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^ r jche i » l ^ i li m a l i m ^)^ o u a t B c z i l g oft re i s 5 5>. jährl. E i n z e l n u m m e r >^ . <l.',

S ch r i f t l c i t n n g : R a t b a u s : l . S t o c k Z i m in e r ^)?r. 1!10 F e r n s p r e c h e r N r . <>:l?1/190

Mai

1950

13. Jahrgang

Der Amtsantritt dcs neuen Gemeinderates Tic ano den Wahlen ani li.', '))lärz >!>5i<> hervor gc'^angcnen Gemeinderatsmitglieder Umrden auf l. 'April 1!)5l) znr konstituierenden Sitzung dcs Ge incinderates einberufen. Bei Anwesenheit aller !<> Gemeinderäte eröffnete dcr Vorsitzende, Biirgermeister D r . Melzer, die Sitzung. E r teilte zunächst mit, daß Hermann Bam minger (WdU.) ans bernflichcir Gründen fein Mandat zurückgelegt habe und dnrch I n g . Richard Händl erscht »verde. Bürgermeister D r . Melzer bat znnächst den Bgm. Stellvertreter Flöckinger, ocn Vorsitz zn übernehmen. Nachdem dies geschehen >var, legte er in die Hand des Vorsitzenden das Gelöbnis als Gemeindcrat ab. ) l u n ildernahm D r . Melzer wiedernm'den Vorsitz nnd der las die Gclöbuisfoimel für die übrigen :'>!> Gen,einde ratsmitglieder, die nacheinander vortraten und in sei ile Hand das Gelöbnis leisteten. Hierauf schritt man znr Nal)l des Bürgermeisters. Die Fraktionen der mit der Dsterrcichischcn Volts Partei gekoppelten Listen, ferner der Sozialistischen Partei nnd der Wahlpartei der Unabhängigen be stimmten je einen Stimmenzähler. Stadtrat D r . Greiter überreichte einen auf D r . Anton Melzer lautenden Vorschlag der T V P . , von tX'r S P ^ ) . wnrde ein weilerer Vorschlag, auf D r . K a r l .winst lantend, abgegeben, ^iachdem Bgm. D r . Melzer festgestellt hatte, das; alle ll) Gemeinderats Mitglieder mit Stimmzetteln beteilt worden waren, wurden diese in der amtlichen Wahlnrne eingesam mclt nnd von den drei Prüfern sowie dem Magistrats diretlor gezählt, der das Ergebnis bekanntgab: 7 lccrc Stimmzettel, Itt Sliminen für Dr. Karl >t>inst. 15 Stimmen für D r . Anton Melzer. Bss'in. D r . Melker stellte fest, das^ tein Vorschlag die erforderliche nnbedingle Mehrheit erreichte, weshalb zur engeren Wahl geschritten werden müsse. Bgm.-Stellvertreter ^löckinger ersnchte hieraus, die

Sitzung kurz zu unterbrechen, damit eine Beratung stattfinden kann. Nach fast einstündiger Pansé gab Bgm. D r . Melzer bekannt, daß die in der Zwischenzeit geführten Verhanidlnngen zn keinem Ergebnis geführt hätten. E r schloß die Sitznng mit dem Hinweise, daß nach dem Gesetze spätestens binnen 14 Tagen eine ncnc Gemeinderatssitznng znr Konstitnirnng einznbcrnfen ist. Diese Sitzung fand am l!>>. A p r i l 1'.»5><) statt. Z n Beginn teilte Bgm. D r . Melzer mit, daß Gemeinderat Franz Rainer ( S P O . ) bis Al). I n n i 1950 benrlanbt wnrdc und bis dahin durch G R . M a r t i n Lenganer ersetzt wird, dem er das Gelöbnis abnahm. Vor dem Eingehen in die Tagesordnung gab Bgm. D r . Melzer über die Schließung der vorhergehenden Sitzung die Erklärung ab, daß ihn, dabei ein M i ß verständnis unterlaufen sei. E r sei der irrigen M c i nnng gewesen, die Fraktion der österreichischen Volkspartei habe den Beschluß gefaßt, deu Sitzungssaal nicht mehr zn betreten; in Wirtlichkeit habe der Sprecher der Fraktion die Absicht gehabt, einen Klubbcschlnß lhcrbcizusühreu, damit eine Unterbrechung der Sitznng verlangt werde. Hieranf fchritt man crncnt znr Wahl des Bürgermeisters sowie der Bürgermeister Stellvertreter, der Stadträte nnd der Ansschüsse. S t R . Dr. Greiter erklärte im Namen der Gemein deratspartei der vier gekoppelten Listen, daß auf Grnnd von Vcreinbarnngen zwischen dieser Gemeinderatspartei und der Sozialistischen Partei der Bürgermeister bis ',nr Entscheidung des Verfassnngsgerichlshofes über die Ergebnisse der Wahl vom 12. März l'.!5,l) nur provisorisch gewählt n.ürd und die beiden Parteien nach Eintreffen der Entscheidung etwa auftretende Meinungsverschiedenheiten unter sich regeln werden. F ü r die S P T . gab Bgm. ^lellv. Flöckinger eine Erklärung ab, in der er ans die Mandatsverteilnng ;n sprechen lain und mitteilte, daß die S P O . außerhalb des Wahlgesetzes als stärkste Partei zu betrachten


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sci und sich gezwungen sehe, beim Verfassungsgencbls Hof das Ergebnis der Wahleil und die Ablehnung oines Einspruches der S P D . durch dio Hauptwahlbe Horde anzufechten. Die G P O . werde sich ini Ver trauen auf eiue baldige Entscheidung des Verfassungs Gerichtshofes ail der ihr von der Wahlbehörde und der Aufsichtsbehörde aufgezwungenen Abstimmung nicht beteiligen. Sie betrachte vielmehr die Wahl des B ü r germeisters als ein Provisorium bis zur endgültigen Entscheidung des Vcrfassnngsqerichtshofes. E s folgte die Wahl des Bürgermeisters durch Stimmzettel, der Magistratsdirektor gab das Ergebnis bekannt: 17 15 7 1

Stimmen für D r . Anton Melzcr, leere Stimmzettel, ungültige Stimmzettel, S t i m m e für D r . K a r l Kunst.

Auf Grund dieses Ergebnisses stellte D r . Melzer fest, daß er mit einfacher Stimmenmehrheit znm B ü r germeister gewählt wurde nnd die Wahl annehme. F ü r die Wahl der Bürgermeister Stellvertreter wurden vorgeschlagen: V o n der Sozialistischen Partei Hans Flöckinger für den Posten des ersten, von der Österreichischen Volkspartei Heinrich Süß für den Posten des zweiten Bürgermeister Stellver tretcrs. Z n einem Vorschlage der WdU., auf Otto Camper lautend, bemerkte Bgm. D r . Melzer, daß Wähler gruvvcu mit weniger als acht Gemcinderatsmitgliedern keinen Anspruch ans eine der drei Bürgermeister stellen haben. Die nun folgende Wahl brachte folgendes Ergeb nis: Erster Bürgermeisterstellvertreter: 3l) Stimmen für Hans Flöckinger, 7 leere Stimmzettel, 3 ungültige Stimmzettel. Zweiter 26 11 3

Bürgermeistcrstellvertrcter: Stimmeu für Heinrich Süß, ungültige Stimmzettel, leere Stimmzettel.

Die beiden somit gewählten Vürgermcister-Srell Vertreter erklärten, die Wahl anzunehmen. Nach einer kurzen Unterbrechung der Sitzung traf Landeshauptmann Hofrat D r . I n g . Weißgattcrcr ein, der nach einführenden Worten den drei neugewählten Bürgermeistern das Gelöbnis abnahm. Hierauf schritt Bgm. D r . Melzer zur Wahl der Stadträte. D r . Grcitcr teilte mit, die lHemeinderatspartei der vier gekoppelten Listen (Österreichische Volkspartei Liste des Österr. Arbeiter, Angestellten nnd Beam tenbnndes, Österreichische Voltspartei Allgemeine Liste, Haus- und Grundbesitzer, Freie Innsbrucker Bürgcrliste) habe bei Anwesenheit aller Mitglieder mit einfacher Mehrheit D r . Franz Greiter, D i p l . ^ n g . Nobert Ranch nnd D r . Matthias Pahle ;n Milglie dern des Stadtrates gewählt. Daraufhin, erklärte G N . Dotter im Xiamen des Ar beiter-, Angestellten!- und Beamtenbnndes, daß die Listcttkoppelung für die Wahl der Stadträte mchi

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mehr gelle. Die Liste des Arbeiter, Angestellten und Beamtenbnndes sei mit der Wahlpartei der Ilnab hängigen eine Wahlgemeinschaft eingegangen nnd stehe nicht mehr zur gekoppelten Liste der Siebzehn. F ü r die Sozialistische Partei beantragte Bürger meister Stellvertreter Flöckinger, die Genieinderäte Dr. K a r l Knust, Max, Klapphol; nnd Engelbert »ack! als Stadträte zu bestätigen. B g m . D r . Melzer gab bekannt, daß im 3iune der Erklärung des G N . Kotter die Wclilgeüieinschaft W o U . — A A B V . die ^emeinderätc O t w Gainper und Franz Kotter zn Stadträten vorgeschlagen habe. Er könne jedoch die Ansicht des G N . ' Kotter nicht teilen, nach dem Gesetze wäre zwischen Gemeinderatsparteien, Wählergruppeu nnd Wahlgemeiuschafien m unlerscheiden. I m ^ 5>tt Abs. 2 der Wahlordnung heiße es, daß Wählergruppen, die bei der Genicinderatswahl gekoppelt waren, hinsichtlich ihres Anspruches ans die Stelle des Bürgermeisters oder eines Bürgermeister Stellvertreters als eine einzige Wählcrgrnppe ( l ^ meinderatspartei) gelten. S M . Dr. Greller fehle hinzn, daß nach H 59 Abs. 4 der Wahlordnnng personelle Veränderungen, die ans Austritte zurückgehen, für die Wahl bedentnngslos seien. ( M . Kotter berief sich ans den ^ 5i9 Abs. 2, loo von einer Wahlgemein schaft nnd nicht von einer gekoppelten Liste die ^iede sei. WdU. und A A V B . verfügten zusammen über 10 (^emeiuderatsmitglieder nnd beanspruchten daher ',wei Stadtratsmandate. S t N . Ganiper schloß sich dieser Anffassnng an. Bgm. D r . Melzer bemerkte dazu, es handle sich uni eine rein jnridischc Frage. Es stehe fest, daß Wahlgemeinschaften gebildet werden können, aber auch, daß es nicht durch Splitter einer Partei geschehen >könne. Eine Wahlgemcinschaft kann nnr dnrch Gemeinderatsparteien entstehen. Hieranf erklärte Bgm. D r . Melzer die' von der ^ meinschaft der gekoppelten Listen nnd von der Sozia listischen Partei vorgeschlagenen Stadträte für gewählt. G N . Prof. Vinatze.r setzte sich für den von den ^ l N , (Hamper nnd l^N. .Cotter vertretenen Standpnntl ein, woranf Bgm. D r . Melzer erklärte, daß die Anfsichts behörde entscheiden mi'lsse. Einein Einwände des 0)R. Pettancr, daß die von der Ö V P . und der S P Ö . vor geschlagenen Ttadträte erst vom (^eineinderat bestätigt loerden müßten, hielt Bgm. D r . Melzer den H ^ Abs. !> der Wahlordnnng entgegen, wo vorgesehen ist, daß die einzelnen, (hemeinderatspartcien (Wahlge nn'inschaften) in Anwiesenheit von wenigstens drei Vierteln der ihnen angehörenden Gemeinderatsmit glieder die ans sie entfallenden Mitglieder des Ttadt rates wählen. Wohl aber müßte über die Besetzung des achten Ttadtratsinandates, das der Vorschlag der WdU. und des A A B B . vorsieht, der l^emeinderat selbst enlschei den. S t N . Dr. .^nnst beantragte, vorliinfig von der Besetznng dieses achten Stadtratsmandaies abzusehen. <^)1!. D i p i , I n g . Zlverger vertrat die Ansicht, daß es sich !>>!V >!!!! ein Mandat der Ö V P . , deren Vorschlag nnr l l Unterschriften, also l Neststimiuen, aufwies, bandeln t'ann, >oenn der Antrag des S l N . D r . Knnst, das aclne ^tadtratsmandat nicht m besetzen, auge üouiüie,! n'erde. ^'>N. D r . Kiechl schloß sich dieser Ans sassi mg au.


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dcv Vandcol^inptstadt Innsbruck

Nachdem ein ,'lntrag auf ^chlnß der Deballe nommen N'urde, stimmte die Mehrheit der l^'m ralsmilglieder für den Antrag des St)1i. Dr. Knnst, das achte Stadtratsinandat vorläufig nicht zn besehen. Schließlich erklärten die vorgeschlagenen Stadträte, die Äiandat^ a>i',>meh,!i>.'ii, loobei St)1i. t a m p e r den Standpunkt wiederholte, das; das achte Mandat l^N. Koller zufallen müsse. Für die Wahl der Ansschüsse N'uvde ein Antrag des Bgm. Stcllv. Flöckinger angenommen, dir Ausschüsse nach folgendem Verhältnis zn besehene 5 Mitglieder 7 Mitglieder <j Mitglieder

2:2:1, 3:3:1, 4:4:1.

Dieser Antrag wurde mit Mehrheit angenommen. Ein Antrag des 0)N. Pettaner, znr demokratischen l^eslaltnn^g des Wohnnngsansschusses nnd des Fi uauzkoutrollausschusses in diesen beiden Ausschüsseu anch dein Linksblock eine Vertretung einzuräumen, wurde abgelehnt. S t N . Gamper und G N . Kotier ver traten die Ansicht, daß der Wahlgemeinschaft WdU. A A V B . nach dem Proporz in den Ausschüssen je ;>oei Vertretungen slatt lvie vorgesehen eine zufallen

müssen.

E i n Antrag des S t N . Dr. (breiter, den Wohnungsansschuß nnd den Finanzkontrollansschuß mit je 5) Mitgliedern Zn besetzen, wnrde mit Mehrheit auge nomnien. Anschließend ergriff Bgm. D r Melzer das Wort zu eiuer richtnmMveisenden Rede, deren Wortlaut bereits in Nr. 4 des Amtsblattes wiedergegeben wnrde. Es folgten Parteienerklärnngeni S t N . Dr. Greiter sprach fiir die gekoppelte Liste der Q V P . E r führte ans, daß deren Vertreter ans dem Boden der christlichen Weltanschauung stünden nnd für die freie Wirtschaft einträten. Er nmriß die Anfgaben der Gemeinde nnd schloß mit dem Versprechen, die Stadt wie bisher wirtschaftlich, sparsam nnd ordentlich gemein sam mit denen zn verwalten, die guten Willens sind. Für die G P Ö . sprach Bgm.-Stello. Flöckinger, der die Gemeindewahlordnuug bemängelte, deren ^Unzn länglichkeit nachteilige Folgen gezeitigt habe. Er wandte sich gegen die im Gemeinderate angetretenen Unstimmigkeiten, mahnte znr Besinnung nnd Ehrlichkeit nnd richtete an die Anwesenden die Aufforderung, alle Kräfte znm Wiederanfban der Stadt einzusehen. Nach einem lnrzen Hinweis ans die (^ntwicklnng seit l!»!<'» sprach er über die Anfgaben der Stadt, nnler denen der Wiederanfban die erste Stelle einnehme. S t N . Clamper gab für die Wahlpartei der Unab hängigen eine Erklärung ab. l^'s habe sich ge;eigl, so führte er ans, daß die beiden großen Parteien nicht

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feicn, si^Ii an deinolralifche l^rnndfäl)^ ^u Hai leu. .'ihre Vertreter hätten sich ans Wien die Weisungen geholt, was in Innsbruck zn geschehen habe. Daraus möge die Bevölkerung ^uinsbrncks erkennen, daß die Abgabe von Stimmzetteln fast bedeutungslos geworden sci. Die WdU. werde ans dem Verhalten der anderen Parteien ihre Folgerungen ziehen nnd eine Opposition bilden, die aber immer noch sachlich nnd demokratisch seiu »verde. Auch er uahm ,um Aufgabeugebiel der Stadt Stellung, wolxi cr an der Verwendung der (Gelder aus der E N P . Hilfe durch den Staat Krilik übte. Er schloß mit dem Hinweise, daß cs nnn air den anderen Parteien liege, wie sich die Wahlpartei der Unabhängegeu künftig gegen sie verhalte. G N . Pettaner sprach für den Linksblock. Er wandte sich gegen die Koppelnng der OVP.Listen nnd bemerkte, daß der unerwartete Schlnß der vorhergehenden (Hemeindcratssitznng Ncchtsfolgcn nach sich ziehen müßte, die cs aber für die Ö V P . anscheinend nicht gäbe. Nach der Feststellung, daß die Koalition der beiden großen Parteien nnnmehr. weiterbestehe, bemängelte er es, daß die S P O . nicht anch in dieser Sitzung — wie in der vorhergehenden — S t N . D r . Knnst znm Bürgermeister vorgeschlagen habe. I n scharfen Worten wandte er sich gegen die WdU., der er Neofaschismus vorwarf. Er umriß die künftige Einstellung des Linksblocks, der gegenüber den Wählern nnd darüber hinans gegenüber dein gesamten werktätigen nnd schaffenden Volke verantwortnngsbcwnßt fei. F ü r die freie Bürgcrliftc sprach S t N . D i p l . - I n g . Nanch, der ebenfalls zn den wirtschaftlichen Anfgaben der Stadt Stellnng nahm nnd sich znr Zusammenarbeit mit allen Gutwilligen bereit erklärte. G N . Kotter sprach im Namen der Vertreter des W W B . und drückte die Anffassnng ans, daß in einer Demokratie nicht die Mehrheit die Minderheit crdrükken soll. Auch er wandte sich gegen die Gcmeindewahlordnnng. deren Unzulänglichkeit znr Folge habe, daß die Vertreter des A A B B . im Gemcindcratc znr Opposition verurteilt seien. Er nmriß die Ziele des A A B B . im Innsbrnckcr (Hcmcindcrate nnd schloß mit dem Versprechen, alles zn tun, nm der Bevölkerung von Innsbruck zu helfeu und sie von Stenern so weit wie möglich zn 'verschonen. Als letzter gab G N . Dr. Kicchl im Namen der Hans- nnd Grundbesitzer n. a. die Erklärung ab, daß seine WählergrnPPe eigentlich keine Partei sei, sondern dnrch ihr Mandat sozusagen das Bestehen des privaten Hansbesitzes in Erinnernng rnfen wolle, den man nicht restlos abschreiben möge. Die Sitznng endete nach mehr als vierstündiger Dauer. P;.


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Nummcr

Zur Geschichte des Innsbrucker ^p^rtplalzes an der Von Wich. Eppacher Keine knltnrcllc Einrichtung unserer Landeshanpt stadt darf sich in der Zeit doni Frühling bis tief in den Herbst hinein eines größeren Besuches erfrenen als der Sportplatz an der T i l l , wo die Ingend, mn der körperlichen Ertüchtigung zn dienen, sich zn Wcttnnd Kampfspielen gegenüber stellt. Insbcsonders an Sonn- nnd Feiertagen strömeii Tansendc von I n n s ^ brnckern, ans allen Schichten nnd Stadtteilen kom mend, nach Pradl nnd der S i l l aufwärts entlang, wo sich linksseitig nach wenigen M i n n t e n das ansgcdchnteste Sportfeld Tirols nach Osten hin ansbreitet. E i n zwei Meter hoher Zann ntit über 7200 Brettern nmsänmt seine Grenzen. Tnrch zwei Eingangstore gelangt man voni Sillufer ans in das I n n e r e , ein 54.000 Quadratnieter umfassendes Viereck. I m Sinne der Heimatkunde verdienen vor allein dieden jüngeren Innsbruckcrn gänzlich fremd gewordenen Flurnamen, welche für die (Hegend des henti gen Sportplatzes in alten Zeiten Verwendung hatten, hier aufgefrischt oder in Erinnerung gebracht zn werden. Nie ganze Gegend zwischen Pradl nnd Amras war vor der Anlegung der Grundkataster iu sogenannte „Gestöße" eingeteilt. Es waren dies ziemlich gleich große Feldstreifen, die von einander durch Parallel von der S i l l nach Osten hin laufende Wege getrennt waren. Einige solche Gestöße, insbcsondcrs wo die Felder vor der Verbannng erhalten geblieben sind, kön nen hente noch klar ausgemacht werden. So hat man, vom Paschberg ausgehend, zwischen dein Paschberg weg nnd der Wiesengassc das erste Gestöße, zwischen der Wiesengasse nnd dem Eillhostveg! .^aufinanustraße das zweite, von hier bis znr Bnrgenlandftraße da? dritte. Der Sportplatz liegt demnach im viertelt Ge stoße. Es folgt anschließend das fünfte mit dem nahe gelegenen alten Militärfriedhof. So lief die Zählnng weiter bis nach Altpradl, dessen Häuser in der Hauptsache im achtelt Gestöße lagen. Überdies trngen diese Grundstreifen von altersher noch eigene Namen, wohl etwa, um die Kennzeichnung noch nnzweidentiger zu gestalten nnd für die Bearbeitung dnrch Dienstboten sowie im Handel nnd Wandel jeden denkbaren Zweifel auszuschließen. Die Sportplatzgegend hieß das Silbergestöß, knrzwcg „ i m Silber" genannt. Der Teil an der nahen S i l l w i r d in den alten Katastern eigens noch ntit der Bezeichnung „ D a s Hühnergartl" ge führt. Auch hcntc noch sagen die Bauern, wenn sie in der Gegend zn tnn haben, sie gehen in das „Hühnerg a r t l " (Hans Hohenegg, in Ti'r. Anz. 1925/111.) Die Bezeichnung „ T i v o l i " ist neueren Datums uud wurde von der nächst liegenden Gastwirtschaft glei chcn Namens übernommen, die im Jahre 1908 erbaut wurde. Diesen Namen trägt anch eine Meierei in der Umgebung von Wien. Er dürfte wegen Ähnlich keit der Lage mit dem alten Historischeit Felsenstädl chen T i v o l i bei Noni alii Elide des Aniotales, wo sich der Fluß aus dem wilden Sabinergebirge herans drängt, Hieher an den Eintritt der T i l l in die I n n talcbene verpflanzt worden sein. Die Gegend, von der dieser Aufsatz Handell, galt

schon deii alten Innsbrnckern häufig als Tummelplatz für Tpiele und Lustbarkeiten. Wenn mau dem vor ausgehenden Jahrhundert anch keine besondere Tport liebe nachzurühmen braucht, so findet man aber immer wieder Hinweise, daß hier i n der Gegend von T i v o l i , namentlich wintcrüber, sportliche Veranstaltungen größeren Ausmaßes stattgefuudeu haben. Es sei bloß an jene des Innsbrnckcr Trabreuuvereines erinnert, der bereits Itttt? in die Öffentlichkeit trat. Schlitten^ fahren bei den Silthöfcn, ein- und zwcisvännigcs Fiakerfährcn war für Städter und Bauern in deli Neunziger I a h r e i i eilt verläßlicher Anziehnngspnnkt, wofür von der Innsbrncker Stadtverwaltnng fogar Preise Volt mehreren hundert Kronen ausgesetzt wurden. Dabei sollen die Tribüncnsitze für Znschaner auf zwei nnd drei Gnlden, die Stehplätze anf einen (dulden zu stehen gekommen sein. Znnehmend gewann die Gegend, als 1!»0A die (Gastwirtschaft „ T i v o l i " erballt wurde, wodurch sich die Belebung in allen Jahreszeiten um eilt Vielfaches steigerte. Bald war es der Tnmmelplatz für jung nnd alt schlechthin, und die Stadtverwaltnng sah sich veraltlaßt, auf die Erwcrbiliig der auliegeudeu Grüude hinzu streben. Anf Grnnd des Kaufvertrages vom ! l 1 . Dezember 1W4 wurde das Eigentnmsrccht über eiue umfang reiche Grnndfläche vom bisherigen Eigentümer M a t h . Stolz der Stadtgemcinde Innsbruck übertragen. Wohl sind seit jener Zeit einige grimdbesitzliche Veränder nngen noch vorgenommen worden, im großen lind ganzen haben sich aber in den abgclanfenen 45 J a h ren nur belanglosere Hinznkänfe ergeben. Die Stadt verwendete die nenerworbenen Fcldgründc teils ;»r Abhaltung der Viehmärkte, die bis dahin in nnzn länglicher Weise anf den Grüudeu zwischen dem (Gaswerk und dem Lindenhof, wo bereits die ersten Banstellen znr Errichtnng von Nenpradl im Entstehen begriffen waren, abgehalten wurden. Der andere Teil dieser Wiesen hingegen wnrde von der Stadtverwaltung als Kinderspielplatz erklärt; seine (Hröße betrug, laut einer Erwahnuug in der lÄemeindcratssitznug voln 27. A p r i l 1 '.1 l 0, :;500 Quadratmeter. Dnrch Jahre wickelte sich hier das Sportlcbcn Innsbrucks ab. Die Stadt hatte sich damit einer stän^ dig wachsenden Sorge entledigt, der 3orge nm die Spielplatzfrage. Nnnmehr wußte sie, wohin der in und nm Innsbrnck vielfach im Aufstrebeu begriffene Spiel und Sportbctrieb zu leiten war. Die Erhaltnug des (Geländes kostete wenig nnd der Stadtverwaltung, oblag lediglich die Aufgabe, für die Umzäunung ;n sorgen. Erst im Jahre I M A , als der Fremdenverkehr in Schwnng kam, wurde der Errichtung eiues gepfleg teren Sportplatzes mehr Anfmcrksamkeit geschenkt. Die Stadtgemeinde halte bereits im voransgehenden De;emoer ^nr Abrundung ihres (hrnndkomplex.es noch eine Gruudparzelle erworben nnd ging mm daran, den vom Bauamte vorgelegten Plan zn einer geeigne ten Sportanlage auszugestalten. Der Teil des Grnnd stückes, ans dem die Nntzvielmiärkte abgehalten wurden, wurde mit herausnehmbaren Barrieren eingcrichtel, so daß dem ^pm'lbelvied ein für alle dis


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nisse genügend breiler )>la>im ',nv Vclsngung sland. Fast gleichzeitig Nnirde a>^l, der Weg ani ^illiifer hergerichtet uild die Bepflan',nng mit 'Räumen dort selbst und um den Platz herum vorgciiommcii, Wäh' rend des ersten Weltkrieges ionrde beinahe die ganze Platzsläche Nlit Barackeil verbaut uud erst nach ^lb lauf desselben, iin Hiai 192l), über Ansuchen der Turnvereine wieder frei gemacht nnd nen eröffnet. Bei der Vielfalt der städt. Aufgaben wurde damals dein Platze nnr kärgliche Aufmerksamkeit zuteil. Le diglich der damalige l^emeinderat M i s c h e r (später Vizebürgermeister und schließlich langjähriger B i i r germeister von Innsbruck) trat im Äiärz 1!Ì22 euergisch dafür eiu, den Platz an der S i l l als Spiel-, T u r n und Sportplatz gründlich herzurichten und vor allem die Bodensenkungen uud Erhöhungen, die den Betrieb beinahe lebensgefährlich gestalteten, auszu bessern. Die T u r n - und Sportvereine, voran der bereits seit 1A)5 bestehende Innsbrucker Sportverein nnd der qleichrührige Bankbeamten Sportklnb, stellten bereitwilligst ihre Mannschaften zur Verfügung. Beide letztgenannten Vereine stellten sogar im März U»2:; dell Antrag anf pachtweise Überlassung des Sportplatzes für 20 Jähre. E i n diesbezüglicher Vertrag kam jedoch nicht zustande, Wohl aber erreichten die Vereine, daß der anstoßende Viehmarktplatz als solcher aufgehoben nnd etwas südlicher, wo er sich heute noch befindet, verlegt wurde. Auf diese Weise erhielt der Sportplatz seine heutige Breite. Der in aller Welt organisierte Sport hatte inzwischen auch iil T i r o l immer mehr und mehr Boden gefaßt. Besonders drängten sich die Freunde des Fußballs in den Vordergrund. M a n wollte nicht mehr nnr irgendwo „ w i l d " spielen oder guadcnhalber am Platze neben der Ausstelluugshalle (wo seit 1924 Tennis gespielt wird) herumlummelu, sondern die I n n s bruckcr Jugend drängte anf die Gemüter der Stadtväter ein, endlich einen der Zeit entsprechenden Sportplatz zu erhalten. Angespornt überdies durch die A n lage des nenen Sportplatzes in der Höttiugerau seitens der Gemeinde Hotting, ging uuu der Junsbrucker Gemeiudcrat darall, diese Konkurrenz durch dell B a n ciuer dem Range der Laudeshauptstadt entsprechenden modernen Sportanlage in den Schatten zn stellen. Noch im gleichen Jahre schritt man an die Einfriedung mittels eines zweieinhalb Meter hohen Bretterzaunes, die Bodeuplaniernug, den Ball einer Tribüue und der Baracken mit dell Umkleideräumen nnd Brausebädern für die Spieler sowie all die Errichtung eines Nestauralionsraumes. Durch deu (^emeinderat wurden am '.!. A p r i l l'.»2 l 2l<» Millionen Kronen be willigt für die Instandsetzung des Fußballplatzes iu der l^röße von l05>X70 Meter, des Trainingsplatzes in der lhrö'ßc von 100XU5) Meter sowie der Sprung nud Schlackenlansbahn. ( Z u allcdem w o l l t e mau 1'.!2l an der Peripherie eiueu Er,traplatz für Pferde und Irabrenueu und anschließend daran ein großes Freibad mit Kahnfahrt Gelegenheit, eiuem Nestau railt und Vcrguüguugspark erstellen, wofür jedoch die M i t t e l nicht aufgebracht werdeu kounten. Die sport begeisterte Jugend gab sich mit dem in einjähriger Ban;eit unter Oberbaural J u g . A I b e r t Geschafftnen zufrieden. Die neue Sportanlage wnrd^' am l<», M a i l'.!25>

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der ^ffeutlichkeii übergeben. I m Sommer U12Nkamen noch verschiedene Neubauten und erweiterte Alilagen hiuzu. 3 o wurde im alteu ^porlhans der Waschraum errichtet, ein Telephon eingebaut und die Umkleide fabinen zweckmäßig ausgestattet. Die ehemalige Baracke der Kreistrankentasse diente fortab als neues Sporthalls. D a r i l l kam als Neuerung eine finnische Badeanlage ;ur Aufstelluug, überdies wurden Um lleideränm»,' und Waschräume fiir weibliche Sportler sowie ein ^ a a l für Empfänge und Vorträge eiugebalit. l'.»2!» erlveiterte sich die ^iurichtung des Sport^ Platzes nm l<» große Fahrradstäilder, die um den Preis voli li») U).— Schilling angeschafft wnrden. I m Jahre 1W-) wurde zilr Vergrößerung des Sportfeldes ein wichtiger Schritt gctau, indem von den anliegenden städtischen Gründen noch ein bedeutendes Stück dazugeschlagen wurde. Erst dadurch erreichte die Anlage dell heutigen Großeuumfaug. I m Herbst genannten Jahres wurdeu je zwei neue Sprnnganlagcn für Weit- und Hochsvrnng angelegt, die Sprunggrube vor der Tribüne wnrdc auf das internationale Ausmaß von 8 Meter verlängert nnd die Laufbahn mit ucnem Belag Verseheu. Laut einem Bericht des damaligen Platzleiters Luis Martinstetter wnrdcn 00 Knbikmcter Erde ausgehoben und ebensoviel Sand ill 15 Autos zugeführt. F ü r die Absprunganlagcn und die Lausbahn wurden 40 Kubikmeter Losch beuötigt. Während des zweiten Weltkrieges wurde der Sportbctricb der städtischen I n g e n d allmählich lahmgelegt. Wehrmacht und H J . nahmen ihn fast zur Gänze in Beschlag, bis er durch eine Un;ahl Bombentrichter — <>7 wurden allein alls dem Nasenplatz gezählt — für jedweden Sport-, Spiel- nnd Tnrnbctrieb unverwcndbar geworden war. Zwcckdienlicherweise entstand lllln eine große Allzahl Schrebergärten, dnrch deren Erträgnis gar manche Familie in bedrängter Zeit eine Lindcrnng der schlimmsten Not ersnhr. N n r wenig Brauchbares blieb von der Kriegsfurie verschont; Trümmer lind Schutt, wohin man schaute. Passeud zum allgemeinen B i l d der Stadt, wie es jeder Innsbrucker noch deutlich ill Erinnerung hat. Unter Mithilfe zahlreicher Sportfreunde gelang es aber der nencn Stadtvcrwaltnng, alsbald das allernötigste für dell Wiederaufbau des Sportplatzes, znmiudest behelfsmäßig, zu schaffeu uud vor allem anderen die Planiernngsarbcitcn dnrchznführcn. 1946 erstanden die Baracken nen. Ferner wurde die vollständig nenc Umzännnng ill Allgriff genommen nnd die F i r m a Netter erstellte deu repräseutablei5HauPteiugaug, zu dem der Schlossermeister Foil die inassiveu Eiseilarbeiten leistete; auch der Neportageturm als Neueiurichtuug, ill welchem sich eine <>5> Watt starke Fnn^Lautsvrecher Aulage mit drei Pilzlallt sprechern, die alleili 14.000 Schilling gekostet habeil, befindet, kam hinzn. Als dann im Jahre l l ü l ^ die Schrebergärtner den Platz räumten, 'war am SportPlatzgelände der Vorkriegsznstand soweit wieder hergestellt. Alle ill dell letzten Jahren durchgeführten Ar'beileu verschlangen beträchtliche l^eldsnmmeu, die i n Bevolkeruuskreisen uicht selten Anlaß,zu Erörterungeil lanten Eharaklers gegeben haben. Doch jedermauu, der dem sportlichen Bedürfnis unserer Zeit eiuiges Verständuis entgegen zu, bringen vermag, w i r d


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dem, was geschaffen wurde, die AnertVnnmig nicht versagen können. Auch im laufenden Jahre soll einiges verwirklicht werden, was auf dein Wnnschprogramm der Sport srcnnde steht. Zu, den vordringlichsten Erfordernissen am Sportplatz an der S i l l gehören: die Erstellung einer eigenen Wasserpnmpanlagc znr Berieselung der Nasenflächen und Frischhaltung derselben. (Visher mußte, wenn Bcregnnng unerläßlich wnrde, die Feu erwehr mit ihren Einrichtungen, ihre Dienste leihen, was verstä'ndlicherwcisc ziemliche Kosten verursachte.) Ferner maugelt es an Kugelstoßanlagen, an Weit sprnnggruben und Laufbahnen für die Leichtathletik. Die Baracken bedürfen eines Anstriches und die Barrieren müssen zum Teil ncn aufgestellt, teils ergänzt werden. Auch der Mangel an Sitzplätzen soll nun endlich behoben werden, so daß sich deren bisherige minimale Zahl von 12W ans etwa 18W erhöhen wird. Der Hanptwuusch jedes „Tivoli-Besuchers" ist und bleibt aber die Entstehung des Stadions im östlichen Teil der Platzanlage zwecks Abhaltnng großer und anch internationaler Wettspiele.

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Der Stadionplatz, iu uord südlicher Nichlnng, iu der Größe vou 75>X l l<) M^k^ erscheint bereits abge steckt uud nimmt sich, mit kräftigen! Naseu bewachsen, schon jetzt recht gut aus. Sobald die erforderlichen Mittel vorhanden sein werden, wird der gemeinde rätliche Sportausschuß auch der Errichtung des Stadions uud der neuen Ankleideränme mit Warmwasserbransen die Aufmerksamkeit zuwendeu. Der Zn gang zum Stadio»: ist von der Pfurtschcllerstraßc aus geplant. Nicht weniger vordringlich ist aber auch die Errichtung eines Platzes für die Eissportler. Aller Wahrscheiulichkcit nach ist mit dessen Verwirklichung auf dem Übungsplatze noch im Laufe des Henri gen Jahres zu rechnen; allerdings stellen sich die Kosten für die Beleuchtung allein auf iti.WN Schilling. Sind noch diese Pläne nntcr Dach und Fach gebracht, dann kann die Sportstadt Innsbruck über das in den letzten 25 Jahren Geleistete wahrhaft stolz sein. Die allgemeine Ansicht, der Sportplatz an der S i l l gehöre zn den schönsten Sportanlagen Österreichs oder gar ganz Europas, wird dann nm so eher znr vollen Tatsache werden.

Die Berg Isel-Anlage im Zeichen des Kriegsgeschehens nnd der Wiederanfban Verfaßt v o m Leiter der B e r g - I s e l - V e r w a l t u n g , G m . a. D . W i l h e l m W e i ß .

(Schluß.) Museum: Auch hier wollen wir vorerst im Geschichtsbuch dieses Heldcnbcrgcs zurückblättern, nm uns wieder zu erinnern, w i c es znr Entstchnng dieses Museums kam. — Nach den Bcvg-Gsel-Schl'achten 1809 schlug die damalige Besatzungmacht (Bayern nnd Franzosen) die bewaldete Höhe vollkommen kahl, weil sie befürchteten, die Tiroler könnten sich dort nochmals zum Kampfe einnisten und uicht so, wie es damaliger Kricgsführuug entsprach, in die ebenen Wiltcner Felder herabsteigen, nm sich ans offenem Kamvsfclde in geschlossenen Formationen zn schlagen. H o f er zog es vor, die „Anderen" bergan und damit in ihr Ver derben rennen zu lassen. Ein vor knrzcm durch die Berg-lIsel-Verwaltung erstandenes Gemälde bayrischen Ursprunges zeigt nur zn deutlich das Debakel, was dadurch ihrerseits entstand, 'während H o f e r s Leute hinter dein Busch hockend, lustig drauf 'los schössen. Als N a p o l e o n s Stern sank, Tirol frei nud der österreichische Kaiserstaat selbstherrlich erstand, übten sich ans der kahlen Plattform des Museums und Denkmals die vom Kaiser F r a n z neu errichteten Kaiserjäger im Schießen. Die dazn errichtete Scheiben Hütte bildete den Ursprungsbau des heutigen M n senms. 1838 wurde die Plattform znr richtigen Schießstatte, aus der Hütte eine Schicßhalle. I m weiteren nnd steten Ausbau wurde diese 1878 Museum. Die Erhaltung und Ausgestaltung dnrch Ncnerwer' düngen erfolgte ans dein Berg-Isel Fonds, der dnrch monatliche Beiträge aller Kaiserjägeroffizierc gespeist wurde.

Nach 1918 wurde durch Zusanuueulegung der klostcreigencn Gründe nnd des Eigentums der Kaiserjägeroffiziere, wie das Mufeum, Nrichhaus, Schieß' statte und sonstiger Baulichkeiten einschließlich deren Inventar, eine Stiftung geschaffen, die den Namen „Stiftung zum ewigen Gedenken an die vier Regimenter der Tiroler Kaiscrjäger" führt. Das Schicksal des Museums während des zweiten Weltkrieges wnrde bereits ^erwähnt. Als 1915 Osterreich und damit Tirol wieder frei, gingen nnverzüglich alle ehemaligen Kaiscrjägcroffiziere, so wie nach 1918, daran, voll nenem aufzubaueu. Freilich waren, diesmal die Voraussetzungen ungleich schlechter. Die hauptsächlichste Einuahmsguelle, das Mnseum, seit 1913 versiegt, alle Baulichkeiten schwer beschädigt, die Park uud Waldflächen durch Bomben aufgewühlt, der wertvollste Teil, das Mnsenm, zerstört uud sein reicher Inhalt ini Schloß Petersberg bei Silz nngewissem Schicksal überlassen. So blieb denn jenen Offizieren, allen voran der unermüdlich tätige Gm. vonJ a k o b au der Spitze, nichts anderes übrig, als an Land nnd Stadt heranzutreten, durch eine laufende Unterstützung den weiteren Verfall der gesamten An^ läge hintan',nda!!en und die gröbsten Schäden behebeu zu können. Aber an einen Wiederanfban drs Musenms war mit diesen Mitteln nicht zu denken. Als nnn l917 die Frage des Wiederansbanes des Musenms mit einer weiteren tnmnliert wurde, lo i e und wo das Mouumeulalwerk des T i r o l e r (3 h r e n b nche s würdig werdcn I'önnl^ war nun der erste Schritt


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Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck

;>i ciücl gelücmsaüien Lösung dieser beiden Fragen getan. Wieder!!!!! N'aren es Land und Stadt, die in Er lennlnis der ethisch traditionellen Wert»,' des Berg Isel nnd schließlich auch in wirtschaftlicher Hinsicht (Fremdenverkehr) den Weg anbahnten, beide fragen in Einheit zn lösen, das Mnsenm nenerdings anfzil banen und damit gleich;eilig erioeilerlen )1tanm pii das Ehrenbnch zu schaffen. Ätöge der Appell, der von der Stiftung nnd von, Lande an alle Gemeinden Tirols hinausging, ;n die sein Werte Beilrag ;n leisten, Erfolg haben, damit sie der Ehre teilhaftig iverden, schöpferisch mitgeholfen zu haben, dieses in der ganzen Welt einzig dastehende Monument der Heimatliebe in^d Trelle, der Heldenehrnng nnd des Opfersiunes zu schaffen. dankend sei erwähnt, daß bereits eine Anzahl Ge nieinden in schönster Weise diesen Aufrufen nachgekommen sind. Gestillt' auf dieser l^rnndlage ging es nun ans Werk. Als im M ä r ; l948 die Baufirma T h ö n i g mit den ersten Aufräumnngs- und Abbruchsarbciten ain boinbeuzerstörten Eiidostteil des Gebäudes begann, liefen noch langwierige Verhandlungen wegen der Ehrenbücher, Gestaltung und Form der Ehrenhalle und alle damit verbundenen baulichen, architektonischen nnd künstlerischen Nebenfragcn. I m M a i 1948 lagen die erstell planmäßigen Entwürfe des Architekten Baumeister F l u r vor, lind wnrdcn nach internen Beratungen in einer erweiterten Konnnission, an der Spitze der Landcsbandirektor Hofrat I n g . M e n a r d i , znr Vegntachtnng vorgelegt und mit einer örtlichen Begehung verbunden. Wertvolle Meinungsäußerungen wurden zur Verbesserung der Plaining verwendet. Hauptthema war, die architektonische Formgebnng der Ghrenhalle mit dem S t i l des Hauses iu Znsammenhang zu bringen, trotzdem aber ersterer eine, der Widmung entsprechende Charakteristik zu geben. Banlich war die Frage zu entscheiden, wie weit man mit einem Vorbau des Mitteltraktes nach Norden gehen könne, ohne Abrutschgefahr am steil abfallenden Nordhange heraufzubeschwören. Eine dritte Frage war, ob man Vorstehendein ausweichend, die Ghrenhalle nnter den mittleren Parterresaal (Waffensaal) verlegen sollte. Die Erwägnugen zeitigten zwei Projekte, die nnn im I n n i in einer weiteren Kommission, wozu Herr Landeshauptmann Hofrat J u g . W e i ß g a t t e r e r und Bürgermeister Hofrat D r . M e l z e r geladen waren, erörtert wurden. Hierbei lagen anch fchon Kosten Voranschläge vor, die für das billigere Projekt (Vor ban nach Norden) sprachen. Die Entscheidung fiel nicht nnr wegen der billigeren Kostengestaltung, sondern auch wegen Fenchtigkeils Verhältnissen, Licht nnd Lnft, nnd wegen günstigerer Lösung der Frage des Stiegenhauses mit dreiarmi ;iem Treppeuaufgaug ',uguusteu eiues nordseitigen Vorbaues aus. Die wichtigste Eutscheiduug aber, die Finanzierung des Baues, wnrde bei dieser den'kwürdigeu Sitzung ebenfalls entschieden. Das Hanptverdienst fällt Herrn Bürgermeister Hofrat D r . M e t zer zu, der spontan erklärte, daß Land und ^tadt die Ausfallhaftuug je

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;nr Hälsle iil'ernrlnnrn üiögen, die Tilgnng der laut Voranschlag lautenden Baukosten von 5 llw.WU.— der l^emeinsamleil aller t i r o l e r Gemeinden obliegen würde. Da sich auch Herr Landeshailptinann Hofrat I n g . W e i ß g a l t e r e r diesem Vorschlag anschloß, nnd in der Folge anch die betreffenden gefetzgebenden Körperschaften diesen Vorschlag durch einmütigen Beschluß sanktionierten, war anch diese Frage in glücklichster Weise gelöst. Dem Kuratorium der Stiftung znin ewigen (bedenken an die vier Regimenter der Tiroler Kaiscrjäger ist es daher eine Ehrensache und ein Herzensbedürfnis zugleich, dem Herrn Landeshauptmann Hofrat D r . I n g . W e i ß g a t t e r e r und dem Herrn Bürgermeister Hofrat D r . M e l z e r, sowie deu gesetzgebenden Körperschaften von Stadt und Land an dieser Stelle den innigsten Dank ansznsprechen. Auf (Hrnnd vorliegenden endgültigen Entscheides erfolgte im J u l i und August 1948 die Abstellung der Planung auf die neue Lage. Detailkostenvoranschläge wurden erstellt und unverzüglich Offertausschreibungen an vier Tiroler Banfirmen veranlaßt. Gleichzeitig wnrden die banbehördlichen Anstichen, verfaßt. I m September 1948 wnrden in einer weiteren S u znng des Knratorinms die eingelangten Offerte gewürdigt und der Banauftrag an die F i r m a Georg A u c r ^ Sohn vergeben. S o konnten die der Vollendung entgegengehenden Arbeiten zur Behebung der Bombenschäden in den B a l l zur Nengcstaltnng des Museums ineinanderfließend fortgesetzt und noch Ende September begonnen werden. I n unglaublich kurzer Zeit wurde danu bis Weihnachten 1948 der gesamte Erweiterungsbau unter Dach gebracht und am 23. Dezember mit einer kleinen Firstfeier beendet. I n der Frostzeit des Winters zn 1949 wurden die Abbrncharbeiten im Gebändeinneren (altes StiegenHans nnd Einbau der Deckenkonstruktion) ebenso rasch durchgeführt. I m A p r i l war der Ban günstig fortgeschritten und daher auch immer die Frage dringender: „ W a n n kann man endlich mit der Wiedereröffnung des Museums rechnen?" Trotz vieler widersprechender Stimmen war sich die Berg Isel-Verwaltnng im Klaren, daß die Eröffnung jedenfalls und zwar M i t t e Angnst möglich wäre, wenn die Heranschaffnng des gesamten, ans Schloß Petcrsberg verlagerten Mnsenmsgnles noch während des Frühjahres erfolgt, ini Urichhans deponiert nnd rcstanriert werden kann, nnd derart bereitgestellt, unverzüglich in die jeweils fertig werdenden Nänmlich leiten verbracht und mnseal aufgemacht werden kann. Trol) größter Schwierigkeiten wnrden diese Arbeiten in wenigen Wochen erledigt. Eine größere Anzahl ehemaliger Kaiserjägeroffiziere nnd Gönner aus Künstlerkreisen stellten sich in selbstloser Weise zur Verfügung, arbeiteten manchmal bis in die Nacht hinein nnd an Sonntagen, so daß tatsächlich schon '^u einer Zeit, als noch viele Professionisteu ini Hause arbeiteten, Bilder gehangen, Waffen drapiert, Teppiche gelegt. Vorhänge nnd Beleuchtungskörper angebracht, lnr;um alles für den Eröffnnngslag hergerichtet werden konnte. Nnr so war es möglich, daß der gestellte Termin —


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dcv Vandcohallptstadt

14. August — als Eröffnungstag eingebalteu lver den konnte. Eine besonders neuartige Einrichtung verdient hici, noch ailgeführt zll werden. Infolge der feuchten ^age des ^cuseulus ani uahen Sillfluß wurden zahlreiche Bilder in frostiger Winter zeit durch Nauhreifbeschlag schlier in Mitleidenschaft gezogen. Um dein in .Zukunft zll stenern, Nmrde die Anlage einer zentralen Beheizung vorgesehen. Nach Anhörnng vieler Fachleute wurde entschieden, das neue, von I n g . v. A t t l in a y r entwickelte und patentierte System der elektrischen Bodenheizung einzuführeu. Diesem System liegt das Prinzip der altrömischeu Hypokaustenheiznng zugrunde, wobei statt der Kanäle

für die heilen Fcuergase Heizdrähte in lvärllicspeicherudes iviaterial gebettet und issuer! geführt verwendet loerden. Soiveit bis nnn (Erfahrungen gemacht loerden !min ten, hat sich dieses System sehr gut bewährt. Das Museum wurde am 14. Anglist feierlich eröffnet, die (threnhalle von weil. Abt 3 ch n l e v als sein letztes Lebenswerk geweiht uud nachher dem öffeutliche» Besuche übergeben. Hellte stellt das erneuerte Museum in glänzender Lösung aller bantechnischcn, architektonischen und mufcal-künstlerifchcn Belangen ein mustergültiges, mit seiner Ehrenhalle einzig dastehendes Ehrenmal des Landes T i r o l dar, dem kein gleichem ',ur Seite

steht.

Die Aquarienschau in der Sillschule Der „Tiroler Verein für Aquarien- und Terrarienknnde" hat in den Kcllerräumen des Mädchen Nealgymnasinms in der Sillgasse eine Aqnarienschan alisgestellt, lvie sie bisher in Österreich noch nirgends zu sehen lvar. I l l mühevoller, mehrwöchiger Kleinarbeit haben die etwa ttl) Vcreinsmitglieder ihre Aqnaricli derart hinter Heraklithwän'dcn allfgcstellt, das; immer nnr die gntbelellchtcteir Vorderseiten in dem sonst ab gednnkelteil Räume sichtbar sind. Diese liberallS eiu^ drucksvolle Art der Schalistellllug findet man uur bei den größten Aquarieu, wie z. B. dem bekannten Tiefseeaquarilim ili Neapel. Die ausgestellte» Wassertierc lvurdeu ili zwei Gruppen zusammengefaßt. Der erste Raum zeigt die einheimischen lFische, Blntegel, M o l che, Kröten ete.) nnd überdies die Anfstellling von Aquarien in Wohnräumen, der zweite die Broten

(z. B. ein Behälter mit (!0 Nloudfischcli). Die Eröffnling fand alli 13. M a i statt. Die Ansstellnng verfolgt, loie'Vereilisvorftand Hr. P r a n s e in seinen Begrüßnngsworten ausführte, vorziiglich deu Zlveck, die Jugend für diese Liebhaberei zu begeistern. Auch Vizcbürgcrmcister H. F l o c k i n g c r stellte in seiller Eröffnungsansprache fest, daß sich Jugendliche, Schüler nnd Studenten, bereits jetzt eifrig für die Aquarienkunde interessieren nnd so erfreulicherweise zeigen, daß sie auch für kulturell höhere Aufgaben zu haben sind. Es wäre fehr zu wünschen, wenn diese Ausstellung, die etwa vier Wochen geöffnet bleibt, von möglichst vieleil Kindern, nach Möglichkeit ganzen Schulklassen besucht würde! K. Schade!bauer

von Dr.

v o r hundert M a i I85N1. spk'k'ii die Musikdailden dor Ludwig- lind slmlcrie oinc'n Weckruf. Die Witterung war so kalt und regnerisch ^bereits 6 Wochen Icmgj, oasi man einheizen musile. 2. nerössentücht der „ v o t e " den Lrlasi üdor die AriesportoCaren und die Cinhebung derselden durch A r i e s « m a r k e n l^l)0. Geburtstag). Der 8 14 Handelt uom Wert der Vriesmarken und deren Verkauf: „Solche Marken sind angefertigt zu den Wertbeträgen non 1, 2, 5, 6 und 9 Kreuzer, und zwar: von 1 kr. in gelber, lwn Ü kr. in schwarzer, von 2 kr. in hellroter, non 4 kr. in rotbrauner, von 9 kr. in blauer ßarbe. Dieselben könneu gegen 6r!ag des Wertes bei allen k. k. Nostäintern in beliebiger Quantität gekauft werden, Iedes^ i>er schiedene ?xäumlichkeiten benutzende postami miro oos

Iahrcu

Markenuerkmisslukal durch einen Anschlag bezeichnen. klusier den Postämter ist uorlä'ufig niemandem gestattet, Ariesmarken zum Verkauf zu führen." Il), gibt der PImsiker 3. Uergheer alis ßcinnouer ,,seine erste Darstellung der höheren Magie ohne Apparat" im Ratio,laüheater. Wie ans der Besprechung des Abends hervorgeht, war Aergheer hauptsächlich ein gewandler Zauberer- „Nichts linlerbracl) das ungeteilte Interesse der Zuschcnier bis zum Schlüsse der Vorstoüung, die mit „Madins Zauberhut" gemacht wurde. Aus diesen! Ieo< reu Inite brachte der Künstler für jeden unbegreiflich, eine Menge Aecher zum Vorschein, teilte pfeifen z» einer Kahenmusik aus, beschenkte die Damen mil AIu< menslräusichen und schüttete eine solche Menge Karten aus dein suite, <dasi der Husibodeii sslinz damit bedeckt war >>ni> »um >ich ,!i(>>! qenu


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der Landeshauptstadt Innsbruck

möglich j e , , doß t^er Ni>! diese ^ l x ^ i l i ! i w n K a r l e n fassen konnte. Der lauteste Veifal! begleitete die Vor stellung bis (ins 6nde." empfiehlt sich Witwe Katliarina Knoll «Is Goldschlägeri» alle» Kaufleulen, Vergoldern und Elidili indurii mit ge« schlagenem Feingold, Zwischgold und Silber, Die Auf« forderung' „Auch wird altes largamo»! zii annehm« baren preisen gekauft", erinnert an die Vernichtung zahlloser, unersetzlicher pergamenturkunden durch die Goldschläger! reist der Kriegsminister 5 ^ ^ Grillai nach wie» ab. schreibt der „ v o t e " - „Wie in der Stadt allgemein er< zählt ivird, ist vor einigen 5aa.cn der Hund eines hie< figen ^ril'aten, nachdem er mehrere Hunde gebissen hatte, unter Kiimptomen der hundsmut umgestanden, lind bei der darauf vorgenommenen tierarztlichen 6e> cierung wirklich als an der Hundswut umgekommen erkannt worden, ss wäre zur Veruhigung des mit Recht besorgten Publikums sehr wünschenswert, hierüber eine antentische Aufklärung veröffentlicht Zu sehen, da der umstand, das; bisher obrigkeitlicherseits noch keine Vorkehrungen getroffen wurden, um Anglücksfällen, die im Ermahrungfalle hierdurch herbeigeführt werden können, vorzubeugen, zu der Vermutung berechtigt, daft das diesfällige in der <3tadt Zirkulierende Gerücht unwahr oder übertrieben sei." Die Kreisregierung ordnete daraufhin an, das; die Hunde entweder an einer Leine geführt werden müssen oder einen Maulkorb tragen. findet eine Sitzung des großen Vürgerausschusses statt. Verhandelt wurde, über das Armenuersorgungshaus lplahwahl und Grundankauf), die Hundesteuer lEinführung der Hundemarken), das Gesuch des ßranz Diet! um Verleihung einer persönlichen Kaffee- und Villardgerechtsame, die Stadtbeleuchtung, die Veschränkung der Gewerbeuerleihungen und das Gesuch der Töpserinnung dem Josef penz und Kranz hofer das ßeilhalten ihrer Ware nach 10 Ahr vormittags zu untersagen. berichtet der „Vote" über das Auftreten der Vlattern

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li. a.' „ I n neuester Zeil >st unler den epidemisch herrschenden Krankheiten die Vlatternepidemie die anhaltendste und ausgebreitetsle. Kaum in einem anderen Kronlande wird die Impfung so fleißig vollzogen als in T i r o l ' die Regierung erteilt seil Iahren nicht unansehnliche Geldbelohnungen als Anerkennung an ausgezeichnete Impfärzte' das Volk zeigt sich allenthalben bereit, den Impfungsvorschriften sich zu fügen — und dennoch bricht alljährlich in mehreren Gegenden eine Vlatternkrankheil aus, die nicht selten zahlreiche Opfer fordert, Eben jetzt liegt zu Vozen ein Drittel der Kinder in der ünterabteilungS' lind Vorbereitungsklasse an Vlattern und Röteln krank. I n Innsbruck herrschen gleichfalls stark die V l a t t e r n . . . " 18. kündet der Nrzt Dr. 6eb. Pirchcr eine Wohnungsueränderung an' „praktifcher Arzt zu Wüten shabe er) jetzt ganz in der Rahe der Stadt Innsbruck, im 4. Hause sLackiererhause) ober der Triumphpforte Rr. 126 sein Quartier bezogen." 22. übersiedelt Prof. und Xandesral Dr. Wafer, nachdem er 13 Iahre der hiesigen juridischen Fakultät angehörte, als Staatsanwalt nach Graz. 23. wird der cirlaft über die Ausstellung von heimatscheinen kundgemacht. 26. werden bei einer Parade im Hofe der Klosterkaserne der Gendarmerie-Oberwachtmeister Karl Venkiser, vormaliger Hauptmann im Kaiserjäger-Regiment, und der ßeldkaplan dieses Regimentes <5d. Wolf dekoriert. 27. wird ein Infanterist, der seinen Korporal erschienen wollte, kurz vor der ßüsilierung begnadigt. 28. wird die Prüfungskommission für Glimnasia!-3ehramtskandidaten bekanntgegeben! Prof. Dr. Alois ßlir (Philologie), Prof. Dr. Philipps ^Geschichte und Geographie), Prof. Dr. Schenach lphilosophie), Prof. Dr. Vöhm Mathematik), Prof. Dr. Vaumgartner I M M 1 , Prof. Dr. Nowotnlj litalien. Sprache). 30. tragen die Voamten bei der ßronleichnamsprozession erstmals die neue Staatsuniform.

Neuerscheinungen für Innsbruck „Innsbrucker Oejchichtsalmanach 1949" von K a r l 6 chad e I b a u e r. Verlag Albort Ditterich, Innsbruck, Aniversitätsstrasie 13. 60 Seiten, preis' 4.— Schilling. — Ls ist dies schon der dritte Geschichtsalmanach, den der Innsbrucker Historiker Dr. Schadelbauer nach dem Kriegsende 1945 herausgibt. Das Heft enthält wieder 13 von ihm selbst geschriebene Aufsähe. Zwei Abhandlungen gehen in Probleme der historischen Forschung ein 12. Innsbrucker „Dipauliana"-Vände. 11. Grenzen der Stadtgeschichtsforschung), vier sind, dem besonderen Interessengebiet des Verfassers entsprechend, Medizin-geschichtlich <5. Zur Herkunft des Anatomieprofessors Hieron. Leopold Vacchettoni. 7. ßranz u. Lothringens Cod nach der Lebensgeschichte des Peter prosch. «. Die Angst vor dem „Englischen Schweiß" im Jahre 1529. 10. Der Männerohrring in Innsbruck), ein Aufsatz ist kir chengeschichtlich <9. Zwei Ablaßbriefe für die St. Jakobs» kirche), die übrigen Abhandlunqen berichten über kultur^ geschichtliche Einzelheiten aller Art si. Aus alten Faschings Zeitungen. 3. Das Hestschieße» l'om ßasching 1574. 4. Lien hard zierels Veschreibung von Innsbruck. 6. sin Privileg für Sparherde vom Jahre 1574). Vesonders hübsch ist der 12. lSchllift'1 Aufsatz „Hans hörlnag! als Sladtgeschichts» forfcher", der Erinnerungen an den in historikerkreisen un< vergessenen, so gemütlichen, humorvollen, dabei fein gebil» beten und doch bescheidenen Großkaufmann bringt, der ein vornehmer Mäzen von Kunst und Wissenschaft lind zugleich ein erfolgreicher, gerne gelesener 3iro!er Historiker gewesen

und geworden ist. Solche Männer gibt es heute nicht mehr. Schadelbauer sollte noch weitere solche Aufsähe schreiben,' es gäbe eine ganze Reihe von bedeutenden Männern hier, wahrhaft der „guten alten Zeit", die vor kurzem gestorben sind, deren Gestalt aber in der Erinnerung der großen Masse der Einwohner von Innsbruck rasch verblaßt. Das äußerlich bescheidene Heft, dessen preis auch an den Geldbeutel heute finanziell weit zurückgebliebener Stände des Volkes keine Anforderungen stellt, sollte viel gekauft und gelesen werden. Es ist wirklich gemütlich und gut heimatlich gehalten. Es liest sich, bei allen interessanten, z. 5. neuen Tatsachen, die es enthält, leicht. Vei vielen solchen Tirolensien ist es soi Zuerst gelien sie nicht rasch ab und können es mit irgend welchen, gut gehenden Kitsch nicht ausnehmen. Es «ergehen Jahre' auf einmal hört man, daß sie doch vergriffen sind. Sie werden für Tirolensiensammler bibliophile Raritäten und spätere Vücherfreunde müssen die Antiquare bitten, ihnen doch noch ein Esemplar zu verschaffen. Diese Go< schichlöalmanache sind sozusagen die Innsbrucker Ergänzung zu den allgemein lirolisch gehaltenen „5iroler heimutblät» tern", die im allgemeinen denselben populärwissenschaftlichen, leicht verständlichen und gemütlichen S t i l pflegen und die sich einen gewissen ständigen Stock von treuen Abnehmern und Anhängern geschaffen haben. Wir hoffen also auch in den folgenden Jahren auf gleiche Geschichtsalina« nache. Dr. Hans Kramer.


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Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck

„ W o r t im Geblrgc." Schrifttum ans Ciro!, herausgegeben mit Unterstützung der Kultiirabteilung der Tiroler Landes regierung von Josef Leitgeb, Hermann Lechner und Friedrich punt. ßolge 2, 205 Seiten, Tl^rolia-Verlag, Innsbruck, 1949. — Am die Mitte der ersten Halste des vorigen Iahrhun« derts sind die „Alpenblumen aus Ciro!", die schönste An teologie, die w i r Tiroler alls literarischem Gobiole besitzen, dein lesofreudigcn Völklein übergeben worden, Rlind 120 Jahre muftten vergehen, bis dem Heimatlande von seinen Dichtern etwas annähernd Gleichwertiges geboten wurde. Hiemit ist ein Werk erschienen, das jedenfalls dem Werte der „Alpenblumen" ziemlich nahekommt. Man findet darin nicht irgend welche trockene Verse oder c5ssaus, sondern ausnahmslos lebendige Dichtung, umrahmt mit einer Rede für Goethe und einem Schauspiel' man entdeckt künstlerisch gestaltete Biographien bedeutender Tiroler Gestalten und eine wertvolle Abersicht über das schöngeistige Schrifttum Tirols seit dem Zweiten Weltkrieg. Keines dieser Blätter, von einem Teil unserer besten Literaten geschaffen, möchte man missen. Hoffentlich wird das nun glücklich begonnene Werk, Zu dem noch eine Reihe anderer nicht minder begabte Heimatdichter mitarbeitend hinzutreten mögen, eine erfreuliche Anzahl von weiteren Bänden erleben. Wilh. Lppacher. „60 Jahre Elektrizitätswerk Innsbruck l.1889-1949)" Diefe non den Innsbrucker Stadtwerken herausgegebene, reich mit Abbildungen, planen und Diagrammen ausgestattete Jubiläumsschrift bedeutet nicht allein eine Bereicherung der stadtgeschichtlichen Literatur, sondern einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der Technik überhaupt. Nenn auch vorzüglich der Fachmann, der Elektrotechniker, daran seine ßreude haben dürfte, so wird sicher auch jeder

ßreund der Stadtgeschichte gern darin blättern. Besondere Erwähnung verlangen die verdienstlichen Zusmnmenstellun' gen iiber die Obmänner des Verwaltungsausschusses, die Verwaltungsräte und Leiter des Werkes. Von den Ab« bildnngen erinnert besonders jene vom Transport eines Generato»po!rates auf der Brennerstrasio mit 16 Pferden an die gemütliche alte Zeit. lx. Kch.

Nekanntmachung. I m Einvernehmen mit der Landesgoschästsstolle Tirol dor österr. Apothekerkammer wird gemäft der Bestimmungen des 8 8 der Verordnung des Landeshauptmannes vom 20. Februar 1929, LGBI. Nr. 8, betreffend die Sonn- und Feiertagsruhe und die Mittagspause in den öffentlichen Apotheken, die Mittagssperre für die nichtwochendienstführenden Apotheken im Stadtgebiete Innsbruck von l2.30 Uhr bis 14.30 Uhr festgesetzt, so daft diefe Apotheken künftighin von 8 Uhr bis 12,50 Uhr lind von 14.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet sind. Diese Bekanntmachung tritt mit dem Tage der Verlautbarung in Kraft. Innsbruck, den 4. M a i 1950. Stadtmagistrat Innsbruck Abteilung I Der Abteilungsleiter: I n Vertretung: Dr. Knol! e. h.

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Verleger, Eigentiimer u.Herausgeber: DieStadt^einoindeInnsbruck. — Veraiuu,. Hchriftleiter: Dr. « a l l ^cha Rathaus, Zimmer i>ir. 190. — Anzcigonuerwattumi: "Annoiiccli°(i^peditlou „^touitns", Innsbruck, ^lnichslrnsie » I. und Vertriebsuorwaltuna,: Feliziau ^niuch, Iiui^druck. — Drllckgenehmigun^ ?tr, !<>s< r>oin 21. Ottober Il>

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