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A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT Romantischer Vampir-Film D DAS BLAUE ZIMMER Noiresk verschlungen D HÄRTE Hölle in Neukölln D STRICHE ZIEHEN Punk und Stasi D A BLAST – AUSBRUCH Eine Griechin schmeißt hin D DER KLEINE TOD „I want you to rate me“ D 10 MILLIARDEN – WIE WERDEN WIR ALLE SATT? Versuch einer Antwort D COBAIN: MONTAGE OF HECK Homevideos, Mixtapes, Tagebücher D IN MEINEM KOPF EIN UNIVERSUM Ich bin kein Gemüse! D GRIGRIS‘ GLÜCK Außenseiter im Tschad D NEULAND Integration mit Herrn Zingg D JUDGMENT – GRENZE DER HOFFNUNG Am Rand Europas D BELLUSCONE – WARUM DIE ITALIENER BERLUSCONI LIEBEN Wir sind alle Freunde hier

MAGAZIN DER UNABHÄNGIGEN BERLINER LICHTSPIELHÄUSER

D 14 D APRIL 2015

indiekinoBERL

DER KLEINE TOD. EINE KOMÖDIE ÜBER SEX. – START AM 9.4.2015


In meinem KOPF ein UNIVERSUM „Ein äußerst bewegendes, brillant gespieltes Meisterwerk […] hochgradig emotional.“ Filmthreat.com

AB 9. APRIL IM KINO!


DIE INDIEKINOS D ACUD KINO D B-WARE!LADENKINO D BALI KINO D BUNDES­PLATZ KINO D EISZEIT KINO D EVA-LICHTSPIELE D FILMKUNST66 D FILMRAUSCHPALAST D FSK-KINO AM ORANIENPLATZ D HACKESCHE HÖFE KINO D IL KINO D SPUTNIK KINO AM SÜDSTERN D TILSITER ­LICHTSPIELE D UNION FILMTHEATER D XENON KINO D ZUKUNFT D FLK FRIEDRICHSHAGEN D FLK HASENHEIDE D FLK INSEL D FLK POMPEJI D FLK „UMSONST & DRAUSSEN“ IM FILMRAUSCHPALAST

EDITORIAL Der Frühling beginnt, der Blick geht nach draußen. Ob es damit zu tun hat, dass im April so viele Dokumentarfilme ins Kino kommen? 24 neue Filme stellen wir in diesem Magazin vor, über ein Drittel von ihnen können als Dokumentarfilme durchgehen. Einige der Filme – wie der Essayfilm SZENARIO, der die penibel genaue Buchführung, die ein mittelständischer Unternehmer 1970 der Affäre mit seiner Sekretärin angedeihen ließ, präsentiert, oder Rosa von Praunheims eindringlicher Berlinale-Beitrag über den Neuköllner Ex-Zuhälter Andreas Marquardt HÄRTE – experimentieren mit dem Genre, spielen mit fiktionalen und dokumentarischen Elementen und lassen die Grenzen verschwimmen. Andere, wie Valentin Thurns engagiertes Plädoyer für eine nachhaltige Landwirtschaft 10 MILLIARDEN – WIE WERDEN WIR ALLE SATT? oder die schöne Dokumentation NEULAND, in der die Regisseurin Anna Thommen den Weg von mehreren jungen Flüchtlingen, die eine Integrationsklasse in Basel besuchen,

begleitet, wollen aufklären und verändern. Und wieder andere, wie die Satire BELLUSCONE – WARUM DIE ITALIENER BERLUSCONI LIEBEN oder das melancholisch-verschmitzte Porträt des abchasischen Sportministers und seiner Frau DOMINO EFFEKT finden das Absurde am liebsten in der Wirklichkeit. Im Fall der Helge Schneider-Doku MÜLHEIM TEXAS sind das Absurde und die Wirklichkeit ohnehin deckungsgleich. Wer’s partout zertifiziert fiktional will, ist mit Ana Lily Amirpours atmosphärischem Debut A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT, in dem eine junge Vampirin im Tschador eine verlorene Stadt heimsucht, dem bunten Lebensabend-Traum BEST EXOTIC MARIGOLD HOTEL 2 oder der Wiederaufführung des Troma-Klassikers THE TOXIC AVENGER auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Viel Spaß in der Wirklichkeit und viel Spaß im Kino, Eure/Ihre INDIEKINO-Redaktion

04 MAGAZIN

NEU IM KINO

08 TSCHADOR UND SKATEBOARD: INTERVIEW MIT ANA LILY AMIRPOUR

32 KINOHIGHLIGHTS

18 27 17 19 16 12 29 24 28 29 11

38 KINOADRESSEN, IMPRESSUM

30 WEITER IM KINO

12 NOIRESK VERSCHLUNGEN: DAS BLAUE ZIMMER 14 HÖLLE IN NEUKÖLLN: HÄRTE 20 INDIEKINOS: ACUD KINO 31 KINDERFILME

39 NACHBILD

10 Milliarden – Wie werden wir alle satt? Belluscone – Warum die Italiener Berlusconi lieben Best Exotic Marigold Hotel 2 Big Eyes A Blast – Ausbruch Das blaue Zimmer Cake Cobain: Montage of Heck Domino Effekt Everyt Thing will be Fine A Girl Walks Home Alone at Night

Heute bin ich Samba Leviathan

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Das Glück an meiner Seite Grigris’ Glück Härte In meinem Kopf ein Universum Judgment – Grenze der Hoffnung Der kleine Tod Mülheim Texas – Helge Schneider hier und dort Neuland Nirgendland Striche ziehen Szenario The Toxic Avenger (WA)

Eine neue Freundin

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South Sandwich Islands. Chinstrap penguins (Pygoscelis antarctica) on an iceberg located between Zavodovski and Visokoi islands. South Sandwich Islands. 2009.

SEBASTIÃO SALGADO: GENESIS Nach Vivian Maier nun Sebastião Salgado. Vom 17.4. bis 16.8.2015 präsentiert C/O Berlin mit Genesis eine Ausstellung des französisch-brasilianischen Fotografen, der Kinogängern aus Wim Wenders Dokumentation DAS SALZ DER ERDE bekannt ist. Salgado kam als Autodidakt zur Fotografie, er arbeitet bevorzugt in Schwarzweiß und in selbst ausgewählten, weltweiten Langzeitprojekten. Zwanzig Jahre lang waren seine Themen das Ende des Industriezeitalters und die globale Migration – nicht nur Flüchtlinge und Vertriebene, sondern auch Zuwanderer in den Megastädten der Dritten Welt. In Genesis wendet er sich nun erstmals der Natur zu. In fünf Kapiteln zeigt die Ausstellung Salgados großformatige Bilder von den letzten unberührten Winkeln der Erde: Archaische Vulkanlandschaften, arktische Eismassen, mäandernde Fluss-Canyons, nebelumhüllte Gebirgsketten, ursprüngliche Regenwälder und endlose Sanddünen. Wenders Porträt des Fotografen ist übrigens aktuell noch im b-ware!ladenkino in Friedrichshain und in den Eva Lichtspielen in Wilmersdorf zu sehen. www.co-berlin.org

WEGEN DER GROSSEN NACHFRAGE hat das Bundesplatz Kino die Werkschau Helga Reidemeister über die große politische Dokumentarfilmerin verlängert. Neben Wiederholungen ist erstmals auch der Film TAXI KABUL (Deutschland 2003) zu sehen, in dem Reidemeister nach Indien, Serbien, Afghanistan und die USA reist und der internationalen Stimmungslage nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und den darauf folgenden Kriegsankündigungen nachspürt. Sowie SPLITTER (Deutschland 2015), Reidemeisters jüngste Arbeit, die nach Afghanistan führt, in ein zersplittertes Land, zu Archäologen, die Kunstwerke flicken, Ärzten, die versuchen, Menschen zu helfen und zu einem kleinen Jungen. www.bundesplatz-kino.de

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INDIEMAGAZIN

10 JAHRE B-WARE

Am Samstag, den 11. April feiert das b-ware!ladenkino sein 10-jähriges Jubiläum. Bereits am Freitagabend wird reingefeiert: alle Inhaber einer b-ware!-Mitgliedsmarke erhalten nach Mitternacht freien Eintritt zu allen Vorstellungen plus ein Freigetränk, alle anderen Zuschauer erhalten ebenfalls ein Freigetränk. Am Samstag gibt’s auch Freigetränke und dazu ein leckeres Buffet. Zu sehen gibt es knapp ein Dutzend exklusive Previews: Aus Anlass des Geburtstages zeigt die b-ware-Crew eine Reihe von Filmen aus ihrem Archiv, die sie eigentlich auf DVD veröffentlichen oder ins Kino bringen wollte, aber dazu leider noch keine Gelegenheit hatte, da „wir nicht aus dem Schützengraben des x-ten Berliner Gentrifizierungkrieges herausgekommen sind.“ Alle sind herzlich eingeladen, mitzufeiern und auf die nächsten zehn erfolgreichen, kreativen und friedlichen Jahre anzustoßen! ladenkino.de

FES-GERECHTIGKEITSWOCHE Bereits zum vierten Mal stellt die Friedrich-Ebert-Stiftung in der Gerechtigkeitswoche vom 20.–23.4. die Frage nach Wegen zu einer gerechteren Welt. Das diesjährige Motto # ­ JUSTAINABILITY. Wege in sozial-ökologische Gesellschaften stellt das Verhältnis von Wohlstand und Entwicklung in den Mittelpunkt. Das Themenspektrum reicht dabei von der Energiewende im Nahen Osten über den globalen Textilhandel bis zu Altersarmut von Frauen in Deutschland. In Diskussionen und auf Konferenzen, bei Film, Musik und Theater skizzieren und debattieren internationale Gäste politische Alternativen zum Status Quo. Am 22.4. um 19 Uhr läuft im Sputnik Kino 740 PARK AVENUE – GELD, MACHT UND DER AMERIKANISCHE TRAUM (USA 2012, R: Alex Gibney) über die Straße, die von den Villen der Superreichen bis in die South Bronx führt, wo 50% der Bevölkerung Lebensmittelmarken beziehen. PARK AVENUE beleuchtet die extreme Ungleichheit in den USA und zeigt, wie sie zementiert wird: Durch die Einflussnahme der Superreichen, durch die Wahlkampffinanzierung und die Pervertierung des amerikanischen Ideals von Unabhängigkeit und Freiheit. Michael Shank, amerikanischer TV-, Radio- und Zeitungskommentator diskutiert anschliessend mit dem Publikum über den Film. www.fes.de/gerechtigkeitswoche

AUSSTELLUNG LICHTSPIELE Vom 12.4. bis zum 13.5. ist im Foyer des Bundesplatz Kinos die Ausstellung Lichtspiele zu Gast. Die Fotografin und Installations­ künstlerin Bettina Kuntzsch hat Laterna-Magica-Endlosfilme und Überreste von Stummfilmen eingescannt und daraus Loops gebaut, die in einer Installation von sechs Monitoren gleichzeitig gezeigt werden. Die Filme sind zerkratzt, eingerissen, fleckig, haben sich verzogen, wurden zerschnitten, geklebt, vernäht. Manche sind nur noch in Fragmenten erhalten. Die Bildschicht beginnt sich vom Trägermaterial zu lösen, bei einem Film sind nur noch die Kratzer auf transparentem Material zu sehen. Die Loops, die Kuntzsch daraus gebaut hat, haben unterschiedliche Längen und laufen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Durch diesen einfachen „Zufallsgenerator“ entstehen immer neue Kombina­ tionen von Filmbildern und -geschichten. Zur Eröffnung am 12.4. zeigt das Kino um 11 Uhr im Rahmen der Berlinfilm-Matinee den Klassiker BERLIN. DIE SINFONIE DER GROßSTADT (Deutschland 1927, R: Walter Ruttmann). www.element-video.de, www.bundesplatz-kino.de

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INDIEMAGAZIN

KREUZBERG LIEST – CRIME TIME „Die GänseZU VERSCHENKEN: ANG LEE TRILOGIE Seit seinem erfolgreichen vierten Langfilm, der Verfilmung des Jane Austen Klassikers SINN UND SINNLICHKEIT (1995) mit Emma Thompson und Kate Winslet, dreht der in Taiwan geborene und in den USA arbeitende Regisseur Ang Lee große, oft historische und sehr kluge Hollywood-Dramen, wie DER EISSTURM (1997), BROKEBACK MOUNTAIN (2005) oder TAKING WOODSTOCK (2009). Einen Namen hatte Lee sich aber bereits mit seinen ersten drei Filmen PUSHING HANDS (1992), DAS HOCHZEITSBANKETT (1993) und EAT DRINK MAN WOMAN (1994) gemacht, in denen er äußerst sensibel Generationenkonflikte und bi-nationale Beziehungen verhandelt. Koch Media bringt Lee’s Debut-Werk nun als DVD/Bluray-Box heraus. Wir können drei Exemplare an unsere Leserinnen und Leser verschenken. Schreibt einfach bis zum 15.4. eine Mail an info@indiekino.de. Stichwort Ang Lee. Bitte vermerkt, ob Ihr eine Bluray oder DVD haben möchtet. Wir verlosen die Boxen unter allen Einsendungen.

haut ist die Epidermis unserer Zeit“, meinte schon Alfred Hitchcock. Das sieht auch das Kreuzberg liest-Team so und hat kriminelle Lieblingsstücke ausgesucht, um Kinobar-Besuchern den Schlaf zu rauben. Am 1.4. um 20.30 Uhr im Sputnik Kino am Südstern. Mit Katharina Florian, Jana Kühn und dem Kreuzberg liest-Ensemble. www.salon-kreuzberg.de

… UND ACTION: FINISAGE MIT FREIEM EINTRITT

Am Sonntag, den 26.4. endet die Sonderausstellung für Kinder … und Action! Wie werden Film und Fernsehen gemacht? des Filmmuseums am Potsdamer Platz. Aus diesem Anlass gibt es noch einmal ganztägig freien Eintritt für alle und um 14 Uhr ein buntes Programm mit Gästen aus der Filmproduktion SCHLOSS EINSTEIN. Um 16 Uhr können dann alle Kinder, die die verschiedenen Berufe-Stationen der Ausstellung mitgemacht und den Ausstellungsausweis „Film Director“ erworben haben, den Film RICO, OSKAR UND DIE TIEFERSCHATTEN im Kino Arsenal gucken. Der letzte Termin der begleitenden Filmreihe im Bundesplatz Kino findet am Samstag, den 25.4. statt: um 15.45 läuft hier ebenfalls RICO. Zu Gast sind Produzent Philipp Budweg und ein Darsteller des Films. www.deutsche-kinemathek.de

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OPEN SCREENING IN DER KINOBAR Das Open Screening Testbild im Sputnik Kino, die monatliche Plattform für Filmemacher*innen und Kurzfilm-Fans, findet regelmäßig statt, ist aber jedes Mal wieder völlig anders. Es gibt keine Anmeldung, keine Jury, keine Auswahl. Gezeigt und geguckt wird alles, was zum Abend mitgebracht wird – bis der Film zu Ende ist oder das Publikum sein Veto einreicht. Alle Genres sind erlaubt. Format: DVD, BD, MP4 File mit H264 Codec und alles, was auf VLC Player abspielbar ist. Hauptsache, die Werke sind nicht länger als 25 Minuten. Der Eintritt ist frei. Im April tagt das Testbild am 15.4., Filmabgabe bis 20 Uhr, Filmstart um 20.30 Uhr. www. openscreening.de

GAUMENKINO IM UNION KINO Das Union nennt es „Kino der 4. Dimension“: Sehen, Hören, Riechen und Schmecken. Beim Gaumenkino gibt es das passende Menu zum Film und umgekehrt. Am 24.4. ist beides französisch: Zunächst gibt es Cocktails und ein Drei-Gänge-Menu, moderiert und serviert von Maître Mario, dann läuft das Edith Piaf-Biopic LA VIE EN ROSE (Frankreich/GB/ Tschechien 2007, R: Olivier Dahan). Für ihre atemberaubende Darstellung der Piaf über einen Zeitraum von 27 Jahren, vom jungen Mädchen bis zur 50-jährigen schwer kranken und verlebten Frau, erhielt Marion Cotillard neben ungefähr drei Dutzend anderer renommierter Auszeichnungen den Oskar für die beste Hauptdarstellerin. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Der VVK läuft bis zum 17.4. www.kino-union.de


INDIEFEATURE

SKATEBOARD FAHREN UND DEN WIND Interview mit Ana Lily Amirpour

Ana Lily Amipour ist die Regisseurin und Autorin von A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT und seit diesem Debüt einer der Shooting Stars des unabhängigen amerikanischen Kinos. Ihr nächster Film, THE BAD BATCH wird von Megan Ellisons Produktionsfirma Annapurna Pictures produziert, die in den letzten Jahren mit THE MASTER, ZERO DARK THIRTY, SPRING BREAKERS, FOXCATCHER, HER und anderen Filmen in die erste Reihe der unabhängigen amerikanischen Filmproduktionen aufgerückt ist. Ana Lily Amirpour ist als Tochter iranischer Eltern in London geboren und in den USA aufgewachsen. Tom Dorow hat sich mit der Regisseurin über A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT, die Bedeutung von Musik und romantischen Kannibalismus unterhalten.

INDIEKINO BERLIN: Danke, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Ich würde gern mit einer ganz einfachen Frage anfangen. A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT ist ein Vampirfilm und soweit ich weiß drehen Sie als nächstes einen romantischen Kannibalen-Film. Woher kommt Ihr Interesse für das Horror-Genre? Ana Lily Amirpour (lacht): Ein romantischer Kannibalenfilm. Das ist sehr komisch. Ich weiß nicht, es ist schwierig, solche Sachen genau zu definieren. Ich sehe meinen Film nicht als richtigen Horror. Ich sehe ihn mehr als ein düsteres Märchen. Es gibt Elemente von Horror und Gewalt und solche Sachen, aber es gibt auch Einsamkeit und Romantik und diese ganz anderen Sachen. Ich stand sehr auf Horrorfilme, als ich zehn Jahre alt war, ungefähr vier oder fünf Jahre lang. Aber danach hörte das irgendwie auf. Keine Ahnung, aber richtiger direkter Horror gibt mir nichts. Es ist ein romantischer Film, aber mir scheint es auch ein sehr politischer Film zu sein. Ja. Vampire sind traditionell eher erotisch aufgeladene Figuren. In letzter Zeit gibt es aber mehr Filme, die Vampire ganz anders einsetzen. Wie würden Sie das GIRL charakterisieren? Ich kann sie nicht charakterisieren. Ich habe den Film gemacht, und er ist, was er ist. Wenn zehn Personen die gleiche Person treffen, bekommt man zehn verschiedene Eindrücke. Es ist komisch zu sehen, dass Leute sagen:

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INDIEFEATURE

IM TSCHADOR SPÜREN

„Oh, das ist feministisch!“ oder „Das ist dies oder das…“ Ich weiß es wirklich nicht. Ich glaube, für mich ist sie einsam. Ich glaube, sie fühlt sie sich nicht so richtig in Verbindung mit der Welt. Das sind sehr persönliche Dinge für mich. Hat das etwas mit Ihrer persönlichen Geschichte zu tun? Ihre Eltern sind aus dem Iran, aber Sie sind in London geboren und in den USA aufgewachsen. Haben Sie enge Beziehungen zur iranischen Community in L.A.? Eigentlich nicht. Keine enge Beziehung. Ich habe nicht so die Herdenmentalität. Ich bin ein ziemlich isolierter Typ Mensch. In Amerika, ich meine in L.A. gibt es so viele unterschiedliche Leute. Es gibt viele Iraner, viele andere, viele von allem. Iraner – ich bin aus der zweiten Auswanderergeneration – haben eine sehr enge Familienkultur. Wir werden mit dieser engmaschigen, zähen Kultur erzogen, also fühlte ich mich einerseits dem Iranischen immer sehr nahe, und andererseits weit davon entfernt. Irgendwie in der Mitte, ein Mix. Ich würde nicht sagen: „Ich bin Iranerin!“. Ich weiß nicht was ich bin. Ich bin wie ein Eintopf. Der Film ist auch eine Mischung aus verschiedenen Stilen und Genres, aus iranischen und amerikanischen Elementen… Ja. Ich finde das auch lustig, weil es so eine Fixierung darauf gibt, Sachen zu kategorisieren und einzuordnen. Ich kann nicht einsehen, was das mit Kunst zu tun haben soll. Kunst ist zunächst einmal dazu da, um Kategorien, Ordnungen und Voreingenommenheiten aufzubrechen. Ich hoffe, dass immer mehr Leute mit unterschiedlichen Hintergründen sich vermischen und losziehen und „weird“ und „freaky“ sind.

Ein Teil der Verbindung zwischen Arash und dem GIRL ist offensichtlich die Musik. Wie wichtig ist die Musik für Sie und für Ihren Film? Ich bin verrückt nach Musik. Musik, das ist alles. Wenn ich schreibe, höre ich Musik. Manchmal lege ich ganze Tracklists zu meinen Charakteren an, oder darüber, wie sie sich in einem bestimmten Moment fühlen. Ich hatte viel mehr Musik vorbereitet, als jetzt im Film zu hören ist. Während ich den Film schrieb, habe ich die Songs für bestimmte Momente herausgesucht. Die Songs waren alle von vornherein geplant. Ich habe vorher mit den Künstlern gearbeitet und dann die Musik am Set gespielt. Ich habe allen Schauspielern eine Tracklist gegeben, allen Mitarbeitern, meinem Kameramann, meinem Production Designer, allen. Das ist toll, denn wenn man so eine Art surrealistisches Filmemachen betreibt oder so eine abstrakte, abgedrehte Art von Sachen , bringt das alle mit einem bestimmten Gefühl zusammen. Jedes Mal, wenn ein Song in einer Szene zu hören ist, haben wir den auch am Set gespielt. In einer meiner Lieblingsszenen steht das GIRL mit dem Rücken zur Kamera auf einem Skateboard und bewegt sich ganz langsam an einer Wand entlang, während ihr Tschador sich sanft bewegt. Das ist auch meine Lieblingsszene. Das ist wunderschön. Sie wirkt seltsam übernatürlich, dabei wissen wir genau, wodurch der Effekt zustande kommt. Im ersten Schnitt war die Szene eine Minute lang (lacht). APRIL 2015 D

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INDIEFEATURE

Wie ist Ihnen die Idee für diese Szene gekommen?

Ja, ich weiß.

Vor ein paar Jahren habe ich einen Tschador angezogen. Das war ein Requisit von einem anderen Film und ich fühlte mich … einfach übernatürlich. Ich fühlte mich wie ein Prediger oder wie ein Nadelrochen oder sowas und das erste, was ich machen wollte, war mein Skateboard fahren und den Wind im Tschador spüren. Er bewegte sich auf eine bestimmte Art und ich fahre Skateboard, also schien es mir eine ganz natürliche Sache zu sein, wenn sie das auch macht. Und dann ist da diese schwarze Form vor der weißen Wand. Viele Einstellungen sind auf ähnliche Art graphisch.

Ist es auch eine Provokation, oder was ist die Idee dahinter?

Sind Sie eigentlich auch von Graphic Novels beeinflußt? Ja, ich habe auch selbst eine Graphic Novel über das GIRL gemacht. Zwei Ausgaben sind schon erschienen und es kommen noch einige. Also, klar, ich stehe extrem auf Graphic Novels. Ich bin mit dem abgefahreneren Zeug groß geworden, Charles Burns, Frank Miller. Die intelligenteren Sachen, nicht das stereotype Marvel-Zeug. Der Charles Burns-Einfluss ist im Film gut zu erkennen. Noch mal zurück zum Tschador: Geht es da wirklich nur um persönliche Erfahrung? Was Sie beschreiben ist ja nicht das, was Leute normalerweise mit dem Tschador in Verbindung bringen.

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Ich meine, als ich den Tschador angezogen hatte, dachte ich sofort: Das ist ein Vampir. Das ist ein iranischer Vampir. Das ist das GIRL. Und dann dachte ich, das ist natürlich eine brillante Verkleidung, denn dass sie zu solchen Sachen fähig ist, daran würde man als allerletztes denken. Jeder sieht, was er oder sie sehen will und, klar, es ist ein religiöses Kleidungsstück, also werden die Leute eine Million Schlüsse ziehen, aber für mich geht es mehr darum, dass die Oberfläche von Menschen niemals das ist, was sie wirklich sind. Wenn man die oberste Schicht abschält, trägt jeder seltsame Dinge in sich, Geheimnisse und Dinge, die der Außenseite widersprechen. Es geht mehr darum, dass das, was man sieht, nicht immer das ist, was man bekommt. Das gilt in gewisser Weise für alle Charaktere. Oder überhaupt im Leben. In ihrem Film gibt es viel Böses, Drogen, Öl, Tod und Korruption, Frauen werden schlecht behandelt. Ist das GIRL eine Art Rächerin? Naja, sie tötet einen Obdachlosen. Das scheinen alle zu vergessen. Ich weiß, dass sie andere Menschen getötet hat, Männer und Frauen. Ich weiß, dass sie auf amokartigen Mordrauschtouren gewesen ist. Sie ist 187 Jahre alt. Ich weiß alles über den Charakter. Aber das ganze andere Zeug … Ich glaube, Menschen sind einfach Ameisen. Wir sind mit den Sachen beschäftigt, die wir sehen oder die wir bauen. Aber wir sind nur Ameisen in dieser größeren Maschine, die


INDIEFEATURE USA 2014 D 107 min D R: Ana Lily Amirpour D B: Ana Lily Amirpour D K: Lyle Vincent D S: Alex O’Flinn D D: Mozhan Marnò, Sheila Vand, Arash Marandi, Dominic Rains, Marshall Manesh, Milad Eghbali D V: Capelight pictures

permanent weiter läuft. Das Öl ist ein Teil dieser korrupten Stadt, die langsam verfällt, und ein Teil dieser größeren Struktur, die immer entscheidet wie die Dinge laufen in Städten und Gesellschaften. Wir haben nicht wirklich etwas damit zu tun. Die Maschine läuft einfach weiter, egal ob wir einander umbringen, Drogen nehmen, Skateboard fahren oder egal was tun. Können Sie mir etwas über die Produktion erzählen? Wie haben Sie die iranischen Schauspieler gefunden und warum haben Sie den Film überhaupt in Farsi gedreht? Das erste Drehbuch, das ich für den Film geschrieben hatte, war Iranisch. Ich habe diese ganzen iranischen Schauspieler getroffen, als ich nach L.A. gezogen bin. So viele gibt es da nicht und ich glaube ich kannte ziemlich schnell alle. Ich kannte Sheila und Mashall und Dominic. Arash habe ich getroffen, als ich in Berlin lebte. Und die habe ich alle angeschrieben und zusammengetrommelt. Ich wollte ein iranisches Märchen drehen, eine iranische Vampirgeschichte machen. Es war alles sehr genau ausgedacht. Ich wusste, dass der Film in Schwarzweiß sein sollte, ich kannte die Musik, ich wusste, in welcher Stadt ich drehen wollte. Ich wusste alles ganz genau, und deshalb war es eigentlich ganz leicht, denn entweder war man dabei oder nicht. Das ist nicht die Sorte Film, zu der man so eine mittlere Haltung haben kann. Es war sehr leicht zu erkennen, welche Leute mir dabei helfen konnten, den Film zu machen. Als ich den Film zuerst gesehen habe und nichts von Ihnen wusste, dachte ich, der Film wäre ein Kommentar zur Situation der Subkultur im Iran. Hat das überhaupt irgendetwas mit dem Film zu tun? Nein, hat es nicht. Ein Film ist offen für Interpretationen, jeder kann denken, was er will, aber MULLHOLLAND DRIVE zeigt einem nicht die Subkultur von L.A., er zeigt einem die Sicht einer Person und ein wenig von der Einsamkeit und dem Narzissmus in Hollywood. Ich glaube, ein Film muss Gefühle heraufbeschwören, und Gefühle sind universell, es gibt sie in jedem Teil der Welt. Ihr nächster Film, THE BAD BATCH erregt gerade jede Menge Aufmerksamkeit, auch weil Jim Carrey, Keanu Reeves und Jason Momoa (Khal Drogo in GAME OF THRONES) darin mitspielen werden. Ist es noch zu früh, über den Film zu reden? Ich fange in fünf Wochen an zu drehen, ich bin in Pre-Production. Es ist komisch, darüber zu reden.

A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT Amerikanisch-iranischer Vampirtraum

Ölpumpen, leere Straßen, eine Grube, in die man die Leichen wirft. Das ist Sherhabad, „Bad City“. An einer der Straßenecken steht Arash (Arash Marandi) und sieht aus wie der coole, aufrechte Rocker John in George Lucas’ AMERICAN GRAFFITI. Er raucht eine Zigarette und wartet, als habe er Geheimnisvolles vor, dabei sucht er in Wirklichkeit nur seine Katze. Arashs heroinsüchtiger Vater hat Schulden beim Drogenhändler und Zuhälter Saeed, der spät nachts die Prostituierte Atti misshandelt. Hinter Saeed erscheint ein dunkler Schatten, das GIRL (Sheila Vand), die namenlose Vampirin, die nachts die Straßen von Sherhabad heimsucht und die ihren Tschador offen über ihrem Seemanns-T-Shirt trägt wie einen Hipster-Superhelden-Umhang. Alle werden irgendwann der Vampirin begegnen. Arash kommt ihr am nächsten. Ana Lily Amirpours Film A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT ist nicht der erste iranische Vampirfilm, als der er vermarktet wird. Es ist ein ExilFilm, ein amerikanisch-iranischer Traum von einem düsteren Gegen-Iran. Amirpours Film ist in einer kalifornischen Kleinstadt mit iranisch-amerikanischen Schauspielern auf Farsi gedreht, und man sollte ihn sich in der Originalfassung mit Untertiteln ansehen. Die deutsch synchronisierte Fassung nimmt dem Film die Fremdheit, die hier beabsichtigt ist. A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT ist ein Film, der ganz von seiner Atmosphäre getragen wird: dem tagsüber hart kontrastierten Schwarzweiß, das sich nachts in weichere Abstufungen der Dunkelheit auffächert, dem Soundtrack von iranischen Gitarrenpopbands zu denen das GIRL allein in ihrem Zimmer tanzt. Die Ölpumpen pumpen weiter, das GIRL hinterlässt Leichen, die weiter in die Grube gekippt werden, nur die Musik verheißt Hoffnung, wenn Arash eine Kassette einschiebt und dazu gemeinsam mit dem GIRL im Auto mitwippt. D Tom Dorow

Die Gerüchte sagen, es würde ein „romantischer Kannibalenfilm“ … Start am 23.4.2015

Es ist nicht das, was Sie denken. Aber es wird sehr gewalttätig und auch sehr romantisch. Wir werden sehen. Wir werden sehen, wie sexy Kannibalen sein können.

+ ¢ b-ware!ladenkino ¢ Filmrauschpalast OMU DF ¢ filmkunst66 ¢ Hackesche Höfe Kino OMU DF

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D Das Gespräch führte Tom Dorow

TERMINE UNTER WWW.INDIEKINO.DE

At night, the GIRL haunts the streets of Sherhabad „Bad City“, an apocalyptic oil mining town. The GIRL has no name, she wears the tchador like a superhero’s cape and she takes the souls of men. Then she meets Arash, a boy who loves nothing quite as much as his convertible.

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Was vom Flirt, der Verlockung eines Sommers, dem Eros übrigbleibt: Kopfüber stürzt sich Regisseur und Hauptdarsteller Mathieu Amalric in das Abenteuer eines Seitensprungs, dessen erotische Verlockungen und dessen Verheißung auf Erlösung aus einer schal gewordenen, bürgerlichen Existenz – eine Amour fou mit einer Femme Fatale, gefolgt vom bitteren Nachspiel der Ernüchterung. Die Liaison endet nach Mord und Totschlag und einem Zwischenspiel in den Hinterzimmern der Justiz in einer vollendeten biografischen Katastrophe.

DAS BLAUE ZIMMER Noiresk verschlungen

Auch das Kinopublikum erliegt der Verführung, wenn Amalric seinen Film wie einen entfesselten erotischen Rausch beginnen lässt. Die Kamera führt mitten hinein in eine Welt voller Laken, Sonnenstrahlen, Schweiß und Begehren – sie fragmentiert die Körper im Anschnitt, findet so sinnliche, wie flüchtige ästhetische Eindrücke ausgelebter Liebe wider die bürgerlichen Wertvorstellungen. Subjektivierung, Ästhetisierung, Verkünstlichung der Leidenschaften, hin zu einer wahrhaftigeren Ekstase des Begehrens – schön körperlich und verführerisch ist das alles anzusehen, ohne dass sich der Film dabei je an die Bilderwelten des parfümierten Softerotik-Kinos preisgibt. DAS BLAUE ZIMMER visualisiert nicht nur den Reiz einer Affäre, wenn der eigentlich in besten Lebensverhältnissen stehende, verheiratete Julien sich ganz und gar an die mysteriös verheißungsvolle, ebenfalls verheiratete Esther (Stéphanie Cléau) hingibt; vielmehr lässt sich der Film zunächst über weite Strecken von diesem Reiz vollkommen infizieren.

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INDIEFEATURE

Doch diese ganz vom Begehren und der Lust affizierte Ästhetik bestimmt allenfalls die erste Hälfte dieses mit 75 Minuten so knackig wie gesund kurz gehaltenen Films. Bald tauchen rätselhafte Liebesnotizen auf, schließlich ist der Tod von Juliens und Esthers Eheleuten zu beklagen. Die Sache landet vor Gericht, dessen Kühle und Rationalität die zweite Hälfte des Films entschieden prägt. Der flirrend-spätsommerliche Eros weicht der juristischen Verwaltung der Lüste: Wie sah dieses Verhältnis, aus dem unter geheimnisvollen Bedingungen heraus anscheinend Morde begangen wurden, tatsächlich aus? Liebesberauschte Flüstereien aus dem Bett werden nochmals aufgesagt, stenografiert und der entsinnlicht-blanken Welt der Buchstaben zugeführt. Der Poetisierung des Exzesses folgt dessen Ernüchterung durch die Bilanz, auf deren Grundlage schließlich Recht gesprochen wird. Versachlichung und Versprachlichung, Zurkenntnisnahme und Verschriftlichung: Das körperliche Begehren füllt alsbald die Aktenberge und kommt in solcher Abstraktion endgültig zum Verschwinden. DAS BLAUE ZIMMER ist von einigen, sehr einschneidenden ästhetischen Entscheidungen geprägt. Das Bild präsentiert sich im klassischen, im Kino heutzutage ungewöhnlich anzusehenden 4:3-Format, die Musik könnte unterdessen aus einem Hollywood-Melodram alter Schule stammen – oder womöglich auch aus einem inbrünstig in der Schattenwelt glühenden Film Noir. Schon mit diesen äußeren Parametern nähert sich Mathieu Amalric in diesem überhitzt-unterkühlten Seitensprung-Gerichtsthriller dem Terrain des klassischen Hollywoodkinos an. So ist denn auch die Geschichte vom Mann, der sich und sein Leben an eine Frau, die plötzlich in sein Leben tritt, verschwendet und sich unversehens in den Fängen der Justiz wiederfindet, ein klassischer Film-Noir-Stoff, den Amalric allerdings aus dem Chiaroscuro des Schwarzweiß hebt und über weite Strecken in die golden leuchtenden Farben des Spätsommers kleidet. Entsprechend noiresk verschlungen und verschachtelt erzählt Amalric seine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Georges Simenon denn auch: Das offenkundig stattgefundene Verbrechen entzieht sich dem Publikum lange Zeit ähnlich wie dem erstaunten Julien, der lange Zeit nicht begreifen kann, in welchem Spinnennetz er sich hier verfangen hat. Das Gericht wird dabei in einer schlussendlichen resignativen Volte zur Kathedrale, der Rechtsspruch wird zur Eheschließung, die Handschellen zu Eheringen: Bis dass der Tod uns scheidet, für immer Dein. Mit seinem sinnlich-tastenden, ernüchternd-zynischen, auf angenehm niedriger Stufe brodelndem Arthouse-Thriller hat Mathieu Amalric eines der ersten großen Highlights des noch jungen Kinojahres vorgelegt. D Thomas Groh

Start am 2.4.2015 ¢ Filmrauschpalast ¢ filmkunst66 DF

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Mathieu Amalric, who directs and stars in the film, throws himself headfirst into an adulterous adventure – an Amour fou coupled with Femme Fatale followed by a bitter epilog and a legal investigation. A noir based on a novel by Georges Simenon.

Originaltitel: La chambre bleue D Frankreich 2014 D 75 min D R: Mathieu Amalric D B: Georges Simenon D K: Christophe Beaucarne D S: François Gédigier D M: Grégoire Hetzel D D: Mathieu Amalric, Léa Drucker, Laurent Poitrenaux, Stéphanie Cléau, Mona Jaffart D V: Arsenal Filmverleih / Central Film

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INDIEFEATURE Mit sechs Jahren besucht Andreas Marquardt erstmals den Kampfsportunterricht. Das harte Training, das auf eiserne Selbstdisziplin setzt, ist für ihn Fluchtmöglichkeit und Perspektive zugleich. Die frühen sportlichen Erfolge fördern auch das männliche Selbstbewusstsein des Jugendlichen, der seit früher Kindheit den Attacken seines sadistisch-gewalttätigen Vaters und dem als Liebesbeweis getarnten sexuellen Missbrauch durch seine Mutter ausgeliefert ist. Der Sport härtet ihn ab, und zeigt ihm Wege auf, sich zur Wehr zu setzen, doch als er Anfang zwanzig mit der Neuköllner Halbwelt in Berührung kommt, öffnet sich mit dieser neu gewonnenen Kraft auch das Tor zur dunklen und destruktiven Seite. Der Karateweltmeister wird brutaler Schläger und Geldeintreiber und schließlich zum deutschlandweit gefürchteten Zuhälter. Die jungen Frauen, die er für seine Zwecke anwirbt und auf den Strich schickt, bekommen seine jahrelang antrainierte Gefühlskälte zu spüren, er erniedrigt sie und nutzt sie aus – sein „Hass­ programm gegen Frauen“ nennt Marquardt das heute. Viele Jahre kann er auf diese Weise seine Machenschaften fortschreitend weiterverfolgen,

HÄRTE

Hölle in Neukölln

wie er mittlerweile selbst verständnislos reflektiert: „Desto brutaler und unnahbarer ich war, desto mehr sind die Frauen mir hinterhergerannt.“ Zu diesen Frauen gehört auch Marion Erdmann, seine heutige Lebensgefährtin, die sich Marquardt scheinbar bedingungslos und bis zur Selbstaufgabe hingibt. Dass sie heute immer noch mit ihrem einstigen Zuhälter zusammenlebt, ist auf die Wendung ihrer beiden, bis dahin so aussichtslos zerstörerischen, Lebensgeschichten zurückzuführen, von der Filmemacher Rosa von Praunheim in HÄRTE erzählt. Nach zwei mehrjährigen Haftstrafen offenbart sich Marquardt dem Psychologen Jürgen Lemke, mit dem er gemeinsam auch seine vielbeachtete Autobiographie HÄRTE – MEIN WEG AUS DEM TEUFELSKREIS DER GEWALT veröffentlicht. Lemkes Therapie ermöglicht es Marquardt, ein neues Ventil für seine traumatischen Kindheitserlebnisse zu finden und die Chance zu nutzen, das Steuer seines Lebens, das bis zu diesem Zeitpunkt unaufhaltsam auf den Abgrund zu lenkt, noch einmal herumzureißen. Er zieht sich aus dem Milieu zurück, bleibt seinem alten Kiez jedoch treu und setzt sich mit seiner Kampfsportschule, die Marion während seines Gefängnisaufenthalts weitergeführt hat, für sozial benachteiligte Kinder- und Jugendliche ein. Schließlich wird er sogar für sein vorbildliches Engagement gegen Missbrauch und Gewalt ausgezeichnet, und selbst Papst Franziskus lädt ihn zur Audienz nach Rom ein. Ein Stoff mit Happy End also, der wie gemacht ist für die Filmerzählung. Rosa von Praunheim adaptiert die brutal offene und verstörende

Deutschland 2015 D 89 min D R: Rosa von Praunheim D B: Rosa von Praunheim, Nico Woche, Jürgen Lemke D K: Nicolai Zörn, Elfi Mikesch D S: Rosa von Praunheim D M: Andreas M. Wolter D D: Hanno Koffler, Luise Heyer, Katy Karrenbauer, Andreas Marquardt, Marion Erdmann, Rüdiger Götze D V: missingfilms

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Autobiographie in einer Mischung aus dokumentarischem und fiktionalem Erzählen. Darin kontrastiert er die Kommentare Marquards und Erdmanns mit stilisierten und überwiegend im Low-Key-Stil des Noir-Films ausgeleuchteten Spielszenen. Aufgrund des grandios-eindringlichen Schauspiels seiner Protagonisten Hanno Koffler (Marquard), Luise Heyer (Erdmann) und Katy Karrenbauer (Mutter) erreicht seine Verfilmung damit eine kammerspiel­gleiche Intensität, die für das Werk des Regisseurs bislang einzigartig ist. Der dokumentarische und der inszenierte Teil stehen dabei rätselhaft irreal nebeneinander, sind kaum miteinander zu vereinbaren und repräsentieren genau dadurch auch die kaum zu vereinbarenden Lebenswelten des Andreas Marquardt. Der heute so freimütig und positiv berichtende Protagonist lässt die Hölle seiner Vergangenheit für Zuhörer wie einen bösen Traum erscheinen. Neben einer für sich genommen ohnehin schon spannenden Lebensgeschichte arbeitet Praunheim in HÄRTE die existenziellen Dualismen des Lebens heraus und offenbart dadurch, dass die Grenzen im Spannungsfeld zwischen Opfer und Täter, Hingabe und Selbstaufgabe, Liebe und Missbrauch stets durchlässig sind und eines konstanten Abgleichs bedürfen. Während Andreas Marquardt in seiner neuen Arbeit die Verantwortung der Gesellschaft für den Schutz der Schwächeren in den Mittelpunkt stellt, ist Praunheims HÄRTE vor allem auch ein Plädoyer für die zweite Chance, die Möglichkeit zu Resozialisation und Neuanfang, die jeder Mensch verdient. D Jens Mayer

Ein kluges und bewegendes persönliches Porträt. Ein Film, der die richtigen Fragen stellt. FBW-PR ÄDIK AT »BESONDERS WERT VOLL«

Start am 23.4.2015 ¢ b-ware!ladenkino ¢ Hackesche Höfe Kino ¢ Sputnik Kino ¢ Xenon Kino

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At six years of age Andreas Marquardt visited a martial arts class for the first time. What became of the boy who was beaten by his father and sexually abused by his mother was a feared thug and pimp. Years later Marquardt starts therapy.

Ab 23. April im Kino


INDIEKRITIKEN Deutschland 2014 D 96 min D R: Gerd Kroske D B: Gerd Kroske D K: Anne Misselwitz D S: Karin Gerda Schöning D M: Klaus Janek D V: Salzgeber

STRICHE ZIEHEN Punk und Stasi

Striche ziehen: Ein Strich gezogen wird 1986 von einer Gruppe von Freunden, allesamt aus der DDR nach Westberlin gekommen, in Schulterhöhe entlang der Mauer. Die komplette Mauer soll so markiert, durchgestrichen werden, dazu sind sie mit Malerrolle, Farbeimern und Zelten angerückt. In der Nähe des Potsdamer Platzes, an einer Stelle auf der die Mauer beidseitig völlig auf DDR Gebiet liegt, stürzen drei Grenzpolizisten durch eine Tür, verhaften einen der Künstler, der daraufhin in Bautzen landet. Die Kunstaktion mit bitterem Ende ist eine Grundszene des Films, sein eigentliches Interesse gilt einer Verwicklung dahinter. Als zwei an der Aktion beteiligte für eine Ausstellung recherchieren, stellt sich einer der Mitstreiter, Jürgen Onißeit, Bruder eines weiteren Gruppenmitglieds, als ehemaliger Zulieferer der Staatssicherheit heraus. Das war 2010, Gespräche hat es zwischen ihm und den anderen seither nicht mehr gegeben. In der filmischen Nachforschung konzentriert sich Kroske zunächst nicht auf das, was die anderen als Verrat empfinden müssen. Die Punkszene Weimars, aus der die Gruppe stammt, wird evoziert, das frühe Engagement, widerständig bis dadaistisch „Macht aus dem Staat Gurkensalat“ vermessen. Anfang der Achtziger Jahre. Es gibt die ersten Verhaftungen, und Onißeits Arbeit für die Stasi beginnt. Krose versucht ihn, so wie die andere Beteiligte zur (semi-) öffentlichen Reflexion zu bewegen. Um die Markierung einer Schuld, darin ist der Film ein Verwandter von Annekatrin Henkels ANDERSON, geht es STRICHE ZIEHEN weniger, als darum einen Raum zu öffnen in dem der Komplex Staatssicherheit in seinen biografischen Dimensionen jenseits der Kategorien gedacht werden kann, die sich die bundesdeutsche Öffentlichkeit post Wiedervereinigung dafür zurecht gelegt hat. Kroskes Versuch sich als Katalysator in Onißeits Schweigen gegenüber seinen ehemaligen Freunden einzulassen erweist sich dennoch als schwierige Herausforderung. D Sebastian Markt

Start am 23.4.2015 ¢ b-ware!ladenkino ¢ Tilsiter Lichtspiele, am 26.4. Filmgespräch mit Gerd Kroske

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1986. Three friends from the East, now living in West Berlin, plan to cross out the wall by drawing a line along the whole construction. One of them is arrested by a GDR border patrol. Did one of them snitch? The film searches for traces of their relationship in the eighties punk scene in Weimar.

Deutschland/Italien/Niederlande/Griechenland/Bosnien-Herzegowina 2014 D 83 min D R: Syllas Tzoumerkas D B: Youla Boudali, Syllas Tzoumerkas D K: Pantelis Mantzanas D S: Kathrin Dietzel D M: Drogatek D D: Aggeliki Papoulia, Efthymis Papadimitriou, Vassilis Doganis, Maria Filini, Themis Bazaka D V: Real Fiction

A BLAST – AUSBRUCH Eine Griechin schmeißt hin

Eine junge Frau rast im Auto durch die Nacht, ein Wald brennt. Mit einer Explosion beginnt und endet der wütende griechische Film A BLAST – AUSBRUCH von Syllas Tzoumerkas. Dazwischen wird in schnellen ruppigen Episoden aus dem Leben der jungen Frau, Maria, erzählt. Maria, die von Angeliki Papoulia (DOGTOOTH, ALPS), gespielt wird, ist jung, energiegeladen und optimistisch. Sie will etwas vom Leben: Studieren, Kinder und Yiannis, den Seemann, den sie liebt. „Ich will, dass wir Kinder haben und Geld“, sagt sie einmal beim Sex zu Yiannis. Aber das Leben will auch eine Menge von ihr, von allen Seiten zerrt es an ihr. Yiannis ist immer auf See und nie zuhause. Die Eltern schaffen es nicht mehr, den kleinen Laden zu führen und ihre Steuern haben sie schon seit Ewigkeiten nicht gezahlt. Die etwas einfältige Schwester und ihr rechtsradikaler Unternehmerfreund fühlen sich nicht zuständig, also schmeißt Maria das Jurastudium und hilft. Das Mühlrad der Verpflichtungen dreht sich schneller und schneller, bis nur noch eine Explosion es aufhalten kann. A BLAST – AUSBRUCH erzählt in abgehackten Szenen, in denen die Personen mehr aufeinanderprallen, als dass sie sich begegnen. Marias Begegnungen mit der Schwester sind hyperaktiv und überdreht, die mit den Eltern führen immer zum Streit, die mit dem Ehemann sind purer Sex. Alles ist lose chronologisch aber kaum miteinander verbunden. Keine Kontinuität, kein Vertrauen, kein Zusammenhalt, nirgends. Um psychologische Glaubwürdigkeit schert sich A BLAST nicht, dennoch erscheint der Film erschreckend dicht an der Wirklichkeit. Tzoumerkas‘ Film schildert weniger die persönliche Entwicklung einer Frau als einen rundum desolaten Zustand, den die vorausgehenden Generationen verschuldet haben und von dem die nachkommenden Generationen nun zermalmt werden. D Hendrike Bake

Start am 16.4.2015 ¢ b-ware!ladenkino ¢ fsk-Kino am Oranienplatz OMU ¢ Hackesche Höfe Kino OMU , am 12.4. Premiere um 20 Uhr OMU

This angry Greek film, A BLAST, uses the story of a young woman to paint a gloomy state of affairs created by one generation, whose debts and financial troubles are crushing the next generation.

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INDIEKRITIKEN USA/Großbritannien 2015 D 120 min D R: John Madden D B: Ol Parker D K: Ben Smithard D M: Thomas Newman D D: Maggie Smith, Judi Dench, Bill Nighy, David Strathairn, Celia Imrie, Richard Gere, Dev Patel, Ronald Pickup, Tamsin Greig, Lillete Dubey, Penelope Wilton, Diana Hardcastle, Tena Desae D V: Twentieth Century Fox

BEST EXOTIC MARIGOLD HOTEL 2 Saved by Dev Patel

Auf Englisch trägt das BEST EXOTIC MARIGOLD HOTEL 2 den verschmitzten Titel SECOND BEST EXOTIC MARIGOLD HOTEL, was man nicht nur als das „zweite“ sondern auch als das „zweitbeste“ Exotic Marigold Hotel lesen kann. Für ein Sequel ist das ein mutiger Name, und tatsächlich ist der Film alles, was Teil 1 auch schon war – sonnig, verspielt und mit der Crème de la Crème des englischen Schauspieleradels besetzt – nur eben nicht ganz so gut. Das BEST EXOTIC ist immer noch ein ziemlich heruntergekommenes Hotel im indischen Jaipur, in dem eine Gruppe exzentrischer Engländer unter der Aufsicht des hyperaktiven jungen Hotelbesitzers Dev Patel und seiner ruppigen Mutter Lillete Dubey ihren Lebensabend verbringt. Judy Dench und Bill Nighy sind immer noch charmant und dezent in einander verliebt und trauen sich nicht, den entscheidenden Schritt zu gehen, während Celia Imrie und Ronald Pickup es mit den unterschiedlichsten Affären versuchen. Tom Wilkinson, der sich in Teil 1 als homosexuell outete und seine Jugendliebe wiederfand, fehlt. Dafür zieht Richard Gere als neuer mysteriöser Gast ein und bringt die Fantasien der Anwesenden in Schwung. Die unterschiedlichen Handlungsstränge sind unterschiedlich glaubwürdig und zum Teil ziemlich an den Haaren herbei gezogen. Das macht aber nichts, denn getragen wird der Film ohnehin von einer sarkastischen Maggie Smith als zur souveränen Hotelmanagerin aufgestiegenen Ex-Putzfrau und von Dev Patel, der sich hier als großes Komödientalent offenbart und sicher demnächst eine rasante Karriere hinlegen wird. Patel (SLUMDOG MILLIONAIRE) dabei zuzusehen, wie er in der Rolle des Sonny durch den Film stolpert, immer ein bisschen zu enthusiastisch, meistens auf dem völlig falschen Dampfer, und mit einem Lächeln, das Schnee zum Schmelzen bringen kann, ist eine reine Freude. D Toni Ohms

Start am 2.4.2015 ¢ b-ware!ladenkino DF + OMU ab ca. 16.4. ¢ Bundesplatz Kino DF + OMU ¢ Eva Lichtspiele DF + OMU ¢ Sputnik Kino DF + OMU ab 23.4. ¢ Union Filmtheater DF ab 30.4.

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The BEST EXOTIC MARIGOLD HOTEL is still a run-down hotel in India’s Jaipur where a group of eccentric Englanders, played by the crème de la crème of British actors spend their twilight years. A new guest this time round: Richard Gere.

Originaltitel: The Little Death D Australien 2014 D 95 min D R: Josh Lawson D B: Josh Lawson D K: Simon Chapman D S: Christian Gazal D M: Michael Yezerski D D: Bojana Novakovic, Lachy Hulme, Damon Herriman, Josh Lawson, Ben Lawson, Lisa McCune, Patrick Brammall, Tasneem Roc, Kate Mulvany, Kate Box D V: Weltkino Filmverleih

DER KLEINE TOD. EINE KOMÖDIE ÜBER SEX. „I want you to rate me”

„La petite mort“ – zu Deutsch: der kleine Tod – ist eine Bezeichnung der Franzosen für den Orgasmus. Passenderweise ist das Anfangsbild von DER KLEINE TOD sehr sinnlich: Von links ragen nackte Frauenfüße in einer Nahaufnahme ins Bild, an deren Zehen ein Mann lutscht. Der Hang zu Frauenfüßen ist nur einer der Fetische, die der Episodenfilm anbringt. Das Regiedebüt des australischen Schauspielers Josh Lawson, der auch eine der Hauptrollen verkörpert, stellt die sexuellen Vorlieben einiger Pärchen und die damit verbundenen Beziehungsprobleme ins Zentrum. Weit verbreitete Fantasien wie erotische Rollenspiele treffen auf eher rare Fetische wie die sexuelle Erregung durch den Anblick einer weinenden oder schlafenden Person. Und mittendrin stapft ein Sexualstraftäter durch die Nachbarschaft, der bis zuletzt nebulös bleibt. Mit der Episodenstruktur und dem frivolen Thema erinnert die teils schwarzhumorige Komödie ein bisschen an WAS SIE SCHON IMMER ÜBER SEX WISSEN WOLLTEN von Woody Allen, und tatsächlich bietet DER KLEINE TOD mit seinen charmanten Figuren, den pointierten Dialogen und einigen Überraschungsmomenten gelungene Unterhaltung. Die fehlgeleitete Kommunikation markiert in jeder der Episoden, die sich mitunter überkreuzen, die Wurzel allen Übels. So offenbart eine Frau ihrem Liebhaber in der ersten Szene nach einigem Herumdrucksen ihre sexuelle Fantasie: „I want you to rape me.“ Doch der Mann versteht: „I want you to rate me.“ Der kurze Dialog bis zur Aufklärung des Missverständnisses steckt voller Komik und bringt die schiefe Kommunikation, die alle Pärchen auf je eigene Weise belastet, auf den Punkt. Der in punkto Nacktheit übrigens sehr zurückhaltende Film bietet bis zum verspielten Abspann einige Höhepunkte, die ihn insbesondere für einen zweisamen Kinoausflug empfehlen. D Christian Horn

Start am 9.4.2015 ¢ b-ware!ladenkino ¢ Bundesplatz Kino

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The directorial debut of Australian actor Josh Lawson. A film about the sexual proclivities of four couples and their ensuing relationship problems. Common fantasies like erotic role playing meet obscure sexual fetishes.

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INDIEKRITIKEN USA 1985 D 91 min D R: Michael Herz, Lloyd Kaufman D B: Lloyd Kaufman D K: Lloyd Kaufman, James A. Lebovitz D S: Richard W. Haines D D: Mitch Cohen, Andree Maranda, Cindy Manion, Mark Torgl D V: dropout cinema

THE TOXIC AVENGER (WA) Tromas Hauptwerk wieder im Kino

Deutschland 2015 D 107 min D R: Valentin Thurn D B: Valentin Thurn, Sebastian Stobbe D K: Hajo Schomerus D S: Henk Drees D M: Dürbeck & Dohmen D V: Prokino Filmverleih

10 MILLIARDEN – WIE WERDEN WIR ALLE SATT? Versuch einer Antwort

Troma war eine Produktionsfirma, die billigste Z-Filme drehte, bei denen es im Kern darum ging, jedem auf den Schlips zu treten. In den Troma-Produktionen verband sich der Punk-Zeitgeist mit allen möglichen anderen Zeitgeistern, von denen einige auch damals schon einen ordentlichen Exorzismus verdient gehabt hätten. Titten, Gewalt, rassistische, sexistische und homophobe Witze (oder Witze über Sexismus, Gewalt, Rassismus und Homophobie, je nach Perspektive), Splapstick-Splatter und generell schlechter Geschmack waren Programm, wurden aber zugleich so sehr auf die Spitze getrieben, dass die Filme als Parodie ihrer selbst und ihres Genres gesehen werden konnten. In vieler Hinsicht ist vor allem THE TOXIC AVENGER ein Vorläufer des Mainstream-Kinos von heute. Superhelden-Filme dominieren heute viel mehr als in den achtziger Jahren die Leinwände. Der selbstironische Fanboy-Humor von Troma-Filmen hat sich auch in Großproduktionen durchgesetzt, genau wie die Praxis, hemmungslos Gags, Einstellungen und ganze Szenen aus älteren Filmen abzukupfern. THE TOXIC AVENGER erzählt von einem harmlosen Trottel, der in ein grün blubberndes Fass mit Atommüll fällt und zum unbesiegbaren Rächer wird. Wichtiger als der schwachsinnige Plot sind die schwachsinnigen Kameraeinstellungen, die schwachsinnigen Witze, die vom schlechten alten Schwiegermutter-Scherz bis zu pubertärem Genitalquatsch (gefühlt mindestens alle zwei Minuten) reichen. Es gibt Leute, die finden „TOXIE“ total super, Kult, etc. Ich persönlich finde alle Troma-Produktionen so vollidiotisch, unerträglich, megadeppert und hirnlos wie 14-jährige Teenager mit Colaflaschen voller Wodka-Red Bull. TOXIE hat nicht nur die Horrorszene über Jahrzehnte in den Totalschrott getrieben, seine entsetzlichen Folgen sind immer noch zu spüren. Wer unbedingt muss, kann sich das ja mal ansehen. Vielleicht muss man da durch. D Tom Dorow

Start am 2.4.2015 ¢ Filmrauschpalast

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THE TOXIC AVENGER is one of the most successful films released by the infamous Troma Entertainment, known in the 1980s for producing low-budget B movies.

Vor vier Jahren machte sich Valentin Thurn in TASTE THE WASTE auf die Suche nach den Ursachen und Folgen der maßlosen Verschwendung von Nahrungsmitteln in unserer Gesellschaft: unglaubliche 50 Prozent werden nämlich – oft noch vor Ablauf des Verfallsdatums – entsorgt, vernichtet, weggeworfen. In seinem neuen Dokumentarfilm geht Thurn nun einer verwandten Fragestellung nach. In wenigen Jahren wird die Weltbevölkerung auf 10 Milliarden angewachsen sein. Wird es möglich sein, genug Essen für all diese Menschen zu produzieren? Um Antworten auf seine Frage zu finden, reist Thurn um die Welt und besucht Nahrungsmittelproduzenten, Wissenschaftler, Großbauern und Ökoprojekte. Alle sind sich des Problems bewusst und interessanterweise glauben alle, sie hätten die Lösung parat. Bei Bayer ist man sich sicher, die Welternährung mit genveränderten Pflanzen sichern zu können, bei der „Kali + Salz AG“ setzt man auf Chemiedünger und die Professoren Haruhiko Murase (Osaka) und Mark Post (Maastricht) werkeln in gespenstisch klinischen Laboren an komplett künstlich erzeugten Nahrungsmitteln. Thurn hört sich ihre Argumente freundlich an, stellt ihnen aber die Auswirkungen der industriellen Produktion gegenüber: die Schrecken der Massentierhaltung, die Vernichtung landwirtschaftlicher Flächen durch Futteranbau, die Abhängigkeit der Kleinbauern von Saatgutlieferanten. Thurns Herz gehört den regionalen und ökologischen Projekten, wie der Saatgutbank im indischen Balasore, dem urban gardening Projekt „Growing Power“ von Ex-Baseball-Star Will Allen oder der Initiative „Incredible Edible“ aus England, die überall im Stadtgebiet Nutzpflanzen für alle anbaut. Thurn ist überzeugt: auch wenn die Bio- und Selbstversorger-Projekte auf den ersten Blick weniger ertragreich sind, sind sie der einzige Weg, die Ernährung der Welt zu sichern. D Toni Ohms

Start am 16.4.2015 ¢ b-ware!ladenkino ¢ Acud Kino ¢ Eva Lichtspiele ¢ Hackesche Höfe Kino, am 11.4. um 20 Uhr Preview mit Diskussion in Anwesenheit von Valentin Thurn ¢ Sputnik Kino

In his documentary Valentin Thurn (TASTE THE WASTE) asks how it is possible to produce enough food for the world’s human population, which in this century will reach 10 billion.

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USA 2014 D 106 min D R: Tim Burton D B: Scott Alexander, Larry Karaszewski D K: Bruno Delbonnel D S: JC Bond D M: Danny Elfman D D: Danny Huston, Jason Schwartzman, Christoph Waltz, Amy Adams, Terence Stamp, Krysten Ritter D V: StudioCanal

BIG EYES

Im Land der Alptraumbilder

Die Malerin Margaret Keane ist in den 60er-Jahren in den USA ein Star. Mit ihren Kinderporträts trifft sie den Massengeschmack, ihre Bilder hängen in Wohnzimmern und Arztpraxen. Und trotzdem ist sie als Künstlerin völlig unbekannt, denn ihr Mann Walter gibt sich als Schöpfer der Gemälde aus. „Kunst von Frauen verkauft sich nicht“, ist sein Argument, und der kommerzielle Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Doch das Leben im Luxus erweist sich für Margaret als Alptraum: während sich Walter im Rampenlicht sonnt und ein Lügengerüst entwirft, an das er bald selbst glaubt, führt Margaret ein Schattendasein und malt ein Bild nach dem anderen – ohne dafür die Anerkennung zu bekommen, nach der sie sich als Künstlerin so sehr sehnt. „Nach einer wahren Geschichte“ heißt es zu Beginn von BIG EYES und das klingt zunächst ganz und gar nicht nach Tim Burton mit seinem Faible für das Düstere und Groteske. Doch dann sieht man die Gemälde von Margaret Keane: Bilder von Mädchen und Jungen mit „verrückt großen Augen“. Diese Kinder haben schon zu viel gesehen, sind Aliens oder entstammen direkt dem Tim Burton-Universum. Darüber hinaus stellt Burton wie in seinen frühen Filmen eine Künstlerfigur in den Mittelpunkt, für die die zeitgenössische Kritik nichts als Häme übrig hatte. BIG EYES ist also mehr ED WOOD als SWEENEY TODD, allerdings mit neuen Gesichtern. Statt Johnny Depp nun Christoph Waltz, der Walter als diabolischen Charmeur mit breitem Dauergrinsen gibt und Amy Adams in der Rolle seiner zaghaften Gattin fast erdrückt. Ihre Margaret ist eine Frau, die tut, was der Mann im Hause sagt, bis sie der Mut der Verzweiflung packt. BIG EYES erzählt die Emanzipationsgeschichte einer Frau, die um ihre individuelle und künstlerische Freiheit kämpft – und sei es die Freiheit, morbiden Kitsch zu malen. D Kirsten Taylor

Start am 23.4.2015 + ¢ b-ware!ladenkino ab Ende April ¢ Hackesche Höfe Kino OMU DF

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In BIG EYES, as in ED WOOD, Tim Burton focuses once again on a reallife artist reviled by the contemporary art world.

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INDIEKINOS

ACUD KINO


INDIEKINOS INDIEPREMIEREN

ACUD KINO Alternativ in Mitte

Das Acud Kino ist ein Kind der wilden Nachwendezeit, als in Mitte und Prenzlauer Berg jeden Tag ein neuer Club eröffnete, ohne Genehmigung, ohne Notausgänge, ohne Businessplan und ohne Marketing. Als wir am Dienstag in der Dienstagsbar waren und am Mittwoch in der Mittwochsbar und am Freitag im Eimer. Das Acud gehörte zu den allerersten: Silvester 1989, unmittelbar nach dem Mauerfall, gründete sich mit der „autonomen Galerie Acud“ die Keimzelle des „Künstlerhauses Acud“, das zwei Jahre später in der Veteranenstraße aufmachen sollte. Im neuen Gebäude kamen zur Kunst noch Off-Theater, Mädchenclub, DachbodenArtAktion, Sessioncafe, der Club und eben das Acud Kino hinzu, das zunächst unter dem Motto „Kino ist das Höchste“ im 4. Stock des Hauses residierte. Später zog das Kino in die Remise um und wurde auf zwei Säle erweitert (78 und 35 Plätze). Seit 2013 agiert es als eigenständige Firma.

Im Jahr 2010 stand das Acud Haus dann plötzlich auf der Kippe: zwar hatte der Verein das Gebäude 2001 erwerben und mit Hilfe von Fördergeldern, Krediten und viel Eigenbeteiligung sanieren können, aber die veränderte Besucherstruktur im Kiez machte den Betreibern zu schaffen. Nach jahrelangen zähen Verhandlungen konnte mit Hilfe des Vereins „Acud Macht Neu“ Ende 2013 eine Lösung gefunden werden, die den Bestand des Hauses als unabhängiger Kulturort bis 2035, also zumindest mal für die nächsten 20 Jahre, sichert. Inzwischen ist das Acud eine der letzten Enklaven alternativer Kultur in Mitte. In den 25 Jahren seines Bestehens hat das Kino den rasanten Wandel das Stadtbezirks und seiner Bevölkerung erlebt und überlebt. D 22

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Inhaltlich ist sich das Acud Kino treu geblieben. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf dem deutschen und europäischen Arthouse-Kino, das inzwischen rund 80 Prozent des Angebots ausmacht. Jeden Tag werden sechs unterschiedliche Filme gezeigt, davon ist mindestens einer ein Dokumentarfilm. Ein besonderes Faible des Acud sind die zahlreichen Kurzfilmreihen, die hier präsentiert werden. Monatlich gibt es die SHORTS ATTACK-Reihe mit wechselnden Themen, aber auch die britischen Reihen BRITISH SHORTS und FUTURE SHORTS. Das polnische Kutzfilmfestival SHORT WAVES, das litauische Kurzfilmprogramm LITAUEN GOES BERLIN und die Reihe DEUTSCHER KURZFILM UNTERWEGS laufen im Acud ebenso wie das Kurzfilmfestival INTERFILM. Natürlich nimmt das Kino am internationalen Kurzfilmtag im Dezember teil. Eine ganze Reihe von Länder- und Themenfestivals präsentieren sich im Acud, so das britische BRITSPOTTING, das finnische Festival MOI SUOMI und das spanische CINESPAÑOL. Zu den größten Leistungen des Acud gehört aber die Gründung eines eigenen globalisierungskritischen Festivals. Die GLOBALE wurde 2003 gegründet und fand zuletzt 2013 statt. Als nächster Termin ist der Winter 2015/2016 geplant. Das politische Engagement des Acud zeigt sich auch in zahlreichen anderen Festivals und Reihen, von der regelmäßigen Filmreihe in Zusammenarbeit mit der Cinema for Peace Foundation, über das Filmprogramm zur 1. Alternativen Rohstoffwoche 2013. Das Acud kooperiert immer wieder auch mit der Heinrich Böll Stiftung, der Stiftung Nord Süd Brücken, Lobby Control e.V., attac, Lateinamerika Nachrichten e.V., FDCL e.V., Terre des Femmes und der Stiftung Umverteilen. Woher der kryptische Name des Kulturhauses Acud kommt, soll ACUD KINO übrigens geheim bleiben. Wer es Veteranenstr. 21, 10119 Berlin Telefon: 030/44 35 94 98, wissen möchte, geht am besten Mail: kino@acud.de, www.acudkino.de einfach mal im Acud vorbei und U8, M1 Rosenthaler Platz, M8/12 Brunnenstr./ fragt nach ... D Text: H. Bake/T. Dorow, Bilder: Marei Wenzel

Invalidenstr., S1/2 Nordbahnhof


INDIEKRITIKEN Frankreich/Tschad 2013 D 101 min D R: Mahamat-Saleh Haroun D B: Mahamat-Saleh Haroun D K: Antoine Héberlé D S: Marie-Hélène Dozo D M: Wasis Diop D D: Youssouf Djaoro, Cyril Gueï, Souleymane Démé, Anaïs Monory, Marius Yelolo D V: temperclayfilm

GRIGRIS’ GLÜCK Außenseiter im Tschad

Ein Film Noir aus dem Tschad. Grigris ist der Künstlername des Tänzers Souleyman, der nachts mit seinen spektakulären Performances die Nachtclubs von N’Djamena begeistert. Dabei sind Souleyman die Folgen von Polio deutlich anzusehen, aber er kompensiert sie mit Nonchalance und Kraft. Tagsüber hilft Grigris seiner Mutter, einer Wäscherin und Schneiderin, und seinem Stiefvater, einem Fotografen. Als der Stiefvater krank wird, kann die Familie die Krankenhausrechnung nicht mehr bezahlen und Grigris steigt in eine Gang ein, die Benzin über die Grenze schmuggelt. Als der Gangsterboss Grigris Freundin, die Prostituierte Mimi, beleidigt, beschließt Grigris, ihn übers Ohr zu hauen, um mit einem Schlag alle Sorgen los zu sein. Mimi und Grigris fliehen in ein abgelegenes Dorf, in dem sie erstaunliche Solidarität erleben. Mahamat-Saleh Haroun ist der international bekannteste Filmemacher des Tschad. Für GRIGRIS’ GLÜCK gewann er in Cannes den Vulkan-Preis für die beste künstlerische Umsetzung. GRIGRIS zeigt en passant gesellschaftliche Realitäten des Tschad, wie den Umstand dass Benzinschmuggel ein lukratives Geschäft zu sein scheint, obwohl der Tschad selbst Öl fördert. Souleymane Demes Tanzperformances verbergen seine Behinderung nicht, sondern stellen sie aus, ohne an Eleganz zu verlieren. Einmal hält Grigris sein gelähmtes Bein in der Hand wie eine Maschinenpistole. Seine Freundin Mimi sieht aus wie ein Modell, aber als Prostituierte, die weiße Investoren bedient, ist sie in der Stadt gesellschaftlich geächtet. Haroun macht Gegensätze deutlich: der Brutalität und Verlogenheit des islamisch geprägten Stadtlebens, wo Gangster verlangen, dass auf den Koran geschworen wird, setzt er die schlichte, menschliche Solidarität der Dorffrauen auf dem Land entgegen – und die sinnliche, körperliche Erfahrung von Tanz und Sexualität. D Hannes Stein

Start am 9.4.2015 ¢ b-ware!ladenkino ¢ Filmrauschpalast OMU ¢ fsk-Kino am Oranienplatz OMU ¢ Hackesche Höfe Kino OMU OMU

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Grigris is a nightclub dancer in N’Djamena, the capital of Chad. He also has a shorter, partly paralyzed leg, but that doesn’t stop him from delivering sizzling performances. A film noir from Tchad with many political implications.

Originaltitel: You’re Not You D USA 2014 D 102 min D R: George C. Wolfe D B: Shana Feste, Jordan Roberts D K: Steven Fierberg D S: Jeffrey Wolf D D: Emmy Rossum, Hilary Swank, Ali Larter, Julian McMahon, Josh Duhamel, Jason Ritter D V: Koch Media

DAS GLÜCK AN MEINER SEITE Chaotische Pflegebeziehung

Für perfekt hält der erfolgreiche Anwalt seine Frau. Ihr Haus ist toll, die Gäste makellos, die Party gelungen. Alles scheint unter Kontrolle. Wäre da nicht dieses unerklärliche Zittern ihrer Hand … Anderthalb Jahre später ist Kate ein Pflegefall, fortschreitende Muskellähmung. Ihr Mann kümmert sich rührend um sie und arbeitet sich mit Perfektion und Effizienz in ihren Fall ein. Kate will jedoch nicht als Patientin gesehen werden. Sie kündigt der examinierten Krankenschwester und stellt stattdessen die chaotische Bec ein. Was zunächst Sand im Alltagsgetriebe des professionellen Ehepaars bedeutet, stellt sich bald als seelenrettend heraus. Ein Seitensprung ihres Liebsten stürzt die Gelähmte in eine tiefe Krise. Nun wird die Pflegebeziehung zur jungen Studentin zusehends lebendiger, herzlicher, aber aufgrund ihrer großen Verschiedenheit auch für beide herausfordernder. Bei aller daraus resultierenden Komik leiser als die ZIEMLICH BESTEN FREUNDE, gelingt dem GLÜCK AN MEINER SEITE zugleich ein realistisches Abbild des Lebens mit der Krankheit und ein Fragen nach dem Wesentlichen in Beziehungen. Der Originaltitel YOU’RE NOT YOU verweist auf eine Szene, in der Bec für Kate sprechen soll, sich aber gefühlsbedingt zu eigenen Aussagen hinreißen lässt, so dass Kate sie erinnert: Du bist gerade nicht Du, Du bist ich! Auch sonst sind beide Frauen oft nicht sie selbst, sondern bemühen sich, das darzustellen, was andere in ihnen sehen. Sehr klar, ohne überflüssige Zwischenszenen, arbeitet der Film heraus, wie letztlich beide lernen, der anderen ihr Eigensein zu lassen und dabei den Mut finden, mehr von sich zu zeigen. Das ist nicht das Ende aller Schwierigkeiten, aber, wie Emmy Rossum, die Darstellerin der Bec, am Ende singt: „at least I am falling forward because of you“ – immerhin falle ich wegen Dir nach vorne. D Anna Stemmler

Start am 16.4.2015 ¢ filmkunst66 ¢ Union Filmtheater DF

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Kate, the wife of a successful lawyer, is suffering from a progressive muscle paralysis. Her husband cares for her but Kate doesn’t want to be seen as a patient. She fires the nurse and instead hires the chaotic student Bec who has little experience …

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INDIEKRITIKEN Deutschland 2015 D 88 min D R: Andrea Roggon D B: Andrea Roggon D K: Petra Lisson D S: Natali Barrey, Bernd Euscher, Julia Karg D M: Helge Schneider D D: Helge Schneider D V: Piffl Medien

MÜLHEIM TEXAS – HELGE SCHNEIDER HIER UND DORT

USA 2015 D 132 min D R: Brett Morgen D B: Brett Morgen D K: Jim Whitaker, Nicole Hirsch Whitaker D S: Joe Beshenkovsky, Brett Morgen D M: Jeff Danna D V: Universal Pictures/ Arts Alliance

COBAIN: MONTAGE OF HECK Homevideos, Mixtapes, Tagebücher

Metaklamauk

In seiner „Guten Tach, auf Wiedersehen“ betitelten „Autobiographie Teil I“ berichtet Helge Schneider von dem einschneidenden Erlebnis seines ersten Konzertes, im Alter von ca. vier Jahren: „Ich bin der Größte, ganz klar, ich muss den ersten Preis bekommen. Die anderen, die da auftreten, machen mehr so Schnulzen. Und zwei mit Gitarre, Junge und Mädchen, singen was vom Lagerfeuer. Als genau die gewinnen, bricht eine Welt für mich zusammen. Beim nächsten Konzert verspiele ich mich direkt am Anfang und haue auf die Tasten und sage laut ins Mikrofon: ’Scheißearschloch.’ Ich habe das, was hinter solchen Aufführungen steckt, schnell durchschaut. Ich will nicht funktionieren, ich will kreativ sein.“ Von dort ist der Weg nicht weit zum Jazz, und der Weg dahin geht über Charly, und über ihn sagt Helge: „Alles was Charly macht ist Jazz. Seine Einzimmerwohnung ist Jazz.“ Alles was Helge Schneider macht ist auch Jazz. An Andrea Roggons Doku MÜLHEIM TEXAS lässt sich das schön nachvollziehen. Der Film zeigt Schneider vor allem bei der Arbeit, bei Vorbereitung und Dreh von 00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE, beim Proben und Komponieren, beim Mitder-Presse-reden, und nicht zuletzt, auf der Bühne, beim Witze machen, beim Musik machen ist. Dabei entsteht das Bild einer komödiantischen Sensibilität, die mit Sprache und Mitteln des Jazz mehr zu tun hat als mit der Effektivität von Gags. Immer wieder dazwischen Momente eines langen Interviews, Selbstauskünfte eines klugen Clowns, mal mehr „Ich rebelliere gegen den Irrsinn der Realität“, mal weniger naheliegend „Wenn ich aus meinem Gefängnis ausgebrochen bin, bin ich nicht frei, sondern allein.“ Einen vermeintlichen privaten Kontext für an ein Publikum gerichtete Komik freizulegen, bemüht MÜLHEIM TEXAS sich gar nicht. Eher ist ihm dran gelegen, etwas wie ein Prinzip Helge Schneider zu verdeutlichen. Ein Metaklamauk sozusagen, und ein wunderbarer obendrein. D Sebastian Markt

Start am 23.4.2015 ¢ b-ware!ladenkino ab Mai ¢ fsk-Kino am Oranienplatz ¢ Hackesche Höfe Kino

D 24

D APRIL 2015

MÜLHEIM TEXAS shows the famously quirky comedian and jazz musician Helge Schneider at work: rehearsing and composing, talking to the press, and last but not least performing his deadpan stand-up routines.

I feel stupid and contagious, here we are now, entertain us. Die griffigen Refrains und Akkorde von „Nirvana“-Songs kennt wohl jeder, der in den 90er Jahren aufgewachsen ist. Die Grunge-Band um den längst zu einer Ikone der Popkultur avancierten Kurt Cobain erlebte seit dem 1989er Debütalbum „Bleach“ einen kometenhaften Aufstieg, der mit Cobains Selbstmord im Jahr 1994 ein jähes Ende fand. Nach Gus Van Sant (LAST DAYS) und Nick Broomfield (KURT & COURTNEY) nähert sich nun Regisseur Brett Morgen dem Mythos Kurt Cobain. Den Titel entlehnt COBAIN: MONTAGE OF HECK einem Mixtape des Protagonisten, was überaus passend ist. Ohne ein Übermaß an Interviewpassagen oder einen omnipräsenten Off-Kommentar arrangiert die in Sundance uraufgeführte Doku verschiedenste Materialien aus dem Cobain-Archiv zu einem musikalischen Porträt. MONTAGE OF HECK ist der erste Dokumentarfilm über Kurt Cobain, der offiziell von den Nachkommen autorisiert wurde. Cobains Tochter Frances Bean ist sogar als Produzentin involviert und gewährte Brett Morgen den Zugang zu bislang meist unveröffentlichten Dokumenten, die viel über das Innenleben Cobains aussagen. Neben Demoaufnahmen, Gemälden und Skulpturen erzeugen vor allem Homevideos mit Courtney Love oder 8mm-Aufnahmen aus der Kindheit eine große Intimität. Ebenfalls sehr gelungen sind animierte Passagen, die sich auf Tagebucheinträge des Musikers beziehen. Im Verlauf der chronologisch aufbereiteten Doku arbeitet Morgen die innere Zerrissenheit Kurt Cobains immer nuancierter heraus. Äußerlich verehrt und höchst erfolgreich, litt der Musiker unter Minderwertigkeitsgefühlen, die in seiner Drogensucht kulminierten. Im Zentrum der facettenreichen Doku steht übrigens jederzeit Kurt Cobain und nicht die Geschichte seiner Band. D Christian Horn

Start am 9.4.2015 ¢ Sputnik Kino

OV

+

OMU

Brett Morgen’s documentary picture – the only film the Cobain family authorized – paints an intimite portrait of the Nirvana singer who killed himself at the height of success.

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INDIEKRITIKEN

IN MEINEM KOPF EIN UNIVERSUM

Originaltitel: Chce sie zyc D Polen 2013 D 112 min D R: Maciej Pieprzyca D B: Maciej Pieprzyca D K: Paweł Dyllus D S: Krzysztof Szpetmanski D M: Bartosz Chajdecki D D: Dorata Kolak, Arkadiusz Jakubik, Dawid Ogrodnik, Helena Sujecka, Mikołaj Roznerski D V: MFA+ FilmDistribution

Ich bin kein Gemüse!

Der internationale Titel von IN MEINEM KOPF EIN UNIVERSUM lautet LIFE FEELS GOOD. Dass das Leben für Mateus oder seine Eltern besonders schön ist, würde man erstmal nicht vermuten, wenn man ihn sieht. Der Junge, der an einer zerebralen Bewegungsstörung leidet, ist schwer behindert. Mateus Körper ist wie in sich verkantet. Er kann nicht sprechen und nichts greifen und sich nur in ruckhaften, kaum koordinierten Bewegungen fortbewegen, indem er über den Fußboden rutscht. Als er ungefähr sieben Jahre alt ist, diagnostizieren die Mediziner auch eine geistige Behinderung. „Ihr Sohn ist wie ein Gemüse“, sagt die Ärztin. Mateus und die Zuschauer, die an Mateus‘ Innenleben über einen Off-Kommentar teilhaben, wissen es besser. Mateus macht sich Gedanken, was sein Vater wohl arbeitet, betrachtet die Sterne und entwickelt in der Pubertät ein Rating-System für Frauenbrüste. Im Kopf ist Mateus so klar wie seine Eltern, die Nachbarn und die Ärzte, die über ihn befinden, aber er hat nicht die geringste Möglichkeit, sich verständlich zu machen. Im Lauf seines Lebens begegnet Mateus wiederholt einfühlsamen Menschen, die ahnen, dass er seine Umgebung mit wachen Augen wahrnimmt. Seine Vorgartenfreundin Anka gehört dazu und seine Eltern. Sie reden und scherzen mit ihm, wie mit seinen Geschwistern. Einmal zeigt der Vater ihm, wie ein Mann mit der Faust auf den Tisch haut, ein anderes Mal veranstaltet die Familie ein Wettrutschen auf dem Wohnzimmerfußboden. Aber eines Tages ist die Kindheit zu Ende. Anka ist weggezogen und die älter werdende Mutter schafft die Pflege des Sohnes nicht mehr.

Start am 9.4.2015 ¢ b-ware!ladenkino DF + OMU ab Ende April ¢ Bundesplatz Kino ¢ filmkunst66 DF ¢ fsk-Kino am Oranienplatz OMU ¢ Hackesche Höfe Kino OMU

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When the seriously handicapped Mateus is about seven-years-old, his doctor tells his parents that their son has such severe brain damage that he is “like a vegetable”. But Mateus is as lucid as his parents, he just doesn’t have any way to communicate this to them.

Mateus kommt ins Heim. Dort ist er nur noch einer unter vielen. Wie speziell und anders er ist, bemerkt keiner. Dass er einen eigenen Kopf und einen eigenen Willen hat, darüber macht sich niemand Gedanken – bis eines Tages eine Sprachtherapeutin in der Klink auftaucht. Sie ermöglicht es Mateus, sich mit Hilfe eines Zeichensystems zu verständigen. Nach 26 langen Jahren kann Mateus der Welt zum ersten Mal mitteilen, was er denkt. EIN MEINEM KOPF EIN UNIVERSUM, der von einer wahren Geschichte inspiriert wurde, ist angenehm zurückhaltend, fast schon kühl inszeniert. Die Kamera hält vorsichtig Abstand und lässt den Personen Raum, Musik ist sparsam eingesetzt und die Szenen im Heim sind in einer realen Institution gedreht. Auch Mateus selbst ist ein eher lakonischer Beobachter, der meist das Positive einer Situation sieht. So ärgert er sich zwar, wenn er von der verständnislosen Pflegerin im Liegen gefüttert wird, aber wenn die Schwester ein schönes Dekolleté hat, das dabei gut zur Geltung kommt, ist das auch ganz schön. Die Zurückhaltung gibt dem Zuschauer Gelegenheit, sich selbst im eigenen Tempo in Mateus‘ Situation hinein zu fühlen, die einerseits natürlich sehr speziell ist, andererseits aber auch sehr grundsätzlich menschlich. Anders als in vielen Filmen über Menschen mit Behinderung geht es in IN MEINEM KOPF EIN UNIVERSUM nicht darum, dass Mateus ein „normales“ Leben führen könnte, oder das er trotz seiner Behinderung außergewöhnliche sportliche oder künstlerische Leistungen vollbringen und damit ein vollwertiges Mitglied der Leistungsgesellschaft sein kann. Es geht schlicht darum, dass sich jemand verständigen möchte und das nicht kann. Mateus Problem ist, wie durch ein Vergrößerungsglas betrachtet, ein Problem menschlicher Kommunikation, das jeder schon erlebt hat. Um sich als Teil der Welt zu fühlen, ist es notwendig, wahrgenommen zu werden und eine Wirkung zu haben. Sprechen (oder schreiben, malen, zeigen) zu können, ist ein mächtiger Zauber und zu erleben, dass das Ausgesprochene die Welt verändert, ist ein Wunder. Von diesem Wunder erzaählt IN MEINEM KOPF EIN UNIVERSUM. D Hendrike Bake APRIL 2015 D

25 D


Deutschland 2014 D 72 min D R: Helen Simon D B: Helen Simon D K: Carla Muresan D S: Nina Ergang D M: Konstantin von Sichart D V: Basis-Film Verleih

NIRGENDLAND Dokumentation einer Tragödie

www.alfilm.de

6. Arabisches Filmfestival Berlin

Langsam nähert sich die Kamera dem Einfamilienhaus, die schleichende Bewegung, die den Blick der Zuschauer lenkt, verheißt nichts Gutes. Auf den ersten Blick repräsentiert dieses beschauliche Zuhause vielleicht das perfekte Idyll, doch hinter den Wänden fällt diese Illusion in sich zusammen und offenbart eine ungeheuerliche Familientragödie, die sich durch Generationen zieht. Tina erzählt zunächst erstaunlich gefasst und reflektiert von ihrem Schicksal, dem Missbrauch durch ihren Vater, dem sie seit frühester Kindheit schutzlos ausgeliefert war, den sie über sich ergehen hat lassen und lange verdrängt hat, weil sie ihn nicht wahrhaben und sich ebenfalls der Illusion von der vollkommenen Familie hingeben wollte. Als sie selbst Mutter einer Tochter wird, will sie alles besser machen und ist dabei blind für das Offensichtliche, denn der Täter vergreift sich auch an seinem Enkelkind. Tinas scheinbar so lebensfrohe Tochter Sabine verschweigt den Missbrauch ebenfalls, flüchtet schließlich in Drogen und Prostitution. Erst in der Therapie kann sie sich ihrer Mutter anvertrauen. Beide beschließen, den Teufelskreis zu beenden und ihren Vater und Großvater vor Gericht zu bringen. Als dieser freigesprochen wird, nimmt sich Sabine das Leben. Regisseurin Helen Simon konterkariert in ihrem schwer auszuhaltenden Dokumentarfilm NIRGENDLAND die persönlichen Berichte der Mutter und die nüchtern vorgetragenen Protokolle der Gerichtsverhandlung. Damit stellt sie zunächst Fragen nach dem Umgang mit Missbrauch in der eigenen Familie, nach Verantwortung, Verdrängung und Schuld und lenkt danach den Fokus auf den juristischen Umgang mit Missbrauchsopfern. Ein Film, der nicht verdaulich ist, nicht verdaulich sein soll, der beschäftigen will und muss, weil wir viel zu häufig wegschauen oder uns vom scheinbaren Idyll täuschen lassen. D Jens Mayer

Start am 2.4.2015 ¢ Sputnik Kino

8. – 15. April 2015

In her harrowing documentary feature Helen Simon depicts a horrific case of child sex abuse and intergenerational incest. The film asks questions about dealing with abuse in one’s own family, responsibility and guilt and looks at how the law fails victims of abuse.

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INDIEKRITIKEN Originaltitel: Belluscone. Una storia siciliana D Italien 2014 D 95 min D R: Franco Maresco D B: Franco Maresco, Claudia Uzzo D K: Luca Bigazzi, Tommaso Lusena, Irma Vecchio D S: Franco Maresco D V: Daring House

BELLUSCONE – WARUM DIE ITALIENER BERLUSCONI LIEBEN Wir sind alle Freunde hier

Silvio Berlusconi hat in den siebziger Jahren 20 Milliarden Lire für den Aufbau des Privatfernsehens vom 1981 ermordeten Paten Stefano Bontade erhalten. Regisseur Franco Maresco gelingt es, den Mafiosi und Politiker Marcello Dell’Utri zu Aussagen über die Geschichte zu bewegen - aber im entscheidenden Moment fällt das Tonaufnahmegerät aus. In seinem mit zahlreichen ironischen Volten versehenen Film BELLUSCONI geht es daher am Ende weniger um die Fakten der Mafia-Kontakte Berlusconis, als um die Mafia-Kultur in Sizilien, die Berlusconi weiter frenetisch feiert und unterstützt. Maresco begegnet dabei zum Beispiel dem „Impressario“ Ciccio Mira, der Straßenfeste mit „neomelodischen“ Sängern – Gangsterschlager im Stil von Helene-Fischer-Trottelpop - vor den Häusern von Mafiabossen organisiert. Mira ist eine sehr spezielle Nummer. Bei jeder Frage nach der Mafia ist eine Viertelsekunde bevor er spricht, die Lüge, die gleich über seine Lippen kommen wird, in den Augen zu sehen. Es macht Spaß ihm zuzusehen, wie er sich windet, vor sich hin fabuliert, mit dem ganzen Körper aus- und zurückweicht, wenn ihm Fragen unbequem sind. Seine Sänger senden unverhohlen Grüße an die „Gäste des Staates“ – die inhaftierten Mafiosi. Auf seinen Straßenfesten finden alle Befragten die Mafia klasse, aber Mira erzählt nur, das „wir hier alle Freunde sind“ und das Berlusconi „viele Freunde hat“. Mira wirkt so irrsinnig korrupt, dass ich erst einmal nachsehen musste, ob der Mann überhaupt echt ist. Er ist echt, und offenbar alle anderen Figuren in diesem furchtbar komischen Film, der einen mit einem ungläubigen Kopfschütteln zurücklässt, ebenfalls. D Tom Dorow

Start am 23.4.2015 ¢ Il Kino

OMU

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Satirist Franco Maresco examines the culture of the neapolitan-sicilian mafia and their relationship to Silvio Berlusconi. The characters that Maresco encounters seem so strange they can hardly be real. But they are.

Schweiz 2013 D 92 min D R: Anna Thommen D B: Anna Thommen D K: Gabriela Betschart D S: Andreas Arnheiter, Anna Thommen D M: David Rehorek D D: Ehsanullah Habibi, Nazlije Aliji, Christian Zingg, Hamidullah Hashimi D V: Rise and Shine Cinema

NEULAND

Integration mit Herrn Zingg Zwei Jahre lang können junge Flüchtlinge zwischen 16 und 20 Jahren in der Schweiz eine Integrationsschule besuchen. Dort lernen sie Deutsch und wie man ein Bewerbungsgespräch führt, finden Freunde und erhalten Hilfe. Am Ende dieser Zeit haben sie, wenn sie Glück haben, eine Aufenthaltsgenehmigung und einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Die Dokumentarfilmerin Anna Thommen hat in Basel eine solche Integrationsklasse und ihren Lehrer, Herrn Zingg, zwei Jahre lang begleitet. Herausgekommen ist ein sensibler Film über den Alltag von Zuwanderern und das Porträt eines Ausnahmelehrers. Mit einem ganz eigenen Humor und einer Mischung aus Hartnäckigkeit, Optimismus und Gelassenheit widmet sich Herr Zingg seiner Klasse. Als alle nach den ersten Bewerbungsversuchen bei Schweizer Firmen ziemlich demoralisiert im Klassenzimmer sitzen, erzählt er ihnen die Parabel vom kleinen FC Basel, der Manchester United geschlagen hat: „Natürlich sind Sie im Nachteil, aber Sie können es schaffen!“ Bei jedem anderen würde es wie eine Floskel klingen, aber Herrn Zingg nimmt man ab, dass er an jeden seiner Schützlinge glaubt. Helfen kann er dennoch nicht allen. Leichtigkeit und Schwere liegen in NEULAND, wie auch im Alltag der Schülerinnen und Schüler, dicht beieinander. Einmal zeigen alle mit bunten Bindfäden auf einer Weltkarte, über welchen Weg sie in die Schweiz gekommen sind. Eshanullah aus Afghanistan war am längsten unterwegs. Über ein Jahr hat es gedauert, bis er die Schweiz per Auto, Zug und Schlauchboot erreichte. In einer der nächsten Szenen sieht man wie er die Ablehnung seines Asylantrags erhält. In einer anderen Schulstunde übt die Klasse, einen Lebenslauf zu schreiben. Tugce schreibt Stationen eines Teenagerdaseins an die Tafel „Sport anfangen“, „Sport fertig“, „Alkohol, Zigaretten“. Als nächstes ist die Albanerin Nazlije an der Reihe. Sie schreibt „Krieg beginnt“, „Mutter gestorben“, „Neues Kapitel Schweiz“. D Hendrike Bake

Start am 23.4.2015 ¢ b-ware!ladenkino ¢ fsk-Kino am Oranienplatz, am 23.4. um 18 Uhr Premiere in Anwesenheit von Anna Thommen ¢ Sputnik Kino

For two years young refugees between 16 and 20 years of age were able to attend a school in Switzerland to learn German and gain job seeking and interview skills, the documentary filmmaker Anna Thommen followed one of these classes and its teacher, Mr. Zingg.

APRIL 2015 D

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INDIEKRITIKEN Originaltitel: Sadilishteto D Bulgarien 2014 D 107 min D R: Stephan Komandarev D B: Stephan Komandarev D K: Krasimir Andonov D S: Nina Altaparmakova D M: Stephan Valdobrev D D: Predrag Manojlović, Hristo Mutafchiev, Assen Blatechki, Ovanes Torosian, Harry Anichkin, Meto Jovanovski, Luran Ahmeti D V: farbfilm Verleih

JUDGMENT – GRENZE DER HOFFNUNG

Originaltitel: Efekt domina D Deutschland/Polen 2014 D 76 min D R: Elwira Niewiera, Piotr Rosołowski D B: Piotr Rosołowski, Elwira Niewiera D K: Piotr Rosołowski D S: Karoline Schulz, Andrzej Dąbrowski D M: Maciej Cieślak D V: Real Fiction Filmverleih

DOMINO EFFEKT Ein Land in der Zwischenzeit

Am Rand Europas

Man könnte es als Ironie der Geschichte verstehen: Früher, in Zeiten des Kalten Krieges trennte die Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei den Ostblock von den Verheißungen der so genannten freien Welt. Damals versuchten nicht zuletzt viele DDR-Bürger die Grenze in den Bergen zu überschreiten, heute geht der Weg in die andere Richtung, versuchen Flüchtlinge über die EU-Außengrenze zu gelangen. Um diese schöne zentrale Metapher hat Stephan Komandarev seinen neuen Film JUDGMENT – GRENZE DER HOFFNUNG gebaut. Hauptfigur ist der schweigsame Mityo (Assen Blatechki), der nahe der Grenze mit seinem Sohn Vasko (Ovanes Torosian) lebt, in Geldnöte gerät und sich auf einen Vorschlag des ebenso reichen wie skrupellosen Kapitan (Miki Manojlovic) einlässt. Der war einst Grenzsoldat und verhinderte auf blutige Weise die Flucht aus dem Ostblock, nun lässt er Flüchtlinge über die Grenze schleppen, auch wenn er die hilfesuchenden Menschen zutiefst verachtet. Eigentlich wäre dies reichlich Stoff für einen Film, doch Komandarev will noch mehr erzählen: Von Familienstreitigkeiten, einem schwelenden Vater-Sohn-Konflikt, einem ungeklärten Verbrechen in der Vergangenheit. Das Drehbuch, in dem all diese Themen in kaum mehr als 100 Minuten untergebracht werden, wirkt dadurch manchmal etwas überfrachtet und konstruiert. Besonders gelungen ist JUDGMENT – GRENZE DER HOFFNUNG immer dann, wenn der Film Momente der Lebenswirklichkeit einfängt: Die Hoffnungslosigkeit der Menschen am Rande Europas, abgeschnitten von der wirtschaftlichen Entwicklung des Kontinents, die Not der Flüchtlinge, die zu allem Unglück oft auch noch ausgenutzt werden, aber auch die Momente der Hilfsbereitschaft, wenn Mityo nicht aus Geldnot, sondern aus Altruismus handelt. D Michael Meyns

Start am 23.4.2015 , ¢ Hackesche Höfe Kino am 22.4. Premiere um 20 Uhr mit Gästen ¢ Sputnik Kino OMU ¢ Zukunft OMU

D 28

D APRIL 2015

When Mityo, who lives next to the Bulgarian-Turkish border with his son Vasko, finds himself short of money, he turns to a rich and ruthless captain. The latter was once a border police officer. Now he is smuggling refugees across the border.

DOMINO EFFEKT erzählt eine sehr spezielle Homestory. Die Protagonisten sind: der amtierende Sportminister von Abchasien Rafael Ampar und seine russische Ehefrau, die Opernsängerin Natascha. In der Republik Abchasien, idyllisch am Schwarzen Meer gelegen, einst Teil Georgiens, nun nach eigenem Verständnis unabhängig, aber lediglich von vier Staaten weltweit anerkannt, führen sie ein bescheidenes und beschauliches Leben. Er läutet vor einer Handvoll Zuschauer die neue Fußballsaison ein, begutachtet die Bewerber für die Sportschule und eröffnet die internationale Domino-Weltmeisterschaft. Sie gibt Gesangsunterricht. Als der Strom ausfällt, meint sie „Unsere Republik ist noch jung, sie entwickelt sich erst. Manchmal fällt der Strom aus.“ Nach einer Weile ist sie nicht mehr so gelassen. Es fällt ihr schwer, Zugang zu den Abchasiern zu finden. Arbeit findet sie auch nicht, niemand will eine Russin anstellen. Das Verhältnis zu Rafael kriselt. Über die komplizierte persönliche Geschichte erzählt DOMINO EFFEKT auch eine Menge über das winzige, seit der Vertreibung der Georgier nur noch 250.000 Einwohner fassende Land, das hierzulande kaum jemand kennt. Wenn Rafael und Natascha in ihrer Freizeit am Meer sitzen, liegt vor ihnen ein feiner Kieselstrand und hinter ihnen ragen zerschossene Hochhausruinen in den Himmel, die dort seit dem Krieg in den 90er Jahren vor sich hin gammeln. Ein absurdes, schönes, seltsames Bild. Viele Bilder und Szenen im Film sind so und vermitteln das Gefühl in einer Zeitblase zu sein. Das Gestern geht nicht, das Morgen kommt nicht. In der Zwischenzeit sieht es aus wie im alten Kiosk an der Straßenecke, der immer wieder im Bild zu sehen ist. Im Kiosk sitzen zwei alte Männer und spielen Domino. Sie erzählen, das Domino nach dem Krieg zum Volkssport wurde, „Es hat unsere Nerven beruhigt. Und so wurden wir zu Profis“. D Toni Ohms

Start am 9.4.2015 , ¢ Hackesche Höfe Kino am 8.4. Premiere um 20 Uhr mit Gästen OMU

The republic of Abkhazia, idyllically situated on the Black Sea, is a Georgian splinter state. The country’s sport minister, Rafael Ampar and his Russian wife, the opera singer, lead a modest and quiet life.

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INDIEKRITIKEN Deutschland/Kanada/Schweden/Frankreich/Norwegen 2015 D 118 min D R: Wim Wenders D B: Bjørn Olaf Johannessen D K: Benoît Debie D S: Toni Froschhammer D M: Alexandre Desplat D D: Charlotte Gainsbourg, James Franco, Peter Stormare, Patrick Bauchau, MarieJosée Croze, Rachel McAdams D V: Warner Bros.

SZENARIO

EVERY THING WILL BE FINE Falsche Bewegungen

Der Schriftsteller Tomas (James Franco) ist ein verschlossener Typ. Bei einem Unfall mit zwei kleinen Jungen, die vor seinen SUV rodeln, kommt der jüngere Bruder zu Tode. Tomas trifft keine Schuld, aber er fällt in eine tiefe Depression, und seine Beziehung geht in die Brüche. Er überwindet die Krise mit Hilfe der Mutter des Jungen (Charlotte Gainsbourg), wird beruflich erfolgreich und findet eine neue Familie. Wim Wenders hat mit EVERY THING WILL BE FINE einen seiner besten Filme gedreht. Hier geht es weniger um Schuld und Vergebung, als um die Spuren, die eine schwere Krise hinterlässt und wie sie das Leben verändert. Wenders inszeniert die Momente, in denen eine plötzlich auftretende Situation den Schrecken in die Gegenwart zurückholt, mit einer körperlichen Präzision, wie sie vielleicht wirklich nur im 3D-Format möglich ist. In einer Szene sind Tomas, seine neue Freundin Ann und ihre Tochter auf einem Retro-Rummelplatz. Ann und Tomas wollen zusammenziehen. Sie sind etwas unsicher, wie ihre Tochter das aufnimmt. Die will vor allem mit dem Riesenrad fahren. Nach dem Regen sitzt sie allein in der Gondel vor dem Paar. Ein kleiner Junge mit einer Spielzeugpistole dreht sich zu ihr um und schießt. Die Eltern sehen die Gondel des Mädchens unter sich verschwinden, dann sinkt die Kamera, ihre Perspektive übernehmend, dem Boden entgegen. Vage droht Unheil, aber die Familie ist schon wieder am Boden, als die Kamera eine falsche Bewegung aufzeichnet, ein plötzliches Umdrehen, dann ein Zoom und eine gleichzeitige Kamerafahrt, ähnlich wie in Hitchcocks VERTIGO, aber viel kürzer, präziser, räumlicher, körperlich definierter. Es ist noch ein Unfall passiert, eine Frau wurde verletzt, niemand, den wir kennen. Genauer habe ich das Fahrstuhlgefühl, das einen erwischt, wenn Momente einen alten Schrecken beschwören, noch nie inszeniert gesehen. D Tom Dorow

Start am 2.4.2015 ¢ b-ware!ladenkino ab 16.4.

DF

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OMU

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Tomas, a reclusive writer, kills a little boy in an accident. He experiences a heavy crisis, and his relationship falls apart. The boy’s mother helps him overcome his self-doubt. Wim Wender’s wonderful film deals with the aftermath of a catastrophic experience.

Ein schwarzer Aktenkoffer wird entpackt, der Inhalt vorgetragen. Im Koffer befinden sich: die pedantisch genauen Aufzeichnungen eines bundesdeutschen Unternehmers namens Hans über die Affäre mit seiner Sekretärin namens Monika, beide ihrerseits verheiratet, im Herbst/Winter 1970. Der Koffer ist echt, Hans und Monika hat es wirklich gegeben. Zwischenrufe und statistische Ausführungen haben die Filmemacher hinzugefügt. Einer der erstaunlichsten Beiträge zur „Perspektive Deutsches Kino“ auf der Berlinale 2014. Deutschland 2014 D 89 min D R: Philip Widmann, Karsten Krause D D: GustavPeter Wöhler, Odine Johne, Lisa Arndt, Kenneth Huber, Cora Frost

¢ Sputnik Kino

CAKE In einer Golden-Globe nominierten Performance spielt Jennifer Aniston Claire Simmons, eine Frau die bei einem Autounfall ihre Tochter verloren hat, und seither an chronischen Schmerzen und bitteren Schuldgefühlen leidet. Auch Claires Ehe ist an den Folgen des Unfalls zerbrochen, einzig die Haushälterin steht noch zu ihr. Als eine Frau in ihrer Selbsthilfegruppe Selbstmord begeht, beginnt Claire, sich obsessiv mit Ninas Geschichte zu beschäftigen. Um zu verstehen, was Nina veranlasste, ihren Sohn zu zurück zu lassen, sucht sie die Familie auf … ¢ filmkunst66

DF

USA 2014 D 92 min D R: Daniel Barnz D D: Sam Worthington, Felicity Huffman, Jennifer Aniston, Chris Messina, Misty Upham, William H. Macy, Anna Kendrick, Lucy Punch, Britt Robertson, Camille Guaty, Mamie Gummer, Rose Abdoo

APRIL 2015 D

29 D


WEITERINDIEKINO

HEUTE BIN ICH SAMBA

EINE NEUE FREUNDIN

Die neue Komödie des ZIEMLICH BESTE FREUNDE-Teams Éric Toledano und Olivier Nakache: Zehn Jahre schon lebt der aus dem Senegal stammende Samba (Omar Sy) illegal in Paris. Er schlägt er sich mit Aushilfsjobs durch und ist aktuell als Tellerwäscher in einem großen Nobelrestaurant beschäftigt. In dieser Situation begegnet er Alice (Charlotte Gainsbourg), die von ihrem Hauptjob aktuell eine Auszeit nimmt und sich ehrenamtlich für eine Organisation engagiert, die versucht, Einwanderer vor der Abschiebung zu bewahren.

Claire und Laura waren beste Freundinnen. Als Laura stirbt, bricht nicht nur für Lauras Ehemann David eine Welt zusammen, sondern auch für Claire. Nach Tagen rafft sie sich auf, um David zu besuchen – und überrascht David in Lauras Kleidern. Ohne es recht zu wollen wird Claire Davids Vertraute. Sie begleitet ihn auf seiner allerersten Shoppingtour in „full drag“ und genießt die Spannung zwischen Abscheu und erotischer Anziehung, die sie dabei empfindet. Ihrem Ehemann erzählt sie nichts, sondern erfindet stattdessen eine neue Freundin: Virginia.

¢ Acud Kino DF ¢ b-ware!ladenkino DF + OMU ¢ Bali Kino DF ¢ Bundesplatz Kino DF + OMU ¢ Sputnik Kino DF + OMU

Frankreich 2014 D 115 min D R: Eric Toledano, Olivier Nakache D D: Charlotte Gainsbourg, Tahar Rahim, Omar Sy, Izïa Higelin

¢ Acud Kino ¢ b-ware!ladenkino DF + OMU ¢ Bundesplatz Kino DF + OMU ¢ Eva Lichtspiele DF + OMU ¢ filmkunst66 DF ¢ fsk-Kino am Oranienplatz OMU ¢ Hackesche Höfe Kino OMU ¢ Xenon Kino OMU

3 HERZEN

CHAPPIE

AFRIKA – DAS MAGISCHE KÖNIGREICH

CITIZENFOUR

¢ b-ware!ladenkino, Bundesplatz Kino, Eva Lichtspiele, Union Filmtheater

¢ Bali Kino, Union Filmtheater

ALS WIR TRÄUMTEN ¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino

LEVIATHAN

ALTMAN

Regisseur Andrei Petrowitsch Zvyagintsev hat mit LEVIATHAN eine unerbittliche Parabel auf das allmächtige absolutistische Staatsmonster und den vergeblichen Widerstand des Individuums erschaffen. Der Film erzählt die Geschichte des kleinen Automechanikers Nikolai, der verbissen gegen den korrupten Bürgermeister kämpft. Mit der Hilfe von Staat, Kirche und Gesetz will dieser ihn zwangsenteignen und sich das Grundstück an der Barentssee, das Nikolais Familie seit Generationen gehört, für einen Spottpreis unter den Nagel reißen.

AMERICAN SNIPER

¢ Acud Kino DF ¢ b-ware!ladenkino DF + OMU ¢ Bali Kino DF ¢ Sputnik Kino DF + OMU ¢ Union Filmtheater DF

D 30

D APRIL 2015

¢ Filmrauschpalast

Russland 2014 D 140 min D R: Andrei Zvyagintsev D D: Vladmir Vdovichenkov, Roman Madyanov, Elena Lyadova, Aleksey Serebryakov, Anna Ukolova

Originaltitel: Une nouvelle amie D Frankreich 2013 D 105 min D R: Francois Ozon D D: Romain Duris, Anaïs Demoustier, Raphaël Personnaz, Michèle Raingeval, Jean-Claude Bolle-Reddat

¢ Union Filmtheater

DAS ANDERE ROM – SACRO GRA ¢ fsk-Kino am Oranienplatz, Hackesche Höfe Kino

BIRDMAN ODER (DIE UNVERHOFFTE MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT)

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino, Bali Kino, Filmrauschpalast, Hackesche Höfe Kino

¢ Filmrauschpalast Citizen Four, Acud Kino, Xenon Kino

¢ Acud Kino, Xenon Kino

DAS EWIGE LEBEN ¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino, Filmrauschpalast, Sputnik Kino

FIFTY SHADES OF GREY ¢ Union Filmtheater

FRAU MÜLLER MUSS WEG

¢ Bali Kino, Union Filmtheater

GUARDIANS OF THE GALAXY ¢ Filmrauschpalast (OV)

HEUTE BIN ICH SAMBA

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino, Bali Kino, Bundesplatz Kino, Sputnik Kino

HONIG IM KOPF ¢ Union Filmtheater


WEITERINDIEKINO/INDIEKINDER

THE IMITATION GAME

SOMETHING MUST BREAK

KINDERFILME A–Z

PÜNKTCHEN UND ANTON (1953)

KINGSMAN: THE SECRET SERVICE

STILL ALICE – MEIN LEBEN OHNE GESTERN

ASTERIX IM LAND DER GÖTTER

QUATSCH UND DIE NASENBÄRBANDE

BAYMAX - RIESIGES ROBOWABOHU

RICO, OSKAR UND DIE TIEFERSCHATTEN

¢ Bali Kino

¢ Union Filmtheater

LEVIATHAN

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino, Bali Kino, fsk-Kino am Oranienplatz, Sputnik Kino, Union Filmtheater

DAS MÄDCHEN HIRUT

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino, Eva Lichtspiele, Hackesche Höfe Kino

A MOST VIOLENT YEAR

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino filmkunst66, Hackesche Höfe Kino, Sputnik Kino, Union Filmtheater

N – DER WAHN DER VERNUNFT

¢ b-ware!ladenkino, Hackesche Höfe Kino

NATIONAL GALLERY ¢ Acud Kino

EINE NEUE FREUNDIN

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino, Bundesplatz Kino, Eva Lichtspiele, filmkunst66, fsk-Kino am Oranienplatz, Hackesche Höfe Kino, Xenon Kino

PEPE MUJICA – DER PRÄSIDENT

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DIE REISE ZUM SICHERSTEN ORT DER WELT

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino, Union Filmtheater, Hackesche Höfe Kino

RUINED HEART: ANOTHER LOVE STORY BETWEEN A GANGSTER AND A WHORE

¢ b-ware!ladenkino, Filmrauschpalast, Sputnik Kino

DAS SALZ DER ERDE

¢ b-ware!ladenkino, Eva Lichtspiele

SELMA

¢ b-ware!ladenkino, Bundesplatz Kino, Bali Kino

¢ Xenon Kino

¢ b-ware!ladenkino, Eva Lichtspiele, Sputnik Kino, Union Filmtheater, Xenon Kino

TIMBUKTU ¢ Acud Kino

TOD DEN HIPPIES!! ES LEBE DER PUNK ¢ Hackesche Höfe Kino

TRISTIA – EINE SCHWARZMEER-ODYSSEE

¢ Acud Kino, Hackesche Höfe Kino

VERFEHLUNG ¢ filmkunst66

VERSTEHEN SIE DIE BÉLIERS?

¢ Bundesplatz Kino, Union Filmtheater

LA VIE EN ROSE ¢ Union Filmtheater

VIEL GUTES ERWARTET UNS

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino, Eva Lichtspiele, Hackesche Höfe Kino

¢ Union Filmtheater

¢ b-ware!ladenkino (3d), filmkunst66, Union Filmtheater

DER BLAUE TIGER

SPATZENKINO: MIT HILFE

¢ Acud Kino

¢ Bali Kino

ELLA UND DER ­SUPERSTAR

¢ Acud Kino, Union Filmtheater

FÜNF FREUNDE 4 ¢ Bali Kino, Union Filmtheater

HOME – EIN SMEKTAKULÄRER TRIP ¢ b-ware!ladenkino (3D)

KINDERFILM DES MONATS: ­TROMMELBAUCH

VON MENSCHEN UND PFERDEN

DER KLEINE DRACHE KOKOSNUSS

WER RETTET WEN? ¢ Acud Kino, Union Filmtheater

WEAK HEART DROP ¢ Acud Kino, Bundesplatz Kino

WHIPLASH

¢ b-ware!ladenkino, Union Filmtheater

WILD TALES – JEDER DREHT MAL DURCH

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino

DER KLEINE RABE SOCKE ¢ Sputnik Kino

LAND DER WUNDER ¢ Bali Kino

LOLA AUF DER ­ERBSE ¢ Sputnik Kino

MANOLO UND DAS BUCH DES LEBENS

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino, Filmrauschpalast

¢ filmkunst66

ZU ENDE IST ALLES ERST AM SCHLUSS

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino

¢ Bundesplatz Kino, Union Filmtheater    , Hackesche Höfe Kino

¢ Acud Kino

SHAUN DAS SCHAF

¢ Hackesche Höfe Kino

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino, Bali Kino

¢ b-ware!ladenkino

BIBI UND TINA VOLL VERHEXT

¢ Bali Kino, Bundesplatz Kino, Eva Lichtspiele, Sputnik Kino, Union Filmtheater, Xenon Kino, Alle Termine unter www. kinderkinobuero.de, Vorbestellungen unter 030/235 562 51

THE VISITOR

¢ Bundesplatz Kino

PADDINGTON

DIE PINGUINE VON MADAGASCAR

¢ Acud Kino, b-ware!ladenkino, Eva Lichtspiele, Sputnik Kino

¢ Bali Kino, Eva Lichtspiele, Xenon Kino, alle Termine unter www-spatzenkino.de, Vorbestellungen unter 030/449 47 50

SPONGEBOB

¢ b-ware!ladenkino (3D), filmkunst66 (2D)

… UND ACTION: RICO, OSKAR UND DIE TIEFERSCHATTEN ¢ Bundesplatz Kino

WINNETOUS SOHN ¢ b-ware!ladenkino

KINDERKINO IM INDIEKINO

ACUD KINO TÄGLICH B-WARE! LADENKINO TÄGLICH BALI KINO DO, FR, SA, SO BUNDESPLATZ KINO DO, FR, SA, SO EVA-LICHTSPIELE DO, FR, SA, SO FILMKUNST66 DO, FR, SA, SO SPUTNIK KINO DO, FR, SA, SO TILSITER LICHTSPIELE DO, FR, SA, SO UNION FILMTHEATER DO, FR, SA, SO XENON KINO wechselnde Termine ZUKUNFT DO, FR, SA, SO

Eine aktuelle­ Programmübersicht über alle KinderfilmTermine finden Sie auf www.indiekino.de

¢ b-ware!ladenkino

APRIL 2015 D

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FSK-KINO AM ORANIENPLATZ BUNDESPLATZ KINO FILMPOLSKA FILMFESTIVAL

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D APRIL 2015

Bereits seit 10 Jahren präsentiert filmPOLSKA polnisches Kino in Berlin. Im Mittelpunkt stehen dabei immer aktuelle Produktionen, flankiert von Sonderprogrammen, Filmgesprächen, Praxisworkshops und einer Retrospektive. Die Jubiläumsausgabe eröffnet mit dem lakonischen Roadmovie IDA von Paweł Pawlikowksi, das in diesem Jahr mit dem Oskar für den besten nicht-englischsprachigen Film ausgezeichnet wurde. Mehr Neues Polnisches Kino ist in der gleichnamigen Reihe zu sehen: In seinem Filmdebüt HARDKOR DISKO erzählt Krzysztof Skonieczny von einer unmöglichen jungen Liebe in einer Welt der Künstler und Partys, in der schwarzen Komödie KEBAB I HOROSKOP (KEBAB & HOROSCOPE) von Grzegorz Jaroszuk versuchen ein arbeitsloser Kebab-Verkäufer und ein arbeitsloser Horoskop-Texter einen Teppichladen zu retten, und in JASKÓŁKA (THE CAGED SWALLOW) skizziert Bartosz Warwas in Fragmenten und Momentaufnahmen die Suche


INDIEKINOHIGHLIGHTS

Kebab i Horoskop

einer jungen Frau nach innerem Frieden. Auch die 2013 entstandene filmische Walesa-Biographie WAŁĘSA. CZŁOWIEK Z NADZIEI (WALESA. MAN OF HOPE) von Oscar-Preisträger Andrzej Wajda steht auf dem Programm.

amerikanischer Pilot inmitten des Aufstands drehten, restauriert, koloriert, mit Hilfe von Sprachwissenschaftlern vertont, und zu einer 87-minütigen Dokumentation montiert.

Ein besonderes Festivalhighlight ist die Aufführung von zwei Projekten des Regisseurs Jan Komasa. Sein Spielfilm MIASTO 44 (WARSCHAU 44), die bislang teuerste und aufwändigste Produktion der polnischen Filmgeschichte, erzählt in spektakulären Bildern vom Freiheitskampf der Polen gegen die deutschen Besatzer während des Warschauer Aufstands 1944. Mindestens ebenso beeindruckend dürfte der Dokumentarfilm POWSTANIE WARSZAWSKIE (WARSAW UPRISING) sein. Mit Hilfe eines Teams von Experten und modernster Technik wurden neun Stunden Originalfilmaufnahmen, die zwei Soldaten der polnischen Untergrundarmee und ein

Angehenden Filmemachern bietet die Sektion Kinoedukacja wie immer die Chance, von deutschen oder polnischen Regisseuren zu lernen. Seminarleiter ist diesmal Robert Thalheim (AM ENDE KOMMEN TOURISTEN). Die diesjährige Retrospektive ist der Regisseurin Agnieszka Holland gewidmet, die ihre Karriere als Assistentin von Andrzej Wajda begann und mittlerweile überwiegend in den USA arbeitet. Zu ihren hierzulande bekanntesten Arbeiten gehören HITLERJUNGE SALOMON (D/F/PL 1990) und THE SECRET GARDEN (USA/GB 1993). www.filmpolska.de  22. – 29.4.

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INDIEKINOHIGHLIGHTS

For the Birds

ACUD KINO SHORTS ATTACK: REALITY CHECK Tanzende Krieger versus Überwachungsstaat, Rasenmäher versus Sport, Falschparker treffen auf Faschos und Religionen mischen auf. Die filmische Überprüfung der Wirklichkeit führt von Deutschland nach Bulgarien, Dänemark, Schweden, Österreich, Finnland, in den Iran und die USA. Sprechblasen singen, ein altes Volkslied wird brandneu interpretiert, Migranten treffen sich zum Filmemachen, im Flugzeug gibt es weltanschauliche Turbulenzen und Mythen ewig gestriger Helden wanken auf den Sockeln. Kurzfilmprogramm. www.shortsattack.com  1.4. um 21 Uhr

FILMRAUSCHPALAST FANTASTIC WORLDS In der Reihe Fantastic Worlds zeigt der Filmrauschpalast im April zwei Klassiker von Ridley Scott. Der Horror-Science-Fiction-Thriller ALIEN - DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT (GB/USA 1979, DF) mit H.R. Gigers Techno-Monster startete das Alien-Genre und machte erstmals im westlichen Kino eine Frau zur Heldin eines Action Films. Im philosophisch endenden BLADE RUNNER (USA/HK/GB 1982, OmU), inspiriert von Philip K. Dicks Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“, verbinden sich Film Noir und Dystopie mit dem Inferno einer futuristischen und von Syd Mead spektakulär designten Metropole. Beide laufen als Director‘s Cut-Version im 35mm-Scope-Format auf der Panoramabildwand, am Wochenende auch als Double Feature. www.filmrausch.de D 34

D APRIL 2015

FILMKUNST66 PREVIEW: HUICHOLES: THE LAST PEYOTE GUARDIANS Die Huicholes oder auch Wixárika sind eine der letzten indigenen Kulturen Lateinamerikas. Sie leben in Mexiko in der westlichen Sierra Madre. HUICHOLES: THE LAST PEYOTE GUARDIANS begleitet den Schamanen José Luis Ramírez und seine Familie auf ihrer alljährlichen Pilgerreise in die Wirikuta Wüste und zum Cerro Quemado, dem “Geburtsort der Sonne”. Wirikuta ist für die Huicholes das „Herz der Welt“, ein heiliger Ort und Lebensraum des Peyote-Kaktus, der eine zentrale Rolle in ihrer traditionellen Medizin spielt. Dieses Land ist bedroht: Wirikuta ist reich an Gold, Silber und anderen wertvollen Mineralien. Im Jahr 2010 erteilte die mexikanische Regierung Baugenehmigungen an mehrere kanadische Bergbauunternehmen in einem Naturschutzgebiet von 140.000 Hektar Ausdehnung im mexikanischen Bundesstaat San Luis Potosí. In seinem Dokumentarfilm erzählt Regisseur Hernán Vílchez von der Tradition der Huicholes, von ihrem Alltag und von ihrem politischen Kampf gegen die Großkonzerne. Zur Preview im filmkunst66 werden der Regisseur Hernán Vílchez und José Luis Ramírez anwesend sein. www.filmkunst66.de, www.huicholesfilm.com  15.4. um 20 Uhr


Samaki Mchangani 100% Dakar – More than Art

INDIEKINOHIGHLIGHTS

BUNDESPLATZ KINO BERLIN-FILM-MATINEE Immer sonntags um 11 Uhr – und zusätzlich am Karfreitag und Ostermontag – laufen im Bundesplatz Kino Filme aus und über Berlin. Im April sind das noch einmal drei Dokumentationen von Helga Reidemeister: DER GEKAUFTE TRAUM (D 1977, 3.4.) über eine Arbeiterfamilie aus dem Märkischen Viertel, DREOHRT BERLIN (D 1988, 5.4.) über die gar nicht so unähnlichen Wünsche, Hoffnungen und Träume beiderseits der Mauer und LICHTER AUS DEM HINTERGRUND (D 1998, 6.4.) über das Leben der Mauerkinder-Generation. Am 12.4. läuft zur Eröffnung der Ausstellung Lichtspiele (siehe auch Seite) der Berlin-Film aller Berlin-Filme: BERLIN. DIE SINFONIE DER GROßSTADT (1927) von Walter Ruttmann, und an den letzten beiden Sonntagen Harald Bergmanns BRINKMANNS ZORN (2005, 19.4. + 26.4.) über den deutschen Avantgarde-Lyriker Rolf-Dieter Brinkmann und sein Spätwerk, „eine der größten Beschimpfungen der Gegenwart, die je geschrieben wurden“ (Bergmann). www.bundesplatz-kino.de  Karfreitag, Ostermontag und immer am Sonntag um 11 Uhr

Brinkmanns Zorn

SPUTNIK KINO COFFI KINO Auf das COFFI - Italian Film & Art Festival Berlin, das im Juli zum zweiten Mal italienisches Kino, Kunst und Kultur nach Berlin bringen wird, kann man sich jetzt schon mal einstimmen. Im Sputnik Kino zeigt das Festival in der Reihe Coffi Kino im April, Mai und Juni jeweils einen italienischen Film, im Anschluss gibt es einen Aperitif und Filmgespräche über den Dächern von Berlin. Den Auftakt macht im April Jan Henrik Stahlbergs bitterböse Satire BYE BYE BERLUSCONI!, die 2005 im Panorama der Berlinale zu sehen war. In der fiktiven Dokumentation, in der Silvio Berlusconi Bürgermeister von Entenhausen ist und statt mit Medien mit Melonen handelt, vermischen sich Realität und Fiktion aufs Feinste. Zur Diskussion im Anschluss ist die Hauptdarstellerin und Drehbuchautorin Lucia Chiarla anwesend. www.coffi-festival.de, www.sputnik-kino.de  12.4. um 20 Uhr

HACKESCHE HÖFE KINO AFRICAVENIR Die panafrikanische Kulturinitiative AfricAvenir lädt mehrmals im Monat zu Filmvorführungen und Gesprächen ins Hackesche Höfe Kino ein. Am 5. April wird 100% DAKAR – MORE THAN ART (Österreich/Senegal 2014, 62 min, OmU, R: Sandra Krampelhuber) gezeigt, ein Portrait der urbanen Kunst- und Kulturszene in der Hauptstadt des Senegal. Der Film führt durch eine Stadt, die sich durch eine enorme kreative Energie auszeichnet, und stellt junge Kunst- und Kulturschaffende als die „cultural warriors“ ihrer Generation vor: Modedesigner, Hip Hop Musikerinnen, Graffiti Künstler, Tänzer, Künstlerinnen und kulturelle Aktivisten. Zu Gast: Sandra Krampelhuber und Sista Fa. Am 15.4. läuft ein Doppelprogramm mit zwei vielfach ausgezeichneten Kurzfilmen von Amil Shivji. SAMAKI MCHANGANI/FISH OF THE LAND (2014, OmeU) beschäftigt sich mit dem „Africa rising“-Phänomen. Am Tag als Godfreys Mobilfunkunternehmen ans Netz geht - das erste in Tansania – ist er in einen tödlichen Unfall verwickelt. Der junge, ehrgeizige Unternehmer trifft eine Reihe von Entscheidungen, die ein ambivalentes Licht auf den Aufschwung werfen. SHOESHINE (2013, OmeU) spielt in den geschäftigen Straßen von Daressalam und zeigt die Stadt und ihre Bewohner, vom Lokalpolitiker über die Studenten bis hin zum Teeverkäufer nebenan, aus der Perspektive eines Schuhputzjungen. Zu Gast: Amil Shivji. www.africavenir.de  5.4. um 17 Uhr: 100% DAKAR – MORE THAN ART  15.4. um 20 Uhr: SAMAKI MCHANGANI & SHOESHINE

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INDIEKINOHIGHLIGHTS

BUNDESPLATZ KINO PSYCHE UND FILM

Come Back, Africa

In Zusammenarbeit mit der C.G. Jung-Gesellschaft zeigt das Bundesplatz Kino einmal im Monat einen Film mit einer psychoanalytischen Einführung. Im April ist das der Thriller GONE GIRL – DAS PERFEKTE OPFER (USA 2014, R: David Fincher) nach dem gleichnamigen Roman von Gillian Flynn: Am fünften Hochzeitstag von Amy und Nick Dunn verschwindet Amy spurlos. Zuerst sieht es nach einer gewaltsamen Entführung aus, dann verdichten sich die Anzeichen, dass die Entführung vorgetäuscht ist. Aber Nick beharrt auf seiner Unschuld. GONE GIRL ist ein Film voller falscher Fährten und unglaubwürdiger Zeugen. Mit einer Einführung von Donat Heusch. www.bundesplatz-kino.de  28.4. um 20.30 Uhr

BALI KINO DAS EINE UND DAS ANDERE AFRIKA

Das Bali Kino kontrastiert Perspektiven auf den afrikanischen Kontinent, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten. Die Dokumentation AFRIKA – DAS MAGISCHE KÖNIGREICH (GB 2015, R: Patrick Morris, Neil Nightingale) richtet sich vor allem an Familien und bietet in bester BBC-Naturfilm-Tradition eindrucksvolle Naturaufnahmen. Die Entdeckungsreise mit Stationen in sieben unterschiedlichen Regionen des Kontinents beginnt im geheimnisvollen Regenwald des zentralafrikanischen Gabun und führt später unter anderem nach Ruanda, wo mit dem Berggorilla eine der am stärksten bedrohten Tierarten der Welt zu Hause ist. Einen politischen Blick auf Afrika werfen die beiden anderen Filme der kleinen Reihe. In COME BACK, AFRICA (Südafrika/USA 1959, R: Lionel Rogosin), verlässt der junge Zachariah, ein Zulu, seine Familie, um in den Goldminen Johannesburgs Arbeit zu finden. Da er keine Papiere hat, muss er sich mit Nebenjobs durchschlagen. In der frühen Anklage gegen das Regime der Apartheid ist Miriam Makeba in einer ihrer ersten Rollen zu sehen. Der Dokumentarfilm DIE PIROGE/LA PIROGUE (Frankreich/Senegal/Deutschland 2012) erzählt vom Fischer Baye Laye, der sich widerwillig als Kapitän an­heuern lässt, um eine Gruppe von Migranten über den Atlantik zu den Kanarischen Inseln zu bringen. Über die Entstehung seines Films sagt Regisseur Moussa Touré: „Im Senegal hat sich eigentlich aus jeder Familie jemand mit einem Boot auf den Weg gemacht, um sein Glück in Europa zu suchen“. www.balikino-berlin.de  16. – 19.4. um 18 Uhr: AFRIKA - DAS MAGISCHE KÖNIGREICH  20.4. um 18 Uhr: COME BACK, AFRICA, anschließend Diskussion  21. + 22.4. um 18 Uhr: DIE PIROGE

ACUD KINO CINEMA FOR PEACE ­FOUNDATION: E-TEAM An jedem letzten Donnerstag im Monat – im April ausnahmsweise mal am vorletzten Donnerstag - präsentiert die Cinema for Peace Foundation einen Film zu einem aktuellen politischen Thema mit anschließendem Gespräch im Acud Kino. Diesen Monat läuft der Dokumentarfilm E-TEAM (USA 2014, 88 min, OV (Englisch), R: Katy Chevigny, Ross Kauffman). Das E-Team (Emergency Team) von Human Rights Watch wird immer dann gerufen, wenn in unzugänglichen Diktaturen Greueltaten begangen werden. Die hochintelligenten Ermittler dokumentieren die Vergehen, sichern Beweise und berichten der Weltöffentlichkeit. E-TEAM begleitet vier Teammitglieder nach Syrien und Libyen wo Bombensplitter, Einschusslöcher und anonyme Gräber den Verdacht von koordinierten Angriffen durch Bashar al-Assad und den inzwischen verstorbenen Muammar Gaddafi erhärten. Im Anschluss an den Film findet ein Gespräch mit Fred Abrahams (Human Rights Watch) statt. www.cinemaforpeace-foundation.com, www.acudkino.de  23.4. um 19 Uhr

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D APRIL 2015

Afirka – Das magische Königreich


EVA LICHTSPIELE DER ALTE DEUTSCHE FILM Immer mittwochs um 15.45 zeigen die Eva-Lichtspiele historische deutsche Filme aus den 1920er – 1940er Jahren. Die Reihe wird von Martin Erlenmeier kuratiert, der auch zu jedem Film eine Einführung hält. www. eva-lichtspiele.de Ein steinreicher Mann

DIE FROMME LÜGE

HEIMWEH

Pola Negris letzter Film in Deutschland. Reißerisches Melodram um den Leidensweg einer bekannten Sängerin, die einen erwachsenen unehelichen Sohn hat: einen Hallodri und leidenschaftlichen Rennfahrer ...  1.4.

Gustav Knuth verkörpert sehr überzeugend einen Fischer, den Abenteuerlust und Fernweh übermannen... Mit Außenaufnahmen von New York und der Kurischen Nehrung.  22.4.

1937, R: Nunzio Malasomma, D: Pola Negri, Hermann Braun, Herbert Hübner

KRACH IM VORDERHAUS 1941, R: Paul Heidemann, D: Mady Rahl, Rotraut Richter, Carl-Heinz Schroth

Die Fortsetzung vom HINTERHAUS-Komödien-Kracher. Berliner Typen, echte Schnauze und Rotraut Richter singt „Ich bin ein Berliner Kind“ von Willi Kollo.  8.4.

DIE HERREN VOM MAXIM

1933, R: Carl Boese, D: Lee Parry, Johannes Riemann, Oskar Karlweis, Leo Slezak,

Amüsante Tonfilm-Operette mit vorzüglicher Musik von Oscar Straus und den Tanzgirls vom Maxim. Franz Grothe dirigiert das Orchester Oscar Joost.  15.4.

1937, R: Jürgen von Alten, D: Gustav Knuth, Carsta Löck, Hilde Seipp, Walter Franck

AB 23. APRIL IM KINO

EIN STEINREICHER MANN

1932, R: Stefan Szekely, D: Curt Bois, Dolly Haas, Adele Sandrock, Paul Hörbiger

“Respektlose Komik, ein sicheres Gespür für Tempo und das unwiderstehliche Gespann Bois und Haas machen den ‘steinreichen Mann’ zu einem immer noch verborgenen Juwel der Filmgeschichte.” (Cinegraph).  29.4.

INTERNATIONALE HOFER FILMTAGE DEUTSCHLAND 2014

WARSAW FILM FESTIVAL POLEN 2014

HAIFA INTERNATIONAL FILM FESTIVAL ISRAEL 2014

JUDGMENT GRENZE DER HOFFNUNG

PREMIERE AM MI., 22. APRIL UM 20 UHR IN ANWESENHEIT DES REGISSEURS IM HACKESCHE HÖFE KINO WWW.JUDGMENT-FILM.DE


INDIESERVICE

DIE INDIEKINOS ACUD KINO MITTE 1

EISZEIT KINO KREUZBERG 5

Veteranenstr. 21, 10119 Berlin Telefon: 030/44 35 94 98, Mail: kino@acud.de, www.acudkino.de U8, M1 Rosen­ thaler Platz, M8/12 Brunnenstr./ Invalidenstr., S1/2 Nordbahnhof

Zeughofstr. 20, 10997 Berlin Telefon: 030/611 60 16, Mail: info@eiszeit-kino.de, www.eiszeit-kino.de U1, M29, N1 Görlitzer Bahnhof

B-WARE! LADENKINO FRIEDRICHSHAIN

2

Gaertnerstr. 19, 10245 Berlin Telefon: 030/63 41 31 15 ladenkino.de S+U-Bahnhof Frankfurter Allee, Bus 240 Boxhagener Platz, Tram 13 Wühlischstraße

BALI KINO ZEHLENDORF  3  Teltower Damm 33, 14169 Berlin Telefon: 030/811 46 78, www.balikino-berlin.de S-Bahnhof Zehlendorf

BUNDESPLATZ-KINO WILMERSDORF 4 Bundesplatz 14, 10715 Berlin Telefon: 030/85 40 60 85, Mail: kino@bundesplatz-kino.de, www.bundesplatz-kino.de U9, S 41/42/46, Bus 248/N9 U+S-Bahnhof Bundesplatz

TILSITER ­LICHTSPIELE FRIEDRICHSHAIN

Segitzdamm 2, 10969 Berlin Telefon: 030/614 24 64, Mail: post@fsk-kino.de, www.fsk-kino.de U8, Bus M29/140/N8 Moritzplatz, U1 Kottbusser Tor

Richard-Sorge-Str. 25a, 10249 Berlin Telefon: 030/426 81 29, Mail: programm@tilsiter-lichtspiele.de, www.tilsiter-lichtspiele.de U5 Frankfurter Tor, Weberwiese, M10 Bersarinplatz, Straßmannstraße

HACKESCHE HÖFE KINO MITTE 10

EVA-LICHTSPIELE BERLIN WILMERSDORF 6

7

Bleibtreustr. 12, 10623 Berlin Telefon: 030/882 17 53, Mail: mail@filmkunst66.de, www.filmkunst66.de S-Bahnhof Savignyplatz

FILMRAUSCH­PALAST MOABIT 8 Lehrter Str. 35, 10557 Berlin Telefon: 030/394 43 44, Mail: info@filmrausch.de, www.filmrausch.de Hauptbahnhof + 10 min Fußweg, Bus 123 Kruppstr., Bus M27 Quitzowstr.

IL KINO NEUKÖLLN

Hasenheide 54, 10967 Berlin Telefon: 030/694 11 47, Mail: post@sputnik-kino.com, www.sputnik-kino.de U7 Südstern, U7/8 Hermannplatz

Geschäftsführung: Hendrike Bake Redaktion: Hendrike Bake, Thomas Dorow redaktion@indiekino.de Filmtexte: Hendrike Bake, Tom Dorow, Thomas Groh, Christian Horn, Carla MacDougall, Sebatsian Markt, Jens Mayer, Michael Meyns, Toni Ohms, Hannes Stein, Anna Stemmler, Kirsten Taylor Texte Kinohighlights: INDIEKINO BERLIN und Kinos Grafik: Michael Zettler, Nora Wiesner (Zett Media) Anzeigen: anzeigen@indiekino.de Druck: Möller Druck & Verlag GmbH, Berlin Eine Gewähr für die Richtigkeit der Termine kann nicht übernommen werden. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Ein Nachdruck ist nur mit Genehmigung von Redaktion und Autor und mit Quellenangabe gestattet. Für unverlangt eingesandtes Textmaterial wird keine Haftung übernommen.

D APRIL 2015

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SPUTNIK KINO AM SÜDSTERN KREUZBERG 12

Herausgeber: INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) Nalepastr. 18–50, 12459 Berlin Telefon: 030 – 209 897 24, info@indiekino.de, www.indiekino.de

D 38

Bölschestr. 69, 12587 Berlin 14 Telefon: 030/6501 3141,­ www.kino-union.de S-Bahnhof Berlin-Friedrichshagen

Nansenstr. 22, 12047 Berlin Telefon: 030/81 89 88 99, Mail: contact@ilkino.de www.ilkino.de U8 Schönleinstraße, U7/8 Hermannplatz

IMPRESSUM

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UNION FILMTHEATER FRIEDRICHSHAGEN

Rosenthaler Str. 40/41, 10178 Berlin Telefon: 030/283 46 03, Mail: info@hoefekino.de, www.hoefekino.de S-Bahnhof Hackescher Markt, U8 Weinmeisterstraße

Blissestr. 18, 10713 Berlin Telefon: 030/92 25 53 05, Mail: info@eva-lichtspiele.de, www.eva-lichtspiele.de U7, Bus 101/104/249 Blissestr.

FILMKUNST66 CHARLOTTENBURG

FSK-KINO AM ­ORANIENPLATZ KREUZBERG 9

XENON KINO SCHÖNEBERG

15

Kolonnenstr. 5, 10827 Berlin Telefon: 030/78 00 15 30, Mail: service@xenon-kino.de, www.xenon-kino.de S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke

ZUKUNFT ­FRIEDRICHSHAIN

16

Laskerstr. 5, 10245 Berlin Telefon: 0176/578 610 79, Mail: programm@zukunft-ostkreuz.de, kino-zukunft.de S-Bahnhof Ostkreuz

Das INDIEKINO BERLIN Magazin erscheint monatlich in einer Auflage von 15.000 Stück. Das Magazin ist kostenfrei. Verteilung in den Berliner Kinos ACUD Kino, Bali Kino, Bundesplatz Kino, Eiszeit Kino, Eva Lichtspiele, filmkunst66, Filmrauschpalast Moabit, fsk-Kino am ­Oranienplatz, Hackesche Höfe Kino, IL Kino, Sputnik Kino am Südstern, Tilsiter Lichtspiele, Union Filmtheater, Xenon Kino, Zukunft sowie an weiteren 300 Verteilstellen. Abonnement: Auf Wunsch liefern wir Ihnen das INDIEKINO BERLIN Magazin gerne zu einem Unkostenbeitrag nach Hause. Eine Bestellung ist mit der Abopostkarte oder unter abo@indiekino.de möglich. Bildnachweis: Filmbilder: Filmverleiher Kinobilder Acud Kino: INDIEKINO BERLIN, Marei Wenzel Ausstellung Sebastião Salgado: Genesis: C/O Berlin Ausstellung … und Action! Wie werden Film und Fernsehen gemacht?: Deutsche Kinemathek 10 Jahre b-ware: b-ware!ladenkino Ausstellung Lichtspiele: Bettina Kuntzsch Werkschau Helga Reidemeister: Deutsche Kinemathek

Gefördert durch das

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INDIENACHBILD

Am längsten haben wir in diesem Monat in der Redaktion über einen Film geredet, den wir noch gar nicht gesehen haben. POWSTANIE WARSZAWSKIE/WARSCHAUER AUFSTAND (Polen 2014, R: Jan Komasa), der im Rahmen von filmPOLSKA seine deutsche Premiere hat, kündigt sich mit einem Trailer an, der einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Der Film zeigt Originalaufnahmen aus Warschau, 1944 aufgenommen von zwei Kameraleuten der polnischen Armee und einem amerikanischen Offizier, der aus einem deutschen Gefangenenlager geflohen war. Diese Aufnahmen wurden digital bearbeitet und koloriert. Es gibt einen musikalischen Soundtrack, aber auch eine intensive Atmosphärentonspur. Mit Hilfe von Experten im Lippenlesen wurde der Film synchronisiert und mit einer Tonspur versehen, in der jeder Schuss, jede Explosion mit dem Ton von Originalwaffen unterlegt wurde. Der Effekt ist erschütternd. Die Aufnahmen wirken wie moderne Kinofilmbilder, der Sound gibt den Bildern eine unheimliche Präsenz. Die historische Distanz, die dokumentarische Bilder aus dem zweiten Weltkrieg sonst immer mittransportieren, fällt weg. Das Haus auf dem Bild oben hat wirklich gebrannt, der Schutt war wirklich einmal eine Küchenwand. Der Film vermittelt mehr als einen sinnlichen Eindruck davon. Er macht die Vergangenheit gegenwärtig, und lässt ebenso über die Distanz erschrecken, die wir sonst spüren, wie über die Effizienz mit der die artifiziellen Mittel eine furchtbare Authentizität produzieren.

NACHBILD

VORSCHAU INDIEKINO IM MAI EDEN Zeitreise an die Anfänge des House D AN DEN UFERN DER HEILIGEN FLÜSSE Beim Kumbh Mela D DIE FASSBINDER STORY Neue RWF Doku D DER BABADOOK …you’ll see him if you look D THE FORECASTER Börsencrash Ende 2015 D PAPUSZA – DIE POETIN DER ROMA Epos und Denkmal D MELODYS BABY Leihmutterdrama D WELCOME TO KARASTAN Absurdes von Ben Hopkins D LA BUENA VIDA – DAS GUTE LEBEN  Bedrohte ­Dorfgemeinschaft D ZWEITE CHANCE Melo-Thriller von Susanne Bier D EIN JUNGE NAMENS TITLI Im Teufelskreis der Armut D DIE MAISINSEL Fabelhaft poetischer Minimalismus D TEMPO GIRL Porträt der Hipster-Generation D DAS ZIMMERMÄDCHEN LYNN Schüchterne Obsessionen D ARBEIT MACHT DAS LEBEN SÜSS, FAULHEIT STÄRKT DIE GLIEDER Arbeit nach Wunsch APRIL 2015 D

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INDIEKINO BERLIN Magazin #15, April 2015  

Magazin der unabhängigen Berliner Lichtspielhäuser

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