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Editorial

Das Oktoberfest ist vorbei und wieder war es eine friedliche Wiesn, bei der Menschen aus aller Welt miteinander feierten und der eine oder andere am nächsten Tag mit einem Kater aufwachte. Die Damen der deutschen Fußballnationalmannschaft sind wieder Weltmeister geworden, der FC Bayern führt die Tabelle der 1. Bundesliga an und der TSV 1860 steht in der 2. Bundesliga auf einem Aufstiegsplatz. Nachdem wir die wichtigen Themen gestreift haben, können wir uns getrost wieder der„MünchnerInnenstadt“ zuwenden. In unserer 12. Ausgabe besuchten wir das Stadtviertel „Schwabing“ und starten mit unserer neuen Serie der Münchner Architekten und Baumeister. Wir haben wieder spezielle Geschäfte für Sie entdeckt und stellen Ihnen alle Oktoberfestkrüge von 1978 bis 2007 und die Fertigung der Maßkrüge vor.

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Innenstadt 12/2007

Das Magazin für Freizeit, Kultur und Shooping

Stadtteilbesuch:

Schwabing

Sie sollten sich die die Zeit nehmen, sich zurücklehnen und eintauchen in die Münchner Geschichte.

PS: die 13. Ausgabe der Münchner-Innenstadt erscheint Mitte Januar 2008

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Wussten Sie es ?

Besonderheiten aus dem M端nchner Stadtleben 8

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Schmuck aus Haaren

Stadtteilbesuch Schwabing 19

Die Oktoberfestkr端ge 1978 bis 2007 28

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M端nchner-Innenstadt- Brunnen 30


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12/Oktober 2007

Impressum Herausgeber: Mario Schmidbauer Sedanstraße 14 81667 München e-mail: mario.schmidbauer@t-online.de

Gesamtherstellung und Anzeigen: sms-schmidbauer GbR Sedanstraße 14 81667 München T 089-480 68 68-6 F 089-480 68 68-7 e-mail: info@sms-schmidbauer.de Grafik, Design und Foto: studio liebhart Breisacher Straße 3 81667 München T 089-459 94 38 -19 F 089-459 94 38 - 50 e-mail: herbert-liebhart@web.de Foto und Text: Landeshauptstadt-München, Stadtarchiv München, Münchner Stadtmuseum, Haus der Bayerischen Geschichte, Schlößer und Seenverwaltung, Herbert und Philipp Liebhart, Bea Burkhardt, Petra Perle, Tobias Ranzinger, Rastal.

8 Wussten Sie es? Besonderheiten aus dem Münchner Stadtleben 12 Münchner Straßen

Inhalt

Verlag und Redaktion: sms-schmidbauer GbR Sedanstraße 14 81667 München T 089-480 68 68-6 F 089-480 68 68-7 e-mail: info@sms-schmidbauer.de www.münchner-innenstadt.com

6 Münchner Kirchen Michaelskirche

18 Schmuck aus Haaren 19 Stadtteilbesuch Schwabing 28 Die Oktoberfestkrüge Von 1978-2007

30 Münchner-Innenstadt-Brunnen Kronprinz-Rupprecht-Brunnen

32 Münchens Architekten und Baumeister Teil 1 34 Für Sie gesehen

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Michaelskirche

1556 vereinbarte Herzog Albrecht V. mit den Jesuiten die Errichtung einer Höheren Schule in München, des heutigen Wilhelmsgymnasiums. Um den Jesuitenorden und der Höheren Schule angemessene und moderne Räume zur Verfügung zu stellen, war ein Neubau notwendig. Allerdings kamen diese Forderungen zu Lebzeiten Albrechts V. nicht über das Planungsstadium hinaus. Sein Sohn Herzog Wilhelm V., genannt der Fromme, initiierte wieder den Bau eines Jesuitenkollegs mit Kollegkirche. Gleichzeitig wollte Wilhelm V., der die Gegenreformation in Bayern entscheidend vorantrieb, mit dem Bau gleichzeitig Zeugnis seiner geistigen Herkunft ablegen, die er bis zu den römischen Kaisern Konstantin und Justinian zurückführte.

Die katholische Jesuitenkirche St. Michael, genannt Michaelskirche, ist die erste Renaissancekirche nördlich der Alpen und Vorbild für viele Jesuitenkirchen im deutschsprachigen Raum. Sie war das geistliche Zentrum der Gegenreformation in Bayern. St. Michael befindet sich in der Fußgängerzone, etwa in der Mitte zwischen Marienplatz und Stachus am Südrand des Kreuzviertels. Ganz in der Nähe, östlich der Kirche, be6

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fand sich der Graben der leonischen Stadtbefestigung, deren östliches Tor, der Schöne Turm, zusammen mit dem vorspringenden Flügel des Kollegs St. Michael, in dem die Höhere Schule untergebracht war (heute Kaufhaus Hettlage), die Verbreiterung der Neuhauser Straße zu einem optisch abgeschlossenen Platz aufwertete. Damit hat St. Michael eine besonders repräsentative Lage an der Salzstraße.

1583 war bereits Grundsteinlegung. Für die Bauausführung war Wolfgang Miller verantwortlich, wobei für den ersten Bauabschnitt auch Friedrich Sustris und Wendel Dietrich urkundlich erwähnt sind. Der Architekt ist unbekannt. Das monumentale Tonnengewölbe, das bis heute zweitgrößte freitragende Tonnengewölbe der Welt wurde 1587/88 eingezogen. Das Tonnengewölbe hielt trotz pessimistischer Stimmen zur damaligen Zeit bis 1944 stand. 1590 stürzte der Turm ein und zerstörte den Chor; das Tonnengewölbe hielt dagegen stand. Die Bauarbeiten wurden zuerst eingestellt. Erst 1593 wurden die Arbeiten an St. Michael wahrscheinlich unter der Leitung und mit Plänen von Friedrich Sustris wieder aufgenommen. Am 6. Juli 1597 wurde die Kirche eingeweiht. Wilhelm V. geriet durch seinen Baueifer (schließlich hat St. Michael in seinen Ausmaßen die Mutterkirche der Jesuiten, Il Gesù in Rom, deutlich übertroffen), an den Rand des Staatsbankrotts. Dennoch wurde St. Michael direktes Vorbild für über 100 Nachfolgebauten. Die Jesuiten betreuten Kirche und


Kolleg St. Michael bis zum Verbot 1773. Im gleichen Jahr wurde St. Michael Hofkirche. Während der Säkularisation kamen das Kolleg und die Kirche St. Michael in königlichen Besitz. Sie sind bis heute Eigentum des Freistaates Bayern.

zipiert. Die Fassade lässt sich in Gliederung und Einordnung in das Straßenbild eher mit der Fassade eines mittelalterlichen Rathauses vergleichen. Dennoch trägt es deutliche theologische Züge. Im Giebel thront Christus als Salvator (Retter), direkt unter ihm in der Nische des Erdge-

Erst 1921 kehrten die Jesuiten nach St. Michael zurück. Während des Zweiten Weltkrieges, vor allem im November 1944 wurde St. Michael schwer beschädigt; das Tonnengewölbe stürzte ein. In den Jahren 1946 bis 1948 erfolgte der Wiederaufbau. Dabei wurde das Tonnengewölbe erneut gemauert. 1971/72 erfolgte die Fassadenrenovierung. 1981 wurden die Stuckdekorationen des Tonnengewölbes wieder angebracht, die Figur des „Christus Salvator““, die 1944 zerstört wurde, als Rekonstruktion wieder im Giebel aufgestellt. Der Turm ist bis heute nicht wiederaufgebaut worden.

schosses der Erzengel Michael, der im Kampf um den wahren Glauben alles Böse dieser Welt mit der Lanze tötet. Zwischen beiden sind verschiedene Herrscher dargestellt, die sich nach Meinung Wilhelms V. als Kämpfer und Verteidiger des christlichen Glaubens in Bayern verdient gemacht haben.

Die Außenfassade der Michaelskirche wurde höfisch wie sakral kon-

Der Innenraum ist eine Darstellung des Triumphs des Katholizismus als wahres Christentum während der Gegenreformation. Der stark eingezogene Chorbogen wie auch die kurzen Querarme und sogar die Seitenkapellen sind als Triumphbogen nach antiken Vorbild ausgebildet. Das mächtige Langhaus mit dem sehr tiefen Chorraum, der einen

5/10-Apsidenabschluss besitzt, führt Menschen aller Stände und Klassen als das eine Gottesvolk zusammen. Das Langhaus stellt den Lebensweg Jesu dar: Als Kind ist Christus an der Innenwand der Fassade zu sehen. Engel im Gewände, welche die Werkzeuge seines Leidens tragen, begleiten seinen Weg. Dessen Ziel war das Kreuz, das an den Stufen zum Chor stand (jetzt im Querschiff). Der Chor über der Gruft ist der Raum der Auferstehung, der zum Hochaltar führt. Dort zentraler Blickpunkt der ganzen Kirche, zeigt sich Jesus als der Herrn, der am Ende der Zeit wiederkommt. Die Heiligen, die in den Seitenaltäre dargestellt sind, bezeugen den Glauben, dass durch Christus letztendlich die Wahrheit stärker ist als die Lüge, Gerechtigkeit stärker als Profit, Freiheit stärker als Gewalt. St. Michael war von Anfang an als Grablege des Hauses Wittelsbach konzipiert. So wurde auch Wilhelm V., der seine Privatgemächer im Kolleg St. Michael hatte, auf eigenen Wunsch in der Gruft bestattet, ebenso sein Sohn Kurfürst Maximilian I.. Der bekannteste Herrscher, der in St. Michael ruht, ist König Ludwig II., für dessen Zinksarg sogar der Erbauer vom prädestinierten Platz

in der Gruft weichen musste. Auch sein Bruder, König Otto, wurde hier beigesetzt. Die Fürstengruft, in der zur Zeit 40 Wittelsbacher bestattet sind, wird heute durch den Wittelsbacher Ausgleichsfond betreut. Die meisten bayrischen Wittelsbacher der neueren Geschichte haben allerdings ihre letzte Ruhestätte in der Gruft der Theatinerkirche (München) gefunden münchner

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W ussten Sie es ?

Besonderheiten

1928 R

athaus-Glockenspiel feiert Geburtstag 31. August: "Das vom Konsul Karl Rosipal gestiftete Glockenspiel am Rathaus mit seinem Ritterturnier und seinem Schäfflertanz, welches einen Anziehungspunkt und eine Sehenswürdigkeit für die Fremden bildet, kann das zwanzigjährige Jubiläum seiner Dienstzeit begehen."

A

nlehensmittel 5. September: "Der städtische Hauptausschuss hat auf Antrag des Referenten die Bereitstellung der bereits genehmigten Anlehensmittel von 106.000 Mark und 206.000 Mark genehmigt. Mit dem zweiten Betrag wird nunmehr der 3. Bauteil in Angriff genommen: die Erhaltung der wertvollen, jetzt als Pferdestall genützten gotischen Halle und ihre Verwendung für Museumszwecke."

N

eue Attraktion für das Deutsche Museum 7. September: "Gelegentlich der feierlichen Grundsteinlegung des Studienbaues des Deutschen Museums wird am Turm ein von Ingenieur Paul Fueß konstruiertes und dem Museum gestiftetes, elektrisch gesteuertes Riesenfernthermometer (von ca. 20 m Höhe angebracht." Es ist das größte Thermometer der Welt ist.

D

as Technische Rathaus - Münchens erster "Wolkenkratzer" 19. September: "Am Mittwoch nachmittags konnten das Baugeschäft Karl Stöhr, München, und die Stadtgemeinde München das Richtfest des städtischen Verwaltungsgebäudes mit dem 11 Stockwerke hohen Hochhaus an der Blumenstraße feierlich begehen. Die Feier mit den in schwindelnder Höhe um die schmucken Richtbäume versammelten Festgästen und Arbeitern hatte auf den umliegenden Straßen zahlreiche Zuschauer angelockt."

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aus dem Münchner Stadtleben

1928 L

uftschiff „Graf Zeppelin“ überfliegt München 28. September: "Kurz nach 9 Uhr vormittags kommt das neuerbaute Luftschiff 'Graf Zeppelin' auf einer Fernfahrt von Friedrichshafen nach München, überfliegt den Hauptbahnhof, wirft dort einen Briefbeutel für die Münchner Zeitung ab, zieht dann eine Schleife um die Frauenkirche, den Rathausturm und das Deutsche Museum. An Bord des Luftschiffes befinden sich dessen Führer Dr. Eckener, Reichstagspräsident Löbe, Exzellenz Oskar von Miller, die alle drei während der Fahrt über München von der Funkkabine des Zeppelins aus die Bevölkerung mit kurzen Ansprachen begrüßen. Die Straßen und Plätze der Stadt sind dichtbesetzt mit Menschen, die dem Zeppelin begeistert zujubeln.“

Luftschiff „Graf Zeppelin“ überfliegt München

B

aumeisterprüfung erstmals von einer Frau abgelegt 30. September: "Fräulein Hanna Löv hat als erste Frau in München die Prüfung für den staatlichen höheren Baudienst abgelegt und ist mit beträchtlichem Vorsprung als erster Kandidat aus diesem Examen hervorgegangen. Sie ist somit die erste weibliche Regierungsbaumeisterin in Bayern."

S

tädtischer Mitarbeiter schädigt Senioren 4. Oktober: "Im Justizpalast findet die Gerichtsverhandlung gegen den städtischen Verwaltungsobersekretär M. Meier wegen fortgesetzter Amtsunterschlagung, Betrugs und Urkundenfälschung statt. Meier, der seit 1922 dienstlich im Heilig-Geist-Spital beschäftigt war, unterschlug ihm von den alten Pfründnern und Pfründnerinnen übergebenes Geld, Wertpapiere und Wertgegenstände und fälschte auch die Unterschrift des Rechtsrats Hilble. Das Urteil lautet auf zwei Jahre Zuchthaus, 1.000 M Geldstrafe und fünf Jahre Ehrverlust."

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G´schichten aus dem Münchner Bratwurstherzl :HU NHQQW VLH QLFKW GLH VWHWV IUHXQGOLFKHQ XQGDXIPHUNVDPHQ6HUYLFHNUlIWHLP%UDW ZXUVWKHU]OLPPHU]XHLQHP6Sl‰FKHQDXI JHOHJWXQGWURW]GHPDOOHVLPhEHUEOLFN :LU ZROOHQ ,KQHQ GLH 0DQQVFKDIW QXQ LQ ORFNHUHU 5HLKHQIROJH YRUVWHOOHQ XQG GD]X GDVMHZHLOLJH/LHEOLQJVJHULFKW

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EULQJW 9HUPXWOLFK  WULWW VLH RKQH GDV :LVVHQLKUHV9DWHUVLQGHQ2UGHQGHU.DUmelitinnen in Ă vila ein, der zu dieser Zeit  0LWJOLHGHU ]lKOW ,KU 9DWHU DN]HSWLHUW ihre Entscheidung schnell, fĂźr sie sei dieser Schritt aber gewesen, „als wĂźrde sie jeden einzelnen Knochen zurĂźcklassen mĂźssen“. ,P-DKUGDUDXIZLUG7HUHVDHUQVWKDIWNUDQN ,KU 9DWHU EULQJW VLH ]X HLQHU 4XDFNVDOEHrin in Becedas, deren Heilungsversuche sie kĂśrperlich vĂśllig ruinieren. Drei Jahre lang sei sie auĂ&#x;erstande gewesen, sich zu rĂźhren, und es wird erzählt, dass sie, schon fĂźr tot gehalten, begraben werden sollte. ,QGLHVHU=HLWOHUQWVLHLP6WLOOHQ]XEHWHQ wobei ihr hilft, dass ihr auf dem Weg zur „curandera“ (der Heilerin) ein Buch des Franziskanerpaters Francisco de Osuna, das „Tercer Abecedario Espiritual“ („Drittes geistliches Abc“), in die Hände kommt, das eine EinfĂźhrung in das innere Gebet beinhaltet.

Wir haben uns der Lehre der hl. Theresia YRQ$YLODYHUVFKULHEHQGLHVRWUHIĂ LFKIRUmulierte: “ Tue deinem Leib Gutes, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnenâ€?.

ist der Sohn eines 1485 konvertierten sephardischen Juden, ihre Mutter DoĂąa Beatriz DĂĄvila y Ahumada stammt aus altkastilischem Adel. Covento de Santa Teresa in Ă vila

Hl. Theresia von Avila

Theresa von à vila - eigentlich Teresa Såchez de Cepeda y Ahumada (* 28. März 1515 in à vila, Kastilien, Spanien; †4. Oktober 1582 in Alba de Tormes, bei Salamanca) - war eine Karmelitin und Mystikerin und gilt in der katholischen Kirche als Kirchenlehrerin und Heilige.

1DFK GHP 7RG LKUHU 0XWWHU XQG GHU +HLrat der ältesten Schwester wendet sich =XU 2UWKRJUDĂ€H GHV 1DPHQV ,P 6SDQL- GHU 9DWHU HLQHP ZHOWOLFKHQ /HEHQ ]X XQG VFKHQ XQG ,WDOLHQLVFKHQ ZLUG LKU 1DPH bringt Teresa mit 16 Jahren zur weiteren ohne „h“ geschrieben, im Deutschen und Erziehung in das Kloster der AugustinerinLateinischen mit „h“, da er von Tharasia, nen in Ă vila, das sie aus gesundheitlichen GHU )UDX GHV KHLOLJHQ 3DXOLQXV YRQ 1ROD GrĂźnden nach 18 Monaten wieder verlasherstammen soll. sen muss. Die nächsten Jahre bleibt sie EHL LKUHP9DWHU XQG HLQHP 2QNHO GHU LKU ,KU9DWHU'RQ$ORQVR6iQFKH]GH&HSHGD die Lehren des heiligen Hieronymus näher

1DFKGHUWHLOZHLVHQ:LHGHUKHUVWHOOXQJLKrer Gesundheit nimmt sie - von der Klosterleitung unterstĂźtzt - rege am Leben auĂ&#x;erhalb des Klosters teil, leidet darunter aber sehr, weil sie sich weder dem weltlichen Leben noch dem in Gott zugehĂśrig fĂźhlt. 1554 begegnet sie dem „leidenden Christus“ und wird dadurch so angerĂźhrt, dass sie damit zu ihrer „endgĂźltigen BekehUXQJ´ Ă€QGHW ,Q UDGLNDOHU 6HOEVWDXIJDEH will sie kĂźnftig nur noch in Christus leben, ein Wunsch, der in ihrem Kloster nicht ganz ernst genommen wird. 1560 erlebt sie 9LVLRQHQGHU+|OOHGLHLKUHQ:XQVFKQDFK 9ROONRPPHQKHLWQRFKYHUVWlUNHQ Fortsetzung folgt im nächsten Heft.

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Straßen und Plätze und ihre Herkunft

Isarvorstadt *1894: Anton Ehrengut (1840-1890), ein Münchner Zimmermeister, trug durch eine bedeutende Stiftung zur Förderung der Kunst bei.

Wann und wie sie zu ihren Namen kamen. Genau genommen sind Straßen und Plätze ja nur anonymer Raum zwischen Häuserzeilen. Charakter und Stil bekommen sie erst, wenn Menschen ihnen Namen geben. Dabei könnte die Bezeichnung von diesem Gässchen und jenem Sträßchen in vielen Fällen einen historischen Roman erzählen. Hier verweist der Name auf ein altes Rittergeschlecht. Dort standen die Vips unterschiedlichster Epochen Pate.

Maxvorstadt, *1808: Prinzessin Elisabeth Ludovika von Bayern (1801-1873), Tochter des Kurfürsten und späteren Königs Maximilian I. Joseph, seit 1823 vermählt mit dem preußischen Kronprinzen und späteren König, Friedrich Wilhelm IV. von Preußen.

(früher Unteres Elend), Altstadt* vor 1818: Nach der Dreifaltigkeitskirche, die hier auf dem Friedhof des Heiligeistspitals stand, die Kapelle wurde 1803 in eine Schule umgebaut und später abgebrochen.

Isarvorstadt, *1969: Emil Muhler (1892-1963), Stadtpfarrer der Pfarrei St.Andreas seit der Gründung 1924, Stadtratsmitglied von 1930 bis 1933 für die BVP, nach 1945 für die CSU; während der NS-Zeit mutiges Auftreten gegen die Nationalsozialisten, kam deshalb 1934 für vier Monate ins Gefängnis und von Herbst 1944 bis April 1945 ins KZ Dachau.

um 1489 Jörg Müllners Gassl, 1567-1572 Gailersgassl, vor 1872 Bachgässchen: In dem Eckhaus Tal-Dürrnbräugasse war eine der in früheren Tagen sehr kleinen zahlreichen kleineren Brauereien in München, die seit 1607 Georg Dürr gehörte, diese Bezeichnung hat sich als Name einer Gaststätte bis heute erhalten.

Lehel, *1907: Emil Freiherr von Riedel (18321906), Staatsrat; von 1877 bis 1904 bayerischer Staatsminister der Finanzen, legte in der längsten Ministerzeit aller königlich-bayerischen Staatsminister die Grundlagen für eine neue bayerische Finanzverfassung; Ehrenbürger der Stadt München.

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Englischer Garten, Lehel/Schwabing (1/12), *um 1803: Dieser Park (seit 1387 Hirschgehege) wurde 1789 auf Anregung Benjamin Thompsons (später Graf Rumford) von Kurfürst Karl Theodor zur Anlage eines Volksparks freigegeben und unter Leitung des Gartenbaumeisters Friedrich Ludwig von Sckell zum Landschaftspark umgestaltet; der Park hieß anfänglich noch *Carl-Theodor-Park*, bekam später jedoch nach Art seiner Anlage im englischen Stil seinen heutigen Namen.

Maxvorstadt, *um 1840: nach dem *Gußhaus*, einer Werkstätte für Eisenguss, die König Ludwig I. an dieser Straße errichten ließ und die 1826 in Betrieb genommen wurde; unter der Leitung Ferdinand von Millers entstand hier in den Jahren 1844 bis 1850 die Bavaria.

Maxvorstadt, *1877: Karl von Enhuber (18111867), Maler; schuf viele humoristische Genrebilder aus dem oberbayerischen Volksleben (Wildschützen, Flößer u. a.).

Ludwigsvorstadt, *1951: Nach der von dem Warschauer Augenarzt L. Zamenhof 1887 erfundenen Welthilfssprache Esperanto (weltweit gibt es rund 1 Million Esperantisten).

Isarvorstadt, *1891: Alois von Erhardt (18311888) war rechtskundiger 1. Bürgermeister München von 1870 bis 1886.

(seit 1572 Jesuitengässel, 1795 bis nach 1803 Jesuitenpflaster, 1710 bis 1886 weite Gasse), Altstadt, *seit 25. September 1886: Kaspar Ett (1788-1847), Kirchenmusiker, von 1816 bis 1846 Organist in St. Michael, beeinflusste die zeitgenössische Kirchenmusik in ganz Süddeutschland. münchner

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Das Münchner Hofbräuhaus 2007 400 Jahre Hofbräuhaus in München Wilhelm V., Herzog von Bayern (1579 – 1597), hat einen durstigen und an-

spruchsvollen Hofstaat. Dem ist das in München gebraute Bier nicht gut genug, so dass aus der niedersächsischen Stadt Einbeck Bier nach München importiert werden muss. Wilhelm befiehlt seinem Hofstaat nachzudenken, wie sich Kosten und Vergnügen in ein Gleichgewicht bringen ließen. Am 27. September 1589 unterbreiten ihm die Kammermeister und Räte Ch. Strabl, A. Amasmeyr, S. Prew und G. Griesmair eine Idee: Warum nicht ein eigenes Brauhaus bauen? Wilhelm nimmt diesen Plan hocherfreut an und rekrutiert noch am selben Tag den Braumeister des Klosters Geisenfeld, Heimeran Pongraz, als Planer, Bauherren und ersten Braumeister des „braunen“ Hofbräuhauses, das 1592 am Alten Hof den Betrieb aufnimmt. Braunes Hofbräuhaus deshalb, weil dort ausschließlich Braunbier gebraut wurde. Die Entstehungsgeschichte des Hofbräuhaus: Herzog Wilhelm V. gründete am 27. September 1589 auf dem Gelände der damaligen Münchner Herrscherresidenz eine Brauerei. Dieses erste Hofbräuhaus existierte bis ins Jahr 1808 und lag nur wenige Schritte

vom heutigen Hofbräuhaus entfernt. Erhalten blieb davon nur die Gründungsurkunde. Bald darauf sollte am Platzl gegenüber dem alten Orlandohaus ein zweites Hofbräuhaus entstehen. Maximilian I., der neue Herrscher Bayerns errichtete 1607 sein herzogliches Weißbierbrauhaus und schuf damit das historische Fundament für das heutige Hofbräuhaus. Zum Leidwesen der Wirte und privaten Brauer, die um ihre Kundschaft bangten, erklärte König Ludwig I. 1828 per Dekret die Hofschänke offiziell zur Volksschänke. Noch heute erinnern Stammtischbrüder im Hofbräuhaus mit einem Trinkspruch an das große Ereignis. Ende des 19. Jahrhunderts brauchte man Platz für Gäste. 1882 begann der Umzug der Brauerei ans Isarufer. Mit dem letzten Sud am 22. Mai 1896 nahmen die Münchner Abschied von ihrem alten Hofbräuhaus am Platzl. Über einer Grundfläche von 11.000 Quadratmetern sollte sich nach neuesten Erkenntnissen der damals entstehenden Großgastronomie nun ein Biertempel entstehen. Am 22. September 1897 wurde der Bierpalast am Platzl eröffnet: Das Hofbräuhaus, wie wir es heute kennen.

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Im Hofbräuhaus gibt es keinen Ruhetag Für die hundert Kellnerinnen und Kellner beginnt der Arbeitstag morgens um 7.00. Täglich gegen 9.00 Uhr öffnen sich die Pforten für die Gäste. Im Hofbräuhaus gibt es keinen Ruhetag; selbst an Weihnachten wird niemand vor verschlossenen Türen stehen. An Spitzentagen werden hier sogar bis zu 30.000 Besucher erwartet.

Die Hälfte der Besucher sind Stammgäste In der sogenannte Schwemme, dem Herzstück des Hofbräuhauses, standen vor über hundert Jahren noch Brauanlagen. Heute bietet die Schwemme über 1000 Menschen Platz. Die Hälfte, von denen die täglich hierher kommen, sind Stammgäste. Selbst Engel gehen ins Hofbräuhaus Und einer von ihnen soll sogar ein Engel sein, so heißt es im Märchen

Das Münchner Hofbräuhaus: Der Stammtisch für die ganze Welt München, Bier und Hofbräuhaus – das gehört schon seit 400 Jahren zusammen. Seit dem frühen 19. Jahrhundert ist die Schankstätte im Herzen der Stadt ein Anziehungspunkt für Münchner und Reisende aus aller Herren Länder. Das schmackhafte Bier, die traditi-

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onellen Spezialitäten, seine sprichwörtliche Gemütlichkeit und seine Geschichte haben den Bierpalast am Platzl zum berühmtesten Wirtshaus der Welt gemacht.


vom „Münchner im Himmel“: Alois Hingerl, die Hauptfigur dieser Geschichte, war zeitlebens Stammgast im Hofbräuhaus. Nach seinem Tod im Himmel angekommen, störte er wegen seiner großen Sehnsucht nach München die überirdische Ruhe empfindlich. Er grantelte solange, bis sich der liebe Gott erbarmte und ihn mit einer Mission für die bayerische Regierung zu einem Ausflug in seine alte Heimat entsandte. Doch kaum atmete der Engel Aloisius wieder Münchner Luft, vergaß er seinen göttlichen Auftrag und flog schnurstracks ins Hofbräuhaus. Dort fand er endlich seinen Seelenfrieden und genießt seitdem eine Maß Bier um die andere. Die bayerische Staatsregierung jedoch warte bis heute vergeblich auf göttliche Eingebung, so endet die Humoreske. Erstes Lebensmittelgesetz der Welt stammt aus München Früher galt Bier in Bayern nicht nur als Getränk, sondern auch als Grundnahrungsmittel, ähnlich dem Brot. Allerdings wurde damals beim Bier-

brauen mit den absonderlichsten Zutaten experimentiert. Manchem schlug nach dem Genuss solchen Gebräus gar das letzte Stündlein. Aus diesem Grund erließ die Obrigkeit im Jahr 1516 eine Brauvorschrift für ganz Bayern: Das war das erste Lebensmittelgesetz der Welt - und es gilt bis heute. Wir nennen es inzwischen Reinheitsgebot.

Schon zur Jahrhundertwende Besucher aus aller Welt Trotz der dreieinhalbtausend Sitzplätze hatte das neue Hofbräuhaus nichts vom alten Charme verloren. Um die Jahrhundertwende zählte man hier bereits 5000 Stammgäste. Nicht nur Münchner, auch Reisende aus aller Welt zog es in Scharen hierher. Das Wirtshaus wurde zur Sehenswürdigkeit und zum Treffpunkt von Menschen aller Nationen, jeden Alters und jeder Gesellschaftsschicht.

Das Hofbräuhaus heute Ob in der Schwemme, im Bräustüberl oder unter schattenspendenden Kastanien im Biergarten, das Hofbräuhaus ist zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit ein Anziehungspunkt. Bayerische Spezialitäten gibt es von früh bis spät und schon im Morgengrauen wird täglich ein ganz besonderes Münchner Schmankerl frisch produziert. Kenner zieht es wegen dieser Köstlichkeit bereits zum Frühstück ins Hofbräuhaus. Das Geheimnis der Weißwürste Morgens um 4.00 Uhr beginnt im Hofbräuhaus die Produktion hausgemachter Weißwürste. Diese Münchner Delikatesse wurde am Faschingssonntag 1857 von einem Metzger in der Nachbarschaft aus der Taufe gehoben und darf auf der Speisekarte des Hofbräuhauses nicht fehlen. Beim Würzen hat jeder Metzger sein eigenes, streng geheimes Rezept. Im Hofbräuhaus scheint es ein besonders schmackhaftes zu sein: würde man alle Weißwürste, die hier in einem Jahr verspeist werden, aneinander reihen, so käme man auf eine Strecke von 20 Kilometern. Hofbräuhaus: Spezialitäten zum Bier Dem Liebhaber deftiger, bayerischer

Kost eröffnet sich hier ein wahres Schlaraffenland: Die reschen Krusten von Spanferkel, Schweinebraten und Haxen sind der Stolz des Küchenchefs, der sich seine Anregungen von überlieferten, altbayerischen Rezepten holt. Nicht wegzudenken - die Knödel: Semmelknödel, Leberknödel und natürlich Kartoffelknödel. Allein 160.000 wandern Jahr für Jahr in die Mägen hungriger Gäste. Und jeder einzelne Knödel wird hier noch liebevoll per Hand gemacht. Auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten: Täglich werden verschiedene fleischlose Gerichte angeboten. Der hauseigene Patissier rundet mit Apfelstrudel und Bayerisch Creme das kulinarische Bild ab. Krüge hinter Schloß und Riegel: die Bierkrugtresore Alteingesessene Gäste genießen im Hofbräuhaus ein ganz besonderes Privileg: das eigene Fach für den Bierkrug im sogenannten Maßkrugtresor.

Wer ein solches ergattern will, muss schon das Glück haben, aus einer Stammgastdynastie einen Schlüssel zu erben. Für Neulinge herrscht hier - im wahrsten Sinn des Wortes- geschlossene Gesellschaft. Alte Traditionen leben im Hofbräuhaus weiter Im Hofbräuhaus werden seit jeher Traditionen gepflegt und sogar Rituale aus alten Zeiten wieder zum Leben erweckt. So ist es neuerdings am Stammtisch der Brauch, seine Maß nicht mit barer Münze, sondern wie in den Anfängen des herzoglichen Brauhauses, mit Bierzeichen zu bezahlen. Wer als Stammgast zehn davon kauft, bekommt ein elftes als Treuerabatt. münchner

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Schmuck aus Haaren Die Lebenskraft sitzt im Volksglauben schon immer im Haar. Delila schnitt Samson das lange Haar ab und er verlor sofort seine unglaubliche Kraft. Wer ein Haar von einem Anderen besitzt, besitzt Macht über ihn, verspricht der Aberglaube.

Armreif aus Haaren

Wer also sein Haar einem Anderen schenkt, liefert sich ihm irgendwie auch etwas aus. Auch im Märchen spielen Haare eine wichtige Rolle z.B.: Rapunzel, der Teufel mit den drei goldenen Haaren und Hexen kochen Zaubertränke mit Haaren.... Die einfachste Form des Haarschmuckes, die sich bis heute erhalten hat, ist die niedliche Locke im Medaillon. Vom ausgehenden 18. bis zum Beginndes 20. Jahrhunderts wurde menschliches Haar aber auch zu Schmuck und Erinnerungsbildern verarbeitet.

als heute. So sind die meisten dieser frühen Haar-Schmuckstücke Spenden von den eigenen, fast immer sehr langen Haaren der Frauen, meist an die Männer. Sie wurden gerne mit Hilfe von Friseuren u. Perückenmachern von der Schenkenden selbst hergestellt. So war auch klar, daß das eigene Haar verarbeitet wurde.

waren Liebe, Treue und Freundschaft. Viele der Haarkünstler, die Schmuckstücke im Auftrag ausführten, waren ehemalige Friseure, die arbeitslos geworden waren, weil nach der französische Revolution Kleider u. Frisuren betont einfach wurden. Im 19. Jahrhundert kam Schmuck aus Haaren auch in ländlichen Kreisen in Mode. Die Haarknüpfkünstler wanderten herum, boten ihre Kenntnisse an und nahmen Aufträge entgegen. Manches Bauernmädchen verdiente sich mit dem Verkauf seiner langen Zöpfe etwas nebenbei. Bis 1920 lernten viele Friseure wäh-

Ohrringe aus Haaren

Uhrenkette aus Haaren

Junge Frauen konnten diverse Muster auch anhand von Zeitschriftenartikeln erlernen. Diese Haar-Handarbeitstechnik war mit den Knotenstrukturen des Makrameeknüpfens sehr verwandt. Und da die Abende in Winterzeiten lang waren und es kaum Abwechslung wie heute gab, stand die Handarbeit als Unterhaltungsprogramm eben hoch im Kurs. Hauptmotive, die immer wieder bei den Schmuckstücken auftauchten,

rend ihrer Lehrzeit diese kunstvolle Verarbeitungsmöglichkeit. In Klöstern überlebte die Haarverarbeitung in Form von den sogenannten Klosterarbeiten noch einige Jahre. Leider ist dieses Kunsthandwerk seither beinahe ausgestorben. Als Erinnerungsträger trat die Fotografie zunehmend an die Stelle der komplizierten Haararbeiten.

Errinnerungsbild aus Haaren

Die gefühlsmässige Bedeutung stand besonders in der Zeit der Romantik und des Biedermeiers im Vordergrund. In dieser Zeit der großen Gefühle galt eine so persönliche Gabe viel mehr 18

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Mit haarigen Grüßen Petra Perle, Wirtin vom Turmstüberl im Isartor. Brosche aus Haaren

PP@PETRA-PERLE.DE


Schwabing

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Schwabing der Stadtteil im Norden Münchens, der als Boheme-Viertel in der Prinzregentenzeit zu literarischer Berühmtheit gelangt ist.

Das Siegestor liegt rund einen Kilometer nördlich der Feldherrnhalle und trennt die Ludwigstraße, die dort endet, von der Leopoldstraße, die hier ihren Anfang hat. Das Siegestor markiert die Grenze zwischen den beiden Münchner Stadtvierteln Maxvorstadt und Schwabing. Außerdem ist nebenan das Statistische Institut der LMU München untergebracht. Ludwig I. erteilte 1840 seinem Architekten Friedrich von Gärtner den Auftrag, einen Triumphbogen nach Vorbild des Konstantinsbogens in Rom als Abschluss seiner Prachtstraße, der Ludwigstraße, zu planen. Dieser Triumphbogen soll dem Bayerischen Heere gewidmet sein und somit direkt mit der Feldherrnhalle korrespondieren, mit der seine Prachtstraße beginnt. Das Siegestor wurde 1843 bis 1852 errichtet, wobei nach Friedrich von Gärtners Tod 1850 dessen Schüler Eduard Metzger die Arbeiten übernahm. Mit dem Siegestor gelang Friedrich von Gärtner mehr als eine Kopie des Konstantinsbogens. Die Säulen, die auf hohe Kapitelle gestellt sind, betonen die klare vertikale Gliederung. Das wuchtige Gebälk drückt einer schweren Last ähnlich auf die harmonisch rhythmisierenden drei Bögen. Damit erhält der Triumphbogen die architektonische Kraft, den Zug des Siegestores aufzufangen und in die Felder und Wiesen, die 1852 noch vorherrschten, weiterzuleiten. Die thronend schwebende Quadriga, geschaffen von Friedrich Brugger, Johann Martin von Wagner und Johann von Halbig, schwebt über dem Siegestor und betont seine Mittelachse. Gleichzeitig fährt 20

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die Bavaria auf der Quadriga stadtauswärts in die Felder und Wiesen blickend „dem Bayerischen Heere“ entgegen, was die Inschrift auf der Nordseite uns verrät. Die Bildmotive der Reliefs zeigen Kampfszenen, die Kraft und Willen des bayerischen Heeres unterstreichen. Die Medaillons dagegen stellen Allegorien der bayerischen Regierungsbezirke dar:

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letzten Jahren wurde das Siegestor saniert und die Statuen und Skulpturen restauriert.

* Oberbayern: Alpenviehzucht * Ober- und Mittelfranken: Hand werk und Viehzucht * Unterfranken: Wein, Getreidebau und Schifffahrt * Pfalz: Wein und Fischfang * Oberpfalz: Hammerwerk * Schwaben: Weberei Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde unter dem Eindruck der Zerstörungen und weiteren Folgen wie Vertreibung und Kriegsschuld das Tor bewusst vereinfacht aufgebaut und auf der Südseite eine zusätzliche Inschrift, die Wilhelm Hausenstein entwarf, angebracht: „Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend“. Damit bekommt das Siegestor eine neue symbolische Bedeutung: Krieg bringt nicht nur den Sieg, sondern auch Leid und Zerstörung – er zerstört sogar Symbole des Sieges. Daher kann die Lösung nur Frieden heißen. Damit ist das Siegestor auch Fried-

Das zerstörte Siegestor 1945

mahnmal, ähnlich dem derKaiserWilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. 1972 konte die von Elmar Dietz wiederhergestellte Quadriga auf das Siegestor aufgestellt werden. In den

Im Süden wird Schwabing durch die Maxvorstadt begrenzt, im Osten durch den Englischen Garten, im Westen durch Neuhausen und im Norden durch Milbertshofen. Ein erweiterter Schwabing-Begriff ergibt sich dadurch, dass viele Schwabinger Schlüssel-Adressen aus der Zeit der Schwabinger Bohème heute de facto im Stadtteil Maxvorstadt liegen. Das Dorf Schwabing (die Gründung Svapinga eines Svapo) wurde bereits 782 urkundlich erwähnt und ist damit erheblich älter als München selbst (Stadtgründung im 12. Jahrhundert). Vermutlich hatte sich ein zugereister Schwabe hier niedergelassen und dem Ort seinen Namen gegeben, sein Nachfolger vermachte den verschuldeten Besitz dem Kloster Schäftlarn – gegen die ausdrückliche Erwartung, dafür vom Fegefeuer verschont zu bleiben. Spätere Nachkommen bauten eine kleine Burg, die bald verfiel. 1886 wurde Schwabing zur Stadt erhoben und 1890 nach München eingemeindet. Ein eigenes Stadtwappen ab dem 8. Januar 1887 im Zuge der Stadterhebung verlieh Prinzregent Luitpold am 29. Dezember 1886, mitgeteilt durch die Regierung von Oberbayern, Kammer des Innern: Im blauen Schild zwölf goldene Ähren, deren Halme von einem silbernen, zu einer Schleife verschlungenen


Band zusammengehalten werden. Nach der Eingemeindung in die kgl. Haupt- und Residenzstadt München 1890 besitzt der Stadtrat der Landeshauptstadt München sämtliche Rechte zur Verwendung und Führung des Wappens. Schwabing und seine große Zeit Mit der Schließung der Universität in Landshut und der gleichzeitigen Neugründung der Universität 1826 und der Kunstakademie 1885 durch die bayerischen Könige entwickelte sich München zu einem geistigen Zentrum und schließlich zur „Kunststadt“ (die „Malerfürsten“ Franz von Lenbach oder Franz von Stuck sind zu erwähnen), im Gefolge da-

von später Schwabing und die daran angrenzende Maxvorstadt zum Künstlerviertel Münchens. In den Künstlerkneipen verkehrten um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Maler wie Ernst Ludwig Kirchner, Lovis Corinth oder Paul Klee und aus der Malervereinigung „Blauer Reiter“ Wassily Kandinsky, Alexej Jawlensky, Gabriele Münter, Marianne von Werefkin und Franz Marc. Auch Literaten sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hier besonders zahlreich anzutreffen: Schon Gottfried Keller hatte hier studiert (und beschrieb später ein Schwabinger Faschingsfest in seinem Roman Der grüne Heinrich), und König Max II. scharte gar eine ganze Dichterschule um sich, die „Krokodile“. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts lebten und arbeiteten teils vorübergehend, teils ein Leben lang etwa die folgenden Schriftsteller und Dichter in Schwabing: Ludwig Ganghofer, Michael Georg Conrad, Heinrich Mann, Thomas Mann, Oskar Panizza, Rudolf Alexander Schrö-

der, Otto Julius Bierbaum, Alfred Walter Heymel, Friedrich Huch, Kurt Friedrich-Freksa (Pseudonym: Friedrich Freksa), Alexander Moritz Frey, Norbert Jacques, Ricarda Huch, Frank Wedekind, Ernst von Wolzogen, Gustav Meyrink, Rainer Maria Rilke, Isolde Kurz, Ludwig Thoma, Josef Ruederer, Max Halbe, Edgar Steiger, Annette Kolb, Stefan George, Karl Wolfskehl, Ludwig Klages, Franz Hessel, Roda Roda, Rolf von Hoerschelmann, Ina Seidel, Helene Böhlau, Gabriele Reuter, Oskar A. H. Schmitz, Christian Morgenstern, Max Dauthendey, Heinrich Lautensack, Mechtilde Lichnowsky, Fanny Reventlow, Lion Feuchtwanger, Leonhard Frank, Joachim Ringelnatz, Lena Christ, Claire Goll, Oskar Maria Graf, Hugo Ball, Hermann Kesten. Kein einziger von ihnen war ein geborener Schwabinger nur vier Münchner (Morgenstern, Kolb, Frey und Feuchtwanger) waren und nur sechs Altbayern (Thoma, Ruederer, Christ, Graf, Lichnowsky und Lautensack), alle anderen kamen aus dem „Reich“ oder dem Ausland. Schwabing muss also attraktiv gewesen sein – und es hat beeindruckt: Ausnahmslos alle Genannten haben – entweder in autobiografischer oder in fiktionaler Form – Erinnerungsliteratur an Schwabing hinterlassen, wonach Klima und Wirkung Schwabings gut rekonstruiert werden können. Viele der bekanntesten Künstlerkneipen werden zwar zu „Schwabing“ und dem damit assoziierten Lebensgefühl gezählt, liegen aber in der innenstadtnäheren Maxvorstadt, dem Quartier Latin um die Universität. So etwa die in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg sehr bekannte Kneipe „Simplicissimus“ in der Türkenstraße, heute unter dem Namen „Alter Simpl“ noch am gleichen Ort – Joachim Ringelnatz war dort der „Hausdichter“ – oder das Café Stefanie in der Amalienstraße (heute nicht mehr vorhanden). Das Schwabinger Satire-Blatt Simplicissimus aus dem Albert-Langen-Verlag mit seinem Signet, der roten Bulldogge, wurde zum Symbol für beißende Kritik an politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen, Ludwig Thoma, Theodor Heine, Olaf Gulbransson,

Schwabing

Bruno Paul, Eduard Thöny, Rudolf Wilke waren die berühmtesten dort tätigen Künstler. Die Kulturzeitschrift Die Jugend, verlegt von Georg Hirth, gab der deutschen Variante des Art Nouveau, dem Jugendstil, ihren Namen. Mit beiden Blättern (beide seit 1896) war das München der Prinzregentenzeit durch seinen Schwabinger Vorort im Zeitalter autoritärer Zensur mit Abstand der liberalste Ort Deutschlands, vor allem im Vergleich mit Berlin – auch wenn Schwabing zahlreiche Strafprozesse hervorbrachte, sei es wegen Gotteslästerung, Majestätsbeleidigung (des deutschen Kaisers) oder Abweichung von der herrschenden Sexualmoral. Die be-

Fanny zu Rewentlow

rühmteste Gestalt des klassischen Schwabing war die „holsteinische Venus“, Fanny Gräfin zu Reventlow (1871–1918, ihre Lebensdaten markieren exakt Anfang und Ende des neu errichteten deutschen Kaiserreichs) aus Husum, die 1913 den schönsten Roman über Schwabing veröffentlichte, „Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil“. Allerdings haben die Schwabinger Verhältnisse auch sonst zu zahlreichen literarischen Verarbeitungen, oft in der Form des Schlüsselromans, geführt. Franziska zu münchner

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Reventlow, die Schwabing auch als „Wahnmoching“ betitelte, hatte es so ausgedrückt: „Schwabing ist kein geographischer Begriff, sondern ein Zustand“. Auch die Revolutionäre der 1919 niedergeschlagenen bayerischen Räterepublik, etwa Erich Mühsam und Edgar Jaffé sowie der später als Romanautor B. Traven in Mexico bekannt gewordene Ret Marut wohnten in Schwabing; man sagt, sie hätten die ganze Revolution im Café Stefanie ausgeheckt. Wladimir Iljitsch Uljanow, der sich erstmals in Schwabing literarisch Lenin nannte, tauchte als bürgerlicher Herr Meier hier mit seiner Frau Nadeschda Krupskaja für einige Zeit unter. Mit ihr und einigen Getreuen gründete

er die Zeitschrift Iskra. In Schwabing lebte auch der spätere DDRKulturminister Johannes R. Becher. Ebenso versuchte sich Adolf Hitler hier erfolglos als Kunstmaler, nahm als Trauergast am Begräbnis des ermordeten Ministerpräsidenten Kurt Eisner teil und putschte 1923, zunächst erfolglos, als Revolutionär (Marsch auf die Feldherrnhalle). Später errichtete er unweit Schwabings in der Nähe des Königsplatzes die Parteizentrale der NSDAP. Die Schwabinger Bohème-Szene hatte jedoch schon mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs ein abruptes Ende gefunden. Vgl. dazu auch Joachim Ringelnatz‘ Autobiografie „Mein Leben bis zum Kriege“. Ein berühmter Ort blieb der Stadtteil trotzdem – mit zahlreichen Ereignissen; beispielsweise gab 1929 in der Tonhalle an der Türkenstraße der 13-jährige Yehudi Menuhin in kurzen Hosen sein allererstes Kon22

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zert und spielte die bis dahin nie gehörte C-Dur-Solosonate für Violine von Johann Sebastian Bach; nach dem 2. Weltkrieg, 1951, erschien der Gedichtband In der Traumstadt von Peter Paul Althaus, der MünchenSchwabing eine neue poetische Aura verlieh, der inzwischen sehr renommierte Schwabinger Kunstpreis wurde begründet; die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ im Herzen Altschwabings, mit ihrem bekanntesten Mitglied Dieter Hildebrandt, gehörte zu den berühmtesten Kabaretts der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, und noch das literarische Erstlingswerk des Schriftstellers und Kabarettisten Gerhard Polt, das Hörspiel „Als wenn man ein Dachs wär in seinem Bau“ (1977) ist im Quartier Latin um die Universität entstanden.

Schwabing andere Stadtteile Münchens, Haidhausen, das Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel Schwabing als ModeViertel den Rang streitig, auch das Westend entwickelt sich neuerdings in diese Richtung, während Schwabing mehr und mehr zum historischen Forschungsgegenstand wird.

Die nach dem 2. Weltkrieg einsetzende Nostalgie-Welle, die das alte Schwabing zu verklären und zugleich kommerziell auszubeuten versuchte, machte Schwabing vor allem zum Mode-Viertel für die Schickeria, was die Miet- und Gastronomiepreise in horrende Höhen trieb. In den 1960er Jahren lebte und arbeitete die Münchner Künstlergruppe SPUR hier, und unter der studentischen Jugend kam es zu den so genannten „Schwabinger Krawallen“ auf der Leopoldstraße, der Hauptachse Schwabings. Sie waren ein erster Auftakt zur europaweiten Jugendrevolte der 1960er Jahre, die sich gegen die herrschenden Polit-Strukturen und wirtschaftswunderliches Geldgeprotze richtete: Ereignisse, die treu dem alten Geist notwendig in Schwabing stattfinden mussten.

Die Leopoldstraße, die neben der Hohenzollern-, Feilitzsch- und Occamstraße als Catwalk der Schönen und als Konsummeile bekannt ist, verwandelt sich meist in den Sommermonaten in eine urbane Bühne. Fanmeile und Autocorsos nach Sportereignissen, schicke Cabriolets mit internationalen Kennzeichen und gestylte Flaneure, die dem Volkssport „sehen und gesehen werden“ frönen, sind hier zu bestaunen. An zwei Wochenenden im Jahr findet der sogenannte „Corso Leopold“ auf der Leopoldstraße statt. In den letzten Jahren ist die Veranstaltung zu einer der bestbesuchten Münchens geworden. Bis zu 500.000 Schaulustige besuchten die Veranstaltungen.

Schwabing heute In den letzten Jahren machen nun

Elisabethplatz Benannt wurden der Elisabethplatz

und die Elisabethstrasse 1898 nach der Kaiserin Elisabeth von Öster-


reich, besser bekannt als Sisi. Sie war die Tochter des Herzogs Max Joseph in Bayern und Cousine von König Ludwig II.. 1854 heiratete sie Kaiser Franz Joseph I., nach dem bereits 1894 die Franz-JosephStraße benannt worden war. Das Paar weilte des Öfteren bei der Verwandtschaft in Schwabing. Der Markt am Elisabethplatz wurde 1903 gegründet. Seine Wurzeln reichen allerdings viel weiter zurück, denn

beim Elisabethmarkt handelt es sich um den ehemaligen Markt am Maffeianger, gegründet 1880, der jedoch wegen geplanter Straßenbauarbeiten vom Maffeianger auf den Elisabethplatz verlegt werden musste. So wurde am 1. Oktober 1903 per Magistratsbeschluss der Markt am Elisabethplatz ins Leben gerufen. Bei Mobilmachung zum

Ersten Weltkrieg hatte der Markt ein eigenes Inskriptions-Büro, in dem Kriegsanleihen gezeichnet werden konnten. Der Markt selbst bestand aus ein paar ständigen Plätzen sowie aus Tagesverkaufsplätzen, die der Magistrat alle 5 Jahre versteigerte oder vom Marktinspektor verlosen ließ. Die bereits 1903 errichtete Markthalle am Elisabethplatz fiel im Zweiten Weltkrieg Weltkrieg den Bomben zum Opfer, die auch den Markt insgesamt schwer beschädigten. Der Betrieb wurde aber, soweit als möglich, durch die Händler und die Stadtverwaltung aufrechterhalten. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Markt wieder aufgebaut 24

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und man ersetzte die Markthalle durch Verkaufshäuschen, die noch heute das Bild des Elisabethmarktes prägen. Auf dem südlich vom Markt gelegenen Gebäude der Stadtwerke München wurde Anfang der 1990er Jahre ein überlebensgroßes Graffiti zum Thema Energie angebracht. Dies gefiel den Händlern so gut, dass sie, um den Markt etwas hervorzuheben, auch so ein Graffiti wollten. 1996 wurde von Studenten der FH München auf der dem Markt zugewandten Seite ein Graffiti zum Elisabethmarkt gestaltet, dass auch heute noch dem Betrachter ins Auge fällt. Der zur Nordendstrasse gelegene Pavillon, das Milchhäusl, stammt vom Ende des 19. Jahrhunderts. Den

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Münchner Stadtteil Schwabing. Zugleich ist St. Ursula der erste Sa-

kralbau Münchens, der sich von den mittelalterlichen Architekturvorbildern abwandte und dadurch eine Brückenfunktion zwischen Historismus und Jugendstil/Moderne einnimmt. Nachdem Schwabing, 1887 zur Stadt erhoben seit dem 18. Jahrhundert immer mehr an-

Bau hatte der Arzt und Antialkoholiker Carl Brendel angeregt, der dann persönlich darüber wachte, dass hier jeden Morgen ab 5 Uhr früh Milch ausgegeben wurde. Er hatte sich die Gesundheit der Bevölkerung, speziell die „Eindämmung des Völkergifts Alkohol“, zum Ziel gesetzt. Dies jedoch nur mit eingeschränktem Langzeiterfolg, denn heute ist hier ein kleines Lokal namens Wintergarten mit Biergarten eingezogen. Die Katholische Stadtpfarrkirche St. Ursula, die zweite Pfarrkirche des wuchs, erwies sich die Pfarrkirche St. Sylvester bald als zu klein. Erste Erweiterungspläne wurden zugunsten eines Neubaus an anderer Stelle verworfen, deren Planung August Thiersch übertragen wurde.Thiersch wollte mit St. Ursula ein neues städtebauliches Zentrum für Schwabing schaffen, was aber nicht gelang. Daher stellte er die dreischiffige Basili-


ka in die Achse der Friedrichstraße und gestaltete einen Platz um sie. Der Entwurf sah eine Basilika mit zentralem Campanile im Zentrum, die beiderseits von symmetrischen Bauten flankiert werden sollte. Um zugleich die eigenständige Verbindung mit Schwabing zu zeigen, wurde als Patrozinium das der hl. Ursula gewählt, das von der bisherigen Dorfkirche übernommen wurde. Nebenpatron wurde hl. Nikolaus von Myra, da der Neubau zugleich Nachfolger der im 19. Jahrhundert profanierten und 1908 abgerissenen Nicolaikapelle war. Nachdem 1888 das Grundstück zur Verfügung stand, erfolgte 1894 die Grundsteinlegung. Am 10. Oktober 1897 wurde St. Ursula geweiht, die alte Dorfkirche St. Ursula, seit 1921 St. Sylvester, wurde zu diesem Zeitpunkt Filialkirche mit eigener Kuratie.

Im Zweiten Weltkrieg wurde 1944 die Farbverglasung der Kirche zerstört, ansonsten blieb die Kirche aber unversehrt. 1956 und nochmals 1977-1980 erfolgte eine Sanierung. Zur Zeit befindet sich der Campanile wegen Einsturzgefahr in einem Gerüst, eine Bürgerinitiative sammelt Geld für die Restaurierung. St. Ludwig befindet sich im nördlichen Teil der Ludwigstraße und bildet den städtebaulichen Auftakt der in Ost-West-Richtung verlaufenden Schellingstraße. Das Schönfeld, das später in die Maxvorstadt aufgehen sollte, verlor seine Pfarrkirche durch den Um- und Neubau des Kgl. Kriegsministeriums (heute Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ludwigstr. 14 / Schönfeldstr. 3) durch Leo von Klenze, der einen Abriss der Maximilianskapelle erforderte. Diesen 26

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Umstand nutzte König Ludwig I., um in der Achse der Löwenstraße, der heutigen Schellingstraße, einen Monumentalbau für seine Prachtstraße zu errichten, für die schon früher Leo von Klenze erste Entwürfe einreichte. 1828 bot er einen Zuschuss in Höhe von 100.000 Gulden aus seiner Privatschatulle an, wenn Friedrich von Gärtner als Archtitekt ausgewählt und der Grundstein am Tage seines Namenspatron, Ludwig dem Heiligen, im nächsten Jahr, also am 25. August 1829 gelegt werden sollte. Der Magistrat der Kgl. Haupt- und Residenzstadt München verlangte eine Verlegung der Kirche nach Süden in Richtung Wohngebiete; selbst der 2. Bürgermeister Jakob Klar, der bisher jede Forderung des Königs unterstützt hatte, hielt eine Bebauung der Gegend um die Schellingstraße für einen Zeitraum bis 100 Jahre für unwahrscheinlich. Nachdem die Baukosten auf rund 1 Million Gulden geschätzt wurden,

lehnte der Magistrat in seiner Sitzung vom 5. April 1828 den Antrag

fast einstimmig ab. St. Ludwig stellt einen direkten optischen Bezug zur Theatinerkirche her, die am Anfang des Gesamtensembles Odeonsplatz – Ludwigstraße auf der westlichen und damit gegenüberliegenden Seite steht. Der Grundriss der Ludwigskirche hat als Vorbild den einer dreischiffigen byzantinischen Basilika mit der geometrischen Grundfigur eines Antonius-Kreuzes. Damit nimmt der Rundbogenstil an St. Ludwig deutliche Rückbesinnung auf einen Stil, dessen Zeit von einem dynastischen und hierarchischen Kaiserhaus geprägt war.

Friedrich von Gärtner vermutete, dass die durch die Grunderwerbungen und Erschließungskosten gerade im Bereich Ludwigstraße hochverschuldete Kgl. Haupt- und Residenzstadt München nur Zeit gewinnen wollte und wandte sich direkt an Ludwig I. Der drohte mit Verlegung der Universität und des Residenzsitzes. Daraufhin gab der Magistrat nach, obwohl die anstehende Rückzahlung französischer Anleihen die Stadt an den Rand des finanziellen Ruins brachte.


So erfolgte am 25. August 1829 die Grundsteinlegung. 1832 mussten die Arbeiten wegen Kriegsgefahr, politischen Unruhen, Seuchen und der allgemeinen Teuerung eingestellt werden. Es wurde lediglich das Gewölbe geschlossen und durch ein Notdach die bereits vorhandenen Fresken geschützt. Nach dem Finanzausgleich von 1835 zwischen Stadt und Königreich wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Gärtner wurde persönlich für eine Fertigstellung bis 1842 verantwortlich gemacht. Dadurch hoffte die Kgl. Haupt- und Residenzstadt München, den saumseligen Peter von Cornelius zur Vollendung seiner Fresken zu bewegen.

um liegt eine Gartenmauer mit vasenbekrönten Pfeilern. Das Baugeld stammt aus der ersten Ehe Franziska Lautenbachers mit einem der Firmeninhaber der Brauerei Spaten. Architekt der Villa war Emanuel von Seidl. Nach der Weitervererbung in den 1930er Jahren wechselte das Gebäude mehrmals seinen Nutzer. Zeitweise war in dem Gebäude z.B. ein Polizeirevier untergebracht. Heute ist die Landeshauptstadt München Eigentümerin der Seidlvilla. Sie för-

Das Ergebnis der Fresken gefiel aber Ludwig I. nicht; er machte bei einer gemeinsamen Besichtigung der fertigen Kirche mit Peter von Cornelius seinem Ärger Luft. Das bewirkte dann einen Bruch zwischen Ludwig I. und Cornelius. Cornelius ging daraufhin nach Berlin. Am 8. September 1844 wurde St. Ludwig durch Erzbischof Lothar Anselm Freiherr von Gebsattel eingeweiht und dann der Kgl. Haupt- und Residenzstadt München übergeben. 1903/04 wurde der Innenraum renoviert. Da die Fresken im Hauptschiff als zu wenig prunkvoll angesehen wurden, wurden sie entsprechend ergänzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Ludwigskirche schwer beschädigt. Dennoch beschlagnahmte die USAmerikanische Besatzungsmacht die Kirche und erhob sie zur Garnisionskirche, die sie bis 1949 blieb. 1948 wurde das Dach abgedichtet. 1954 erfolgte der Wiederaufbau durch Erwin Scheich, der wegen der Rücknahme der Veränderungen von 1903/04 als vorbildlich gilt. Am 10. November 1957 erfolgte die Weihe des neuen Hochaltars. Die Seidlvilla (auch „Villa Lauterbacher“) ist eine 1905 erbaute Villa am Nikolaiplatz 1b im Münchner Stadtteil Schwabing. Die Villa ist im Stil deutscher Renaissance mit Jugendstilformen. Rings-

dert das „Haus für Schwabing“ mit einer jährlichen Zuwendung aus Mitteln des Kultur- und des Sozialreferats. Anfang Juni 1991 eröffnete die Seidlvilla nach langer, gründlicher Renovierung als Bürgerhaus wieder ihre Tore. Sie steht seither für gemeinnützige Vereine und Veranstaltungen zur Verfügung. Der Seehundbrunnen ist eine denkmalgeschützte Brunnenanlage im Münchener Stadtbezirk Schwabing-West. Er wurde 1936 von dem Bildhauer Emil Manz geschaffen. Der Brunnen befindet sich in einer kleinen Parkanlage auf dem Viktoriaplatz. Er zeigt auf einem knospenähnlichen Steinsockel die Bronzefigur eines Seehundes.

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Der Schwabinger Kunstpreis wird seit 1961 jährlich vom Kulturreferat der Stadt München an Personen oder Institutionen, die ihren Sitz im Münchner Stadtteil Schwabing haben oder deren Leistungen „im Sinne der Schwabinger Tradition“ erbracht wurden, verliehen. Derzeit werden zwei mit jeweils 5.000 Euro dotierte Preise sowie ein undotierter Ehrenpreis verliehen, welche von der Landeshauptstadt München, der Stadtsparkasse München, der Oswald-Malura-Stiftung sowie der Münchner Freiheit Eisenrieder GmbH gestiftet werden. Die Preisträger werden dabei durch eine fünfköpfige Jury ermittelt. Den 47. Schwabinger Kunstpreis 2007 erhielten der Filmemacher Klaus Lemke, der Regisseur Jochen Schölch (Metropol-Theater) sowie der Jazzmusiker und Moderator Joe Kienemann (Ehrenpreis).

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Als Keferloher bezeichnet man üblicherweise einen Bierkrug aus Ton, der sich dank seiner Eigenschaften besonders für den Biergenuss eignet. Durch die isolierende Wirkung des Tones bleibt das Bier länger kühl und aufgrund der groben Oberfläche, die durch Zugabe von Salz während des Brennvorganges erzeugt wird, bleibt die Kohlensäure länger im Getränk und das Bier bleibt so länger frisch. Dieses Trinkgefäß hat seinen Ursprung in Keferloh, einem Ortsteil von Grasbrunn. Bis man auf dem Oktoberfest ab dem Jahr 1892 schrittweise Glaskrüge einführte und die Tonkrüge ersetzte, wurden jährlich Millionen Bierkrüge aus Ton (eben die Keferloher) extra für dieses Münchner Spektakel produziert.

Geschichte und Fertigung des Oktoberfestkruges bei der Firma Rastal Traditionell und doch modisch, bodenständig aber auch fesch, so kommt das Oktoberfest-Outfit 2007 daher. Das Dirndl für die Mädels, die Lederhose für die Buben, Trachtenmode blickt auf eine lange Tradition zurück und ist ein Muss für alle Oktoberfest-Fans. Grund genug, als Inspiration für das diesjährige Oktoberfest-Plakatmotiv zu dienen. Gleichzeitig ziert das bodenständige Motiv den offiziellen Sammel-Maßkrug, der schon seit 1978 von RASTAL aus Höhr-Grenzhausen exklusiv gefertigt und von der Stadt München vorgestellt wird. Das Oktoberfest-Plakatmotiv wird jährlich in einem geschlossenen Wettbewerb ermittelt. Der erste Preis ging für 2007 an das Münchner Designer-Duo Alexander Heininger und Ursula Kölle. Beide Designer sind leidenschaftliche Wiesnfans und so entstand aus der ureigenen Begeisterung für d'Wiesn das diesjährige Motiv. Es vereint Trachtenlust, Feierlaune und klassische Attribute. Das preisgekrönte Outfit soll weltweit auf 7.000 Plakaten und 90.000 deutsch- und englischsprachigen Prospekten auf das Oktoberfest 2007 aufmerksam machen. Zusätzlich ziert das Motiv den beliebten Wiesn-Maßkrug, der damit die 1978 begonnene Reihe von begehrten Sammlerkrügen erweitert. Das jährlich wechselnde Motiv wird bei RASTAL mit Sitz in Höhr-Grenzhausen auch heute noch von Hand aufgelegt und mit einem farblich passenden Dekorband am Fuß verziert. Bei Liebhabern besonders begehrt ist der Sammlerkrug mit Zinndeckel. Jedes Jahr ziert ein neues Motiv aus der bekannten Schönheitsgalerie „König Ludwig I. von Bayern“ die Zinndeckel-Edition.


Schon als Kronprinz hatte Ludwig die Idee „die Schönsten der Schönen...“ aus dem Kreise der bayrischen Landeskinder im Bild zu verewigen. Nach einem Gemälde von Karl Josef Stieler wurde in diesem Jahr in den Zinndeckel das Halbfigurenbildnis der damals 29jährigen Marchesa Marianna Florenzi verewigt. Ludwig übrigens blieb Zeit seines Lebens Marianna eng verbunden, bei fast jeder seiner Italienreisen traf er sie, ein reger Briefwechsel fand statt. Als 1978 zum ersten Mal das Wiesn-Plakatmotiv einen Keferloher zum „offiziellen Maßkrug“ adelte, war der Aufstieg zum Kultobjekt nicht vorhersehbar. Heute bezahlen Liebhaber für einen Wiesn-Maßkrug aus dem Jahr 1978 mehrere 100 Euro. Die Edition 2007 ist schon heute auf dem Weg zum Sammelobjekt.

Das Henkeln des Krugs

Das Auflegen des Dekors

Das Schwämmen des Krugs

Das Rändern des Kruges

Der Ofenauslauf der Krug-Rohlinge

Das Deckeln des Kruges


Kronprinz-Rupprecht-Brunnen

A m M arstallplatz, der M arstall die ehe m alige Hofreitschule, von Leo von Klenze 1812 errichtet, 1944 sch w er verw üstet und zerstört, 1970 w urde das G ebäude wieder aufgebaut. Heute befindet sich in diese m G ebäude das Kulissenhaus der Staatsoper und eine Studiobühne. Davor der Kronprinz-Rupprecht-Brunnen von Bernhard Blecker 1961 aus W ürzburger M uschelkalk, Eifelbasalt und Bronze. Kronprinz-Rupprecht nach de m dieser Brunnen benannt w urde, w ar ein engagierter Politiker, Wissenschaftler und Militär mit viel Kunstsinn und Fach wissen, er w urde auf Grund des Ende der M onarchie 1918 nicht m ehr zu m König gekrönt. A m Brunnen ganz oben sieht m an im Verhältnis zur gro ß en Wasserschale die proportional kleine Sy m bolfigur auf der Kugel im Stil der Sechziger. Die Figur trägt rechts die Waage für die G erechtigkeit und links eine Pallas A th e n e für die N eig u n g zu K u nst u n d W isse nsch aft d es Kronprinzen, ge m ä ß de m Leitm otiv der Wittelsbacher, „Tue recht und scheue niemand“ “ Die Säule ist mit einer Krone gesch m ückt 30

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Münchens Architekten und Baumeister (Teil I. von 1158 – 1795) Im nächsten Jahr feiert M ünc h en seinen 8 50. G eburtstag. Von den Anfängen im Jahr 1158 bis heute hat sich das Erscheinungsbild entscheidend geändert, aber obwohl München inzwischen eine Millionenmetropole ist, hat es immer noch den Charme einer historisch gewachsenen Stadt. In neun Jahrhunderten haben Herzöge, Kurfürsten und Könige mit ihren Baumeistern, die sie aus ganz Europa nach München geholt haben, das Bild dieser Stadt geprägt. Aber wer kennt die Namen dieser Männer, die dafür gesorgt haben, dass München so viele wunderschöne Bauwerke oder zum Teil auch ganz neue Stadtviertel erhalten hat. Sicher, viele Straßennamen erinnern an sie, aber wer weiss schon, wer Jörg von Halspach, besser bekannt als Jörg Ganghofer war, was die Gebrüder Asam mit München verbindet, wer sich hinter dem Namen des Gärtnerplatzes, der Viscardigasse oder der Klenze-, Effner- ,der Seidl- oder der Thierschstraße verbirgt. Wer war Karl Riemerschmid od er Fried rich B ürklein oder welches für München wichtige Gebäude verbirgt sich hinter den Namen Zenetti und Georg von Hauberisser? 1158 ist München noch ein kleiner Marktfleck, aber schnell wächst dieser und schon im 13./14. Jahrhundert erfolgt die erste Stadterweiterung, im 17. Jahrhundert lässt Kurfürst Maximilian I. die Stadtbefestigung ausbauen, die schließlich durch Kurfürst Karl Theodor im 18. Jahrhundert aufgebrochen wird.. Erst dann beginnt sich die Stadt nach außen zu öffnen, München wird von einer 32

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Innenstadt

Festung zu einer königlich prunkvollen Hauptstadt, der Englische Garten entsteht, und die kleinräumige Altstadt beginnt sich weltstädtisch zu öffnen. Außer dem Mauerring, an den heute noch die einzelnen Stadttore erinnern, sind vor allem der Dom und das alte Rathaus Symbole für das Mittelalter. Bei beiden Gebäude war der Baumeister Jörg von Halspach, oder Jörg Ganghofer beteiligt. Beim Bau der Liebfrauenkirche zeigt sich das erwachende Selbstbewusstsein der Bürgerschaft, denn eigentlich entsprach die Größe dieses Bauwerks keineswegs der eigentlichen Einwohnerzahl Münchens. Von 1468 bis 1488 war er der leitende Baumeister der Frauenkirche. Als er 1488 starb, war der Dom bis auf die Türme, die noch nicht gedeckt waren, fertig. Die welschen Hauben erhielt der Dom erst 1524. In der Schedelschen Weltchronik aus dem Jahr 1493 fehlen die Hauben noch, die Jörg Ganghofer noch selber geplant hatte. Im Jahr 1488 lässt er die 29m hohen Fenster der Kirche verglasen. Um diese Fenster rankt sich in München die Sage um den Teufelstritt. Angeblich hatte der Teufel, als er die noch ungeweihte Kirche durch den Haupteingang betrat, den Eindruck erhalten, dass der Baumeister die Fenster vergessen hätte, da der Blick auf eben diese durch einen Bogen verdeckt war. Als der Baumeister, eben dieser Jörg von Halspach, ihn aber auf seinen Irrtum hinwies, stampfte der Teufel so wütend auf, dass man noch heute seinen Fußabtritt in der Kirche sehen kann. Wütend floh der Teufel aus

der Kirche und vergaß vor lauter Wut den Wind, auf dem er herangekommen war und den er an der Ecke des Domes angehängt hatte. Und irgendwie ist das auch heute noch eine sehr „windige Ecke“. Im 16. Jahrhundert begann unter Albrecht V. der Bau der Neuveste, dem Vorläufer der Residenz. Beteiligt am Bau der Residenz, speziell beim Ausbau des Antiquariums und des Grottenhofs der Münchner Residenz war Friedrich Sustris.1573 tritt er in die Dienst Herzog Wilhelm V. und wird schließlich oberster Baumeister. Sein wichtigstes Werk ist die Jesuitenkirche St. Michael, ein Symbol für die Gegenreformation, die seit Kurfürst Maximilian I. ihren Mittelpunkt In München hatte. Die Michaelskirche gilt als die größte Renaissancekirche nördlich der Alpen und besitzt nach St. Peter in Rom das größte Tonnengewölbe der Welt . Im 17. und 18. Jhd. prägen Baumeister wie Giovanni Antonio Viscardi, Enrico Zuccalli, Josef Effner, Francois Cuvillies der Ältere und Cosmas und Egid Quirin Asam das Bild Münchens. Sie setzen die herrschaftlichen Vorstellung im Zeitalter des Barock und des Rokoko um. München erhielt durch sie ein prachtvolles Erscheinungsbild. Zucalli, Viscardi, und Josef Effner sind die wohl bedeutendsten Baumeister Bayerns in der Zeit des Barock. Kurfürst Ferdinand Maria und seine Frau Adelaide von Savoyen ließen anlässlich der Geburt des Thronfolgers Max Emanuel die Theatinerkirche St. Kajetan bauen, an deren Vollendung sowohl Zuccalli,


sein Schüler Viscardi und letztendlich Francois Cuvillies der Ältere mit der Gestaltung der Außenfassade beteiligt waren. Enrico Zucalli, 1642 in Rovereto geboren, wird 1673 kurbayerischer Hofbaumeister. Er vollendet die Theatinerkirche und wirkt entscheidend bei der Umgestaltung der Kuppel und dem Innenausbau mit. Gemeinsam mit Viscardi ist er sowohl am Bau des Schlosses in Nymphenburg als auch am Bau von Schloss Lustheim und dem großen Bau des neuen Schlosses Schleißheim beteiligt. Giuseppi Viscardi 1645 in San Vittore geboren wird 1678 Hofbaumeister. Nach heftigen Auseinandersetzungen mit Zuccalli wird er abgesetzt, allerdings 1706 wieder an den Hof zurückgeholt. Unter Karl Albrecht wird er schließlich kaiserlicher Hofoberund Landbaumeister. Ihm haben wir die Bürgersaalkirche in der Münchner Innenstadt zu verdanken. Sein Name ist in der Viscardigasse, direkt hinter der Feldherrnhalle, verewigt und stellt den Weg zur Theatinerkirche dar. Im 20.Jhd., in der Zeit des Nationalsozialismus erhielt diese Gasse in München den Namen „Drückebergergässchen“, da die Münchner auf diesem Weg nämlich den obligatorischen Hitlergruß an der Feldherrnhalle umgehen konnten. Ab 1715 wird Josef Effner Hofbaumeister unter dem Kurfürsten Max Emanuel . Er wird schließlich auch den Bau des Schlosses in Schleißheim vollenden.1720 wird er zum Oberhofbaumeister ernannt. Sein Grabstein befindet sich im Chor der Münchener Frauenkirche. Nachfolger in diesem Amt nach dem Amtsantritt von Karl Albrecht wird François de Cuvilliés d.Ä..

Francois Cuvillies der Ältere, am 23. Oktober 1695 in Soignies im Hennegau geboren, kam gegen 1705 als Hofzwerg an den Hof des Kurfürsten Max Emanuel nach München. Schnell entdeckte man aber die Fähigkeiten des jungen Mannes und begann ihn entsprechend zu fördern. Seine Ausbildung erhielt er u.a. an der Pariser Académie royale d‘architecture .1725 bekam er das Amt des Hofbaumeisters am kurfürstlichen Hof. München verdankt ihm, neben dem weiteren Ausbau von Schloss Nymphenburg, die Pagodenburg (1716-19), die Badenburg (1718-21) und die Amalienburg (1734-39) und natürlich das nach ihm benannte Cuvillies-Theater, das nach seiner Zerstörung im 2. Weltkrieg innerhalb der Residenz wieder errichtet wurde, allerdings nicht mehr am Originalstandort. Im nächsten Jahr, zur 850 Jahrfeier, wird es nach einer neuerlichen Restaurierung wieder feierlich eröffnet werden. Auch das Preysingpalais, das ebenfalls im 2. Weltkrieg zerstört wurde, wurde um 1960 wieder hergestellt. Bekannt wurde Cuvillies vor allem durch seine Dekorationen und Ornamente, die zu den phantasievollsten und schönsten des Rokokos gehören, prachtvoll ausgestattet waren damit u.a die „Reichen Zimmer“ der Residenz. Neben Cuvillies zählen die Gebrüder Asam zu den bedeutendsten Vertretern des Rokoko . Cosmas Asam 1686 in Benediktbeuern geboren und Egid Quirin Asam ge-boren 1692 in Tegernsee gingen in München zur Schule und lernten bei ihrem Vater zunächst die Kunst der Deckenmalerei. Nach ihren Studium in Rom bei Lorenzo Bernini, übernahmen die beiden das Geschäft ihres Vaters. Ihre künstlerischen Werke in München sind

heute u.a. in der Heilig Geist Kirche (1727), in St. Anna (1729) im Lehel und in der Damenstiftskirche (1735) zu sehen. Mit ihrem Namen verbunden sind allerdings zwei andere Gebäude, nämlich das Asamschlössl in der Maria-Einsiedel-Straße und die Asamkirche in der Sendlingerstraße. Der ältere der Brüder Cosmas hatte sich dieses Schlössl zunächst als Wohnhaus mit eigener Kapelle gebaut. Sein Bruder Egid wollte sich allerdings repräsentativer niederlassen und kaufte sich zunächst in der Sendlingerstraße einen aus vier Wohnhäusern bestehenden Gebäudekomplex. Zwei der Häuser ließ er abreißen, aus einem der noch verbleibenden Hauser sollte sein Wohnhaus werden. Daran anschließend war der Bau eines größeren kirchlichen Gebäudes geplant. das natürlich die Kapelle seines Bruders bei weitem übertrumpfen sollte. Seine Nachbarn in der Sendlingerstraße waren allerdings zunächst über den Bau einer Privatkirche nicht sehr erfreut, schließlich wurde aus der Privatkapelle eine Bürgerkirche. 1733 erfolgte die Grundsteinlegung. Erlebt haben beide die Vollendung nicht mehr. Heute zählt die Asamkirche aber zu den berühmtesten Kirchen Münchens. 1795 erklärt Kurfürst Karl Theodor München zur offenen Stadt und lässt die Befestigungsanlagen schleifen. München öffnet sich, Stadtplaner wie Benjamin Thompson, der später den Titel Reichsgraf von Rumford erhielt, konnten ihre Pläne umsetzen. Zahlreiche berühmte Baumeister werden München im 19. Jahrhundert ein neues Gesicht geben. münchner

Innenstadt

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Für Sie gesehen Die „Münchner Feuerzeug-Centrale“ ist Familientradition und Kult Das Interieur des Geschäfts am Karlsplatz verströmt den Charme vergangener Zeiten. Linoleumboden, die Kundentheke besteht aus dunklem Holz, dahinter Glasvitrinen, in denen Rasiermesser- und spiegel wie Exponate im Museum aufbewahrt sind. In der Auslage liegen Nagelsets, Scheren, Schachbretter und Backgammon Spiele. Mitten im Laden stehen zwei Ausstellungssäulen. Darin liegen DuPont-Feuerzeuge, limitierter Ausführungen mit Intarsien, sowie Feuerzeuge aus einer Andy Warhol- und einer mit dem 007-Logo versehenen James-Bond-Serie. Über den Vitrinen mit Feuerzeugen klingender Hersteller wie Cartier oder Zippo hängen reihum mehr als 50 Autogrammkarten prominenter Kunden. Kundenbindung steht bei Susanna Niedermeier an oberster Stelle.Heute hat die Juniorchefin Stammkunden, die nicht nur aus ganz Deutschland anreisen, sondern auch aus USA, Mexico und zu-nehmend auch aus Russland.

Münchner Feuerzeug-Centrale, Karlsplatz 3, 80335 München, Tel.: 089/59 18 85

Die „Kulisse“ in neuem Glanz

Über 4 Jahrzehnte ist die Kulisse eine feste Münchner Institution - Umschlagplatz für Theateranekdoten und Klatsch, Wohnzimmer für die großen und kleinen Stars der Münchner Theater- und Kulturszene. Hier fanden sie einen Rückzugsort in familiärer Atmosphäre, ersannen neue Ideen und Konzepte: Fritz Kortner, Friedrich Dürrenmatt, Siegfried Lowitz oder August Everding. Legendär auch die Künstlerfeste in der Kulisse: Beatrice Richter arbeitete zum 25-jährigen Bestehen als Kellnerin, Opernstars lieferten sich den einen oder anderen Sängerwettstreit. Hier konnte das Publikum seine Stars, die Elite der Münchner Kammerspiele und des Residenztheaters, nach der Vorstellung ungeschminkt und hautnah erleben. Aber auch das bunte Publikum der Maximilianstraße fand in der Kulisse stets einen gastronomischen Ruhepol. Jetzt war die Gelegenheit günstig: Der Umbau der Münchner Kammerspielen machte auch die Kulisse mehr oder weniger zur Baustelle. So ergriff die Familie Sachsenhauser, die das Traditionslokal seit Beginn führt, die Chance, auch das Theaterrestaurant von Grund auf zu sanieren und in die Hände der nächsten Generation weiter zu geben. Jetzt heißt es: Vorhang auf für die Kulisse! Kulisse Maximilianstraße 26, 80539 München, Tel.: 089/29 42 28, www.kulisse-restaurant.de


„Filz und Loden“ unsere Philosophie!

Filz und Loden, hergestellt aus 100% Schafschurwolle, sind seit Jahrhunderten bewährt und beliebt und erfahren heute wieder von vielen Menschen die ihnen zustehende Wertschätzung. Schafschurwolle gilt als die Wunderfaser und kann trotz größter Bemühungen der chemischen Industrie, bis heute nicht durch Kunstfasern ersetzt werden. Wir produzieren im eigenen Betrieb im Erzgebirge/Sachsen, legen größten Wert auf Qualität und „Pfiffigkeit“ unserer Artikel und bemühen uns, unsere Kunden immer mit optimalem Service zu bedienen. Sie finden bei uns keine herkömmliche Massenware, sondern treffen auf ausgewählte, individuelle und praxisgerechte Besonderheiten aus hochwertigem Grundmaterial. Handgefertigte Artikel, die ihren Preis sicher wert sind, Sie über lange Zeit begleiten und Ihnen Freude bereiten werden. Hubertus der Filz- und Lodenspezialist, Blumenstraße 3, 80331 München, Tel.: 089/24 20 38 66, www.hubertus-gmbh.de

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Nachdem wir die wichtigen Themen gestreift haben, können wir uns getrost wieder der„Münchner- Innenstadt“ zuwenden. In unserer 12. Ausgabe b...

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