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WomEn i n BuSi n E SS

MAI 2010 CHF 8.90 | EUR 6.50 www.womeninbusiness.ch

das Wirtschaftsm agazin für die fr au

MÄRKTE Kein Geld für bankrotte Staaten ohne Sanierungsprogramme KARRIERE Schönheit als manipulierbarer Erfolgsfaktor

Die Mutige WIE FRANZISKA BRÜNDLER MIT LEIB UND SEELE IHR STARTUP-UNTERNEHMEN VORANTREIBT


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E D I TO R I A L

Liebe Leserinnen und Leser Tatsache ist, dass die Frauen in der Liga der Top-Führungspositionen signifikant untervertreten sind. Auf die Frage warum, gibt es verschiedene Antworten: monique Siegel, Trendforscherin, begründete im Gespräch unserer Februar-Ausgabe den umstand mit den Worten «viele Frauen haben keine Lust, sich das anzutun». und die Führungstrainerin Petra Wüst schiebt in der April-Ausgabe nach, dass Frauen «aussteigen», solange die vielerorts von männern zementierten Führungsstrukturen nicht aufgebrochen würden. Eine Konsequenz daraus ist, dass viele Frauen, gerade nach der Babypause, offenbar lieber ein Start-up-Unternehmen gründen, als sich mühselig auf der Karriereleiter hochzukämpfen. Wie es ihnen dabei geht und was es für einen erfolgreichen Start-up braucht, zeigen unsere Portraits ab Seite 10. PiiGS ist das Kürzel für die Länder Portugal, italien, irland, Griechenland und Spanien, welche auf dem direkten Weg in den Staatsbankrott sind. Soll sich die Eu auf unterstützungszahlungen einigen und drohen der gesamten Eu gravierende Probleme, wenn sie es nicht tut? Der eremitierte Wirtschaftsprofessor und Sachbuchautor Walter Wittmann ist entschieden gegen einen Bail-out. Lesen Sie seine Ausführungen ab Seite 26. Seit je setzen wir menschen viele mittel ein, um zu gefallen, auch mit direkten Veränderungen des Körpers. Aus gutem Grund: Wer nicht dem aktuellen Schönheitsideal entspricht, wird nachweislich diskriminiert. Die Frage, warum wir schön sein wollen, beschäftigt auch die Attraktivitätsforscher. Eine ihrer Erkenntnisse: Attraktiven menschen werden positive Eigenschaften wie Gesundheit, intelligenz und gute Charaktereigenschaften zugeschrieben. Hübsche Kinder bekommen bessere noten, schöne Straftäter mildere Strafen, attraktive Bewerberinnen bessere Jobs und höhere Löhne. Dennoch glaubt die im Beitrag Erfolg dank Skalpell befragte Personalberaterin nicht, dass das Äussere den Stichentscheid bei einer Kaderbesetzung gibt. Wie dem auch sei, auf Seite 40 zeigen wir ihnen auf, dass Sie sich, sollten Sie sich für eine SchönheitsoP entscheiden – aus welchen Gründen auch immer – keinesfalls von Dumpingpreisen verführen lassen und in jedem Fall eine ausgewiesene Fachärztin wählen sollten.

FOTO: NIK HUNGER

Viel Spass und Lesevergnügen wünscht ihnen Sabine Andersch, Verlagsleiterin

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Der name ist zwar sinnlos, der Erfolg der Glacé-marke dafür umso beeindruckender.

Aller Anfang ist schwer: Auch Erika Burkis Startup braucht viel Durchhaltevermögen.

mArKTPLATz

unTErnEHmEn SCHWErPunKT & mÄrKTE

6 novartis, maria Bartiromo, Liebes-Studie, SVP, Cecilia reyes, Susanne Schaffert

10 Gerade Frauen gründen oftmals lieber ein Startup-Unternehmen als innerhalb verkrusteter Strukturen mühselig die Karriereleiter hochzusteigen. Über den mut, die Ausdauer, die mühsal, aber auch die Lust dabei berichten unsere drei Portraits.

Soll die no bail-out-Klausel des EG-Vertrages angewendet werden oder nicht?

26 Der eremittierte Wirtschaftsprofessor und erfolgreiche Sachbuchautor Walter Wittmann ist entschieden dagegen, dass Staatsbankrott-Kandidaten ohne griffige Programme zur Schuldensanierung untertützung geboten wird. 31 Portfoliomanagerin Jiazhi Chen Seiler, Edelmetall-investment Gold, Volatilität, Sparplan für den nachwuchs, die wichtigsten Wechselkurs-Prognosen

ruBriKEn 3 9 22 25 36 38 39 47 74

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Editorial impressum Terminkalender Wer hat’s erfunden netzwerk Gadget Editor’s Voice Kolumne Women in History

FOTOS/ILLUSTRATIONEN: MARTIN GARCIA, FABIAN UNTERNÄHRER, iSTOCK, LAIF, AFP/GETTY IMAGES, VERA HARTMANN, PD

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noch werden so genannt sanfte Schönheitsbehandlungen bevorzugt.

YSL schrieb modegeschichte und sorgte für viele Highlights auf dem Catwalk.

ihre Küche lässt es die Gäste spüren: Françoise Wicki fühlt sich rundum wohl.

BEruF & LEBEn

Pour LE PLAiSir

DAS GESPrÄCH

40 Attraktive menschen sind nachweislich erfolgreicher als weniger attraktive. Wer diesen Erfolgsfaktor mit einer Schönheits-OP beeinf lussen möchte, sollte sich vor DumpingPreisangeboten in Acht nehmen und ein paar Grundsätze beachten.

58 Yves Saint Laurent ist der wohl wichtigste modeschöpfer des 20. Jahrhunderts. Das museum der schönen Künste, Le Petit Palais, Paris, vermittelt mit seiner einzigartigen retrospektive einen umfassenden Einblick in das Lebenswerk der modelegende.

66 Die Karriere der Spitzenköchin Françoise Wicki verlief im Eilzugtempo. Verständlich, gönnte sie sich eine Atempause. Doch seit anderthalb Jahren ist sie zurück und beglückt die Gäste im Hotelrestaurant Helvetia in zürich.

63 Lifestyle 66 Culture Club

PorTFoLio 51 Yves Saint Laurent (1936 – 2008)

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«Schlüpfriges»: 5600 Arbeitnehmerinnen setzen sich dagen zur Wehr.

noVArTiS unTEr AnKLAGE Schwere Vorwürfe wegen Diskriminierung und sexueller Belästigungen könnten einen enormen reputationsschaden bewirken.

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ie Firma Pharmaceutical Corporation, eine Tochterfirma des Schweizer Pharmakonzerns novartis, muss sich schweren Vorwürfen der weiblichen Belegschaft stellen. Die Sammelklage von 17 mitarbeiterinnen enthält eine über 100 Seiten umfassende Anklageschrift, die von insgesamt 5600 Arbeitnehmerinnen unterschrieben worden ist. Der novartis Tochter wurde unter anderem vorgeworfen, systematische Diskriminierung der Frauen im unternehmen zu betreiben, indem sie schlechter entlöhnt und bei Beförderungen permanent übergangen werden. zudem sei gemeldeten sexuellen Belästigungen nicht nachgegangen worden. Eine ehemalige Verkäuferin berichtete während der zeugenaussage sogar, dass ihr während der Schwangerschaft von ihrem Vorgesetzten nahegelegt worden sei, ihr Kind abzutreiben und ihren Verlobten zu verlassen.

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in der Anklageschrift wird ein über 200 millionen Dollar hoher Schadenersatz, sowie die Sicherstellung der Gleichbehandlung im Betrieb gefordert. Paradoxerweise rühmt sich Pharmaceutical Corporation aktuell, zu den hundert unternehmen der uSA zu gehören, die mit einem grossen Angebot an Teilzeitstellen den arbeitenden müttern perfekte Arbeitgeber seien. Die Widersprüchlichkeit der Positionen zeigt den tiefen Graben zwischen Belegschaft und unternehmen. Es ist nicht das erste mal, dass novartis im zusammenhang mit seinen Arbeitnehmenden negative Schlagzeilen schreibt. Bereits 2007 erhielten die Basler in Deutschland aufgrund einer exzessiven mitarbeiterüberwachung den negativpreis Big Brother Award. Dieser zeichnet unternehmen, Behörden und organisationen aus, welche in besonderer Weise den Datenschutz von Personen beeinträchtigen. (rp)


monEY HonEY ALS AuTorin in «The 10 Laws of Enduring Success» beschreibt maria Bartiromo ihren Weg zum Erfolg. • Das Aushängeschild des amerikanischen Finanz-TV-Senders CnBC holt sie alle vor die Kamera: ob Sündenpfuhl und new Yorks Ex-Gouverneur Eliot Spitzer oder Wirtschaftsguru Paul Volcker – alle stehen maria Bartiromo rede und Antwort. Bartiromo gehörte zu den ersten Journalisten, die täglich von der new Yorker Stock Exchange berichteten. Diese Tätigkeit verhalf ihr zum Spitznamen «money Honey». Weltweite Berühmtheit erlangte sie mit ihrem interview mit Google CEo Eric Schmidt, als dieser, konfrontiert mit dem Vorwurf, Google

tue zuwenig für den Datenschutz, erwiderte: «Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun». Als Konsequenz «entkleideten» kalifornische Studenten Schmidt, indem sie via Google (!) diverse informationen über sein Privatleben wie Hobby, Parteispenden, Salär und Affären in Erfahrung brachten und verbreiteten. Bekannte loben Bartiromos Fähigkeit, eine grosse Sensibilität für Themen zu haben und als Konsequenz die richtigen Leute vor die Kameras zu holen.

Gutes Gespür für Themen: maria Bartiromo.

mit ihrem Erstlingswerk «The 10 Laws of Enduring Success» hat die Journalistin ein stark autobiografisch gefärbtes Werk veröffentlicht. Sie schreibt über den umgang mit berühmten Persönlichkeiten und inwiefern diese sie weitergebracht hätten. (rp)

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M A R k T p L AT z

WomEn in LoVE im Vergleich gehen Frauen tiefere Beziehungen ein als männer. • Die resultate einer gross angelegten Studie der Bradley universität im amerikanischen Bundesstaat illinois haben gezeigt, dass Frauen auf der ganzen Welt die Fähigkeit besitzen, mehr Liebe zu empfinden als männer. Dies überrascht auf den ersten Blick nicht, gleichzeitig kommt aber die Frage auf, wie denn Liebe überhaupt gemessen werden kann. Dieses Problem hatte das Forschungsteam um David Schmitt denn auch zu lösen und befragte deshalb über 15 000 Personen darüber, wie intensiv diese Liebensgefühle empfin-

den. Die massenbefragung ergab, dass Frauen die Liebe stärker empfinden als männer und eher bereit sind, in ihrem Leben tiefgehende Bindungen einzugehen. Dieses Ergebnis korreliert mit der Tatsache, dass viele Frauen durch die Geburt eines Kindes eine nie dagewesene relation erleben, die sie schlussendlich auch für das zukünftige Leben prägt. Dies ist aber nicht die einzige ursache. Die Forscher fanden zudem heraus, dass die Diskrepanz der Geschlechter in wohlhabenden Ländern erheblich grösser ist als in ärmeren. So empfinden gerade in der Schweiz die Frauen deutlich mehr Liebe als männer. Die Forscher betonen in diesem zusammenhang, dass in Ländern, die von Krieg, naturkatastrophen, Armut, Gewalt, Krankheiten und mangelnder Bildung geprägt sind, die Leute nur selten siche-

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14.01.2010

7:26 Uhr

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Liebesgefühle empfinden Frauen stärker.

re Bindungen erleben. Daher seien die Erwachsenen häufig nicht in der Lage, stabile Bindungen aufzubauen, aus denen sich hingebungsvolle Liebe entwickeln könne. (rp)

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WEr mACHT DAS rEnnEn? Am ersten mai (nach redaktionsschluss) wählt die SVP ihre neue Vizepräsidentin. Vorgeschlagen wurde die Bernerin nadja Pieren.

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FOTOS MARKTPLATZ: DREAMSTIME (1), iSTOCK (1), PD

ls gezielte nachwuchsförderung bezeichnete SVP Parteipräsident Toni Brunner die nominierung der Berner Grossrätin nadja Pieren für das Amt des Vizepräsidiums. und doch räumte er später ein, dass es schon ein ungewöhnlicher Schritt sei, eine so unbekannte und unerfahrene Kandidatin wie Pieren zu nominieren. Dies scheint aber offenbar nicht so schwer zu wiegen, solange die Kandidatin den von der Parteileitung gestellten Anforderungen für das Amt entspricht: Sie ist eine Frau, jung – und steht voll auf der Parteilinie. Besonders letztere Anforderung bewies die 30-jährige Bernerin im Kantonalen initiativkomitee für die minarettinitiative. zudem engagierte

Women i n Busi n e ss

NR. 01 · SEPTEMBER 2009 CHF 8.90 | EUR 6.50

www.womeninbusiness.ch

das Wirtschaftsm agazin für die fr au

www.womeninbusiness.ch Ausgabe: nr. 7, 05/2010 Erscheinung: monatlich, 10 mal im Jahr Auf lage: 15 000 Exemplare Herausgeber immobilien & Business Verlags AG Grubenstrasse 56, CH-8045 zürich Telefon 043 333 39 49 womeninbusiness@ibverlag.ch Verleger Dominique Hiltbrunner redaktionsleitung Sabine Danuser, danuser@ibverlag.ch redaktoren Sabine Andersch, roderick Panchaud, michaela Schröder Autor/-innen dieser Ausgabe Sibylle Hamann, Susanne Kapfinger (sk), iris Kuhn-Spogat, Sonja Leissing, Walter Wittmann

Je reaktionärer desto besser.

sie sich gegen die Schulreform HarmoS und ist mitglied der AunS. Was wiederum leicht widersprüchlich erscheint: Die diplomierte Kleinkinderzieherin Pieren leitet in ihrem Heimatort Burgdorf eine eigene Kinderkrippe und sieht in der staatlichen Krippenförderung nichts Schlechtes. (rp)

CECiLiA rEYES

SuSAnnE SCHAFFErT

• im April wurde Cecilia reyes zum Chief investment officer und mitglied der Konzernleitung der Zürich Versicherung ernannt. in dieser Funktion wird sie direkt an CEo martin Senn berichten. zuvor hatte sie 2001 bis 2004 die Stelle der regional manager north America, Bereich Group investment, inne und war seit 2004 als regional manager für den europäischen markt zuständig. Vor ihrer Beschäftigung bei der zürich Versicherung war reyes unter anderem bei inG Barings in London und die Credit Suisse in zürich.

• im Jahr ihres 15. Jubiläums bei Novartis tritt die deutsche Susanne Schaffert die Stelle als Global Head investor relations an. Sie übernimmt die Stelle der ehemaligen Bundesrätin ruth metzler, die nach anderen Ehren strebt. zuvor war Schaffert in diversen Positionen im unternehmen tätig, unter anderem als Chefin der Geschäftseinheit onkologie bei der deutschen novartis Tochter novartis Pharma. in dieser Funktion führte sie 150 mitarbeiter, die einen Jahresumsatz von 250 millionen Euros generieren.

Art Director Sandra Schwarzenberger, schwarzenberger@ibverlag.ch Bildredaktion Fabienne Schurter, schurter@ibverlag.ch Fotos/illustrationen Cover: Alberto Venzago, Styling: matteo Leone martin Garcia, Vera Hartmann, Fabian unternährer Verlagsleitung Sabine Andersch, andersch@ibverlag.ch Leiter Werbemarkt Carlo Steiner, steiner@ibverlag.ch Anzeigenverkauf michaela Schröder, schroeder@ibverlag.ch Daniel Pauletto, pauletto@ibverlag.ch Administrative Leitung, Abonnemente Vanessa Badmann, badmann@ibverlag.ch Konzept & Publizistische Beratung Lüchinger Publishing GmbH, zürich Einzelpreis CHF 8.90 / Jahresabo CHF 79.– Auslandsabo CHF 99.–; Probeabonnement (3 monate) CHF 25.–, Ausland CHF 35.– marken des Verlages: immobilien Business/ immobilien Gespräche / immobilien Brief / immobilien Bauen & Wohnen / Women in Business Talks / Swiss Business Druck und Vertrieb: Kliemo AG Haftungsausschluss: Der redaktionelle inhalt stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Abschluss einer Finanztransaktion dar und entbindet den Leser nicht von seiner eigenen Beurteilung. WomEn in BuSinESS · mAi 2010

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Start-up-unternehmerinnen arbeiten hart und verdienen wenig bis nichts – aber sind durchs Band glücklich. TEXT IRIS KUHN-SPOGAT FOTO FABIAN UNTERNÄHRER

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Wie viele Jungunternehmerinnen träumt auch Erika Burki davon, eines Tages von ihrem Geschäft leben zu können.

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ben noch waren sie Studentin, managerin, Hotelangestellte und musikerin. Heute verkaufen sie DesignProdukte, vermitteln offerten für iT- und Bürobedarf, backen Torten und vermieten Kunst – und zwar auf eigene rechnung und Gefahr, denn sie haben vor Kurzem, mit sehr unterschiedlichen Ambitionen, ihr eigenes unternehmen gegründet. Franziska Bründler zum Beispiel hat klein angefangen, will aber gross hinaus: Die Gründerin, inhaberin, Chefin und einzige Angestellte von Fidea Design sagt: «ich gebe mir zeit bis 30, dann will ich eine kleine, originelle Designkollektion, die ich international verkaufen und von der ich leben kann.» Die heute 28-jährige entwickelt, produziert und vertreibt Gegenstände wie den filigranen Kerzenständer monoLux, der an allem hält, was magnetisch ist. oder den multiClip, eine puristische Version des altbekannten mobiles. Dazu gekommen ist sie «per zufall»: in einem renommierten Haushaltswarengeschäft in zürich entdeckte sie den Kerzenständer monoLux und wollte 50 Stück davon bestellen. nicht für sich, sondern für Bekannte, ein unternehmerpaar, für die der Gegenstand als Kundengeschenk perfekt gepasst hätte. Hätte. Denn als Bründler die Bestellung aufgeben wollte, sagten die monoLux-Erfinder, sie hätten den Kerzenständer aufgegeben. Erst nahm Studentin Bründler das einfach zur Kenntnis, dann fing es in ihr an zu arbeiten. «ich habe noch in der gleichen nacht eine E-mail an die Erfinder des monoLux geschickt», sagt sie, «und nur Tage später haben sie zurückgerufen.» nochmals später hatte sie einen Vertrag in der Tasche: Bründler erhält die Lizenz für den monoLux, die Erfinder lebenslänglich Lizenzeinnahmen.

Akquisition in eigener Sache Das war im Sommer 2008, Bründler steckte mitten im Abschluss ihres Studiums zum master of Art an der uni zürich. nun hatte sie sich auch noch

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«ich gebe mir zeit bis 30, um davon leben zu können.»

mit Fragen rund um den monoLux herumzuschlagen, und zwar dringend. Denn für das Weihnachtsgeschäft 2008 wollte sie durchstarten. «Das Hauptproblem war das Geld», sagt sie. unterstützung findet sie in der Familie: Der Vater gibt 10 000 Franken, die Grossmutter 5000, weitere Verwandte schiessen 5000 Franken ein, damit Bründler eine GmbH gründen kann – «der Haftung wegen». Von der Bürgschaftsgenossenschaft SAFFA erhält Bründler sodann die zusage für die Bürgschaft für ihr Kontokorrent über 30 000 Franken und kann loslegen. Der monoLux geht sechs Wochen, nachdem sie ihn für sich entdeckt hatte, in Produktion. und zwar nicht irgendwo, sondern in der Werkstatt der Stiftung züriwerk, die Behinderte beschäftigt. Bründler erhält unterstützung von vielen Seiten: zinsloses Darlehen von einem unternehmer, Businessplan von einem Freund, Büromöbel von einem Kollegen, ein Auto von Bekannten, eine Homepage von einem Entwickler, den sie von früher kennt – und schliesslich Bestellungen von Leuten, bei denen sie einmal gearbeitet hat. und die FideaFirmenpostkarte zeigt Bilder, die der Fotograf Alberto Venzago gratis im züriwerk aufgenommen hat. Bründler packt das alles ins Kapitel «Jungunternehmerbonus». Wer ihr aber eine Weile zugehört hat, weiss, was es mit dem vielen Support auf sich hat: Die Frau ist Feuer und Flamme für das, was sie tut – und zwar so sehr, dass entfacht wird, wer ihr zuhört.

Dennoch: nach Abschluss ihres zweiten Geschäftsjahres verdient Bründler erst einen Bruchteil dessen, was sie als Angestellte verdienen könnte. Bis vor kurzem hat sie neben Fidea Design auch noch gejobbt für ihren Lebensunterhalt. Geld ist nach wie vor knapp, «aber ich brauche zum Glück auch nicht viel», und bald könnte sich das ja alles ändern: Der Kerzenhalter verkauft sich inzwischen in über 100 Geschäften in der Schweiz, Österreich und Deutschland, die Fidea-Kollektion ist auf sieben Produkte angewachsen, und Bründler hat ihre «kreative Freestyle-Buchhaltung» in die Hände eines Profis gelegt. Dieser klopft mit Bründler nun bei Banken an für weiteres Kapital. Diesmal braucht sie einen Kontokorrentkredit von 100 000 Franken, «für nachproduktion und neue Kollektionen».

nichts ohne Businessplan Die Wahrscheinlichkeit, dass Bründler das Geld auftreiben kann, um ihr Geschäft voranzutreiben, ist gross: Sie hat einen Businessplan und kann bereits einen Leistungsausweis vorweisen. Beides ist Bares wert für die einst generösen Banken, die heute als skeptische Finanzdienstleister über Sein und Haben entscheiden und dabei rigiden Vorgaben von oben folgen. «Die Hürde für eine Anschubfinanzierung ist tatsächlich hoch», bestätigt Esther Studer vom institut für Jungunternehmen, iFJ in St.Gallen, «ohne Businessplan geht gar nichts.» rein formal ist ein Businessplan keine Hexerei. Da muss drin stehen, welches Produkt, welche Dienstleistung (Geschäftsidee) wem (Kundensegment) und warum (marktpotenzial) verkauft werden will, und was dabei unter dem Strich finanziell heraus kommen soll (Budget). Wer etwas produziert – sprich vorfinanzieren muss – wie Franziska Bründler, braucht fast immer Fremdkapital. Brainworker, die sich selbstständig machen, brauchen dagegen oft kaum Startgeld. Aber auch ihnen legen Experten ans Herz, einen Businessplan auszuarbeiten: «Wer einen Businessplan erarbeitet, merkt


Ihm gefällt’s, sie freut’s: Den magnetischen Kerzenhalter lässt Bründler in der Behindertenwerkstätte Züriwerk fertigen.

schnell, ob eine Geschäftsidee halten kann, was man sich von ihr verspricht», sagt iFJ-Startup-Supporterin Studer, «er schützt davor, dass man sich verrennt.» Einen Businessplan zu erstellen, heisst, sich mit seiner Geschäftsidee vertieft und aus verschiedensten Blickwinkeln auseinander zu setzen, und das ist etwas, was die wenigsten Jungunternehmerinnen und

Jungunternehmer einfach so aus dem Ärmel schütteln. Hilfe gibt’s denn auch im Tausendpack: Wer bei Google mit dem Begriff «Businessplan erstellen» Seiten aus der Schweiz anfordert, landet fast 10 000 Hits. Ämter, Berater, Softwareanbieter, institute buhlen da um Kundschaft. mit Erfolg: Allein Anbieter wie das iFJ in St.Gallen oder die Business Tools der ETH zürich schleu-

sen im Jahr Hunderte durch sogenannte Businessplan-Workshops.

mit der idee kam der mut Gaby Stäheli und Priska Schoch haben letzten Sommer einen solchen Kurs absolviert und schwärmen noch heute davon. «Den Businessplan zu ››› WomEn in BuSinESS · mAi 2010

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Mit dem Businessplan fiel die Entscheidung: Stäheli (links) und Schoch gründen Coryps.

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erstellen, war das Beste, was wir tun konnten, um uns für die Selbständigkeit zu rüsten», sagt Priska Schoch, «denn wir waren gezwungen, unsere idee von A bis z durchzudenken.» Die beiden Frauen waren dafür im Venturelab, dem Startup-Training der Förderagentur für innovation KTi. Es steht künftigen Geschäftemachern im Hightech-Bereich offen und hat zum ziel, unternehmerisch denkende Leute mit dem nötigen Wissen und den Kontakten zu versorgen, damit sie starten können. Aufgenommen wird, wer mit seiner Geschäftsidee überzeugt – die erste Hürde, die Gaby Stäheli und Priska Schoch zu nehmen hatten. Die beiden Frauen haben sich erfolgreich mit ihrer idee beworben, für Kleinere und mittlere unternehmen (Kmu) ein offertportal für iT- und Büro-Equipment sowie für Finanz- und Personaldienstleistungen zu kreieren. «Die Geschäftsidee habe ich in den uSA gefunden», sagt Gaby Stäheli. Danach gesucht hat sie seit vielen Jahren. «Selbständig zu sein, war seit langem mein Traum», sagt sie, «aber mir fehlten mut und idee.» mit der idee kam der mut. Stäheli und Schoch sind vom Fach, kennen sich von iBm, Stäheli hat bis vor zwei Jahren dort gearbeitet, Schoch bis Ende 2009. Als Stäheli das unternehmen verliess, war sie Chefin von 150 mitarbeitern. Die mutter von zwei Kindern im Alter von 5 und 9 hatte genug vom Grossbetrieb, «viele Vorgaben, wenig Freiräume», und wechselte in eine kleine Firma. Von heute aus betrachtet, sieht sie in diesem Schritt den

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«Selber entscheiden, ob man am Sonntag arbeitet oder nicht.»

Auslöser für die Selbstständigkeit: «ich war enorm eingespannt, da hatte es in meinem Kopf keinen Platz, um neue ideen zu entwickeln.» zwei Jahre nach diesem Schnitt hatte sie die idee, den Businessplan – und die Geschäftspartnerin, Priska Schoch.

Formulieren, strukturieren, rechnen Für diese kam Stähelis Anfrage unpassend. «Superidee, aber der falsche moment», reagierte Schoch, denn sie hatte bei iBm eben erst einen neuen Job angefangen. Trotzdem trifft sie sich mit Stäheli und lässt sich entf lammen für Schritt eins: Erstellen eines Businessplans. Sie formulieren, strukturieren, rechnen, schätzen ab. Am Ende des Kurses beendet Schoch nach 21 Jahren

10:53 Uhr

ihre Karriere bei iBm, «ich dachte jetzt oder nie», und auch Stäheli kündigt. Parallel zu ihren auslaufenden Engagements als Angestellte bauen sie Gryps – Buchstaben aus Gaby und Priska, auszusprechen als Grips – auf, klappern Anbieter von Telefonanlagen bis zu Kopiergeräten ab und entwickeln die internetplattform, auf der Kmus seit dem 1. Februar offerten für alles mögliche einholen können: online ein paar Fragen beantworten, abschicken, fertig. innerhalb kurzer zeit gibt’s für jede Anfrage drei massgeschneiderte offerten von Anbietern aus der region des jeweiligen Kunden. Kostenpunkt: null für den Anfrager, zwischen 50 und 100 Franken für den Anbieter. Die beiden Frauen haben ihre Firma ohne Fremdkapital gegründet und zehren von Erspartem. Für ihr kleines Büroabteil im Haus der StiftungFutur in der rapperswiler Altstadt bezahlen sie keinen rappen. Läuft es gemäss Businessplan, zahlen sie sich aber bereits in drei monaten ihren ersten Lohn aus und in fünf Jahren haben sie 18 mitarbeiter, die «mehrere Hundert offertanfragen» betreuen. ihr markt scheint unerschöpf lich: «in der Schweiz gibt es 300 000 Kmu.» nichts verdienen und noch mehr arbeiten als je zuvor? «Kein Problem», sagt Schoch, «es fühlt sich ganz anders an, wenn man selber entscheidet, ob man am Sonntag arbeitet oder nicht.» Was Schoch sagt, ist wissenschaftlich belegt: Selbständige sind durchs Band zufriedener als Angestellte, und das, obschon sie das wirtschaft- ›››

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Fehl am Platz ?

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liche risiko tragen, sich nicht gegen Erwerbslosigkeit versichern können, keine bezahlten Ferien haben, keine Kinderzulagen erhalten und hohe Sozialabgaben leisten müssen. zu diesem Schluss kam eine gross angelegte Studie des renommierten zürcher Professors Bruno S. Frey, der sich internationales renommee verschafft hat, weil er weiche Faktoren wie Glück und zufriedenheit an die zahlenbasierte Ökonomie koppelte. Seine umfrage bei über 3000 Schweizer Haushalten hatte ganz klar ergeben, dass menschen nicht nur das resultat ihrer Arbeit bewerten, sondern vor allem die Bedingungen, unter denen es zustande kommt: «Being independent is a Great Thing» lautet denn auch der alles sagende Titel der Studie. Das Ergebnis deckt sich übrigens mit vergleichbaren umfragen, die in Westdeutschland und England über einen grösseren zeitraum durchgeführt und von einer Studie der uni Bern jüngst erneut bestätigt wurden.

Frauen geben selber Gas Auch das internationale Forschungsprojekt Global Entrepreneurship monitor (GEm) befasst sich mit Fragen rund um das unternehmertum. Ein Kernthema sind rahmenbedingungen in einzelnen Ländern.

«unabhängigkeit ist eine hervorragende Sache.»

in der Schweiz wird das Projekt von Spezialisten des Kmu-instituts der uni St.Gallen in Kooperation mit dem imD in Lausanne betreut. in ihrem letzten Länderreport von 2008 steht: Generell gelten die rahmenbedingungen für eine unternehmerische Tätigkeit in der Schweiz als gut. Beim Thema rahmenbedingungen für die Gründungen durch Frauen rangiert die Schweiz allerdings am Ende der Liste, weil es schlicht keine frauenspezifische Förderangebote gibt. Daran hat auch die Studie namens PotentiELLE, die vor fünf Jahren auftrags Seco die runde machte, rein gar nichts geändert. Der 90-seitige Schlussbe-

start-up-hilfen Noch Mitte der neunziger Jahre war die Schweiz Brachland in Sachen Angebote für Start-ups und Jungunternehmer. Speziell für Frauen gab es von Seiten der öffentlichen Hand nichts, ganz im Gegensatz etwa zu Deutschland und Österreich, wo Förderung von Gründerinnen gross geschrieben wird und eine entsprechend lange Tradition hat. Mittlerweile hat sich in der Schweiz aber vieles getan: Das Angebot an Inputs und Support für alle, die sich selbstständig machen wollen, ist inzwischen stark gewachsen und vielfältig. Institute wie dasjenige für Jungunternehmen in St.Gallen bieten nicht nur verschiedene Kurse zu diversen Themen, sondern auch eine umfassende Übersicht über verschiedene Anlaufstellen. Unter www.ifj.ch/index finden sich Listen mit Links und Kontakten zu Ämtern, Standortförderern, Gründerzentren und potenziellen Geld- und Kreditgebern, bis hin zu Web-Portalen und allen möglichen Wettbewerben, die auf Start-ups zugeschnitten sind.

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richt zeigt zwar minutiös auf, wie andere Länder es besser machen, und er enthält auch ein auf die Schweiz angepasstes massnahmenpaket. Geführt hat der Bericht aber nicht zum Beispiel zu einer Projektgruppe, die sich mit deren umsetzung befasst, er landete im Archiv. Denn: Trotz widriger umstände werden hierzulande 40 Prozent aller unternehmen von Frauen gegründet, was international verglichen überdurchschnittlich ist. Die Tendenz ist gar steigend: immer mehr Frauen gründen eine Firma. Ende 2009 gab es in der Schweiz gemäss Schweizerischer Arbeitskräfteerhebung SAKE 82 000 selbstständig erwerbstätige Frauen, das sind 76 Prozent mehr als 1991. in den letzten 20 Jahren ist die zahl der beruf lich selbstständigen Frauen gemäss dieser Statistik doppelt so schnell gewachsen wie die der männer.

zufriedenheit wichtiger als Wachstum «Trotz teils widriger umstände erreichen Frauen in der Selbstständigkeit eine bessere Work-Life-Balance als im Angestelltenverhältnis», sagt Brigitte Baumann und fügt an, «viele Frauen melden sich zwischen 40 und 50 aus der Corporate World ab, um etwas zu tun, an das sie wirklich glauben.» Wie sie selbst: Baumann ist Gründerin und CEo von Go Beyond, einer Plattform von und für Business Angels, also investoren, die junge unternehmen vor allem im High- und medtech-Bereich unterstützen. Firmen werden aus ganz unterschiedlichen Gründen gegründet: in der Schweiz entstehen gemäss GEm nahezu 80 Prozent aller neuen Firmen nicht des Geldes wegen, sondern um mehr unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu erreichen, die Geschäftsidee ist das Vehikel dafür. «unternehmen werden hierzulande nur selten zum zweck des wirtschaftlichen oder sozialen Aufstiegs gegründet und sind daher oft wenig wachstumsorientiert», interpretieren die Studienexperten die Erkenntnis. Dass sie damit richtig liegen, ergibt auch eine kleine Spontanumfrage bei


Jungunternehmerinnen. «ich habe mir einen Traum erfüllt», sagt zum Beispiel ulrike Abels. Die Konditormeisterin aus menziken hat sich im Dezember 2008 mit Sweet Treat zur unternehmerin erklärt und backt seither Hochzeitstorten und Geburtstagskuchen, Teegebäck und Pâtisserie – alles only on demand, alles von Hand, alles in ihrem einzigen Backofen in der Küche ihrer Wohnung. «ich backe einen Kuchen um den anderen», sagt sie. Der Anfang war schwierig, inzwischen hat sich die Spitzenqualität ihrer Gebäcke herumgesprochen; orders für dreistöckige Hochzeitstorten und kunstvoll verzierte muffins treffen aus der ganzen Deutschschweiz bei Abels ein. Vor zwei monaten hat sie ihren Job als Aushilfskellnerin aufgegeben und widmet sich nun voll und ganz dem Backen. in der Fantasie tut sie es bereits in einer neuen Lokalität, an Passantenlage, mit mehr Platz, mehr Backöfen und mehr Kühlmöglichkeiten. ihr ziel? nicht ruhm, nicht reichtum, «sondern eine Windmühle am meer, die ich mir dank Sweet Treat einmal kaufen kann.» Ann-Karin Wicki sagt, sie habe sich vor eineinhalb Jahren entschieden, ihren gut bezahlten managementposten bei einer grossen Krankenkasse zu kündigen, «ohne genau zu wissen, warum». im nachhinein sieht die Historikerin mit einem Diplom in Sozialversicherungsmanagement ihre Kündigung als ersten Schritt in ihre Selbstständigkeit. Den zweiten machte sie erst, als ihre sechs monate lange Kündigungsfrist abgelaufen war. «mein Job war sehr

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fordernd, ich habe erst über meine Firma nachzudenken begonnen, als ich arbeitslos war.» Ein halbes Jahr später gründet sie ihr unternehmen Wicki Healthcare management. Sie bietet Kurse an zur Sozialversicherungslandschaft Schweiz, berät Arbeitgeber bezüglich Absenzen-management arbeitsunfähig gewordener mitarbeiter und schult Versicherungsangestellte. «ich gebe mir zwei, maximal drei Jahre, dann will ich Tritt gefasst haben, und mein Geschäft muss genug Geld abwerfen, damit ich gut davon leben kann», antwortet sie auf die Frage nach ihren Ambitionen. «mitarbeiter möchte ich keine, ich habe lange genug welche geführt.» ihr Worst-case-Szenario? «Dass nichts läuft», sagt sie, «dann suche ich einfach wieder eine Stelle, und das wäre kein ‹GAu›.» Wicki ist über ihren Versuch bis jetzt nicht euphorisch gestimmt, sondern ambivalent: «ich habe zwar mehr Freiheiten, bin aber allein.» Dieses Schicksal teilen alle, die sich als Alleinunternehmer selbstständig gemacht haben. «Darum sind netzwerke wichtig», sagt Startup-Beraterin Esther Studer, «und es gibt auch unzählige.» insbesondere für Frauen. Sie heissen Business and Professional Women BPW, netzwerk für Einfrauunternehmerinnen nEFu, oder Business mamas, sind meist als Verbände organisiert und bieten Kennenlern- und Austauschplattformen. Eine der grössten Plattformen bietet das iFJ in St.Gallen mit seinen sogenannten Venture Apéros: «Solche Events können sehr wertvoll sein», ››› 10:53 Uhr

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Erika Burkis Label «Ask for Art» vermietet Kunst und hat sich mit leisen Tönen einen Namen gemacht.

sagt Studer, «hier treffen Jungunternehmer auf potenzielle Kunden und auf Experten, die einfach zur Verfügung stehen.»

mut und Geduld Bründler, Stäheli und Schoch, Albers und Wicki – Frauen, die vor Kurzem

den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben. ihre Firmen sind klein und fein: Damit entsprechen sie dem typischen Jungunternehmen, wie sie die Studie «Die neuen Selbstständigen 2009» von der Fachhochschule nordwestschweiz ermittelt worden sind. und wie die mehrheit der Studienteilnehmenden sind auch die vier Startup-unternehmerinnen in Bezug auf

ihr Projekt voller zuversicht, obschon rein statistisch gesehen zwei von ihnen die ersten fünf Jahre nicht überstehen werden. Viele scheitern wegen Selbstüberschätzung. Gemäss einer britischen Studie gibt es einen statistisch relevanten zusammenhang zwischen hoher Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und dem späteren Erfolg: Je überzeugter ein Jungunterneh- ››› WomEn in BuSinESS · mAi 2010

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SCHWERpUNkT

mer demnach von sich ist, desto eher scheitert er. und doch: «man muss an sich und seine Fähigkeiten glauben», sagt die St. Galler Expertin Esther Studer und fügt an: «man braucht mut, manchmal auch zum Übertreiben, denn man muss sich verkaufen.»

Langsam, aber sicher Erika Burki kann ein Lied davon singen, wie schwierig es ist, zwar von etwas überzeugt zu sein, aber sich nicht verkaufen zu können. Sie hat als Auftakt zu ihrem Start-up Ask for Art 550 Briefe in die Schweizer Firmenwelt verschickt, fest davon überzeugt, dass ihr Angebot – Kunst zum mieten – dort auf ein riesiges Echo stossen würde. Aber weit gefehlt: ihr Schreiben verhallte ungehört, «es kam keine einzige rückmeldung», sagt Burki. Statt wie gehofft mit einem Paukenschlag hat sie sich mit leisen Tönen einen namen gemacht. mittlerweile reicht Burkis Kundenkartei von Genf bis Winterthur. Über 400 Bilder von mehr und weniger bekannten Schweizer zeitgenossen stehen in einem Kellergeschoss in der Solothurner innenstadt zur Ansicht

«Drei Jahre nach der Gründung kommt das Geschäft in Schwung.»

bereit, jedes kann für eine Jahresmiete von 10 Prozent des Verkaufspreises gemietet werden. Die Hälfte davon geht an den Künstler, der rest an Ask for Art. Das Geschäft kommt nun, drei Jahre nach der Gründung langsam, aber sicher in Schwung. Letztes Jahr konnte Burki einen Anhänger plus Kupplung anschaffen; die Bilder bringt sie nämlich persönlich vorbei, hängt sie auf und holt sie auch wieder ab. Wenn Kunden nicht wissen, was sie wollen, reist Burki auch mit einer Aus-

entWicklung selbstständiger in der schWeiz seit 1991 400

Angaben in Tausend

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2009 QUELLE: BUNDESAMT FÜR STATISTIK, SCHWEIZERISCHE ARBEITSKRÄFTEERHEBUNG SAKE

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startups.ch aWard 2010

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wahl an, betrachtet räume und berät. Die idee, Kunst zu vermieten, ist nicht von ihr, sondern aus Holland, wo mietkunst längst gang und gäbe ist. Den zugang zu Kunst hat Burki aus ihrem vorherigen Job: Sie selbst ist musikerin und hat seit 1988 das Künstlerhaus in Solothurn mit geleitet, sie kennt von daher unzählige Kunstschaffende, weiss deren Können einzuschätzen und mit ihnen umzugehen. Ask for Art ist ein low-budget-Projekt. Der Vermieter des Kellergeschosses ist ein Kunstliebhaber und überlässt Burki die grossen räume für eine Jahresmiete von symbolischen 6000 Franken. Die 50 Prozent, die sie bei jeder Vermietung für sich behält, steckt sie in Versicherungen und in den Auf bau einer iT-Plattform. noch zahlt sie sich keinen Lohn, sondern lebt von ihrem Einkommen als organistin einer Kirchengemeinde und als Klavierlehrerin. Burkis Traum? «Von meinem unternehmen leben zu können.» So antworteten auch Bründler, Schoch, Stäheli und Abels. und recht haben sie: Schliesslich stehen sie alle noch ganz am Anfang eines vielversprechenden Abenteuers, und da ist Träumen ja wohl noch erlaubt.

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Mittwoch, 26. Mai 2010 18.45 Uhr Grieder in Basel Die Talkreihe von Women in Business bietet interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Plattform, die sich ausgewählten Themen aus weiblicher Sicht der Wirtschaft widmet. Der abschliessende Apéro lädt jeweils zum Austausch und zum networking ein. Am 26. mai findet der Women`s Talk erstmals in Basel statt. zu dem Thema «Finanzen, Gesundheit, Ausbildung – alles eine Frage der Planung» diskutieren Dr. olivia Bosshart und ihre Gäste. kNIggE BEI TISCH

Dienstag, 8. Juni 2010 12.00 – 14. 00 Uhr zunfthaus zur Saffran, zürich Einmal mehr organisiert das Frauennetzwerk Womensfinance einen originellen Anlass: Die «Savoir Vivre» Expertin Lucia Bleuler zeigt die wichtigsten Grundlagen für das richtige Benehmen bei Tisch. Vergessene Tischregeln werden wieder aufgefrischt, und sicherlich kann das eine oder andere dazugelernt werden. Auch der praktische Bezug wird nicht zu kurz kommen, denn die Schule wird bei einem mittagessen gleich angewandt. www.womensfinance.ch WIRTSCHAFTSTAgE LUzERN

Mittwoch, 16. Juni 2010 09.00 – 18.30 Uhr Verkehrshaus der Schweiz, Luzern Die fünfte gesamtschweizerische Wissensaustausch- und netzwerktagung widmet sich dieses Jahr dem Thema «Den Kunden packen»: Wie packen wir unsere Kunden, dass sie von unserem unternehmen so überzeugt sind, dass sie zu Stammkunden werden? Wie können wir neue Kunden gewinnen, ohne bisherige Kunden zu verlieren? mit Erfahrungsberichten und referaten von unternehmerinnen und unternehmern sowie Dozierenden der Hochschule Luzern und der universität Luzern. www.hslu.ch/ibr

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Phantastischer Non-Sense

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ls rose mattus am 28. november 2006 90-jährig stirbt, schreibt der britische «The independent» wenig schmeichelhaft über deren Hinterlassenschaft an die Welt: «The name is a non sense». Gemeint ist der zungenbrecher Häagen-Dazs. in der Tat: Kein markenstratege, der noch ganz bei Trost ist, würde eine Eiscreme-marke Häagen-Dazs taufen. Kein mensch, welcher zunge auch immer, kann dieses phonetisch unförmige Gebilde richtig aussprechen, kein mensch weiss, was diese unmögliche Klangfolge bedeuten soll. zumindest die Antwort auf letzteres ist schnell gegeben. Die zwei Worte mit dem Bindestrich dazwischen bedeuten tatsächlich: gar nichts.

ILLUSTRATION: MARTIN GARCIA

opulenter Geistesblitz

Das lässt tief blicken, muss mit dem tiefsten inneren der mattus’ zusammenhängen: rose, geborene Vesel, wie auch ihr späterer mann reuben sind jüdischen Glaubens und es ist wohl Schicksal, was die beiden zusammenführt. rose wird mitten im Ersten Weltkrieg in manchester als Tochter einer Schneiderfamilie geboren, die ihr Geld mit Kostümen für das Theater verdient. mit einer Theatertruppe gelangen die Vesels nach Belfast und von dort im Jahr 1921 nach new York. ihre Eltern stammen ursprünglich aus Polen, so wie auch reuben mattus, der mit seiner verwitweten mutter ungefähr zur gleichen zeit in new York an Land geht. und in einem Jugendclub in Brownsville, Brooklyn, treffen sich rose und reuben, das polnisch-jüdische verbindet, löst Gefühle aus, und 1936 wird geheiratet. Den Schneiderberuf gibt rose auf und nun bestimmt Eiscreme ihr Leben. Denn die mattus’ verkauften mit ihrem Pferdewagen das kühle Genussmittel in der nachbarschaft der Bronx, und das Geschäft lief nicht einmal schlecht.

Es muss irgendwann Ende der 50-er Jahre gewesen sein, als rose mattus zusammen mit ihren mann reuben auf der Couch in ihrem Wohnzimmit einem Schlag mer in der Bronx, new York, sitzt millionäre und ihren Gedanken freien Lauf lässt. Gesucht ist eben das – ein Doch die richtig gute idee kam name für Eiscreme. und gefunden erst mit Häagen-Dazs: Eine cremiAus Dank an Dänemark nennt Rose wird schliesslich eben dies – Häage Köstlichkeit, mit richtiger SahMattus ihre Eiscreme-Erfindung gen-Dazs. Wer diesen Geistesblitz in ne, natürlichen Aromastoffen und Häagen-Dazs. seiner Entstehungsgeschichte rekonwohlschmeckenden ingredienzien struieren will, muss konstatieren, wie belgische Schokolade, Vanillees ist opulent wie Häagen-Dazs-Eis, Schoten aus madagaskar oder Kaffee was hier in diese zwei Worte einaus Kolumbien. Wie alt sieht dagegen f liesst: Dänisch sollte es sein, weil doch die Konkurrenz in den Superreuben mattus vor seinem geistigen märkten aus, die nur mit künstlichen Auge dänische milkmaids Eiscreme verkaufen sieht. Dä- Geschmacksverstärkern aufwarten kann. nisch muss es klingen, und in seinem Halbwissen über die und aus rose & reuben wird ein richtiges Eis-Tandem. Sie dort gesprochene Sprache baut reuben mattus noch einen verkauft das Produkt, meist an Studenten, und er tüftelt am umlaut ein – was es im Dänischen gar nicht gibt. und wa- Laufmeter immer neue Geschmacksrichtungen aus. Häarum das amerikanische Eis auf Teufel komm raus dänisch gen-Dazs wird schliesslich zur ersten national vertriebenen schmecken und klingen musste, enthüllt die Co-Erfinderin Eiscreme-marke der uSA, der Vertrieb erfolgt in den ersten von Häagen-Dazs rose mattus erst Jahrzehnte später in ih- Jahren mit den typisch amerikanischen Greyhound-Bussen. rer Autobiographie «The Emperor of ice Cream», erschienen Als das Ehepaar im Jahre 1983 ihre Firma verkauft, werden zwei Jahre vor ihrem Tod. Die Dänen, schreibt sie, haben so rose & reuben mit einem Schlag zu 70-fachen millionären, viel Gutes für die Juden im zweiten Weltkrieg getan und das und die unaussprechbare marke gibt es heute praktisch auf ist auch der Grund, wieso auf jeder Packung zu Beginn eine der ganzen Welt. dänische Landkarte prangt. René Lüchinger WomEn in BuSinESS · mAi 2010

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unternehmen & märkte

No lender of last resort! Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Italien: Warum die EU gut beraten ist, bei drohenden Staatsbankrotten die «no bail out»-Klausel anzuwenden und auf Stützungsmassnahmen zu verzichten.

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TEXT WALTER WITTMANN ILLUSTRATION STEPHAN LIECHTI

ls die Finanzkrise in der zweiten Hälfte 2007 eskalierte, sahen sich Zentralbanken und Staaten veranlasst, massiv zu intervenieren, um den Kollaps des globalen Finanzsystems abzuwenden. Die Finanzkrise artete darauf hin in eine Schuldenkrise aus und wurde durch eine Rezession zusätzlich verschlimmert. Klar, liess da eines auch nicht mehr lange auf sich warten: Ab Anfang 2009 macht das Gespenst vom Staatsbankrott die Runde. Nicht nur in den Massenmedien, sondern auch in breiten Bevölkerungskreisen und darüber hinaus auch bei anerkannten Ökonomen.

Leichte Versuchung Geraten die öffentlichen Finanzen sozusagen ausser Kontrolle und eskalieren die Budgetdefizite, so ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Frage nach der Zahlungsfähigkeit von Staaten gestellt wird. Aus der Geschichte wissen wir: In extremen Situationen nehmen Staaten Zuf lucht zur Zentralbank und verlangen von ihr, die Notenpresse anlaufen zu lassen. Der Zentralbank wird somit die Rolle des Retters in der Not (lender of last re-

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sort) zugewiesen. Diese Rolle darf die Zentralbank jedoch nicht ohne Grenzen spielen. Es kommt sonst zu einer galoppierenden (Hyper-)Inf lation und schliesslich zu einer Währungsreform. Und dies endet dann letztlich mit einem Totalverlust für jene, die dem Staat Kredit, dominant in Form von Anleihen, gegeben haben. Als Pleite-Kandidaten gelten Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Italien und inzwischen auch Grossbritannien, übrigens nicht erst seit heute. Diese Länder zeichnen sich schon seit geraumer Zeit durch rasch wachsende Staatsschulden und Finanzierungsengpässe aus. Mittlerweile besteht nun die akute Gefahr, dass sie mit der Verzinsung und Tilgung ihrer Schulden in Verzug geraten. Springen der Internationale Währungsfonds und/oder die EU nicht ein, so könnte man der Versuchung erliegen, die Zahlungsunfähigkeit zu verkünden.

Falsches Signal Schlagzeilen sozusagen am laufenden Band produziert Griechenland. Die öffentlichen Einnahmen leiden unter einer notorischen, gravierenden Steuerhinterziehung. So zahlen etwa nur (relativ) wenige Griechen Vermögenssteuer. Und die Einkommenssteuer

leidet unter viel zu niedrig erklärten (steuerbaren) Einkommen. Darüber hinaus meidet rund ein Drittel der Pf lichtigen die Mehrwertsteuer. Derweil eskalieren die öffentlichen Ausgaben. Grob ein Viertel der Griechen ist bei der öffentlichen Hand beschäftigt, und die Sozialwerke bilden einen weiteren, dominanten Ausgabenposten. Die Folge: Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben tut sich immer mehr auf. Doch die griechischen Staatsschulden sind nur die Spitze des Eisbergs. Hinzu kommen nämlich noch jene der privaten Haushalte und Unternehmen. Nach einer Schätzung der Société Générale summiert sich die Gesamtverschuldung auf 900 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP). Seit Monaten wird denn auch darüber spekuliert, wer in Griechenland quasi als Retter in der Not einspringen könnte. Nach Artikel 103 des EG-Vertrages darf kein EU-Land für die Schulden anderer Mitglieder haftbar gemacht werden («no bail out»-Klausel). Jedes EU-Land muss also selbst für einen defizitären Staatshaushalt geradestehen. Trotzdem kommen immer wieder Zweifel auf, ob die EU sich im Ernstfall an die «no bail out»-Klausel halten wird oder nicht doch zu «solidarischen» Massnahmen greifen könnte. Die EU wäre gut beraten, letzte- ›››


Laut EG-Vertrag muss jedes EU-Land selbst für einen defizitären Staatshaushalt geradestehen.

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Wissen schafft Werte

« Wie viele Staaten sind noch erstklassige Schuldner?» Weltweit verfügen gemäss namhaften Ratingagenturen weniger als 20 Staaten über die höchste Bonitätsstufe AAA. Zu diesen gehört auch die Schweiz. Länder wie Griechenland, Portugal oder Irland haben aufgrund ihrer hohen Staatsdefizite ein viel grösseres Ausfallrisiko. Allerdings ist auch der Verschuldungsgrad von Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Grossbritannien erheblich. Die Beurteilung der Kreditrisiken von Staatsobligationen und die Analyse von Anlagealternativen ist daher bedeutender denn je. Wir bei Wegelin & Co. sind täglich auf der Suche nach Fragen und Antworten, die Sie als Anlegerin beschäftigen. Stellen auch Sie Ihr Wissen unter Beweis und nehmen Sie am Wegelin Wissenswettbewerb teil.

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PIIGS Die fünf Staaten in der Eurozone, für welche die Experten den Staatsbankrott als besonders hoch einschätzen, werden unter dem Kürzel PIIGS zusammengefasst: Portugal, Irland, Italien, talien, Griechenland und Spanien. panien.

1. Portugal Das Land steckt in der Krise wegen Misswirtschaft und seiner starken Abhängigkeit vom Bausektor. Das Haushaltsdefizit 2009 liegt bei 9,3 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP). Per Ende Mai werden zudem Staatsanleihen von 12,8 Mrd Euro fällig.

2. Irland Immobilien- und Finanzkrise machen auch Irland gewaltig zu schaffen. Das Haushaltsdsefizit 2009 beträgt 11,5 Prozent. Bis Ende Mai sollten die Iren Staatsanleihen in der Höhe von 7,2 Mrd Euro zurückzahlen.

res nicht zu tun; sie würde damit ein verhängnisvolles (Fehl-)Signal geben: Hinfort würden nämlich alle von der Pleite bedrohten Länder damit rechnen, gerettet zu werden, und entsprechend würden ihre Anstrengungen, die öffentlichen Finanzen zu sanieren, entscheidend nachlassen.

Wege aus dem Dilemma Es ist, wenn überhaupt, die Aufgabe des Internationalen Währungsfonds (IWF) einzuspringen, um kurzfristige Engpässe zu überwinden. Das kann man insofern verantworten, als dass der IWF regelmässig seine Hilfe an effiziente Auf lagen knüpft, wie die Sanierung zu erfolgen hat. Darüber hinaus führt er strenge Kontrollen durch und gibt seine Mittel nur tranchenweise frei. Macht ein Land nicht die erforderlichen (Sanierungs-)Fortschritte, so wird die Hilfe ausgesetzt. Die Eckpfeiler einer jeden Sanierung sind: Das Potential auszuschöpfen,

3. Italien Das Haushaltsdefizit 2009 unserer Nachbarn im Süden beläuft sich auf 5,3 Prozent. Dieser vergleichsweise «niedrige» Wert verliert angesichts der geschuldeten Staatsanleihen aber schnell an Harmlosigkeit: Bis Ende Mai sind 70 Mrd Euro fällig.

4. Griechenland Misswirtschaft und Korruption bescheren dem Land für 2009 eine Staatsverschuldung von 12,2 Prozent. Und Ende Mai gilt es, Anleihen in der Höhe von rund 20,5 Mrd Euro zurückzuzahlen.

das in Steuererhöhungen steckt, sowie die Steuerhinterziehung effizient zu bekämpfen. Das Schwergewicht muss aber bei der Kürzung von Personalausgaben, Subventionen und Zuschüssen an Träger der Sozialversicherungen liegen. Gegen solche Massnahmen wird allerdings regelmässig, auch auf der Strasse, Sturm gelaufen. Streiks und soziale Unruhe bleiben nicht aus. Gibt eine Regierung diesem Druck jedoch nach, so ist der Staatsbankrott nicht mehr abzuwenden.Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Griechenland und andere von der Pleite bedrohte Länder es nicht schaffen werden, ihre Finanzen dauerhaft zu sanieren. Dann bleibt noch ein Ausweg: Die Verzinsung und Tilgung ihrer Schulden teilweise oder ganz auszusetzen. Um die EU-Norm zu erfüllen, bildet dabei die Herabsetzung der Schulden auf 60 Prozent am BIP das Minimum. Der Euro und die EU sind übrigens solange nicht gefährdet, als dass die EU und die Europäische Zentralbank (EZB) nicht einspringen, um marode

5. Spanien Im Zug der geplatzten Immobilienblase stürzte auch Spanien in die Krise. So beläuft sich das Haushaltsdefizit 2009 auf 10,1 Prozent. Die Höhe der Ende Mai fälligen Rückzahlungen für Anleihen beträgt 32,5 Mrd Euro.

Mitglieder zu «retten». Und die Pleite von kleinen Ländern wie etwa Griechenland, Portugal, Irland oder Belgien ist durchaus zu verkraften. Der Ernstfall tritt erst ein, wenn grosse Länder wie zum Beispiel Italien, Spanien und Frankreich sich nicht selber retten können oder wollen.

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In seinem jüngsten Buch, das ab Mitte Juni im Buchhandel ist, erklärt der erimitierte Wirtschaftsprofessor Walter Wittmann Punkt für Punkt die Zusammenhänge, die zum Staatsbankrott führen. Und er liefert das ultimative Sanierungsprogramm. Denn ein Staatsbankrott geht uns alle an. Walter Wittmann: Staatsbankrott, Orell Füssli, CHF 39.90.

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In China steht der Drachen für Erfolg.

Zumindest als Portfoliomanagerin in der Gunst des Drachens: Jiazhi Chen Seiler.

to p- m a n ag e r i n

CHINA-ExPERTIN Im Reich der Mitte ist der Tiger los. Jiazhi Chen Seiler weiss die Gunst der Stunde zu nutzen. • China hat Deutschland im letzten

Jahr als Exportweltmeister bereits abgelöst und könnte bald auch die USA als Wirtschaftsmacht Nummer Eins überholen. Aber mit welchen Konsequenzen? Chinas Industrialisierung hat eine Massenbewegung ausgelöst. Bis im Jahr 2025 sollen 300 Millionen Chinesen, die heute auf dem Land leben, in die Städte ziehen. Deshalb sollen in den kommenden zwei Jahrzehnten 20 000 bis 50 000 (Schätzung McKinsey) neue Wolkenkratzer gebaut werden.

FOTO: DREAMSTIME, PD

Vom Boom profitieren Jiazhi Chen Seiler, Portfoliomanagerin Aktien Asien (exJapan) bei der Bank Vontobel, setzt auf Gelb. Die gebürtige Chinesin rechnet vor: «Das rasante Urbanisierungstempo dürfte jährlich zu Investitionen von umgerechnet 150 Milliarden Dollar in die Wasser- und Abfallentsorgung sowie in Heizungsund andere öffentliche Versorgungs-

systeme führen». Chen Seiler will von diesem Boom profitieren, indem sie in die entsprechenden Unternehmen investiert. Dazu gehören Produzenten von Baumaterialien, Betreiber von Transportsystemen, Bau- und Abfallentsorgungsunternehmen sowie Anbieter von Trinkwasser. Die steigenden Einkommen dürften zudem die Nachfrage nach Verbraucherprodukten (LCD- und LED-Fernsehgeräte, Kühlschränke) und Autos erhöhen. Ist nicht auch mit Immobilien gutes Geld zu verdienen? Hier ist Vorsicht geboten: Die Wohnungsmärkte in Shanghai und Peking, wo sich die Preise jedes Jahr nahezu verdoppelt haben, sind überhitzt. «Im globalen Grossstadtvergleich sind die Immobilienpreise in den chinesischen Metropolen allerdings immer noch sehr tief», sagt dagegen Chen Seiler. In ihrer Heimatstadt Harbin (Hauptstadt der Provinz Heilongjiang) koste ein Quadratmeter Wohnf läche rund 600 US-Dollar. Auch die Erschwinglichkeitsrate (Hypothek/

Jahreseinkommen) liege immer noch unter den in der Schweiz empfohlenen 30 Prozent. Durch ihre Aktienwahl hat sich das Portfolio (ISIN LU0385070528) von Chen Seiler jedenfalls in den letzten zwölf Monaten mit einer Performance von 82 Prozent besser entwickelt als das durchschnittliche Portfolio ihrer Kollegen (+76%, Berechnung Citywire). Die fünf Top-Positionen bestücken etwa einen Fünftel des Portfolios. Dazu zählen etwa die China Construction Bank und China Mobil, der nach Kundenzahlen weltgrösste Mobilfunkanbieter. China Mobil will sich mit 39,8 Milliarden Yuan (ca. 6,2 Mrd. CHF) an der Shanghai Pudong Development Bank beteiligen. Beide Parteien wollen eine strategische Allianz bilden, um mobile Finanzdienstleistungen anbieten zu können.

Positive Sharpe-Ratio Mit dem von Seiler gemanagten Fonds Global Responsibility Asia (ex Japan) Equity haben Anleger die Chance, an den Kurssteigerungen von nachhaltigen, unterbewerteten Unternehmen zu partizipieren. Die Sharpe Ratio des Fonds beträgt 3,4 und zeigt, dass eine deutliche Mehrrendite unter Berücksichtigung des Anlagerisikos erwirtschaftet wurde. (sk) WOMEN IN BUSINESS · MAI 2010

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unternehmen & märkte

i n v e stm e n t

GOLDRICHTIG • Das Edelmetall Gold erfreut sich bei den Anlegern wieder einmal zunehmend grosser Beliebtheit. Das erklärt auch die Tatsache, warum sich der Goldpreis seit 2001 mit einem Anstieg von 250 US-Dollar auf bislang 1225 US-Dollar knapp verfünffacht hat. Heute verkauft sich die Unze für 1088 USD. Zwar hat der Goldpreis seine steile Aufwärtsbewegung im letzten Jahr unterbrochen, doch dürfte dies nicht von Dauer sein, meint Johann A. Saiger, Spezialist für langfristige Inf lations- und Wirtschaftszyklen. Er hält einen Anstieg des Goldpreises auf 5000 US-Dollar bis im Jahr 2012 für wahrscheinlich. Auch das World Gold Council erwartet 2010 eine Erholung des Goldpreises aufgrund wieder ansteigender Schmucknachfrage sowie starkem Investmentbedarf. Das WGC erwartet, dass auch Zentralbanken immer mehr Gold kaufen werden. Bei der Wahl des Goldinvestments muss man sich darüber

im Klaren sein, warum man an einen Goldkauf denkt. Geht es um den Vermögensschutz, dann sind physische Goldinvestments wie Barren, Münzen, Metallkonto oder Wertschriftenkonto richtig. Hier partizipiert man eins zu eins an der Preisentwicklung des Goldpreises. Verfolgt man jedoch eine mittelfristige Buy-and-HoldStrategie, um von einem Aufwärtstrend zu profitieren, dann ist eher «Papier-Gold» angebracht. Bei dieser Variante besitzt der Investor nicht direkt das Gold selber, sondern Anteile an einem Goldfonds (ETF) oder an Gold-Aktien (Blue Chips). Wer in Goldaktien mit kleiner und mittlerer Börsenkapitalisierung investiert, hat es auf rasche Kapitalgewinne abgesehen. Ein Spekulant sucht Goldminenaktien, die durch den steigenden Goldpreis plötzlich ihre Produktionskosten decken können. Somit erhöht jede weitere Steigerung des Goldpreises den Unternehmensgewinn. (sk)

k n oW h oW

WAS BEDEUTET VOLATILITäT? • Im Zusammenhang mit Finanzrisiken wird oft der Begriff der Volatilität verwendet. Wie man mit Gef lügel das Aktienrisiko an den Börsen misst, zeigt ein kurzer Abriss in die Sprachgeschichte. Volatilität wird vom lateinischen Wort volatilis abgeleitet und heisst soviel wie f liegend, f lüchtig. Nun haben die Franzosen im 13. Jahrhundert daraus ihr Gef lügel, la Volaille, abgeleitet. Später haben Statistiker die Schwankung von Zeitreihen als Volatilität bezeichnet. Die Kurs-Volatilität ist demnach das Mass für die Schwan-

LeIchteS PaPIer-GoLd Im dePot

Die besten aktiv gemanagten Goldaktienfonds haben im Performance-Rennen die Nase vorn. Allerdings sind sie in USD nominiert, womit der Schweizer Anleger auch einem Währungsrisiko ausgesetzt ist. Bei den Exchange Traded Funds (ETF) ist das Währungsrisiko hingegen abgesichert (hedged). GoldhandelsInvestments Symbol oder ISIN Falcon Gold Equity A Blackrock World Gold A2 USD SGAM Gold Mines Equity Julius Bär Physical Gold (CHF) AX ZKB Gold ETF Xmtch II on Gold-hdg CHF

CH0002783535 GoldminenAktien LU0055631609 GoldbergbauAktien LU0123770702 JBGOCX ZGLD XMGLDC

UBS IS (CHF) AUCHAH hedged ETF A

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Basiswert

GoldminenAktien 1 OZ Physisches Gold 12,5 Kg Physisches Gold Xmtch II (CH) on Gold-hdg CHF Physisches Gold

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Kurs per 7.4.2010

Jahres- Wertper. papierart

475,10 USD 71,6% 51,50 USD 3317,30 USD 1284,55 CHF 3910,00 CHF 117,93 CHF

Aktiv gemanagter Goldfonds 46,5% Aktiv gemanagter Goldfonds Aktiv gemanagter Goldfonds 26,3% ETF 31,4%

18,8% ETF 9,0%

ETF

120,30 CHF 4,0%

ETF

QUELLE: MORNINGSTAR, SWISSQUOTE

volatilis (lat.) = f liegend, f lüchtig kungsintensität eines Wertpapierkurses oder eines Index um seinen eigenen Mittelwert innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Es stellt also eine Risikokennzahl dar, die in Prozent ausgedrückt wird. Je höher die Volatilität einer Geldanlage, desto risikoreicher erscheint sie, weil der Preis in der Vergangenheit breiter um einen Referenzwert gestreut war. Die durch die Telekurs Financial ermittelten historischen Volatilitäten werden auf Basis der logarithmierten Tagesrenditen der letzten 30 / 90 / 180 / 270 Börsentage berechnet und durch die Berücksichtigung eines Annualisierungsfaktors als jährliche Volatilität ausgewiesen. (sk)


Viele Eltern legen für ihre Kinder gerne «etwas auf die hohe Kante».

s pa r e n

BABY’S ZUKUNFT Die Finanzdienstleister bieten in der Regel attraktive Konditionen für Kindersparpläne. Dennoch gibt es beachtenswerte Unterschiede. • Wie sieht der richtige Sparplan für den Nachwuchs aus? Es bieten sich verschiedene Anlageformen, Sparkonto oder Fondssparplan an, wobei gespartes Bargeld wohl die beste Lösung bietet: Erstens, fällt bei Jugendsparkonten in der Regel keine Kontoführungsgebühr an. Zweitens, erfolgt ein regelmässiger Kapitalzuwachs durch Zins und Zinseszins. Welche Anbieter sind nun die Besten?

FOTO: iSTOCK (3)

Postfinance am rentabelsten Die Unterschiede sind frappant. Das E-Depositokonto der Postfinance für Jugendliche bis 20 Jahre rentiert aktuell mit 2,0 Prozent am meisten. Diese Spezialkonditionen sind jedoch auf ein Guthaben von bis zu 25 000 Franken limitiert. Das nächste 25 000-Franken-

Paket wird noch immerhin mit 1,5 Prozent verzinst. Das E-Depositokonto kann sogar zu leicht höheren Sonderzinsen in Euro eröffnet werden. Die Bedingung für eine Kontoeröffnung ist ein Privatkonto (Pate, Eltern, Grosseltern).

Spesen und Konditionen beachten Migros Bank und Coop Bank verzinsen die Ersparnisse von Kindern und Jugendlichen bereits tiefer, zu 1,625 Prozent beziehungsweise 1,5 Prozent. Auch die Raiffeisen bietet einen Vorzugszins mit ihrem Go4free Angebot für Jugendliche. Und die meisten Dienstleistungen wie Bargeldbezüge, Überweisungen und Kontoauszüge sind auch hier gratis. Die Zinsempfehlung der Raiffeisen Schweiz liegt hierfür mit

1,375 Prozent jedoch noch tiefer als bei Coop und Migros. Einen Vorzugszins für einen wesentlich höheren Geldbetrag – bis zu 100 000 Franken – bekommt man bei der Zürcher Kantonalbank. Der Vorzugszins liegt bei 1,25 Prozent. Für Rückzüge von über 10 000 Franken gilt zudem eine Kündigungsfrist von 3 Monaten. Denselben Vorzugszins gewährt auch die UBS auf ihr Jugendsparkonto, der jedoch hier nur auf 20 000 Franken gewährt wird. Die kostenlose Kontoführung, ein jährlicher Kontoauszug und der kostenlose jährliche Zinsabschluss mit Bescheinigung sind Usus bei allen Anbietern. Die Vorzugszinsen könnten sich jedoch bald ändern, dies geschieht meistens nach einer veränderten Zinspolitik der Schweizerischen Nationalbank. (sk) WOMEN IN BUSINESS · MAI 2010

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unternehmen & märkte

Devisen

TENDENZ SCHWANKEND Devisenmarktinterventionen verursachen Prognoseunsicherheit. • Welche Währungen sind gegenüber

Oft wollen die Zentralbanken die Währungen künstlich schwach halten.

lich dürfte im Zug der Konjunkturerholung auch die SNB zuversichtlicher werden und von Interventionen am Devisenmarkt absehen. Die SNB liess sogar durchblicken, dass die Zinsen im September steigen könnten, was darauf hindeutet, dass die Währungen wieder verstärkt von den Marktkräften bestimmt würden. Anleger mit Referenzwährung CHF wären daher gut beraten, ihre Euro-Engagements abzusichern.

dIe WIchtIGSteN WähruNGeN Im ÜBerBLIcK Währungen

Spotkurse 23.3.2010

3 monate

12 monate

USD/CHF

1,06

0,99

0,92

EUR/CHF

1,43

1,41

1,40

EUR/USD

1,35

1,43

1,53

EUR/GBP

0,90

0,95

0,95

EUR/SEK

9,71

9,45

9,20

EUR/NOK

8,03

7,85

8,00

QUELLE: CREDIT SUISSE FX RESEARCH, STAND 24.3.2010

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Somit bleibt der Euro, obwohl er seit Jahresbeginn bereits mehr als fünf Prozent verloren hat, weiterhin unter Druck. Im Gegensatz zur CS ist man aber bei der Bank Julius Bär der Auffassung, dass der Euro nicht weiter abschwächt, dies vor allem gegenüber dem USD. Zum einen sei der Euro in den Portfolios unterrepräsentiert und überverkauft. Zum andern habe sich die extreme Überbewertung gegenüber dem USD, wie sie noch vor wenigen Monaten zu beobachten war, verengt. In der Gesamtbetrachtung habe der Euro gute Chancen für eine technische Erholung, sagt David Kohl, Devisen-Spezialist der Bank Julius Bär im Monatsausblick (3/10). Aber auch den Dollar gilt es abzusichern, so der Rat der Credit Suisse. «Wir halten an unserer mittel- bis langfristig bearishen USD Einschätzung fest», heisst es im Devisen-Resarch. Dem USD fehle die Zinsunterstützung und er nähere sich einem überbewerteten Niveau. Der USD/CHF-Kurs lag per 9.4.10 bei 1,06 und soll sich laut CS in 12 Monaten bei 0,92 einpendeln (-12%). (sk)

FOTO: iSTOCK

dem Schweizer Franken unterbewertet, welche überbewertet? Die Wechselkursprognosen unterscheiden sich erheblich voneinander. Die Prognoseunsicherheit rührt daher, dass Devisen über Devisenmarktinterventionen manipuliert werden können. Das wird von der Schweizer Nationalbank (SNB) ebenso gerne gemacht wie von der chinesischen Regierung. Die Zentralbanken wollen meist die Währung künstlich schwach halten. Die SNBPolitik könnte sich aber in absehbarer Zeit ändern. Während per 9.4.10 der EUR/CHFWechselkurs bei 1,43 lag, prognostiziert die Credit Suisse für die nächsten zwölf Monate eine Abwertung. So sieht die Grossbank den Wechselkurs EUR/ CHF über drei Monate eher auf 1,41 und über 12 Monate auf 1,40 (-2%). Die CS-Ökonomen sind der Meinung, dass der CHF aufgrund der Fundamentaldaten stärker tendieren sollte. Tatsäch-


Exklusiv für Privatpatienten und Selbstzahler Alle reden von nachhaltigem Denken im Gesundheitswesen. Wir handeln danach. Ab diesem Jahr behandeln wir in unserer Klinik in Zürich nur noch Privatpatienten sowie Selbstzahler und werden so zur ersten und einzigen Exklusiv-Privatpatientenklinik der Schweiz. Die Klinik Pyramide am See leistet damit erneut Pionierarbeit und orientiert sich noch stärker an den höchsten Patientenansprüchen. Detaillierte Infos dazu auf www.pyramide.ch.

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netZWerk

Indra Nooyi «Emigrantin, Farbige und Frau – drei Treffer gegen mich», soll sie einmal gesagt haben. Doch heute ist sie CEO von Pepsico und gehört zu den 100 mächtigsten Frauen der Welt.

Beeindruckt: Roger Enrico

A

Überzeugt: Steve Reinemund

ls Kind einer konservativen Mittelstandsfamilie wird Indra Nooyi 1955 im indischen Madras geboren. Allerdings fällt sie schon bald aus der Rolle, spielt etwa Cricket und E-Gitarre in einer Mädchenband, anstatt sich traditionellerweise auf eine zukünftige Rolle als Haushaltsführerin einzustellen. Schliesslich absolviert sie ein MBA-Studium in Kalkutta und überfällt ihre Eltern mit dem Plan, in die USA auswandern zu wollen. Als sie dann ein Stipendium an der Yale School of Management erhält, emigriert sie mit 22 Jahren. Im indischen Sari stellt sie sich bei der amerikanischen Unternehmensberatung Boston Consulting Group vor – und erhält einen Job in der Strategieplanung. Carl Stern, Chairman aus dem Chicago Büro der Beratungsfirma hat diesen ersten Karriereschritt von Nooyi miterlebt: «Sie ist eine brillante Strategin und eine absolute Ausnahmeerscheinung: Sie arbeitet sich innerhalb kurzer Zeit bis in kleinste Details ein und ist jederzeit in der Lage, auf das grosse Bild um-

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zuschalten – eine sehr seltene Qualität bei Managern.» Mit einem derart guten Zeugnis stellt man sie später wohl «mit Handkuss» als Strategieexpertin bei Motorola ein. Dort soll sie umgehend einen Technikexperten spätabends nach der Arbeit zu sich nach Hause beordert haben. Um Fachbegriffe zu pauken und möglichst rasch mit der eigenen Sprache der Systemingenieure mithalten zu können. «Diese Intensität ist wohl einzigartig», resumiert Stern. Und Nooyi weiss, dass sie nach dieser Ochsentour als Vorzeigefigur für den amerikanischen Traum steht: Es nämlich selbst als Emigrantin, Farbige und Frau bis ganz nach oben schaffen zu können.

Fleiss und Ehrgeiz Über Motorola und später ABB (Senior Vice President für Strategie und strategisches Marketing) tritt Nooyi 1994 schliesslich bei Pepsico als Senior Vice President für Strategische Planung ein. Zwei Jahre später wird sie Senior Vice President für Unternehmensstrategie und –entwicklung, und unter der Führung des damaligen Konzernchefs Roger

FOTOS: PD (3), GETTY IMAGES

Voll des Lobs: Carl Stern


Enrico im Jahr 2000 Senior Vice President von Pepsi. Enrico schwärmt: «Niemand, den ich bisher getroffen habe, kann so hart rangehen wie Indra, aber sie macht es stets mit einem Sinn für Herzlichkeit und Humor.»

Die Männer übertreffen 2001 löst Steve Reinemund Enrico als Pepsi-Chef ab. Er will die trendigen Städter stärker für Pepsi-Produkte begeistern. Um diese Zielgruppe besser zu verstehen, will Reinemund auch das Management bunter gestalten, mit mehr Vertretern von Minderheiten und mehr Frauen. Er soll daher bei seiner Ernennung auf die Ernennung von Nooyi zum Chief Financial Officer bestanden haben, was 2001 auch geschieht. Seit 2006 ist die Mutter von zwei Töchtern selbst CEO von Pepsico und zählt laut Forbes Magazine zu den 100 mächtigsten Frauen der Welt, auf dem 3. Rang 2008 wie auch 2009. Einer ihrer Schlüsselsätze lautet: «Frauen müssen im Job mehr arbeiten und besser sein als Männer.» (da)

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gaDget

Schluss mit diffuser Geheimniskrämerei: Glowing Purse mit Innenbeleuchtung.

Es werde Licht

E

matische Lösung gefunden zu haben. Sie entwarfen eine Tasche, die zwar von aussen nichts Spektakuläres erahnen lässt, im Innenraum aber eine Micro Leuchtdiode (LED) integriert hat und das Innenleben dadurch vollumfänglich illuminiert. Damit dieses Licht auch ein Weilchen hält, lässt es sich mit einem auf ladbaren Akku speisen.

Revolutionierte Frauenwelten Die Damen, welche durchschnittlich 14 Stunden im Jahr damit verbringen, Gegenstände in ihren Handtaschen zu suchen, dürften von dieser Einrichtung sehr profitieren und endlich einen effektiveren Umgang mit ihrer Tasche erfahren. Ob das Licht die ganze Frauenwelt revolutionieren wird, bleibt fraglich. Eines jedoch ist jetzt schon sicher: Sollte sich fortan wieder einmal eine Liebste von ihrem Partner eine Handtasche wünschen, seine Wahl wird wohl nicht ganz uneigennützig auf die Glowing Purse fallen. Exklusiv zu bestellen bei www.studio-kg.com Roderick Panchaud FOTO: PD

s sind lediglich elf Wörter, doch ihr Ausspruch bedeutet für den betroffenen Mann gewöhnlich eine frühzeitige Kapitulation. Metaphorisch betrachtet, ist es die Aufgabe einer Schlacht, bevor diese überhaupt erst begonnen hat. Und für einen Mann gibt es eigentlich nur wenige Aufforderungen, die solche damit verbundenen, unangenehmen Gefühle auslösen. Doch dieser tut es, mit «tödlicher» Sicherheit: «Schatz, könntest Du mir bitte meinen Lippenstift aus der Handtasche reichen?». Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, die einem da auferlegt wird, und wer taucht schon freiwillig in diese dunkle und stets nach diffusen Parfümdüften riechende Welt ein, in der neben Puder, Mascara, (gebrauchten) Taschentüchern, Tampons, Agenda und Haarbürste sonst noch allerlei für den Mann Rares zum Standardinventar gehört? Hinzu kommt das ungemütliche Bauchgefühl, vielleicht auch noch etwas in der Tasche anzutreffen, was Mann gar nicht unbedingt sehen wollte. Kawamura & Genjavian, ein Architekten- und Designerpaar, das unter anderem bereits für Herzog & deMeuron gearbeitet hat, scheint für dieses Problem nun eine prag-

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e D i to r ’ s vo i c e

Lüsternheit für Lüsterne

W

FOTO: NIK HUNGER

er sich derzeit die Boulevard-Presse zu Gemüte führt, muss sich fast zwangsläufig die Frage stellen: Spinnen diese Schweizer Männer? Oder noch schlimmer: Sind sie gesteuert von ihrem baumelnden Organ leicht unterhalb des Bauchnabels, gegen dessen Aktivität das Zwei-Kilo-Auf klärungsorgan namens Gehirn schlicht keine Chance hat?

wahlweise verprügelt oder zum Oralsex gezwungen haben. Sehr unappetitlich das alles, und nun wartet der Hirschmann ebenfalls auf seine Anklage.

Fragwürdige Vorverurteilungen

In der Öffentlichkeit jedoch, Boulevardpresse sei Dank, sind die moralisch-empörten Urteile bereits gefällt und das Verdikt eindeutig. Diese Männer sind schuldig, schuldig, schuldig. Zu sehr trommelt der Boulevard, zu sehr entsprechen die mutNichts als die Wahrheit masslichen Täter dem Klischee testosterongetränkter Virilität, Die Rede ist von Jörg Kachelwelche die Betroffenen mitunmann. Im Nebenamt Wetterter kopf los ins Verderben führt. frosch, der im TV so schön Doch vergessen wir nicht: Im harmlos über BlumenkohlRechtsstaat gilt die Unschuldswölkchen zu referieren pf legt. vermutung bis zum Beweis des Im Hauptjob, wissen wir nun Gegenteils. Und dieses Gut ist dank der Yellow Press, ist er bei aller öffentlich geschürten – euphemistisch gesagt – ein Empörung höher zu bewerten Frauenverführer. Mit einer ist als das Gericht des Boulevards. er befreundet und die soll er, Wer sich einmal in dessen so lesen wir, vergewaltigt und Sperrfeuer befindet, hat meist mit einem Messer zum Gekeine Chance mehr sich zu schlechtsverkehr gezwungen wehren und zwar unabhängig haben. Daneben soll er eine der tatsächlichen Faktenlage. Zweitfreundin geheiratet haZumindest theoretisch könnten ben. Und neben diesem BeVergessen wir nicht: Im Rechtsstaat gilt sich diese Storys ja auch ganz ziehungskuddelmuddel soll er die Unschuldsvermutung. anders zugetragen haben. Was, noch eine Drittbeziehung gewenn bei Kachelmann eine bepf legt haben. Steht zumindest trogene Freundin sich einfach in den bunten Heftchen, und rächen will? Was, wenn bei Hauptsache, der Kachelmann Hirschmann sich abgewiesene hat dabei den Überblick über Girls einfach wichtig machen sein emotionales Hochdruckwollen? Würde sich solches als gebiet behalten. Jetzt sitzt er in U-Haft und wartet auf eine Anklage wegen angeblicher wahr herausstellen: All jene, die ihr Urteil dannzumal aufgrund des eigenen Voyeurismus bereits gebildet Vergewaltigung. Der andere ist Carl Hirschmann, Nachtclubbesitzer hätten, müssten vor Scham im Boden versinken – ein und etwas aus der Spur geratener Schnösel aus reichem Risiko, das niemand freiwillig eingehen sollte. Hause. Von dem ist zu hören, er habe Sex mit einer Minderjährigen gehabt, andere junge Frauen soll er Dominique Hiltbrunner

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B e ru F & L e B e n

Erfolgreich dank Skalpell? Gleich vorneweg: Nein, eine Schönheits-OP ist kein Garant für den Erfolg im Geschäftsleben. Aber schönen Menschen wird dennoch mehr zugetraut.

P

ro Jahr legen sich Hunderttausende von Menschen für ein besseres Erscheinungsbild auf den Operationstisch. Die meisten operativen Schönheitseingriffe werden dabei in den USA, Mexiko, Brasilien, Japan und Spanien durchgeführt. Das Nachbarland Deutschland steht mit 350 000 Operationen an sechster Stelle. In der Schweiz gehören Schönheitsoperationen eher noch zum Tabuthema, die Akzeptanz aber wächst auch hierzulande. Jennifer Aniston, Madonna, Sandra Bullock sowie 90 Prozent (Männer und Frauen) der Bewohner der Hollywood Hills kennen mindestens einen plastischen Chirurgen aus eigener Erfahrung. Schönheit gehört aber längst nicht mehr zum Privileg des Jet-Sets oder der High Society, Manipulationen am äusseren Erscheinungsbild mithilfe der ästhetischen Chirurgie werden je länger je mehr zu einer ganz selbstverständlichen Möglichkeit auch in der breiten Bevölkerung. Die Patienten, oder nennen wir sie lieber: Klienten, kommen mittlerweile aus allen gesellschaftlichen Schichten, wie auch Privat-Kliniken aus der Schweiz be-

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stätigen. Diese können sich übrigens nicht über die Finanzkrise beklagen, blieb die Zahl der Klienten doch nahezu konstant.

Selbstwertgefühl entscheidet Die Klienten müssen also von starken Motiven geleitet sein, dass sie trotz Wirtschaftskrise den finanziellen Aufwand nicht scheuen. Ingrid H. (Name der Red. bekannt) zum Beispiel arbeitet als Geschäftsführerin in der Parfum-Industrie und hat sich zu ihrem 40-sten Geburtstag ein AugenlidLifting geschenkt. Ob sich der Eingriff bezahlt gemacht hat? «Egal, wie ich mich geschminkt habe, meine Augen sahen immer verschlafen aus. Meine Mitarbeiter haben mich bereits darauf angesprochen». Für sie habe sich die Operation bezahlt gemacht, sie sehe nicht mehr grimmig aus, was sich auch auf das Arbeitsklima positiv auswirke. Haben die Schönen mehr Erfolg im Berufsleben? Ingrid Sieber, Personalberaterin bei der Spörri Personalberatungs AG in Zürich bezweifelt, dass das Aussehen ausschlaggebend für eine Anstellung ist. «Für ein erstes Bewerbungsgespräch spielt neben den Qua-

lifikationen vielleicht auch das äussere Erscheinungsbild eine Rolle», sagt die Betriebsökonomin. Für die Verkaufsbranche mag dies wohl am ehesten zutreffen. Doch die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Ausschlaggebend ist, wie sympathisch jemand wirkt. Zu einer Anstellung kommt es schliesslich, wenn die Chemie zwischen Arbeitgeber und Bewerber stimmt. Bei Kaderpositionen sei es zudem nicht üblich, dass man der Bewerbung auch ein Foto beilegt. Hier spielen die Fachkenntnisse eine klar übergeordnete Rolle. Der Rat der Personalvermittlerin: Erfolg hat, wer freundlich aussieht. Ein gepf legtes äusseres ist ein Muss, und wer dazu einen dynamischen Eindruck vermittelt, ist umso erfolgreicher. Sicher, die Möglichkeiten der ästhetischen Chirurgie sind sehr vielseitig, um den optischen Eindruck da und dort positiv zu beeinf lussen. Und vielleicht finden manche Menschen dadurch zu einem veränderten Lebensgefühl, lässt sich sogar das Selbstbewusstsein steigern – und das ist wohl der eigentliche Schlüssel zum Erfolg! Schickt es sich da, in diesem Zusammenhang die Frage nach dem Preis-/ Leistungsverhältnis zu stellen? Wie dem auch sei: Verbindliche Aus- ›››

FOTO: FRANK MUCKENHEIM, iSTOCK

TEXT SUSANNE KAPFINGER


Die Möglichkeiten der ästhetischen Chirurgie sind vielseitig, um den optischen Eindruck da und dort zu beeinf lussen. WOMEN IN BUSINESS · MAI 2010

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B e ru F & L e B e n

dIe häufIGSteN eINGrIffe BeI SchöNheItS-oPeratIoNeN Bei der Lidstraffung und dem Fettabsaugen heben die Männer ab. ■ Frauen ■ Männer Brustvergrösserung 21,7% 1,8% Lidstraffung 16,8% 31,2% Fettabsaugung

sagen über Kosten der verschiedenen Schönheitsoperationen zu treffen ist schwierig, die Anbieter halten sich gerne bedeckt oder informieren gerne mittels «Basispreisen». So auch das Zentrum für Plastische Chirurgie an der Klinik Pyramide am See in Zürich. Auf deren Homepage www.centerplast.ch wird das Thema zudem diplomatisch umschifft: «Die Kosten einer Behandlung hängen von der Art und vom Umfang des jeweiligen Eingriffs ab und können erst im Rahmen eines Beratungsgesprächs und eines medizinischen Untersuchs ermittelt werden.»

10,9% 20,2%

Weil ich es mir wert bin

Faltenunterspritzung 9,7%

Aufgrund der Recherchen von Women in Business darf man in der Schweiz ungefähr mit folgenden Kosten rechnen, je nachdem, wie gross die entsprechenden zu korrigierenden Partien sind und abhängig von der Anzahl Nächte, die im Zusammenhang mit einer Operation in der Klinik verbracht werden müssen. So sind Brustvergrös-

4,6% Faltenbehandlung mit Botox 8,1% 9,2% Brustverkleinerung 6,5% 2,8% Nasenkorrektur 5,1%

günstiger? «Operative Eingriffe sind sehr personalintensiv und materialaufwändig. Dabei sind die Personalkosten eher gestiegen», resumiert die Klinik Pyramide am See. Doch habe man die Preise stabil halten können. Was sich gegenüber der Vergangenheit hingegen verändert hat, sind einige Techniken und Materialien. So spritzt man heute etwa vermehrt Hyaluronsäure statt Kollagen. Auch die Microderm-Abrasion ist relativ neu auf dem Markt. Jede Innovation im Gesundheitssektor ist aber auch mit extrem hohen Kosten verbunden, da die Neuerungen vorher mehrere Test-Phasen bestehen müssen. Die Zulassungsbedingungen sind sehr streng, und das spiegelt sich letztendlich auch im Endpreis wieder. Frauen machen übrigens den grössten Teil der Klientel aus, allerdings ziehen die Männer je länger je mehr nach. Zu den häufigsten Schönheitsoperationen zählen Faltenbehandlungen, Laserchirurgische Eingriffe am Gesicht, Lid-Korrekturen, Liposuktion (Fettabsaugen) und Brust-OPs, dicht gefolgt von Na-

6,4% Bauchdeckenstraffung

«Schönheitsoperationen bergen dieselben Risiken wie alle Operationen.»

5,1% 5,5% Hals-/Stirn-/Facelift 3,9% 3,7% Lippenkorrektur 2,3% 0,9% Kinnkorrektur 0,8% 5,5% Andere Operation 9% 8,3% 0%

10%

20%

30%

40%

QUELLE: STATISTA 2010

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WOMEN IN BUSINESS · MAI 2010

serungen ab 11 000 Franken, Brustverkleinerungen ab 12 000 Franken, Ohrenkorrekturen ab 4000 Franken, Bauchdeckenstraffung ab 12 000 Franken, Faceliftings ab 10 000 Franken, oder Augenliderstraffungen ab 4000 Franken zu haben. Werden die Schönheits-Eingriffe, gerade auch infolge der wachsenden Konkurrenz durch günstige Angebote im Ausland hierzulande bald einmal

senkorrekturen und Liftings. Grundsätzlich sollten Klienten ihr Augenmerk auf die in den Kosten enthaltenen Leistungen richten. Dass die Eingriffe im europäischen Ausland billiger sind, mag nämlich nur auf den ersten Blick stimmen (siehe Tabelle). Denn im Kostenvoranschlag sind die Reise- und Unterkunftskosten nicht mit einbezogen, auch die Narkosemittel und Medikamente werden extra


verrechnet. Zudem schafft Nähe Vertrauen, und der Erfolg bei operativen Eingriffen basiert nicht zuletzt auf Vertrauen.

Wer sich für die Schönheit unter das Skalpell legt, ist gut beraten, bei der Arztwahl wählerisch zu sein. Der Arzt muss sich in jedem Fall Zeit nehmen für das Gespräch und den Klienten auf gar keinen Fall zu einer Entscheidung drängen, so das Beratungszentrum für ästhetische Chirurgie Acredis (www. acredis.ch). Es empfiehlt sich auch, bei den Kliniken nachzufragen, welcher Arzt operieren würde. Erstens, sollte der Arzt einen FMH-Titel für Plastische, wiederherstellende und ästhetische Chirurgie haben, denn erst dieser Titel gibt die fachliche Voraussetzung dafür, dass man überhaupt befähigt ist, ästhetische Operationen durchzuführen. Zweitens, sollte sich der Arzt über die Jahre hinweg laufend fortbilden. Ein guter Arzt wird jedenfalls nicht nur die positiven Effekte der Schönheitsoperation aufzeigen, sondern auch über mögliche Risiken und Komplikationen auf klären. Schönheitsoperationen bringen nämlich wie jede Operation Risiken mit sich. Zu den normalen OP-Risiken zählen Blutungen, Blutergüsse, Schmerzen sowie kurzfristige Gefühlsstörungen. Als normale Begleiterscheinungen von Narkosemitteln gelten Übelkeit, Schluckbeschwerden und Heiserkeit. Wer also weder Schmerzen noch Unkosten scheut, sollte sich jetzt noch fragen, wie viele Ferientage das Unterfangen letztlich in Anspruch nimmt. Wie lange dauert die Auszeit? Da sich die nicht-operativen Eingriffe meist ambulant behandeln lassen, ist auch die Auszeit entsprechend kurz. So sind zum Beispiel Faltenbehandlungen innerhalb eines Tages machbar. Bei den chirurgischen Eingriffen hängt die Pause davon ab, wie schnell die Wunde heilt. Die Operation selbst dauert meist nur wenige Stunden, der Heilungsprozess hingegen zieht sich oftmals über Wochen hin. «Die Erfahrungswerte zeigen, dass bei einer ›››

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Wenn schon, denn schon


B e ru F & L e B e n

SchöN uNd erfoLGreIch Wie stark die Deutschen glauben, dass sie nur Chancen im Leben haben, wenn sie gut aussehen: 44% 36%

35%

Anteil der Befragten

33%

22% 17% 12% 11%

0%

Trifft überhaupt nicht zu

Trifft eher nicht zu

Trifft eher zu

Trifft ganz genau zu QUELLE: STATISTA 2010

KorreKtureN zu dumPINGPreISeN Im Ausland findet man im Bereich der ästhetischen Chirurgie sehr verlockende Angebote. Bedenken muss man dabei, dass bei Schönheitsoperationen gerade die Nachuntersuchungen wichtig sind, um bei auftretenden Schwierigkeiten sofort reagieren zu können. Eine medizinische Nachversorgung ist aber über grössere Distanzen mit grossem Aufwand verbunden und zieht zusätzliche Reisekosten nach sich. Der Klient sollte auch bedenken, dass er im schlimmsten Fall geringe Chancen hat, Schadensersatzansprüche geltend zu machen. In den Preisen nicht enthalten sind Beratungsgespräch, präoperative Untersuchungen, Klinikaufenthalte, Medikation, postoperative Pflege, Materialien und Nachkontrolle. Die Preise gelten jeweils ab 2010. Schönheits-eingriff

duisburg (in eur)

Brustvergrösserung

4600 – 7000

1700-3000

Brustverkleinerung

4400 – 6500

1400-2000

Facelifting Augenbrauen-Lifting

1500

950

Stirnlifting

3000

-

5000 – 10 000

2350

SMAS-Lifting inkl. Hals Faltenunterspritzung

Prag (in eur)

420 – 1500

Fettabsaugung

1500 – 3600

350-1750

Haarentfernung (Laser)

420 – 4000

-

Haartransplantation Nasenkorrektur

4000 – 10 000

-

3000 – 5000

-

QUELLEN: DIE-SCHÖNHEITS-OP.NET / KLINIK POCATECKA, PRAG

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Augenlidstraffung der Patient nach fünf bis sieben Tagen wieder ins Berufsleben einsteigt», erklärt eine Chirurgin. Bei einem Facelifting nehme die Heilung eher zwei bis drei Wochen in Anspruch. Nach dem Fettabsaugen beanspruche der Patient drei bis sieben Tage Ruhe. Bei rein ästhetisch motivierten Schönheitsoperationen werden die Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen. Und psychologische Probleme, verursacht durch hässliches Aussehen, zählen nicht zu medizinisch indizierten Fällen. Es gibt aber Ausnahmen, in denen die Krankenkasse die Kosten für plastische oder wiederherstellende Chirurgie übernimmt. Etwa einzelne Brustrekonstruktionen nach krankheitsbedingten, medizinisch indizierten Eingriffen, Lidkorrekturen bei eingeschränktem Sichtfeld, oder Nasenkorrekturen bei Atmungsproblemen oder Entstellung nach Tumor oder Unfall. Eine vorgängige Kostenabsprache mit der Krankenkasse empfiehlt sich unbedingt, will man nicht böse überrascht werden.

Sanfte Behandlungen bevorzugt Meist sind es Menschen im mittleren Alter, die sich an die Schönheitschirurgie wenden. Bei den Männern wie bei den Frauen überwiegen aber die nicht-chirurgischen Eingriffe. Im Trend liegen sanfte Behandlungen, die schnell, einfach und vergleichsweise kostengünstig sind, also zum Beispiel Behandlungen mit Hyaluronsäure oder Botox, aber auch «Aufpolsterungen» mit Eigenfett. Generell soll Kosmetik ja nicht nur verschönernd wirken, sondern mindestens ebenso das Lebensgefühl steigern, vielleicht auch soziales Prestige ausdrücken. Und dazu reicht mancher Frau auch schon dann und wann der Besuch in einem Kosmetikstudio. Wie zum Beispiel einigen Kaderfrauen des Pharmariesen Novartis, die sich dafür gut und gerne in ein französisches Grenzstädtchen begeben, wie Women in Business aus gut unterrichteter Quelle weiss.

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WOMEN IN BUSINESS · MAI 2010


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Gloss

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• Schritt 1: Brillante Farbe mit Saphirpuder auftragen • Schritt 2: Gloss mit Perlglanz-Finish verteilen • Der Whitening-Effekt: Intensive Farbpigmente mit Saphirpuder und Perlglanz lassen die Zähne optisch weisser erscheinen • 10 Stunden Halt

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INTENSIVE FARBEN FÜR EIN STRAHLEND WEISSES LÄCHELN.

SCHÖNHEIT DIE BEWEGT


WOMEN’S TALK

SPANNENDE FEIERABENDGESPRÄCHE MIT DR. OLIVIA BOSSHART, KION

Die Talkreihe von WOMEN IN BUSINESS bietet interessierten Teilnehmerinnen eine Plattform, welche sich spezifisch ausgewählten Themen aus der weiblichen Wirtschaft widmet. Der abschliessende Apéro lädt zum Austausch und Networking ein.

26. Mai 2010 um 18.45 Uhr im Bongenie Grieder, Basel (Türöffnung 18.30 Uhr)

BE PREPARED: Vorsorge in allen Lebenslagen Finanzen – Gesundheit – Ausbildung – alles eine Frage der Planung Referentinnen • Susanne Jeger, Leiterin Kollektivleben bei der Nationale Suisse, Fürsprecherin & Notarin • Sandra von Hermanni, Jörg Lienert – Selektion von Fach- und Führungskräften, Niederlassungsleiterin Basel, Mandatsleiterin Zürich und Basel, spezialisiert auf Finanzpositionen, Unternehmensführung, internationale Mandate. Breite Erfahrung in der Healthcare-Industrie • Dr. med. Antoinette Sarasin Gianduzzo, Consulting Gesundheitsmanagement, Work-Life-Balance und Burnout-Prävention. Die promovierte Medizinerin verfügt über ein Nachdiplom in Humanernährung der ETH Zürich und hat sich auf dem Gebiet der Präventions- und Mikro-Nährstoff-Medizin weitergebildet. • Stéphanie Lang, lic. iur. HSG, Mitglied der Direktion und Anlageberaterin bei Wegelin & Co. Privatbankiers Eintritt Fr. 40.–, Anmeldung unter women@womeninbusiness.ch Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung!

Die nächsten Women's Talks finden wie folgt statt:

Reservieren Sie schon heute: 31.08.2010

Das multifunktionale Perpetuum Mobile im Dauereinsatz (TEIL 2)

26.10.2010

Top-Jobs in Kunst und Kultur …

29.11.2010

Das eigene Unternehmen: starten, gründen, kaufen, übernehmen, weiterführen …

Veranstalterin:

WOMEN IN BUSINESS

Partner:


ko Lu m n e

Teilzeit, aber richtig!

E

s ist Mittag. Ich bin zwar erst eine Stunde in meinem supermodernen Designerbüro, aber was soll’s, ich bin schliesslich der Boss. Ich habe ja gute Mitarbeiter, die sich auskennen. In einer Stunde geht mein Flieger nach Mailand. So wie es aussieht, kann ich bald nach Hause zu meiner Familie.» Dieser Boss ist eine Sie, wohnt in einem Haus am Meer, hat zwei Kinder und ist Chefin einer Modefirma, ihr Arbeitspensum beträgt ein paar wenige Stunden pro Tag. – So stellt sich ein zwölfjähriges Mädchen seine Zukunft vor, festgehalten in einem Aufsatz mit dem Titel «Ein Tag in meinem Leben in 20 Jahren». Darüber kann man, wenn man will, zunächst einmal lachen.

FOTO: PD

Unmöglich, weil unvorstellbar

vom Arbeitsfrühstück über den Business-Lunch bis zum mitternächtlichen Networking-Drink an der Bar, desto stolzer macht er seinen Besitzer; und jede Führungskraft, die etwas auf ihr Image hält, wird zu jeder Tages- und Nachtzeit eifrig versichern, sie hätte grad, leider, leider «keine Zeit». Aber was beweist das? Nicht viel, eigentlich. Ausser, dass manche Führungskräfte schlecht organisieren und delegieren können. Dass es ihnen schwerfällt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Dass sie sich in Kleinkram verzetteln, um den grossen Entscheidungen eleganter ausweichen zu können. Oder dass sie soziale Zuwendung brauchen, ohne zu wissen, wie man die ohne «Termin» bekommt. Je mehr Stunden ich im Büro verbringe, desto wichtiger bin ich: Nein, diese Rechnung stimmt leider gar nicht. Obwohl sehr viele sehr gern daran glauben wollen, und viel Energie drauf verwenden, es andere glauben zu machen.

Eine Chefin, die bloss ein paar Stunden pro Tag arbeitet? Die sich darauf Konzentration freut, bald nach Hause zu gehen, und auf das Wesentliche tatsächlich noch vor der Gutenachtgeschichte dort ankommt? «Wie Drehen wir die Sache doch einmal naiv!», rufen da die Besserwisser, um: Ein Fünf-Stunden-Tag erzeugt «Unmöglich! Keine Chance!» mit Sicherheit weniger Leerläufe als Teilzeitarbeit – das mag für einen ein Zehn-Stunden-Tag. Ein FünfTaxifahrer okay sein, für eine TeleStunden-Tag zwingt FührungskräfSibylle Hamann: Je mehr Stunden im fonistin im Callcenter oder für die te, Prioritäten zu setzen, statt sich Büro, desto wichtiger? Kassiererin im Supermarkt. Aber von Sachzwängen treiben zu lassen. für eine Führungskraft? Für einen Und die weitblickenderen, kreativeMenschen mit einem verantworren strategischen Entscheidungen tungsvollen, herausfordernden Job? trifft am Ende des Tages wahrscheinSo jemand muss ganz und gar in der lich am ehesten ein Mensch, der auch Arbeit aufgehen. Muss allzeit anwesend, grenzenlos f lexibel ausserhalb des Büros Gelegenheit hatte, etwas zu erleben. und rund um die Uhr erreichbar sein. Wer das nicht will Das zwölfjährige Mädchen zum Beispiel. Die hat mit Sicheroder nicht kann, muss den Führungsjob eben bleibenlassen. heit das Talent zur Führungskraft. «Ich habe ja gute MitarUnd weil Frauen das so selten wollen und können, sind sie beiter, die sich auskennen» spricht für exzellente Organieben so selten in Führungsjobs. Es geht nicht anders, heisst sationsqualitäten, für die Fähigkeit zu delegieren, für gute es, das sei eben «der Deal». Menschenkenntnis und ein Gespür für Talent. Aber stimmt das überhaupt? Wer sich in den Chefetagen Ja, Mädchen, nimm den Flieger nach Mailand. Lass dich von umschaut, kann da schnell ins Zweifeln geraten. Selbstver- den Besserwissern nicht beirren. Du machst das ganz richtig ständlich gehört Stress dort zum guten Ton. Der Termin- so. kalender ist das meistgeherzte Accessoire, bevorzugt in der piepsenden elektronischen Variante. Je praller er gefüllt ist, Sibylle Hamann ist Autorin und Journalistin in Wien. WOMEN IN BUSINESS · MAI 2010

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EXKLUSIVES LESERANGEBOT

Ihr Erfolg ist uns wichtig: «Platzreife in 5 Tagen»

Zusammen mit der Golf-Akademie Weissensberg (Lindau am Bodensee) bieten wir Ihnen die einmalige Gelegenheit in 5 Tagen die Platzreife nach ASG Reglement zu erwerben. Wir freuen uns auf Sie!


Das Golfhotel Bodensee liegt direkt auf der Anlage des Golf-Clubs Weissensberg-Bodensee. Hier finden Sie neben dem Sport auch die Entspannung und den wohlverdienten Urlaub vom Alltag … In der GOLF-AKADEMIE von Christian von Bonin erlernen Sie in einer kleinen Gruppe von maximal 4 TeilnehmerInnen lange Schläge mit Eisen und Hölzern, Chippen, Pitchen und Putten sowie Golfregeln und Etikette. DAS ZIEL Die Platzreife (HCP 54) durch theoretische und praktische Prüfung nach den Richtlinien des DGV/ÖGV/ASG (für Schweizer Plätze gültig). Kursdauer: 16 Einheiten à 55 Minuten (5 Tage) Teilnehmerzahl je Pro: 3 – 4 Teilnehmer IM GOLF-KURS ENTHALTENE LEISTUNGEN · Unterricht durch einen Professional der CvBGA · Leihschläger und Golf-Handschuh · Unbegrenzt Rangebälle für die Kursdauer · Driving-Range Gebühr · DGV Regelbuch «Golfregeln in Frage und Antwort» · Spielgebühr auf dem Platz während des Unterrichts · Prüfungsgebühr · Bei Bestehen: Platzerlaubnisurkunde · Abschlussgetränk DATEN 2010 FÜR DIE 5-TAGE-PLATZREIFE* (Montag bis Freitag) 1) 17. – 21. Mai 2) 07. – 11. Juni 3) 28. Juni – 2. Juli 4) 19. – 23. Juli 5) 09. – 13. August 6) 20. – 24. September 7) 11. – 15. Oktober 8) 25. – 29. Oktober

Sie wohnen während dieser 5 Tage in luxuriösen Doppelzimmern (Einzelzimmer mit Aufpreis). Das reichhaltige Frühstücksbuffet sowie ein dreigängiges Abendessen sind im Preis inkl. Ausserdem können Sie den Wellness-Bereich des Hotels sowie eine freie Massage während der Zeit geniessen. Das Golfhotel Bodensee ist umgeben von der 18-Loch-Golf-Oase des Golf-Clubs Weissensberg-Bodensee, angelegt vom renommierten amerikanischen Designer Robert Trent Jones Senior. Die Anlage hat eine Fläche von 450 000 m² und hat eine Länge von 6079 Meter. Ein abwechslungsreicher, anspruchsvoller Kurs. Deshalb zählt er auch zu den «Big Five» Deutschlands und der Schweiz. Wir unterstützen Sie zusätzlich wahlweise mit einem Ayurvedisches Fussbad mit Peeling und Massage oder Aromaöl Gesichtsmassage.

Preis pro Person für den Golfkurs: Preis pro Person im Doppelzimmer*: Preis pro Person im Einzelzimmer*: * Hotel Anreise am Sonntagabend bis Abreise Freitag

ANMELDUNG

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EUR 480.– EUR 503.– EUR 610.–

❍ Nur Golfkurs

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Anmeldung und Informationen: WOMEN in Business – Sabine Andersch Immobilien & Business Verlags AG, Lindenhofstrasse 28, 4052 Basel Telefon 043 333 39 49 oder womeninbusiness@ibverlag.ch

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PORTFOLIO

Die Legende Er war provokativ, sensibel – und einsam. Gleichzeitig ist Yves Saint Laurent bis heute noch der wohl wichtigste Modeschöpfer des 20. Jahrhunderts. Eine Hommage an sein Leben und Werk. ››› 1969, Foto: Jeanloup Sieff


1968, Foto: Franco Rubartelli


1965, Foto: unbekannt (Keystone/EPA/AFP)


1976/77, Foto: Duane Michals (courtesy Schirmer/Mosel)


1971, Foto: David Bailey (courtesy Schirmer/Mosel)


1967, Foto: Reg Lancaster (Hulton Archive, Getty Images)


1971, Foto: Jeanloup Sieff


P O U R L E PL A I S I R

Schön wie eine Umarmung Im Pariser Petit Palais bieten über 300 Haute-Couture-Ensembles und Kreationen von Yves Saint Laurent einen umfassenden Einblick in das Lebenswerk der 2008 verstorbenen Modelegende.

D TEXT SONJA LEISSING

ie schönste Kleidung einer Frau sind die Arme eines Mannes, der sie liebt. Für all jene Frauen, die dieses Glück nicht haben, bin ich da», so umschrieb der grosse Créateur seine Rolle als Designer. Yves Saint Laurent liebte die Frauen um ihrer Schönheit willen und vielleicht auch darum, weil er selber sie nie begehrte. Er ist wohl der wichtigste Modeschöpfer des 20. Jahrhunderts und bestimmt derjenige, der am meisten für die gegenwärtige und modische Bekleidung der Frauen getan hat.

FOTO: PIERRE BOULAT

Befreiung für die Frauen Natürlich gab es noch andere Designerinnen und Designer wie beispielsweise Coco Chanel, die mit dem «kleinen Schwarzen» für die Befreiung der Frau – weg vom einengenden Korsett – sorgte. Oder der Spanier Cristóbal Balenciaga, der mit seinen Kreationen für die frauliche Silhouette massgebend war. Aber niemand schaffte es, sich immer wieder neu zu erfinden. Niemand schaffte es, so viele Regeln und Tabus zu brechen, wie es Yves Saint Laurent in seiner Zeit getan hat. Bereits seine erste Kollektion 1957 für das Pariser Modehaus Dior mit der Li-

Alles, was er erfand, ist elegant, feminim und aufregend zugleich.

nie «Trapez» war radikal, kühn, lebhaft und modern zugleich. Sie galt als das Schönste, was die Couture je gesehen hatte. Damals war Saint Laurent gerade mal 21 Jahre jung. Er übernahm

die Nachfolge von Christian Dior, der an einem Herzversagen gestorben war. Yves Saint Laurent würdigte zwar die Pracht und den Überf luss seines Meisters, liess aber Wattierungen und ››› WOMEN IN BUSINESS · MAI 2010

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POUR LE PL AISIR

Entrüstung bei der Namenstaufe (links), tiefe Verbundenheit mit Lebenspartner Bergé (mitte), grösste Ehrerbietung bei der letzten Modeschau.

Versteifungen an Taille, Brust und Schultern weg. Die Trapezlinie wurde zum Triumph und befreite die Damen von der Wespentaille. «Alle weinten und die Modewelt schnappte tief, wirklich tief, nach Luft», schrieb eine Redaktorin der «International Herald Tribune». – Doch dann applaudierte die Modewelt, und die Haute-CoutureKundschaft war begeistert.

«Yves hat den Frauen die Macht gegeben.» Pierre Bergé

Talentiert und innovativ Dass der schüchterne «Prinz von Dior» – so wurde er fortan genannt – auf der Beerdigung von Christian Dior seinen späteren Lebens- und Geschäftspartner Pierre Bergé kennenlernte, passte in die Lebensgeschichte des scheuen und sensiblen Genies. Pierre Bergé beschrieb Yves Saint Laurent in einem Interview als einen «Menschen von aussergewöhnlicher Intelligenz, der jedoch das Handwerk eines Schwachsinnigen ausübt.» Bergé war es denn auch, der im Jahre 1961 das Geld für

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ein eigenes Modehaus auf brachte und unerschütterlich zu seinem hochtalentierten Partner hielt. Für seine eigene Linie unter dem Namen «YSL» entwarf Saint Laurent in den 60-er Jahren Trenchcoats und sorgte für atemberaubende Momente auf dem Laufsteg mit seinen transparenten Chiffonblusen, welche die Brüste der bubenhaft wirkenden Modells durchschimmern liessen. Geradezu avantgardistisch wirkten auch seine

Kleider, die er, damals völlig ungewohnt, mit Kunstmotiven, etwa von Mondrian oder Braque, versah. Der gemeinsame Nenner seiner Kreationen: Alles, was er entwarf, wirkte elegant, feminin und aufregend zugleich. Klassiker, wie das kleine Nachmittagskostüm, die lange Abendrobe mit gigantischer, rosafarbener Satinschleife folgten. Mittelpunkt seines Schaffens war aber ganz klar die Erfindung des Damensmokings, und mit seinen Beinkleidern für die Frau sicherte sich der verstorbene Yves Saint Laurent bestimmt einen Platz im Modehimmel: «Coco Chanel hat der Mode und den Frauen die Freiheit gegeben», resümiert Pierre Bergé in einem Interview. «Yves hingegen hat den Frauen die Macht gegeben.» Es war aber auch so, als könnte Yves Saint Laurent nichts falsch machen. Denn ob er nun den Damen-Smoking, die Military-Jacke oder den Kegelbüstenhalter (übrigens lange bevor Madonna im Gaultier-Bustier auf Tournee ging) erfand oder den Afrika-Look mit


FOTO: PD, DUKAS, AFP/GETTY IMAGES

Kordelstickereien und das Safari Hemd – stets war die Modewelt hingerissen und begeistert. Die Ideen für seine opulente und auffällige Mode brachte er übrigens nicht zuletzt von seinen Reisen mit, auch liess er sich von seiner Liebe zu Kunst, Theater und Musik inspirieren. 1966 gründete er seine erste Rive-Gauche-Boutique in Paris und ebnete mit Kleidung von der Stange der bezahlbaren Designermode den Weg.

Chanel N° 5 übrigens heute noch zum international erfolgreichsten Parfum zählt. Zudem liess er als erster Modeschöpfer schwarze Mannequins über den Laufsteg stolzieren. Yves Saint Laurent war zeitlebens erfolgreich, doch er konnte damit nur schwer umgehen und die Anerkennung kaum verkraften. Um durchzuhalten, begann er zu trinken, Drogen

zu nehmen und schluckte Unmengen von Beruhigungspillen. «Ich bin mit einer grossen Depression auf die Welt gekommen», sagte er einst über sich selbst. Seine Schüchternheit, gepaart mit schweren Tiefs und einer immer wiederkehrenden Alkoholsucht, überschattete sein Leben. Nicht selten trank er zwei Flaschen Whisky am Tag. Er machte mehrere Entzüge ›››

Provokativ, sensibel, einsam

YVES SAINT LAURENT (1936 – 2008)

Die gesellschaftlichen Umbrüche der 60-er Jahre gaben dem sensiblen Designer immer wieder die Möglichkeit, sich in der Modewelt pointiert zum Ausdruck zu bringen. Und auch Yves Saint Laurent selbst sorgte gerne immer wieder für Provokationen. Zum Beispiel als er 1971 nackt – bis auf seine obligate Hornbrille – für sein erstes Männerparfum vor der Kamera posierte. Entrüstung löste er auch aus, als er das Parfum «Opium» taufte, das neben

Yves Henri Donat Mathieu Saint Laurent wurde am 1.8.1936 in Oran, Algerien, geboren. Mit 17 Jahren zog er alleine nach Paris. Dort absolvierte er eine Ausbildung zum Mode- und Bühnenzeichner an der Schule der Chambre Syndicale de la Haute Couture. Saint Laurent begann als Jung-Designer im berühmten Modehaus Christian Dior zu arbeiten. 1962 gründete er sein eigenes Modehaus unter dem Namen «Société Yves Saint Laurent». Am 22. Januar 2002 beendete Yves Saint Laurent in Paris mit einem letzten Defilee seine Karriere. Pierre Bergé verkaufte die Marke YSL an den italienischen Modekonzern Gucci, und das Pariser Haute-Couture-Haus schloss für immer seine Türen. Yves Saint Laurent starb am 1. Juni 2008 in Paris an einem Hirntumor.

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POUR LE PL AISIR

YVES SAINT LAURENT – RÉTROSPECTIVE Ausstellung Im Petit Palais, Musée des Beaux-Arts, Avenue Winston Churchill, Paris. Die Ausstellung ist noch bis 29. August 2010 zu sehen. Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag, 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr.

HOTELTIPPS

RESTAURANTTIPPS

Das Hotel «Arès Tour Eiffel» **** hat 40 wunderschön eingerichtete Zimmer mit barocker und zugleich moderner Ausstattung. Es liegt an der 7 rue du Général de Laminat. Doppelzimmer ab CHF 250.–. Metrohaltestelle: La Motte-PicquetGrenelle

Im gehobenen Restaurant «Le 144» an der 144 rue de l` Université speiste schon Yves Saint Laurent. Hier werden die Gäste mit Kaviar, Steaks und anderen Köstlichkeiten verwöhnt. Menu-Preise ab CHF 70.–. Metrohaltestelle: Invalides

Bildbände «L’Œuvre Intégral», vier Schatullen mit 1283 Seiten und einem stolzen Gewicht von 26 Kilogramm. «Yves Saint Laurent, Icons of Fashion Design», neu aufgelegt mit einem Vorwort von Marguerite Duras, Schirmer/Mosel, CHF 49.–.

Das «Grand Hotel des Balcons» *** an der 3 rue Casimir Delavigne ist ein schön eingerichtetes Jugendstilhotel mit 50 Zimmern. Doppelzimmer ab CHF 180.–. Metrohaltestelle: Odéon

Musik-CD Der französische Chansonier Alain Chamforts widmet dem Modedesigner ein Musikalbum mit dem Titel «Une Vie Saint Laurent». In sechzehn Liedern erinnert er auf musikalische Weise an dessen facettenreiches Leben.

Das Hotel «Des Arts Montmartre» *** an der 5 rue Tholoze ist in der Nähe des Sacre coeurs und wurde schon von vielen Künstlern und Malern besucht. Bei Internetbuchung Doppelzimmer ab CHF 90.–. Metrohaltestelle: Blanche

Im Restaurant «Au Chien qui fume» an der 33 rue du Pont-Neuf gibt es Spezialitäten wie Muscheln, Rauchlachs oder Fisch sowie traditionelle französische Speisen. Menu-Preise ab CHF 45.–. Metrohaltestelle: zwischen Les Halles und Louvre-Rivoli Das Restaurant «Le Chartier» an der 4 rue du Faubourg Montmartre, bietet typische französische Gerichte zu günstigen Preisen an. Hauptspeisen ab CHF 12.–. Metrohaltestelle: Grands Boulevards

durch, während vieler Jahre, ohne Erfolg. Und eins ist gewiss: Ohne seinen Freund und Geschäftspartner Pierre Bergé wäre der Name Yves Saint Laurent kaum zum Synonym für französischen Geschmack und Pariser Eleganz geworden. Treue Weggefährten wie die Schauspielerin Catherine Deneuve, Danielle Mitterrand, Kollegen wie Sonia Rykiel, Hubert de Givenchy und Jean-Paul Gaultier applaudierten mit Tränen in den Augen bei seiner letzten Schau im Januar 2002: Yves Saint Laurent wurde noch einmal gefeiert wie nach seiner ersten Kollektion 44 Jahre zuvor, doch in diesem Moment wussten seine Anhänger und Fans, dass es so ein richtungweisendes Modegenie wie ihn wohl nie mehr geben wird.

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Ideal zum Bummeln: Das Pariser Quartier Saint Germain des Pres.

FOTO: LAIF

Kinofilm Zu guter Letzt soll von Pierre Thorettons ein Dokumentarfilm unter dem Namen «L’Amour Fou» im September 2010 in die Kinos kommen. Er porträtiert die Beziehung und den gemeinsamen Arbeitsalltag von Yves Saint Laurent und Lebenspartner Pierre Bergé.


P O U R L E PL A I S I R

t h E Y A LWAYS cO m E bAc K

TRENCHCOAT • Thomas Burberry war es, der nicht

Platz zum Wohlfühlen von morgens bis nachts.

L I E b L I n g S P L At z – WO F R AU E n g E R n E h I n g E h E n

STIMMIG

• Selten gibt es so viele verschiedene Möglichkeiten aus einer Hand wie

im Güterhof, Schaff hausen: Neben einem Restaurant gibt es eine Bar mit Lounge, ein Café, eine Sushi-Bar sowie Banketträume. Direkt am Rhein lädt eine wunderschöne Terrasse zum Verweilen ein. Die Bar öffnet am Nachmittag und hat an den Wochenenden bis morgens um vier Uhr geöffnet. Man kann im Güterhof also am Morgen seinen Café trinken, mittags zum Essen auf der Terrasse oder im Restaurant sitzen, zum Feierabend an die Bar, anschliessend in die Sushi-Bar und dann noch ein wenig Tanzen in der Lounge. Eine Spezialität im Restaurant ist der Spiess, mit Fisch oder Fleisch, der direkt am Tisch f lambiert wird. Angeboten werden auch eigene Weine und ein eigenes Bier, hergestellt in Zusammenarbeit mit Weinproduzenten und einer Brauerei aus der Region. Das Ambiente ist nicht zu schick, aber elegant; der Altersdurchschnitt der Gäste liegt bei 30. (sa) gütERhOF, gAStROnOmIE Am RhEIn, FREIER PLAtz 10, 8200 SchAFFhAUSEn, tELEFOn 052 630 40 40, WWW.gUEtERhOF.ch

b E AU t Y

FOTOS: PD

SCHöN SEIN

aus modischen sondern vielmehr praktischen Erwägungen eine Innovation zum Patent anmeldete: Da es in England häufig regnet, entwickelte er einen eng gewebten, imprägnierten und gleichzeitig luftdurchlässigen Stoff. Das 1856 von Burberry gegründete Unternehmen nähte aus diesem Stoff Mäntel, welche die englische Armee im Burenkrieg trug. Diese waren so zufrieden, dass sie zu Beginn des ersten Weltkrieges bei Burberry ein Modell bestellten, das speziell für den Grabenkrieg entwickelt wurde. So erhielt der Manteltyp auch seinen Namen (Trench: Graben).

Coole Frauen tragen den Trenchcoat geknotet.

• Gecrushte Minze, Limone Primo Fiore Femminello, Wasser-Jasmin, Zedernholz, brauner Zucker und Labdanum bilden den neuen Duft von Giorgo Armani. ACQUA DI GIOIA, EAU DE PARFUM, AB JUNI IN DER SCHWEIZ ERHÄLTLICH, VAP. 30ml, CA. CHF 63.–. • Anti-Aging-Innovation: Eine patentierte, exklusive Verbindung verschiedener Wirkstoffe schützt die Haut gegen UVA- und UVB-Strahlen und wirkt gleichzeitig gegen Falten, Pigmentf lecken und Spannkraftverlust. BIOTHERM, SUN VIVO SPF 15 UND 30, CA. CHF 45.–.

• Die schwärzeste aller Schwarz-Nuancen, unendliche Fülle und traumhaften Schwung verspricht der neue Mascara von YSL, damit Augen unwiderstehliche Verführungskraft. YVES SAINT LAURENT, MASCARA VOLUME EFFET FAUX CILS NOIR RADICAL, CA. CHF 49.–. WOMEN IN BUSINESS · MAI 2010

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POUR LE PL AISIR

cAbRIOLEtS

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TOP 9 Die Open-air-Saison hat begonnen. Viele Hersteller haben neue Cabrios auf den Markt gebracht. Neue Techniken, neue Designs und vor allen viel Spass beim Fahren zeichnen sie aus. Aber auch einige gute «alte» Modelle sind immer noch «in».

2 1. Aston Martin V8 Vintage Roadster Der edle Brite ist ein Traum für viele. Eleganz, Leidenschaft und Technik in einem. Ab CHF 184 570.–. 2. BMW 3-er Cabriolet Mit einem 7-Gang-Sport-Automatik-Getriebe ausgerüstet. Neu auch mit aktiver Geschwindigkeitsregelung für immer ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Ab CHF 61 300.–.

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3. Infiniti G37 Cabriolet Gibt es als Premium-Model mit Navigationssystem, 10-GB-Music Box und Bose Premium Sound System mit in den Kopfstützen integrierten Lautsprechern. Ab CHF 83 400.–.

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4. Audi S5 Cabrio Der sportliche Vier-Plätzer ist serienmässig mit einem Akustikverdeck ausgestattet, so dass Fahrgeräusche «draussen» bleiben. Ab CHF 87 770.–. 6

5. Mercedes-Benz E-Klasse Cabriolet Neu auf Wunsch mit AIRCAP (leitet den Fahrtwind über den gesamten Innenraum und sorgt für mehr Fahrkomfort) und AIRSCARF (beheizte Luft aus den Düsen in den Kopfstützen). Ab CHF 70 400.–. 6. Fiat 500C Der kleine Italiener, erstmals gebaut 1957, ist und bleibt ein Klassiker. Das Fahrzeug ist mittlerweile hochmodern und umweltfreundlich zugleich. Ab CHF 22 200.–. 7. Volkswagen New Beetle Cabriolet Letztes Jahr feierte das legendäre Käfer Cabriolet seinen 60. Geburtstag und gehört immer noch zu den beliebtesten Cabrios überhaupt. Ab CHF 31 100.–.

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9. Mini Cooper Cabrio Den beliebten Retro-Briten gibt es neu auch als Cooper One Cabrio. Ab CHF 28 800.–.

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9

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8. Saab 9-3 Cabriolet Neu mit BioPower-Motor erhältlich für die Betankung mit Bioethanol (E85) für noch mehr Leistung und weniger CO2-Ausstoss oder mit Benzin. Auch mit reinen Benzinoder Dieselmotoren erhältlich. Ab CHF 64 900.–.


AU SSt E L LU n g

GRAFFITI-KUNST

• Vom Graffitisprayer mit dem Pseu-

donym SAMO (same old shit) zum bekanntesten Maler der 80-er Jahre: Jean-Michel Basquiat war ohne künstlerische Ausbildung und kam aus dem New Yorker Underground. Seit seinem 18. Lebensjahr hatte er mit seinen von Zorn getragenen, wilden Graffiti Hausmauern in SoHo und U-Bahn-Waggons bedeckt. In seinen symbolgeladenen Bildern verschrieb er sich mit grosser Intensität dem Kampf gegen Kapitalismus, Ungleichheit und Rassismus. Die Fondation Beyeler widmet dem berühmten amerikanischen Maler und Zeichner

nun eine grosse Retrospektive. Aus Anlass des 50. Geburtstages des bereits mit 27 Jahren auf tragische Weise verstorbenen Künstlers (1960 – 1988) veranstaltet, ist sie die erste umfassende Ausstellung in Europa. JEAn-mIchEL bASQUIAt, FOnDAtIOn bEYELER, bASEL, 9. mAI bIS 5. SEPtEmbER

Jean-Michel Basquiat: Untitled, 1982

CULTURE CLUB F E St I VA L Bereits im Vorfeld werden Blues-Movies, Workshops und Open-Air-Konzerte die Stimmung kräftig anheizen. Während der Festivalwoche selbst sorgen dann Stars wie Thorbjörn Risager (DK), Marquise Knox (USA) oder Caroline Wonderland (USA), Bild, in verschiedenen Bars und Beizen mit Konzerten und Jam-Sessions für hautnahe, authentische Erlebnisse.

FOTOS: PD

WWW.bLUESFEStIVAL-bADEn.ch, 22. mAI bIS 29. mAI

L I t E R At U R Insgesamt 58 Autorinnen und Autoren der vier Schweizer Landessprachen lesen aus ihren neusten – und teilweise noch unveröffentlichten – Büchern. Bekannte Namen wie Eleonore Frey, Urs Faes, Martin Suter, Pedro Lenz, Noëlle Revaz und Donata Berra sind ebenso vertreten wie auch Neuentdeckungen wie Jens Petersen, Anita Hansemann, Sunil Mann, Andri Perl und Yasmine Char. Zwei grosse Autoren der Schweiz werden ganz besonders gewürdigt: Philippe Jaccottet und Peter Bichsel. WWW.LItERAtUR.ch,

14. mAI bIS 16. mAI

t h E At E R Was wäre, wenn Lenin 1917 die Schweiz nicht verlassen, sondern zum Ausgangspunkt seines Sowjetstaates gemacht hätte? Im Roman «Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten» wagt Christian Kracht einen antihistorischen Fantasy-Roman über die Schweiz. Unter der Regie von Corinna von Rad (Bild) feiert das Stück am 8. Mai in Basel seine Premiere. «Ich WERDE hIER SEIn», SchAUSPIELhAUS bASEL, Ab 8. mAI

LItERAtUR tRIFFt KUnSt Nicht nur der Literatur, auch

h O t E L F ü h R E R Reiselustige Frauen wissen: Das passende

dem künstlerischen Gestalten hat sich Günter Grass gewidmet. Seine Ausbildung als Steinbildhauer und Grafiker spiegelt sich in den zentralen Tiermotiven wieder, die Grass in seinen wichtigsten Büchern als Bildwerke einfliessen lässt. Das Centre Dürrenmatt widmet dem Nobelpreisträger eine Ausstellung, die der bildkünstlerischen Tätigkeit im Zusammenhang mit den Entstehungsprozessen seiner grossen Romane nachspürt. güntER gRASS – bEStIARIUm,

Hotel zu finden, ist fast so schwierig, wie den Mann fürs Leben. Dabei wollen Frauen nur eins: Sich wohlfühlen, sich gehegt und gepf legt fühlen am fremden Ort. Und zwar sowohl als allein reisende Businessfrau im Grossstadt-Hotel in Berlin als auch mit der besten Freundin im Wellness-Hotel in den Alpen. Mit viel Witz und Charme hat die Autorin ihre persönlichen Lieblingshotels in Europa zusammengestellt. SUSAnnA hEIm: «EIn hOtEL FüR

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DA S g E S P R äc h

Zuhause! Der Werdegang von Gault-Millau-Punkte-Köchin Françoise Wicki ist bewegt. Im Zürcher Hotel-Restaurant Helvetia scheint sie angekommen zu sein. TEXT SABINE DANUSER FOTO VERA HARTMANN (13PHOTO)

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G DA S g E S P R äc h

hackets mit Hörnli oder Hackbraten. Wie kommt eine 16 Gault Millau PunkteKöchin dazu, so etwas zu servieren und dabei äusserst glücklich zu sein? Um das zu verstehen, muss man vielleicht ihr bisheriges Leben betrachten und ihre Wünsche und Sehnsüchte ein wenig verstehen. Esoterisch angehauchte Seelen mögen auch die Astrologie zur Erklärung bemühen, Françoise Wicki ist nämlich im Sternzeichen Krebs geboren, und Krebse sollen ja einerseits einmal sehr viel Familiensinn besitzen und andererseits in der ersten Lebenshälfte von einer gewissen Unruhe geplagt werden. Wickis Lebenslauf raubt einem denn auch beinahe etwas den Atem. Erstaunlich offen und ehrlich resumiert sie heute: «Es war wohl alles ein bisschen zu viel in zu kurzer Zeit und in zu jungen Jahren. Ich habe mich in meinem jugendlichen Ehrgeiz, aber auch als Suchende wahrlich abgerackert, und dann war ich halt plötzlich einfach ausgebrannt.» Unbestritten ist, dass Françoise Wicki über die nötigen Ressourcen an Talent, Kreativität, Kraft und Durchsetzungsvermögen verfügt, die es braucht, um in der Spitzengastronomie ganz oben mitzumischen. Sicher ist auch, dass Wicki viel gelernt und erreicht hat in diesen turbulenten Jahren zwischen 20 und 37. Und vielleicht gehörte das sich «Abrackern» eben ganz einfach dazu, um letztendlich dort zu sein, wo sie heute steht, und um das verwirklichen zu können, was ihren ursprünglichen Wünschen und Ideen entspricht. Wickis Philosophie einer guten Küche habe sich nämlich nicht geändert, und wie viele musste sie wohl erst ihre Sporen abverdienen, um ihre Vorstellungen heute auf die richtige Art und Weise in die Tat umsetzen zu können: Als Gastgeberin in einem Etablissement so zu wirken, dass Haus und Küche in sich stimmig miteinander im Einklang stehen. Speisen zu servieren, die ein Gespräch, ein Meeting, oder ein Date unterstützen und ein Erlebnis des Wohlbefindens hinterlassen. An einem

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Ort, an dem sie sich zuhause fühlt, und der ihr die Möglichkeit gibt, ohne exorbitanten Aufwand eine unaufgeregte, aber nicht minder frische, köstliche Küche zu kreieren. «Françoise Wicki kocht überall sehr gut und nirgends sehr lange», schrieb einst eine Schweizer Zeitschrift. Heute gewinnt man den Eindruck, sie ist irgendwie angekommen, bei sich selber – und hoffentlich für eine noch lange, schöne Zeit in der Helvti. Françoise Wicki, in Ihrer Biographie ist zu lesen, dass Sie schon als Kind gerne gekocht haben, deswegen aber noch lange nicht Köchin werden wollten. Welche Berufswünsche hatten Sie, und wie kam es, dass Sie schliesslich doch noch Köchin wurden? Eine wirklich klare Vorstellung über meinen zukünftigen Beruf hatte ich als Kind nicht. Ich liebäugelte vielmehr mit ein paar Ideen. Bäuerin zu werden gefiel mir, oder Clown, oder Schauspielerin. Dass ich schliesslich beim Kochen landete, hat ganz einfach damit zu tun, dass ich schon immer ausgesprochen gerne ass und sehr gerne Restaurants besuchte. Mit Menschen zusammenzusein, gemeinsam ein schönes Essen zu geniessen, das gefiel mir. So lud ich schon früh auch immer wieder gerne Freunde zum Essen ein und bekochte sie. Es ist dabei das Gastgebertum in all seinen Ausrichtungen,

FRANCOISE WICKI (1970) 1996 – 1999 Köchin im Team Da Veraguth, Sagnon 1999 – 12001 Küchenchefin Hotel Ammann, Davos 2001 – 2003 Küchenchefin Rôtisserie des Rois, Hotel Drei Könige, Basel 2003 – 2005 Küchenchefin Jasper, Hotel Palace, Luzern 2006 – 2007 Neuorientierung 2007 – 2009 Workshops, Event-und Gastköchin, verschiedene Business-Projekte 2009 – Küchenchefin HotelRestaurant Helvetia, Zürich www.wicki.com, www.friendlyfood.ch

«Gute Küche muss ein absolutes Wohlbefinden auslösen.»

das mich bis heute fasziniert. Und letztlich ist daraus auch der Wunsch entstanden, irgendwann einmal ein eigenes Restaurant zu führen. Welchen Weg schlugen Sie ein, um dieses Ziel zu erreichen? Ich machte mir natürlich verschiedene Gedanken darüber, wie ich dahin kommen könnte. Als Teenager konnte ich mich aber beispielsweise mit der Idee, die Hotelfachschule zu absolvieren, überhaupt nicht anfreunden. Die damalige Vorstellung, im Rahmen dieser Ausbildung jahrelang im Deux pièce herumzurennen, schreckte mich doch eher ab. So hörte ich mich nach Praktikumsstellen in Küchen um. Durch einen glücklichen Zufall kam ich dann ins «Tübli», dessen Küche von Martin Surbeck (Anm. der Red.: Koch des Jahres 1994, heute Gastgeber im Restaurant «sein», Zürich) noch heute genau das beinhaltet, was für mich als Guideline schlechthin gilt: Eine Kochkunst, die ein Essen schafft, an dem nichts zu wenig und nichts zuviel ist, bei dem alle Protagonisten nach dem schmecken, was sie sind, und das durch seinen Genuss bei den Gästen ein absolutes Wohlbefinden auslöst. Das «Tübli» war denn auch so etwas wie mein Schlüsselerlebnis, und zwar in jeder Beziehung. Das «Tübli» gab dann also auch den endlichen Startschuss für Ihre Kochlehre? Nein, das immer noch nicht. Ich sah mich immer noch als Stagiaire, die ihre Erfahrungen sammelt, und dann


Und dann haben Sie die Kochlehre als Jahrgangsbeste abgeschlossen! – Trotz anfänglicher Unentschlossenheit also plötzlich ehrgeizig? Aber sicher! Wenn ich mich für etwas entscheide, dann will ich das auch so perfekt wie möglich machen. Ein Abschluss unter 5.5 war darum für mich inakzeptabel. Es geht aber letztlich nicht um eine Note, sondern es geht mir darum, einen Gast zufriedenstellen zu können. Die Antwort «es gaaht» auf die Frage «war’s gut» ist für mich unbefriedigend, denn ich finde, wenn ich doch schon anfange zu kochen, dann richtig und so, dass ein «gut», «sehr gut», oder gar «umwerfend» dabei herauskommt.

Bei Anton Mosimann und seinen Sterne-Köchen kam das Einsehen.

irgendwann schon irgendwie einmal im eigenen Restaurant steht. Der «Groschen» fiel dann allerdings bei Anton Mosimann. Wie kamen Sie denn zum Leibkoch ihrer Majestät, nach London? Ich habe ihm einfach geschrieben. Und schon bald konnte ich ihn für ein Gespräch in Lausanne treffen. Er hörte sich meine Vorstellungen an und sagte: «Nun gut, dann kommen Sie halt mal.» Und ich dachte, cool, dann gehe ich doch jetzt mal nach London. Als ich dann mein Talent in der Patisse-

rie zeigen konnte und die etablierten Sterne-Köche um mich herum immer wieder mit Nachdruck sagten, hör’ mal Mädchen, wenn du es ernsthaft und wirklich zu etwas bringen willst, dann musst du eine Kochlehre machen, da kam dann auch das Einsehen: Talent und Absicht allein genügen nicht, und als Stagiaire bliebe ich mehr oder weniger immer abhängig von Goodwill und käme nie auf das Niveau, das ich doch eigentlich erreichen wollte. Ich kehrte also in die Schweiz zurück und absolvierte mit mittlerweile 23 Jahren im «Davoser Hof» meine Kochlehre.

Nach der Lehre machten Sie Station bei «da Veraguth» in Sagnon. Was haben Sie dort gelernt und für sich mitgenommen? Hilda Veraguth ist eine ausserordentliche Perfektionistin, und die Führung ihrer Küche ist das, was man gemeinhin unter dem Begriff «harte Schule» zusammenfasst. Natürlich, ich habe sehr viel gelernt, und ich behaupte, nach der Kochlehre sollte jeder und jede zuerst an eine Stelle, wo es in jeder Beziehung nochmals so richtig anstrengend ist, denn je älter man wird, desto weniger ist man bereit, sich das «anzutun». Doch letztlich ist es eben genau das, was man auf seinem Weg als Köchin braucht. Für meine persönliche Küche lernte ich von Hilda Veraguth, «auf den Punkt» zu kochen. Man wird nach der Lehre nämlich gerne etwas zu «blumig»: Glaubt man, endlich das Handwerk zu können, fängt man gerne an zu experimentieren, kocht etwas mal so, dann wieder so, und übermorgen dann in einer nochmals anderen Variante. Veraguth hat mir beigebracht, mich beim Variieren nicht zu verlieren und genau zu sein. Einerseits hat mich die Disziplin sehr beeindruckt, andererseits empfand ich es aber auch als grossen Druck, immer alles perfekt zu machen und ja nichts zu verpatzen. Ich hatte dermassen grosse Ehrfurcht davor, durch einen Fehler «die Welt zum Untergang» zu bringen, dass ich in Veraguths Küche wohl auch et- ››› WOMEN IN BUSINESS · MAI 2010

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DA S g E S P R äc h

was zu gehemmt war. Ich habe mich aber zwei Jahre lang «durchgebissen», denn ich war mir sehr wohl bewusst, dass das, was ich von Veraguth lerne, ganz wichtig für mein Vorwärtskommen als professionelle Köchin ist. Ich brauchte dann aber schon einen Paradigmenwechsel. Und den gabs dann bei Ammann’s? Ja, ich wurde von René Ammann angefragt, ob ich mitmachen würde bei der Eröffnung von «Ammann’s» in Davos – damit lag dann plötzlich wieder eine neue Herausforderung vor mir. Und wenn ich jemandem etwas verspreche, dann halte ich das, und so legte ich mich voll «ins Zeug», denn: Versagen gibt’s bei mir nicht! Bei «Ammann’s» ging’s dann ja los für Sie mit den Gault Millau Auszeichnungen. Wie ist Gault Millau überhaupt auf Sie aufmerksam geworden? Da spielt nun zum zweiten Mal Anton Mosimann eine wichtige Rolle, und das ist eigentlich wieder eine zufällige

Geschichte: Zum Zeitpunkt des WEF gastierten bei uns viele Journalisten, unter anderen auch Gabi Baumann. Sie wollte für die Sonntags Zeitung eigentlich eine Geschichte zum Thema «Callgirls am WEF» recherchieren. Daraus wurde dann aber nicht viel, also musste sie sich eine neue Geschichte einfallen lassen. Und da Anton Mosimann ebenfalls in Davos war, um für einige prominente Gäste zu kochen, fragte sie ihn für ein Interview an. Für dieses Interview «entführte» Baumann Mosimann dann quasi ins «Ammann’s». Er hat dann nicht nur grosse Freude gehabt, mich wieder zu sehen, sondern auch daran, was in Sachen Kochen aus seiner ehemaligen Stagiaire geworden ist. Diese Geschichte lasen dann einige Leute, auch von Gault Millau. Und die wollten dann selber testen, ob diese Frau Wicki denn auch wirklich so gut kochen kann, wie der Mosimann erzählt. Offenbar hat’s dem Gault Millau dann auch geschmeckt, und so wurde ich 1999 zur «Entdeckung des Jahres» und mit 14 Punkten prämiert!

Und das hat dann einen ganz neuen Ehrgeiz in Ihnen geweckt und Sie schon bald darauf ins «Trois Rois» nach Basel geführt? So war das nicht ganz. René Ammann wollte sein Restaurant nach zwei Jahren verkaufen, die Geschichte neigte sich also so oder so für mich dem Ende. Wie es der Zufall dann halt so einmal mehr in meinem Leben wollte, wurde ich praktisch gleichzeitig zu Ammanns Absichtserklärung angefragt, ob ich als Küchenchefin für die «Rôtisserie des Rois» nach Basel käme. Im ersten Moment erschrak mich die Vorstellung, plötzlich einer 18-köpfigen Brigade vorzustehen. Doch war der Ehrgeiz halt auch da, eine wiederum neue und nochmals grössere Herausforderung anzunehmen – und zu meistern. Und ja, natürlich hatte ich Freude daran, plötzlich in der Gault Millau-Liga bei den Grossen mitzuspielen. Immer mehr Punkte zu erkochen, war aber nie meine Triebfeder, ich hatte vielmehr einen ganz persönlichen Ehrgeiz: Ich wollte als kleine, feine Frau beweisen,

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in Mitten dieser rauhen, anstrengenden und Männer dominierten Arbeitswelt der grossen Gastronomie ganz oben mitspielen zu können. Es ist ja eine Tatsche, dass in der Spitzen-Gastronomie auffällig wenig Frauen zu finden sind. Haben Sie eine Erklärung dafür? Die Frauen wollen sich das alles einfach nicht antun. Denn der Job ist enorm Kräfte raubend und anstrengend, und abgesehen davon sind die Arbeitszeiten ja schon nicht jederfraus Sache. Ich glaube, dass viele Frauen einerseits andere Ansprüche an Freizeit und Familienleben haben und andererseits auch nicht allzu begeisterungsfähig sind für die nötige knallharte Kommandantenrolle, mit der man Brigaden dirigieren muss. Es ist auch auffällig, dass die meisten der Spitzenköchinnen ihr Engagement mit ihren Lebenspartnern teilen, damit sie dann wenigstens über die Arbeit einen Teil Privatleben stattfinden lassen können.

«Wenn ich etwas mache, dann möglichst perfekt.»

Nochmals zurück zur «Rôtisserie des Rois»: Jetzt kam da also diese kleine Françoise Wicki und hatte es mit einem Schlag mit 18 Köchen zu tun. Wie lief das? Rückblickend muss ich ehrlich gestehen, dass dieser Schritt für mich vielleicht ein bisschen zu früh und zu jung passierte, dass das Ganze – wie man so schön sagt – drei Schuhnummern zu gross für mich war. Dass ich dann mit

16 Gault Millau Punkten ausgezeichnet wurde, war für mich eine umso schönere Belohnung, das es klappte. Und kaum sind die 16 Punkte da, zieht es Sie schon wieder weiter, nach Luzern, als Küchenchefin vom «Jasper» im Hotel Palace. Warum? Das hat zu einem nicht unwichtigen Teil damit zu tun, dass ich mich in Basel als Stadt einfach nicht richtig wohlfühlte; mir fehlte das Gefühl von «zuhause» zu sein. Als dann das Angebot aus Luzern eintraf, hielt mich deshalb nicht viel. Allerdings ging es mir dann in Luzern in dieser Hinsicht auch nicht besser. Ich entschied mich deshalb für eine Auszeit. Um von Grund auf darüber nachzudenken, was und wohin ich eigentlich will. Und was kam in dieser Auszeit zum Vorschein? Es kam heraus, dass ich nicht darüber hinweggehen kann, dass ich dort verwurzelt bin, wo ich aufgewachsen bin und meinen Freundeskreis habe. ›››

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«Der Job ist enorm Kräfte raubend und anstrengend.»

Diese Ortswechsel, fern von Zürich zu sein, das alles empfand ich letztendlich als grosse Einsamkeit. An jedem neuen Ort wieder neue Freunde zu suchen und zu finden, das ist enorm schwierig. Klar war für mich jedoch, dass ich sicher beim Kochen bleiben wollte. Ich wollte aber die für mich «steife» Atmosphäre der Grand Hotels nicht mehr um mich herum, und ich wollte dort sein, wo ich und meine Freunde herkommen. Die Welt des Kochens wollte ich für mich neu erfinden und alternative Ideen zu meinem Beruf als Köchin entwickeln. So entstand auch das Konzept von «friendly food», zusammen mit einer befreundeten Marketingagentur, und ich arbeitete im Team in verschiedene Richtungen wie Beratungen, Workshops, Kurse oder Bücher. Dieser Zweig ruht nun aber wieder etwas, genau gesagt, seit dem Zeitpunkt, als ich mich entschied, beim HotelRestaurant «Helvetia» (Helvti) mitzumachen. Landeten Sie damit nicht wieder genau in dem Fahrwasser, das Sie doch eigentlich verlassen wollten? Ursprünglich war ich beim Projekt Helvti ja eigentlich auch «nur» auf Consulting-Ebene involviert. Durch die logistischen Verhältnisse in der Küche und die Gespräche mit verschiedenen Aspiranten für den Küchenchef-Job wurde dann aber klar, dass die Ebene Consulting nicht wirklich befriedigend durchführbar wäre. Und bald ergab sich dann die Frage, ob nicht ich – wenigstens für eine Zeit lang – das Amt der Küchenchefin sel-

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Wickis «gastronomischer Dreiklang»: Beratung, Konzept und Gastgebertum.

ber ausführen wollte. Und jetzt gibt es zwei Dinge: Erstens, in Zürich existieren für mich persönlich zwei Plätze, denen ich bei einem Angebot nicht widerstehen könnte – der eine ist die Kronenhalle und der andere die Helvti. Zweitens gefiel mir das Konzept für die Helvti von Beginn weg ausgesprochen gut. Und nun, in einem meiner Lieblingsrestaurants im Herzen von Zürich und damit da, wo meine Wurzeln und meine Freunde herkommen, eine einfache, ehrliche und bodenständige Küche zuzubereiten, im Anspruch nicht zu hoch und nicht zu tief, von der

Grösse her familiär und überschaubar – was gibt es denn Schöneres, als jetzt «ja» zu sagen? Und was passiert mit «friendly food» in Zukunft? Dieser unternehmerische Teil von mir ruht im Moment. Ich möchte ihn aber auf jeden Fall weiter pf legen und später ausbauen; allzu lange möchte ich nun tatsächlich nicht mehr jeden Abend bis 23 Uhr in der Küche stehen. «friendly food» ist darum auch so etwas wie eine Altersvorsorge für mich, und zwar eine sehr wichtige.

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WO m E n I n h I StO RY

Erste Präsidentschaftskandidatin der USA Gewinnbeteiligung. Die Geister, die sie anrief, waren übrigens Liebesengel aus dem Sexgewerbe, die aus ihrer wohlhabenden Kundschaft allerlei Finanzwissen hinauszupressen verstanden. 1870 eröffneten die Schwestern mit dem erworbenen Geld als erste Frauen eine Broker Firma an der Wall Street, ein Jahr später wurde die Zeitschrift «Woodhull and Claf lin’s Weekly» begründet. Im Magazin fanden Themen aus verschiedensten Gebieten Eingang. So betrieb es einerseits Auf klärung in sexuellen Fragen und predigte die freie Liebe, anderseits gab es Börsennachrichten und Beiträge zu spirituellen Themen.

Sprachrohr der Frauen

Priorität hatte aber die Sache der Frau. So titelte Woodhull eines Tages: «Hiermit erkläre ich, dass ameCharakter mit rikanische Frauen das Wahlrecht Ecken und Kanten haben!» Mit der Begründung, dass in der Verfassung schliesslich vom Geboren im Niemandsland, irGeschlecht der Frau keine Rede sei. gendwo im US-Bundesstaat Ohio, Diese Worte brachten ihr eine Einversuchten Woodhull’s Vater als ladung vor den Rechtsauschuss des Kleinkrimineller und die Mutter Brachte das amerikanische PolitUS-Kongresses, wo sie als erste Frau als esoterische Wunderheilerin die Establishment aus der Fassung: engagiert ihre Sache vertrat. Die Puzehnköpfige Familie mehr schlecht Victoria Claf lin Woodhull Martin blizistin avancierte zum wichtigsten als recht über die Runden zu brin(1838 – 1927) Sprachrohr der Frauenbewegung gen. Mit Innovationsgeist zu überleund wurde 1872 von der progressiben, war es dann wohl auch, was die ven «Equal Rights Party» zur ersten junge Victoria aus ihrem Elternhaus weiblichen Präsidentschaftskandidamitnahm, als sie mit 16 den Arzt tin erkoren. Doch war die exzentriCanning Woodhull ehelichte. Diesen, er verbrachte die meiste Zeit im alkoholisiertem Deliri- sche und freizügige Art der wilden Frau zuviel für das prüde um, verliess sie jedoch nach nur wenigen Ehejahren wieder. Amerika. Andauernde Angriffe und willkürliche Prozesse Mit ihren zwei Kindern und Schwester Tennessee wanderte mit darauffolgenden Gefängnisaufenthalten veranlassten sie durch den mittleren Osten und beriet die vom Sezessi- sie später, nach England überzusiedeln. In Amerika wurde sie in der Zwischenzeit aus den Geschichtsbüchern gelöscht. onskrieg geplagte Bevölkerung als Wahrsagerin. Durch die Bekanntschaft mit dem Eisenbahnmagnat Cor- Als kürzlich ein Kandidat beim US-amerikanischen «Wer nelius Vanderbilt, der von ihr Prognosen für die Entwick- wird Millionär» danach gefragt wurde, wer die erste Kandilung der Börsenkurse erhielt, landete sie einen grandiosen datin für das Präsidentenamt war, musste er aufgeben. Coup: Klug, wie Victoria war, sicherte sie sich eine hohe Roderick Panchaud

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FOTO: PD

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ie alte Dame aus der Grafschaft Worcestershire in Zentralengland wirkte äusserst zufrieden, als sie am 5. Juni 1920 im Alter von 82 Jahren die lokalen Medien zu einer einmaligen Pressekonferenz eingeladen hatte. Tags zuvor wurde im fernen Amerika mit dem 19. Verfassungsartikel nach jahrelangem Hin und Her das nationale Frauenstimmrecht beschlossen. Was aber keiner der anwesenden Journalisten wusste: Victoria Woodhull, ebendiese leicht skurril wirkende Greisin, war an diesem Meilenstein der amerikanischen, ja gar globalen Geschichte massgeblich beteiligt. Sie war die erste Amerikanerin, die für die Präsidentschaft kandidierte.


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