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 Offizielles Verbandsmagazin:

Jan./Febr. 2017  |  Ausgabe Nr. 1/2

Partner von

ANDERER WEG NICK KYRGIOS

Als Doppel-Spezialisten zu Ruhm, Ehre und Geld

Zwischen Genie und Wahnsinn

RATGEBER

Wie Sie überflüssige Pfunde loswerden

Roger Federer und Belinda Bencic waren am Hopman Cup die Attraktion und überzeugten

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Das macht Lust!

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Das Tennis-Magazin der Schweiz

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WARM-UP

Attraktives Doppel Liebe Leserin, lieber Leser Als ich kurz nach dem Jahreswechsel das Privileg genoss, mit einer Legende des Welttennis auf der selben Seite des Netzes zu stehen, wurde mir wieder bewusst, wie schön und facettenreich das Doppelspiel doch ist. Man bespricht sich, man bejubelt einen Punktgewinn und wenn das Racket einmal, unfreiwillig natürlich, die Hand verlässt, hat man sogar jemanden, der es einem wieder bringt. Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude doppelte Freude und regelmässiges Abklatschen einfach gut für die Psychohygiene. Zudem kann man Doppel nicht wie Einzel bis ins biblische Alter spielen. Sehr schade, dass es auf Profilevel oft als Tennis zweiter Klasse bezeichnet wird und etliche Entscheidungsträger damit nur einen Kostenfaktor in Verbindung bringen. Doppel ist dynamisch, abwechslungsreich und seit den Regeländerungen mit dem No-Ad-System und dem Champions Tiebreak auch rasant. Für viele Spieler, denen es im Einzel nicht ganz reicht, ist es auch die einzige Möglichkeit, doch noch den Sprung in die Nationalmannschaft oder an die Olympischen Spiele und in die Weltspitze zu schaffen. Auch die Verdienstmöglichkeiten für die Topstars sind nicht zu verachten: Allein im Männercircuit war 2016 bei mehr als einem Dutzend Spieler das Preisgeld höher als das Bruttosalär eines Bundesrats. All diese Faktoren sind für uns Grund genug, das Doppel in dieser Ausgabe näher zu beleuchten. Ein Thema am Jahresanfang ist natürlich auch Roger Federer, selber ein passionierter und hoch begabter Doppelspieler, dessen viele Verpflic­htungen Einsätze aber kaum mehr zulassen. Viele Fans weltweit würden sofort unterschreiben, wenn der Maestro seine Karriere dereinst mit zwei Jahren auf der Doppeltour ausklingen lassen würde. Er hat aber ganz anderes vor, wie sein Comeback in Perth rasch wieder aufzeigte. Egal ob im Einzel, im Doppel oder beim Anfeuern von Federer und der vielen anderen Schweizer Hoffnungen: Ich wünsche Ihnen von Herzen ein 2017 mit vielen Glücks­ gefühlen auf dem Tennisplatz.

Marco Keller Redaktionsleiter

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INSIDE

International 12 Luca Margaroli

50 Grosse Distanzen

Der bestklassierte Schweizer Doppelspieler visiert die Top 100 an.

14 Yves Allegro Der ehemalige Doppelspieler zeigt interessante Perspektiven für Spezialisten in dieser Disziplin.

17 Die Topstars sind selten dabei Weil Federer, Wawrinka, Murray und Djokovic selten antreten, verdient die zweite Garde im Doppel gutes Geld.

Der Chef Spitzensport, Alessandro Greco, sieht in vielen Hindernissen für junge Talente auch eine Chance.

55 Anina Lanz Die kleine Schwester eifert ihren grossen Brüdern nach.

57 SPTA Der Österreicher Harald Mair, ÖTV-Ausbildungschef, tritt als Referent auf.

58 Adrien Bossel Wohin führt der Weg des Davis-Cup-Helden von Taschkent? 61 Suzuki Tennis Grand Prix Das Sportcenter Leuholz als treuer und zuverlässiger Partner.

Service 64 Julia Görges Wie sich die Deutsche mit speziellen Übungen in Form hält. 18 Hopman Cup Roger Federers Rückkehr auf die Courts war in Perth das grosse Highlight.

20 Der irre Typ Nick Kyrgios ist zwar mit viel Talent verwöhnt, doch der Australier ist und bleibt auf dem Platz ein Rüpel.

26 Maria Sharapova Die Dopingsünderin kehrt nach ihrer Zwangspause schon bald auf die Courts zurück.

30 Martina Navratilova Aller Anfang war schwer, doch was folgte, ist eine glanzvolle Karriere voller Höhepunkte.

37 Rankings Das ATP-Emirates- und das WTA-Ranking.

38 Federation Cup Die Schweizerinnen haben in Genf ein grosses Ziel vor Augen: Sieg über Frankreich.

Swiss World 45 Swiss Tennis Was sie alles über den Tennisball wissen sollten.

46 Romina Oprandi Einmal mehr von der Verletzungshexe geplagt.

48 Swiss Champion Trophy Zwei neue und strahlende Sieger lassen sich zum Schweizermeister küren.

4 1-2/2017

70 Milos Raonic

Auch mit der Grösse des Australiers lässt sich ein perfekter Volley spielen.

72 Der nächste Sommer kommt bestimmt So werde ich nach dem Winter wieder fit. 74 Ratgeber Medizin 75 Ratgeber Ernährung 76 Superfood im Supermarkt Bauen sie auf saisonale und regionale Ernährung. 52 Quiz Was wisssen Sie über die Schweizer Tennis-Stars?

63 Wettbewerb Mitmachen lohnt sich – attraktive Preise zu gewinnen.

82 Tie-Break Viele bedauern Ana Ivanovics Rücktritt.


INTERNATIONAL FIRST SERVICE

Aus der internationalen

TENNISWELT Nadal vs. Sharapova

Wachs-Match In Istanbul eröffnete das 21. Wachsfiguren­kabinett von Madame Tussauds. Mit dabei: Rafael Nadal und Maria Sharapova. Die Modellierer müssen sich im Fall von Nadal allerdings an einer alten Vorlage orientiert haben. Der Wachs-Nadal hat nämlich noch eine ­wallende Mähne. Die Realität sieht indes anders aus: Weil sein Haupthaar dünn wie ­Tütensuppe wurde, liess er sich Haare vom Hinterkopf auf die drohende Glatze transplantieren – ein Schicksal, das sein Pendant aus Wachs nie ereilen wird.  ●

NADAL GEGEN SHARAPOVA: Duell im neuen Wachsfigurenkabinett von Istanbul.

Daniil Medvedev Anfang des Jahres stand der 2­ 0-Jährige noch jenseits der 300er-Marke, nun hat er die Top 100 erreicht: Medvedev, knapp zwei Meter gross, gilt als Riesenhoffnung des russischen Tennis'. Für seinen Aufstieg erhielt er eine Prämie über 50000 Dollar. Er war der beste von vier Nachwuchsspielern, die im Rahmen des «Young Guns Contest» von ATP-Sponsor Tecnifibre ein Jahr ● lang Punkte sammelten. 

Der Schweizer Tennisbelag. SPORTISCA T-Floor ist ein moderner Tennisbelag der Extraklasse. Erhältlich in verschiedenen Gewichtsklassen und Rückenausrüstungen. Massgeschneidert auf die Bedürfnisse der Spieler. Farbecht, lichtecht und schmutzabweisend. Entwickelt und Produziert in der Schweiz. www.sportisca.com


STUDIE

TENNIS ERHÖHT DIE LEBENSERWARTUNG Sport fördert die Gesundheit – das ist keine neue Erkenntnis. Aber wie sehr beeinflusst die Sportart, die man ausübt, das Wohlbefinden? Das hat eine englische Langzeitstudie untersucht, die Ende November im British Journal of Sports Medicine erschien. 80000 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren wurden knapp zehn Jahre lang regelmässig zu ihren sportlichen Aktivitäten befragt und medizinisch untersucht. Fazit: Racket­­­sportler, also auch Tennisspieler, reduzieren die Gefahr, eine lebensbedrohliche Krankheit zu bekomen, um 47 Prozent. Ihr Risiko, unter Herzerkrankungen zu leiden, senken sie sogar um 56 Prozent. Keine andere Sportart schnitt in der Studie besser ab. Wer Tennis spielt, lebt also länger! ●

TENNIS SCHÜTZT VOR KRANKHEITEN: Zu dem Resultat kommt eine englische Medizinstudie.

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INTERNATIONAL FIRST SERVICE

ZITAT

 EINEN MANN ZUM GLÜCKLICH SEIN BRAUCHE ICH NICHT. ANGELIQUE KERBER IM MAGAZIN GRAZIA

Pepe Imaz

Liebe und Frieden – so lautet die Zauberformel von Pepe Imaz, der nun im Team von Novak Djokovic zu finden ist. Der Spanier, zu seiner besten Zeit die Nummer 167 der Weltrangliste, will ­Djokovic aus dessen Krise helfen. Bisher allerdings eher erfolglos. Vielleicht ist das Credo des Gurus doch etwas platt. Imaz wirbt für seine Tennisakademie mit dem Slogan: «Wir glauben fest daran, dass Liebe der Weg ist, sein Leben zu leben.» ●

ZITAT

  DU BIST NOCH BESSER, ALS ICH DACHTE. JOSÉ MOURINHO ZU DOMINIC THIEM BEI DEN ATP-FINALS IN LONDON

NEUES ATP-TURNIER

FINALE FÜR DIE JUNIOREN Ab 2017 gibt es einen neuen Event auf der ATP-Tour. Vom 7. bis 11. November werden erstmals die «NextGen ATP-Finals» in Mailand ausgetragen – eine Weltmeisterschaft für die sieben besten Junioren unter 21 Jahren sowie einen Wildcard-Spieler. Wie bei den grossen ATP-Finals in London werden die acht besten Youngster zunächst in Gruppenmatches und später im Halbfinal und Final den Champion aus­spielen. Interessant: Es sollen innovative und TV-freundliche Regeln getestet ● werden. 

YOUNG GUNS: Borna Coric, Nick Kyrgios, Thanasi Kokkinakis & Co.

ATP-Turnier in Doha

Djokovic stoppt Murray Das Duell Novak Djokovic gegen Andy Murray sorgte bei Tennisfans gegen Ende des letzten Jahres für grosse Spannung – und tut es auch 2017 schon wieder. Im Final des ATP-­Turniers in Doha siegte die vorherige Weltnummer 1, Djokovic, gegen den aktuell Weltbesten Murray mit 6:3, 5:7, 6:4. Nach anfänglich starkem Beginn verlor ­Djokovic gegen Ende des zweiten Satzes die Nerven und zertrümmerte seinen Schläger. Murray kämpfte sich z­ urück in den Match, konnte dem «wütenden» Serben im dritten und entscheidenden Satz aber nichts mehr entgegensetzen. Damit hat Djokovic das erste Duell der beiden aktuell besten Tennisspieler der Welt im Jahr 2017 gewonnen. Für seinen 67. Titel auf der Tour kassierte Djokovic 200 000 Euro. Zugleich beendete der langjährige Branchenführer die Siegesserie seines Rivalen aus Schottland nach 28 Erfolgen seit Anfang September und gab eine deutliche ● Kampfansage an die Konkurrenz ab. 

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SPRINTQUALITÄTEN

DJOKOVIC IST DER SCHNELLSTE Er ist doch noch die Nr. 1. Nein, nicht in der Weltrang- liste – aber im Ranking der schnellsten Profis. 36 km/h erreicht Novak Djokovic über eine Distanz von mindestens drei Metern. Damit ist er einen Tick schneller als Branchenprimus Andy Murray. Interessanter Vergleich: Fussballprofi Arjen Robben, einer der Turbo-Kicker der Bundesliga, erreicht rund 37 km/h, Sprintstar Usain Bolt sogar 44,7 km/h – damit ist der Jamaikaner zumindest über die ersten Meter schneller als ein Gepard (42,02 km/h). Roger Federer (26) und Rafael Nadal (26,8) sind vergleichsweise schon eher im Schneckentempo unterwegs. ●

SCHNELLER ALS ALLE ANDEREN: Novak Djokovic, der beste Sprinter der Tour.

HÖCHSTGESCHWINDIGKEITEN AUF DEM COURT (in km/h)* HERREN

DAMEN

1.

Novak Djokvovic

36,00

1.

Simona Halep

23,04

2.

Andy Murray

34,90

2.

Carla Suarez Navarro

22,48

3.

Lleyton Hewitt

31,20

3.

Dominika Cibulkova

21,98

4.

Gilles Simon

30,80

4.

Agnieszka Radwanska

21,82

5.

Grigor Dimitrov

28,90

5.

Eugenie Bouchard

21,82

* Über eine Distanz von mindestens drei Metern, gemessen bei den Australian Open 2014, 2015, 2016 (Quelle: Game Insight Group)

Nach geschafftem Aufstieg in NLB 35+

CHERCHONS/WANTED R3 oder besser pour notre équipe ambitieuse in Seedorf, Uri but: rester, à tout prix dabei sind: Markus Anderrüthi, Sandro Müller, John Dubacher, Patrik Brand, Beat Arnold, Roland Arnold

Oui? Yes? Ja! Markus Anderrüthi, 079 434 18 77 8 1-2/2017

Hopman Cup

Ein Kuss als Trost ... Eine Linienrichterin bekam beim Hopman Cup in Perth einen knallharten Aufschlag an den Kopf. Der US-Amerikaner Jack Sock sah das – und tröstete sie zärtlich. Diesen Kopftreffer nach einem harten Aufschlag des Spaniers Feliciano Lopez wird diese Linienrichterin also so schnell nicht mehr vergessen. Sock lief nach dem «Head Shot» zur Linienrichterin, strich zärtlich über die getroffene Stelle und gab ihr anschliessend noch einen Kuss auf die Stirn. Am Lächeln der Linienrichterin war zu erkennen, dass diese Art der Therapie sofort wirkte und der Schmerz nach wenigen Sekunden wieder verschwunden war. Socks nette Geste sollte zudem nicht unbelohnt bleiben: Der 24-Jährige gewann seinen Match gegen Lopez mit 6:3, 2:6, 3:6.  ●


FIRST SERVICE

US Open

Stans Pokal aus Schoggi Weil US-Open-Sieger Stan Wawrinka den Orginal-Pokal des US-Open nicht mit nach Hause nehmen durfte, warteten die Organisatoren des Geneva Open mit einer tollen Idee auf. Sie schenkten dem Lokalmatadoren den US-Open-Pokal in Schoggi. Ob Stan den Pokal alleine oder im Kreise seiner Familie verzehrt hat, wird bei weiteren Recherchen der smash● Redaktion sicher noch bekannt werden.

ZITAT

  ES WÄRE NAIV ANZUNEHMEN, UNSER SPORT WÄRE SAUBER. ANDY MURRAY IN DER SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG ÜBER DOPING

Serena hat sich verlobt Serena Williams ist nicht mehr zu haben. Die langjährige Nummer 1 der Weltrang­liste hat offenbar ihren Traumprinzen gefunden und verlobte sich in Rom mit ihrem Landsmann Alexis Ohanian, dem Mitbegründer einer Social-Media-Plattform, wie die 35-Jährige Ende Dezember bekannt gab. «Er ist vor mir nieder­ gekniet und hat die Frage mit den vier Wörtern gestellt», verkündete Williams auf ­Facebook: «Und ich habe ja gesagt.» Alexis Ohanian ist der Mitbegründer der Social-NewsPlattform Reddit. Der 33-Jährige hatte Williams eigens für die Verlobung nach Rom einfliegen lassen. «Im Restaurant, in dem wir uns zum ersten Mal zufällig begegnet sind, hat sich der Kreis für uns jetzt geschlossen», teilte Williams mit. Einen Hochzeitstermin ● gibt es noch nicht.

WETTBEWERB Erfolgreiche Sportler werden angehimmelt. Sie dienen als Vorbilder. Ihnen will man nacheifern. Dank dem Buch «Sportkarriere – lernen von Profis» von der Stiftung Next Sport Generation ­können Sie diesen Idolen noch viel näher kommen. Verschiedene Per­ sönlichkeiten aus der Sportszene – von Stan Wawrinka über Ivo Heuberger bis unter anderem zu Lucien Favre, Diego Benaglio, David Aebischer, Simone Niggli-Luder oder Andy Schmid – ­dokumentieren Situationen und Erfahrungen, erzählen über Ziele, Erfolge und Enttäuschungen. Es ist ein Ratgeber auf 128 Seiten für Talente und deren Eltern und eine interessante Lektüre für Sportinteressierte. Bestellt werden kann das Buch (CHF 29.90) via www. nextsportgeneration.ch oder via Telefon 062 396 39 56. Mit ein wenig Glück können Sie aber auch ein Buch gewinnen: smash verlost sechs Exemplare. Senden Sie bis am 28. Februar 2017 ein E-Mail mit dem Vermerk «Sportkarriere – lernen von Profis» an info@nextsportgeneration.ch und hinterlassen Sie Ihren vollständigen Namen und Adresse. ● Viel Gück!

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Der Vielspieler nimmt die Top 100 ins Visier Der nächste Yves Allegro könnte aus dem Tessin kommen. Luca Margaroli hat sich zum bestklassierten Doppelspieler des Landes gemausert. TEXT: MARCO KELLER. FOTOS: FRESHFOCUS/SWISS TENNIS

D

ie Schweizer Nummer 1 im Frauen-Doppel? Na klar, Martina Hingis, dafür braucht's nun wirklich keine Detailkenntnisse der Sportart, die Ostschweizerin mischt auch mit 36 Jahren noch an vorderster Front in der Weltspitze mit und ist damit unan­gefochten Leaderin vor Xenia Knoll (WTA 53), die ebenfalls das Doppel forciert. Bei den Männern gestaltet sich die Frage etwas komplizierter. Ist Stan Wawrinka vielleicht

die Nummer 1, Marco Chiudinelli oder gar doch Roger Federer? Nein, der Maestro hat seit März 2015 keine ­einzige Doppelpartie mehr bestritten. Der bestklassierte Schweizer Doppelspieler heisst Luca Margaroli, und wer es nicht gewusst hat, muss sich nicht automatisch zu den Laien zählen. Der Tessiner ist bisher vornehmlich Insidern ein Begriff, hat sich aber im letzten Kalenderjahr regelmässig nach vorne gespielt. Als

Gstaad 2015: Luca Margaroli mit Henri Laaksonen.

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Nummer 318 ins Jahr 2016 gestartet, ­halbierte er sein Ranking und ist nach dem Halbfinaleinzug am Jahresbeginn beim Challenger-Turnier in Noumea in Neukaledonien mit Rang 152 so gut klassiert wie noch nie. Parallel dazu hat er sich im Einzel seit Oktober um fast 500 Plätze verbessert und ist in die Top 800 zurückgekehrt. Einzig im Juli 2015 war er mit Platz 794 noch einen Hauch besser. «Jetzt kommt er mit seiner Klassierung auch im Einzel in die Qualifikationen rein und hat dort auch gut gespielt», erklärt sein Vater Riccardo Margaroli, der sich über viele Jahre unter anderem als Turnierorganisator und Inhaber der Tennisschule in Taverne einen Namen gemacht hat. Margaroli junior will gemäss Margaroli senior grundsätzlich nicht nur aufs Doppel setzen: «Das Ziel ist es, dass er in diesem Jahr in beiden Bereichen nach vorne kommt.» Natürlich werden aber durch die verheissungsvolle Klassierung im Doppel in diesem Bereich grössere ­Begehrlichkeiten geweckt, gibt er zu, die grössten Bühnen der Welt rücken immer mehr in Sichtweite: «Das Ziel im Doppel sind die Top 100.» Schon fast 20 Profititel im Doppel Die Resultatblätter Margarolis könnten ein Fingerzeig für seinen möglichen künftigen Weg sein: Während er im Einzel auf Profistufe noch keine Titel feiern konnte, steht er im Doppel mit 17 Future- und zwei Challenger-Titeln zu Buche. Absolutes Highlight war zudem 2015 beim ATPTurnier in Gstaad an der Seite Henri Laaksonens ein Erfolg über das deutlich höher kotierte Duo Santiago Giraldo/Feliciano Lopez. Der gross gewachsene Offensivspieler scheut keinen Aufwand: Mit 33


DIE LUST AUFS DOPPEL

Luca Margaroli am Netz – im Doppel will er den Sprung unter die besten 100 Spieler der Welt schaffen.

Turnieren im Portefeuille zählt er zu den klassischen Vielspielern auf der Tour. Luca Margaroli wurde 1992 in Brescia ­geboren, durchlebte aber seine Tennisausbildung grösstenteils im Tessin. Die Familie machte auch früh klar, dass der Sohn dereinst unter helvetischer Flagge antreten wolle. «Mit 12 deponierten wir dies bei der ITF», sagt Riccardo Margaroli. So trat der Sohn in den verschiedenen TeamWettbewerben schon als Junior immer für die Schweiz an, obwohl er bislang nur den Pass der Repubblica Italiana besitzt. Da in der Schweiz die militärischen Bürgerpflichten drohten, bestand auch ­ kein Grund, den Erwerb des roten Passes zu forcieren. Nun liegt der Antrag in ­Bellinzona und in den nächsten Monaten dürfte Vollzug gemeldet werden. Davis-Cup-Captain Severin Lüthi ist ­gemäss Riccardo Margaroli über die Entwicklung informiert und kann sich dieser Tage in Melbourne bei Bedarf mit dem ­Offensivspieler austauschen. Nach dem Challenger-Turnier in Canberra reiste Luca Margaroli ans Australian Open weiter, wo er Grand-Slam-Luft schnuppert und als Sparringspartner für Mitglieder seiner Trainingsgruppe fungiert. Anschliessend wird er «down under» zwei weitere Challenger-Events bestreiten. Margaroli trainiert in Wien unter dem ehemaligen österreichischen Davis-CupSpieler und Captain Gilbert Schaller. «In diesen zwei Jahren hat er grosse Fortschritte gemacht», bilanziert sein Vater. Regelmässig kommt er auch zu Trainingseinheiten mit Dominic Thiem und Ernests Gulbis, die ebenfalls in der österreichischen Hauptstadt ihre Basis aufgeschlagen haben. Auf seinen weiteren Weg darf ● man jedenfalls gespannt sein. 

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Mit dem Alternativprog Yves Allegro konzentrierte sich einst Für die meisten normalsterblichen Tennisspieler bleibt ein Davis-Cup-Einzeleinsatz eine Illusion. Eine Fokussierung auf das Doppel kann durchaus interessante Perspektiven bieten. Yves Allegro war diesbezüglich der Schweizer Pionier. TEXT: MARCO KELLER. FOTOS: FRESHFOCUS/SWISS TENNIS

E

s wäre eine Propagandalüge, zu behaupten, junge Tennishoffnungen träumten in erster Linie von Doppelerfolgen. Natürlich hoffen sie auf das Erreichen der Top 100, eine Nomination für die Olympischen Spiele und die Davis-Cup- oder FedCup-Auswahl und die ganz Ambitionierten und Begabten können ihre Ziele gar noch ­ höher stecken. Dabei geht es aber eigentlich immer ums Einzel. Klar auf der Einzelschiene fuhr einst auch Yves Allegro, obwohl beim Walliser schon früh ein Talent fürs Doppel manifest wurde. Bereits in der Kategorie U14 ­durfte er sich im Doppel als Junioren-Schweizermeister feiern lassen, im Einzel gelang ihm dies erst auf der Stufe der zweitältesten Junioren. Zupass kam dem Junior aus Grône, dass es in seinem Heimatkanton sehr viele Doppel- und Mixedturniere gab, an denen er, ver-

14 1-2/2017

bunden mit dem notwendigen Spass, an seinen Fähig­keiten feilen konnte. An seinem Hauptziel ­änderte sich aber nichts: «Ich wollte im Einzel in die Top 100.» Schnellere Klassierungssprünge im Doppel Mit 19 wurde er Profi. Langsam aber regelmässig stellten sich Fortschritte ein, 2001 drang er erstmals in die Top 300 vor, 2002 und 2003 pendelte er im Bereich von Platz 200 und 250. Immer spielte er aber auch Doppel und dort ging es schneller vorwärts. 2003 schaffte er im Januar ­erstmals den Sprung unter die Top 100 als Folge eines Halbfinals in Doha (mit David Prinosil) und einer Drittrunden-Qualifikation am Australian Open (mit Roger Federer). Als Folge erhielt er als Nummer 5 sein erstes Aufgebot für das DavisCup-Team. Die Prioritäten blieben aber vorerst unverändert: «Ich habe weiter aufs Einzel gesetzt.» Ein halbes Jahr später – Allegro war mittlerweile die Nummer 70 im Doppel und 285 im Einzel – eröffnete ihm Playing Captain Marc Rosset am Rande der ­unglücklichen Halbfinal-Niederlage in Melbourne, er werde nächstes Jahr kaum mehr im Davis-Cup für die Schweiz antreten. Allegro müsse aber im Bereich der Top 40 sein und auf vielen grossen Plätzen spielen, damit er eine Chance habe, regelmässig nominiert zu werden. Drei Wochen und drei Turniere später und unter anderem nach einem Halbfinal ­ in Bangkok (mit Marco Chiudinelli) und dem ersten ATP-Titel in Wien (mit


DIE LUST AUFS DOPPEL

ramm nach ganz oben erfolgreich aufs Doppel

Federer) hatte er dieses Ziel erreicht und ­zudem auch das Wissen, dass ihn nicht mehr viel von den Olympischen Spielen trennte, genau ein Viertelfinal auf Stufe ATP-Tour und ein Challenger-Halbfinal. «Im Kopf sah ich mich aber immer noch nicht als reinen Doppelspieler», blickt er zurück. Der entscheidende Rat des Maestros Endgültig den Schalter umlegen konnte er weitere fünf Monate später, kurz nach dem gelungenen Davis-Cup-Einstand in Rumänien. In Indian Wells, in der kalifornischen Wüste, sass er nach einer knappen Niederlage gegen Rafael Nadal/­ Tommy Robredo in der Garderobe und analysierte zusammen mit Federer die Partie. Da gab ihm der Maestro folgenden Tipp: «Setz doch aufs Doppel.» Es war die letzte Bestätigung: «Das brauchte ich noch von jemandem, der mir so nahesteht. Schliesslich war es kein einfacher Entscheid.» Yves Allegro hat ihn nie bereut: ­Während er im Einzel mit Ausnahme der Rasenplätze auf Stufe ATP-Tour für die ganz grossen Coups schlicht nicht gut ­genug war und nie über eine Bestmarke von Platz 210 hinauskam, sehen seine Werte im Doppel ganz anders aus. Platz 32, drei Turniersiege (zwei mit Federer, ­einer mit Michael Kohlmann), 15 Ein­sätze im Davis Cup, die Olympia-Teilnahme 2004 und Emotionen à discrétion. «Ich durfte so viele Sachen erleben, die ich im Einzel nie erlebt hätte», sagt er, und fügt an, «ich bin auch ein Glückspilz, dass

ich als Doppelspezialist zwei der besten Spieler überhaupt an meiner Seite hatte. Roger hat vier, fünf Jahre lang, wenn er Doppel gespielt hat, immer mit mir ­gespielt und dann durfte ich auch noch mit Stan spielen.». «Spielt wenn immer möglich Doppel» Seit seinem Rücktritt 2011 kümmert sich Allegro um die Ausbildung der jungen Schweizer Spieler, welche dereinst in die grossen Fussstapfen der beiden Überspieler treten sollen. Nachfolger für Spieler wie ihn oder Jean-Claude Scherrer, der es im Doppel bis auf Platz 72 schaffte, werden aber bei Swiss Tennis nicht konkret gesucht, sagt der Headcoach Tennis: «Wir bilden Tennisspieler aus, aber in

­iesem Prozess spielt das Doppel eine d wichtige Rolle.» Allegro hat sich zuletzt auch dafür eingesetzt, dass an der Swiss Champion Trophy 2015 das Doppel w ­ ieder integriert wurde. Gerade die wichtigsten Schläge – Aufschlag, Return und erster Ball danach – können im Doppel intensiv und besonders wirkungsvoll trainiert werden. «Ich rate allen, wenn immer ­ ­möglich Doppel zu spielen.» Illusionen darf man sich aber auch bei dieser Karriere-Alternative nicht hingeben. Das Niveau ist auch im Doppel sehr hoch. Wer einmal in die Top 50 der Welt möchte, kann dies mit einer N4-Klassierung vergessen. «N1 muss man mit 20 schon sein, oder allenfalls ein sehr gutes N2, damit man in diesen Bereich vorstossen kann», macht Allegro klar.  ●

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DIE LUST AUFS DOPPEL

Eine halbe Million für sechs Siege Im Doppel lässt sich anständig Geld verdienen Knapp 80 Prozent der Top 100 der Doppel-Weltrangliste haben ihre Haupteinnahmequelle in dieser Disziplin. Sie profitieren auch von häufigen Verzicht der Topstars. TEXT: MARCO KELLER. FOTOS: FRESHFOCUS

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s sei ideal, Doppel zu spielen, sagte John McEnroe einst, er müsse so weniger trainieren und habe erst noch mehr Spass. Er hatte diesen ganz besonders, denn über Jahre war die Frage nach dem besten Paar der Welt schnell beantwortet: «McEnroe und irgendjemand.» Die meisten seiner 72 Doppeltitel holte er mit seinem Freund Peter Fleming. Spielte damals auch Martina Navratilova praktisch immer und höchst erfolgreich Doppel und trugen die Stars generell zu grosser Akzeptanz der Disziplin bei, ist dies heute nur noch ausnahmsweise so: Wenn es darum geht, Matchpraxis zu sammeln – zum Beispiel beim Saisonstart, in Indian Wells oder zu Beginn der nordamerikanischen Hartplatztour im Sommer – oder bei den Olympischen

Spielen und den Team-Wettbewerben. Bei den Grand Slams sowieso aber auch bei den meisten Masters-1000 fokussieren sich Murray, Djokovic, Federer, Nadal und Co. hin­gegen voll aufs Einzel. Die Bryans übertreffen sogar John McEnroe Davon profitiert die zweite Garde, die sich ihre Existenz primär mit dem Doppel sichert. Nur gerade 5 aus den Top 20 des ATP-Doppelrankings sind auch im Einzel in den Top 100 klassiert (Mahut, Herbert, Lopez, Sock und Granollers), von den Top 100 ist es ein knapper Fünftel. Die übrigen 80 Prozent sind zu zweit am ­ Erfolgreichsten und haben damit eine ­ gute Alternative: Neben der grösseren ­ Chance auf eine Teilnahme am Davis Cup oder bei Olympia ist auch respektables

The Bryan-Brothers: Die Zwillingsbrüder Bob und Mike Bryan galten lange als bestes Doppel.

Olympische Spiele 2016: Das spanische Gold-Doppel Rafael Nadal und Marc Lopez. Geld zu verdienen, obwohl viele Turnierorganisatoren aus Kostengründen das Doppel lieber heute als morgen eliminieren würden. Daniel Nestor, der 44-jährige Profi-­ Methusalem aus Kanada, totalisierte ­beispielsweise 2016 als Nummer 15 im Ranking die stattliche Summe von 439 000 Dollar. Damit steigerte er sein Karriere­ total auf 12,532 Millionen US-Dollar, gerade einmal 20 000 Dollar weniger als McEnroe. Beachtlich, auch wenn es zu bedenken gilt, dass der streitbare Supertechniker in späteren Jahren natürlich ein Vielfaches verdient hätte. Die Bryan-Brothers haben ihren Landsmann sogar um knapp zwei Millionen distanziert, fast exklusiv wegen ihrer Doppel-Leistungen. Auch am Australian Open wird dieser Tage nicht nur um die Ehre gespielt: ­ Der Siegercheck in den Doppelkonkurrenzen beträgt bei beiden Geschlechtern 650 000 australische Dollar, knapp 485 000 ● Franken.

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Die Fragezeichen durch Ausrufezeichen ersetzt Den Finaleinzug verpassten sie zwar knapp, dennoch waren Roger Federer und Belinda Bencic am Hopman Cup in Perth die Hauptattraktion. Die gemeinsame Premiere machte Lust auf mehr.  TEXT: MARCO KELLER. FOTOS: FRESHFOCUS

D

ie Liebe wachse mit der Distanz, besagt ein englisches Sprichwort. Wenn dem so ist, muss die Entfernung zwischen Perth und Roger Federer viel grösser sein als die knapp 14  000 Kilometer, welche die Metropole an der australischen Westküste von der Schweiz trennen. Nur so ist zu erklären, dass eine regelrechte «FedererMania» ausbrach, als der Maestro kurz

vor Jahresende nach 15 Jahren wieder einmal seine Aufwartung in Perth machte. Damals hatte er zusammen mit seiner Freundin und heutigen Gemahlin Mirka gespielt, ein Jahr vorher hatte er den Titel an der Seite von Martina ­ Hingis gewonnen. 6000 Fans beim Gratistraining Nun hiess seine Partnerin Belinda Bencic,

die bei seinem letzten Gastspiel in Westaustralien noch den Kindergarten besuchte. Die drei Vorrundenspiele mit Schweizer Beteiligung in der wunderbaren «Perth Arena» waren trotz des Fassungsvermögens von mehr als 13 500 Zuschauern im Nu ausverkauft und so entschlossen sich Federer und die Organisatoren, das erste Training bei freiem Eintritt öffentlich zu machen. 6000 Fans liessen sich dieses verspätete Weihnachtsgeschenk nicht entgehen und die ersten Eindrücke verbreiteten sich auch in Windeseile um den Globus. Das kollektive Aufatmen war bis auf die Antipoden zu vernehmen. Federer war wieder fit, die sechsmonatige Zwangs­ pause nur mehr böse Erinnerung. Wie fit, erlebte am zweiten Tag des neuen Jahres als erster Dan Evans. Der Brite war ein erster echter Test, am US Open hatte er ja in der 3. Runde gegen Stan Wawrin-

 DANKE ROGER FEDERER, DASS DU DER COOLSTE PARTNER BIST, VOR ALLEM ABER DAS BESTE VORBILD. 18 1-2/2017


HOPMAN CUP

ka Matchball gehabt, ehe der Romand den Kopf aus der Schlinge zog und später bis zu seinem dritten Grand-Slam-Titel durchmarschierte. Gegen Federer war er nun aber chancenlos: Der Baselbieter startete mit einem Ass und zündete ein stündiges Feuerwerk an Gewinnschlägen. In allen Bereichen auf die Kosten kamen die Fans zwei Tage später. Federer und Alexander Zverev verlangten sich zweieinhalb Stunden lang alles ab, alle Sätze gingen ins Tiebreak. Dass er der grössten deutschen Hoffnung seit Boris Becker letztlich zum knappen Sieg gratulieren musste, konnte Federer verschmerzen: Er ging jedes Tempo mit und erhielt auch aus der Defensive mehr Sicher­ heiten, als er nach der sechsmonatigen Pause erwarten durfte. Zum Abschluss folgte das Schaulaufen im Duell der mutmasslich stärksten ­Stilisten auf der Tour. Federer degradierte Richard Gasquet beim 6:1, 6:4 teilweise zum Statisten. Dass der Wahl-Neuenburger nicht gerade mit jeder Faser seines Körpers an die Wende glaubte, lässt sich nachvollziehen, von den letzten 17 Sätzen gegen Federer hat er keinen gewonnen. Immerhin wurde Gasquet am Tag darauf beim 2:1 im Final gegen die USA zum grossen Spieler. Im ersten Einzel siegte er gegen Jack Sock nach ­abgewehrtem Matchball. Der verpasste Finaleinzug war ein ­Wermutstropfen, mehr nicht. Federer hat-

te grossen Spass auf und neben dem Platz und bewies als Zuschauer bei einem Bencic-Spiel sogar Talent als Bongospieler. Natürlich hätte er am Schlusstag g­ erne um den Titel gespielt, dennoch fiel seine Bilanz sehr positiv aus: «Es war eine tolle Woche und ich bin froh, dass ich drei Partien gegen unterschiedliche Spieler­ typen bestreiten konnte.» Auf die Frage des Platz-Interviewers, ob er 2018 wieder in Perth antreten werde, blieb Federer ­diplomatisch: «Eines kann ich sagen: Ich werde nach Perth zurückkommen.»

 ES WAR EINE TOLLE WOCHE UND ICH BIN FROH, DASS ICH DREI PARTIEN GEGEN UNTERSCHIEDLICHE SPIELERTYPEN BESTREITEN KONNTE.

Aufwärtstrend auch bei Bencic Belinda Bencic ist es oft an der Mimik ­anzusehen, ob es ihr gut läuft oder nicht. Auch sie lachte viel, genoss die entspannte Atmosphäre und ging in ihrer Rolle als begehrteste Frau des Turniers auf. Auch sportlich war die Woche ein voller Erfolg, nachdem sie seit vergangenem Juni in elf Turnieren nur gerade vier Matches gewinnen konnte. Mit Siegen gegen Heather Watson und Andrea Petkovic tankte sie etwas Selbstvertrauen und bei den Mixed-Partien gegen England und Deutschland trumpfte sie sogar gross auf. Einzig bei der Niederlage gegen ihre Freundin Kristina Mladenovic war sie zwischendurch genervt, einmal unterzog sie ihr Racket sogar einem Belastungstest über fast zehn Meter. Vor allem zeigte sie, die zuletzt in Florida trainierte und ohne Vater Ivan ­

nach Australien gereist ist, immer wieder ihr erfrischendes Lachen, das zuletzt eher selten geworden war. Natürlich lag dies auch an ihrem Partner, dem sie nach ­Turnierende auf den sozialen Medien so dankte: «Ich bin so traurig, dass der Hopman Cup schon vorbei ist, aber es war eine unvergessliche Woche. Danke Roger Federer, dass du der coolste Partner bist, vor allem aber das beste Vorbild.» Eine Wiederholung der Partnerschaft im nächsten Jahr würde nicht nur Belinda Bencic freuen. Ganz überstanden ist die Odyssee für Belinda Bencic aber noch nicht: Unmittelbar vor Redaktionsschluss musste sie in Sydney gegen die Kasachin Yulia Putinzewa beim Stande von 4:6, 3:2 wegen eines gebrochenen Zehennagels ● aufgeben. 

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An ihm scheiden sich die Geister: Nick Kyrgios ist für viele ein prolliger Rüpel mit Racket. Andere sehen in ihm allerdings einen begnadeten Spieler. 2017 soll der endgültige Durchbruch kommen. TEXT: TIM BÖSELER FOTOS: DATENBANK, GETTYIMAGES.

E

r ist doch ein feiner Kerl, dieser Nick Kyrgios. Eilt da in Tokio zu einem Fan, der auf der Tribüne zusammengebro­ chen war, reicht ihm seine Flasche Wasser, erkundigt sich nach dessen Befinden und muntert ihn schliesslich wieder auf – toll. Geht doch. Fast federerhaft. Höflich. Zuvor­ kommend. Und dann noch seine Leistungen auf dem Platz. Eingesprungene Powervor­ hände, präzise getimte Bälle durch die Beine, hingehauchte Volleystopps. Wow! Am Ende der Turnierwoche Anfang Oktober in Japan stemmt Kyrgios den Pokal in den Himmel – es ist sein grösster Titel. Zwei Wochen später ­erreicht er mit Position 13 die höchste Weltrang­ listenplatzierung seiner Karriere. Aber dieses Detail ging schon unter im frisch aufgepoppten Kyrgios-Skandal. Kurz nach seinem tadellosen Auftritt in Tokio z­ eigte der 21-Jährige in Shanghai sein anderes, sein hässliches Gesicht – ausgerechnet im Match gegen den Deutschen Mischa Zverev. Kyrgios hatte keine Lust, lief nicht zu den Bällen ­seines Gegners, liess Aufschläge einfach an sich vorbeizischen, servierte absichtlich Doppel­ fehler – komplette Arbeitsverweige­ rung. Schiedsrichter Ali Nili ermahnte ihn, Kyrgios war das egal. Bei einem Seitenwech­ sel bat er Nili: «Nun sag doch endlich ‹Time›,

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EIN IRRER TYP GOLDKETTE, BRILLI IM OHR, FUSSBALLERFRISUR: Nick ­Kyrgios passt rein äusserlich nicht so recht zum Tennis. Man könnte aber auchsagen: Der Australier sorgt für ein frisches Image einer leicht angestaubten Sportart.


NICK KYRGIOS

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K1NG KYRG1OS So nennt sich der ­21-Jährige bei ­Instagram. 330000 Fans folgen ihm dort – ein Best of. WIE BONNIE UND CLYDE: Die Selfies von Kyrgios und Freundin Ajla Tomljanovic wirken oft wie aus einem Roadmovie.

LIEBLINGSSPORT: Kyrgios ist ein riesiger Basketballfan und spielt auch selbst. Hier mit den Profikollegen Lucas Pouille, Gaël Monfils, Bernard Tomic (v.l.n.r.).

damit es w ­ eitergeht und ich gleich nach Hause kann.» Einem Fan, der etwas mehr Engagement forderte, raunte Kyr­ gios zu: «Setz dich hin, sei still und schau einfach zu.» Die Partie war eine Farce. Kyrgios ­verlor 3:6, 1:6 und pöbelte in der Presse­ konferenz weiter. Was denn mit den Fans sei, die würden doch Geld zahlen, um ihn zu sehen, wurde er gefragt. «Ich schulde ihnen gar nichts, weil ich unberechenbar bin», antwortete er. Ob es ihm nichts ­ausmache, dass er wichtige Punkte im ­Rennen für das ATP-Tour Final in London liegen liess, lautete die nächste Frage. «Ganz ehrlich, es könnte mir nicht egaler sein», konterte Kyrgios. Was für ein Schnösel! Was für ein Rotz­ löffel! Naheliegend, dass Beobachter nach dem Auftritt in Shanghai so über ihn dachten. Ein Aufschrei ging durch die ­globale Tenniscommunity. Die ATP-Tour reagierte, verdonnerte Kyrgios zur Zah­ lung von 16 500 Dollar – ein Witz an­ gesichts seines Shanghai-Preisgelds von 36 000 Dollar. Später wurde die Strafe ­erhöht: 25 000 Dollar musste er nun zu­

ZWISCHEN BAD BOY UND RIESENTALENT

TEAMPLAYER: ­Kyrgios mit der australischen Davis-CupMannschaft vor dem Relegationsspiel 2016 gegen die Slowakei.

PARADESCHLAG: Mit Fotos seiner voll durchgezogenen Vorhand im Sprung verzückt Kyrgios regel­mässig die Fans.

sätzlich zahlen. Ausserdem wurde er für acht Wochen gesperrt. Allerdings konnte Kyrgios die Sperre selbst auf drei Wochen verkürzen – durch Therapiebesuche bei einem Sportpsychologen. Es ist der traurige Höhepunkt einer an Skandalen, Eklats und Fehltritten reichen Karriere (siehe Spalte rechts) des jungen Australiers. Er sei ein «Rüpel mit Racket», ein «Proll», ein «Clown», ein «Vollidiot», um nur die Bezeichnungen zu nennen, die man noch drucken kann. Manche ­holten zum grossen Vergleich aus und ­bescheinigten John McEnroe oder Jimmy Connors, den Prototypen des Tennis­ rüpels, ordentliche Manieren, während bei Nick Kyrgios jeder Anstand verloren gegangen sei – ein klarer Fall von Geschichts­ verklärung: «Big Mac» und «Jimbo» waren nur erfolgreicher. Ja, Kyrgios ist manchmal von allen guten Geistern verlassen. Er ist total irre und ein wunderbares Beispiel dafür, wie nah Genie und Wahnsinn beieinander


INTERNATIONAL NICK KYRGIOS

l­iegen können. Sein Talent ist über­ dimensional gross, aber Kyrgios tut alles dafür, nicht als kommender Tennisstar zu gelten. Zitate, die für sich sprechen: «Spätestens mit 27 Jahren ist bei mir Schluss mit Profi­tennis.» Oder: «Ich finde es aufregender bei Pokémon Go ein Ei ­auszubrüten, als einen Breakball zu ver­ wandeln.» Oder: «Ich mag Tennis nicht besonders, viel lieber wäre ich Basketball­ profi geworden.» Klar, viele seiner Statements und Tweets sind nicht ernst gemeint. Alles, was Kyrgios von sich gibt, ist mit Ironie und Zynismus unterlegt – mal versteckt, mal offensichtlich. Frei nach dem Motto: Das ist doch alles nur ein witziges Spiel hier und ich bin mittendrin, habe ein schönes Leben und meinen Spass. Es ist eine Attitüde, die bei jungen Fans ankommt. Carlos Fleming, der IMGManager von Kyrgios, spricht von einer «modern-urbanen Jugendkultur», die sein Klient verkörpere. Er ist unangepasst, sieht alles nicht so eng, lässt sich nicht reinreden – das mögen viele seiner Alters­ genossen. Zumal er damit auch noch Erfolg hat. Wie soll man mit einem ­ ­um­gehen, der auf die Etikette pfeift, dem Konventionen egal sind und der dafür von der Jugend geliebt wird? Kyrgios fordert das System heraus, indem er Funktionäre und Turnier­ ­ direktoren regelmässig vor den Kopf stösst, ihnen aber gleichzeitig Schlag­ zeilen und Bilder liefert, die ihren Sport auch in weniger tennisaffinen Kreisen zum Thema werden lässt. Ob er letztlich dem Tennis mehr nutzt als schadet – ­darüber lässt sich ewig streiten. In seiner Heimat Australien, wo Sport­ ler unter besonderer Beobachtung stehen, weiss man nicht so recht, wie man mit diesem «Bad Boy» umzugehen hat. Der nationale Verband, Tennis Australia, ist hin und her gerissen: Einerseits will man Kyrgios schützen, ihm Freiheiten ein­ räumen, damit er dem australischen ­Tennis die so sehnlichst herbeigewünsch­ ten ­Majortriumphe bei den Herren be­ schert (Lleyton Hewitt war 2001 bei den US Open der Letzte!). Anderer­seits wird er gemassregelt und sanktioniert. Jüngs­ tes Kapitel: Für die Verleihung der «New­ combe Medal», mit der Tennis Australia den Spieler des Jahres Ende November auszeichnet, wurde Kyrgios nicht einmal nominiert – genauso wenig wie Profi­ kollege Bernard Tomic. Beide gelten in

SEINE GRÖSSTEN FEHLTRITTE Schlagzeilen machte Nick Kyrgios vor allem durch Skandale – eine Übersicht.

Montreal 2015 «Mein Kumpel hat deine Freundin gebumst» – es ist der Satz, der Kyrgios berühmt gemacht hat. Er fiel im Match gegen Stan Wawrinka. Kyrgios entschuldigte sich zunächst nicht, musste 10 000 Dollar Strafe zahlen. Wawrinka: «Was gesagt wurde, hätte ich nicht einmal zu meinem schlimmsten Feind gesagt.» Auf Facebook schrieb Kyrgios später: «Meine Äusserungen (...) waren auf vielen Levels inakzeptabel – sorry!»

Wimbledon 2015 Bei der Achtelfinalpleite gegen Richard Gasquet pöbelte Kyrgios in Richtung eigene Box und Schiedsrichter. Danach schenkte er einige Punkte ab. Die Fans pfiffen ihn aus. Australiens Schwimmlegende Dawn Fraser sagte: «So einer ist kein Vorbild. Er soll dorthin zurück, wo er herkommt.» Kyrgios konterte: «Sie ist eine ­Rassistin.» Hintergrund: Die Eltern von Kyrgios sind Einwanderer – der Vater ist Grieche, die Mutter Malaysierin.

Olympia 2016 Kyrgios sagte Rio ab, weil er sich vom australischen NOC ungerecht behandelt fühlte. Ihm wurde vorgeworfen, er wisse nicht, was es heisst, ein Olympionike zu sein – und erhielt einen 16-seitigen Verhaltenskodex. Kyrgios twitterte: «Die sollen sich meinen Tweener-Lob anschauen. Dann werden sie sehen, dass ich nach Rio gehöre.»

Shanghai 2016 Gegen Mischa Zverev schenkte Kyrgios komplett ab, verlor 3:6, 1:6. Danach sagte er: «Ich schulde den Fans gar nichts, weil ich unberechenbar bin.» Später ruderte er zurück, entschuldigte sich brav. Die ATP verhängte eine Geldstrafe über 25000 Dollar und sperrte ihn für drei Wochen – sofern er einen Sportpsychologen aufsucht.

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INTERNATIONAL NICK KYRGIOS

VORHANDPEITSCHE: Kyrgios beim Turnier in Tokio, wo er im Oktober 2016 seinen ersten 500er-Titel gewann.

SEIN TALENT IST ÜBERDIMENSIONAL GROSS, ABER KYRGIOS TUT ALLES DAFÜR, NICHT ALS KOMMENDER TENNISSTAR ZU GELTEN. i­hrer Heimat nicht als Vorzeige­athleten. Die Nicht-Nominierung kommentierte ­Kyrgios auf seine Art: mit einem Tränen lachenden Emoji auf Twitter. Ob ihm das alles wirklich so egal ist? Spielt er womöglich nur den teilnahms­ losen Egoshooter, um sich selbst den Druck zu nehmen, der seit Kindertagen auf ihm lastet? Australien ist sport- und tennisverrückt – vor allem im Bezug auf das eigene Grand-Slam-Turnier im Januar. Spätestens seit ­ Kyrgios 2013 den Juniorentitel in ­Melbourne gewann, wird er als «next big

thing» in Down Under gehandelt. Er nimmt diese Rolle so an, wie man es von ihm gewohnt ist: cool und lässig. «Klar kann ich einen Grand-Slam-Titel ­gewinnen – wenn ich mehr trainieren, besser essen und häufiger ins Gym gehen würde. Ich weiss nur nicht, ob ich das ­alles wirklich will», sagte Kyrgios einmal im Gespräch mit einem Reporter der New York Times. Seit dem Sommer 2015 ist er ohne Coach unterwegs, öfter als viermal pro Woche soll er nach eigenen Angaben mit Hittingpartnern nicht trainieren. Klassi­ sches Bällekloppen und Ausdauerdrills hasst er. Bei ihm muss alles eine spiele­ rische Komponente haben, sonst verliert er ruckzuck die Lust. Richtig heiss läuft Kyrgios nur dann, wenn es um Punkte geht. Er ist ein Matchplayer, eine Rampen­ sau – was eigentlich ein unschätzbarer Vorteil ist. Als Wettkampftyp überzeugte er schon in Jugendzeiten. Damals war er über­ gewichtig, langsam, ausdauerschwach («Ich war früher mit meiner Oma zu oft

bei Kentucky Fried Chicken!»), aber sein Arm «war so schnell, als ob er mit einem Zahn­stocher in der Hand spielen würde», sagte einmal die australische Legende Pat Cash über den damals 16-jährigen Kyrgios. Um seine Vorteile auszuspielen, eignete er sich eine Spielweise an, die ihn heute noch auszeichnet: den nächsten Ball des Gegners so früh wie möglich erahnen, ­Rallies kurz halten, schnell attackieren, Punkt machen. Kyrgios spielt spektakuläres Überfalltennis mit ultraschnellen Vorhänden und krachenden Aufschlägen. Aber: Er hat ­eine Schwäche für «Trickshots», also für völlig wahnsinnige Schläge. Wenn sie funktionieren, werden seine «Tweener» oder Wickelvolleys 100 000-fach im Web geteilt. Macht er bei seinen haarsträuben­ den Aktionen einen Fehler, sieht er aus wie der letzte Depp – eigentlich. Kyrgios aber lacht dann auf dem Platz. Er hat sei­ nen Spass, das ist ihm am Wichtigsten. Ob er so die Australian Open gewinnen kann? Eher unwahrscheinlich. Aber Kyrgios ist unkalkulierbar – in jeder Hinsicht. ●

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MIT SCHLÄGER UND BREITEM ­GRINSEN: Sharapova genoss die Rückkehr auf den Tennisplatz.

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MARIA INTERNATIONAL SHARAPOVA

ZURÜCK IM SPIEL Durch ihre ­verkürzte Dopingsperre kann Maria ­Sharapova im April 2017 wieder auf der WTA-Tour spielen. Die Russin inszeniert sich nun als Opfer der Anti-Doping-Politik. TEXT: TIM BÖSELER. FOTOS: GETTY IMAGES

A

SIE IST WIEDER DA: Maria ­Sharapova feierte sich selbst, bevor sie bei einem Showevent in Las Vegas im Oktober den Platz betrat.

ls sie auf den Platz sprintet, ihr Lächeln ­anknipst und 2500 jubelnden Fans zuwinkt, ist Maria Sharapova wieder in ihrem Element. Sie schält sich aus einem dunklen Umhang, lässt ein gelb-schwarzes Outfit aufblitzen und greift zum Racket – die Menge johlt. Maria Sharapova spielt wieder Tennis. Nicht auf irgendwelchen Trainigscourts, von denen sie regelmässig via Instagram-Video ihre Drills um die Welt schickt, sondern auf einem Turnierplatz vor vielen Zuschauern. Anfang Oktober trat sie bei einem ­Charity-Event in Las Vegas an. Szenegrössen wie Martina Navratilova, John McEnroe und Andy ­Roddick spielten mit ihr für einen guten Zweck: Die Erlöse des Abends flossen in die Aids-Stiftung von Sir Elton John, der als grosser Tennisliebhaber mit auf dem Platz stand. «Es ist acht Monate her, dass ich in einem richtigen Stadion gestanden habe», erzählte Sharapova zuvor in einer Presserunde. ­ ­«Dabei spielt es keine Rolle, ob das nur ein Showkampf oder ein Grand-Slam-Final ist. Man muss für jeden Match bereit sein, jeden Abend. Das bin ich den Fans schuldig.» Worte eines Medienprofis. Es war ein warmer Empfang einer tief Gefallenen. Ein Zuschauer überreichte der Russin sogar einen Strauss mit roten Rosen: «Wunderbar, dass du ­wieder da bist.» Eine Woche vor ihrem Auftritt im Zocker­ paradies wurde Sharapova vom Internationalen Sport-Gerichtshof CAS begnadigt: Ihre Dopingsperre wurde von 24 auf 15 Monate reduziert. Ende April darf Sharapova wieder auf der WTA-Tour spielen.

Rückblende: Anfang März trat Sharapova in Los Angeles mit einer Beichte vor die Presse. Sie wurde während der Australian Open 2016 positiv auf Meldonium getestet – eine Schreckensnachricht für die Szene. Den Wirkstoff Meldonium, der erst seit dem 1. Januar 2016 auf der Dopingliste steht, nahm Sharapova nach eigenen Angaben regelmässig zu sich – um Herzproblemen vorzubeugen. Von dem Verbot seit Jahresbeginn wusste sie angeblich nichts.

SHARAPOVA IST KEIN «INTENTIONAL DOPER» Im Sommer folgte schliesslich das Urteil des Tennis-Weltverbandes ITF: zwei Jahre Sperre bis Ende ­Januar 2018. Die Begründung der ITF gipfelte in dem Fazit: «Sie nahm Meldonium zum Zweck der Leistungssteigerung.» Der CAS sah das anders und bezeichnete Sharapova nicht als «intentional doper» – als jemanden, der mit Vorsatz leistungssteigernde Mittel zu sich nimmt. Wegen ihrer Versäumnisse ­trage sie allerdings eine Teilschuld – deshalb die 15 Monate Sperre. Ihre Begnadigung ist Sharapovas grösster Sieg. «Jeder konnte zu meinem Fall seine Einschätzungen öffentlich abgeben. Am Ende aber bin ich es, die das letzte Wort hat», verkündete sie in einem Interview

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MARIA SHARAPOVA

Königin der Selbstvermarktung Powerfrau, VIP-Gast, Werbe-Ikone – Sharapovas Geschäfte laufen bestens. SÜSSES ODER SAURES? Über ihre Süsswaren-Marke «Sugarpova» verkauft Sharapova nun auch Schokolade. PROFIS UNTER SICH: ­Sharapova beim Besuch einer Benefizgala von Golfstar Tiger Woods.

nach dem CAS-Urteil mit voller Genugtuung. Es war ein Seitenhieb auf die ITF und deren Anti Doping-Politik. Ihr zentraler Vorwurf: Die ITF würde zu wenig unternehmen, um Profis davor zu schützen, in eine Dopingfalle zu ­tappen. In ihrem Fall waren es E-Mails, aus denen nicht klar ersichtlich gewesen sei, dass Meldonium nun verboten ist. Den Leiter der Anti Doping-Einheit der ITF, Stuart Miller, griff sie sogar persönlich an: «Ich war schockiert ­darüber, wie wenig jemand wie er über das Thema weiss. Wir sprachen in den Anhörungen oft über Meldonium, aber er hatte überhaupt keine Ahnung davon.» Was ­Sharapova – natürlich – verschweigt, sind die Zweifel, die bleiben. Warum muss eine Athletin wie sie überhaupt Herzpillen schlucken? Warum verabreichte ihr ein Arzt bis zu 30 unterschiedliche Medikamente?

GIBT SHARAPOVA IHR COMEBACK IN STUTTGART?

«PIPPIPOVA»: Für eine Halloween-Party in Hollywood ­verkleidete sie sich als Pippi Langstrumpf. BUSINESSWOMAN: Beim «Unter 30-Gipfel»des Wirtschaftsmagazins Forbes dozierte die 29-Jährige über Markenbildung. AUTOFAN: ­Sharapova bei der Eröffnung eines «Erlebnis­centers» ihres langjährigen Werbepartners Porsche in Los Angeles.

Auf diese Fragen wird man nie Antworten erhalten. S­ harapova umtreibt längst andere Themen. Während ihrer Zwangspause probierte sie neue Workout-Methoden aus (Boxen, Spinning, Strandtraining), schrieb sich für ein zweiwöchiges Blockseminar bei der Harvard-BusinessSchool ein, hospitierte beim Chef der nordamerikanischen Basketballliga (NBA), trieb die Geschäfte mir ihrer Süssigkeitenmarke «Sugarpova» voran und freute sich über ein geregeltes Leben, wie sie es bislang nicht kannte. «Ich wusste nie, wie sich Wochenende anfühlen – jetzt weiss ich, dass sie grossartig sind», flötete sie. Ihr nächstes Ziel: die Rückkehr in den WTA-Circuit. Rücktrittsgedanken habe sie nie gehabt, beteuert sie. Und die Auszeit half ihr, sich zu regenerieren – nach 15 Jahren auf der Tour und vielen Verletzungen. «Ich vermisse es, auf meine Bühne zu gehen. Das ist es, was ich tue, seit ich ein kleines Mädchen bin», sagte Sharapova im Gespräch mit US-Medien. «Meine Bühne» – das sind die grossen Courts dieser Welt, Wimbledon, Paris, New York. Wann sie genau zurückkommt, ist noch nicht klar. Fest steht, dass sie ab dem 26. April 2017, kurz nach­ ihrem 30. Geburtstag, wieder spielberechtigt ist. Der Tag liegt genau in der Woche des Porsche Tennis Grand Prix von Stuttgart. Es wäre ein passender Ort für ihre Rückkehr: Sharapova wird von Porsche weltweit als Testimonial eingesetzt, das Stuttgarter WTA-Turnier steht seit 2012 fest in ihrem Terminkalender. Dreimal holte sie schon den Titel. Ob sie aber wirklich in Stuttgart antreten kann, hängt von der WTA-Tour ab. Man prüfe derzeit noch die Statuten, heisst es. Das Problem: Der 26. April 2017 ist ein Mittwoch, das Turnier beginnt aber schon Montag. Die Regeln für ­einen solchen Fall sind nicht klar formuliert. Klar ist nur: Bald werden ihr die Fans wieder ­zujubeln. Nicht nur bei Showevents, auch auf der grossen ● Bühne. 

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DIE AUS DER KÄLTE KAM 30 1-2/2017


MARTINA NAVRATILOVA

60 Jahre Martina Navratilova. Vor kurzem feierte sie Geburtstag. Wer ist die Frau eigentlich, die in den 80er-Jahren Steffi Grafs erste grosse Gegnerin war? Ein Blick zurück und nach vorne. TEXT: MICHAEL SCHOPHAUS. FOTOS: GETTYIMAGES, DATENBANK

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NOCH NICHT BLOND: Martina Navratilova 1973 bei ihrer Wimbledon-Premiere bei den Damen. Das Juniorenturnier gewann die 16-Jährige im gleichen Jahr.

or sechs Jahren erfährt Martina Navratilova, dass sie Krebs hat. Guten Krebs. «Was ist das», fragt sie, «guter Krebs?» «Keine Chemo», sagt die Ärz­ tin, die auch ihre Freundin ist, «nur Bestrahlung.» Sie hat den Knoten in der Brust ertastet. Die Wahrschein­ lichkeit, dass er zurückkommt, liegt bei fünf Prozent. Navratilova ist verstört, fürchtet sich vor sich selbst. ­Bisher hat sie die Angst immer besiegt, sie mutig aus­ gelacht. Sie macht einen Pilotenschein, weil sie Flugangst hat. Sie hängt sich eine Python um den Hals, um die Angst vor Schlangen zu überwinden. Sie fürchtet tiefe Gewässer und geht im offenen Meer tauchen. «Wenn was Schlimmes passiert», sagt sie, «suche ich nach Lösungen.» Aber ihr Körper will plötzlich nicht mehr. Ein Körper, der sie reich gemacht hat. Mehr als 20 Millio­ nen Dollar hat er ihr mit Tennis eingebracht. Sie konnte sich ein Leben lang auf ihn verlassen. Nun trägt sie etwas in sich, das nicht da sein sollte. Die Behandlung geht ihr oft nicht schnell genug. Nach dem letzten Termin gibt sie eine grosse Party. Heute gilt sie als geheilt. Sie ist damals 53 und will jetzt Dinge machen, die sie zu lange aufgeschoben hat. Geld hat sie ja genug. Sie steckt sich Nadeln in die Weltkarte. In Orte, wo sie noch nicht war. Alaska. Madagaskar. Galapagos. Sansibar. Kilimandscharo. «Jetzt beginnt mein zweites Leben», sagt sie. Was Menschen eben so sagen, die es sich leisten können. Ihr erstes beginnt vor rund 60 Jahren in Rewnitz, einem Kaff bei Prag. Als Kind kennt sie jeder, sie läuft mit einem Rucksack voller Ziegelsteine herum. Hüpft, rennt, klettert auf Mauern, um starke Beine zu kriegen. Prügelt stunden­ lang Tennisbälle gegen die Wand ihres Hauses an der ­Prazka Ulice. Die Leute schütteln den Kopf, ach, wieder die Bekloppte, tuscheln sie, diese «Martinka». In der Hand hält sie den abgesägten Holzschläger ihrer Grossmutter Agnes, der böhmischen Meisterin von 1935. Martina ­ ­verehrt sie über alles. Der Tennisplatz liegt direkt hinterm Haus. Ihre Eltern spielen dort, so oft sie können. Sie lassen sich scheiden, als ihre Tochter drei ist. Ein paar Jahre später bringt sich der Vater um. «Papa ist weg», sagt man ihr, niemand trock­

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IHRE SCHALE: Neunmal gewann die gebürtige Tschechin Wimbledon.

SELTENES BILD: 1985 tanzte Frauenrechtlerin Navratilova mit «Chauvi» John McEnroe. Was beide verband: Sie waren die Nummer eins der Welt.

ERFOLGE NAVRATILOVA Die Wahlamerikanerin galt als Pionierin der Fitnesswelle im Tennis. 331 Wochen stand sie auf Platz eins der Weltrangliste. 167 Titel holte sie, davon 18 Grand Slam-Siege. Im Doppel war sie noch erfolgreicher (177 Titel, 31 Majorsiege). Ihr Lieblingsturnier: Wimbledon. Neunmal siegte sie dort. Mit dem zehnten Titel, 1994 im Final gegen Conchita Martinez, klappte es nicht. 2006, kurz vor ihrem 50. Geburtstag, holte sie mit Bob Bryan den Mixed-Titel bei den US Open. 21 626 089 Dollar kassierte die Linkshänderin in 31 Profijahren.

net ihre Tränen. Der Wind bläst rau in Rewnitz. Irgendwann legt sich Mirek, der Trainer des Vereins, zu ihrer Mutter ins Bett. Mirek entdeckt das grosse Talent der kleinen Martina. Scheucht sie mit fünf über den Platz, jeden Tag nach der Schule, mit acht nimmt sie an ihrem ersten Turnier teil. Ein Jahr später schickt Mirek sie nach Prag, er kann ihr nichts

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AUTOFAN: «Ich schraube sogar selbst an meinen Autos rum», gestand Navratilova in einem Interview mit tennis MAGAZIN. 1978 kaufte sie sich ihren ersten Porsche.

mehr beibringen. Sie fährt die 24 Kilometer mit dem Zug in die Stadt. Manchmal darf sie auf Mireks alter Kiste sitzen. Er zurrt sie mit Paket­ band am Motorrad fest, damit sie nicht runter­ fällt. Mutter Jana soll es nicht wissen. Martina Navratilova ist mit 16 die beste ­Spielerin der Tschechoslowakei. Die Schläge kommen wie im Schlaf, sie drischt die Bälle übers Netz, knallhart. Kaum einer hält sie für ein Mädchen. Sie fährt Ski im Riesengebirge, rauft sich mit den Jungs aus der Nachbarschaft im Fussball und Eishockey. Kurze Haare, ­Männerhosen, Holzfällerhemd. Sie steigt auf Bäume, schraubt an Mopeds. Martina ent­ spricht nicht dem Frauenbild ihrer Heimat. Sie fällt der Staatssicherheit auf, wird stän­ dig vom Verband gegängelt. Der profitiert von ihrem Können, nur elf Dollar Tagessatz vom Preisgeld darf sie behalten. 1968 steht sie mit offenem Mund auf dem Platz, als neben ihr russische Panzer nach Prag einrollen. Sie hasst den Grossen Bruder aus Moskau. Kommunis­ ten enteignen das Haus ihrer Mutter. Sie weiss

nicht, wohin mit ihrer Wut. Steckt sie in die Wucht ihrer Schläge. Das Land wehrt sich. Doch der Kalte Krieg ist stärker als der Prager Frühling. Der Alltag erstarrt immer weiter, sie weiss, sie muss ins Ausland, um besser zu werden. 1973 ist sie zum ersten Mal auf einer Turnierserie in den USA. Sie staunt, geniesst das süsse Leben. Schaufelt alles in sich hinein, was sie nicht kennt. Taucht in eine Welt aus Junk Food und Eisbechern ein. «Ein Paradies zum Kotzen», heisst es in einer ihrer Biografien. Es ist, als hätte man sie in Disneyland freigelassen. Irgendwann wiegt sie 75 Kilo, bei 173 Zen­ timetern Körpergrösse. Es würgt sie beim Blick in den Spiegel, der Kapitalismus steht ihr bis zum Hals. Sie hungert, setzt sich bekleidet in die Sauna. Spielt sich dünn, bevor sie nach Hause fliegt. «Mit der cholerischen Energie ihres Willens», wie der Schriftsteller Wolf ­ ­Wondratschek später über sie schreibt. Zwei Jahre danach bleibt sie für immer in den USA. Ein schwerer Schritt für eine junge Frau, die


MARTINA INTERNATIONAL NAVRATILOVA

DAUERDUELL: 80-mal duellierte sie sich mit Chris Evert (l.) zwischen 1973 und 1988 – 43:37 für Navratilova.

Legendär: Steffi Graf bei ihrem ersten Grand-Slam-Sieg 1987 in Paris. Für Navratilova blieb nur «Tafelsilber». DREI GENERATIONEN: Navratilova, Graf und Monica Seles (v.l.) 1990 bei einer WTA-Veranstaltung im New Yorker Plaza-Hotel.

gerade mal 18 ist. Am 6. September 1975 stellt sie einen Antrag auf politisches Asyl. Es sollte fünf Jahre dauern, bis er genehmigt wird. ­Solange ist sie staatenlos, man traut ihr nicht. Der Eiserne Vorhang wirft seinen Schatten bis nach Amerika. Sie erhält Morddrohungen, aus Angst legt sie sich einen Revolver zu. Im Mai 1978 gewinnt sie zum ersten Mal Wimbledon. Besiegt Chris Evert in drei Sätzen, mit der sie bereits im Doppel zwei Jahre vor­ her erfolgreich war. Mirek hat es schon immer gewusst, kann es in Rewnitz am Radio hören. Seine Martina, die Königin von England! In ihrer Karriere wird Navratilova 20 Titel in ­ ­Einzel, Doppel und Mixed auf dem heiligen Rasen holen. Nur Billie Jean King schafft es genauso oft. Chris Evert gegen Martina Navratilova. Die nächsten Jahre sind geprägt vom Zweikampf dieser beiden Frauen. Gut gegen Böse. Die Schöne gegen das Biest. Die Zuschauer buhen, wenn die aus dem Osten das Stadion betritt. Navratilova spielt das Spiel der launischen

­ iva mit. Grimmiger Blick, patzige Gesten. D Statt eines Rockes trägt sie oft kurze Hosen. Sie spielt kein Tennis. Sie zieht ständig in den Krieg. Reisst einem Fotografen die Kame­

IN DIE HERZEN DER AMERIKANER SIEGT SIE SICH NICHT ra aus der Hand, trampelt sie kaputt. Brüllt, zielt mit dem Schläger auf den Schiedsrichter, als wolle sie ihn erschiessen. Während Chris Evert mit dem Publikum flirtet. «Come on», hört Navratilova jemanden rufen, «wir wollen, dass eine richtige Frau gewinnt.» Mit jedem Sieg wird sie mehr gehasst. New York, London, Paris, Melbourne. Nav­ ratilova wird 1978 Erste der Weltrangliste. Ins­

gesamt ist sie das 331 Wochen lang. Sie siegt für ihr Konto, für ihr Ego, in die Herzen der Amerikaner siegt sie sich nicht. Sie spielt ­weiter die Rolle des bösen Mädchens. Wettert später gegen die Politik von George Bush, den ersten Irakkrieg, Tierquälerei. In einer Talkshow bei CNN sagt sie, bei­ ihrer Flucht habe sie ein Land, das Meinungs­ äusserung unterdrückt, gegen ein anderes ­eingetauscht. «Dann gehen Sie doch wieder ­zurück», sagt der Moderator. Aber da hat sie es sich im Kapitalismus schon längst bequem gemacht. Ihr Haus im texanischen Fort Worth ist so gross, dass man sich darin verlaufen kann. Badezimmer aus Marmor, Spiegel an der ­ ­Decke, eine Rutsche führt vom ersten Stock in den Garten. Sie liebt protzige Schlitten. In­ ihrer Garage stehen ein Pontiac, Toyota, BMW, Mercedes, Porsche und zwei Rolls Royce. Das Jahr 1981 verändert alles. Sie gibt dem Journalisten Steve Goldstein von «Daily News» ein Interview. Zuerst geht es nur um ihre Rück­

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tennis & wellness

Das Tennis-Wellness Hotel von Sepp Baumgartner

BAYERN/ WAGING AM SEE

Tennis-Hotel Sepp Baumgartner TENNISCAMP: Im wohl beliebtesten Tenniscamp Deutschlands kümmert sich Sepp Baumgartner persönlich um seine Gäste. Die Philosophie des deutschen Tennislehrermeisters, Europachampion der Senioren, Weltmeister der Ski/Tennis-Kombination und Inhaber von vier Trainerlizenzen ist erstklassiges Training mit Spaß zu vermitteln. HOTEL & SPA: 2014 hat Sepp sein neues Tennis-Wellnesshotel eröffnet. Das Ziel von Sepp war ein schlüssiges Gesamtkonzept. „Wir haben erkannt, dass unsere Gäste Erholung und Entspannung bei gleichzeitiger Aktivität suchen“ sagt Sepp Baumgartner. Direkt am Tenniscamp mit 4 Hallenplätzen (Granulat) und 8 Sandplätzen entstand ein wunderschöner SPA mit Sinnesgarten (Nacktbereich) und Zengarten (Textilbereich), 8 Saunen und vielen Relaxzonen. Nach einem intensiven Tennistraining kann man hier wunderbar entspannen und bei speziellen Massagen fit für den nächsten Tag werden.

Fotos©photo-standl.de, WellnesGarten

Das neue Tennis-Wellnesshotel mit 2 Schwimmteichen fügt sich harmonisch in das Ensemble Tenniscamp und Wellnessgarten ein. Die modernen Zimmer mit großer Terrasse - einige mit direktem Zugang zum Schwimmteich - sind gemütlich eingerichtet und das Ganze von seiner Frau Hildegard außergewöhnlich geschmackvoll dekoriert.

WOHLFÜHLATMOSPHÄRE: Besonders geschätzt wird von den Gästen die freundliche und familiäre Atmosphäre. Bei 3 Gesellschaftabenden (Kennenlernen-, Theorie- und Abschlussabend mit Buffet) lernt man schnell Gleichgesinnte kennen. Besonders zu erwähnen ist noch die exzellente Küche und das stets sehr freundliche und aufmerksame Personal.

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Tennis-Wellnesshotel: Am See 7 n D-83329 Waging am See n Tel.: 0049/ (0)8681/ 478 480 info@seppbaumgartner.de n www.seppbaumgartner.de


MARTINA NAVRATILOVA

ABTAUCHEN: Nach ihrer Karriere schreibt Navratilova Bücher, bereist fremde Länder, besteigt Berge – und taucht in der Karibik.

hand, ihre schlechte Laune, alles wie immer, denkt sie noch. Dann will der Reporter über die Schriftstellerin Rita Mae Brown reden, er wisse da was. Navratilova gesteht ihm, dass sie eine Affäre mit der Starschreiberin hat. Goldstein verspricht ihr Stillschweigen. Am nächsten Tag steht es auf der ersten Seite seiner Zeitung. Amerika jault auf, es ist viel zu prüde für Homosexualität. Sie wird gnadenlos von der Presse gejagt. Die scheint nur darauf gewartet zu haben, richtig auf sie einzuschlagen. Nav­ ratilova muss durch einen Sumpf schmutziger Geschichten, der bis heute nicht trocken gelegt worden ist. Jeder schreibt, was er will. Irgend­ wann gibt sie auf, sich dagegen zu wehren.

AM 9.9.2006 IST ENDGÜLTIG SCHLUSS Eine Geschichte geht so: Rita Mae Brown soll sie mit einem Revolver bedroht haben, als Martina angeblich mit einer Basketballspiele­ rin fremdgeht. Nach der Trennung verfasst Brown «Die Tennisspielerin», einen Roman über Lesben, Lust und Laster. Alle Anspielun­ gen im Buch sind gewollt, es herrscht Rach­ sucht statt Recherche. Kurz danach verliebt sich Navratilova in die ehemalige Schönheitskönigin Judy Nelson, die

für sie ihren Mann und zwei Kinder verlässt. Die Beziehung hält bis 1991, das gerichtliche Ende wird live im Fernsehen übertragen. Es geht um fünf Millionen Dollar Abfindung und zwei Dutzend Katzen. Auch Nelson schreibt. In «Love Match» ­berichtet sie von ihrem Sex. «Wenn ich sie strei­ chelte», schreibt sie, «wurde ihr harter Körper ganz weich.» Heute ist Navratilova mit Julia Lemigova verheiratet. Ein russisches Model, 16 Jahre jünger als sie. «Ich wurde nicht als Lesbe geboren», sagt sie dem «Spiegel». Aber die Liebe zu Männern erscheint ihr brutal, feindselig fast. Sie siegt weiter, es bleibt immer auch ein Kampf der ­Geschlechter. Als der aidskranke Basketballstar Magic Johnson gesteht, mit Hunderten von Frauen geschlafen zu haben, beklagt sie sich: «Eine Frau würde man jetzt Hure nennen und die Sponsoren liessen sie fallen wie eine ­heisse Kartoffel.» Nach dem Rücktritt von Evert heisst Navra­ tilovas neue, ständige Gegnerin Steffi Graf. Nicht nur in Wimbledon liefern sie sich heisse Gefech­ te. «Ich mag sie», sagt Navratilova, aber sie glaubt, dass Graf ein wenig schüchtern ist. Das schüchterne Mädchen fegt sie regelmässig vom Platz. Dem «Stern» gesteht Navratilova, dass sie der Deutschen ein Bündel Briefe geschrieben hat, doch sie bekommt keine Antwort. Zehn Jahre nach ihrer Flucht steht sie ­wieder in Prag auf dem Platz. Der Empfang ist kühl, aber freundlich. Sie ist mit dem US-Team beim Federation-Cup, im Endspiel 1986 schlagen sie die Tschechoslowakei mit drei zu null. Die ­Zuschauer klatschen, als sie bei der Sieges­rede von Weinkrämpfen geschüttelt wird. Für einen Abstecher nach Rewnitz verspricht man ihr freies Geleit. Mit 37 Jahren hat sie keine Lust mehr, ­gegen kleine gelbe Bälle zu prügeln. Der Körper ist müde, sie ist satt. Was soll nach über 1300 Siegen im Einzel auch noch kommen? Sie ­ möchte ein normales Leben führen. Aber sie weiss nicht, wie ein normales Leben geht. Sie wirft Bälle mit Farbe gegen eine Lein­ wand, verkauft es als Kunst. Lernt Kisuaheli, reitet auf ihrem Pferd, das Grand Slam heisst. Flitzt im Sturm beim Eishockey herum, ihre Mannschaft nennt sich Motherpucker. Füttert Hündchen «Killer Dog» mit Tafelspitz. Hunde! Sie ist verrückt nach Hunden. Jetzt hat sie viel Zeit dafür. Sie langweilt sich, hockt stunden­ lang im Cafe, bringt den Krimi «Spiel, Satz und Tod» heraus. Er erzählt vom mörderischen Leis­ tungsdruck auf dem Tennisplatz. Der Täter ­landet in der Tiefkühltruhe. Das Buch verkauft sich kaum, wird schlecht besprochen. Es kommt, wie es kommen muss. Sie ist 43, als

sie wieder in die kurze Hose schlüpft. Der Rücktritt vom Rücktritt. Viele schütteln ungläubig den Kopf, doch die Navratilova hat ein ehrgeiziges Ziel. Sie will noch einmal in Wimbledon gewinnen, um mit ihrem Vorbild Billie Jean King gleichzuziehen. «Der Besuch der alten Dame» spotten die ­Zeitungen, wenn sie gegen Mädchen mit Zahn­ spangen antritt, deren Mutter sie sein könnte. Sie geniesst ihre Auftritte, wirkt befreiter als früher. Zum ersten Mal scheint ihr das ver­ dammte Tennis Spass zu machen. Manchmal lächelt sie sogar. Dann endlich hat sie in England so häufig gewonnen wie Billie Jean King. Ein letzter Wimbledonsieg im Mixed 2003. Ihr Partner ­Leander Paes schwärmt, dass sie ihn mit ihrer Lust am Spiel zu einem kleinen Jungen ge­ macht hat. Navratilova ist 17 Jahre älter als er. Am 9. September 2006 legt sie den Schläger in New York endgültig aus der Hand. Sie hat noch einmal, ein allerletztes Mal im Mixed ­gesiegt. Fünf Wochen, bevor sie 50 wird. Sie lächelt ihre Angst weg. Die Angst vorm Auf­ hören. Die Angst vor einem Fall ins tiefe Loch. Der Schmerz im linken Knie macht ihr das ­Aufhören leicht. Navratilova lebt danach ihr Leben, sie hat es endlich gelernt. Ohne Asche am Ellenbogen, ohne Fahrer zum Hotel. Ohne roten Teppich. Ohne grünen Platz. Ohne Spiel, Satz und Sieg. Bis plötzlich der Krebs kommt, einfach so. Da ist sie wieder auf dem Titel der Klatschblätter. Doch diesmal öffnet sie sich, versteckt sich nicht. Will nicht wieder die Gefangene ihrer ­eigenen Ansprüche werden. Will nur keinen ● Krebs mehr.

ÜBER DEN AUTOR Michael Schophaus arbeitete früher bei Sports und beim Stern. Seit 30 Jahren schreibt er über Sport. Er war Berichterstatter bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, heute ist der Sachbuchautor freiberuflich für zahlreiche Magazine (u.a. Merian) tätig. Seine Erfolge im Tennis sind überschaubar. Früher hat er öfter mal seinem Zahnarzt beim Spielen Schmerzen zugefügt.

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INTERNATIONAL RANKINGS

09.01.2017

Prize Money 09.01.2017

Rank Name

Grigor Dimitrov: Der Bulgare startete mit einem Turniersieg in Brisbane höchst erfolgreich ins neue Jahr und liegt jetzt auf Platz 15. Er unterstrich seine Ambitionen auf einen Platz in den Top ten.

➜ Nick Kyrgios: Der Rüpel aus Australien war in der ersten Januar-Woche noch nicht aktiv und fiel einen Rang zurück. Neu liegt das Sorgenkind der ATP auf Rang 14.

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34.

Points

Andy Murray (GBR)  12.560 Novak Djokovic (SRB) 11.780 Milos Raonic (CAN) 5.290 Stan Wawrinka 5.155 5.010 Kei Nishikori (JPN)  Gaël Monfils (FRA) 3.625 Marin Cilic (CRO) 3.605 Dominic Thiem (AUT) 3.415 Rafael Nadal (ESP)  3.195 Tomas Berdych (CZE) 3.060 David Goffin (BEL) 2.750 Jo – Wilfried Tsonga (FRA) 2.595 Roberto Bautista-Agut (ESP) 2.510 Nick Kyrgios (AUS) 2.460 Grigor Dimitrov (BGR) 2.195 Lucas Pouille (FRA) 2.131 Roger Federer 1.980 Richard Gasquet (FRA) 1.885 John Isner (USA) 1.850 Ivo Karlovic (CRO) 1.795 David Ferrer (ESP) 1.785 Pablo Cuevas (URY) 1.780 Jack Sock (USA) 1.710 Alexander Zverev (GER) 1.655 Gilles Simon (FRA) 1.585 Albert Ramos-Vinolas (ESP) 1.435 Bernard Tomic (AUS) 1.420 Feliciano Lopez (ESP) 1.410 Viktor Troicki (SRB) 1.385 Pablo Carreno Busta (ESP) 1.370 Sam Querrey (USA) 1.355 Philipp Kohlschreiber (GER) 1.325 Steve Johnson (USA) 1.320 Gilles Muller (LUX) 1.255

Rank Name 

35. 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50.

Martin Klizan (SVK) Marcos Baghdatis (ZYP) Marcel Granollers (ESP) Nicolas Mahut (FRA) Del Potro Juan Martin (ARG) Fernando Verdasco (ESP) Paolo Lorenzi (ITA) Federico Delbonis (ARG) Nicolas Almagro (ESP) Joao Sousa (POR) Kyle Edmund (GBR) Benoit Paire (FRA) Fabio Fognini (ITA) Andrey Kuznetsov (RUS) Florian Mayer (GER) Mischa Zverev (GER)

Swiss Players 128. Marco Chiudinelli 135. Henri Laaksonen 335. Yann Marti 489. Adrien Bossel 611. Antoine Bellier

1.230 1.140 1.136 1.122 1.110 1.105 1.090 1.040 1.040 1.030 989 960 945 935 903 884 471 452 143 78 49

Roger Federer Der Maestro gab am Hopman Cup ein eindrückliches Comeback, fiel aber auf Platz 17 zurück, was sich in der Setzliste am Australian Open negativ auswirken könnte.

➜ Karolina Pliskova: Mit ihrem Sieg in Brisbane gewann die US-Open-Finalistin aus Tschechin einen Rang und befindet sich neu bereits unter den Top 5.

➜ Dominika Cibulkova: Den Start ins Jahr 2017 hat sich die Slowakin wohl anders vorgestellt. In Brisbane kam das Out bereits in der zweiten Runde gegen die Nummer 31, die Französin Alizé Cornet.

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34.

Novak Djokovic (SRB) 209.665 Andy Murray (GBR) 113.625 Roberto Bautista Agut (ESP) 79.780 Grigor Dimitrov (BUL) 79.110 Verdasco. Fernando (ESP) 65.280 Tomas Berdych (CZE) 59.810 Radek Stepanek (CZE) 51.730 Jeremy Chardy (FRA) 45.465 Kei Nishikori (JPN) 43.000 Daniil Medvedev (RUS)  42.020 Nicolas Almagro (ESP) 39.550 Ivo Karlovic (CRO) 34.080 Jo – Wilfried Tsonga (FRA) 34.080 Fabrice Martin (FRA) 33.570 Vasek Pospisil (CAN) 29.545 Jiri Vesely (CZE) 25.550 Jordan Thompson (AUS) 24.520 Benoit Paire (FRA) 23.920 Stan Wawrinka 23.375 Karen Khachanov (RUS) 23.285 Philipp Kohlschreiber (GER) 23.285 Sela Dudi (ISR) 22.765 Milos Raonic (CAN) 22.245 Dustin Brown (GER) 20.080 Arthur De Greef (BEL) 20.080 David Goffin (FRA) 20.080 Gerald Melzer (AUT) 20.080 Horacio Zeballos (ARG) 20.080 Facundo Bagnis (ARG) 17.365 Robin Haase (NED) 17.365

Swiss Players 137. Marco Chiudinelli 246. Henri Laaksonen

2.675 860

Prize Money 09.01.2017

WTA Ranking System 09.01.2017 Rank Name

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 12. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 20. 22. 23. 24. 24. 24. 24. 24. 29. 29.

US$

Points

Angelique Kerber (GER) 8.875 Serena Williams (USA) 7.080 Agnieszka Radwanska (POL) 5.420 Simona Halep (ROM)  5.257 Karolina Pliskova (CZE) 4.970 Dominika Cibulkova (SVK) 4.875 Garbiñe Muguruza (ESP) 4.420 Madison Keys (USA) 4.137 Svetlana Kuznetsova (RUS) 4.115 Johanna Konta (GBR) 3.690 Petra Kvitova (CZE) 3.485 Carla Suárez Navarro (ESP) 3.070 Elina Svitolina (UKR) 2.895 Victoria Azarenka (BLR) 2.591 Timea Bacsinszky 2.347 Venus Williams (USA) 2.240 Elena Vesnina (RUS) 2.229 Roberta Vinci (ITA) 2.220 Barbora Strycova (CZE) 2.170 Caroline Wozniacki (DEN) 2.135 Samantha Stosur (AUS) 2.115 Kiki Bertens (NED) 1.974 Shuai Zang (CHN) 1.885 Caroline Garcia (FRA) 1.765 Daria Gavrilova (AUS) 1.665 Daria Kasatkina (RUS) 1.655 Anastasia Pavlyuchenkova (RUS) 1.575 Timea Babos (HUN) 1.545 Laura Siegemund (GER) 1.513 Irina-Camelia Begu (ROM) 1.502 Alizé Cornet (FRA) 1.492 Mónica Puig (PRI) 1.490 Ekaterina Makarova (RUS) 1.476 Yulia Putintseva (RUS) 1.450

Rank Name 

35. 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50.

Anastasija Sevastova (LAT) 1.425 Ana Konjuh (KRO) 1.351 Katerina Siniakova (CZE) 1.343 Coco Vandeweghe (USA) 1.312 Jelena Ostapenko (LAT) 1.305 Monica Niculescu (ROM) 1.300 Yaroslava Shvedova (KAZ) 1.284 Misaki Doi (JAP) 1.270 Christina McHale (USA) 1.250 Alison Riske (USA) 1.247 Kristina Mladenovic (FRA) 1.240 Lauren Davis (USA) 1.226 Naomi Osaka (JAP) 1.203 Belinda Bencic 1.185 Eugenie Bouchard (CAN) 1.180 Sara Errani (ITA) 1.155

Swiss Players 58 . Viktorija Golubic 1.031 111. Stefanie Vögele 550 292 188. Amra Sadikovic 209. Jil Teichmann 252 213. Conny Perrin 248

Belinda Bencic: Am Hopman Cup bewies Bencic, dass die Formkurve wieder nach oben zeigt, doch weil sie erneut Ranking-Punkte verlor, bleibt sie nur knapp in den Top 50.

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 12. 12. 12. 16. 17. 17. 19. 20. 20. 22. 23. 24. 24. 24. 24. 24. 29. 30.

US$

Karolina Pliskova (CZE) 191.418 Katerina Siniakova (CZE) 165.186 Alizé Cornet (FRA) 104.771 Alison Riske (USA) 81.251 Elina Svitolina (UKR) 56.677 Garbiñe Muguruza (ESP) 54.793 Johanna Konta (GBR)  44.679 Camila Giorgi (ITA) 43.663 Lauren Davis (USA) 43.000 Bethanie Mattek-Sands (USA) 30.101 Sania Mirza (IND) 23.398 Dominika Cibulkova (SVK) 22.877 Angelique Kerber (GER) 22.877 Svetlana Kuznetsova (RUS) 22.877 Roberta Vinci (ITA) 22.877 Ana Konjuh (KRO) 21.400 Ekaterina Makarova (RUS) 19.178 Elena Vesnina (RUS)  19.178 Shuai Peng (CHN) 17.714 Daria Kasatkina (RUS) 15.765 Shelby Rogers (USA) 15.765 Kristyna Pliskova (CZE) 15.047 Ashleigh Barty (AUT) 14.173 Christina McHale (USA) 14.173 14.173 Asia Muhammad (USA) Zhang Shuai (CHN) 14.173 Nina Stojanovic (SRB) 14.173 Qiang Wang (CHN) 14.173 Laura Siegemund (GER) 13.530 Agnieszka Radwanska (POL) 13.121

Swiss Players 61. Viktorija Golubic 81. Stefanie Vögele

6.624 4.698

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Eine Rückkehr, die ein Anfang werden soll 1998 wurde in der Geschichte des Schweizer Fed-Cup-Teams in Genf das bisher emotionalste Kapitel geschrieben. An gleicher Stätte könnte nun der Startschuss zu einer noch erfolgreicheren Kampagne erfolgen. TEXT: MARCO KELLER. FOTOS: FRESHFOCUS

Die Schweiz im Fed-Cup-Fieber...

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2  000 Zuschauer pro Tag, eine grenzenlose Euphorie, dazu mit Martina Hingis die Überfliegerin der weltweiten Szene und mit Patty Schnyder eine Nummer 2, die soeben in New York ihrem kometenhaften Aufschwung mit einem Sieg gegen Steffi

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Graf weiteren Anschub verliehen hatte. Alles schien angerichtet an jenem September-Wochenende 1998 für den ersten grossen Teamtitel im Schweizer Tennis. Fast ging ob der ganzen Vorfreude ­vergessen, dass in Spanien nicht nur sehr gut Fussball gespielt und gekocht wird,

sondern dass auch die Tennisspielerinnen über enorme Qualitäten verfügen. Conchita Martinez und Arantxa Sanchez gehörten seit langem zum Establishment und hatten sich über Jahre ein reiches Palmarès an Major-Titeln und OlympiaMedaillen erspielt. Vor allem war klar:


FED CUP

­ egen beide musste man sich jeden Punkt G dreimal erkämpfen. Und so entwickelte sich in der Palexpo-Halle, in die nach dem Geschmack der Schweizerinnen ein zu langsamer ­Belag verlegt worden war, wie erwartet ein Geduldsspiel. Mit vielen Höhen und Tiefen. Der Starttag endete ausgeglichen, Hingis stellte gegen Martinez die Balance wieder her, nachdem Sanchez gegen Schnyder in drei Durchgängen den Eröffnungspunkt geholt hatte. Hingis war zwar müde von ihren Efforts in New York – sie hatte den Einzelfinal erreicht und das Doppel gewonnen – konnte aber gegen Sanchez noch einmal alle Reserven mobilisieren. Mit dem 2:1 im Rücken war der Titel greifbar nah und der Abnützungskampf zwischen Schnyder und Martinez hätte in beide Richtungen gehen können. Fünf Punkte fehlten Schnyder zum Sieg, ein Nichts und doch zu viel. 6:3, 2:6, 9:7 lautete das Verdikt schliesslich zu Gunsten Martinez’ und wie sich herausstellen sollte, war dies die Hypothek auf den Sieg. Frei nach Giovanni Trapattoni war dann die ­ «Schweizer Flasche sehr leer» – Spanien gewann das Doppel mit 6:0, 6:2. Natürlich war die Enttäuschung gross, im Nachhinein der Stolz aber auch. In Genf wie auch beim Halbfinal gegen Frankreich auf einem Parkplatz in Sitten hatten Hingis, Schnyder und Emmanuelle Gagliardi die Massen mobilisiert. Wie vorher nie und wie bis heute nie mehr. «Die Atmosphäre war unglaublich», blickt Martina Hingis noch heute begeistert ­zurück. 19 Jahre später könnte die nächste grosse Stunde des Fed-Cup-Teams lanciert werden. Wieder in Genf, wieder gegen einen attraktiven Gegner (Frankreich), ­ wieder mit Martina Hingis. Die Ostschweizerin verblüfft nach wie vor auf der Doppeltour mit Spielwitz und -freude und ist seit ihrer Rückkehr ins Team von Heinz Günthardt 2015 Leaderin und Teamplayerin zugleich. Ihre Kolleginnen Belinda Bencic, Viktorija Golubic und Timea Bacsinszky krabbelten beim letzten Auftritt von Hingis in Genf noch in der­ Krippe oder im Kindergarten herum oder besuchten im Fall der Romande die ­Primarschule. Heute bilden sie zusammen ein ausgeglichenes Quartett, das auch Träume erlaubt. Hingis will aber vor dem Startspiel nicht zu weit vorausschauen: «Unser

g­ anzer Fokus gilt dem Frankreich-Spiel. Ich habe noch nicht einmal geschaut, wer unser nächster Gegner wäre.» Noahs Comeback, Garcias Absage Die Franzosen setzen auf eine geballte Ladung Fachkompetenz auf der Bank. ­ Nach dem Rücktritt von Captain Amélie Mauresmo hat Yannick Noah auf Initiative der Spielerinnen deren Nachfolge ­angetreten und so wirkt der Davis-CupCaptain nun im Doppelamt. Der Fed Cup ist für ihn keine Premiere, er legte sein Amt 1998 nieder, nach dem 0:5 in Sitten… Die Rückkehr erfolgt für Noah zu einem denkbar schwierigen Zeitpunkt, ­ musste doch der immer noch letzte französische Grand-SlamChampion (Roland Garros 1983) im Januar seinen Vater Zacharie in Kamerun zu Grabe tragen. Als Assistentin hat er Mary Pierce verpflichtet, die

ehemalige Weltnummer 3 und zweifache Major-Gewinnerin. Bis Redaktionsschluss deutete alles darauf hin, dass die «équipe tricolore» ohne ihre Leaderin nach Genf reisen wird. Caroline Garcia will sich heuer vollumfänglich ihrer persönlichen Karriere widmen. Ein schwerer Schlag, hat sie doch 2016 sieben von neun Partien gewonnen, unter anderem ­ im Final beide Einzel gegen Petra Kvitova und Karolina Pliskova. Zudem wird auch das Herzstück des Teams auseinandergerissen, Garcia bildet mit Kristina Mladenovic das derzeit wohl weltbeste Doppel. Damit lastet viel Druck auf den Schultern von «Kiki» und von Alizé Cornet, die in Brisbane beim Saisonstart mit dem Finaleinzug überraschte. Ergänzt werden dürfte das Team von Pauline Parmentier und Océane Dodin. ●

Viktorija Golubic wurde 2016 im Halbfinal gegen Tschechien zur Fed-Cup-Heldin.

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PUBLIREPORTAGE

Was macht Rogers Stiftung eigentlich konkret im südlichen Afrika? Ein Beispiel. Die Roger Federer Foundation engagiert für eine bessere Bildungsqualität im südlichen Afrika. In Sambia lanciert sie eine Dorfschulinitiative. Da staatliche Schulen fehlen, gründet und führt die Bevölkerung in Eigeninitiative Schulen. Die Stiftung des Tennis-Champions unterstützt sie dabei, wie ein paar Fragen und Antworten zeigen. TEXT & FOTOS: RF FOUNDATION

W

as sind die Gründe für ein ­Engagement der Roger Federer Foundation? In meist abgelegenen und ländlichen Gebieten Sambias sind staat­ liche Schulen nur unzureichend vorhan­ den. Mit der wachsenden Sensibilisierung der Bevölkerung für die Wichtigkeit von Bildung erfasste eine neue und einzigar­ tige Bewegung das Land. Dorfverbände gründen und führen selbst Schulen. Sie mobilisieren die nötigen Ressourcen für die Räumlichkeiten und die von ihnen ­gewählten Laienlehrer. Es ist grundsätz­ lich eine rühmliche Erfolgsgeschichte für Eigeninitiative. Dennoch kämpfen diese Schulen mit immensen Nachteilen und niedriger Bildungsqualität. Die Lehrer ha­

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ben keine Ausbildung, Klassenräume sind in vielen Fällen kläglich, oft nicht mehr als Unterstände, Lehrmaterial und Bücher gibt es in geringem Masse. Heute sind über 30 Prozent der Primarschulen in Sambia solche Dorfschulen. Zudem steckt die Frühbildung in Sambia in den Anfängen. Ganze drei Prozent der Kinder aus ländli­ chen Gebieten haben Zugang zur Frühbil­ dung. Kindergärten haben keine Priorität bei den meisten Dorfgemeinschaften. Sie konzentrieren ihre knappen Ressourcen bevorzugt auf die Primarschulstufe. Älte­ re Kinder geniessen generell mehr Beach­ tung und Anerkennung als die Kleinen. Gerade deshalb wäre Frühbildung beson­ ders wichtig, damit sich die kleinen Kin­ der gesund und ganzheitlich entwickeln.

Was unternimmt die Roger Federer Foundation? Die Stiftung fährt in all ihren Programmen einen Stärkungsansatz und baut einzig auf die Eigeninitiative der lokalen Bevöl­ kerung. Daher sind die Dorfschulen in Sambia ideale Partner. Im Osten lancierte die Roger Federer Foundation zusammen mit der lokalen Non-Profit-Organisation ROCS ein ganzheitliches Programm. 140 Dorfschulen werden massgeblich und messbar auf eine höhere Bildungsquali­ tätsstufe gebracht. Sie etablieren Kinder­ gärten und garantieren so erstmals Kin­ dern Zugang zur Frühbildung. Das Paket an Massnahmen umfasst die Weiterbil­ dung der Laienlehrer in Pädagogik sowie die erstmalige Ausbildung der Kindergärt­ nerinnen in umfassender Frühförderung, inklusive Ernährung und Hygiene. Ein ­Elternkomitee wird gegründet und dabei unterstützt, einen Kindergarten nach tra­ ditionellen Baumethoden zu errichten. Des Weiteren liegt der Fokus auf der ­Stärkung der Eltern- und Schulräte. Sie sollen ihre Führungsverantwortung bes­ ser wahrnehmen können und die Ent­ wicklung ihrer Schule vorantreiben. Auch werden sie gecoacht, auf welche Subven­ tionen für die Schule sie A ­ nspruch erhe­

Die Stiftung Die Roger Federer Foundation ist eine 2003 gegründete Familienstiftung. Sie ist in sechs Ländern im südlichen Af­ rika und in der Schweiz tätig. Bisher wurden 650 000 Kinder mit den Pro­ grammen erreicht und total 28,5 Mil­ lionen Schweizer Franken investiert.


MATCH FOR AFRICA – FEDERER FOUNDATION MEDICAL

ben und wie diese eingefordert werden können. Eine weitere neuartige Kompo­ nente des Programms ist die Etablierung sogenannter Kinderräte. Diese werden in Kinderrechte und guter Schulführung ­geschult. Ziel ist es, dass die Kinder den Schulrat mit Vorschlägen aus Kinderpers­ pektiven ergänzen und bei mangelhafter Schulführung ihre Stimme erheben. Auch sollten sie sich bei Verletzung von Kinder­ rechten einsetzen, wenn beispielsweise ein Kind nicht zur Schule gelassen wird. Wie wirken die Massnahmen? Das Programm wurde nach der ersten Phase von drei Jahren extern evaluiert und hat seine Wirksamkeit bewiesen. Die Bevölkerung hat die Frühbildungsinitiati­ ve hervorragend angenommen. Die tradi­ tionellen Bauten wurden jeweils innert drei Monaten in Eigenregie von der Bevöl­ kerung errichtet. In der Folge strömten die Kinder so zahlreich in die Kindergärten, dass in einigen Schulen der Zugang ­beschränkt werden musste. Erstmals in dieser Region des Landes erhielten unge­

Match for Africa Am 10. April findet im Zürcher Hallen­ stadion der «Match for Africa 3» statt, dessen Erlös in die Roger Federer Foundation fliesst. Nach Rafael Nadal (2010) und Stan Wawrinka (2014) spielt Roger Federer nun gegen die Weltnummer 1 Andy Murray. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, Tickets für dieses Highlight (wird auf TV24 übertragen) zu kaufen, sind auf www.match-for-africa.com zu finden.

fähr 5500 Kinder Zugang zur Frühbil­ dung. Die Lernumgebung ist kinder­ freundlich, was unter anderem auch an den vom Elternkomitee organisierten und zubereiteten Mahlzeiten liegen dürfte. Die Ausbildung von über 900 Schulund Elternräten, Dorfführern und Ge­ meinderäten hat gemäss Evaluation eben­ falls massgeblich zur Verbesserung der Schulqualität beigetragen. In den unter­ stützten Dorfschulen ist die Anzahl der eingeschulten Schüler um 13 Prozent gestiegen. Die Lehrerschaft wird enger ­ ­begleitet und geführt, die Löhne werden regelmässig ausgezahlt. Dies schlägt sich insbesondere in der Kennzahl nieder, dass kaum mehr Rücktritte von Laienlehrern zu verzeichnen sind. Die Lehrer setzen ihr in der Weitbildung generiertes Wissen ein. Selber gemachtes Lernmaterial wird eingesetzt, die Lehrmethoden folgen pädagogischen Grundsätzen, wie Beo­ ­ bachtungen ergaben. Bei Absenzen der Schüler wird nachgehakt. Erstaunlich ist es, dass die Bevölkerung die neu initiierten Kinderräte akzeptiert und respektiert. Sie nehmen an den offi­

ziellen Schul- und Elternratssitzungen teil und werden proaktiv um ihre Meinung und Verbesserungsvorschläge für die Schule gefragt. Einen substanziellen Bei­ trag leisten die Kinderräte bei der Vermin­ derung der Schulabbruchquote. Sie gehen zu den abwesenden Kindern nach Hause und klären die Gründe. Oft gelingt es ihnen, die Kinder zurückzuholen, die ­ sonst für immer aus der Schule aus­ geschieden wären. So konnten in den ­letzten Jahren über 680 Kinder wieder eingeschult werden. Das Programm ist beispielshaft für den Ansatz der Roger Federer Foundati­ on. Die Verantwortung und Initiative liegt in der Bevölkerung und die Stiftung stärkt ­einzig vorhandene Ressourcen. Dank des geringen Fussabdrucks der Stiftung ist es nicht nur Kosten effizient sondern auch betreffend Nachhaltigkeit sehr vielver­ sprechend. ●

Weitere Infos unter: ➜ www.rogerfedererfoundation.org

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SWISS TENNIS WORLD

Aus der nationalen

TENNISWELT Spengler Cup Davos:

Martina schnupperte Hockey-Luft

Am 90. Spengler Cup in Davos war Tennis-Ass Martina Hingis einer der Stargäste. Sie verbrachte ein paar Tage in den Bündner Bergen, verfolgte Eishockey in der Vaillant Arena und nahm nach dem Spiel zwischen Mountfield und Yekaterinburg die Best-Player-Ehrung vor. «Ich habe von klein auf gerne Eishockey geschaut, es war in Tschechien ja auch eine der Hauptsportarten. Später habe ich in Tampa ­öfters NHL-Spiele besucht und vor etwa zehn Jahren war ich schon mal an den Spengler Cup eingeladen. Ich durfte damals Jonas Hiller als besten Spieler auszeichnen und er wechselte danach in die NHL. Es war eine Ehre für mich – ja, ich habe gerne Eishockey!», erklärte die 36-Jährige, die ein paar Tage später nach Australien reiste, um in die neue Saison zu starten. Sie posierte im Davoser «Eis-Chalet» in ­einer fiktiven Garderobe und sagte über ihre eigenen Hockey-Künste: «Ich bin eher mit den Inline-Skates unterwegs, mit dem Bremsen auf dem Eis habe ich mehr Mühe. Es ist auch von den Fussgelenken her nicht so einfach. Aber vielleicht probiere ich es jetzt dann wieder ● ­einmal, ich habe noch ein Paar Schlittschuhe…» 

Laaksonens Sprung an die Spitze... In der Weltrangliste ist der Schweizer Tennis-Profi Henri Laaksonen (24) weit von Roger Federer und Stan Wawrinka entfernt, belegte M ­ itte Januar Rang 136, noch hinter Marco Chiudinelli (ATP 120). Doch im Dezember 2016 war plötzlich alles ganz anders und stand Laaksonen im «Race to London», der Jahreswertung für die ATP World Tour ­Finals, auf Rang fünf. Die Tennis-Fans rieben sich in diesen Tagen erstaunt die Augen. Anstelle der gewohnten Stars wie Murray, Djokovic, Federer, Wawrinka & Co. standen im «Race to London» auf den Spitzenplätzen Namen wie Luca Vanni (Italien), James Duckworth (Austra­ lien), Facundo Bagnis (Argentinien), Norbert Gombos (Slowakei) oder eben Henri Laaksonen. Der Schweizer verdankte seine Topplatzierung den Challenger-Turnieren, die er im November in den USA erfolgreich bestritten hatte. Der 24-Jährige siegte in Champaign (Illinois) und erreichte in Columbus (Ohio) die Halbfinals. Damit kam er auf ein Punktetotal von 113. Des Rätsels Lösung für die ungewohnte Rangliste: Die neue Wertung für die ATP Finals des kommenden Jahres ­beginnt jeweils direkt nach dem MastersTurnier in Paris im November (ohne Spiele der World Tour Finals). Weil ab dann die meisten Stars der normalen ATP-Weltrangliste pausieren, sammeln schlechter klassierte Spieler ein paar Punkte bei den Challenger-Turnieren. Nur, diese Freude währt meist nur kurze Zeit, ehe die Realität wieder Einzug hält und sich die Giganten wie gewohnt an die Spitze setzen. Aber eines Tages ist ja vielleicht auch Laaksonen ein Spieler, der nicht nur zu Beginn der Abrechnungsperiode an der Spitze ● steht…

Aktualisieren Sie Ihre Agenda Neue Saison, neues Glück! Planen Sie schon jetzt Ihre nächsten Wochen und Monate und tragen Sie in Ihrer Agenda die Termine ein, die Sie in Zukunft beschäftigen werden. Auf www.swisstennis.ch finden Sie den Veranstaltungskalender fürs Jahr 2017 mit nationalen und internationalen Tennis-Highlights. Klicken ● Sie rein, aktualisieren Sie Ihre Agenda – es lohnt sich!

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2017 wird mit uns gespielt! Alle offiziellen Turniere sowie der Rado Interclub und die Cornèrcard Club Champion Trophy müssen ausschliesslich mit Swiss Tennis-Partnerbällen gespielt werden.

A nous de jouer en 2017 ! Tous les tournois officiels, ainsi que les Rado Interclubs et le Cornèrcard Club Champion Trophy doivent impérativement être disputés avec les balles partenaires de Swiss Tennis.


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Mein Name ist Ball, Tennisball! Darf ich mich kurz vorstellen? Ich bin der kleine Filzball, den Sie gerne so hart und präzise wie möglich schlagen. Keine Angst, ich bin Ihnen nicht böse, weil Sie mich schlagen. Ich will bei Ihnen jetzt auch keine Schuldgefühle oder Ähnliches auslösen. Es geht mir eigentlich nur darum, Ihnen kurz etwas über mich zu erzählen, damit Sie mich ein bisschen besser kennenlernen. TEXT & FOTOS: SWISS TENNIS

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lso, beginnen wir doch bei ­meinem Lebenslauf… Ende des 19. Jahrhunderts bestand ich noch aus massivem Naturkautschuk und Flanell. Es ging allerdings nicht allzu lange und da fand man heraus, dass ich noch mehr tauge, wenn ich hohl und mit komprimiertem Gas gefüllt bin. Ich ­erspare Ihnen jetzt alle weiteren Entwicklungsschritte, um Sie nicht zu langweilen. Heute bin ich mindestens 56,7 Gramm schwer und habe einen Durchmesser, der zwischen 6,54 und 6,86 cm liegt. Ok, nach den Festtagen werde dann auch ich wohl ein bisschen mehr wiegen… Hauptsache, die Waage zeigt aber nie mehr als 58,5 Gramm an, dann wäre ich nämlich nicht mehr regelkonform. Meine leuchtgelbe Farbe habe ich übrigens noch nicht allzu lange. Bis 1972 war ich weiss. Doch dann kam das Farbfernsehen und ich war nicht mehr gut ­genug zu erkennen, haben sie gesagt… Nur bei einem einzigen Turnier musste ich bis 1986 noch in ein weisses Kleid

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schlüpfen. Dreimal dürfen Sie raten, um welches Turnier es sich dabei gehandelt hat. ­Genau, Wimbledon natürlich. So, das wäre es eigentlich auch schon gewesen. Viel mehr gibt es über mich nicht zu wissen. Ach doch, natürlich! Ich muss Sie noch daran erinnern, dass alle offiziellen Turniere sowie die Rado Interclub-Meisterschaft und die Cornèrcard Club Champion Trophy ausschliesslich mit Swiss Tennis-Partnerbällen (den sogenannten «offiziellen Bällen») gespielt werden ­dürfen. Bitte beachten Sie, dass die offiziellen Bälle (Ausnahme: Bälle Stage 1) über einen Swiss Tennis-Logoaufdruck verfügen müssen. Zuwiderhandlungen haben für den Turnierorganisator Sank­tionen zur Folge.

• Joseph Avantage (Druckball) • Joseph Starter (Stage 1) • Slazenger Wimbledon Ultra Vis (Druckball) • Slazenger Intro Green (Stage 1) • Tecnifibre X-One (Druckball) • Tecnifibre Soft (Stage 1) • Tennis-Point Premium (Druckball) • Tennis-Point Methodik Stage 1 (Stage 1) • Tretorn Serie+(Druckball) • Tretorn Serie+Control (Druckball) • Tretorn Micro X (druckähnlicher Ball) • Tretorn Academy green Stage 1 (Stage 1) • Wilson US Open Swiss Tennis (Druckball) • Wilson Starter Play (Stage 1)

Damit Sie keine Probleme kriegen, hier eine Auflistung der 20 Bälle von neun verschiedenen Ballmarken, die für das Jahr 2017 homologiert worden sind: • Babolat Team (Druckball) • Babolat Green (Stage 1) • Dunlop Fort All Court (Druckball) • Dunlop Mini Tennis Green (Stage 1) • Head ATP (Druckball) • Head T.I.P. green (Stage 1)

Ich wünsche Ihnen viel Spass, wenn Sie mich wieder über den Court fliegen lassen! Ihr Tennisball ●

Weitere Infos: ➜ www.swisstennis.ch/offizielletennisbälle

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Die Unvollendete Wieder einmal muss Romina Oprandi monatelang pausieren. Nach der sechsten Schulteroperation ist unklar, wie es mit der Karriere der 30-jährigen Bernerin weiter gehen wird.  TEXT: PHILIPP RINDLISBACHER. FOTOS: FRESHFOCUS

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ie erste Reaktion? Ein fragender Blick. Ungläubigkeit. Und Mitgefühl. Vergangenen August postete Romina Oprandi auf ihrer Facebook-Seite ein Bild. Eines, ­ ­welches manch einer in ähnlicher Form schon mal gesehen haben dürfte. Oprandi also lag auf dem Spitalbett; die rechte Schulter angewinkelt, mit einem riesigen Pflaster versehen. Über dem Bild stand ­geschrieben: «Sechste Schulteroperation hinter mir. Alles ok.» So kann man es sehen. Romina Oprandi ist nun mal eine positiv eingestellte

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Frau. Im Juni hatte sie sich abermals ­verletzt, wieder einmal eine Saison vorzeitig beenden müssen. Was ein Schock gewesen sei, wie die Bernerin erzählt. Und doch mag sie sich nicht beklagen – auch wenn sie in der Weltrangliste bis auf Position 397 zurückgefallen ist, bald gar keine Punkte mehr haben wird. ­«Jammern bringt nichts», konstatiert die 30-Jährige nüchtern. «Von der Mitleidsnummer halte ich wenig. Mir fehlt grundsätzlich nichts im Leben.» Die frühere Weltnummer 32 hadert selten mit dem Schicksal, sagt aber, es nerve sie manch-

 TENNIS IST KEINE SUCHT, ABER ES IST MEINE LEIDENSCHAFT, ICH HABE FAST MEIN GANZES LEBEN IN DIESE INVESTIERT.


ROMINA SWISS OPRANDI WORLD

mal, über ihre Gesundheit sprechen zu müssen. «Vor allem, wenn vergessen geht, was ich erreicht habe.» Die verhängnisvolle Parade Man kann es aber drehen und wenden wie man will: Romina Oprandi ist eine Dauerpatientin, an und für sich seit Jahren Teilzeitprofispielerin. Auf die Frage, welche Körperteile nie verletzt gewesen seien, antwortete sie einst: «Der Kopf ist top.» Ob Arm, Handgelenk, Rücken, Knie – irgendetwas zwickte fast immer. Vieles jedoch war indirekt eine Folge der gravierenden Schulterprobleme, welche Oprandi daran gehindert haben, ihr zweifellos riesiges Potenzial gänzlich auszuschöpfen. Nicht weniger als 25 Women`s-­ Circuit-Turniere (dotiert mit 10 000 bis 100 000 Dollar) hat sie gewonnen, am Australian Open die dritte Runde erreicht. In der Weltrangliste sind die Wellen­ bewegungen in der Vergangenheit jedoch frappant gewesen. Und: Gemäss WTAStatistik hat sie siebenmal nicht zu einer Partie antreten, deren 28 (!) nicht zu ­Ende spielen können. Oft ist Oprandis Leidensgeschichte ­erzählt worden. Doch in den letzten Jahren ging sie ob der Erfolge von Timea Bacsinszky, Belinda Bencic, Viktorija ­Golubic und Martina Hingis beinahe vergessen. Schon als Kind spielte die Bolligerin neben Tennis auch Pingpong, Eis­ hockey und Fussball, nach wie vor ist sie Mitglied bei den Femina Kickers Worb. Doch just beim Fussball geschah das ­folgenschwere Malheur: 14 war Oprandi, als sie im Tor des Zweitliga-Teams FC Wohlensee stand, sich bei einer Parade die rechte Schulter ausrenkte. Sowohl Kapsel als auch Bänder waren gerissen, eine Operation liess sich nicht vermeiden. Es gab Komplikationen und in der Folge diverse Rückschläge. 2007 und 2008 bestritt Oprandi kaum Turniere, stellte ­ das Racket phasenweise in die Ecke und arbeitete in einem ägyptischen Hotel während mehreren Monaten als Animateurin. Doch zwischendurch gabs auch gute ­Phasen, so stand die Schweizerin im Sommer 2013 an der Schwelle zu den Top 30.

An den French Open geschah dann, was «schwer zu akzeptieren» gewesen sei. «Ein Physiotherapeut riss mir ein Band ab. Ich hatte zuvor gut gespielt, es wäre wohl noch weiter vorwärts gegangen.» Die Sternstunde in Rom Die Was-Wäre-Wenn-Frage stellt sich ­Romina Oprandi aber kaum einmal. Noch vor der Jahrtausendwende, als Hingis das Welttennis dominierte, wurde sie (nicht nur in Boulevardmedien) als Nachfolgerin gepriesen. Mit 12 gewann sie die Orange Bowl, die inoffizielle Junioren-WM in ­Miami, als 13-Jährige holte sie den nationalen U-18-Meistertitel. Zu den Journalisten sagte sie keck: «Ich möchte so gut ­werden wie Steffi Graf!» Das Jungtalent ging seinen Weg unbeirrt und mit viel Selbstvertrauen. Was folgende Anekdote untermauert: Sie war 17, als sie sich von Swiss Tennis unverstanden fühlte, nach Meinungsverschiedenheiten einen Nationenwechsel vollzog und bis 2012 für Italien, das Heimatland ihres Vaters, spielte. Als «Italienerin» gelang Opandi in Italien der Durchbruch. Beim mit über einer Million Dollar dotierten Turnier in Rom erreichte sie die Viertelfinals, 8000 Tifosi skandierten auf dem Center Court ihren Namen. «Die Italiener behandelten mich wie einen Star.» Später schlug sie an ­einem Rasenturnier die ehemalige Branchenleaderin Kim Clijsters, war zu Gast im Sportpanorama. Doch Oprandi verlor auch immer wieder gegen vermeintlich schlechtere Spielerinnen, weil sie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte war. «Was die Trainingsumfänge betrifft, mache ich wohl nur 25 Prozent von dem, was meine Konkurrentinnen tun», hält sie fest. Meist spielt sie mit Schmerzmitteln, ­«daran musste ich mich gewöhnen». Die Frage nach dem Rücktritt Tennis sei keine Sucht für sie, sagt Romina Oprandi, «aber es ist meine Leidenschaft, ich habe fast mein ganzes Leben in diese investiert». Womöglich tue sie ­deswegen auch mal unvernünftige Dinge, gesteht die Rechtshänderin, welche die ­eine oder andere Verletzung wohl zu we-

 WAS DIE TRAININGSUMFÄNGE BETRIFFT, MACHE ICH WOHL NUR 25 PROZENT VON DEM, WAS MEINE KONKURRENTINNEN TUN. nig lange auskurierte. In den vergangenen Jahren galt sie wegen der vielen Pausen und Comebacks als Synonym für Unbeständigkeit. Nach Schulteroperation Nummer 6 meinte Oprandi Anfang Dezember, an Tennis sei vorderhand nicht zu denken. Nach Gesprächen mit ihrem Vertrauensarzt rechnet sie mit einer monatelangen Pause, weshalb sich die Frage nach dem Rücktritt aufdrängt. «Ich habe nicht ansatzweise die Garantie, dass es nochmals klappen wird. Weit vorausschauen will ich nicht.» Es existiert jedenfalls kein Plan B, wenngleich sich die Bernerin vorstellen kann, dereinst als Trainerin zu arbeiten. «Ich werde es ruhig angehen lassen,­ denke momentan nicht an die WTA-Tour.» Doch eines ist sicher: Abschreiben sollte ● man die Stehauffrau nie. 

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Swiss Champion Trophy 2016: Zwei Premieren Kathinka von Deichmann heisst die strahlende Schweizermeisterin 2016. Die Liechtensteinerin schlug in Biel in einem spannenden und hochstehenden Final ihre Waadtländer Konkurrentin Tess Sugnaux. Bei den Herren gewann im Überraschungsfinal Adrian Bodmer gegen Marc-Andrea Hüsler. Für beide Sieger ist es der erste Schweizermeistertitel. TEXT: SWISS TENNIS. FOTOS: FRESHFOCUS

Kathinka von Deichmann

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er Damenfinal bot ein packen­ des und spannendes Duell. Tess Sugnaux liess im ersten Satz ihrer gesundheitlich ange­ schlagenen Konkurrentin Kathinka von Deichmann keine Chance und gewann ihn mit 6:2. Im zweiten Durchgang konn­ te von Deichmann nochmals alle Kräfte mobilisieren und holte sich diesen mit

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6:4. Im Entscheidungssatz legte Von Deichmann bis zum Spielstand von 5:2 souverän vor. Anschliessend fand Sug­ naux nochmals zurück und verkürzte auf 5:4, doch dann entschied Von Deich­ mann das letzte Game für sich und ­gewann das Spiel und den Titel. Für Kathinka von Deichmann ist es der erste Titel an Schweizermeisterschaften.

Die Spielerin aus Liechtenstein krönte ­ihre starke Saison. In diesem Jahr erreich­ te sie auch im WTA-Ranking ihre beste Klassierung und ist aktuell an Nummer 260 geführt. «Ich komme immer wieder gerne nach Biel an die Meisterschaften und bin sehr glücklich, dass ich als Liech­ tensteinerin mitmachen darf. Dass es nun zum ersten Titel gereicht hat, ist natürlich


SCHWEIZERMEISTERSCHAFTEN SWISS WORLD

umso schöner», sagte die 22-Jährige nach ihrem Erfolg strahlend. Bodmers fantastische Rückkehr Bei den Herren triumphiert Adrian Bod­ mer aus Niederwil SG. Der Ostschweizer setzte sich in einer dramatischen Partie gegen den Rüschlikoner Marc-Andrea Hüsler durch. Nach drei langen Sätzen triumphierte Bodmer mit 2:6, 7:6, 7:5 und darf sich nun ebenfalls zum ersten Mal Schweizermeister der Aktiven nennen. Beide Finalisten gaben nach der ­Partie zu Protokoll, dass auch für sie die Final­ qualifikation überraschend kam. Bodmer selber meinte nach dem gewonnenen ­Final: «Nach zwei schwierigen Jahren mit Verletzungen gleich so nach Biel zurück­ zukehren, ist n ­ atürlich fantastisch. Für mich persönlich bedeutet dieser Titel enorm viel, vor a­llem auch, weil das ­Tableau stark besetzt war.» Im Jahr nach der Einführung der Dop­ pelkonkurrenz bekamen die Zuschauer wieder spektakuläres Tennis zu sehen. Von Deichmann legte an der Seite von Ylena In-Albon im Doppel nach und ­

Adrian Bodmer

s­icherte sich das Double bestehend aus Einzel- und Doppeltitel souverän: Sie ­bezwangen im Final Nina Stadler/Simo­ na Waltert mit 6:1, 6:0. Bei den Herren konnte sich Marc-Andrea Hüsler an der Seite von Alexander Sadecky doch noch einen Schweizermeistertitel sichern. Sie bezwangen im Final das Duo Riccardo Maiga/Mirko Martinez mit 6:3, 6:3. Honda Jazz nach Liechtenstein Mit der Maximalpunktzahl von 3300 Punkten thront Kathinka von Deichmann auch in der Spezialwertung «Honda Ten­ nis Champion» zuoberst. Für die Gesam­ trangliste massgebend sind die Punkte über Einzel und Doppel zusammen, so wird der beste Spieler oder die beste ­Spielerin der Meisterschaften gekürt. Von

Deichmann fährt also für ein Jahr einen neuen Honda Jazz. Obwohl Stan Wawrinka fehlte, findet sich der Name Wawrinka dennoch in der Siegerliste. Jonathan Wawrinka, Stans ­älterer Bruder, sicherte sich seinen ersten Titel am Nationalen Masters der Club Champion Trophy. Der 34-Jährige gab auf seinem Weg zum Titel keinen Satz ab und siegte im Final gegen Philipp Sluga ­souverän mit 6:4, 6:2. Bei den Damen setzte sich die routinierte Corinne Erni aus Kriens durch. Sie spielte sich in souve­ räner Manier bis den Final, wo sie gegen Mirjam Gämperli kämpfen musste, am Schluss aber mit 1:6, 7:5, 6:1 triumphier­ te. Beide Sieger gewannen eine Rado-Uhr im Wert von über 4000 Franken und eine Woche Tennis- und Wellnessferien. ●

Resultate

Jonathan Wawrinka

Swiss Champion Trophy in Biel. Damen. Einzel-Final: Kathinka von Deichmann (N1.7, Vaduz) s. Tess Sugnaux (N2.15, Granges-Marn­ and) 2:6, 6:4, 6:4. Doppel-Final: Ylena In-Al­ bon (N2.16, Baltschieder)/Kathinka von Deich­ mann (N1.7, Vaduz) s. Simona Waltert (N2.24, Chur)/Nina Stadler (N2.17, Kirchberg) 6:1, 6:0. Herren. Einzel-Final: Adrian Bodmer (N2.22, Niederwil) s. Marc-Andrea Hüsler (N2.15, Rüschlikon) 2:6, 7:6, 7:5. Doppel-­

Final: Marc-Andrea Hüsler (N2.15, Rüschli­ kon)/Alexander Sadecky (N2.17, Zürich) s. Mirko Martinez (N2.25, Neuchâtel)/Riccardo Maiga (N2.23, Lugano) 6:3, 6:3. Nationale Masters Club Champion Trophy. Damen-Final: Corinne Erni (R1, Kriens) s. Mirjam Gämperli (R1, Flawil) 1:6, 7:5, 6:1. Herren-Final: Jonathan Wawrinka (N4.119, Lausanne) s. Philipp Sluga (N4.127, VillarsSur-Glâne) 6:4, 6:2.

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Grosse Distanzen –

Hindernis oder Chance? Wer im Tennis Grosses anstrebt, muss früher oder später klare Entscheidungen treffen. Für ambitionierte Youngsters, die abgelegen und in Randregionen aufwachsen, haben diese nicht nur eine grössere Tragweite, sondern auch einen anderen zeitlichen Horizont. Was sich auf den ersten Blick als Handicap erweist, kann jedoch auch positive Aspekte haben. TEXT & FOTOS: MARIE-THERES BRÜHWILER

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ie Autofahrt nach Davos dauert gut eineinhalb Stunden, bis nach Chur sind es zweieinhalb, nach Zürich und St. Gallen beträgt die schnellstmögliche Reisezeit ­ sogar mehr als drei Stunden. Wer im idyllischen Münstertal zu Hause ist, muss für die Tenniskarriere schnell einmal weitere Distanzen in Kauf nehmen. Der beschwerliche Weg scheint die Youngsters jedoch nicht von ihrer Leidenschaft abzuhalten. Denn für die Schweizer Meisterschaften

Ylena In-Albon musste früh Entscheidungen treffen und ihren eigenen Weg gehen.

in Kriens haben sich in diesem Jahr mit Larissa Tschenett und Maurus Malgiaritta gleich zwei Talente aus dem 700-Seelendorf Müstair qualifiziert. Und dies, ­obwohl es im ganzen Tal keinen einzigen Tennisklub mit einer offiziellen SwissTennis-Klubnummer gibt. Zum Vergleich: Aus der über 400 000 Einwohner zählenden Stadt Zürich sind an der Heerschau der besten Tennisjunioren gerade einmal fünf Spielerinnen und Spieler am Start. Die rund 130 000 Einwohner zählende

Bundeshauptstadt Bern stellt an den nationalen Titelkämpfen keine Vertretung. Nicht viel grösser als Müstair ist das auf der rechten Seite der Rhone im Herzen des Oberwallis' gelegene Dorf Baltschieder. Die rund 1300 Einwohner zählende Gemeinde hat mit Ylena In-Albon eine mehrfache Schweizer Meisterin in ihren Reihen. Die 17-jährige Tennisspielerin ­betreibt in der von den Sportarten «Fussball», «Ski» und «Hockey» geprägten abgelegenen Region einen aussergewöhn­ lichen Sport und nimmt dafür seit Jahren einen grossen Aufwand auf sich. «Je früher man weiss, was man will und je ausgeprägter eine Passion ist, desto besser können die Grundsteine für den Erfolg gelegt werden», sagt Alessandro Greco, Leiter Spitzensport Swiss Tennis. Was für nahe an guten Sportstrukturen Aufwachsende relativ einfach erscheint, ist für den Nachwuchs aus abgelegenen Randregionen eine Herkulesaufgabe. Entscheidungen müssen reifen und haben meist grosse Auswirkungen für die ganze Familie. Smash hat sich mit drei Youngsters unterhalten, die für ihre grossen Ziele die Komfortzone früh verlassen und in ihrer Karriere bereits im zarten Alter viel Verantwortung übernommen haben. Ein klarer Fokus Ylena In-Albon pflegt nicht nur einen auffallend variantenreichen Spielstil und ist mit einer Körpergrösse von knapp einem Meter sechzig eine der kleinsten Spielerinnen in ihrer Altersklasse. Schon früh fiel die Walliserin auch durch ihre Selbständigkeit auf. Wo auch immer Ylena Turniere

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TENNIS AUS DER GRENZREGION SWISS WORLD

spielte, eine längere Reise war fast nie zu vermeiden. Ihre nicht tennisspielenden Eltern boten grösstmögliche Unterstützung, konnten ihre Tochter berufsbedingt jedoch nicht immer begleiten. Es kam deshalb vor, dass Ylena bereits in jungen Jahren auf sich allein gestellt war. So etwa bei ihrem ersten Einzelsieg auf der höchsten internationalen Junioren-Turnierstufe in Kreuz­ lingen, wo sie sich als 15-Jährige durch a­ lle Runden spielte und schliesslich vor den Augen ihrer für den Final angereisten Mutter mit ihrem cleveren Spielstil auch ihre letzte Gegnerin souverän ausschaltete. Selbst an die Hand genommen «Ylena hat ihre Karriere früh selber in die Hand genommen und die für sie beste ­Lösung gesucht», lobt Alessandro Greco, Leiter Spitzensport Swiss Tennis. Wichtig in ihrer Entwicklung war aber auch, dass ihr Tennisförderer der ersten Stunde, Jean-Yves Blondel, im Wallis den Bogen uneigennützig weiterspannte, die Zusammenarbeit mit international erfahrenen Wettkampftrainern suchte und auch den Kontakt zu Gonzalo Vitale hergestellt hat. Während der passionierte und kompetente Wettkampftrainer Gonzalo Vitale aktuell in Balerna für die tennistechnische Ausbildung und konditionelle Grundarbeit der mehrfachen Junioren-Schweizermeisterin verantwortlich ist, reist die Swiss-Tennis-B-Kaderspielerin drei bis viermal pro Jahr nach Biel, wo Beni Linder in Wochenblocks für die konditionelle Feinarbeit zuständig ist. Dass sich die Absolventin des Sportgymnasiums Brig nun vorwiegend im Tessin aufhält, war auch für die Eltern ein Meilenstein. «Da wir selbst nicht viel vom Tennisgeschäft verstehen, haben wir immer versucht, die Elternposition einzunehmen und uns im Hintergrund zu halten.» Damit habe man stets gute Erfahrungen gemacht, betonen Carmen und Philipp In-Albon. Reisen zu Trainings und an Turniere sah Ylena nie als Strapaze. «Wenn man konzentriert, aber mit Spass trainiert, kann man die weite Distanz ausblenden», lacht Ylena und ergänzt: «Reisen gehört im Tennis­ geschäft früher oder später bei allen ­dazu. Es ist deshalb gut, wenn man das schon früh praktizieren kann.» Trainer Gonzalo Vitale bestätigt die Aussage seines Schützlings. «Kaum eine Profispielerin kann vor ihrer Haustüre trainieren. Und wer nicht gewillt ist, viel Aufwand in Kauf zu ­nehmen, kann eine Karriere vergessen.»

Im Winter ein Eisfeld, im Sommer ein Tennisplatz – hier verliebte sich Larissa Tschenett in die Sportart «Tennis».

Ylena sei sehr diszipliniert und bringe ­damit eine wichtige Voraussetzung mit. «Mit viel Disziplin kann man grosse Ziele erreichen und Schwächen in Stärken ­umwandeln», so Gonzalo Vitale. In der Junioren-Weltrangliste zählt die zähe Walliserin, die aufgrund ihrer kleinen Körpergrösse prädestiniert ist, um ihren Gegnerinnen ihr variantenreiches Spiel aufzuzwingen, zu den Top 50 und im WTA-Ranking zeigt ihr Weg ebenfalls nach oben. Im kommenden Jahr will die 17-Jährige, die vor kurzem in Sardinien erstmals ein 10 000-Turnier gewann, an den Junioren-Grand-Slam-Turnieren gut abschneiden, auf der Frauentour weitere Schritte machen und konsequent und hart weiterarbeiten. «Wer an die Spitze kommen will, kann nicht den leichten Weg ­gehen», sagt die N2-Spielerin. Einen anderen Weg Für seine erstgeborenen Kinder präparierte Sepp Tschenett im Keller des Dorfschulhauses jeweils bis weit in die Nacht Skis. Frühmorgens machte sich die Abwart­ familie dann auf den meist sehr langen Weg an FIS-Rennen. Es kam der Münstertaler Familie deshalb nicht ungelegen, dass das Nesthäkchen an einer im Tal wenig verbreiteten, zunächst aber ein­ ­ facher zu organisierenden Sportart Gefallen fand. «Der Funke sprang sehr schnell», erinnert sich Larissa an ihre ersten Gruppenstunden auf dem nahe an ihrer Wohnung gelegenen, im Sommer zum Tennis-

platz umfunktionierten, Eisfeld. Im italienischen Mals standen eine Tennishalle und ein Tennislehrer, der die ausserordentlichen Fähigkeiten seiner Schülerin erkannte und entsprechend förderte, zur Verfügung. Larissa reiste fortan mit ihrer Mutter an Turniere, war erfolgreich und steigerte ihr Training bis der Punkt kam, an dem die täglichen Fahrten nach Italien mit der Schule schwierig zu vereinbaren waren und keine Sparrings mehr zur ­Verfügung standen. Nach einem Schnuppertag in der Nationalen Elitesportschule Thurgau in Kreuzlingen war sie Feuer und Flamme und überglücklich, dass sie gleich aufgenommen wurde. «Endlich kann ich meine grosse Leidenschaft professionell und in einem perfekten Umfeld ausleben», strahlt Larissa, die für ihren grossen Traum das Elternhaus bereits als 14-Jährige verlassen und sowohl sportlich als auch in der Schule mit einer neuen Sprache Neuland betreten hat. Begeistert erzählt sie von ihrem Tagesablauf und von der Vielseitigkeit ihres Sports. Für Wochenendbesuche zu Hause fährt die 15-Jährige fünf Stunden im Zug. Wenn ein Turnier auf dem Programm steht, nimmt Mutter Kunigunde eine über dreistündige Autofahrt ins Unterland in Kauf, holt i­hre Tochter ab und fährt mit ihr gemeinsam an die ausgesuchte Wettkampfstätte. ­Weder Mutter noch Tochter sehen darin ein grosses Opfer. «Ich bin glücklich und stolz, dass ich selbst viel Verantwortung übernehmen darf», sagt die R1-Spielerin,

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TENNIS AUS DER GRENZREGION

Der Münstertaler Maurus Malgiaritta gehört trotz schwierigen Bedingungen schon länger zur nationalen Spitze.

die weiss, dass sie einiges nachholen muss und in den nächsten Jahren noch viel ­Arbeit auf sie wartet. «Wir sind froh, dass wir bei unserem Sohn eine Basis im Zürcher Oberland haben und unsere Wettkampfreisen von dort aus planen können», gibt Kunigunde Tschenett zu verstehen. «Larissa ist ein Vorbild für Leidenschaft, Fokus und Zielorientierung. Genauso muss man sein, wenn man weiterkommen und Erfolg haben will», lobt Mirko Spada, Gesamtleiter der Nationalen Elitesportschule Thurgau. «Larissa ist sehr spät richtig eingestiegen und muss vieles wettmachen.» Ihr Wille sei aber ­immens und deshalb noch vieles möglich, bestätigt NET-Trainer Tobias Klein. Südtiroler Meisterschaften als Sprungbrett Maurus Malgiarittas Karriere, der in Müstair die gleiche Primarklasse wie Larissa besuchte, kam nach zwei Triumphen an den Südtiroler Landesmeisterschaften richtig in Fahrt. Kurze Zeit später bestätigte er sein Talent auch an den Schweizer Meisterschaften und liess bei den Unter-12-Jährigen als Ungesetzter die ­ gesamte nationale Konkurrenz hinter ­ sich. Das Training wurde zunehmend professioneller und die Wege wurden damit länger. Für die Trainings in Davos nahm Maurus Malgiaritta je eineinhalb Stunden Autofahrt für Hin- und Rückreise in Kauf.

Nach dem Wegzug seines Trainers Alexis Bernhard wurde die Distanz zur Trainingsstätte noch grösser. Der R1-Spieler trainierte mehr als zwei Jahre lang im fast 300 Kilometer entfernt gelegenen München. Jeweils am Montag holte ihn seine Mutter direkt nach Schulschluss ab. Essen und Hausaufgaben im Auto, Intensivtraining am Dienstag und Mittwoch, Rückfahrt, ab Donnerstag normaler Schulalltag in Müstair und am Wochenende Turnierteilnahmen und damit verbunden erneut viele Reisestunden. Seit Maurus Malgiaritta bei Swiss Tennis in Biel trainiert, ist zumindest die Trainingssituation sehr viel einfacher geworden. «Wir haben uns für den Wegzug von zu Hause bewusst Zeit gelassen und gewartet, bis Maurus und wir als Eltern bereit für diesen grossen Schritt waren», sagen

Claudia und Thomas Malgiaritta. «Ich möchte im Tennis jeden Tag besser w ­ erden und sehe die damit verbundenen Konsequenzen deshalb nicht als Opfer, sondern als grosse Chance auf meinem noch weiten Weg», erklärt Maurus, der in Biel die Sekundarschule besucht, mittlerweile neben seiner romanischen Muttersprache auch perfekt Deutsch, ausgezeichnet Englisch und gut Französisch spricht. «Die Bedingungen im Nationalen Leistungszentrum und im Internat von Swiss Tennis sind perfekt und die Zusammenarbeit mit dem Verband funktioniert sehr gut», sind die Eltern dankbar. Ähnlich wie die Tschenetts haben sich auch die Malgiarittas im Unterland eine Basis ­geschaffen. Wenn der 15-Jährige am Wochenende Turniere bestreitet, treffen sich Maurus und ein Elternteil beim ältesten Bruder in St. Gallen und reisen von dort aus weiter. Stehen keine Wettkämpfe auf dem Programm, nimmt der Münstertaler die gut fünfstündige Reise nach Hause in Angriff. «Was das Soziale betrifft, war der Entscheid, länger in Müstair zu bleiben, sicher richtig», sagt Alessandro Greco. Tennistechnisch wäre aber ein früherer Wegzug besser gewesen. «Wer keine Strukturen mit guten Trainern und Sparrings vor der Haustüre hat, muss sich früh mit dem Auszug aus dem Elternhaus b ­ efassen», betont der Leiter Spitzensport, der Distanzen aber nicht nur als Han­dicap sieht. «Man muss sich frühzeitig gut organisieren, kreativ sein und die Bequemlichkeit abstreifen. Das kann in der Persönlichkeitsentwicklung sehr wichtig sein und ist sicher auch eine gute Voraussetzung für den Spitzensport.» Verliere man aber zu viel Zeit mit den wichtigen Entscheidungen, könne die Distanz nicht nur ein Hindernis, sondern gar ein Grund für einen vorzeitigen Abbruch der Karriere ● sein, sagt Alessandro Greco.

Luxus als Karrierekiller Mirko Spada, Gesamtleiter der Nationalen Elitesportschule Thurgau, sieht nicht die Distanzen, sondern vielmehr die heutigen Lebensbedingungen als Karrierekiller. «In der Schweiz sind viele Kinder im Luxus geboren und wachsen entsprechend auf.» Dies sei für den Spitzensport keine gute Bedingung, sagt der ehemalige Spitzenzehnkämpfer. «Heute sind leider nur die wenigsten bereit, im Training über die nötigen 100 Prozent zu gehen. Zudem müssen viele ständig online sein und können nicht mehr abschalten.» Das sei Gift für die Konzentration und die Entwicklung im Sport. «Eine Übung 1 000 Mal zu machen und dabei konzentriert zu bleiben, können heute nur noch die Allerwenigsten», weiss Spada.

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GAME, SET & MATCH

Schweizer Tennis-Stars ➊ Welche drei Schweizer Tennisspieler

➌ Welche Schweizer Paarung gewann

oder Tennisspielerinnen sind im Besitz einer olympischen Goldmedaille? A Martina Hingis, Roger Federer, Stan Wawrinka B Marc Rosset, Roger Federer, Stan Wawrinka C Jakob Hlasek, Marc Rosset, Heinz Günthardt

in Roland Garros einmal das Doppel? A Jakob Hlasek/Marc Rosset B Belinda Bencic/Martina Hingis C Roger Federer/Stan Wawrinka

➍ Seit Jahrzehnten begleitet ein Reporter von Radio DRS die Tennistour und berichtet mit unvergleichlicher Stimme, grosser Fach­ kenntnis und Begeisterung von Schweizer Erfolgen. Wer ist diese Radiolegende? A Bernard Thurnheer B Roger Schawinski C Bernhard «Börni» Schär ➎ Wie heisst die Schweizerin, die als erste Spielerin in den Top Ten der Weltrangliste klassiert war? A Claudia Pasquale B Martina Hingis C Manuela Malejeva

➋ Für welche Kaffeemaschine tritt Roger Federer als Werbebotschafter auf? A Electrolux B Jura C Nespresso

➏ In welchem Jahr gewann Roger Federer das French Open? A 2009 B 2008 C 2000

➐ Die Bernerin Romina Oprandi spielte zwischenzeitlich für ein anderes Land. Für welches? A San Marino B Vatikan C Italien

➑ Vier Schweizer erreichten bisher eine Klassierung in den Top Ten der Weltrang­ liste. Um welche vier handelt es sich? A Roger Federer, Stan Wawrinka, Michel Kratochvil, Vojko Fersch B Roger Federer, Stan Wawrinka, Heinz Günthardt, Marc Rosset C Roger Federer, Stan Wawrinka, Marc Rosset, Jakob Hlasek

Frage 1: B  Frage 2: B  Frage 3: A  Frage 4: C  Frage 5: C  Frage 6: A  Frage 7: C  Frage 8: C Antworten

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STAR VON MORGEN

AUF DEN SPUREN

DER STARS In dieser Rubrik stellt smash junge, talentierte Spielerinnen und Spieler vor und stellt ihnen ein Dutzend Fragen. Diesmal ist die Reihe an Anina Lanz aus Hägendorf. Sie stammt aus einer richtigen Tennisfamilie und ist besonders stolz, ihr persönliches Vorbild Roger Federer auch schon persönlich getroffen zu haben. TEXT: PIERRE BENOIT. FOTO: ZVG

ANINA LANZ Name:

Anina Lanz

Geburtsdatum:

5. April 2005

Klassierung:

R3 (Mitglied Schweizer Nachwuchskader)

Trainer/Coach:

Rodolphe Handschin und Bruder Timo

Klub:

TC Belchen Hägendorf und TC Born Kappel

In welchem Alter hast du begonnen, Tennis zu spielen? Mit fünf Jahren bekam ich von meinem Vater ein kleines Racket geschenkt. Von da an spielte ich meine ersten Bälle. Im Oktober 2011 lösten meine Eltern eine Tennis-Lizenz für mich.

Gab es auch schon eine grosse Enttäuschung? Nein. An allem was mich negativ beeinflussen kann, will ich wachsen. Was fasziniert dich am Tennis? Fürs Tennis braucht es Körper, Geist und viel Herzblut. Das liebe ich.

Wie kamst du zum Tennis? Durch meine beiden Brüder Timo und Mischa (beide N-Spieler, Top 100 der Schweiz klassiert). Ich habe sie oft an Turnieren spielen sehen und wollte das auch können.

Welches sind deine Ziele? Wie mein Bruder Mischa möchte ich Schweizermeister(in) werden. Der Weg ist das Ziel.

Wie oft und wie lange trainierst du heute? Vier Mal pro Woche, insgesamt zehn Stunden (siebeneinhalb Stunden Tennis und zweieinhalb Stunden Kondition).

Wer ist dein Vorbild? Dominika Cibulkova (Slowakei), derzeit Nummer 6 im WTA-Ranking und – natürlich – Roger Federer.

Welches sind deine Stärken? Mein Aufschlag. Mit diesem kann ich freie Punkte holen. In letzter Zeit habe ich auch mental grosse Fortschritte erzielt und dadurch an Selbstvertrauen gewonnen.

Was gefällt dir an deinem Vorbild? Bei Dominika gefällt mir die positive Körperhaltung und ihr unglaublicher Wille. In der Jugend haben nicht viele an sie geglaubt. Trotzdem hat sie weiter trainiert und lies sich nie bremsen. Roger ist mein Vorbild in Sachen Anstand und Respekt. Mir gefällt seine Vielseitigkeit und Lockerheit auf dem Tennisplatz. Ich habe ihn auch schon persönlich getroffen. Er war sehr nett und natürlich.

Was möchtest du an deinem Spiel verbessern? Ich will an allem arbeiten und vor allem auch im taktischen Bereich stark zulegen. Welches war dein bisher grösster Erfolg? U10-Team-Schweizermeisterin und zwei Mal im Viertelfinal an der U12-Schweizermeisterschaft.

Hast du andere Hobbies? Zu Hause bin ich gerne bei meinen Meerschweinchen oder bastle oft mit allen möglichen Sachen etwas. Ich bewege mich gerne in der Natur beim Wandern, Joggen und Biken mit meiner Familie.

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Joseph All-Wetter Belagssysteme TENNIS FORCE® II DER SANDPLATZ DER NEUEN GENERATION Der Tennis Force® II ist ein Allwetterspielbelag, auf welchem man das ganze Jahr unter freiem Himmel spielen kann. Optik und Spielverhalten ist wie auf herkömmlichen Sandplätzen. Dank der neuen elastischen Entkopplungsschicht konnten die Spieleigenschaften dem Sandplatz noch näher gebracht werden.

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SWISS PRO CORNER WORLD

Auf die einzelne Person eingehen Eines der Highlights des «Tennis Forum Schweiz» sind jedes Jahr die renommierten internationalen Referenten. In diesem Jahr gastiert mit dem Österreicher Harald Mair ein Mann mit besonders reichem Erfahrungsschatz in Theorie und Praxis. TEXT: MARCO KELLER. FOTO: ZVG

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enn am 19. März in Kreuzlingen Professor Magister Harald Mair zu seinem Referat lädt, dürften die Teilnehmer des 5. Tennis Forum Schweiz besonders gespannt zuhören. Der Leiter Ausbildung des Österreichischen Tennisverbandes (ÖTV) hat als Thema «Effizientes TaktikTraining für Clubspieler» gewählt, ein Gebiet, mit dem sich alle Ausbildner auseinandersetzen müssen. Und das einen Nutzen für fast alle Spieler bringen sollte, wie Mair sagt: «In erster Linie will ich versuchen, Hilfestellungen für Club- und Mannschaftsspieler aufzuzeigen.» Diesmal geht es also weniger um Hochleistungssportler, mit denen Mair in seiner Trainerkarriere auch viel zu tun hatte. Im Besonderen war er Coach von Barbara Schett, die es im Einzel und Doppel ­unter die Top 10 der WTA-Tour brachte und d­ eren Weg wegen ihrer Freund- und erfolgreichen Partnerschaft mit Patty Schnyder auch hier genau verfolgt wurde. Der 46-Jährige sieht in der ­Arbeit zwischen den beiden so unterschiedlichen Bereichen der Profis und der Amateure durchaus Parallelen: «Es ist vor allem wichtig, dass man auf jeder Stufe auf die einzelne Person eingeht, nicht einfach das gleiche System für alle vorgibt.» Speziell gilt dies auch für den mentalen Bereich, wo sich SpielerInnen unterschiedlichster Stärkeklasse und Veranlagungen mit ähn­ lichen Herausforderungen beschäftigen müssen. Der zurückhaltende Spieler muss lernen, mehr aus sich herauszugehen, der Impulsive eher, ­seine Emotionen zu kontrollieren, für alle geht es darum, ihre Trainingsleistungen im Wettkampf umsetzen zu können. «Das sind ganz spannende Fragen», sagt Mair, «oft ist das ­Ganze ein Prozess, der übers ganze Leben dauert und sich auf andere Lebensbereiche überträgt.» Muster und Skoff als Konkurrenten Beobachtern der Szene, die dem Teenager-­Alter bereits entwachsen sind, ist der Name Harald

Mair noch aus Spielerzeiten ein Begriff. Der ­Tiroler war vom 10. Lebensjahr an Mitglied sämtlicher Junioren-Nationalkader und wurde nach bestandener Matura Profi. Es war die ­goldene Epoche des österreichischen Männertennis, er gehörte dem Davis-Cup-Team mit Thomas Muster, Horst Skoff und Alexander ­Antonitsch an, das damals in der Alpenrepublik grosse Tennis-Euphorie schürte und sogar phasenweise den Skifahrern und -springern die Popularität streitig machte. Angesichts dieser grossen Konkurrenz blieb ihm aber oft nur Platz 4 oder 5 in der internen Hierarchie. Mit 21 beendete er nach drei Jahren seine Profilaufbahn, vor allem, da sein Vertrag als Zeitsoldat aus­ gelaufen war und der Sohn einer Arbeiterfamilie nicht in der Lage war, die grosse finanzielle Last zu stemmen. Im Einzel und Doppel hatte er an den Top 300 gekratzt, seine Lust auf ­Tennis war aber ungestillt: «Als Spieler hatte ich es nicht nach ganz oben geschafft, nun ­wollte ich einer der besten Coaches werden.» Österreichs einzigartiges System Über das praktische Rüstzeug verfügte er ­bereits, nun ging es um den theoretischen Teil. Er studierte Sportwissenschaft und Geographie und absolvierte daneben sämtliche in Österreich möglichen Ausbildungsstufen bis hin zum staatlichen Diplomtrainer. Seine Qualitäten blieben nicht verborgen. Der ÖTV holte ihn als Spitzensportdirektor, 2003 wechselte er in den Ausbildungsbereich. Dieser ist in Österreich anders geregelt als bei uns. Es gibt vier Bundessportakademien, die direkt dem Bildungsministerium unterstellt sind. Die Finanzierung der Kurse – und das gilt für alle Sportarten – wird vom Staat übernommen, die Ausbildungskosten sind damit sehr gering. Dies bringt Vor- und Nachteile mit sich, sagt Mair, der selber von Innsbruck aus wirkt: «Wir können froh sein, dass die Kosten keinen

Geschäftsstelle Swiss Professional Tennis Association Postfach 324, CH-6391 Engelberg Tel. 041 639 53 47, Fax 041 639 53 44 E-Mail: meierhofer@spta.ch

ÖTV-Ausbildungschef Harald Mair doziert am 5. Tennis Forum Schweiz. Stolperstein darstellen und dadurch keine potenziellen Lehrer und Trainer abgehalten ­ werden. Es hat aber auch viele, insbesondere Studenten, die diese Kurse absolvieren, weil sie sich einfach eine Zusatzqualifikation er­ werben wollen.» Natürlich bestehe auch das Risiko, dass es Teilnehmer darunter habe, denen das Herzblut fehlt, insgesamt über­ ­ wiegen für Mair aber die Vorteile: «Viele ­kommen auch zu mir und sagen, sie seien ­unschlüssig in den Kurs gegangen, hätten dann ● aber gemerkt, dass dies ihr Weg sei.» 

Tennis Forum Schweiz ➜ Anmeldungen für das 5. Tennis Forum Schweiz vom 19. März in Kreuzlingen sind bis 20. Februar noch möglich ­unter www.spta.ch. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt.

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AN DER WEGKREUZUNG Er zählt nicht zu den bekanntesten Schweizer Tennisspielern. Adrien Bossel, 30 Jahre alt und am Jahresanfang knapp unter den Top 500 der Welt, hatte aber grossen Anteil daran, dass sich die Schweiz im vergangenen September in Usbekistan den Klassenerhalt in der Weltgruppe sicherte. Die Geschichte eines Enthusiasten.  TEXT: YVES JATON. FOTOS: FRESHFOCUS

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pricht man über den Erfolg des Schweizer Davis-Cup-Teams in Taschkent, hört man solche oder ähnliche Sätze: «Das ist super, die Jungen haben die Aufgabe ohne Federer und Wawrinka sehr gut gelöst.» Natürlich trifft dies im Fall von Henri Laaksonen, 24 Jahre alt, und Antoine Bellier, 20, zu, den weiteren Baumeistern des Coups von Taschkent. Adrien Bossel ist aber nur ein Jahr jünger als Stan Wawrinka. Der in

Biel wohn­hafte Freiburger ist also schon viel in der Tenniswelt herumgekommen, erst seit kurzem ist er aber einem breiteren Publikum ein Begriff. Sportbegeisterte Familie Adrien Bossel kam zum Tennis, da seine Eltern diesen Sport ausübten, die Mutter spielt übrigens heute noch. Die Familie Bossel ist sportbegeistert und die ältere Schwester spielte Basketball auf National-

liga-Stufe. Klein-Adrien hielt mit knapp sieben Jahren im TC Aiglon erstmals ein Racket in der Hand und dieser erste Kontakt führte sofort zu einer grossen Leidenschaft. Mit zehn musste er sich zwischen Tennis und Ski entscheiden. Er hat die Wahl nie bereut. Dank seines Talents wechselte er in den TC Marly, wo er gute Trainingspartner fand und mit Patrick Minster einen etablierten Coach. Parallel besuchte er weiterhin die Schule und er-

 ICH HÄTTE EINE ANDERE FACHRICHTUNG WÄHLEN KÖNNEN. SO WAR ES MIR ABER MÖGLICH, DEM TENNIS GENÜGEND ZEIT ZU WIDMEN.

Adrien Bossel

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langte die ­Maturität mit einer Spezialisierung in ­visueller Kunst. «Ich hätte eine andere Fachrichtung wählen können. So war es mir aber möglich, dem Tennis genügend Zeit zu widmen. Das war auch nötig, ­damals gab es ja noch keine Sportschulen. Zum Glück fiel mir das Lernen ziemlich leicht», blickt er zurück. Als er das Reifezeugnis in der Tasche hatte, gab es für den Neunzehneinhalbjährigen kein Zögern: «Ich will Tennis­ profi werden.» Die nötige Unterstützung erhielt er durch seine Eltern, einen mittlerweile pensionierten Luftfahrtingenieur


ADRIEN SWISSBOSSEL WORLD

Captain Severin Lüthi (l.) mit seinem erfolgreichen Team Johan Nikles, Henri Laaksonen, Adrien Bossel und Antoine Bellier nach dem Klassenerhalt in Usbekistan.

und eine Sekretärin in einem Büro eines Rechtsanwalts. Bossel ist heute noch dankbar: «Damals war es noch schwieriger als heute, einen Mäzen zu finden, der in die Jugend investiert. Meine Eltern haben es mir möglich gemacht, meiner Leidenschaft nachzugehen.» So ging er nach Belgien an eine Akademie und nach deren Konkurs kam er in die Schweiz ­zurück und trainierte fortan im Nationalen Leistungszentrum von Swiss Tennis. «Vorher im Kopf kein Profi» Lange war er in der Anonymität der ­Future-Turniere unterwegs. Seine jüngsten resultatmässigen Fortschritte schreibt er einer veränderten Herangehensweise an seinen Beruf zu: «Vorher war ich im Kopf kein Profi.» Seit er aber mit einem Spezialisten für den mentalen Bereich ­arbeitet, sind dem Freiburger respektable Erfolge gelungen. Neben seinem Sieg im Doppel in Usbekistan hat er 2016 in der Qualifikation von Gstaad den Argentinier Nicolas Kicker geschlagen, damals die Nummer 137 der Welt und in der Quali­ fikation zu den Swiss Indoors den Franzosen Paul-Henri Mathieu (ATP 65). «Die-

se Siege zeigen mir, dass ich auf diesem Level spielen kann», sagt Bossel, «aber mir fehlt die Konstanz und deshalb gelingen mir solche Partien noch zu selten. Ich gebe mir noch ein Jahr um zu schauen, ob ich diese Stabilität erreiche. Danach werde ich schauen, ob ich noch weiter-

mache.» Falls ihm Verletzungen keinen Strich durch die Rechnung machen – 2016 machte ihm eine Schulterverletzung zu schaffen – ist es Adrien Bossel zuzutrauen, sein Ziel zu erreichen und einmal die Qualifikation für ein Grand-Slam-Turnier ● zu bestreiten.

Mit ganzem Herzen Es gibt wohl nicht viele Profi-Tennisspieler und auch generell kaum Sportler auf höchstem Niveau, welche ihre Aktivität trotz eines schweren Problems am Herzen weiterführen. Adrien Bossel zählt zu ihnen. Im Jahr 2006, er war noch nicht 20 Jahre alt, wurde dem Freiburger auf dem Platz plötzlich unwohl und er musste in den Notfall überführt werden. Der Arzt, der ihn untersuchte, diagnostizierte eine hypertrophische Kardiomyopathie und stellte den jungen Sportler vor folgende Alternativen: ­Entweder würde er sich einer medikamentösen Behandlung unterziehen und müsste dafür mit dem Sport aufhören oder er würde sich operieren lassen, was natürlich immer ein gewisses

Risiko mit sich bringt. So würde er, mit einer gewissen Mässigung, weiter Sport treiben können. Trotz der ungünstigen medizinischen Prognose wollte Adrien Bossel seine grosse ­ ­Leidenschaft nicht aufgeben und deshalb weiter Wettkampftennis spielen. «Ich muss einfach aufpassen, wenn ich einen Anfall von Herzflimmern habe, was sich sofort spüre. Als dies während einem Match passiert ist, musste ich auch schon aufgeben und für einen Profisportler ist dies natürlich kein Vorteil», sagt er ganz entspannt und führt lächelnd weiter aus: «Mit der Zeit wird es meistens besser. Ich habe auch schon Matches gewonnen, als ich nach dem Anfall einfach eine kleine Pause gemacht habe.»

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PUBLIREPORTAGE

Vom Tennisspieler zum Jungunternehmer

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ein Name ist Robin Reimann, ich bin 19 Jahre alt und komme aus Däniken. In meiner Kindheit habe ich während acht Jahren Fussball im Club meines Wohnortes gespielt. Mit 14 Jahren besuchte ich dann ein Tennis-Schnuppertraining im TC BallySchönenwerd. Tennis hat mir so sehr gefallen, dass ich sofort mit Fussball aufgehört habe und wöchentlich ein Gruppen-Tennis­training besuchte. Ich machte rasant Fortschritte. Gut ein Jahr nach meinem ersten Training wechselte ich als R9 klassierter Junior zur Swiss Tennis School nach Trimbach, wo ich täglich trainierte. Mehrere Privattrainings pro Woche sollten mir helfen, an die Tennisspitze zu kommen, ich träumte von einer Profikarriere. Innerhalb eines Jahres bei der Swiss Tennis School verbesserte ich dank hartem Training meine Klassierung von R9 auf R4. Ich trainierte noch einige Zeit im gleichen Stil weiter und gewann mehrere nationale

Turniere. Aber irgendwann musste ich feststellen, dass es nie ganz nach vorne reichen würde. Ich hatte zu spät mit Tennis angefangen. Dies machte mich zu Beginn sehr traurig. Nach meinem 18. Geburtstag schmiedete ich dann neue Pläne. Ich mochte Tennis nach wie vor und fing damit an, dem T ­ ennis auf und neben dem Platz auf andere Art und Weise verbunden zu sein. Ich besuchte d ­ iverse Leiterkurse und auch den Official (Turnierleiter)- Kurs. Schliesslich gründete ich im A ­ ugust 2015 mit 18 Jahren und 2 Monaten ­meine erste eigene Firma. Einen Onlineshop für Tenniszubehör und Bespannungsservice. Diese Gründung war für mich eine der interessantesten Erfahrungen meines Lebens. Ich wählte den Namen «Tennis-Universe Reimann», entwarf den Brand und gestaltete selber den ­Onlineshop. Danach kümmerte ich mich um die Partnerschaften mit den verschiedenen Tennismarken, um die Tennisware beziehen zu können. Und im November 2015

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eröffnete ich schliesslich meinen ersten «physischen» Shop im Tenniscenter Zofingen. Heute kann ich stolz sagen, dass ich dem ­Tennis immer noch sehr verbunden bin und mir die Arbeit in dieser Branche extrem viel Spass ­bereitet. Für mich schloss sich vor einiger Zeit zwar die Türe zu meinem Profi-Traum, aber es öffnete sich eine neue, die mich zu einem Jungunternehmer in meinem Lieblingssport machte. ●


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Über viele Jahre hinweg hat sich das von Andrea und Stefan Schär mit Herzblut geführte Sport- und Fitnesscenter ständig weiterentwickelt. Dank Innovationen und Angebotserweiterungen präsentiert sich das Center auf höchstem Standard und ist zweifelsfrei die schönste Anlage der gesamten Region.

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er Schwerpunkt und somit auch das «Herz» des Centers bildet das einzigartige Angebot für Tennisspielerinnen und -Spieler. Gespielt wird auf gelenkschonenden Hallenplätzen, Sandplätzen (Winter: Traglufthalle). Als offizieller Stützpunkt des Regionalverbands Zürichsee/ Linth Tennis (RV ZSLT) engagiert sich das Leuholz mit seinen weit über die Region hinaus bekannten Tennisschulen von Jean-Claude Scherrer und Patrick Sommer aktiv und strukturiert in der Nachwuchsförderung auf verschiedenen Leistungsstufen. Seit über 20 Jahren werden Grand-Prix-Tennis- und beliebte Doppelturniere durchgeführt. Das Center-Restaurant erstreckt sich stirnseitig über alle vier Hallenplätze und bietet ein grosses Angebot an Köstlichkeiten. Polysportives Center Für die Freunde des Racketsports stehen je vier Squash- und Badminton-Courts zur Verfügung. Die Plätze können jederzeit schnell und bequem via Internet gebucht werden (sportcenter-leuholz.ch). Fitness & Wellness Im offenen und hellen Leuholz-Fitnesscenter werden in ruhiger und persönlicher Atmosphäre Kraft und Ausdauer trainiert. Höchste Qualitätsstandards bei den Geräten und erfahrene Coaches sind weitere Merkmale des Fitnessclubs, die die Mitglieder zu schätzen wissen. Dazu kommt eine grosse Auswahl

an Gruppenkursen mit Spinning, BodyPump, Zumba und vielem mehr. Gratis-Probetrainings sind nach Voranmeldung jederzeit möglich. Eine Saunalandschaft mit Whirlpool, Dampfbad und Sauna bildet eine Oase der Erholung und Regeneration. Nicht nur nach dem Sport. Bei einem Center dieser Grösse sollte auch eine Kinderbetreuung nicht fehlen. Das «Zwärgähüsli»Team kümmert sich von Montag- bis Samstagvormittag kostenlos um das Wohl der Kleinen. Tennis-Academy Jean-Claude Scherrer Der ehemalige Spitzenspieler Jean-Claude Scherrer betreibt mit seinem Trainerteam eine erfolgreiche Tennisschule mit einem breiten Angebot. Neben dem üblichen Trainingsangebot stechen die Anfänger-Kurse für Erwachsene «Fast Learner» heraus. Neu ist die «Ballschule für Kids», die den Kleinen zwischen drei und sechs Jahren den Einstieg in diese Sportart ermöglicht. Tennisschule Patrick Sommer In der Tennisschule Patrick Sommer finden die Spieler das optimale Tennisprogramm für jede Stärke. Trainingsschwerpunkte werden nach Bedarf und Anspruch gruppenorientiert und/oder individuell gelegt. Facts & Figures • Tennis (4 Hallenplätze mit Granulat, 3 Sandplätze in der Traglufthalle, Sommer: 5 Aussenplätze, 1 Rebound-Ace-Aussenplatz • Squash (4 Courts) • Badminton (4 Courts, Sommerbetrieb in Tennishalle) • Sportshop (Head-Testcenter, Bespannungsservice, Testschläger etc.) • Restaurant • Wellness (Saunalandschaft, Therapie & Massagen) • Fitness (Gruppen- und Personaltraining, FitVibe, Kraft & Ausdauer) • Kinderbetreuung: Das «Zwärgähüsli»-Team kümmert sich kostenlos um das Wohl der Kleinen (u.a.: Leuholz-Kinderspielplatz) Sport- und Fitnesscenter Leuholz www.sportcenter-leuholz.ch

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PUBLIREPORTAGE

FERIENVEREIN

Einfach traumhaft... Tiefblaues Meer. Kristallklares Wasser. Feinsandige Traumstrände. Kulinarische Köstlichkeiten. Sardinien ­bietet viel – und das alles kann im Tirreno Resort in Orosei mit Tennis ideal kombiniert werden. TEXT: ANDY MASCHEK. FOTOS: ZVG

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er Flug nach Olbia verläuft prob­ lemlos, die Vorfreude auf ein paar Tage Italianità kombiniert mit Tennis ist riesig. Nur schon der Name Sardinien lädt zum Träumen ein... Auch der Transfer vom Flughafen ins Tirreno Resort ist angenehm. Rund ­eine Stunde Fahrt, etwa die Dauer eines Tennismatches, teilweise mit Meerblick. Dann ist das Ziel erreicht. Die Hotel­ anlage mit dem Hauptgebäude und den Bungalows im Garten macht ­einen eben­ so gepflegten Eindruck wie die Reception, wo der Empfang herzlich ist. Die Poolland­ schaft? Traumhaft gross, 1600 m2 ins­ gesamt, mit einer Rutschbahn und einem Wildwasserkanal ausgestattet, die das Kind im Mann w ­ ieder wecken... Schnell ist klar: Hier fühlt man sich wohl, kann man die Batterien aufladen, ­Körper und Geist stärken. Und das ei­gene Tennisspiel verbessern. Tennisspielern – und s­olchen, die es werden wollen –

s­ tehen im Tirreno Resort vier neue, 2013 sanierte Doppelfelder zur Verfügung, Kunst­ rasen mit Quarzsandverfüllung. Der Tennisunterricht wird von «Sunball Tennis» angeboten, massgeschneidert auf die Bedürfnisse. Sunball – ein passender Name: Sardinien hat rund 300 Sonnen­ tage jährlich. Bei diesem Klima und unter der Führung von fachlich guten und eben­ so sympathischen Coaches macht das Training umso mehr Spass und stellen sich die Fortschritte fast automatisch ein. Zum allgemeinen Wohlbefinden tragen auch die sonstige Infrastruktur und die Küche bei. Im Winter 2016 wurden 52 Ap­ partements umgebaut und mit sardischen Materialien aufgepeppt. Das Sportan­ gebot lässt sich sehen: Boccia, Basketball, Beachvolleyball, Aerobic, Aquagym, Ein­ führungskurs Bogenschiessen sowie ein neuer, polyvalenter Sportplatz sind kos­ tenlos. Gegen Gebühr gibt es Aktvitäten von Adventure Golf über Pedalo bis hin zur Bike-Vermietung oder zu geführten Quad-Touren. Bei so viel Aktivitäten ist klar, dass der Körper «Brennstoff» braucht – und dafür sorgt die hervorragende Küche, ­ welche die Gäste auf höchster Ebene ­ ­verwöhnt, sei das im Halbpension-Restau­ rant ­«Liberotto» mit Terrassenbar (Früh­ stücksbuffet, sardisches und italienisches Buffet am Abend) oder im à la carte-­ Restaurant «Il Corallo» mit herrlicher Aus­ sicht auf den Strand, wo man die Seele baumeln lassen und das traumhafte Meer geniessen kann. Schon beim ersten ­Besuch steht fest: Die «Gefahr», zum Wie­ derholungstäter zu werden, ist gross! ●

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SERVICE MEDICAL

TRAINING

Spieglein, Spieglein an der Wand...

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Dank dieser Ballwand können Sie fast überall Tennis und ähnliche Sportarten spielen, ob als Amateur oder Fortge­ schrittener. Tri-tennis® ist ein Spielgerät mit einem wasser­ festen PVC-Segeltuch, welches mit Hilfe von Metallfedern an einem verzinkten Stahlrahmen befestigt wird. Wenn Sie den Ball gegen das Segeltuch spielen, kommt er immer mit derselben Geschwindigkeit und unabhängig von der Kraft des Schlages im richtigen A ­ bstand und Treffpunkt für den nächsten Schlag zurück. Nach dem Spielen des Balles gibt Tri-tennis® Ihnen die benötigte Zeit, um sich für den nächsten Schlag vorzubereiten. Tri-tennis® ist für vielseitige Spieltechniken und auch für andere Sportarten anwendbar. Es kann auf jeder F­ läche und bei jedem Wetter angewendet werden, vereinfacht das Tennistraining um ein Vielfaches und eignet sich perfekt für jede Altersklasse und Leistungsstärke. Zudem ist Tri-tennis® für Kinder per­ fekt, die gerade erst mit dem Tennisspielen begonnen haben, da mehrere Kinder zur selben Zeit ● spielen können. Weitere Informationen: www.josephtennis.ch

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Einsendeschluss ist am 28. Februar 2017.

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tennis MAGAZIN besuchte Julia Görges in ihrer sportlichen Heimat Regensburg und begleitete sie bei einer Fitnesseinheit. Wir zeigen Ihnen die acht besten Übungen der deutschen Fed-CupSpielerin. Zur Nachahmung empfohlen! TEXT: FELIX GREWE. FOTOS: JÜRGEN HASENKOPF, DATENBANK

EXPERTE FLORIAN ZITZELSBERGER Sport-Physiotherapeut, Manualtherapeut und Athletiktrainer. Arbeitet für die Praxis Corpus Care in Regensburg. Betreute früher den dortigen Fussballclub. Reiste ein Jahr mit Kevin Anderson auf der Tour und arbeitet seit Herbst 2015 mit Görges zusammen. experte@tennismagazin.de

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PLAY & WIN

READY TO GO! In der Off-Season trainiert Julia Görges sechs Wochen lang täglich abseits des Courts für ihre Fitness.

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Tennisspieler benötigen in jedem Gelenk maximale Mobilität, um ihre gesamte Kraft entfalten zu können und sämtliche Muskelketten bestmöglich zu beanspruchen. Stabilität von den Füssen bis zu den Handgelenken ist wichtig, um einen sauber koordinierten Schwung zu gewährleisten. Die folgenden Übungen tragen alle zur Verletzungs­ prophylaxe bei.

1

SUMO-SQUATS

3

Die Übung: Julia startet im aufrechten, schulterbreiten Stand (1). Sie beugt ihren Oberkörper so weit nach vorn, dass sie mit den Fingern an ihre Zehen greift. Dabei bleiben die Beine so durchgestreckt wie möglich (2). Sie führt die Bewegung aus der Hüfte, dem Becken und der Lendenwirbelsäule aus. Nun beugt sie die Knie und geht so tief wie möglich in die Hocke. Ihre Arme bleiben dabei gestreckt, die Ellenbogen berühren die Innenseite ihrer Knie. Auch der Rücken bleibt gerade (3). Anschliessend bewegt sie sich zurück in die Mittelposition (2).

2

Der Effekt: Aufrichtung des Oberkörpers, Kräftigung der vorderen Oberschenkelmuskulaturund des Gesässes, Mobilität der Knie, Dehnung der Oberschenkelrückseiten. Wiederholungen: Einsteiger: 5–8

Fortgeschrittene: 8–12

Profis 12–15

jeweils 1–2 Sätze

Die Übung: Die Ausgangsposition ist wieder der aufrechte Stand, diesmal allerdings in doppelter Schulterbreite. Julia verlagert ihr Gewicht auf das linke Bein und beugt es dabei (1). Das rechte Bein bleibt komplett gestreckt – so lange, bis sich der Fuss vom Boden löst. In dieser Position werden die Zehen nach oben gedreht, dabei kommt es zu einer verstärkten Beugung des linken Beines. Sie benutzt ihre Arme, um das Gleichgewicht auszubalancieren (2). Die Übung wird abwechselnd mit dem linken und rechten Bein wiederholt.

KOSAKENHOCKE

1

2

Der Effekt: Kräftigung der Oberschenkelvorderseiten, Dehnung der Adduktoren und Hüftmuskulatur, Balance, Stabilität und Mobilität der Sprunggelenke. Wiederholungen: Einsteiger: 5–8 jeweils 1–2 Sätze

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Fortgeschrittene: 8–12

Profis 12–15


INTERNATIONAL PLAY & WIN

STANDWAAGE Die Übung: Julia beginnt erneut im schulterbreiten, aufrechten Stand. Sie lehnt ihren Oberkörper nun weit nach vorn, bis sie gleichzeitig ihr linkes Bein nach hinten strecken muss, um das Gleichgewicht zu halten. Die Arme streckt sie so weit aus, dass ihr Oberkörper waagerecht ausgerichtet ist. Dabei hält sie vor allem Spannung im Gesäss, im gesamten Rücken (gerade halten!) sowie im rechten Bein. Sie bewegt sich zurück in die Ausgangslage und führt die Übung fortlaufend und abwechselnd mit dem linken und rechten Bein aus. Der Effekt: Stabilität des ganzen Körpers (insbesondere der Körpersäule) sowie von Fuss und Knie im Einbeinstand. Dehnung und Kräftigung der hinteren Oberschenkelmuskulatur.

1

3

Wiederholungen: Einsteiger: 3–5

Fortgeschrittene: 5–8

Profis 8–12

jeweils 1–2 Sätze

2

BREAKDANCE-STÜTZ Die Übung: Julia startet in der klassischen Liegestütz-Position (1). Sie führt ihr rechtes Bein unter dem linken hindurch und setzt die Ferse auf den Boden. Dadurch kommt es zu einer Oberkörperrotation nach links. Sie stützt sich nun nur noch auf dem rechten Arm ab (2). Dann dreht sie den Oberkörper noch weiter auf und führt den linken Arm unter Spannung des Rückens nach oben. Das Becken schiebt sie in die gleiche Richtung nach (3). Auch diese Übung wird abwechselnd auf der linken und rechten Seite ausgeführt. Der Effekt: Core-Stabilität (Körpersäule), Mobilität und Stabilität der Schultern und Hüfte. Wiederholungen: Einsteiger: 3–5 Fortgeschrittene: 5–8 Profis 8–12 jeweils 1–2 Sätze

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Kraft in den Beinen stellt die Basis für Tennisspieler dar. Sie ermöglicht es, den Körperschwerpunkt tief zu halten und die Power von den Füssen bis ins Handgelenk zu übertragen. Eine erhöhte Kraft sorgt für eine bessere Schnellkraft und explosive, kurze Antritte.

1

DER TAUCHER

Die Übung: Diesmal startet Julia in Bauchlage. Rücken und Halswirbelsäule sind gerade, das Gesäss angespannt. Sie streckt ihre Arme so weit wie möglich unter Spannung nach vorn, hebt sie leicht an und spreizt die Finger. Die Beine streckt sie ebenfalls aus, die Zehenspitzen ruhen auf dem Boden (1). Jetzt führt Julia die Arme seitlich am Körper nach hinten – wichtig: Sie hält sie dabei komplett gestreckt! Der restliche Teil des Körpers bleibt in der Ausgangsposition. Dadurch bewegen sich nur Arme, Schultern und Schulterblätter.

2

Der Effekt: Kräftigung von Schultern und Armen, Ganzkörperspannung, Aufrichtung des Oberkörpers. Wiederholungen: Einsteiger: 5–8

Fortgeschrittene: 8–12

Profis 12–15

jeweils 2–3 Sätze

1

EINBEINIGES BECKENHEBEN Die Übung: Der Oberkörper wird mit seitlich gestreckten Armen auf einer Bank abgelegt. Das linke Bein wird gebeugt und steht auf dem Boden, das rechte streckt Julia in der Luft gerade aus. Das Gesäss schwebt einige Zentimeter über dem Boden (1). Nun winkelt sie das gestreckte Bein an und zieht es in Richtung Brust. Gleichzeitig drückt sie ihr Becken nach oben. Durch das Anziehen des rechten Beines erzielt sie eine noch stärkere Aktivierung der Hüft- und Gesässmuskulatur. Wie alle Übungen wird diese fortlaufend und ohne ein Halten der Position ausgeführt. Der Effekt: Kräftigung der vorderen und hinteren Beinmuskulatur sowie der Hüftmuskulatur. Stabilität im Becken, der Körpersäule und im Rücken. Wiederholungen: Einsteiger: 5–8 jeweils 2–3 Sätze

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Fortgeschrittene: 8–12

Profis 12–15

2


PLAY & WIN

SEITLICHER UNTERARMSTÜTZ MIT ROTATION 1

2

3

Die Übung: Julia begibt sich in den seitlichen Unterarmstütz. Sie hält ihren Rücken gerade und zieht den Bauchnabel ein, um eine grösstmögliche Tiefenstabilität zu erzielen (1). Sie spannt die Gesässseite des unteren Beines (in diesem Fall links) an. Nun streckt Julia ihren rechten Arm nach oben, dabei folgt der Kopf ihrer Armbewegung und sie spreizt ihre Finger, um so viel Spannung wie möglich zu erzielen (2). Julia führt ihren rechten Arm nun langsam nach unten und unter ihrem Oberkörper hindurch. Der Kopf folgt erneut der Bewegung (3). Im Anschluss führt sie die Übung auf der anderen Seite aus.

Der Effekt: Core- und Schulterstabilität, Verbesserung der Drehkraft des Oberkörpers, Kräftigung der seitlichen Bauchmuskulatur. Wiederholungen: Einsteiger: 6–8

Fortgeschrittene: 8–12

Profis 12–15

jeweils 2–3 Sätze

1

EINBEINIGE KNIEBEUGE 2

Die Übung: Julia stellt sich mit einem Bein auf eine stabile Bank. Das andere Bein hält sie in der Luft. Sie streckt beide Arme nach vorn (1). Nun beugt sie das linke Knie so weit, dass der rechte Fuss fast den Boden berührt, um sich dann wieder nach oben zu drücken. Anschliessend wird die Übung mit dem anderen Bein ausgeführt. Der Effekt: Fussstabilität, Kniestabilität, Kräftigung der Beinmuskulatur (insbesondere vorderer Oberschenkel) und des Gesässes. Wiederholungen: Einsteiger: 6–8

Fortgeschrittene: 8–12

Profis 12–18

jeweils 2–3 Sätze

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HÜNE MIT

Er lebt vor allem von seinem starken Aufschlag, aber Milos Raonic hat längst auch andere Qualitäten entwickelt – etwa sein Netzspiel. Experte Patrick Mouratoglou analysiert den gefühlvoll gespielten tiefen Volley des Kanadiers. TEXT: TIM BÖSELER. FOTOS: MIKE FREY

KEIN ANFLUG VON HEKTIK IN DER VORBEREITUNG

MIT EINEM SCHRITT KÖRPER HINTER DEN BALL BRINGEN

STABILE BEINSTELLUNG ALS FUNDAMENT FÜR DIE BALANCE

Ein typischer Spielzug von Milos Raonic endet häufig damit, dass er vorne am Netz den Abschluss sucht. Dabei ist die Vorbereitung äusserst wichtig, weil die ­ meisten seiner Gegner Verteidigungskünstler sind und ihn aus allen Lagen passieren ­können. In diesem Fall bekommt der heran­ stürmende Zwei-MeterMann den Passierball im Halbfeld tief vor die Füsse. Vorteil von Raonic: Er hat die Zeit, sich optimal auf den schweren Volley vorzube­ reiten. Er gerät nicht in Hektik, sondern bleibt ganz ruhig.

Für einen so grossen und kräftigen Profi wie Raonic gilt eine alte Tennis-Weisheit noch mehr als für gewöhnliche Spieler: Gute Volleys spielt man mit den Beinen – und weniger mit dem Arm. Gerade Hobby­ spieler vergessen beim Flugballspiel oft die Beinarbeit – ein schwerwiegender Fehler. Raonic bringt mit ­einem Schritt seines l­inken Beins den Körper hinter den ankommenden Ball, während sich die Position des Schlägers nur marginal verändert. Er positioniert ihn auf eine Linie mit dem Ball.

Mitten im Treffpunkt zeigt sich, wie ­stabil die Position von Raonic ist. Achten Sie auf seine linke Ferse: Mit ihr berührt er nach dem langen Schritt des linken Beins zuerst den Boden. Dadurch bildet er einerseits ein festes Funda­ment für den Schlag. Anderer­seits unterstützt die Fussstellung den zum Ball gerichteten Bewegungsfluss ideal. Arme und Oberkörper haben ihre Stellung im Vergleich zum vorherigen Bild kaum verändert. Ein weiteres Zeichen dafür, wie gut Raonic die Balance hält.

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INTERNATIONAL PLAY & WIN

HÄNDCHEN SCHLAGFLÄCHE ÖFFNET SICH LEICHT FÜR DEN UNTERSCHNITT

SEITWÄRTSSPIN DAMIT DER BALL NACH AUSSEN TRUDELT

HINTERES BEIN KOMMT NUN BEIM VORDEREN AN

So vorbildlich die Beinarbeit von Raonic auch ist: In dieser Phase des Schlags muss der Hüne sein feines Händchen ­zeigen, um auch die Vorteile seiner perfekten S­ tellung zum Ball voll nutzen zu können. Der Welt­ranglistendritte öffnet seine Schlagfläche leicht, um dem Ball Unterschnitt mitzugeben. Für tiefe Volleys die beste Wahl, weil man den Ball unterhalb des Netzes spielen muss und ihn gleichzeitig in der Hälfte des Gegners tief halten will. Durch den Sliceeinsatz ist das gewährleistet.

Raonic begnügt sich aber nicht mit einem schnöden Slicevolley. Anhand der Stellung von Schlagfläche und Unterarm lässt sich erkennen, dass der Kanadier dem Ball auch Seitwärtsspin mit auf den Weg gibt. Folge: Der Ball springt beim Gegner nicht nur tief ab, er trudelt auch nach aussen weg. Selbst wenn es so aussieht, dass Raonic nach wie vor in perfekter Balance verharrt: Das hintere Bein schiebt sich langsam nach vorne – ein Indiz dafür, dass er mit dem Körper durch den Ball geht.

Wie extrem der Spin ist, den Raonic einsetzt, wird nun deutlich: Die Schlag­fläche ist parallel zum Boden ausgerichtet. Gleich­ zeitig ist das hintere Bein beim vorderen angekommen, so dass Raonic bei Bedarf schnell weiter ans Netz vorrücken kann. Insgesamt zeigt sich, dass Raonic trotz seiner Grösse ­keine Probleme bei ­tiefen Flugbällen hat. Das hat er vor allem seinen kräftigen Beinen, der hohen ­Kontrolle über seinen Körper und seinem stark ausgeprägten Touch zu verdanken.

EXPERTE PATRICK MOURATOGLOU Gründer und Chefcoach der Mouratoglou Tennis Academy bei Nizza. Er arbeitete früher unter anderem mit Marcos Baghdatis und Grigor Dimitrov. Heute betreut er vor allem Serena Williams. Weitere Infos: www.mouratoglou.com. Erreichbar unter: experte@tennismagazin.de

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Der nächste Sommer kommt bestimmt Oder wie ich meine Restposten loswerde...

Sie waren wirklich lecker und wir haben sie genossen, die Weihnachtsguetzli und sonstigen Leckereien über die Feiertage. Schnell waren die guten Vorsätze vergessen und der Alltag hat uns eingeholt. Doch nun werden die Tage wieder länger, der Bewegungsdrang treibt uns nach draussen und wir wagen einen schüchternen Ausblick in die nahe Zukunft – Sommer! TEXT: SIMON HEINIS, PHYSIOTHERAPEUT. FOTO: FOTOLIA

M

it Schrecken betrachten wir uns im Spiegel und stellen uns auf die Waage. Nur noch drei Monate bis zum Beginn der Sommersaison. Zuallererst keine Panik... Bitte keine fragwürdigen Blitzdiäten. ­Lassen Sie sich wenn möglich von einer

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Ernährungsberaterin coachen, nutzen Sie das Wissen der Experten. Leider reicht für eine nachhaltige Gewichtsreduktion die ausschliessliche Ernährungsveränderung häufig nicht, die Kombination mit Bewegung macht’s. Im Grundsatz geht’s darum, weniger Kalorien aufzunehmen und mehr zu verbrauchen. Bei 250 Minuskalorien am Tag können wir eine Fett-

reduktion von drei Kilo in drei Monaten erwarten. ­Netter Nebeneffekt: Sie werden auf dem Tenniscourt beweglicher, explosiver und ausdauernder. Joggen das Mass aller Dinge? Ein 75 Kilo-Mann verbraucht bei einer halbe Stunde Jogging (bei ca. 8km/h) ­etwa 300 Kalorien. Es ist sicherlich eine


MEDICAL

Fünf Mythen

der ­ effizienteren Trainingsformen, um in kurzer Zeit möglichst viel Kalorien zu verbrauchen. Die Laufgeschwindigkeit und der Umfang sollten der Erfahrung und dem Trainingszustand angepasst ­werden. Seien Sie motiviert, aber nicht übermotiviert. Speziell im Frühling sehen wir in unserer Physiotherapie häufig ­Breitensportler mit Überlastungssymptomatiken. Gehen Sie die Sache langsam an. Als Grundsatz kann dienen, dass Sie sich soweit verausgaben, dass Sie am liebsten am nächsten Tag dort weitermachen, wo man heute aufgehört hat. Zu Beginn reichen 15 bis 20 Minuten körperliche Aktivität, planen Sie Ihren Tag und verbinden Sie somit die Bewegung und das Training mit Ihrer täglichen Routine. Genauso wie das Tennisspielen im Sommer zu Routine gehört. Steigern Sie Dauer und Intensität moderat und kontinuierlich. Idealerweise bewegen Sie sich mittelfristig mindestens eine halbe Stunde am Tag. Wer das so regelmässig nicht schafft, kann dies am Wochenende über eine längere Einheit kompensieren. ­Beachten Sie jedoch, dass dadurch auch die Erholungszeit nach der Belastung zunehmen kann. Idealerweise planen Sie die Trainings aber wie Meetings im Geschäft oder das Tennisgame, verbindlich und ­unabhängig vom Wetter. Doch leider ist Joggen nicht jedermanns Sache. Machen Sie, was Spass macht oder was realistisch ist. Der Körper unterscheidet nicht zwischen Bewegung draussen oder drinnen, zwischen dem Fussballspiel unter Freunden oder ob Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder nur zum Spass einen Ausflug machen. ­Natürlich sind hier die Intensitäten zum Teil sehr unterschiedlich, doch gege­ benenfalls lässt sich dies durch einen ­höheren Umfang kompensieren. Allerdings sind Ausdauertrainings wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen die effektivsten Kalorienkiller, leider wird dabei das Muskelwachstum nur be­

Um Fett zu verbrennen, muss in tiefer Intensität und sehr lange trainiert werden Häufig wird eine Zielherzfrequenz von 110–130 empfohlen, weil dort der Fettverbrennungsanteil am höchsten sei. Prozentual wird zwar mehr Energie aus den Fettreserven bereitgestellt, ­absolut wird aber eine grössere Gesamtmenge an Fett bei höheren Intensitäten verbrannt. • Bei einer Belastung in geringer Aktivität werden z. B. bei einem Gesamtverbrauch von 100 Kcal/Std – 70%durch den Fettstoffwechsel zur Verfügung gestellt. Somit 70 Kcal pro Stunde • Bei einer Belastung in hoher Intensität (HF 150) und einem Grundverbrauch von 200 Kcal/Std – 50% durch Fettstoffwechsel, der Rest durch Kohlenhydrate. Somit in der gleichen Zeit 100 Kcal. Für Geübte deshalb als Grundsatz das Aus­ dauertraining so intensiv und lange wie ­möglich. Für Einsteiger moderater Beginn und kontinuierlich steigern. Die Fettverbrennung beginnt erst nach 30 Minuten Die Fettverbrennung ist eine Möglichkeit für unseren Körper, Energie zu gewinnen. Da wir konstant Energie verbrauchen, sind die ­Systeme jederzeit verfügbar. Somit kann jede auch noch so kurze Belastung (Treppe anstatt Aufzug) sinnvoll sein.

schränkt angeregt. Und weil mehr ­Muskelmasse mehr Energie verbraucht, ist ein ergänzendes Krafttraining sinnvoll und empfehlenswert. Schon ein zweimal wöchentlich durchgeführtes Krafttrainingsprogramm reicht aus. Nutzen Sie hier eine weitere Möglichkeit, Defizite zu beheben, welche sich in den Spielen im letzten Jahr gezeigt haben. Im Hinblick auf Ihre Belastung beim Tennis und jetzt beim Joggen ist ein Rumpfkraft- resp. Stabilitätstraining zu empfehlen. Dies ­ können Sie mit Ihrer Physiotherapeutin, der Bewegungsspezialistin, erarbeiten und danach selbständig durchführen. Doch nun lange genug palavert, auf geht’s... Setzen Sie sich hin, öffnen Sie ihre Agenda und sperren Sie sich ihre Trainings­ zeiten. Regelmässigkeit und Konsequenz helfen und bringen Sie zu Erfolg. Setzen Sie sich realistische Ziel und verfolgen Sie

Fettverbrennung funktioniert am Besten auf nüchternem Magen Im Grundsatz richtig, weil am Morgen die ­Kohlenhydratspeicher leer sind und die Energiebereitstellung über die Fettreserven gewährleistet ist. Doch am meisten Kalorien ­werden verbraucht, wenn ich mich bewege, und es ist für den Erfolg nicht essenziell, wann ich dies tue, sondern dass ich es tue. Wer einen dicken Bauch hat, sollte viele Bauchübungen machen Der lokale Fettabbau lässt sich leider nur ­bedingt beeinflussen. Gegebenenfalls können Wärme und lokale Durchblutungsförderungsmassnahmen mittels Vakuum- und Elektroreizgeräten unterstützend wirken. Der Abbau aber findet nur durch eine negative Kalorienbilanz aus. Woher die Energie zur Bewegung kommt, bestimmt einzig und allein der Körper. Je mehr Schweiss desto mehr Fett wird verbrannt Die Menge des Schwitzens ist individuell stark unterschiedlich. Das Schwitzen dient primär der Thermoregulation und somit der Kühlung des Körpers. Zwar ist man nach Ausschwitzen von einem Liter Wasser ein Kilo leichter, dies muss aber mittelfristig wieder ausgeglichen werden.

diese nicht nur auf der Waage. Die ­Waage wird Ihnen zu Beginn keine Freude bereiten, da das neue Muskelgewebe, welches Sie sich antrainieren, mehr Kilo auf die Waage bringt als das Fettgewebe, welches Sie bisher abgebaut haben. Nutzen Sie den Spiegel, er wird Ihnen bald ein neues Körpergefühl vermitteln. Indem Sie sich bewegen und den Rumpf trainieren, werden Sie bald eine höhere Grundspannung in Ihrer Muskulatur spüren und ­somit eine offensichtliche Besserung der Körpersilhouette feststellen. Nutzen Sie Ihre Freunde, Partner, Kinder als Motivationshilfe, gemeinsames Sporttreiben kann helfen. Nutzen Sie die Puls- oder GPS-Uhr, um Ihre Trainingsfortschritte darzustellen und zu dokumentieren. Nutzen Sie die Möglichkeit, mit Experten der Ernährung und Bewegung zusammenzuarbeiten. Idealerweise agieren ­diese als Team und ergänzen Ihre Ambitionen mit Tipps und Tricks. ●

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MEDIZIN Ratgeber

Isabel Petzschner beantwortet für das Tennismagazin smash ­allgemeine, aber auch tennis­spezifische Fragen zu Sportmedizin und Training. TEXT: ISABEL PETZSCHNER. FOTO: ZVG

Meine Kinder treiben neben dem Tennis auch gerne Wintersport. Nun hat mir jemand erzählt, dass Kinder unter zehn Jahren möglichst nicht snowboarden sollten, da dies für die Gelenke schädlich sein kann. Stimmt das?

Aus meiner Sicht können Kinder mit dem Snowboarden und Skifahren schon beginnen, bevor sie 10 Jahre alt sind. Gerade Snowboarden ist von der Belastung her nicht gefährlicher als andere dynamische Sportarten mit hoher Bewegungsenergie. Das Verletzungsrisiko lässt sich insbesondere durch einen guten Gleichgewichtssinn erheblich minimieren, welcher sich mit ca. 6 Jahren entwickelt. Ab diesem Alter machen die Kinder auch die grössten Fortschritte und eignen sich dauerhaft essenzielle koordinative Fähigkeiten an. Ich empfehle den Kindern allerdings, vorgängig auf jeden Fall einen Snowboardkurs zu besuchen, damit sie die richtige Technik erlernen und somit auch etwaigen Folgeschäden und Verletzungen vorbeugen können. Seit einer Knieoperation habe ich in meinem Körper eine Metallplatte. An genau dieser Stelle habe ich nun

Fragen an uns Schicken Sie uns Ihre Fragen zu den Themen Training und Verletzungen. Unser Experte wird Ihre Fragen gerne beantworten. Senden Sie Ihre Fragen bitte an andy.maschek@ims-sport.ch

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trockene Haut. Könnte da ein Zusammenhang bestehen?

Ja, das ist möglich. Durch Operationen, Hautschnitte und Wunden können Hautveränderungen, Narben und manchmal auch eine veränderte Trophik entstehen. Aber auch lokale Fremdkörper im Körper können durch Reizung oder Abgabe von Fremdmaterial zu einer Veränderung der Hautbeschaffenheit und -struktur führen. Wichtig im Hinblick auf die Vermeidung oder Reduktion solcher Hautirritationen ist die postoperative oder -traumatische Haut- und Narbenpflege. Diese beinhaltet das Vermeiden lokaler Überlastungen, Temperaturschwankungen und mechanischer Reizungen, ausreichenden Sonnenschutz sowie regelmässiges eincremen und massieren der betroffenen Areale. Stimmt es, dass Schlafmangel zu Übergewicht führen kann?

In den letzten Jahren gab es wiederholt Studien, die eine negative Korrelation zwischen Schlafmangel (<6h/Nacht) und Übergewicht herstellen und diverse Ursachen ermitteln konnten. So wird unter anderem davon ausgegangen, dass Wenigschläfer das Hunger-Hormon Ghrelin bis zu 30% mehr produzieren. Dadurch wird der Hunger und Appetit ­gesteigert, weshalb übermüdete Personen beim Frühstück bis zu 300kcal mehr zu sich nehmen und auch mehr Lust auf ungesunde Lebensmittel wie Fett und Schokolade haben. Zudem verbrennt der Körper von Wenigschläfern weniger Kalorien, d.h. er läuft vermehrt auf ­Sparflamme, um Energie einzusparen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der gestörte Zuckerhaushalt. Bei Schlafmangel wird

Isabel Petzschner ➜ Isabel Petzschner ist Oberärztin für Sportmedizin an der Schulthess Klinik. Sie ist Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und betreut in der Klinik Tennisspieler auf allen Leistungsstufen. Aufgewachsen auf einer grossen Tennisanlage, übt sie diesen Sport seit ihrer Kindheit aus.

weniger Insulin produziert und mehr ­Zuckermoleküle sind im Blut nachweisbar, ähnlich wie bei einem Diabetiker. ­ Ab welchem Alter ist es unbedenklich, im Krafttraining nicht nur mit dem Eigen-, sondern auch mit Fremdgewicht zu arbeiten?

Krafttraining bei Kindern und Jugendlichen ist ein sehr komplexes, zuweilen kontrovers diskutiertes Thema. In der ­Vorpubertät sollten Kinder vor allem spielerische Bewegungsabläufe und Stabili­ sation erlernen, ohne zusätzliche Gewichte. In der Pubertät bzw. ab dem Alter von 12, 13 Jahren (Knaben eher später) dürfen zum eigenen Körpergewicht entwicklungsgerecht(!) geringe Zusatzlasten wie z. B. Medizinbälle oder Sandsäcke ins Training integriert werden. Nach Abschluss der Pubertät, d.h. etwa ab dem 16. Lebensjahr, stabilisiert sich das­ Skelett und die Körperproportionen gleichen sich aus, so dass kontrolliert Fremdgewichte ins Training eingebaut werden können. Wichtig ist dabei immer die korrekte Bewegungsausführung unter ­ ● fachkundiger Betreuung.


MEDICAL

ERNÄHRUNG Unsere Expertin rät

Ernährungsberaterin Beatrice Schöni beantwortet neu allgemeine und tennis­spezifische Fragen unserer Leserinnen und Leser. TEXT: BEATRICE SCHÖNI. FOTO: ZVG Hat regelmässiger Sport eine Auswirkung auf den Säure-Basen-Haushalt? Was muss ich betreffend Ernährung beachten, damit es in meinem Körper nicht zu einer Übersäuerung kommt? Und was könnten sonst die Auswirkungen sein?

Regelmässiger Sport hat keine negativen Auswirkungen auf den Säure-Basen-Haushalt. Betreffend Ernährung ist es nicht nötig, gewisse Lebensmittel auszulassen oder vermehrt zu verzehren. Der gesunde Körper regelt den Säure-Basen-Haushalt selbstständig. Es gilt, bei der Ernährung auf Abwechslung und Ausgewogenheit und Essmengen zu achten. Ein Sprichwort – u.a. auch bei Popeye – heisst «Spinat macht stark». Hat Spinat wirklich spezielle Fähigkeiten oder Wirkungen?

Bei den in alten Nährwerttabellen pub­ lizierten Eisenmengen von 35mg in 100 g Spinat handelte es sich um die Eisen­ menge in Trockenspinat. Frischer Spinat besteht zu fast 92 Prozent aus Wasser und enthält etwa 2,7 mg Eisen pro 100 g. Spinat enthält aber tatsächlich mehr Eisen als viele andere Gemüsesorten. Der Bedarf von Eisen liegt bei Männern bei 10 mg und bei Frauen bei 15 mg pro Tag. 100 g Spinat liefern 2,7 mg Eisen. Er kann also tatsächlich zu einer Deckung beitragen. (siehe auch smash 10/2016).

Fragen an uns Schicken Sie uns Ihre Fragen zum Thema Ernährung. Unsere Expertin wird Ihre Fragen gerne beantworten. Senden Sie Ihre Fragen an andy.maschek@ims-sport.ch

Ohne Rechenfehler wären Popeye’s Abenteuer wohl nicht mehr in unseren Köpfen. Nahrungszusätze werden immer populärer. Können solche Produkte auch von Jugendlichen im Wachstum eingesetzt werden oder könnte das schädlich sein?

Nahrungsergänzungsmittel oder sogenannte Supplemente sind für Jugendliche und Erwachsene Sportler keine Notwendigkeit. Eine ausgewogene Basisernährung unter Berücksichtigung der regelmässigen Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr deckt bei erhöhtem Energiebedarf die notwendigen Makro- und Mikronährstoffe ab. Wer sich genauer informieren will, hält sich an die Empfehlungen der Swiss Sport Nutrition Society www.ssns.ch/sportsnutrition/supplemente/supplementguide «Wenn ein Supplement wirkt, ist es ­vermutlich verboten. Wenn es nicht verboten ist, wirkt es vermutlich nicht.» Prof. Ron Maughan, Loughborough University/ Direktor IOC Sports Nutrition Diploma. Ich bin Kaffee-Liebhaber, schlafe aber schlecht ein, wenn ich am Abend noch Kaffee trinke. Auf einen Tipp eines Kollegen hin habe ich versucht, am Abend nur einen Espresso schwarz ohne jegliche Zutaten zu trinken und konnte wirklich gut einschlafen. Ist das erklärbar oder Zufall?

Das Koffein im Kaffee wirkt auf den Organismus stimulierend und belebend und kann somit das Einschlafen erschweren. Zucker oder Milch im Kaffee haben keinen Einfluss auf die Koffeinwirkung. Der Gehalt von Koffein im Espresso oder ­Kaffee variiert je nach Kaffeesorte und Zubereitungsart. Regelmässige Kaffeetrinker reagieren kaum auf eine Tasse Kaffee gegenüber Personen, die nur selten Kaffee

konsumieren. Im Espresso ist i. A. der Gehalt an Koffein um die Hälfte oder mehr tiefer als beim Kaffee, doch je nach Zubereitung kann dieser genau so hoch sein wie beim Kaffee. Also: Vertrauen Sie auf Ihre Beobachtung, dass der Espresso natur bei ebendieser Einladung perfekt war und Ihren Schlaf nicht im geringsten ● gestört hat.

Beatrice Schöni ➜  Beatrice Schöni Ernährungsberaterin SVDE Ehemals Mitglied in der Fachgruppe Ernährung und Sport des Verbandes (SVDE). Teamleiterin des Kompetenzzentrums für Ernährung an der Merian Iselin Klinik. Ernährung und Bewegung begleiten sie seit sie denken kann. Ihr Herz schlägt höher beim Joggen, Velo fahren, Rudern und besonders Spass macht das Bogenschiessen. Bewegung ist ihr besonders wichtig, weil Ernährung und Bewegung zum erfolgreichen Gesundheitsmanagement gehören.

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SUPERFOOD IM SUPERMARKT? Wer kennt sie nicht, die «Superfoods» aus den entlegensten Winkeln der Erde? TEXT: BEATRICE SCHÖNI, ERNÄHRUNGSBERATERIN. FOTOS:FOTOLIA

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ie die Açai-Beere aus dem ­Artikel genauer auseinandersetzen und Amazonasgebiet mit ihrem unseren fachlichen Senf dazugeben. hohen Vitamingehalt, AroDas Stichwort ist Senf! So banal das nia aus Nordamerika, wel- klingen mag aber der gute alte Senf ist ein ches als Heilmittel gilt, Goji-Beere aus richtiges «Superfood». Die Senfpflanze China für ein starkes Immunsystem, Mor- wurde schon vor 3000 Jahren in China gina-Blätter aus Nordindien vom Baum kultiviert und galt dort als Allheilmittel der Unsterblichkeit, Maca aus den perua- für Krankheiten und war als Gewürz sehr nischen Hochanden für körperliche und begehrt. Die alten Griechen, Römer und geistige Höchstleistungen und Chia-­ Ägypter schrieben dem Senf heilende Samen aus Mexiko für mehr Kraft und Wirkung und sogar magische Kräfte zu! Ausdauer. Alle diese Lebensmittel – und Schon Hippokrates, der berühmteste Arzt da gehören noch etliche dazu – gelten als des Altertums, erkannte die verdauungsso genanntes Superfood. Ihnen werden fördernde und abführende Wirkung von ganz spezifische Eigenschaften und Wir- Senf und nutzte sie als Arzneimittel. kungen nachgesagt, die sich angeblich Der bekannte griechische Philosoph, ­positiv auf die Gesundheit auswirken. ­Mathematiker und Naturwissenschaftler Nur stellt sich die Frage: Kommen ­diese Pythagoras von Samos schrieb, dass «Senf «Superfoods» ausschliesslich aus exo­ den Verstand schärft». Die Senfpflanze tischen Ländern oder lassen sich «Super- verbreitete sich von Asien ausgehend foods» auch bei uns finden? Mit einem über die Arabischen Länder bis nach ganz heimischen Superfood, das jeder von uns Europa und wurde von den Menschen in kennt und nicht aus der Küche wegzu­ jener Zeit sehr geschätzt. Der Senf gehört denken ist, werden wir uns in diesem zur Familie der Kreuzblütengewächse und

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wird in zwei Hauptgruppen unterteilt. In den weissen Senf, und den schwarzen/ braunen Senf. Die Pflanze blüht ähnlich wie Raps und bevorzugt ein warmes und trockenes Klima. Senf enthält eine grosse Menge der beiden Glykoside Sinlabin und Sinigrin, die einerseits für den scharfen Geschmack des Senfs, andererseits für die appetitanregende und verdauungs­ fördernde Wirkung verantwortlich sind. Zudem enthält Senf Magnesium, was wiederum für die Sportler ein interessanter Aspekt sein könnte. In einer kleinen Tube Senf (50 mg/100 g)steckt mehr Magnesium als in getrockneten Apri­ ­ kosen (10 mg/100 g). Ausserdem enthält es noch reichlich Natrium und Kalzium, welche für die Leitfähigkeit der Nerven und der Muskelkontraktion wichtig sind. In der Medizin wurde Senf für die ­Behandlung von Infektionskrankheiten, rheumatischen Beschwerden, akuten ­inneren Entzündungen, Kopfschmerzen


MEDICAL

und Herzkreislaufstörungen verwendet. Im Jahr 1967 wurde am Max-Planck-­ Institut in Deutschland wissenschaftlich nachgewiesen, dass Senf die Speichelund Magensaftproduktion anregt und somit für Appetit sorgt und die Verdauung fördern kann. Aktuellere Studien konnten zeigen, dass sich Senf positiv auf Bluthochdruck und das Entzündungs­ geschehen im Körper auswirkt. Aktuell laufen weitere klinische Studien mit Senf im Rahmen der Krebsforschung. Die Senföle gelten als pflanzliche ­Antibiotika, die keinen negativen Einfluss auf Magen und Darm haben und keine bakteriellen Resistenzen ent­wickeln. Also ist der Senf ein richtiges «Superfood», das im Rahmen der gesunden und ausgewogenen Ernährung in den Speiseplan aufgenommen werden sollte. Der Einsatz von Senf ist vielfältig: In Sandwiches, auf belegten Brötchen, in Saucen, zum Marinieren, zum Dippen, zum Kochen, zum Würzen etc. Zusätz-

lich gilt: Je schärfer der Senf ist, desto grösser die Wirkung. Die Ausnahme stellen die Allergiker dar. Allergiker sollten sich in solch einem Fall ärztlich von ­einem Allergologen untersuchen lassen und fachliche Hilfe bei einer Ernährungsfachperson in Anspruch nehmen. Superfood muss nicht immer exotisch oder von einem anderen Kontinent sein. Es lohnt sich, sich mit einem Lebens­ mittel, welches wir in unseren Supermärkten haben, etwas genauer auseinander zu setzen und darüber nachzu­ forschen. So sieht man ein Lebensmittel, welches für uns selbstverständlich ist, in einem ganz neuen Licht. Ausserdem ­weisen einheimische Superfoods einen wesentlich geringeren ökologischen Fussabdruck auf als solche, die von tausenden Kilometer zu uns importiert werden müssen. Einheimische Superfoods sind z. B. Äpfel, welche reich an Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen sind. Die Milch, die pro empfohlene Portion

bis zu 300 mg Kalzium enthält. Die ­Kartoffel mit ihrem hohen Kalium-Gehalt und essenziellen Aminosäuren. Mit einem Ei decken sie ihren Tagesbedarf von 2,5 µg Vitamin B12 ab. Wir sind regelrecht umgeben von Superfood! ●

Zusammengefasst… ➜ …kann man sagen: Um all die gesundheits­ fördernden Inhaltsstoffe von Lebensmitteln ­nutzen zu können, sollte in der gesunden Ernährung und in der Ernährung für Sportler das saisonale und regionale Nahrungsmittel­ angebot berücksichtigt werden. Ein einzelnes Nahrungsmittel ist nicht in der Lage, alle physiologischen Bedürfnisse des Organismus zu befriedigen. Es ist die Kombination aus verschiedenen Nahrungsmitteln, die unseren ­Körper und deren Funktionen mit den verschiedensten Makro- und Mikronährstoffen versorgt.

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DER STAR IST DIE INSEL

PALMEN UND MEER: Das Coral Beach Hotel & Resort liegt im äussersten Westen von Zypern. 78 1-2/2017


INTERNATIONAL REISE ZYPERN

Wo die Götter Urlaub machen. Mit diesem Slogan werben Marketingstrategen schon seit Jahren für Zypern. tennis MAGAZIN reiste zum ersten Mal auf die Mittelmeerinsel und war begeistert: von Infrastruktur, Hotel, Essen – und Training. TEXT: ANDREJ ANTIC. FOTOS: DATENBANK, ANTIC. KARTE: JOCHEN SCHÄFERS.

Sporthotel Racket Inn STARKE TRUPPE: Das Hamburger z) organisiert seit mit Cheftrainer Tom Tolic (in schwar Paphos. sieben Jahren Trainingscamps bei

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TRAUM IN AZUR: Alternativen zum Bälle schlagen gibt es im Coral Bay genug – zum Beispiel Ausflüge per Boot zum Angeln und Tauchen.

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ast zu kitschig. Tom Tolic sitzt in Badehose am Strand des Coral Beach Hotel & Resort, nippt an einem «Sex on the Beach» und blickt in einen perfekten Sonnenuntergang. Palmen wiegen sich sanft im Wind, ein paar Meter weiter hört man das Meer gurgeln. Ein Fischerboot tuckert Richtung Hafen. Die Temperatur liegt jetzt, Anfang November, immer noch bei fantastischen ­ 25 Grad. Tolic sagt: «So eine Reise veranstaltet kein anderer Tennisclub.» Da mag er recht haben, der 49-jährige Kroate. Tolic ist Cheftrainer im Sporthotel Racket Inn. Seit sieben Jahren organisieren die Hamburger Tennisreisen nach Zypern, genauer ­gesagt ins Coral Beach, ein Fünf-Sterne-Hotel im Westen der Mittelmeerinsel rund eine h ­ albe Autostunde nördlich von Paphos gelegen. Der Sage nach ist die 30 000-Einwohner-Hafenstadt der Geburtsort der Aphrodite, der Göttin der Liebe. Zur Zeit der Römer war Paphos die Hauptstadt der Insel, die ungefähr halb so gross wie Hessen ist. Hier wimmelt es von Aus­ grabungsstätten. Seit 1980 sind die Ruinen von Paphos Weltkulturerbe.

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Rund 35 Jahre später boomt der Tourismus im EU-Staat. 2016 sollen nach Schätzungen des Fremdenverkehrsministeriums mehr als drei Millionen Touristen Urlaub auf Zypern gemacht haben – so viele wie noch nie. Klar, dass das Land von den Krisen in der Türkei, in Tunesien und Ägypten profitiert. Klar ist aber auch, dass Zypern mit seinem genialen Slogan «Wo die Götter Urlaub machen» längst mehr ist als ein Geheimtipp. Das Autobahnnetz ist perfekt ausgebaut (Achtung: Linksverkehr!), das Klima, gerade jetzt im Spätherbst, ist mild,

ÜBER DREI MILLIONEN TOURISTEN 2016 der Standard von Hotels und Gastronomie hoch. Wer einmal durch die neue Marina von Limassol, der Heimatstadt von Marcos Baghdatis im Süden der Insel, flaniert ist, wird sich vorkommen wie in Marbella, Nizza oder St. Tropez – gediegene Yachten, schmucke Bars,

Cafés und Restaurants, aus denen Livemusik schallt, vollgestopft mit schönen Menschen in Abendkleidern und feinen Anzügen. Ronny Rothenberger hat das Potenzial Zyperns früh erkannt. Rothenberger ist der ­ Chef des Racket Inns. Um diese Reise, Rothenbergers Sporthotel und die Philosophie dahinter zu verstehen, ist es hilfreich, die Vita des Hamburgers zu kennen. «Ronny ist ein Sportverrückter», sagt Tolic und fügt gleich hinzu: «Im positiven Sinne.» Wir sitzen inzwischen auf crèmefarbenen XXL-Sofas auf der Hotelterrasse mit traumhaftem Blick aufs Levantische Meer. «Ich bin ein Sportliebhaber!», verbessert Rothenberger süffisant, «ich übertreibe es nicht und kenne meine Grenzen.» Die Biographie des drahtigen 72-Jährigen im Zeitraffer: Als Jugendlicher spielt er Turniere in den USA, ist dort die Nummer 22 im Junioren-Ranking. Bei der Orange Bowl, dem ­berühmtesten Junior-Turnier der Welt, startet er auch. Zehn Jahre lebt er in Puerto Rico. ­Anschliessend verschlägt es ihn, wieder für zehn Jahre, nach Kanada. «Ich war fasziniert, wie Tennis dort kommerziell vermarket ­wurde,


REISE ZYPERN

DIE MACHER: Ronny Rothenberger (l.), Chef des Racket Inn, und sein Tennischef Tom Tolic . Der Deutsche und der Kroate sind seit Jahren Zypern-Fans.

LOCKERE EINHEIT: Nikolai Soloviev, mehrfacher Hamburger Meister und als Junior die Nummer drei in Europa, gibt Training auf den hoteleigenen Plätzen.

vom Ambiente in den Tennishallen», sagt ­Rothenberger, der in Toronto auch mit Squash anfängt. Später wird der Globetrotter in der Sportart dreimal deutscher Meister. Noch in Kanada ist eine Idee in seinem Kopf bereits gereift: Racketsport in Deutschland professionell aufziehen. Der Selfmademann ­ verkauft seine Firma («Import diverser Waren nach Kanada») und beginnt im Norden von Hamburg zu bauen – acht Aussenplätze, ein Clubhaus und Squashcourts. «Alles fing 1976 an», sagt Rothenberger und sieht aus wie ­einer, der nichts bereut. 1982 kommt ein Hotel mit zehn Zimmern dazu, heute sind es 50. Das wird nix, habe

man damals geraunt, wer will schon im ­Tennisclub übernachten? Doch von Kritikern liess sich Rothenberger noch nie beein­

ERFOLGSSTORY RACKET INN drucken. Das Racket Inn wurde zur Erfolgs­ story. Inzwischen erfreuen sich 1600 Mit­ glieder an Tennis, Squash, Fitness und Wellness. Dazu kommen Hotelgäste von überall. 500 Mitglieder hat der Tennisclub Racket Inn,

ZUM EINTAUCHEN: Das östliche Mittelmeer ist hier auch im November noch 25 Grad warm. Aufpassen muss man beim Baden auf die Korallenriffe.

ein klassischer Verein. Prominentestes Mitglied: Dieter Bohlen. Rothenbergs Credo: nie stehenbleiben, immer neue Reize für seine Kunden schaffen. Zum Beispiel die Gruppenreise nach Zypern mit jährlich rund 25 Teilnehmern. Warum ­Zypern? «Weil ich etwas suchte, wo es auch im November noch warm ist», sagt Rothen­ berger, der inzwischen rund 15 Autominuten vom Hotel ein Haus gebaut hat. Es habe sogar Überlegungen gegeben, eine kleine Tennis­ anlage zu errichten – «aber die Bürokratie hier ist zäh.» Zurück ins Coral Beach Hotel und auf die vier Kunstrasenplätze. Die Campteilnehmer schlagen fleissig Bälle. Auf Court drei steht Nikolai Soloviev. Der 30-jährige Russe war ­ ­früher einer der Topjunioren, trat gegen Nadal und Baghdatis an. Heute spielt er nur noch ­selten Turniere, gibt meist Training in Hamburg. Neben ihm füttert Tolic seine Trainingsgruppe mit Bällen. Zwei Stunden später ist der Arbeitstag für die Coaches beendet. Es gibt schlimmere Schicksale – nicht nur wegen der ● magischen Sonnenuntergänge.

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TIE-BREAK

Impressum Das Tennis-Magazin der Schweiz

«Es ist Zeit loszulassen»

47. Jahrgang, Saison 2017 Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 12. Januar 2017 Herausgeber: IMS Sport AG smash-Magazin: IMS Sport AG, Gartenstadtstrasse 17, Postfach 603, 3098 Köniz Telefon: 031 978 20 20 Telefax: 031 978 20 25 ims@ims-sport.ch redaktion@smash.ch Verlagsleiter: Michel Bongard Telefon: 031 978 20 20 michel.bongard@ims-sport.ch Anzeigenleiter: Fabian Furrer Telefon: 031 978 20 35 fabian.furrer@ims-sport.ch Publizistischer Leiter: Andy Maschek (am) Telefon: 031 978 20 55 andy.maschek@ims-sport.ch Redaktionsleiter: Marco Keller (mk) marco.keller@smash.ch Redaktion und Lektorat: Pierre Benoit (be) pierre.benoit@ims-sport.ch Weitere Autoren: Marie-Theres Brühwiler, Swiss Tennis, Philipp Rindlisbacher, Yves Jaton und Team «Therapien und Training» der Schulthess Klinik und ­Merian Iselin Klinik (Medizin) Fotos: Reto Fiechter, Marie-Theres Brühwiler, Fotolia, Swiss Tennis, freshfocus, zVg Vorstufe: IMS Sport AG, Gartenstadtstrasse 17, 3098 Köniz Layout/Litho: Christine Boschung, Roger Depping Druck: Multicolor Print AG, 6341 Baar © (Copyright) Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für ­unverlangte Zusendungen wird von der Redaktion und dem Verlag jede Haftung abgelehnt. Auflage: total 10 630 8207 deutsch, 2423 französisch Grossauflage: Nr. 5 + Nr. 9 je 50 000 Exemplare Abonnement: Abonnementspreis Inland CHF 89.– Abonnementspreis Ausland auf Anfrage Abonnementsbestellungen/ Adressänderungen: smash Aboservice Industriestrasse 37, 3178 Bösingen Telefon: 031 740 97 65 abo@smash.ch Einzelverkauf: smash ist an 400 Verkaufsstellen der 7Days Media Services GmbH für CHF 8.90 erhältlich

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as Frauentennis verliert eines seiner schönsten Gesichter: Die frühere ­Tennis-Weltranglistenerste Ana Ivanovic hat Ende Dezember ihren Rücktritt vom Profitennis erklärt. Die 29-Jährige, die seit August mit dem deutschen Fussball-Welt­meister Bastian Schweinsteiger verheiratet ist, teilte ­ihre Entscheidung in einem Video bei Facebook mit. Als Grund führte die Serbin körperliche Defizite aufgrund von Verletzungen an, die es ihr nicht mehr erlaubten, auf höchstem Niveau Tennis zu spielen. «Es war eine schwierige Entscheidung, aber es gibt genug zu feiern», sagte die Serbin zu Beginn ihrer rund zweiminütigen Ansprache. «Ich war die Nummer eins der Welt und mit dem Sieg in Roland Garros 2008 habe ich Höhen erreicht, von denen ich vorher nicht zu träumen gewagt hätte.» 2008 gewann Ivanovic in Paris ihr einziges Grand-Slam-Turnier und führte in jenem Jahr insgesamt zwölf Wochen lang die Weltrangliste an. 2016 bestritt sie lediglich 31 Matches (15 Siege) und beendete die Saison bereits im August vorzeitig aufgrund einer Handgelenkverletzung. «Sport auf diesem Niveau benötigt einen Körper

Offizielles Organ der Swiss Professional Tennis Association (SPTA) Erscheint 10-mal jährlich (Januar/Februar, November/Dezember Doppelnummern)

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in Topform. Es ist bekannt, dass mich mehrere Verletzungen plagen. Ich kann nicht mehr ­meine persönlichen Ansprüche erfüllen, also ist es Zeit loszulassen», erklärte Ivanovic, die in­Zukunft als Botschafterin für Sport und gesunde Lebensweise fungieren will. Die Tennis-Prominenz reagierte mit einer ­Mischung aus Bedauern und Respekt auf die ­Entscheidung von Ivanovic. «Wir werden dein Lächeln auf dem Court vermissen», schrieb etwa Petra Kvitova auf Twitter. «Respekt für diese Entscheidung», bekundete Boris Becker. «Du warst eines meiner Idole», schwärmte die Schweizerin Belinda Bencic. Die deutsche Weltnummer 1 ­Angelique Kerber, die an die Hochzeit von Ivanovic und Schweinsteiger in Venedig eingeladen war, bedauerte den Rücktritt der Serbin auf Twitter folgendermassen: «Ich werde eine meiner besten Freundinnen auf der Tour vermissen. Du hattest eine unglaubliche Tennis-Karriere. Die besten Wünsche für ein aufregendes neues Kapitel!» Klar, dass bei diesem «neuen Kapitel» schnell Spekulationen über eine mögliche Schwangerschaft auftauchten – aber bis Redaktionsschluss blieb eine Bestätigung aus. (mk) ●

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Ein unschlagbares Doppel. Der Kompaktsportler und Roger Federer haben etwas gemeinsam: Sie gehen auf jedem Untergrund als Sieger hervor. Dabei gibt sich die A-Klasse von Beginn an und auf jedem Meter athletisch. Mit dem aggressiven Design signalisiert sie klar den Drang nach vorn. www.mercedes-benz.ch

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