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D BEALE STREET Samtige Bilder, taffe Politik D EIN GAUNER & GENTLEMAN Robert Redford sagt Adieu D OF FATHERS AND SONS Großfantasien eines Einfältigen D LUZ Dämonen in der Polizeistation D DER FALL SARAH UND SALEEM Gefährliche Affäre D DAS HAUS AM MEER Geschwistertreffen D HELMUT BERGER, MEINE MUTTER UND ICH ­Rettung einer Diva D THE SISTERS BROTHERS Träume von männlicher Freundlichkeit D VORHANG AUF FÜR CYRANO ­Charmant boulevardesk D FREE SOLO Suizidaler Höhenrausch D KIRSCHBLÜTEN & ­ DÄMONEN Zwischen Leben und Tod D DESTROYER Nicole Kidman, verwüstet D DIE MASKE Scheinbare Idylle D HI, AI Humanoider Alltag

MAGAZIN FÜR UNABHÄNGIGES BERLINER KINO

D 57 D MÄRZ 2019

indiekinoBERL

DIE BERUFUNG – IHR KAMPF FÜR GERECHTIGKEIT – START AM 7.3.2019


YOU GOTTA GO LOW TO GET HIGH.

DIE NEUE KOMÖDIE VON

HARMONY KORINE

AB 28. MÄRZ IM KINO


DIE INDIEKINOS D ACUD KINO D B-WARE!LADENKINO D BALI KINO D B ­ ROTFABRIK KINO D BUNDES­PLATZ KINO D CITY KINO WEDDING D EVA-LICHTSPIELE D FILMRAUSCHPALAST D FSK-KINO AM ­ORANIENPLATZ D IL KINO D INTIMES D KROKODIL D SPUTNIK KINO AM SÜD­STERN D TILSITER LICHTSPIELE D UNION FILMTHEATER D XENON KINO D WOLF KINO D Z-INEMA D ZUKUNFT D B-WARE! OPEN AIR D FLB WEISSENSEE D FLK FRIEDRICHSHAGEN D FLK HASENHEIDE D FLK INSEL D FLK ­POMPEJI D FLK „UMSONST & DRAU­S­SEN“ IM FILMRAUSCHPALAST

EDITORIAL Wir haben schon von Leser*innen gehört, die glaubten, INDIEKINO habe es schon immer gegeben. Weil jedes Jahr neue Leute nach Berlin kommen, sieht das für einige wohl tatsächlich so aus, und wir dürfen uns ein bisschen etabliert fühlen. Tatsächlich gibt es uns in diesem Monat seit genau fünf Jahren. Im März 2014 erschien unser erstes Heft, mit Golshifteh Farahani auf dem Titel, damals Star des Westerns MY SWEET PEPPERLAND, der in der autonomen Region Kurdistan im Irak spielte, wo sich gerade die regionalen Autoritäten konsolidierten und vom „Islamischen Staat“ noch keine Rede war. Seitdem hat sich auch in der Kinolandschaft viel verändert. Netflix kam sechs Monate nach INDIEKINO auf den deutschen Markt, im gleichen Jahr begann Amazon mit seinem Prime Video Angebot. Zuvor war es kaum üblich, Filme auf Telefonen und Tablets zu sehen, Smart-TVs waren noch die Ausnahme. Das Mainstream-Kino reagierte mit mehr Geld für Blockbuster und Schließungen unrentabler Multiplexe, vor allem auf dem Land, aber auch in Berlin wurden einige Großkinos geschlossen. Die Berliner Programmkinoszene dagegen blieb von der neuen Konkurrenz im Wesentlichen unbeeindruckt. Neue Kinoenthusiast*innen gründeten neue Kinos wie das Il Kino und das Wolf Kino, beide in Neukölln. Die Schließung des Eiszeit-Kinos hatte mehr mit Differenzen mit dem Vermieter und hohen Renovierungskosten zu tun als mit der sogenannten Kinokrise. Uns fällt auf, dass die schon länger existierenden Programmkinos seit 2014 ihre Programmarbeit noch einmal ausgebaut haben. Es gibt mehr Sonderveranstaltungen, Premieren mit Gästen, regelmäßige Filmreihen, Retrospektiven, Konzerte, Lesungen, Kinoclubs und -initiativen als noch vor fünf Jahren. Wir waren schon vor 2014 der Überzeugung, dass Berlin eine der besten Kinoszenen in der Welt hat. Heute ist sie noch besser. Wir sind gespannt, was die nächsten fünf Jahre bringen. Viel Spaß beim Lesen und viel Spaß im Kino Eure INDIEKINO BERLIN Redaktion Die Aprilausgabe von INDIEKINO erscheint am 29.3.2019.

/WirFilm.DE


INDIEINHALT

06 MAGAZIN 10 „EIN FILM, DER AUS ERINNERUNGEN KOMPONIERT IST“ INTERVIEW MIT BARRY JENKINS ZU BEALE STREET

34 WEITER IM KINO

14 ROBERT REDFORD SAGT ADIEU: EIN GAUNER & GENTLEMAN

38 KINOHIGHLIGHTS

TRÄUME VON MÄNNLICHER FREUND LICHKEIT: THE SISTERS BROTHERS 24 HÖHENRAUSCH & PANORAMABLICKE: FREE SOLO & THIS MOUNTAIN LIFE

36 KINDERFILME

46 NACHBILD 47 KINOADRESSEN, IMPRESSUM, ABONNEMENT

NEU IM MÄRZ 33 10 23 29 28 27 24 12 26 17 18 32 26

Beach Bum Beale Street Die Berufung Destroyer Fair Traders  Der Fall Sarah und Saleem Free Solo Ein Gauner & Gentleman  Germania  Das Haus am Meer Helmut Berger, meine Mutter und ich  Hi A.I Iron Sky: The Coming Race 

17 20 27 30 29 18 16 19 22 18

Kirschblüten & Dämonen Lampenfieber  Luz Die Maske mid90s  Near and Elsewhere  Of Fathers and Sons  Paläste für das Volk Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum.  Scala Adieu

21 19 32 20 25 28 19 23

The Sisters Brothers Spreeland. Fontane Stell Dir vor, Du müsstest fliehen Talking Money This Montain Life  Trautmann Unser Team – Nossa Chape Vakuum 

16 22 19 33 32

Vom Lokführer, der die Liebe suchte ... Vorhang auf für Cyrano Weil du nur einmal lebst Wintermärchen  Wir 

STARTS DER WOCHE 7.3.

14.3.2019

21.3.

28.3.

10 23 26 18 32 17 29 19 21 32 16

29 27 30 22 28 23

24 17 26 20 27 18 16 18 22 33 32

33 28 12 19 20 25 19 19

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Beale Street Die Berufung Germania Helmut Berger, meine Mutter und ich  Hi A.I Kirschblüten & Dämonen  mid90s  Paläste für das Volk The Sisters Brothers Stell Dir vor, Du müsstest fliehen  Vom Lokführer, der die Liebe suchte ... 

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Destroyer Der Fall Sarah und Saleem Die Maske Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum.  Trautmann Vakuum 

Free Solo Das Haus am Meer Iron Sky: The Coming Race Lampenfieber  Luz Near and Elsewhere  Of Fathers and Sons  Scala Adieu Vorhang auf für Cyrano Wintermärchen  Wir 

Beach Bum Fair Traders Ein Gauner & Gentleman Spreeland. Fontane Talking Money This Montain Life  Unser Team – Nossa Chape  Weil du nur einmal lebst


INDIEMAGAZIN

DIESER HERRLICHE KUCHEN – OBSKURE KURZFILME AUS BELGIEN UND DEN NIEDERLANDEN Herzstück der Kurzfilm-Kompilation, die Kuratorin Teresa Vena am 8.3. um 21.30 Uhr im Brotfabrik Kino persönlich vorstellt, ist die Wollpuppenfilm-Stop-Motion-Animation CE MAGNIFIQUE GÂTEAU des belgischen Duos Emma De Swaef und James Roels – ein „episodisches, äußerst zynisches Drama und fiktives Historienstück zum Thema Einsamkeit, Megalomanie und Kolonialismus“.

CINESTHESIA SCREEN-CONCERT 011: MADE IN BRITAIN Am 28.3. um 21 Uhr, möglicherweise Vorabend des Brexits, zeigt das Brotfabrik Kino mit Alan Clarkes MADE IN BRITAIN einen Rückblick auf die Thatcher-Ära. Tim Roth gibt sein Leinwanddebüt als Jung-Skinhead, dessen Verlangen nach Rebellion ihm wichtiger ist als das drohende Gefängnis. Die preisgekrönte britische Musikerin Kaffe Matthews untermalt den eigentlich fast musikfreien Film mit Laptop & Electronics.

BERLIN SCI-FI FILM- AUSSTELLUNG: FEST RE.RUN Von März METAMORPHOSEN bis August 2019 ist das Berlin Sci-Fi-Filmfest immer am 2. Dienstag des Monats mit einer re.RUN Edition im Il Kino zu Gast. Gezeigt werden die Highlights der Festivalausgabe 2018. Den Anfang macht am 12.3. um 20 Uhr ein Kurzfilmpaket. Zu Gast: Alexander Pfander, Regisseur der Webserie MISSION BACKUP EARTH. berlinscifi.com

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Ab dem 14.3. ist im Sputnik Kino die Ausstellung „Metamorphosen“ mit Fotografien von Ina Hünich zu sehen. Ina Hünich, geboren im Mai 1977 im Zentralen Lazarett der NVA, liebt die Vergänglichkeit, die Schönheit des Verfalls und die Verwandlung bekannter Objekte in etwas Unvorhersehbares. Ihre Fotografien zeigen den Zerfall alter Wohnräume, Kasernen und Industrieanlagen – und die Natur, die an diesen Orten zur „Nachmieterin“ wird und Neues schafft.

BERLIN EXCELSIOR & GÄSTE In ihrem Dokumentarfilm BERLIN EXCELSIOR haben Erik Lemke und André Krummel den heruntergekommenen Wohnkomplex mit dem überkandidelten Namen am Anhalter Bahnhof und einige seiner Bewohner*innen porträtiert. So etwa Norman, den Erzieher mit Berliner Schnauze, den stets gutgelaunten Ex-Unternehmer Richard, oder Claudia, die hartnäckig von einer Model-Karriere träumt, für die es vermutlich schon zu spät ist. Zur Vorführung am 31.3. um 17.30 Uhr im Sputnik Kino werden Erik Lemke und weitere Gäste erwartet.


INDIEMAGAZIN

MUSIC FOR CINEMAS: GERÄUSCHE #1 Bei der neuen

INTERNATIONAL WOMEN‘S DAY #BALANCEFORBETTER Zum ersten Mal ist der Frauen-

Veranstaltungsreihe im Filmrauschpalast stehen die Ohren im Vordergrund. Drei Künstler*innen füllen den Saal und die Köpfe mit experimentellen Klängen und Geräuschen: Von Nils Panda gibt es Ambient, VVeber/Maximilian Seifert kombinieren cineastische Klangflächen mit dynamischen Beats und das Duo CNM improvisiert mit Modularsequencern und Eigenbauinstrumenten über pulsierende Drones. Parallel zum Gehörten entstehen auf der Leinwand in Echtzeit generierte Visualisierungen. Brian Eno wäre entzückt. Termin: 19.3. um 20 Uhr.

tag am 8.3. auch Feiertag in Berlin und beschert uns allen ein langes Wochenende. Der Filmrauschpalast nimmt das zum Anlass, am 9.3. in Zusammenarbeit mit dem „Kinofrauen-Stammtisch Berlin-Brandenburg“ ein Frauentags-Filmprogramm zu zeigen. Um 17.30 kämpft Janne in ALLES IST GUT dagegen, sich selbst als Opfer zu sehen, um 20 Uhr streitet Ruth (Bader Ginsberg) im Dokfilm RBG für Gleichbehandlung vor dem amerikanischen Gesetz, und um 22 Uhr wütet Halla in GEGEN DEN STROM gegen die Aluminiumindustrie.

NIGELNAGELNEU: CINEMA BERLIN Für alle internationalen Berliner*innen haben wir eine neue Webseite ins Leben gerufen. Auf www.cinemaberlin.de findet ihr ab sofort frische Filmkritiken auf Englisch und englischsprachige Informationen zu allen Filmstarts, Festivals und Events, die entweder auf Englisch oder mit englischen Untertiteln/englischspachigem Begleitprogramm stattfinden. Enjoy.

Gegen den Strom


Ab 7. März im Kino „Ein angenehm unaufgeregter und genau beobachteter Film über ein immens aufgeladenes Thema voller Vorurteile.« Deutsche Film- und Medienbewertung FBW

ITALIENISCHE ABENDE: OHRENSAUSEN & DIE NÄCHTE DER CABIRIA Das Il Kino zeigt am 13.3. um 20 Uhr eine Preview der Komödie ORECCHIE/OHRENSAUSEN von Alessandro Aronadio über einen Mann, der eines Tages mit Ohrensausen aufwacht. Von da an geht es stetig bergab, von seinem angeblich besten Freund hat er noch nie gehört, außerdem ist der tot, seine Freundin ist Zahnärztin, und Nonnen kommen auch vor. Der Regisseur ist zur Preview anwesend, der Film wird an den kommenden Abenden wiederholt. Das Bundesplatz-Kino zeigt 15.3. um 18 Uhr den vielfach preisgekrönten Fellini-Klassiker LE NOTTI DI CABIRIA/DIE NÄCHTE DER CABIRIA – u.a. gab es den Oscar für den besten fremdsprachigen Film und die Silberne Palme für Beste Darstellerin für Fellinis Ehefrau Guilietta Masina.

Orecchie

VERLOSUNG: JAMES BALDWINPAKET Zum Start von BEALE STREET, für den Barry Jenkins

BESTE NEBENDARSTELLERIN:

REGINA KING

den Roman „If Beale Street Could Talk“ (dt: „Beale Street Blues“) von James Baldwin verfilmt hat, und weil die Texte von Baldwin überhaupt und immer lesens- und hörenswert sind, verlosen wir ein kleines feines James Baldwin-Paket. Die Edition Salzgeber hat 3 DVDs von Raoul Pecks spektakulärem Essayfilm I AM NOT YOUR NEGRO, der einen unvollendeten Text von Baldwin als Ausgangspunkt für einen Blick auf Rassismus und Medien in den USA nimmt, beigesteuert. Der dtv Verlag beteiligt sich mit einer aktuellen Ausgabe von „Beale Street Blues“. Bei Interesse schreibt uns bis zum 15.3. an info@indiekino.de. Stichwort: Baldwin.


INDIEMAGAZIN Mr. Jones

Ghost Town Anthology Die Kinder der Toten

Gråce à Dieu

Öndög

BERLINALE 2019: DAS BLEIBT UND DAS KOMMT An dieser Stelle werfen wir immer einen Blick auf die vergangene Berlinale. Was waren die Highlights? Was kommt demnächst ins Kino? In diesem Jahr, dem letzten von Dieter Kosslick kuratierten, fällt der gefühlte Nachhall, zumindest, was den Wettbewerb betrifft, gering aus. Wenig ist uns im Gedächtnis geblieben, hat uns richtig begeistert oder auch richtig geärgert oder nachhaltig verdutzt. Eine Ausnahme bildet Angela Schanelecs ICH WAR ZUHAUSE, ABER (Start im Herbst), der sich beharrlich gängigen Erzählstrategien verweigert und dafür mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Ebenfalls originell strukturiert war der dreistündige chinesische Beitrag SO LONG, MY SON (Start noch nicht bekannt) von Yong Mei, in dem wir so einige Tränen vergossen haben und der sehr zu recht beide Darstellerpreise abräumte. Weitere preisgekrönte Wettbewerbsfilme, die auf jeden Fall im Kino zu sehen sein werden, sind Claudio Giovannesis Teen-Mafia-Geschichte LA PARANZA DIE BAMBINI (Start am 22.8.), die mit dem Drehbuchpreis bedacht wurde, und der energiegeladene SYSTEMSPRENGER von Nora Fingscheidt (Alfred-Bauer-Preis, Start im Herbst), in dem das Mädchen Benni frei dreht und alle überfordert: Mutter, Jugendamt, Sozialarbeiter.

Systemsprenger

Ganz sicher ins Kino kommen auch Marie Kreutzers kühles und cleveres Psychodrama DER BODEN UNTER DEN FÜSSEN (Start am 16.5.), Agnietzka Hollands ambitioniertes Biopic MR. JONES (Start am 26.5.) über den walisischen Reporter Gareth Jones, der Stalins Verbrechen in der Ukraine aufdeckte, Yuval Adlers Spionage-Thriller THE OPERATIVE (Start noch nicht bekannt) mit Diane Kruger und der Berlinale-Eröffnungsfilm THE KINDNESS OF STRANGERS (Start noch nicht bekannt). Fatih Akins DER GOLDENE HANDSCHUH, für den man eine solide Konstitution braucht, ist bereits angelaufen. Noch keinen Verleih hat dagegen der Gewinnerfilm SYNONYMES von Nadav Lapid über einen Israeli, der in Paris versucht, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Auch einige unser eigenen Berlinale-Favoriten wie Dénis Côtés melancholische Geistergeschichte GHOST TOWN ANTHOLOGY, François Ozons tagesaktuelles Drama um Missbrauch in der katholischen Kirche, GRÂCE À DIEU, das wortkarge mongolische Drama ÖNDÖG und der Elfriede-Jelinek-Forums-Eröffnungsfilm DIE KINDER DER TOTEN, haben derzeit noch keinen deutschen Verleih. MÄRZ 2019 D

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INDIEFEATURE

„EIN FILM, DER AUS ERINNERUNGEN KOMPONIERT IST“ Interview mit Barry Jenkins zu BEALE STREET

Barry Jenkins, geboren 1979, dessen Film MOONLIGHT vorletztes Jahr drei Oscars gewann (Bester Film, Bester Nebendarsteller - Mahershala Ali, Bestes adaptiertes Drehbuch) wuchs unter ähnlichen Bedingungen in Miami auf wie Chiron, die Hauptfigur in MOONLIGHT. Sein Vater hatte die Mutter mit vier Kindern verlassen und starb, als Jenkins zwölf Jahre alt war. Weil seine Mutter Crack-abhängig war, wuchs er in der überfüllten Wohnung einer anderen Frau auf. Jenkins besuchte den Film-Studiengang der Florida State University. Sein Abschlussfilm MY JOSEPHINE (2003) über ein muslimisches Paar in einem Waschsalon, kurz nach 9/11 ist aktuell noch auf vimeo.com zu sehen. Sein Spielfilmdebüt MEDICINE FOR MELANCHOLY kam nicht in die deutschen Kinos, fand aber großen Anklang bei der US-Filmkritik. IF BEALE STREET COULD TALK (dt. BEALE STREET) ist Jenkins dritter abendfüllender Spielfilm und eine Adaption des gleichnamigen Romans von James Baldwin, dessen deutsche Übersetzung unter dem Titel „Beale Street Blues“ bei dtv erschienen ist.

INDIEKINO BERLIN: Sie haben einmal gesagt, James Baldwin zu lesen habe Ihnen klar gemacht, was es bedeutet ein Mann zu sein, insbesondere ein Schwarzer Mann. Können Sie das näher erläutern?

ACHTUNG! SPOILER! Besser nach dem Film lesen! Aber dann auch lesen!

BEALE STREET ist die zweite filmische Adaption von Baldwins Schriften in den letzten Jahren, nach Raoul Pecks I AM NOT YOUR NEGRO. Woher kommt diese Renaissance von Baldwins Werken?

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Barry Jenkins: Als ich James Baldwin entdeckt habe, hatte ich noch nicht besonders viel gelesen. Es war eine ganz neue Erfahrung für mich, dass jemand Schwarzes Leben abbildete. Die meisten Erzählungen, die ich zu der Zeit kannte, handelten von berühmten Schwarzen Leuten. Jeder liebt die Geschichte von Martin Luther King, jeder kennt die Geschichte von Jesse Owens. Mr. Baldwin schrieb über sehr alltägliche Menschen, aber auf eine sehr dichte, reiche Art und Weise. Das hieß für mich: „Schwarze Leben spielen eine Rolle!“ Jemand der aufwächst wie Chiron (die Hauptperson in MOONLIGHT, die Red.) ist es wert, dass seine innere Stimme Ausdruck findet. Für mich war das die Wucht von James Baldwins Büchern, und der Grund, warum ich mich in seine Werke verliebte.


INDIEFEATURE und der Rolle, die diese Systeme bei der Entrechtung der Leben und Seelen der Schwarzen Bevölkerung spielen. Aber Baldwin war ebenso besessen von Sinnlichkeit, Romantik und persönlichen Beziehungen. Ich habe dieses Buch ausgewählt, weil diese beiden Stimmen hier organisch verschmolzen sind. Tish und Fonny sind zwei Seelenverwandte, es gibt diese Liebe, diese Romanze, dieses vitale Leben, aber dann, wegen der Tortur, die Tish und Fonny erleiden, gibt es auch systemische Ungerechtigkeit. Wo sehen Sie sich selbst? Auf der politischen oder auf der romantischen Seite Baldwins? Das Buch ist viel bitterer und wütender als der Film. Also stehe ich wohl auf der Seite der Liebe, der Familie, der Romantik. Aber ich glaube, was man aus diesem Buch lernen kann, ist, dass diese Dinge für Schwarze Amerikaner*innen miteinander verwoben sind. Es ist nicht möglich, als Schwarze Person in Amerika sein Leben zu leben und nicht vom System betroffen zu sein. Irgendwie findet es immer einen Weg, ganz egal, wer man ist. Selbst wenn man ein großer Hollywoodregisseur wie ich ist nein streichen Sie das: ein kleiner Hollywoodregisseur. Diese Sachen betreffen einen, sie werden Teil des Alltagslebens. Für mich war die Idee des Buches, dass Verzweiflung, Leiden und Terror immer ein Teil des Schwarzen Lebens in Amerika gewesen sind, von Anfang an, schon seit der Sklaverei. Und dagegen standen immer: Leben, Familie, Liebe, Gemeinschaft. Diese Liebe, diese Freude, dieses Leben ist das, was Schwarzen Menschen erlaubt hat, durchzuhalten, was ihnen erlaubt hat, Gemeinschaften in Amerika aufzubauen. Beim Filmen bestand der Trick darin, zu verstehen, dass es nicht um Leinwand-Zeit geht: „Ich brauche 100 Minuten Liebe und 20 Minuten Verzweiflung“. Es war mehr wie Chemie, in der manche Elemente eine höhere Dichte haben, also braucht man weniger von ihnen. Wenn der Polizist auftaucht, oder wenn man Fonny im Gefängnis sieht, dann sind diese Momente so gewichtig, dass man nicht so viel davon braucht, wie von denen, in denen man die Romanze sieht, die Familie, die Liebe. Tish ist die Erzählerin der Geschichte. Wie haben Sie eine filmische Umsetzung für ihre Erzählung gefunden? Dieses Buch wurde vor 45 Jahren veröffentlicht, und trotzdem ist so vieles, was in Pecks Film passiert, heute noch sehr relevant. So vieles von dem, was diesen Charakteren passiert, erleben Menschen heute immer noch. Ich glaube, wir versuchen, gerade in Amerika, wo sie jetzt diesen Slogan „Make Amerika great again“ haben, zu fragen: Okay, was ist denn in Amerika geschehen, das so großartig war? Wenn man zurückgeht und bei jemandem wie James Baldwin oder Toni Morrisson, bei diesen großartigen Denker*innen, die wortwörtlich dokumentierten was damals geschah, nachschaut, stellt man fest: „Ach so, das war eigentlich gar nicht so großartig“. Ich glaube, dass die Leute jetzt, weil wir uns mit diesen Themen beschäftigen, zu Autoren wie Mr. Baldwin zurückkehren. Warum haben sie gerade diese Geschichte von James Baldwin ausgewählt? „If Beale Street Could Talk“ ist nicht mein Lieblingsroman von James Baldwin. Das wäre „Giovanni’s Room“. Aber ich liebe ihn, weil James Baldwin mit mehreren unterschiedlichen Stimmen schrieb. Zu den prominentesten gehörte der Essayist, der sich vor allem mit systemischer Ungerechtigkeit beschäftigt, mit der amerikanischen Gesellschaft

Ich wusste, dass die Off-Erzählung sehr wichtig für dieses Werk war. Außerdem musste die Sprecherin sowohl ein Mädchen als auch eine Frau sein, je nachdem, wo man sich in der Geschichte befand. Es war für mich wichtig, Baldwins innere Stimme zu übersetzen, aber dabei die Elemente des Filmemachens zu benutzen. Ich glaube, im Buch rutscht Mr. Baldwin manchmal aus. Er soll aus Tishs Perspektive schreiben, aber er schreibt aus seiner eigenen. Aber im Film wäre das nicht gegangen. Es musste alles durch Tish gehen, es musste alles die Perspektive eines neunzehn Jahre alten Schwarzen Mädchens sein. Ich glaube, wir waren in der Lage, den Blickwinkel von Tish einzunehmen und trotzdem die innere Stimme Baldwins beizubehalten. Aber es war sehr, sehr schwierig. Übrigens, ist es üblicherweise so, dass die Dialoge im Film aus den Frontlautsprechern des Kinos kommen. Aber bei uns kommt die Off-Erzählung aus allen Lautsprechern im Saal, so dass man im Grunde umgeben ist, eingetaucht ist in Tish Erzählerstimme. BEALE STREET hat einen sehr eigenen Look. Wie haben sie das visuelle Design des Films entwickelt? MÄRZ 2019 D

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INDIEFEATURE Für uns waren sowohl MOONLIGHT als auch BEALE STREET Spiegelungen des Bewusstseins der Hauptfiguren. In MOONLIGHT gab Chiron vor, wie der Film aussehen und sich anfühlen musste. BEALE STREET wird von Tish diktiert. Wissen Sie, das ist ein Mädchen, das sich in einer Art Fegefeuer befindet, und sie erinnert sich an die lebendigsten, die schönsten, die reinsten Momente ihres Lebens: ihre erste sexuelle Erfahrung, sich verlieben, ihren Seelenverwandten kennenlernen. Und dann auch die dunkelsten Erfahrungen: ihren Verlobten im Gefängnis zu sehen, die Begegnung mit diesem Bullen, all diese sehr dunklen Dinge. Es ist ein Film, der aus Erinnerungen komponiert ist. Ich glaube, weil Erinnerungen keine Grundläge in der Realität haben, können sie aussehen, wie immer man wünscht. Für uns bedeutete das einen sehr gesättigten, sehr hellen Look, wenn Tish auf sehr reine Weise an Dinge denkt, und dann, wenn beispielsweise Daniel Carty zu Besuch kommt, eine sehr gedämpfte Palette, sehr dunkel, viele Schatten – eine ganz andere Farbpalette als der Rest des Films. Es ging darum, das Bewusstsein der Hauptfigur zu reflektieren. Haben Sie keine Angst davor, sentimentale oder kitschige Szenen zu drehen? Nein, überhaupt nicht. Vor allem nicht in diesem Film, weil die Hauptfigur ein neunzehn Jahre altes Mädchen ist. Und dieses Mädchen erinnert sich an das, was sie von der Liebe weiß. Diese Erinnerungen sind, besonders, weil ihre Situation so düster ist, beinahe überhöht. Wie kitschig oder sentimental, wie schön ihre Erinnerungen an diese Dinge sind – es ist fast, als baute sie ein Puppenhaus aus ihren Erinnerungen. Aber in Wirklichkeit lebt sie in einem Höllenloch. Der Kontrast zwischen diesen beiden Dingen ist fast wie Oper. Die Höhen müssen recht hoch sein, und die Tiefen recht tief. Das machte es gewissermaßen einfacher, denn die Alternative wäre gewesen, etwas zu machen, das einfach so trostlos ist, so im Schmerz verwurzelt… Diesen Film haben wir alle schon gesehen, wir kennen alle diese Geschichten. Ich denke, dass unsere Option, bei der Schwarze Menschen mit Zärtlichkeit behandelt werden, mit Unschuld, eine Variante ist, die für mich, selbst auf banale Weise, profund wird. Eine der erschütterndsten Szenen des Films ist die, in der wir sehen, wie der weiße Rechtsanwalt, die einzige Hoffnung für Tish und ihre Familie, vor unseren Augen in sich zusammenfällt, gerade wenn man eigentlich erwartet hätte, dass jetzt ein Gerichtsdrama beginnt. Wie haben sie diese Szene entworfen? Meines Erachtens werden die Geschichten, die man uns über diese Dynamik und über diese Welt erzählt hat, immer zum Gerichtsdrama. Sie finden die Zeugin, sie holen Fonny da raus. Aber für so viele Schwarze Frauen und Schwarze Männer, die sich in dieser Situation befinden, passiert das einfach nicht. Es ist die Publikumserwartung, dass dieser Anwalt, der es gut meint, reinkommt und alles löst, weil Fonny unschuldig ist. Aber das ist einfach nicht die Realität. Stephan James, der Hauptdarsteller, hat viel von seiner Darstellung an einen jungen Mann namens Khalief Browder angelehnt, dessen Geschichte in den USA recht bekannt ist. Es gibt einen Dokumentarfilm über ihn. („Time: The Khalief Browder Story“, sechsteilige TV-Serie, 2017. In Ava DuVernays Netflix-Dokumentarfilm „13th“ gibt es zwei Interviews mit Khalief Browder. Die Red.) Dieser Junge wurde verhaftet, weil er einen Rucksack gestohlen haben soll und nach Riker’s Island geschickt, ein sehr berüchtigtes Gefängnis. Er hat dort drei Jahre verbracht, in denen er nur D 12

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auf seine Verhandlung wartete. Und zweieinhalb Jahre davon verbrachte er ein Isolationshaft, weil er allen sagte, er sei unschuldig. Sie haben ihn verrückt genannt. Dann, nachdem er entlassen wurde, beging er Selbstmord, weil das Trauma in ihm so tief saß. Wenn er sich schuldig bekannt hätte, hätte er vielleicht ein Jahr in Riker’s Island verbracht, aber dann hätte er sich zu etwas bekannt, was er nicht getan hatte. Das ist eine wahre Geschichte die in den letzten fünf Jahren passiert ist. Können Sie sich vorstellen, wie es 1973, 1974 für jemanden gewesen sein muss, als wir noch kein Internet und diese ganze Sachen hatten? Für mich wäre die Idee eines Anwalts, der herabschwebt und alles löst beinahe respektlos gegenüber Leuten wie Khalief Browder. Also, nein, kein Anwalt rettet den Tag. Sogar die Szene, in der dem Anwalt selbst klar wird, dass er zwar gute Absichten hat, aber nicht genug, um das Problem zu lösen – die wird auf der DVD sein, aber im Film ist sie nicht. Das Thema der Justizreform und der „plea deals“ – der Angeklagte erklärt sich schuldig und erhält eine kürzere Strafe und der Fall geht gar nicht erst vor Gericht - ist seit einiger Zeit ein heißes Thema in den USA, durch Filme wie Ava DuVernays „13th“ oder den erfolgreichen „Serial“-Podcast über einen Strafgerichtshof in Michigan. Glauben Sie, dass ihr Film dieser Debatte einen neuen Impuls geben wird? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Es gibt Leute, die den Film sehen und nicht glauben können, dass Fonny einen „plea deal“ angenommen hat. Es gibt Leute, die können nicht glauben, dass es unschuldige Menschen im Gefängnis gibt, die plea deals angenommen haben. Ich glaube, das liegt daran, dass diese Leute kein Verständnis davon haben, wie das Justizsystem in Amerika funktioniert. Es gibt nicht annähernd genug Richter, genug Anwälte, um all diese Fälle zu verhandeln. Also passiert dies: Wenn du uns tatsächlich dazu zwingst, diesen Fall zu verhandeln, werden wir dich auch wirklich bestrafen. Alles läuft über Anreize. Es gibt Anreize für Leute, einen plea deal anzunehmen, für Anwälte, einen plea deal auszuhandeln, für Richter, einen plea deal anzubieten. Einige Zuschauer unseres Films glauben, dass mit einem weißen Erlöser-Anwalt schon das Richtige passiert. Aber das System ist so leicht manipulierbar und so korrupt, dass das nicht der Fall ist. Paradebeispiel: In Fonnys Fall geht es um sexuelle Nötigung. Wenn Leute darüber schreiben, steht da: „Fonny ist der sexuellen Nötigung angeklagt“. Er wird aber wegen gar nichts angeklagt. Er wird aus einer Polizei-Aufstellung ausgewählt. Er wird von einem Polizisten in diese Aufstellung gesteckt, der weiß, wie er das System manipulieren kann. Das Buch ist da noch extremer: Fonny ist der einzige Schwarze in der Gegenüberstellung, was es viel leichter macht, ihn auszuwählen. Nochmal: Das System ist so leicht manipulierbar, dass du, wenn du erst mal drin bist, einfach drin bist. Es verschluckt Menschen. Es gibt eine Szene im Film, in der die beiden Schwarzen Väter sagen: „Ich kenne ein paar Tricks, und du kennst ein paar Tricks.“ Da hat man zwei Schwarze Väter, die Verbrechen begehen, um die Unschuld des Schwarzen Sohnes zu beweisen, der kein Verbrechen begangen hat. Wenn sie für diese Verbrechen verhaftet werden, stecken sie auch im System. Ich hoffe, dass Menschen, die den Film sehen, verstehen, wie dieses System funktioniert. Statt dass Fonny aus dem Gericht kommt und alle umarmt, enden wir mit ihm im Gefängnis, wo ihn sein Sohn besucht, dessen erste Erfahrung mit Schwarzer Vaterschaft nun mit dem Konzept von Gittern verbunden ist. Weil das eine Realität ist, der viele Leute gegenüberstehen. D Das Gespräch führte Tom Dorow


JOHN C. REILLY Originaltitel: If Beale Street Could talk D USA 2018 D 119 min D R: Barry Jenkins D B: Barry Jenkins D K: James Laxton D S: Joi McMillon, Nat Sanders D M: Nicholas Britell D D: Kiki Layne, Stephan James, Pedro Pascal, Ed Skrein, Dave Franco D V: DCM

JOAQUIN PHOENIX

JAKE GYLLENHAAL

DER MENSCH LEBT NICHT VOM TOD ALLEIN

BEALE STREET Samtige Bilder, taffe Politik

Das erste, was an BEALE STREET von Barry Jenkins (MOONLIGHT) auffällt, und das, was am Längsten im Gedächtnis bleibt, sind die Farben des Films. Sie sind nicht einfach warm und satt, sondern geradezu samtig, zärtlich. Es sind die Farben, in denen Tish (Kiki Layne), die die Geschichte erzählt, denkt, wenn sie an Fonny (Stephen James), der eigentlich Alonzo heißt, aber von niemandem so genannt wird, denkt und an ihre Gefühle für ihn. Fonny ist gerade mal 22 und Tish 19, als sie entdeckt, dass sie schwanger ist. Sie erzählt ihm die gute Nachricht durch Glas hindurch, im Besuchsraum eines Gefängnisses, denn Fonny ist für ein Verbrechen eingesperrt worden, das er nicht begangen hat. „Mach dir keine Sorgen, vor der Geburt holen wir dich hier raus“, sagt Tish. „Bist du sicher“ fragt Fonny. „Natürlich bin ich sicher“, entgegnet Tish. Von diesem Kristallisationspunkt, an dem sich junge Verliebtheit und eine unerschütterliche Hoffnung für die Zukunft treffen, blickt der Film zurück in die Zeit, in der Fonny und Tish, die sich seit ihrer Kindheit kennen, ein Paar wurden, und nach vorne, erzählt davon, wie Tish und ihre Familie zunächst noch daran glauben, dass Fonny bald wieder bei ihnen sein wird, wie sie einen Anwalt organisieren und versuchen, die „Beweise“ zu entkräften. Die ganze Familie legt zusammen. Tishs Mutter unternimmt es sogar, die einzige Zeugin aufzuspüren. Aber es wird bald klar, dass ein fairer Prozess etwas für Weiße ist und das ungeheuerliche Unrecht, das Fonny widerfährt, für Schwarze Familien Alltag. Nach dem Roman „If Beale Street Could Talk“ von James Baldwin erzählt Jenkins eine Geschichte, die von systematischer Diskriminierung handelt, und ein Rechtssystem zeigt, das rassistisch und desinteressiert das Leben Tausender afro-amerikanischer Familien zerstört hat (und immer noch zerstört). Es ist eine Geschichte, die voller Bitterkeit und Verzweiflung sein könnte, aber überstrahlt wird von einer Zärtlichkeit und Verbundenheit, die nicht nur Fonny und Tish füreinander empfinden. D Hendrike Bake

Start am 7.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

If Beale Street Could Talk is a 2018 American romantic drama film directed and written by Barry Jenkins, based on James Baldwin’s novel of the same name.

DER NEUE FILM VON JACQUES AUDIARD EIN PROPHET & DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN

AB 7. MÄRZ IM KINO

RIZ AHMED


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INDIEFEATURE

Eine Leinwandlegende nimmt ihren Hut: Nach mehr als 100 Filmen als Schauspieler, Regisseur und Produzent, einem Oscar für sein Regiedebüt EINE GANZ NORMALE FAMILIE (1981) und zwei Golden Globes verneigt sich Robert Redford vor seinem Publikum. Mit 82 Jahren ist er hier wohl zum letzten Mal in einer Hauptrolle zu sehen, die noch einmal alles in sich vereint, was ihn auszeichnet. Dieser Forrest Tucker ist ein freundlicher älterer Herr mit einem ungewöhnlichen Hobby: Er überfällt gern Banken. Das macht er nicht, um seine Rente aufzubessern. Es geht ihm einzig um den Nervenkitzel, das Gefühl, am Leben zu sein. Allerdings macht ihn seine Obsession zum Einzelgänger. Lediglich seine alten Kumpanen Teddy (Danny Glover) und Waller (Tom Waits) wissen von seinen Eskapaden und helfen bei der Planung. Als er allerdings Jewel (Sissy Spacek) kennen lernt und sich in sie verliebt, muss er sein Geheimnis offenbaren. Die Verbrecherlegende hat Regisseur David Lowery (A GHOST STORY) seinem Hauptdarsteller Robert Redford auf den Leib geschrieben. Der Gigant mit den blauen Augen glänzt noch einmal mit Charme, Witz und Charakter. Dabei ist Tucker nicht nur Sympathieträger beim Publikum, seine Beutezüge hinterlassen Spuren bei den Opfern. So liegt auch ein Hauch von Melancholie über den wunderbar grobkörnigen Bildern, die dem Kino der Siebziger entsprungen sein könnten. Die unglaubliche Story basiert tatsächlich auf dem wahren Fall einer Rentnergang, die in den Neunzigern die Banken von Florida unsicher machte. Der Journalist David Grann schrieb die Gesichte 2003 in einem Artikel in der New York Times nieder. Lowery verlegte die Story in die Achtziger, reicherte sie mit ein wenig Romantik und viel Nostalgie an. Mit EIN GAUNER UND GENTLEMAN schuf er eine würdevolle Huldigung an den großen Robert Redford, der sich hier mit einem weinenden und einem lachenden Auge verabschiedet. D Lars Tunçay

EIN GAUNER & GENTLEMAN Auf den Leib geschrieben

Originaltitel: The Old Man & The Gun D USA 2018 D 93 min D R: David Lowery D B: David Lowery D K: Joe Anderson D S: Lisa Zeno Churgin D M: Daniel Hart D D: Robert Redford, Sissy Spacek, Elisabeth Moss, Casey Affleck, John David Washington, Tom Waits, Danny Glover

Start am 28.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Forrest Tucker (Robert Redford) is a friendly older gentlemen with an unusual hobby: he liked to rob banks. He isn‘t doing it to supplement his pension. It‘s all about the thrill, the feeling of being alive.

MÄRZ 2019 D

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INDIEKRITIKEN Deutschland 2018 D 90 min D R: Veit Helmer D B: Leonie Geisinger, Veit Helmer D K: Felix Leiberg D S: Vincent Assmann D M: Cyril Morin D D: Miki Manojlovic, Paz Vega, Denis Lavant, Chulpan Khamatova, Maia Morgenstern D V: Neue Visionen Filmverleih

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE … Die schönsten Bahnstrecken der Welt

Eine der skurrilsten Bahnstrecken der Welt (die es inzwischen so nicht mehr gibt) lieferte die Inspiration für Veit Helmers freundlichen, verträumten Film. Im „Schanghai“ genannten Stadtviertel von Baku, Aserbaidschan waren die alten, kleinen Häuser, die inzwischen durch neue Wohnblocks ersetzt sind, direkt bis an die Gleise gebaut. Ihre Bewohner*innen nutzten das Gleisbett als Terrasse und als Treffpunkt, zum Wäscheaufhängen und als Trampelpfad. Immer wenn ein Zug kam, müssen das Gleisbett flugs geräumt, die Wäsche entfernt und die Teetischchen beiseite geschafft werden. Zugführer Nurlan, der kurz vor der Pensionierung steht, fährt diese Strecke regelmäßig. Immer wieder sammelt er dabei „Strandgut“ auf. Mal ist es ein Laken, das nicht rechtzeitig eingeholt wurde, mal ein Ball, der im Gestänge hängeblieb. Am nächsten Tag bringt Nurlan die Fundstücke dann wieder zu ihren Besitzer*innen zurück. Als sich dann eines Tages ein blau-weißer BH in der Bahn verfängt, ist das der Anfang einer Mission. Nurlan sucht nach der Frau, bzw. nach dem Busen, der in den BH passt. Das mag etwas schlüpfrig klingen, ist aber zart und liebevoll erzählt, auch ist Nurlan eher ein schüchterner, freundlicher Geselle. Helmers Märchen kommt vollständig ohne Dialoge aus. Die Geschichte ist schon sehr schlicht, aber die größte Attraktion ist ohnehin der gestandene grüne Güterzug, der durch schöne Berglandschaften fährt und mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit durch das Wohnviertel – gedreht wurde vor Ort ohne Drehgenehmigung – brettert. Ein Hauch von Tati weht durch den Film, aber Helmer erzählt sanftmütiger, altmodischer und weniger auf Pointen hin. Seine Personen sind ein wenig verschroben aber sympathisch, und seine „running gags“ schlendern mehr daher, als das sie rennen. D Toni Ohms

Start am 7.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

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In Veit Helmers dreamy film with no dialogue, an old train driver is looking for the owner of a blue bra that got caught in his train.

Originaltitel: Of Fathers and Sons D Deutschland/Syrien/Libanon 2017 D 98 min D R: Talal Derki D K: Kahtan Hassoun D S: Anne Fabini D M: Karim Sebastian Elias D V: Port-au-Prince

OF FATHERS AND SONS – DIE KINDER DES KALIFATS Großfantasien eines Einfältigen

Der syrische Filmemacher Talal Derki lebt in Berlin. Für seinen sehr zu Recht oscanominierten Dokumentarfilm OF FATHERS AND SONS wagt er eine Reise zurück in seine alte, vom Krieg zerrissene, nicht mehr wiederzuerkennende Heimat. Getarnt als Kriegsfotograf findet er das Vertrauen einer kleinen Familie islamistischer Kämpfer in der Einöde. Der ziemlich tumbe Patriarch schwingt Reden, feiert, dass einer seiner Söhne an einem 11. September geboren wurde, träumt von einem Kalifat – einem „fairen“ Kalifat, wie er betont. Großfantasien eines Einfältigen, der Gott auf seiner Seite wähnt. Hilft aber nichts: Auch seine Welt ist eine Welt des Todes, des Kampfes, des vermeintlich geheiligten Tötens des Feindes. Seine Kinder Osama und Ayman sind als Soldaten für den Jihad gezeugt, Menschenmaterial für den Krieg. Eine Landmine später ist der Patriarch fortan auf Krücken angewiesen. „Für jeden Toten kommen 1000 neue Kinder nach“, heißt es einmal. Fortan werden auch seine Söhne für den Dienst an der Waffe gedrillt – unter bedrückendsten Bedingungen. Der Ausbilder schultert ein scharfes Gewehr, beim Liegestütz setzt es echte Schüsse zwischen die Reihen. Damit die Kinder die Angst verlieren. Talal Derkis Film ist lakonisch, intim, privat, offen für das, was er sieht. Als Zuschauer ist man allein mit diesen Eindrücken aus einer Welt, die vom Tod besessen ist. Am Ende verliert sich Osamas Geschichte im Krieg. Im Wedding wäre dieser Junge mit den markanten Zügen vielleicht Fußballer geworden. D Thomas Groh

Start am 21.3.2019 ¢ 21.3., fsk-Kino: Vorführung in Anwesenheit von Produzent Hans Robert Eisenhauer ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Berlin-based Syrian filmmaker Talal Derki travels to his old, war-torn home country. He gains the trust of a small family of Islamist fighters in the desert while pretending to be a war photographer.

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INDIEKRITIKEN Deutschland 2019 D 110 min D R: Doris Dörrie D B: Doris Dörrie D K: Hanno Lentz D S: Frank Müller D M: Karsten Fundal D D: Golo Euler, Aya Irizuki, Felix Eitner, Floriane Daniel, Birgit Minichmayr, Sophie Rogall, Elmar Wepper, Hannelore Elsner, Kiki Kilin D V: Constantin Film Verleih

KIRSCHBLÜTEN & DÄMONEN Zwischen Leben und Tod

Zehn Jahre nach dem Erfolg von KIRSCHBLÜTEN – HANAMI kehrt Doris Dörrie zurück zu der zwischen Deutschland und Japan erzählten Familiengeschichte, die sich zuvor um das Ehepaar Trudi und Rudi drehte und mit KIRSCHBLÜTEN UND DÄMONEN nun die Perspektive der Kinder einnimmt. Ausgerechnet das Innenleben von Mamas Liebling „Karli“ wird beleuchtet. Dabei war er es, der seinen Vater nach dem plötzlichen Tod der Mutter damals nicht in sein Bankerleben lassen wollte, so dass Rudi in Tokio bei der obdachlosen Japanerin Yu strandete und in deren Beisein kurze Zeit später ebenfalls starb. Die Motive von Tod und Leben, Enttäuschungen und Hoffnungen finden sich auch in dieser unerwarteten Fortsetzung wieder: Yu sucht den mittlerweile alkoholkranken Karl in Deutschland auf, um gemeinsam zu trauern. Karl, der gerade die Trennung von seiner Frau und seiner kleinen Tochter verarbeitet, nimmt sie widerstrebend ins Elternhaus im Allgäu mit. Dort wird klar, dass er, und auch seine beiden Geschwister nur schwer mit der Familienvergangenheit Frieden schließen – mit der aufopfernden Rolle der Mutter, der Autorität des Vaters, einer Dynamik, in der Karl immer das schwächste Glied war und immer noch ist. Selten hat ein Film innere Dämonen so realistisch auf die Leinwand gebannt. Hier suchen sie Karl als schwarze Schatten und Visionen seiner flehenden Eltern heim. KIRSCHBLÜTEN bewegt sich immerzu auf dem Grad zwischen Leben und Tod, die Toten sind präsent, das Trauern vital. Die Erinnerungen der Kinder sorgen für ein Wiederaufleben des Original-Casts, insbesondere Hannelore Elsner und Elmar Wepper erscheinen als berührend echte Geister der Vergangenheit. Karls und Yus märchenhafte Begegnung endet, wo sie im ersten Film hätte beginnen können: in Japan, das Doris Dörrie nachhaltig bezaubert hat, und das hier fremd und doch merkwürdig vertraut erscheint. D Anna Hantelmann Start am 7.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

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10 years after the success of KIRSCHBLÜTEN – HANAMI, Doris Dörre returns to the family story situated between Germany and Japan and recounts how “Karli”, the youngest, is being haunted by the ghosts of the past.

Originaltitel: La Villa D Frankreich 2018 D 107 min D R: Robert Guédiguian D B: Serge Valletti, Robert Guédiguian D K: Pierre Milon D D: Ariane Ascaride, Jean-Pierre Darroussin, Gérard Meylan, Anaïs Demoustier, Robinson Stévenin D V: Film Kino Text

DAS HAUS AM MEER Die alten Pfade wachsen zu

Als der Vater einen Herzinfarkt erleidet, treffen sich die drei erwachsenen Kinder Angèle (Ariane Ascaride), Joseph (Jean-Pierre Darroussin) und Armand (Gérard Meylan) in seinem Haus am Meer, einer kleinen zweistöckigen Villa mit Blick über eine kleine Bucht in der Nähe von Marseille, um zu beraten, was sie tun sollen. Der Vater braucht nun rund um die Uhr Pflege. Aber mehr noch als die Zukunft ist die Vergangenheit Thema der Geschwister, denn hier, an diesem kleinen Flecken Traumküste, eingeklemmt zwischen Bahnstrecke und Meer, ist vor mehr als 20 Jahren ein schreckliches Unglück passiert, das die Familie gespalten hat. „Warum bist du hier?“ begrüßt Armand, der am Ort geblieben ist und das Restaurant des Vaters weiterführt, die Schwester, die über Jahre jeden Kontakt abgebrochen hat. Joseph ist mit seiner viel jüngeren Freundin Bérangère (Anaïs Demoustier) angereist, die seinen Zynismus langsam ermüdend findet. Die vier reden und warten und essen, plaudern mit den Nachbarn, gehen joggen, essen wieder. Zeit verstreicht. In vielen Gesprächen geht es darum, wie sich die Zeiten geändert haben. Einmal sagt Armand: „Die alten Wege wachsen nach und nach zu. Man muss dafür sorgen, dass sie frei bleiben.“ Er spricht von den Trampelpfaden durchs Gestrüpp, aber Regisseur Robert Guédiguian, mittlerweile 68, meint mehr. In seinem Film, der fast wie ein Kammerspiel immer am Ort verbleibt, verhandelt er Klassenkampf und Gentrifizierung, Entsolidarisierung der Gesellschaft und Rassismus, und findet sogar noch einen Weg, gestrandete Flüchtlingskinder einzuflechten. Der Plot rumpelt gelegentlich gewaltig, und während die Männer mit dem Leben hadern, finden die Frauen die Liebe. Aber schön ist der ruhige Erzählfluss, der Alltag aus Reden, der Arbeit nachgehen, Essen, dem Meer lauschen, die Welt beobachten. D Hendrike Bake

Start am 21.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

When their father gets seriously ill, siblings Angèle, Joseph, and Armand, who has been holding the fort of the small family restaurant, decide on what should happen to their childhood home, the restaurant, and their father.

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INDIEKRITIKEN Deutschland 2018–2019 D 82 min D R: Valesca Peters D B: Valesca Peters D K: Patrick Jasim, Andreas Schiller D S: Valesca Peters D M: David Minor D V: Edition Salzgeber

NEAR & ELSEWHERE

HELMUT BERGER, MEINE MUTTER UND ICH Von der Rettung einer Diva

Filmkunst, Preise, Feste, Jet-Set: Helmut Berger war ganz oben. Und landete ganz unten: Vermögen verjuxt, Alkohol und schmale Rente, erratische Auftritte, von den Medien als wirrer Opa herumgereicht. 2015 dann der Skandal um den Dokumentarfilm HELMUT BERGER, ACTOR: Das Management schritt ein, der Film bleibt unter Verschluss. 2017 schließlich die Versöhnung mit der Kunst: Berger, mittlerweile angeblich nüchtern und wieder gut beisammen, gibt an der Volksbühne sein Bühnendebüt – in einer Inszenierung des Filmauteurs Albert Serra. Valesca Peters’ Dokumentarfilm erzählt die Vorgeschichte dieses unerwarteten Comebacks. Wir lernen Bettina Vorndamme kennen, die Mutter der Filmemacherin, eine resolute Niedersächsin, die sich spontan in den den Kopf gesetzt hat, dem vereinsamten Star wieder auf die Beine zu helfen. Aus Salzburg holt sie ihn kurzerhand nach Nordsehl. Die Tochter soll darüber einen Film drehen. Leicht gesagt, nicht leicht getan. Denn Berger ist zwar freundlich und dankbar – aber eben auch eine krisenanfällige Diva, die ihr Umfeld stark beansprucht. Sehr schön ist, wie Peter in ihrem behutsamen Film dem gefallenen Engel wieder ein Stück jener Würde verleiht, die ihm der Boulevard genommen hat. Berger erscheint fragil, verletzlich, aber auch gewiss in seinem Mut, es mit der Karriere nochmal zu versuchen. Am Ende: Applaus im Berliner Theater. Bettina Vorndamme ist da schon längst wieder zuhause, in Nordsehl. Sie und Berger sind im Streit auseinandergegangen. D Thomas Groh

Start am 7.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

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Bettina Vorndamme, the mother of the filmmaker and a resolute lower Saxon, is fixated on helping lonely star Helmut Berger back on his feet again.

Das Regieteam von NEAR AND ELSEWHERE ist in seinem Essay auf der Suche nach Ansätzen für einen dringend benötigten Wandel in der Art, wie wir Fortschritt denken. Ihre Reise zu einer neuen Utopie schlägt genreauflösende Pfade ein. Neben Expert*innen diverser Felder (Zukunftsforscher, Marathonläuferin, Medienkritiker, Marsforscherin) stehen Bilder von Architektur, Zäunen, Gängen, Überführungen, künstlichen Gewässern und Spielszenen. Eine Samuraitänzerin und anscheinend wurzellose Personen bewegen sich über die Laufstege einer Großstadt. Start am 21.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Deutschland/Österreich/Dänemark/ Schweden 2018 D 84 min D R: Sue-Alice Okukubo, Eduard Zorzenoni

SCALA ADIEU – VON WINDELN VERWEHT Der Scala Filmpalast in Konstanz ist eines der letzten Arthousekinos der Region und ein Highlight der Innenstadt. Dann wird 2016 die Schließung angekündigt, eine Drogeriemarktkette will im Gebäude eine neue Filiale eröffnen. Eine Bürgerinitiative gegen die Schließung gründet sich. Dokumentarfilmer Douglas Wolfsperger hat den Prozess der Kinoschließung, der beispielhaft für das Kultursterben deutscher Innenstädte stehen kann, mit der Kamera verfolgt und mit Anwohnern, Aktionistinnen und Geschäftsleuten gesprochen. Start am 28.3.2019 ¢ 31.3.um 11 Uhr, Bundesplatz-Kino: Filmgespräch mit Douglas Wolfsperger ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Deutschland 2018 D 80 min D R: Douglas Wolfsperger

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INDIEKRITIKEN

WEIL DU NUR EINMAL LEBST

UNSER TEAM – NOSSA CHAPE

In der Waldbühne soll die dritte Show der Toten Hosen-Tournee „Laune der Natour“ stattfinden, die die Dokumentarfilmerin Cordula Kablitz-Post und Konzertregisseur Paul Dugdale begleiten, doch schon am Morgen muss die riesige Tour-Maschine in den Rückwärtsgang schalten: Campino hatte einen Hörsturz und muss das Konzert absagen. Ohne Exzesse und mit dem Hörsturz als größte Krise vermittelt der Film das Bild einer Band, die diszipliniert tourt und arbeitet, und deren Liebe zu den Fans und der „professionellen Familie“ immer in beide Richtungen geht.

Im Juni 2016 sollte das Team des brasilianischen Provinz-Fußballclubs Chapecoense in Medellin, Kolumbien im Finale der Copa Sudamericana gegen Athlético National spielen. Weil die Fluglinie LaMia, mit der die Mannschaft nach Medellin flog, Geld sparen wollte, wurde zu wenig Treibstoff getankt, und das Flugzeug stürzte in eine Bergkette. 71 Menschen starben, darunter 19 Spieler, 25 Vereinsmitarbeiter und Betreuer sowie 20 Journalisten. NOSSA CHAPE schildert die Geschichte des Vereins, der Überlebenden und der Angehörigen nach der Katastrophe.

Start am 28.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Deutschland 2019 D R: Paul Dugdale, Cordula Kablitz-Post

Start am 28.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Originaltitel: Nossa Chape D Brasilien 2018 D 101 min D R: Jeff Zimbalist, Michael Zimbalist, Julián Duque

SPREELAND. FONTANE

PALÄSTE FÜR DAS VOLK

Seit 2016 ist der Dokumentarfilmer Bernhard Sallmann mit Theodor Fontanes „Wanderungen in der Mark Brandenburg“ unterwegs. Nach ODERLAND. FONTANE und RHINLAND. FONTANE ist SPREELAND. FONTANE nun Anlass die Fluss-und-Seen-Landschaft im Süden Berlins zu erkunden. Während der Text Fontanes Reiseroute von Ost nach West folgt, macht die Kamera ihr eigenes Ding, illustriert nicht, sondern fängt im eigenen Rhythmus Bäume, Kirchen, Schlösser, Wiesen und Felder und immer wieder – Wasser ein.

Der Dokumentarfilm erzählt die bisweilen bizarren Geschichten der gigantischen sozialistischen Volkspaläste: der Palast der Wissenschaften in Moskau, der Palast Serbiens in Belgrad, der Kulturpalast in Sofia und der Parlamentspalast in Bukarest. Manche dieser Bauten brachten die Wirtschaft ihrer Länder an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit. Die Bevölkerung hungerte und fror, hat aber bis heute kaum Zutritt. Dennoch sind die Paläste zu kollektiven Referenzpunkten geworden, und Diskussionen um ihren Abriss stießen stets auf große Empörung.

Start am 28.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

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Deutschland 2018 D 78 min D R: Bernhard Sallmann

¢ Brotfabrik Kino, 7.3.-10.3. um 18 Uhr

Deutschland/Bulgarien/Rumänien 2017 D 104 min D R: Boris Missirkov, Georgi Bogdanov

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INDIEKRITIKEN Deutschland 2019 D 90 min D R: Alice Agneskirchner D K: Marcus Winterbauer D S: André Nier D M: Benjamin Schlez, Berend Intelmann D V: NFP marketing & distribution

LAMPENFIEBER

Kinder-Revue im Friedrichstadtpalast Dass der Friedrichstadtpalast mit allerlei Rekorden wie der größten Theaterbühne der Welt (nachgewiesen) und dem Ensemble mit den längsten Beinen (Eigenwerbung) aufwarten kann, ist bekannt. Dass es neben den großen Erwachsenenproduktionen auch regelmäßig Revuen mit dem sogenannten „Jungen Ensemble“ gibt, ist weniger im öffentlichen Bewusstsein. Die Dokumentar- und Imagefilm-Regisseurin Alice Agneskirchner hat ein knappes Jahr lang den Produktionsprozess für die Show „Spiel mit der Zeit“ begleitet, angefangen von den Castings für einen Platz im Jungen Ensemble, über die Proben, bis hin zur Premiere, und dabei einen genaueren Blick auf sechs der 280 Kinder geworfen, die dabei auf der Bühne stehen werden. Bei den Interviews mit den Kindern und den Aufnahmen zu Hause fällt auf, dass für viele der Kinder nicht der eigene Star-Status im Vordergrund steht, sondern sie vor allem ihre Familien glücklich machen wollen. Alex (16) zum Beispiel wurde durch ihre an Krebs verstorbene Mutter ans Musical herangeführt, möchte so die Erinnerung am Leben erhalten, während Maja (9) sich nichts sehnlicher wünscht, als ihre Oma aus Syrien nach Berlin einzuladen, damit sie sie auch tanzen sehen kann. Einzig Oskar (13), der bereits ein Youtube-Star ist, hat den eigenen Ruhm fest im Blick und lässt sich auch durch Schlafmangel nicht von der Hauptrolle im Stück abhalten. Dass es ein hartes Stück Arbeit wird, ist allen klar, aber nicht alle bleiben bis zum Ende des Films bei der Produktion. Da aber alle Erwachsenen, inklusive der zu Beginn als „besonders streng“ eingeführten Ensembleleiterin, ausgesprochen nett und verständnisvoll sind und dies sowohl in den Proben als auch bei Gesprächen untereinander zeigen, kommt es zu einer rauschenden Premiere, die alle Beteiligten glücklich macht, und einem Film, der vielleicht auch einigen jungen Zuschauer*innen den Mut gibt, den Sprung in den Palast zu wagen.

Deutschland 2017 D 83 min D R: Sebastian Winkels D B: Sebastian Winkels D K: Sebastian Winkels D S: Frederik Bösing D V: Piffl Medien

TALKING MONEY Bankgespräche sind Performances

TALKING MONEY ist kein Essay über das Bankenwesen, eher Konzeptkunst. Die Methode ist einfach: Die Kamera filmt Kundengespräche mit Bankangestellten, rund um die Welt, in Deutschland, der Schweiz, Bolivien, Benin, Italien, den USA und Pakistan. Die Banker bleiben weitgehend unsichtbar, der Blick ruht auf den Kunden, Kreditnehmerinnen, Schuldnern, Leuten, die ihr Geld abheben wollen, Leuten, die welches leihen wollen oder müssen, und einer Schweizerin, die Geld anlegen will. Sie ist als einzige sehr entspannt, aber dennoch bemüht, sich in so positivem Licht wie möglich darzustellen. Bankgespräche sind Präsentationen, Performances, und die Bankkunden beherrschen die Selbstdarstellung mal besser, mal schlechter. Eine bolivianische Markthändlerin, die sich 500 Dollar für den Einkauf von Zitronen leihen will, weiß sich überhaupt nicht zu inszenieren, obwohl ihr Businessplan ganz überzeugend wirkt. Ein pakistanischer Unternehmer, der 150.000 Dollar für den Einstieg in das Farbengeschäft benötigt, braucht seine Geschäftsidee dagegen kaum zu erläutern, um mit der Bank ins Geschäft zu kommen. Ein Kunde aus Benin beschwert sich mit unglaublich sanfter Stimme, ein Italiener, der Geld abheben will, wird da schon wesentlich deutlicher. Alle stehen unter Spannung, manchmal stehen Existenzen oder Häuser auf dem Spiel, wenn Pfändungen bereits eingeleitet sind. Aus den Gesprächen erschließen sich soziale Verhältnisse, Lebenssituationen und Lebenslügen, gelegentlich auch die Tricks der Banken, wenn etwa einem jungen Heizungsbauer vorgerechnet wird, was seine Arbeitsleistung in den nächsten Jahrzehnten wert ist, um ihm eine teurere Berufsunfähigkeitsversicherung zu verkaufen. Bankgespräche sind immer von Machtverhältnissen geprägt. Am Ende bleibt es fraglich, ob die privaten Selbstvermarktungsstrategien der Kunden in den Prozessen eine große Rolle spielen. D Hannes Stein

D Christian Klose

Start am 14.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

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The Friedrichstadtpalast regularly has revues with children and teens, the so-called “young ensemble”. Alice Agneskirchner accompanies some of the young stars of the “Spiel mit der Zeit” show – from the casting to the premiere.

Start am 28.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Directory Sebastian Winkels filmed the conversations between customers and bankers in 8 countries, from Switzerland to Pakistan.

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INDIEKRITIKEN

THE SISTERS BROTHERS Träume von männlicher Freundlichkeit

Jacques Audiard ist eigentlich als europäischer Autor eines sehr körperlichen Kinos bekannt. DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN über die Beziehung zwischen einem brutalen Straßenboxer und einer beinamputierten Waltrainerin, der Cannes-Gewinner DHEEPAN über einen ehemaligen indonesischen Soldaten, der in den französischen Vorstädten in Bandenkriege gerät, oder A PROPHET über den Aufstieg eines jungen franko-arabischen Mannes zum Oberhaupt einer Gefängnis-Gang waren harte, direkte Filme über körperliche Selbstbehauptung in Extremsituationen. Dass Audiard nun in den USA einen Western gedreht hat, ist zunächst nicht weiter verwunderlich, umso erstaunlicher ist es aber, dass es in THE SISTERS BROTHERS nicht um harte Kerle geht, die sich durchsetzen, sondern um Männer, die versuchen, ihre Härte abzulegen. Die Sisters Brothers sind skrupellose Mörder, Kopfgeldjäger und Auftragskiller. Eli Sisters (John C. Reilly) und Charlie Sisters (Joaquin Phoenix) massakrieren auf der Suche nach einem Mann sämtliche Bewohner einer einsamen Farm. Der Gesuchte ist nicht darunter. „Das haben wir ja wohl verbockt“ ist der lakonische Kommentar, das nächste Mal wird besser gekillt. Ihr Auftraggeber ist der mysteriöse „Kommodore“, der für den nächsten Job den impulsiven Charlie zum Chef ernennt, obwohl die Sisters Brothers ohne den umsichtigeren und eigentlich sehr sensiblen Eli kaum eine Nacht überleben würden. Ihr nächster Job: Sie sollen dem

Start am 7.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

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The Sisters Brothers are ruthless assassins. They are meant to get a secret formula from a gold prospector that will simplify the digging of gold and then murder the man, but the prospector has used his charm and friendliness to befriend one of them.

USA/Frankreich/Rumänien/Spanien 2018 D 120 min D R: Jacques Audiard D B: Jacques Audiard, Thomas Bidegain D K: Benoît Debie D S: Juliette Welfling D M: Alexandre Desplat D D: Jake Gyllenhaal, John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Rutger Hauer, Riz Ahmed, Carol Kane D V: Wild Bunch

Goldprospektor und Chemiker Herman Kermit Warm (Riz Ahmed), der angeblich eine extrem effektive Methode des Goldschürfens entwickelt hat, die geheimnisvolle Formel entlocken und ihn danach beseitigen. Der Journalist John Morris (Jake Gyllenhaal), ebenfalls in Diensten des Kommodore, ist Warm auf den Fersen und hat die Aufgabe, ihn solange festzusetzen, bis die Brüder die Schmutzarbeit übernehmen. Zunächst aber lernen wir die Dynamik zwischen den Brüdern genauer kennen. Während Charlie säuft und mit Huren feiert, bleibt Eli nüchtern und sehnt sich nach seiner großen Liebe. Eine Saloon-Prostituierte ist von Elis Bitte, die Szene nachzuspielen, in der seine Geliebte ihm ein Halstuch für die Reise schenkt, so gerührt, dass sie aus dem Zimmer rennt, aber den Brüdern immerhin ein Mordkomplott verrät. Eli beschützt Charlie, der ein großes Kind geblieben ist. Zugleich begegnen sich der Chemiker Warm und der verhinderten Poet John Morris, der sich nur bedingt als Menschenjäger eignet. Warm spricht Morris so freundlich und sanftmütig an, dass der sofort dem Charme des Prospektors erliegt: „Mir ist aufgefallen, dass ihr Lächeln auf dem Gesicht verbleibt, auch wenn sie Menschen nicht mehr ansehen. Es bereitet ihnen wirkliche Freude, Menschen zu begegnen.“ Und so verschiebt sich allmählich die Geschichte von zwei superharten Killern zu einer von Männern, die ihre sanfte, ehrliche und freundliche Seite entdecken, bis sie schließlich eine kleine Utopie im Westen errichten, in der einst harte Männer darüber sprechen, warum sie so hart geworden sind, und wie schön es wäre, anders sein zu dürfen. Die Geschichte der zahlreichen utopischen und sozialistischen Gemeinschaften in den USA des 19. und frühen 20. Jahrhundert ist im Kino noch nicht erzählt worden, und auch in Audiards Film geht es kaum über den Traum hinaus. Aber immerhin wird bei Audiard geträumt, in einer Top-Besetzung, die offensichtlich großes Vergnügen daran hat, Rollenklischees zu durchbrechen. THE SISTERS BROTHERS macht Spaß, es fehlt allerdings der typische Audiard-Touch, diese energischen, verspannten Bilder. Es wirkt beinahe, als sei Audiard in Hollywood plötzlich tiefenentspannt unterwegs und schüttele klassisches Erzählkino aus dem Handgelenk. D Tom Dorow

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INDIEKRITIKEN Originaltitel: Edmond D Frankreich/Belgien 2018 D 110 min D R: Alexis Michalik D B: Alexis Michalik D K: Giovanni Fiore Coltellacci D M: Romain Trouillet D D: Thomas Soliveres, Olivier Gourmet, Mathilde Seigner, Dominique Pinon D V: Prokino

VORHANG AUF FÜR CYRANO Charmant boulevardesk

Deutschland 2019 D 120 min D R: Lena Wendt, Ulrich Stirnat D S: Sebastian Bluhm D M: Helge Dube D V: Abgefahren

REISS AUS – ZWEI MENSCHEN. ZWEI JAHRE. EIN TRAUM. Viele schöne Bilder

„Cyrano de Bergerac“ ist ein französisches Nationalheiligtum. Fast fünfzig mal wurde der Stoff verfilmt und hundertfach auf den Bühnen des Landes aufgeführt, Cyrano zählt zu den beliebtesten Figuren der Theatergeschichte. Im Kino schlüpfte zuletzt Gerard Depardieu 1990 in die Rolle des wortgewandten Fechters, vielfach wurde die Geschichte des verhinderten Liebhabers zitiert, sei es im amerikanischen Rom-ComKino (ROXANNE) oder wie letztes Jahr in dem deutschen Teeniefilm DAS SCHÖNSTE MÄDCHEN DER WELT. Aber wer steckt hinter der Geschichte des begnadeten Poeten, der aufgrund von Scham über seinen überproportionierten Riechkolben einen tumben Schönling vorschickt, um seiner Angebeteten den Hof zu bereiten? Es ist der aus einfachen Verhältnissen stammende Bühnenautor Edmond Rostand, dessen Geschichte der französische Regisseur Alexis Michalik hier in seinem Filmdebüt erzählt. Dabei reichert er die biografischen Fakten selbst mit Motiven der Geschichte an. Der unsichere Edmond (Thomas Solivérès, zuletzt als Spirou zu sehen) hat einige vielversprechende Bühnenstücke geschrieben, der große Durchbruch blieb ihm jedoch bislang verwehrt. Da erhält er den Auftrag, für den gefragten Theaterdarsteller Constan Coquelin (herrlich eitel verkörpert von Olivier Gourmet) ein Stück zu schreiben. Die Aufregung versetzt nicht nur seine schwache Pumpe in lebensbedrohliche Schlagzahl, sondern setzt auch kreative Geistesblitze frei, die befeuert werden, als er für seinen Freund, den Schönling Léo (Tom Leeb) die unnahbare Jeanne (Lucie Boujenah) mit Worten umgarnen soll – und sich natürlich selbst verliebt. Michalik macht daraus ein turbulentes Boulevardstück, märchenhaft und charmant, das kaum zur Ruhe kommt, dabei jedoch glänzend unterhält. D Lars Tunçay

Start am 21.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

D 22

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In his debut Alex Michalik tells the story of Edmond Rostand, the writer of the world-famous play CYRANO DE BERGERAC and enriches his story with the motifs of the play.

Es gehört mittlerweile zum guten Ton, als junger Mensch mit westlichen Privilegien in der Berufslaufbahn das eine oder andere Auslandsjahr aufzusammeln. Dieser Trend schlägt sich auch in der Filmindustrie wieder: Immer mehr Reisefilme finden ihren Weg in deutsche Kinos. Dazu gehört auch REISS AUS von Lena Wendt und Ulrich Stirnat; der Film dokumentiert den zweijährigen Roadtrip der beiden durch ausgewählte Länder der Westküste Afrikas und nimmt dabei einiges an Klischees mit. Sie geben sich viel Mühe, die Beiden, nicht in kolonialistische Erzählnarrative von „Entwicklungsländern“ vs. „Industrienationen“ zu verfallen. Mehrfach wird die Rede kritisch auf den Westen gelenkt, der Monokulturen erschafft, mit Ferienressorts den Strand zumüllt und mit Kleiderspenden die heimische Weberindustrie zerstört. Soweit, die eigene Rolle als Armutstouristen zu reflektieren, die sich durch das Erleben und Dokumentieren dieser Umstände ein gutes Gefühl verschaffen, gehen die beiden Reiselustigen aber nicht. Stattdessen tragen sie eine höchst misstrauenserweckende, weil völlig überstrapazierte Begeisterung für die Einfachheit, Gastfreundschaft und Lebensfreude westafrikanischer Menschen zur Schau, während der Hauptfokus das individuelle Reiseerlebnis der beiden bleibt. Das ist an und für sich nichts Schlechtes: Früher hat man Urlaubsdias gezeigt, heute dreht man Filme mit vielen schönen Bildern von Wüste, Palmen und Kindern und unterlegt sie mit Sätzen wie „Afrika mag finanziell arm sein, dafür aber umso reicher im Herzen“. Wenn jemand meint, er fände sein Glück, indem er sich in Sierra Leone darüber freut, wie tapfer die Menschen Ebola überstanden haben, bitte schön. Ob es sich wirklich lohnt, die gewonnen Erkenntnisse in einen Film zu verpacken, bleibt Ansichtssache. D Manon Scharstein

Start am 14.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Lena Wendt und Ulrich Stirnat travelled through Africa for two years and documented their trip.

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INDIEKRITIKEN Originaltitel: On the Basis of Sex D USA 2018 D 120 min D R: Mimi Leder D B: Daniel Stiepleman D K: Michael Grady D S: Michelle Tesoro D M: Mychael Danna D D: Felicity Jones, Armie Hammer, Kathy Bates, Justin Theroux, Jack Reynor D V: eOne

DIE BERUFUNG – IHR KAMPF FÜR GERECHTIGKEIT

Schweiz 2017 D 85 min D R: Christine Repond D B: Silvia Wolkan, Christine Repond D K: Aline László D S: Ulrike Tortora D D: Barbara Auer, Robert Hunger-Bühler, AnnaKatharina Müller, Oriaga Schrage D V: Real Fiction Filmverleih

VAKUUM

Von jetzt auf gleich allein

RBG setzt sich durch

Ein Heer von Anzugträgern strömt auf ein klassizistisches, erhaben wirkendes Gebäude zu. Harvard Law School. Hier ist der Nachwuchs, der sich auf den Weg an die Macht macht, und er ist fast ausschließlich männlich. Mittendrin und erst auf den zweiten Blick zu sehen, geht ebenso zielstrebig eine zierliche, rothaarige Frau: Ruth Bader Ginsberg. Regisseurin Mimi Leder entwirft ihr Bild der Anwältin, die das Rechtssystem der USA umkrempelte, mit groben, effizienten Strichen. Vor allem bei der Beschreibung von Ginsbergs Privatleben verzichtet Leder auf Filigranarbeit. Ruth und ihr Mann Martin werden als Traumpaar erzählt: verliebt und liebevoll und solidarisch. Als er an Krebs erkrankt, besucht sie zusätzlich zu ihren auch noch seine Seminare, und nie verliert sie die Geduld. Aber um Ginsbergs’ Privatleben geht es auch gar nicht, wirklich interessant ist ihre Karriere – die Umwege die sie nehmen musste, und die Zielstrebigkeit, mit der sie sich gegen die Diskriminierung per Gesetz eingesetzt hat. Trotz eines brillanten Uni-Abschlusses gibt es keine einzige Kanzlei, die sie einstellen will. „Wir haben neulich schon eine Frau eingestellt.“ „Wir sind ein Familienunternehmen und die Ehefrauen werden neidisch.“ Also nimmt Ginsberg einen Job als Professorin an und unterrichtet, statt wie geträumt vor Gericht für Recht zu streiten. Dann flattert eines Tages ein interessanter Steuer-Fall über Martins Schreibtisch: In Denver hat ein Mr. Moritz Pflegekosten für seine alte Mutter, die er alleine betreut, von der Steuer abgesetzt. Er ist zur Rückzahlung verklagt worden, da laut Gesetz nur Frauen und Witwer entsprechende Kosten geltend machen können, aber nicht Junggesellen. Es ist der Präzendenzfall, auf den Ruth gewartet hat: Eine Benachteiligung durch die Rechtsprechung selbst, aufgrund des Geschlechtes – gegen einen Mann!

Ein gutbürgerlich situiertes Paar steht kurz vor seinem 35. Hochzeitstag, als Meredith (Barbara Auer) erfährt, dass sie nach einer Blutspende HIV positiv getestet worden ist. Schockiert und nach einiger Recherche bekommt sie heraus, dass ihr Mann André (Robert Hunger-Bühler) der Überträger ist, der sich seinerseits offenbar bei Prostituierten angesteckt hat. Aus dieser Konstellation ergeben sich scheinbar unauflösliche Schuldverstrickungen, auch Schamgefühle. Aber vor allem steht Meredith vor einem Scherbenhaufen, den sie nicht mehr einfach zusammensetzen kann. Selbstverständlichkeiten und Gewissheiten bieten keinen Halt mehr. Von jetzt auf gleich auf sich allein gestellt, erkennt sie auf einmal das Ausmaß ihrer sozialen Isolation, und ganz allmählich stellt sich auch Skepsis gegenüber ihrem eigenen bisherigen Leben ein. Sie beginnt zu ahnen, dass aus ihrer Krankheit eine Chance erwächst, die vielleicht einen Neuanfang bedeuten könnte. Die Schweizer Regisseurin und Autorin Christine Repond erlaubt sich in ihrer Geschichte keine Schlenker und bleibt ganz nah an der minimalen Handlung. Gerade durch die unaufdringliche und gleichzeitig betörende Schlichtheit wird die Komplexität der Gefühle erst richtig augenfällig. Der Film arbeitet mit Andeutungen, hält sich mit einer Überfrachtung von Symbolen weitgehend zurück. Im zurückhaltenden, subtilen Spiel von Barbara Auer spiegelt sich die Verwandlung von einer gesicherten, abgeklärten und verfestigten Welt in eine löcherige, vage Existenz. VAKUUM ist nicht zuletzt ein Film über eine Emanzipation mit mehr ängstlichen als kämpferischen Momenten, der bis zum Ende seine Melancholie keineswegs verschweigen will. D Michael Schmitz

D Hendrike Bake

Start am 7.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

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Mimi Leder’s biopic is about Ruth Bader Ginsberg’s beginnings – her studies, her job as a professor, and the precedent case in which she enforced gender equality before the law for the first time.

Start am 14.3.2019 ¢ 15.3., fsk-Kino: Gespräch mit Hauptdarstellerin Barbara Auer und Regisseurin Christine Repond ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

A bourgeois couple is about the celebrate their 35th wedding anniversary when Meredith finds out she is HIV positive after a blood donation. After some research she finds out that her husband André is the carrier.

MÄRZ 2019 D

23 D


INDIEFEATURE

FREE SOLO

Suizidaler Höhenrausch

El Capitan ist eine stellenweise 1000 m hohe, erbarmungslose Granitformation im Yosemite-Nationalpark, ein Mekka für Kletterer. In kurzer Folge widmen sich nun zwei Dokumentarfilme dem Ungetüm. DURCH DIE WAND (gestartet im letzten September) folgte den Freikletterern Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson bei ihrer Besteigung der als unbezwingbar geltenden „Dawn Wall“. In FREE SOLO wählt Alex Honnold eine erprobtere Route – aber er klettert sie „free solo“ – an einem Stück, ohne Schutz und Seil. Am 3. Juni 2017 ist er der erste Mensch, der jemals den El Capitan ohne Hilfsmittel erklettert hat. Auch wenn man vorher weiß, dass

USA 2018 D 97 min D R: Jimmy Chin, Elizabeth Chai Vasarhelyi D K: Jimmy Chin, Clair Popkin, Mikey Schaefer D S: Bob Eisenhardt D M: Marco Beltrami D V: capelight pictures

Start am 21.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

D 24

D MÄRZ 2019

Part intimate portrait, part breath-taking extreme sport thriller, FREE SOLO follows climber Alex Honnold in his ascent of the 1000 m high El Capitan in Yosemite National Park. Alex is climbing it “free solo“ – all in one go with no protection or ropes.

Honnold die Besteigung überlebt, gehören die letzten 15 Minuten des Films zu den atemberaubendsten Kinoerfahrungen, die man in diesem Jahr wohl machen wird. Was Spannung angeht, schlägt FREE SOLO den immens spannenden DURCH DIE WAND noch einmal um mehrere Seillängen. Dazu trägt die schwindelerregende und grandiose Kameraarbeit bei, vor allem aber der perverse Thrill, dass jeder Fehltritt den sicheren Tod bedeuten würde. Nicht einmal der Kameramann, selbst ein erfahrener Kletterer, vermag an den schwersten Stellen hinzuschauen. Und als Alex schließlich, endlich, oben ankommt, ist im Team weniger Triumph zu spüren, als vor allem grenzenlose Erleichterung. Ganz anders fühlte sich das in DURCH DIE WAND an, wo der Aufstieg eine kollegiale Teamleistung war und die beiden Kletterer teils tagelang an einem besonders kniffligen Abschnitt Millimeter für Millimeter Hand- und Fußtritte erprobten, bis sie endlich einen Weg über die gefühlt spiegelglatte Fläche fanden. Besessen sind sie alle, aber Alex in FREE SOLO scheint dem Wahnsinn deutlich näher als die meisten – und ist sich dessen auch durchaus bewusst, wenn er etwa Dinge sagt wie „Glücklich zu sein hat die Welt noch nie weitergebracht. Wer etwas bewegen will, muss Perfektion anstreben.“ D Hendrike Bake


INDIEFEATURE

Während FREE SOLO ein vertikaler Film ist, einer der von unten hochschaut und von oben runter, in dem es um Schwindel, Abgründe und um Triumphe geht, ist THIS MOUNTAIN LIFE ein eher horizontal interessierter Bergfilm, der immer wieder atemberaubend schöne Panoramablicke auf weite verschneite Hochebenen, Gletscherlandschaften, tannenbestandende Hänge und schroffe Täler zeigt. Auch die Erzählung ist eher in der Breite angelegt und stellt verschiedene Personen vor, die ihr Leben den nahezu unberührten Bergen in British Columbia, Kanada, verschrieben haben. Im Zentrum steht das Mutter-Tochter-Duo Tania und Martina, das die 2300 km lange Bergstrecke entlang der Westküste, von Vancouver in Kanada bis Skagway in Alaska, in sechs langen, kalten und einsamen Monaten entlang wandert. Wochenlang ist es unter -20 Grad, Martina träumt vom Essenkaufen im Supermarkt und die zierliche und immerhin schon 60-jährige Tania trägt ihr halbes Körpergewicht an Gepäck, aber ans Aufgeben denkt keine von den beiden. Drumherum sind andere Bergfanatiker*innen gruppiert. Der Künstler Simon stapft Muster in den

unberührten Schnee, die von weit weg gesehen zarte Schneeflocken ergeben. Todd, Janina und Ian erzählen anschaulich davon, wie sie eine Lawine überlebt haben, und Bernhard und Mary zeigen ihr weit, weit abgelegenes Häuschen, in dem sie im Winter regelmäßig einschneien. Manchmal kippt Bernhard Baumstämme auf die Zuwege, um die Zivilisation draußen zu halten, und wenn er noch mehr Ruhe will, wandert er rund acht Stunden zu seiner noch weiter abgelegenen Hütte. So nahe wie FREE SOLO seinem Protagonisten kommt THIS MOUNTAIN LIFE ihnen allen nicht, vielmehr lädt der Film dazu ein, gemeinsam mit freundlichen, leicht verrückten Leuten die Aussicht zu genießen. D Hendrike Bake

THIS MOUNTAIN LIFE Weite Panoramablicke

Originaltitel: This Mountain Life D Kanada 2018 D 77 min D R: Grant Baldwin D B: Grant Baldwin, Jenny Rustemeyer D V: Camino Filmverleih

Start am 28.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

The documentary follows several people in British Columbia, Canada, who have decided to live their lives in the mountains.

MÄRZ 2019 D

25 D


INDIEKRITIKEN Deutschland 2018 D 77 min D R: Lion Bischof D B: Lion Bischof D K: Dino Osmanoviç D S: Martin Herold D M: Matthias Lindermayr D V: Mindjazz Pictures

GERMANIA

Finnland 2018 D 90 min D R: Timo Vuorensola D B: Dalan Musson D K: Mika Orasmaa D S: Joona Louhivuori D M: Laibach D D: Udo Kier, Lara Rossi, Kit Dale, Tom Green, Vladimir Burlakov, Julia Dietze D V: Splendid Film

IRON SKY: THE COMING RACE

Regeln, Kostüme und Rituale

Brachialunterhaltung, Teil II Studentenverbindungen und Burschenschaften haftet ein eher schlechter als rechter bzw. ein eher rechter als integrer Ruf an. Die notorische Geheimniskrämerei und Verschwiegenheit, die diese seit Jahrhunderten pflegen, hilft dabei nicht. Umso erstaunlicher ist es, dass die schlagende Münchner Verbindung mit dem auch noch besonders heiklen Namen GERMANIA Regisseur Lion Bischof und Kameramann Dino Osmanovic über Monate hinweg Zugang zu ihren Räumlichkeiten gewährt hat. Zu Sitzungen, Partys, Ausflügen und dem obligatorischen Fechttraining. Bischof verzichtet dabei auf einen Off-Kommentar und auch weitestgehend auf Musik. Scheinbar neutral beobachtet der Film und lässt die Protagonisten für sich selbst sprechen. Zusammen mit einem „Fuchs“, also einem Neueingetretenen, lernt man dabei Regeln, Ausdrucksweisen, Kostüme und Rituale kennen, die auf Außenstehende wahrscheinlich abschreckend, mindestens aber sehr langweilig und antiquiert wirken. Warum also überhaupt diesem Corps beitreten? Die Antwort geben die jungen Männer in offenen Interviews. „Entlarvend“ wäre vielleicht auch ein treffendes Adjektiv. Man reife dort eben schnell „zum richtigen Mann“. Oder zu dem, was die Germania dafür hält. Gängige Klischeevorstellungen von Wein, Weib und nationalistischem Gesang bemühen sich die Füchse allerdings zu entkräften. Unangemessener Alkoholkonsum wird mit ernster Miene gerügt. Kein beer pong beim Lounge-Abend! Patrioten oder Nationalisten? „Linke Wortklauberei!“. Und beim Fechten ist auch seit Jahren niemand mehr ernsthaft verletzt worden. Abgesehen von einem Zuschauer, dem eine abgesplitterte Klinge ein Auge ausgestochen hat. Alles also völlig unverfänglich. Bis die Kamera den Raum verlässt, denn dann werden die „Interna“ besprochen. Würde die Kamera dabei bleiben, könnte das vielleicht ins Auge gehen. D Katharina Franck

Start am 7.3.2019 ¢ 8.3. um 20 Uhr, Il Kino: in Anwesenheit von Regisseur Lion Bischof ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

D 26

D MÄRZ 2019

Director Lion Bischof and cinematographer Dino Osmanovic were granted access to the spaces of the Munich fencing student fraternity GERMANIA – to meetings, partys, trips, and obligatory fencing trainings.

Bereits der erste IRON SKY war ein ausgeufertes Internet-Meme, das es dank Crowdfunding bis ins Programm der Berlinale 2012 geschafft hatte. Aus einer deutschen Perspektive mochte die Verwurstung rechter Verschwörungstheorien zur Brachialunterhaltung fragwürdig sein, aber tatsächlich schaffte es der Film, neben Klamauk und Tabubruch noch ein paar politische Seitenhiebe und ein sogar recht bewegendes Ende einzubauen. THE COMING RACE befreit sich vollkommen von dieser Last: 20 Jahre nach dem Krieg zwischen der Erde und den Mondnazis warten die Überlebenden in der verfallenden Basis „Schwarze Sonne“ darauf, dass die Systeme versagen. Unerwartet kommt ein notdürftig geflicktes UFO von der Erde, das außer Flüchtlingen auch den ehemaligen Mondführer an Bord hat. Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) ist nicht nur nicht tot, sondern auch gar kein Mensch. Als Teil der Vril, einer Rasse von humanoiden Echsen, hat er seit Urzeiten das Schicksal der Menschheit mitgelenkt. Nun bietet er Obi Washington (Lara Rossi), der Tochter der Protagonisten des ersten Teils, den Treibstoff für den Exodus der Mondmenschen und die Rettung für ihre totkranke Mutter (Julia Dietze) an. Dafür müssen Obi und ihre Mitstreiter nur zum Zentrum der Vrilwelt, im Kern der hohlen Erde, und dort den Heiligen Gral stehlen – wenn die Echsen-Conquistadoren der Vril oder Hitler (auch Udo Kier) auf einem Tyrannosaurus sie nicht vorher erwischen. THE COMING RACE ist der perfekte Film, wenn man volltrunken mit einer internationalen Gruppe von Freunden in der Kneipe sitzt, weil das wahrscheinlich auch die Umstände waren, in denen das Drehbuch entworfen wurde. Ein „Wäre es nicht total geil, wenn…“-Moment reiht sich an den nächsten, und bevor der richtig ausgearbeitet ist, ist schon etwas ganz anderes interessanter. Der perfekte postmoderne Klamauk-Rausch, solange man nicht darüber nachdenkt. D Christian Klose

Start am 21.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

A parody of right-wing conspiracy theories that turns into violent entertainment part II.

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INDIEKRITIKEN Deutschland 2018 D 65 min D R: Tilman Singer D B: Tilman Singer D K: Paul Faltz D S: Fabian Podeszwa D M: Simon Waskow D D: Luana Velis, Jan Bluthardt, Julia Riedler, Nadja Stübiger, Johannes Benecke D V: Bildstörung

LUZ

Originaltitel: Al-Taqareer Hawl Sarah Wa Saleem D Palästina/Niederlande/Deutschland/ Mexiko 2018 D 127 min D R: Muayad Alayan D B: Rami Alayan D K: Sebastian Bock D M: Charlie Rishmawi, Tarik Abu Salameh, Frank Gelat D D: Adeeb Safadi, Sivane Kretchner, Ishai Golan, Maisa Abd Elhadi D V: Missing Films

DER FALL SARAH UND SALEEM

Dämonen in der Polizeistation

Gefährliche Affäre Tilman Singers Filmhochschul-Abschlussabeit LUZ war auf zahlreichen Festivals ein Hit und hat enthusiastische Rezensionen nicht nur in Horrorfilm-Fanmedien geerntet. Dabei sieht man LUZ durchaus an, dass das Budget knapp über Null lag. Es gibt nur eine Handvoll Drehorte und fünf, sechs Schauspieler*innen, der Film ist knapp über eine Stunde lang. Mehr analoge Effekte als ein Fahrradlicht und etwas Kunsteisnebel scheint es nicht zu geben, digitale erst recht nicht. Allerdings ist LUZ mit großem Selbstbewusstsein und einem sehr genauen Gefühl für Tempo inszeniert. Der Film beginnt mit einer quälend langen Sequenz, in der eine junge Frau schleppenden Schritts in eine Polizeistation stolpert. Sie steht dort etwas herum, schleppt sich zu einem Getränkeautomaten, zieht eine Cola, trinkt, steht herum. Der größte Teil des Films ist ein Verhör der Frau, Luz, einer chilenischen Taxifahrerin in Deutschland, bei dem ein seltsamer Arzt sie unter Hypnose versetzt. Parallel wird erzählt, wie der Arzt einer Frau begegnet, die ihm von ihrer Freundin Luz erzählt, die sie in einem chilenischen Internat kennengelernt hat. Die Frau ist von einer dämonischen Entität besessen, die sie gemeinsam mit Luz vor Jahren beschworen hatte, und die nun auf den Arzt übergeht, es aber offensichtlich vor allem auf Luz selbst abgesehen hat. In der Polizeistation kommt es zum Showdown zwischen Dämon und Luz. Die Kargheit und Künstlichkeit der Inszenierung kommt dem Horroreffekt hier durchaus zugute. LUZ mag nicht viel mehr als eine Fingerübung und Vorbereitung für größere Aufgaben gewesen sein, aber wer wissen will, was im deutschen Genrekino gerade passiert, ist hier ganz gut aufgehoben – und die Geschichte ließe sich sogar zum ersten deutschen Horror-Franchise ausbauen. LUZ wäre nicht der erste kleine, billige Horrorfilm, dessen Folgen Fans noch lange beschäftigen. D Tom Dorow

Start am 21.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

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Chilean taxi driver LUZ stumbles to a German police station. The doctor, who interrogates and hypnotizes her, is possessed by a demonic entity who has set its sights on Luz.

Sarah und Saleem, die beide verheiratet sind, haben eine Affäre miteinander. Die Jüdin Sarah betreibt ein Café in West-Jerusalem, der Palästinenser Saleem arbeitet als Lieferant für eine arabische Bäckerei in Ost-Jerusalem, die auch Sarahs Café beliefert. Saleems Ehefrau erwartet ein Kind, Sarah hat eine Tochter und ist mit einem Oberst der israelischen Armee verheiratet. Sarah und Saleem treffen sich nachts zum Sex in Saleems Lieferwagen. Es ist nicht die große Liebe. Als Saleem einmal mit Sarah in Bethlehem in einer Bar sitzt, was er für ungefährlich hält, kommt es zum Streit mit einem aufdringlichen Typen. Kurz darauf wird Saleem vom palästinensischen Geheimdienst verhaftet. Er ist offenbar denunziert und beschuldigt worden, israelische Prostituierte und Drogen nach Bethlehem zu bringen. Saleem ist unschuldig, aber die Verhaftung setzt eine Kettenreaktion in Gang, und die Situation verschärft sich für beide, wobei Saleem teurer bezahlen muss. Muayad Alayans Film ist mehr Paranoia-Thriller als Liebesgeschichte. Er erzählt davon, wie Beziehungen in einer geteilten und militarisierten Stadt politisch werden. Um Saleem und Sarah zieht sich ein Netz aus Druck, Gewalt und Erpressungen zusammen, bei dem die israelischen Militärund Polizeibehörden immer den längeren Arm haben, die Korruption und Propaganda der palästinensischen Institutionen aber kräftig zur Eskalation beitragen. Ayan erzählt auch davon, wie sehr die politische Situation in die Beziehungen von Juden und Arabern untereinander eindringt. Die Reaktionen der Ehepartner sind auf beiden Seiten extrem, Männer reagieren mit körperlicher Gewalt, Frauen mit Rückzug, Schweigen, Angst und Trauer. Selbst Momente der Vernunft und Vergebung haben in einer militärischen Logik andere Bedeutungen. In der totalen Mobilmachung wird jede Form der Vernunft zum Verrat. D Hannes Stein

Start am 14.3.2019 ¢ 13.3. um 20.15 Uhr, fsk Kino: Premiere mit Regisseur Muayad Alayan, ¢ 14.3. um 19 Uhr, ACUD Kino, Filmgespräch mit Regisseur Muayad Alayan ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Sarah owns a café in West-Jerusalem, Saleem stops by daily to deliver pastries from a Palestinian bakery in East-Jerusalem. They are both married. They have an affair that no one must know of.

MÄRZ 2019 D

27 D


INDIEKRITIKEN Schweiz 2018 D 89 min D R: Nino Jacusso D B: Nino Jacusso D K: Daniel Leippert D S: Loredana Cristelli D V: Real Fiction Filmverleih

FAIR TRADERS.

Deutschland 2018 D 120 min D R: Marcus H. Rosenmüller D B: Marcus H. Rosenmüller, Nicholas Schofield, Robert Marciniak D D: David Kross, Freya Mavor, John Henshaw, Dave Johns, Harry Melling D V: SquareOne

TRAUTMANN

Etwas Relevantes machen

Legendenbildung

Als die Augsburgerin Sina Trinkwalder ihre, durchaus erfolgreiche, Tätigkeit als Leiterin einer eigenen Werbeagentur hinterfragt und sich mit Anfang dreißig dazu entscheidet, in Zukunft lieber „irgendetwas Relevantes für die Gesellschaft“ machen zu wollen, bleibt die Gretchenfrage im Raum stehen: „Was ist denn relevant für die Gesellschaft?“ Trinkwalder setzt alles auf eine Karte und gründet eine ökosoziale Textilfirma, die hauptsächlich Menschen einstellt, „die sonst jede Firma ablehnt“ und „qualitatives Wachstum“ fördern will, statt Expansion um jeden Preis. Sie ist eine der Protagonist*innen in Nino Jacussos Dokumentarfilm FAIR TRADERS, in dem der italienisch-schweizerische Filmemacher drei unterschiedliche Projekte vorstellt, die alternative Verkaufs- und Produktionswege entwickeln und etablieren wollen. Jacusso findet für seinen Film Repräsentant*innen verschiedener Generationen. Er begleitet den Schweizer Textilingenieur und ehemaligen Garnhändler Patrick Hohmann auf seine Reisen nach Indien und Tansania, wo seine Initiative Biobaumwolle produziert und den Vertragsbauern zu einem höheren Lebensstandard und sozialer Sicherheit verhelfen kann, und er besucht die ehemalige Kindergärtnerin Claudia Zimmermann, die sich nach der Übernahme des elterlichen Bauernhofs 2016 dazu entschließt, einen Dorfladen zu eröffnen, der ausschließlich auf Bio setzt. Mit stimmigen Bildern porträtiert der Filmemacher seine Protagonist*innen sowie die Produktionsabläufe, zeigt aber auch die immer wiederkehrenden Schwierigkeiten und Widerstände, sowie hin und wieder aufkeimende Selbstzweifel. Am Ende ist FAIR TRADERS dennoch vor allem ein Manifest für eine bewusste und faire marktwirtschaftliche Zukunftsgestaltung im Sinne sämtlicher beteiligter Menschen und einer nachhaltigen ökologischen Entwicklung. D Jens

Geschichten vom Zweiten Weltkrieg sind schon viele erzählt worden. Die wenigsten eignen sich aus deutscher Sicht als Heldengeschichten. Aber eine blieb bisher unerzählt, dabei bietet sie sich gerade in diesen Tagen als Vorbild für Völkerverständigung und Versöhnung an. Es ist die Geschichte von Bernd Trautmann (David Kross). Er ist 17 als er sich freiwillig zur Luftwaffe meldet. Mit 22 landet er in britischer Kriegsgefangenschaft in Manchester. Dort entdeckt ihn der lokale Händler Jack Friar (John Henshaw), der für seine Fußballmannschaft noch einen fähigen Torhüter sucht. Bernd ist talentiert und beweist sich auf dem Platz. Doch auch nachdem der Krieg endet, ist der Graben tief zwischen den ehemaligen Feinden. Dass Bernd nicht zurück in die Heimat reist, liegt auch an Margaret (Freya Mavor), die Tochter seines neuen Trainers. Bald wird der legendäre Club Manchester City auf Bernd aufmerksam. Der Beginn einer beispiellosen Karriere. Eine Geschichte wie gemacht fürs Kino. Allerdings biegt Marcus H. Rosenmüller dafür einige Fakten zurecht und verschiebt Trautmann ein wenig in die Opferrolle. Obwohl er nicht, wie im Film dargestellt, unfreiwillig zur Wehrmacht eingezogen wurde, hat Trautmanns Vorbildcharakter Bestand. Rosenmüller erzählt seine Geschichte mit Leidenschaft. Der öffentliche Aufruhr um einen „Kraut“ im englischen Team und der Rückhalt des Managements, die Liebe zu Margaret und die Schatten der eigenen Vergangenheit – all das ist mit der großen Geste inszeniertes Historienkino und könnte im fußballverrückten Deutschland ebenso einschlagen wie in England, wo Trautmann längst eine Legende ist. Diesen Status hätte er auch hierzulande verdient. David Kross leistet in der Hauptrolle seinen Beitrag und verkörpert Trautmann als vielschichtigen Charakter. D Lars Tunçay

Mayer

Start am 28.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

D 28

D MÄRZ 2019

A documentary about three business people who combine economic efficiency and ethics in their work.

Start am 14.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

At 22, German paratrooper Bernd Trautmann is held captive by the British and is discovered as a football talent. He plays in Manchester City as the first “kraut” in the post-war era.

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INDIEKRITIKEN Originaltitel: Destroyer D USA 2018 D 123 min D R: Karyn Kusama D B: Phil Hay, Matt Manfredi D K: Julie Kirkwood D S: Plummy Tucker D M: Theodore Shapiro D D: Nicole Kidman, Sebastian Stan, Bradley Whitford, Tatiana Maslany, Toby Kebbell, Scoot McNairy D V: Concorde Filmverleih

DESTROYER

USA 2018 D 85 min D R: Jonah Hill D K: Christopher Blauvelt D S: Nick Houy D D: Katherine Waterston, Lucas Hedges, Sunny Suljic, Jerrod Carmichael D V: MFA+ FilmDistribution

MID90S

Nicole Kidman, verwüstet

Blick zurück nach vorn

Detective Erin Bell stolpert auf einen Tatort zu, an dem sich bereits zwei Kollegen des Falls angenommen haben. „Harte Nacht gehabt?“ Mit Schwellungen über und Ringen unter den Augen sieht Nicole Kidman als Bell aus, als habe sie in Fusel gebadet und seit Tagen in ihren Klamotten geschlafen. Kidmans Gang erinnert an eine Junkie-Version von Western-Helden. Sie rammt die langen, dünnen Beine gerade in den Boden und balanciert den aufrechten, aber unsicher schwankenden Körper hinterher. Kidman ist hier eine klassische Noir-Heldin, nur war diese Figur, die eigentlich mit dem Leben ohnehin schon durch ist, bisher Männern vorbehalten. Nicole Kidmans zurückhaltende, aber intensive Performance ist das Highlight von DESTROYER, der eine typische Noir-Rachegeschichte erzählt. Bei einer Undercover-Ermittlung ging vor Jahren etwas schief, was Detective Bells Leben für immer veränderte. Sie kann keine Beziehungen unterhalten, ihre Ehe ist zerbrochen, und ihre Tochter will nichts mehr mit ihr zu tun haben. Als Bell bei einem Mordopfer ein Tattoo entdeckt, das darauf hindeutet, dass der Bandenchef, gegen den sie damals ermittelte, wieder in ihrem Revier aktiv ist, unternimmt sie einen letzten Versuch, ihre Angelegenheiten zu ordnen und lose Enden zu verknoten. Sie tut, was sie kann, um ihre Tochter aus einem Gang-Umfeld herauszuholen und bereitet sich auf die Konfrontation mit ihrer alten Nemesis vor, dem sadistischen Erzschurken Silas (Toby Kebbell). DESTROYER ist ein solide inszenierter, sehr düsterer und atmosphärischer Noir-Film unter praller Sonne. Mit der emotionalen Verwüstung, die Nicole Kidman spielt, kann allerdings der Plot kaum mithalten. Die Geschichte, wie Detective Bell zu dieser wandelnden Schnapsflasche wurde, hätte ruhig etwas verheerender ausfallen können.

Von welchen Filmen sich Jonah Hill für sein Regie-Debüt inspirieren ließ, macht er mit einem Gastauftritt von Harmony Korine (GUMMO) deutlich. Seine Darstellung wird zwar nie so drastisch wie in einem KIDS oder KEN PARK, in Hills Coming-of-Age-Film dürfen Minderjährige aber zumindest einmal wieder vor der Kamera rauchen. So ehrlich wie hier erzählt im modernen amerikanischen Kino sonst vielleicht nur noch Andrea Arnold (AMERICAN HONEY) von Jugendlichen in schlechten Verhältnissen. Auch mit Super Nintendo und Nas-Shirt bleiben die nostalgischen Verweise angenehm subtil. MID90S ist keines der modischen Nostalgiefeste. Während wir in die 90er zurückblicken, schauen die Protagonisten dorthin, wo Jugendliche nun mal hinschauen: in die Zukunft. Die Blicke treffen sich. Der 13-jährige Stevie (Sunny Suljic) freundet sich mit einer kleinen Gang aus coolen Skatern mit Spitznamen wie „Fuckshit“ an, die alle älter sind als er. Im Versuch, den Großen nachzueifern, macht der Kleine seine ersten Erfahrungen und Fehler mit Mädchen und Drogen. Vor allem der Gruppenälteste Ray (Na-kel Smith) wird zu einer Art Mentor für den nun „Sunburn“ genannten Nachwuchs. Er will später professioneller Skater werden und sucht wiederum Kontakt zu Leuten, die älter und erfahrener sind als er. Musikalisch untermalt Jonah Hill das Treiben mit einer Mischung aus 90s-Hip-Hop und einem seichten Score von Trent Reznor und Atticus Ross. Generationen kommunizieren, und wir betrachten uns durch das Fenster des 4:3-Formats und die körnige 16mm-Optik von MID90S. Vor allem der Diskurs um Männlichkeit, der hier innerhalb der Gruppendynamik und in der Beziehung zwischen Stevie und seinem großen Bruder Ian (Lucas Hedges) ausgetragen wird, könnte nicht aktueller sein. D Hardy Zaubitzer

D Tom Dorow

Start am 14.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

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Nicole Kidman’s restrained but intense performance as down-and-out policewoman Erin Bell is the highlight of DESTROYER, which tells a typical noir revenge story.

Start am 7.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

13 year old Stevie befriends a small gang of cool skaters who are all older than he is. MID90s is one of the most honest looks at teens from bad environments in modern US cinema.

MÄRZ 2019 D

29 D


INDIEFEATURE

DIE MASKE Scheinbare Idylle

D 30

D MÄRZ 2019

Die polnische Regisseurin Małgorzata Szumowska verhandelt gerne die Extreme. In ihrem letzten Film BODY (2015) prallte Magersucht auf Esoterik. DIE MASKE ist eine Satire auf Glaubensirrsinn und Medienwahn in Polen. Metall-Fan Jacek ist zwischen Flüssen und Wäldern zuhause. Eingebettet in die fromme Großfamilie, verliebt in Dagmara und begleitet von Hund „Zigan“ lebt er in einer scheinbar perfekten Idylle. Doch schon der Haustiername, in den Untertiteln als „Zigeuner“ übersetzt, lässt ahnen, dass die Welt des ewig lächelnden Jacek einen Rechts-Drall hat. Zunächst wirkt Jacek mit den langen Haaren und den Metallica-Shirts selbst wie der Dorf-Outsider. Aber auch Jacek lacht, wenn es an Weihnachten neben guten Wünschen rassistische Witze gibt. Auf dem Dorf-Hügel entsteht


INDIEFEATURE derweil die weltgrößte Jesus-Statue. Jacek arbeitet auf der Baustelle, auf der sich die einheimischen Kollegen mit den „Fremdarbeitern“ prügeln. Jesus und der Glaube sind so dauerpräsent wie Xenophobie und Rassismus. Dann hat Jacek einen Unfall. Er stürzt von der Statue und zertrümmert sich den Kopf. In einer spektakulären OP wird ihm das Gesicht eines Toten transplantiert. Das nationale Medien-Interesse ist geweckt. Im Dorf dagegen wird Jacek zum Gemiedenen, zum Monster, selbst für Dagmara und einen Teil seiner Familie. Neben komischen Momenten schafft Szumowska eine märchenhaft anmutende Atmosphäre. Die Unwirklichkeit der riesigen Jesus-Statue, die tatsächlich im polnischen Swiebodzin steht, und das Kameraspiel mit Unschärfen entrücken die Bilder. Wie beim Märchen üblich, sind die Figuren nicht von tiefer Komplexität. DIE MASKE ist eben eine satirische Fabel, ein neckender Fingerzeig, ein wichtiges In-der-Wunde-Bohren, das 2018 auch den Silbernen Bären der Berlinale-Jury erhielt. D Clarissa Lempp

Originaltitel: Twarz D Polen 2018 D 91 min D R: Małgorzata Szumowska D B: Michał Englert, Małgorzata Szumowska D K: Michał Englert D S: Jacek Drosio D D: Mateusz Kosciukiewicz, Roman Gancarczyk, Małgorzata Gorol, Agnieska Podsiadlik D V: Grandfilm

Start am 14.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Małgorzata Szumowska casts a satirical look at faith and the media craze in Poland in her 2018 Silver Bear winning film DIE MASKE.

MÄRZ 2019 D

31 D


INDIEKRITIKEN Deutschland 2018 D 85 min D R: Isabella Willinger D B: Isabella Willinger D K: Julian ­Krubasik D M: Robert Pilgram D V: Rise and Shine Cinema

WIR

HI, AI

Humanoider Alltag Wenn Androiden Menschen fragen, ob sie träumen, und wir uns nicht mehr damit beschäftigen müssen, ob Androiden nun von elektrischen Schafen träumen oder nicht, dann ist wohl das Zeitalter der KI angebrochen. So geschehen im Tokioter Haushalt der Familie Sakurai: Die Oma bekommt „Pepper“ geschenkt, ein neues Familienmitglied aus weißem Plastik, mit blinkenden Augen und Lautsprechern statt Ohren – ein Familienroboter zur Unterhaltung. HI, AI begleitet Roboter in ihrem Alltag an der Seite der Menschen: Harmony, eine blonde Sexpuppe mit roten Lippen, die je nach Laune als lustig, sexuell oder unberechenbar eingestellt werden kann, fährt mit Chuck in seinem Wohnmobil durch die USA. Eine Empfangsdame steht in einem menschenleeren Einkaufszentrum und spricht ihren Willkommenstext in die Stille. Nur auf den ersten Blick scheint alles echt: Ihre Haut hat keine Poren. Der Blick ist entrückt, ihr Blinzeln wirkt angestrengt, die Stimme wie vom Band. Wie sieht es auf der Kehrseite dieser Oberflächen aus – sitzt da hinter den Kabeln und Steckern irgendeine Form von Herz, Seele, Bewusstsein? Isa Willinger geht der Frage nach der Möglichkeit eines künstlichen Bewusstseins mit neugierigem Blick nach, tastet sich unaufdringlich an KI heran, ohne Antworten festschreiben zu wollen, ohne zu werten. Mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl erforscht Julian Krubasiks Kamera vertraute Bilder, die Unheilvolles in sich tragen: Gesichter, Gliedmaßen, Technik. Dass eine Unzahl an Robotern jeglicher Arten und Größen unseren Alltag seit einiger Zeit steuert, steht auf einem anderen Blatt. HI, AI zeigt explizit humanoide Roboter – das ideale Interface für einen Menschen sei ein Mensch – und ihre emotionalen Fertigkeiten. Harmony kennt fünf Affekte: „I can be happy, sad, jealous, angry and scared.“ Auf ein unerwartetes Feuerwerk am Campingplatz reagiert sie nicht. Darauf muss Harmony erst programmiert werden. D Lili Hering

Start am 7.3.2019 ¢ 13.3. um 18 Uhr, Union Kino: Vorführung mit Regisseurin Isabella Willinger ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

D 32

D MÄRZ 2019

Noch hat niemand Jordan Peeles zweiten Horrorfilm nach GET OUT gesehen, aber der Trailer hat schon Wellen gemacht. Wenn Lupita Nyong’o sich während des Hip Hop Tracks „I Got Five on It“ von Luniz im Auto zu ihren Kindern umdreht, „Get in the Rhythm!“ zu ihnen sagt und dann im falschen Rhythmus mit den Fingern schnippt („See!“, *lächel*), ist das mindestens der unheimlichste Einsatz von Hip Hop im Horrorfilm bisher. Vorbilder waren laut Peele: THE BIRDS, THE SHINING, DEAD AGAIN, FUNNY GAMES, A TALE OF TWO SISTERS, MARTYRS, THE BABADOOK … Start am 21.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Originaltitel: Us D USA 2019 D R: Jordan Peele D D: Lupita Nyong’o, Elisabeth Moss, Winston Duke, Anna Diop

STELL DIR VOR, DU MÜSSTEST FLIEHEN! Der Plot von Jesper Ganslandts Film erinnert ein wenig an die „Blue Eyed“ Workshops, die Jane Elliott 1968 entwickelte, um Rassismus für privilegierte Jugendliche begreifbar zu machen: In Planspielen wurden alle blauäugigen Teilnehmer*innen aufgrund ihrer Augenfarbe diskriminiert. Hier entwirft Ganslandt eine Welt, in der der vierjährige und blonde Jimmy mit seinem Vater vor einem Bürgerkrieg aus Norwegen fliehen und in einer neuen Heimat Fuß fassen muss. Die Erfahrung von Flucht und Entwurzelung wird aus der Perspektive des nordeuropäischen Kindes erzählt.

HI, AI follows humanoid robots in their every day life alongside humans. Start am 7.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Originaltitel: Jimmie D Schweden 2018 D 91 min D R: Jesper Ganslandt D D: Jesper Ganslandt, Hunter Ganslandt, Christopher Wagelin, Anna Littorin, Marita Fjeldheim Wierdal

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WINTERMÄRCHEN Becky heult manchmal Rotz und Wasser, brüllt dann wieder herum und schlägt auf ihre Typen ein. Tommy kriegt keinen hoch, versucht Jungs im Park abzuschleppen und würde gern sehen, wie Becky von einem anderen gefickt wird. Micki scheint keinerlei Triebkontrolle zu besitzen. Jan Bonnys WINTERMÄRCHEN zeigt ein Neonazi-Trio als verkommene narzisstische Gestalten, deren Lebensinhalt in der Triebabfuhr – Feiern, Saufen, Gröhlen, Ficken und Töten – besteht, und rückt die Mordzelle um Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos damit in bequeme Ferne. Start am 21.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

Deutschland 2018 D 125 min D R: Jan Bonny D D: Thomas Schubert, Ricarda Seifried, Jean-Luc Bubert

EIN FILM VON SEBASTIAN WINKELS

RENDEZVOUS BEI DER BANK BEACH BUM Harmony Korines neuer Film mit Matthew McConaughey als „Moondog“, der BEACH BUM, ein dauerbekiffter Schriftsteller in Bermuda-Jumpsuits, sieht aus wie eine überdrehte moderne Version der Hippie-Reportagen von Tom Wolfe („The Electric Kool Aid Acid Test“), in denen ein anderer „Moondog“ eine Nebenrolle spielte: der Straßenmusiker und Komponist Moondog (*1916, †1999), der in den 60er Jahren als der „Wikinger von New York“ bekannt war und nach 1974 Anerkennung als Musiker in Deutschland fand. Start am 28.3.2019 ¢ Alle Spielorte und Termine auf www.indiekino.de

VORAUSWAHL ZUM 9: DEUTSCHEN FILMPREIS 201

BESTER DOKUMENTARFILM

Originaltitel: The Beach Bum D USA 2019 D 95 min D R: Harmony Korine D D: Matthew McConaughey, Snoop Dogg, Isla Fisher, Zac Efron, Martin Lawrence

AB 28. MÄRZ IM KINO! TERMINE UNTER WWW.INDIEKINO.DE TM_Indiekino_82x122.indd 1

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WEITERINDIEKINO

ASCHE IST REINES WEISS

DER VERLORENE SOHN

Es ist 2001, irgendwo in der chinesischen Provinz liebt die junge Frau Qiao den lokalen Gangster Bin. Bei einem Angriff durch eine feindliche Gang kommt es zu einem Schusswechsel, Qiao greift zur Waffe, um Bin zu beschützen und wird verhaftet. Ihren Geliebten verrät sie nicht, und so wird sie zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Als sie 2006 entlassen wird, hat sich China radikal gewandelt, der Übergang zum Kapitalismus verändert alle Aspekte des Landes, nur Qiaos Liebe zu Bin ist die gleiche geblieben.

Jared Eamons (Lucas Hedges) wächst in einem an sich fürsorglichen Elternhaus auf. Sein Vater Marshall (Russell Crowe) ist Autoverkäufer, vor allem aber Prediger in der lokalen Baptisten-Gemeinde, seine Mutter Nancy (Nicole Kidman) liebevoll, aber nicht bereit, sich den festgefahrenen Ansichten des Vaters zu widersetzen. Nachdem Jared von einem Vorfall auf dem College berichtet, sieht Marshall nur eine Chance, seinen Sohn vor dessen Homosexualität und damit dem direkten Weg in die Hölle zu bewahren: das „Love in Action“ Therapieprogramm

¢ Brotfabrik Kino, Filmrauschpalast, fsk-Kino, Union Kino

Originaltitel: Jiang hu er nv D Frankreich/ China 2018 D 150 min D R: Jia Zhang-Ke D D: Tao Zhao, Fan Liao, Xiaogang Feng, Zheng Xu

ADAM UND EVELYN

BEGONIA & BIG FISH

¢ Bali Kino, Krokodil

¢ Sputnik Kino

AN DEN RÄNDERN DER WELT ¢ Brotfabrik Kino, nur am 10.3. um 16 Uhr

ASI MIT NIWO – DIE JÜRGEN ZELTINGER STORY ¢ Sputnik Kino

ASTRID ¢ Sputnik Kino

BEAUTIFUL BOY ¢ Bali Kino, Il Kino

BELLEVILLE COP ¢ Union Kino

DIE BLÜTE DES EINKLANGS ¢ Eva-Lichtspiele, Union Kino

B-MOVIE: LUST & SOUND IN WEST-BERLIN ¢ Sputnik Kino

BOHEMIAN RHAPSODY ¢ Sputnik Kino, Union Kino

¢ Bundesplatz-Kino, Il Kino, Intimes

CAN YOU EVER FORGIVE ME? ¢ fsk-Kino, Eva-Lichtspiele, Union Kino

CAPERNAUM – STADT DER HOFFNUNG ¢ Bali Kino, Brotfabrik Kino, Bundesplatz-Kino, Il Kino

COLD WAR ¢ Il Kino

DER DUFT DES WESTPAKETS ¢ Bundesplatz-Kino

FAHRENHEIT 11/9 ¢ Filmrauschpalast

Originaltitel: Boy Erased D USA 2018 D 114 min D R: Joel Edgerton D D: Lucas Hedges, Nicole Kidman, Joel Edgerton, Russell Crowe, Xavier Dolan

FAMILIE BRASCH ¢ Bali Kino

DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS ¢ Union Kino

GEGEN DEN STROM ¢ Sputnik Kino

GENESIS ¢ Bali Kino

GLASS ¢ Union Kino


Berlin Classics

THE FAVOURITE So schön und so komisch hat lange niemand mehr Bosheit, Lug und Trug inszeniert. Der Film erzählt eine relativ wahre Geschichte aus der Regierungszeit der britischen Queen Anne (1702–1714), Enkelin von Mary Stuart. Die Königin leidet an Gicht und Verdauungsproblemen und verlässt nur in einer Sänfte ihre Gemächer, in denen sich Kaninchen als Memento der Tragödie ihres Lebens tummeln. Die Regierungsgeschäfte führt ihre Vertraute und Favoritin Sarah Churchill. Dann kommt Sarahs Cousine Abigail an den Hof und macht sich lieb Kind bei der Königin. ¢ Filmrauschpalast, Il Kino, Intimes, Sputnik Kino

GLÜCK IST WAS FÜR WEICHEIER ¢ Intimes

GREEN BOOK ¢ Bali Kino, Eva-Lichtspiele, Il Kino, Intimes

HAVE A NICE DAY ¢ Filmrauschpalast

HOTEL JUGOSLAVIJA ¢ Brotfabrik Kino, Krokodil

JOY IN IRAN ¢ Bali Kino

DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT

Mittwoch Der Himmel über Berlin

Donnerstag Lola rennt

Freitag Victoria

7 Tage 7 Filme Samstag Berlin Calling

Sonntag Oh Boy

Deutsch mit Engl. UT

KINO INTIMES * Boxhagener Strasse 107 * 10245 Berlin Tel. +49.30.297.776.40

¢ Sputnik Kino

THE MULE ¢ Intimes

PLÖTZLICH FAMILIE ¢ Intimes

RAFIKI

THE FAVOURITE

¢ Sputnik Kino

Irland/Großbritannien 2018|120 min|R: Yorgos Lanthimos|D: Emma Stone, Rachel Weisz, Nicholas Hoult, Olivia Colman

STILLES LAND ¢ Bali Kino

STUDIO 54 ¢ Union Kino

SWEETHEARTS

DER KLANG DER STIMME

TANZTRÄUME

¢ Sputnik Kino

¢ Bali Kino

EIN KÖNIGLICHER TAUSCH

VICE – DER ZWEITE MANN

¢ fsk-Kino, Union Kino

¢ Eva-Lichtspiele, Il Kino, Union Kino

LETO

WERK OHNE AUTOR

¢ Krokodil

¢ Il Kino

LORDS OF CHAOS

WOMIT HABEN WIR DAS VERDIENT?

¢ Union Kino

Dienstag Eins, Zwei, Drei

MATANGI/MAYA/M.I.A.

¢ Union Kino

MANASLU – BERG DER SEELEN

Montag Herr Lehmann

Originaltitel: The Favourite D Irland/Großbritannien 2018 D 120 min D R: Yorgos Lanthimos D D: Emma Stone, Rachel Weisz, Nicholas Hoult, Olivia Colman

¢ Bali Kino, Union Kino

¢ Sputnik Kino

Täglich 23:30 Uhr

¢ Intimes

YULI ¢ Bali Kino, Bundesplatz-Kino

MAXIMALOPTIMIERTE KINO-AUSGEH-PLANUNG MIT DER INDIEKINO KINOFINDER APP. ALLE FILME. ALLE TERMINE. ALLE BERLINER KINOS. WAS LÄUFT HIER UND JETZT? FÜR SMARTPHONE UND TABLET. IOS

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INDIEKINDER

KINDERFILME A–Z

MIA UND DER WEISSE LÖWE Mia ist sauer, weil sie mit ihren Eltern aus der Großstadt London nach Südafrika ziehen muss. Ihr Vater Mick hat dort eine Löwenfarm und will eine Ferienanlage für Ökotouristen bauen. Um sie abzulenken und aufzumuntern, bringt er einen kleinen weißen Löwen nach Hause. Auch den findet Mia zunächst doof, aber dann werden die beiden doch dicke Freunde. Aber der weiße Löwe wächst schnell und wird immer gefährlicher, und Mick möchte ihn heimlich wegschaffen … MIA UND DER WEISSE LÖWE wurde über drei Jahre hinweg mit einem echten Löwen gefilmt. ¢ Bali Kino

Frankreich 2018 D R: Gilles de Maistre D 98 min, FSK: 6

ASTRID LINDGREN FILMREIHE: WIR KINDER AUS BULLERBÜ

DER KLEINE NICK ¢ Bali Kino

¢ Sputnik Kino

DIE KLEINE ZAUBERFLÖTE ¢ Bali Kino

DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT 3 ¢ Eva-Lichtspiele, Union Kino

KOMMISSAR GORDON & BUFFY DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER

¢ Bali Kino, Bundesplatz Kino, Intimes, Sputnik Kino, Union Kino

¢ Intimes

DIE WINZLINGE – ABENTEUER IN DER KARIBIK Der kleine Marienkäfer, der in DIE WINZLINGE – OPERATION ZUCKERDOSE den Ameisen geholfen hat, ist wieder auf Abenteuer aus. Bei einem Ausflug verirrt er sich in einen Pappkarton und reist mit diesem übers Meer bis in die Karibik. Zum Glück reist ihm sein Vater hinterher. Im Dschungel lernen die beiden neue Tiere kennen. Einige, wie die Gottesanbeterin mit den unheimlichen Augen, sind gefährlich, andere werden zu Freunden. Und als der Marienkäfer und sein Vater lernen, dass die Freunde in Gefahr sind, beschließen sie natürlich, zu helfen. ¢ Sputnik Kino, Union Kino

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Frankreich 2019 D R: Hélène Giraud, Thomas Szabo D 92 min, FSK: oA

MARY POPPINS’ RÜCKKEHR KINDERFILM DES MONATS: CHECKER TOBY UND DAS GEHEIMNIS UNSERES PLANETEN

¢ Il Kino, Intimes

¢ Bali Kino, Bundesplatz Kino, Eva Lichtspiele, Kino Intimes, Sputnik Kino, nion Filmtheater, Xenon Kino Alle Termine unter kinderkinobuero.de Vorbestellungen unter 030/235 562 51

DER KLEINE MAULWURF ¢ b--ware!ladenkino

OSTWIND – ARIS ANKUNFT ¢ Eva-Lichtspiele, Union Kino


INDIEKINDER

PRINZESSIN EMMY

DIE SCHNEEKÖNIGIN IM SPIEGELLAND

¢ Union Kino

¢ Union Kino

AILOS REISE

RALPH REICHTS: CHAOS IM NETZ

THE LEGO MOVIE 2

¢ Eva-Lichtspiele, Union Kino

¢ Union Kino

Mitten in der endlosen Schneewüste Lapplands kommt das Rentierjunge Ailos zu Welt. Einen Moment lang sieht es so aus, als ob die Mutter den Kleinen zurücklassen und alleine der sicheren Herde folgen würde, aber dann leckt sie ihn doch sauber, und zu zweit machen sie sich auf den Weg. Ein Jahr lang, von der Geburt bis zum Erwachsenwerden, hat das Filmteam Ailos und die Rentierherde begleitet und dabei auch viele andere Tiere der Region getroffen, den gefährlichen Vielfraß zum Beispiel, und den pfiffigen Hermelin, der dem Fuchs ein Schnippchen schlägt.

¢ Eva-Lichtspiele

Frankreich/Finnland/Norwegen 2018 D R: Guillaume Maidatchevsky D 86 min, FSK: oA

KINDERKINO IM INDIEKINO ACUD KINO

TÄGLICH 17 Uhr

Sa+So auch 15+16 Uhr B-WARE! LADENKINO

TÄGLICH ab 12 Uhr

BALI KINO

DO, FR, SA, SO 16 Uhr

BUNDESPLATZ KINO

DO, FR, SA, SO 13.30 Uhr

EVA-LICHTSPIELE

DO, FSA, SO 13.15 Uhr

R,

FILMKUNST66

DO, FR, SA, SO 15 Uhr

IL KINO

DO, FR, SA, SO Sa 14 Uhr/So 12 Uhr

KINO INTIMES

DO, FR, SA, SO

KLICK KINO

DO, FR, SA, SO

SPUTNIK KINO

DO, FR, SA, SO

SPATZENKINO: FIDERALLALA …

TILSITER LICHTSPIELE DO, FR, SA, SO wechselnde Zeiten UNION FILMTHEATER

DO, TÄGLICH 15 Uhr

Sa+So 13 Uhr WOLF KINO

DSA, SO

XENON KINO wechselnde Termine Eine aktuelle ­Programmübersicht über alle KinderfilmTermine finden Sie auf www.indiekino.de

TERMINE UNTER WWW.INDIEKINO.DE

Die Tage werden länger und die Sonne kommt wieder raus. Im März zeigt das Spatzenkino lauter kurze Filme, die mit Frühling zu tun haben. Natürlich ist die VOGELHOCHZEIT mit dabei. Außerdem malt die kleine Maus Tilda ein Frühlingsbild, ein Maulwurf ist einem Regenwurm hinterher und erlebt eine tolle Überraschung, und im Film EIN BAUERNHOF IM FRÜHLING seht ihr, was auf einem Bauernhof so alles passiert, wenn der Frühling beginnt. Wie immer begleitet das Spatzenteam die Vorführun. Für Kinder ab 4 Jahren. ¢ Bali Kino, Eva Lichtspiele, Kino Intimes, Union Filmtheater, Xenon Kino ¢ alle Termine unter spatzenkino.de, Vorbestellungen unter 030/449 47 50

ca. 45 min

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INDIEKINOHIGHLIGHTS

BUNDESPLATZ-KINO HOMMAGE HARRY BAER

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Zum Abschluss der umfangreichen Hommage an Harry Baer, der seine Schauspielkarriere im engsten Fassbinder-Kreis begann, werden – zusätzlich zu Harry Baer selbst, der zu jeder (!) Vorführung kommt - viele Gäste erwartet. Der langjährige Panorama-Chef Wieland Speck übernimmt die Einführung zum Fassbinder-Klassiker FAUSTRECHT DER FREIHEIT (1974/75), in dem der arbeitslose, homosexuelle Schausteller Franz Bieberkopf zum Spielball der Münchner Oberschicht wird. Zur Vorführung von Helmer von Lützelburgs 80er Jahre Trash-Kultkomödie IM HIMMEL IST DIE HÖLLE LOS kommt der Ko-Schauspieler und Musiker Ralph


INDIEKINOHIGHLIGHTS

Ludwig – Requiem für einen jungfräulichen König

Morgenstern. Fassbinders böse RAF-Komödie DIE DRITTE GENERATION (1978/79) wird von der damaligen Regieassistentin und Cutterin Juliane Lorenz begleitet, und zur Vorführung von LUDWIG – REQUIEM FÜR EINEN JUNGFRÄULICHEN KÖNIG (1972) kommt Regisseur Hans Jürgen Syberberg persönlich vorbei. Zum Abschluss zeigt das Kino Oliver Clarks Göttingen-Krimi HARDER UND DIE GÖRE (2013), bei dem Harry Baer den titelgebenden Hauptkommissar spielt.

 Immer sonntags um 15.30 Uhr  3.3. FAUSTRECHT DER FREIHEIT  10.3. IM HIMMEL IST DIE HÖLLE LOS  17.3. DIE DRITTE GENERATION  24.3. LUDWIG – REQUIEM FÜR EINEN JUNGFRÄULICHEN KÖNIG  31.3. HARDER UND DIE GÖRE

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INDIEKINOHIGHLIGHTS

Ex Machina

BROTFABRIK-KINO, BUNDESPLATZ-KINO PSYCHOANALYSE UND FILM: EX MACHINA & GET OUT In der Brotfabrik analysiert der Psychoanalytiker Phillip Denzin Alex Garlands Sci-Fi-Film EX MACHINA (2014), in dem ein junger Programmierer in der abgeschiedenen Villa seines Chef die Androidin Ava trifft. Denzin wird anhand des Films versuchen, „eine Theorie von der Entstehung des Psychischen, gebunden an die Erfahrung von Schmerz oder wie Freud im

Entwurf (einer Psychologie) auch schreibt, der Not des Lebens, nachzuzeichnen“. Im Bundesplatz-Kino setzt Donat Keusch Jordan Peeles Horrorsatire GET OUT (2017) über einen jungen Afro-Amerikaner, der an eine Gruppe äußerst freundlicher weißer Satanisten gerät, auf die Couch.  EX MACHINA: 31.3. um 18 Uhr im Brotfabrik-Kino  GET OUT: 24.3. um 20.30 Uhr im Bundesplatz-Kino

BROTFABRIK KINO UKRAINISCHER FILMCLUB: WENN BÄUME FALLEN

BALI KINO KINO DER NACHBARN: MARIE CURIE

Für die drei Frauen in Marysia Nikitiuks Langfilmdebüt WENN BÄUME FALLEN (KOLY PADAYUT DEREVA, 2018, OmeU) gibt es nur eine Fluchtmöglichkeit aus der tristen Realität und den schmerzhaften Erinnerungen: Sie fliehen in eine Traumwelt, die ihnen Trost und Freude spendet. Stilisiert und expressionistisch finden sie in Sümpfen und Blumenlandschaften, was ihnen die unveränderlich scheinende postsozialistische Architektur verwehrt.  14.3. um 19.30 Uhr

Marie Noëlles kluges Biopic über die in Warschau geborene MARIE CURIE verbindet das Private mit dem Professionellen. Gerade wollen Marie und ihr Ehemann Pierre gemeinsam den Nobelpreis entgegennehmen, da stirbt Pierre bei einem Unfall. Marie macht trotz großer Trauer weiter, erkämpft sich ihren Platz in der Wissenschafts-Community, die nur ihren Mann gelten lassen möchte, wehrt sich gegen Diskriminierungen und ebnet den Weg für junge Frauen, die in die Forschung gehen möchten.  11.3. um 18 Uhr

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INDIEKINOHIGHLIGHTS

FILMRAUSCHPALAST WIR KINDER VOM BAHNHOFSKINO XVIII: SCHLINGENSIEF! Die Bahnhofskinder zeigen Filme des 2010 verstorbenen Medienrabauken Christoph Schlingensief. Zuerst gibt es die zur Wendezeit entstandene Deutschland-Trilogie: Jahre vor DER UNTERGANG entmystifizierte DIE LETZTE STUNDE IM FÜHRERBUNKER Hitler total und radikal, durch konsequenten Trash und mit Udo Kier als Führer. Kier spielt auch in TERROR 2000, wo Gangster in der ostdeutschen Provinz Vorbereitungen treffen, das Land zu „säubern“. Das BKA ermittelt, aber die deutschen Phantome sind schon entfesselt. Im DEUTSCHEN KETTENSÄGENMASSAKER machen Ossis rüber, und Wessis sie zu Wurst. Wer am Schluss noch aufnahmefähig ist, kann sich an UNITED TRASH (1996) erfreuen, in dem die Frau (Russ-Meyer-Muse Kitten Natividad) eines schwulen UNOGenerals (wieder Kier) den Messias gebiert, den ein afrikanischer Diktator als V2-Treibstoff nutzen will. Abstruser als mit „ernster“ Kunst wird das Bahnhofskino dieses Jahr bestimmt nicht mehr.  8.3. ab 22 Uhr

Das deutsche Kettensägenmassaker

Stilles Land

BROTFABRIK-KINO BERLIN FILM KATALOG: VERLIEBT UND VORBESTRAFT

BALI KINO DDR: WIDERSPRÜCHLICHE HEIMAT

Eine Frau auf dem Bau. Das ist auch heute noch selten. Umso mehr galt dies vor fast sechzig Jahren. Und so sorgt die Bauakademie-Studentin Hannelore für einige Unruhe, als sie ihre Praktikumsstelle in Ost-Berlin antritt, wo gerade aus Platten neue Wohnhochhäuser zusammengesetzt werden. Natürlich kommt auch die Liebe ins Spiel, und nicht zuletzt deshalb sorgt die junge Frau dafür, dass sich die Brigade auf die (sozialistische) Moral besinnt und sich um einen Kollegen kümmert, der nach Hannelores Meinung zu Unrecht im Gefängnis gelandet ist. Erst jüngst wiederentdeckt, ist VERLIEBT UND VORBESTRAFT (DDR 1963) von Erwin Stranka ein für die erste Hälfte der sechziger Jahre typischer Versuch, den realsozialistischen Alltag mit sanfter, natürlich solidarischer Kritik und Humor zu sehen. Filmästhetisch sind dabei die Einflüsse aber der tschechoslowakischen Neuen Welle deutlich, zumal Stranka (1935-2014) an der Prager Filmhochschule studiert hatte. berlin-film-katalog.de

Unter der Losung “Melancholischer Abschied - Verlust einer widersprüchlichen Heimat“ zeigt das Bali Kino drei Filme, die das Verhältnis zwischen der DDR und ihren Bürger*innen in den letzten Wochen der Republik beleuchten. Das Theaterensemble, das in Andreas Dresens Komödie STILLES LAND (1992) „Warten auf Godot“ probt, ist hin- und hergerissen zwischen Flucht und der Chance, die Heimat neu zu gestalten. ADAM UND EVELYN (2018) brechen 1989 nach Ungarn auf. Sie, weil er das Fremdgehen nicht lassen kann, und er, weil er zu sehr Phlegmatiker ist, um sich zu trennen. Auch wenn sie wieder zusammenfinden sollten: Das Land, in das sie zurückkehren, hat sich dramatisch verändert. Der Generationskonflikt der FAMILIE BRASCH (2018) ist der des Landes: Vater Horst ist Parteifunktionär, während Sohn Thomas zu einem bekannten, immer kritischen, Dichter wurde. 1989 stirbt der Vater, und die DDR löst sich auf.

 11.–13.3. um 18 Uhr, am 11.3. mit einer Einführung von Jan Gympel

 21.–23.3. ADAM & EVELYN  24.+25.3. STILLES LAND  26.+27.3. FAMILIE BRASCH, jeweils um 18 Uhr

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Die Austreibung des armenischen Volkes in die Wüste

BROTFABRIK KINO, BUNDESPLATZ-KINO, FSK-KINO AM ORANIENPLATZ U.A. DIE AUSTREIBUNG DES ARMENISCHEN VOLKES IN DIE WÜSTE Vor 100 Jahren machte der Pazifist und Schriftsteller Armin T. Wegner die deutsche und internationale Öffentlichkeit auf den Völkermord an den Armeniern aufmerksam. Als Sanitäter im I. Weltkrieg war er Augenzeuge des armenischen Genozids geworden. Er sah den Flüchtlingsstrom der von den Türken in die syrische Wuste getriebenen armenischen Bevölkerung: In den Jahren 1915 bis 1917 fanden dort bis zu 1,5 Millionen Armenier den Tod. Trotz des Verbots der türkischen Behörden machte Wegner

mehr als 100 Fotos und schmuggelte diese unter der Leibbinde versteckt über die Grenze. Unmittelbar nach Kriegsende fasste Wegner seine Erfahrungen als Augenzeuge in einem Vortrag zusammen, den er am 19. Marz 1919 in der Berliner Urania erstmals hielt. Anlässlich des 100. Jahrestages hat Ulrich Noethen Wegners Vortrag zu einer Laterna Magica Projektion der Fotos nachgesprochen.  Alle Vorführungen finden am 19.3. statt: 17 Uhr fsk-Kino & Bundesplatz-Kino  18 Uhr Brotfabrik Kino  19 Uhr Filmmuseum Potsdam  19.30 Uhr Guardini Galerie

KINO UNION VIDEONALE

CITY KINO WEDDING SPEAK UP GEGEN RASSISMUS

Der VIDEONALE Film- und Videowettbewerb ist knallhart egalitär. Egal, ob man Vollprofi oder Amateur*in ist, egal, wer in welchem Genre unterwegs ist, und egal zu welchem Thema man etwas macht: Solange man es selbst geschaffen hat, die Rechte am Werk hat, und das Ding fünf Minuten nicht überschreitet, kann alles eingereicht werden. Am 16.3. um 20 Uhr werden die diesjährigen Wettbewerbsbeiträge im Alten Saal des Kino Union präsentiert und an Ort und Stelle von Jury und Publikum bewertet und ausgezeichnet.  16.3. um 20 Uhr

Das City Kino Wedding beteiligt sich an den internationalen Wochen gegen Rassismus mit einem Aktionstag. Am 12.3. werden um 15 Uhr zunächst möglichst viele Leute gesucht, die mithelfen, einen Kinotrailer gegen Intoleranz & Rassismus zu drehen, der dann auch regelmäßig im City Kino zu sehen sein wird. „Dabei müsst ihr nichts Besonderes machen, auf eure Präsenz kommt es an“. Um 19 Uhr ist die Poetry Slammerin Yasmin Poesy zu Gast, und um 20 Uhr läuft SPEAK UP von Amandine du Gay, in dem europäische Schwarze Frauen von ihren Erfahrungen erzählen.  12.3.

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INDIEKINOHIGHLIGHTS

ACUD KINO, BROTFABRIK KINO, SPUTNIK KINO RUSSISCH DOK: VIER FILME VON GALINA KRASNOBOROVA Galina Krasnoborova, 1979 in Perm geboren, beschäftigt sich in zwei der vier präsentierten Kurzfilme mit den Komi-Permiaken, einer Volksgruppe, die ihre traditionelle Kultur und Geschichte durch überlieferte Gesänge vor dem Verschwinden zu bewahren sucht. Die Lieder und Gebete der Mari im dritten Film sind ähnlich: Sie verbinden Vergangenheit und Zukunft, Himmel und Erde, schützen und trösten. Und schließlich geht es um die Geister von St. Petersburg und die Stadt, die keinen Schlaf findet.  Acud Kino: 13.3. um 20 Uhr  Brotfabrik Kino: 28.3. um 18 Uhr  Sputnik Kino: 18.3. um 19 Uhr

El Topo

Z-INEMA BROTFABRIK-KINO VON HUMMERN UND EIN ABEND FÜR CHARLES WILLEFORD: FILM UND LESUNG MAULWÜRFEN Charles Willeford (1919-1988) war einer der wichtigsten Erneuerer des hard-boiled Romans. Die Brotfabrik zeigt die ebenso kultisch verehrte wie – wegen der echten Hahnenkämpfe, die Hellman in Zeitlupe filmt – gehasste Verfilmung seines Romans COCKFIGHTER (USA 1974, OV) von Monte Hellman, eine Roger Corman-Produktion, für die Willeford selbst das Drehbuch schrieb, und in der er neben Warren Oates und Harry Dean Stanton als alternder Hahnenkampf-Trainer auftritt. Erzählt wird die Geschichte des „Cockfighters“ Frank Mansfield, der schwört, nicht mehr zu sprechen, bis sein Hahn zum Champion geworden ist. Schmutziges Außenseiter-Kino, so spekulativ wie existentialistisch. Anlässlich des hundertsten Geburtstages von Charles Willeford erscheint die deutsche Übersetzung seines Romans „Hahnenkämpfer“ im Alexander Verlag Berlin. Vor dem Film liest Mario Mentrup aus dem Roman.

EL TOPO (1970) von und mit Alejandro Jodorowski als Cowboy in schwarzem Leder vermischt Westernelemente, Sex, Gewalt in der Geschichte einer Suche, die gleichermaßen surreal und spirituell ist. Der Film machte Jodorowski zwar nicht reich, erfand aber das Midnight Movie. TEENAGERS FROM OUTER SPACE (1959) kam erst durch die Fernsehausstrahlung zu Ruhm. Derek, Mitglied eines außerirdischen Eroberungs- und Riesenhummerzuchtkommandos, sucht das Frauchen des süßen Hundes, den seine Kollegen heimtückisch desintegrierten. Im dritten Teil der Jean-Rollin-Retrospektive DIE NACKTEN VAMPIRE (1970) verfolgt der junge Pierre einen Kult, der das Blut von Selbstmörderinnen trinkt und so Unsterblichkeit erlangen will. Pierres Vater ist ihr Anführer.  5.3.: EL TOPO (DF)  12.3.: TEENAGERS FROM OUTER SPACE (OV)  19.3.: DIE NACKTEN VAMPIRE (DF), Jeweils um 20 Uhr

 27.3. um 20 Uhr

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BROTFABRIK KINO, FILMRAUSCHPALAST TO HELL AND BACK AGAIN: HELLRAISER & LORD OF THE RINGS I–III

INDIEKINOHIGHLIGHTS

EVA-LICHTSPIELE DER ALTE DEUTSCHE FILM Am 6.3. beginnt Falk Harnacks Drama mit einer Unbekannten im Berliner Landwehrkanal. Ist es wirklich ANASTASIA, DIE LETZTE ZARENTOCHTER (1956)? Viele der zu Rate Gezogenen verfolgen da ganz eigene Interessen. Am 13.3. sucht die kleine Christl an Bord eines Kriegsschiffes nach ihrer wahren Identität, und wird dabei zum LIEBLING DER MATROSEN (1937). Anna hat ihren Söhnen immer erzählt, dass ihr Seefahrervater solide und anständig ist. Und plötzlich steht ein versoffener Nichtsnutz vor der Tür, so dass Anna MEINEN VIER JUNGENS (1944) am 20.3. viel erklären muss. Am 27.3. bricht Zarah Leander in einem frühen Detlef Sierck (später Douglas Sirk) auf ZU NEUEN UFERN (1937): Als Sängerin Gloria fälscht sie aus Liebe Wechsel und wird zu Zwangsarbeit in Australien verurteilt. Aber die Sehnsucht lässt ihr keine Ruhe.  immer mittwochs um 15.45 Uhr

Im März schicken Filmrauschpalast und Brotfabrik zwei große Filmtrios nochmal auf den Weg. Die LORD OF THE RINGS -Trilogie ließ die Hobbits nach Mordor wandern und ebnete für Peter Jackson den Pfad aus dem Horrorauenland zu den Gipfeln des Mainstreams. Der Filmrausch zeigt die Teile einzeln, aber am 11.3. ab 13 Uhr besteht auch die Möglichkeit, die ganze Saga am Stück zu erleben. Ganz klassisch im Original und von 35mm-Film. Die ersten drei HELLRAISER- Filme machten über die Jahre eine Wandlung von transgressivem SM-Gothic zu unterhaltsam überdrehtem Heavy-Metal-Body-Horror durch. Dabei geht es im Kern um verbotenes Verlangen und Eltern-Kind-Beziehungen, und nur vordergründig um malträtierte Körper, böse Ärzte und hochtoupierte Haare. Das Brotfabrik-Kino zeigt vom 7.-13.3. alle Teile jeweils zweimal in der Spätschiene. filmrausch.de, brotfabrik-berlin.de The Lord of the RIngs

Anastasia, die letzte Zarentochter

Detainment

ACUD KINO OSCAR® SHORTS 2019

FILMRAUSCHPALAST MANGA MONDAY: ARRIETY

Shorts Attack im März verspricht eine Top-Auswahl, immerhin werden die oscarnominierten Kurzfilme in zwei Programmen gezeigt: Live Action und Animation.

In der Reihe „Manga Monday“ zeigt der Filmrauschpalast die Studio Ghibli Produktion ARRIETY, über eine Familie kleiner Menschen, die unter dem Fußboden der großen Menschen lebt und sich das zum Leben nötige borgt. Das geht solange gut, bis Tochter Arriety eines Tages gesehen wird.

 Live Action: 20.3. um 21 Uhr, Animation: 27.3. um 21 Uhr

 11.3. um 20 Uhr

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INDIEKINOHIGHLIGHTS

IMMER WIEDER IN DER SPUTNIK KINOBAR Das Sputnik Kino verfügt über eine der schönsten Kinobars in Berlin. Mit Blick über die Dächer der Stadt kann man hier Filme vor- und nachbesprechen oder auch einfach so zu einem Drink vorbeischauen. Hier finden auch regelmäßig Veranstaltungen statt, fast immer bei freiem Eintritt: Jeden 2. Mittwoch im Monat lesen Drehbuch-Studierende der dffb gemein­sam mit Schauspielern und Schauspielerinnen in der Reihe FILM AUS PAPIER aus neuen Werken vor.  facebook.com/filmauspapier, 13.3. um 20.30 Uhr

Einmal im Monat lädt der VINYLRAUSCH zum kollektiven Schallplatten-­ Lauschen ein. Mit Einführung und vielen Hintergundinformationen werden pro Vinylrausch 2- 3 Alben von zwei Künstler*innen von Anfang bis Ende durchgehört.  Infos und Anmeldung auf vinylrausch.de, 21.3. um 19.30 Uhr

Jeden 3. Mittwoch im Monat bietet das OPEN SCREENING eine Plattform für Kurzfilme und Kurzfilmfreund*innen! Jede und jeder kann eigene Kurzfilme unkuratiert und unzensiert auf grosser Leinwand zeigen. Das Publikum kann unliebsame Inhalte mit roter Karte stoppen (einfache Mehrheit). Zu jedem Film gibt es ein kurzes Q&A mit Moderator Abbas Saberi.

An wechselnden Terminen macht SLOWLANDS, die monatliche Whisky & Spirits Lounge, in der Kinobar Station, mit mehr als 30 Sorten Whisky, Gin, Mescal & Rum und ausgewählter Musik des Barkeepers und Hosts Peter Votava.

 openscreening.de, 20.3. um 20.30 Uhr

 facebook.com/slowlands.berlin, 22.3. um 21 Uhr

BUNDESPLATZ-KINO 7BÜRGEN & 7 BÜRGER IN 7 FILMEN #3

BUNDESPLATZ-KINO WERKSCHAU CLAUDIA VON ALEMANN

In seiner Reihe mit sieben Siebenbürgen-Filmen zeigt das Bundesplatz-Kino Florin Besoius Dokumentarfilm ZUWANDERUNG NACH SIEBENBÜRGEN - ERFOLGSGESCHICHTEN (2017). Der Massenexodus der Siebenbürger Sachsen in die BRD in den 90er Jahren ließ viele Dörfer dieser Minderheit entvölkert zurück. Kirchen, Burgen und Häuser stehen heute vor dem Verfall, aber es zeichnet sich auch ein Neuanfang ab. Pensionen ziehen Touristen aus der ganzen Welt an, Schweizer Restaurateure retten Orgeln und Prinz Charles unterstützt die Herstellung von traditionellen Ziegeln. Mit einer Einführung von Dr. Ingeborg Szöllosi (Deutsches Kulturforum östliches Europa)  30.3. um 15.30 Uhr

Im März und April zeigt das Bundesplatz-Kino eine Werkschau der Filmemacherin Claudia von Alemann, die zur ersten Generation feministischer Filmemacherinnen in der BRD gehörte und gemeinsam mit Helke Sander 1973 das 1. Internationale Frauen-Filmseminar im Kino Arsenal in West-Berlin organisierte. Die Werkschau beginnt am 23.3. mit von Alemanns jüngstem Film DIE FRAU MIT DER KAMERA (2015), in dem Alemann, die überwiegend dokumentarisch arbeitet, die Fotografin Abisag Tüllmann porträtiert hat. Claudia von Alemann wird zu allen Vorstellungen vorbeischauen.  23.3. um 18 Uhr

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NACHBILD

Das Mobiltelefon ist ein Problem. Sowieso. Aber insbesondere auch für die klassische Film­ erzählung. Beliebte Standardsituationen wie der verloren gegangene Brief verlieren ihre Glaubwürdigkeit, wenn eine SMS die Situation flott klären könnte. Die ständige Präsenz des Nicht-Präsenten fragmentiert den Erzählfluss. Einige, wie Lone Scherfig im Berlinale-Eröffnungsfilm THE KINDNESS OF STRANGERS lösen das Problem, in dem sie so tun, als gäbe es Handys gar nicht. Im Film wird generell viel weniger gedaddelt als im Leben. Andere gehen das Problem frontal an und integrieren Textmessages in ihre Filmbilder oder siedeln gleich die ganze Story auf Bildschirmen an, wie Aneesh Chaganty im Desktop-Thriller SEARCHING. Und noch andere holen sich die gute alte analoge Zeit einfach zurück: In Dories Dörries KIRSCHBLÜTEN & DÄMONEN ist es ein rosarotes Drehscheibentelefon, das zum Symbol für die innige Verbindung zu einer anderen Welt wird. Eine Verbindung, die konkreter und stabiler ist, als viele der geisterhaften Digitalkontakte, die wir pflegen.

VORSCHAU INDIEKINO IM APRIL

D BILDBUCH Endlich mal wieder Godard D DER FUNKTIONÄR Vater und Staat D ANOTHER DAY OF LIFE Dokfilm, animiert D BIRDS OF PASSAGE Wayuu im Zorn D IM LAND MEINER ­KINDER Deutsch werden D RENZO PIANO – ARCHITEKT DES LICHTES Großbaumeister D VOLL RITA! Verwirrt in Berlin D BERLIN BOUNCER Helden der Nacht D BORDER Schräge Gestalten D DARK EDEN Erdölstadt D PHOTOGRAPH Bild der Braut D GOLIATH 96 Ein Sohn blockt ab D LLORONAS FLUCH Kinderfängerin D ONCE AGAIN Verliebt in die Köchin D VAN GOGH – AN DER SCHWELLE ZUR EWIGKEIT Künstlerblick D ATLAS Walter will helfen D EIN LETZTER JOB Michael Caine und Gang D STREIK Arbeitskampf mit Vincent Lindon D TEA WITH THE DAMES Theateradel D WIE ICH LERNTE, BEI MIR SELBST KIND ZU SEIN Großwerden in Österreich D CHRISTO – WALKING ON WATER Zauberhafte Installation

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INDIESERVICE

DIE INDIEKINOS

ACUD KINO MITTE

1

Veteranenstr. 21, 10119 Berlin www.acudkino.de 030/44 35 94 98

CITY KINO WEDDING FILMRAUSCH­PALAST IM CENTRE FRANÇAIS MOABIT 8 Lehrter Str. 35, 10557 Berlin WEDDING 6

KINO INTIMES FRIEDRICHSHAIN

FSK-KINO AM ­ORANIENPLATZ KREUZBERG 9

EVA-LICHTSPIELE BERLIN WILMERSDORF 7

11

Boxhagener Str. 107, 10245 Berlin www.kino-intimes.de 030/29 77 76 40

Segitzdamm 2, 10969 Berlin www.fsk-kino.de 030/614 24 64

Blissestr. 18, 10713 Berlin www.eva-lichtspiele.de, 030/92 25 53 05

10

Nansenstr. 22, 12047 Berlin www.ilkino.de 030/81 89 88 99

www.filmrausch.de 030/394 43 44

Müllerstraße 74, 13349 Berlin www.citykinowedding.de 01525/968 79 21

B-WARE! LADENKINO FRIEDRICHSHAIN 2 Gaertnerstr. 19, 10245 Berlin ladenkino.de, 030/63 41 31 15

IL KINO NEUKÖLLN

KINO KROKODIL PRENZLAUER BERG

12

UNION FILMTHEATER FRIEDRICHSHAGEN

Greifenhagener Str. 32, 10437 Berlin www.kino-krokodil.de 030/44 04 92 98

Bölschestr. 69, 12587 Berlin 15 www.kino-union.de 030/65 01 31 41

SPUTNIK KINO AM SÜDSTERN KREUZBERG 13

WOLF KINO NEUKÖLLN 16

Hasenheide 54, 10967 Berlin www.sputnik-kino.com 030/694 11 47

Weserstraße 59, 12045, Berlin wolfberlin.org 030/921 03 93 33

BALI KINO ZEHLENDORF  3  Teltower Damm 33, 14169 Berlin www.balikino-berlin.de 030/811 46 78

REINICKENDORF

XENON KINO TILSITER LICHTSPIELE SCHÖNEBERG 17 14 Kolonnenstr. 5, 10827 Berlin FRIEDRICHSHAIN

PANKOW  C  

 6 

 4 

 12   8   H    18   1 

SPANDAU

MITTE

 7 

Caligariplatz 1, 13086 Berlin www.brotfabrik-berlin.de 030/471 40 01

MARZAHNHELLERSDORF

KREUZBERG

 9   A    17 

 5 

 14   11 

www.xenon-kino.de 030/78 00 15 30

R.-Sorge-Str. 25a, 10249 Berlin www.tilsiter-lichtspiele.de 030/426 81 29

 B    2   FRIEDRICHSHAIN-

CHARLOTTENBURGWILMERSDORF

BROTFABRIKKINO WEISSENSEE  4 

LICHTENBERG

 13    E  

TEMPELHOFSCHÖNEBERG

STEGLITZZEHLENDORF

 F    19    10    G    16    15    D  

NEUKÖLLN

Z-INEMA ­MITTE

18

Bergstr. 2, 10115 Berlin www.z-bar.de 030/28 38 91 21

TREPTOWKÖPENICK

 3 

BUNDESPLATZ-KINO WILMERSDORF 5 Bundesplatz 14, 10715 Berlin www.bundesplatz-kino.de 030/85 40 60 85

B-WARE! OPEN AIR IM VOR WIEN ­BIERGARTEN KREUZBERG  A  IM FMP1 FRIEDRICHSHAIN  B ladenkino.de

FREILICHTBÜHNE WEISSENSEE WEISSENSEE

 C 

freilichtbuehne-weissensee.de

FREILUFTKINO  D  FRIEDRICHSHAGEN FRIEDRICHSHAGEN

www.freiluftkino-friedrichshagen.de

FREILUFTKINO ­HASENHEIDE KREUZBERG  E 

FREILUFTKINO ­POMPEJI FRIEDRICHSHAIN

FREILUFTKINO ­INSEL ZU GAST IM ­CASSIOPEIA FRIEDRICHSHAIN  F 

WINDLICHT IM FILMRAUSCH­ PALAST: „UMSONST & DRAUSSEN“ MOABIT  H 

www.freiluftkino-hasenheide.de

www.freiluftkino-insel.de

 G 

freiluftkino-pompeji.de

ZUKUNFT ­FRIEDRICHSHAIN

19

Laskerstr. 5, 10245 Berlin kino-zukunft.de 0176/57861079

www.filmrauschpalast.de

IMPRESSUM Herausgeber: INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) Rudolfstr. 11, 10245 Berlin Telefon: 030 – 209 897 24, info@indiekino.de, www.indiekino.de Geschäftsführung: Hendrike Bake

Bildnachweis: Filmbilder/Plakatmotive: Filmverleiher/Filmfestivals Berlinale: Das bleibt und das kommt (S. 9): GRÂCE À DIEU: Jean-Claude Moirea/ Berlinale, MR. JONES: Robert Palka/Film Produkcja/Berlinale, ÖNDÖG: Wang Quan‘a/Berlinale, GHOST TOWN ANTHOLOGY: Lou Scamble/Berlinale, SYSTEMSPRENGER: kineo Film/Weydemann Bros./Yunus Roy Ime/Berlinale, DIE KINDER DER TOTEN: Ulrich Seidl Filmproduktion/Berlinale Berlin-Film-Rarität VERLIEBT UND VORBESTRAFT (S. 41): DEFA Stiftung

Redaktion: Hendrike Bake, Thomas Dorow redaktion@indiekino.de Filmtexte: Hendrike Bake, Tom Dorow, Katharina Franck, Thomas Groh, Anna Hantelmann, Lili Hering, Susanne Kim, Christian Klose, Clarissa Lempp, Elinor Lewy, Jens Mayer, Manon Scharstein, Toni Ohms, Michael Schmitz, Hannes Stein, Lars Tunçay, Hardy Zaubitzer Texte Kinohighlights: INDIEKINO BERLIN und Kinos Grafik: Michael Zettler, Nora Wiesner (Zett Media) Akquise/Marketing: Michael Spiegel, spiegel@indiekino.de Druck: Bonifatius Druck, Paderborn

Eine Gewähr für die Richtigkeit der Termine kann nicht übernommen werden. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Ein Nachdruck ist nur mit Genehmigung von Redaktion und Autor und mit Quellenangabe gestattet. Für unverlangt eingesandtes Textmaterial wird keine Haftung übernommen. Das INDIEKINO BERLIN Magazin erscheint in einer Auflage von 20.000 Stück. Das Magazin ist kostenfrei. Verteilung in den Berliner Kinos ACUD Kino, b-ware!ladenkino, Bali Kino, Brotfabrikkino, Bundesplatz Kino, City Kino Wedding, Eva Lichtspiele, Filmrauschpalast Moabit, fsk-Kino am ­Oranienplatz, Hackesche Höfe Kino, IL Kino, Kino Intimes, Kino Krokodil, Sputnik Kino am Südstern, Tilsiter Lichtspiele, Union Filmtheater, Wolf Kino, Xenon Kino, Z-inema, Zukunft sowie an weiteren 400 Verteilstellen. Abonnement: Auf Wunsch liefern wir Ihnen das INDIEKINO BERLIN Magazin gerne zu einem Unkostenbeitrag direkt nach Hause. Weitere Informationen und ein Bestellformular finden Sie unter: www.indiekino.de/news/de/abonnement

MÄRZ 2019 2019 D

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D BEALE STREET Samtige Bilder, taffe Politik D EIN GAUNER & GENTLEMAN Robert Redford sagt Adieu D OF FATHERS AND SONS Großfantasien eines Einfältigen D DIE MASKE Scheinbare Idylle D NEAR & ELSEWHERE Komplexe Utopien D TALKING MONEY Bankgespräche sind Performances D DIE BERUFUNG RBG setzt Maßstäbe D THE SISTERS ­BROTHERS Träume von männlicher Freundlichkeit D VAKUUM Von jetzt auf gleich allein D THIS MOUNTAIN LIFE Weite ­Panoramablicke D GERMANIA Regeln, Kostüme und Rituale D KIRSCHBLÜTEN & DÄMONEN Zwischen Leben und Tod D IRON SKY: THE COMING RACE Brachialunterhaltung, Teil II D MID90S Blick zurück nach vorn

MAGAZIN FÜR UNABHÄNGIGES BERLINER KINO

D 57 D MÄRZ 2019

indiekinoBERL

EIN GAUNER & GENTLEMAN – START AM 28.3.2019

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INDIEKINO BERLIN Magazin #57, März 2019  

Magazin für unabhängiges Berliner Kino

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