier ist mir ein Beweis mir bewahr ter freundlicher Erinnerung, für den ich zn wärmstem und aufrichtigstem Tank verbunden bin. Nur zwei Momente möchte ich im Zusammenhang nocb kurz streifen. I n die Halbzeit meiner Tätigkeit beim Ober landesgericht fällt meine Berufung an die Spitze des Verfassungsgerichtshofes, die mich nicht weniger über raschte als seinerzeit die Einberufung in das I n s t i ; Ministerium. A n ihrem Ende steht meine Ernennung znm Präsidenten des Bnndesgerichtshofes. Tiefe beiden Ämter fielen nur zu, ohne d^iß ich daran irgend einen Anteil gehabt halte, wie durch Fügungen eines gütigen Schicksals. Meine bernfliche Lanfbahn erreichte damit einen Höhepunkt, eiue außer jeder menschlichen Voraussicht stehende Krönung. Tankbar gedenke ich meiues Wirkens bei den beiden Gerichtshöfen des öffentlichen Rechtes uud meiner Kollegen, die mir jederzeit vertrauensvoll entgegen kamen und helfend znr Seite standen. T c m Herrn B ü r g e r i n e i st e r der Landes hanptstadt Innsbruck gestatte ich mir den aufrichtig steu und verbindlichsten Tank für die mir namens meiner Vaterstadt überbrachten Glück wünsche znm Ausdruck zu bringen. Ganz be sonders habe ich für den nur vom Gcmeiuderate verliehenen Ning der Stadt Innsbrnck zn danken. T a m i t wird mir eine Ehrnng zn Teil, die ich in vol lem Maße »verte. Ninge sind das sichtbare Zeichen der Verbundenheit nnd als solches Zeichen der Verbnn denhcit ist mir dcr Ning, den mir meine Vaterstadl verliehen hat, besonders teuer. Ich suhle mich mil Innsbruck auf das eugste verbunden. Hier geboren zu eiuer Zeit, als Iunsbrnck noch eine recht beschei dene Kleinstadt mit kanm zwanzigtansend Einwoh nern war, wo beispielsweise der Blick von den ^en stern meines Geburtshauses an der Stelle, wo jetzt die Universitätsapotheke steht, ' ungehindert über Maisfelder bis znr Wiltener Pfarrkirche schweifte, habe ich die ganze Zeit der Entwicklung bis zur Groß stadt miterlebt. I n Iuusbruck wuchs ich auf, hier be suchte ich die Schnlen bis zur Beendigung der Hoch schnlstudieu. Beim Landesgerichle Iuusbruck trat ich in den I n s t i zdienst. Auch während der Jahre meiner Dienstleistung im ^ustizministerinm kehrte ich Jahr für J a h r , soweil nicht Kriegs nnd Nachkriegsjahre mich ununterbrochen in Wien festhielten, im Sommer nach Innsbruck oder in dessen nächste Ilmgebnng zn rück. >3eit ich vor ^"> Jahren als Präsident des Ober landesgerichles ganz hierher zurückkam, ist Iuusbruck mein ständiges Tomizil geblieben, und zwar anch während meiner Bernfung mm Bnndesgerichthof, da es mir gestattet wnrde, meinen Aufenthalt zwischen Innsbrnck und Wien in < Itägigen Zeitabschnitten zn wechseln, ^ o darf ich mich wol,l m>! Necht als hier uubediugt bodeusläudig bezeichnen. Teu Ning der Ttadt Innsbrnck werde ich stets boch in Einen hallen und stolz mein eigen nennen. Herr ^taatsbibliothekar T r . H o ch e n e g g bat mir die l^riiße nnd Wünsche des T i r o ! e r H e i m a I schntzv e r e i n s überbracht, für die icli her'.Iichsl danke. I c h will nicht verbeblen, daß mich gegenüber


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HennaljclinNverein milnnler ein ungutes f befchleicht, das Gefühl, daß ich il)in neben llieinem an derell Pflegekinde, dem ^-erdinaildellm, nicht die gebül, reude Anfmevtsaiukeit scheute. (5's ist aber schon einmal so, dasz die ^3orge der Eltern in erster Linie dein K i n de gilt, das der Vetrennng ain »»eisten bedürftig ist. lind dies war beim "verdinanDenm allerdings der ^ a l l ! Ohne >>eim stand es da, als ich im ^ahre !'.»!«', mm Vorstand gelvähll »vnrde. ''lll die schönen ^acl,en, an denen es seine prende hatte, waren il>m genom men, lagen geborgen, verborgen, da nnd dortlnn ver flrent. l^'s ivar gelvis^ eine vordringliche Aufgabe, darin einen Wandel vorzubereiten. x^m Vergleich mm ^-er dinandenni erfreute sich der Heimalschnhverein im merhin insofern eines gesicherteren Daseins, als die Heimatschntzidee dank der in den vier Jahrzehnten seines Bestandes geleisteten Werbetätigkeit — insbe sondere den Herrn Kommerzialrat Zimmeter darf ich hier nennen — Gemeingut weitester kreise geivorden

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(5s erübrigt mir nnn noch, 'dem F e r d i n a n de u !!I ;u danteu, das all der Veranstaltnng der heutigen ^feier entscheidend beteiligt ist und mich durch die Verleihung der iHhrenmitgliedschaft ausgezeichnet hat. Ich will dahingestellt sein lassen, ob mir diese Ehrnng, zn Recht zukommt. Es mögen wohl vier Jahrzehnte sein, seit ich dem Ferdinandeum als M i t glied angehöre. Darin liegt aber kein Verdienst. Tie Stelle des Vorstandes bekleide ich erst seit dreieinhalb Jahren. Es ist richtig, in diese Zeit fällt der nun glücklich vollendete Wiederaufbau des Museumsge bäud es. Das entscheidende Verdienst daran gebührt aber den Stellen, die die nötigen Mittel beigestellt haben, namentlich dem Lande Tirol und der Stadt Innsbruck, auch dem Uunde und nicht zuletzt der Sparkasse. <5s gebührt ferner allen, die an den Wiederaufbauarbeiten unmittelbar, sei es leitend, sei es werktätig schaffend, beteiligt waren. Meine Mitwirkung war naturgemäß eine solche gewissermaßen am Rande. Sie hat mir uie! ßreude gemacht. Darin, daft das Werk, wie ich glaube, gelungen ist, sehe ich den schönsten Lohn, der mir Zuteil werden konnte. Heute steht das M u seum wieder da als ein schmucker Aau im neuen Kleide,

vielfach uerbessert, zweckmäßiger ausgestaltet und bereichert durch de» schönen Saal, in dem wir lins befinden' heute auch noch belebt durch eine Ausstellung, die allgemein als ein einmaliges Ereignis gewerlet miro lind auf jeden Nesucher einen überwältigenden ciindruck macht, überwältigend durch die Hülle i,„ft hie Bedeutung der zu einer Geslünlscholi vereinigten Kunstwerke, überwältigend aber iwr allem darin, daft sie zeigt, was in Tirol im ausgedehnte» Mittelalter in einem zeillich lind örtlich eng begrenzten )vaum geschasse» wurde, eine Leistung, die zu rückhaltloser Bewunderung herausfordert. Dank den Leihgaben, die den» ßerdinandeum gewisfermaften als patenangebinde 3»r Wiedergeburt alis fern lind nah in reichstem Mafte zukamen, strahlt die flusstellung weithin über die Grenzen des Landes hinaus einen Glanz aus, von dem ein Schimmer auch dann zurückbleiben wird, wenn die Leihgaben wieder an die gewohnten Orte zurückgekehrt sind, einen Glanz, der dem §erdinandeum einen uornehmen Rang unter seinen Schwesteranstalten sichert.

Zusammenfassend lassen 2ie mich zum Schlüsse noch folgendes sagen: M i r find in meinem langen Leben nnd in einer langen beruflichen Laufbahn Erfolge uud Ehrungen zuteil geworden, die weit über das hinausgehen, was nur an der Wiege gesungen wnrde, weit über das, was selbst ill kühnsten Träumen ich mir hätte einbilden können. Vielfach berichten sie auf Zufälligkeiten, ans ^fügungen, die ich nur dem Walten eines gütigen (Geschickes znschreiben, für die ich nur zutiefst dankbar sein kann. Was ich mir selbst als Verdienst zuschreiben kann, tritt weit dahinter zurück. Ich erblicke auch nicht in den mir zugefallenen Ämtern und Würden, ill den mir gewordenen Auszeichnungen den eigentlichen, wertvollsten Erfolg meines Lebens. Das höchste Glück, das mir zuteil wurde, sehe ich vielmehr darin, daß ili allen Kreiseil, ill die ich hineingestellt wurde, mir ein reiches M a ß von Vertrauen, voll Sympathie, von freundschaftlicher Zuneiguug, uvll dauernder Auhäuglichteit und frenndl icher Erinnerung entgegengebracht wurde. Auch i n der heutigen Feier darf ich einen neuen Beweis dieses Vertrauens, dieser Nchtnng, dieser S y m pathie erblicken uud gerade darum und dafür sage ich I h n e n Dank ans tiefster Seele und voll ganzem Herzen.

Innsbnlckmnstudiertmit Stipendium iu Amerika I m Herbst 194« wurden die Schüler und Schülerinnen der ?. Miltelschlilklassen Österreichs daoon verständigt, daft sie sich an einem Preisausschreiben in englischer Sprache beteilige» kö»»en, oo» welchem das Unterrichtsministerium die Mittelschule» über den Landesfchulrat in Kenntnis ge seht hatte, (fusabeth t) o h e n a u e r, lgebore» 19Z5? in Innsbruck!, Schüleri» der ?.b Klaffe dos ^lindesrealgijin nasiums für Mädchen, beteiligte sich als einzige 3nns bruckerin. Insgesamt nahmen über 4000 Bewerber lion Id? österreichischen Mittelschulen an dem Preisausschreiben teil. Zur Feststellung der sigming muftten alle Bewerber einen, Nufsah über das Thema „Die Welt, wie wir sie lins wün schen" in englischer Sprache einreichen. Zehn Arbeiten wurden in die engere Auswahl gezogen, darunter die von 6. 5). Zwei prüfungsflellon lInnsbruck' Wien, Unterrichts' Ministerium) prüften die Interessent!!, sorgfältig und sie erfüllte die notwendigen Anforderungen. Die zwei ersten preise, ein Klug »ach New M r k , »erblinden mit sechswö

chigem klufenthalt, wurden den beiden allsten Teilnehmern zuerkannt. M r . t)arold C. h o w l a n d, ein Vertreter des amerikanischen Lrziehungsmesens in Österreich, machte c>. l,?. aufmerksam, sich um eines der uier Stipendien — ein Jahr ssinerika — welche uom klnierikanischen l''i(.'Il,l ^ i - v i c r l /X. I''. ^,) vergeben werden, zu bewerben. 3m Mai 1949 erhielt L. l). den Bescheid, daft sie für ei» Stipendium des ^ . I'. 5. für das Schuljahr 1949 50 an das Internat der V^05tovcr 5c!,(X)I in /^iäctlV'I-n>>'>,', ( cnnccticlit, ausge» mahlt wurde. 6. 5). muftte fich mehreren eingehenden An» lersuchllngen in Innsbruck und Salzburg unterziehe», wo sie auch das amerikanifche Nisum bekam. Mn 29. Mlguft 1949 kam der Tag der klbreife- die 5ahrt Iinisbruck<!5afeI'N(il'is<Le Nanre wurde im Schlafwagen zu» rückgelegt, von da machte 6. l). die Überfahrt mit dem ,,Ma« rine>Tiger", einem hübschen, modernen Schiff über Sollt» hampton nach Rem U,ork. Das Schiff war hauptsächlich für Studenten- es hatte 584 paffagiere an v o r d , dauon 400


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amerikanische Studenten, die von ihrer C uropareise zurlick kehrten, und andere, die Zu Studionzwocken nach Amerika kamen, ein wahres Völkergemisch: zranzoson, Rorwogor, Zinnen, Österreicher, philippinos usw. Das Schiss mar sehr bequem und komfortabel eingerichtet, die Verpflegung ausgezeichnet. Zum frühstück gab es Z. B.: Cier, Schinken, Milch, Kaffee, Kakao, Toast, Butter, Marmelade und u, a, cnich Kartoffel und Kompott. Die Zeit wurde mit Kinouorführungen und Tanztees uer kürzt. Am 8. September landeten sie wohlbehalten in Rom Uork. C. 6. wurde von Offizieren des kl. ß. S. empfangen. Sie fuhr am selben Tage weiter nach Kingston, wo sie von Mädchen des Prisma-Llubs begrüßt und in den Club eingeführt wurde. Die Prisma-Gesellschaft ist eine Vereinigung von jungen Mittelschülerinnen aus Kingston, welche auch 750 Dollar für den Unterhalt non c5. h. beisteuerte und die ßerienaufenthalte arrangierte. Vis zum Schulbeginn war C. h. Gast in den ßamilien der Prisma-Mädchen. So hatte sie auch Gelegenheit, Cinblick in das amerikanische Leben Zu tun und sich mit ihm etwas vertraut Zu machen. 6s gab für die junge Innsbruckerin viel Heues und Interessantes Zu sehen wie die Wolkenkratzerstraften, die ßülle der Wägen, das ßernfehen usw. „ h i e r scheint jeder einen Wagen zu besitzen und ich fahre mehr, als ich gehe", schrieb sie. Doch nahm sie nicht alles kritiklos hin und meint, die Crfiudung des Fernsehens müßte verbessert werden, da es immer so aussehe, als ob es schneie. Reu war ihr auch der Ablauf des Radioprogrammes, bei dem es z. V. mitten in ein Detektiuhörspie! nach einem Hilfeschrei des Opfers aus dem Lautsprecher tönt: „And was aft der Mörder am liebsten? Rubinsteins Nudelsuppen sind die besten" usw. Von Kingston aus hatte 6. 6. Gelegenheit, nach hljdepark Zu fahren und besuchte dort das Grab des Präsidenten Roosevelt sowie dessen heim und Bibliothek. Am 20. September 1949 zu Schulbeginn landete sie an ihrem endgültigen Bestimmungsort, der Westouerschule in Middleburu.. Cs handelt sich hiebei um ein Internat für junge Mädchen, welches an das Prinzip der englischen Colleges erinnert. Die Schule hat Platz für etwa 150 Schülerinnen und ist mit allem Komfort eingerichtet. Cs gibt ein eigenes Krankenhaus, Kapelle, Tennisplätze, Musikzimmer, ein Postamt und eine kleine Verkaufsstelle. Auch besitzt die Schule Zwei grofte Omnibusse, mit welchen die Mädchen Ausflüge unternehmen können. Die Mehrzahl der Schülerinnen stammt aus zum Teil sehr reichen Häusern wie Z. V. Rockefeller, Dupont-Rljlon, Armer. I n der Schule wird eine sehr kleidsame Uniform, bestehend aus khakifarbenen Kleidern mit schwarzem Gürtel und Krawatte, meiftem Kragen und braunen Schuhen getragen. Abends sind weifte Organdu,kleider vorgeschrieben. Cs gibt dann noch eine Tennis-, eine Turn- und eine Ausgehdreft. Zum Wochenende dürfen die privatkloider getragen werden. I n den amerikanischen Mittelschulen können sich die Schüler die Gegenstände wählen. Die Schule hat nur vier Jahrgänge: Kreshmen, 6ophomos, Juniors, Seniors. Der Montag ist immer schulfrei, Typisch für Amerika sind die häufigen Interviews, wobei die junge Tirolerin selbstverständlich immer wieder photographies wurde. Groften Anklang fan,d auch die Rede, die 6. h. in ihrer heimatlichen Tracht vor den Prisma-Mädchen in Kingston hielt. Ihre Ausführungen behandelten u. a. die Unterschiede zwischen dem amerikanischen und österreichischen Schulwesen. Merkwürdig berührte es unsere Welt, reisende allerdings, daft einzelne nicht wuftlon, wo Tirol liegt und welche Sprache dort gesprochen wird. Sie ver muteten auf Grund der guten Cnglischkonntnisse von C. h,, daft die Umgangssprache in Österreich das Englische sei. Sehr feierlich waren die Weihnachtsfeiern im Internat: es wurden Theaterstücke in Deutsch, Englisch, Spanisch und französisch aufgeführt, (kin Original alt-englisches Spiel ge sie! C. 5). besonders gut, es gab darin keine Bühnendckora !,on, sondern es wurde (wie zu Zeiten Shakespeares! ein

page ini! einer Tafel auf die Bühne geschickt, aus wacher z. B. verzeichnet stand: „Dies sei der Hof des herodes." Vor dem Rathaus gegenüber der Schule war ein Thrift bäum aufgestellt und dort sangen die Schülerinnen mich altem Brauch Weihnachtsliodor für die Bevölkerung, Anfang Februar war in der Schule eine „Prüfungswoche"' es ist während dieser Zeit kein Unterricht, sondern es fin den nur schriftliche Prüfungen in allen Gegenständen statt. Wenn eine Schülerin in einem §ach durchfällt, wird sie hievon durch eine Rotiz verständigt. I m zweiten Semester begann C. h. mit dem zweiton Spanisch-Lehrgang l^.', Jahr), Cs wird in Amerika sehr spät mit dem Unterricht der Fremdsprachen begonnen, daher sind die Unterrichtsmethoden wesentlich leichter als bei uns. Ein interessantes Crlobnis schildert ci. H. in einem ihrer Berichte und zwar den Besuch des amerikanischen Dichters Thornton W i l d e r in der Westouerschule, dem Autor des Stückes „Die kleine Stadt", welches auch in Innsbruck aufgeführt wurde. Th. W. erzählte, daft er zweimal in China war, dort in eine deutsche Schule gegangen sei un<d Deutsch gelernt hat. Cr war auch in Innsbruck und Südtirol, aber bereits vor dem Krieg. C. h. schickte einige Ausschnitte aus der Schülerzeitung der Westover School, in welcher unter dem Titel „Österreich spielt, singt und schreibt" ein Interview mit C. h. erschienen war, ein kurzer Auszug aus ihrem Leben mit einem sehr netten Lichtbild. Durch das Cngegenkommen des AßS. bekam C. h. über ihre Vitte eine Eintrittskarte zu „Lohengrin" in die Metropolitan-Oper in die Loge einer 8Z Jahre alten Dame, welche den vier eingeladenen Mädchen von ihren Reisen um die Crde erzählte- diese war auch mit 16 Jahren in Innsbruck, lobte in Frankreich und Australien und gründete nach ihrer Rückkunft nach Row Uork dort eine Musikschule. Zu Seinestsrschluft wurden wieder einige Theaterstücke aufgeführt und Zwar in englischer, französischer <Towaritschs und spanischer lNschenputtels Sprache. Auch der Gesangsclub hatte viel zu tun. Rachdom C. h. ihre Semesterferien in Woodstock, Kingston und Shockan bei amerikanischen, deutschen lind russischen ßamilien verbracht hatte, kehrte sie wieder in die Westover School zurück. Am Ostersonntag veranstalteten die Lehrkräfte und Schülerinnen gemeinsam eine Ostereie'rjagd und andere Spiele. Bereits um fünf Uhr morgens zogen die Mitglieder des Gesangsclubs mit Laternen singend durch die ganze Schule. Am Rachmittag war ein gemeinsamer Gottesdienst für die Angehörigen sämtlichor Konfessionen. I n der folgenden Woche hielt ein Professor der Columbia-Universität im I n ternat einen Vortrag über amerikanische Auftonpolitik. Cr hatte während des ersten Weltkrieges in der ÖsterreichischUngarischen Armee gedient. Cine der nächsten ßoiorn war sämtlichen Schülerinnen gewidmet, welche einmal die Westover School besucht hatten^ alle, denen es möglich war, kamen alif Besuch. I n dieser sogenannten „AlumnaekonserenZ" machte die Leiterin der Anstalt, M s . D i I l i n g h a m, die Mitteilung, dast ab dein kommenden Jahr in der Schule alle Schülerinnen ohne Rücksicht aus Glauben, Religion oder Rasse aufgenommen würden, das hoiftt, auch Regerinnen und Jüdinnen. Sehr feierlich wird in den Vereinigten Staaten der Mut« tortag begangen. Bei dor Muttortagsfeier in der Westover School fang C. h. das Mutterlied von Cdmund C u, s I o r. Von einer Zusammenkunft allor Schülerinnen von penfio» naton in Connecticut zu einem Sängerstroit schreibt C, h.: „Mich hätte fast der Schlag getroffen, als dio orsto Schule ihren Schu!gesang orhob, es war nämlich zu dor Melodie dor derzeitigen österreichischen Bundeshiimne. Cs folgten nun die schriftlichen Abschluftarbeilcn, Jode Schülerin konnte ein Thema lüber ein sozialos Problem llswj wählen, C. h. schrieb eine 28 grofte Seiton lange Ar< .beit über „Rassen lind Cinwanderer in den Vereinigten


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Staaten". Nälirend der „eram>week" I)at<e <k. 5 . jeden 5ag priifunssen lind zwar >„ !lS,<<3esch!ch<e. Spanisch, snqlisch, ^.'alein, zranzösisch, Matlieinali^, zeil^enossisdie ^ileralnr nsw, ^ c i der „GrcioixNion" Ilinqescüir ?Ncilnrdj Schill e rin ein „ D i z i o n i ' . M s M'schNch des eine Heier , „ i l 3IielNer(NissliIirnnqen in uerschiedenen Sprachen in Nnwesenlieil der Eltern sllUl, l>n>>erde>n solqle eine sinladunq in ein knadeninlerno! mil iNiendessen ilnd 5anz, 0el Nlischied non Neslouer School lie! <l. l), ein wenig

Heile schwer. Sie snln' nach Rcw tjork nnd w>'I,n<e bei einer Dame des kl^S,, der siir die Studenten wieder verschiedene qeplanl Ijlille wie einen ssenleinsonie» 6(ir!!oN'l,)oteI. Nnsch>ie>,end snlu' <l. !,'), slir i lxincislon und donn ^iirlick nach New Ijork, eine non wo ans 40 Sllidenlen noin ss^S, eine Mltolinssaln't für ^4 3age durch Nordamerika anlralen, ssni ^7, 3n!i 1950 schiele l>ch ^, l), )nr heimreise ein. p. l).

Die Briefkästen in Innsbruck Bon Wilh. Eppachcr ü^'l üian öfttrv von dcv ^lnsiihliinq dcr in Qstl,'rr^ich qorado vor ! W ^ahrcn. s hat damals dicsc Ncncrilng im A'sauiten Postlvcson cincn gcwaltiqcn Anfschlvnng hcrbeigeführt. War das korrcspondiorcndc Pnbliknm choinalö nnv schr iicrinss, so fingen, da dio Vornrteilr st^icn dio ^'rcmkk'rnn,q der Briefe mittels Briefmarken all mählich qeschwnnden, alsbald lvciterc Kreise an, ihre ^cachrichtenitbcrnnttlnncz der Post anznvcrtranen. Der Briefversender trug dann höchstpersönlich sein eben abgefertigtes Schreiben ^nr allgemeinen Poslanfgabe stelle, wo die vorschriftsmäszige Abivicklnng erfolgte. Die Briefe uuchten osseli iibergcben werden nnd die ^rankicrilng geschah in der ersten Zeit nach Einfüh rung der Briefmarke meist erst bei der Übergabe des Briefes, da es vorgekommen sei, daß Schreiben öfters nicht angenommen wurden, was nicht selten erhebliche postalische Schwierigkeiten verursacht haben soll. Bald aber wurde den Innsbrnckern, die abseits vom Stadtzentrum wohnten, der Weg zum Thurn- und Taxis Palais neben dem Landhansc, wo die k. u. k. Post untergebracht war, ')N entlegen. Es sehten die For dernngen nach Aufstellung von Briefsammelkästen ein. Solche bestanden in Paris bereits seit 1659, in Berl i n seit 17(>s> nnd in Wien kannte man diese angenehme Einrichtung seit 1772. Warum sollte sich nicht auch das fortschrittliche Iuusbruck dieser postalische!: Neneinfnhrnng erfrenen köunen? - I n seiner Nummer 1«7 vom 18. August 1851 brachte das „Innsbrucker Tagblatt", als Dolmetsch der Bevölkerung, die Forderung nach Briefsammelkästen öffentlich zur Aussprache. T a die bloße Anregung anscheinend frnchtlos zn bleiben schien, schrieb die gleiche Zeitnug im folgenden Jahre über den allzngroßen Zeitaufwand, der das Hinbringe,: der Briefe ^nm k. n. k. Postamt >erfor derte, lvie folgt: „Nehmen wir das M i t t e l dieses Zeit aufwanden behnfs der Postierung eines Briefes mit hin und mrückgelicn mit dreiviertel Stunden und nelmien >vir an, daß tätlich im Durch schnitt von der ^ladt und ihrer Uingcbltng ,mr ^ll><) Briefe der Post nberbracht lverden, so stellt sich die hie;n erforderliche Zeit auf !l<)l> Stunden und folglich ans einen täglichen Zeitverlust von '25 Tagen herans, da die Nachtzeit in dieser Sache nicht in Nech nnng gebracht N'erden kann. Wenn nnn der tägliche Berdiellst durchschuittlich uur !il) .^lreu;er augeschla geu wird, so leidet die l^mc-inde ü^konomie einen täglichen Berlnst von ',wölfeinhalb l^nlden nnd folg lich in eiin'in ^ahr inehr denn !<»<><> l^nlden." solche

mußte auch an. das l^chör der Dbrigkeit dringen, »venir sie ailch tat, als ob ihr die Rechnung nichts anging. Sicher hielt man zur damaligen Zeit noch viel weniger auf Gemächlichkeit und Bequemlichkeit. Die Macht der Gewohnheit an alte Herkömmlichkeiten schien das Gefilhl für das Bessere nnd Nützlichere erstickt zu habeu. Und doch konnte nnter dein 2<i. A p r i l 185A das oben erwähnte Tagblatt berichten: „ M i t großer Befriedigung entnehmen nur aus dem jüngsten Sitznngsprotokolle der hiesigen Handelsund Gewerbetammer snebst anderen zweckmäßigen Anträgen wegen Verbesserung dcr postalischen Korrespondenzbefördernng) den höchst zeitgemäßen Beschluß, an das hohe Ministcrinm die Bitte wegen endlicher Einführnng der hcißersehutcn Briefsammclkästen in unserer Stadt zu richten, welche, »vie bekannt wird, nnr deshalb bislang nicht ins ^eben gernfen wnrden, weil die hiesige k. n. k. Postdirettion für nötig erachtete, daß die Kästen unter beständiger Aussicht einer Person z. B . in Handlungsgewölben angebracht sein müßten, sich aber bisher wegen der geringbemessenen Provision niemand herbeigelassen hat, diese Garantieverbindlichkeit zu übernehmen. I n keiner Stadt nnserer Monarchie stößt die Einführung der Briefsammclkästen auf so cuorme Hindernisse, wie gerade hier zu Innsbrnck, nnd in allen größeren Städten finden sich dieselben air den äußeren M a n e r n von beliebigen Kaufgewölben angebracht, wo also von einer Garantie ohnehin keine Rede sein kann. Die Straßen von I n n s bruck sind, loie die Handelskammer richtig bemerkt, derart belebt, daß es selbst dem Verwegensten nicht einfallen würde, einen solchen Kasten zn berauben, auch könnte man dieselben in der Nähe der k. n. k. Wachposten anbringen, deren es hinreichend gibt. Es ist also wahrlich kein stichhaltiger Grnnd vorhanden, diese Einrichtung dem Publikum uoch länger vormenthalten nnd wir geben uns der frendigen Hoffnung hin, daß das Ministerinm dieser billigen Bitte nnserer strebsamen Handelskammer gerecht werden w i r d . " Aufschlußreicher ist noch die Meldung der „ I n n s brncker Nachrichten" vom -'<>. November l855>, die in geradem sieghafter Weise folgendermaßen lautet: „ D i e k. u. k. Postdirektion hat nnn endlich dem hier längst gehegten allgemeinen Wnnsch entsprochen." Die Zei luug enthüllt uns dann sogar die Stellen Innsbrncks, an welchen die ersten vier Briessammelkästen anfge^ stellt wurden. Es waren dies das Malfattihans nahe der >^nndrücke, das Gc-bäude des Goldenen. Dachl,


Ecitc io

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das Wisiol'sche Haus in der Äcnsenmslraße und da5 Eckhaus Tillgasse Universität<5straße. Dankbar nahm die Bevölkerung .^enntnie. von der ihr behördlicher seits zugekommenen Erleichterung, f o r t a b >var der Weg zum Postamt nur mehr zur Aufgabe reeoman dierter Briefe erforderlich. I m Jahre M i t t lvurde iiu Naume von Innsbruck die Zahl der Briefkästen um einige erweitert; Wilten erhielt sogar ^wei 3tück. I n den folgenden Jahren erfolgte auch die allmähliche Einführung der Briefkästen in den übrigen Städten und Gemeinden Tirols. I n Hall z. B . wurde 1870 der erste Briefkasten in der Oberstadt angebracht. Begreiflicherweise handelt es sich bei diesen Briefkästen um Systeme einfachster A r t . Bei der Entleerung muhte der versperrbare Deckel aufgemacht und der I n h a l t ausgehoben werden. Die so eingesammelten Briefe wurden anfangs mit Handkarren zur Post ge bracht, später traten eigene Postwägen in Tätigkeit. M i t 1. A p r i l 1904 wurde die Aushebung der Brief kästen genau geregelt. Sämtliche ini Stadtgebiet gele genen wurden täglich sechsmal in zwei gesonderten Sammelfahrten, entsprechend dem Anschluß an die

Briefposl führenden ^üge, entleert. Die Palelsani melfahrten erfolgten zweimal täglich. M i t der M o deruisierung der Sladt und dem Anwachsen ihrer Be volkernng wuchs auch die Zahl der Briefkästen, ^ m Jahre lNil) zählte man in Innsbruck 75 Sammel tasten und zwei Einwurfstellen für Drucksachen. Heilte hingegen verfügt die Stadt über l N» Kästen für Briefe nnd über vier große Kästen für Drncksorten; letztere sind an den besuchtesten Postämtern der ^tadt ange bracht., Biernndachtzig der sympatischen gelben, der sogenannten Dworschakkästen, sind "von gleichmäßiger uud modernster A r t uud dienen dein eigentlichen Stadt gebiet. Werden sie entleert, so hört man ein kurzes Rasseln nnd Knacken. Der Boden weicht wie eine Falltüre nnd die Briefschaften fallen in einen leder nen Postsack, der sich m i t dem Abziehen vom Briefkasten von selbst wieder schließt, so daß der Postbote, der ihn trägt, die Briefe nicht einmal zu sehen be kommt. Die .Kästen in den Randgebieten hingegen sind von verschiedenen Größen nnd tragen noch einen Typ der (guten) alten Zeit.

von Dr. Karl

Innsbruck vor hundert Jahren llugust 1850. I. wird im „Boten" die Nützlichkeit der Wildbachuerbauung am Höttinger Verge durch Baudirektor Link hervorgehoben, da beim vortägigen Hochgewitter mc,der der ßallbach noch der Mühlbach Zu Mariahilf ausgetreten seien. — war die Grundentlastung im Stadtgebiet abgeschlossen. Die meisten Häuser, sowie die Gründe im Saggen waren nämlich mit Goldzinsen — 603 Zinse mit einem Ablösungswert von 6309 Gulden ^ belastet gewesen. — erhält die philosophische Fakultät die Verständigung, daft sie dem bekannten Historiker Univ.-Prof. Albert Zager das Ehrendiplom eines Doktors ausfertigen dürfe. 6. tritt der abtretende große Bürgerausschust Zur letzten Sitzung nor den Reuwahlen Zusammen. Dabei wird dem scheidenen Bürgermeister Dr. v. Klebeisberg folgende Dankadresse überreicht: „ s s hat die Stunde geschlagen, in welcher sich der Bürgerausschuft non Innsbruck von seinem verehrten Herrn Bürgermeister trennen muß. Durch Zwölf Iahre haben Sie, Herr Bürgermeister, in heiteren und trüben Tagen alle Angelegenheiten der Stadt immer mit Sparsamkeit, Ordnung und Gerechtigkeit und mit jenem charakterfesten Pflichtgefühle geleitet, welches den echten Ehrenmann auszeichnet. Unsere Stadt wurde in diesen Iahren mit weiser Ökonomie und Zweckmäßigkeit vergrößert und verschönert. Das höchstschwierige Armenwesen konnte, ohne die Stsuerkraft Zu berühren, der großen Aufgabe bisher geniigen. Die Sparkasse erfüll! immer wachsend und in größter Ordnung ihre wohltäli gen Wirkungen, sowohl für den ärmeren Arbeiter wie auch für den fleißigen Geworbsmann. Die Kleinkinder» wartanstalten und das Aruderhaus, die Schulen wie die SchiesMtte förderten bestens ihre Zwecke, und alle diese und andere Anstalten gediehen, Herr Bürgermeister, durch Ihre warme Leitung und erfreuen sich gleich« mäftig ihrer tätigen Pflege. I n den Stunden der Ge-

fahr, des ßeuers oder Wassers waren Sie, Herr Bürgermeister, immer der erste aus der Bresche, leitend und ordnend lind taten das Möglichste zur Abwendung des Unglücks. Die Sehnsucht nach Freiheit des Geistes und Selbständigkeit des gemeinen Wesens ist nun erwacht, und Ihrem hellen Verstande und Ihrer weisen Mäßigung ist es bisher gelungen, die noch Zarte pflanZe der Freiheit Zu pflegen und Ausartungen Zu verhindern. And ungeachtet der vielen Leistungen und der letzten sturmnollen Iahre, welche schwor die Stadtkasse drückten, gelang es Ihnen, den städtischen Haushalt aufrecht zu erhalten. Alles dies verdankt die Stadt größtenteils Ihrer kraftvollen Leitung, Ihrem felsenfesten edlen Charakter. Es würde lins Zu weit führen, wenn mir von Ihren erfolgreichen öffentlichen Sendungen als Abgeordneter, als Vertrauensmann und als Vertreter der Stadt sprechen wollten, wodurch die Stadt wie ihr Herr Bürgermeister gleichmäßig geehrt wurden. Dafür empfangen Sie, Herr Bürgermeister, in der Stunde der Trennung von dom gesamten Bürgorausschusse die aufrichtige Versicherung der höchsten Verehrung und des wärmsten Dankes mit der Bitte, daft Sie auch künftig als Bürger Ihren wertvollen Beistand den städtischen Anliegen gewähren mögen." I n der Sitzung wurde woitors u. a. mitgeteilt, daß als Ballgrund für ein neues Armenversorgungshaus 3000 Master des ßridmann'schen Grundes l<5at. Nr. 3^(i> in der kohlsladl angekaufl morden seien. 7. finden die Wahlen Zum großen Bürgerausschuß im 1. Wahlkörper stall. Von 60 Wahlberechtiqlei! gaben -l-I ihre Stimme ab. <ls wurden als Bürgerausschußmil glieder gewählt! Kunsthändler ßranZ Unlelberger lmit 3« Stimmenj, Dr. Alphons v. Widmann lZZ!, Dr. 610' mann l53!, Landesgerichlsrat Dr. u. Mebelsliorg <30l, Apotheker Ios. «flacher l M , Dr. Verreiter l.24>, Han delsmann Ios. Maljr l^3), Handelsm. ßriedr. Wilhelm ll?3>, Handels,». Ios. Hosp l92!, Ios. Seewald I M , Dr. med, S c h i l l e r > ! ^ , Buchhändler I o h , Schumacher ON-


Amtsblatt der Landeshauptstadt In»? brüc tt. werden die zwölf Milgli^'d^r ,,!, !.', u^ililkorper gewählt. Von l^21 Wahlberechtigten beteiligten sich mir ^14. 9. wählt dor 5. Nahlkörper mit 194 von >^0 Wählern. 14. l r i l l der neugewälille Aiirgerausschuß unter dem Vor« sih des ältesten Mitgliedes Prof. Schöpfer zlisammen. <ls wird eiin' !>,',,,i,!ilZini! zur Aberprüfunq der Malilc» bestimmt. 17. reise» Kaiser Ferdinand inid Kaiserin Marni ss,,in, „oc!. Mera», no» wo sie ai» ^8. zuriickkeliren. 18. wird der Geburtstag kaiser Hranz Iosess feierlich be> gangen. IN. ueranstallen die freunde des Herrn Gencralprokuralors Ministerialrat Dr. l)aßlwanter im Aade ßerneck lhnßl hos> ei»e ßeier anläßlich desse» Vekorierung mit dem 5ranzIosefs°<3rden. 22. findet beim k.' k. Landesgericht als Aezirkskollegialgericht die 1. öfse»t!iche Verhandlung statt. Der Angeklagte, ein Vauernknecht aus Sistrans, war des Verbrechens des wiederholte» Diebstahls, beschuldigt,' er erhielt zwei Jahre schweren Kerker.

24. wird Dr. c!K>i»mm mit ^8 uo» 50 Slimnien zum Aiir» germeister gewählt, Vicebürgermeisler wird Dr. u. N i d mann lmit ^1>- Ntagislratsräle' Schumacher l2?1, See» wald I M , Unterderger lW>, Ollacher l^4j, Maijr l-^>, Wilhelm l22>. Der Aürgerausschuß beschließt dem Aür germeister für dio nächsten drei Jahre eine Hünklions gebül>r »on je !()00 Guldeii festzusehen. Die Stelle des besoldeten Magistralsrates init ei»ei» Iahresgehalt uon 1000 Glilden ivird sogleich ausgeschrieben. <5s wird ein Komitee beauftragt eine Gefchäflsordnung für den Ma< gistral zu entwarfen. 3(1. steigt König Otto uon Griechenland in der Hofburg lim mit Kaiser Ferdinand zu soupieren^ Hü! eis nachts reist er nach 5)ohenschwa»ga» weiter. Keine kunst war durch den Telegraphen no» Salzburg gemeldet worden, der uon diesem Tage an auch den PrwatueriVhr geöffnet war sin der Rächt traf reits eine striuatdepesche einj.

ab, Ahr Mi her sür be-

Neuerscheinungen für Innsbruck D a s lldelige Damenstijt i n I n n s b r u c k . Zum neu erschienenen Auche von cküinorLanger, Die Geschichte des Adeligen Damenstiftes zu Innsbruck, Ock>Iernschris<en Vd.?5. Aninersitätsuer!agWagner,3nnsbruck 1950, ^84 Seiten,8Vildtafeln. Dieses Auch ist eine wichtige und erfreuliche Reuerscheinung Zur Dnnsbrucker Stadtgeschichte. heule Zieht wohl der uollkommen im alten Stil wiedererrichtete schöne Äau des Damenstiftes beim Aurggrcibendurchlcch, das 1944 durch Lomben teil« wei>e zerstört worden war, die Vücke der c5inheimischen und der fremden auf sich. Nber uom alten Adeligen Vamenstift wissen wohl nur wenige etwas, Aekanntlich starb Kaiser ßranz I., der cZemahl Maria Theresias, während eines Mifenthaltss in Innsbruck in der hiesigen Hofburg plötzlich an einem Schlaganfal! s1i^. kluguft 1?55>. Der Schmerz der großen Kaiserin war grenzenlos. Mn liebsten hätte sie sofort die Regierung niedergelegt und uon nun an ihren ständigen Nltersaufenthalt in Innsbruck genommen. Dies war jedoch nich t möglich. Sie gründete nun ein Adeliges Damenstift, dessen Insassinnen in genau festgelegten Midachtsübungen für das Seelenheil des verstorbenen Kaisers beten sollten. Maria Theresia hing mit ihrer ganzen Seele an dieser Stiftung, hätte sie gerne später besucht, wenn die Regierungsgeschäfte ihr die «Zeil dazu cielassen hätten, widmete ihr uiel Zeit, Mühe und Sorgsallt, kümmerte sich um alles an ihr lind förderte sie sehr. Der Reubali mit einer Kapelle, diese fast genau an der Todosstälte des Kaisers, nnsanglicli beträchtliche Geldmittel und Stillungen, nicht wenig Aeamlen» und Dienerschaft sowie gsseüschnflliche Vorteile murden den Oame» I>?l'5 sechsj, die eine slrenqe Muienprobe abzulegen halten, zur Verfügung gesleül und eiiiqeiäliiüt. Die Innenaiisslaltllng des Stifles war schon und vornehm, jede Dame belaß eine Reihe non Ronnien. Di? Glanzzeit des Stiftes dauerte bis zur bai>erischen Herr schaft 1tt>>5. Die tüchtige erste «9berdecliantin des Slisles, ^reiin Soplii? Tiara uon cinzonberg lgesl. 1?95l stand mit Maria Theresia bis zu deren Tode I!7tt0!in besonders herzlichen Aozieliungen. Seit I?tt1 war cirzhorzogin Tlisabetli, ei lie Tochter Maria Theresias, im Tiroler Volksmundo „die kropsete ^isl genannt, die erste und oinziqe liblifsi» dos Stiftes. Sie zog in Innsbruck eine relatiu s!a<tliche Hofhaltung auf, war in der damaligen gesellschaftlichen Rangordnung die hochsle ^erfönlich keil Tirols, empfing Hürslüchl'eils», Minister und Generale so wie überhaupt berühmte Männer auf ihrer Durchreise durch Innsbruck, nahm wohl gelegentlich Truppenparaden ab und betciligle sich in den Reuolutionskriegen durch klusrufe und Spends» an der Tiroler!>!anoosuertoidigung Igest. Ittott in Linz>. Das Stift wurde nach der baiierischon Herrschaf! >»I4 neu gegrüiidet und besteht, allerdings, besonders seit INItt, immer

mehr nerarmend und sich einschränkend, bis heute. Die adsligen Damen des Stiftes stammten aus dem tirolischen hochadel oder aus dem der deutschen und böhmischen Crbländer der alten Monarchie. Sie genossen früher alle Privilegien der damaligen feiidalen'Gssellschaftsordnung. Sie.haben sich aber, bis aufganz wenige unbedeutende Ausnahmen, immer sehr würdig benommen und ließen ovn ihren früher beträchtlichen Einkünften immerhin Geld unter die Leute fließen. (5s war ihnen erlaubt, zu heiraten. Da die Damen im Stift ein tadelloses Vorleben gesührt hatten, auf Grund ihrer Nhnenprobsn nur aus bestem i^del stammen konnten und durch ihre ßamilie und adelige Verwandte meistens sehr gute Veziehungen zum Hof in Wien hatten, konnten sie ihrem Bräutigam Vorteile bieten. Der berühmte und durch seinen langen Aufenthalt in Innsbruck bei uns seinerzeit sehr bekannte Generaloberst Viktor Graf Dank! hat z. A. 1888 eine Stiftsdame geheiratet. Die Mitglieder des Stiftes durften auch öfters und im Zeitmaß ziemlich unbeschränkt Arlcuib nehmen, wobei sie dann wohl auf den klnsihen und Gütern ihrer Verwandten lebten und hierauf wieder in das Stift zurückkehrten. Sie nahmen sehr rege an allen gesellschaftlichen Veranstaltungen der Stadt Innsbruck selbst ^no des kldels der Stadt teil und rangierten dort unter den erste i und vornehmsten. Innsbruck konnte also mit einigem Stolz auf sein Adeliges Damsnstift hinweisen, denn es gab an solchen nur sehr wenige in der Monarchie. Seit 1918 lebten die Damen es waren natürlich uie! weniger als früher still und Zurückgezogen. Der Asstand des Stiftes war mehrmals gefährdet, fo mährend der Rsuolutionen non 1848,1873 u. 1919. Dabei wollten meistens Abgeordnete, die »on der Geschichte des Sliftes. seiner Veslini« mung, seinem Leden und seinen in jenen fahren lvlati» imbe« trächtlichen und immer mehr dahinschwindenden Müleln nur wenig oder keine Ahnung halten, durch den Versuch, seine f!uf Hebung zu erreichen, ein Ruhmesblall dos 5ur!s>,hril!?s »nd der Sparsamkeit erwerben. (5s muß unerkannt werden, daß die jeweilige Tiroler Landesregierung, auch die nach !9,^8, nie die leisten Konsequenzen gefordert oder gezogen lind sic!) immer schürend uor das Damonslisl, bzw. dem, was noch davon ge blieben war, gestelll hat. heule leben noch drei alte Dame» im Slisl. Das qroß«? Gebäude wird weilgehend uon andere» per sonen und betrieben bewohnt und benuhl. Das Auch der Verfasserin behandelt das Thema erschöpfend' es ist sehr gut gegliedert, in einem ansprechenden klaren S l i ! somie mit prendo an dor Sache und warmherzig geschrieben und hübsch auscieslallet lauch 8 Aildlasoln!. <5-.> sei alle», die sic!, für die Innsbrncker Stadlgeschichle sowie sür die zainilienkunde des Tiroler Ndelv inleressiere», wärmsten-; zum klnkauf und zur Leklüre empfohlen, Dr. Hans Kramer.


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Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck

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