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derKmdesnaupktadt Innsbruck (5 r sche i » t e i n in a l i in M o n a t B e z u g s p r e i s 8 .',. jährl. (5 i n z e l n n m m e r ^ .5,0 Nulnmer

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15. März 1947

l «.Jahrgang

Die Stadtwerke Innsbruck Von I n g . W i l f r . Egger, Direktor der Stadtwerkc Innsbruck Die im Besitze der Stadt befindlichen wirtschaftlichen Unternehmungen werden durch den Direktor der Stadtwcrke geführt, der dem vom Gemeinderat bestellten Verwaltungsausfebuß verantwortlich ist. Die Stadtwcrke Innsbruck bestehen ans: Elektrizitätswerk, Gaswerk, Wasserwert, Nordkcttcnbahn nnd Stadtgärtnerci. Die Organisation alo „Stadtwertc" wurde erst im Jahre l l ) l 0 errichtet, so daß die zentrale Führung nnd Buchhaltung erst in den Kricgsjahren entstand und alle Mängel dieser Zeit in sich barg. W i r stehen heute vor der Aufgabe, die zentrale Verwaltung unter Berücksichtigung des notwendigen Eigenlebens der einzelnen Vctncbe so zu gestalten, das) der größtmöglichste Arbcnserfolg der gesamten Stadtwerke dabei gewährleistet ist. I n dieser Z e n t r a l v e r w a l t u n g ist zusammengefaßt: die gemeinsame Buchhaltung, in der Rechnungsstclle werden sämtliche in- und erlernen Rechnungen behandelt, das Personalbüro garantiert die gleichmäßige Behandlung sämtlicher Bediensteter und ermöglicht den Austausch von Bediensteten innerhalb der einzelnen Betriebe. Eine zentrale Eintanfsstclle soll eine entsprechende Erweiterung dadurch erfahren, daß ihr im Laufe der Zeit der gesamte Einkauf nnd die Vagerverwaltnng fämtlicher Materiallager übergebeil wird. Derzeit ist sie auch noch mit der Beschaffung der Bezngsberechtigungen von kontingentierten Materialien beschäftigt nnd fungiert außerdem als .Karteustelle für die Zulagckartenempfänger. I n der ^entralverwaltung werden zudem noch sämtliche buchhalterischen und personellen Belange der Innsbrucker Verkehrsbetriebe A.-G., der Stubaitalbahn A.-G., des Vcrlchrsnnternehmens „ S t u b a i t a l " Ges. m. b. H . geführt, da diese Gesellschaften mit großer Aktienmajorität im Besitze der Sladt Innsbruck sind. Als letzter, aber nicht unwichtigster Teil der Zentralverwaltimg wäre der zentrale Hebedienst zu erwähnen. Durch ihn wird vor allem die Ablcsuug und das Inkasso für Strom, Gas und Wasser durchgeführt. InsbefonderS werden in dieser Ab leilung sämtliche dafür notwendigen Unterlagen, wie Vertragsaufnahmen und die damit verbuudeueu Kon-

trollen durchgeführt. Die Ablefuug und Verrechnung für Strom und Gas geschieht gemeinsam jeden Monat, während die Ablesung nnd Verrechnung für die Wasfcrgebührcn, die ja im großen nnd ganzen nnr die Hausbesitzer betreffen, gcmeinfam mit dem Inkasso für die städtischen Kanalgebühren vierteljährlich besorgt werden. Gleichzeitig werden in dieser Abteilung anch Tarifbcratnngcn vorgenommen. Das Elektrizitätswerk erzeugt seinen Strom in drei eigenen Kraftwerken mit einer Leistung von zusammen l:5.500 1<V^. Die durchschnittliche Icchrcsabgabe an das Versorgungsnetz beträgt ^0 M i l l i o nen l c ^ t ^ . Dabei stehen die Kraftwerke und die Tiwag in Verbundbetrieb. Die übcrfchüssigen Strommengcn werden an die Tiwag geliefert, während in den Spitzenzeiten die fehlende Energie von der Tiwag bezogen wird. Das städtische Vcrsorgnngsgcbict wird von zwei Umspannwerken, dem Umspannwerk M i t t e und dem Umspannwerk Süd, versorgt. Das Umspannwerk Süd wurde während des Krieges als Ausweichumsvannwcrk in einem Stollen südlich der Stadt errichtet. Durch die schon seit vielen Jahren mit aller Energie vorangetriebene Elektrifizierung der Stadt hat die Kopfquotc des Verbrauches pro Jahr die beträchtliche Höhe vou W 0 IvV^t^ im Jahre 1916 erreicht. Demgegenüber sei vergleichsweise die Kopfqnote von Tirol mit 760 KX^K und die Österreichs mit l50 KV^K genannt. Innsbruck besitzt 6:590 voll elektrifizierte Hausbalte, daneben sind noch W.000 sonstige Kochgeräte angeschlossen. Au elektrischen Heißwasserspeichern sind in Innsbruck 5,!^<)l) aufgestellt, außerdem baben wir noch l'^-) vollelektrifizicrte Großküchenanlagen in Hotels, Krankenhänfern, Altersheimen ufw. Vor dem Kriege batte die Stadt eine der besten und schönsten öffentlichen Beleuchtungen. I n diefem Pnnlt sind die ^^iederberstellnngsarbeiten mit größten Schwierigkeiten verbunden, jedoch hoffen wir, diesen Nus so bald als möglich wieder hcrzustelleu. Überdies versorgt das Elektrizitätswerk noch eine Reihe von Landgemeinden außerhalb des Stadtbezirkes, im besonderen sei das Stnbaital genannt. Die Kricgssckäden beim Elektrizi-


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tätswerk lagen insbesondere in unserem Verteilungsnetz, das durch zahlreiche Bombentreffer Schaden gelitten hat, deren endgültige Wiederherstellung im wesentlichen abgeflossen sind. l'ir Stromversorgung selbst hat eigentlich während des Krieges trol> größerer Schäden kaum eine nennenswerte Unterbrechung erfahren, und konnte seit M a i >945 ohne jede Unterbrechung durchgeführt werden. Die Hauptaufgaben nach Beendigung des Krieges sahen wir vor allein darin, die schlendc Kohle, besonders im Hanshalt, durch Elektrizität zu ersetzen. Daß dies auch mit Erfolg gelungen ist, zeigt die Steigerung der Belastung des Winters 1945 gegenüber 1944, die von 11.000 ans 20.500 1cX^ angewachsen ist. Die allgemeine Ttromkrise in Österreich brachte nicht nur einen Rückgang der Belastung und des Absatzes, sondern auch eine ganz gewaltige Menge an Arbeit, um die Einsparungen an den Stellen durchzuführen, an denen sie für die Öffentlichkeit am leichtesten tragbar erschienen. Die Aufgaben des Elektrizitätswerkes in den kommenden Jahren sind ganz gewaltig, wenn man bedenkt, daß während des Krieges nur die abfolut kriegswichtigen Arbeiten durchgeführt wurden, während der gesamte Ausbau zum Großteil unberücksichtigt bleiben mußte. I m einzelnen seien nur die Errichtung eines Umspannwerkes im ^Dsten der Stadt, das neue, gemeinsam mit dem Wasserwerk Innsbruck zu errichtende Kraftwerk Mühlau und der Ausbau des Netzes genannt. Das G a s w c r k befand sich in den Maitagen 1945 in einer besonders schwierigen Lage, da durch die Bombenschäden die Abgabe von Gas an die Vevölkernng seit Dezember 1944 vollkommen eingestellt war, lediglich eine verhältnismäßig kleine Gasabgabe an die Permagastantstclle tonnte aufrecht erhalten werden. Die Gaserzeugungsanlage besteht aus drei während des Krieges neu erbauten Vertitalkammcröfen. Die bis zum Neubau bestehende Ofenanlagc wurde leider zum T e i l demoliert und zum Teil als Luftschutzbauten verwendet, so daß eine Wiederinstandsetzung als Reserve nicht in Frage kommt. Der größte Teil der erzeugten Gasmenge wird im Haushalt verbraucht. I m Vcrsorgungsgcbict stehen 7270 Vollherde in Verwendung, dazu kommen 8500 sonstige Kochgeräte, 2100 Durchlauferhitzer sowie 1900 gewerbliche Gasgeräte. Als Großabnehmerin tritt hauptsächlich die Permagastankstelle in Erscheinung, deren Wichtigkeit bei der derzeitigen Treibstoffknappheit nicht zu unterschätzen ist. Dort wurden bis zu 6000 Kubikmeter Gas pro Tag abgegeben, was einer Venzinmengc von 1500 bis 2000 Liter pro Tag entspricht. M r das Gaswerk war es wohl die vordringlichste Aufgäbe, der Bevölkerung von Innsbruck wieder Kockgas zur Verfügung stellen zu können. Es wurden alle Kräfte zur Wiederinstandsetzung des schwerbeschädigten Werkes eingesetzt, was unter den bestehenden schwierigen Arbcits- und Matevialverhältnissen eine außerordentliche Leistung darstellt. Schon im Oftober 1945 konnte mit einer teilweise» Gasabgabe begonnen werden, während im Dezember desselben Jahres bereits das gesamte Stadtgebiet mit Gas versorgt werden konnte. Eine besondere Schwierigkeit stellte die Kohlenbcschafsung dar. Es muß als außerordentliche Leistung bezeichnet werden, daß Innsbruck zu den ganz wenigen Gaswerken zählt,

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denen cinc ganztägige Gasversorgung möglich war. Die allgemeine Kohlcnkrise wirkte sich selbstverständlich auch auf das Gaswerk aus, so daß auch hier zeitweise Einschränkungen platzgrcifen mnßten. Die Instandsetzung des durch Kriegseinwirkung schwer beschädigten Rohrnetzes wird wohl anch erst in einiger Zeit restlos durchgeführt fein. Dem Gaswerk ist auch noch das Hallenbad angegliedert, das infolge eines schweren Bombentreffers vor dem Eingang an den Innenräumen schweren Schaden litt. I n Anhetracht der vielen vordringlicheren Aufgaben wnrden diese Schäden bis heute noch nicht restlos behoben, so daß das Hallenbad noch nicht in Betrieb ist. Da trotz unseres Wasserreichtums und den dadurch bedingten großen Anfall an elektrischer Energie in absehbarer Zeit nicht daran zu denken ist, das Gas durch elektrische Energie zu ersetzen, muß dem Gaswerk unbedingt der nötige Absatz gesichert werden, um in diesem Rahmen seine W i r t schaftlichkeit weiterhin zu sichern. Die Voraussetzungen für die Wasserversorgung von Innsbruck im Rahmen des W a s se r w c r t e s sind selten günstig, da es wohl schwerlich eine zweite Stadt dieser Größe geben wird, innerhalb deren Stadtgebiet so ergiebige Quellen auftreten wie in InnsbruckM ü h l a u . Innsbruck w i r d von vier Hauptquellsassungsanlagcn sowie drei O.ucllfassungen für die umliegenden Landgemeinden versorgt, deren weitaus größte die Wurmbachquclle ist. Diese Anlage sowie der größte Teil des Leitungsnetzes stammen ans dem Jahre 1898 nnd wurden für eine Bevölkerungszahl von 45.000 Einwohnern geplant. Damit ist bereits klar ausgesprochen, daß die Wasserversorgung den heutigen Anforderungen in keiner Weise mehr entspricht. Ein entsprechender Ausbau wurde schon seit vielen Jähren geplant, konnte aber erst während des Krieges in Angriff genommen werden und hat bis heute einen fehr schleppenden Fortgang genommen. Diese neue Anlage soll gemeinsam mit dem Elektrizitätswerk erstellt werden, so daß das gesamte Wasser zuerst in der Turbineuanlage des Kraftwerkes abgearbeitet und dann über einen großen Trinkwasserbehältcr dem Versorgungsnetz zugeführt wird. Bei diesem Ausbau ist allerdings noch mit größten Materialschwierigkeitcn zu rechnen. Nach seiner Fertigstellung wird aber die Wasserversorgung von Innsbruck auf Jahrzehnte hinaus restlos gesichert sein. Das Versorgungsgcbict Innsbrucks umfaßt 79.080 Wasserausläufe. Der Verbrauch des Jahres 1945 betrug 10,385.0 I0Knbikmetcr, was einen Verbrauch pro Kopf und Tag von 330 Liter ergibt. Diese Kopfquote liegt im Verhältnis zu anderen Städten entsprechend höher, wie z. B . Wien mit 180 bis 200 Liter, Linz 150 Liter und Salzburg mit 250 Liter. Neben diesem Ausbau der Wasserfassungsanlagc muß das Wasserwerk das Rohrleitnngsnetz entsprechend vergrößern, da durch die verhältnismäßig große Bautätigkeit während der letzten Jahre (Südtiroler Wohnbauten) das an sich schon nicht mehr ausreichende Rohrnetz absolut ungenügend geworden ist. Ans oben Angeführtem mnß unbedingt gefolgert werden, daß dem Ausbau unserer Wasserversorgung größtes Augeumerl ^ugewcndct werdcn muß, da eine einwandfreie und genügende Wasserverforgnng wohl als eine der wichtigsten öffentlichen Aufgaben '>u betrachten ist.


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Die I n n s b r ncke » ^)? o r d l e i l e » b .1 I' n. rie man wohl mit Recht alo eines der Wahr^eicben dei Landeshauptstadt Inusbruck bezeichnen kann nnd die zn den freqnentiertesten Seilbahnen ^sterreiel's zählt, wurde in, Iabre l!»2^ dein Betrüb nbergebell und bat feitber :i,<!00.l>0<) Personell obne jeden Nnsall bcfördcrt. Sie gebort zli den n'enigen betrieben, die dlirä> Kriegseinwirkungen nicbl gelitten babeli. Vedigli^ die Eria^beschassuug von Seilen nnd ^auswerloteileu stößt derweil ans erbeblilbe Sebwierigleile». ^m ^alne >'.»!<» konnten für die Babil nenc Veichtmetalllabincn heimiscber Er^eugllug aligesäiasft werdeu, lvelcbe cine Erhöhuug der Anzahl der beförderten Fahrgäste ermöglichen. I n der M i t t e l - und Bergstation der Nordkcttenbahn befinden sick je ein Bergbotel, die durch einen Päckter bewirtfcbaftet werden. I m .derbst 1916 wurde die Erbauung eineo Stilisten im (Alande der Nordlcttcnbahn in Auftrag gegeben, der bestimmt ein besonderer Anziehungspunkt für die fremden und einheimischen Tkifahrer lverden w i r d . Als fünfter Betrieb ist den Stadtwerken die S t a d t g ä r t n e r c i angegliedert, die ursprünglich für die Pflege und Instandhaltung der öffentlichen Anlagen nnd der übrigen Bedürfnisse der Stadt ins Veben gernfen wurde. Nährend des Krieges und auch heute nock aber hauptsächlich als Gemnsegärtncrei betrieben wird. Insbesondere werden die Besitzer kleiner Schrebergärten in Innsbruck mit Inngpflanzen ver-

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»orgt. ^m >i!ne !'.»!<! n'nrden ^irta ^25.000 Gemüsepflanzen aller Sorten abgegeben. Da die Absicht bestebl, iln Nabmcn der Sladtverwaltnnss eine Vand-' n'irtfckafts-, Forst- und Gartenbanabteilung zu errichten, wird die Stadtgärtnerei in, abfebbarer Heil ans den Sladtwcrkebctrieben ailosckeideil und d>ese>' Abteilung angegliedert werden. ^nde des Jahres l!>ltt wurden die Stadlwerle mit der (^cscbaftofnhrnng der im Befuge der Stadt I n n s bruck befindlieben I n il 0 b r u cke r .<? 0 t e l A.-G. betraut. Diese Altiengefellfchaft wurde während des Krieges gegründet mit dem Zwecke, in Innsbruck eiu den modernen Ansprüchen entsprechendes Hotel zu erbauen. Dnrch die KricgSercignisse wnrdc dieser Plan vereitelt und sie besteht derzeit lediglieb aus dem eingezahlten Aktienkapital. Da Innsbruck eine ausgesprochene Fremdcnverkehrsstadt ist nnd w i r gerade in dieser Hinsicht vor gewaltigen Aufgaben stehen, dürfte wohl auch die Iuusbrucker Hotel A.-G. in Zukunft eine seböne C'ntwicklungSmöglicbkeit baben. Ans all dem vorstehend Gesagten ergibt sich, das) seit dem M a i 1!)l5 die Stadtwerte Innsbrnck ein schönes Stück Aufbauarbeit geleistet haben. Aber all diese Bemühnngen wären zn restloser Erfolglosigkeit verurteilt gewesen, wenn nicbt alle Bediensteten in wirllicb felbstloser Arbeit unter Ansicrachtlassnng von Arbeitzeit und Sonn- und Feiertagen ihr Bestes gegeben bätten.

Die Bevölkerungsbewegung in Innsbruck im Jahre 1946 Von Friedrich Royko. Die Pcrsonenstandsausnahmc am : ; i . Dezember 1945 ergab eine Zahl von 86.881 anwesenden Personen; die ständige Bevölkerung von Innsbruck betrug am : l l . Dezember 1!>l« 97.88! Personen. Die BevölternngSznnahmc ergab somit innerhalb des Jahres ll)16 genau 11.000 Pcrsoucu, was zum grösiton Teile auf die Zuwaudcruug, zum wesentlich kleineren Teile auf dcu Gcburtenüberschusi, somit nicbt ans einen Faktor der „natürlichen Bevölkerungsbewegung" zurückzuführen ist. Die Bevölkeruugszunabme durcb „Wanderungsgew i n n " war in normalen Zeiten ein erfrenlicbcS Tymptonl- bei der gegenwärtigen (5rnährnngS- uud Wohnungslage wird dieser Zuwachs seitens der Stadtverwaltung mit gemisebten Gefühlen betrachtet. Die natürlicbe Bcvölkernllgsben'egnng nmfastt die ^hefchliestnugcn, Geburten und Sterbefälle, worüber im nachfolgenden soweit dies die Bevölkernngsvorgänge des Iabrcs <!»ll» betrifft, näbere M i l t e i l u n , gen geiilaebt norden sollen. Was zunächst die (5 h e f c h l i e si n n g e n als Vorbedingung jeder „uatürlicben Bevölkerungsbewegung" betriff!, kann festgestellt werden, das; die Zabl der ab^ gefcblosfenen ^bell iin Iabre !!»!<> mit Ml!» «gegen '>?<» iin Ialne !'.)!.'»> eine Steigerung nin rund zwei Drittel aufweist, die mit der Zuuabme der Einwohnerzahl nur zum Teile erklärt werden kann. Die Nückkebr ^aiVlreicber .^triegsgefangeller dürfte fä'on nlebr ins Ge^ wiclit fallen.

Vier Fünftel der Bräute bei deu Bräutigamen uoch etwas mehr — hatten ihren ständigen Wohnsitz in Innsbruck; der Auteil der Ortsfremden an obiger Zahl der (5'heschliefmngen betrug uugefäbr ein Fünftel bis ein Sechstel. Das Heiratsaltcr zeigt eine leichte Senkung. Nährend dies in den abgelaufenen Kriegsiahren beim Manne durebscbnittlicb bei :l:j.9, bei der Fran bei 29.5 Jahren lag, waren die eheschließendcn Männer im Jahre 19ltt durchschuittlich :^2.33, die Frauen 27.56 Jahre alt. Die Brautpaare sind also jünger geworden. Die bei den Eheschließungen am meisten in Erscheinung tretenden Vernfsgrnppen waren bei deu M ä u nern die Aufstellten m i t : l 2 A , die Arbeiter mit :lO 'X' der Bräiltigame, bei den Francn die im Hausbalte Tätigeu mit 27 ^ nnd die kanfmänniseben Angestelltcll mit 21 ^ der Bränte. Der Konfession nacb geborten von dell je Ml!» Ehepartnern >!>:> Männer nnd ^22 Frauen der röm.-katbolifcbell, : i ^ Mäniler uud <>0 Frauei, der evangelifä'en uud :ü> Mänuer »lnd l<) Frauen der griechisch-katholischen Kirche an. 6:l Männer uud Al Frauen erklärten silb als glanbeuslos. Mebr a!S drei Viertel der ehefcbliesielldeil Männer n>ld vier Fünstel der Frauen n'aren led ig. Von Interesse ist aucb die Belraä'luna, der Staatsangebörisskeit. Bei 689 Brautpaareu waren beide Teile ^sterren-ber - 97 österreiclns^e Männer beirateten 'Ausländerinnen, bievoil 7^l reicbsdeutscbe Frauen uud Mädchen, Von den in Innsbruck lebenden Ausländern,


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die eine Ehe eingingen, war die stärkste Gruppe jene der Franzosen ( 3 D , von denen ^ ! eine Österreicherin heimführten. Bei den Ge b u r t e » tritt die günstige Wendung in der Bevölkerungsbewegung am deutlichsten hervor. Während im Jahre 191.') in Innsbruck ! 7 l 3 Lebendgeburten zll verzeichnen waren, stieg dicfc Zahl im Jahre 1916 auf 2421, was einer Steigerung gegen das Vorjahr um 41.33 A entspricht. Der in Kriegsund Nachkriegszeiten immer schon beobachtete Knabcnüberschnß hält immer nock a n ; von den Lebendgeborenen waren 53 A Knaben nnd 47 ^ Mädchen. Bei den Totgeburten war das perzentucllc Verhältnis binsichtlich des Geschlechtes gerade umgekehrt. Hinsichtlich der Legitimität der Geburten zeigte sich zwischen den ortsansässigen und ortsfremden Müttern ein gewisser Unterschied. Von 1668 ortsansässigen Müttern wurdcu 395 Kinder unehelich geboren (23.67 A ) , von 753 ortsfremden Müttern 188 unehelich (25.13 A ) . Von den 50 Totgeburten des Jahres 1946 entfielen 32 auf ortsansässige Mütter, bicvon waren l l Geburten (31.38 ^ ) unehelich. Was die Reihenfolge der Geburten in der gleichen Ehe betrifft, konnte festgestellt werden, dasi die Hälfte aller Lebendgeborcncn Erstgeburten waren, ein Viertel betrafen das zweite, ein Achtel das dritte und ein Zwanzigstel das vierte Kind. Kinder in höherer Reihenzahl kamen verhältnismäßig wenige vor. Mehrlingsgcburtcn im konkreten Falle Z w i l lingsgebnrten lebender Kinder — ereigneten sich im abgelaufenen Jahre 28mal. Hiebei gab es 15mal Bnb nnd Mädel, 9 männliche und 4 weibliche Zwillingspaare. Sechs dieser Paare kamen unehelich zur Welt, die jüngste Mutter von Zwillingen gehörte dem Gebnrtsjahrgang 1928, die älteste jenem von 1903 an. Der Geburtenüberschuß der ortsansässigen Bevölkerung des Jahres 1946 betrug bei 1668 Lebendgeburten und 868 Sterbefällen 800 Köpfe, ein günstiges Ergebnis, wie es in nnserer Stadt seit 1942 nicht mehr zu verzeichnen war. Wenden wir uno nnn der Betrachtung der S t e r b e f ä l l e zn. I m Jahre 1945 entfielen auf 1000 Köpfe der Bevölkerung 16.20 verstorbene Personen, im Jahre 1916 sank diese Zähl auf 14.96. Die Gesamtzahl der Sterbe-

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sälle beirna, im Jabre l!»l<i, wie schon erwähnt, l282, bievon waren ^68 Ortsansässige und l l l Ortsfremde. Dieser Fall zeigt deutlich, wie scbr die Sterbeziffer einer größeren Stadt durch die aus der Umgebung die Klinilen und Sanatorien aussuchenden und bicr oft versterbenden Ortsfremden belastet wird. Ein Drittel der Sterbesälle des Vorjahres betraf somit Personen, die ihren ständigen Wohnsitz nicht in I n n s bruck hatten. Hinsichtlich des Zahlenverbältnisses der Geschlechter standen bei den Ortsansässigen l!8 Männern 120 Franen gegenüber; größer war auffallenderwcifc der zahlenmäßige Unterschied bei den Ortsfremden, wo 248 verstorbene Männer nnd 166 Frauen verzeichnet wurden. Ein besonders schmerzliches Kapitel ist das der I n gendstcrblichkeit, und hier wieder das der Säuglingssterblichkeit. I m Jähre 1946 starben in Innsbruck 178 Kinder vor Erreichung des ersten Lebensjahres, das bedentet, daß von je 100 Lebendgeborencn des Kalenderjahres 7.35 Säuglinge Vcrstarben. Gemessen an der SänglingS-Sterblichteits'>iffcr der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg < Österreich, Durchschnitt 9 A ) ist jedoch anch auf dicfem Gebiete ein erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen. Zieht man die Sterbefälle mit Ausschluß der Ortsfremden in Betracht, so gelangt man naturgemäß zu wesentlich günstigeren Ziffern. Bei ^ 6 ^ Todesfällen O r t s a n s ä s s i g e r ergibt sich sodann eine Sterbeziffer von 10.12 "/""; bei 97 Stcrbefällen von Kindern ortsansässiger Mütter eine Säuglingssterblichkeit von 5.81 Prozent. Die Sterblichkeit der Kinder nach Vollendung des ersten Lebensjahres war erfreulicherweise sehr gering und betrug bei den Kindern von zwei bis unter sieben Jahren 16 Sterbefälle (0.24 Prozent der Altersgruppe), bei jenen von sieben bis unter 14 Jahren 13 Sterbefälle (0.15 Prozent der Altersgruppe). Ein Blick auf die Todesurfachen bei sämtlichen A l tersgruppen belehrt uus, daß allen voran die Geißel der Gegenwartsmenschheit steht: der Krebs. I n größcrem Abstände folgt dann die Tnberknlofc, die organisckcn Herzkrankheiten, Gehirnblutung und Lungenentzündung. Sehr ansehnlich waren im abgelaufenen Jahr»,' auch die Todesopfer durch Verunglückung, banptsäeblich durch Verkehrsunfälle.

Der Gemeinderat der Landeshauptstadt Innsbruck im Jahre 1946 Die vierte Gemeinderatssihung berief der Bürgermeister auf 24. Oktober 19 l<; cin. Zn Beginn stellte S t R . Klappholz eine Anfrage über die Heimtebrcrstelle in der Museumstraße, zu der der Bürgermeister Stellung uahm. Es folgten Anfragen des G R . Loreck und Genossen über Wohnungsfragen, des S t R . Thoma und Genossen über die Behebung der Bombenschäden im Stadtgebiet nnd über die Bildung eines Plannngsfachbeirates, des GR. Würtelc über die Schnttränmaktion im Stadtgebiet, des G N . Weber ebenfalls über die Wohnungsfrage, des G R . Pcttaner über die Bildung eines Unterausschusses ^ur Behandlung von Wohnnngsangelegenbciten. S t R . Wilbergcr und Genossen stellten im Namen der drei Parteien zur Ernährungsfrage einen Dring-

lickkeitsantrag, der als nencr Pnntt anf die Tagesordnung genommen wurde. GR. Pettauer sehte sich für die Bildung von Prodnltionsausschnssen nnd für den Ausbau der Handclsbeziehnngen mit allen Staaten ein. Der Bürgermeister berichtete, daß im Sinne eines in der Gemeinderatsswung am <». ^uni !'.»!<» eingebrachten Antrages die Grabstätte des Altbürgermcisters Franz Fischer zum Ehrengrab der Stadt I n n s bruck erklärt wurde. Er sprach weiter über die unentgeltliche Beistellung vou Lehrmitteln, über Verbesserungen im Kind er beim M a r i a l v l i nnd im Fraucnaltersbeim in Hotting sowie über den Anfban zerstörter Hotels. Die nene ^anlinie des Landbansplanes winde ge-


^indeshauptstadl nelnnigl, el'en>o eine Vereinbarung zwischell Vande Tirol nnd der Stadt Ii,nsbrnck übcr das ^'andeStbeater son'ie ei» Ansatz ;um Gemeinderatsbes<1'lnsl über den verbilligten Bezllg von Vebensinilleln, ,N>r die Aufstockung des der ^ladt gelwrenden >^a» ies Marltgraben Nr. l l wnrdcn die Planllngsarbei ten bewilligt. Gcnebmigl n^nrdell ferner ein Nacktragslredit für die Bedienstetenbefoldnng, ein Kanfverlrag nut ^ofef Altbnber, Amras, über ein Grundstück ^nr Erweiterung des städt. Ostfricdbofes nnd die Anfdebnng des h 22 der Rllbegcnnst- nnd Versorgungsbestimmnngen für die städt. Arbeiter. ,Vnr den Obmann des Vern'alinllgsausschnsses für die Stadtwerke N'urde eiue Vergütung festgesetzt, dem Verkaufe der Tchottcrgrnbe in Arzl samt dem darauf stehenden Hanse N r . 126 an die Innsbruckcr Verkehrsbetriebe A. G. zugestimmt. Der Berg-Isel-Vern'altnng Innsbrnck wllrde ein Darlehen von höchstens !<>.<»<)<) Sckilling znr Dccknng von 50 Prozent der ^iederanfbankosten znr Vcrsügnng gestellt nnd dem Stiklub T i r o l für die Instandsetzung der Glungezerbütte ein nnverzinsliä^cs Darleben von ^WO Schilling bewilligt. Die Vildnng einei^ Banübcrprüfnngsansschuffes, die in der Gemcinderatositznng vom 25. J u l i ü)16 beantragt worden war, lehnte dcr Gemeindcrat ab. Dem Tiroler ^andesmuseum Ferdinandeum wurde in Anbetracht dessen, dasi i n den letzten zwei Jahren leine Subvention gewährt wnrde, eine Subvention sür l!)16 von 2l).()00 Schilling zugesprochen. Der Gemcinderat genehmigte eine Reihe von Nachtragökreditcn. Die cntgültigc Entscheidung über die Schaffung einer Haushaltsstelle für den Tivoli-Sportplatz wnrde bis znr Vorlage des Voranschlages übcr dieses Vorhaben anfgescbobcn, die Errichtung einer gemeindeamtlicben Hcimkehrerstellc abgelehnt, weil es nickt eine Angelegenheit der Gemeinde, sondern des Bnndes oder des Landes ist. Es folgten Anträge der Gcmeinderatsmitgliedcr, die wiederum der gefchaftsordnungsmäsiigen Behandlung zugewiesen wurden: T t R . T i g l nnd Genossen über die Verwendung dcr Kasernen, G N . Obcrhammcr nnd <55enossen über die Schaffung von Altersheimen nnd über die Aufstellung von Bänken in den Strasienalleen der Stadt, G N . Vader und Genossen wegen Überprüfung des Dienstbetriebes in den städt. Ämtern, G N . Schneider nnd (55enossen über die Anszahlnng der Nnhegenüsse nnd über die Rückwirkung des Pariser Ablommeils über Tüdtirol ans ^nnsbrncl, G N . Gast! nnd Genossen über die Einricktnng eines bebclssmäsiigen Kindergartens in der Baracke bei dcr Konradlasernc, sonne über die Scbaffnng von Kommifsionen zur slberprüfuug der Ausnüluing von Wolnnänmen; diesem le<>teren Antrage solgte ein besonders lebl^aster Meinnngs^ns tansck, GR. Krans nnd Genossen über <cknlbelielse >lnd Kinderschnhc, GR. Stenico nnd Genossen N'cgen dcr Überprüfnna, dcr Arbcitsnackwcisc, GR. Pettaner nnd Genossen über Beilnlfcn an Minderbemittelte nnd Rentner zur Be'>ablnng der Einsellernngskartoffcln. Eine längere Wccbselrede löste der Antrag des G R . Würtelc und Geuosscu übcr die Eleltrizitäts-

wirtschaft aus.

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Nack eingebenden Allsfnbrnngen ilder die Schnlträuincattion nnirde die Sitznng nacb fünfstündiger ^aner gescklossen, Am 17. Dezember !'.»!<> l>ai der Gemeinderat zu einer Gesebästssitznng znsainmen, in der Bürgermeister Dr. Meizer einleitend über die Inanspruchnahme des Adambräns dnrch die franz. Besatznngstrnppen nnd über eine Nundsnnlsendnüg spracb, in der das städt. Wobnungsaml persisiier! N'nrde. Die Tagesordnung ninfastte das Bndgetprovisorinm für Jänner nnd ,vebcr l l ) l ? , das einstimmig angenommen wnrde, fowie die Ernährungslage, über die Bürgermeister-Stellvertreter Kotter einen ausführlichen, mit Zahlenangaben verfebenen Bcrickt erstattete. Sowohl Bgm.-Stellv. Kotter als auck S t N . Wilbergcr, der ebeufalls zur Ernährnngsfrage ausführlich Stellung nahm, brachten Anträge cin, die sich auf die Ernährnng, anf die Versorgung mit Kohlen nnd mit Schuhen sowie anf die Errichtung von Närmcstnbcn belogen. Nack einer regen Beteilignng an dcr Wechselredc wurden beide Anträge einstimmig angenommen. Nach dreistündiger Dauer schlofi die fünfte und letzte Gemcinderatsfltznng des Jahres 1N16.

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Nummer

Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck

von

Di',

Vor hundert Jahren 7 ^

März:

l. Um 12 Uhr M i t t a g trisst „das euglisch-ostiuoliche Postfellciscn mittelst Knrier von Trieft" in Innsbruck ein. Auf dieser 6. Probefahrt wurde die Strecke Triest Iuusbruck in 21 Stunden zurückgelegt. ». Großes Musikvcreinskonzcrt. l. Beuefizvorstclluug für dcu Sängcr Karl Lucca: „ R o bert der Teufel", Oper vou I . Maverbecr. Als Gast Frl. Ezichua vom Stadt-Theater Angsburg. ! 3 . stirbt der Kaplan von Dreiheiligen^ Ignaz Felde». !->5jährig, an einem Schlagflnß. l 4 . Bencfizvorstcllnng der Opernsängerin Retzer: e<n O.itodlibet unter dem Titel „Das Füllhorn alles Guten nnd Schönen" oder „Die Abentener der berühmten Reisenden Eisele nnd Beisele". l<. Als Benefizvorstcllung für F r l . Augustc Müller wird Goethes „Faust" aufgeführt. Der „Tiroler Bote" knüpft an diese Ankündigung die Bemerkung: „Die Wahl dieses Werkes macht der Künstlerin alle Ehre. W i r wollen nun sehen, ob dieses Meisterwerk deutscher Literatur das Publikum so anzieht, wie Eisele uud Beisele!" 2 l . wird die Oper „Alessandro Stradella" (siebe -2.'». Fe-

bruar) zum : l . und legten M a l , als senesi ^Vorstellung für das Ehorpcrsoual gegcbeu. 22. uächtigt der Gcueralvikar vou S t . Luis ill Nordamerika, Mclcher, im Gasthof zur goldeueu Souue. 27. Letzte Vorstellung des Direktors K o r n : das Scherzspiel „Blumenfcst, Hochzcitsfest, Maskeufest" von F. .f. Told. Der „Tiroler Bote" bemerkt bie;u: „-diemit schließt Hr. Korn seine Unternehmung; das Publikum wird sich erinnern, das; es ihm nameutlick iu der Oper viele schöuc Geuüsse verdankte; daß er selbst in seinem Rolleufacke als Schanspieler fehr Dankenswertes leistete, nnd wird dicfe letzte Vorstellung, in welcher er seine ganze Tätigkeit als Arrangeur aufbot, gewiß fehr zahlreich besuche»." Die ucuc Wachs-Niederlage der Gebrüder Ettel, Pfarrgasse N r . 45, empfiehlt ihre Waren sKerzen, Wachsbilder, Lebzelten, Mcth). I . Springer, Optiker aus Bavern, hält sick drei Tage laug mit seinem Warenlager im Gasthof zur goldeilen Souue auf und verkauft Augengläser. Der Maler und Lithograph T. Gricßer schus eine Lithographie des Bildes „ M a r i a Heimsnchuug" vou Blaas. Dieses Kunstblatt ist als IabreSgabe für die Muscumsmitgliedcr bestimmt,

Die Wehen der Nachkriegszeit Innsbruck im Winter «lVitt/ Die damalige Notlage wird in der folgenden kurzcu Notiz des Abendblattes vom 5. Dezember zusammenfassend geschildert: „ N e i n e n d e M u t t e r. Die gegenwärtige große Not, die nun bei allen Hanseingängcn drohende Wache hält, stürzt in Bälde ganze Familien ins Grab. Das Herz im Leibe muß jedem wehe tun, wenn man weinende Mütter und Kinder auf der Straße stehcu sieht, wie sie nach Lebensmittel ringen. Schon seit zwei Wochen bekommen die Leute teiue Kartoffel, teiu M e h l , keinen Reis, keine Gerste. M i t ^/« Kilogramm Polenta, ^,/« Kilogramm .Haferflocken müssen die Mütter ihren Gatten und ihre Kinder ernähren. Diese kleinen Rationen reichen nicht aus und so wird die Bevölkerung zur volleu Verzweiflung getrieben." Gleich anschließend an diese Notiz wird gemeldet, daß infolge Eintreffens eines Mchltransportes für das Stadtgebiet nud den Bezirk Innsbruck, sowie das gesamte Bahnpersonal ^/8 s!) Kilogramm Kochmehl ab (>. Dezember ausgegeben werden könne. Da weitere Mcblsendnngcn im A n rollen seien, erscheine die Brotansgabe aus Aufaug nächster Woche gesichert. Ab Dienstag den !». wnrde dann „vorläufig" die halbe Wocbenbrotration verabreicht. Außerdem erhielt mau in den Mehlvcrsckleißsiellcn „auf die Mehlabschnitte 1—5 der weißen Brotkarte V> Kilogramm M c b l " uud auf Abschnitt <> der Reiskarte ^ Kilogramm Reis. Auf dem Buchstaben „ P " der Lebensmittelkarte gab es dazu 20 Dekagramm Käse, und zwar Fettkäse zn :5l Kronen 50 Heller pro Kilogramm nud Schuittkäsc zu 18 Kronen 50. I n der ersten De;emberwoche wurden in die Stadt Innsbruck täglich durchschuittlieb 5200 Liter Milch geliefert. A m <0. Dezember wurde 1 Krone — 2.75 Schweizer Rappen bewertet. Folgende M i t t e i l u n g könnte geuau so gin einer I'eutigeu Zeituug entnommen sein:

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„ E i n L u f t g e s c h ä f t m i t Z n ck e r. Wie w i r vom Kriegswuchcramt erfahren, ging der i n der Herzog-Friedrich-Strasic . . . wohnhafte Kaufmann . . . . . ein, der einen ganzen Waggon dieses begehrten Artikels um W K. per Kilo anbot . . . ., der angeblich eine italicniscke Firma vertritt, wollte von mehreren ans der Tschechoslowakei für I t a l i e n in Innsbruck durchrollcndcn Waggons einen hier abkuppeln lassen und aufckeiucud für eigene Rechuuug verkaufen. Er wird sich vor dem Landcsgericble wegen dieser versuchten Schiebung zu verantworten haben." I m „Ease M a r " wurde eiue Tafel augescblageü, die besagte, daß Valntaschiebcr und Schleichhändler im Lokale nicht geduldet uud Zuwiderhandelnde gewaltsam entfernt werden. I n einem Notschrei erklären die Lchrpersouen, schreck!icke Weihuachtcu erwarten zn müssen. Es heißt dariu u. a. : „Dcukcu sie (d. s. die Tiroler Abgcorductcu) daran, welches Elend sich i n der Lchrerfamilie dank der jahrzehntelangen Vernachlässigung eingenistet hat nnd wie es am .herzen des Lehrers nagt uud frißt, wenn er vor dunger und Erschöpfung sich kaum aufreckt zu erbalteu vermag uud ihm täglick der Jammer seiner Familie in den Ohren gellt, während er in der Landschule von Nbermnt nnd pansbackiger Woblgenährtheit umgeben ist, wo in den -dänsern« die Zentrifuge vou dcu fettbrauuen Kückeln singt uud im Hofe ein fettes Schwein unter dem Messer den Nberflnsi in alle Welt hinanssckreit? Welckcr derr, der mit die Schicksale der Ärmsten lenkt, wünsckt ein Weibnackten ohne Mehl, obne Brot, ohne die notwendigste warme Kleiduug, ohue Geld, deuu das Gehalt samt Zulagen reickt sür gar nichts mehr!" Die den Aussckreituugeu rasck folgende Beleilnng der Bevölteruug mit Lebensmitteln erweckte die Meiunug, daß dock Vorräte bestanden ballen, die nun niuer dem Drnel


summer

der Landeshauptstadt Innsbruck

der Deinoüsnatiouen ausgegeben N'orden seien. >?ie;u N'urde festgestellt, das? an den Demoustrationstagen tatsäck^ lick nur ein paar tausend .^iilo Kartoffel» in den Sladlsälen und ein Ileinei eilciuer Vorrat sin- die Spitäler znr Verfügung siau^e». Am Tage danach seien aber gerade rechtzeitig ackt Waggon Mehl eingetroffen nnd habe das italienische Kommando ;ebn Waggon Reis, die znfällig am Bahnhof standen, beigestellt; dazu langten noch zwei Waggon Käse ans dein Iuntale ein, die es ohnehin z»lr Verteilnng getroffen batte. I n dcv ^. Dczembevwoche gab eo auf die Abscknille de»' Fcttkartc, neben der noeb eine rote Lcbcusmittellegitimationslarte zur Kontrolle dnrchlocht nnirdc, je N> Dekagraium Kokosfett zniu Preise von ? l i . <!<>. I n der : l . Wocke wurde l Dose Kondenomilch uiil ^<» K. verabfolgt. Vom l^N. ^lovcmbcr bis <>. De^einber ivurden der Stadt 7'2 Kilograulin Kuller geliefert, nämlich von Sölden 5»'.;, Stams 12 und Naiiggen 7. Die Vozner Zeitung der „Tiroler" fordert zur Zeichnung von Geldspenden für die notleidende Vevölternng Innobrncks auf. W herrschte anch Mangel an Zündböl^crn. Die „Tiroler Zcitnngsforrcspondeuz", uutcrrichtet aus ^andcsrcgicruugokrcisen, verabreicht eine Veruhigungspillc, in der sich folgende heutigen Pressenotizen sehr verwandte! gewundene Sätze finden: „Endlich sind einige Zuschübe an Lebensmitteln vorläufig ciumal angekündigt. Es ist zu boffeu, dasi die 2ierkchrsschwicrigkeitcu die 'Ankunft der anrollenden Hilfe nicht allzusehr verzögern . . . Die gegenwärtige ,vrostpcriode allerdings wird der raschen Zulieferung der liartosfelu, damit dieselben nicht Schaden leiden, wohl ein Hindernis entgegenstellen. Immerhin aber können w i r hoffen, daß w i r in absehbarer Zeit wieder Kartoffel zur Verteilung bringen können. — Die Tiroler Landesregierung ist gegenwärtig mit I t a l i e n . . . in Verhandlungen wegen einer Lebcusmittelhilfe und man glaubt, dasi auch bicr einzelne Nahruugsmittcl zu bekommen sein werden.,,

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Die .»ungerdemonstraliouen baite» alleulhalbeu Teil»abine für die schwer geprüften Tiroler bervorgerusen. Das „^cbwei^er .^ilfsloinitce für die bungerudeu Völker" in -^ern kündigte einen Waggon Mebl an, das „Zentralllitterstüynngskomitee für Österreich" in Utrecht ' einige Waggon Lebensmittel nnd der „Tiroler Alpensänger Klub" in S . Paul in Minnesotta für zehn linderreiche ,vami!ien Schinken nnd Speck. Die Regierung batte inzwischen eiuige der von den Demonstranten vorgebrachten, angeblich Unwillen erregenden ,välle überprüft nnd ihre völlige Haltlosigkeit veröffentlicht. Die durch die Plnndcrnngen Geschädigten, die einen Schaden von drei M i l l i o n e n Kronen angaben, vereinigten sich, nin eine aemrinsame Wiedergutmachung 5>l erreichen. Wcuu sich aueb leine neneu Unruhen mebr ereigneten, so sab sich die Vandesregieruug wilder Gerüchte wegen dock vcranlasit, am 17. Dezember einen Aufruf an die Bevölkerung zu erlassen, in der es n. a. hcistt: „Obwohl seit dem <». Dezember Ruhestörungen nicht mehr vorgekoinun'N sind und der Stand der Versorgung sich gebessert hat, dnrchschwirrcn dock noch immer Gerüchte von bevorstehenden gewaltsamen Angriffen ans öffentliche Ge<bändc oder elektrische Anlagen die S t a d t ; die Klöster in und ausier Innsbruck werden durch alarmierende Nachrichten in Angst versetzt und einzelne in der Öffentlichkeit wirkende Persönlichkeiten erhalten Briefe, in denen sie am ^cbcn bedroht werden. - Es ist kein Zweifel, dasi es sich bei diesen Gerüchten nnd Drohuugcu zum allergrößten Teile um böswillige oder leichtsinnige Irrcsülnungsversuche ohne ernsten Hintergrund handelt. Insoweit aber in lichtschcueu Schlupswiulelu wirklich die Absicht bestehen sollte, Unruhen zu stiften oder anf Plünderungen auszugehen, kann die Landesregierung der Bevölkerung zn ihrer Beruhigung mitteilen, daß alle Vorkehrungen getroffen sind/ um Störungen der öffentlichen Ordnung hintau;ubalteu und allen gegen Personen oder fremdes Eigentum sich richtenden Gewalttätigkeiten anch mit Waffengewalt ',n begegnen. folgt

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Amtoblatt dcr Landeshauptstadt Innsbruck

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Verleger, Eigentümer und Herausgeber! Die Stadt^eincinde Innsbruck. Verantwortl. Schris>loitl,'r ^ Ludwig Stoincr, Innsbruck, Rathaus, Zimmer Nr. löli. — Auzeigenuerwaltung: ^Innonceu°E^ueditiou „Nouitas", Innsbruck, Anichstrasie «/I. — Druck: Felizian Rauch, Innsbruck. ^ Vertrieb: Tiroler (braphit, Innsbruck, Druckgenel)inigu»g Nr. U>l< uoiu 21. Oktober I!14l>.

Amtsblatt Innsbruck  

Ausgabe März 1947

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