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Ausgabe

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Das Fussball-Magazin der Schweiz

Dez. 2016  / Jan. 2017

CHF 7.50

Katrin, Stefan und Matthias Glarner

König Sport! FC Basel

Mohamed Elyounoussi ist auf dem Weg nach oben.

BSC Young Boys FC Zürich Sékou Sanogo strahlt immer wieder das Unglück weg.

Adrian Winter und die perfekte Rückkehr.


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Editorial

Sympathische Familie...

Ausgabe

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FCB-Stürmer Seyd

CHF 7.50

ou Doumbia

rer» «Bin ein Abenteulieger Moritz Bauer über seinen Wechsel nach Russland Überf Kampfgeist Neustart Ein Lotto-Sechser! ti geht Mickaël Facchinet in Thun in die 2. Halbzeit

von Die bewegte Karriere Juric FCL-Stürmer Tomi

Luganos Ezgjan Alioski Stunde ist der Mann der

Adama Traoré Stammspieler in Basel – und sein eigenes Idol.

Kevin Mbabu

Neuer Anlauf bei YB – die Premier League im Visier.

Katrin, Stefan und

Matthias Glarner

König Sport!

FC Basel

Mohamed Elyounou ssi ist auf dem Weg nach oben.

BSC Young Boys

Sékou Sanogo strahlt immer wieder das Unglück weg.

Numa Lavanchy

FC Zürich

Adrian Winter und die perfekte Rückkehr .

Sprung über den Röstigraben – und Sturm ins Rampenlicht.

9 Ausgaben pro Saison im Wert von CHF 65.– Abo-Hotline: Tel. 031 740 97 99 abo@footmagazin.ch

Hol Dir dein Saisonabo FOOT und SLAPSHOT zum Preis von CHF 99.– (statt CHF 140.–) CHF 7.50 • Dez. 2016/Jan. 2017 • Nr. 4 • Saison 2016/2017

Saison 2016/2017 ber 2016 • Nr. 3 •

Hockey-Guide 201 6/2017

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Lausanne HC

SCL Tigers

Ein Komponist, ein

ZSC Lions EV Zug

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24.10.16

Spielplan & Statistiken NLA National League B Spielplan & Statistiken NLB

11:02

Elite-Junioren Statistiken

OFFIZIELLES PROGRAMM www.spenglercup.ch

Als Beilage: Spengler Cup Programm

C K E Y- C L

DA

Mister Kloten Jr. Dirigent, ein Rockstar Ein Ticino – quo vadis? Gespräch mit Luca Cereda und Roland von Mentlen

O

FribourgGottéron HC GenfServette EHC Kloten

HC Lugano

Davos-Trainer Arno Del Curto:

stein: Captai n Denis Hollen

Matjaz Kopitar trainiert Red Ice und seinen Sohn Anze

Preis: CHF 18.–

HC AmbrìPiotta SC Bern EHC Biel HC Davos

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2017

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2016/2017 ist es so Mit dem FC Basel Ausgabe Super League eine Sache. In der Raiffeisen den Gegnern lange marschierten die Basler 16 Spielen gab es auf und davon. In den ersten Fischer 14 Siege und für das Team von Urs Rennen um den Titel zwei Unentschieden, das en. Erst in entschied war so schon schnell fast die erste Niederlage der 17. Runde setzte es YB. Weil der FCB ab, beim 1:3 bei Verfolger Champions League aber gleichzeitig in der seit 2009 erstmals blieb, enttäuschte, sieglos dem europäischen vor der Winterpause aus auch im heimischen Geschäft ausschied und Hausmannskost zeig­ Championnat bisweilen zelebrieren, zu all ner­Fussb te statt Champag tauchten viele Kritiker auf. wurde plötzlich ge­ In den Internet­Foren Urs Fischer, auf neue schossen. Auf Trainer

Ville Peltonen: Gestern Spielerlegende, heute SCB-Assistenztrainer

Hockey-Gipfel: HCD-Chef Gaudenz Domenig trifft ZSC-Manager Peter Zahner

EHC Uzwil: Wie eine Airline einem Traditionsverein zu alter Grösse verhelfen soll

Refs Cup Nati Spengler Cup

Klaus Zaugg

NHL CHL NHL

8 Ausgaben plus 1 Hockey-Guide pro Saison im Wert von CHF 75.– Abo-Hotline: Tel. 031 740 97 67 • abo@slapshot.ch

Klubführung, die die und alte Spieler, auf die ich – falsch zusam­ Mannschaft– vermeintl das Los eines Klubs, mengestellt hat. Es ist alles richtig machte, der während Jahren und fast unverwund­ brillierte, unantastbar plötzlich Schwächen bar schien und nun hohem Niveau... zeigt. Wenn auch auf sehr

«Hätte der Held sein können»

ein Thema war Bei all dieser Kritik kaum der im Sommer aus Mohamed Elyounoussi, lt hatte. Da­ Molde an den Rhein gewechse spiel gegen Auswärts bei hatte er es ja beim den Füssen gehabt, Ludogorets Razgrad in zum Sieg zu Basler in der Schlussphase die europäische Über­ das damit und schiessen Chance damals wintern zu sichern. Seine Vladislav Stoyanov war gross, aber Goalie ab. «Es mirakulös Schuss wehrte seinen die Parade des Goa­ ging alles sehr schnell, mein Abschluss lies war sicher gut, aber FOOT

2017

CHF 7.50

Nov.  / Dez. 2016

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« Ich bin h a p py, h ier z u sein»

Dez. 2016  / Jan.

Okt.  / Nov. 2016

DAVOS SPENGLER CUP DEZEMBER 2016

Text: Andy Maschek Pfander, Martin Meienberger Fotos: Urs Lindt, Christian

n der Schweiz

CHF 7.50

Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Spass bei der Lektüre und vor allem auch schöne Festtage und einen guten Rutsch ­sowie viel Glück im neuen Jahr!

Ihr FOOT-Team

Das Fussball-M agazi

Das Fussball-Magazin der Schweiz

Klaus Zaugg

Auch im letzten FOOT dieses Jahres legen wir den Fokus auf Hauptdarsteller aus der Super League. Vom Neu-Basler Mohamed Elyounoussi über YBs Sékou Sanogo bis zu den Newcomern Silvan Hefti (St. Gallen) und Cédric Zesiger (GC). Wir befassen uns mit dem Nationalteam, das auf bestem Weg ist, das Ticket für die WM 2018 zu lösen und haben in Luzern den Raiffeisen Family Day besucht, ein attraktives Angebot des Liga-Hauptsponsors, mit dem der nationale Fussball Familien sympathisch nähergebracht wird.

im Sommer aus Norwegen, Mohamed Elyounoussi kam Basel weiterzuent­ r FC um sich beim Serienmeiste rigen Offensivspieler wickeln. Das ist dem 22­Jäh «Es war ein ruhiger gelungen, auch wenn er sagt: mehr Tore erzielen.» und Start, ich will besser spielen

FOOT

n der Schweiz

Das Hockey-Magazin der Schweiz

Umso spannender ist die Ausgangslage in der zweiten Tabellenhälfte. GC auf Rang 5 und Vaduz auf dem 10. Platz trennen nur sechs Punkte. Da steht schon jetzt fest, dass ab ­Februar für GC, St. Gallen, Lausanne, Lugano, Thun und Vaduz jeder Match zu einer Nerven- und Charakterprobe wird. Der Abstiegskampf 2017 wird wohl ein Krimi, vielleicht gar bis zur letzten Runde.

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agazi Das Fussball-M

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Mohamed Elyounou ue Raiffeisen Super Leag

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U

Die Hälfte der Saison 2016/2017 ist vorbei – und hat gleichzeitig für Vorfreude auf die Fortsetzung im ­ nächsten Jahr gesorgt. Klar, an der Spitze hält sich die Spannung in Grenzen, zu stark und konstant war Serienmeister FC Basel in der Vorrunde. Zwölf Punkte Vorsprung auf YB dokumentieren den nationalen ­Sonderstatus der Basler. Der achte Titel in Serie scheint sicher, auch wenn das Ausscheiden aus dem

Ausgabe

zin der Schweiz

Sport ist bei den Glarners König. Für FOOT haben sie sich beim Schwingerkönig getroffen und über Sport generell, Schwingen und Fussball diskutiert. Matthias, S ­tefan und ­Katrin Glarner sind trotz sport­licher Erfolge mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben und zeigen sich nicht als «schrecklich nette Familie», sondern als «wunderbar sympa­ thische Familie» zeigen.

e­uropäischen Geschäft für Aufregung rund um den Klub gesorgt hat.

Das Hockey-Maga

Geschwister im Sport sind keine Seltenheit. Speziell ist aber die ­ ­Kombination bei der Familie Glarner aus Meiringen. Matthias wurde 2016 in Estavayer-le-Lac Schwingerkönig und katapultierte sich ins Rampenlicht. Stefan spielt beim FC Thun, im eigentlich mehr beachteten Fussball, steht nun aber im Schatten seines grossen (im wahrsten Sinn des ­Wortes) Bruder. Und auch Schwester Katrin spielt Fussball, bei den ­Femina Kickers Worb in der NLB.

Das Fussball-Magazin der Schweiz

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Das Hockey-Magazin Der scHweiz


Anpfiff

Rueda: Kurzes Gastspiel in Wil

Titelstory Matthias, Stefan & Katrin Glarner

Die drei Geschwister im grossen Gespräch über ihre gemeinsame ­ Leidenschaft: den Sport.

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Statistik

Viele Zahlen und noch mehr Fakten rund um die erste Saisonhälfte der Raiffeisen Super League.

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FC Basel

Mohamed Elyounoussi ist beim FCB auf dem Weg zum Leistungsträger und Fan-Liebling.

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Die finanzielle Potenz ist gross, die Ziele sind es ebenso, die Resutlate waren aber zu wenig überzeugend. So trennte sich der FC Wil nach der Vorrunde in der Challenge League von Trainer Martin Rueda und seinem Assistenten Daniel Bamert und ernannte den bisherigen Goalietrainer Ronny Teuber zum Chefcoach bis Ende Saison. Teuber steht seit Juni 2016 auf der Lohnliste des FC Wil. Zuvor war er vier Jahre lang als Torhütertrainer beim Bundes­ ligisten Hamburger SV engagiert gewesen. Die Assistenten des 51-jährigen Deutschen beim FC Wil sind Ercüment Sahin und Ruben Hornberger. Die finanzstarke türkische Vereins­ führung hatte als Saisonziel den Aufstieg in die Super League erklärt. Doch mit 26 Punkten aus 18 Spielen liegt der FC Wil zwar an dritter Stelle, aber hoffnungslos hinter dem souve­ ränen Leader FC Zürich und dem Tabellen-Zweiten Xamax zurück. Rueda, der vor seiner Unterschrift Mitte September bei Liga-Konkurrent FC Wohlen einen gültigen Vertrag besass, ist der bereits sechste Trainer, der seit Oktober 2014 seinen Job im FC Wil verloren hat. Zuvor mussten auch Axel Thoma (jetzt auch in Schaffhausen wieder gefeuert), Francesco l Gabriele, Fuat Capa, Kevin Cooper und Ugur Tütüneker gehen. 

BSC Young Boys

Zweimal ist ein Wechsel von Sékou Sanogo knapp gescheitert. Sind aller guten Dinge nun drei?

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FC St. Gallen

Verteidiger Silvan Hefti hat sich schon im Juniorenalter einen Stammplatz ­erkämpft – auch dank Philipp Lahm.

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Grasshopper Club Zürich

Cédric Zesiger begann die Saison in der Challenge League und will sich nun in der Super League festbeissen.

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FC Sion

Vincent Sierro wurde einst als für zu klein befunden – nun trumpft er bei den Wallisern gross auf.

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FC Luzern

Simon Grether hat dank grossem Willen und Beharrlichkeit endlich in der Super League Fuss gefasst.

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Raiffeisen Family Day

Ein Augenschein zeigt: Der LigaSponsor bietet Familien ein emotio­ nales Erlebnis zu einem fairen Preis.

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Das Titelbild ­dieser Ausgabe

FC Zürich

Adrian Winter fand in Kalifornien sein Glück, kehrte in die Schweiz ­zurück und ist mit dem FCZ im Hoch.

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NATIONALTEAM Bilanz

Nach einem schwierigen Start ins Jahr 2016 hat die Schweizer Nati viel Charakter und Klasse gezeigt – die WM-Qualifikation ist nun in Griffweite.

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FOOT

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Es lebe der Sport! Dieses Motto trifft ganz sicher auch auf die Familie Glarner zu: ein Schwinger­ könig (Matthias), ein Fussballer (Stefan) und eine Fussballerin (Katrin). Vor allem wegen «Mätthels» Triumphs am Eidgenössischen haben die drei ­Glarners ein intensives Jahr 2016 hinter sich. Im grossen Gespräch in diesem Magazin äussern sie sich über Schwingen und Fussball, Vergangenheit und Zukunft, Ruhm, Ehre und Finanzen und die ­Beziehung untereinander.


Anpfiff

Trickst Ronaldo bei Steuern? Die Duelle zwischen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi um Rekorde sind legendär. Nun eifert der Portugiese dem Argentinier offenbar auch in einem wenig ehrenhaften Be­ reich nach: der Steuerhinterziehung. Ronaldo soll rund 75 Mio. Franken aus zukünftigen Werbeverträgen vor Spaniens Steuerbehörden versteckt haben, geht aus den «Football Leaks» hervor, die mehreren Medien zugespielt worden waren. In Spanien wurde 2005 die «Lex Beckham» eingeführt. Das nach David Beckham benannte Gesetz gewährte Grossverdie­ nern erhebliche Steuerprivilegien, wurde aber 2015 wieder aufgehoben. Nun stellt sich die Frage, ob es rechtmässig war, dass sich Ronaldo und seine Berater zu erwartende Gewinne für die kom­ menden Jahre noch vor 2015 vergüten liessen. Der Portugiese dürfte mit einer saftigen Busse und einer Bewährungsstrafe davon kommen. Auch wenn sein Berater Jorge Mendes kürzlich in die Offensive ging und eine Bescheinigung der spanischen Steuerbehörden v ­ eröffentlichte. Dem­ nach habe Ronaldo seine Steuern «Stand November 2016 vollständig beglichen». Allerdings geht aus den «Football Leaks» hervor, dass er einen Grossteil seiner ausländischen Bankguthaben in l Spanien nicht deklariert hat. Affaire à suivre... 



verlängert Vertrag

Es war das wohl schönste Weihnachts­ geschenk für den Klub, das der FC Basel 1893 zum Ende der Vorrunde v ­ erkündete: die Vertragsverlängerung mit Hauptspon­ sor Novartis, dessen Logo seit 2004 die Brust des FCB-Trikots ziert, um vier Jahre bis 2021. «Novartis ist ein sehr wichtiger Teil der jüngeren FCB-­Geschichte. Seit Novartis begonnen hat, den FC Basel zu unterstützen, haben wir uns stetig weiterentwickelt und

sind besser geworden – das ist kein Zufall. Es freut uns deshalb enorm, dass diese langjäh­ rige und hervorragende Partnerschaft mit unserem sehr loyalen Hauptsponsor eine Fortsetzung findet», sagt FCB-Präsident Bernhard Heusler. Und Leopold Wyss, Head Sponsoring & Donations, Novartis Internatio­ nal AG: «Novartis und der FC Basel sind Meister ihres Fachs. Während wir als Firma auf der ganzen Welt erfolgreich daran ar­ beiten, die Zukunft der ­Medizin neu zu gestalten, hat der FC Basel in den vergangenen Jahren nicht nur entscheidende Im­ pulse für den Schweizer Fussball geliefert, sondern diesen auch regelmässig auf hohem und höchstem europäischem Niveau er­ folgreich vertreten. Wir hoffen, dass der Klub auch dank unserem Engage­ ment in Zukunft hier wie­ der vermehrt Glanzpunkte wird setzen können.» l

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Anpfiff

Mehr Geld für Schweizer Klubs Dzemaili zu Montreal

Im Zentrum der im Vorfeld zur ordentlichen Generalversammlung veranstalteten Präsi­ dentenkonferenz standen kürzlich die Details zu den neuen TV- und Marketingverträgen, die in der Saison 2017/2018 erstmals zur ­Anwendung kommen – und die die Finanz­ chefs der Klubs ganz sicher freuen. Die ­bisherigen und ­zukünftigen Partner CT Cinetrade AG (TV) und InfrontRingier Sports & Entertainment Switzerland (Marketing) prä­ sentierten dabei ihr Konzept für die nächsten vier Vertragsjahre. Zudem wurden den Klubs die vom Komitee festgesetzten Auszah­ lungsschlüssel für die Klubs der ­Super Le­ ague und der Challenge League ab der Sai­ son 2017/2018 vorgelegt. Die Gesamtsumme der Entschädigungen aus den Urheberrech­ ten (TV und Marketing) steigt von 17,2 auf 30,7 Millionen Franken. Davon entfallen 24,1 Mio. auf die Klubs der Super League und 6,6 Mio. auf die Challenge League, wie bisher im Verhältnis von rund 4 zu 1. In der Super ­League erfolgt die Ausschüttung neu auf der Basis von zwei Säulen: s­ olidarischer Sockel­ betrag (total 18 Mio., 1,8 Mio. pro Klub) und ab­gestufte Ranglisten­prämie (total 6 Mio.). Die Entschädigung nach Werbewertigkeit fällt weg. Mit diesem Entscheid setzt die SFL

ein Zeichen für eine solidarische Verteilung der TV- und Marketinggelder. Super League ab 2017/2018 Rang 1: 3,3 Mio. Rang 2: 2,9 Mio. Rang 3: 2,6 Mio. Rang 4: 2,5 Mio. Rang 5: 2,4 Mio. Rang 6: 2,3 Mio. Rang 7: 2,2 Mio. Rang 8: 2,1 Mio. Rang 9: 1,9 Mio. Rang 10: 1,8 Mio. Total: 24,0 Mio.

Challenge League (Maximum) ab 2017/18 Rang 1: 800 000 Rang 2: 733 000 Rang 3: 683 000 Rang 4: 666 000 Rang 5: 650 000 Rang 6: 633 000 Rang 7: 616 000 Rang 8: 600 000 Rang 9: 566 000 Rang 10: 550 000 l Total: 6 497 000

Der Schweizer Nationalspieler Blerim ­Dzemaili wird im Sommer aus der italieni­ schen Serie A (­ Bologna) in die nordamerika­ nische Major Le­ ague Soccer zu Montreal Impact wechseln. ImpactEigentümer Joey Saputo (ihm gehört auch Bologna) be­ stätigte an der Pressekonferenz zum Saisonende, dass sich der MLS-Fünfte im Sommer mit dem Schweizer verstär­ ken wird: «Dzemaili hat e ­ inen Mehrjah­ res-Vertrag. Er wird bis Juni 2017 in Bo­ logna bleiben und dann zu den­ Montreal Im­ pacts wech­ seln.»  l

Zé Roberto mit Rekord: Barcelona schliesst 42 Jahren top 220 Millionen-Deal ab! Ende November wurde Zé Roberto, 42 Jah­ re alt (!), mit Palmeiras erstmals brasiliani­ scher Meister. Es war aber kein Höhepunkt zum Abschluss: Der Ex-Bundesliga-Profi ­einigte sich mit dem Klub auf eine Vertrags­ verlängerung bis Ende 2017. «In unse­ rer Karriere müssen wir den Moment ­leben. Jetzt ist nicht der Zeitpunkt auf­ zuhören», so Zé Ro­ berto. Sein Ziel sei, noch einmal eine Copa Libertado­ res zu spielen. «Das ist ein Titel, der in meiner Kar­ riere noch l fehlt.»

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Der FC Barcelona bekommt im Sommer einen neuen Trikotsponsor und massig Kohle: Das japanische E-Commerce-Unternehmen Rakuten wird für die vier Spielzeiten zwischen 2017/2018 und 2020/2021 je 55 Millionen Euro zahlen. Der neue «Globalpartner für Innova­ tion und Unterhaltung» – eines der zehn grössten Internet-Unternehmen der Welt – löst die Fluggesellschaft Qatar Airways als Haupttrikotsponsor ab dem 1. Juli 2017 ab. Wie der Klub mitteilte, wurden mit Rakuten auch erfolgsabhängige Bonuszahlungen vereinbart: Für den Gewinn der spanischen Liga be­ kommt Barça 1,5 Millionen, für ei­ nen Champions League-Triumph 5 Mio Euro. Barça-Präsident Josep Bartomeu sagte, der FC Barcelona werde dank des Abkommens zum bestbezahlten Sportklub der Welt. Die Verhandlungen seien bei einem von Barcelona-Verteidiger ­ Gerard Piqué 2015 in San Francis­ co organisierten Dinner aufge­ nommen worden seien. Piqué und seine Frau, Pop-Ikone Shakira, Barcelonas Präsident Josep Maria Bartomeu (l.) seien mit Rakuten-CEO Hiroshi und Hiroshi Mikitani von Rakuten. l ­Mikitani eng befreundet.


Anpfiff

Erlebnis Eichhof Corner!

Bickel ziehts nach Wien Nur wenige Wochen nachdem Fredy Bickel bei den Young Boys entlassen wurde, hat er einen neuen Arbeitgeber gefunden. Der 51-Jährige, der in der Schweiz für GC, den FC Zürich und YB gearbeitet hat und mit dem FCZ drei Meister­ titel gewann, wurde am dritten Adventssonntag als neuer Geschäftsführer des österreichischen Rekordmeisters Rapid Wien vorgestellt. Zu ­ ­Bickels sportlichen Zielen wird die Rückkehr des Klubs an die nationale Spitze gehören; der letzte Meistertitel Rapids liegt bereits acht Jahre zurück, in der laufenden Saison überwintert der Klub auf Rang 5. Bickel beginnt seine Tätigkeit in Wien im Janu­ ar 2017. Fredy Bickel folgt auf den seit November beurlaubten ­Andreas Müller. Sein Vertrag läuft «vorerst bis Sommer 2019», wie Rapid in einem Communiqué mitteilte. «Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, mit Fredy Bickel eine sehr erfahrene und renom­ mierte Persönlichkeit gewinnen zu können», wurde Rapid-Präsident Michael Krammer zitiert. Und Bickel, für den Wien kein unbekanntes Pflaster ist, da beide Grossmütter aus Österreich stammen, eine ­davon aus Wien, sagte: «Ich freue mich ungemein auf diese neue Herausforderung bei einem ebenso traditionsreichen wie mit am­ l bitionierten Zielen ausgestatteten Klub wie Rapid.» 

Podolski als Sänger ein Hit

Lukas Podolski hat mit seiner Köln-Hymne «Liebe deine Stadt» einen Volltreffer gelan­ det. Das Lied, das der Profi von Galatasaray Istanbul zusammen mit Rapper Mo-Torres und der Band «Cat Ballou» aufgenommen hat, war kürzlich an einem Wochenende der am häufigsten heruntergeladene deutsche Song im Internet. «Es ist unglaublich, was die letzten Tage passiert ist. Ich möchte mich bei euch für den Support unseres Songs bedanken. Ich habe mit dem Erfolg so nicht gerechnet:)», liess «Poldi» via Ins­ l tagram verlauten.

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Viel Glück!

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Brack.ch verlängert Vertrag Das Schweizer Unternehmen BRACK.CH AG verlängert das ­Titelsponsoring der BRACK.CH Challenge League. Die zweit­ höchste Liga des Schweizer Fussballs behält damit ihren Hauptsponsor und Namensgeber. Drei Jahre nach dem ­Einstieg in den Schweizer Fussball verlängert das Unterneh­ men mit Hauptsitz in Mägenwil AG den Vertrag als Titelspon­ sor der Challenge League ab der Saison 2017/2018. Markus Mahler (Bild), CEO der BRACK.CH AG, erklärt: «Die BRACK.CH Challenge League erfreut sich derzeit besonderem Interesse. Diese Entwicklung ist nicht ­ ­zuletzt auf die zahlreichen spannenden Aktivierungs­ massnahmen zurückzuführen, die wir in den letzten drei Spielzeiten seit der Übernahme des Titelspon­ sorings umzusetzen vermochten. Es ist uns ein An­ liegen, dass die zweithöchste Spielklasse der Schweiz auch in Zukunft ihre rechtmässige Präsenz erhält. Mit der Vertragsverlängerung haben wir den Grundstein für einen langfristigen und nachhaltigen Beitrag im Schweizer Fussball gelegt. Es macht uns stolz, der BRACK.CH Challenge League auch in Zukunft unseren Namen leihen zu dürfen.» Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League, kommentiert die Verlän­ gerung wie folgt: «Der Titelsponsor BRACK.CH hat in den letzten drei Saisons in der Challenge League viel bewirkt und mitgeholfen, die Professionali­sierung weiter voranzutreiben. Dass diese Kontinuität im Bereich der Vermarktung weitergeführt wird, freut ­ uns sehr und ist ein positives Zeichen für den Schweizer l Fussball.» FOOT 

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Anpfiff

Bon anniversaire, M. Gress!

Als Spieler und Trainer sorgte der Elsässer Gilbert Gress während vielen Jahren für zahlreiche Schlagzeilen, gewann auf und ­neben dem Feld diverse Titel. Durch seine charmante, charismatische Art, grossen ­Unterhaltungsfaktor und nicht zuletzt auch sein spezielles Äusseres mit seiner markan­

ten Frisur ist Gress auch heute noch, als Ex-Trainer und -Fussballer in den Medien gefragt und ein prominenter Werbeträger und Botschafter. Am 17. Dezember konnte der frühere Trainer der Schweizer National­ mannschaft nun seinen 75. Geburtstag ­feiern. Bon anniversaire, Monsieur Gress!  l

YB-Verteidiger Benito im Pech YB-Verteidiger Loris Benito klebt das Pech an den ­Füssen. Im Sommer 2015 kam er von Benfica Lossabon nach Bern, absolvierte in jener Saison wegen Fersen­ problemen und einem Kreuzbandriss aber nur gerade zehn Meisterschaftsspiele. Der Weg zurück gelang – im November feierte der 24-Jährige endlich sein Come­ back, kam in je zwei Meisterschafts- und Europa LeagueSpielen zum Einsatz. Und fällt nun schon wieder aus: ­Gegen Thun, im letzten Spiel dieses Jahres, brach er sich den fünften Mittelfussknochen und muss nun rund sechs l Wochen einen Spezialschuh ­tragen. Bitter!

Späte Strafe für Tschagajew Vier Jahre nach dem Konkurs von Xamax hat das Neuenburger Strafgericht Bulat Tschagajew zu einer teilbedingten Frei­ heitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Der Tschetschene wurde der ungetreuen Ge­ schäftsführung und Misswirtschaft schuldig gesprochen. Tschagajew wurde zudem wegen versuchten Betrugs sowie Urkun­ ­ denfälschung verurteilt. Von den drei J­ ahren Freiheitsstrafe muss er die Hälfte im Ge­ fängnis absitzen, für die bedingte Hälfte der Strafe gilt eine Probezeit von zwei Jahren. Er muss zudem 40 000 Franken – einen Teil der Gerichtskosten – bezahlen. Unter Tscha­ gajew war der Traditionsverein Neuchâtel Xamax innerhalb von nur acht Monaten Konkurs gegangen. Zurück blieb ein Schul­ l denberg von 20,1 Millionen Franken.

Familien-Ausflug ins FIFA-Museum zu gewinnen

Bachmann ziehts auf die Insel Nationalstürmerin Ramona Bachmann, die im Sommer 2015 vom schwedischen Klub ­Rosengard zum VfL Wolfsburg wechselte, steht vor dem nächsten Transfer. Ab Januar 2017 wird die gebürtige Innerschweizerin für drei Jahre das Trikot der FC Chelsea Ladies tragen. «Als ich vom Angebot von Chelsea erfuhr, habe ich mich intensiv mit dem Verein und der Liga auseinan­ dergesetzt. Es liegt ein unglaubliches Entwicklungs­ potenzial im englischen Frauenfussball und die Verantwortlichen des FC Chelsea konnten mich ­ schnell von ihren Zielen überzeugen, zu deren Er­ reichung ich unbedingt beitragen möchte», sagt die 25-jährige. Mit Wolfsburg gewann sie im Jahr 2016 den DFB-Pokal und erreichte den Champions Le­ ague-Final (Niederlage gegen Lyon). In bisher 75 l Spielen für die Schweiz erzielte sie 42 Tore. 

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FOOT

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UEFA Euro 2016

Raiffeisen Super League

DAS WAR

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FOOT


Augenblick

R KNAPP...

Lugano-Goalie Mirko Salvi erinnert in diesem Moment an einen Astronauten, der schwerelos im Raumschiff schwebt – und GCs Marko Basic kann nach seinem Kopfball nur staunend zuschauen. Mit dieser Flugeinlage rettet Salvi seinem Arbeitgeber im letzten Meisterschaftsspiel des Jahres das 0:0. Und damit einen Punkt, der in der Endabrechnung entscheidend sein könnte: In der Meisterschaft überwintern sechs Teams innerhalb sechs Pünktchen, ­da­runter GC und Lugano. Die Rückrunde wird so zum ­gnadenlosen Abstiegskampf... FOOT 

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Raiffeisen Super League

«Es war die Le


Geschwister Glarner

Sportliche Familien sind keine Seltenheit. Dass drei Kinder im Spitzensport aktiv sind, ist aber mehr Ausnahme als Regel. So wie bei den Geschwistern Glarner: Matthias (31) wurde im August Schwingerkönig, Stefan (29) spielt mit dem FC Thun in der Raiffeisen Super League und Katrin (24) ist Verteidigerin beim NLB-Klub Femina Kickers Worb. Eine interessante ­Mischung, wie sich im Gespräch zeigt. Text: Andy Maschek Fotos: Urs Lindt

2016 war für die Familie Glarner ein verrücktes Jahr... Stefan: Hauptsächlich für dich, Matthias! Matthias: Ja, manchmal weiss ich gar nicht mehr alles. Es ist viel passiert, mit dem Eidgenössischen und bei euch mit dem ­ Fussball. Aber ich denke schon, dass es ein ­ wenig meine Schuld ist, dass es viel ­Tohuwabohu gab. Haben Sie diesen Tag oft vor Augen? Matthias: Ich denke täglich mal dran oder werde zumindest irgendwo damit kon­ frontiert. Und die Geschwister werden auch mit dem Triumph des Bruders konfrontiert? Katrin: Das war vor allem während dem Eidgenössischen und dann die Woche danach so, als viele Leute schrieben. Es waren positive Reaktionen, alle haben sich für ihn gefreut.

eidenschaft!» FOOT 

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Raiffeisen Super League  Wart ihr in Estavayer dabei? Stefan: Katrin schon, ich hatte selber noch das Meisterschaftsspiel gegen den FC Basel. Bis zum siebten Gang haben wir das Eidgenössische mit der Mannschaft geschaut. In unserer Halbzeitpause hatte ­ ich dann ein Interview mit dem Schweizer Fernsehen und es gab eine Live-Schaltung in den Schlussgang. Ich wusste, dass er dran ist, aber zuerst nicht, wie es aus­ gegangen ist. Und wie hat sich das Leben seither ­verändert? Matthias: Es wurde zwar nicht auf den Kopf gestellt, aber alles zehnmal intensiver. Die ersten zwei Wochen kamen relativ

viele Anfragen, ich wurde von einer Oberländer Bekanntheit zu einer Schweizer ­Bekanntheit. Das Interesse stieg enorm. Stefan: Eigentlich hat sich nicht allzu viel verändert. Ich werde heute mehr angesprochen, nach dem Motto «Du bist doch der Bruder vom Schwingerkönig» und weniger, weil ich Fussballer bin. Aber er ist geblieben wie vorher, immer noch «dä Brüetsch», auch wenn bei ihm natürlich das Medieninteresse grösser wurde. Ihr seid aber stolz auf den grossen Bruder... Stefan: Auf jeden Fall! Matthias: Das ist bei uns generell so. Es gab bei uns zwar nie einen fixen Familienabend pro Woche, das wäre auch zeitlich zu schwierig zu koordinieren.

Aber ich verfolge relativ intensiv, was sie machen. Könnt ihr voneinander profitieren? Matthias: Jeder von uns weiss, dass man die anderen anrufen kann, wenn irgendetwas ist. Und jeder weiss, dass er verstanden wird, weil die beiden anderen auch Sportler sind. Das ist rar. Wenn man beispielsweise für ein Nachtessen abmacht, gibt es Diskussionen, wann und wo, aber es ist allen klar, dass es nicht klappt, wenn jemand von uns Training hat. Bei anderen heisst es eher: Du kannst ja mal ein Training auslassen. Bei uns gibt es das nicht, wenn Training ist, ist Training. Könnt ihr Tipps voneinander holen? Stefan: Das ist nur schon wegen den Sportarten schwierig. Aber Matthias hat ein gutes Umfeld und Katrin und ich in unseren Klubs ebenso. Wir unterhalten uns deshalb nicht gross vor Wettkämpfen, unterstützen uns eher mal mit einem SMS. Oder wir gehen mal an ein Schwingfest und er ­ ­besucht einen Match. Da ich in Gümligen wohne und Katrin in Worb spielt, schaue ich ab und zu ein Spiel von ihr. Wie ist das Niveau bei den NLB-Frauen? Katrin: Sag nichts Falsches! Stefan: Man kann es natürlich nicht mit uns Männern vergleichen und ich würde nicht regelmässig Frauen-Spiele besuchen, wenn sie nicht dabei wäre. Aber ein Spielbesuch ist für mich auch keine lästige Pflicht. Bei der Recherche stösst man immer wieder auf den Satz «Ihr müsst nicht, ihr dürft, aber wenn, dann macht ihr es richtig!», den euch euer Vater mit auf den Weg gegeben hat. Es scheint, als hättet ihr ­ ­diesen Satz zu Herzen genommen... Matthias: Diesen Satz haben wir ein paar Mal gehört... Wir haben vorgelebt bekommen, die Dinge richtig zu machen. Und wir wurden so erzogen. Wenn das Wetter schlecht war oder man keine Lust hatte, sagte der Ätti immer: Jetzt geh! Dasselbe, wenn man ein Bobo hatte. Dann hiess es: Auf die Zähne beissen und hüh. Bei mir ist das immer noch so, wenn ich ein Training auslasse, habe ich fast ein schlechtes Gewissen. Da habe ich jeweils den Ätti in den ­Ohren, was positiv ist. Katrin: Unsere Eltern haben uns immer unterstützt, egal bei was. Sie waren Wochenende für Wochenende mit uns unterwegs, an Schwingfesten oder Fussballspielen. Teilweise haben sie abgewechselt, so dass der Papa die erste Hälfte bei mir und die Mama


Geschwister Glarner bei Stefan war und die zweite Hälfte um­ gekehrt. Sie haben alles für uns gemacht, wollten aber, dass wir unsere Aufgaben seriös erledigen. Wir mussten nie Sport ­ treiben, doch es war klar, dass wir ins ­ ­Training gehen und Einsatz geben, wenn wir uns für etwas entschieden haben. Ihnen war wichtig, dass wir etwas Sinnvolles machen. Dass es nun gleich so rausgekommen ist, ist nicht selbstverständlich. Aber es steckt auch viel Training dahinter, wir kennen es nicht anders.

«Selber ins Sägemehl? Ich hätte wohl nach jedem Gang geduscht. Es hat mir einfach nie zugesagt, deshalb blieb ich beim Fussball.» Stefan Glarner über das Schwingen.

Hatte der Sport in der Familie Glarner früh einen grossen Stellenwert? Stefan: Ich denke schon, wir sind schluss­ endlich auch durch unsere Eltern zum Fussball gekommen. Sie waren Trainer der F-Junioren in Meiringen, als dort die Junioren­ bewegung startete. Mätthels Jahrgang war der erste und mich nahmen sie mit, weil ich nicht alleine zu Hause sein konnte. So bin ich zum Fussball gekommen und bei Katrin war es dasselbe. Wir waren alle zusammen auf dem Fussballplatz und gingen am Sonntagmorgen gemeinsam ans Schwingfest und waren den ganzen Tag dort. Wir haben als Familie viel zusammen erlebt. Sie haben früher auch Fussball gespielt, Matthias? Matthias: Ich habe mit fünf Jahren begonnen, bei den F-Junioren. Dann übernahmen das unsere Eltern und wir nahmen Stefan mit, er ist jeweils mit den Windeln rum­ gerannt. Bei Katrin war es dasselbe. Und wann haben Sie mit dem Schwingen begonnen? Matthias: Mit acht Jahren, gleichzeitig habe ich bis 15 Fussball gespielt, allerdings nicht sehr erfolgreich. Irgendwann musste ich mich entscheiden, ob ich aufs Schwingen oder den Fussball setze – aber diese Frage hat sich bei mir eigentlich nicht gestellt, im Fussball wäre ich nicht erfolgreich gewesen. Und für euch war Schwingen nie ein Thema? Katrin: Oh, nein! Stefan: Mich hat es nie gereizt. Wir waren viel als Zuschauer dabei. Aber selber ins ­Sägemehl? Ich hätte wohl nach jedem Gang geduscht. Es hat mir einfach nie zugesagt, deshalb blieb ich beim Fussball. Katrin: Ich würde auch heute nicht an ein Schwingfest gehen, wenn Matthias nicht dabei wäre. Ein Fussballmatch dauert 90 Minuten, dann ist er durch. An ein Schwingfest geht man früh morgens und kommt erst am Abend wieder heim, es sind sehr lange Tage.

Und ihn sieht man vielleicht eine halbe Stunde am Tag, wenn er seine Gänge schwingt. Wie sind Sie selber in die Fussball-NLB ­gekommen? Katrin: Ich habe bis zu den C-Junioren ­immer mit den Jungs gespielt. Danach kam ich in die U14- und U16-Regionalauswahl, bekam mit 15 ein Nati-Aufgebot und war zwei Jahre in der U17-Nati. In dieser Zeit habe ich zu Rot-Schwarz Thun gewechselt, in die NLA, wir gewannen 2009 auch den Cup. Und vor drei, vier Jahren habe ich zu Worb in die NLB gewechselt. Weshalb in die NLB? Katrin: In Thun waren wir eine Liftmannschaft – knapp für die NLA und zu gut für die NLB. Ich habe dann das Studium zur Primarlehrerin begonnen und konnte die ­ NLB besser mit dem Aufwand des Studiums vereinbaren. Wir bekommen ja keine Unterstützung, sind den ganzen Tag in der Uni

und am Abend folgt das Training. Heute trainieren wir dreimal pro Woche, in der NLA waren es doch ein oder zwei Trainings mehr. Es sind lange Tage, zudem müssen wir alles selber bezahlen, auch Trainingslager. Fussball ist ein Milliardengeschäft, im Frauenfussball ist dagegen wenig Geld vorhanden und auch der FC Thun kämpft immer wieder mit Problemen... Stefan: Das ist schwierig, ja, vor allem, wenn man es mit anderen Ligen wie England vergleicht, wo jeder Klub Millionen an TV-Geldern bekommt. Aber natürlich, es ist schwierig zu vergleichen, nur schon betreffend Zuschauer. In Deutschland oder England sind die meisten Spiele ausverkauft, bei uns wird teilweise vor 2000 oder 3000 Fans gespielt, den FCB ausgenommen. Die finanziellen Mittel sind beschränkt. Gleichzeitig hat sich das Schwingen in den letzten Jahren enorm entwickelt.

«Ich würde auch heute nicht an ein Schwingfest gehen, wenn Matthias nicht dabei wäre.» Katrin Glarner über ihr Interesse am Schwingen.

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Glarner Matthias Schwingerkönig 2016

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Geschwister Glarner Matthias: In den letzten zehn Jahren ist enorm viel passiert. Heute hat man auch einen anderen Zugang. Ich kam zum ­ Schwingen, weil mein Onkel und ein Cousin im Schwingklub waren, also durch einen Zufall. Meine Eltern hätten mich kaum ­ ­einfach so dorthin geschickt. Heute hat man als König so etwas wie einen Star-Status, wie die Fussballer. Da wird man im Fern­ sehen gesehen, liest Interviews und plötzlich sind Schwinger auch Vorbilder. Stefan: Die Zuschauerzahlen sind bei uns mehr oder weniger gleich geblieben. Im Schwingen hat sich das aber stark geändert, früher wurde am Fernsehen noch kurz der Sieger des Eidgenössischen vermeldet, heute wird an zwei Tagen live übertragen.

Geld der Antrieb ist, würden auch die Leistungen fehlen. Ich hätte Mühe, wenn Stefan in seinem Alter zwei Jahre nach China­ gehen würde. Denn er kann noch ein paar Jahre auf hohem Level spielen. Und wenn man in China zehn Millionen pro Jahr kassiert? Matthias: Trotzdem. Ich habe heute auch gute Angebote – natürlich nicht in dieser

Höhe –, die ich ablehne, weil der Aufwand zu gross ist oder ich nicht dahinterstehen kann. Das Geld ist nicht entscheidend. Geld ist auch im FC Thun immer wieder ein Thema. Wie belastend ist die Finanzkrise im Berner Oberland für Sie, Stefan? Stefan: Es ist klar, dass der FC Thun nie viel Geld haben wird, das ist durch das Einzugsgebiet und die Konkurrenz durch den SCB,

Als Schwingerkönig kann man heute gutes Geld verdienen, oder? Matthias: Finanziell könnte ich vom Schwingen leben, aber man hört es in der Schwinger-Schweiz nicht gerne, wenn ­jemand Profi ist. Für mich ist es auch wichtig, neben dem Sport Strukturen zu haben, deshalb arbeite ich heute noch zwischen 40 und 60 Prozent, vor dem Eidgenössischen waren es 80 Prozent. Durch den Königstitel wird man von einem C- zum ­ A-Promi, der die ganze Schweiz irgendwie interessiert. Ich habe heute etwa fünfmal mehr Termine als früher. Macht das Spass? Matthias: Ich kann Dinge machen, die ­vorher nicht möglich waren, beispielsweise am Superzehnkampf oder an den Credit ­Suisse Sports Awards teilnehmen. Das Gute ist auch, dass ich entscheiden kann, was ich will und was nicht. Ja, es ist eine coole Position, die ich dank meines Umfelds auch geniessen kann. Sie können vom Fussball nicht leben, Katrin. Katrin: Man weiss schon als Mädchen, dass man mit Frauenfussball kein oder nicht viel Geld verdienen kann. Klar wäre es schön, wenn die Leistungen besser belohnt würden, aber es ist einfach so, wie es ist, entsprechend setzt man mehr aufs Studium. Matthias könnte ja Trikotsponsor der ­Femina Kickers Worb werden... Matthias: Ich habe schon einen Matchball gesponsort! Von uns hat aber keiner mit dem Sport begonnen, um Geld zu verdienen. Es war die Leidenschaft. Es wäre falsch, wenn das Geld der Antrieb wäre. Ich habe mich aus Freude entschieden, drei Jahre weiterzumachen und nicht wegen des Geldes. Wenn die Lust fehlt und nur noch das FOOT 

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Geschwister Glarner YB und die SCL Tigers gegeben. Aber wir wissen, was wir haben: einen riesigen ­Zusammenhalt in der Mannschaft, im Staff, im Klub. Natürlich hätten wir gerne eine ­Million mehr im Jahr, aber es ist so, wie es ist. Es wäre schön, nicht jedes Jahr ums Überleben kämpfen zu müssen, aber wir wissen, dass es nur gemeinsam geht. Wir konnten ja auch schon Erfolge feiern, die anderen Klubs mit höheren Budgets verwehrt blieben. Es ist bei uns sicher ­ ­anders als bei Klubs, bei denen Spieler nur wegen des Geldes spielen. Matthias, charakterisieren Sie bitte Stefan... Matthias: Er ist sehr hart mit sich selber, sehr ehrgeizig. Er hat einen grossen Willen, braucht aber ein gutes Umfeld. Von uns braucht er am ehesten die Wärme der ­Eltern. Das war schon als Kind so. Er war ­immer bei den Eltern und ich unterwegs. Er hart dafür gearbeitet, um dort zu sein, wo er jetzt ist und hat das auch verdient. Stefan über Katrin... Stefan: Wir sind ähnliche Charaktere. Wir leben heute so, wie wir erzogen wurde. Man sieht auch bei ihr, dass Sport eine gute

Lebensschule ist. Sie spielt Fussball, stu­ diert, hat den Freund in Bern und wohnt in Meiringen bei den Eltern – es ist ein riesiger Aufwand, alles unter einen Hut zu bringen. Sie hat früher viel für uns gemacht, dafür konnte sie uns später mal anrufen, als wir schon die Autoprüfung gemacht hatten, so dass wir sie irgendwo abholten. Es war ­immer ein Geben und Nehmen. Matthias: Sie ist von uns die Zackigste. Wenn es darum ginge, nach vorne zu stehen und etwas zu sagen, wäre Frau Glarner wohl die erste. Ich meine das positiv, sie geht ­ihren Weg. Und Katrin über den König? Katrin: Er ist für mich der grosse Bruder, wie man sich das vorstellt: fürsorglich, darum besorgt, dass es uns allen gut geht. Er hat uns immer einen Tipp gegeben oder auch mal geholfen, wenn ich bei den MatheAufgaben Probleme hatte. Man weiss: Wenn man etwas hat, kann man ihn immer an­ rufen, er ist da. Er ist auch als König ge­ blieben, wie er zuvor war. Matthias: Es war unseren Eltern immer wichtig, dass wir wissen, woher wir kommen. Und dass wir alle eine Lehre machen.

Wir hätten nie die Lehre wegen dem Sport abbrechen dürfen. Die Noten mussten stimmen, sonst durften wir nicht ins Training. Das sind Werte, die einen am Boden halten, und das spiegelt sich im Alltags­leben wider. Bald beginnt das Jahr 2017. Welches sind eure Wünsche? Stefan: Gesundheit! Wir haben erlebt, dass unser Vater gesundheitlich angeschlagen war und das sind Momente, in denen wir merken, dass der Zusammenhalt in der ­Familie super ist und dass ohne Gesundheit kein Geld der Welt etwas bringt. Matthias: Auch wenn es wie eine Floskel tönt: In erster Line ist mir wichtig, dass alle aus meinem Umfeld gesund bleiben und es ihnen gut geht. Aus sportlicher Sicht habe ich mich auf drei Jahre ausgerichtet, 2017 ist der Anfang dieses Weges. Das Unspunnenund das Brünig-Schwinget sind sicher die nächsten Ziele. Katrin: Ich schliesse mich meinen Brüdern an, möchte zudem das Studium beenden und hoffe, einen Job als Primarlehrerin zu finden. Und im Fussball wäre es schön, den Aufstieg in die NLA zu schaffen... l

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Raiffeisen Super League

Torminator Hoara Zverotic, Paradenkö Mit teils spektakulärem Fussball im Stade de Suisse konnte YB den Zuschauerdurchschnitt um 1907 Fans pro Spiel steigern. Mit 31 120 Fans stellten die Berner in der 3. Runde im Derby gegen den FC Thun zudem den Zuschauerrekord der Vorrunde auf.


Statistiken der Vorrunde

au, Dauerbrenner önig Salvi… Die erste Saisonhälfte ist vorbei. Mit dem FC Basel als erwartetem Leader und dem FC Vaduz als nicht ganz überraschendem Schlusslicht. Die ersten 18 Runden haben aber für viele weitere Fakten ­gesorgt, wie ein Blick auf Statistiken der Swiss Football League (SFL) zeigt.

Text: Statistiken Fotos:

Andy Maschek Swiss Football League Daniela Frutiger, Martin Meienberger, Steffen Schmidt, Urs Lindt

Spieler

Fanis Gekas (Sion, 23.05.1980) war der älteste eingesetzte Spieler, Luzerns Filip ­ ­Ugrinic (05.01.1999) der jüngste. Spieler aus 42 Nationalitäten liefen für die Super League-Teams auf – die Top-3-Nationen waren: Schweiz (131), Italien (10), Serbien (8)

Einsatzzeit

In der offiziellen Statistik ist jedes Spiel mit 90 Minuten eingerechnet, und so gab es 6 der von den 10 Super Ligisten eingesetzten Spieler, die während der maximal mög­ lichen 1620 Minuten auf dem Feld waren. Es sind dies die Goalies: Yvon Mvogo (YB), David Zibung (Luzern), Tomas Vaclik (Basel), Mirko Salvi (Lugano) und Anton Mitryushkin (Sion) sowie als einziger Feldspieler Elsad Zverotic (Sion). Zwar eingesetzt, aber am wenigsten lang dabei war Thuns Maik Hauswirth (3 Minuten).

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Tore

308 Treffer – darunter 7 Eigentore – wurden von 101 Spielern erziel t, 183 Tore durch das Heim-, 125 durch das Auswärtsteam. Bester Torschütze ist der Berner Guillaume Hoarau (13), gefolgt von Marco Schneuwly (Luzern, 10) sowie Seydou Doumbia und Matias ­Delgado (beide Basel), Caio (GC) und Ezgjan Alioski (Lugano) mit je 9 Treffern. Der Franzose Hoarau hat mit genau einem Tor pro Spiel auch die beste Erfolgsquote. Leader FCB war sowohl offensiv wie auch defensiv überragend: 49 Tore erzielt, 15 Treffer er­ halten – beides sind die Bestwerte der Vor­ runde. Im heimischen Stadion am treff­ sichersten war YB (32) vor Basel (26), auswärts der FCB (23) vor Sion (18). Schlusslicht FC Vaduz stellte sowohl daheim (18 Gegentreffer) wie auswärts (25) die schwächste Defensive. Die Schützen der Eigentore in der offiziellen Statistik sind: Fulvio Sulmoni ­(Lugano), Milan Vilotic und Steve von Bergen (beide YB), Nicolas Lüchinger (Sion), Nicolas Haas (Luzern), Roy Gelmi (St. Gallen) und Sandro Lauper (Thun).

Assists

Young Boy Yoric Ravet war mit 12 Assists vor Sions Carlitos und Luzerns Christian Schneuwly (je 8) der erfolgreichste Vor­ lagengeber. Matias Delgado ist mit 9 Toren und 7 Assists vor Ezgjan Alioski (9 Tore/ 5 Assists) und Yoric Ravet (2/12) der Top­ skorer der bisherigen Saison.

Penalties

Insgesamt 31 Mal entschieden die Referees auf Penalty, 29 wurden verwandelt. Thuns

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Raiffeisen Super League

Dennis Hediger war mit 37 Fouls der «böse Bube» in der Vorrunde.

Mit 12 Torvorlagen war Yoric Ravet Assistkönig der Liga.

Caio schoss in der Vorrunde am meisten aufs gegnerische Tor – 30 Mal.

Guillaume Faivre und Lausanne Thomas Castella liessen sich je einmal nicht bezwingen. Erfolgreichste Elfmeterschützen waren Matias Delgado und Reto Ziegler (je 4) vor Guillaume Hoarau und dem Vaduzer Moreno Costanzo (je 3).

Tore nach Standards

Der FC Sion hat die Standardsituationen am häufigsten ausgenützt. 10 Treffer erzielten die Walliser direkt oder indirekt nach Freistössen oder Eckbällen. Um zwei Tore weni-

ger effizient war der FC Basel. Trainings­ bedarf hat in solchen Situationen Lausanne; den Waadtländern gelang lediglich 1 Tor nach einer Standardsituation.

Verteilung der Tore

Dass Spiele oft in der Schlussphase spannender und intensiver sind, spiegelt sich auch in der Verteilung der Tore wider: 192 Treffer fielen in der 2. Halbzeit, 116 vor der Pause. Die Verteilung auf die Spielphasen: 1. bis 15. Minute: 34 Tore. 16. bis 30. Minute:

Carlitos vom FC Sion krümmt sich vor Schmerzen: Er wurde von seinen Gegenspielern am meisten unfair vom Ball getrennt – 56 Mal.

39 Tore. 31. bis 45. Minute: 39 Tore. Nachspielzeit erste Hälfte: 4 Tore. 45. bis 60. Minute: 56 Tore. 61. bis 75. Minute: 56 Tore. 76. bis 90. Minute: 56. Nachspielzeit: 24 Tore!

Torschüsse

Das Visier am besten eingestellt hatten die Young Boys mit 126 Schüssen aufs Tor vor Sion und dem FC Luzern (je 109). Am Ende dieser Statistik: Lugano (72 Torschüsse). Die meisten Torschüsse verzeichnete Caio (30) vor Alioski (27) sowie Hoarau, Sions Moussa Konaté und dem Thuner Christian Fassnacht (je 22).

«Metallschüsse»

Auch in dieser Saisonhälfte gab es viele Chancen, die an der Latte oder am Pfosten endeten. Die Könige der Metalltreffer waren: St. Gallens Marco Aratore (3mal Pfosten), Marco Schneuwly, Ezgjan Alioski, Sions Chadrac Akolo und Luzerns Tomi Juric (je 1mal Pfosten, 2mal Latte) sowie Caio (3mal Latte). Knapp daneben ist halt auch vorbei...

Ballbesitz

54 Prozent der Spielzeit der ersten Saisonhälfte war der FC Basel in Ballbesitz – und ist damit vor Luzern (52 Prozent) Spitzen­ reiter. Schlusslicht in dieser Rubrik: der FC Lugano mit 43 Prozent.

Offsides

Der FC Sion ist von allen Klubs am meisten in die gegnerische Falle getappt – 59 Mal. Rang 2 belegt der FC Luzern (58), den 3. Platz der FC Basel (54). Diesbezüglich mit

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Statistiken der Vorrunde Abstand am cleversten agierte Thun (25). «Offside-König» unter den Spielern ist Guillaume Hoarau (23 Mal) vor Lausannes Francesco Margiotta ­ (20) und Marco Schneuwly (19). Wer Tore erzielen will, bewegt sich halt oft am Limit...

Vorsaison entspricht. Und: Tiefer war der Schnitt letztmals 2008/2009. Erklärbar ist dieses Minus mit dem Abstieg des FC Zürich, der dagegen den Schnitt in der Challenge ­League von 1954 auf 2836 anhob. Zuschauerkrösus ist, natürlich, der FC Basel mit 26 995

Fans pro Spiel. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten die Young Boys mit durchschnittlich 1907 Zuschauern mehr (neu: 18 548) den grössten Zuwachs. Den grössten Schwund musste der FC Basel (minus 1602 Fans pro Spiel) vor GC (minus 1594) beklagen.  l

Goalies

Basels Tomas Vaclik kam mit 77 Prozent auf die höchste Save Percentage (Fangquote) aller Keeper, die mindestens 3 Einsätze aufweisen. Dahinter folgen Daniel Lopar (St. Gallen, ­ 74 Prozent) und Yvon Mvogo (YB, 72 Prozent). Die schlechteste Fanquote weist Francesco Ruberto (Thun, 46 Prozent) auf. Am meisten Paraden zeigte Luganos Mirko Salvi (73) vor Daniel Lopar (72). Am meisten Schüsse aufs Tor erhielt Mirko Salvi (108) vor Luzerns David Zibung (99).

Fouls

Am meisten Fouls begangen hat Lausanne (284) vor GC (268) und YB (266), am ­wenigsten der FC Vaduz (216). Der «böse Bube» der Liga war Thuns Dennis Hediger (37 Fouls) vor Sions Vero Salatic (35) sowie Taulant Xhaka (FCB) und den Lausannern Nicolas Gétaz und Marcus Diniz, die sich je 33 Mal nur unfair zu helfen wussten. Am häufigsten unfair gestoppt wurde Sions Carlitos (56) gefolgt von Ezgjan Alioski (53) und – überraschend – dem Vaduzer Philipp Muntwiler(42).

Karten

368 Mal zückten die Schiedsrichter eine Karte, insgesamt 14 Spieler wurden vor­ zeitig unter die Dusche geschickt. Am meisten Gelb (je 8 Mal) sahen Vladimir Golemic (Lugano), Kim Källström (GC) und Nzuzi Toko (St. Gallen). Die Top 3 der Teams mit den meisten Karten sind: Lugano (49) vor YB und Lausanne (je 44), am wenigsten ­bestraft wurde der FC Basel (19).

Zuschauer

Guillaume Hoarau, das Tormonster: 13 Mal traf der Franzose für die Young Boys in 13 Vorrundenspielen!

Insgesamt 902 872 Zuschauer verfolgten die bisher 90 Partien in den Stadien, das sind 10 032 pro Spiel, was einem Minus von durchschnittlich 719 Fans pro Spiel im Vergleich zur FOOT  23


Raiffeisen Super League





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Mohamed Elyounoussi

ch bin happy, hier zu sein» Mohamed Elyounoussi kam im Sommer aus Norwegen, um sich beim Serienmeister FC Basel weiterzuent­ wickeln. Das ist dem 22-Jährigen Offensivspieler ­gelungen, auch wenn er sagt: «Es war ein ruhiger Start, ich will besser spielen und mehr Tore erzielen.» Text: Andy Maschek Fotos: Urs Lindt, Christian Pfander, Martin Meienberger

Mit dem FC Basel Ausgabe 2016/2017 ist es so eine Sache. In der Raiffeisen Super League marschierten die Basler den Gegnern lange auf und davon. In den ersten 16 Spielen gab es für das Team von Urs Fischer 14 Siege und zwei Unentschieden, das Rennen um den Titel war so schon schnell fast entschieden. Erst in der 17. Runde setzte es die erste Niederlage ab, beim 1:3 bei Verfolger YB. Weil der FCB aber gleichzeitig in der Champions League enttäuschte, sieglos blieb, erstmals seit 2009 vor der Winterpause aus dem europäischen Geschäft ausschied und auch im heimischen Championnat bisweilen Hausmannskost zeig­ te statt Champagner-Fussball zu zelebrieren, tauchten viele Kritiker auf. In den Internet-Foren wurde plötzlich ge­ schossen. Auf Trainer Urs Fischer, auf neue

und alte Spieler, auf die Klubführung, die die Mannschaft– vermeintlich – falsch zusam­ mengestellt hat. Es ist das Los eines Klubs, der während Jahren alles richtig machte, brillierte, unantastbar und fast unverwund­ bar schien und nun plötzlich Schwächen zeigt. Wenn auch auf sehr hohem Niveau...

«Hätte der Held sein können»

Bei all dieser Kritik kaum ein Thema war ­Mohamed Elyounoussi, der im Sommer aus Molde an den Rhein gewechselt hatte. Da­ bei hatte er es ja beim Auswärtsspiel gegen Ludogorets Razgrad in den Füssen gehabt, in der Schlussphase die Basler zum Sieg zu schiessen und damit das europäische Über­ wintern zu sichern. Seine Chance damals war gross, aber Goalie Vladislav Stoyanov wehrte seinen Schuss mirakulös ab. «Es ging alles sehr schnell, die Parade des Goa­ lies war sicher gut, aber mein Abschluss

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Raiffeisen Super League hätte auch besser sein können Ja, ich hätte der Held sein können», sagt Elyounoussi mit etwas Distanz. «Ich hatte schon zwei, drei Tage damit zu kämpfen, aber das ist nun vorbei. Das gehört dazu, im Fussball darf man nicht immer über die Vergangenheit nachdenken. Der Fokus muss immer auf dem nächsten Spiel und darauf liegen, was man besser machen kann.» Obwohl beim FCB in der ersten Saisonhälfte nicht alles nach Wunsch gelaufen ist: Mohamed Elyounoussi zieht ein positives ­ Fazit. Er sagt: «Wir hatten in der Super ­League gute Resultate, sind im Cup immer noch dabei und hatten teilweise auch gute internationale Auftritte. Aber ab und zu fehlte dann auch das Glück, um die Tore im richtigen Moment zu erzielen» So wie bei ihm, damals in Bulgarien...

Am TV Deutsch gelernt

An diesem Mittag Anfang Dezember in Basel ist der 22-Jährige guter Laune. Er spricht viel, lässt sich die Fragen deutsch stellen und antwortet englisch. Der Grund für seine Kenntnisse? «Mir haben die Zeichentrickserien im norwegischen Fern­ ­ sehen nicht so gut gefallen, da wechselte ich zum deutschen Sender RTL, der die ­japanischen Fussballmangas synchronisiert zeigte. Irgendwann habe ich dann Deutsch verstanden», erklärt er. Eines seiner Ziele sei es nun, so schnell wie möglich auch die deutsche Sprache sprechen zu können. «Ich will mich mit den Leuten unterhalten kön­ nen, auch mit Kindern reden, wenn sie ein Autogramm wollen», sagt er lächelnd. «Moi», wie er allgemein gerufen wird, hat das Zeugs zum Publikumsliebling. Neben dem Feld ist er offen und herzlich, zeigt immer wieder sein gewinnbringendes, ­ ­sympathisches Lächeln. Und auch auf dem Rasen hat er schon angedeutet, dass er über Qualität verfügt, vor allem, wenn er in der Offensive das Eins-gegen-Eins mit seinem Gegner sucht und so für ein Überraschungs­ moment sorgen kann. «Er hat den X-Faktor, das gewisse Etwas, das manchen Spielern fehlt. Diesen X-Faktor, dass er immer ge­ fährlich ist und jederzeit skoren kann, auch wenn man ihn während eines Spiels nicht sieht», sagte die norwe­ gische Fussball-­ Legende Ole Gunnar Solskjaer, Elyounoussis Trainer bei Molde, einst über ihn. Bestätigt wird diese Gefährlichkeit auch statistisch: In 92 Spielen für Molde e ­rzielte Elyounoussi stolze 42 Tore.

Hühnerhaut im Joggeli

Er sei zwar mit seiner ersten halben Saison in Basel generell zufrieden, sagt er. Aber:

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«Es war ein ruhiger Start. Ich will besser spielen, mehr Tore erzielen und Chancen kreieren. Ich habe am Anfang Geduld ­gebraucht und musste mir Zeit lassen. Ich weiss, dass ich die Qualität habe, um für die

Differenz zu sorgen.» In den nächsten Mo­ naten geht es für den Norweger nun darum, sich weiter an seinen neuen Arbeitgeber und den Fussball in der Schweiz zu gewöh­ nen. Bislang ist ihm dieser Prozess leicht ­gefallen, wie er sagt: «Die Leute hier sind sehr nett und es ist vieles fast gleich wie in Norwegen. Es war einfach, mich hier ein­ zuleben und Teil des Teams und des ganzen Klubs zu werden. Auch sich in der Stadt ­zurecht zu finden, war kein Problem.» Der FCB sei so gross, wie er es erwartet hatte, das Interesse der Fans in der Schweiz und der Stellenwert des Fussballs grösser als in Norwegen. Und besonders angetan hat es ihm die Stimmung im St. Jakob-Park, vor ­allem auch bei den Auftritten in der Cham­ pions League und dem Ertönen der Hymne beim Einlaufen. «Beim ersten Mal war ich wirklich überrascht, diese Kultur gibt es in Norwegen nicht. Das gibt dieses Hühner­ haut-Gefühl», so Elyounoussi. Für Mohamed Elyounoussi, der in Marokko geboren wurde und mit zwei Jahren nach Norwegen übersiedelte, ist Basel der nächs­ te Schritt in seiner Karriere. Angefangen mit Fussball hat er wegen seinem sechs Jahre älteren Cousin Tarik, der zuletzt bei Hoffen­ heim spielte und nun bei Olympiakos Piräus unter Vertrag steht. Sie pflegen einen engen Kontakt, nicht zuletzt, weil ihre Familien eng verflochten sind; ihre Väter sind Brüder und die Mütter Schwestern. Sie spielen in den Ferien in Marokko auch mal gemeinsam Fussball und da erstaunt es nicht, dass auch Tarik bei Mohameds Transfer in die Schweiz eine Rolle spielte. Letzte Saison war er ja noch Teamkollege von Fabian Schär bei Hoffenheim, erkundigte sich beim Schwei­ zer Internationalen über den FCB und riet Mohamed schliesslich auch zum Wechsel. «Schlussendlich war es eine gute Wahl», sagt Mohamed lächelnd.

Eine Art Spätzünder

Der Traum, das Ziel, Profi zu werden, tauch­ te bei ihm aber erst spät auf. «Mit 16, 17 Jah­ ren dachte ich plötzlich: Ah, das könnte in Zukunft mein Job sein», erklärt der 22-Jäh­ rige, der die obligatorische Schulzeit been­ det hat und jederzeit mit einem Studium beginnen könnte. «Davor war es nur Spass, ein Spiel, gemeinsam mit Freunden. Ich war darauf fokussiert, Tore zu schiessen und machte dann plötzlich Fortschritte.» Diese Entwicklung führte dazu, dass Elyounoussi, einst so etwas wie ein Spätzünder, plötzlich durchstartete, bereits mit 19 Jahren sein erstes von bis heute fünf A-Länderspielen – dazu kommen rund 40 in U-Auswahlen – absolvierte und sich 2014 mit Molde als


Mohamed Elyounoussi

«Intensität und Qualität im Training sind hoch, so wird dafür gesorgt, dass wir einander pushen und nicht stehen bleiben. Das macht uns besser.» Mohamed Elyounoussi.

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Leidenschaft, die begeistert.

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Mohamed Elyounoussi Double-Gewinner feiern lassen konnte. So weckte er, natürlich, auch internationales ­Interesse; neben Basel soll im Sommer auch der englische Meister Leicester City an ihm dran gewesen sein.

Die richtige Wahl

Unterschrieben hat er schlussendlich in Basel, für satte vier Jahre. «Es ist ein guter Klub, um mich weiterzuentwickeln», erklärt der Norweger, um dann anzufügen. «Ich bin die richtige Wahl für Basel und Basel ist die richtige Wahl für mich. Ich bin einfach hap­ py, hier zu sein.» Fussballerisch einerseits, persönlich andererseits. Er fühlt sich wohl in Basel, wo er mit seiner Freundin lebt. In der Freizeit geniesst er es, mit ihr zu kochen, am Abend TV zu schauen oder die Stadt zu ­erkunden. «Wir waren schon im Zoo und in verschiedenen Museen. Wir versuchen, so oft wie möglich etwas zu unternehmen», so Elyounoussi. Eigentlich würde es ja nahe ­liegen, dass Pizza sein Lieblingsgericht ist, da sein Vater mit einem Pizza-Take-away sein Geld verdiente und er selber im ­Geschäft auch aushalf. Er könne Pizza zu­ bereiten, bevorzuge aber andere Gerichte aus der italienischen Küche, Spaghetti oder Lasagne. «Aber ich bin nicht heikel und habe fast alles gerne, beispielsweise auch Reis und Chicken.» Hier in der Schweiz geht es aber nicht um die Kulinarik, sondern um Fussball. Und da hat Mohamed Elyounoussi Grosses vor. Per­ sönlich will er weiterkommen in einer Liga, deren Niveau er höher einschätzt als jenes in Norwegen, wo in der obersten Klasse 16 Klubs antreten und so wohl mehr Quantität als Qualität vorhanden ist. Dennoch meint er, dass die Top-Teams auch in der Raiffei­ sen Super League mithalten könnten. Helfen soll ihm bei dieser Entwicklung das breite Kader der Basler, in dem sich Spieler mit verschiedenen Qualitäten befinden. «Inten­ sität und Qualität im Training sind hoch, so wird dafür gesorgt, dass wir einander ­pushen und nicht stehen bleiben. Das macht uns besser», ist Elyounoussi überzeugt. Und mit der Mannschaft will er Titel gewinnen, in Zukunft wieder international spielen. Er Nationalität: Norwegen Position: Mittelfeld Geburtstag: 4. August 1994 Grösse: 178 cm Gewicht: 70 kg Vereine: FC Basel 1893, Molde FK, Sarpsborg 08

sagt: « Man braucht Träume. Einer ist es, ­eines Tages einen europäischen Final zu er­ reichen – wieso nicht mit Basel?» Klar ist, dass der FCB nicht der Höhepunkt seiner Karriere ist, wenn Elyounoussi weiter Fort­ schritte macht. Wohin sein Weg im Idealfall führen soll, mag der Norweger, der Zinédi­ ne Zidane und Ronaldo bewunderte, nicht sagen. Nur soviel: «Natürlich wäre es schön, mal in einer der grössten ­Ligen wie Spanien, Deutschland oder England zu spielen. Das ist natürlich mein Traum.»  l

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Mohamed Elyounoussi FOOT  29


Raiffeisen Super League

Aller guten Dinge sind drei Woran andere zerbrochen wären, ist YB-Mittelfeldmotor Sékou Sanogo gewachsen. Klar scheint deshalb auch, dass der Weg der Frohnatur aus der Elfenbeinküste nicht in Bern enden wird. Text: Matthias Müller Fotos: Pius Koller, Urs Lindt

4 Minuten. So lange dauert in etwa eine Toilettenpause, gründliches Zähneputzen oder das Warten auf das nächste Tram. 4 Minuten. Um diese Zeitspanne scheiterte am 31. Januar dieses Jahres der LeihTransfer von Sékou Sanogo zum HSV. Spieler und Klubs waren sich einig, die Fitnesstests absolviert, die Formalitäten abgeschlossen. Nur das YB-Mail mit den notwendigen Dokumenten – das traf, so behauptet es zumindest der HSV, erst um 18:04 in der Zentrale des Hamburger Traditionsklubs ein. 4 Minuten, nachdem das Transferfenster geschlossen hatte. Nach gegenseitigen Schuldzuweisungen

«Natürlich will ich, wenn ich ein Land hinter mir lasse, auch etwas gewonnen haben. Und natürlich will ich Bern mit einem Titel verlassen. Der Cup, das wäre genial.» Sékou Sanogo.

zwischen den Klubs (wer wirklich Schuld hatte, ist noch heute so unklar wie irrelevant), etlichen Mitleidsbekundungen und einer Rückrunde mit nur wenigen Spielminuten, wollte es der Ivorer im Sommer erneut versuchen. Nur, um erneut zu scheitern. Stuttgart, zuvor eben erst in die zweite Bundesliga abgestiegen, sah im letzten Moment vom geplanten Transfer ab, weil man bei Sanogo Unregel­ mässigkeiten im muskulären Bereich ­erkannt zu haben glaubte. Manch einem wäre darob das Lachen vergangen. Nicht so Sékou Sanogo. Der Ivorer strahlte das Unglück ­einfach weg. So wie er es in der Vergangenheit bei den Verletzungen auch schon immer getan hatte. «Was solls? Aller guten Dinge sind drei! So heisst es doch?», sagt der 27-Jährige und lacht laut. Tatsächlich rührt die Fröhlichkeit nicht nur daher, dass es ihm gerade läuft. ­Natürlich, YB hat am Vortag des Ge-


Sékou Sanogo

sprächs gegen Sion und den Kampf um Platz 2 gewonnen. Er selber hat wieder einmal sein gewohnt kampfbetontes Spiel abgeliefert und sich dafür Best­ noten abgeholt. Doch Sanogo, das merkt man mit fortdauernder Länge des ­Gesprächs deutlich, ist einfach ein von Natur aus aufgestellter Mensch. Er sagt: «Dass ich heute mit Ihnen hier und nicht mit einem anderen Journalisten in Hamburg oder Stuttgart sitze, ist halt Schicksal. Und das Schicksal hat es ja gut mit mir gemeint.»

«Die Schweiz ist genial»

Was er damit meint, liegt auf der Hand. Sanogo, der seine Heimatstadt Abidjan im Januar 2011 in Richtung Thun verlassen hatte, weiss, was es heisst, richtiges Glück zu haben. Denn just zum Ende des Jahres 2010 flammte der Bürgerkrieg, der die Elfenbeinküste bereits in den frühen 2000ern geplagt hatte, wieder ­ auf. Während er seine Karriere in Europa lancierte, herrschte in seiner Heimat der Ausnahmezustand. «Es war sehr, sehr hart. Ich hatte ein gutes Leben an der Seite meiner Familie, hatte den Cup ­gewonnen. Doch die Querelen machten es unmöglich, mich auf den Fussball zu konzentrieren und zwangen mich, das Land so schnell als möglich verlassen.» Die Schweiz war da so etwas wie sein sicherer Hafen, der FC Thun, hoch im ­ FOOT 

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Raiffeisen Super League


Sékou Sanogo Berner Oberland, seine Chance. Er sagt: «Ich bin dankbar, dass ich in der Schweiz so freundlich empfangen wurde.» Und: «Ich spiele jetzt seit mittlerweile sechs Jahren hier und liebe dieses Land. Die Ordnung, die Sicherheit – das ist viel wert. Gleichzeitig ist im Fussball der öffentliche Druck nicht so gross. Das ermöglicht ein sehr gutes ­Arbeitsumfeld. Die Leute sind leidenschaftlich, aber sie respektieren dich. Ja, das ­Leben in der Schweiz ist genial.» Einfach war der Einstieg freilich nicht. Nicht nur die Temperatur- und Kulturunterschiede machten Sanogo zu schaffen, auch die Angst um seine Familie umtrieb ihn. Sein Glück, so sagt er es, war, dass er sein Auslandkapitel ausgerechnet beim FC Thun beginnen ­konnte. Die familiäre Atmosphäre, der Wille, ihn zu integrieren und die gute Rolle, die er unter Murat Yakin bekam, erleichterten ihm vieles. Es verwundert also kaum, dass er heute, angesichts der kritischen finanziellen

Situation der Berner Oberländer sagt: «Der FC Thun ist ein grosser Klub, mit einer vorbildlichen Philosophie. Er darf nicht von der Bildfläche verschwinden.»

Bern passt besser als die Romandie

Mittlerweile kann man sogar sagen, dass Sékou Sanogo im Kanton Bern heimisch ­geworden ist. Dies umso mehr, als dass er ja auch einen anderen Teil der Schweiz gesehen hat. Im Januar 2012 war er an Lausanne ausgeliehen worden, wo er rund anderthalb Jahre spielte. In der Romandie, so würde man vermuten, hätte sich der französischsprachige Ivorer doch eigentlich wohler ­fühlen müssen. Doch dem ist nicht so. Sanogo sagt: «Der Kanton Bern passt mir besser. In der Deutschschweiz sind die Dinge se­ riöser und professioneller. Ausserdem mag ich die bernische Mentalität.» Er geniesse die Natur, die schönen Berge und die pittoresken Landschaften. «Wunderbar, um mal

in härteren Zeiten den Kopf durchzulüften», erklärt er. Und natürlich hat es auch ge­ holfen, dass er 2013 seine heutige Verlobte, eine Franko-Ivorerin, getroffen hat. «Das hat mir die private Stabilität gegeben, die mir vorher gefehlt hatte.» Härtere Zeiten gab es für Sanogo in diesen sechs Jahren in der Schweiz zuhauf. Als er in der Hinrunde 2011/2012 in Thun unter Bernard Challandes aus den Traktanden fiel etwa. Oder als er sich zu Beginn der Saison 2015/2016, mittlerweile als YB-Spieler, einen Muskelfaserriss zuzog und den Grossteil der Hinrunde ausfiel. Und natürlich dürfen an dieser Stelle auch die zwei vermeintlich sicher geglaubten Transfers in die Bundes­ liga und der erneute Muskelfaserriss nach dem diesjährigen Champions League-Qualifikationssieg gegen Schachtar Donezk nicht fehlen. Doch der defensive Mittelfeldakteur steckte alles weg. In seinen sechs Schweizer Jahren entwickelte sich das Kraftbündel zu

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Sékou Sanogo

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einem der besten Sechser der Super League, seine unzimperliche Spielweise hat ihn zu einem Spieler gemacht, der inter­ national Begehrlichkeiten weckt. «Ich bin mental stark», sagt Sanogo stolz, «ich ar­ beite einfach immer weiter. Jede Chance weiterzukommen, nutze ich.»

«Wenn es kommt, dann kommt es»

Seinen Leistungen in dieser Saison zufolge, müsste er YB wohl eher heute als morgen verlassen. Den Traum der grossen Ligen ­ träumt er schon lange, wie so viele nennt er «England oder Deutschland» als Wunsch­ destinationen. «Wegen der vielen Fans in den Stadien, das würde mich noch einmal pushen», wie er schmunzelnd nachschiebt. ­ Auf die Frage, wann er denn zu wechseln ­gedenkt, schmunzelt er. «Ich spiele bei YB an einem guten Ort und in einer guten Liga, habe es nicht eilig. Ich weiss es ja aus Erfahrung: Wenn es kommt, dann kommt es. So ist das doch im Leben, oder?» Dann zeigt er auf ein Bild, das an der gegenüberliegenden Wand hängt. Es ist eine Aufnahme vom YB-Cupsieg 1953. «Natürlich will ich, wenn ich ein Land hinter mir lasse, auch etwas gewonnen haben. Und natürlich will ich Bern mit einem Titel ­verlassen. Der Cup, das wäre genial.» Sanogo sieht gute Chancen, dass es diese ­Saison damit klappen könnte. YB ist im Wettbewerb immer noch mit von der Partie und trifft im März in den Viertelfinals auf den Challenge-Ligisten Winterthur. Die meisten Kurzund Langzeitverletzten sollten zur Rückrunde wieder zur Verfügung stehen, Goalgetter Guillaume Hoarau trifft in bester Kadenz, seit Ende Oktober fährt das Team regelmässig Siege ein. Vor allem aber kann YB auf ein sehr starkes Zentrum bauen, in dem Trainer Adi Hütter die Wahl zwischen Sanogo, Leonardo Bertone und dem jungen Überflieger Denis Zakaria hat. «Es gibt keine Entschuldigungen, das einzige, was am nächsten Tag Bestand hat, ist das Resultat. Wir haben ein 25-MannKader – wenn jemand nicht spielen kann, dann kann es ein anderer», sagt Sanogo in über­ raschender Deutlichkeit. Ob er dann noch mit dabei ist, steht indessen auf einem anderen Blatt Papier geschrieben. l

Sékou Sanogo

Nationalität: Elfenbeinküste Position: Mittelfeld Geburtstag: 5. Mai 1989 Grösse: 182 cm Gewicht: 81 kg Vereine: BSC Young Boys, FC Thun, FC Lausanne Sports, Africa Sports

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Raiffeisen Super League

Auf Lahms und Silvan Hefti hat sich im FC St.Gallen 1879 schon im Juniorenalter einen Stammplatz als Verteidiger erkämpft. Verblüffend ist vor allem seine Ab­geklärtheit. Text: Peter Eggenberger Foto: Urs Lindt

Ein Fussballer aus Goldach am Bodensee, der es in die erste Mannschaft des FC St. Gallen 1879 gebracht hat? Ja, Christian ­Stübi, der heutige Sportchef dieses Klubs. Und Silvan Hefti. Als Hefti 1997 geboren wurde, lag Stübis Debüt in der NLA bereits fast genau neun Jahre zurück. Hefti kann sich nicht an die Auftritte Stübis erinnern. Dafür schwärmte Stübi sowohl bei Verkün­ dung des Vertragsabschlusses mit Hefti im September 2015 als auch der Verlängerung bis 2020 im Juni dieses Jahres: «Seine Ent­ wicklung der letzten Jahre ist vielverspre­ chend, er agiert trotz seinen jungen Jahren bereits erstaunlich routiniert und hat zu­ dem noch viel Potenzial. Er entstammt unserer eigenen Jugend, und von daher freuen wir uns besonders, dass ein echtes Eigengewächs nicht nur zum Profikader gehört, sondern sich be­ ­ reits fest etabliert hat.»

Marktwert ­verzehnfacht In der Tat verblüfft Hefti mit einer Abge­ klärtheit und Ruhe auf der Position des rechten Verteidigers, als spiele er nicht erst seit dem 12. September 2015 in der Super Le­ ague, sondern seit vielen Jahren. Bei


Silvan Hefti

Barnettas Spuren seinem ersten Einsatz in Basel war er mit 17 Jahren und 10 Monaten der jüngste ­Debütant der Saison 2015/2016. «Ich erin­ nere mich gut an das Einlaufen im grossen, lauten Stadion. Ich war beeindruckt, fokus­ sierte im Spiel aber nur auf meine Auf­gabe», so Hefti. Eine Szene hat sich ihm besonders eingeprägt: Als er den praktisch gleich alten Breel Embolo im Strafraum mit einer saube­ ren Grätsche vom Ball trennen konnte. Em­ bolo, jetzt bei Schalke, ist mit einem ge­ schätzten Marktwert von 16 Millionen Euro der fünftwertvollste Spieler der Geschichte bei den Unter-19-Jährigen. Hefti rangiert mit einem Marktwert von 1 Million Euro knapp ausserhalb der Top 100. Innert eines halben Jahres verzehnfachte sich die Zahl, weil Hefti sich nach seinem Debüt sofort als Stammspieler etablierte. St.Gallens Trainer Joe Zinnbauer, der im Spiel nach Heftis ­Debüt in Basel die Mannschaft von Jeff Sai­ bene übernommen hatte, setzte weiterhin auf Hefti, dem er attestiert, ein Talent zu sein, «das man entwickeln kann». Ein Aussenverteidiger, der mit gutem Stel­ lungsspiel agiert, sich nicht provozieren lässt, selten foult und kaum Gelbe Karten erhält? Ja, Philipp Lahm, Captain von Bayern München. Und Silvan Hefti. Lediglich zwei Gelbe Karten hat er in 39 Super-League-Spielen gesehen. Auch dieser Wert ­ verblüfft. «Ich war bei den Junioren nie der Beste, es gab um mich nie einen Hype. Das hat mir Ruhe vermittelt», erklärt der im ­Alter von 11 in den Nachwuchs des FC St. Gallen 1879 Gewechselte. Dazu helfe ihm sein gesundes Selbstvertrauen, das er schon als Junior entwickelt habe. Hefti hat Philipp Lahms Buch «Der feine Unterschied

– Wie man heute Spitzenfussballer wird» gelesen. Lahms Philosophie entspricht ihm: «Ich war fasziniert vom Inhalt. Lahm ist wie ich ein ruhiger Arbeiter und mit seiner ­Haltung ein Vorbild für mich.»

Banklehre beenden

Ein Ostschweizer Fussballer, der eine Bank­ lehre absolviert hat und nun Verteidiger auf höchster Stufe ist? Ja, Fabian Schär von ­Hoffenheim. Und Silvan Hefti. Hefti ist Lehr­ ling im dritten Jahr in einer Bank im Rheintal. «Die Lehre will ich auf jeden Fall beenden, vorher interessieren mich Angebote anderer Klubs nicht», sagt Hefti. Und die Abgeklärt­ heit auf dem Platz erfährt eine Fortsetzung im Gespräch über Verträge, Angebote und Marktwerte. Die Banklehre lässt sich nicht verleugnen, wenn er sagt, die Verlängerung des Vertrags bis 2020 sei nicht nur ein ge­ genseitiger Vertrauens­ beweis gewesen, sondern auch ein Zeichen nach aussen, dass ein neuer Arbeitgeber mehr bezahlen müsste. «Und der FC Goldach mehr an der Ablösesumme partizipiert», wie Hefti mit ­einem Schmunzeln anfügt. Und wenn der Verteidiger von seiner weiteren Karriere ­redet, sagt er nicht, es sei sein «Traum» – «das klingt zu unrealistisch» –, in der Bundes­ liga oder in der Premier League zu spielen, sondern er spricht von einem «Ziel», das sei ein «Begriff für etwas Realistisches». Ein Ostschweizer Fussballer, der sich mit 17 bereits einen Stammplatz im FC St.Gallen 1879 erkämpft hatte? Ja, Tranquillo Barnet­ ta. Und Silvan Hefti. Barnetta kommt nach elf Jahren in der Bundesliga und einem Jahr in der Major League Soccer in die Heimat zurück und spielt ab der Rückrunde wieder für seinen Stammklub. «Seine Rückkehr hat in der Mannschaft und im Umfeld eine

36 Silvan Hefti

Euphorie ausgelöst», hat Hefti beobachtet. Und er hat auch einen Tranquillo Barnetta beobachtet, «der Fussball spielen kann und gut in Form ist». Weil Barnetta schon so ­lange auf Profiniveau spiele, vergesse man gerne, dass er erst 31-jährig sei, ergänzt Hefti, der eine ähnliche Karriere machen könnte. Gerade erst hat er Barnettas Statis­ tiken angesehen und war von den 75 Län­ der- und 260 Bundesligaspielen beein­ druckt. «Er kann uns mit seiner Erfahrung und seinen Leaderqualitäten weiterbrin­ gen», glaubt Hefti. Das bisherige Auf und Ab in der Ära Zinn­ bauer sei schwierig zu erklären. «Jedes Mal, wenn wir uns hätten bestätigen und einen Aufwärtstrend einleiten können, haben wir anschliessend verloren», sagt Hefti. In der jüngsten Vergangenheit ist die Bestätigung guter Resultate nun zum ersten Mal gelun­ gen. «Dies hat sicher auch mit der Umstel­ lung von einer Vierer- auf eine Dreierkette in der Abwehr ab dem siegreichen Auswärts­ spiel in Lugano zu tun», analysiert Hefti. Sonst sei der Plan des Trainers aber im Wesentlichen stets ähnlich gewesen, nur ­ habe die Mannschaft diesen nicht immer richtig umsetzen können. Die Gründe dafür zu nennen, sei kaum möglich. «Das Team hat auf jeden Fall die Qualität, weiter oben mitzuspielen.» Hefti kommt mit Dreier- und Viererkette zurecht. Seine Stärken sieht er im Zweikampfverhalten sowie im Tempo mit dem Ball. «Ich kann offensiv aber durchaus frecher auftreten, auch mal Dribblings und Rushes wagen.» Sein Leistungsvermögen hat er nach eigener Einschätzung noch nicht erreicht. Ändert sich dies, könnten die 75 Länderspiele Barnettas oder gar die 113 Lahms für den zweifachen U-21-National­ spieler ein Ziel und nicht ein Traum sein. l

Nationalität: Schweiz Position: Verteidigung Geburtstag: 25. Oktober 1997 Grösse: 183 cm Gewicht: 78 kg Vereine: FC St. Gallen, Goldach

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Aufstieg aus Nirg


Cédric Zesiger

s dem gendwo Die Saison begann Cédric Zesiger mit Xamax in der Challenge League – in die Winterpause geht der 18-Jährige als Verteidiger des Super-Ligisten Grasshopper Club Zürich. Text: Andy Maschek Fotos: Andy Müller

Eine Szene brachte den Aufstieg des 1,93-Meter-Hünen kürzlich auf den Punkt. Im Rahmen des EM-Qualifikationsspiels der Schweizer U19 erklärte Nationaltrainer ­Gérard Castella Zesiger, dass sein Weg wirklich rasant aufwärts geführt habe. Auch der Verteidiger sieht es so und sagt: «Ich kam von nirgendwo her in die Super League. Ich spielte ein Jahr in der Challenge League und landete dann in der Super League. So schnell hätte ich das auch nicht erwartet. Umso mehr freut es mich zu sehen, dass es immer vorwärts geht.» Am Anfang dieses Wechsels stand ein Gespräch mit GC-CEO Manuel Huber und ­ Chefscout Paul Bollendorff, «um sich gegenseitig kennenzulernen und einander die­ Pläne zu vermitteln», wie Zesiger sagt. Man habe nicht konkret über diese Saison ge­ sprochen, doch ein, zwei Wochen später sei GC für ihn überraschend mit einem Angebot auf ihn zugekommen. Er sagt: «GC ist Rekordmeister, ein grosser Klub mit grossem Ansehen. Es hat mich gefreut, aber es war FOOT  45


Raiffeisen Super League nicht einfach. Ich war sieben Jahre bei Xamax, in meiner Region, nahe bei Schule und Kollegen und da muss man sich einen Wechsel gut überlegen. Auch weil man einen neuen Schritt weg von der Familie wagt.»

Vom Vater geprägt

Zesiger ist ein neues Gesicht in der Liga. Zum Fussball ist er durch seinen Vater gekommen, der selber Fussball spielt und lange

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auch Zesigers Trainer war. «Seit ich geboren bin, war ich auf dem Fussballplatz, zuerst ­­mit meiner Mutter im Kinderwagen, später mit meinem Vater. Der Ball wurde mir so­ zusagen in die Wiege gelegt», erklärt der Neo-Hopper. Mit drei Jahren hat er mit dem Fussball begonnen, sein Vater trainierte damals beim FC Müntschemier die F-Junioren und er war immer dabei. «Ich habe gespielt, es hat mir gefallen, und so ging es weiter. Fussball wurde eine Leidenschaft.» Sein Vater wanderte als Trainer Stufe um Stufe mit, bis der Junior im Alter von elf Jahren in die U12 von Xamax wechselte. Der Sohn eines Teamkollegen seines Vaters spielte in der U14 von Xamax, sie fragten, ob er mal ein Probetraining bestreiten möchte, «und ich war dann zwei Wochen da und blieb». Wie schon als kleiner Junior spielte Zesiger auch da in der Verteidigung. Er sagt: «Mein Vater war und ist immer Innenverteidiger und auch ich könnte mir keine bes­ sere Position vorstellen.» Der Grasshopper Club Zürich verfolgt – teilweise auch finanziell notgedrungen – den Weg, auf Talente zu setzen, diese auszubilden und später wenn möglich gewinnbringend zu verkaufen. Aus diesem Grund stellen die Zürcher eine sehr junge Mannschaft, was sich in dieser Saison vor allem auch in der Defensive widerspiegelt, wo mit Jan Bamert und Zesiger zwei Spieler mit Jahrgang 1998 regelmäs­ sig zum Einsatz kommen. Es ist ein nicht ganz ungefährlicher

Weg. Vielerorts wird vor allem in der Innenverteidigung auf Routine gesetzt, bei GC standen da teilweise Bamert und Zesiger auf dem Feld, vielfach unterstützt von Marko Basic (28), dem Mittelfeldspieler, ­ der zurückbeordert wird, um seine Erfahrung in der Verteidigung einzubringen.

Gegentore abgehakt

Nur, stabil war die Defensive in dieser Vorrunde nicht immer. Vor allem nach den Spielen im Oktober gegen YB (0:4 in der Meisterschaft und 0:5 im Cup) und gegen Sion (2:4) wurden die Hoppers in den Medien als «Schiessbude» betitelt. Es war ein Rummel, der bei Zesiger keine nachhaltige Wirkung zeigte. «Wir haben das intern angeschaut und danach vergessen», sagt der 18-Jährige abgeklärt. «Das sollte nicht passieren, ist aber dennoch so geschehen. Wir sind in der Entwicklung und haben gute Lösungen gefunden.» Hilfreich seien da einerseits der Trainer und der gesamte Staff, andererseits aber auch die routinierten Spieler wie Basic oder Captain Kim Källström. «Am Schluss ist es Fussball – ob mit 18 oder 35 Jahren. Ich geniesse den Moment, bin sehr ehrgeizig und will keine Fehler, aber Fortschritte machen», sagt Zesiger und ergänzt, dass er keine Angst vor Fehler hat. «Man macht sich natürlich Druck, aber wenn dieser zu gross ist, frisst man sich selber auf. Ich ­probiere, locker zu bleiben und mir nicht den Kopf über mögliche Fehler zu zerbrechen. Sonst kommen diese auch.» Aber klar, es sei ­speziell, plötzlich gestandenen Stürmern wie Hoarau oder Doumbia gegenüber zu stehen. «Doch es freut mich auch. Ich hätte nie gedacht, mal gegen solche Spieler

Cédric Zesiger Nationalität: Schweiz Position: Verteidigung Geburtstag: 24. Juni 1998 Grösse: 193 cm Gewicht: 86 kg Vereine: Grasshopper Club Zürich, Neuchâtel Xamax,


Cédric Zesiger

s­pielen zu können. Am Schluss muss man sich konzentrieren und auch gegen solche Namen antreten und bestehen.» Im Gespräch zeigt sich Cédric Zesiger ruhig und abgeklärt, routiniert. Keine Spur davon, dass er in der Beletage des Schweizer ­Fussballs ein Neuling ist. «Ich bin ein offener Typ, der gerne mit Menschen redet, Kontakt pflegt, aber bei persönlichen Dingen verschlossen sein kann», sagt er über sich. «Sonst bin ich aber offen, nett, man kann es lustig haben mit mir.» Das tönt schon fast wie «der perfekte Schwiegersohn», oder? «Ich weiss es nicht, so habe ich es noch nie gehört», sagt Zesiger lachend. «Im Moment habe ich den Fussball und muss mir nicht auch noch mit solchen ­Dingen den Kopf zerbrechen.»

Arbeitsteilung in der WG

In der Tat, die Tage des 18-Jährigen sind intensiv. Er wohnt gemeinsam mit Basels ­ Leihgabe Nicolas Hunziker rund 20 Minuten vom GC/Campus entfernt. Hunziker ist in dieser «GC-WG» meistens fürs Kochen ­zuständig, seine Spezialität ist Red Curry, «aber ich habe bei ihm noch nie schlecht gegessen», so Zesiger. Der Verteidiger ist im Gegenzug für die Wäsche zuständig, die restlichen im Haushalt anfallenden Arbeiten werden aufgeteilt. «Wir verstehen uns gut. Aber der Schritt war nicht einfach. Es

brauchte Gespräche mit den Eltern, den Kollegen, aber es ist eine neue Erfahrung und ich wusste, dass ich diesen Schritt ­einmal machen möchte. Dass er nun so früh kam, ist umso schöner.»

«Ich probiere, locker zu bleiben und mir nicht den Kopf über mögliche Fehler zu zerbrechen. Sonst kommen diese auch.» Cédric Zesiger über mentale Stärke.

Neben dem Fussball und dem Haushalt füllt die Schule den Alltag des Verteidigers aus. Er begann in Neuenburg eine Handelsmittelschule mit Matura, die er nun an der United School of Sports weiterführt. «Es ist nicht ­immer einfach, die Balance mit dem Fussball zu finden, aber bisher konnte ich das gut ­lösen», sagt er. In der Freizeit lerne er, be­ suche die Schule, schreibe Test nach. Das sei zwar streng, aber: «Es bringt auch wertvolle Strukturen in den Tag, denn ich sitze nicht gerne daheim rum und mache nichts.»

Cédric Zesiger ist in jungen Jahren auf dem besten Weg, sich in der Super League festzusetzen. Den Unterschied zur Challenge League empfindet er als nicht allzu gross, auch wenn man stärker im Rampenlicht steht, die Spieler individuell besser und das Spiel generell schneller ist. «Technisch und taktisch ist alles ein wenig besser, zudem werden Fehler mehr bestraft. Aber aus ­Fehlern lernt man und wenn es immer gut läuft, kann man auch nicht so grosse Fortschritte machen.» Zudem spürt er ­ ­Vertrauen von Cheftrainer Tami und erhält die Möglichkeit, sich stetig zu verbessern. Er sagt: «Man kann immer und überall Fortschritte machen. Weil ich so gross und nicht der Beweglichste und Schnellste bin, will ich in diesem Bereich besser werden, bei den Drehungen, den kleinen Schritten, der Koordination. Und mich physisch verbessern.» Kurzfristig sei es sein Ziel, sich in der Super League zu etablieren. «Aber klar, als kleiner Bub träumt man davon, mal in der Bundesliga oder der Premier League zu spielen, in der Champions League», sagt Zesiger, ­dessen Lieblingsklubs Xamax und Real Mad­ rid und Lieblingsspieler Sergio Ramos und Cristiano Ronaldo sind. «Diese Ziele habe ich natürlich auch. Aber im Moment zer­ breche ich mir deswegen nicht den Kopf. Ich gehe Schritt für Schritt, nehme Spiel für Spiel, Training für Training.» l

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Raiffeisen Super Raiffeisen League Super League

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Vincent Sierro Nationalität: Schweiz Position: Mittelfeld Geburtstag: 8. Oktober 1995 Grösse: 184 cm Gewicht: 74 kg Vereine: FC Sion

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Vincent Geoffrey Analyse Sierro Bia

Auf den Spuren Piffarettis Der Mittelfeldspieler Vincent Sierro gehört im FC Sion zu den Entdeckungen der Saison. Und das, obwohl die Voraussetzungen des Unterwallisers für eine Profikarriere nicht die besten waren.

der Torhüter, war kurz bei Le Mont unter Vertrag gestanden, bevor er das Abenteuer Profifussball beendete.

Denksport in Lausanne

Im Elternhaus der Familie Sierro wollte man auf die Eventualität vorbereitet sein, dafür sorgen, dass Vincent nicht zu tief fällt, sollte auch ihm der Durchbruch verwehrt bleiben. Der Vater Serge, ein ehemaliger Walliser FDP-Staatsrat, bestand darauf, dass Vincent nicht voll auf die Karte Fussball setzte. Er schloss die Matura ab. Und seit 2013 studiert er an der Fernuniversität; in zwei Jahren wird er den Wirtschafts­

Text: Nicola Berger Fotos: Urs Lindt

Das Talent war nicht das Problem, daran hat es Vincent Sierro nie gemangelt. Aber da war die Sache mit der Postur. Sierros Körper entwickelte sich nur zaghaft, ­ als Jugendlicher war er stets der Kleinste im Team. Der Schweizerische Fussballverband beorderte ihn zwar in sein Nachwuchsförderungszentrum nach ­Payerne, aber Aufgebote ins Juniorennationalteam blieben ihm versagt. Sierro sagt: «Man teilte mir mit, ich sei dafür zu klein.» Die Enttäuschung war gross. Und natürlich bestand diese Gefahr: Dass es für den schmächtigen Jungen nichts wird mit dem Traum vom Profifussball. Dass es ihm gleich ergeht wie seinen älteren Brüdern Thomas und Adrien, die es ebenfalls nach Payerne geschafft hatten, aber eben nicht weiter. Ersterer hatte es bei Sion immerhin in die zweite Mannschaft gebracht, ehe er nach Zürich weiterzog, um dort den Wirtschaftsmaster in Angriff zu nehmen. Und Adrien,

«Das ist eine tolle Abwechslung. Man kommt auf andere Gedanken und wird gescheiter. Die Ausbildung hilft mir, die Balance zu halten und auch einmal abzuschalten.» Vincent Sierro über sein Studium an der FernUni.

bachelor abschliessen. Sierro sagt: «Das ist eine tolle Abwechslung. Man kommt auf andere Gedanken und wird gescheiter. Die Ausbildung hilft mir, die Balance zu halten und auch einmal abzuschalten.» Sierro hatte also einen Plan B für ein Leben jenseits des Fussballs. Aber er unternahm alles, um ihn nicht aus der Schublade ziehen FOOT  49


Sascha, 25

Fussballer &

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Vincent Sierro zu müssen. Schliesslich hatte Sierro immer von einer Fussballerkarriere geträumt. Als Sechsjähriger begleitete er den Grossvater ins Tourbillon und bewunderte den Mittelfeldspieler Blaise Piffaretti. Später hiessen die Idole Andrea Pirlo und Andrès Iniesta. Dass er es selber einmal zum Profi schaffen würde: Vincent Sierro zweifelte nie daran. Und dass er als Jugendlicher stets der Kleinste gewesen war, mag nicht immer einfach ­gewesen sein. Aber die Probleme sind dank eines Wachstumsschubs um 20 Zentimeter im Alter von 16 Jahren vergessen, er misst heute 1,84 Meter, und rückblickend war die Erfahrung für Sierro ein Segen. Er begriff, dass er seine körperlichen Defizite mit Wendigkeit, Technik und Umsicht kompensieren kann. Er lernte, Rückschläge zu verarbeiten und sich gegen Widrigkeiten aufzulehnen. Und er hat sich früh eine mentale Robustheit an­ geeignet, von der er bis heute zehrt. Im FC Sion hat er es zum

Stammspieler gebracht, mehr noch: Zur Entdeckung der Vorrunde 2016/2017. Es ist ein rasanter Aufstieg für den zentralen Mittelfeldspieler, den der Ex-Trainer Didier Tholot in der Rückrunde der Saison 2015/2016 zunächst nur als Notlösung aufgrund der Verletzungen von Xavier Kouassi und Birama Ndoye präsentiert hatte. Doch Sierro gab den Platz nicht mehr her – und wurde in die U20-Nationalmannschaft ­berufen. Er überzeugte mit taktischer Reife und einem Flair für Standardsituationen. Er sagt: «Ich wollte diese Chance unbedingt packen. Denn ich wusste ja nicht, ob es eine zweite geben wird.»

Das Lob des Präsidenten

Sierro biss sich fest – und er liess sich auch nicht aus dem Team verdrängen, als Tholot im August entlassen und durch den Deutschen Peter Zeidler ersetzt wurde. Einen, den die

Entwicklung nicht überraschte, ist Sébastien Fournier, der Nachwuchschef im FC Sion. Fournier sagt: «Sierro ist technisch beschlagen und hat eine ausgezeichnete Übersicht. Er wird seinen Weg machen.» Ähnlich redet Präsident Christian Constantin. Er sagt: «Sierro ist eines unserer grössten Talente. ­ Ein eleganter, intelligenter Spieler. Wenn er noch etwas dynamischer wird, kann aus ihm ein Grosser werden. Dann hat er auch das ­Potenzial, um im Ausland zu spielen.» Constantin sagt das – und wird Sierros 2017 auslaufenden Vertrag zügig verlängern ­wollen. Der Präsident hat ja einen gewissen Erfahrungsschatz, wenn es darum geht herauszufinden, wer aus dem eigenen Nachwuchs das Zeug für die ganz grosse Karriere hat. Erst im Sommer hat Constantin seine letzten Millionentransfers abgewickelt, indem er den Offensivspieler Edimilson Fernandes an West Ham United und den Innenverteidiger Léo Lacroix an St. Etienne verkaufte. Eine grosse Liga, mehr Pirlo denn Piffaretti, gibt es solche Gedankenspiele bei Sierro? Er sagt: «Natürlich würde ich irgendwann gerne im Ausland spielen. Aber das ist sehr weit weg. Ich muss mich ja erst in Sion richtig durchsetzen.» Diesem Ziel ist Sierro nahe. Zusammen mit Ndoye, Grégory Karlen und Chadrac Akolo verkörpert er die Garde der jungen Wilden, denen der Trainer Peter Zeidler regelmässig das Vertrauen schenkt. Die Frage an Sierro: Was ist möglich, mit dem FC Sion? Kurz- und mittelfristig? Er sagt: «Ich würde schon gerne einen Titel holen hier. Und die letzten Jahre haben gezeigt, dass das gerade im Cup durchaus möglich ist.» Ein Cup-Sieg, Spiele im Europacup. All das würde sich gut machen im Lebenslauf. Blaise Piffaretti hat seinen ersten Titel mit Sion im Alter von 20 Jahren ­geholt, 1986 im Cupfinal gegen Servette. Es ist eine Marke, die Sierro nicht mehr erreichen kann, er ist im Oktober 21 geworden. Möglich, dass er sein einstiges Idol irgendwann doch überflügelt: Piffaretti gehörte zwar lange zur Nationalmannschaft, aber den Sprung ins Ausland wagte er nie. Bei ­ ­Sierro kündigt sich das anders an. Aus ihm könnte der nächste Walliser Globe­ trotter in der grossen, weiten Fussballwelt werden. l

Peter Zeidler gibt seinem Schützling Vincent Sierro hilfreiche Inputs. FOOT 

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Raiffeisen Super League

Grosser Wille – als Lohn Die Vorrunde war für den Neo-Luzerner Simon Grether vor allem eines: eine Belohnung. Denn dank Beharrlichkeit und grossem Willen hat der 24-Jährige in der Raiffeisen Super League endlich richtig Fuss gefasst. Text: Andy Maschek Fotos: Pius Koller, Martin Meienberger

Fussball ist mit Emotionen verbunden. Mit Höhen und Tiefen. So wie beim FC Luzern in dieser Vorrunde, als sich Erfolgserlebnisse wie der Einzug in die Cup-Viertelfinals und Tiefschläge mit einer Serie von sechs ­sieg­losen Meisterschaftsspielen gegenüberstanden. In die Winterpause geht das Team von Markus Babbel nun auf Rang 4 – mit Perspektiven nach oben, aber auch im Wissen, dass es in der Raiffeisen Super ­League schnell geht und man sich nach ein paar schlechten Spielen wieder in den hinteren Gefilden der Tabelle befinden kann.

Debüt unter Heiko Vogel

Wie schnell die Gemütslage im Fussball ­ändern kann, weiss auch Simon Grether. Er war lange Jahre Junior im FC Basel. Er spielte damals mit den Xhaka-Brüdern und Xherdan Shaqiri zusammen. In den U-Nationalteams waren unter anderen die heutigen Nationalspieler Ricardo Rodriguez, Josip Drmic oder Haris Seferovic seine Teamkol­

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FOOT


Simon Grether

Luzern


Simon Grether legen. Es schien alles angerichtet für eine schöne Karriere in der höchsten Schweizer Liga, vielleicht gar im Ausland, zumal er im Juli 2012 mit 20 Jahren unter dem dama­ ligen FCB-Trainer Heiko Vogel zu seinen ersten Einsätzen in der Super League und in der Champions League-Qualifikation kam. Doch als der Deutsche im Oktober 2012 beim FC Basel entlassen und durch Murat Yakin ersetzt wurde, war es auch für Simon Grether mit der Herrlichkeit vorbei. Statt im St. Jakob-Park spielte er in der Rück­runde im Tessin, bei der AC Bellin­zona, zu welcher er für ein halbes Jahr ausgeliehen wurde. Um Spielpraxis zu sammeln, eigentlich. Doch dann kam plötzlich alles ganz anders.

«Dieses Foul gehört zu mir»

In einem Testspiel gegen den FC Zürich brach er seinem Gegenspieler Burim Kukeli in einem Zweikampf Schien- und Wadenbein. In einem harten Zweikampf, aber ­sicher nicht absichtlich. Dennoch wurde er für vier Spiele gesperrt und im Boulevard auch schon mal als «Grether, der Treter» ­betitelt. «Dieses Foul gehört zwar zu mir, ist nun aber vorbei», sagt er heute. «Es ist dumm gelaufen. Einerseits tut es mir leid für Burim, andererseits war es auch mühsam

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für mich. Doch das ist heute vergessen.» Logisch, hat ihn diese Aktion lange mental beschäftigt. Gegen die vier Spielsperren wehrte sich die ACB, liess Grether aber nicht spielen, obwohl er wegen des laufenden Rekurses spielberechtigt ge­ wesen wäre. Als das Urteil bestätigt wurde, musste er weitere vier Runden aussetzen. Die Spielpraxis war zunichte. Die folgende Saison wurde er schliesslich an den Challenge Ligisten Winterthur aus­ geliehen, «weil sich der Klub sehr um mich bemühte», wie er sagt. In der Vorrunde kam er wie erhofft zu vielen Einsätzen, in der Rückrunde wurden diese aber i­mmer rarer. «Es war eine schwierige Zeit», erinnert er sich. Denn im Sommer lief sein Vertrag beim FCB aus – und er stand ohne Arbeitgeber da und hatte man-

gels Einsätzen auch nicht die gewünschte Visitenkarte für ein neues Engagement.

Das Telefonat mit Wohlen

Er suchte nach einem neuen Klub, ­absolvierte Probetrainings in der Schweiz und in Deutschland, dachte, natürlich, auch an ein Karrierenende. Und nahm dann die Sache selber in die Hand und rief beim FC Wohlen an, wo unter Ciriaco Sforza Aufbruchstimmung herrschte. Es war wohl der Anruf, der seine Karriere wieder in die richtigen Bahnen lenkte. Grether konnte in Wohlen überzeugen, sich für höhere Aufgaben empfehlen. Er sagt: «Ich dachte: Jetzt oder nie! Ich gab nochmals Vollgas, wollte auf mich aufmerksam machen und schauen, was passiert. Zum Glück hat das zum FC Luzern geführt!» Auch bei diesem Transfer war der 24-Jährige «federführend». Er traf FCL-Sportchef Remo Gaugler und unterhielt sich mit diesem über die eigene Zukunft und die Pläne der Luzerner. Einige Wochen später durfte er beim FCL vorsprechen, auch bei Trainer Markus Babbel – und unterschrieb schliesslich einen Zweijahresvertrag mit Option. Es war die Belohnung für den Einsatz, den

Nationalität: Schweiz Position: Verteidiger Geburtstag: 20. Mai 1992 Grösse: 179 cm Gewicht: 76 kg Vereine: FC Luzern, FC Basel, FC Wohlen, FC Winterthur AC Bellinzona

Simon Grether FOOT  55


DAS A EICH NGEBO HOF T COR IM Sitzp N ER: latz a uf de Zuga r Ha upttri ng z um S büne tehbe A reich Poule „ E ichho desse t im Chör f Cor bli à rt & F ner“ discr CL-Br étion atwu , rst na P Bier, ch de ausenSoftg m Spiel eträn ke & Kaffe e/Te e CHF 190 / Per son

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Simon Grether Durchhaltewillen, vielleicht auch den harten Schädel, dank dem er immer an eine Z ­ ukunft im Fussball geglaubt hatte. «Das kann man so sagen», erklärt er lächelnd. «Ich habe beim FCB schöne Zeiten erlebt, musste aber auch beissen. Danach war vor allem die Vereinslosigkeit schwierig. Es ist schön, hat es nun beim FCL so gut geklappt. Ich denke, ich passe in diesen Klub und kann auch meine Erfahrungen, die ich doch schon gesammelt habe, gut einbringen.»

Auf gutem Weg

Unter Markus Babbel kommt Grether nun regelmässig zum Einsatz. Er spielt im zentralen Mittelfeld, kann aber auch als Aussenverteidiger eingesetzt werden, «Haupt­ sache, ich spiele». Er ist keiner, der auf dem Feld auffällt, aber er löst die ihm gestellten Aufgaben. Er erlebt den FCL als tollen, top organisierten Klub mit begeisterungsfähigen Fans. Und fühlt sich in der Stadt Luzern, die für ihn auch dank dem See schöner ist als Basel, rundum wohl. Er sagt: «Ich bin nicht h ­ ierhergekommen, um einfach zuzuschauen, sondern um zu s­ pielen. Ich durfte nun auch einige Matches bestreiten und es freut mich ­natürlich riesig, dass ich in der Super League Fuss fassen konnte.» Er habe

immer daran geglaubt und dafür gearbeitet, es in die Super League zu schaffen, «und natürlich bin ich nun froh, auf einem guten Weg zu sein». Wohin dieser Weg in Zukunft führen wird, ist offen. Der Traum von einem Engagement im Ausland ist wie bei wohl jedem Fussballer

«Ich denke, ich passe in diesen Klub und kann auch meine Erfahrungen, die ich doch schon gesammelt habe, gut einbringen.» Simon Grether.

irgendwo im Kopf präsent, aber nicht mehr. An das A-Nationalteam verschwendet der ehemalige U-Internationale dagegen keinen Gedanken. Vielmehr geniesst Simon Grether

den Moment, gibt auch an diesem Nachmittag in der swissporarena den rund 150 anwesenden Mitgliedern der «FCL Leuebandi» – dem offiziellen Kinderklub des FC Luzern – bereitwillig Autogramme und sagt: «Das gehört dazu und macht Spass. Wir zaubern den Kleinen gerne ein Lächeln ins Gesicht. Vor zwei Jahren habe ich gewünscht, in ­einer solchen Situation zu sein, daran geglaubt, dass ich das kann – dass es geklappt hat, ist natürlich sehr schön.» Klar ist, dass er noch viele weitere Autogramme geben muss, wenn er auf dem eingeschlagenen Weg bleibt. Für die aktuelle Saison ist das Ziel, am Ende in der Tabelle so weit oben wir möglich zu stehen und ganz vorne mitzuspielen. Und natürlich auch der Cup, wo die Luzerner im Viertelfinal auf den Challenge ­Ligisten FC Aarau treffen. «Wir würden natürlich gerne den Cup nach L ­uzern bringen. Wenn man diese Trophäe gewinnen will, muss jeder Gegner geschlagen werden können. Gegen Aarau sind wir Favorit, sie ­ müssen wir bezwingen», sagt er, um dann auf die Frage, ob er sich im Final den FC Basel als Gegner wünsche, zu a ­ ntworten: «Das wäre schon schön, ja. Ich komme von dort, bin da aufgewachsen, es ist meine Heimat – das sind immer noch spezielle Spiele für mich.»  l

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Raiffeisen Super League

Ein emotion Sonntagserleb


Family Day

nales bnis Es ist einer dieser Tage, an denen man am liebsten daheim bleibt. Der Himmel ist grau, der erste Schnee in diesem Jahr fällt, vermischt teilweise mit Regen. Doch die Pflicht ruft – und FOOT reist an den Raiffeisen Family Day in Luzern, um das spezielle Angebot des Ligasponsors zu erleben. Zum Glück, wie sich ein paar Stunden später zeigt. Text: Andy Maschek Fotos: Martin, Meienberger, Andy Maschek

90 Minuten plus Nachspielzeit dauert die Anfahrt zum Brennpunkt dieses speziellen Tages, auf den sowohl die Eltern als auch die Kinder Noah (13) und Julia (9) sowie Nachbarsjunge Janosch (12) gespannt sind: nach Luzern, zum Raiffeisen Family Day. An diesem Nachmittag stehen sich der FC Luzern und die Young Boys gegenüber, der aktuell Vierte gegen den Dritten der Raiffeisen Super League. Der Spitzenkampf. Die Fahrt vom Wohnort im Zürcher Ober­ land zur Luzerner swissporarena mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist im Ticket inbegriffen, und die Reise mit der SBB ­verläuft äusserst angenehm. Während unter der Woche in den Stosszeiten Hochbetrieb und ein ständiger Kampf um Sitzplätze herrscht, sind heute mehr als genügend Plätze vorhanden. Es stimmt also: Der Kluge reist im Zuge ...

Ein fairer Preis

Mit den Family Days ermöglicht Raiffeisen, Hauptsponsor der Swiss Football League

und Titelsponsor der Raiffeisen Super League, Familien mehrmals pro Jahr in ­ unterschiedlichen Stadien ein Sonntags­ ­ erlebnis in einem emotionalen Umfeld, bei dem der Match die finale Krönung ist. Es ist ein Angebot zu einem sehr fairen Preis – zwei Erwachsene und drei Kinder kosten beispielsweise 109 Franken –, das an diesem zuerst noch tristen, ja garstigen Sonntag rege genutzt wird. 211 Familien besuchen den Event in Luzern, aufgeteilt in 346 Er­ wachsene und 426 Kinder. Punkt 14 Uhr öffnet vor der swissporarena das Herzstück des Family Days, das Village. Das Einchecken erfolgt so schnell und ­unkompliziert wie in einem Fünfsterne-Ho­ tel, gleichzeitig erhält man pro Person einen Bon für ein Getränk und etwas zu trinken, eine Family-Day-Fahne und kann sich bei den aufgelegten FOOT-Magazinen bedie­ nen. Eines dieser Magazine befasst sich mit Ricardo Costa, dem Innenverteidiger des FC Luzern. Ihn können die Fans an diesem Tag nicht bei der Arbeit sehen, da er ge­ sperrt passen muss. Dafür kommt er an ­diesem Nachmittag vor dem Match ins Villa­ ge und verteilt gemeinsam mit anderen

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Raiffeisen Super League Spielern Autogramme. Er signiert Magazine, Caps, Fahnen, Jacken und natürlich Auto­ grammkarten und posiert für Fotos und Selfies – immer mit einem Lächeln im ­ ­Gesicht, trotz der tiefen Temperaturen.

Spielen und gewinnen...

Die Kolonne vor dem Autogrammstand ist beachtlich lang. Vorwiegend Kinder warten da, teilweise begleitet von ihren Eltern. Es wird getuschelt und gefachsimpelt, die Auf­

Erinnerungsfotos für Familien.

regung ist spürbar. Ähnlich ist es bei den anderen Attraktionen im kleinen, aber feinen Village, wo es viele Sofortpreise von Raiffeisen und FCL-Partner CSS zu gewinnen gibt, von «we love football»-Caps über Kugelschreiber, Meisterpoka­ le als Schlüsselanhänger, Bags bis hin zu Fussbällen. Beim Glücksrad wird mitgefiebert, bei der Goalie-Challenge, wo es gilt, vir­ tuelle Bälle zu halten, kräftig hingelangt. Wer weiss, vielleicht hätte FCL-Goalie David Zibung, der sich in diesem Moment im ­Stadion in der Matchvorbereitung befindet, ja gar ein Talent entdecken können... Aufregung herrscht auch an der Foto­ station, wo Familien für Erinnerungsfotos posieren, die unmittelbar danach aus­ gedruckt und so sofort mitgenommen ­werden können. Besonders geduldig müs­ sen all jene Kinder sein, die sich einschrei­ ben, um den Hauptgewinn des Tages zu ergattern und davon träumen, gemein­ sam mit dem Schiedsrichter-Team vor dem Match in die swissporarena einzulaufen.

Begeisterung verbreiten

Dass nicht nur eingefleischte FCL- oder YBFans an diesem Family Day teilnehmen, zeigt sich bei den Interviews des VillageModerators. Immer wieder nimmt er Kinder zu sich und fragt sie, wem sie die Daumen drücken. Oft lauten die Antworten, die via Lautsprecher ins Village übertragen wer­ den: «Das ist mir egal, ich hoffe auf viele Tore!» Das Ziel des Events wird also erreicht: nicht nur eingefleischte Fussballfans, ­sondern auch die breite Masse anzuspre­ chen und die Begeisterung für den Fussball zu verbreiten.

«Der Family Day hat sich etabliert» Monika Schäfli, bei Raiffeisen Senior Beraterin Sponsoring, Fussball, ist seit dem ersten Family Day hautnah an ­diesem sympathischen Event dabei und kann ein positives Fazit ziehen.

Monika Schäfli, Senior Beraterin Sponsoring, Fussball

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Frau Schäfli, wann kam Raiffeisen auf die Idee, Family Days anzubieten? Bereits zu Beginn unseres Engagements war klar, dass wir Familien einen Mehr­ wert aus unserem Engagement bei der

Raiffeisen Super League bieten wollen. Der erste Family Day fand daher bereits am 28. Oktober 2012 statt. Wie hat sich dieses Angebot seither zahlenmässig entwickelt? Der Family Day ist auf 1000 Personen ausgelegt; sprich ungefähr 250 Familien. Die letzten Austragungen waren stets ausverkauft. Der Family Day hat sich etabliert und wir erhalten täglich E-Mails von Interessenten. Welche Feedbacks erhalten Sie von den Familien? Sehr positive, was uns natürlich freut und motiviert, dieses Angebot auch in Zukunft anzubieten. Nach dem Family Day in Luzern hat sich


Family Day Bei der Goalie-Challenge gilt es, virtuelle Bälle zu halten.

Der Regen hat aufgehört, dafür steigt die Spannung immer mehr. Bald ist es 16 Uhr, der Anpfiff rückt näher. Familien strömen in Richtung Stadion, lösen unter­ wegs noch die Verpflegungsbons gegen Hamburger, Würste, Mineralwasser oder Punsch ein und machen es sich dann auf den reservierten Plätzen im Stadion be­ quem. Die Sicht aufs Spielfeld ist perfekt, zusätzlich sind die umliegenden, weiss ­gezuckerten Berge immer wieder ein Blick­ fang. Die Vorfreude ist spürbar und wird während des Einmarschs der Gladiatoren, der Spieler der beiden Teams, mit dem Schwingen der «Family Day»-Fahnen rich­ tig ausgelebt. Das Spiel wird dann tatsächlich zum Sahne­ häubchen, der Spitzenkampf hält, was er im Vorfeld versprochen hatte. Intensive Zweikämpfe, spektakuläre Torszenen auf beiden Seiten, glanzvolle Paraden der Torhüter und insgesamt vier Treffer ver­ ­ süssen diesen Nachmittag. Das 2:2 am Ende ist gerecht und damit hatten am Schluss auch die jungen Fans beider Seiten recht, die auf der Tribüne immer wieder «Hopp

Lozärner, zeigets dene Bärner» oder «Eis, zwei, domino, d’Berner günned sowieso» schrien. Die beiden Teams sind auf dem Feld mit der Punkteteilung zufrieden, eben­ so die Zuschauer, die friedlich, aber glück­ lich das Stadion verlassen. Und für Julia,

beispielsweise eine Familie mit folgenden Worten bedankt: «Hallo Raiffeisen-Team, wir waren gestern Sonntag am Raiffeisen Family Day in Luzern. Es war ein super Tag für die ganze Family, toll orga­ nisiert, bequeme Anreise mit dem ÖV, tolle Spiele und Events im Camp, feine Gratis-Wurst und Getränk, super spannender Match (leider kein YB-Sieg)... dennoch einfach grossartig. Herzlichen Dank für euer Engagement.» Und von den Klubs oder den SBB, die in diesem Gesamtpaket auch integriert sind? Wir erhalten auch von dieser Seite positives Feedback. Da jeweils Familien aus der ganzen Schweiz anreisen, ist das für die SBB wie auch für die Klubs eine gute Sache. Das Ziel scheint klar: Fussball-Begeisterung verbreiten. Richtig?

Noah und Janosch ist auf dem Heimweg im Zug klar: «Das hat Spass gemacht, wir möchten bald wieder ein Fussballspiel ­besuchen!» Der Nachmittag hat also seine Spuren hinterlassen und den Slogan «we love football» lebendig gemacht. l Die problemlose Heimreise mit der SBB rundet den perfekten Tag ab.

Genau. Mit dem Family Day möchten wir Familien zu einem attrak­ tiven Preis einen spannenden Erlebnistag im Umfeld eines Fussball­ spiels bieten und so zusätzliche Zuschauer und neue Fans erreichen. Und welchen Nutzen erhofft sich Raiffeisen aufs Geschäft? Der Family Day trägt zu einer positiven und sympathischen Wahr­ nehmung unseres Fussball-Engagements und damit auch zu einem entsprechenden Image von Raiffeisen bei Familien und Kindern bei. Der Family Day ergänzt unsere Aktivitäten im Umfeld des Fussballs optimal. Nun kommt die Winterpause – gibt es auch in der Rückrunde ­wieder Family Days? Ja, ganz bestimmt. Unser Ziel sind zwei bis drei Family Days pro Jahr. FOOT 

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Brack.ch Challenge League

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Adrian Winter

«War mir nie für etwas zu schade» Adrian Winter fand das Glück unter der Sonne Floridas, aber er liess es aus privaten Gründen hinter sich. Da trifft es sich gut, dass die Rückkehr in die Schweiz für ihn bisher nahe der Perfektion verläuft. Text: Nicola Berger Fotos: Andy Müller, Daniela Frutiger

Fast wäre die Fussballerkarriere von Adrian Winter zu Ende gewesen, ehe sie richtig begann. Und das kam so: Winter ­ machte bei Red Star Zürich auf sich aufmerksam, es gab An­ gebote aus Kriens und Wohlen, der Offensivspieler hätte sie gerne angenommen. Doch die Eltern legten ihr Veto ein, ihnen erschien das Fussballgeschäft zu unsicher. Winter stand vor der Wahl: Entweder das Angebot ableh­ nen, eine Ausbildung absolvieren – oder den Bruch mit dem Elternhaus riskieren und ausziehen. Winter sagt, es sei ihm nicht ­einfach gefallen, das Nein zu akzeptieren, damals, in der Pubertät. Er schloss eine Lehre als Elektromonteur ab und heute lässt sich sagen: Fussballerisch mag der Umweg Winter zurückgeworfen haben, aber er war auch Lebensschule. Winter, 30, sitzt bei

einer Autogrammstunde im Fanshop des FC Zürich und sagt: «Jeden Tag ab 7 Uhr morgens arbeiten und am Abend ins Trai­ ning: Das war anstrengend, die Zeit hat mich Bescheidenheit gelernt.» Winter hat seine Wurzeln nicht ­vergessen, das ist ein Hauptgrund dafür, warum dieses Interview überhaupt so stattfindet, im De­ zember im kalten Zürich. Denn: Winter hat sich den Traum der Profikarriere ja doch noch ver­ wirklicht, nach der Lehre, und ­wegen einer Laune dieses Geschäfts landete er 2015 in der MLS, der Major Le­ ague Soccer. Im Orlando City SC zelebrierte er die Leichtigkeit des Seins, wirbelte der Rechtsaussen neben dem Brasilianer Kaka und etablierte sich als Stammkraft. Volle Sta­ dien, ein schönes Salär und jeden Tag Sonne: Man kann es schlechter treffen im Leben. Winter sagt: «Orlando war wundervoll. Ich habe das extrem genossen.» Sein Vertrag in der Metropole, bekannt für Disneyworld und

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Brack.ch Challenge League die Universal Studios, wäre bis 2018 gültig gewesen. Doch nach einem Jahr wurde das Arbeitspapier aufgelöst, auf Winters Wunsch, und aus familiären Gründen, zu ­denen er sich nicht weiter äussern will.

Wenn der Vater «hässig» wurde...

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Adrian Winter 64

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Dass er sich im Juli dem FCZ anschloss: Es ist kein Zufall. Da ist die geografische Nähe zu Thalwil, wo seine Eltern leben und wo er gross geworden ist. Da sind die Präferenzen des Vaters, einem langjährigen FCZ-Fan, der den Sohn nicht gerne in einem anderen Tenü gesehen hat. «Steihässig» sei der Vater jeweils gewesen, so erzählt es Adrian Winter, wenn er gegen Zürich einen Treffer erzielte. «Und das ist ab und zu vorgekommen.» Und dann ist da auch Uli Forte, der Trainer, der für Winter eine Art Mentor ist. Die Beziehung der beiden reicht weit zurück, bis in ­ den Amateurfussball bei Red Star Zürich. For­ te liess ihn einst während der Sommerferien mittrainieren, fünf Wochen lang, für Winter war die Einladung «das Grösste». Und als Winter seine Ausbildung beendet hatte, folg­ te er dem Coach nach Wil und später auch nach St. Gallen. Wäre es nach Forte gegan­ gen, dann hätte diese Beziehung später ihre Fortsetzung gefunden, bei den weiteren ­Stationen des Coachs: Bei YB und GC, beide Klubs unterbreiteten Winters damaligem ­Arbeitgeber Luzern ein Angebot, doch der FCL lehnte ab und Winter verliess den Klub 2015 ablösefrei. Wenn sich das alles verdäch­ tig innig, zu h ­ armonisch anhört, dann ist das richtig. Denn auch zwischen Forte und Winter kam es ­zwischenzeitlich zum Bruch. Im ­Winter 2010 war das; Winter hatte in Luzern unter­ schrieben und Forte von diesem Vorgang erst dann unterrichtet, als der Wechsel perfekt war. F ­orte schickte seinen Lieblingsschüler nach einigen Spielen in den Nachwuchs und wurde bald darauf entlassen. Eine Zeitlang herrschte Funkstille, zur Aussprache kam es erst, als beide nicht mehr in St. Gallen unter Vertrag standen. Winter sagt: «Ich würde das heute nie mehr so handhaben. Ich kann seine Enttäuschung verstehen.» Nationalität: Schweiz Position: Mittelfeld Geburtstag: 8. Juli 1986 Grösse: 178 cm Gewicht: 75 kg Vereine: FC Zürich, Orlando City SC, FC St. Gallen, FC Luzern, FC Wil 1900, Red Star ZH


Adrian Winter Dass die Differenzen heute vergessen sind: Es lässt sich fast jedes Wochenende beob­ achten, an Winters Spielfreude. Er war in der Vorrunde Zürichs bester und konstantester Spieler; in den ersten 18 Spielen gelangen ihm acht Tore und sieben Assists. Anhand seiner Qualitäten ist das keine Überraschung, aber kämpft er nicht hin und wieder mit ­Motivationsproblemen? Zumal in der Chal­ lenge League, einer Liga, die mit dem Gla­ mour der MLS Lichtjahre entfernt ist? Winter schüttelt den Kopf und sagt: «Ich war mir in meiner Karriere nie für etwas zu schade.» Und doch gibt es Dinge, die er bereut, die er rückblickend anders machen würde. Er sagt: «Als ich 2012 in die Nationalmannschaft ­aufgeboten wurde, dachte ich: Jetzt habe ich es geschafft, jetzt gehöre ich zu den TopShots. Dann habe ich es nicht geschafft, mei­ ne Leistungen zu bestätigen und mit Vollgas weiterzuziehen.» Winter hat sich oft gefragt, warum das so ist, er sagt: «Ich denke, das geschieht eher unterbewusst: Dass man ­ dann weniger opfert, weniger macht. Viel­ leicht ist das menschlich, oder schweizerisch. Aber mich ärgert diese verpasste Chance.» Womöglich hatte der Hänger auch etwas mit Luzern zu tun, oder besser gesagt: Mit dem verpassten Absprung vom FCL. Win­ ters Beziehung zum Sportchef Alexander Frei war, sagen wir, nicht nur harmonisch. Und spätestens nach der Entlassung seines

Förderers Carlos Bernegger im Oktober 2014 wollte Winter nur noch weg. Er sagt: «Die Luft war draussen, ich brauchte eine neue Herausforderung.» Er dauerte, bis er sie fand. Nach dem Ver­ tragsablauf in Luzern hielt er sich ein paar Tage im Camp für arbeitslose Fussballer in

«Als ich 2012 in die Nationalmannschaft aufgeboten wurde, dachte ich: Jetzt habe ich es geschafft, jetzt gehöre ich zu den Top-Shots. Adrian Winter über die verpasste Chance.

Dietikon fit. Er absolvierte ein Probetraining bei Darmstadt. Und dann kam: Orlando, eine Stadt, die für Winter zum Sehnsuchts­ ort geworden ist. Er schwärmt vom ame­ rikanischen Lebensentwurf, von der Offen­ heit der Menschen. Winter sagt: «Man kann die USA nicht mit der Schweiz vergleichen. Es gibt dort keinen Futterneid.» Wer Winter zuhört, kommt rasch zu diesem Schluss: Dass Winter gerne in die USA zurück­

kehren würde, irgendwann. Die Verbindungen hält er via Skype aufrecht, und im Herbst hat ihn der Sportdirektor Orlandos in Zürich besucht. Winter sagt: «Ja, ich könnte mir ­vorstellen, noch einmal in den USA spielen.» Vorerst aber gilt die Konzentration dem FCZ, wo sein Vertrag bis 2019 läuft. Winter hat grossen Anteil daran, dass Zürich sich so mühelos durch die Challenge League tanzt und bereits zur Halbzeit de facto als Auf­ steiger feststeht. Man fragt sich: Was wäre in der Super League möglich mit diesem Team? Winter sagt: «Wir stünden in den Top 4. Diese Mannschaft ist sehr, sehr gut.» Winter steht jetzt im FCZ-Museum, wo der Klub neben zahllosen Devotionalien auch die Trophäe des Cup-Siegs vom Frühjahr ausgestellt hat. Winter läuft am Pokal vor­ bei und sagt: «Den hätte ich auch gerne gewonnen.» Vermutlich würde das jeder Fussballer von sich sagen, aber bei Winter ist die Sehnsucht tiefer verwurzelt: Es ist ein Schönheitsfehler seiner Karriere, dass er noch keinen Titel ­gewonnen hat. Er würde das gerne im FCZ ­ändern; mit dem Stadtklub steht bald der Cup-Viertelfinal gegen Basel an. Doch sollte die nationale Dominanz des FC Basel weiter zu erdrückend sein, so bleibt immer­ hin dieser Ausweg: In der MLS gab es in den letzten fünf Jahren vier verschiedene Meister. l

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Was macht eigentlich…

Der beste Tran

André Muff hatte einst als Riesentalent gegolten. Doch die ganz grosse Karriere blieb dem Stürmer aus Luzern verwehrt. Heute hat der 35-jährige Familienvater sein Glück als Leiter des Verkaufsteams der AMAG Sursee und Trainer des SC Emmen gefunden. Text: Matthias Müller Fotos: Pius Koller, freshfocus

André Muff war einst eine grosse Nummer. Eine sehr grosse sogar. Als er 1999 als 18-jähriger bei GC in der NLA debütierte,

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sagte man ihm eine goldene Zukunft ­voraus. Muff galt damals als grosses Stürmertalent, das grösste im Lande. Und das notabene in einem Jahrgang, in dem auch ein gewisser Marco Streller oder ein Mladen Petric in den Startlöchern standen. Doch während die

beiden Letzteren grosse Karrieren machten, Titel gewannen und bis kürzlich noch aktiv auf dem Platz standen, hat Muff den gros­ sen Durchbruch nie ganz geschafft. Er spielte zwar für Grossklubs wie GC, Basel oder den FCZ – nur konnte er sich entweder nicht durchsetzen oder er verliess die Klubs zu früh wieder. 2009, nach sechs Transfers und zahlreichen Verletzungen, trat der Luzerner im Alter von nur 28 Jahren bei Concordia Basel in der Challenge League zurück. So bitter sich das nun auf dem Papier lesen mag, so locker nimmt es André Muff selbst. Auf die Frage, ob er mit seiner Karriere im Reinen sei, meint er schmunzelnd. «Ich habe mich das ehrlich gesagt gar nie so gefragt.


André Muff

nsfer Ich habe schon während meiner Zeit als Profi realisiert, dass das eine Lebensphase ist und dann eine andere kommen wird.» Tatsächlich gesteht sich der heute 35-Jährige zwar ein, dass mehr drin gelegen wäre­und dass er vielleicht zu wenig ehrgeizig ge­wesen sei. Doch Bedauern tue er nur eines: Dass er nicht mehr als zwei Länderspiele mit der ­Nationalmannschaft machen konnte. «Diese Zusammenzüge waren wirklich cool. Ich ­hätte so gerne öfters für die Nati gespielt.»

Die Augen schon auf dem Arbeitsmarkt

Dass André Muff ohne jegliche Verbitterung zurückblickt, mag wohl an seinem Charakter liegen, doch es hat wohl auch stark damit zu tun, dass er in seiner Karriere ­ lernen musste, mit Rückschlägen umzu­ ­ gehen und Dinge richtig einzuordnen. So hatte er den Entschluss zurückzutreten ­bereits 2008 gefällt, als er sich einer Knieoperation unterziehen musste. Zwar spielte er die Saison 2008/2009 zu Ende und schoss dabei in seinem letzten Spiel in der allerletzten Minute noch ein Tor – doch die Augen hatte er da schon längst auf den Arbeitsmarkt gerichtet. Über einen guten ­ Bekannten, der die AMAG-Filiale in Ebikon leitete, hatte der einstige KV-Absolvent die Chance erhalten, im Automobilgeschäft zu schnuppern. Und obschon er sich eigentlich zuvor nicht in diesem Bereich gesehen ­hatte, gefiel ihm, was er sah. So kehrte er nach einem Monat Ferien direkt in seine ­luzernische Heimat zurück, um seine neue Stelle als Autoverkäufer anzutreten. Das war auch insofern passend, als dass er und seine Frau bereits im Begriff waren, in der Region ein Haus zu bauen. Dass er damals auch ein klein wenig ein ­Risiko einging, war ihm wohl bewusst. Er hatte, wie zuvor im Fussball auch, aus dem Bauch entschieden. Nicht immer hatte er die richtige Wahl getroffen –  «etwa fiftyfifty», wie er schmunzelnd meint –, doch dieses Mal hatte es offensichtlich gut gepasst. Muff entsprach der Job. Nicht, weil er der geborene Verkäufer wäre, sondern weil er den Umgang mit Menschen schätzt. Ein 08/15-Computer-Job, das betont er, wäre

nichts für ihn. Er sagt: «In meinem Beruf kommen mir meine Erfahrungen aus dem Teamsport zugute. Dort musst du mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, ­ Erscheinung oder Qualitäten gemeinsam ­ an einem Strick ziehen, um ein Ziel zu er­ reichen. Das hat mich immer fasziniert.» So sehe er denn auch beim Verkauf nicht in erster Linie das Geschäft, sondern die ­Person und deren Interessen vor sich. Die Herausforderung liege darin, bei einem ­Gespräch die Emotionen hochzuhalten und zu spüren, in welche Richtung sich das Ganze bewegt. Weiter kommt ihm ent­ ­ gegen, dass er schon immer eine gewisse Affinität für das hatte, was er verkauft. Muff war zwar nie der Ferrari- oder Lamborghini-Fahrer, doch Autos hatten ihn schon früher interessiert. «Irgendwie», so meint er schliesslich, «wohnt uns Männern dieses Thema doch allen inne. Ja, ich er­ ­ kenne diese Faszination bereits ­ bei meinem anderthalbjährigen Sohn.»

Zum Schluss als Innenverteidiger

In diesem September hat André Muff nun den nächsten Wechsel hinter sich gebracht. Es war ein Aufstieg. Von der Filiale Ebikon wechselte er in die Filiale Sursee, wo er die Leitung des Verkaufsteams übernommen hat. Das wiederum beeinträchtigt aber sein Hobby: den Fussball. Obschon er vom Profisport Abstand genommen hat und kaum mehr in Stadien geht, investiert er nämlich immer noch viel Zeit in diesen Sport. Seit mittlerweile fünf Jahren trainiert er den ­regionalen Zweitligisten SC Emmen – den Klub, bei dem er einst das Fussball-ABC ­erlernt hatte. Das verlangt ihm drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche und einen Match am Weekend ab. «Momentan treten wir ein wenig auf der Stelle, aber wir spielen doch einen gepflegten Fussball», meint Muff, der 2009, nach seinem Rücktritt und vor seinem Trainerjob, auch noch selbst die Fussballschuhe für Emmen geschnürt hatte. Damals lief er übrigens als Innenverteidiger auf – eine Position, die er einst als Junior bekleidete, ehe er bei GC auf Geheiss von Erich Vogel zum Stürmer umgeschult wurde. Im Regionalsportteil der Neuen ­ ­Luzerner Zeitung sagte er 2011 einmal, dass das seine «richtige Position» sei. War André Muff also zehn Jahre auf der falschen Position? «Nein, nein», sagt er und lacht. Und eine kurze Denkpause später: «Ich bin keiner, der sich fragt, was gewesen wäre, wenn... Aber zugegeben, das würde mich interessieren: Was für eine Karriere hätte ich als Innenverteidiger gemacht?» l

André Muff galt in seinem Jahrgang als grösstes Sturmtalent der Schweiz.

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Nationalmannschaft

Die Wend Vier Spiele, vier Siege, verlustpunktloser Leader und auf bestem Weg, das Ticket für die WM 2018 in Russland zu lösen: Die Schweiz hat das Fussballjahr 2016 perfekt abgeschlossen, nachdem es sehr schwierig begonnen hatte. Text: Andy Maschek Fotos: Steffen Schmidt, Andy Müller, Marc Schumacher, Urs Lindt

233 Tage dauert die Spanne zwischen dem 25. März und dem 13. November dieses Jahres. Wenn man diese Dauer mit dem ­ Schweizer Nationalteam in Verbindung setzt, sieht man, wie nahe im Sport Erfolg und Misserfolg, Höhe- und Tiefpunkte, Zuversicht und Pessimismus sind. Und wie schnell und schön eine Wende passieren kann. Am 25. März startete die Schweiz auswärts in ihr Länderspieljahr, gegen Irland. Das Team von Vladimir Petkovic verlor mit 0:1 und zeigte eine schwache Leistung. Als dann auch noch die folgenden Tests gegen Bosnien (0:2) und Belgien (1:2) verloren ­ ­gingen, genoss die Nati nur wenig Kredit im Hinblick auf die EM in Frankreich. Unruhe machte sich breit, es wurde viel und mancherorts kritisiert, was auch Spuren ­hinterliess. So liess Nati-Goalie Yann Sommer bei einem Medientermin vor der EM Dampf ab und sagte: «Ich bin wütend und es nervt mich.» Dass in der Schweiz keine Vorfreude herrscht, könne er nicht nachvollziehen. «Man sollte doch endlich merken, dass sich alle auf diesen Top-Event freuen. Man sollte hören und lesen können, dass sich die Leute darauf freuen, denn wir freuen uns riesig», erklärte er. «Wir wissen auch, dass wir in den letzten Testspielen schlecht

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WM-Qualifikation

de ins Glück waren. Viele Spieler hatten wenig gespielt, kämpften gegen den Abstieg oder um einen Titel. Diese gemischten Gefühle sind damals in der Mannschaft aufeinandergeprallt.» Und: «Wir wissen, dass wir etwas zu korrigieren haben, aber wir können nur zusammen erfolgreich sein. Wir freuen uns riesig und es wäre schön, wenn sich die Schweiz mit uns auf die EM freuen würde.»

Eindrückliche Korrektur

Die Korrektur gelang den Schweizern schliesslich – und so wurde auch die Stimmung in der Schweiz zu einem ­ ­Steigerungslauf. An der EM erreichten die Schweizer den Achtelfinal und schieden ­gegen Polen erst im Penaltyschiessen aus, es war das bittere Out, obwohl man kein

Spiel v ­erloren und grösstenteils über­ zeugen, t­eilweise gar begeistern konnte. Dass dieses schmerzhafte Ausscheiden ­keine Spuren hinterlassen hatte, zeigte sich dann schnell. Der Start in die WM-Quali­ fikation gelang dank einem 2:0 daheim ­gegen Europa­meister Portugal perfekt, der ­folgende Sieg beim EM-Teilnehmer Ungarn war nicht weniger wichtig und könnte in der End­abrechnung Golf wert sein. Die restlichen Siege gegen Andorra (2:1) und die Färöer (2:0) kamen zwar nicht restlos überzeugend zustande. Aber: Sechs Punkte sind sechs Punkte, die Schweizer überwintern als Leader – und schlussendlich sollte man irgendwann auch zufrieden sein und das ­ Nörgeln lassen. Denn am Ende entscheidet im Fussball ja immer der Totomat...

Dank dem Sieg gegen die Färöer egalisierte die Schweiz den 45-jährigen Startrekord in eine WM- oder EM-Qualifikation. Mit vier Siegen waren sie letztmals 1970/1971 gestartet. Zudem verlängerten sie ihre beeindruckende Serie der Ungeschlagenheit in der WM-Qualifikation auf 22 Spiele. Es ist ein freudiger Abschluss eines Länder­ spieljahres, das schlecht begonnen hatte. «Wir dürfen stolz darauf sein, was wir in letzter Zeit geleistet haben. Wie wir aus schwierigen Situationen herausgekommen sind», sagte Trainer Vladimir Petkovic nach dem 2:0 gegen die Färöer. «Ich bin zufrieden, wie wir gearbeitet haben. Aber wir müssen noch besser werden.» Er verlangt mehr Hunger, Konzentration und Effizienz: «Wir müssen noch mehr Druck erzeugen,

Granit Xhaka: Der Arsenal-Söldner ist der unumstrittene Chef in der Schweizer Nationalmannschaft.

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winterwunderland Traumhafter Urlaub in der Heimat von Martin Schmidt, Trainer vom 1. FSV Mainz 05.


WM-Qualifikation noch mehr Gas geben, noch souveräner ­gewinnen. Solche Gegner müssen wir überrennen können.»

«Ich bin zufrieden, wie wir gearbeitet haben.

«Auf dem Boden bleiben»

Die Saat ist aber gelegt, die Schweizer ­können sich beruhigt in den Winterschlaf begeben – aber nicht zu selbstsicher. Denn: Geerntet werden kann erst im Oktober 2017, und bis dann, den finalen Highlights daheim gegen Ungarn und auswärts gegen Por­ tugal, muss das Ziel sein, die Quali-Spiele gegen Lettland (daheim und auswärts), die Färöer (auswärts), Andorra (daheim) und Lettland (auswärts) zu gewinnen. Wenn die Schweiz dies schafft, braucht sie zum ­Abschluss im schlechtesten Fall nur noch je ein Remis, um die Gruppe als Erster zu beenden, das direkte Russland-Ticket zu lösen und die nervenaufreibende und ­ ­gefährliche Barrage zu umgehen. Es sind Träume, die zeigen, wie schnell unsere Nati von den Sorgenkindern zu Hoffnungs­ trägern geworden sind, das weiss auch Petkovic, der sagt: «Wir müssen mit den ­ ­Füssen schön auf dem Boden bleiben.» Grund zur Zuversicht gibt die Tatsache, dass der Coach auf ein breites Kader zählen kann. Im Tor ist das Team mit Yann Sommer, Roman Bürki und Marwin Hitz bestens besetzt. Die Aussenverteidiger Ricardo Rodriguez und Stephan Lichtsteiner haben ihre Tiefs überwunden. Granit Xhaka ist im Mittelfeld der Chef und wird in dieser Rolle vom nimmermüden Kämpfer Valon Behrami ­ ­optimal unterstützt. Und in der Offensive verfügt die Nati mit Xherdan Shaqiri, Admir Mehmedi und dem zurzeit verletzten Breel Embolo über viel Talent und Potenzial.

Aber wir müssen noch besser werden.» Vladimir Petkovic zum bisherigen Quali-Verlauf.

Unsicherer ist die aktuelle Lage dagegen in der Innenverteidigung und in der Sturm­ spitze. Johan Djourou macht beim HSV sportlich schwere Zeiten durch und neigt bisweilen zu Aussetzern. Fabian Schär spielt in Hoffenheim – aus welchen Gründen auch immer – keine Rolle mehr und muss im ­Winter dringendst den Arbeitgeber wechseln, um nicht in den Teufelskreis der fehlen-

Der WM-Fahrplan Samstag, 25. März 2017 18.00 Uhr Schweiz – Lettland Freitag, 9. Juni 2017 20.45 Uhr Färöer – Schweiz Donnerstag, 31. August 2017 20.45 Uhr Schweiz – Andorra Sonntag, 3. September 2017 20.45 Uhr Lettland – Schweiz Samstag, 7. Oktober 2017 20.45 Uhr Schweiz – Ungarn Dienstag, 10. Oktober 2017 20.45 Uhr Portugal – Schweiz

Rangliste

Team

1. Schweiz

Sp. S U N Tore

P

4 4 0 0 09:3 12

2. Portugal

4 3 0 1 16:3

3. Ungarn

4 2 1 1 08:3 7

9

4. Färöer

4 1 1 2 02:8 4

5. Lettland

4 1 0 3 02:8 3

6. Andorra

4 0 0 4 01:13 0

den Spielpraxis zu geraten. Sturmspitze ­Haris Seferovic hat bei Eintracht Frankfurt keinen Stammplatz und glänzt derzeit auch nicht mit Treffsicherheit, dafür haben aber Eren Derdiyok und Valentin Stocker den Weg zurück gefunden, bei ihren Klubs Galatasary resp. Hertha Berlin wie auch im Nationalteam.

Eine Chance für Schneuwly?

Aber: Ein Torjäger im Stil eines Alex Frei wird immer noch vermisst. Wer weiss, vielleicht bekommt ja Luzerns Marco ­ Schneuwly doch mal noch eine Chance in der Nati, so wie es sein Klubtrainer Markus Babbel immer wieder fordert: «Mich hat es sehr gewundert, dass er an der EM nicht dabei war und jetzt auch wieder nicht», ­ sagte Babbel unlängst Zentralplus. «Ich ­ finde das sehr, sehr suspekt, dass es für ­ einen Spieler wie Schneuwly nicht ins ­ Schweizer Nati-Kader reicht. Marco weiss, wo das Tor steht. Er hat diesen Riecher. Das kannst du eigentlich nicht lernen.» 199 Tage beträgt nun die Zeitspanne zwischen dem nächsten (am 25. März 2017) und dem letzten Spiel (am 10. Oktober 2017) dieser WM-Kampagne. 199 Tage, die einmal mehr über die Stimmung in der Fussball-Schweiz entscheiden – hoffentlich positiv. l

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Top-Transfers

 Und täg 

Hammerlose für die Basel-Bezwinger Arsenal und Paris Saint-Germain (im Bild Granit Xhaka und Hatem Ben Arfa). Der FC Arsenal trifft auf ­Bayern München, den Franzosen wurde der FC Barcelona als Gegner zugelost.


Champions League Achtelfinals

glich grüsst das Murmeltier Die europäischen Wettbewerbe werden im kommenden Jahr leider ohne Schweizer Klubs fortgesetzt. Spannung und Spektakel sind für alle Fussballfans aber dennoch garantiert – zumal mit Granit Xhaka ein Schweizer ein Hammerlos erwischte. Text: Andy Maschek Fotos: Fred/Presse Sports/freshfocus, Matthew Ashton/ AMA/freshfocus, VI Images/freshfocus, Andy Müller

Am 12. Dezember wurde in Nyon die K.o.Phase der Champions League durch OranjeLegende Ruud Gullit ausgelost. Und da ­stechen vor allem zwei Paarungen ins Auge: Der FC Bayern München empfängt Arsenal, Paris Saint-Germain bekommt es mit dem FC Barcelona zu tun. Es sind zwei Duelle, die es in den letzten Jahren immer wieder gab. Kein Wunder, gab es in den sozialen Medien zahlreiche Anspielungen auf «Und täglich grüsst das Murmeltier», den Kultfilm von 1993, in dem Comedy-Legende Bill Murray ein- und denselben Tag immer und immer wieder erleben muss. Bayern und Arsenal trafen bereits in den Achtelfinals der Saisons 2004/2005, 2012/ 2013 und 2013/2014, dabei konnten sich ­immer die Münchner durchsetzen. Letztes Jahr stand man sich in der Gruppenphase gegenüber, dabei gab es in den direkten Duellen jeweils einen Heimsieg (2:0 für Arse­ nal, 5:1 für Bayern). Und: Die Bilanz ­gegen die Gunners ist positiv: Von bislang zehn Spielen in der Königsklasse gewann der FCB fünf, zwei Mal gab es ein Remis und drei Mal gewannen die Londoner.

Bayern mit Respekt

Auf dem Papier gehört also die Favoritenrolle den Bayern, in der Praxis ist dies in dieser

­ aison aber nicht wirklich klar. Während die S Londoner oft brillieren, waren die Münchner unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti in der Vorrunde national und international weit weniger dominant als in früheren Jahren. «Das werden zwei sehr interessante Spiele, auf die ich mich jetzt schon freue. Ich habe Vertrauen in meine Mannschaft und hoffe, dass wir die Viertelfinals erreichen. Dazu müssen wir uns im Hinspiel in der Allianz Arena aber eine gute Ausgangslage für das Spiel in London schaffen», sagt Ancelotti. «Arsenal hat derzeit eine sehr gute Mannschaft und einen Trainer, den ich schätze. Die Londoner stehen in der Premier League aktuell prima da. Es wird ­ schwierig, aber ich bin zuversichtlich.» Für Goalie Manuel Neuer ist das Los eine interessante und schwierige Aufgabe: ­ «Wir kennen Arsenal sehr gut aus den vergangenen Jahren, wir haben ja öfters gegen Die Achtelfinal-Hinspiele: Dienstag/Mittwoch, 14./15. Februar Paris Saint-Germain – Barcelona Benfica Lissabon – Borussia Dormund Real Madrid – SSC Neapel FC Bayern München – FC Arsenal Bayer Leverkusen – Atlético Madrid Manchester City – AS Monaco FC Porto – Juventus Turin FC Sevilla – Leicester City FOOT  73


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Champions League sie gespielt, zwei Mal auch schon im Achtel­ final. Da haben wir gute Erfahrungen gemacht und uns durchgesetzt. Arsenal ist eine spielstarke Mannschaft und ich schätze sie aktuell stärker ein als in den Jahren ­zuvor.» Und Angreifer Thomas Müller meint: «Keine Frage, Arsenal ist eine schwierige ­Aufgabe. Da treffen zwei europäische Top-Klubs aufeinander, aber am Ende wird sich hoffentlich der FC Bayern durchsetzen.»

Lionel Messi, mit 10 Treffern bester Torschütze der aktuellen Champions League-Saison, will auch im im Achtelfinal gegen Paris wieder treffen und jubeln.

Angriffiger Özil

Mit Özil, Mustafi und Mertesacker stehen drei aktuelle oder ehemalige deutsche Nationalspieler in Arsenals Kader, was nach der Auslosung natürlich zu verbalen Duellen führte. «Ok, once again», liess Mesut Özil via Twitter verlauten und schickte noch einen Giftpfeil in Richtung Bayerns Jérôme Boateng: «Jetzt sind wir mal an der Reihe, Bro». Der Verteidiger wehrte allerdings auch diesen verbalen Angriff gekonnt ab und konterte: «Hast du das nicht schon beim letzten Mal gesagt?» Für die Bayern, die nur als Gruppenzweite die Achtelfinals erreichten, ist Arsenal zwar ein hartes, aber durchaus auch machbares Los. Immerhin konnten sie so auch dem FC Barcelona aus dem Weg gehen, den wohl die meisten Klubs fürchteten. Erwischt hat es schlussendlich Paris Saint-Germain; die Franzosen wurden so für ihr Heim-Remis im letzten Spiel der Gruppenphase gegen Ludogorets Razgrad und das Verpassen ­ des Gruppensiegs hart bestraft.

Barça mit PSG-Hattrick?

Auch bei diesem Duell grüsst das Murmeltier. Bereits zum dritten Mal in den letzten fünf Spielzeiten kommt es zu dieser Paarung in der K.-o.-Runde. Barcelona setzte sich in den ersten beiden Begegnungen

Florentin Pogba

durch. Im Viertelfinal 2014/2015 gewannen die Spanier nach Hin- und Rückspiel mit 5:1 (3:1 auswärts – 2:0 zuhause), nachdem man in jener Saison bereits in der Gruppenphase das Vergnügen miteinander gehabt hatte. Beide Teams gewannen ihr Heimspiel: Paris feierte einen 3:2-Erfolg, Barcelona kam zu einem 3:1 in Spanien. Und im Viertelfinal 2012/2013 gab es ein 2:2 im Hinspiel in Frankreich, nach einem 1:1 zuhause erreichten die Katalanen die nächste Runde. Logisch, dass Barcelona als Favorit und mit breiter Brust in diesen Achtelfinal geht, auch wenn Vizepräsident Jordi Mestre schon fast auf Understatement macht und sagt: «PSG ist eine alte Bekannte, eine Mannschaft, die immer schwer zu spielen ist. Bis jetzt haben wir Erfolg gehabt, aber jedes Jahr ist anders. Der Trainer kennt uns und die spanische Liga sehr gut.»

Trainer Emery als Trumpf?

Der spanische Trainer Unai Emery könnte denn in den Achtelfinals auch der Schlüssel für PSG sein. Er kennt einerseits die spanische Liga und Barça sehr gut und hat in den letzten Jahren mit dem FC Sevilla auf dem internationalen Parkett für Aufsehen gesorgt und die Spanier zu historischen drei Europa League-Triumphen in Serie geführt. Wohl auch aus diesem Grund, mit dem ­Vertrauen in die Fähigkeiten des Trainers, geben sich die Franzosen vor dem Duell mit dem FC Barcelona selbstbewusst. «Wir haben schon oft gegen Barcelona gespielt und es waren immer tolle Partien. Wir­ haben eine Menge Qualität. Barcelona weiss, dass dieses Spiel kein Spaziergang werden wird», sagt PSG-Sportdirektor ­Patrick Kluivert, der von 1998 bis 2004 für Barcelona spielte. l

Duell der Pogba-Brüder Nach einer enttäuschenden Champions League-Kampagne und dem vierten Gruppenplatz verpasste der FC Basel auch die K.o.-Phase der Europa League. Die Young Boys und der FC Zürich konnten in der Europa League zwar vereinzelt Glanzpunkte setzen, verpassten die nächste Runde aber ebenfalls. So schwach waren die Schweizer Klubs im Europacup seit acht Jahren nicht mehr. So hielt sich denn auch das Interesse an der Auslosung der nächsten Europa League-Runde in der Schweiz in Grenzen. Ein Duell springt nun dennoch ins Auge: Manchester United gegen AS Saint-Étienne mit dem Schweizer Nationalverteidiger Léo Lacroix. Denn da kommt es zum Duell der Pogba-Brüder Paul und Florentin. Abwehrspieler ­Florentin ist rund drei Jahre jünger und bei weitem nicht so wertvoll wie Mittelfeldspieler Paul, der im Sommer für 105 Millionen Euro von Juventus Turin zu United gewechselt war. «Ein gutes Los», meinte ManU-Trainer José Mourinho nach der ­Auslosung. «Paul lachte, als er vom Gegner hörte und sein Bruder lacht ganz ­bestimmt auch. Es passiert ja nicht alle Tage, dass man in einem solchen Wett­ bewerb gegen seinen Bruder spielt, das ist doch eine schöne Sache...» Bei aller ­Vorfreude gilt aber auch hier die Regel: Wer zuletzt lacht, lacht am besten... l

Paul Pogba

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Die Herkunft

Karim Benzema wurde in Lyon als Sohn von ­Eltern mit algerischer Abstammung geboren, seine Wurzeln liegen wie jene Zinédine Zidanes in der Kabylei, einer der ärmsten Regionen Al­ geriens. Er wuchs in einem Vorort von Lyon auf und begann beim lokalen Klub mit dem Fuss­ ball. Nachdem er zwei Tore für die U10 seines Heimatvereins gegen Olympique Lyon schoss, wurden Scouts des Top-Klubs auf ihn aufmerk­ sam und verpflichteten ihn. Wie üblich spielte der junge Benzema nicht nur für die Jugend­ teams von Olympique, sondern stand als Ball­ junge bei Profi-Spielen auch am Spielfeldrand.

Die Familie Ende der 1950er Jahre verliess Karims Gross­ vater Da Lakehal Benzema die Stadt Tighzert in Algerien und suchte mit seiner Familie das Glück in Lyon. Karims Vater Hafid wurde noch in Algerien geboren, seine Mutter Wahida in Lyon. Karim war das siebte Kind der Familie und hat drei Brüder und sieben Schwestern. Seine Brüder Gressy und Sabri sind auch Fuss­ baller, spielen allerdings nur in Amateurligen. Im Januar 2014 wurde Benzema erstmals Vater, Bilder von sich und seiner Tochter Mélia zeigt er immer wieder in den sozialen Medien.

Olympique Lyon Als Benzema zu den Profis von Lyon kam, traf er auf Spieler wie Essien, Abidal oder Malouda. Diese Kicker machten einige Witze, die Benze­ ma forsch unterbrach, indem er sagte: «Lacht nicht – ich bin hier, um euren Platz einzu­ nehmen.» In dieser Zeit hat er sich enorm ­ent­wickelt. So soll er vor dem ersten Training mit den Lyon-Profis noch vor der verschlosse­ nen Kabinentür gestanden und sich nicht ein­ mal getraut haben, anzuklopfen. Irgendwann öffnete sie jemand von innen, und erst da trat er ein. Benzema spielte schliesslich bis 2009 bei Lyon, wurde viermal Meister, Cupsieger, gewann den französischen Supercup, wurde Torschützenkönig und Spieler des Jahres.

Karim Benzema

Nationalität: Frankrei ch Position: Sturm Geburtstag: 19. Deze mber 1987 Grösse: 187 cm Gewicht: 79 kg Vereine: Real Madrid, Olympiqu e Lyon

Karim Benzema (Real Madrid) unter der Lupe


Real Madrid

Im Juli 2009 wechsel te Benzema mit einem Sechsjahresvertrag zu Real Madrid, die Trans­ fersumme belief sich au f 35 Mio. Euro. In den Saisons 2009/2010 un d 2010/2011 stand er überwiegend im Schatte n seiner Mannschafts­ kameraden Cris­ tiano Ronaldo und Go nzalo ­Higuain. Erst in der Rück runde 2010/2011 wuss­ te er erstmals konstan t zu überzeugen, nach ­ dem er durch einen Ba ndscheibenvorfall Higu­ ains dessen Stammplatz im Sturm eingenommen hatte. Zudem soll er da mals vor der Saison ein e Klinik besucht haben, um Gewicht zu verlieren, da ihm immer wieder ein zu stämmiger Körper­ bau unterstellt worden war. Mit Real gewann er zweimal die Champio ns League, einmal die ­spanische Meisterschaft , je zweimal den spani­ schen Cup und den UE FA-Supercup sowie die Klub-WM. Sein Vertrag läuft bis 2019, allerding s wird er immer wieder mit anderen Klubs in ­Verbindung gebracht, zu letzt mit Arsenal.

Nationalteam

Seinen ersten Erfolg feiert e Karim Benzema 2004 mit der französischen U17 mit dem Gewinn der Heim-EM. Am 28. März 2007 gab er dann sein Debüt im A-Nationalte am; beim 1:0-Sieg über ­Österreich erzielte er de n einzigen Treffer des Spiels. Bei der EM-Endru nde 2008 gehörte er zum französischen Aufge bot, konnte aber keine Akzente setzen. Für die WM 2010 wurde er von Raymond Domenech na ch einer schwachen Sai­ son bei Real nicht aufge boten. Beim Neuaufbau unter Laurent Blanc wa r er wieder dabei und nahm an der EM 2012 tei l, wo die Franzosen im Viertelfinal an Spanien scheiterten. An der WM 2014 wurde er gegen Ho nduras und gegen die Schweiz zum «Man of the Match» geehrt, es war die bislang wohl stärks te Phase seiner Nationa l­ spielerkarriere, die wege n einer Sexvideo-Affäre 2015 ein (vielleicht vorlä ufiges) Ende fand.

Diverse Skandale

Die Skandal-Liste von Karim Benzema ist lan g. 2010 sorgte er gemeins am mit Bayerns Franck Ribéry für Schlagzeil en, als er die Diens te einer minderjährigen Prostituierten in An­ spruch nahm, später wu rde er von der Polizei gestoppt, nachdem er mit 216 Stundenkilome­ tern durch eine Temp o-100-Zone gerast wa r. Und er wurde in Madri d auch schon mehrmals erwischt, als er ohne gültigen Fahrausweis ­unterwegs war. Es fol gte zuletzt der Skanda l um eine Verwicklung in die Erpressung seines Nati-Kollegen Mathieu Valbuena mit einem Sex-Video samt Verba nnung aus der Équipe Tricolore für die Heim -EM 2016. Mittlerweile wurde die Sperre gege n ihn zwar aufgehoben, aber Nationalcoach Did ier Deschamps hat ihn bisher noch nicht wied er aufgeboten.


Impressum

Das Fussball-Magazin der Schweiz

91. Minute

Märchenhaft gehext...

7. Jahrgang, 2016 / 2017

Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 12. Dezember 2016 Herausgeber: IMS Sport AG FOOT-Magazin: IMS Sport AG Gartenstadtstrasse 17, Postfach 603 3098 Köniz Telefon: 031 978 20 20 Telefax: 031 978 20 25 ims@ims-sport.ch Verlagsleitung: Michel Bongard Telefon: 031 978 20 31 michel.bongard@ims-sport.ch Anzeigenleitung: Fabian Furrer Telefon: 031 978 20 35 fabian.furrer@ims-sport.ch Publizistischer Leiter: Andy Maschek Telefon: 031 978 20 55 andy.maschek@ims-sport.ch Textmitarbeiter: Matthias Müller, Nicola Berger, Peter Eggenberger Fotos: freshfocus, Pius Koller, zVg. Vorstufe: IMS Sport AG Gartenstadtstrasse 17, 3098 Köniz Layout/Litho: Ralf Küffer, Roger Depping Druck: Stämpfli AG Wölflistrasse 1, Postfach 8326 CH-3001 Bern Telefon: 031 300 66 66 © Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unverlangte Zusendungen wird von der Redaktion und dem Verlag jede Haftung abgelehnt. Auflage: ø 18 000 Exemplare, bei zusätz­ lichen saisonalen Mehrauflagen 25 000 Exemplare Abonnement: Abonnementspreis Inland CHF 65.– Abonnementspreis Ausland CHF 85.– Schnupperabo (3 Ausgaben, Inland)CHF 15.– 9 Ausgaben pro Kalenderjahr Abonnementsbestellungen /  Adressänderungen: FOOT (ehemals EuroSoccer), Industriestrasse 37, 3178 Bösingen Telefon: 031 740 97 99 Telefax: 031 740 97 76 abo@footmagazin.ch Einzelverkauf: FOOT ist an über 1000 Verkaufsstellen für CHF 7.50 erhältlich.

Knapp 15 Jahre alt war Stefan Frei, als sein Leben eine Wende nahm, eine mit Folgen. Sein Vater trat damals in den USA einen Job an und so verliess die Familie Frei das St. Galler Rheintal und wanderte nach Kalifornien aus. Für Stefan war dies alles ­ ­andere als einfach, schliesslich war er fussballerisch auf dem besten Weg, spielte im Nachwuchs des FC St. Gallen und hatte als Goalie in der Schweizer U15-Nati ­debütiert, stand u.a. gemeinsam mit Tranquillo Barnetta und Reto Ziegler im Team. «In den USA musste ich wieder von vorne anfangen. Es war ein enormer Kulturschock», sagte Frei später gegenüber der «NZZ». Sein Leben änderte sich zwar, nicht aber die Liebe zum Fussball. Und auch der Traum, Profi zu werden, erfüllte sich. Via High School und College arbeitete er sich in die MLS hoch, 2009 wurde er von Toronto ­gedraftet, 2013 von der kanadischen Metropole nach Seattle getradet, nachdem er bei den Kanadiern nicht mehr erwünscht war, unter anderem wohl, weil er wegen eines Wadenbeinbruchs monatelang ausgefallen war. Und dieser Transfer war rückblickend wahrscheinlich sein Glück.

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Im MLS-Final traf Frei mit Seattle nun auswärts auf seinen ehemaligen Klub Toronto. Es war wegen der sportlichen Bedeutung, aber auch emotional ein spezielles Spiel für den 30-Jährigen, zumal er in Toronto auch seine Frau kennengelernt hat. Und in diesem Final gehörte ihm in Hollywood-Manier die Hauptrolle. In der regulären Spielzeit und in der Verlängerung bewahrte Frei sein Team mehrmals vor einem Rückstand. Seine einhändige Parade in der Overtime bezeichnete «Sports Illustrated» gar als die beste Parade in der Geschichte der MLS. Nach 120 Minuten stand es so 0:0. Im Penaltyschiessen parierte Frei den Versuch von Michael Bradley­ . Später schoss Torontos Justin Morrow an die Latte und verhalf damit dem Aussenseiter zum grössten ­ Triumph der Klubgeschichte. Am Ende ­ ­wurde Frei, ein Cousin zweiten Grades von Alex Frei, zum wertvollsten Spieler der ­Partie ­gewählt. «Das ist etwas, bei dem du ein Teil davon sein willst. Wir haben Sounders-­ Geschichte geschrieben», sagte der Hexer über das Happy-End. «Es ist mir egal, wo es passiert ist. Für mich hätte es irgendwo ­geschehen können.» l

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