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Ausgabe

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Das Fussball-Magazin der Schweiz

Okt.  / Nov. 2016

CHF 7.50

FCB-Stürmer Seydou Doumbia

«Bin ein Abenteurer» Neustart

Mickaël Facchinetti geht in Thun in die 2. Halbzeit

Kampfgeist

Die bewegte Karriere von FCL-Stürmer Tomi Juric

Überflieger

Luganos Ezgjan Alioski ist der Mann der Stunde


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Editorial

Die gute Mischung... Erfolgreiche Fussballteams verfügen über eine gute Mischung. Spieler mit Erfahrung führen die Jungen. Die Stars können die Prise Genialität ­einbringen, die harten Handwerker bilden das Fundament, die kaltblüti­ gen Stürmer sorgen für den Unter­ schied – und nicht selten springen Spieler ins Rampenlicht, die zuvor fast keiner auf der Rechnung hatte. Solche Spielertypen nehmen wir in diesem Magazin unter die Lupe. Zum Beispiel Seydou Doumbia. Der Stürmer von der Elfenbeinküste kam einst mit 20 Jahren in die Schweiz und schoss sich in Bern in den KultStatus. Nur zum Gewinn eines Titels reichte es nicht. Mit ZSKA Moskau, dem Klub, zu dem er vor sechs ­Jahren von YB weitergezogen war, gewann er dann Meisterschaft und Cup. Der 28-Jährige weiss also, was es für Erfolge braucht. Und will nun in der Schweiz mit dem FCB nach­ holen, was ihm trotz 30 Toren in ­einer Saison in Bern verwehrt ge­ blieben war. Auf die Frage, ob auch in dieser Meisterschaft 30 Tore mög­ lich sind, antwortet Doumbia, der zuletzt in Italien und England harte Zeiten erlebt hatte, lächelnd: «Ich denke schon. Wir haben viele Spiele und alles ist möglich.» Eine Prise Genialität zeigte in dieser Saison auch schon der Däne Lucas Andersen, der neu bei GC angeheu­ ert hat. Er ist ein feiner Techniker, der in der Offensive für Kreativität

sorgen kann. Trotz der erst 22 Jahre steht schon der Gewinn der hollän­ dischen Meisterschaft mit Ajax in seinem Palmarès. Nun sucht er, nachdem er bei Ajax nicht mehr glücklich war, bei GC eine neue He­ rausforderung und sagt: «Wenn ich zeigen kann, wie gut ich zu sein glaube, ist ein Top-Klub realistisch.» Während Andersen im frühen Stadi­ um seiner Karriere steht, befindet sich YB-Verteidiger Alain Rochat mit seinen 33 Jahren im Spätherbst. Bei den Bernern, bei denen es zu­ letzt mit der Trennung von CEO Alain Kappeler und Sportchef Fredy Bickel neben dem Rasen turbulent zu und her ging, ist er in dieser ­Saison eine fixe Grösse. Rochat sagt: «Es ist geil, ständig im Einsatz zu ­stehen. Für einen älteren Spieler wie mich ist dies das Beste, ein super Rhythmus.» In diesem Magazin erfahren Sie aber u.a. auch mehr über den Trainer Peter Zeidler, neuen Sion-­ über den Neo-­Thuner Mickaël Fac­ ­uganos Shootingchinetti, über L Star Ezgjan Alioski, über Luzerns Tomi Juric oder über Rémi ­Gomis, dem neuen Star in der Brack.ch Challenge League. Wir hoffen, diese Mischung stimmt für Sie. Wir wünschen Ihnen viel Spass bei der Lektüre und weiterhin viele spannende Fussball-Momente.

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Champions League in Er hat schon Auftritte in der lubs wie Barcelona und Paris den Beinen, gegen Top-K rtitel stehen in seinem Meiste Zwei in. Germa SaintAjax Amsterdam. Dabei ist Palmarès, gewonnen mit alt – und will seiner Lucas Andersen erst 22 Jahre verleihen. Karriere bei GC neuen Schub Ball geschenkt. er auch schnell einen Fussballklub bei, Bald trat er dem lokalen zu Aalborg BK Aalborg Freja, ehe er später stetig aufwärts mit wechselte. Dort ging es diean Andersen mit dem Fussmal Lucas Leger schlendert ihm, er kam seinem Ziel, ttag über den GC/ , immer näher. sem Spätsommernachmi ball sein Leben zu verdienen Hand hält er seine bereits so weit. Campus. In der einen 5. März 2011 war es dann Am er prellt anderen Jahren, 5 Monaten Fussballschuhe, mit der Im zarten Alter von 16 Zufrieversprüht für Aalborg in und er e lächelt einen Ball. Er und 20 Tagen debütiert Möglicherweise, s. Mit seinem denheit und gute Laune. der höchsten Liga Dänemark seinen 22. GeburtsAalborg-Spieler weil er am anderen Tag Einsatz war er der jüngste inlicher aber, weil so einen Eintrag in tag feiern wird, wahrsche seit 1922 und erhielt vierfachen pers gut gefällt. des Grasshop den sbüchern bei es ihm den Geschicht Schuhe fürs bevorMeisters. Er sagt, während er die dänischen «Eine schöne damals also irgendstehende Training schnürt: Lucas Andersen schien eine schöne Natur ganz schnell und Stadt, gutes Wetter, wie frühreif, es ging alles es wirklich hier.» aufwärts. Der Richtung: eine in rundherum. Ich geniesse vor allem lebt und arbeitet der Wechsel zu Seit einigen Wochen nächste Schritt war dann also in Zürich. 2012 war das, Lucas Andersen nun Ajax Amsterdam. Im Sommer hat ihn mit g. In diesem Der Grasshopper Club kurz vor seinem 18. Geburtsta ausgestatbraucht Mut. einem Vierjahresvertrag Alter die Heimat zu verlassen mit seiner der Offensivspieler tet und verfolgt auch «Ja, das war früh», sagt auf Kurs, neuen wenn man eine Verpflichtung den denn auch selber. «Aber Denn mit Klub mit diesem , bekommt junge Spieler zu setzen. Chance bei Ajax ja noch man sie einfach 22 Jahren ist Andersen dieser Geschichte, muss er schon eine immer jung, auch wenn packen.» sich hat und rasante Aufstieg bewegte Kariere hinter In Holland wurde der Klubs in der ersten gestoppt, in Spielen gegen namhafte etwas natürlich vornehmlich in der zaubern durfte. Saison wurde Andersen eingesetzt, nur elf zweiten Mannschaft sind da in seiner Rasanter Aufstieg Minuten in der Eredivisie ganz früh, damals in folgenden Jahr mehrAngefangen hat alles Statistik zu finden. Im 112 000 Zuschauern auch Auftritte in der Aalborg, der mit rund ten sich die Einsätze, im Schon s. Europa League geviertgrössten Stadt Dänemark dem Fuss Champions und in der mit er trat Celtic Glasgow Jahren Mailand, drei AC Alter von gen Teams wie , erzählte ihm später wurden ihm genach allem Möglichem oder Red Bull Salzburg der Fussball also in Jahren sicherte sich sein Vater. Lucas muss währt. In diesen zwei – und so bekam den Genen gesteckt haben

Text: Andy Maschek Sandro Stutz Fotos: Christoph Kaminski,

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Anpfiff

Titelstory Seydou Doumbia, FC Basel

Nach Jahren in der Fremde will der Stürmer von der Elfenbeinküste auch in der Schweiz Meister werden.

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FC Sion

Trainer Peter Zeidler kann im Wallis zwei Lieben kombinieren: den Fussball und die französische Sprache.

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FC Thun

Mickaël Facchinetti, Enkel des legendären Gilbert Facchinetti, will in Thun seine Karriere neu lancieren.

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José Mourinho: Werbespot mit dramatischem Aufruf Manchester-United-Trainer José Mourinho richtet sich im neuen TV-Spot von Heineken an alle Fussballfans weltweit. Der Spot von Heineken Prep Talk zeigt den zweifachen Sieger der Uefa Champions League und wurde vom preisgekrönten Regisseur Guy Ritchie gedreht. Der Werbespot ist Teil der Heineken-Kampagne «Champion the Match» und wird seit ­Beginn der Saison 2016/2017 im Fernsehen sowie auf digitalen Kanälen gezeigt. Im Spot ruft der Portugiese Fans auf der ganzen Welt begeistert zu einer gemeinsamen Aktion auf, die darin besteht, sich auf die Spiele am Abend vorzubereiten – wo immer sie auch sind und egal in welcher Zeitzone. «Inspiration ist manchmal einfach nötig – und wer kann dies besser als José Mourinho?», wird Gianluca Di Tondo, Senior Director Global Heineken Brand, in der offiziellen Mitteilung zitiert. Die Aufnahmen für Prep Talk seien eine neue und sehr ­positive Erfahrung gewesen, äussert sich Mourinho zum Engagement. Guy Ritchie sei ein l guter Coach und habe definitiv das Beste aus ihm rausgeholt.

Grasshopper Club Zürich

Der Däne Lucas Andersen hofft, in ­Zürich den Zwischenschritt auf dem Weg in eine grosse Liga zu machen.

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BSC Young Boys

Alain Rochat will die Geschichte zu Ende schreiben, die er 2002 in Bern begonnen hatte.

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FC Luzern

Die Karriere des Australiers Tomi Juric zeigt, dass es sich lohnt, für ­ ­einen Traum zu kämpfen.

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FC Lugano

Ezgjan Alioski ist in der Raiffeisen Super League der Mann der Stunde – hebt deswegen aber nicht ab.

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FC St. Gallen

Kofi Schulz spielte einst mit Jérôme Boateng, geniesst die Ostschweiz und träumt von der Bundesliga.

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FC Wil

Nach drei persönlich schwierigen Jahren will Rémi Gomis mit dem FC Wil Erfolge feiern.

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INTERNATIONAL Nationalteam

Nach dem Durchbruch bei GC und dem Transfer zu Everton ist Shani Tarashaj nun bei Eintracht Frankfurt gelandet.

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Was macht eigentlich...

Ex-Nationalspieler Mauro Lustrinelli arbeitet in seiner zweiten Heimat Thun an seiner zweiten Karriere.

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Das Titelbild ­dieser Ausgabe Bei den Young Boys war Seydou Doumbia einst ein Held. Nun ist er nach Jahren in Russland, Italien und England zurück in der Schweiz und stürmt für den FC Basel. Der Mann von der Elfenbeinküste will mit den Bebbi den ersten Meistertitel in sein Schweizer Palmarès einfügen und auch auf der ­europäischen Bühne glänzen. Ob er länger hier bleibt? Das scheint nicht ausgeschlossen, auch wenn er während des Foto-Shootings an der Birs erklärte: «Ich bin ein Abenteurer.»


Anpfiff

Inler vom Leiden erlöst Ex-Naticaptain Gökhan Inler hat schwere Zeiten hinter sich. Ein Jahr stand er in der Premier League bei Leicester City unter Vertrag und konnte sich am Ende auch als Meister feiern lassen. Nur: Sein Beitrag zu diesem Titel war gering, lediglich in fünf Meisterschaftsspielen kam er insgesamt 195 Minuten zum Einsatz. Die Folge: Er ­verschwand in der Anonymität, verlor seinen Platz in der Nati und verpasste die EM in Frankreich. Ende ­August, kurz vor Transferschluss, wurde er nun, nachdem es i­mmer wieder Wechselgerüchte um ihn gegeben hatte, von seinem Leiden erlöst: Er unterschrieb bei ­Besiktas Istanbul einen Vertrag bis 2019. Und der Wechsel hat sich definitiv gelohnt: Inler erhielt sofort eine Chance, durfte in der Meisterschaft und in der Cham­ pions League ran und hatte nach den ersten drei Pflichtl spielen schon 251 Einsatzminuten in den Beinen. 

Ärger mit den Medien Der deutsche Fussball-Bundestrainer Joachim «Jogi» Löw hat genug: Er hat den ­Medienanwalt Christian Schertz beauftragt, seine presserechtlichen Interessen zu vertreten und gegen Berichte vorzugehen. ­Zuletzt hatten Medien Bilder seines Sommerurlaubs aufgegriffen, auf denen Löw mit seiner Patentochter zu sehen war – daraus konstruierten sie fragwürdige Geschichten. Einige Schlagzeilen scheinen bei Löw die Toleranzgrenze deutlich überschritten zu haben. Anwalt Schertz erwähnt explizit die Berichterstattung der Zeitschrift «die aktuelle» in einem Schreiben und gibt bekannt: «Unser Mandant wird Verletzungen seiner Privatsphäre nicht weiter hinnehmen.» Der Anwalt spricht von «eklatant rechtswidrigen» Berichten und fügt hinzu: «Insbesondere Fotoveröffentlichungen, die ihn in ­einem rein privaten Moment zeigen oder auch irgendwelche Mutmassungen zu seinem Privatleben, unabhängig vom ­ Wahrheitsgehalt, sind unzulässig.» «Jogi» Löw hatte sich Anfang August nach 36 Jahren Ehe von seiner Frau Daniela getrennt. Seither jagt ihn die Yellow Press, die versucht, mit Berichten über sein Privatleben die ­Auflage zu steigern. Völlig unabhängig davon, inwiefern die konstruierten Stories l der Wahrheit entsprechen. 

Die Suva zeigts: Erfolgreich und verletzungsfrei spielen Knapp zehn Prozent der Freizeitunfälle passieren beim Fussballspielen, das macht ­ jährlich 45 000 Kickerunfälle – so viele wie in keiner anderen Sportart. Wie Spieler verletzungsfrei und erfolgreich kicken können, hat die Suva den fussballbegeisterten Angestellten ihrer versicherten Betrieben am Montag, 19. September, in einem Workshop gezeigt. Aufgeteilt in zwei Gruppen ging es auf dem Fussballplatz des Schweizer Paraplegiker-Zentrums in Nottwil von Posten zu Posten. Bei Damian Meli, Teamarzt U21 des Schweizerischen Fussballverbands, lernten die Teilnehmenden mehr über typische Ver-

letzungen und wie diese passieren. Bei David Andreoli, Physiotherapeut und Trainer des SC Buochs, stand die körperliche Fitness im Fokus. In einem Aufwärmtraining brachte er die Fussballspieler ins Schwitzen. Beim dritten Posten zeigten die Teilnehmenden ihre fussballerischen Fähigkeiten auf dem ­Rasen unter Anleitung von Heinz Moser, Trainer der U21-Nationalmannschaft. Er hob die passende Schuhwahl hervor, betonte, wie wichtig es ist, die aktuellen Fähigkeiten richtig ein­ zuschätzen und riet den Spielern davon ab, ein Tackling zu machen. Mehr dazu unter: l www.suva.ch/fussball.

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Vertrag verlängert... Dass im Profifussball Platz ist für Loyalität und Empathie, hat Eintracht Frankfurt bewiesen. Der Bundesligist hat den Vertrag mit dem an Krebs erkrankten Abwehrspieler Marco Russ bis 2019 verlängert. Beim 31-Jährigen war Ende Mai bei einer Dopingprobe ­ Hodenkrebs festgestellt worden. «Ich freue mich und bin stolz darauf, weiterspielen zu ­können», so Russ. «Ich danke dem Vorstand und dem Trainer, die mir in meiner der­zei­ tigen Situation das Vertrauen geschenkt l ­haben.»

...Vertrag verkürzt

Einen Vertrag verkürzen – das gibt es nicht alle Tage. Genau von dieser Option hat Atlético Madrids Startrainer Diego Simeone ­Gebrauch gemacht. Simeone ist bei Atlético-Boss Miguel Angel Gil Marin mit der Bitte vorstellig geworden, seinen bis 2020 laufenden Vertrag um zwei Jahre zu verkürzen – erfolgreich. Der Zeitung El Confidencial ­zufolge ist sich Simeone sicher, Atlético bis 2018 verlassen zu wollen. «El Cholo» soll sich bereits mit dem italienischen Traditionsklub Inter ­einig sein, für den er von 1997 bis 1999 zu seiner aktiven Zeit als Profi auflief.  l

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Official Timekeeper

Eine einzelne Sekunde kann Geschichte schreiben Jede Sekunde kann entscheidend sein – dieses Bewusstsein verbindet die Uhrenmanufaktur Carl F. Bucherer und den Schweizerischen Fussballverband (SFV). Als Official Timekeeper der Schweizer Nationalteams wird Carl F. Bucherer nun für die nächsten vier Jahre die Zeit auf dem Spielfeld festhalten. Das Schweizer Familienunternehmen hat eigens für die Mannschaft eine lizenzierte Special Edition kreiert: Die Patravi ScubaTec SFV trägt das charakteristische Rot und Logo des SFV. An den Look ist die A ­ uswechseltafel sowie die Match-Uhr angelehnt, die im Stadion auf dem Big Screen zu sehen ist. Die Viertelstunden sind deutlich hervorgehoben und so einfach abzulesen. Ein neuer Schritt für den Schweizer Fussball und ein Zeichen für die starke Partnerschaft mit der Traditionsmarke. Mit Vorfreude blickt Carl F. Bucherer auf die nächsten Jahre und wird kräftig mitfiebern, wenn die l Schweizer Nationalteams antreten.

4,5 Millionen für den Schweizer Fussball-Nachwuchs Auch in diesem Jahr profitieren der Schweizerische Fussballverband (SFV) und die Swiss Football League (SFL) von Lotteriegeldern. Die Verantwortlichen durften kürzlich einen Check der Sport-Toto-Gesellschaft von über 4,5 Millionen Franken entgegennehmen. Roger Hegi, Direktor der Sport-Toto-Gesellschaft, überreichte Alex Miescher, Generalsek­ retär des SFV, und dem Delegierten der Nationalteams, Claudio Sulser, als Vertreter der ­ amen der Sport-Toto-Gesellschaft einen symbolischen Check im Wert von SFL, im N 4 532 275 Franken. Diese Summe, die aus den Reingewinnen der beiden Lotteriegesellschaften Swisslos und Loterie Romande stammt, wird von SFV und SFL gemäss Vereinbarung mit der Sport-Toto-Gesellschaft für die Förderung des Spitzennachwuchses im Männerund Frauenfussball ­sowie für die Aus- und Weiterbildung von TrainerInnen und SchiedsrichterInnen eingesetzt. Seit der Gründung der Sport-Toto-Gesellschaft vor nunmehr 78 Jahren wurden mehr als zwei Milliarden Franken für den Schweizer Sport aus­ geschüttet. Neben dem Schweizer Fussball, der seit 1938 über 200 Millionen Franken erhielt, überweist die STG Jahr für Jahr namhafte Förder­ beiträge auch an Swiss Olympic, die Stiftung Schweizer Sporthilfe und die Swiss Ice Hockey Federation. Zudem fliessen jährlich über 100 Millionen Franken über die Swisslos- und Sport-Toto-Fonds der Kantone in den Breitensport und die Sportinfral strukturen. 


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Ohne Punktverlust nach Holland an die EM

Erlebnis Eichhof Corner! Gewinnen Sie jetzt 1x das Erlebnis Eichhof Corner für 2 Personen Senden Sie bis zum 31. Oktober 2016 ein E-Mail mit dem Vermerk «Eichhof Corner» an wettbewerb@footmagazin.ch und hinterlassen Ihren Namen und Ihre ­Adresse. Über den Wettbewerb wird keine ­Korrespondenz geführt.

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Die Schweizer Frauen-Nati schaffte die perfekte EM-Qualifikation. Viel Glück! l Das Team von Martina Voss-Tecklenburg gewann zum Abschluss in Biel gegen Nordirland 4:0, feierte im achten Spiel den achten Sieg und qualifizierte sich damit ohne Punktverlust und mit einem Torverhältnis von 34:3 für die EM-Endrunde im Sommer 2017 in den ­Niederlanden. Für die Schweiz ist es die erste EM-Teilnahme, die Auslosung der vier Vorrundengruppen findet Anfang November in Rotterdam statt. «Wir haben etwas Historisches erreicht», sagte Voss-Tecklenburg danach. «Wir können mega stolz sein. Der­ Support wird immer grösser und herzlicher, die Leute sehen, dass l Seine Leidenschaft fürs Kochen teilt der Torhüter des Schweizer Nawir tolle Leistungen bringen und eine tolle Mentalität haben.»  tionalteams seit mehr als einem Jahr auf seinem Blog «Sommerkocht» mit Fans. Nun erreicht er noch mehr Leser. Der gebürtige Waadtländer Yann Sommer wird gemäss «Schweiz am Sonntag» Kolumnist beim Schweizer Hochglanz-Magazin «Bolero Men». ­Sommer, der beim Bundes­ligisten Borussia Mönchengladbach unter Vertrag steht, freut sich auf seinen neuen Nebenjob, bei dem er in jeder Ausgabe ein Rezept preisgibt. So scheint es auch gut möglich, dass der 27-Jährige nach seiner Karriere gar in die Fussstapfen von Star-Koch Jamie Oliver (41) tritt und eine eigene TV-Show präsentiert. «Je nachdem, wie sich der Blog ent­wickelt, lasse ich mir alles offen. Ich bin, was dieses Thema anbelangt, sehr experimentierfreudig», sagte Sommer in der «Schweiz am Sonntag». Ganz ohne Hilfe schreibt der Neu-Kolumnist aber nicht: «Ich habe eine Kollegin, die meine Leiden­ schaft für gesunden ­ Genuss Machen Sie mit und werden auch Sie ein teilt und mich dabei unterFussball-Star! Gewinnen Sie das FIFA17-Game stützt, den Blog professionell (2x PS4, 2x XBOX ONE) zu schreiben und mitzuge­ stalten», sagt Top-Goalie Senden Sie bis zum 31. Oktober 2016 ein E-Mail mit dem Yann Sommer. «Aber ich koVermerk «Reus» an wettbewerb@footmagazin.ch und hinter­ che, fotografiere und bearbeite lassen Sie Ihren ­Namen, Adresse und die gewünschte Version. l die Bilder selbst.»  Über den Wettbewerb wird keine ­Korrespondenz geführt.

Yann Sommer wird Food-Kolumnist

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Gofus Suisse Cup 2016

65 000 Franken für guten Zweck gesammelt Am 11. GOFUS Suisse Cup in Davos wurden dank Mithilfe von Prominenz aus Sport, Wirtschaft und Unterhaltung 65 000 Franken für einen guten Zweck gesammelt. Der Betrag wird für den Bau eines multifunktionalen Sportplatzes in Knutwil LU verwendet. Rund 80 Golferinnen und Golfer spielen jeweils am GOFUS Suisse Cup für einen ­ ­guten Zweck. Auch dieses Jahr, anlässlich der 11. Austragung, nahmen prominente Persönlichkeiten am Turnier in Davos teil. Bruno Kernen, Claudio Zuccolini, Conny Kissling, Paul Accola, Michel Riesen, Rolf Fringer, Jann Billeter, Urs Lehmann, Thomas Brdaric und die weiteren Teilnehmer hatten ein Ziel – Geld für Sportprojekte zu Gunsten von Kindern und Jugendlichen zu sammeln. Dank den grosszügigen Spenden und dem Erlös von 65 000 Franken ist dies auch dieses Jahr hervorragend gelungen. Der ­ Betrag wird – zusammen mit dem Erlös des vergangenen Jahres – für einen multifunktionalen Sportplatz in Knutwil LU verwendet. Der Platz soll Kinder und Jugendliche

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für sportliche Betätigungen begeistern. ­GOFUS, die Vereinigung aktiver und ehemaliger Fussballer, hat mittlerweile bereits über 500 000 Franken für gemeinnützige ­Organisationen gesammelt. Der gute Zweck und Spass stand am 11. GOFUS Suisse Cup trotz heftigen Regenfällen zu Beginn des Turniers im Vordergrund. Es wurden jedoch auch verschiedene Sieger gekürt. Den VIP-Einzelwettbewerb konnte Bruno Kernen für sich entscheiden. Bereits zum 11. Mal organisierte GOFUS ­Suisse dieses Charity Golfturnier. Das Turnier soll gemäss GOFUS-Geschäftsführer Reto Speckmann auch im kommenden Jahr in Davos durchgeführt werden, wiederum mit dem Ziel, für einen multifunktionalen l Sportplatz zu sammeln. 

Bekannte Teilnehmer am 11. GOFUS Suisse Cup: Paul Accola: Ex-Skirennfahrer, Olympia-Medaillengewinner Manfred Bender: deutscher Fussballtrainer und ehemaliger Fussballprofi Jann Billeter: Fernsehmoderator und ehemaliger Eishockeyspieler Thomas Brdaric: ehemaliger deutscher Fussballnationalspieler Conradin Cathomen: Ex-Skirennfahrer, WM-Medaillen-Gewinner Rolf Fringer: Fussballtrainer, Präsident GOFUS Bruno Kernen: Ex-Skirennfahrer, Weltmeister in der Abfahrt Conny Kissling: ehemalige Freestyle-Skierin Urs Lehmann: Präsident Schweizer Skiverband, Ex-Skirennfahrer, Weltmeister in der Abfahrt Michel Riesen: ehemaliger Eishockey-Nationalspieler Peter Wick: CEO MeteoNews, Wetter-Moderator Claudio Zuccolini: Komiker


Einst und Jetzt…

Tranquillo Barnetta Tranquillo Barnetta ist einer der besten Schweizer Fussballer der letzten Jahre. Seine Karriere begonnen hat er beim FC Rotmonten. Sein damaliger Trainer Bruno Wüst sagt: «Er war anständig, zurückhaltend, schon in diesem Alter ein Top-Fussballer und charakterlich ein Vorbild.» Text: Andy Maschek Foto: Valeriano Di Domenico, zVg

Drei Jahre hat Barnetta unter Bruno Wüst gespielt. Bei den D-Junioren des FC Rotmonten war das, wobei er den Gleichaltrigen jeweils ein Jahr voraus war. «Er war fussballerisch schon so weit, dass dies kein Problem war», sagt Bruno Wüst. «Das Talent hat er von seinem Vater, der ein guter Fussballer und Spieler und Trainer in unserem Klub war. Tranquillo konnte schon als kleiner Junge mit ihm mitgehen. Wo ein Ball war – er sprang ihm hinterher.» Das Talent war bei «Quillo» schnell zu sehen, besonders die Technik und der Schuss hatten es in sich. Gleichzeitig war er fleissig. «Wenn das Training um 14 Uhr begann, war er schon um 13.30 Uhr da. ­ Wenn es um 15 Uhr endete, hat er noch weitergespielt, ihm war nichts zuviel. Er ­ wollte in erster Linie einfach Fussball spielen», sagt sein früherer Trainer. «Manchmal hat er in einer Woche 200 Mal auf ein Tor geschossen – das hat man gemerkt.» ­Zudem sei er mannschaftsdienlich gewesen, so Wüst. «Er war kein Eigenbrötler, sondern versuchte, seine Mitspieler einzusetzen. Er war im Mittelfeld der Stratege, der die Bälle verteilte und auch selber Tore erzielte. Seine Mitspieler waren ihm immer sehr wichtig.»

Bruno Wüst pflegt noch heute eine gute Beziehung zu seinem früheren Junior.

Star-Allüren hat der 75-fache Internationale keine? «Überhaupt nicht! Seine Eltern wohnen ja auch noch in St. Gallen und als er noch in Deutschland spielte, war er in der spielfreien Zeit oder während Verletzungen oft in St. Gallen, ging ins Schwimmbad, gab ­Autogramme. Er hat da keine Berührungs­ ängste», sagt Bruno Wüst, der heute noch Kontakt zu seinem einstigen Schützling pflegt und natürlich glücklich ist, dass er in der Winterpause aus den USA zum FC St. Gallen zurückkehrt. «Ich hätte ihm ein weiteres Jahr in der MLS gegönnt, andererseits kann St. Gallen ihn gut brauchen. Es ist alles ­andere als lustig, welche Spiele da den Fans momentan zuge­mutet werden.» Dass Tranquillo Barnetta eine erfolgreiche Karriere macht, hat man damals gehofft – und es macht den FC Rotmonten stolz. Barnetta selber liegt auch viel an diesem ­ Klub, was sich darin zeigt, dass er dem FC Rotmonten auch schon Preisgelder von Ehrungen weiterleitete. «Er hat immer ­ ­gewusst, wo er gross geworden ist», sagt sein früherer Trainer.  l

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Raiffeisen UEFA EuroSuper 2016 League

Weder die Luzerner Verteidiger Tomislav Puljic und Ricardo Costa noch YB-Stürmer Michael Frey wirken wirklich zerbrechlich. Sie sind Spieler, die mit Wucht, bis­ weilen auch brachial agieren und keinen Zweikampf scheuen. Im Duell zwischen YB und dem FCL kam es aber zu einer Szene, die ebenso auf einer anderen Bühne als dem Stade de Suisse-Rasen hätte ­passieren können: Die drei wackeren Kicker springen zum Ball wie grazile Tänzer – Fussball kann ab und zu auch (Ball)ett sein...

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Augenblick

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Raiffeisen Super League

Neuer Anlauf In seiner Zeit bei den Young Boys war Seydou Doumbia ein gefeierter Held, der Kult-Stürmer schlechthin. Nach Engagements in Russland, Italien und England ist der kaltblütige Vollstrecker zurück in der Schweiz, beim FC Basel, und will vollenden, was ihm damals nicht gelang. Text: Andy Maschek Fotos: Urs Lindt, Andy Müller

Die Super League-Saison 2009/2010 hat ­einen historischen Anstrich. Damals waren die Berner Young Boys unter Trainer Vladimir Petkovic der Konkurrenz enteilt und lagen zwischenzeitlich satte 13 Punkte vor dem FC Basel – tout Berne träumte davon, endlich

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wieder den Fussballmeister feiern zu können, nach diesen elend vielen Jahren des Wartens. Massgeblich daran beteiligt war Stürmer Seydou Doumbia, der in jenem Championnat zum zweiten Mal in Folge bester Torschütze wurde: 30 Mal netzte der Mann von der Elfenbeinküste insgesamt ein und versetzte so manche gegnerische

­Defensive in Panik. Nur: Am Ende reichte es nicht. In der Finalissima jener Saison ver­ loren die Berner gegen den FC Basel das Spiel und den Titel – er war der erste von bis heute sieben Basler «Meister-Straichen» in Folge. «Diese Niederlage von damals schmerzt noch heute», sagt Doumbia beim Gespräch mit FOOT und fasst sich an den Hals um zu demonstrieren, dass er dieses Erlebnis noch nicht verdaut hat. «Aber jetzt habe ich die Chance, etwas nachzuholen, was ich vor sechs Jahren verpasst habe. Das würde mich natürlich sehr freuen, denn in der Schweiz fehlen mir noch der Meistertitel und der Cupsieg und wir werden alles unternehmen, dass dies gelingt.» So stürmt Seydou Doumbia nun wieder in der Schweiz. Beim FC Basel, nicht bei den Young Boys, wo er einst den Kult-Status ­erlangt hatte. Es ist ein Beweis, wie es im


Seydou Doumbia


Raiffeisen Super League Fussball läuft. Der FCB hat eine andere Strahlkraft als der Rest der Liga und viele andere Klubs in der weiten Fussballwelt. Angebote aus China und Katar lagen dem 28-Jährigen ebenfalls vor, Destinationen, in denen er sich hätte vergolden lassen können. Doch er entschied sich für den Schweizer Vorzeige-Klub. «Ich habe immer gesagt, dass ich mir sehr gut vorstellen kann, ­irgendwann in die Schweiz zurückzukehren. Diese Gelegenheit hat sich nun ergeben und ich habe sie ergriffen», erklärt er lächelnd und sympathisch, nachdem er einen Teller Spaghetti Bolognaise bestellt hat. «Es stimmt, dass ich andere Angebote hatte. Doch das hat mich nicht interessiert. Denn ich wollte vor allem eines: wieder spielen, denn dann bin ich auch zufrieden. Ich hatte zuvor einige Schwierigkeiten und wollte nun zu meiner alten Stärke zurückfinden. Als Basel anrief, fand ich das sehr interessant. Weil ich wusste, dass ich meine Karriere neu lancieren und Vertrauen finden kann. Ich habe dann nicht gezögert.»

Starke Jahre in Russland...

Der FCB hat so einen dicken Fisch an Land gezogen. Über welche Qualitäten er verfügt, hat der Stürmer nicht nur in Bern ­gezeigt. Auch bei ZSKA Moskau, wohin er für kolportierte elf Millionen Euro von YB gewechselt war, konnte er brillieren. 95 Tore in 150 Spielen stehen in seiner Statistik, zwei Meistertitel, ein Cupsieg, zwei Torjäger­

kronen sowie ein Titel als Fussballer des Jahres in seinem Palmarès. «Russland war hervorragend. Ich habe die Schweiz verlassen und war vier Jahre in Moskau, wo ich mich schnell integrieren konnte», sagt er. «Im Gegensatz zur Schweiz konnte ich auch mit der Mannschaft Titel gewinnen.» Anders als viele andere Fussballprofis, die den Sprung nach Russland wagen, hatte Doumbia keine Probleme, sich zurechtzu­ finden. «Ich hatte zuerst eine sehr gute in­ ­ dividuelle physische Vorbereitung, etwa zwei Wochen lang», sieht er als Grund. «Wenn man zu einem neuen Klub kommt, ist es wichtig, sich schon vor dem Trainingsstart anzupassen. Das ist mir gelungen. Das hat mir den Start sehr erleichtert, ich war körperlich und mental bereit und wurde auch sofort akzeptiert.» Das Privatleben sei dagegen schon anders, nicht immer leicht gewesen. «Die Mentalität der Menschen ist in Russland ganz anders als in der Schweiz. Ich hatte wenige Freunde, war auch der ­einzige frankophone Spieler im Team, was nicht immer leicht war.» So sei er nach dem Training i­mmer schnell nach Hause gegangen, zu seiner Frau und seiner Tochter, die in jener Zeit auf die Welt kam. «Aber das ­mache ich eigentlich überall so, ich geniesse es, mit i­hnen Zeit zu verbringen.»

...Probleme in Italien und England

Der nächste Schritt auf der Karriereleiter war dann derjenige, der Seydou Doumbia

etwas zurückwarf. Im Januar 2015 wechselte er zur AS Rom und unterzeichnete einen Vertrag bis 2019. Er nahm zuerst noch am Afrika-Cup teil, gewann mit der Elfenbeinküste den Titel. Nach diesem ersten Erfolg der Ivorer seit 22 Jahren folgten zehn Tage Feierlichkeiten – und anschliessend zog Doumbia sofort nach Rom weiter. «Weil wir viele Verletzte hatten, musste ich zwei Tage nach meiner Ankunft das erste Pflichtspiel bestreiten. Ich war nicht richtig vorbereitet und konnte nicht überzeugen», erinnert sich Doumbia. Es war der Anfang einer Negativspirale, aus der er nicht mehr rausfand. Es folgte ein Leihgeschäft mit Newcastle, doch auch in der Premier League konnte er sich nicht durchsetzen, kam kaum zum Einsatz. «Ich hatte zuvor auch Ferien und war super vorbereitet, doch dann gab es einen Wechsel und der neue Trainer hatte sein eigenes Projekt im Kopf.» Und nun also Basel, der FCB. Der Garant für Spektakel, viele Tore und Erfolge. Er fühle sich hier sehr wohl, sagt Doumbia, obwohl er leicht hinkend zum Gespräch gekommen ist, nachdem er am Vormittag im Training einen Schlag auf den Fuss bekommen hat. «Ich wurde sehr leicht und gut ins Team ­integriert und sofort akzeptiert – vom Staff und meinen Kollegen», sagt er lächelnd. «Es ist wunderbar hier. Der grösste Teil meiner Teamkollegen spricht Französisch, die Stadt ist ähnlich wie Bern, ich gehe gerne auch ab und zu aus, im Restaurant essen, kann frei spazieren und machen, was ich will. Das ist auch für meine Familie sehr angenehm.»

Highlight Champions League

Und natürlich sind auch die sportlichen Perspektiven rosig. Der FCB hat einen starken Saisonstart hingelegt und gezeigt, dass der Weg zum Titel einmal mehr über ihn führt. Dazu kommen die Champions League, diese Sternstunden für Klub, Spieler und Fans. «Sie ist natürlich das Highlight und sehr, sehr wichtig. Dort kreuzt sich unser Weg mit jenem von Top-Klubs, hier kann man sich gegen grosse Mannschaften entfalten und Tore schiessen», sagt Doumbia strahlend, bevor er mahnt: «Aber: Zuerst müssen wir uns auf die Meisterschaft konzentrieren und dort so viele Punkte wie möglich gewinnen. Auch wenn es natürlich ein Ziel ist, in der Champions League ein Wort mitzureden.» Den Fussball in der Schweiz hat er in seinen Jahren in der Fremde aus der Ferne mitverfolgt und nun ist er wieder mittendrin. Allzu stark habe es sich nicht verändert, sagt er. «Schon damals war Basel ganz vorne und war YB die eigentliche Nummer 2. Dazu Teams wie GC oder der FC Zürich, der nun

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Seydou Doumbia

88 SEYDOU DOUMBIA Nationalität: Elfenbeinküste Position: Verteidigung Geburtstag: 31. Dezember 1987 Grösse: 179 cm Gewicht: 71 kg Vereine: FC Basel 1893, AS Roma, Newcastle United, ZSKA Moskau, BSC Young Boys, Kashiwa Reysol, Tokushima Vortis, Athletic Adjamé AS Denguélé, ASEC Mimosas


In Hรถchstform. Auf dem Fussballfeld und im Leben. Leading Partner des FC Basel 1893


Seydou Doumbia

«Ja, ich bin ein Abenteurer und habe neue Herausforderungen gerne. Ich kann mich auch überall einleben – wichtig ist aber, dass ich den Spass am Fussball behalte.» Seydou Doumbia.

leider abgestiegen ist.» Es gebe auch in diesem Jahr starke Teams, beispielsweise ­ den Grasshopper Club Zürich, dessen Spiel er gerne habe. «Oder die Young Boys, die mich in unserem ersten Duell beeindruckt haben.» Die Berner und Zürcher, auch der FCL oder Sion, können natürlich Duftmarken setzen, ja. Aber im Gegensatz zu den Baslern g ­ elang es in der Vergangenheit nie, eine Saison auf höchstem Niveau durchzuziehen, auch «dreckige» Siege und Punkte einzufahren. Da zeigt sich jeweils wieder die Qualität im FCB, die Breite des Kaders, mit der er der Konkurrenz weit voraus ist. «Jeder in unserem Kader hat die Möglichkeit zu spielen. Die Qualität ist sehr gut, wir müssen einfach die richtigen Kombinationen finden», so Doumbia.

30 Tore – wieso nicht?

So scheint es realistisch, dass Seydou Doumbia in dieser Saison sein Werk vollenden und in der Schweiz seinen ersten Titel feiern kann. 30 Tore wie einst bei YB werden von ihm dafür wohl nicht zwingend nötig sein – aber es ist für ihn auch nicht unrealistisch. «Ich denke schon, dass das möglich ist», sagt er lächelnd. «Wir haben viele ­Spiele und alles ist möglich.» Tore en masse und glanzvolle Auftritte auf der europäischen Bühne würden Seydou Doumbia natürlich auch wieder zurück ins internationale Rampenlicht katapultieren, aus welchem er nach seinen Engagements in Italien und England etwas verschwunden war. Sein Vertrag läuft in Basel bis Ende ­Saison, dazu kommt eine Kaufoption. Der Stürmer selber schliesst es nicht aus, länger in der Schweiz zu bleiben, weiss aber auch, wie schnell es in diesem Business geht und dass nicht immer der direkte und logische Weg möglich ist. So wie einst, als er seine Heimat verliess, um Karriere zu machen. Dieser Schritt führte ihn aber nicht wie viele

andere seiner Landsleute nach Europa, sondern Japan, von wo aus er 2008 nach Bern wechselte. Oder so wie jetzt, wo er in der Schweiz zu alter Stärke zurückfinden will, dafür einen vermeintlichen Rückschritt in Kauf nimmt und nicht auf das schnelle und viele Geld in China oder Katar setzt. «Ja, ich

bin ein Abenteurer und habe neue Herausforderungen gerne. Ich kann mich auch überall einleben – wichtig ist aber, dass ich den Spass am Fussball behalte», sagt er­ ­lächelnd und sein Markenzeichen, die Zahnlücke, zeigend, während er sich mit einem kräftigen Händedruck verabschiedet.  l

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Raiffeisen Super Raiffeisen League Super League

«Es ist wie ein Traum» Die Überraschung war gross, als Präsident Christian Constantin als Nachfolger von Cheftrainer Didier Tholot den Deutschen Peter Zeidler präsentierte. Doch im Gespräch zeigt der sympathische, erfrischend natürliche 54-Jährige, dass er ins Wallis passen und den FC Sion zurück auf den richtigen Weg führen kann. Text: Andy Maschek Fotos: Christian Pfander


Peter Geoffrey Analyse Zeidler Bia

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Raiffeisen Super League Sie sind nun ein paar Wochen hier. Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen? Gestatten Sie mir, dass ich zuerst mit mir beginne. Ich fühle mich total wohl, was für mich sehr wichtig ist. Ich habe die Mannschaft und den ganzen Klub nun ein wenig kennengelernt und kann nur Superlative verwenden: Es ist total toll hier! Mir imponiert vor allem, dass ich sowohl die deutsche wie auch die französische Sprache ­einsetzen kann, dann taue ich natürlich auf. Die Mannschaft wohl auch... Ich spüre, dass es etliche Spieler brauchen, dass man auch mal Deutsch mit ihnen spricht. Es hilft sicher, aber man muss auch aufpassen, dass man betreffend Sprache nicht zu oft hin und her wechselt. Ein V ­ orbild ist Christian Gross. Als ich 2007 gemeinsam mit anderen Trainern wie beispielsweise Thomas Tuchel oder Bruno Labbadia den Lehrgang absolvierte, haben wir bei ihm in Basel hospitiert – und wir waren alle begeistert. Er ist ein grandioser Trainer mit Strukturen und konnte sich in verschiedenen Sprachen verständigen.

«Wir brauchen elf Kapitäne auf dem Feld, wobei Salatic und Ziegler nur schon durch ihre Erfahrung und ihre zentrale Position auf dem Feld eine tragende Rolle einnehmen.» Peter Zeidler über die Rollenverteilung im Team.

Gross soll auch ein Thema in Sion gewesen sein. Ehrt es Sie, dass die Wahl auf Sie fiel? Ja, es ist für mich eine grosse Ehre, hier ­Trainer zu sein. Sion ist für mich ein Klub mit europäischer Ausstrahlung – und das nicht wegen der letzten Saison mit den Spielen in der Europa League. Es ist auch völlig neu für mich, welch wichtige Rolle dieser Klub hier in der Region spielt, im ganzen Wallis. Hier gehört der FC Sion neben anderen kulturellen Dingen einfach dazu. Das ist eine sehr positive Überraschung. Klar, es wurden in den Medien auch andere Namen genannt, aber ich bin mittlerweile in einem Alter, in dem ich deswegen nicht in Ehrfurcht er­ starre. Grossen Respekt habe ich aber vor Ex-Profis, die Trainer wurden... ...Sie selber waren nie Spitzenfussballer. Das ist so. Ich erwarte aber, dass man einem Trainer, der von der Uni kam, denselben Respekt entgegenbringt. In Deutschland ­ hat ja Mehmet Scholl wegen diesen «Laptop-Trainern» eine Diskussion initiiert. Aber ich brauche so gut wie nie den Laptop und bin vielmehr ein Praktiker. Ich war nie Profi, dazu stehe ich, na und? Ich kann Fussball spielen, habe das aber nie auf höchstem ­Niveau getan. Wie kam es eigentlich zu Ihrem Engagement hier? Ich hatte früher schon mit Christian Constantin Kontakt, da ging es aber um Informa-

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tionen über Spieler. Wir gingen nicht regelmässig essen, davor kamen schon Leute wie Trapattoni oder Gattuso (lacht). Ich bin halt ein Deutscher, der bereits in Frankreich gearbeitet hat und der die Sprache beherrscht und von diesen gibt es ja nicht unendlich viele. Plötzlich ging alles sehr schnell. Ich war schon einig mit Ungarn, dass ich die U21 übernehme, der Flieger war gebucht, die Koffer waren gepackt.

Dann rief mich Constantin an, als ich auf dem Heimweg von Ungarn war. Sion hatte gerade gegen GC verloren, und er fragte mich: «Können wir reden?» Ich war in einer guten Position und sagte: «Ja, gerne, aber das muss schnell sein.» Ich fuhr dann nach Sion, wir haben gemeinsam gegessen, uns zwei, drei Stunden unterhalten, uns ­verstanden – und dann den Vertrag unterschrieben.


Peter Zeidler Oder wie Christian Constantin immer ­ ieder sagt: Der Totomat entscheidet. w Ja, es geht um Ergebnisse. Und das ist meine Aufgabe – wir müssen mehr gewinnen, als dass wir verlieren. Mich freut beispielsweise, dass Léo Itaperuna auftaut, auch im Training. Wir haben in der Nationalmannschaftspause einen Volleyball-Match gegen Gefängnisinsassen gespielt – und er springt zwei Meter hoch. Wir waren mit sieben Spielern da, es war ein grandioses Erlebnis. War dies ein Teambildungs-Event? Ja, ich habe Léo genannt, weil er die anderen Spieler zusammenschweissen kann. Er spricht Brasilianisch, Portugiesisch, ist länger da, hat mit seinen 27 Jahren viele Erfahrungen gesammelt, ist immer fröhlich und positiv. Wir haben generell ein breites Altersspektrum im Kader, zuletzt haben ­ auch 1999er mittrainiert. Es ist eine sehr gute Basis vorhanden. Junge einzusetzen, ist natürlich ein Risiko. Aber ein Risiko ist immer auch eine Chance. Sie gelten auch als Ausbildner. Ja, ich habe mein Leben lang – sei das nun in Stuttgart, Hoffenheim, Nürnberg oder Salzburg – mit einer sehr jungen Mannschaft gearbeitet. Der Vorteil ist: Die Jungen lernen schneller, sie erholen sich schneller. Aber ich bin froh, dass wir auch auf routinierte Spieler wie Salatic oder Ziegler zählen können. Hut ab, wie sie sich einsetzen. Wir brauchen elf Kapitäne auf dem Feld, wobei Salatic und Ziegler nur schon durch ihre Erfahrung und ihre zentrale Position auf dem Feld eine tragende Rolle einnehmen. Gleichzeitig bin ich auch auf die Rückkehr von Pa Modou gespannt. Mit einer solchen Achse kann man Mannschaften bilden, die gewinnen.

Sie haben bei Sion sofort mit drei Stürmern und laufintensivem Pressing spielen lassen. Ist das Ihre Philosophie? Dies ist eine interessante Diskussion, die es auch in Deutschland oder Österreich ­immer wieder gibt. Red Bull Salzburg hat unter Roger Schmidt einen extremen Stil gespielt, auch danach unter Adi Hütter. Aber klar, man muss zwischendurch die Pressing-Linie mal zurücksetzen und sich

anpassen. Die besten Trainer wissen, dass man öfters den Ball haben muss und ste­ tiges Pressing keine Lösung ist. Aber: Wir wollen nicht wie Chelsea 2012 im Champions League-Final in München gegen Bayern drei Lastwagen in den Strafraum stellen und irgendwie ein Kontertor erzielen. Und: Man kann eine ganz klare Philosophie haben, ­einen roten Faden – am Ende geht es aber um die Resultate.

Mit Lacroix und Edimilson wurden zuletzt zwei gute Spieler verkauft. Natürlich hätte ich sie gerne noch da. Aber man empfindet im FC Sion auch grossen Stolz, dass diese beiden Spieler zu solchen Klubs weiterziehen konnten. Als ganz ­junger Trainer konnte ich solche Dinge irgendwie nicht akzeptieren, mittlerweile weiss ich, dass die besten Spieler weiterziehen und ein Klub wie Sion bei solchen Angeboten nichts machen kann. Ich bewundere mich fast selber, aber mittlerweile gehe ich da fast sofort zur Tagesordnung über. Sie haben vorhin gesagt: Ein Risiko ist auch eine Chance. Ist das Ihr Motto? Der FC Sion hatte ja betreffend Trainer in der Vergangenheit nicht immer den besten Ruf... FOOT



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Peter Zeidler Glauben Sie mir: Für mich ist es ein Traum, hier arbeiten zu können! Hier ist alles da, um glücklich zu sein, nicht nur im Beruf, auch im Leben. Die Gegend, die Natur, die Mannschaft, der Klub. Ja, es ist wie im Traum. Wenn nur die verflixten Spiele nicht wären (lacht). Spass beiseite: Umso schöner ist es, wenn man auch ­gewinnt. Kannten Sie das Wallis zuvor nicht? Ich war einmal in Sion, um ein Spiel der U21 zu beobachten. Als Tourist würde ich

die Gegend entdecken, geniessen. Ich war 20 Jahre Französisch-Lehrer und habe ­diese Sprache immer verteidigt, sonst hat man in Deutschland als Lehrer keine Chance. Ich habe bei den Schülern immer den Eindruck erweckt, dass die französische Sprache das wichtigste sei. Ich liebe

Es wurde gemunkelt, dass es in Sion eine Gruppenbildung gegeben habe. Haben Sie das auch so erlebt? Nein. Es gab sicher unterschwellig irgend etwas, aber ich weiss nicht, was genau. Der Präsident hatte aber eine wichtige Rolle, ­indem er die Sache auf den Tisch gebracht und mit den Spielern besprochen hat. Klar, bei uns werden verschiedene Sprachen ­gesprochen und bevorzugt, aber ich bin der Meinung, dass genau dies in einer Fussballmannschaft Kräfte freisetzen kann. Ich habe nun den Eindruck, dass wir über eine gesunde Struktur und Mischung verfügen.

diese Sprache und darf nun in einer Region arbeiten, wo man sie auch spricht. Und das in einem anderen Bereich, den ich liebe: im Fussball.

Was am Ende aber auch von den Resul­ taten abhängt. Auch, ja. Aber auch vom Status des jewei­ ligen Spielers, von seinem persönlichen Leben und seiner Entourage. Aber wie ­ schon gesagt: Ich denke, bei uns stimmt die Mischung. Diese verschiedenen Gruppen können wirklich auch bereichernd sein. Am Ende geht es darum, dass jeder dieser P ­ rofis alles gibt, was er hat.

Sind Sie als Lehrer auch als Trainer ­Pädagoge? Ich denke schon. Ich habe auch gelernt, dass man als Trainer harte Entscheide zu fällen hat. So zum Beispiel, als ich meinem Co-Trainer hier sagen musste, dass ich nicht mit ihm zusammenarbeiten möchte. Oder wenn ich einem Spieler erklären muss, dass er nicht dabei sein wird. Als Pädagoge – ob als Trainer oder Lehrer – ist es zuerst einmal wichtig, dass man seine Spieler oder Schüler gerne hat. Ralf Rangnick, mit dem ich viele Jahre zusammengearbeitet habe, hat einmal gesagt: «Man braucht Liebe und Konsequenz – als Trainer und als Eltern.»

PETER ZEIDLER Nationalität: Deutschland Funktion: Trainer Geburtstag: 8. August 1962 Vereine: FC Sion, RB Salzburg, FC Liefering, FC Tours, TSG Hoffenheim (Co-Trainer), Stuttgarter Kickers, Nürnberg II, VfR Aalen (Co-Trainer), Stuttgart II, (Co-Trainer), TSV Böbingen (Spielertrainer), SV 03 Tübingen (Spielertrainer), Stuttgart Jugend

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Herrn Constantin? Bis jetzt hervorragend, ich bin immer noch da (lacht). Sie können nun sagen «Er lobt den Präsidenten». Aber ganz ehrlich: Er ist totaler Fussballliebhaber und -kenner, er liebt dieses Spiel und seine Spieler, hat eine Leidenschaft für dieses Spiel. Wir hatten zuletzt auch et­ liche gemeinsame Gespräche mit Spielern und das war höchst interessant für mich. Er ist ein sehr guter Psychologe. Doch natürlich, ich bin erst daran, ihn richtig zu entdecken. Was ist in dieser Saison für den FC Sion möglich? Wir haben grosse Möglichkeiten hier, viele Dinge, die passen, sonst wären die früheren Erfolge nicht möglich gewesen. Aber zuerst einmal müssen wir bescheiden sein. Das erste Ziel ist, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Das können Sie als Zweckpessimismus ansehen, aber Fakt ist, dass Sion in dieser Saison auch schon Tabellenletzter war. Wir wollen zuerst den Klassenerhalt ­sichern und dann ist der grosse Vorteil der Schweizer Liga, dass man schnell wieder in Bereiche kommt, in denen man von Europa träumen kann. Ob das in dieser Saison ­möglich ist, kann ich noch nicht sagen. Aber wie sagt man so schön? Arm sind die, die keine Träume haben. l

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Raiffeisen Super League

In Ha

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Mickaël Facchinetti

der zweiten albzeit Der FC Thun ist eigentlich der Klub der unbekannten Nachnamen. Seit dem Zuzug des Aussenverteidigers Mickaël Facchinetti, dem Enkel des legendären XamaxPräsidenten Gilbert Facchinetti, ist dem wohl nicht mehr so. Der 25-Jährige will im Berner Oberland seine Super League-Karriere neu lancieren. Text: Matthias Müller Fotos: Pius Koller, Martin Meienberger

Prominenz verirrt sich selten in die Stockhorn Arena. Und wenn doch, dann kommt sie üblicherweise in der Form von Gästen – etwa die Spieler des FC Basel, der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter als Referent an der Generalversammlung oder der ­Sänger Florian Ast an der FC Thun Night. Was natürlich auch vorkommen kann ist, dass der eine oder andere Thuner Fussballer bekannt wird. Aber in der Regel freilich erst, nachdem er den FC Thun verlassen hat. Was hingegen kaum bis gar nie vorkommt: dass ein bekannter Name zum Klub stösst.

Und das ist kein Zufall, sondern Programm. Es ist quasi ein ungeschriebenes Gesetz, das der ganzen Klubphilosophie zu Grunde liegt. Im engeren Sinne ist diese Regel auch jetzt nicht gebrochen worden. Mickaël Facchinetti, der neue Linksverteidiger, der Ende August geholt wurde, ist schliesslich kein sonderlich bekannter Fussballer. Er spielte u.a. bei Xamax, Lausanne und St. Gallen, Nati-Einsätze waren noch nie ein Thema und um den Meistertitel war es bei seinen Teams auch noch nie gegangen. Aber der 25-Jährige hat eben doch einen klingenden Nachnamen. Sein Grossvater Gilbert Facchinetti, der langjährige Xamax-Präsident, hat

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Mickaël Facchinetti die Schweizer Fussballlandschaft mit seinem Engagement nachhaltig geprägt. Der 80-Jährige gilt als Grandseigneur, dem für seine Art und seine Verdienste weit über die Sportgrenzen hinaus Respekt gezollt wird.

Stolz auf seinen Nachnamen

«Mein Grossvater und meine Grossmutter bedeuten mir alles», sagt Mickaël Facchinetti und nimmt einen Schluck von seinem Bananenshake. Der Romand blickt stechend, man merkt, dass er es ernst meint. Die beiden ­haben seit jeher einen enormen Einfluss auf ihn, er hat sehr viel Zeit mit ihnen verbracht, jeden Karrierenschritt mit ihnen abgesprochen. «Ich bin stolz auf meinen Nachnamen», sagt er. Und auf die Frage, ob er denn überhaupt hier sitzen würde, wenn sein ­ Gross­ vater ihm davon abgeraten hätte, ­ ­ erwidert er bestimmt: «Was glauben Sie?» Selbstverständlich wäre es uns nicht in den Sinn gekommen, am Gewicht von Gilbert Facchinettis Worten zu zweifeln. Dennoch: Ganz unberechtigt war unsere Frage nicht. Schliesslich hatte der 25-Jährige doch im Winter 2016 eben erst den FC St. Gallen aus einem laufenden Vertrag verlassen, um seinem Xamax, das sich nach dem Konkurs und einem regelrechten Run durch die unteren Ligen wieder in der Challenge League festgesetzt hatte, beim ambitiösen letzten Schritt – der Rückkehr in die Super League – zu helfen. Dass er nach vier Spielen in der neuen Saison nun bereits wieder zurück in die Super League wechselte, freute in seiner Heimat nicht jeden. ­Trainer Michel Decastel etwa liess sich in «Le Matin» zitieren, dass er es lieber gesehen hätte, wenn sich der Spieler erst in der Nati- oder sogar in der Winterpause auf den Weg ­gemacht hätte. Facchinetti bringt für dieses Unbehagen durchaus Verständnis auf. Er sagt: «Es war nicht leicht, Xamax ist der Verein meines Herzens.» Und: «Ich wäre ­ nicht überall hin gegangen.»

passende Chance. Erstens trainiert er hier unter Jeff Saibene, dessen System er aus gemeinsamen Zeiten in St. Gallen (2014/ 2015) bestens kennt und den er persönlich

sehr schätzt. Die beiden hatten, auch nachdem sich ihre Wege getrennt hatten, ­Kontakt gehalten. Vor diesem Hintergrund erscheint es auch logisch, dass Saibene

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Joss Abgang war seine Chance

Tatsächlich war ein Engagement beim FC Thun für ihn gleich aus drei Gründen eine Nationalität: Schweiz Position: Verteidigung Geburtstag: 15. Februar 1991 Grösse: 185 cm Gewicht: 80 kg Vereine: FC Thun, Neuchâtel Xamax, FC St. Gallen, Lausanne FC, Chievo Verona, FC Lugano

MICKAËL FACCHINETTI FOOT  27


Raiffeisen Super League

«Es war nicht leicht, Xamax ist der Verein meines Herzens. Und: Ich wäre nicht überall hin gegangen.» Mickaël Facchinetti über seinen Wechsel zum FC Thun.

­ ersönlich zum Hörer griff, als YB nach der p dritten Meisterschaftspartie den an Thun ausgeliehenen Rechtsverteidiger Sven Joss zurückholte. Zweitens liegt Thun nur eine gute Autostunde von Neuenburg entfernt; Facchinetti, der in der Nähe seiner Grosseltern bleiben möchte und auch einen Sohn in Neuenburg hat, kann den Arbeitsweg also problemlos unter die Räder nehmen. Und drittens wäre da ja auch noch die sportliche Komponente: Der Linksverteidiger ist erst 25 Jahre alt und damit im besten Fussballeralter. Oder, wie er es selbst in der Termi­ nologie eines Fussballmatches formuliert: «Für mich beginnt jetzt die zweite Halbzeit. Ich muss doch auch für mich schauen.»

Vollgepackte Lebensgeschichte

Damit trifft Facchinetti den Nagel gut auf den Kopf. Man könnte sich angesichts eines

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Blicks auf seine vollgepackt Lebensgeschichte eben auch leicht täuschen lassen. Facchinetti hat in seinem jungen Leben schon sehr viel durchgemacht. Das beginnt bei seiner Juniorenzeit, die er interessanterweise nicht in seiner Heimatstadt, sondern bei Hauterive, Saint-Blaise und Lausanne verbrachte – weil der Name des Grossvaters bei Xamax zu gross war und Mickaël sich unabhängig entwickeln sollte. Als er schliesslich bereits im Mai 2009, mit knapp 18 Jahren, sein Debüt für Xamax in der Super League gab und als hoffnungsvolles Talent galt. Als er kurz darauf seine Mutter verlor und sich dann nach dem Motto «Jetzt erst recht» innert zwei Saisons einen Stammplatz bei seinem «Herzensverein» erkämpfte. Wie er Ende ­ 2011 wegen des Xamax-Konkures arbeitslos wurde und irgendwie bei Chievo Verona

landete, wo er gar nie zum Einsatz kam. Und wie er sich ein halbes Jahr später bei Lausanne wieder zurück in die Super League kämpfte, 2014 bei St. Gallen landete und schliesslich im Januar 2016 wieder zu Xamax in die Challenge League zurückkehrte. «Es ist in schon viel zusammengekommen», sagt Mickaël Facchinetti nachdenklich. «Aber all das macht dich so stark, dass dich nichts mehr aus der Bahn werfen mag. Ich bin jemand geworden, der alles macht, um seine Ziele zu erreichen.»

Xamax-Konkurs als Lehrjahr

Kaum etwas versinnbildlicht seine Geschichte so gut wie das Jahr 2011. Das Jahr, als ­Bulat Tschagajew ausgerechnet im 100-jährigen Vereinsjubiläum Xamax und damit das Lebenswerk seines geliebten Grossvaters zerstörte. Es war für ihn prägend. Die


Mickaël Facchinetti

­ rbeitsbedingungen waren schwierig, der A mediale Lärm ohrenbetäubend und überdies waren Lohnzahlungen ausgeblieben. Und dennoch, so betont Facchinetti, sei dies damals die beste Mannschaft gewesen, in der er je gespielt hatte. «Wir hielten zusammen, komme, was da wolle. Da waren TopSpieler wie David Navarro oder Victor Sanchez – und alle zogen mit. Wir gegen die Welt: Diese Erfahrung hat mich nachhaltig geprägt.» So sehr ihn das Ende von Xamax geschmerzt hatte, so sehr habe er in diesem Jahr auch profitiert.

50 weitere Franken von Nuzzolo?

Nun geht er also beim FC Thun in die zweite Halbzeit. Von Nebengeräuschen will er sich dabei nicht stören lassen, er schätzt es deshalb auch, dass man im Berner Oberland ruhig arbeiten kann. Sogar jetzt, da die

Mannschaft in den Tabellenkeller abgerutscht ist, ist in der Stockhorn Arena kaum Nervosität geschweige denn Panik auszumachen. «Da kann man sich besser auf das

«Für mich beginnt jetzt die zweite Halbzeit. Ich muss doch auch für mich schauen.» Mickaël Facchinetti über die Zukunft.

Wesentliche konzentrieren», erklärt er. Wohin sein Weg in der zweiten Halbzeit ­ mittelfristig führen wird, ist für ihn aber ­ noch völlig unklar. Die Erfahrung habe ihn

gelehrt, dass der Fussball der einzige Beruf sei, bei dem man nicht einmal sagen könne, wo man in sechs Monaten stehe. Individuelle Ziele öffentlich zu formulieren sei deshalb überflüssig. Obschon – es gäbe da schon etwas, das er gerne erreichen würde. Als er 2009 sein Super League-Debüt gab, wettete der damalige Captain Raphaël Nuzzolo mit ihm um 50 Franken, dass er nicht mehr als 15 Spiele im Oberhaus schaffe. Als Facchinetti die Marke erreicht hatte, meinte Nuzzolo, dass er ihm noch einmal 50 Franken für sein erstes Super League-Tor gebe. Heute, nach mehr als 140 Spielen, musste Nuzzolo immer noch nicht bezahlen. «Wahsinn, oder?» sagt Facchinetti und schüttelt den Kopf. Irgendwie habe es mit diesem Tor einfach noch nicht klappen wollen. Dann sagt er lächelnd: «Aber diese 50 Franken werde ich mir schon noch holen.» l

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Raiffeisen Super League

ÂŤJeder hat seine


Lucas Andersen

en eigenen Weg» Er hat schon Auftritte in der Champions League in den Beinen, gegen Top-Klubs wie Barcelona und Paris Saint-Germain. Zwei Meistertitel stehen in seinem Palmarès, ­gewonnen mit Ajax Amsterdam. Dabei ist Lucas Andersen erst 22 Jahre alt – und will seiner Karriere bei GC neuen Schub verleihen. Text: Andy Maschek Fotos: Christoph Kaminski, Sandro Stutz

Leger schlendert Lucas Andersen an diesem Spätsommernachmittag über den GC/ Campus. In der einen Hand hält er seine Fussballschuhe, mit der anderen prellt er ­einen Ball. Er lächelt und versprüht Zufriedenheit und gute Laune. Möglicherweise, weil er am anderen Tag seinen 22. Geburtstag feiern wird, wahrscheinlicher aber, weil es ihm bei den Grasshoppers gut gefällt. Er sagt, während er die Schuhe fürs bevorstehende Training schnürt: «Eine schöne Stadt, gutes Wetter, eine schöne Natur rundherum. Ich geniesse es wirklich hier.» Seit einigen Wochen lebt und arbeitet Lucas Andersen nun also in Zürich. Der Grasshopper Club hat ihn mit einem Vierjahresvertrag ausgestattet und verfolgt auch mit seiner ­Verpflichtung den neuen Kurs, auf junge Spieler zu setzen. Denn mit 22 Jahren ist Andersen ja noch ­immer jung, auch wenn er schon eine bewegte Kariere hinter sich hat und in Spielen gegen namhafte Klubs ­zaubern durfte.

Rasanter Aufstieg

Angefangen hat alles ganz früh, damals in Aalborg, der mit rund 112 000 Zuschauern viertgrössten Stadt Dänemarks. Schon im Alter von drei Jahren trat er mit dem Fuss nach allem Möglichem, erzählte ihm später sein Vater. Lucas muss der Fussball also in den Genen gesteckt haben – und so bekam

er auch schnell einen Ball geschenkt. Bald trat er dem lokalen Fussballklub bei,­ Aalborg Freja, ehe er später zu Aalborg BK wechselte. Dort ging es stetig aufwärts mit ihm, er kam seinem Ziel, mal mit dem Fussball sein Leben zu verdienen, immer näher. Am 5. März 2011 war es dann bereits so weit. Im zarten Alter von 16 Jahren, 5 Monaten und 20 Tagen debütierte er für Aalborg in der höchsten Liga Dänemarks. Mit seinem Einsatz war er der jüngste Aalborg-Spieler seit 1922 und erhielt so einen Eintrag in den Geschichtsbüchern des vierfachen ­dänischen Meisters. Lucas Andersen schien damals also irgendwie frühreif, es ging alles ganz schnell und vor allem in eine Richtung: aufwärts. Der nächste Schritt war dann der Wechsel zu Ajax Amsterdam. Im Sommer 2012 war das, kurz vor seinem 18. Geburtstag. In diesem Alter die Heimat zu verlassen braucht Mut. «Ja, das war früh», sagt der Offensivspieler denn auch selber. «Aber wenn man eine Chance bei Ajax bekommt, diesem Klub mit dieser Geschichte, muss man sie einfach ­packen.» In Holland wurde der rasante Aufstieg natürlich etwas gestoppt, in der ersten ­ ­Saison wurde Andersen vornehmlich in der zweiten Mannschaft eingesetzt, nur elf ­Minuten in der Eredivisie sind da in seiner Statistik zu finden. Im folgenden Jahr mehrten sich die Einsätze, auch Auftritte in der Champions und in der Europa League gegen Teams wie AC Mailand, Celtic Glasgow oder Red Bull Salzburg wurden ihm gewährt. In diesen zwei Jahren sicherte sich

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Raiffeisen Super League

Nationalität: Dänemark Position: Mittelfeld Geburtstag: 13. September 1994 Grösse: 184 cm Gewicht: 74 kg Vereine: Grasshopper Club Zürich, Ajax Amsterdam, Willem II, Aalborg BK

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LUCAS ANDERSEN der Rekordmeister Hollands die Meistertitel Nummer 32 und 33, mit Andersen im Kader. Wiederum ein Jahr später folgte schliesslich der grosse Aufschwung. Andersen war fixer Bestandteil des Teams, durfte in den Highlights gegen Barcelona und PSG mittun, ­erzielte gegen Apoel Nikosia seinen ersten Treffer in der Champions League und traf im heimischen Championnat zweimal ins Schwarze. Nur: Ajax wurde nicht Meister. Am Ende triumphierte der PSV Eindhoven mit satten 17 Punkten Vorsprung auf Ajax. Es war eine schwere Niederlage für den ­Traditionsklub, der zuvor vier Titel in Serie gefeiert hatte, entsprechend waren die ­Reaktionen. «Da tauchten natürlich Fragen wie ‹Ist es das richtige Team› auf», erinnert sich der 22-Jährige. Ajax sei eine schöne Zeit gewesen, mit den Highlights gegen Barça und PSG, «wegen solchen Spielen wird man Fussballprofi!». Dennoch entschied er sich zu einer Luftveränderung, und das, obwohl er erst den Vertrag bis

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2018 verlängert hatte. «Es war mein Wunsch», erklärt der Däne. «Für mich war es wichtig, jedes Spiel zu spielen und eine wichtige Rolle zu bekleiden. Ich brauchte diesen Wechsel. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass Ajax das Richtige ist für mich, die Perspektiven hatten geändert.» Andersen wurde schliesslich an Willem II Tilburg ausgeliehen und erhielt, was er sich erhofft hatte. Er war Stammspieler und mit wettbewerbsübergreifenden zehn Treffern zweitbester Torschütze des Teams.

«Wollte etwas Frisches»

Und nun also der Wechsel in die Schweiz, nach Zürich. «Ich wollte einen Neuanfang, etwas Frisches, neue Gesichter, einen neuen Ort, ein neues Gefühlt», lautet seine Erklärung. Als Junge habe er seinen neuen Arbeitgeber wegen «Grasshopper» lustig ­ gefunden, doch richtig gekannt habe er ihn nicht. «Für mich war es wichtig, in einem Team eine grosse Rolle zu bekommen, ein

wichtiger Spieler zu sein. Einer zu sein, der das Team trägt, eine Stütze. GC bat mir diesbezüglich gute Perspektiven und ich hatte das Gefühl, dass ich da wirklich gut reinpasse.» Sein Weg in die Schweiz mutet vielleicht ­etwas seltsam an, denn oft versuchen Spieler aus dem hohen Norden, aus den heimischen Ligen den Sprung nach Deutschland oder England zu schaffen. Das ist auch ­Andersen klar, doch er sagt: «Ich glaube, ­jeder hat seinen eigenen Weg. Für mich war wichtig, einen Ort zu finden, wo ich jedes Spiel spielen kann und wichtig bin. Vielleicht ist es ein Zwischenschritt, bevor man zu einem richtig grossen Klub gehen kann.» ­ Für ihn sei nun einfach wichtig, dieses Vertrauen aufzubauen, wichtig für das Team zu sein und Leistung auf hohem Niveau bringen zu müssen statt zu einem grossen Klub zu wechseln, dort auf der Bank zu sitzen und nur ein paar Chancen zu bekommen. «Ich denke, das wäre im Hinblick auf die


Lucas Andersen ­Zukunft das grössere Risiko. Bei GC hat für mich das Paket gestimmt.» Der Start in der Schweiz war für den jungen Dänen allerdings nicht einfach. Weil die ­Zürcher in der Qualifikation für die Europa League engagiert waren, dominierten Spiele, Spielvorbereitungen und Regeneration die ersten Wochen und fehlte oftmals die

sollte stabiler werden in den Leistungen. Ich bin noch jung, will aber jetzt den nächsten Schritt machen», sagt Andersen, der sich mittlerweile aber bestens eingelebt hat. Nach den vielen Spielen am Anfang werde das Team nun immer besser, «der Klub ist auf dem Weg vorwärts».

Die Zuschauer belohnen

Das Ziel seines Engagements ist für den ­Dänen, der mit seiner Freundin in der Stadt lebt und gerne kocht («von Käse bin ich «Für mich war aber kein grosser Fan») klar: «Als Klub wichtig, einen Ort zu ­wollen wir am Ende in der Tabelle besser dastehen als letzte Saison. Und ich will finden, wo ich jedes ­helfen, dass wir als Team auf ein höheres Level kommen. Persönlich will ich wichtig Spiel spielen kann für das Team sein, Tore erzielen, Assists und und wichtig bin. zweite Assists realisieren, kreativ sein und Chancen ermöglichen.» Er habe es gerne, Vielleicht ist es ein dem Publikum etwas Spezielles zu bieten, einen schönen Trick oder Move, «es macht Zwischenschritt.» Spass, die Zuschauer zu belohnen». Lucas Andersen über den Wechsel zu GC. Klar ist, dass Lucas Andersen für GC ein Perspektivspieler ist. Einer, von dem man Zeit fürs eigentliche Training. «Man kann­ hofft, ihn später mal mit Gewinn verkaufen ­natürlich durch Spiele stärker werden. Doch zu können. Das ist auch im Sinn des wenn man zu einem neuen Klub kommt, ­ Offensivspielers, der, natürlich, von ist es schon angenehmer, zuerst viele Trai- ­Höherem träumt als von der Raiffeisen nings mit dem Team bestreiten zu können», Super League. Helfen soll ihm nun auch so Andersen. «Dass man sich entwickeln Teamkollege Kim Källström, der im und anpassen kann und sieht, was man hier ­ jungen Hoppers-Team die absolute will. So wurde ich halt ins kalte Wasser ­Vorbildfunktion hat. Auch für Andersen: ­geworfen.» «Er hat in europäischen Top-Klubs Dass er sich auch in dieser Situation über ­gespielt und weiss, was es braucht, um Wasser halten kann, hat Lucas Andersen in ein Top-Profi zu sein. Es ist wichtig, den letzten Wochen gezeigt. Er ist ein blen- ­ einen solchen Spieler im Team zu dender Techniker, kann für Überraschungs- ­haben, der weiss, was es braucht, um momente sorgen und sucht auch den Ab- grosse Matches zu bestreiten.» schluss. So sieht er sich, auf die eigenen Andersens Idole waren Ronaldinho Stärken angesprochen, auch selber: «Ich bin und Iniesta, Zidane oder Michael Lautechnisch gut, schnell mit dem Ball, kreativ drup. Klangvolle Namen im Weltfussund auch torgefährlich.» Was soll besser ball, zu denen dereinst am liebsten werden? «Die Physis und das Kopfballspiel, auch sein eigener Name gehören soll. Im das kann wirklich besser werden. Und ich Gespräch zeigt der Däne ein gesundes

Selbstbewusstsein, ohne aber arrogant zu wirken. Er weiss, was er will, wohin er will und wählt die Worte bedacht. In eine TopLiga soll sein Weg führen, zu einem grossen Verein. Um das zu erreichen, will sich der 22-Jährige Zeit geben, geduldig bleiben. Seine Traumdestination wäre Real Madrid. Er sagt lachend: «Für mich spielt es keine Rolle, wann ich für Real spiele – ob mit 27 Jahren oder schon nächstes Jahr. Man weiss nie, wann man auf den persönlichen Höchstpunkt kommt. Aber wenn ich zeigen kann, wie gut ich zu sein glaube, ist ein ­Top-Klub realistisch.» l

Schmerzhaftes Nati-Debüt Der schnelle Aufstieg von Lucas Andersen spiegelt sich auch in seiner Statistik wider. Zwei Einsätze im dänischen A-Nationalteam durfte er schon leisten, beide in der Saison 2014/2015, als er sich bei Ajax durchsetzen konnte. Vor allem das Debüt am 18. November 2014 auswärts gegen Rumänien wird ihm wohl immer in Erinnerung bleiben. Nicht weil die Dänen mit 0:2 verloren, sondern weil Andersen nach 27 Minuten ausgewechselt werden musste. «Ich bekam einen Ellbogen ins Gesicht, drei Zähne waren eingedrückt», sagt er. Die Zähne konnten fixiert werden, wobei einer nach diesem Zwischenfall abstarb. Momentan gehört er zum Kader des U21-Nationalteams, das sich bereits für die U21-EM 2017 in Polen qualifizieren konnte. Doch das Ziel des Neu-Hoppers ist natürlich die Rückkehr ins A-Nationalteam. Er sagt: «Es wäre auch einer der nächsten Schritte in meinem Prozess. Wenn ich in Zürich meine Fähigkeiten zeige, wird das auch wieder ein Thema.»  l FOOT  33


Raiffeisen Super League

«Es muss bal


Alain Rochat

ld passieren» Alain Rochat hat sich in der Innenverteidigung der Young Boys mit 33 Jahren wieder einen Stammplatz erkämpft. Der Romand freut sich darüber – vor allem, weil er so mehr dazu beitragen kann, «die Geschichte» zu Ende zu schreiben, die er 2002 begonnen hatte.

Text: Matthias Müller Fotos: Pius Koller

Es war im Jahr 2002, als Alain R ­ ochat sein Debüt in der höchsten Spielklasse gegeben hatte. YB spielte damals seine erste Saison nach dem Wiederaufstieg, die Liga hiess NLA, die Rückrunde war eine Finalrunde, der Rasen noch echt, und die Homebase lag im Neufeld. Rochat, der junge Romand, der von Yverdon ­ ­gekommen war, war eben erst 19 Jahre alt geworden und verteidigte 90 Minuten lang neben dem gestandenen Armenier Harut Vardanyan im Zentrum. YB gewann mit 4:0 gegen Sion – die grosse Story wäre eigentlich aufgegleist gewesen. Nur: Das vierte Tor erzielte ein eingewechselter 16-Jähriger. Er hiess Johan Vonlanthen, galt als Jahrhunderttalent und wurde zwei Jahre später zum jüngsten EM-Torschützen aller Zeiten. Heute spielt Johan Vonlanthen nur noch eine kleine Rolle beim FC Wil. Er ist den himmelhohen Erwartungen nie gerecht ­geworden. Alain Rochat hingegen trägt immer noch gelb-schwarz. Oder wieder, wenn man genau sein möchte. Der 33-Jährige ist einer der erfahrensten Spieler der Liga, von allen Aktiven hatten einzig sein Innenver­ teidigungspartner Steve von Bergen (33), Vaduz-Goalie Peter Jehle (34) und Lausannes Xavier Margairaz (32) ihr Debüt vor ihm gegeben. Rochat sagt: «Ich war damals in einem Klub im Aufbruch. Einem Klub, der

Die ersten Zeilen aus dem Jahr 2002: YB-Verteidiger Alain Rochat im Infight mit FCZ Stürmer Mikheil Kavelashvili.

sich zum Ziel gesetzt hatte, sich nachhaltig zu etablieren und eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen.»

Acht Jahre auf Reisen

Drei Jahre hatte er der ehemalige Junioreninternationale und sogar einmalige Nationalspieler (im Sommer 2005 gegen die Fä-

FOOT  35


Raiffeisen Super League

21

röer Inseln) zu diesem Projekt beigetragen. Dann verliess er den Verein in Richtung Rennes. YB war mittlerweile ein Player ­ geworden und mit dem bevorstehenden ­ Einzug ins Stade de Suisse sollte das zweite Ziel avisiert werden: «Einen Titel zu holen», wie Rochat es ziemlich direkt formuliert. Dass das bis heute nicht gelungen ist, ­verwundert den Romand schon ein wenig. Acht Jahre war er weg, er gewann mit dem FC Zürich 2006 und 2009 die Meisterschaft und machte sich dann auf in sein Geburtsland Kanada, genauer gesagt nach Vancouver, wo er nicht nur das Land, sondern bei einer neuen MLS-Mannschaft eine neue Fussball-Welt mit Playoffs, Salärobergrenzen und Trades kennenlernte. «Alles in allem eine grossartige Erfahrung», wie der vier­ fache Familienvater heute sagt. Dass er 2013 dennoch wieder zurückgekommen ist, ist der Situation in Bern geschuldet. Heute wäre ja alles da – ein grosses Stadion, viele treue Fans und eine Mannschaft, die trotz aller Unkenrufe auf absehbare Zeit der ­einzig richtige Herausforderer des FC Basel sein dürfte. Rochat sagt: «Hier ist die Geschichte nicht fertiggeschrieben worden. Ich will, dass wir sie zu Ende bringen. Ich will mit YB einen Titel gewinnen.» Zugegeben, vergegenwärtigt man sich die aktuelle Situation – Basel hat in der Meisterschaft noch keinen Match verloren, während bei YB wieder einmal unter lautem medialem Lärm eine Umstrukturierung eingeleitet wurde (siehe Box) – mag das realitätsfremd klingen. Doch das ist es nicht. Dass man hinter dem FC Basel das Rennen um die Restmeisterschaft bestreitet, steht ja nicht zur

A L AIN ROCHAT Nationalität: Schweiz Position: Verteidigung Geburtstag: 1. Februar 1983 Grösse: 180 cm Gewicht: 78 kg BSC Young Boys, Vereine: DC United, Vancouver, FC Zürich, Stade Rennes, Yverdon-Sport

36

FOOT


Alain Rochat Diskussion. Ebenso wenig, dass man einfach auf sich selber schauen muss. Aber der Cup – dieser Wettbewerb, bei der die ­Tagesform das System aushebeln kann – ist eben auch ein Titel. Und im Gegensatz zum Eishockey auch einer mit sehr grosser ­Bedeutung. Der FC Basel hat ihn vor vier Jahren zum letzten Mal gewonnen, in diesem Jahr gewann ihn gar der zuvor abgestiegene FCZ. Rochat hat den Cup dagegen noch nie gewonnen. Es ist der Titel, der ihm fehlt. «Ich war im Halbfinal und im Final. Aber den Cup endlich zu gewinnen – das ist mein ganz grosses Ziel.» Und: «Es muss bald passieren. Ich habe keine zwanzig ­Jahre Karriere mehr vor mir.» Vorderhand sind Rochat und die Young Boys da noch auf Kurs –  die Pflicht gegen Veltheim und Bazenheid ist erledigt, nun folgt mit GC der erste grosse Gegner. ­Rochat gibt zu, dass er bei diesen Spielen speziell angespannt ist und dass die Anspannung in den letzten Jahren zugenommen hat. Im Wissen, wie wenig es braucht, um zu scheitern. Es ist ihm, es ist den Young Boys schon so einige Male passiert.

«Geil, ständig im Einsatz zu stehen»

Nun, natürlich gilt es auch in den anderen Wettbewerben etwas zu gewinnen – es muss ja nicht immer der Titel sein. Und das Schöne daran: Alain Rochat kann dabei alles in die Waagschale werfen, was er zu bieten hat. Denn zum ersten Mal seit seiner Rückkehr zu YB scheint er im breit besetzten ­Kader tatsächlich Stammspieler geworden zu sein. Er relativiert das zwar, sagt Dinge wie «Stammspieler bist du nie definitiv» oder «morgen kann alles anders aussehen». Aber es ist schon so: Er geniesst seinen ­aktuellen Status als Partner von Steve von Bergen im Verteidigungszentrum. «Es ist geil, ständig im Einsatz zu stehen – vor allem, weil wir ja noch in drei verschiedenen Wettbewerben vertreten sind und das viel Abwechslung bietet. Für einen älteren Spieler wie mich ist dies das Beste, ein super Rhythmus», sagt er und schmunzelt. Dass es für ihn noch einmal zu einem s­ olchen «Hurra» kommt, ist indessen nicht gänzlich überraschend. Bereits in der letzten Saison hatte sich ein Aufstieg abgezeichnet. Der Trainerwechsel von Uli Forte hin zu Adi Hütter brachte einen Umschwung. Der Österreicher macht keinen Hehl daraus, dass er viel von seinem Schützling hält. Er bezeichnete ihn gegenüber der «Berner Zeitung» als «pflichtbewusst» und adelte ihn sogar mit der Aussage, er sei der «fussballerisch beste Innenverteidiger» bei YB. Er schätzt seine Fähigkeit, das Spiel aufzubauen. So spielte

Rochat immer häufiger, erst eine Bänderverletzung verbannte ihn zum Schluss ­wieder an die Seitenlinie. Und dies – man muss es wohl «glückliches Timing» nennen – nur wenige Tage, nachdem sein Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Weitere begünstigende Umstände? Rochat konnte die Vorbereitung vollständig und mit vielen Einsatzminuten bestreiten, ­während einige seiner Konkurrenten mit Verletzungen zu kämpfen hatten. Trainer Hütter hat kürzlich den teuren Star Milan ­Vilotic aussortiert und in die U21 geschickt, mit Gregory Wüthrich hat sich ein weiterer Innenverteidiger mit einer schweren Ver­ letzung aus dem Rennen nehmen müssen. Natürlich, mit dem jungen Nicolas Bürgy und dem ghanaischen Neuzuzug Kasim Adams Nuhu gibt es immer noch zwei ­Innenverteidiger, die auf seinen Job aspirieren, und vielleicht könnte sich die Situation schnell ändern. Doch weil der Trainer auf Rochats facettenreicheren Stil steht – der 33-Jährige hat auch mehr als genug Erfahrung auf der linken Abwehrseite und im zentralen Mittelfeld gesammelt – kommt Rochat aktuell Mal ums Mal zum Zug.

Playoffs? «Es ist, wie es ist»

Auf die Zukunft angesprochen gibt sich ­Rochat verständlicherweise zurückhaltend. Trotz des Wissens, dass die systematische Dominanz des FC Basel nicht durchbrochen werden kann, sagt er nicht, dass die Meisterschaft gelaufen sei. Obschon er schon 33 Jahre alt ist und man in Bern künftig wieder vermehrt auf junge Spieler setzen will, sagt er auch nicht, dass er in der kommenden Saison nicht mehr hier auf dem Platz steht. Er wolle es für sich und das Team so halten, dass man sich auf sich selber zu konzentriere müsse. «Natürlich wären Playoffs, wie sie auch in den USA gespielt werden, für uns cool», meint er dann und driftet kurz in den letzten Frühling ab, als der benachbarte

«Hier ist die Geschichte nicht fertiggeschrieben worden. Ich will, dass wir sie zu Ende bringen. Ich will mit YB einen Titel gewinnen.» Alain Rochat über seine Ziele bei YB.

SCB in den Playoffs vom 8. und letzten Playoffplatz aus noch die Meisterschaft gewann. «Für das liebe ich Hockey», meint er und schmunzelt. Dann bricht er den Gedanken gleich wieder ab. «Über das brauchen wir jetzt nicht zu diskutieren. Es ist, wie es ist.» Fürwahr, Alain Rochat hat keine Zeit zu ­verschwenden. Er hat, bevor er eines Tages dieses Stadion verlässt, noch eine Geschichte zu Ende zu schreiben.  l

Christoph Spycher ist neuer Sportchef der Young Boys Der «Blick» schrieb von Berner Chaostagen und traf damit den Nagel ziemlich gut auf den Kopf. Am 13. September verschickte der Klub eine skurrile Medienmitteliung des ­Verwaltungsrats und trat damit einen veritablen «Shitstorm» los. Im Rahmen einer Umstrukturierung hätten sich CEO Alain Kappeler und Sportchef Fredy Bickel entschlossen, das Unternehmen zu verlassen. Die Bereiche Sport und Kommerz würden wieder zusammengeführt und unter dem neuen CEO Wanja Greuel organisiert. Dem noch nicht genug, liess VR-­Mitglied Urs Siegenthaler, ein Basler und der eigentliche Architekt dieser Reorganisation, verlauten, dass jegliche Ambitionen, den FC Basel herauszufordern schon immer unrealistisch gewesen wären und nun definitiv begraben werden müssen. In der Folge gingen die Wellen so hoch, dass Siegenthaler aus dem Amt gespült wurde und der designierte Bickel-Nachfolger Paul Meier sein neues Amt trotz Vertrags nicht antreten wird. Neuer Sportchef wird mit Christoph Spycher (38) nun der bisherige YB-Talentmanager. FOOT  37


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FCB-Stürmer Sey dou Doumbia

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2016/2017 2016 • Nr. 1 • Saison

Saison 2016/2017

Freitag, 09.09.2016 Ambrì-Piotta – HC Davos SC Bern EHC Biel

SCL Tigers ZSC Lions

– Lausanne HC

EHC Biel

– Ambrì-Piotta

EV Zug

– HC Davos

– Lausanne HC

GE Servette – EHC Kloten Lausanne HC – FR Gottéron HC Lugano – SCL Tigers

Samstag, 10.09.2016 HC Davos – EV Zug GE Servette – EHC Biel

FR Gottéron – HC Davos Lausanne HC – EV Zug HC Lugano – GE Servette

FR Gottéron – SC Bern EHC Kloten – HC Davos HC SCL Tigers – Lausanne ZSC Lions – HC Lugano

GE Servette – SCL Tigers Lausanne HC – EHC Kloten HC Lugano – FR Gottéron

FR Gottéron – EHC Kloten Lausanne HC – HC Lugano SCL Tigers – EHC Biel ZSC Lions

– Ambrì-Piotta

Samstag, 01.10.2016 Ambrì-Piotta – HC Davos – ZSC Lions EHC Biel HC GE Servette – Lausanne EHC Kloten – SCL Tigers HC Lugano – SC Bern – FR Gottéron EV Zug

Dienstag, 04.10.2016 SCL Tigers – Ambrì-Piotta

EHC Kloten – Ambrì-Piotta SCL Tigers – ZSC Lions – EHC Biel EV Zug

Freitag, 07.10.2016 – GE Servette SC Bern HC Davos

Samstag, 24.09.2016 Ambrì-Piotta – SCL Tigers – SC Bern EHC Biel

– SCL Tigers

FR Gottéron – ZSC Lions – EHC Kloten EV Zug

SCL Tigers ZSC Lions

GE Servette – HC Lugano EHC Kloten – ZSC Lions

FR Gottéron – HC Lugano HC EHC Kloten – Lausanne SCL Tigers – GE Servette ZSC Lions – EV Zug

Dienstag, 08.11.2016 Lausanne HC – GE Servette

EHC Biel

Freitag, 11.11.2016 Ambrì-Piotta – ZSC Lions

– FR Gottéron

EV Zug

HC Lugano – EV Zug

Samstag, 15.10.2016 Ambrì-Piotta – FR Gottéron – EHC Kloten EHC Biel GE Servette – ZSC Lions Lausanne HC – HC Davos SCL Tigers – SC Bern

GE Servette – HC Davos EHC Kloten – FR Gottéron HC HC Lugano – Lausanne – SC Bern EV Zug

– SCL Tigers

Samstag, 22.10.2016 Ambrì-Piotta – EHC Biel HC Davos – EV Zug HC FR Gottéron – Lausanne EHC Kloten – GE Servette SCL Tigers

Samstag, 12.11.2016 – HC Lugano SC Bern

EHC Biel

FR Gottéron – EV Zug SCL Tigers – EHC Kloten ZSC Lions – EHC Biel

Dienstag, 15.11.2016 – FR Gottéron SC Bern HC Davos – EHC Kloten GE Servette – EHC Biel Lausanne HC – SCL Tigers HC Lugano – ZSC Lions

– EV Zug

Lausanne HC – SC Bern HC Lugano – HC Davos ZSC Lions

CK

E Y- C L

Freitag, 18.11.2016 HC Ambrì-Piotta – Lausanne – HC Lugano EHC Biel GE Servette – SC Bern EHC Kloten – EV Zug SCL Tigers – HC Davos

Samstag, 19.11.2016 – EHC Kloten SC Bern HC Davos – ZSC Lions FR Gottéron – SCL Tigers – GE Servette EV Zug

Sonntag, 20.11.2016 ZSC Lions – FR Gottéron Lausanne HC – EHC Biel Montag, 21.11.2016 HC Lugano – Ambrì-Piotta

Freitag, 25.11.2016 Ambrì-Piotta – EHC Biel SC Bern

Di. 07.03.2017

Kari Jalonen: Der neue SCB-Trainer im grossen Interview

Christian Marti: Der neue ZSC-Verteidiger in seinem Wald

Sa. 11.03. 2017

Di. 14.03. 2017

Do. 16.03. 2017

Sa. 18.03. 2017

1/4-Final 2 Sa. 04.03.2017

Di. 07.03.2017

Do. 09.03. 2017

Sa. 11.03. 2017

Di. 14.03. 2017

NL A-Spielplan Saison 2016/2017

Do. 16.03. 2017

Sa. 18.03. 2017

(Best of seven)

:

1/2-Final 1 Di. 21.03.2017

Do. 23.03.2017

:

Sa. 25.03.2017

:

Di. 28.03.2017

:

Do. 30.03.2017

:

Sa. 01.04.2017

EV Zug

– ZSC Lions

Samstag, 26.11.2016 – SC Bern EHC Biel HC Davos – FR Gottéron GE Servette – Ambrì-Piotta

:

Di. 04.04.2017

:

(Best of seven)

2.

Freitag, 09.12.2016 HC Davos – HC Lugano

EHC Kloten – SCL Tigers HC Lugano – EV Zug ZSC Lions

GE Servette – EHC Biel SCL Tigers – ZSC Lions

– Lausanne HC

Dienstag, 29.11.2016 Ambrì-Piotta – SC Bern GE Servette – ZSC Lions

EV Zug

4.

FR Gottéron – EV Zug HC Lugano – Ambrì-Piotta

– HC Davos

EV Zug

Sonntag, 11.12.2016 Ambrì-Piotta – FR Gottéron EHC Kloten – SC Bern

Freitag, 02.12.2016 – HC Lugano SC Bern HC HC Davos – Lausanne FR Gottéron – EHC Biel

5.

6.

SCL Tigers

7.

ZSC Lions

EHC Kloten – GE Servette Lausanne HC – Ambrì-Piotta SCL Tigers – HC Davos ZSC Lions

EV Zug

HC Lugano – GE Servette

Donnerstag, 22.12.2016 Ambrì-Piotta – EHC Kloten HC Davos – EHC Biel FR Gottéron – ZSC Lions GE Servette – SC Bern

HC HC Lugano – Lausanne – SCL Tigers EV Zug

HC Davos

Nashville-Verteidiger Yannick Weber: Marco Bührer & Beni Plüss

ZSC Lions

– HC Lugano

HC GE Servette – Lausanne EHC Kloten – ZSC Lions SCL Tigers – SC Bern

Sonntag, 08.01.2017 – EHC Kloten SC Bern FR Gottéron – EHC Biel Lausanne HC – GE Servette HC Lugano – HC Davos ZSC Lions

– SCL Tigers

EV Zug

– Ambrì-Piotta

(Best of seven)

:

Final Do. 06.04.2017

Sa. 08.04.2017

:

Di. 11.04.2017

:

Do. 13.04.2017

:

Sa. 15.04.2017

:

:

:

Mo. 17.04.2017

Do. 20.04.2017

Schweizer Meister

(Best of seven)

:

1/2-Final 2 Di. 21.03.2017

Do. 23.03.2017

:

Sa. 25.03.2017

:

Di. 28.03.2017

:

:

:

:

2016/2017

Do. 30.03.2017

Sa. 01.04.2017

Di. 04.04.2017

Freitag, 13.01.2017 – Ambrì-Piotta EHC Biel HC Davos – SC Bern

FR Gottéron – HC Davos Lausanne HC – ZSC Lions SCL Tigers – EHC Kloten EV Zug

– HC Lugano

Dienstag, 17.01.2017 Lausanne HC – EHC Biel Freitag, 20.01.2017 – Ambrì-Piotta SC Bern EHC Biel

– SCL Tigers

HC FR Gottéron – Lausanne HC Lugano – EHC Kloten ZSC Lions – GE Servette

(Best of seven)

:

Samstag, 21.01.2017 Ambrì-Piotta – ZSC Lions GE Servette – HC Lugano EHC Kloten – HC Davos SCL Tigers – FR Gottéron – SC Bern EV Zug

Dienstag, 24.01.2017 FR Gottéron – GE Servette – Lausanne HC EV Zug

EHC Biel

– HC Davos EHC Biel EHC Kloten – Ambrì-Piotta Lausanne HC – HC Lugano SCL Tigers – EV Zug ZSC Lions

Donnerstag, 02.02.2017 Lausanne HC – EHC Biel

EHC Biel

Refs

– FR Gottéron

Samstag, 25.02.2017 HC Ambrì-Piotta – Lausanne HC Davos – SCL Tigers

– EV Zug

Freitag, 17.02.2017 – EHC Kloten SC Bern

Sonntag, 29.01.2017 EHC Kloten – ZSC Lions

FR Gottéron – SC Bern GE Servette – EHC Kloten HC Lugano – ZSC Lions

– GE Servette

FR Gottéron – Ambrì-Piotta Lausanne HC – EV Zug HC Lugano – HC Davos

EV Zug

– EHC Biel

Samstag, 18.02.2017 HC Davos – ZSC Lions HC GE Servette – Lausanne EHC Kloten – EHC Biel SCL Tigers

– SC Bern

1/4-Final 3 Sa. 04.03.2017

Sa. 11.03. 2017

:

:

:

:

Di. 14.03. 2017

Do. 16.03. 2017

Sa. 18.03. 2017

1/4-Final 4 Sa. 04.03.2017

Di. 07.03.2017

Di. 14.03. 2017

Do. 16.03. 2017

:

Sa. 18.03. 2017

:

:

Freitag, 24.02.2017 – GE Servette SC Bern

HC Lugano – EV Zug SCL Tigers – EHC Kloten

Dienstag, 14.02.2017 HC Davos – EHC Kloten ZSC Lions – SC Bern

FR Gottéron – HC Lugano SCL Tigers – Ambrì-Piotta – EHC Kloten EV Zug

Do. 09.03. 2017

:

Sa. 11.03. 2017

:

:

Elite-Junioren Statistiken

Dienstag, 21.02.2017 HC Davos – Ambrì-Piotta ZSC Lions – EHC Biel

Ambrì-Piotta – HC Lugano

– FR Gottéron

Lausanne HC – HC Davos HC Lugano – SC Bern

Samstag, 28.01.2017 – Lausanne HC SC Bern HC Davos – GE Servette

– FR Gottéron

Ambrì-Piotta – HC Lugano

Sonntag, 19.02.2017 ZSC Lions – SCL Tigers

– HC Davos

EV Zug

Sonntag, 05.02.2017 HC Davos – Ambrì-Piotta GE Servette – FR Gottéron

Freitag, 27.01.2017 Ambrì-Piotta – EV Zug EHC Biel

EV Zug

Samstag, 04.02.2017 – ZSC Lions SC Bern – GE Servette EHC Biel HC FR Gottéron – Lausanne EHC Kloten – SCL Tigers

Sonntag, 22.01.2017 HC Davos – EV Zug

Di. 07.03.2017

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Do. 09.03. 2017

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EV Zug Spielplan & Statistiken NLA National League B Spielplan & Statistiken NLB

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Dienstag, 10.01.2017 GE Servette – SCL Tigers

Samstag, 14.01.2017 Ambrì-Piotta – GE Servette – EHC Biel SC Bern

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Samstag, 07.01.2017 Ambrì-Piotta – EV Zug – FR Gottéron EHC Biel

H

Hockey-Guide 2016 /2017

Lausanne HC HC Lugano SCL Tigers

GE Servette – FR Gottéron HC EHC Kloten – Lausanne HC Lugano – SCL Tigers ZSC Lions – EV Zug

– GE Servette

Ambrì-Piotta – Davos FR Gottéron – EHC Kloten

EHC Kloten – FR Gottéron HC SCL Tigers – Lausanne ZSC Lions – SC Bern

Dienstag, 06.12.2016 – EV Zug SC Bern – Lausanne HC EHC Biel FR Gottéron – SCL Tigers

– HC Lugano

Montag, 02.01.2017 – ZSC Lions SC Bern

Dienstag, 20.12.2016 – HC Lugano EHC Biel GE Servette – EV Zug

GE Servette – HC Davos EHC Kloten – EV Zug Lausanne HC – SC Bern HC Lugano – FR Gottéron

Playout

9.

12.

Freitag, 23.12.2016 – FR Gottéron SC Bern

Lausanne HC – GE Servette ZSC Lions – HC Davos

– GE Servette – EHC Kloten

Samstag, 03.12.2016 Ambrì-Piotta – SCL Tigers – ZSC Lions EHC Biel

8.

10. 11.

– Lausanne HC

Samstag, 10.12.2016 – SCL Tigers SC Bern – EHC Kloten EHC Biel

EHC Kloten – HC Lugano Lausanne HC – FR Gottéron SCL Tigers – EHC Biel

3.

VOS

EHC Kloten

B

Sa. 04.03.2017

Do. 09.03. 2017

C K E Y- C L

U

D AV O S

1/4-Final 1

Rangliste Qualifikation 1.

– HC Davos

FR Gottéron – GE Servette Lausanne HC – EHC Kloten SCL Tigers – HC Lugano

– Ambrì-Piotta

EV Zug

– SCL Tigers

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– Ambrì-Piotta

HC Davos

– HC Lugano

Montag, 24.10.2016 ZSC Lions – SC Bern

Freitag, 28.10.2016 Ambrì-Piotta – EHC Kloten

– HC Lugano

Sonntag, 16.10.2016 ZSC Lions – GE Servette

– SCL Tigers

EHC Biel

GE Servette – Ambrì-Piotta Lausanne HC – ZSC Lions HC Lugano – EHC Kloten

Freitag, 14.10.2016 – SCL Tigers SC Bern HC HC Davos – Lausanne FR Gottéron – Ambrì-Piotta EHC Kloten – EHC Biel

– Ambrì-Piotta

EV Zug

Freitag, 21.10.2016 – HC Davos SC Bern

Dienstag, 11.10.2016 Lausanne HC – Ambrì-Piotta EHC Kloten – SC Bern

EV Zug

Samstag, 29.10.2016 – EHC Biel SC Bern HC Davos – FR Gottéron

Dienstag, 18.10.2016 Ambrì-Piotta – SC Bern HC Davos – EHC Biel

– FR Gottéron – HC Davos

Ambrì-Piotta – HC Lugano

Sonntag, 09.10.2016 HC Lugano – EHC Biel

H

FR Gottéron – EHC Biel EHC Kloten – HC Lugano

– GE Servette

HC Davos

Freitag, 23.09.2016 – Lausanne HC SC Bern GE Servette – FR Gottéron

– ZSC Lions

Freitag, 16.09.2016 Ambrì-Piotta – GE Servette

Samstag, 08.10.2016 – Lausanne HC EHC Biel GE Servette – EV Zug

Freitag, 30.09.2016 – EV Zug SC Bern

Dienstag, 20.09.2016 Ambrì-Piotta – EV Zug – GE Servette EHC Biel

HC Lugano – Ambrì-Piotta

Dienstag, 13.09.2016 – Ambrì-Piotta SC Bern – HC Davos EHC Biel

– EHC Kloten

ZSC Lions

Sonntag, 25.09.2016 HC Davos – HC Lugano

Sonntag, 18.09.2016 HC Davos – SC Bern

EHC Kloten – SC Bern Lausanne HC – FR Gottéron SCL Tigers – ZSC Lions

EV Zug

– EV Zug

Samstag, 17.09.2016 – ZSC Lions SC Bern

– SCL Tigers

FR Gottéron – GE Servette ZSC Lions – EHC Kloten – HC Lugano EV Zug

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9 Nationalität: Australien Position: Sturm Geburtstag: 22. Juli 1991 Grösse: 191 cm Gewicht: 85 kg Vereine: FC Luzern, Roda Kerkrade, Western Sidney, Adelaide United, Inter Zapresic, NK Lokomotiva, Croatia Sesvete, NK Trnje Zagreb

TOMI JURIC 44

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Tomi Juric

wischen Minen nd Millionen Der Australier Tomi Juric ist im FC Luzern einer der Hoffnungsträger. Die Entwicklung ist erstaunlich, denn es hätte nicht viel gefehlt, und die Karriere des Stürmers wäre zu Ende gewesen, ehe sie richtig begann. Jurics Geschichte handelt von Enttäuschungen – und ist ein Testament dafür, dass es sich für einen Traum zu kämpfen lohnt. Text: Nicola Berger Fotos: Christian Pfander

Australien. Man denkt an das Barrier Reef, den Uluru und vielleicht an Rugby, aber eher nicht an Fussball. Bei Tomi Juric aber war es anders. Wenn seine Schulfreunde surften, war er nicht dabei, seine Prioritäten lagen anderswo, beim Fussball nämlich. Er erzählt, wie die Familie eine Matratze anschaffte und wie sie alle darauf vor dem TV lagen: sein Vater, sein Bruder und er, Tomi, um ­mitten in der australischen Nacht die Spiele der englischen Premier League zu schauen. Juric sagt: «Wir hatten nur ein Gesprächs­ thema: den Fussball.» Bei Tomi war früh ein fussballerisches Talent zu erkennen. Aber weil es mit Karriere und

Förderung in Australien nicht nach Wunsch voranging, fasste die ­ Familie 2006 den ­Beschluss, nach Kroa­ tien auszuwandern. Es war kein einfacher Entscheid, Jurics Vater führte ein ­ B auunternehmen , doch die Laufbahn des Sohnes hatte Priorität. Es war ein ­ gros­ser Schritt, denn Aus­ tralien hatte das Leben der Jurics radikal verändert – zum Guten. Der Vater hatte die kroati­ sche Heimat früh verlassen und ver­


Raiffeisen Super League suchte, in Deutschland eine Existenz auf­ zubauen. Doch er endete als Minenarbeiter in Gelsenkirchen. Er schlug sich nach Aust­ ralien durch – und fand dort Glück in der Liebe, und in der Arbeit. Tomi Juric, mittlerweile 25 Jahre alt, sitzt in einem Park in der Nähe der Luzerner swissporarena und sagt: «Es war ein gros­ ses Opfer, nach Kroatien zurückzukehren. Und für mich die beste Motivation, um hart zu arbeiten. Ich wollte meine Familie

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stolz machen, ihnen zeigen, dass es sich ­gelohnt hat.» Zunächst einmal war Kroatien für Tomi Juric allerdings: eine Sackgasse. Er, der seine gesamte Kindheit in Australien verbracht ­ hatte, musste sich erst an die Mentalität im Balkan gewöhnen. Vermutlich wäre ihm die Integration einfacher gefallen, hätte sich die Karriere nach Wunsch entwickelt. Doch ­Kroatien entpuppte sich auch diesbezüglich nicht als das gelobte Land. Juric absolvierte

Probetrainings bei den grossen Zagreber Klubs Dinamo und NK. Er spielte in Split bei Hajduk vor. Aber wo er sich auch zeigte, ­engagiert wurde er nirgends. Stattdessen bekam er zu hören, dass es in seinem Spiel hier noch ein Defizit gebe und da etwas Unausgereiftes. Mit 16 Jahren war Juric so desillusioniert, dass er ans Aufhören dachte. Er


Tomi Juric sah seine Zukunft vor sich: als Arbeiter in der Firma seines Vaters, malochend von früh bis spät. Harte Arbeit, kleiner Ver­ dienst. Der Vater hatte seinem Filius schon in der Kindheit gesagt, es w ­ erde so kommen, wenn er sich im Training nicht genug anstrenge.

Die Traum-Offerte aus China

Doch es kam anders. Juric hangel­ te sich in Kroatien durch Kleinst­

klubs – und wechselte 2013 zurück nach Aus­tralien. Mit den Western Sidney Wande­ rers gewann er 2014 die AFC, die Champi­ ons League Asiens. Er gehörte bei Sidney zu den auffälligsten Akteuren, was Begehrlich­ keiten weckte. Im Januar 2015 erhielt er ein attraktives Angebot aus China; Schanghai Shenhua wollte ihn vergolden, kolportiert wurde eine Offerte, die Juric inklusive ­Prämien über drei Jahre 18 Millionen austra­ lische Dollar eingebracht hätte. Das ist eine irrsinnige Summe, es sind mehr als 13 Millio­ nen Franken, aber Juric lehnte ab. Er hatte Schauergeschichten gehört, was die medi­ zinische Betreuung angeht. Und er sagt ganz grundsätzlich: «China wäre für meine Entwicklung nicht der richtige Schritt ge­ wesen. Ich war nicht bereit dafür.» Natürlich stimmt das. Die Chinese Super League fristet ein Schattendasein, das ­ ­Niveau ist bescheiden. Doch mit 24 Jahren in der Lotterie des Lebens zu gewinnen, die Möglichkeit offeriert zu erhalten, finanziell für immer ausgesorgt zu haben und diese Gelegenheit dann abzulehnen: Das ist nicht alltäglich. Und möglicherweise eine gigan­ tische Torheit. Juric zuckt gelassen mit den Schultern und sagt: «Ein Scout von Bayer Leverkusen hat mir einmal den Rat ge­ geben, es lohne sich nicht, dem Geld hinter­ herzujagen. Er sagte: ‹Wenn Du dein Poten­ zial ausschöpfst, werden sie dich eines Tages sowieso mit Scheinen überhäufen.›»

Rodas Kunstrasen als Hindernis

Juric erinnerte sich an diese Worte, als er über die Avancen aus China nachdachte. Und er beherzte den Ratschlag auch darum,

weil er diesen Traum hatte: Europa zu ­erobern. Er wechselte zu Roda Kerkrade in die holländische Ehrendivision und schoss in 20 Spielen neun Tore. Kerkrade hätte Juric gerne gehalten, aber der Angreifer wollte

Ich wollte meine Familie stolz machen, ihnen zeigen, dass es sich gelohnt hat.» Tomi Juric über die Rückkehr nach Kroatien.

den Vertrag nicht verlängern. Der Grund: Roda spielt auf Kunstrasen, der mit 1,91 Me­ tern grossgewachsene Juric klagte über Reizungen im Knie; oft konnte er nur mit medikamentöser Behandlung spielen. Er sagt: «Ich wäre gerne geblieben. Aber die Belastung war einfach zu gross. Ich wollte nichts riskieren.» So kam es, dass Juric nach Luzern dislozier­ te, zu einem Klub, über den ihm sein Lands­ mann, der ehemalige FCL-Regisseur Oliver Bozanic, Positives berichtet hatte. Trotz den guten Referenzen: Der Wechsel war unkon­ ventionell. Ein Hoffnungsträger aus der ­holländischen Liga, der in der Schweiz zu einem anderen Klub als Basel wechselt? Man sieht das nicht oft. Juric erklärt es so: «Es ist ein Schritt zurück, um zwei Schritte vorwärts zu kommen.» Auch er weiss, dass

Tomi Juric im Dress der australischen Nati: Er ist ein fester Bestandteil der «Socceroos».

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Tomi Juric die Schweiz ein gutes Sprungbrett ist; dass sich zwischen Lausanne und Lugano die Scouts auf den Tribünen tummeln. Doch ehe er den nächsten Schritt macht, muss Juric sich zunächst in der Raiffeisen Super League beweisen. Im FCL gelang ihm ein Start nach Mass, er produzierte in den ersten zwölf Partien drei Tore und sechs Skorerpunkte. Es war ein Debüt, wie es nur wenige erwartet hätten. Denn Juric begann die Saisonvorbereitung als Stürmer Num­ mer 3, hinter dem arrivierten Topskorer Marco Schneuwly und auch hinter dem ­begabten Cedric Itten.

Grösse im Kader. Stört ihn der weite Weg nicht? Und wo fühlt er sich eigentlich zu Hause, wo zugehörig? In Kroatien oder in

«Ich mag Kroatien, meine Freundin ist Kroatin. Aber meine Heimat ist Australien. Ich liebe dieses Land.» Tomi Juric über seine Wurzeln.

Gänsehaut bei der Nationalhymne

Dass Juric trotzdem auf seine Einsatzminu­ ten kam: Es ist keine Selbstverständlichkeit. Zumal da auch die strapaziösen Länder­ spielreisen nach Australien auf dem Pro­ gramm standen. Juric debütierte 2013 im Nationalteam, inzwischen ist er eine fixe

Australien? Juric lächelt. Er sagt: «Ich mag Kroatien, meine Freundin ist Kroatin. Aber meine Heimat ist Australien. Ich liebe dieses Land.» Er erzählt aus seiner Kindheit, wie in der Schule an jedem Montag die National­

flagge gehisst wurde. Und wie er heute Gänsehaut kriegt, wenn vor den Spielen die Landeshymne gespielt wird und er mitsin­ gen kann. Das Fernziel ist klar: Juric möchte es mit Australien an eine WM schaffen, am liebsten schon 2018 in Russland. Die ­ aben Chancen stehen gut: Die «Socceroos» h sich zuletzt drei Mal in Serie für die WM qualifiziert und sie sind ausgezeichnet in ­ die Qualifikationsphase gestartet, woran Juric einen Anteil hatte, mit einem Treffer gegen den Irak. Die WM wäre eine gute Bühne für Juric. Na­ türlich hat er dieses Ziel vor Augen: Irgend­ wann nach England weiterzuziehen, in die Glitzerwelt der Premier League, deren Figu­ ren er einst nachts auf der durchge­legenen Matratze vor dem TV zu verehren begann. Der Weg dahin mag weit erscheinen für ­einen Fussballer im FCL. Aber es wäre nicht die erste Unwägbarkeit, die Tomi Juric in seiner Karriere aus dem Weg räumt. l

FOOT  49


Raiffeisen Super League


Ezgjan Alioski

«Ich kann noch mehr!»

Vor einigen Monaten spielte er noch hinten links, nun wirbelt er vorne rechts: Ezgjan Alioski (24) erzielte in den ersten neun Meisterschaftsspielen für den FC Lugano sieben Treffer, wurde zum Shooting­ star und sorgt nicht nur im Tessin für Schlagzeilen.

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Raiffeisen Super League Text: Andy Maschek Fotos: Urs Lindt

Sein Markenzeichen ist die stylische Frisur mit den blonden Haaren. In den Stadien der Raiffeisen Super League ist er auch deshalb kaum zu übersehen, selbst wenn er erklärt, dass er die Haare seit drei, vier Jahren so trägt und es nichts Besonderes ist. Nach­ haltig bekannt ist Ezgjan Alioski aber auch durch seine wirblige Spiel­ weise, mit der er die gegnerischen Defen­ siven aushebelt. Und natürlich durch seine ­ Kaltblütigkeit vor dem

Tor. Sieben Treffer in den ersten neun ­Meisterschaftsspielen dieser Saison – so oft trafen sonst nur Caio (GC) und Marco Schneuwly (FCL). Dabei wäre die Karriere des Maze­ doniers vor einigen Jahren fast vorbei g ­ ewesen, ehe sie richtig begann. Ezgjan Alioski sitzt in Lugano, trinkt ein Mineralwasser und einen Espresso. Er ­ strahlt Zufriedenheit aus. Er ist im Hoch, hebt aber nicht ab. Er weiss, wie nahe im Profifussball Hochs und Tiefs beieinander sind. Er wuchs im freiburgischen Flamatt auf und wechselte früh zu den Young Boys. Er durchlief Nachwuchsstufe um Nach­ wuchsstufe, war nahe dran, den Sprung zu den Profis zu schaffen. Unter Christian Gross gehörte er dem Kader des ­Fanionteams an, wurde auch ein­ gesetzt. Nicht in der Meister­ schaft, in Testspielen. Im Jahr 2011 war das, es schien eine ­Frage der Zeit, bis er den Durchbruch schafft.

«Ich musste mental sehr stark sein und hatte zum Glück eine sehr starke ­Familie hinter mir.» Ezgjan Alioski über die schwierigeren Zeiten.

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Doch er kam nicht. Alioski bekam keine richtige Chance, wurde in der Meisterschaft nicht eingesetzt und blieb in der U21. Er nimmt einen Schluck Espresso und erklärt: «Als mich Christian Gross in Testspielen ­einsetzte, machte ich mir grosse Hoffnun­ gen. Doch irgendwann merkte ich, dass es nicht klappt und wechselte zu Schaff­ hausen.»

Glücksfall Schaffhausen

Was er damals nicht wusste: Der FC Schaff­ hausen war für ihn kein Notausgang, son­ dern ein Türöffner. Eine Station, die ihn prägte. Denn als die Schaffhauser nicht über die Mittel verfügten, den Bernern die Ausbildungsentschädigung zu überweisen, war er eine Zeitlang arbeitslos, musste aufs RAV. «Ich musste mental sehr stark sein und hatte zum Glück eine sehr starke Familie hinter mir», sagt er rückblickend. ­ «Mein Vater hat mir finanziell geholfen und nie gesagt, ich müsse aufhören und etwas anderes machen. Zum Glück bin ich heute in einer anderen Situation.» Ja, die Situation ist wirklich eine an­ dere. Bei Schaffhausen hatte er mit Präsident Aniello Fontana und Trainer Maurizio Jacobacci Mentoren, die ihn unterstützten. Er wurde zweimal als bester linker Aussenverteidiger der Chal­ lenge League ausgezeichnet, bekam die Zeit, sich zu entwickeln. Jacobacci sei eine sehr wichtige Person in seiner Karriere, sagt Alioski. «Er gab mir in Schaffhausen eine neue Chance, ermöglichte mir einen Neu­ start und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Er hat mich auch als Person weitergebracht, so

EZGJAN ALIOSKI Nationalität: Mazedonien/Schweiz Position: Mittelfeld Geburtstag: 12. Februar 1992 Grösse: 171 cm Gewicht: 68 kg Vereine: BSC Young Boys, FC Schaffhausen


Ezgjan Alioski dass ich als Spieler weiterhin so frech sein konnte.» Und natürlich habe er ihn als linken Verteidiger taktisch stark verbessert, habe grossen Anteil an seiner Entwicklung. Drei Jahre blieb Alioski schlussendlich in Schaffhausen, machte mit dem Klub den Aufstieg von der Promotion bis in die Chal­ lenge League mit. War einer der Erfolgs­ garanten. Doch wie es so ist – der nächste Schritt musste kommen. Und dieser führte nach Lugano, in die Südschweiz. Vor knapp einem Jahr war das, in der letzten Winter­ pause, und es war rückblickend ein ebenso wichtiger Schritt für ihn wie damals jener von YB zu Schaffhausen. «Es war auch das Verdienst meines Beraters Dino Lamberti, denn es ist nicht einfach, einen solchen Transfer zustande zu bringen», so Alioski. Und: «Ich sage immer: Jeder, der noch nie in der Challenge League gespielt hat, sollte es mal tun. Es ist gar nicht einfach. Klar möchte es jeder so schnell wie möglich in die Super League schaffen, aber der andere Weg bringt auch viel.»

Die Versetzung von Zeman

In der Super League, in Lugano, war er zu Beginn kein Shootingstar. Er sass öfters auf der Bank, kam nur zu Teileinsätzen, selbst als es Kanterniederlagen gegen Sion, YB und Basel absetzte. «Ich dachte: Ich bin doch gekommen, um der Mannschaft als linker Verteidiger zu helfen und meine Offensivkraft einzubringen», erinnert sich Alioski. Gleichzeitig versuchte er, sich im Training aufzudrängen und bewies da seine Offensiv-Qualitäten. Dies war wohl dafür verantwortlich, dass der damalige Trainer, der knorrige Tscheche Zdenek Zeman, zum Schluss kam, Alioski in der Offensive statt in der Defensive aufzustellen. Und das mit ­Erfolg. «Verteidiger ist Vergangenheit, jetzt bin ich ein Offensivspieler», sagt Ezgjan Alioski, der Gianni gerufen wird, heute. «Ich bin natürlich sehr glücklich, wie es mir persönlich jetzt läuft. Dass es in neun ­Spielen gleich sieben Tore werden, hätte ich am Anfang der Saison nicht gedacht. Aber ich habe gewusst, was ich vorne leisten und dem Team bringen kann. Ja, zum Glück ist es so rausgekommen.» Sein Werdegang ist einmal mehr ein Zeichen dafür, dass man zum richtigen Zeit­ punkt am richtigen Ort sein muss. Dass es bisweilen vielleicht auch ein Quäntchen Glück braucht. Und vor allem: dass man nie aufgeben darf. Alioski brauchte diesen Wil­ len, diesen Biss, um seine Ambitionen nicht zu begraben, damals bei YB. Entsprechend spielt er auch heute. Er kämpft um jeden Ball, gibt nie auf. Sein Werdegang ist wohl FOOT  53


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Ezgjan Alioski auch mitverantwortlich dafür, dass er jetzt nicht den Boden unter den Füssen verliert. Er sagt: «Ich weiss, wie schwierig es sein kann und geniesse die heutige Situation umso mehr. Ich hoffe, dass es nun weiter aufwärts geht – die andere Seite möchte ich nicht mehr sehen.» Was aber ist der Grund für den Höhenflug des Spielers, der bei den Young Boys einst offensichtlich verkannt worden ist? «Es ist für jeden Fussballspieler sehr wichtig, dass man sich bei seinem Klub, in der Mannschaft wohl fühlt. Dann kann man seine Leistungen bringen. Ich habe gespürt, dass der FC Lugano mir dieses ­ Umfeld bietet – vom Präsidenten über den Staff zum jetzigen Trainer und den Mitspie­ lern. Ich bin im Kopf frei und kann dieses Vertrauen richtig ausnützen», so Alioski.

Vertrag als Dank

Wohin führt dieses Vertrauen den 24-Jähri­ gen noch? Im Sommer, nach einem halben Jahr in der Super League, buhlten Vereine wie YB, Sion oder St. Gallen um ihn. Er blieb in Lugano, unterschrieb einen Vertrag bis 2018. Einerseits, weil man in einem Ge­ spräch mit seinem Berater Dino Lamberti von der Fairplay Agency und den Verant­ wortlichen des FC Lugano zum Schluss kam, dass dies das Beste für seine Karriere ist. Andererseits, weil er sich so beim FC Lugano für das Vertrauen und die ihm ­ gewährte Chance bedanken ­ wollte. «Ich möchte in diesen zwei Jahren dem ­

FC Lugano etwas für dieses Vertrauen zu­ rückgeben und meine Leistungen bestäti­ gen. Wenn es sehr gut läuft, profitieren wir beide. Ich bin wirklich aus Überzeugung bei Lugano geblieben», so Alioski, der natürlich weiss, dass er mit seinen Leistungen das ­Interesse vieler Klubs auf sich gezogen hat und schon im Winter begehrt sein wird. Doch im Moment zählt für ihn nur der FC Lu­ gano, der gut in die Meisterschaft gestartet ist. Das Leben im Tessin, dieses südliche Ambiente, diese Italianità gefallen ihm. Hier kann er sein, wie er ist: wild auf dem Platz, wild – wenn auch weniger – daneben. Ein Rock’n’Roller sei er nicht, sagt Alioski, aber er lache gerne und viel, habe gerne Spass. Im Hinterkopf hat er aber auch dann, in den Momenten, in denen das Tessin für Deutsch­ schweizer eine Feriendestination zu sein scheint, die andere Seite eines Profis. Jene, wenn es nicht gut läuft, wenn man in der Anonymität zu versinken droht. «Ich weiss, wie hart das Leben als Fussballer sein kann und arbeite so hart wie möglich, um nie mehr in diese Lage zu kommen», sagt er. «Ja, ich bin so im Kopf stärker geworden und will dieses Auf und Ab nicht mehr ­haben. Ich gebe so viel Gas wie möglich, ­damit es nun weiter geht wie zuletzt.» Er mache sich natürlich Gedanken, wenn man plötzlich ein gefragter Interviewpartner sei. «Das macht mich stolz, macht mir Freude – und es reizt mich, noch mehr zu machen. Es gibt einen Schub und Selbstvertrauen. Ich weiss: Ich kann noch mehr!» l

Mazedonien statt Schweiz Ezgjan «Gianni» Alioski, dessen Vorbild zuerst Roberto Carlos und später Marcelo – zwei Brasilianer, die wie Alioski früher vor allem als linke, meist sehr offensive Aussenverteidiger eingesetzt wurden, spielt für Mazedonien und nicht für die Schweizer Nationalmannschaft. ­Weshalb ist dies so? «Ich war mal in der U16 der Schweiz, obwohl ich noch keinen Schweizer Pass hatte. Bei der U17 kam dann Mazedonien und ich sagte zu», sagt er. Danach erhielt er den Schweizer Pass, hörte aber nichts von der Schweiz. Er sei immer den Aufgeboten Mazedo­niens gefolgt, gab mit 21 Jahren gegen W ­ ales ­ ebüt. für Mazedonien im A-Team das D «Für mich war klar, dass ich da nicht Nein sagen kann, Hauptsache war es auch, internationale Spiele bestreiten zu können», so Alioski. In der Qualifikation für die WM 2018 in Russland erzielte er beim 1:2 gegen Albanien sein erstes ­Länderspieltor – und es war erst noch ein spezielles: «In Mazedonien leben fast 40 Prozent Albaner, auch ich habe alba­ nische ­Wurzeln und das war sehr emotio­ nal.» Der Traum von der WM 2018 scheint nun aber schon a ­ usgeträumt, denn die Mazedonier ­ spielen in einer HammerGruppe mit den Top-Gegnern Spanien und Italien, dazu kommen Albanien, ­Israel und Liechtenstein.  l

«Ich möchte in diesen zwei Jahren dem FC Lugano etwas für dieses Vertrauen zurückgeben und meine Leistungen bestätigen.» Ezgjan Alioski über seine Vertragsverlängerung.

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Raiffeisen Super League

«Ohne meinen Glauben wäre ich nichts» Kofi Schulz wuchs in einer rauhen Berliner Gegend auf, ging 15-jährig nach England und erlebte Chaos und Ende des FC Biel mit. Umso mehr geniesst er nun die Ostschweiz.

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Kofi Schulz

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Raiffeisen Super League Text: Peter Eggenberger Fotos: Steffen Schmidt

Wenn Kofi Schulz in seinem Wohnort ­Herisau in Appenzell Ausserrhoden auf die Strasse geht, sieht er Wiesen, Kühe und­ die Berge des Alpsteins. Als er als Sohn ghanesischer Eltern im Berliner Stadtteil Wedding aufwuchs, sah er graue Häuser, Arbeitslose und Kriminelle. «Ein falscher Schritt, ein falscher Gedanke, ein falscher Kumpel, und ich wäre in der Jugendkriminalität gelandet», sagt der 27-Jährige. Die ­Gegensätze zwischen Herisau und Wedding könnten grösser nicht sein. Dazwischen ­liegen zwölf Jahre, während deren Schulz Erfahrungen im Fussball und im Leben ­sammelte, die Stoff für ein Buch hergäben. Diese zwölf Jahre erklären, weshalb Schulz die Tatsache, dass er seit dieser Saison für den FC St.Gallen spielt, als «Segen» bezeichnet; sie erklären aber auch, warum ihm der Glaube, der ihm in schwierigen Situationen stets half, so wichtig ist.

Boateng als leuchtendes Beispiel

In Berlin ist Fussball für viele Junge die Hoffnung, aus einem schwierigen Umfeld auszubrechen und es im Leben zu etwas zu bringen. Das war bei Kofi Schulz nicht ­anders. Bis im Alter von zehn Jahren spielte er im lokalen Verein Rapide, dann wechselte er 1999 in die Juniorenabteilung von Hertha Berlin. Drei Jahre später tat es ihm ein Knabe gleich, der wie er ghanesische ­ ­Wurzeln und viel Talent im Fussball hatte: ein gewisser Jérôme Boateng. Doch während Boateng inzwischen mehrfacher deutscher Meister und Champions-League-­ Sieger mit Bayern München sowie Weltmeister mit Deutschland ist, hat Kofi Schulz diesen Sommer relativ spät im Alter von 27 erst den Sprung in die höchste Liga eines Landes geschafft. Neid verspürt Schulz deswegen nicht, im Gegenteil: «Jérôme ist mit seinen tollen Erfolgen das leuchtende Beispiel, was man mit Talent, Ehrgeiz und harter Arbeit erreichen kann. Wir alle, die mit ihm in unserer Jugend Fussball ­gespielt haben, sind extrem stolz auf ihn», sagt Schulz, der regelmässig mit Boateng im Kontakt steht. Bei Hertha spielten sie zwar nicht im gleichen Team, weil Boateng ein Jahr älter ist, aber ausserhalb des Vereins kickten sie oft zusammen, weil sich auch ihre Eltern gut kannten. Als englische Scouts Schulz bei einem ­Turnier entdeckten und ihm als 15-Jährigem ein Angebot machten, wollte er unbedingt auf die Insel wechseln, obwohl die Eltern skeptisch waren. «Wer als junger Fussballer


Kofi Schulz England hört, will sich diesen Traum verwirklichen», sagt Schulz. Schliesslich setzte er sich gegen die Bedenken der Eltern durch und ging zu den Milton Keynes Dons in die Nachwuchsabteilung. Just als der Klub Roberto Di Matteo als neuen Trainer der ­ ersten Mannschaft verpflichtete, wechselte Schulz nach London zu den Kempston ­Rovers in eine tiefere Liga, wo er gleich­ zeitig an einem College zur Beruhigung der Eltern ein Studium der Sportwissenschaften begann. Das Studium hat er (noch) nicht beendet, und der fussballerische Durchbruch gelang ihm in England auch nicht. «Leider haben sich nicht alle meine Träume verwirklicht», zieht er Fazit. Dennoch bereut Schulz seine Entscheidung nicht: «Ich habe viel fürs Leben gelernt.» Der Glaube, den er schon als Kind praktiziert hatte, trug ihn durch alle schwierigen Momente im harten englischen Fussballalltag.

«Es ist nie zu spät»

Seine Vision vom Profifussball verfolgte der schnelle und kopfballstarke Schulz nach seiner Rückkehr 2011 nach Deutschland unbeirrt. Er musste sich indessen ­weiter gedulden. Während zweier Saisons bei Babelsberg lief er nur sechsmal in der 3. Liga auf. Dafür lernte er dort als Mitspieler Süleyman Koc kennen, der in der Saison 2012/2013 nach dem Verbüssen eines Teils einer Freiheitsstrafe wegen der Beteiligung an Raubüberfällen eine zweite Chance im Profifussball erhielt, die er mit einem

Wechsel zu Paderborn und dem Aufstieg in die Bundesliga zu nützen wusste. Für Schulz war die Begegnung mit Koc wie jene mit Boateng bereichernd. «Ich erlebte ihn als sehr motivierten Sportler und re-

«Jérôme ist mit seinen tollen Erfolgen das leuchtende Beispiel, was man mit Talent, Ehrgeiz und harter Arbeit erreichen kann.» Kofi Schulz über Jérôme Boateng.

flektierten Menschen», sagt Schulz, der auch mit Koc regelmässig Kontakt hat. Die schmerzliche Erfahrung des Gefängnisses habe Koc zum Glauben gebracht. «Er hat mich mit seinem Weg inspiriert.» Und so sagt Kofi Schulz Sätze wie «Höre nie auf, deinen Traum zu träumen!», «Gib nicht auf, wenn du Rückschläge erleidest!» und «Es ist nie zu spät, bleib einfach dran!». Er ist ein guter Botschafter seiner Glaubenssätze. Via ein Jahr Regionalliga in Deutschland mit Uerdingen und eine unvollendete Challenge-League-Saison mit dem FC Biel hat er sein Ziel mit dem Vertrag bis 2018 plus Option für ein weiteres Jahr in St.Gallen

erreicht. Der St.Galler Trainer Joe Zinnbauer setzte vom Saisonbeginn an auf Schulz als linken Aussenverteidiger. Der Sprung in die Super League war für Schulz enorm, und er findet, dass er in erster Linie an seiner Beständigkeit arbeiten müsse. Fehler wie der Ballverlust vor dem 0:2 im Heimspiel gegen Lugano passierten ihm halt noch, aber er könne das wegstecken, «solange der Trainer trotzdem auf mich setzt». Schulz möchte nicht nur defensiv stabil stehen, sondern auch seinen ausgeprägten Tordrang ausleben und dabei seine Schnelligkeit ausspielen. Der «Blick» nannte ihn letztes Jahr deswegen den «Usain Bolt der Challenge League». Bolt ist der schnellste Mann von 0 auf 100, dafür schaffte es der FC Biel dieses Jahr ebenfalls in rekordverdächtig kurzer Zeit von 100 auf 0, wie Schulz auf bittere Weise erleben musste. Er war auf Vermittlung von Ifet Taljevic, dem früheren Spieler von ­Xamax und Wil, in die Schweiz gekommen und hatte zunächst einen guten Eindruck vom Klub in Biel und von dessen Präsidenten Carlo Häfeli, dem Anwalt aus Zürich. «Die Strategie, Spieler zu fördern, damit sie gewinnbringend in die Super League transferiert werden konnten, überzeugte mich», erinnert sich Schulz. Er habe mit Häfeli ein gutes Verhältnis gehabt, Häfeli habe sich um seine Angelegenheiten gekümmert.

Alptraum Biel

Schulz traf diesen Januar in Belek in der Türkei, als der FC Biel und der FC St.Gallen

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Jedes Jahr werden rund 45 000 Fussballer durch Verletzungen zum Zuschauen gezwungen.

Fussball ist eine der populärsten Sportarten in der Schweiz. Leider verletzen sich jedes Jahr rund 45 000 Menschen dabei – ein ganzes Stadion voll. Bestimmen Sie jetzt Ihr persönliches Risikoprofil und senken Sie so Ihre Verletzungsgefahr: mit dem Fussballtest auf suva.ch.


Kofi Schulz am gleichen Ort im Trainingslager weilten, den St.Galler Trainer Joe Zinnbauer und den St.Galler Sportchef Christian Stübi und war sofort begeistert vom FC St.Gallen. Er unterschrieb den Vertrag und spielte auf ­ Leihbasis weiterhin in Biel. Was dann ­geschah, war für Schulz und seine Mitspieler ein Alptraum, «unbeschreiblich», wie er es nennt. Vier Verwaltungsräte traten zurück, Trainer Patrick Rahmen verliess den Klub Richtung Luzern, es blieben die Lohn­ zahlungen aus, die Liga entzog dem FC Biel Punkte und schliesslich die Lizenz, und zum Schluss wurde der Konkurs eröffnet. «Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass so etwas in der Schweiz passiert», sagt Schulz, der die Schuld nicht ausschliesslich Carlo Häfeli zuschieben möchte. Existenzangst wie andere Bieler Spieler hatte Schulz nicht, weil er bereits den Vertrag mit dem FC St.Gallen unterzeichnet hatte und Christian Stübi sich regelmässig nach seinem ­Befinden erkundigte. Aber Schulz wurde es bewusst, wie schnell es im Fussball gehen kann. Man begreift, warum er vor diesem Hintergrund jeden Tag im FC St.Gallen geniesst, und das trotz dem Druck, der vom Umfeld aufgrund der wechselhaften Leistungen in der Startphase der Meisterschaft ausgeübt wird. «Wir haben in St.Gallen fantastische Bedingungen fürs Training, aber auch im Stadion mit seiner lauten Atmosphäre», sagt Schulz. Dazu sei der Staff sehr kompetent und die Klubführung auf ruhiges, kontinuierliches Arbeiten bedacht. Die Fans in St.Gallen seien sehr begeisterungsfähig, deswegen könne bei mangelndem Erfolg die Stimmung auch leicht ins Negative kip-

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pen, sagt Schulz. Die Pfiffe im Kybunpark würden den Spielern genauso einfahren wie die Anfeuerung, wenn es dem Team laufe. Warum es in der neuen Saison ein stetes Auf und Ab mit ansprechenden Leistungen wie dem 3:0-Heimsieg gegen Luzern und anschliessend Rückschlägen gebe, sei schwierig zu erklären, so Schulz. «Die Erwartungshaltung in der Ostschweiz ist schon sehr hoch», führt er einen ­möglichen Faktor an. Und die Mannschaft mit einigen Neuzugängen sei ziemlich jung und brauche Zeit, sich einzuspielen und zu einer Einheit zu werden.

Bundesliga als Ziel

bleibt mein Ziel», sagt Schulz. Warum nicht bei seinem Jugendverein Hertha, ­womit sich der Kreis schlösse? Auch für die ghanesische Nationalmannschaft könnte Kofi Schulz bei guten Leistungen bald interessant werden. Auf seiner Position spielen ­allerdings bereits zwei starke Konkurrenten: Abdul Baba von Schalke 04 und Jeffrey Schlupp von Leicester City. Kofi Schulz vertraut wie immer in seiner Karriere auf Gott. Regelmässig besucht er mit Teamkollege Toko Bibelstunden. «Ohne meinen Glauben wäre ich nichts», sagt Schulz. Man nimmt es ihm nach dem Gehörten ohne Umschweife ab.  l

«Wir haben eine Equipe mit viel Potenzial, die mit dem Abstieg nichts zu tun haben sollte», sagt Schulz. Die Super League sei indessen eine sehr ausgeglichene Liga. «Wir müssen uns durch überzeugende Leistungen mit unseren Fans zusammenschweissen, um dem Gegner zu zeigen, dass fast das ganze Stadion gegen ihn ist», fordert er. Der grossgewachsene, kräftige Verteidiger möchte seinen Teil dazu beitragen und damit den Fokus der Bundesliga auf sich ziehen. «Die Bundesliga

KOFI SCHULZ

Nationalität: Deutschland/Ghana Position: Verteidigung Geburtstag: 21. Juli 1989 Grösse: 190 cm Gewicht: 82 kg Vereine: FC St. Gallen, FC Biel, KFC Uerdingen, Babelsberg 03, Kempston Rovers, Milton Keynes Dons, Hertha Berlin, Rapide Wedding FOOT 

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Thomas Gander, SFL

«Die Integra des Fussballs Der Verein Radio Blind Power macht Radio für blinde und sehbehinderte Menschen und arbeitet seit dieser Saison mit der Swiss Football League (SFL) zusammen. Thomas Gander, Verantwortlicher CSR & Prävention bei der SFL, erklärt im Interview die Hintergründe. Text: Andy Maschek Foto: Urs Lindt

Herr Gander, wie kam es zur Zusammenar­ beit mit Radio Blind Power? Radio Blind Power kam auf uns zu, parallel wird der Anspruch der so genannt barrierefreien Stadien zu recht immer grösser. In der Schweiz gibt es rund 300 000 sehbehinderte oder blinde Menschen. Weil der Fussball ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis ist, soll er möglichst allen Personengruppen zugänglich gemacht werden. Ich vertrete in meinem Bereich den Anspruch, diesem Ziel näher zu kommen und so hat sich die Diskussion mit Radio Blind Power als wertvolle Konstellation erwiesen und zu einer Zusammenarbeit mit uns und ­Raiffeisen geführt, die nun in der Pilotphase steckt.

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Radio Blind Power

ationskraft nützen» Ist dieser Service für den Matchbesucher im Stadion gedacht oder für Daheim­ gebliebene? Ziel und unsere Vorgabe ist, dass ab nächster Saison beides möglich ist. Wir wollen blinde und sehbehinderte Menschen er­ reichen, die ein Spiel innerhalb oder ausserhalb des Stadions verfolgen wollen. Im ­Moment wird die Übertragung über einen Livestream verbreitet, was zu zeitlichen ­Verzögerungen von sechs bis sieben Sekunden führt. Für sehbehinderte oder blinde Menschen im Stadion ist das natürlich ein Problem. Wir sind nun daran, eine Lösung zu finden. Wir wollen das Stadion als Ort für gesellschaftliche Integration nutzen. Menschen mit einer Sehbehinderung sollen nicht separiert im Stadion sitzen müssen, sondern bei ihren Freunden und Bekannten. Ab dieser Saison wird pro Runde ein Spiel der Raiffeisen Super League live über­ tragen. Ja, Fernziel ist aber, über jeden Match so zu berichten. Worauf wird bei der Auswahl der Spiele geachtet? Der Entscheid liegt in der Kompetenz von Radio Blind Power. In der Pilotphase wird versucht, dass man mal in jedem Stadion der Raiffeisen Super League ist. Auch, damit die technischen Voraussetzungen getestet werden können und um das Netzwerk mit den Klubs aufzubauen. Wie unterscheidet sich die Audiodeskrip­ tion vom herkömmlichen Radio? In unseren Vorbereitungsgesprächen waren jeweils Blinde und Sehbehinderte Fussballfans anwesend, was auch für mich eine wichtige Erfahrung war. Sie erklärten mir,

was sie benötigen, um ein Fussballspiel miterleben zu können. Ein Missverständnis tritt oft mit der Frage auf: Wieso stellen sie nicht den Fernseher an und hören dem Kommentar zu? Es ist zwar schwierig, aber wir ­müssen versuchen, uns in diese Leute und ihre Bedürfnisse hinein zu versetzen. Das Spiel muss ihnen beschrieben werden und eben nicht nur kommentiert. Für die Moderatoren ist das harte Arbeit. Radio Blind Power ist ein Integrations­ radio. Ist dieser neue Service ein weiteres Zeichen, dass der Fussball neben dem Platz eine grosse integrative Aufgabe hat? Mein Auftrag innerhalb der Swiss Football League lautet, die gesellschaftliche Wirkung und Verantwortung des Fussballs fassbarer zu machen, Partnerschaften zu knüpfen und unser Engagement auch zu kommunizieren. Vom Profifussball bis zum Breitenfussball leistet der Fussball eine integrative Funktion in unserer Gesellschaft. Er übernimmt beinahe selbstverständlich Aufgaben, die sonst durch den Staat teuer finanziert werden oder die staatlichen Hilfestellungen damit überfordert sind. Ich bin von der integrativen Wirkung des Fussballs total überzeugt. Ist es ein Problem, dass oft nur der Spitzenfussball gesehen und vergessen ­ wird, dass diese integrative Arbeit bis in die Provinz geleistet wird? Wenn die Profi-Liga ihre gesellschaftliche Wirkung thematisiert, kann schnell der Vorwurf der Imagepflege ausgesprochen ­ werden. Dieser Dynamik sind wir uns bewusst. Andererseits bleibt die hervorragende Integrationsarbeit im Breitenfussball oftmals unerkannt. Hier muss der Profifussball – mit seiner Vorbildfunktion und seiner kommunikativen Kraft – eine Multiplikato-

ren-Rolle einnehmen, um damit auch die Integrationsarbeit im Breitenfussball sichtbar zu machen. Wie kann diese Kraft genutzt werden? In diesem Herbst nehmen wir die Integrationsthematik im Fussball auf. Rund die Hälfte der Klubs aus der Raiffeisen Super League und der Brack.ch Challenge League stellen während einer Woche die Integrationskraft des Fussballs ins Zentrum. Mit Filmbeiträgen und Aktionen vor Ort werden wir die inte­ grative Leistung des Fussballs zum Thema machen. Ein wichtiger Hinweis ist, dass die eigentliche Basisarbeit im Bereich Integra­ tion im Breitenfussball geleistet wird. Im ­Migrationsbereich ist ein Fussballverein eine wichtige und erfolgreiche Institution. Wie wurde Radio Blind Power in der ­Öffentlichkeit aufgenommen? Wir haben bis jetzt nur positive Feedbacks erhalten. Wir begleiten das Engagement von Radio Blind Power auf unserer Website. So kann man über www.sfl.ch den jeweiligen Livestream anwählen. Interessant sind auch die Reaktionen von sehenden Fussballfans, die es super finden, dass ein Spiel für Sehbehinderte in voller Länge gesendet wird. Ist es eine Open-End-Partnerschaft oder ein befristeter Pilot-Versuch? Der Vertrag wurde zuerst für ein Jahr abgeschlossen. Danach werten wir gemeinsam aus und entscheiden, wie es weiter geht. Eine längerfristige Partnerschaft ist das Ziel. Sie leiten bei der SFL den Bereich Corpora­ te Social Responsability. Gab oder gibt es weitere Neuerungen in diesem Bereich? Die Liga möchte in Zukunft in diesem ­Bereich mit einer Gesamtstrategie arbeiten. Mein Auftrag ist es nun, Schwerpunkte zu setzen und die Zielrichtung vorzuschlagen. Der Ansatz dabei ist, nicht einfach Geld in die Hände zu nehmen. Wir möchten mit spannenden Partnern zusammenarbeiten, die voneinander profitieren und in ihrem Engagement einen gemeinsamen Sinn sehen. Wir wollen dagegen keine PseudoProjekte, die wir den Klubs aufdrücken. Das Ziel ist es, die Klubs für die CSR-Thematik zu sensibilisieren. Ein Profiklub soll sich die Frage stellen, wie er sich im gesellschaftlichen und sozialen Umfeld der Stadt und der Region noch besser verankern und engagieren kann. Die CSR-Thematik wird ­ weiter an Fahrt aufnehmen und die SFL und unsere Klubs dürfen diese Chance l nicht verpassen.

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Brack.ch Challenge League

Wil statt Paris St-Germ Rémi Gomis bringt viel Erfahrung in die Ostschweiz und möchte zum Aufstieg des FC Wil in die Raiffeisen Super League beitragen. Die letzten drei Jahre waren für ihn allerdings schwierig. Text: Peter Eggenberger Fotos: Steffen Schmidt, Marco Schumacher

Einen «Transfercoup» nannte der FC Wil in seiner Medienmitteilung vom 23. August ganz unbescheiden die Verpflichtung des 32-jährigen Mittelfeldspielers Rémi Gomis. Haben die Verantwortlichen mit ihrer Wortwahl übertrieben? Nein, könnte man sagen, hat der französisch-senegalesische Doppelbürger doch achteinhalb Saisons und über 200 Partien in Frankreichs höchster Liga gespielt und ist für Senegal 18 Mal in der Nationalmannschaft aufgelaufen. Ja, könnte man sagen, hat die Karriere des am Valentinstag Geborenen doch im Sommer 2013 einen Bruch erfahren. Damals war er von Valen­ ciennes, wo er während vier Jahren Stammspieler im defensiven Mittelfeld gewesen war, zu Levante in die oberste spanische Liga gewechselt. Im ersten halben Jahr spielte er jedoch nur gerade 21 Minuten (im Cup) und verliess die Spanier auf eigenen Wunsch wieder. Er heuerte bei Nantes in der Ligue 1 an, stand allerdings auch dort lediglich in 33 von 92 Ligaspielen von ­Anfang an auf dem Platz.

Einzeltrainings und Zweifel

In Nantes erhielt Gomis in diesem Sommer keinen Vertrag mehr, weil er mit seinen

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Leistungen die Verantwortlichen zu wenig überzeugen konnte. In der Nähe von Paris, wo er aufgewachsen ist und seine Familie lebt, quälte er sich mit Einzeltrainings ohne Ball und wartete auf Angebote. «Das war eine schwierige Zeit», erinnert er sich. «An manchen Tagen war ich top motiviert, an manchen gar nicht, wenn sich eine Option zerschlagen hatte. Ich gebe zu, ich hatte gewisse Zweifel an der Fortsetzung meiner Karriere.» So kam es, dass Gomis in der klublosen Phase konditionell in Rückstand geriet, den er im September nur langsam aufholen konnte. Am 9. September trainierte er unter dem neuen Wiler Trainer Martin Rueda zum ersten Mal voll mit der Mannschaft mit. Zu jenem Zeitpunkt schätzte Gomis, dass er bei ungefähr 60 Prozent seines Leistungsvermögens angekommen war. Sein Debüt in einem Meisterschaftsspiel mit dem FC Wil verzögerte sich deshalb. Als der FC Wil Gomis im August verpflichtet hatte, hatte der Trainer noch Ugur Tütüneker geheissen. Für den routinierten Gomis kein Thema: «Ich habe stets das gemacht, was ein Trainer von mir verlangt hat.» Und das war in erster Linie die Aufräumarbeit im defensiven Mittelfeld. «Eine meiner Stärken ist das Lesen und Antizipieren des Spiels», sagt Gomis. Auf Schwächen angesprochen,


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RĂŠmi Gomis


Brack.ch Challenge League

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RÉMI GOMIS Nationalität: Frankreich/Senegal Position: Mittelfeld Geburtstag: 14. Februar 1984 180 cm Grösse: Gewicht: 74 kg FC Wil, Laval, Caen, Vereine: Valenciennes, Levante, Nantes

antwortet er ebenso routiniert, wie er mit dem Ball umgeht: «Ein Fussballer kann sich stets in allen Bereichen verbessern.» Also muss er, der in 220 Partien der obersten französischen Liga lediglich acht Mal getroffen hat, torgefährlicher werden? Gomis lacht: «Das ist definitiv nicht mein Job!» Vielmehr möchte er mit seiner Erfahrung den jüngeren Mitspielern auf und neben dem Spielfeld zeigen, wie sie besser werden können. Gomis spricht dabei von der «unsichtbaren Arbeit» und meint unter ­ ­anderem die Ernährung, genügend Schlaf und mentales Training.

Ruhe und Übersicht

Gomis kann trotz seinen 32 Jahren eine Verstärkung für den FC Wil sein, wenn er konditionell wieder bei 100 Prozent angekommen

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«Ich bedaure es nicht, dass es nie ganz nach oben gereicht hat. Dafür braucht es neben Talent auch Glück.» Rémi Gomis über seine Karriere.

ist. Sein Trainer Martin Rueda jedenfalls ­attestiert ihm die Qualitäten für die Super League. «Rémi hat eine grosse Ruhe und Übersicht am Ball.» Er brauche noch Zeit, dann werde er auf der 6er-Position ein ­wichtiger Spieler, der Sicherheit geben und einen guten ersten Pass spielen könne.

«Solch ein Spieler fehlte uns», sagt Rueda. Gomis selber glaubt: «Wir haben eine gute Truppe mit einer passenden Mischung aus erfahreneren und jüngeren Spielern.» Vom Schweizer Fussball wusste er vor ­seinem Wechsel zu Wil nicht viel, kannte ­immerhin den FC Basel aus der Champions League, Guillaume Hoarau von YB und Moussa Konaté vom FC Sion. Das Wiler ­Projekt Aufstieg in die Super League gefiel Gomis, nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil Verträge in Wil seit der Übergabe in türkische Hände überdurchschnittlich gut dotiert zu sein pflegen. Ausserdem wollte er nicht länger warten, als seinem Berater die Wiler Offerte mit einem Zweijahresvertrag präsentiert wurde. «Ich hatte Kontakte in die Ligue 1 und 2, in die Türkei und nach ­Katar, aber es ergab sich nichts Passendes»,


Rémi Gomis

sagt Gomis. So findet er sich nun in der Challenge League wieder, deren Niveau ­natürlich nicht an jenes der Ligue 1 herankommt. Umso mehr ist zu erwarten, dass er in Wil ein Führungsspieler werden kann, wenn er wieder vollständig fit ist.

Nie bei einem Topklub

In seiner Zeit in Frankreichs oberster Liga spielte Gomis nie bei einem Topklub wie Paris St-Germain, Olympique Lyon oder ­ Olympique Marseille, auch wenn Marseille im Sommer 2013 ein Thema gewesen war. Die beste Klassierung erreichte Gomis mit Valenciennes 2010, das war ein 10. Rang. «Ich bedaure es nicht, dass es nie ganz nach oben gereicht hat. Dafür braucht es neben Talent auch Glück. Etwas hat halt einfach gefehlt», sagt Gomis. Sein Verwandter

­Bafétimbi Gomis dagegen, 12-facher französischer Internationaler, stand als Stürmer schon bei Lyon unter Vertrag und schiesst nun seine Tore für Marseille. Den Wechsel nach Spanien zu Levante würde Rémi Gomis natürlich gerne ungeschehen machen. Er hat keine richtige Erklärung für sein Scheitern. Nach einem halben Jahr hatte er genug und bat um die Freigabe. Nach Nantes ging er ohne Rhythmus und ohne Spielpraxis. «Das verhinderte, dass ich von Anfang an gut in die Mannschaft integriert war und darum spielte ich weniger als erhofft», erinnert sich Gomis. «Wäre ich ­jünger gewesen, hätte ich auf eine solche Situation ziemlich genervt reagiert.» So aber blieb er gelassen und akzeptierte, dass er nicht mehr Stammspieler war. Besonders in Erinnerung sind ihm aus s­ einer bisherigen Karriere ein Kopfballtor im Parc des Princes gegen Paris St-Germain im ­August 2011 für Valenciennes und das D ­ ebüt in der senegalesischen Nationalmannschaft im Oktober 2008 gegen Gambia. Es war ein denkwürdiges Länderspiel, weil der Gegner kurz vor Schluss ausglich und damit Senegals Ausscheiden aus der Qualifikation für die WM in Südafrika besiegelte. Von den Rängen im Stadion der senegalesischen Hauptstadt Dakar flogen Gegenstände aufs Spielfeld, die Mannschaft musste mehr als zwei Stunden in der Kabine bleiben, bis die Polizei die erzürnten Zuschauer ­zurückgedrängt hatte. Seit drei Jahren wird Gomis nicht mehr in die Nationalmannschaft aufgeboten, die sich für die letzte Gruppenphase im Kampf um ­einen afrikanischen Platz an der WM in Russland qualifiziert hat. «Ich denke nicht, dass ich als 32-jähriger, in der zweithöchsten Schweizer Liga aktiver Spieler noch einmal einen Anruf des ­Nationaltrainers erhalten werde», sagt Gomis. Im Gegensatz zu ihm hat Sittens Stürmer Moussa Konaté reelle Chancen auf weitere Einsätze für sein Land und die Teilnahme in Russland. «Moussa ist ein exzellenter Spieler», so Gomis. An ein ­Aufeinandertreffen der beiden in der Super League in der nächsten Saison glaubt Gomis eher nicht – weniger, weil er seinem FC Wil den Aufstieg nicht zutrauen würde, sondern weil er erwartet, dass ­Konaté den FC Sion bald verlassen könnte … l

Rückkehr nach elf Jahren Seit Anfang September hat der FC Wil einen neuen Trainer. Es ist ein alter ­ ­Bekannter: Martin Rueda. Der 53-Jährige wechselte vom Ligakonkurrenten Wohlen zu den Ostschweizern. In der Tabelle liegen die beiden Klubs nicht so weit ­ ­voneinander entfernt, was die Budgets und die Ziele betrifft indessen sehr. In Wil steht ein Mehrfaches an Geld pro Jahr zur Verfügung. Rueda hatte sich denn auch Tage vor seinem Weggang in der «Aargauer Zeitung» im Zusammenhang mit der Suche nach einem Stürmer beklagt, da komme in Wohlen «halt das Problem mit dem Budget» hinzu. Nun kann er in Wil die Mission Aufstieg mithilfe des ­türkischen Geldes in Angriff nehmen, und er freut sich auf diese «echte Challenge», passend zum Namen der Liga. Rueda ­besitzt einen Vertrag bis Ende Saison mit Option für ein weiteres Jahr. In Wil war Rueda schon einmal tätig. Im ersten Halbjahr 2005 war er in der Challenge League technischer Direktor unter dem Trainer Walter Hörmann, ehe Rueda die U16 von GC übernahm. Seine Trainerlaufbahn führte ihn anschliessend zu Wohlen, Lausanne, YB, nach Dubai und nochmals Wohlen. Nun wartet die anspruchsvolle Aufgabe auf ihn, aus überdurchschnittlichen Spielern eine Mannschaft zu formen. «Wir haben das Potenzial für die Super League. Zuerst muss aber jeder merken, dass wir derzeit erst in der Challenge League sind», so Rueda. Es ist also eine Frage des Kopfes, und auch eine der Ruhe. «Ich habe wegen des turbulenten Weggangs meines Vorgängers Spieler ­verunsicherte angetroffen. Wir brauchen Kontinuität», sagt Rueda. Das Ziel Aufstieg bleibe bestehen, das müsse die Ambition sein. «Die Leidenschaft im Klub ist vorhanden, es wird viel Gutes getan.» Leider sei in der Stadt trotzdem noch Skepsis gegenüber dem FC Wil spürbar. Auch Rueda ist klar: Mit guten Resultaten kommt die Akzeptanz am schnellsten.  l



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«Das Schri

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Shani Tarashaj, Eintracht Frankfurt

s war ein guter itt für mich» Von GC via Everton zu Frankfurt, dazwischen die EM-Teilnahme mit der Schweiz: Nationalspieler Shani Tarashaj hat bewegte Wochen hinter sich. Die nächsten Ziele des 21-Jährigen sind klar: Er will sich in der Bundesliga festsetzen, Spielpraxis sammeln und mit dem Nationalteam den Weg in Richtung WM in Russland erfolgreich gehen. Text: Andy Maschek Fotos: Urs Lindt, zVg

Shani Tarashaj, mittlerweile sind Sie bei Eintracht Frankfurt in der Bundesliga statt in der Premier League bei Everton en­ gagiert. Wie ist das abgelaufen? Eintracht Frankfurt hat Interesse gezeigt und dann ist es ziemlich schnell gegangen und wir haben uns über diesen leihweisen Transfer geeinigt. Ich denke, das war ein ­guter Schritt für mich. Wie waren die Wochen in England für Sie? Es war sicher eine neue Welt für mich. Ich habe mich schnell und gut eingelebt, hatte aber Pech und war zweimal verletzt. Sonst

habe ich mich wohl gefühlt. Ich habe die Vorbereitung bestritten und gut trainiert – ausser während der Verletzungen.

training einsteigen. Aber es hat lange ­gedauert, bis ich zuletzt die Angina überwunden habe, fast zwei Wochen.

Nach Ihrem ersten ersten Spiel für Ever­ ton, dem Testmatch gegen MK Dons, erhielten Sie vor allem in den Fan-Foren sehr viel gute Kritiken... Ich habe gegen Dons auf der rechten Seite ein gutes Spiel gemacht und wurde danach gegen Barnsley 30 Minuten eingesetzt. Auch da habe ich gutes Feedback erhalten. Wie gesagt: Ich habe mich gut gefühlt und mich schnell eingelebt. Leider gab es aber diese Verletzungen. Gegen Dons habe ich einen Schlag auf die Nase bekommen und bin dann fast zwei Wochen ausgefallen. ­Zudem zog ich mir auch noch eine Leistenzerrung zu.

Wo sehen Sie die grössten Unterschiede zwischen Eintracht Frankfurt und Everton? Das ist schwierig zu sagen. Im Training ist in England die Intensität vielleicht etwas höher. Wobei ich sagen muss: Auch in Frankfurt wird sehr hart gearbeitet, das passt. Ich denke, der Unterschied zwischen England und Deutschland ist nicht sehr gross.

Sie haben den Vertrag unterschrieben, als der Spanier Roberto Martinez Trainer von Everton war. Sie haben damals unter ande­ rem erklärt, dass er ein Grund für diesen Transfer war. Mittlerweile ist aber der ­Holländer Ronald Koeman der Trainer... Ja, dieser Trainerwechsel war nicht ideal für mich, doch das kann man nicht ändern. Auch Koeman hat gute Trainings gemacht, gut über mich gesprochen und gesehen, was ich kann. Wir sind dann gemeinsam zum Entscheid gekommen, mich an Frankfurt auszuleihen, damit ich mehr Spielpraxis erhalte, als dies bei Everton der Fall wäre. Diese Spielpraxis ist für mich sehr wichtig. Wie haben Sie sich nun in Frankfurt ein­ gelebt? Sehr gut. Ich wohne noch im Hotel, wurde sehr gut aufgenommen und fühle mich ­wieder fit und konnte auch ins Mannschafts-

Und zur Schweiz? Da ist er sicher grösser. Das Tempo ist vor allem höher, es wird viel schneller umgeschaltet. Ja, das ist schon ganz anders. Frankfurt ist sehr gut in die Meisterschaft gestartet, die Mannschaft verfügt offen­ sichtlich über Qualität... Das ist auf jeden Fall so. Ich bin natürlich froh, dass wir so gut gestartet sind und hoffe, dass wir so weitermachen können. Ist es ein Vorteil, dass mit Haris Seferovic ein weiterer Schweizer Nationalspieler bei der Eintracht spielt? Sicher. Er unterstützt mich, gibt mir Ratschläge. Es ist gut, eine solche Vertrauensperson in einem Klub zu haben. Gleichzeitig sind Sie im Kampf um die ­Plätze im Team auch Konkurrenten... Mein Vorteil ist, dass ich in der Offensive auf allen Positionen eingesetzt werden kann, dass es bei mir keine Rolle spielt, wo mich der Trainer aufstellt. Leben Sie in Frankfurt alleine oder wurden Sie von der Familie begleitet?

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rer» «Bin ein Abenteu fgeist

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tti geht Mickaël Facchine zeit in Thun in die 2. Halb

mp ation Kabew Zwischenst egte Karriere von Die n will bei Lucas Anderse holen GC neuen Schwung

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Shani Tarashaj, Eintracht Frankfurt Meine Eltern waren am Anfang da, jetzt kommen und gehen sie immer wieder. Es ist ja mit dem Auto kein weiter Weg nach Frankfurt und mit dem Flugzeug dauert es nur ungefähr 40 Minuten. Es ist schön und angenehm, wenn immer wieder mal jemand hier ist. So gesehen hat Frankfurt den ­Vorteil, dass ich wieder näher bei meiner ­Familie bin. Die Sprache ist sicher ein anderer Vorteil... Natürlich, klar. Das ist einfacher als in England. Büffeln Sie in Ihrer Freizeit Englisch? Nein, momentan nicht. Das werde ich wohl erst machen, wenn ich mich hier voll und ganz eingelebt habe. Haben Sie Vorgaben von Everton, was Sie in Frankfurt machen müssen? Im Moment nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass dies im Winter, in der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte der Fall sein wird. Es kann schon sein, dass ich dann mehr oder einige Dinge anders machen muss.

Wie sind Sie mit Everton verblieben? Gibt es einen Termin für eine nächste Bestandes­ aufnahme? Nein. Fakt ist, dass ich bis zum Ende dieser Saison an Eintracht Frankfurt ausgeliehen bin. Was danach kommt, werden wir zu einem anderen Zeitpunkt miteinander ­ ­besprechen. Mit der EM-Teilnahme und dem Einsatz ­ egen Rumänien ist klar, dass Sie sich als g Nationalspieler für die Schweiz entschie­ den haben. Darüber hat man von Ihnen ­eigentlich nie ein Statement gelesen. Ich muss ja auch nicht erklären, wenn ich etwas mache. Für mich war schon lange ­ klar, dass ich für die Schweiz spiele. Und hinter diesem Entscheid stehe ich auch. ­Leider musste ich dann aber vor dem Spiel gegen Portugal wegen dieser Angina-­ Erkrankung abreisen. Wie sehen Sie den Weg in Richtung WM 2018 in Russland? Der Sieg gegen Portugal war ein super Start. Wir konnten den Europameister mit 2:0 bezwingen

und haben ein wirklich sehr gutes Spiel ­gezeigt. Besser kann man fast nicht starten – nun müssen wir diese Leistung in den nächsten Spielen aber bestätigen. Und was sind nun Ihre Ziele in Frankfurt? In erster Linie möchte ich gesund bleiben, das ist sehr wichtig. Dann will ich natürlich so viel wie möglich spielen und dem Team helfen, den guten Saisonstart zu bestätigen, so dass wir in der Tabelle in den vorderen Regionen bleiben können. Ich fühle mich ­jedenfalls immer besser. Wenn Sie zurückschauen: Es ist verrückt, was im letzten Jahr mit Ihnen passiert ist. Zuerst haben Sie bei GC brilliert, wurden mit einem Vertrag bei Everton belohnt, waren EM-Teilnehmer mit der Schweiz, hatten einige Wochen in England und sind nun in der Bundesliga... Es ist alles sehr schnell gegangen, ja. Aber so ist der Fussball. Das ist schön, so kann man viel erleben. Und man bekommt immer neue Herausforderungen. Das ist auch der Reiz, den ich brauche, um etwas zu ­erreichen.  l

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Was macht eigentlich…

Das Glück in der

Er verschwand 2012 von der Bildfläche, obschon er gar nicht weggegangen ist: Mauro Lustrinelli (40), auch bekannt als «Lustrigoal», hatte einfach nur über Nacht den Platz mit der Trainerbank getauscht. Heute führt er die U18 des FC Thun und ist Assistent der U21-Nati. Text: Matthias Müller Fotos: Pius Koller, freshfocus

Manchmal müssen grosse Entscheidungen nicht wohl überdacht sein und ausdiskutiert werden. Manchmal muss man sie einfach treffen. So wie es einst Mauro Lustrinelli ­getan hat. Der Tessiner Stürmer stand beim

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FC Thun unter Vertrag, war gesund und spielte. Klar, er war zu diesem Zeitpunkt fast 36 Jahre alt – er war nicht mehr derselbe Fussballer wie mit 25. Und doch hätte es keinen Grund gegeben aufzuhören, schliesslich lief sein Kontrakt noch anderthalb Jahre. «Zu diesem Zeitpunkt hatte Trainer Bernard Challandes nur den heutigen Assis-

tenztrainer Pi Zürcher zur Seite. Plötzlich sind in der Winterpause Challandes und Sportchef Andres Gerber auf mich zugekommen. Sie fragten, ob ich nicht Assistenztrainer werden wolle», blickt der heute 40-Jährige zurück. «Im ersten Moment war ich baff. Dann sagte ich vom Fleck weg zu.» Und: «Ich hatte die Möglichkeit, mich zu ­entscheiden. Das musste nicht der Körper für mich übernehmen, und das ist viel wert.» Heute steht er freilich immer noch in Thun im Sold. Er war zuerst Assistenztrainer, im Sommer 2013 übernahm er die U21-Mannschaft des Klubs, im Sommer 2014 die U18. Seit März 2015 ist er ausserdem noch Assistent von Heinz Moser in der U21-Nationalmannschaft. «Die perfekte Ergänzung zu meinem Hauptjob», wie Lustrinelli sagt.


Mauro Lustrinelli

zweiten Heimat Und sowieso bereue er seine Entscheidung aus dem Januar 2012 keine Sekunde. Dass aus ihm eines Tages ein Fussballtrainer wird, hätte sich Lustrinelli vor 20 Jahren aber wohl kaum vorstellen können. Damals spielte er bei der AC Bellinzona in der 1. Liga und begann sein Finanzwirtschaftsstudium an der Universität Lugano. «Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der die Schule ­immer an erster Stelle kam», blickt er zurück. Als Fussballer sei er deshalb auch nie ein speziell gefördertertes Talent gewesen, sondern einfach ein normaler Kicker. «Ein Strassenfussballer», wie er das schmunzelnd nennt. Trotzdem legte er eine beeindruckende Karriere hin.

Der monströse Cup von Prag

Erst mit 25, als er sein Studium beendet hatte, lancierte er eine Profikarriere. Er ­ wechselte innerhalb der Challenge League zum FC Wil, stieg mit den Ostschweizern auf und dislozierte im Januar 2004 zum FC Thun. Dort erlebte er 2005/2006 seine wohl beste und denkwürdigste Saison, als er mit den Berner Oberländern in der Champions League spielte und für historische Nächte des Schweizer Fussballs sorgte. In der Folge der guten Auftritte warb ihn im Winter sogar Gruppengegner Sparta Prag ab. Mit den Tschechen gewann er schliesslich den Cup – die einzige Trophäe, die er in seiner ganzen Karriere gewinnen konnte. «Dafür war sie etwa 120 Zentimeter gross und wog etwa so viel wie 10 Pokale», sagt Lustrinelli und lacht. Im Anschluss durfte er mit der Schweizer Nationalmannschaft an die WM 2006 nach Deutschland reisen. Von da an war es mit den Höhepunkten aber vorbei. Nicht, dass Lustrinellis Leistungen viel schlechter geworden wären. Doch nachdem er in der ersten Hälfte seiner ProfiKarriere die Höhepunkte gefeiert hatte, folgten nun die Enttäuschungen. Im Januar 2007 war er in die Schweiz zurückgekehrt, weil seine Frau schwanger war und er sich hier bessere Chancen ausrechnete, sich für die Heim-EM 2008 zu empfehlen. Zuerst verlor er mit dem FC Luzern den Cupfinal, dann wurde er nicht für die EM nominiert. Schliesslich wechselte er im Sommer 2008

in seine Heimat, zur AC Bellinzona, die zum ersten Mal seit 1990 wieder in die höchste Klasse aufgestiegen war. «Es hatte alles gut ausgesehen, ich hatte ein gutes Gefühl und mir gedacht, dass ich hier auch nach dem Karrierenende mithelfen könnte, etwas aufzubauen. Ich dachte, ich würde das Tessin nicht mehr verlassen», erklärt er kopfschüttelnd. Dass dem nicht so ist, habe er dann relativ schnell erkennen müssen. Die Finanzprobleme liessen sich nicht verdrängen. Immerhin holte ihn schliesslich der heutige Nati-Trainer Vladimir Petkovic, mit dem er einst in den 1990er noch bei Bellinzona gespielt hatte, in der Winterpause 2009/2010 leihweise zu den Young Boys. Dort war die Mannschaft auf einem Höheflug, lange hatte alles darauf hingedeutet, dass die Berner Meister werden könnte. Man hatte sieben Punkte Vorsprung auf den FC Basel – sieben Punkte, die es YB und Lustrinelli fertig brachten, zu verspielen. «Das war unglaublich bitter», sagt Lustrinelli. «Wir hätten ­Geschichte schreiben können».

Lehrer? Fussball? Fussball-Lehrer!

«Ich bin mit meiner Karriere zufrieden, ich hätte mir nichts mehr wünschen können»,

sagt Lustrinelli. Dass er mit Ausnahme von seinem YB-Abstecher nie bei einem grossen Schweizer Klub spielen konnte, stört ihn nicht. Irgendwie passt es auch zu seiner bodenständigen Art und seinem bodenständigen Weg. Was er schätzt, sind einfache, gute Strukturen und ein gutes Arbeitsumfeld. Deshalb liegt ihm auch der FC Thun so am Herzen. Er nennt ihn sogar seine «zweite Heimat». Hier hat der zweifache Familienvater (zwei Söhne, 9 und 7) die Möglichkeit erhalten, sich zu verwirklichen. «Eigentlich hatte ich mir nach dem Studium den Plan gemacht, Lehrer zu werden», erzählt er. Mit der Zeit habe er aber gemerkt, dass er gerne bei seiLiebe, dem Fussball, bleiben würde. ner ­ «Nun kann ich als U18-Trainer beides vereinen. Ich bin quasi ein Fussball-Lehrer», meint ­ eiter. Und: «Bank? Versicherung? Das er w kann ich mir jetzt nicht mehr vorstellen.» Auf ewig Juniorentrainer und Ausbildungstechniker bleiben will er indessen nicht. «Ich habe mir immer auf eine bestimmte Zeit hinaus Ziele gesetzt. Das mache ich auch heute noch. Nur verraten habe ich sie nie», erklärt er schmunzelnd. Und sagt ­immerhin noch: «Eines Tages würde ich gerne eine Profimannschaft übernehmen.» l

Wie man ihn kannte: Mauro Lustrinelli beim Torjubel im Dress des FC Thun.

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Top-Transfers

Die letzte Milli David Luiz

Kurz bevor das SommerTransferfenster schloss, ging es auf dem Spieler­ bazar nochmals hoch zu und her. Vor allem die englischen KLubs liessen erneut Millionen fliessen.

Moussa Sisso

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Sommer 2016/2017

ionen-Welle Fotos: Catherine Ivill/AMA/freshfocus, Luca Pagliaricci/Insidefoto/freshfocus, zVg

Der spektakulärste Wechsel am «DeadlineDay» war jener des Brasilianers David Luiz. Vor zwei Jahren plante Chelsea nicht mehr mit dem Verteidiger und transferierte ihn für 49 Mio. Euro zu PSG. Nun kehrte der 29-Jährige zu Chelsea zurück, unterzeichnete bei seinem neuen alten Arbeit­ geber einen Dreijahresvertrag – und soll die Briten 40 Mio. Euro Ablöse gekostet haben. Damit ist Luiz der erste Abwehrspieler, für den total über 100 Mio. Euro bezahlt wurden. 2007 wechselte er für 500 000 Euro vom brasilianischen Klub Vitória zu Benfica, 2011 für 25 Mio. Euro zu Chelsea und 2014 für 49,5 Mio. Euro zu PSG. «Ich freue mich über meine Rückkehr zu Chelsea. Bei meinem ersten Engagement hatten wir eine tolle Zeit. Ich möchte dem Team und Antonio Conte helfen, erfolgreich zu sein», sagte Luiz und ergänzte: «Ich hatte eine wundervolle Beziehung zu den Fans und freue mich sehr darauf, wieder das blaue Trikot an der Stamford Bridge tragen zu können.» Sein Abgang aus Paris dürfte in Frankreich aber einen falen Nachgeschmack haben, vor ­allem, weil er später verbal nachtrat: «Ich habe zwei Jahre bei PSG in der Ligue 1 verschwendet. Es ist, wie FIFA auf Anfänger-Level zu spielen.»

Bemerkenswert waren auch zwei andere Last-Minute-Transfers in der Premier League. Der Franzose Moussa Sissoko wechselte für 35 Millionen Euro von Premier-­ LeagueAbsteiger Newcastle United zu Tottenham. Nach seinen starken Leistungen an der EM war der 27-jährige Mittelfeld­spieler einer der begehrtesten Spieler auf dem Transfer­ markt. Am letzten Transfertag hat schliesslich Tottenham den Zuschlag bekommen. Sissoko unterschrieb beim Champions-­ League-Teilnehmer einen Vertrag über fünf Jahre. Xhaka-Klub Arsenal ­holte von Valencia für 41 Millionen den deutschen ­ Nati­

onalspieler ­Shkodran Mustafi, der einen Vertrag über fünf Jahre unterzeichnete. Er ist damit hinter Mesut Özil (50 Mio.) und Leroy Sané (48 Mio.) der drittteuerste deutsche Fussballer. Aber auch in Italien gab es noch einen spektakulären Transfer zu vermelden. Inter ­Mailand sicherte sich die Dienste des por­ tugiesischen Europameister João Mario – für 40 Millionen Euro. Der Transfersommer hat gezeigt, dass sich die Millionenspirale munter weiterdreht. Während vor sechs Jahren ­gerade mal für drei Spieler 30 Millionen oder mehr ­gezahlt wurde, gab es in diesem Sommer 27 Spieler, für die Summen ab dieser Höhe den Besitzer wechselten!  l

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FOOT  75


Die Herkunft

Renato Sanches (FC Bayern München) unter d

Als Kind einer armen Einwandererfamilie, dessen Eltern sich trennten, als er fünf Monate alt war, wurde Renato Sanches in Amadora, Grande Lisboa geboren. Seine Geburt wurde von seiner Mutter erst nach fünf Jahren offizialisiert, als sie ihn taufen liess und weil sein Vater inzwischen nach Frankreich ausgewandert war und erst 2002 nach Portugal zurückkehrte. Seitdem gab es in Portugal Zweifel an Renatos Alter, aber nachdem Verantwortliche von Benfica e­inen Knochen- und Gebisstest hatten durchführen lassen, der sein Alter bestätigte, verstummten diese. Sanches ist am 22. August 2002 am Conservatória do Registo Civil de Amadora registriert worden, das seine Geburt am 18. August 1997 um 15:25 Uhr mit 2,560 Kilo bestätigt.

Seine Jugend Sanches wuchs im Viertel Bairro Musgueira auf. Die Polizeistreifen hegen einen Generalverdacht gegen die «Jungs aus Musgueira» mit ihren Baseballkappen, Dreadlocks und Rapper-Klamotten. «Ich denke, es ist normal, dass die Leute Vorurteile haben. Ich bin froh, dass ich jetzt mit Jogginghosen und Rastalocken durch die Shopping Malls gehen kann und niemand wirft mir misstrauische Blicke zu», sagte er kürzlich. «Ich werde nicht, nur weil ich nun Erfolg hatte, meine alten Freunde und mein altes Leben vergessen. Immer wenn ich hierhin zurückkomme, fühle ich mich gut.»

Die Entdeckung Entdeckt wurde Renato Sanches vom Präsidenten des Fussballklubs «Aguias de Musgueira» – beim Bälleklauen. Renato und ein Freund lauerten auf Bälle, die über die Fangzäune ­flogen. Der Präsident reagierte geschickt und nahm die «Strolche» in den Nachwuchs auf. Renato spielte mit der Nummer 21 von Nuno Gomes, seinem Idol von Benfica Lissabon. Präsident Quadros erinnert sich an einen tapferen, kleinen Jungen, der bei Auswechslungen weinte und den Gegenspielern, die ihn im Spiel zu hart gefoult hatten, nach dem Spiel abpasste.

Renato Sanches

Nationalität: Portuga l Position: Mittelfeld Geburtstag: 18. Augu st 1997 Grösse: 176 cm Gewicht: 70 kg Vereine: FC Bayern München, Be nfica Lissabo

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der Lupe

Benfica Lissabon

Als Renato zehn Jahre alt war, wurden die Scouts der Lissaboner Klubs Sporting und Benfica auf ihn aufm ­ erksam. «Meine Familie und ich, wir waren all e für Benfica. Als mich der Trainer von Sporting nach der Telefonnummer meiner Mutter fra gte, sagte ich ihm, dass wir kein Telefon haben» , erinnert sich Renato an diese Anfangszeit zurück. Nur wenige ­Minuten musste er sch liesslich bei Benfica vo r­ spielen, dann wurde er in die U11-Mannschaft ­aufgenommen. «Er sp ielte so wild, dass sic h die Eltern der anderen Spieler beschwerten», sagte später mal João Tralhão, sein erster ­Juniorentrainer. Sein kra ftvolles Spiel hat sich Sanches bis heute be wahrt, er verliert selten Zweikämpfe. Schritt für Schritt ging er den Weg weiter, wurde En de Oktober 2015 in die erste Mannschaft beruf en – und startete durch .

Nationalteam

Der Höhenflug mit Benfi ca katapultierte Renato Sanches auch ins Nationalteam. Im März 2016 kam er zu seinen ersten Länderspielminu ten und schaff te es sch liesslich auch ins EMKader der Portugiesen . Gegen Polen rettete er Portugal mit einem sat ten Fernschuss zum Ausgleich vor dem Ou t. Im anschliessenden Elfmeterschiessen verw andelte er sicher – als zweiter Schütze nach Ronaldo. Mit 18 Jahre n und 317 Tagen hat er sich selber an diesem 30. Juni 2016 auch zum drittjüngsten EM -­ Torschützen in der Ge schichte gemacht – hin ter Johan Vonlanthen (18 Jahre und 141 Tage ) und Wayne Rooney (18 Jahre/237 Tage). Immerhin ist er aktuell ab er der jüngste Fussball Europameister der Ge schichte und wurde be i seinem ersten grosse n Turnier zum beste n Nachwuchsspieler gewä hlt.

FC Bayern München

Bereits Anfang Mai ga b der deutsche Rekordmeister die Verpflich tung von Sanches be kannt. Er unterschrie b einen Fünfjahresve rtrag, die Ablösesumm e betrug 35 Millionen Euro und kann sich du rch Bonuszahlungen um bis zu 45 Millionen Euro auf 80 Millionen Euro erhöhen. Was zu Begin n noch nach einer ungeheuer hohen Summ e aussah, hat sich spätestens nach der EM rel ativiert. Denn Manchester United soll sich bereits da bei Bayern erkundigt haben, ob es im Vertrag des Portugiesen eine Ausstieg sklausel gebe – wa s den finanziell potenten Bayern nur ein müdes ­Lächeln entlocken konn te. «Nach der EM wäre er für Bayern München unbezahlbar gewesen», war Bayerns Vorstands vorsitzender Karl-Heinz Rummenigge über sei nen Transfercoup glücklich. Und Trainer Carlo Ancelotti schwärmt: «E r kann der beste Fussball er Europas werden.»


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91. Minute

Riesentöter Köniz

7. Jahrgang, 2016 / 2017

Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 29. September 2016 Herausgeber: IMS Sport AG

FOOT-Magazin: IMS Sport AG Gartenstadtstrasse 17, Postfach 603 3098 Köniz Telefon: 031 978 20 20 Telefax: 031 978 20 25 ims@ims-sport.ch Verlagsleitung: Michel Bongard Telefon: 031 978 20 31 michel.bongard@ims-sport.ch Anzeigenleitung: Fabian Furrer Telefon: 031 978 20 35 fabian.furrer@ims-sport.ch Publizistischer Leiter: Andy Maschek Telefon: 031 978 20 55 andy.maschek@ims-sport.ch Textmitarbeiter: Matthias Müller, Peter Eggenberger, Nicola Berger Fotos: freshfocus, Pius Koller, zVg. Vorstufe: IMS Sport AG Gartenstadtstrasse 17, 3098 Köniz Layout/Litho: Ralf Küffer, Roger Depping Druck: Stämpfli AG Wölflistrasse 1, Postfach 8326 CH-3001 Bern Telefon: 031 300 66 66 © Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unverlangte Zusendungen wird von der Redaktion und dem Verlag jede Haftung abgelehnt. Auflage: ø 18 000 Exemplare, bei zusätz­ lichen saisonalen Mehrauflagen 25 000 Exemplare Abonnement: CHF 65.– Abonnementspreis Inland CHF 85.– Abonnementspreis Ausland Schnupperabo (3 Ausgaben, Inland)CHF 15.– 9 Ausgaben pro Kalenderjahr Abonnementsbestellungen /  Adressänderungen: FOOT (ehemals EuroSoccer), Industriestrasse 37, 3178 Bösingen Telefon: 031 740 97 99 Telefax: 031 740 97 76 abo@footmagazin.ch Einzelverkauf: FOOT ist an über 1000 Verkaufsstellen für CHF 7.50 erhältlich.

364 Tage dauerte es zwischen zwei Husarenstücken des FC Köniz. Am 18. September 2015 sorgte der Klub aus der Promotion ­League für eine Cup-Sensation und warf den Super Ligisten GC mit einem 3:1 aus dem Wettbewerb. Trainer der Berner war damals Bernhard Pulver, der nach dem Triumph sagte: «Viele im Team stehen an der Schwelle zur Super League. An einem guten Tag ist fast kein Niveau-Unterschied festzustellen. Heute zogen wir einen guten Tag ein.» Am 16. September 2016 zogen die Berner wieder einen guten Tag ein. Im Helvetia Schweizer Cup trafen sie erneut auf einen «Grossen» aus der Raiffeisen Super League, auf Lausanne. Wieder gewannen sie 3:1 – und dies nach einem schwachen Saisonstart mit lediglich fünf Punkten aus sieben S ­ pielen. Wahrscheinlich hat sich auch Lausannes ­Trainer Fabio Celestini verpokert. Nur drei Akteure jener Formation, die am Wochenende zuvor gegen Vaduz (5:0-Sieg) überzeugt hatte, standen in Köniz bei Spielbeginn auf dem Feld. Egal, Sieg ist Sieg. Und so konnte Köniz-­Trainer Rolf Rotzetter, der Nachfolger des auf den Präsidentenstuhl gestiegenen ­Bernhard Pulver, ­zufrieden sagen: «Sie ha-

ben natürlich eine gewisse Klasse, das hat man gesehen. Aber wir haben sie nicht ­spielen lassen.» Auch das Los meinte es gut mit dem Underdog, der zum Riesentöter mutiert ist. In den Achtelfinals trifft Köniz auf den FC Luzern, dessen 3:0 beim FC Ticino (2. Liga interregional) klarer aussah, als es war. Tomi Juric (80. Minute) und Marco Schneuwly (83./87.) sorgten erst in der Schlussphase für die Entscheidung. Lausanne war der einzige Grosse, der gegen einen Kleinen ausschied. Doch überzeugen konnten nicht alle. St. Gallen siegte beim Challenge-Ligisten Le Mont nur 1:0, ebenso der FCB beim Erstligisten Zug 94. Spektakulärer ging es zwischen Xamax und Sion zu und her. Am Ende sicherten sich die Walliser in einem bisweilen offenen Schlagabtausch mit einem 4:3 die Chance auf den 14. CupTriumph in der Geschichte. Klar ist, dass in den Achtelfinals Ende Oktober nach Thun (Out in der 1. Runde gegen Kriens) und Lausanne mindestens ein weiterer Klub aus der obersten Liga den Cup-Traum beerdigen muss. Im Schlagerspiel empfangen die Young Boys den Grasshopper Club Zürich.l

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